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Archäologischer Landschaftspark Nettersheim

 

Archäologischer Landschaftspark Nettersheim

Archäologischer Landschaftspark Nettersheim

Anschrift:

Naturzentrum Eifel in Nettersheim, Urftstr. 2-4, 53947 Nettersheim

Anfahrt:

Der Archäologiepark beginnt am Naturzentrum Eifel in Nettersheim. Der Ort ist mit dem Auto über die A1 zu erreichen.

Es gibt auch einen Bahnhof, der von Regionalzügen aus Köln, Trier und Gerolstein angefahren wird, so daß Nettersheim für Eifelverhältnisse auch mit dem öffentlichen Nahverkehr sehr gut erreichbar ist.

Am Naturzentrum bestehen Parkmöglichkeiten, sowie die Möglichkeit zur Einkehr bei Cafe und Kuchen. Dort gibt es auch Informationen, Wegbeschreibungen und Wanderkarten.

Der Landschaftspark kann auf einem 4,5 km langen Rundwanderweg durchwandert werden, der am Naturzentrum startet und mit einem Matronenlogo markiert ist. Alternativ kann die ebenfalls hier startende, 12 km lange Route „Archäologie entdecken“ erwandert werden, die an weiteren römischen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt, wie dem Beginn der Eifelwasserleitung, die einst Köln mit 20 Millionen Litern Trinkwasser täglich versorgte.

Neben dem eigentlichen Rundweg durchquert den Landschaftspark auch der Pfad „Archäologie Erleben“, der Eifelsteig, der Erlebnispfad, ein Wanderweg nach Marmagen und die 3-Flüsse-Tour. Außerdem führt hier der Römerkanal-Wanderweg von Nettersheim nach Köln (110 km), an dem 50 Stationen mit römischen Bauwerken zu finden sind.  Auch der Radweg „Erlebnisraum Römerstraße“ führt entlang der Agrippastraße nach Köln (75 km).

Hintergrund:

Ein beliebtes Highlight ist das Matronenheiligtum

Ein beliebtes Highlight ist das Matronenheiligtum

Der Matronentempel „Görresburg“ auf einer Anhöhe oberhalb des Flusses Urft war schon seit 1909 bekannt und ein beliebtes Ausflugsziel in der Region. Daß sich dieser Tempel in unmittelbarer Nähe der römischen Schnellstraße zwischen Trier und Köln, der Agrippastraße, befand, war ebenfalls bekannt. Auch wurde in der Nähe immer eine zivile Siedlung, ein vicus, vermutet, Hinweise fand man auf Meilensteinen.

Im Jahr 2009 wurde das Gelände von der Universität Köln mit neusten geophysikalischen Methoden komplett neu untersucht. Dabei entdeckte man neben dem Verlauf der Agrippastraße auch zahlreiche Fundamente von Streifenhäusern, die sich vom Tempel bis hinunter an die Urft ziehen und beidseitig der Straße liegen. Funde wie handwerkliche Gegenstände und Schlackereste deuteten darauf hin, daß es sich hierbei vor allem um die Häuser von Handwerkern und Händlern gehandelt hat, die im vorderen Teil an der Straße ihr Geschäft betrieben und im hinteren Teil der Häuser wohnten.

Die Urft wurde von einer Brücke gequert, die breit genug für Fuhrwerke war. Jenseits der Brücke lag ein Kleinkastell, in dem die Beneficarier stationiert waren, die hier besonders den Matronenkult pflegten. Ihre Aufgabe bestand neben dem Schutz der Straße und des Ortes wahrscheinlich auch in der Erhebung von Zöllen.

Den Matronen werden gerne Weihegaben gebracht

Den Matronen werden gerne Weihegaben gebracht

Der Fundort hat für die Archäologen den einmaligen Vorteil, daß die römischen Fundamente sich nur 20 cm bis 70 cm unterhalb der Erdoberfläche befinden, so daß man zwar zur ersten Grabung mit einem Bagger anrückte, zur Freude der Grabungsteilnehmer aber schon mit einem Spaten schnell auf die römischen Funde stieß. Da das Gelände niemals überbaut wurde oder landschaftlich genutzt und umgepflügt wurde, liegt hier eine einmalige Fundsituation vor – im Gegensatz zu Städten wie Köln, wo erst mehrere Meter Mittelalter durchgraben werden müssen, um in die römischen Schichten zu gelangen.

Die Grabungen halten bis heute an und das Gelände wird nun von der Universität Köln vor allem für Lehrgrabungen angehender Archäologen verwendet. Daneben bietet auch das Naturzentrum Nettersheim interessierten Laien die Möglichkeit, an Grabungscamps unter fachkundiger Führung teilzunehmen und mitzuhelfen.

Es ist allerdings nicht geplant, den kompletten vicus freizulegen, da das zu Problemen bei der Erhaltung führt, denn alles, was ausgegraben wurde, ist der Verwitterung ausgesetzt. Hier wird abgewogen zwischen der Präsentation von Funden für die Öffentlichkeit und der Erforschung von Teilbereichen, die anschließend jedoch wieder zugedeckt werden. Genauso wenig ist eine komplette Rekonstruktion von Gebäuden geplant, wie man es zum Beispiel von der Mosel vom Lenus-Mars-Tempel bei Pommern oder dem römischen Höhenheiligtum auf dem Calmont kennt.

Blick entlang der Agrippastraße in den Vicus Marcomagus, die Schneise im Wald verdeutlicht den weiteren Verlauf der Straße

Blick entlang der Agrippastraße in den Vicus Marcomagus, die Schneise im Wald verdeutlicht den weiteren Verlauf der Straße

Im Rahmen der Freilegung des vicus und des Kastells wurde auch der Matronentempel archäologisch neu bewertet und im Rahmen einer Magisterarbeit untersucht. Dabei kam man zu neuen Erkenntnissen, die zu einer neuen Interpretation des Aufbaus und der Nutzung der Tempelanlage führten.

Die Tempelanlage wurde neu aufgemauert und die Weihesteine umgesetzt. Die Fundamente einiger Streifenhäuser sind ebenfalls freigelegt, die Position weiterer Gebäude wurde durch Aufschüttungen angedeutet. Auch das Kastell wurde auf den alten Fundamenten aufgemauert, um dem Besucher eine Vorstellung der Größe zu vermitteln. Der Verlauf der Agrippastraße wurde durch Schotter dargestellt. In der Verlängerung jenseits des Parks wird durch eine angedeutete Schneise in den Wäldern der Eifel der weitere Verlauf angedeutet.

Man geht heute davon aus, daß es sich bei dem vicus, der sich unmittelbar an den Tempel anschließt und sich hinab bis zur Urft zieht, um den Ort Marcomagus handelt, der auf römischen Karten eingezeichnet ist.

Marcomagus ist aus alten römischen Karten bekannt

Marcomagus ist aus alten römischen Karten bekannt

Ursprünglich hielt man das einige Kilometer entfernte Eifeldorf Marmagen für diesen Ort, dort wurden jedoch keine Funde gemacht, die auf eine so wichtige Siedlung hindeuteten. Wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, daß sich die Position des Ortes in fränkischer Zeit verlagerte, wie es häufiger der Fall war, so daß daraus auch die Verschiebung des Ortsnamens resultiert.

Aufgrund der guten Fundlage wurde beschlossen, die Gegend touristisch zu erschließen und für Besucher Archäologie erlebbar zu machen. Deswegen wurde der Archäologische Landschaftspark eingerichtet, in dem die Sehenswürdigkeiten auf einem Rundweg erwandert werden können. Informationstafeln und Erlebnisstationen runden den Eindruck ab.

Zudem wurde im Museum im Obergeschoß des Naturzentrums auch eine Abteilung für römische Geschichte der Region eingerichtet, die weitere Hintergründe zum Matronenkult und zum römischen Alltagsleben in der Eifel vermittelt.

Der Park wurde am 18. Mai 2014 mit einem Römer- und Eburonenlager sowie fachkundiger archäologischer Betreuung eröffnet und erfreut sich seitdem großer Beliebtheit.

Beschreibung:

Der Rundweg ist mit dem Matronenlogo gut ausgeschildert

Der Rundweg ist mit dem Matronenlogo gut ausgeschildert

Am Naturzentrum Eifel beginnt der Rundweg, der durch den Landschaftspark führt. Er ist mit einem Matronenlogo markiert und die Ausschilderung ist vorbildlich. Eine Faltkarte mit den verschiedenen Stationen ist kostenlos im Naturzentrum erhältlich. Der Park ist nur zu Fuß zu erwandern, aber auf weiten Strecken Rollstuhl-, Fahrrad- und Kinderwagengerecht.

An einigen Stellen (wie hinauf zum Tempel) hat man die Wahl, einen unwegsameren Wanderweg zu benutzen, oder den gut ausgebauten, asphaltierten und einfacheren Weg.

Als erste Station erreicht der Besucher nach etwa 1,5 Kilometern den Matronentempel, der auf einer Anhöhe liegt. Hier kann man entweder dem asphaltierten Hauptweg folgen oder einen steilen Hohlweg erklimmen.

Auf dem Gipfel befindet sich die etwa 1,30 Meter hohe aufgemauerte Tempelanlage sowie eine kleine Schutzhütte mit Sitzbank. Informationstafeln vermitteln Hintergrundwissen zum Tempel auf der Grundlage neuer Untersuchungen.

Wer den Tempel von früher kennt (d.h. vor 2014), wird sich über die Umgestaltung wundern, denn die drei Weihesteine, die ursprünglich neben dem Eingang der Cella standen, sind verschwunden. Stattdessen reihen sich nun Weihesteine um den Tempel herum auf, während der Eingangsbereich leer bleibt, wie es neue wissenschaftliche Erkenntnisse andeuten. Auch wurden die alten Weihesteine durch neue Repliken ersetzt, die zum Teil aber nicht so detailliert gearbeitet sind wie die alten Steine, die uns persönlich besser gefallen haben. Diese wurden, laut einem archäologischen Mitarbeiter des Naturzentrums, leider oft vandalisiert und Souvenierjäger brachen sich Stücke davon ab. Die neuen Repliken sind vermutlich günstiger herzustellen und zu ersetzen, wenn sie Schaden genommen haben.

Wir hätten es gut gefunden, wenn man einige der Steine angemalt hätte, wie es zu römischer Zeit üblich war, als Statuen und Steine bunt bemalt waren (die Vorstellung weißer Statuen und Steine ist relativ neu und entspricht nicht der römischen Realität, die überaus farbenfreudig war).

Die Informationstafeln sind gut gemacht und reichlich vorhanden

Die Informationstafeln sind gut gemacht und reichlich vorhanden

Weihegaben sind aber auch auf den neuen Steinen zu finden und können dort problemlos abgelegt werden.

Auf dem höchsten Punkt der Anhöhe sind zwei Holzpfosten mit Gucklöchern errichtet, durch die Erwachsene und Kinder auf den darunterliegenden vicus von Marcomagus blicken und den Verlauf der Agrippastraße bis in die fernen Wälder verfolgen können. Auch hier gibt es Informationstafeln.

Vom Tempel folgt der Rundweg der römischen Schnellstraße hinab bis zur Urft. Links von der geschotterten Straße befinden sich die niedrig aufgemauerten Reste dreier Streifenhäuser, die man auch betreten kann, um sich einen Eindruck von der Größe dieser Geschäfts- und Wohnhäuser zu machen. Infotafeln vermitteln einen guten Eindruck, wie man sich das rege Treiben an der Hauptstraße vorstellen kann, das wohl eine Mischung aus stark bereister Fernstaße mit Geschäften und Handwerkern sowie Pilgerumtrieben war, wie man sie aus Wallfahrtsorten wie Kevelaer kennt.

Der Weg zieht sich hinab ins Urfttal und macht dort einen weitläufigen Bogen, um den Bahndamm zu überqueren, der sich quer durch den Landschaftspark zieht. Jenseits des Bahndamms setzt sich die Straße fort und stößt auf eine schmale Holzbrücke über die Urft. Sie befindet sich, wie Funde von Holzpfosten beweisen, an der originalen Stelle, an der einst die Agrippastraße die Urft überquerte. Die damalige Brücke war jedoch deutlich breiter, da sie von Wagen, Reitern und schweren Gespannen überquert werden mußte. Die heutige Brücke ist gerade breit genug für einen Fußgänger, stellt jedoch einen Kompromiß dar, da es vor der Errichtung Diskussionen mit Naturschützern gab, deren Bedenken durch die schmale, hölzerne Konstruktion schließlich ausgeräumt werden konnten.

Am Römerweiher

Am Römerweiher

An die Brücke schließt sich ein römischer Meilenstein und dahinter das Kastell an. Auch hier finden sich einige Informationstafeln. Das Kastell ist ebenfalls zum Teil aufgemauert, so daß vor allem der Eingangs- und Ausgangsbereich erkennbar ist, die so breit waren, daß man sie mit einem Fuhrwagen passieren konnte.

Der Rundweg führt auf dieser Uferseite der Urft zurück Richtung Nettersheim, vorbei am sogenannten „Römerweiher„, der tolle Wasserspiegelungen zu bieten hat.

Zuletzt wird eine Taverne passiert, in der man einkehren und einen römischen (oder modernen) Imbiß zu sich nehmen kann. Bei schönem Wetter kann man auch draußen sitzen. Hier befinden sich auch die historischen Werkhäuser von Nettersheim, in denen man römisch übernachten kann, sowie selbst an Kochveranstaltungen zur römischen Küche teilnehmen kann.

Gegenüber der Taverne liegen begehbare Kalkbrennöfen aus dem 19. Jahrhundert, bevor der Rundweg am Bahnhof Nettersheim die Gleise überquert und zurück zum Naturzentrum führt.

Die Brücke über die Urft führt zum Meilenstein und dem Kastell

Die Brücke über die Urft führt zum Meilenstein und dem Kastell

Im Naturzentrum sollte man sich noch das Museum anschauen und einen Blick in den Museumsshop werfen, wo es Matronenrepliken sowie Buchstützen mit dem Medusenhaupt der römischen Eifelwasserleitung zu kaufen gibt, außerdem Bücher und römische Münzen.

Der Park ist sehr gepflegt, vorbildlich beschildert und wird von engagiertem Personal betreut, dem die Vermittlung von Natur und Archäologie ein persönliches Anliegen ist.

Das durch das ganze Jahr gebotene Programm ist vielseitig und der Archäologische Park, der sich in einer steten Weiterentwicklung befindet, ist sicherlich ein attraktives Reiseziel in der Eifel, das leicht mit weiteren, in der Nähe gelegenen Zielen (wie den Matronentempeln von Pesch und Zingsheim, oder dem Beginn der Eifelwasserleitung) kombiniert werden kann.

Nicht zuletzt ist die Gegend auch landschaftlich sehr reizvoll mit den Hügeln, Wäldern und weiten Feldern der typischen Eifellandschaft.

Öffnungszeiten und Führungen:

Archäologie zum Anfassen

Archäologie zum Anfassen

Das Naturzentrum ist montags bis freitags von 9-16 Uhr geöffnet, samstags und sonntags von 10-16 Uhr. In den Sommermonaten (Mai bis Oktober) sind die Öffnungszeiten verlängert bis 18 Uhr.

Der Park selbst ist nicht umzäunt oder abgeschlossen, er kann rund um die Uhr betreten und erwandert werden (ist aber natürlich nicht beleuchtet, sondern liegt tief inmitten der Eifellandschaft).

Eintritt in den Park wird nicht erhoben. Auch der Besuch des Erdgeschosses des Naturzentrums mit Museumsshop, sanitären Anlagen, Korallenriff, Cafeteria, Veranstaltungsraum, Wickelraum, ist kostenlos.

Die Austellungen im Obergeschoß, inklusive dem nahe gelegenen Haus der Fossilien, den Werkhäusern und historischem Bauernhaus kosten 3€ für Erwachsene, 1€ für Kinder und 4€ für Familien.

Geführte Wanderungen und Exkursionen können beim Naturzentrum gebucht werden. Auch gibt es zahlreiche Angebote für Schulklassen und Gruppen mit römischen Themengebieten wie „Römische Werkstatt“, „Die Römer bitten zu Tisch“, „Römische Schönheitspflege“, „Römer-Olympiade“ etc.

Sonstiges:

Die Streifenhäuser des Handwerkerbezirks entlang der Straße

Die Streifenhäuser des Handwerkerbezirks entlang der Straße

Das Naturzentrum bietet auch einen Fahrradverleih, sowie die Fahrt im römischen Reisewagen (der für Gruppen vorab gebucht werden muß). Auch Geologenhammer, Lupe, Fernglas oder eine „Erlebnistasche Archäologie“ kann geliehen werden. Als besonderen Clou kann man sich auch das Marschgepäck eines römischen Legionärs ausleihen, um damit einmal hautnah zu erleben, wieviel ein Legionär mit sich herumtrug.

Fotografieren ist überall erlaubt.

Am Naturzentrum findet jährlich ein Römer- und Eburonenlager statt. Die Termine sind dem Veranstaltungsplan auf der Website des Naturzentrums zu entnehmen.

Weiterführende Informationen:

Am Ausgang des Kastells ist der weitere Verlauf der Agrippastraße gut sichtbar

Am Ausgang des Kastells ist der weitere Verlauf der Agrippastraße gut sichtbar

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