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Antike Stätten: Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim

 

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Lageplan

 

Anschrift: 

Deutsche Seite: Robert-Schumann-Str. 2, 66453 Reinheim (Saarland)

Französische Seite: 1 Rue Robert Schumann, 57200 Bliesbruck.

GPS: 49°08’07″N, 7°10’59″E

Anfahrt:

Das Gelände des „Europäischen Kulturparks Bliesbruck-Reinheim“ (französisch: Parc Archéologique Européen de Bliesbruck-Reinheim) liegt zum Teil in Frankreich, zum Teil in Deutschland.

Das Gelände des Archäologieparks ist weitläufig und zu großen Teilen frei begehbar, lediglich die überdachten Attraktionen kosten Eintritt. Deswegen kann man den Park auch von unterschiedlichen Seiten aus betreten; kostenlose Parkplätze befinden sich sowohl auf der französischen als auch auf der deutschen Seite. Ein großer Parkplatz (P2) liegt unter der Bliesbrücke in Reinheim.

Mit dem Auto ist der Park gut zu erreichen, das Navi kennt beide Adressen.

Er ist auch gut an die Öffentlichen Verkehrsmittel angeschlossen: ab Kleinblittersdorf, Homburg und Blieskastel-Lautzkirchen fährt stündlich der Biosphärenbus 501 bis zur Haltestelle Reinheim-Kulturpark. Homburg und Lautzkirchen sind mit der Deutschen Bahn erreichbar, Kleinblittersdorf mit einer Stadtbahn, die auch im französischen Sarreguemines hält.

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Es gibt viel zu sehen im Park

Für wen die Anreise für einen Tagestrip zu weit ist oder wer den Besuch mit weiteren Attraktionen in der Region, wie dem Archäologiepark Schwarzenacker verbinden möchte (wie wir es getan haben), der hat in der Umgebung verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten. Die nächsten größeren Städte sind Sarreguemines auf französischer Seite (hier haben wir übernachtet), sowie Zweibrücken, Blieskastel und Saarbrücken auf deutscher Seite.

 

Hintergrund:

Der Archäologiepark umfasst ein Gelände von 700.000 Quadratmetern und erstreckt sich über 1,2 km Länge inmitten des UNESCO Biosphärenreservats Bliesgau im Tal des Flusses Blies.

Das Motto des Parks lautet: „Geschichte grenzenlos erleben“, denn die Staatsgrenze zwischen Frankreich und Deutschland führt mitten durch das Parkgelände.

Im Mittelpunkt des Parks steht die gallo-römische Geschichte der Region. Mehrere archäologische Sehenswürdigkeiten aus der keltischen und römischen Geschichte sind hier freigelegt und werden anschaulich präsentiert.

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Die römische Palastvilla mit rekonstruiertem Nebengebäude

Der erste archäologische Fund, den man auf dem Gelände machte, war der einer römischen Palastvilla, die sich heute auf der deutschen Seite befindet. Das Villengelände hat eine Grundfläche von 7 ha (70.000 Quadratmeter) und gehört damit zu den größten gallo-römischen Villenanlagen im Raum Saar-Mosel. Von der Größe her vergleichbare „Palastvillen“ sind z.B. aus dem luxemburgischen Helmsange oder aus Echternach bekannt.

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Eingang zum Gelände der Palastvilla

Nach ersten Grabungen im 19. Jahrhundert ab 1806 wurde die römische Palastvilla systematisch ab dem Jahr 1987 freigelegt. Heute ist sie nahezu vollständig ausgegraben und gilt als ein Musterbeispiel für gallo-römische Wohnkultur der einheimischen Oberschicht im 1. bis 4. Jahrhundert. Über diesen Zeitraum war die Villa in verschiedenen Nutzungsphasen bewohnt.

 

Zum Zweck der Veranschaulichung wurden einige Teile der Villa, wie Gebäude und Umfassungsmauern, rekonstruiert oder teilrekonstruiert. Funde aus der Villa sind im Obergeschoß des (modernen) Restaurants zu finden, das sich in einem der rekonstruierten Nebengebäude befindet.

Im französischen Teil befindet sich ein römischer vicus, eine Kleinstadt. Hierbei handelt es sich um die Nachbarstadt der im ca. 30 km entfernten Archäologiepark Schwarzenacker zu besichtigenden Kleinstadt.

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Hauptstraße des Handwerkerviertels im römischen vicus

Der römische Name des Ortes ist bislang unbekannt.

Die Straßensiedlung, in der zur Blütezeit um die 2000 Menschen lebten, war vom 1. bis zum 5. Jahrhundert n. Chr. bewohnt. Es sind mehrere Stadtviertel bekannt, etwa ein Handwerkerviertel mit unterschiedlichen Werkstätten (Schmiede, Bäckerei), das sich an der Hauptstraße befand. Daneben gab es eine große, eindrucksvolle Thermenanlage, die sich heute unter einem Schutzbau befindet, eine Brunnenanlage zur Wasserversorgung, sowie eine Basilika, die für Versammlungen genutzt wurde.

Viele der Gebäude im Handwerkerviertel sind, was ebenfalls bemerkswert ist, unterkellert.

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Rekonstruktionszeichnung der Thermenanlage (auf einer Infotafel im Park)

Der römische vicus wurde im Jahr 1971 beim Kies- und Sandabbau für Straßenbauarbeiten entdeckt. Erste Freilegungen erfolgten unsystematisch durch Notgrabungen, bevor man Ende der 70er Jahre mit systematischen Grabungen und Forschungen begann.

In den Jahren 1952-1955 entdeckte man in der Region zudem fünf römische Kalköfen.

Im Jahr 1954 gelang – wiederum beim Sand- und Kiesabbau – einer der spektakulärsten Funde, welche die Region archäologisch überregional bekannt machte: drei keltische Grabhügel aus der Frühlatène-Zeit, von denen einer ein komplett erhaltenes keltisches Fürstinnengrab samt Grabbeigaben beinhaltete (370 v. Chr.). Neben den Überresten der Bestatteten beinhaltete die Grabkammer reichhaltigen Goldschmuck, sowie diverse andere Wertgegenstände, zum Beispiel Gefäße, die Zeugnis für den Handel der Einheimischen mit fernen Regionen ablegten.

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Die Grabhügel mit dem Fürstinnengrab

Im Jahr 1999 wurden diese Grabhügel in ihrer ursprünglichen Form rekonstruiert.

Das Fürstinnengrab wurde in einer unterirdischen Kammer in musealer Form inszeniert, um Besuchern den Aufbau und die Bedeutung der Fundstücke nahezubringen.

Aufgrund der vielfältigen archäologischen Funde wurde im Jahr 1989 der Europäische Kulturpark Bliesbruck-Reinheim unter Federführung der Stiftung Europäischer Kulturparks gegründet, um die überregional bedeutsamen Funde zu bewahren und der Öffentlichkeit zu präsentieren, sowie um weitere Forschungen und Grabungen zu ermöglichen.

Weitere Träger sind zudem das französische Ministerium für Kunst und Kultur, das Saarland, sowie die Gemeinde Gersheim. Initiator der Parkgründung war Jean Schaub, der den römischen vicus entdeckte und nach dem heute das Informationszentrum benannt ist.

Der Park wurde vom französischen Kultusministerium in die Liste der bedeutsamsten archäologischen Stätten Frankreichs aufgenommen.

Das Außengelände des Parks wurde seit der Gründung immer weiter ausgestaltet und didaktisch erweitert, um den Informationsgehalt für die Öffentlichkeit zu verbessern. So wurden Schutzbauten um die Thermen und einige Teile des vicus errichtet, Teile der Villa rekonstruiert, das Fürstinnengrab ausgebaut, alles grenzüberschreitend mit mehrsprachigen Informationstafeln versehen und ein Ausstellungszentrum eröffnet. Hier finden auch regelmäßig Sonderausstellungen statt.

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So könnte der Ort zu römischer Zeit ausgesehen haben

Daneben wird der Park in der Region regelmäßig für öffentliche Führungen, aber auch für diverse Veranstaltungen genutzt, die nicht nur Archäologie zum Thema haben, sondern auch Geschichte, Natur oder Kultur, um auch neue Besuchergruppen anzuziehen. Fest etabliert hat sich neben einem Antikenspektakel auch ein jährliches Heißluftballon- und Drachenfestival. An Aktionstagen werden didaktische Veranstaltungen geboten, die sich z.B. mit römischer Ausrüstung, Schmuck oder Küche beschäftigen, aber auch praktische Veranstaltungen wie Kindergrabungen, Schmuckherstellung oder Töpfern.

Neben der Funktion als Freilichtmuseum wird im Park nach wie vor Forschung betrieben, die sich mit der Geschichte der gesamten Region von der Bronzezeit bis heute befasst. Der Park stellt deswegen heute eines der wichtigsten archäologischen Forschungszentren Europas dar.

Die wissenschaftlichen Ergebnisse werden in einer eigenen Schriftenreihe, den BLESA-Bänden, publiziert.

 

Beschreibung – unser Eindruck:

 

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Kräutergarten und Nebengebäude der Villa

Der Kulturpark kann an zahlreichen Stellen betreten werden; abgeschlossene Ein- und Ausgänge gibt es nicht. Er wird deshalb von der Bevölkerung für Spaziergänge und Naherholung genutzt.

Lediglich die überdachten Attraktionen sind kostenpflichtig; Tickets können an verschiedenen Stellen des Parks erworben werden.

Die Parkplätze, die sich an verschiedenen Zugängen des Parks befinden, sind kostenfrei nutzbar und bieten genug Platz selbst bei größeren Veranstaltungen. Es spielt im Prinzip keine Rolle, wo man mit der Erkundung beginnt. Wir begannen bei unserem letzten Besuch, anläßlich des „Antikenspektakels 2017“, auf der französischen Seite beim römischen vicus.

Die zentrale Anlaufstelle am französischen Parkplatz ist dabei das Informationszentrum CREX (Centre d’Éxposition). Hier befindet sich eine Kasse, an der man das Kombiticket für den ganzen Park erwerben kann, ein Museumsshop, eine Touristeninformation, Toiletten, Veranstaltungsräume und die Dauerausstellung.

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In der Dauerausstellung sind Funde aus dem vicus zu sehen, wie diese Zeugnisse des häuslichen Kultes

Das Personal an der Kasse ist mehrsprachig und hilfsbereit, so daß keine Französischkenntnisse notwendig sind, um sich zurechtzufinden. Hier erhält man auch einen Lageplan über das Gelände, um sich einen Überblick darüber zu verschaffen, wo sich was befindet.

Der Plan des Geländes kann auch hier als PDF herunterladen werden.

In der Dauerausstellung kann man sich über den Park, über die einzelnen Gebäude und die Siedlungsgeschichte des Bliesgaus informieren. Sie ist mehrsprachig beschriftet und informativ gestaltet.

Folgt man dem geschotterten Fußweg vom Gebäude aus nach rechts, gelangt man zum römischen vicus. Die Besichtigung des Handwerkerviertels ist kostenlos, lediglich für den Schutzbau der Therme benötigt man eine Eintrittskarte.

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Der Schutzbau der Thermen erlaubt einen guten Überblick

Der weitläufige vicus ist informativ beschildert und kann auf einem Rundgang erwandert werden. Die Thermen liegen in einem überdachten hölzernen Schutzbau.

Die Gebäude des vicus, insbesondere die Keller, sind zum Teil begehbar. Man kann sich frei in der Siedlung bewegen und der Hauptstraße folgen, oder aber in und zwischen den Gebäuden herumlaufen. Die Thermenanlagen sind im Schutzbau gut präsentiert und man erhält von den erhöhten Balkons, die sich oberhalb der Thermenräume und der Hypokaustenanlage befinden, einen guten Überblick.

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Hypokaustenanlage der Thermen

Folgt man dem Weg links vom Informationszentrum aus gesehen, in Richtung Parkplatz, erreicht man einen kleinen See. Hinter dem See verläuft die Landesgrenze zwischen Deutschland und Frankreich, die mit einem speziellen, den Gedanken der offenen Grenze versinnbindlichen Gebäude gekennzeichnet ist.

Kurz vor der Grenze weist eine Hinweistafel auf den nahegelegenen Hügel des Homerich hin, der bereits zur keltischen Zeit intensiv genutzt wurde, zu römischer Zeit als Kultplatz diente, wie durch Funde von Glöckchen und Opfergaben, sowie mögliche Tempelfundamente belegt ist, dann zur Merowingerzeit wiederum als Grabhügel diente, bis man ihn bis zum 17. Jahrhundert als Hinrichtungsstätte nutzte.

Auf dem deutschen Teil erreicht man dann die äußere Umfassungsmauer des Villengeländes mit einem rekonstruierten Eingangstor. Die eindrucksvollen Ausmaße des Außengeländes werden durch rekonstruierte Mauern und eine Informationstafel verdeutlicht. Das Villengelände ist kostenfrei begehbar.

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Überblick über das westliche Handwerkerviertel

In der linken Hälfte des Villengeländes befindet sich ein rekonstruiertes Nebengebäude, das landwirtschaftliche Funktion hatte.

Ein Durchlass in der Mauer erlaubt es, ein kleines keltisches Dorf zu besichtigen, das – im Gegensatz zur prunkvollen Palastvilla – das einfache Leben der bäuerlichen Landbevölkerung demonstrieren soll. Dieses keltische Dorf enthält einige Fachwerk-Lehmhütten und einen keltischen Pfahlgott.

Leider macht dieses Keltendorf, im Gegensatz zum übrigen Gelände, einen nicht ganz so taufrischen Eindruck und wirkt etwas vernachlässigt. Achtlos standen hier Überbleibsel einer Veranstaltung herum, wie Bierbänke und Plastikplanen, die den informativen Charakter des Ortes deutlich schmälerten und die Illusion beeinträchtigten.

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In der keltischen Siedlung braucht der deprimiert dreinschauende Pfahlgott Trost

Die Palastvilla selbst ist nicht rekonstruiert (wie etwa die Villa Borg), aber in ihren Grundmauern mit den zahlreichen Räumen gut im Gelände zu erkennen und durch Informationstafeln beschrieben.

In einem rekonstruierten Nebengebäude befindet sich ein Restaurant, römische Taverne genannt, in der man kleinere Gerichte und Snacks (wie die obligatorischen Pommes) zu sich nehmen kann.

Im oberen Stock des Restaurants befindet sich das Museum zu den Funden der Palastvilla. An unserem Besuchstag war die Taverne allerdings wegen einer geschlossenen Gesellschaft (Hochzeit) nicht zugänglich, so daß wir auch nicht in das Museum konnten. Das ist natürlich etwas unglücklich gelöst, wenn man das Museum bei Veranstaltungen des Restaurants nicht besuchen kann.

Zur Villa gehört ebenfalls ein teilrekonstruierter Säulengang und ein umfangreicher, begehbarer römischer Kräutergarten, der einen gepflegten Eindruck machte. Alles in allem wirkt das ganze Villengelände ordentlich und aufgeräumt.

Hinter der römischen Villa sind bereits aus der Ferne eindrucksvoll die drei keltischen Grabhügel erkennbar, die mit Gras bewachsen sind. Überall stehen Sitzbänke, so daß Spaziergänger die Gelegenheit gerne nutzen, sich auf dem Gelände der Villa und rund um die Grabhügel zu erholen. Die Grabhügel sind auch begehbar, wie darauf herumkletternde Kinder belegten.

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Grabhügel mit dem keltischen Hund aus dem Fürstinnengrab

Vor einem Grabhügel befindet sich die überlebensgroße Replik eines keltischen Hundes, wie er am Henkel eines Trinkgefäßes aus dem Fürstinnengrab gefunden wurde. Er ist das Wahrzeichen des Parks und kann im Museumsshop auch als kleine Figur erworben werden.

Neben den Grabhügeln sticht ein architektonisch extravagantes Gebäude ins Auge, der Eingangsbereich zum Fürstinnengrab. Hier befindet sich eine Kasse, da der Grabbesuch kostenpflichtig ist. Das Personal hier im deutschen Teil ist ebenfalls mehrsprachig, die Frau hinter der Theke war sehr freundlich und hilfsbereit und gab uns auf Nachfrage gerne auch weiterführende Auskünfte. An der Kasse ist zudem ein kleiner Museumsshop zu finden, der Fachliteratur, aber auch kleine Andenken wie die besagte Hundefigur anbietet.

Im Eingangsbereich des Gebäudes sind einige Informationstafeln zum Fürstinnengrab zu finden, außerdem eine Spielmöglichkeit für Kinder, wo sie z.B. keltische Nahrungsmittel erraten können.

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Das unterirdische Grab ist stimmungsvoll inszeniert

Das Grab selber befindet sich in einer unterirdischen Grabkammerkuppel aus Beton, in die man auf einer gewendelten Treppe hinabsteigt. Es ist dunkel im Innenbereich und aus Lautsprechern erschallen pseudo-keltische Frauengesänge. Entlang der vielen Stufen, die man hinabsteigt, hängen an den Wänden weitere Informationstafeln mit Informationen zu den Kelten.

Unten angekommen, trifft man auf das Fürstinnengrab hinter einer Glasscheibe. Hier liegt eine lebensgroße Frauenfigur in typischer Kleidung und mit dem Schmuck und den Gegenständen, wie man sie im Originalzustand vorfand. Die Wände der Kuppel sind schwarz gestrichen, es ist dunkel und punktuell stimmungsvoll beleuchtet. In Vitrinen befinden sich Rekonstruktionen der bedeutendsten Funde.

Eine Sitzbank gegenüber dem Fürstinnengrab hinter der Scheibe lädt zum Verweilen und zum Wirkenlassen der Stimmung ein. Wenn nicht gerade Familien mit grölenden kleinen Kindern anwesend sind, ist die Atmosphäre in der Kammer recht ansprechend und hat uns gut gefallen.

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Einige Keller der Handwerkerhäuser sind begehbar

Hier befinden wir uns nun am anderen Ende des Parks, wo es zum Parkplatz auf der deutschen Seite geht.

Alles in allem ist der Park sehr sehenswert, gepflegt, informativ und didaktisch ansprechend präsentiert.

Dem Gedanken an den grenzüberschreitenden Park wird dadurch Rechnung getragen, dass alles mehrsprachig ist, auch wenn man schon erkennt, dass die deutsche und die französische Seite jeweils unter eigener Leitung stehen und eigene Schwerpunkte verfolgen.

 

Öffnungszeiten, Zugänglichkeit, Preise

Wie bereits beschrieben, sind große Teile des Parks frei und kostenlos zugänglich.

Eine Eintrittskarte wird für folgende Bereiche benötigt: das Museum in der Maison Jean Schaub, das Museum im oberen Teil der Taverne, das Fürstinnengrab, das Ausstellungszentrum Bliesbruck und der Schutzbau der Therme im Vicus.

Die Eintrittskarten kann man sowohl auf der französischen als auch der deutschen Seite jeweils in den kostenpflichtigen Orten erwerben und sie gelten für alle Attraktionen in beiden Ländern.

Der Eintritt beträgt für Erwachsene 5€, ermäßigt 3,50€.

Jugendliche bis 16 Jahre und zu 100% Behinderte haben freien Eintritt.

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Die Informationstafeln auf dem Freigelände sind dreisprachig beschriftet: Deutsch, Englisch und Französisch

Der weitläufige Park, das Villengelände und der vicus sind kostenfrei zu besichtigen. Die Nutzung des Parks zur Freizeitgestaltung, für Picknicks, Drachsteigen und Familiennachmittage sowie das Mitbringen von Hunden ist ausdrücklich erlaubt.

Der Park ist ganzjährig geöffnet und rund um die Uhr begehbar.

Die kostenpflichtigen Teile sind nur in der Saison vom 15. März bis 31. Oktober zu besichtigen. Am 1. Mai sind die Museen in Bliesbruck (auf der französischen Seite) geschlossen.

Führungen, Veranstaltungen:

Veranstaltungen finden regelmäßig statt. Die Termine sind der offiziellen Website zu entnehmen. Es gibt viele Thementage und insbesondere für Kinder und Schulklassen wird viel geboten.

Jeden ersten Sonntag im Monat finden „Schnupperführungen“ statt.

Spezialführungen (Wanderungen mit dem Römer, Keltenwanderung rund um Reinheim, Führung auf den Spuren der Kelten und Römer) können von Gruppen gebucht werden. Die Preise, Inhalt und Dauer sind ebenfalls der offiziellen Seite zu entnehmen.

Daneben bietet der Park unter dem Stichwort „Archäologie zum Mitmachen“ an festen Terminen auch die fachlich begleitete Teilnahme an archäologischen Grabungen an. Vorkenntnisse sind dafür nicht notwendig.

Antikenspektakel:

Das jährliche „Antikenspektakel“ gehört, anders als der Name es vermuten läßt, zu den kleineren römischen Veranstaltungen der Saison. Es fand im Jahr 2017 ausschließlich im französischen Teil auf dem Freigelände hinter der Therme statt.

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2017 ging es rund um Pferde, Reiterei, Wagenrennen und Gladiatoren

Jedes Jahr steht das Antikenspektakel unter einem bestimmten Motto, wie z.B. im Jahr 2017 Wagenrennen den Schwerpunkt bildeten. Zu diesem Zweck war auf dem Freigelände ein ovaler Zirkus mit Sitztribünen eingerichtet worden.

Es gab zu regelmäßigen Zeitpunkten stattfindende Wagenrennen mit zwei Streitwagen, sowie Gladiatorenkämpfe.

Zudem gab es eine römische Musikgruppe, die auf den originalen Nachbauten römischer Musikinstrumente – wie Trommeln, Cornu und Tibia – die Gladiatorenkämpfe begleitete, wie es auch historisch der Fall gewesen war. Das gefiel uns gut, weil es historisch akkurat war und einen guten Eindruck vermittelte, wie Gladiatorenkämpfe mit Live-Musikbegeleitung gewirkt haben mochten – auch wenn die Größe des Spektakels ansonsten mit wenigen Darstellern eher überschaubar war und somit überhaupt nicht mit dem zu vergleichen sein dürfte, was zu römischer Zeit als „Spektakel“ galt.

Die Gladiatorengruppe und auch die Musiker machten ihre Sache auf jeden Fall, trotz des grottenschlechten Wetters mit Sturm und strömendem Regen, gut und gefielen uns in ihren Darbietungen.

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Die Gladiatorenkämpfe waren live von römischer Musik untermalt und dadurch dramatisch in Szene gesetzt

Man konnte sich an einem Stand über römische Streitwagen informierenm, die Pferde und Wagen aus der Nähe betrachten und auch den Stand der Musiker und die Gladiatoren in ihrem Zelt besuchen.

Was uns jedoch eindeutig fehlte, waren weitere Stände, wie man es von anderen römischen Veranstaltungen kennt, zum Beispiel Händler, Handwerker, Schreiber, Medicus etc.. Es muß nicht immer eine Legion sein, aber für unseren Geschmack war das, was an Unterhaltung zwischen den Programmpunkten (Wagenrennen, Gladiatoren) geboten wurde, einfach zu wenig, um die großen Lücken zu füllen, die sich den Tag über ergaben, da man relativ schnell mit der Besichtigung des Festivalgeländes fertig war und sich das Programm nach einer gewissen Zeit auch wiederholte.

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Die Musiker waren tapfer, trotz des strömenden Regens

Das Festival beginnt vormittags um 11 Uhr. Einer der Höhepunkte, auf den wir uns gefreut hatten, war das römische Konzert um 18 Uhr sowie das Feuerspektakel nach Einbruch der Dunkelheit (die im August natürlich etwas auf sich warten läßt).

Es gab – typisch französisch – ausschweifende Gastronomie, sowie einen Bierwagen, aber selbst wenn man den Park noch nicht kennt und diesen im Anschluss in Ruhe besichtigt, ist es schwierig, sich von morgens bis zum Abend zu beschäftigen, so dass es sich empfiehlt, eher später zu kommen, wenn man am abendlichen Programm teilnehmen möchte. Es ist eben kein Xanten oder Villa Borg, wo man von morgens bis abends durchgehend beschäftigt ist!

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Das Ankündigungsplakat

Was wir allerdings eher merkürdig fanden, war die Tatsache, dass das Ereignis – obwohl in einem deutsch-französischen Kulturpark stattfindend und weithin auch in Deutschland beworben und vermarktet – fast ausschließlich in französischer Sprache stattfand.

Bereits das Personal am Eingang sprach nur Französisch (oder Englisch), aber insbesondere während der Showprogramme fiel es doch sehr auf, dass die (zum Teil sehr ausführliche und lange) Moderation und die Erklärungen immer mehr zu einer Veranstaltung rein auf Französisch wurden.

Gab es zu Beginn noch einen Dolmetscher, der die Sätze zumindest in rudimentären Einzeilern auf Deutsch „zusammenfasste“, und wurden die deutschen Besucher zur Eröffnung auch noch auf Deutsch begrüßt, gab es ab Beginn des Gladiatorenkampfes gar keine Übersetzung mehr. Schade, denn es wurde wirklich ausführlich erklärt und der Lanista der Gladiatorentruppe ging sehr detailliert auf die einzelnen Aspekte der Gladiatur und das, was gezeigt wurde, ein. Teilweise erklärte er zwischen den Kämpfen bis zu 10 Minuten am Stück, was fast schon kleinen Vorträgen gleichkam.

Da die Hälfte des Publikums aus Deutschland angereist war, sah man viele ratlose Gesichter und das Potential wurde leider auf diese Weise verschenkt.

Wir können nicht beurteilen, ob es sich bei diesem Event um eine Ausnahme gehandelt hat und zu dem Zeitpunkt niemand zur Verfügung stand, der auf die Schnelle für die deutschen Besucher die deutsche Moderation übernehmen konnte. Für einen Park, der sich ausdrücklich als zweisprachig und grenzüberschreitend präsentiert, fanden wir diesen fast ausschließlich französischsprachigen Event jedoch sehr befremdlich und für die vielen angereisten deutschen Familien, gerade mit Kindern, war es deswegen sicher auch enttäuschend.

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Eingewickelt vom Retiarius!

Der Umfang selbst ist kein Problem, wenn man weiß, dass es sich nur um einen kleinen Event handelt (es gibt ja auch in Deutschland sehr schöne, kleine römische Veranstaltungen, man muß es nur vorher wissen, um sich darauf einstellen zu können, was die Erwartungen und die zeitliche Planung betrifft), dann kann man sich in seinem Zeitplan entsprechend einrichten.

Der Besuch des Festes sollte auf jeden Fall mit einem Besuch des Parks und seinen vielen Sehenswürdigkeiten kombiniert werden.

Sonstiges:

Fotografieren ist überall erlaubt, auch in den Museen und dem Fürstinnengrab.

Der Kulturpark ist in weiten Teilen behindertengerecht gestaltet.

065_Bliesbruck-ReinheimHunde sind im Park (jedoch nicht in den Museen) erlaubt.

Französischkenntnisse sind zum Besuch des Parks nicht erforderlich, sind jedoch für die Veranstaltungen (wie das Antikenspektakel) hilfreich bis nötig.

In ca. 30 Kilometern Entfernung liegt das Römermuseum Schwarzenacker bei Homburg. Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine Kleinstadt wie den vicus von Bliesbruck-Reinheim und war zu gallo-römischer Zeit der nächste, eine Tagesreise entfernte größere Ort.

Wir empfehlen, wenn man ohnehin in der Gegend ist, diese beiden römischen Ausflugsziele miteinander zu kombinieren!

Weiterführende Informationen und Literatur:

  • Offizielle Website des Kulturparks
  • Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim auf Wikipedia
  • Andreas Stinsky: „Die Villa von Reinheim. Ein ländliches Domizil der gallo-römischen Oberschicht“. Nünnerich-Asmus-Verlag 2016
  • Parkführer: Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim. Herausgegeben vom Saarpfalz-Kreis / Département Moselle, 2013
  • Walter Reinhard: „Kelten, Römer und Germanen im Bliesgau“, Denkmalpflege im Saarland, 2010
  • Walter Reinhard: „Die keltische Fürstin von Reinheim“, Blieskastel 2004
  • BLESA, parkeigene Veröffentlichungsreihe zu den aktuellen Forschungsergebnissen

Museen und Archäologische Parks: Malagne – Archéoparc de Rochefort (BE)

 

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Das gallo-römische Landgut in den belgischen Ardennen

Anschrift:

Rue du Coirbois 85, 5580 Rochefort, Belgien

Anfahrt:

Der Archäologische Park Malagne liegt in den belgischen Ardennen in der Provinz Wallonie nahe Rochefort.

Mit dem Auto ist es gut zu erreichen; der Archäologische Park ist mit Schildern, die auf eine „L’Experience Gallo-Romain“ hinweisen, bereits an der Hauptstraße N86 zwischen Marche-en-Famenne und Rochefort gut sichtbar ausgeschildert. Das Navi findet die Anschrift problemlos. Vor dem Freilichtmuseum befindet sich ein eigener großer Parkplatz.

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist nicht unmittelbar möglich, da der Park etwas abgelegen liegt. Der nächstgelegene Bahnhof ist in Jemelle (etwa 4km entfernt). Hier halten Züge aus Luxemburg, Brüssel und Libramont. Außerdem gibt es einen zentralen Busbahnhof. Von dort aus kann man mit der Buslinie 166a zur Haltestelle Hall Omnisports in der Nähe der Straße „Malagne“ fahren, von dort aus muß man jedoch das restliche Stück laufen (etwa 15 Minuten Fußweg).

Hintergrundinformationen:

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Blick auf das Gelände von der Aussichtsplattform

Der Archäologische Park Malagne, „die gallo-römische Erfahrung“ , befindet sich im ehemaligen romanisierten Gallien. Hier wurden im Jahr 1890 von der Archäologischen Gesellschaft Namur die fast vollständig erhaltenen Grundrisse eines gallo-römischen Landgutes entdeckt, inklusive einer großen herrschaftlichen Villa, die mit großer Sicherheit über vier Jahrhunderte bewohnt war. Daneben entdeckte man zahlreiche Neben- und Wirtschaftsgebäude, die einen guten Eindruck von den Ausmaßen und der Struktur eines gallo-römischen Landguts vermittelten.

In den Jahren zwischen 1992 und 1997 führte die Provinz Wallonie großangelegte Grabungen auf dem Gelände durch und konnte zahlreiche wichtige Details freilegen: weitere Nebengebäude, ein Glasofen, eine Schmiede und ein Teich, der pollenanalytisch untersucht wurde und eine genaue Datierung des Nutzungszeitraums ermöglichte.

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Das Landgut zu römischer Zeit

Es gelang den Archäologen, den Bauplan des Landgutes zu rekonstruieren und dessen Aufteilung in einen Wohnbereich (Pars urbana) und einen Arbeitsbereich (Pars rustica) nachzuweisen.

Der Wohnbereich mit seiner weitläufigen, doppelstöckigen Villa verfügte über alle Annehmlichkeiten der gehobenen Lebenskultur in der gallo-römischen Provinz: Fußbodenheizung, Repräsentationssäle, eine Thermenanlage, Latrinen, fließend Wasser und einem Raum, der als Sacellum diente und das Lararium beinhaltete, mit einem separaten, von vier Säulen getragenen Eingang.

Auch die Funktionen der landwirtschaftlich genutzten Nebengebäude konnten ermittelt werden. So interpretierte man die Gebäude als Ställe, eine Schmiede mit Räucherkammer, Getreidedarre und Bierbrauerei.

Um die Einzigartigkeit dieses zusammenhängenden Landgutes zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, entschied man sich, das Gelände als Archäologischen Park zu gestalten und einige der Nebengebäude zu rekonstruieren, um dem Besucher eine bessere Vorstellung von der Größe und den Dimensionen des Gehöfts zu vermitteln.

Neben der Präsentation der Funde legte man auch einen Schwerpunkt auf die experimentelle Archäologie, so daß Forschern ermöglicht werden sollte, in Malagne auf praktische Weise die Details des Lebens auf einem gallo-römischen Landgut zu erforschen. So wurden unter anderem der Stall und die Schmiede in funktionstüchtiger Weise in alter Bautechnik rekonstruiert und in den Original-Farben weiß und rot verputzt. Beide Gebäude sind voll funktionsfähig und werden auch für Experimente genutzt.

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Anbau von Obst und Gemüse

Daneben pflanzte man antike Getreidesorten auf den weitläufigen Feldern zwischen den Gebäuden, legte den Teich wieder an seiner originalen Position an und begann auch mit Nutztierhaltung, wobei Wert darauf  gelegt wurde, Rassen zu wählen, die in Größe und Art den Nutztieren eines gallo-römischen Bauernhofs entsprechen.

Heute werden auf dem Gelände Ziegen, Schafe, Pferde, Maultiere und Rinder gehalten. Dies erlaubt archäologische Experimente, die auch Tiere einschließen, wie zum Beispiel die Rekonstruktion eines Vallus, der römischen Mähmaschine, die von einem Maultier geschoben wird und eine um ein Vielfaches schnellere Getreideernte als mit der Sense erlaubt. Hierbei konnten im Experiment auch praktische Fragen gelöst werden, die mit den vorhandenen Schrift- und Bildquellen bislang nur unzureichend in der Theorie beantwortet werden konnten, zum Beispiel, wie das Geschirr und Joch des Esels aussahen, der die Maschine schob.

Funktionstüchtige Kuppelbacköfen, eine Küche und ein Rennofen zur Eisenschmelze erlauben weitere Experimente.

Es wurde auch ein Zier- und ein Nutzgarten angelegt, in dem Kräuter und Pflanzen aus römischer Zeit, Obst- und Gemüsesorten sowie Wein angebaut werden. Alles in allem werden hier über 200 Pflanzen angebaut, deren Gebrauch bereits aus der Antike bekannt ist.

Bis heute wird das Gelände experimentalarchäologisch bewirtschaftet und für Experimente aller Art genutzt, was es einmalig unter den gallo-römischen Landgütern macht.

Eine Villa Rustica hat fast jeder Ort in unserer gallischen Provinz, aber ein vollständiges Landgut mitsamt Haupt- und Nebengebäuden, Getreideanbau und Viehzucht, das die Größe eines solchen Geländes vermittelt, ist einmalig.

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Experimentelle Archäologie: Der Vallus im Einsatz

Das Hauptgebäude, die Wohnvilla, wurde nicht rekonstruiert, sondern in ihren Fundamenten belassen. Es gibt auch keine Pläne, das Gebäude (wie z.B. bei der Villa Borg) zu rekonstruieren.

Ein konstantes Problem eines solchen Projektes, das nicht die Mittel wie z.B. ein LVR-Park zur Verfügung hat, ist, wie üblich, die Finanzierung. Wie überall, wird auch in Belgien bei der Archäologie gespart.

Der Wiederaufbau der Villa wäre allein aus finanzieller Hinsicht utopisch. Es befinden sich allerdings noch mehr Nebengebäude und Funde auf dem Gelände, die jedoch aus Geldmangel nach Abschluß der Grabungsarbeiten und archäologischen Aufnahme wieder vergraben werden mußten, um sie zu schützen und zu erhalten. Das Museum ist ständig um neue Gelder bemüht, um die Grabungen fortzusetzen; sollten neue Mittel verfügbar sein, würde man damit gerne weitere Nebengebäude rekonstruieren.

Beschreibung:

Auf unseren Reisen durch die gallische Provinz stoßen wir immer wieder auf Überraschungen  – Malagne war eine solche, die uns regelrecht begeisterte. Wir hatten mit einer weiteren Villa Rustica gerechnet, aber dann sahen wir die Ausmaße des Geländes und vor allem, wie detailliert und anschaulich das Landgut rekonstruiert und betrieben wird.

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Auch Getreide wird hier angebaut

Am Parkplatz befindet sich ein Schild, das darauf hinweist, daß der Park zwar bis 18 Uhr geöffnet hat, der letzte Einlaß aber um 16:30h ist, was uns im ersten Moment verwunderte, dann aber schnell klar wurde, warum das so ist.

Malagne ist nichts für eine kurze, schnelle Stippvisite – der Park mit seinen vielen Details und weitläufigem Gelände muß in Ruhe erforscht und erwandert werden, um dem Besucher die Dimension dessen, was hier erarbeitet und gezeigt wird, zu erschließen.

Im Eingangsbereich an der Kasse empfing uns eine sehr freundliche und engagierte Frau, mit der wir uns in einem regen Mix aus Französisch und Englisch unterhielten. Sie erklärte uns, daß an dem Tag unseres Besuchs keine Vorführungen stattfanden (an manchen Sonntagen wird der Park durch Darsteller belebt, die an einigen Stationen praktische Tätigkeiten demonstrieren). Aber man kann den gesamten Park auch gut alleine erwandern, denn er ist in über 20 beschriftete Stationen aufgeteilt, zu denen man ausführliche Informationen mit einem Audio-Guide abrufen kann.

Den Audio-Guide erhielten wir an der Kasse, zusammen mit einem laminierten Lageplan der einzelnen Stationen auf dem Gelände, so daß man problemlos den Nummern folgen kann. Das Gerät ist im Eintrittspreis enthalten (der angesichts der Größe und des Aufwands der Bewirtschaftung des Geländes absolut in Ordnung ist); unsere Ansagetexte stellte die Frau uns auf Englisch ein. Daneben sind Französisch und Flämisch als weitere Sprachen verfügbar.

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Die Texte in den Audio-Guides sind detailliert und fundiert

Die Informationen des Audio-Guides sind sehr gut gemacht – informativ und detailliert. Sie schafften es, den experimentalarchäologischen Anspruch des Parks und die erzielten Ergebnisse sehr gut herauszustellen und anhand der Stationen zu erläutern.

Zu einigen Spezialthemen sind auf Wunsch, zusätzlich zu den Texten der Stationen, weiterführende Informationen verfügbar, die man durch Eingabe einer weiteren Nummer abrufen kann. Hier gehen die Texte dann sehr ins Detail und weisen auf ganz spezielle Aspekte eines Themas hin, unterlegt durch Zitate aus antiken Quellen oder mit Hinweisen auf Bildquellen – didaktisch vorbildlich!

Die Führung beginnt im Inneren des Hauptgebäudes, in dem sich auch ein Seminar- und Arbeitsraum befinden, wo regelmäßig pädagogische Aktivitäten für Gruppen, Schulklassen und andere Interessenten stattfinden.

Hier werden anhand eines rekonstruierten Modells des Landgutes zu römischer Zeit das Gelände, der Lageplan und die Geographie erläutert, zum Beispiel auch die Tatsache, daß sich am Hang hinter dem auf einem Hügel gelegenen Herrenhaus ein Steinbruch befand.

Nach der Erläuterung der generellen Lage wird der Besucher auf das Freigelände entlassen, auf dem man sich frei bewegen kann. Es macht jedoch Sinn, die Stationen in numerischer Reihenfolge abzulaufen, da die Informationen aufeinander aufbauen.

Den Anfang macht eine Aussichtsplattform, von der aus man einen tollen Überblick über das Landgut hat und schon einmal staunt, wie groß das Gelände war und wie hervorragend die Aussicht des Hausherrn auf sein Land von seiner auf der Anhöhe gelegenen Villa gewesen sein muß.

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Ausprobieren erlaubt!

Überall zwischen Getreidefeldern und Viehweiden, die (neben einem modernen Zaun, der den heutigen Vorschriften geschuldet ist) mit antiker Zauntechnik umgrenzt sind, sieht man die rekonstruierten Nebengebäude aufragen.

Das Blöken der Schafe, die Laute der Pferde und Rinder, machen den Gang über das Gelände besonders anschaulich – so muß auch die Geräuschkulisse zu römischer Zeit gewesen sein. Das verstärkt das Eintauchen in die Geschichte und erhöht die Anschaulichkeit deutlicher, als wenn man nur durch die Ruinen einer Villa Rustica geht.

Das ganze Gelände ist sehr gepflegt und sauber, die Kräuter-, Obst- und Gemüsefelder sind beschriftet.

Alle Gebäude können betreten werden und alles, was sich darin an Werkzeugen und Alltagsgegenständen befindet, kann man in die Hand nehmen und ausprobieren. Man wird zuerst an die Öfen und Küche geführt und erhält eine Einführung in antike Bautechnik mit Fachwerk und Steinbauweise. Nach einem Rundgang durch die Gärten geht es an einem Getreidefeld entlang zum Teich, der an der originalen Stelle angelegt wurde (heute jedoch als Biotop verwendet wird, um Lebensraum und Ökosystem See zu erläutern).

Vorbei an den Weiden der Rinder, Pferde, Schafe und Ziegen geht es in die Schmiede, wo auch die Versorgung thematisiert wird, da sich hier auch Räucherkammer und Bierbrauerei befanden. Am nicht wieder aufgebauten, aber mit einem Schutzbau überdachten Haus des Gutsverwalters vorbei, besichtigt man dann den großen Stall, der im Winter tatsächlich als Stall für die Tiere des Parks genutzt wird.

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Der rekonstruierte Vellus, die römische Mähmaschine

Hier erfährt auch man detailliert von einem besonderen Experiment, das in Malagne durchgeführt wurde: die Rekonstruktion der antiken Mähmaschine Vallus, die auch im Stall als Nachbau zu bestaunen ist.

Während man sich über das Gelände bewegt, erfährt man im Audio-Guide von weiteren Besonderheiten des Hofes, zum Beispiel der Entdeckung eines Gräberfeldes, das jedoch noch nicht weiter erforscht werden konnte.

Den Abschluß der gut 1,5 bis 2-stündigen Rundwanderung bildet das Herrenhaus, das zwar nicht rekonstruiert wurde, das aber (mauerschonend) über Brücken und Stege betreten und durchquert werden kann.

Überall im Park finden sich, zusätzlich zu den Informationen im Audio-Guide, Info-Tafeln. Diese sind jedoch leider nur auf Französisch (gelegentlich mit einer einzeiligen Zusammenfassung auf Flämisch).

Im Museumseingang gibt es einen kleinen Shop und es besteht die Möglichkeit, heiße und kalte Getränke zu sich zu nehmen. Es gibt auch einen Picknickbereich.

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Im großen Hauptgebäude, der herrschaftlichen Villa

Fazit: Eine Villa Rustica haben viele Orte, aber als „gallo-römische Erfahrung“ ist das römische Landgut von Malagne definitiv etwas Besonderes.

Durch die Kombination aus rekonstruierten Gebäuden, aktiver Bewirtschaftung, experimenteller Archäologie und hervorragender, fundierter Wissensvermittlung gehört Malagne für uns definitiv zu den Geheimtips, die wir unseren gallo-römisch interessierten Lesern wärmstens ans Herz legen möchten. Deswegen machen wir an dieser Stelle gerne (und unbezahlt) Werbung für diesen Archäologischen Park! Wenn Ihr einmal in der Nähe seid, sei es in den belgischen, luxemburgischen oder französischen Ardennen (beide Landesgrenzen sind nur wenige Kilometer entfernt), solltet Ihr dieses Ziel unbedingt auf Eure Liste setzen.

Öffnungszeiten, Eintritt:

In den Monaten Juli bis September ist der Park täglich von 11-18 Uhr geöffnet (letzter Einlaß 16:30 Uhr). Für den Besuch sind etwa 2 Stunden einzuplanen.

Außerhalb dieser Zeiten, von Ende März bis Anfang November, ist der Park in den Schulferien und an Feiertagen und Wochenenden geöffnet.

Während der Winterpause ist Öffnung für Gruppen nach Absprache möglich.

Der Eintritt für einen Erwachsenen beträgt 6,50 €, für Kinder 5 €. Der Audio-Guide ist im Preis enthalten.

Führungen, Veranstaltungen:

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In der experimentellen Küche

Jeden ersten Sonntag im Monat finden Führungen mit praktischen Vorführungen statt, zum Beispiel zum Thema Brotbacken.

Malagne ist auch Schauplatz eines Römerfests namens „Le Rendez-Vous Gallo-Romain de Wallonie“ mit römischen Legionen, Handwerkern, Reiterei und Gladiatorenspielen. Das Gelände ist für solche Veranstaltungen ausgezeichnet geeignet.

Aktuelle Informationen zu solchen Veranstaltungen sind auf der offiziellen Website zu finden oder in unseren Ankündigungen unter „Events und Veranstaltungen“.

Es finden außerdem regelmäßige Veranstaltungen und Workshops statt (allerdings ausschließlich auf Französisch), wie archäologische „Gallo Day Camps“ für Kinder. Gruppenaktivitäten können auf Anfrage gebucht werden, ebenso wie eine Vorführung antiker Bierbraukunst oder Brotback-Workshops.

Sonstiges:

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Die rekonstruierte Schmiede mit Räucherkammer, Darre und Bierbrauerei

Es ist erlaubt, Hunde an der Leine mitzuführen.

Fotografieren ist überall uneingeschränkt erlaubt.

Weiterführende Informationen:

 

 

  • Kurzer Filmbeitrag über Malagne: „Malagne, vivre au temps des Romains“ (Französisch, 8 Minuten)

Museen und Antike Stätten: Römerhalle Bad Kreuznach

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Blick von oben in die Römerhalle

Anschrift:

Hüffelsheimer Str. 11, 55545 Bad Kreuznach.

Anfahrt:

Die Kurstadt Bad Kreuznach liegt in Rheinland-Pfalz zwischen Hunsrück und Rheinhessen in der Nähe von Bingen.

Die Römerhalle liegt etwas außerhalb des Ortskerns in der Scheune des ehemaligen Ritterguts Bangert hinter dem Schloßpark, wo sich auch das Museum für Puppentheaterkultur, ein historisches Cafe, das Stadtarchiv und das Schloßparkmuseum befinden.

Das Rittergut Bangert mit seinen zahlreichen Kulturstätten verfügt über einen eigenen Parkplatz, Parkmöglichkeiten sind aber auch überall in der Nähe zu finden.

Mit dem öffentlichen Nahverkehr ist das Museum ebenfalls gut zu erreichen; Bad Kreuznach verfügt über einen Bahnhof, von dort verkehrt die Buslinie 203 Richtung Agnesienberg, Ausstieg an der Haltestelle „Schlossparkmuseum“.

Hintergrundinformationen:

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Bad Kreuznach zu römischer Zeit

Bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. befand sich an der Stelle des heutigen Bad Kreuznach eine keltische Siedlung, deren Existenz archäologisch nachgewiesen ist.

Im Jahr 58 v. Chr., im Rahmen des Gallischen Krieges, wurde das Gebiet Teil des Römischen Reiches. Hier befand sich bald ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, an dem sich mehrere römische Überlandstraßen kreuzten und wo sich im Umfeld eines Kastells ein ziviler römischer Vicus bildete. Hinweise deuten auch auf ein Mercurius- und Maia-Heiligtum sowie auf ein gallo-römisches Provinztheater.

Bei Bad Kreuznach kreuzte sich die römische Schnellstraße von Metz (Divodurum), entlang der Saar über Contiomagus bis nach Bingen am Rhein (Bingium) mit Straßen nach Mainz (Mogontiacum, Provinzhauptstadt von Germania superior), Trier (Augusta Treverorum) und Belginum.

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Modell der Palastvilla von Bad Kreuznach

Im 2. Jahrhundert n. Chr. wurde an einem Südhang des Ellerbachtals, mit Panoramablick auf den Fluß und das Umland, eine gigantische Peristylvilla errichtet. Ihre Dimensionen waren so gewaltig, daß sie weit über das, was man weithin als „Villa Rustica“ bezeichnet, hinausgingen. Es handelte sich weniger um ein luxuriöses Landgut, als um eine Art Landschloß.

Das vierflügelige Gebäude war um einen Innenhof herum ausgerichtet. Es hatte drei Stockwerke, wovon alleine das Erdgeschoß über 50 Zimmer und großzügige Empfangshallen aufwies.

Die Fenster waren verglast, die wichtigsten Räume mit Hypokausten-Fußbodenheizung ausgestattet. Eigene Thermen, eine mehrsitzige Latrine und große Küche, aufwendige und kostspielige Wand- und Deckenmalereien im stadtrömischen Stil, große Fußbodenmosaike, Springbrunnen und eine Ver- und Entsorgung mit fließendem Wasser zeugten vom hohen Lebensstandard der Bewohner. Mit Szenen aus griechischen Tragödien und Komödien wollte der Besitzer möglicherweise seinem Bildungsstand gemäß sein Profil als Kulturkenner zum Ausdruck bringen; daß die Villa repräsentativen Charakter hatte, steht ganz außer Frage.

Blog_Bad Kreuznach_Oceanus-Cernunnos

Das Oceanus-Cernunnos-Mosaik

Schon im 18. Jahrhundert war bekannt, daß sich an dieser Stelle einmal ein römisches Bauwerk befunden hatte. Ein 58 qm großes, beheizbares (!) Gladiatorenmosaik wurde 1893 entdeckt. Seit dieser Zeit wurde an der Stelle archäologisch geforscht, doch zu ersten systematischen Ausgrabungen kam es erst mit der Entdeckung eines Oceanus-Cernunnos-Mosaiks im Jahr 1966. Freigelegt und untersucht wurde das Gebäude zwischen den Jahren 1975 und 1980 unter Leitung des Archäologen Dr. Gerhard Rupprecht.

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Hypokausten der Fußbodenheizung

Es ist nicht genau bekannt, wer der Besitzer dieser Luxusvilla war; Deutungen über den Besitzer stützen sich auf Indizien, die aus Bau, Ausstattung und Funden der Villa hervorgehen. Er wird jedoch nirgendwo namentlich erwähnt.

Es wird davon ausgegangen, daß es sich um einen hochrangigen Verwaltungsbeamten oder erfolgreichen Geschäftsmann handelte, der möglicherweise in der eine Tagesreise entfernten Provinzhauptstadt Mogontiacum seinen Geschäften nachging und sich gerne auf sein Landschloß zurückzog, um dort im repräsentativen Rahmen Gäste oder Geschäftspartner zu empfangen, zu arbeiten oder zu entspannen.

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Eine Sammlung von Weihesteinen

Ulrike Ehming geht in ihrer Arbeit „Der Besitzer der Bad Kreuznacher Peristylvilla  – ein Händler ostmediterraner Lebensmittel?“ (Münstersche Beiträge zur antiken Handelsgeschichte, Bd. XXIV, 2, 2005) der Frage nach, ob es sich bei dem Besitzer möglicherweise um einen Händler mit teuren Luxusgütern handelte, der frische Meeresfrüche, Austern, Garum, Olivenöl und andere teure Waren aus dem mediterranen Raum nach Gallien brachte. Hierbei stützt sie sich vor allem auf die detaillierten Darstellungen der großflächigen Mosaike in den Empfangssälen, die zu den besterhaltendsten und bedeutendsten Mosaiken nördlich der Alpen gehören, sowie auf Amphoren.

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Blick auf das Gladiatoren-Mosaik

Die Villa wurde im späten 3. Jahrhundert n. Chr. zerstört, wahrscheinlich im Zuge der Frankeneinfälle. Während des 4. Jahrhunderts wurde der Nordflügel der Villa kurzzeitig wieder genutzt, jedoch eher als Festung gegen die immer wieder einfallenden Franken, denn als Luxuswohnanlage. Nach kurzer Zeit wurde das Gebäude dann ganz aufgegeben.

Heute sind die ausgegrabenen Reste der Villa in die „Römerhalle“ integriert, die ehemalige Scheune eines Rittergutes. Während die Mosaike, Kleinfunde und weitere Sammlungen aus der Region im Inneren der Halle ausgestellt sind, sind die Räume der Villa auf dem anschließenden Freigelände zu begehen und reichen bis unter die angrenzende Straße und Wohnsiedlung.

Beschreibung

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Der Schlüssel zur Villa?

Die große Halle ist hoch und hell, so daß sie einen angenehmen Rahmen für die Präsentation der Funde bietet. Auf einer Empore sind weitere Funde ausgestellt, zudem hat man von oben eine gute Sicht auf die Halle und die Mosaike. Insgesamt verfügt die Römerhalle somit über 1000 qm Ausstellungsfläche.

Herausragend sind natürlich die beiden Mosaike, das Gladiatorenmosaik, das an die Villa Nennig im Saarland erinnert, und das ungewöhnliche Oceanus-Cernunnos-Mosaik, das eine interessante Verschmelzung eines römischen Gottes mit einer gallischen Lokalgottheit zeigt und darauf hindeutet, daß es sich bei dem Besitzer der Villa um einen wohlhabenden und einflussreichen romanisierten Einheimischen gehandelt haben könnte.

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Es gibt eine ansehnliche Sammlung von Viergöttersteinen aus der Region

Säulen und Baufragmente der Villa sind rund um die beiden abgegrenzten Mosaike aufgestellt. Großflächige, illustrierte Informationstafeln berichten über die gallo-römische Zeit in der Region, über den Aufbau, die Technik und den Alltag in der Villa und weitere Themen, wie Begräbniskultur, Alltag, Schmuck und Badewesen, Heizung, Militär oder Religion.

Neben dem Oceanus-Mosaik befindet sich auch ein interaktiver Bildschirm, auf dem man sich kurze Filme zu einzelnen Themen anschauen kann, wie dem Mosaik oder der Ausgrabungsgeschichte der Villa.

Die Funde selbst sind ebenfalls gut beschriftet mit Datierung und Herkunftsort (alles jedoch ausschließlich auf deutsch).

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Die Soldatengrabsteine sind sehr detailliert

Einen großen Teil der Ausstellung nehmen Funde aus dem Vicus und dem Kastell, vor allem Soldatengrabsteine ein, die sowohl von Auxiliartruppen als auch von regulären Soldaten aus dem nahegelegenen Kastell stammen. Sie sind deswegen so bemerkenswert, weil sie sehr detailliert und gut erhalten sind und auf den Darstellungen selbst kleinste Details der Rüstung, Kleidung und Ausrüstung gut erkennbar sind. Dies ist eine wahre Fundgrube für alle, die sich für römisches Militär interessieren, vor allem wenn sie Reenactment betreiben.

Auch Sarkophage und Aschekisten gehören zu der Ausstellung.

Daneben gibt es eine Sammlung von Viergöttersteinen von Jupitersäulen, die typisch für diese Region und gallo-römische Glaubensvorstellungen sind, sowie Weihesteine und Reliefs, die weitere Götter zeigen, unter anderem eine Darstellung des trauernden Attis und einer Sphinx auf einem Grabstein, die auf die orientalische Herkunft des hier bestatteten Soldaten hindeuten. Kleine Statuen einer Muttergottheit, des Gottes Vulcanus, Öllampen oder ein kleiner Schrein beleuchten das religiöse Alltagsleben in der Provinz.

Auf der Empore finden sich neben dem teuren Tafelgeschirr aus Terra Sigillata, Schmuckutensilien und andere Kleinfunde aus keltischer und römischer Zeit. Launige Zitate von Römern über Kelten, die großflächig an einer Wand angebracht sind, runden das Bild ab.

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Ein seltener Fund: Fluchtäfelchen

Interessant ist darüber hinaus die Ausstellung von Fluchtäfelchen.

Das Museum zeigt damit zahlreiche hochinteressante Ausstellungsstücke – eine Luxusvilla, die in der Region ihresgleichen sucht, zwei großartige Mosaike und eine ungewöhnliche gallo-römische Gottheit sowie viele spannende Kleinfunde.

Durch eine Seitentür gelangt man in das Außengelände, wo Wege mit Informationstafeln durch die Grundmauern der Villa führen.

Das Museum hat eine angenehme und entspannte Atmosphäre, man kann sich frei und ungezwungen bewegen, das Personal ist sehr nett und hilfsbereit (auch, als wir uns nach unserem Besuch noch Ausflugstipps und Wegbeschreibungen für Bad Kreuznach holten).

Von uns gibt es deshalb eine ganz klare Empfehlung für diesen Geheimtipp abseits der bekannten Römermuseen.

Öffnungszeiten, Preise, Veranstaltungen

Das Museum ist dienstags bis sonntags geöffnet (Montag geschlossen). Öffnungszeiten sind Dienstags von 10-13 Uhr, Mittwoch bis Freitag von 10-16 Uhr und an den Wochenenden von 11-17 Uhr.

Im Februar ist das Museum komplett geschlossen.

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Das Außengelände schließt sich an die Halle an

Der Eintrittspreis für Halle und Freigelände beträgt 4€ (ermäßigt 3€).

Für 7€ ist eine Kombikarte für alle drei Museen im Rittergut erhältlich: Puppentheatermuseum, Schloßmuseum und Römerhalle.

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Blick über die Räume der Villa

Es finden regelmäßige Sonderveranstaltungen statt, wie Erlebnisführungen und museumspädagogische Workshops rund um „römische“ Themen, die sich vor allem an Kinder und Schulklassen richten, zum Beispiel über römische Götter, Münzprägen, Tonfigürchen oder Geschirr.

Im unregelmäßigen Abstand finden auch Kulturveranstaltungen wie Konzerte in der Halle statt. Daneben kann sie für Veranstaltungen gebucht werden.

Sonstiges

Fotografieren ist im gesamten Museum uneingeschränkt möglich.

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Keltische Funde aus der Region

Das Museum ist behindertengerecht gestaltet mit Rampe und Behindertentoilette.

Ein Besuch der Römerhalle kann gut mit den anderen Sehenswürdigkeiten der Kurstadt Bad Kreuznach kombiniert werden, die auf eine lange und bewegte Geschichte von der Antike über das Mittelalter bis zur Neuzeit blicken kann. Unter anderem sind die 9 Meter hohen Gradierwerke der Salinen im 1100 Meter langen Salinental sehens- und erlebenswert.

Daneben gibt es die berühmten mittelalterlichen Brückenhäuser auf der Nahebrücke, die das Wahrzeichen der Stadt bilden, sowie das alte Gerberviertel „Klein Venedig“ am Zusammenfluss von Nahe und Ellerbach, eine Volkssternwarte und eine Burgruine.

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Die Gradierwerke im Salinental sind sehens- und atmenswert


 

Auf den Spuren von Sirona und Apollo-Grannus durch den Hunsrück

Sirona mit Sternendiadem, Palla, Schlange und Schale mit Eiern

Sirona mit Sternendiadem, Palla, Schlange und Schale mit Eiern

Heute möchten wir Euch auf einen Ausflug in den Hunsrück mitnehmen: Von der Ausoniusstraße zum Sirona- und Apollo-Grannus-Quellheiligtum von Hochscheid!

Einleitung: Antike Stätten?

Unser heutiger Reiseartikel fällt etwas aus dem Rahmen, denn es geht zwar um eines der wichtigsten und größten gallo-römischen Quellheiligtümer, aber einige Stationen auf unserer Reise fallen nur im weiteren Sinne unter die Kategorie „Antike Stätten„.

Daher stellte sich uns die Frage: wie gehen wir mit Orten um, die sich zwar auf eine antike Stätte beziehen (wie ein Pavillon im römischen Stil, in dem originalgetreue Repliken der Standbilder von Sirona und Apollo-Grannus aus dem Quellheiligtum bei Hochscheid stehen), die aber erst in der jüngeren Vergangenheit errichtet wurden?

Für den Cultor, das heißt, den heutigen Praktizierenden der Religio Romana, kann auch ein solcher Ort vom Numen der hier dargestellten Gottheiten erfüllt sein und als Tempel, Wegeschrein und Ort der Verehrung genutzt werden. Deswegen haben auch solche Orte für uns eine Berechtigung und gehören unserer Ansicht nach auch in die Auflistung „römischer Stätten“ auf unserer Website.

Gleichzeitig wollen wir bei unseren Ausflugszielen keine neue Kategorie einführen, auch, da die Grenzen nicht immer scharf zu ziehen sind, denn immerhin stehen die von uns bereisten Sirona- und Apollo-Grannus-Schreine in der unmittelbaren Umgebung des einstigen Quellheiligtums und erfahren heute durch Einheimische Pflege und Wertschätzung, dienen gleichzeitig dazu, die Erinnerung an eine so wichtige Pilgerstätte des 2. und 3. Jahrhunderts n. Chr. wachzuhalten und archäologisch interessierten Besuchern Informationen zu vermitteln.

Blick vom Höhenrücken bei Belginum zum Moseltal und in die Eifel

Blick vom Höhenrücken bei Belginum zum Moseltal und in die Eifel

Insofern macht es eigentlich keinen Unterschied, ob sich (wie z.B. im Matronentempel in Nettersheim) originalgetreu replizierte Weihesteine an der originalen Stelle direkt neben den Fundamenten des alten Umgangstempels befinden, oder ob originalgetreu replizierte Statuen aus der Cella eines leider nicht mehr erhaltenen Heiligtums so nah wie möglich an die Originalstelle gebracht wurden, um dort die Bedeutung dieses Ortes zu würdigen. Die ganze, über 1000-jährige römische Geschichte hindurch wurden ständig neue Tempel und Orte für Götter errichtet, und auch heute laden wir wie damals die verschiedenen Gottheiten und anderen Wesen, wie Laren, Genius oder Juno, ein, in unserem heimischen Lararium Platz zu nehmen.

Wenn heute also neue Heiligtümer errichtet werden, selbst wenn sie eher der touristisch-archäologischen Wissensvermittlung dienen, als religiösen Zwecken, gibt es keinen Grund dafür, diese als „modern“ abzulehnen, das wäre eine absolut unrömische Haltung – wenn die Götter Gefallen daran finden und regelmäßig dort Wertschätzung erfahren (selbst durch christliche Einheimische, die Blumen vor ihre Statuen stellen), dann akzeptieren sie diesen Ort wie jeden anderen Tempel, Wegeschrein oder Hausschrein, der für sie errichtet wird. Und Sirona wird im Hunsrück tatsächlich noch heute sehr geehrt und ihre Pavillons werden nicht nur von römischen Heiden, sondern auch von Heiden anderer Richtungen besucht (z.B. von Celtoi, keltischen Rekonstruktionisten (CR) aber auch von Vertretern eines allgemeinen Neopaganismus verschiedenster Richtungen, wie z.B modernen Hexen, Vertretern der sog. Göttinnen-Spiritualität etc.).

Willkommen im östlichen Gallien, im Land der Treverer!

Willkommen im östlichen Gallien, im Land der Treverer!

Deswegen soll dieser Reisebericht ein Kompromiss sein: Er ist zwar in der Kategorie „Antike Stätten“ gelistet, folgt in seinem Aufbau aber nicht dem üblichen Schema. Stattdessen möchten wir Euch heute eine kleine Reiseroute vorschlagen, auf der Ihr selbst auf den Spuren der gallo-römischen Heilgötter Sirona und Apollo-Grannus wandeln könnt und auch Gelegenheit habt, Euch mit Anliegen an diese beiden Gottheiten zu wenden und ihnen Opfergaben darzubringen – etwas, was die Menschen, die vor uns in dieser Region unterwegs waren resp. hier lebten, seit alters her getan haben.

Als Bonus streift unsere Route auch einige „echte“ antike Stätten in situ und zwei Archäologische Parks. Dabei schlagen wir einen weiten Bogen von der vor-römischen, keltischen Vergangenheit des vom Stamme der Treveri bewohnten Teil Ostgalliens bis in die römische Spätantike.

Übersicht über unsere Reiseroute auf google Maps

Die Reise ist mit dem Auto an einem Tag gut und ohne Hektik zu bewältigen. Wer die Stätten zu Fuß erwandern will, zum Beispiel über den hier verlaufenden „Sirona-Weg“, sollte zwei Tage einplanen.

Hintergrundinformation: Das Quellheiligtum von Hochscheid

Die keltischen Hügelgräber im Gräberfeld von Belginum

Die keltischen Hügelgräber im Gräberfeld von Belginum

Bevor wir mit unserer Reisebeschreibung beginnen, ein paar Worte, um die Bedeutung des gallo-römischen Quellheiligtums von Hochscheid darzustellen.

Hochscheid liegt im Hunsrück am Fuße des 745 Meter hohen Idarkopfes im Landkreis Bernkastel-Wittlich in Rheinland-Pfalz. Ganz in der Nähe verläuft die Hunsrückhöhenstraße, eine Bundesstraße, die hier noch heute der alten römischen Fernstraße zwischen Trier (Augusta Treverorum) und Bingen (Bingium) folgt. Die zweispurig ausgebaute „Ausoniusstraße“ aus römischer Zeit war eine wichtige Schnellreiseroute, die die zweitgrößte Stadt des Reichs – Trier – mit dem Rhein verband und dadurch in der Verlängerung über Bingen bis nach Mainz reichte, das als Mogontiacum eine wichtige Provinzhauptstadt am Rhein war.

Ein wichtiger Handelsknotenpunkt auf dieser Schnellstraße durch den Hunsrück war die Siedlung vicus Belginum, die ein Zentrum des Fernhandels auf dieser West-Ost-Achse war, durch den Waren aus dem Mittelmeerraum und dem westlichen Gallien bis hoch in den Norden transportiert wurden, wie Olivenöl aus Spanien und Afrika. Gleichzeitig gelangten über Händler regionale Produkte und hier anstehende Rohstoffe wie der hochwertige Hunsrück-Schiefer und Metalle in den Süden und Westen des Reichs.

Im keltisch-römischen Gräberfeld von Belginum

Im keltisch-römischen Gräberfeld von Belginum

Der vicus Belginum zeichnete sich durch reges Markttreiben, Handel, Pferdewechselstationen, Herbergen und Tavernen aus – sprich, er bot alles, was ein Fernreisender benötigte. Daneben gab es hier einen großen Tempelkomplex mit Kulttheater und mehreren Umgangstempeln, in denen unter anderem die gallo-römische Göttin Epona verehrt wurde, die Schutz auf Reisen gewährte, aber auch eine Patronin aller war, die mit Pferden zu tun hatten. Sie war eine der wichtigsten Gottheiten der hier lebenden Treverer.

Daneben gab es in Belginum alle Arten von Handwerkern, die an einer solchen Fernstraße ein Geschäft machen konnten: Sattler, Wagen- und Radmacher, Schmiede.

In etwa 5 km Entfernung dieses vicus befand sich das Quellheiligtum beim heutigen Ort Hochscheid. Es war ein überregional bedeutsames Pilgerheiligtum, zu dem man oft von weither pilgerte, um Heilung von Krankheiten zu erbitten.

Überblick über die Gebäude des Quellheiligtums von Hochscheid (aus: Cüppers, die Römer in Rheinland-Pfalz)

Überblick über die Gebäude des Quellheiligtums von Hochscheid (aus: Cüppers, die Römer in Rheinland-Pfalz)

In ihm wurde das keltische Götterpaar Sirona und Grannus – zwei Heilgötter – in ihrer gallo-römischen Form als Sirona und Apollo-Grannus verehrt, wie durch Weiheinschriften, aber auch gut erhaltene Statuen und Figuren einwandfrei belegt ist. Diesen Ort kann man sich wie ein Kur- oder Heilbad vorstellen: es gab Umgangstempel, Heilquellen, Pilgerherbergen, Priesterwohnungen und Wandelgänge. Beheizbare Becken erlaubten es, Heilbäder zu nehmen, aber auch Trinkkuren wurden durchgeführt. War eine Heilung erfolgreich oder wurde ein Anliegen erhört, pilgerte man erneut dorthin, um sein gegebenes Versprechen einzulösen, das zum Beispiel in der Stiftung einer Weihetafel bestand, oder darin, eine unbenutzte Münze zu opfern oder in der Opferung kleiner Terrakottefiguren, Schmuck oder anderer Weihegaben. Die Größe und Art der „Bezahlung“ für die geleistete Hilfe richtete sich nach den finanziellen Mitteln der Hilfesuchenden und dem kulturellen Kontext.

Denn der Tempelkomplex wurde sowohl von einheimischen Kelten aus dem ganzen Hunsrück, Eifel- und Moselraum aufgesucht, die den Ort wahrscheinlich schon in vorrömischer Zeit als Quellheiligtum nutzten (daher auch die dort verehrten lokalen, keltischen Gottheiten und keine römischen Äquivalente wie Aesculapius oder Hygieia), als auch von zugezogenen oder durchreisenden Römern oder Besuchern aus anderen Teilen des Reichs.

Beide Heilgötter spielten in der gallo-römischen Mischform der hier praktizierten Religion eine große Rolle; überall in der Region, in Hunsrück, Eifel- und Moselraum, finden sich Quellheiligtümer und Widmungen für Sirona alleine oder in Kombination mit Apollo-Grannus.

Rekonstruktion der Pilgerherberge

Rekonstruktion der Pilgerherberge

Der Tempel im Quellheiligtum war ein Umgangstempel, wie er typisch für den gallo-römischen Kulturraum ist (südlich der Alpen ist diese Form nicht üblich, es gibt ihn nur nördlich der Alpen bis hoch nach Britannien). Er trägt den speziellen keltischen Kultbedürfnissen Rechnung, indem die Gottheit in einer zentralen Cella verortet wird (dargestellt durch ein oft überlebensgroßes Standbild), die von Gläubigen nicht betreten wird. Um die Cella herum gibt es einen überdachten Säulengang (als offener Portikus) oder einen geschlossenen Umgang. In diesem wird von den Gläubigen die Cella umrundet oder umschritten, woher auch die Bezeichnung „Umgangstempel“ stammt.

Dieser Umgangstempel war nach römischem Geschmack weiß verputzt und wahrscheinlich mit dem örtlichen Schiefer gedeckt, wie die meisten Gebäude in dieser Region.

Das Quellheiligtum wurde im Jahr 1939 bei der Erschließung von Quellen für die örtliche Wasserversorgung entdeckt. Es lag in 645 Metern Höhe. Das Zentrum bildete der quadratische Umgangstempel, in dessen Cella sich eine gemauerte Vertiefung aus Sandstein- und Quarzitblöcken fand, aus der eine Quelle des hier fließenden Koppelbachs trat. Im Gegensatz zu sonstigen Umgangstempeln, war das Betreten der Cella hier nicht nur erlaubt, sondern sogar zum Schöpfen des Wassers erforderlich. Im Brunnen wurden zahlreiche Becherscherben und Scherben anderer Trinkgefäße gefunden.

Blick auf das Grabungsgelände, bevor es verschüttet wurde

Blick auf das Grabungsgelände, bevor es verschüttet wurde

Ab 1962 wurde die Stätte durch das Landesmuseum Trier archäologisch genauer untersucht. Hierbei kamen die wahren Dimensionen des Tempelkomplexes zum Vorschein: eine Pilgerstätte mit angeschlossenem Kur- und Heilbad. Durch die unmittelbare Nähe zum vicus Belginum geht man davon aus, daß dieses Heilbad als Kultstätte zum Ort gehörte.

Das große Badehaus verfügte über Kaltbad, Laubad, Heißbad, Fußwaschbecken, Ankleideräume, einen großen offenen Raum nach Südwesten, Heizräume und mehrere Räume für das Personal.

Für den Cultor interessant sind vor allem die Gottheiten, die in diesem Heilbad angerufen und verehrt wurden. Hauptgötter waren, wie bereits beschrieben, Sirona und Apollo-Grannus. Von beiden wurden sehr gut erhaltene, lebensgroße Statuen aus gelbem Sandstein im Tempel gefunden, deren Attribute eindeutig zuzuordnen sind (die Originale befinden sich heute im Landesmuseum Trier): Sirona trägt ihr Sterndiadem, ein langes Gewand, um ihren Arm schlägelt sich eine Schlange, deren Kopf in einer Schale in ihrer Hand endet, in der sich drei Eier befinden – eine typische Darstellung. Apollo-Grannus ist auf klassisch-römische Art als nackter Jüngling dargestellt, der sich auf eine Kithara stützt, das ihm zugeordnete Musikinstrument, und neben ihm liegt ein Greif. Ihre Namen sind zudem durch Weihealtäre und Inschriften belegt, die Pilger im Tempel hinterlassen haben.

Der Umgangstempel

Der Umgangstempel mit Außen-Altar

Ein Altar, der vom freigelassenen Sklaven Tiberius Claudius Reburrus gestiftet wurde, ist Apollo geweiht. Ein zweiter Altar enthält eine Weiheinschrift für Apollo-Grannus und „Sancta Sirona“.

Neben diesen beiden Hauptgottheiten wurden etwa 30 kleine Terrakotten als Opfergaben gefunden. Hierbei waren folgende zweifelsfrei bestimmbar (die anderen waren so bruchstückhaft, daß eine Zuordnung nicht vorgenommen werden konnte): Merkur, Apollo mit Kithara, Silvanus mit Hiebmesser an einem Baum, Minerva, Diana, Venus, Fortuna mit Füllhorn, mehrere sitzende Muttergottheiten oder Matronen mit auffälligem Kopfschmuck, die auf ihrem Schoß Tiere oder kleine Kinder halten.

Das Wasser schöpften die Pilger mit Glasflaschen oder Tongefäßen; zu den bemerkenswertesten Funden gehört die Unterseite einer Glasflasche, in die ein kleiner Merkur geprägt ist.

Vor dem Tempel stand ein Altar aus Sandstein, der – wie die anderen Steine des Tempels – aus dem in der Region anstehenden Sandstein der Tholeyer Schichten (Unterrotliegendes) stammt. Altäre standen immer außerhalb des Tempels vor der Cella, so daß jeder sie für seine Kulthandlungen nutzen konnte, denn Religion und damit verbundene kultische Handlungen waren in der römischen Kultur eine öffentliche Angelegenheit für jeden und wurden – von Mysterienkulten einmal abgesehen – nicht versteckt oder im Geheimen fernab der Augen anderer praktiziert – was im Übrigen auch der Grund dafür war, das die neuen Mysterienkulte vom römischen Staat und von den Vertretern der angestammten römischen Religion oft beargwöhnt wurden.

Rekonstruktionszeichnung des Quellheiligtums (aus: Cüppers, die Römer in Rheinland-Pfalz)

Rekonstruktionszeichnung des Quellheiligtums (aus: Cüppers, die Römer in Rheinland-Pfalz)

Die erste Fassung der Quelle wurde auf die erste Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. datiert, als auch die erste Herberge errichtet wurde. Weitere Umbauten und Erweiterungen der Anlage erfolgten im 2. Jahrhundert, hier unter anderem erwähnenswert die Erbauung des großen Heilbades. Auch an der in Fachwerktechnik gebauten Herberge wurden in dieser Zeit großangelegte Erweiterungen vorgenommen, an denen abzulesen ist, daß die Pilgerströme nicht mehr von die bisherigen Unterkünfte aufgenommen werden konnten. Die Wände der Herberge waren bemalt und es gab Holzfußböden. Auch bezeugten die Ausgrabungen verschiedene Qualitätsstufen der Gästezimmer – gefunden wurden einfache Sammelräume bis hin zu Luxuszimmern, so daß Pilger aller Gesellschaftsschichten entsprechend ihrem Stand und ihrem Geldbeutel übernachten konnten.

Die Blüte des Quellheiligtums von Hochscheid lag im 2. Jahrhundert n. Chr.. Im Laufe des 3. Jahrhunderts zeigten sich erste Verfallserscheinungen, die einerseits auf das harsche Klima im Hunsrück zurückzuführen sind – der 645 Meter hoch gelegene Tempel im Idarwald war im Winter oft durch Schnee von der Außenwelt abgeschnitten. Andererseits bedingt durch die ab dem 3. Jahrhundert einsetzenden Germaneneinfälle, als etwa die Alamannen die Region heimsuchten, was dazu führte, daß die Bevölkerung abwanderte. Es gab zahlreiche sicherere und besser zu erreichende Quellheiligtümer in der Region (zum Beispiel die Bäder von Aachen, Aquae Granni, oder die Thermalquellen von Bad Bentrich – Bentriacum). Auch das nahe Belginum wurde durch Germaneneinfälle gebeutelt. Nach dem 3. Jahrhundert geriet das Heiligtum in Vergessenheit und wurde offenbar nicht mehr aufgesucht.

Der Tempelkomplex verfiel, wurde aber nie von Germanen verwüstet, weil er wahrscheinlich zu abgelegen lag. Eine mutwillige Zerstörung der Anlage fand erst später statt, wahrscheinlich im Zuge der Christianisierung, indem Statuen zerstört und die Quelle verstopft und damit zum Überlaufen gebracht wurde. Das ganze Gebiet wurde überflutet, so daß sich über dem Tempel ein Hochmoor bildete. Diesem haben wir es allerdings zu verdanken, daß die Statuen bei ihrer Entdeckung in einem so guten Erhaltungszustand waren.

Heute ist vom Tempelkomplex nichts mehr zu sehen, da das ganze Gelände nach dem Abschluß der Grabungen und Untersuchungen wieder zugeschüttet wurde, um die Fundamente zu konservieren und vor Witterung zu schützen. Es gibt keine Beschilderung oder Beschriftung, so daß der Ort heute im Gelände nicht mehr erkennbar ist.

Auf den Spuren von Sirona und Apollo-Grannus rund um Hochscheid

Der Archäologiepark Belginum sollte die erste Station sein

Der Archäologiepark Belginum sollte die erste Station sein

Wer heute die Gegend des ehemaligen Quellheiligtums besucht, sollte mit der Reise im Archäologiepark Belginum beginnen. Hier gibt es gute Hintergrundinformationen zur Bedeutung der Region, die schon in keltischer Zeit ein wichtiger Verkehrsweg und Handelszentrum war. Ein Highlight ist hier das fast 800 Jahre lang kontinuierlich genutzte keltische und römische Gräberfeld vor Belginum, das mit seinen über 2500 Gräbern den Wandel der Bestattungsbräuche von der keltischen zur gallo-römischen Epoche zeigt. Insbesondere die alten keltischen Hügelgräber sind sehenswert.

Eine ausführliche Beschreibung des Archäologieparks Belginum mit praktischen Tipps zur Anreise findet Ihr in unserem Belginum-Artikel!

Nach einem Besuch von Belginum empfiehlt sich die Weiterfahrt zum 5 km entfernten Dorf Hochscheid. Hierzu muß man nur der Hunsrückhöhenstraße weiter folgen, Hochscheid ist der nächste Ort.

Hochscheid

Die Göttin Sirona auf dem Dorfplatz von Hochscheid

Die Göttin Sirona auf dem Dorfplatz von Hochscheid

In Hochscheid gibt es in der Ortsmitte eine lebensgroße, detaillierte Replik der im Quellheiligtum gefundenen Statue der Sirona. Sie steht an der Kreuzung der Hauptstraße mit der Römerstraße, in der Nähe der Bushaltestelle und schräg gegenüber der Gaststätte „Römerstube“ (ja, man pflegt sein römisches Erbe im Hunsrück 😉 ). Parken ist am Wegesrand möglich, hier ist nicht sonderlich viel Verkehr.

Die Statue steht in einem Holzunterstand, wo sie vor Regen geschützt ist. Darin hängt auch eine kleine Informationstafel, die leider sehr verwittert ist und eine Generalüberholung vertragen könnte. Sie ist eine verkleinerte Kopie der Informationstafel zum Quellheiligtum Hochscheid des Fernwanderwegs „Sirona-Weg“, die in der Umgebung aber noch mehrere Male zu finden ist.

Das Wappen von Hochscheid bezieht sich auf das Quellheiligtum: Kithara und Lorbeer des Apollo über dem Wasser der Quelle

Das Wappen von Hochscheid bezieht sich auf das Quellheiligtum: Kithara und Lorbeer des Apollo über dem Wasser der Quelle

Uns gefiel gut, daß die gepflegte und schön inszenierte Statue hier im Dorf offenbar Respekt genießt. Eine Pflanzschale mit frischen, leuchtenden Blumen steht neben der Göttin, so daß man sieht, daß das Dorf sein römisches Erbe pflegt. Das Wappen des Dorfes zeigt die Attribute des Apollo-Grannus, die Kithara und Lorbeer, darunter das Wasser der Quelle.

Nach dem Besuch der Sirona im Inneren des Ortes folgt man der Hauptstraße weiter nach Süden aus dem Ort hinaus, in Richtung Stipshausen. Die Straße schlägelt sich etwa 8 Kilometer durch den dichten Hunsrückwald.

Sirona-Hütte an der Landstraße nach Stipshausen

Hier, an der Landstraße, etwa auf halber Strecke zwischen beiden Dörfern, befindet sich die sogenannte „Sirona-Hütte„. Ab dem Ortsausgang Hochscheid sollte man seine Augen offenhalten und den Waldrand auf der linken Seite beobachten. Immer wieder zweigen Forstwege und Wanderwege ab, von denen man sich nicht beirren lassen darf. Es empfiehlt sich, nicht mit Vollgas über diese Straße zu brettern, da man das nächste Ziel auf der Reise sonst leicht übersieht, da es etwas versteckt liegt. Langsames Fahren ist aber auch kein Problem, wir waren die einzigen Autofahrer weit und breit auf dieser entlegenen Landstraße.

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Museen und Archäologische Parks: Archäologiepark Belginum

Das Museum des Archäologischen Parks steht mitten im vicus Belginum

Das Museum des Archäologischen Parks steht mitten im vicus Belginum

Anschrift:

Keltenstraße 2, 54497 Morbach

Anfahrt:

Der Archäologiepark Belginum liegt unmittelbar an der Hunsrückhöhenstraße – schon zu keltischer und römischer Zeit eine wichtige Fernstraße quer durch den Hunsrück von Trier (Augusta Treverorum) nach Bingen (Bingium), die Ausoniusstraße. Sie ist benannt nach dem Dichter Decimus Magnus Ausonius, bekannt für seine Moselbeschreibung „Mosella“. Der Verlauf der heutigen Hunsrückhöhenstraße folgt noch heute der antiken Fernstraße.

Der Park liegt in der Nähe der Dörfer Morbach und Hochscheid im Hunsrück. Letzeres spielte zu römischer Zeit wegen des dortigen Quellheiligtums für Sirona und Apollo-Grannus mit Heilbad, Pilgerherbergen und Tempelkomplex eine überregional bedeutsame Rolle. Da er unmittelbar an der Bundesstraße liegt, ist er mit dem Auto gut erreichtbar. Parkplätze stehen vor dem Museum kostenlos zur Verfügung.

Überall im Park finden sich Informationstafeln auf Deutsch, Englisch und Französisch

Überall im Park finden sich Informationstafeln auf Deutsch, Englisch und Französisch

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Park etwas umständlich zu erreichen. Der nächste Bahnhof befindet sich in Bernkastel-Kues an der Mosel. Von dort aus fährt man mit der Buslinie 311 bis zur Haltstelle „K106“ bei Wederath (Keltenstraße). Von dort aus sind es noch einige Minuten zu Fuß. Dort halten jedoch nur wenige Busse pro Tag, so daß die An- und Abreise sehr gut geplant werden muß. Ansonsten gibt es noch einen Bahnhof in Idar-Oberstein, von dem aus ebenfalls ein Bus nach Morbach fährt. Hier sehen die Verbindungen jedoch nicht besser aus, so daß man besser mit dem Auto anreisen sollte, wenn man die Möglichkeit dazu hat.

Belginum ist auch eine Station auf dem 106 km langen „Sirona-Weg„, der antiken Stätten der Kelten und Römer folgt. Dieser Wanderweg befindet sich lt. Aussage der Verbandsgemeinde zur Zeit auf dem Prüfstand, so daß einige Wegpunkte und Schilder nicht ganz so gut gepflegt sind, wie sie es eigentlich sein sollten. Auch die Website des Sirona-Weges ist zur Zeit offline. Dem Weg kann man aber dennoch gut folgen; insbesondere im Raum Belginum – Hochscheid – Stipshausen – Bundenbach finden sich einige interessante Sehenswürdigkeiten, die in diesem beliebten Wandergebiet in einer Ganztageswanderung erschlossen werden können (Abschnittslänge ca. 20 km).

Hintergrundinformationen:

Der vicus Belginum im östlichen Gallien war zu römischer Zeit ein Ort, der direkt an der viel bereisten und zum Teil zweispurig ausgebauten Ausoniusstraße lag und damit ein wichtiger Durchgangsort war für Reisende in West-Ost-Richtung und für Pilger, die auf dem Weg zum nahen Quellheiligtum in Hochscheid waren.

Ein Kräutergarten mit typischen Kräutern, die zu römischer Zeit verwendet wurden

Ein Kräutergarten mit typischen Kräutern, die zu römischer Zeit verwendet wurden

Der Siedlungsort ist jedoch weit älter und war schon in vorrömischer Zeit von einheimischen Kelten besiedelt. Die Siedlungsgeschichte erstreckt sich von 400 v. Chr. bis 400 n. Chr. und ist deswegen ein bedeutender Fundort für die keltische Zeit im Hunsrück, der vom Stamm der Treverer bewohnt war.

Darüber hinaus ist er auch eine wichtige Fundstätte für die gallo-römische Übergangszeit, da er detailliert den Prozeß der Romanisierung der einheimischen Bevölkerung belegt, die mit der Ankunft der Römer nach dem Ende des Gallischen Krieges nach und nach den römischen Lebensstil übernahmen. Nicht zuletzt wird auch die provinzialrömische Zeit bis in die Spätantike und die beginnende Christianisierung dokumentiert.

Das Besondere an Belginum ist, daß neben dem eigentlichen Ort mit seinen vier Tempelkomplexen, Kulttheater (dessen Nutzung zu kultischen Zwecken durch eine Inschrift belegt ist) und kleinem Militärlager ein riesiges Gräberfeld lag, das fast 1000 Jahre lang durchgängig genutzt wurde.

Es finden sich sowohl keltische Hügelgräber aus vorrömischer Zeit, Gräber aus der Zeit des Gallischen Krieges, Brandgräber nach römischem Brauch und zuletzt Körpergräber nach christlichem Brauch. Die fast 2500 entdeckten Gräber dokumentieren durch ihre Grabfunde detailliert Alter, Geschlecht, Besitzstand und Status der hier Bestatteten. Es gibt Gräber alter und junger Menschen bis hin zu Kindergräbern, wohlhabender und armer Einwohner, Krieger und Handwerker. Insbesondere in der Bestattungskultur ist der Übergang von keltischen zu gallo-römischen Bräuchen und der Mischkultur, die für diese Region typisch ist, sehr gut zu beobachten.

Die Göttin Epona wurde hier im Tempel verehrt, sie war eine der Hauptgottheiten der Treverer

Die Göttin Epona wurde hier im Tempel verehrt, sie war eine der Hauptgottheiten der Treverer

Die Verschmelzung keltischer Bräuche und Glaubensvorstellungen, auch die Übernahme von Gottheiten, die für die Treverer eine besonders zentrale Rolle spielten (wie Epona, Sirona und Grannus) in den römischen Pantheon sind in dieser Region im Hunsrück sehr gut zu sehen. Hier hat sich, wie im ganzen östlichen Gallien (vor allem im Mosel- und Eifelraum) die besondere Mischform des gallo-römischen Cultus in ganz typischer Weise herausgebildet und ist in Belginum durch die Jahrhunderte nachvollziehbar.

Im Tempelbezirk sind die typisch gallo-römischen Umgangstempel mit Cella nachgewiesen. Dort ebenfalls gefundene Pfostenlöcher weisen bereits auf eine Nutzung als Tempelbezirk zu keltischer Zeit hin, da auch die Kelten in dieser Region bereits feststehende Tempelgebäude errichteten. Gleichzeitig befand sich der Tempelbezirk am Ortsrand, was vermuten läßt, daß hier keltische Traditionen der Naturverehrung mit römischen städtischen Traditionen verbunden wurden. Zahlreiche Inschriften, Weihealtäre, Bronzestatuetten und Opfergaben (wie Pferdegeschirr und Wagenteile, die im Tempel gefunden wurden) belegen unter anderem, daß hier ein zentrales Heiligtum für die Göttin Epona stand. Sie war eine der wichtigsten Göttinnen der Treverer, die im ganzen Reich für ihre Pferdezucht bekannt waren und auch die römische Armee mit Pferden belieferten.

Welche anderen Götter eine zentrale Rolle in den Umgangstempeln spielten, ist nicht bekannt, da in keiner Cella ein großes Standbild (wie man es zum Beispiel von Sirona aus Hochscheid kennt) gefunden wurde. Zu den kleinen Figurenfunden gehörten unter anderem Venus und Herkules.

Belginum vicus an der Ausoniusstraße auf der römischen Straßenkarte

Belginum vicus an der Ausoniusstraße auf der römischen Straßenkarte

Die Siedlungsgeschichte an diesem Ort begann um 400 v. Chr. zur Zeit der Hunsrück-Eifel-Kultur, reicht kontinuierlich über die Spätlatènezeit bis in die Eisenzeit und Spätantike. Der Name des Ortes, vicus Belginum, ist auf der Tabula Peutingeriana aufgeführt, einer 6,80 Meter langen römischen Straßenkarte aus dem 3. Jahrhundert, die die wichtigsten Orte des gesamten Römischen Reichs und deren Verbindungsstraßen zeigt (das Original ist nicht erhalten, wurde zu spätrömischer Zeit im 5. Jahrhundert auf der Grundlage von Kartenmaterial aus dem 3. Jahrhundert neu erstellt, zu karolinischer Zeit und im 12. Jahrhundert kopiert; die letzte Kopie ist erhalten geblieben). Auch das zeigt die Bedeutung dieses Ortes an einem wichtigen Verkehrsweg.

Durch die verkehrsgeographische und strategische Lage war Belginum ein wichtiger Warenumschlagplatz, über den Waren aus entfernten Regionen des Reichs, so aus Afrika, Spanien und Italien, nach Norden und von Westen an den Rhein transportiert wurden. Rohstoffe und Güter aus der Region gelangten von hier aus wiederum in den Mittelmeerraum. Zahlreiche Funde, wie riesige Amphoren mit spanischem Olivenöl, dokumentieren den reichsweiten Warenverkehr, der mit hohem logistischem Aufwand betrieben wurde.

Hercules-Figur, gefunden in Belginum

Hercules-Figur, gefunden in Belginum

Im Ort herrschte ein reges Markttreiben, der Markt zog Händler, Handwerker und Kunden von weither an. Außerdem gab es die wichtigsten Handwerksbetriebe vor Ort, vom Radmacher und Wagenbauer über Tischler, Schmiede, bis zum Tuchmacher sowie Ärzten. Die Gegend war auch – wie heute noch – stark von Landwirtschaft geprägt, so daß Bauern in Belginum die Produkte aus der Region anboten.

Die Siedlung bestand aus engen, nebeneinander liegenden Parzellen mit schmalen, rechteckigen Häusern von 8 – 10 Metern Breite und 30 – 40 Metern Länge, die entlang der Straße errichtet waren. Jedes Haus verfügte über einen eigenen Keller und hatte vor der Eingangstür ein Vordach. Es handelte sich um Fachwerkhäuser, die auf steinernen Fundamenten standen und sie beinhalteten wahrscheinlich, wie dies üblich war, Geschäfte und Werkstätten im vorderen Teil und Wohnräume im hinteren Teil. Daran schlossen sich Innenhöfe und Gärten an, in denen Zisternen und Abwässerkanäle eine gut funktionierende Wasserversorgung und Abwasserentsorgung belegen. Da diese Region des Hunsrück bekannt für seine Schiefervorkommen ist (Hunsrück-Schiefer, Bundenbacher Schiefer), der hier auch im großen Stil abgebaut wurde und immer noch wird, waren die Häuser schiefergedeckt.

Zum Ende des 4. Jahrhunderts wurde Belginum, wahrscheinlich durch den Druck der Germaneneinfälle, aufgegeben. Auch die Nekropole, in der fast 1000 Jahre lang Kelten und Römer ihre Toten bestatteten, wurde nicht mehr genutzt.

Die antike Stätte und der antike Straßenverlauf werden seit dem 17. Jahrhundert archäologisch erforscht. Bis ins 20. Jahrhundert waren die Ruinen in der nicht mehr neu besiedelten Gegend oberirdisch sichtbar und fielen immer wieder durch zahlreiche, auch außergewöhnliche Funde auf.

Keltische Hügelgräber in der Nekropole von Belginum

Keltische Hügelgräber in der Nekropole von Belginum

Die ersten systematischen Grabungen erfolgten ab dem Jahr 1954 in mehrjährigen Grabungskampagnen, bei denen das 4,5 ha große Gräberfeld mit seinen 2500 Gräbern archäologisch erfasst wurde. Ab 1969, im Rahmen von Straßenbaumaßnahmen an der nahen Bundesstraße, wurde auch der dazugehörige vicus untersucht, der etwa 600 Meter entlang der römischen Straße und der heutigen Hunsrückhöhenstraße verlief.

In den 90er Jahren wurde das Gebiet mit geophysikalischen Methoden untersucht, wobei zwei Tempelbezirke, das Kulttheater und ein frührömisches Militärlager nachgewiesen werden konnten.

Im Jahr 2002 wurde in diesem Gebiet der Archäologiepark Belginum gegründet, um die Funde zu bewahren und den bedeutsamen Ort der Öffentlichkeit vorzustellen. Die Ausgrabungen dauern bis heute an; aktuell konzentrieren sie sich auf den westlichen Teil der Siedlung und den zweiten Tempelbezirk. Die Grabungen erfolgen in Kooperation mit dem Landesmuseum Trier.

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Museen: Gallo-Romeins Museum Tongeren (BE)

Ein moderner Betonbau, der es in sich hat: Europäisches Museum des Jahres 2011

Ein moderner Betonbau, der es in sich hat: Europäisches Museum des Jahres 2011

Anschrift:

Kielenstraat 15, 3700 Tongeren, Belgien

Anfahrt:

Tongeren liegt in der belgischen Provinz Limburg im flämischsprachigen Teil Belgiens zwischen Liège und Maastricht. Die Stadt ist mit dem Auto direkt über die Autobahn zu erreichen und mit jedem Navi gut zu finden.

Das Museum liegt in der fußläufigen Innenstadt, so daß man einen der öffentlichen Parkplätze außerhalb der Fußgängerzone nutzen sollte. Ein großer Parkplatz befindet sich am Stadtpark De Motte, von dem aus die Innenstadt zu Fuß gut zu erreichen ist.

Man sollte bei der Anreise allerdings darauf achten, daß jeden Sonntag der „Antiek- et Brocantemarkt“ auf dem Viehmarkt in der Fußgängerzone stattfindet, der größte Antikflohmarkt der Benelux-Länder, der sogar Tagesgäste aus England und Frankreich anzieht. Er ist sehr sehenswert, mit unglaublichen Kuriositäten (von denen man einige nicht legal über die deutsche Grenze bringen dürfte), aber er verschärft natürlich die Parkplatzsituation. Aber trotz des Flohmarkts haben wir einen Parkplatz am De Motte gefunden.

Auch die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist kein Problem, Tongeren hat einen Bahnhof und wird u.a. vom Regionalverkehr aus Aachen angefahren.

Das Museum liegt direkt neben der Basilika und ist deshalb nicht zu verfehlen.

Hintergrundinformationen:

Modell der römischen Stadt Atuatuca Tungrorum

Modell der römischen Stadt Atuatuca Tungrorum

Tongeren streitet sich mit Arlon um den Titel der ältesten Stadt Belgiens.

Tongeren geht auf die römische Stadt Atuatuca Tungrorum in der Provinz Germania Inferior zurück. Ob die von Julius Caesar in seinem „De Bello Gallico“ erwähnte Festung Atuatuca (oder Aduatuca) der Eburonen identisch ist mit der Stadt, oder ob Atuatuca in der gallischen Sprache einfach nur „Festung“ oder „Fort“ bedeutete und für mehrere Orte galt, ist nicht bekannt.

Nach dem Ende des gallischen Krieges war Atuatuca Tungrorum eine florierende römische Stadt mit einer Stadtmauer, deren Reste heute noch zu sehen sind.

Die Region ist reich an archäologischen Stätten und es gibt zahlreiche Funde aus dem gallo-römischen Atuatuca Tungrorum. Aus diesem Grund wurde in der Stadt im Jahre 1954 ein Museum errichtet, um die bereits im 19. Jahrhundert begründete archäologische Sammlung der Königlichen Geschichts- und Altertumskundlichen Gesellschaft von Tongeren der Öffentlichkeit präsentieren zu können.

Ein Schwerpunkt der Sammlung ist die Geschichte der Eburonen unter ihrem König Ambiorix, der in der Stadt bis heute besondere Verehrung genießt und als überlebensgroße Statue auf dem Marktplatz von Tongeren steht.

Im Jahr 1994 wurde das Museum komplett neu gestaltet und im Jahr 2006 noch einmal erweitert. Es ist ein sehr moderner, weitläufiger Bau, der im Jahr 2011 die Auszeichnung „Europäisches Museum des Jahres“ erhielt.

Die Sammlung

Die Wachsfiguren in der Steinzeitaustellung wirken lebensecht

Die Wachsfiguren in der Steinzeitaustellung wirken lebensecht

Das Museum ist in mehrere Abteilungen und Etagen gegliedert. Im Keller ist viel Raum für Sonderausstellungen (wir waren dort z.B. in der Wikinger-Ausstellung im Jahr 2014).

Im ersten Teil der Dauerausstellung geht es um Steinzeit und Frühgeschichte in der Region, die in dramtischen, lebensnahen Szenen präsentiert wird. Hier fallen vor allem die extrem lebendig wirkenden Wachsfiguren auf, die Steinzeitmenschen in Aktion zeigen, beim Jagen oder Sammeln. Sie sind sehr lebensecht gestaltet, inklusive Körperbehaarung, und haben faszinierend ausdrucksstarke Gesichter. Es gibt auch die anatomische Darstellung eines Neandertalers, bei der man einen Blick in den Körper werfen kann.

Eine Etage höher liegt die gallo-römische Sammlung, die einerseits die Eburonen, andererseits die Römer zum Thema hat. Dabei ist die Sammlung thematisch gegliedert, es gibt Bereiche zum keltischen und römischen Alltagsleben, wie Keramik und Gebrauchsgegenstände, Grabkultur, Wandmalereien, oder Religion, die sich durch eine große Sammlung von für diese Region besonders typischen Jupiter-Gigantensäulen auszeichnet.

Ein Modell der antiken Stadt verdeutlicht die Größe von Atuatuca Tungrorum und den typischen römischen Bauplan mit zentralem Tempelkomplex und Thermen.

Das Ende der Ausstellung wird thematisch vom Übergang in die Christianisierung und Spätantike gebildet.

Präsentation

Eine ungewöhnliche Art, antike Keramik zu präsentieren

Eine ungewöhnliche Art, antike Keramik zu präsentieren

Die Räumlichkeiten des Museums sind ungewöhnlich – das Gebäude ist eigentlich ein monströser Betonklotz. Aber die Hallen, die auf mehreren Etagen liegen, sind durch Vitrinen und Gänge gegliedert, so daß sie weitläufig wirken und jedem Ausstellungsstück viel Raum bieten, und man hat nicht das Gefühl, in einer seelenlosen Betonhalle zu stehen. Die Architektur, so geschmacksabhängig sie sein mag, wirkt durchdacht und wurde genau um die Sammlung herum konzipiert.

Besonders beeindruckend fanden wir die lebensechten Wachsfiguren, mit denen einige Szenen aus dem Alltagsleben der Einheimischen dargestellt werden. Es gibt zum Beispiel den Trauerzug einer römischen Beerdigung, bei dem den Teilnehmern der Schmerz und die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben stehen. Aber auch die lebensechten Steinzeitmenschen, bis hin zu einem spielenden Kind, wirken lebendig und fernab der üblichen Klischees.

Der Tempelkomplex von Atuatuca Tungrorum

Der Tempelkomplex von Atuatuca Tungrorum

Die Beschriftung der einzelnen Sektionen ist ausschließlich auf Flämisch. Hier gibt es diverse Schilder und große Wandtafeln mit Hintergrundinformationen. Für anderssprachige Besucher ist an der Kasse kostenlos eine Leihbroschüre erhältlich (Englisch, Deutsch, Französisch), in der die Fundstücke sehr ausführlich beschrieben sind, so daß man keine Angst haben muß, daß einem wertvolle Informationen entgehen. Für Sonderausstellungen gibt es bisweilen auch Audio-Guides in anderen Sprachen.

Großformatige Karten an den Wänden geben einen genauen Überblick über die geographische Situation in der Region in der Antike.

Das große Modell der Stadt ist sehr anschaulich und die Ausstellungsstücke sind sinnig nach Themen gruppiert, so daß auch ein didaktischer Nutzen gegeben ist. Einige Präsentationen sind ungewöhnlich, zum Beispiel gibt es eine Wand mit Keramikkrügen, Schalen und Amphoren, die normalerweise ja immer eher stiefmütterlich in Vitrinen herumstehen. Hier findet sich eine riesige Wandkarte des gallischen Raumes bis nach Frankreich, an der die Keramik nach Fundorten auf Ständern gezeigt wird. Das ist ein interessanter Effekt und rückt diese oft vernachlässigten, aber wichtigen Funde etwas in den Fokus.

Ein Teil der Sammlung beschäftigt sich mit Religion und Cultus

Ein Teil der Sammlung beschäftigt sich mit Religion und Cultus

Im Eingangsbereich gibt es einen Museumsshop, der Bücher, Repliken, Ambiorix-Figuren in allen Größen sowie römische und keltische Devotionalien aller Art anbietet. Als besonderen Service bietet der Shop das kostenlose Verpacken als Geschenk an.

Das Museum ist generell sehr weitläufig, hat hohe Hallen im Eingangsbereich, Räume für Vorträge, Seminare, Workshops und Sonderveranstaltungen, einen großen Kellerbereich mit sauberen, modernen Toiletten, Garderoben und einem simulierten archäologischen Ausgrabungsplatz, an dem Kinder spielen können. Durch die fensterlose Betonkonstruktion ist es möglich, die Sonderausstellungen mit besonderer Beleuchtung oder multimedialen Elementen effektreich in Szene zu setzen, was z.B. bei der Wikingerausstellung sehr gut umgesetzt wurde.

Es gibt auch ein Museumscafe mit Außenterrasse, das neben Kaffee und Kuchen auch warme Speisen, Snacks und regionale Küche anbietet.

Service, Personal, Besucherfreundlichkeit

Eine Jupitergigantensäule, die es nur im östlichen Gallien bis Niedergermanien gab

Eine Jupitergigantensäule, die es nur im östlichen Gallien bis Niedergermanien gab

Im ganzen Museum ist Fotografieren (ohne Blitz) erlaubt.

Das Personal war immer freundlich (auch wenn es aufgrund des großen Besucheransturm während der Sonderausstellung etwas gehetzt wirkte). Man war bemüht, uns mit deutsch- oder englischsprachigem Audioguide und Informationsmaterial zu unterstützen und bot uns dies ungefragt von sich aus an, als wir dort an der Kasse standen.

In der Dauerausstellung kann man sich frei und ungezwungen bewegen, man hat nicht, wie in manch anderem Museum, das Gefühl, von finster dreinblickenden Aufsehern auf Schritt und Tritt belauert und verfolgt zu werden. Ganz im Gegenteil ging es dort recht locker zu, wir amüsierten uns in der Steinzeit-Austellung, wo man durchaus auch mal in ein Fellzelt krabbeln darf, oder fotografierten uns szenisch mit den Wachsfiguren. Das Museum ist zwar mit Kameras überwacht, aber ansonsten kann man dort ganz alleine und in Ruhe herumlaufen.

Lediglich in der Sonderausstellung wurde versucht, die Besucherströme etwas mit Ordnern zu dirigieren. Das war aber eher eine Ausnahme, weil die Wikinger-Ausstellung extrem gut besucht war und massiv beworben wurde. Das Museum und die Dauerausstellung selbst ist nicht überlaufen und die Besucher haben ausreichend Platz, um sich in dem weitläufigen Bau zu verstreuen.

Das Museum ist behindertengerecht und rollstuhlfahrerfreundlich gestaltet.

Öffnungszeiten, Eintrittspreise

Das Museum ist Dienstags bis Freitags von 9-17 Uhr geöffnet, Samstags und Sonntags von 10-18 Uhr. Montags ist es (außer an Feiertagen) geschlossen.

Der Eintritt für Erwachsene beträgt 7€, für Behinderte, Ältere ab 55 und Ermäßigte 5€. Kinder und Jugendliche bis 26 (!) Jahre zahlen 1€. Es gibt auch eine Familienkarte für 15€.

Sonstiges

Die Beerdigungsszene ist erschreckend realistisch

Die Beerdigungsszene ist erschreckend realistisch

Ein Besuch des Museums sollte mit der Besichtigung der anderen Sehenswürdigkeiten der Stadt kombiniert werden. Wer Sonntags nach Tongeren reist, wird natürlich eine Weile staunend auf dem kuriosen Antikenmarkt verbringen.

Daneben ist die alte römische Stadtmauer interessant, denn von der einst 4.544 m langen Mauer sind heute noch etwa 1.500 m erhalten. Überall in der Stadt finden sich Informationstafeln, die auf historische Punkte aufmerksam machen und Hintergrundinformationen liefern.

Das Standbild des Ambiorix auf dem Marktplatz ist das Wahrzeichen der Stadt und gehört natürlich für jeden römischen Touristen zum Pflichtprogramm.

Die imposante Liebfrauenbasilika neben dem Museum gilt als eines der bedeutendsten gotischen Bauwerke Belgiens und ist ebenfalls einen Besuch wert.

Das Standbild des Ambiorix, Wahrzeichen der Stadt

Das Standbild des Ambiorix, Wahrzeichen der Stadt

Uns gefällt das etwas ungewöhnliche Museum sehr gut und deshalb sprechen wir eine Empfehlung aus. Die regionalen Funde aus dem eburonischen Siedlungsraum sind gut aufbereitet und die Präsentation ist interessant gestaltet.

Wer sich für gallo-römische Geschichte, Kultur und Religion interessiert und ein Ausflugsziel in Niedergermanien sucht, sollte sich – idealerweise für einen Sonntag – einen Ausflug nach Tongeren vormerken. Das Museum ist natürlich auch eine gute Alternative für einen verregneten Tag.

Weiterführende Informationen

Events und Veranstaltungen: Römer- und Eburonenlager 2015 in Nettersheim

Im Römer- und Eburonenlager verträgt man sich gut

Im Römer- und Eburonenlager verträgt man sich – trotz keltischer Sitte des Köpfesammelns – gut

Eine besondere Gelegenheit, den Matronentempel für die Matronae Aufaniae und den dazugehörigen vicus Marcomagus mit Kleinkastell zu besuchen, ist das bevorstehende Römer- und Eburonenlager am 30. und 31. Mai 2015.

Der gallo-römische Tempel liegt inmitten des Archäologischen Landschaftsparks Nettersheim in der Eifel, in unmittelbarer Nähe zu zwei weiteren Matronentempeln (in Pesch und Zingsheim), direkt an der ehemaligen römischen Schnellstraße, der Via Agrippa von Trier nach Köln.

Der Verlauf dieser Hauptstraße ist im Archäologiepark ebenso nachvollziehbar wie der römische Ort Marcomagus, der zum einst beliebten Tempelkomplex gehörte. Hier reihten sich die Streifenhäuser der Handwerker und der Ladenbesitzer aneinander bis hinunter zum Fluß Urft, der heute von einer Brücke an der originalen Stelle gequert wird. Am anderen Ufer befand sich das kleine Kastell der örtlichen Beneficarier, die für die Aufrechterhaltung der Ordnung und das Kassieren der Zölle auf der viel befahrenen Straße zuständig waren.

Einmal im Jahr steht dieser Archäologische Park, in dem noch heute Lehrgrabungen der Universität Köln durchgeführt werden, um Marcomagus weiter zu erschließen, ganz im Zeichen der Römer und der hier ansässigen keltischen Eburonen.

Die Tempelanlage liegt auf einem Bergrücken und bietet eine tolle Aussicht über die Eifel

Die Tempelanlage liegt auf einem Bergrücken und bietet eine tolle Aussicht über die Eifel

Von Samstag, 30. Mai bis Sonntag, 31. Mai, schlagen die Römer der Legio XV Primigenia (Römerkohorte Niederrhein, Interessengemeinschaft für Römische Militär- und Kulturgeschichte im Rheinland) sowie die Eburonen des Tribus Eburones aus Euskirchen hier ihre Lager auf.

Ausgangspunkt der Veranstaltung ist das Naturzentrum Eifel mitten in Nettersheim, das auch ein kleines Museum mit Fossilien, Korallen, Informationen zu den Matronen und Römern, sowie die Natur rund um die Eifel bietet. Hier gibt es auch einen lohnenswerten Museumsshop, in dem zum Beispiel die Medusa erworben werden kann, deren Haupt den „Grünen Pütz“ ziert, den Beginn der römischen Eifelwasserleitung von Nettersheim nach Köln. Auch weitere römische Gegenstände (wie Münzrepliken) können hier – neben Büchern, Steinen, Kleidung, Produkten rund um die Eifel – erworben werden. Wenn man Glück hat, gibt es hier auch eine kleine Replik der drei aufanischen Matronen (diese sind jedoch nicht immer vorrätig).

Das Naturzentrum verfügt über ein großes Außengelände. In dieser parkähnlichen Grünanlage befindet sich das Lager der Römer und Eburonen. Besucher können hier mit den auskunftsfreudigen Darstellern fachsimpeln, sich das römische Alltags- und Legionärsleben in der Eifel erklären lassen oder von den Eburonen erfahren, wie hier das keltische Leben in vorrömischer Zeit aussah. Die Eburonen zeigen unter anderem ihren Nachbau eines keltischen Streitwagens, keltische Speisen und alte Handwerkstechniken. Im Römerlager gibt es Informationen zum Militäralltag, Vermessungstechnik und Handwerk.

Archäologen erläutern den aktuellen Stand der Ausgrabungen

Archäologen erläutern den aktuellen Stand der Ausgrabungen

Auch ist hier für das leibliche Wohl gesorgt, in dem Speisen nach original römischen Rezepten probiert werden können (natürlich gibt es auch Kaffee und Kuchen 😉 )

Mittags ist eine Pompa – ein Umzug – vom Naturzentrum zum Matronenheiligtum geplant.

Vom Naturzentrum aus führt ein gut ausgeschilderter Rundwanderweg durch den Archäologischen Landschaftspark. Zuerst erreicht der Besucher den auf einem Hügel gelegenen Matronentempel. Von dort aus folgt man dem Verlauf der Agrippastraße entlang durch den vicus Marcomagus bis hinunter zum Fluß und in das Kastell.

Während der Römer- und Eburonentage befinden sich an allen diesen Stationen fachkundige Ansprechpartner – sowohl Römer, die den vicus beleben oder ein römisches Opfer im Tempel durchführen, als auch Archäologen, die über den aktuellen Stand der Grabungen informieren und Einblicke in die aktuellen Grabungsstellen erlauben.

Ein römischer Reisewagen, von Pferden gezogen, verkehrt am Sonntag zwischen Naturzentrum Nettersheim und dem Tempel und kann ebenfalls genutzt werden.

Die Streifenhäuser von Marcomagus entlang der Via Agrippa

Die Streifenhäuser von Marcomagus entlang der Via Agrippa

Parkplätze sind im ganzen Ort ausgeschildert. Eine Anreise per Bahn ist ebenfalls gut möglich, da Nettersheim einen Bahnhof hat (der ganz in der Nähe des Naturzentrums liegt) und an die regelmäßig verkehrende Eifelbahn nach Gerolstein und Trier angeschlossen ist.

Die Veranstaltung findet an beiden Tagen von 10 – 18 Uhr statt.

Weiterführende Informationen auf der offiziellen Website des Naturzentrums Eifel.

Das Römer- und Eburonenlager gehört sicher nicht zu den „großen“ Veranstaltungen des Jahres, ist aber trotzdem ein schöner, engagierter Event in einer sehr sehenswerten und vor allem authentischen Kulisse.

Unser zusätzlicher Tipp für den römischen Touristen:

Wer sich vor allem für die Matronentempel interessiert und eine weitere Anreise hat, dem empfehlen wir, den Besuch bei dieser Gelegenheit mit den anderen beiden Tempeln zu kombinieren, die nur wenige Autominuten entfernt liegen (insbesondere der große Waldtempel bei Pesch ist sehr sehenswert, vor allem in der Abendstimmung).

Aber auch wer sich für römische Technologie interessiert, kann den Besuch des Archäologieparks mit dem römischen Brunnen und dem Beginn der Eifelwasserleitung verbinden, der sich ebenfalls in unmittelbarer Nähe befindet. Nicht zuletzt lohnt es sich, auf dem Weg nach Nettersheim kurz an der Villa Rustica von Roderath Halt zu machen.

Antike Stätten: Römerbergwerk Meurin

Das größte römische Untertage-Tuffsteinbergwerk nördlich der Alpen

Das größte römische Untertage-Tuffsteinbergwerk nördlich der Alpen

Anschrift:

Nickenicher Straße (an der B256), 56630 Kretz

Anfahrt:

Das römische Untertage-Tuffsteinbergwerk liegt mitten im „Vulkanpark“ in der Osteifel beim kleinen Ort Kretz in Rheinland-Pfalz.

Die Anfahrt erfolgt per Auto über die A61 bis zur Abfahrt Kruft. Hier folgt man der Bundesstraße B256 und den dort aufgestellten braunen Schildern des Vulkanparks mit der Beschriftung „Route Blau“. In Höhe des Ortes Kretz ist das Römerbergwerk als „Vulkanpark Römerbergwerk Meurin“ ausgeschildert.

Das Bergwerk ist auch per Bus zu erreichen; die Linie 335 des RMV verbindet einige Stationen des Vulkanparks miteinander. Zustieg ist möglich von Mayen, Mendig, Kruft, Neuwied, Andernach und Plaidt. Neuwied und Andernach haben zudem einen Bahnhof, der von Regionalbahnen angefahren wird. Von Kruft aus ist Kretz fußläufig zu erreichen.

Das Bergwerk verfügt über einen eigenen Parkplatz, an dem sich auch ein Imbiss und die Toiletten befinden. Achtung, vom Parkplatz aus sind es noch etwa 400 Meter Fußweg bis zum Bergwerk; dort befinden sich keine Toiletten, so daß man diese letzte Gelegenheit nutzen sollte.

Hintergrundinformationen:

Der eingestürzte Vulkankrater sieht heute harmlos und unschuldig aus...

Der eingestürzte Vulkankrater sieht heute harmlos und unschuldig aus…

Das Römerbergwerk in der Osteifel ist das größte römische Untertage-Tuffsteinbergwerk nördlich der Alpen. Deswegen ist es von großer archäologischer Bedeutung und bildet auch den archäologischen Höhepunkt der Stationen des Vulkanparks Osteifel (die allesamt sehr sehenswert sind!).

Zuerst ein bißchen Geologie, bevor wir uns wieder den Römern zuwenden!

Der mehrere Meter mächtige Tuffstein, der weite Teile der Osteifel überdeckt, stammt aus dem Ausbruch des Laacher-See-Vulkans im Jahre 10.930 v. Chr..

Der Vulkan, dessen eingestürzter Krater heute den Laacher See beinhaltet, gehört zum plinianischen Typ – und damit zum gleichen explosiven Vulkantyp wie der Vesuv, der im Jahr 79 n. Chr. Pompeji und Herculaneum begrub, oder auch Mount St. Helens und der Supervulkan unter dem Yellowstone-Nationalpark. Die Bezeichnung „plinianisch“ haben wir Plinius dem Jüngeren zu verdanken, der den Ausbruch des Vesuvs als Augenzeuge detailgetreu in zwei Briefen an Tacitus beschrieb.

Auch der letzte Laacher See-Ausbruch vor knapp 13000 Jahren war ein katastrophaler Ausbruch. Er ging mit der Explosion mehrerer Vulkankegel im Gebiet des heutigen Laacher Sees einher, bei denen riesige Mengen Asche und Bims ausgeschleudert wurden, die in ganz Europa bis nach Schweden zu finden sind. 600 Grad heiße Ascheströme wälzten sich über die Landschaft und verfüllten ganze Täler. In der unmittelbaren Umgebung bis zum Rheintal beträgt die Dicke der Schicht über 7 Meter. Der Ausbruch war sechsmal stärker als der Ausbruch des Mount St. Helens im Jahr 1980.

...aber blubbernde Mofetten beweisen, daß der Vulkan noch aktiv ist

…aber blubbernde Mofetten beweisen, daß der Vulkan noch aktiv ist

Noch heute ist die Gegend vulkanisch aktiv und der Laacher See-Vulkan nicht erloschen – wie aufsteigende Gasbläschen (Mofetten) im Laacher See eindrucksvoll beweisen. Zwischen der Entstehung der Magmakammer unter der Osteifel und dem ersten großen Ausbruch vergingen fast 17.000 Jahre, so daß ein neuer Ausbruch innerhalb der nächsten Jahrtausende aus geologischer Sicht sehr wahrscheinlich ist – auch wenn keine akute Gefahr besteht. Ihr könnt den Vulkanpark zur Zeit also unbesorgt besuchen 😉

Bei dem hier abgebauten Tuffstein handelt es sich um verfestigtes vulkanisches Auswurfmaterial, das aus vulkanischen Aschen und zerbrochenem Gesteinsmaterial (sogenannte Pyroklasten) besteht, das während der Eruption in die Luft geschleudert wurde. Außerdem ist im Tuffstein häufig Gas eingeschlossen. Er ist relativ weich und gut zu bearbeiten und hat zudem gute dämmende Eigenschaften, weswegen er für die Römer ein beliebtes Baumaterial war, das aus der Osteifel entlang des Rheins in alle Teile des Reichs verschifft wurde. Man nennt ihn deswegen auch den „Leichtbaustein der Antike„. So wurden zum Beispiel zahlreiche Gebäude und die Stadtmauer von Xanten (für die allein 50.000 Tonnen Material benötigt wurden) aus Eifeler Tuffstein erbaut.

Ein

Ein „römisches Wasserwerk“ an der Eifelwasserleitung (hier bei Mechernich) beweist, wie haltbar römischer Beton ist

Daneben bildete der Tuffstein die Grundlage für den von den Römern entwickelten Beton, aus dem Wasserleitungen, Hafenanlagen, Brücken und „Gebäude für die Ewigkeit“, wie das Pantheon in Rom, erbaut wurden. Vermischt mit Kalk, Sand, Bims und Wasser erhielten sie einen druckfesten Stein, der sogar unter Wasser aushärtete.

Viele römische Bauwerke (wie die Wasserleitungen in der Eifel) sind deswegen heute noch erhalten, unter anderem auch deshalb, weil es einen hohen technischen Aufwand erfordern würde, diesen Beton zu beseitigen. Römischer Beton ist haltbarer als viele heute verwendete Werkstoffe, was erklärt, daß 2000-Jahre alte Brücken in Trier oder Cordoba noch heute existieren und befahren werden, moderne Brücken wie in Leverkusen oder Bonn aber wegen Baufälligkeit fast zusammenbrechen.

Doch nun zum Römerbergwerk selbst.

In der Osteifel, wo der Tuffstein (aber auch andere Vulkangesteine wie Basalt) in mehreren Metern Mächtigkeit vorliegen, befanden sich zahlreiche römische Bergwerke, in denen Gesteine sowohl unter Tage als auch über Tage abgebaut wurde. Die Basaltsteinbrüche bei Mayen, die schon von den Kelten genutzt wurden, sind ein eindrucksvolles Beispiel für den oberirdischen großindustriellen Abbau von Vulkangesteinen.

Im Bergwerk bekommt man einen guten Eindruck von der Mächtigkeit des Tuffsteins

Im Bergwerk bekommt man einen guten Eindruck von der Mächtigkeit des Tuffsteins

Im Gegensatz zum oberirdisch abgebauten Basalt im Raum Mayen wurde der Tuffstein in der Region unter Tage gewonnen. Da der Tuffstein in der Region von einer meterdicken Bimsschicht – leichte, aufgeschäumte Lava – bedeckt ist, mußte man sich erst durch diese Schicht hinab zum Tuffstein graben, was den unterirdischen Abbau erklärt.

Für Bims hatte man seinerzeit noch keine industrielle Verwendung, so daß er zwar unter anderem für die Körperpflege oder zum Glätten von Pergament genutzt wurde, jedoch nicht als Baustoff. Erst in der Neuzeit wurde Bims wirtschaftlich attraktiv, da daraus Leichtbeton und Schwemmstein produziert wird. Für die Römer waren die Unmengen an Bims also eher ein lästiges Nebenprodukt, für das sie in den Mengen keine Verwendung hatten.

Da der Tuffstein auch im Mittelalter weiter genutzt wurde (unter anderem zum Bau des Kölner Doms, der Abtei Maria Laach, aber auch vieler anderer mittelalterlicher Gebäude im Rheinland), wurden viele römische Bergwerke zerstört, da man sich ausgehend von den römischen Grabungen immer tiefer in das Gestein schlug, wodurch viele römische Stollen einbrachen oder mit Abraum verfüllt wurden.

Ununterbrochen von der Römerzeit bis heute wird hier Tuffstein abgebaut

Ununterbrochen von der Römerzeit bis heute wird hier Tuffstein abgebaut

Bei Kretz wird noch heute Tuffstein und Bims abgebaut. Das Gelände liegt neben dem Tagebaugelände der Firma „Trasswerke Meurin„.

Das Römerbergwerk war im Jahr 1950 wiederentdeckt worden, seinerzeit jedoch noch von einer 6 Meter hohen Bimsschicht bedeckt. Als man den Bims ab 1960 mit Baggern abzubauen begann, stürzten zahlreiche römische Stollen ein.

Im Jahr 1996 wurde das Amt für Vor- und Frühgeschichte in Koblenz auf das römische Bergwerk aufmerksam und erkannte seine Bedeutung als eines der größten antiken Tuffsteinbergwerke nördlich der Alpen. Man begann mit archäologischen Grabungen, wobei man die einsturzgefährdeten Stollen aufwendig abstützen mußte, um sie zu bewahren. Da diese antike Stätte von so großer überregionaler Bedeutung war, entschieden sich der Landkreis Mayen-Koblenz und der Vulkanpark gemeinsam, den Ort zu sichern und als Station in den Geopark Vulkanpark Osteifel zu integrieren, so daß das Gebiet mit Landesmitteln aufgekauft wurde.

Der Schutzbau wirkt futuristisch, ist aber sehr durchdacht

Der Schutzbau wirkt futuristisch, ist aber sehr durchdacht

Um das Bergwerk vor Regenwasser und damit verbundener Überflutung zu schützen, wurde ein Schutzbau über dem Bergwerk errichtet. Er besteht aus einer 44 x 54 Meter großen, freitragenden, halbrunden Hallenkonstruktion mit transparentem Kunststoffdach, der einerseits vor Wind und Wetter schützt, andererseits aber eine gute Tageslichtbeleuchtung gewährleistet. Für diese Konstruktion und die publikumswirksame Präsentation dieses archäologischen Fundplatzes wurde das Römerbergwerk 2003 von der Denkmalorganisation Europa Nostra im Auftrag der EU mit dem Europa Nostra Award als besonders wertvolle und schützenswerte archäologische Fundstätte ausgezeichnet – einem der höchsten europäischen Kulturpreise in der Kategorie „Archäologische Fundstätten“.

Der unterirdische Abbau der Tuffsteine war zu römischer Zeit eine sehr schwierige Tätigkeit, die in engen, staubigen Gängen und unter schlechten Lichtverhältnissen im Schein von Öllampen ausgeführt wurde. Zumindest Steinstaublunge hatten die Arbeiter nicht zu fürchten, da der Vulkanstaub – im Gegensatz zum Kohlenstaub – nicht lungengängig ist und deshalb abgehustet werden kann.

Das Bestimmen der abbauwürdigen Tuffsteinbänke erforderte gute Fachkenntnisse vom Vorarbeiter, denn der Steinblock durfte beim Herauslösen nicht in zu kleine Teile brechen. Ziel war es, etwa ein Meter breite und eineinhalb Meter hohe Tuffblöcke aus dem Gestein zu lösen, die direkt unter Tage zu groben Mauersteinen weiterverarbeitet wurden, um sie leichter transportieren zu können. Vorarbeiter markierten die Bänke, die in einem komplizierten Verfahren vorsichtig und gleichmäßig mit Eisenkeilen aus der Wand gelöst wurden.

An der Oberfläche wurden die Steine weiterverarbeitet, gemahlen oder in die gewünschte Größe und Form gesägt.

Die gewonnen Steine wurden über die aus dem Inneren Galliens kommende römische Schnellstraße an den Rhein zum großen Hafen in Antunnacum (Andernach) transportiert, wo auch die Mühlsteine aus dem Mayener Gebiet verladen wurden. Antunnacum lag in einer Rheinbucht und hatte einen geschützten Hafen. Es war zu römischer Zeit einer der wichtigsten Handels- und Umschlagplätze für Gesteinsprodukte, die für die ganze Region ein bedeutender Wirtschaftsfaktor waren.

In Antunnacum wurden die Steine auf flache Boote verladen, die auf hohes Gewicht ausgelegt waren und von dort aus rheinabwärts nach Germania inferior (Niedergermanien) in die Gegend des Niederrheins und bis in die Niederlande – eine sehr steinarme Region – verschifft.

Weihealtar für Hercules Saxanus

Weihealtar für Hercules Saxanus

Römische Soldaten – die immer auch Pioniere waren, die in den neuen Provinzen unter anderem Straßen bauten – brachten das Wissen um den Tuffsteinabbau mit in die nördlichen Provinzen der Osteifel. Im großen Stil organisierter Abbau des Tuffsteins in der Region wird seit den vierziger Jahren des 1. Jahrhunderts n. Chr. durch Inschriften auf zahlreichen Weihealtären sowie aus Steinbruchinschriften überall in der Region belegt, jedoch muß auch schon früher Abbau stattgefunden haben, denn der römische Hafenturm von Köln (heute als „Ubiermonument“ bekannt) besteht ebenfalls aus diesem Tuffstein. Er wurde im Jahr 4 n. Chr. erbaut und gilt damit der älteste Steinbau im römischen Deutschland.

Die Mehrzahl der gefundenen Weihealtäre ist Hercules Saxanus geweiht, dem Gott der Steinmetze, Steinarbeiter und Steinbrecher. Ein Weihestein im Steinbruch Meurin dokumentiert eine Weihung an Hercules Saxanus durch eine Abordnung der 30. Legion Ulpia Victrix.

Der Steinbruchbetrieb wurde auch nach dem Ende des Römischen Reichs, durch das Mittelalter hindurch bis in die Gegenwart ununterbrochen fortgesetzt. Noch heute wird in unmittelbarer Nähe zum Römerbergwerk Bims und Tuffstein gewonnen.

Beschreibung

Eine Brücke erlaubt einen guten Blick von oben auf die Stollengänge

Eine Brücke erlaubt einen guten Blick von oben auf die Stollengänge

Wie alle Stationen des Vulkanparks, ist auch das Römerbergwerk Meurin sehr gut touristisch erschlossen und aufbereitet.

Die hohe, halbrunde Halle wirkt auf den ersten Blick recht futuristisch. Wenn man sie durch die runde Schleuse betritt, fällt jedoch auf, wie gut durchdacht die Konstruktion aus Stahlträgern und transparentem Kunststoff ist. Es fällt das Tageslicht herein, Luftlöcher sorgen für eine angenehme Ventilation auch im Sommer, so daß kein Treibhauseffekt entsteht.

Das Bergwerk selbst wird auf einem Rundweg erkundet, man kann sich in der Anlage frei bewegen. Im Eingangsbereich befindet sich die Kasse mit einem kleinen Vulkanpark-Shop und einigen Tischen und Bänken, an denen man rasten und kleine Snacks und Getränke erwerben kann.

Transparente Beschriftungen verdeutlichen komplizierte Vorgänge

Transparente Beschriftungen verdeutlichen komplizierte Vorgänge

Beim Bezahlen bekommt man an der Kasse einen Audioguide ausgehändigt. Mit diesem begibt man sich in das Bergwerk. Neben einigen grundsätzlichen Infos, die auf Flaggen und Tafeln zu lesen sind, befinden sich überall kleine Zahlen, die man in den Audioguide eingibt, um detaillierte Informationen zu erhalten. Die Texte sind gut und interessant gesprochen und vermitteln viel Hintergrundwissen, sowohl über Geologie, Tuffstein, Bergbau und Vulkanismus, als auch über die Römer, Abbaumethoden und das Mittelalter.

Von der Plattform des Kassenbereichs verläuft als erstes eine Holzrampe wie eine Brücke oberhalb des Bergwerks zum hinteren Teil der Halle. Entlang der Rampe stehen Flaggen, auf denen grundsätzliche Informationen zum Römerbergwerk zu lesen sind. Außerdem hat man von dort aus einen guten Blick hinab auf das Stollensystem. Ebenfalls auf der Rampe zu finden ist die Replik eines Weihealtars für Hercules Saxanus (natürlich aus Tuffstein).

Der Außenbereich zeigt den römischen Arbeiteralltag an einem Bergwerk

Der Außenbereich zeigt den römischen Arbeitsalltag an einem Bergwerk

Am Ende der Halle kann man die Halle verlassen und hinaus in den Außenbereich gehen. Hier ist ein antiker Arbeitsbereich nachgestaltet, wo man einen römischen Lastenkran, eine pompejanische Mühle aus Mayener Basalt, eine Schmiede, einige römische Brettspiele, Steinmetzhütten und eine Küche für die Arbeiter in Augenschein nehmen kann. Neuester Zugang ist eine byzantinische Steinsäge nach einem antiken Vorbild aus Ephesus, die mit Wasserkraft betrieben wurde – eine große Arbeitserleichterung für die im Steinbruch tätigen Arbeiter und Sklaven.

Alle Teile sind funktionsfähig und werden an Aktions- und Erlebnistagen auch vorgeführt und der Ort von einer römischen Kohorte „belebt“.

Der Außenbereich wird unter der Leitung von Archäotechniker Kuno Menchen ausgebaut, der die römische Geschichte mit sehr großem Enthusiasmus lebt und sein langjähriges Hobby – Römer und römisches Handwerk – zum Beruf gemacht hat.

Alles ist gut beschildert

Alles ist gut beschildert

Zurück in der Halle führt ein Weg nach unten in den eigentlichen Bergwerksbereich, der über hölzerne Stege durchlaufen wird. In einer Höhle befindet sich ein Kino, in dem in einem Film anschaulich dargestellt wird, wie der komplizierte Tuffsteinabbau praktisch durchgeführt wurde. Der Film ist deswegen auch außergewöhnlich, weil er auf Latein ist. Ein Vorarbeiter (dargestellt von Kuno Menchen) und zwei Arbeiter gewinnen darin einen Tuffsteinblock aus einer Wand, was sehr anschaulich ist und viel zum Verständnis der im Steinbruch zu sehenden Abbauspuren beiträgt.

Auch die mittelalterlichen Abbaubereiche gehören zur Präsentation. Es werden auch die Unterschiede zwischen der römischen Abbauzeit und ihren Methoden und dem mittelalterlichen Abbau erläutert.

Für den Besuch sollte man etwa 1 bis 1,5 Stunden einplanen.

Die ganze Anlage ist sehr gepflegt, die Beschriftungen informativ und die Verbindung mit dem Audioguide vorbildlich. Wir finden: ein sehr empfehlenswertes Ausflugsziel!

Öffnungszeiten, Eintrittspreise, Führungen

In der Anlage kann man sich frei bewegen

In der Anlage kann man sich frei bewegen

Das Römerbergwerk ist von Mitte März bis Anfang November geöffnet. In den Wintermonaten ist die Anlage geschlossen, es können jedoch Gruppenführungen außerhalb der Saison telefonisch vereinbart werden.

Montags ist das Bergwerk geschlossen, außer in den Schulferien von Rheinland-Pfalz und NRW.

Öffnungszeiten sind täglich von 9:00 – 17:00 h.

Der Eintrittspreis beträgt für Erwachsene 4,90€.

Kinder, Studenten, Schüler, Behinderte und BFD zahlen 4,00€. Kinder bis 1 Meter Körpergröße haben freien Eintritt.

Es gibt auch ermäßigte Familien- und Gruppenkarten. Außerdem ist es möglich, Kombitickets mit dem Infozentrum Vulkanpark zu erwerben.

Öffentliche Turnusführungen gibt es nicht, aber Gruppenführungen werden nach Absprache angeboten.

Sonstiges

Nach dem Besuch des Bergwerks ist auch der Laie Bims- und Tuffsteinexperte!

Nach dem Besuch des Bergwerks ist auch der Laie Bims- und Tuffsteinexperte!

Fotografieren ist erlaubt.

Der Besuch im Römerbergwerk Meurin kann ideal mit weiteren römischen Sehenswürdigkeiten in der unmittelbaren Nähe kombiniert werden: dem Mayener Grubenfeld, wo die römischen Mühlsteine gewonnen wurden, der Römerwarte Katzenberg bei Mayen, einer römischen Höhenfestung, und dem Grabtumulus mit Nischendenkmal bei Nickenich.

Ebenfalls sehenswert sind die übrigen Stationen des 27 Stationen umfassenden Vulkanparks, die ebenfalls in der Nähe liegen, wie das Deutsche Vulkanmuseum „Lava-Dome“ und die Lavahöhlen von Mendig, die Terra Vulcania (die ideal mit dem Mayener Grubenfeld kombiniert werden kann) oder der Geysir von Andernach.

Auch die Abtei Maria Laach ist aus dem Eifeler Tuffstein erbaut

Auch die Abtei Maria Laach ist aus dem Eifeler Tuffstein erbaut

Ganz in der Nähe liegt außerdem der Laacher See, der mit Wasser gefüllte Vulkankrater, der auf einem Rundwanderweg (15 Kilometer) umwandert werden kann. Infotafeln liefern dabei Hintergrundinformationen über den örtlichen Vulkanismus. Ein Highlight der Wanderung sind dabei die Gasmofetten, die von der vulkanischen Aktivität der Region zeugen.

Abgeschlossen werden sollte ein Besuch am Laacher See auf jeden Fall mit einem Besuch des Klosters Maria Laach, das eine sehr schöne romanische Kirche mit einem beeindruckenden Mosaik zu bieten hat, außerdem einen Klostershop, eine Buchhandlung, einen Hofladen und eine weit über die Grenzen hinaus bekannte Gärtnerei (wo es sogar römische Kräuter wie die Weinraute gibt, die sonst schwer zu bekommen ist – falls jemand gerne römisch kocht!).

Alles in allem eine sehr spannende Region, in der man sich durchaus auch mehrere Tage aufhalten kann!

Events und Veranstaltungen: Römermarkt in der Saalburg vom 1.-3. Mai 2015

Saalburg

Auch das Römerkastell Saalburg im Taunus ist immer eine Reise wert!

Ein langes Wochenende naht mit großen Schritten und, so Jupiter will, hoffentlich gutem Wetter!

In der Zeit vom 1. bis zum 3. Mai buhlen gleich mehrere römische Veranstaltungen um Euren Besuch. Das Schöne aber ist, daß alle Veranstaltungen sich über drei Tage erstrecken und somit nichts dagegen spricht, gleich mehrere davon zu besuchen.

Unser zweiter Tipp für dieses Wochenende:

Das Römerkastell Saalburg im Taunus bietet vom 1. bis 3. Mai einen Römermarkt. Hier kann sich der Besucher einen guten Eindruck davon machen, wie das typische römische Markttreiben in der Grenzregion am Limes aussah.

Wer immer schon das römische Marktleben kennenlernen wollte, hat hier die ideale Gelegenheit, es mit einem interessanten antiken Ort – einem aufwendig rekonstruierten Limes-Kastell – zu kombinieren, das allein schon eine Reise wert ist.

Der weitläufige Innenbereich des Kastells bietet eine gute Kulisse für eine römische Veranstaltung

Der weitläufige Innenbereich des Kastells bietet eine gute Kulisse für eine römische Veranstaltung

Die Markttreibenden bauen ihre Zelte und Stände sowohl außerhalb der Kastellmauern im vorgelagerten zivilen Dorf, dem vicus, auf, als auch innerhalb der Kastellmauern. Auf dem Markt zeigen unter anderem Schuster, Salbenhersteller, Feinschmiede, Knochenschnitzer und viele Händler ihre Waren und wie diese hergestellt werden. Auch erfährt der Besucher viel über römischen Handel und wie die Waren in die abgelegene Provinz gelangten.

Auch Mitmach-Aktionen gibt es für Kinder und Erwachsene, unter anderem Knochenschnitzen oder das Töpfern auf der Drehscheibe. Für Kinder gibt es auch Bastelaktionen und Programm mit den Legionären. Am Sonntag gibt es Zusatzprogramm: hier kann der Besucher sich eine römische Frisur machen lassen und für Kinder gibt es Ponyreiten.

Wie es sich für einen Markt gehört, haben die Besucher auch die Möglichkeit, römische Handwerksprodukte zu erwerben, unter anderem Öllampen, Wachstafeln, Glas- und Tonwaren sowie Schmuck.

Es wird im Kastell auch ein Römerlager geben. Die IV. Vindeliker Kohorte wird hier ihre Zelte aufschlagen und über römisches Militär, Alltag am Limes, Leben in einem Großkastell und den Soldatenalltag informieren. Diese Gruppe ist allen neugierigen Fragen gegenüber aufgeschlossen und erklärt und zeigt gerne ihre Ausrüstung.

Außerhalb der Kastellmauern befinden sich die Reste des zivilen vicus

Außerhalb der Kastellmauern befinden sich die Reste des zivilen vicus

Im Kastell wird außerdem der Nachbau eines römischen Lastenkahns gezeigt und erläutert. Stündlich finden fundierte archäologische Führungen durch das Kastell statt, die ebenfalls sehr empfehlenswert sind und viel Hintergrundinformationen über das große Limes-Kastell liefern!

Die Taberna des Museums bietet römische Gerichte nach überlieferten Rezepten an.

Die Saalburg und der Museumsshop sind an diesen Tagen von 9 bis 18 Uhr geöffnet (die Taberna öffnet um 10 Uhr). Der Eintritt beträgt 7€ für Erwachsene und 5€ für Kinder. Alle Aktionen und Führungen sind bereits im Eintrittspreis erhalten.

Ein Hinweis des Veranstalters: an der Saalburg stehen relativ wenige Parkplätze zur Verfügung, so daß die Veranstalter – wenn möglich – um eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln bitten. Vom Bahnhof Bad Homburg aus fährt an diesen Tagen deswegen extra die Buslinie 5 jede halbe Stunde zur Saalburg (der erste Bus fährt um 9:25h ab Bad Homburg, der letzte in Richtung Bad Homburg um 18:46h).

Download des Sonderfahrplans der Linie 5 hier (PDF)

Weitere Informationen, Anfahrtsbeschreibungen etc. auf der offiziellen Website der Saalburg.

Events und Veranstaltungen: Römisches Handwerkerfest in Xanten vom 1.-3. Mai 2015

Der Archäologische Park Xanten ist immer eine Reise wert!

Der Archäologische Park Xanten ist immer eine Reise wert!

Ein langes Wochenende naht mit großen Schritten und, so Jupiter will, hoffentlich gutem Wetter!

In der Zeit vom 1. bis zum 3. Mai buhlen gleich mehrere römische Veranstaltungen um Euren Besuch. Das Schöne aber ist, daß alle Veranstaltungen sich über drei Tage erstrecken und somit nichts dagegen spricht, gleich mehrere davon zu besuchen.

Unser erster Tipp für dieses Wochenende:

Der Archäologische Park Xanten nutzt das lange Wochenende, um die seit langem im Bau befindlichen neuen Handwerkerhäuser mit einem großen Fest einzuweihen – dem größten Fest der diesjährigen Saison.

Neben den großen, repräsentativen Gebäuden – dem Hafentempel, dem Amphitheater und den Thermen -, kann man in Xanten also ab sofort auch sehen, wie die einfachen Leute in der Stadt gelebt und gearbeitet haben.

Utensilien eines römischen Arztes

Utensilien eines römischen Arztes

Die zweistöckigen Reihenhäuser zeigen, wie ein Großteil der einfachen römischen Stadtbevölkerung gelebt hat. Sie wurden auf den Originalfundamenten rekonstruiert und sind vollständig wieder aufgebaut, samt Inneneinrichtung, Wandmalereien, Ladenschild, Wohnräumen und Werkstätten. Dem archäologischen Fund folgend liegen diese Streifenhäuser entlang einer Hauptstraße. Die Geschäftsräume und Werkstätten befinden sich im vorderen Bereich mit einem Eingang zur Straße hin, durch den die Kunden das Geschäft betraten. Die Schuppen und Nebengebäude befinden sich in kleinen Höfen hinter den Häusern.

Die Wohnräume liegen in der zweiten Etage oberhalb der Geschäftsräume.

Ab Mai 2015 werden die Handwerkerhäuser fester Bestandteil des archäologischen Parks sein. Hier wird der Besucher zukünftig die Möglichkeit haben, dem Schmied und der Weberin bei ihrem Handwerk zuzusehen.

Der weitläufige Park im Stadtgebiet der ehemalige Colonia Ulpia Traiana ist eine ideale Location für große römische Veranstaltungen

Der weitläufige Park im Stadtgebiet der ehemalige Colonia Ulpia Traiana ist eine ideale Location für große römische Veranstaltungen

Da der Niederrhein eine steinarme Gegend ist und Bausteine teuer waren und aufwendig importiert werden wußten (zum Beispiel über den Rhein aus der Eifel, wie dem Tuffsteinbergwerk Meurin), wurden die Häuser der einfachen Leute in Lehmbauweise errichtet. Der Rekonstruktion gingen aufwendige Forschungen und Experimente des Archäologischen Parks voraus, um eine geeignete Lehmmischung und die passende Bau- und Stampftechnik zu finden, die dem feuchten Klima am Niederrhein standhält. Die Häuser sind außerdem, nach römischem Vorbild, verputzt. Auch die Holzbalken, Dachziegel und das Fensterglas wurden von Hand nach alten Techniken produziert, so daß der Detailgrad der archäologischen Rekonstruktion nach dem neusten Stand der Wissenschaft sehr akkurat ist.

Die Wohnräume im oberen Stock zeigen das Wohnumfeld der Ladenbesitzer, während der Besucher sich auch einen Eindruck vom kargen Leben der in den hinteren Schuppen lebenden Bediensteten machen können.

Im Rahmen des Handwerkerfestes vom 1. bis zum 3. Mai werden die Handwerkerhäuser erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie werden zu diesem Fest voller lebendiger Archäologie sein, denn mehr als 100 römische Handwerker, Fachleute und Akteure aus 37 verschiedenen Handwerken werden dem Besucher einen Eindruck vom römischen Handwerkerleben, den verschiedenen Techniken, den Produkten und dem Alltag vermitteln. Unter anderem sind die Handwerker der COHORS I NERVANA mit von der Partie.

Auch die römischen Backöfen werden befeuert, um frisches Römerbrot zu backen

Auch die römischen Backöfen werden befeuert, um frisches Römerbrot zu backen

Zu bestaunen und zu befragen gibt es einen römischen Eisenschmied, Feinschmied, Bronzegießer, Fischer, Metzger, Bäcker, Koch und Winzer, Färber, Töpfer, Schreiber, Friseur, Imker oder Arzt. Weberinnen, Schneiderinnen, Schuhmacher zeigen Kleidung für jedes Wetter (die auch anprobiert werden kann). Vorführungen in der Herstellung von Schmuckarbeiten, Knochenschmitzereien, Malerei und Musik geben Einblick darin, wie man sich das Alltagsleben in der fernen römischen Provinz in Colonia Ulpia Traiana angenehmer gestaltete.

Römisches Essen und Trinken kann probiert werden, auch aus dem originalen römischen Backofen. Römische Kosmetik und Wellness beweisen, wie man sich schon damals zu entspannen wußte. Wie ausgefeilt die römischen Handwerkstechniken waren und wie hochwertig und fein gearbeitet die Produkte auch ohne Maschinen und Strom waren, wird anschaulich demonstriert. Auch das römische Münz- und Bankwesen wird erläutert.

Opfert alle fleißig, damit das Wetter mitspielt!

Opfert alle fleißig, damit das Wetter mitspielt!

Auch die anderen Stationen des Archäologischen Parks, wie die Schiffswerft, die Herberge und die anderen rekonstruierten Gebäude können besichtigt werden. Hier geben Schiffsbauer, Vermesser und Schindelmacher gerne Auskunft über ihre Arbeit – und lassen den Besucher auch Hand anlegen. In der Werft werden römische Rheinschiffe rekonstruiert, so daß der Einblick auch hier sehr interessant ist.

Es gibt zahlreiche Mitmach-Aktionen für Kinder und Erwachsene, so daß das Programm für ein breites Publikum geeignet ist.

Das Handwerkerfest findet vom 1. bis zum 3. Mai täglich von 10 – 17 Uhr statt.

Der Eintritt beträgt 9€ für Erwachsene. Kinder bis 18 Jahre haben freien Eintritt!

Weitere Informationen, Anfahrtsbeschreibungen etc. auf der offiziellen Website des Archäologischen Parks Xanten