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Antike Stätten: Archäologischer Wanderweg Bruttig-Fankel

Heute stellen wir Euch nicht nur ein archäologisches Bodendenkmal vor, sondern gleich einen ganzen Wanderweg durch die Kulturgeschichte der Eifel-Mosel-Region.

In dieser Gegend, die erst von der Bronzezeit, dann der eisenzeitlichen Eifel-Hunsrück-Kultur und dem keltischen Stamm der Treverer und schließlich von der gallo-römischen Kultur geprägt war, findet sich ein kleiner, aber sehr spannender Themenwanderweg abseits der ausgetretenen Wanderpfade.

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Einer von vielen keltischen Grabhügeln auf diesem Wanderweg

Länge und Streckenführung:

Es handelt sich nicht um einen Rundwanderweg, d.h. man geht den Weg einmal hin- und wieder zurück (wahlweise kann man natürlich auch einen alternativen Rückweg durch das mit zahlreichen Wanderwegen durchzogene Gebiet nutzen).

Der Weg folgt einem Teilstück des Keltenweges (ein Fernwanderweg durch den Hunsrück) sowie des Moselhöhenweges. Zum Teil verläuft er direkt auf der ehemaligen Römerstraße, die als Querverbindung die Ausoniusstraße durch den Hunsrück mit der Mosel verband.

Länge: ca. 3,3 km (einfache Strecke). Plant bei gemütlichem Gehen und ausführlicher Besichtigung der archäologischen Bodendenkmäler ca. 2,5 Stunden ein.

Der Weg ist sehr einfach zu gehen und folgt einem breiten, gut ausgebauten Waldpfad. Es gibt ein paar wenige Steigungen oder Gefällestücke, die aber immer nur kurz und nicht anspruchsvoll sind.

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Der Weg ist breit und einfach zu begehen und deshalb auch für ungeübte Wanderer geeignet

Anfahrt und Startpunkt:

Der Archäologische Wanderweg hat an seinem nördlichen Startpunkt einen eigenen Wanderparkplatz. Er ist von der Landstraße aus ausgeschildert und leicht an einer großen „Straße der Römer“ Infotafel zu erkennen. Wir empfehlen den Start an diesem Ende des Weges, auch wegen der Informationen auf dieser Tafel.

Die Anreise erfolgt am besten aus dem Moselort Bruttig-Fankel. Hier finden sich vor der Ortseinfahrt bereits die typischen braunen Hinweisschilder, die an der Mosel auf archäologische Besonderheiten aufmerksam machen, mit der Beschriftung: „Grabhügelfelder„.

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Der Wanderparkplatz beim Birkenhof oberhalb von Bruttig-Fankel

Für das Navi „Bruttig Fankel, Birkenhof“ eingeben. Der Landstraße aus Bruttig-Fankel den Berg hinauf folgen. Kurz vor der Abzweigung, wo es links zum gut sichtbaren Biohof „Birkenhof“ geht (mit Hofladen-Automat!), weist ein grünes Hinweisschild nach rechts auf den „Archäologischen Wanderweg“ hin. Wenn man hier rechts einbiegt, ist man schon auf dem Wanderparkplatz.

Die Anreise mit Öffentlichen Verkehrsmitteln ist nur mit dem Bus möglich. Vom Bahnhof Cochem aus fährt die Buslinie 717 zum Haltepunkt „Valwigerberg – Archäologischer Weg“. Zustieg ist auch in Treis-Karden und Bruttig-Fankel möglich. Die Fahrzeiten sind allerdings eher sporadisch.

Hintergrundinformationen:

Auf den Moselhöhen oberhalb von Bruttig-Fankel sind Besiedlungsspuren aus über 3000 Jahren Kulturgeschichte erhalten. Da die Wälder des Hunsrücks in dieser Region nie im großen Stil überbaut wurden, sind zahlreiche archäologische Bodendenkmäler noch heute gut sichtbar im Gelände erhalten. Die Moselgemeinde Bruttig-Fankel hat in einer Region mit besonders hoher Dichte an Bodendenkmälern aus den unterschiedlichsten Besiedlungsepochen einen archäologischen Wanderweg ausgewiesen. Nahezu alle Epochen der Menschheitsgeschichte, von der Jungsteinzeit bis zum Mittelalter, sind hier belegt, was diesen kleinen Wanderweg zu einem echten Geheimtipp macht.

Hinweistafeln erläutern die Bodenfunde und ihren zeitlichen und historischen Zusammenhang.

Die ältesten Funde sind Grabhügelfelder aus der Urnenfelder- und Bronzezeit (1500 bis 700 v. Chr.). Es folgen große keltische Grabhügelanlagen der Treverer aus der Eisenzeit, wie sie typisch für die hier vertretene Eifel-Hunsrück-Kultur sind (750 bis 400 v. Chr.). Durch die Eisenverhüttung zog der Landstrich Menschen an und es kam zu einem Bevölkerungsanstieg in der unwirtlichen Höhenlage. Hier siedelte man meist auf den offenen Flächen in kleinen Fachwerk-Siedlungen und Einzelgehöften.

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Die Grabhügel sind im Gelände gut zu erkennen, hier ein Größenvergleich

Aus der römischen Zeit gibt es Teile der gut erhaltenen Römerstraße.

Da unser Interessenschwerpunkt bei mosmaiorum.info auf der Römischen Zeit liegt, können wir uns natürlich besonders für das römische Fernstraßennetz im Raum Eifel, Mosel und Hunsrück begeistern, das durch ein dichtes Wegenetz aus Fernstraßen schnelle Verbindungen zwischen den Metropolen Metz, Trier, Köln, Bonn und bis an den Rhein bei Koblenz und Bingen und von da aus weiter nach Mainz ermöglichte.

Durch den Hunsrück führte der bekannte Ausoniusweg, der von Trier (Augusta Treverorum) nach Bingen (Bingium) führte. Querverbindungen verbanden ihn mit dem Moseltal, sowie dem Fernstraßennetz der oberhalb des anderen Moselufers gelegenen Eifel. Die Verbindung erfolgte hier über Brücken.

Eine solche Querverbindung in Richtung Eifel stellte der hier zu findende sogenannte „Rennweg“ statt, der nach der modernsten römischen Straßenbautechnik erbaut war: erst wurde eine Trasse ausgeschachtet, es folgte eine Packung aus feinen und dichtem Steinmaterial mit Kalkmörtel-Beimischung (Statumen). Darüber folgten eine Lage aus quer geschichteten Steinen, dann eine Schicht aus grobem Kies und Steinen. Der letztendliche abdichtende Straßenbelag bestand aus feinen, wassergebundenen Kiesschichten. Damit Wasser gut abfließen konnte, waren römische Straßen gewölbt gebaut mit einem Wassergraben an beiden Seiten. Die Straße war ca. 6 Meter breit (20 römische Fuß), so dass 2 Karren aneinander vorbeifahren konnten. Straßenpflaster gab es in unseren Breiten allerdings nur bei den wichtigsten Fernstraßen.

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Die schnurgerade Römerstraße

Aus dem Hochmittelalter stammen auffällige Hohlwege mit Landwehrsystemen, die in über 300 Metern Länge aufgeschlossen sind.

Beschreibung

Der Wanderweg kann in beiden Richtungen begangen werden (es ist, wie schon erwähnt, kein Rundweg). Wir empfehlen den Start an der Infotafel von „Straße der Römer„, wo sich auch der Parkplatz befindet. Die bunte Starttafel beschreibt den Archäologischen Pfad und hat auch kurze Zusammenfassungen auf Englisch und Französisch.

Der Weg ist einfach zu verfolgen. Er verläuft vom Parkplatz aus eine Weile strikt geradeaus erst über einen offenen Bereich mit dichtem Gestrüpp, danach durch den Wald. Zu Beginn findet man eine allgemeine Informationstafel zur Kulturgeschichte der Region. Einige hundert Meter weiter folgt links am Wegrand eine Informationstafel zu den Hügelgräbern. Der weitere Wegverlauf folgt dem „Moselhöhenweg“ und dem „Keltenweg“.

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Der Verlauf des Weges ist auf der ersten Infotafel beschrieben

Die Infotafel zu den Hügelgräbern ist allerdings etwas irreführend aufgestellt; wir verbrachten eine Weile damit, im dornigen Gestrüpp herumzulaufen und die beschriebenen Überreste des „Grabhügels an der Urmersheck“ zu suchen. An dieser Stelle ist jedoch nichts zu sehen, wie uns ortskundige Einheimische bestätigten. Sie gaben uns den entscheidenden Tipp: wenn man dem Weg weiter folgt, macht er eine scharfe Abbiegung nach rechts und verläuft dann wieder schnurgerade (da er zu Teilen der alten römischen Fernstraße folgt). Wenn man nun dem Weg nach der Biegung noch einige hundert Meter folgt, ist das keltische Hügelgrab rechts des Weges gut sichtbar; es gibt sogar eine erkennbare gemauerte Kammer. Der Hügel hat einen Durchmesser von ca. 6 Metern. Es wird auf das 5. bis 4. Jahrhundert v. Chr. datiert.

Nach einigen weiteren hundert Metern stößt man links des Weges auf ein sehr großes Hügelgrab, das eine eigene Infotafel hat – den Grabhügel an der Wolfskaul aus der vorrömischen Eisenzeit. Er ist mit 12 Metern Durchmesser und 1,20 Höhe gut im Gelände zu erkennen. Die Infotafel vermittelt allgemeine Informationen über Hügelgräber und Bestattungsbräuche.

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Götterlexikon: Epona

Herkunft, Bezeichnungen

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Epona aus Belginum / Hunsrück

Epona ist eine gallo-römische Göttin, die – als einzige Göttin keltischer Herkunft – weite Verbreitung im römischen Reich erfuhr und sich auch über die Grenzen des keltischen Raumes hinaus bis nach Rom großer Beliebtheit erfreute, wo sie sogar Teil des Staatskultes wurde.

Epona ist in zahlreichen Bild- und Textquellen belegt, unter anderem aus 60 Weiheinschriften sowie Reliefs, Weihealtären und figürlichen Darstellungen, die aus ganz Westeuropa stammen, vor allem aus Frankreich, entlang der Mosel, West- und Süddeutschland, Spanien, Großbritannien, dem Donaubecken, Norditalien, Rom und dem Alpenraum. Auffällig hierbei ist eine besonders hohe Dichte an Funden entlang der befestigten Grenzen des Reichs, wie dem Limes, entlang des Rheins, der Donau und in Nord-Britannien.

Lediglich in zwei Regionen des Römischen Reiches scheint sie nicht verbreitet gewesen zu sein: In Nordafrika, wo man bislang nur eine Darstellung von ihr gefunden hat, sowie dem Nahen Osten, wo sie gar nicht auftaucht.

Ihre Verehrung scheint sich zudem auf das Gebiet des Römischen Reichs zu beschränken; jenseits des Limes im freien Germanien, aus dem Raum zwischen Rhein und Elbe, sind keine Darstellungen oder Inschriften von Epona bekannt.

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Figürliche Darstellung der Epona, zu bewundern im Rheinischen Landesmuseum Bonn

Ihr Name ist gallischer Herkunft und kann etymologisch aus dem gallischen Wort „epos“ für Pferd hergeleitet werden, das wiederum auf die proto-Indo-Europäische Wurzel *ék̂u̯os zurückgeführt wird. Aus dieser Wurzel stammen auch andere Worte für Pferd, wie das lateinische Equus, das altirische Ech oder das litauische Esva. Durch die weibliche Endung -a und den Namensbestandteil -on wird ihr Name verschiedentlich als „große Stute„, „göttliche Stute“ oder „die, die wie eine Stute ist“ oder „große Reiterin“ gedeutet.

Trotz dieser Herleitung und ihrer überwiegenden Verbreitung im gallischen Raum gibt es keine Erwähnungen ihres Namens aus vor-römischer Zeit. Es gibt auch keine Inschriften auf Gallisch, sämtliche Inschriften sind auf Latein oder (seltener) Griechisch. Sie stammen zudem nicht nur von Personen keltischer Herkunft, sondern von Stiftern aus verschiedensten Teilen des Reiches, wie Germanen, Römern und sogar – wie bei einem Fund aus Mainz – einem Syrer.

Zwar ist die Möglichkeit gegeben, dass diese Göttin bereits vor der römischen Eroberung Galliens (im Jahre 52 v. Chr. durch Julius Caesar) von einheimischen keltischen Völkern verehrt wurde, es gibt jedoch bislang keine Quellen oder Belege dafür.

Tatsächlich stammen die frühesten Funde aus dem ersten Jahrhundert n. Chr., eine auffällige, fast explosionsartige Häufung beginnt aber erst mit dem zweiten Jahrhundert n. Chr., so dass man davon ausgehen muß, dass sich der spezifisch gallo-römische Kult um Epona erst um diese Zeit zu entwickeln und im Reich zu verbreiten begann. Mitte des zweiten Jahrhunderts, etwa ab dem Jahr 130 n. Chr. häufen sich auch die Inschriften aus Rom.

Der früheste absolut sicher datierbare Bildbeleg ist ein Wandgemälde in Pompeji, da wir von dort wissen, dass er nicht älter sein kann als 79 n. Chr.

Die erste zweifelsfreie namentliche Inschrift, in der Eponas Name genannt wird, stammt aus einem Tempel in Entrains-sur-Nohain, Frankreich aus dem frühen zweiten Jahrhundert. Sie lautet:

Augusto sacrum deae / Eponae / Connonius Icotasgi fil(ius) / templum cum suis orna/mentis omnibus de suo donavit l(ibens) m(erito) (CIL 13, 02902)

Der erhabenen Göttin Epona gibt Connonius, Sohn von Icotasgus, diesen Tempel mit all seinen Verzierungen und auf eigene Kosten.

Am gleichen Ort findet sich auch eine zweite Widmung an Epona (CIL 13, 2903), was ihre zentrale Bedeutung für diesen Tempel hervorhebt.

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Epona im Landesmuseum Trier

Literarische Belege tauchen ab der hadrianischen Zeit auf (die Regierungszeit von Kaiser Hadrian war 117-138 n. Chr.).

Interessanterweise geht die Verbreitung Eponas nicht von Gallien aus, sondern die Funde sind in den frühen Jahren weit verbreitet überall im Reich zu finden, von Italien bis Britannien, von Rumänien bis Frankreich, während sie sich erst später auf den Raum Gallien und Germanien konzentrieren und dort gehäuft auftreten.

Wieso es bislang keine gesicherten Belege zwischen der Eroberung Galliens im Jahr 52 v. Chr. und der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. gibt, ist nicht eindeutig erklärt und schwierig mit der Hypothese zu vereinbaren, dass Epona eine Göttin ist, die aus vor-römischer Zeit stammt, denn dann dürfte es diese auffällige 100-jährige Überlieferungslücke eigentlich nicht geben.

Ihr relativ spätes Auftauchen ab der Mitte des ersten Jahrhunderts stützt jedoch die gegenläufige These, dass Epona und ihr Kult erst später durch Verschmelzung lokaler keltischer und römischer Götter entstand und sie keine keltische Vorläuferin hat, die 1:1 von den Römern übernommen wurde (vgl. Zeittafel aller bekannten Inschriften und Darstellungen von Epona, oder Auflistung von M. Euskirchen in ihrer Dissertation “Epona”. Bericht der Römisch-Germanischen Kommission Deutsches Archäologisches Institut., 74: 607-838., 1993).

Wir erlauben uns an dieser Stelle kein Urteil und lassen deshalb die Herkunft der Göttin Epona offen – ob sie nun bereits zu vorrömischer Zeit von den einheimischen Galliern in unserer Region verehrt wurde oder ob sich ihre Vorstellung erst in gallo-römischer Zeit entwickelt hat, ist für den Praktizierenden des Gallo-Römischen Kultes unerheblich.

Wie bei den anderen keltischen Göttinnen, die von den Römern übernommen wurden, wurde ihr Name auch nicht um ein Epitheton erweitert, sondern sie wurde – wie z.B. Rosmerta oder Sirona – unter ihrem gallischen Namen verehrt. Dies ist anders bei männlichen Göttern keltischer Herkunft, die im Rahmen der Interpretatio Romana fast immer einen römischen Namenszusatz erhielten, wie Apollo-Grannus, Mars-Intarabus oder Lenus-Mars (der wiederum die Besonderheit aufweist, daß der keltische Name vor dem römischen genannt wird).

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Epona aus dem Tempel in Tawern, wo sie in einem 9 Meter tiefen Brunnenschacht gefunden wurde

Im Gegensatz zu vielen anderen keltischen Göttinnen wurde Epona auch nicht mit einem männlichen Gott verpartnert, sondern blieb alleine. Gelegentlich wurde sie zusammen mit Herkules angerufen, der ebenfalls unter anderem für Schutz auf Reisen zuständig war.

Dafür wird sie oft mit Beinamen gekennzeichnet, aus der ihre große Bedeutung und Wertschätzung hervorgeht, wie Epona Regina (Königin Epona) oder – bei Anrufungen im Rahmen des Staatskultes – als Epona Augusta. Andere Beinamen waren Epona Dea (die Göttliche) und Epona Sancta (die Heilige).

In den meisten Inschriften wird sie „Epona“ genannt, daneben gibt es auch einige abweichende Inschriften, in denen sie „Epana“ oder „Epane“ geschrieben wird, zum Beispiel bei Funden im Norden Spaniens. Inwieweit es sich dabei um eine lokale Variante, künstlerische Freiheit oder Unwissenheit des Steinmetzes handelt, ist unklar.

Ikonographie

Das Aussehen der Göttin Epona ist durch zahlreiche archäologische Funde sehr gut belegt.

Neben Votivreliefs und Reliefs auf Altären taucht Epona auch in figürlicher Darstellung in Form von Statuetten und in Wandmalereien auf.

Es existierten mehrere typische Darstellungsformen (klassifiziert nach W. Schleiermacher):

  • Epona, seitlich auf einem Pferd sitzend („gallischer Typus“)
  • Epona, mittig auf einem Stuhl oder Thron sitzend und auf beiden Seiten flankiert von einem oder mehreren Pferden (der „Imperiale Typus“ genannt)
  • Epona in einer Kutsche, die von mehreren Pferden gezogen wird

Seitlicher Sitz auf dem Pferd („Gallischer Typus“)

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Epona im „gallischen Typus“ (Archäologisches Museum Arlon)

Diese Darstellungsform ist die häufigste Form in Gallien. Epona sitzt (anders als beim modernen Damensattel) seitlich mit herabhängenden Beinen auf einem (in der Regel nach rechts schauenden) stehenden oder laufenden Pferd.

Die Göttin ist in dieser Darstellung oft mit einem langen Gewand bekleidet, gelegentlich auch mit einer Kopfbedeckung in Form einer Haube oder eines Umhangs.

In vielen dieser Darstellungen berührt die Göttin mit einer Hand das Pferd oder hält Zügel (diese gibt es jedoch nicht immer), während sie in der anderen Hand ein Füllhorn (Cornucopia) oder eine Opferschale (Patera) hält. Manchmal hält sie auch Früchte, Getreideähren oder eine Schale oder Korb mit Früchten auf dem Schoß.

Diese Symbole deuten auf Fruchtbarkeit, Wohlstand und Üppigkeit hin.

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Antike Stätten: gallo-römische Villa Mageroy (Belgien)

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Villa Mageroy

Anschrift:

Villa gallo-romaine de Mageroy, Rue de Mageroy 2, 6723 Habay-la-Vieille, Belgien.

Anfahrt:

Die Ausgrabungsstätte der gallo-römischen Villa Mageroy liegt in den südbelgischen Ardennen in der Provinz Luxemburg (Wallonie) in der Nähe des Ortes Habay-la-Vieille. Sie liegt außerhalb des Ortes inmitten von Feldern und Kuhwiesen. Von Habay aus ist sie aber gut zu finden, da sie ausgeschildert ist. Der Weg führt über landwirtschaftliche Nutzwege.

Für das Navi kann man die „Rue de Mageroy“ eingeben, muss dann vor Ort aber trotzdem die Augen nach den kleinen Wanderschildern offenhalten, die die Richtung weisen, da die Rue de Mageroy in eine unbenannte Schotterstraße mündet. Folgt man dieser nach rechts den Hügel hinab, so ist die Ausgrabungsstätte bald auf der rechten Seite zu sehen. Man kann direkt vor dem Gelände parken.

Die Gegend ist wanderfreundlich und ein Netz von ausgeschilderten Wanderwegen verläuft rund um die Villa.

Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, erreicht die Ausgrabungsstätte entweder mit dem Regionalzug aus Libramont / Arlon. Vom Bahnhof Habay aus sind es noch etwa 15 Minuten Fußweg. Eine Alternative ist der Bus der TEC Linie 28 zwischen Arlon und Marbehan. Von der Haltestelle Rue de Nantimont sind es noch einige Gehminuten zu Fuß.

Hintergrundinformationen:

Die Region in den luxemburgischen und südbelgischen Ardennen gehörte in römischer Zeit zu Gallien und wurde nach dem Ende des Gallischen Krieges schnell romanisiert. An vielen Orten der noch heute landwirtschaftlich, vor allem viehwirtschaftlich dominierten Region, finden sich deshalb gallo-römische Landgüter, Tempel oder andere militärische oder zivile Bauwerke.

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Panoramablick über das Gelände

Der gallo-römische Gutshof von Mageroy, der im Stammesgebiet der Treverer lag, gilt als archäologisch besonders bedeutsam und regelmäßig finanziert das Land Wallonie Grabungskampagnen (2017 zum Beispiel die Untersuchung eines Nebengebäudes, in dem man Spuren von Eisenverhüttung entdeckte). Betreut wird die 3 ha große Ausgrabungsstätte durch den gemeinnützigen Verein ARC-HAB, der von mehreren Archäologen geleitet und durch zahlreiche Freiwillige unterstützt wird. Dieser Verein leitet die Ausgrabungen und wertet die Funde aus.

Das Landgut, das sich aus einem Hauptgebäude, mehreren Neben- und Wirtschaftsgebäuden, sowie weiteren Baustrukturen zusammensetzt, stammt aus dem 1. Jahrhundert n.Chr. Es durchlief in den folgenden Jahrhunderten jedoch mehrere Umbauphasen und wurde bis ins 4. Jahrhundert bewohnt.

Zu römischer Zeit lag es fünf Kilometer von der römischen Fernstraße von Reims nach Trier entfernt. Die nächste größere Ortschaft war vicus Orolaunum, das heutige Arlon.

Die Lage des Gutshofes in einer sumpfigen Mulde in der Nähe eines kleinen Baches erlaubte das Anlegen eines großen Weihers auf dem Gelände.

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Der Bereich des ehemaligen Weihers ist heute noch ein Feuchtgebiet und ein reiches Biotop

Der Wohnbereich, die Pars urbana, bestand aus einem 670 Quadratmeter großen Haupttrakt aus dem 1. Jahrhundert, der eine nach Süden ausgerichtete Fassade von 28 Metern Länge aufwies. Der größte Raum befand sich zentral im Hauptgebäude und umfasste 170 Quadratmeter. Aus der Anordnung der Räume läßt sich schließen, daß sich im Westflügel die Wohn- und Privaträume befanden, während die Räume im Ostflügel als Gemeinschaftsräume angesprochen werden.

Als Baumaterial für die Gebäude diente das lokal anstehende Gestein, das vor allem aus Schiefer und grünem Sandstein besteht. An das Hauptgebäude schließen sich weitere Neben- und Wirtschaftsgebäude an.

Das zweite Jahrhundert gilt als die Wohlstandszeit der Bewohner der Villa, die vermutlich einheimische romanisierte Gallier waren. Zahlreiche Erweiterungen und der Einbau von „Luxusfeatures“ wie Fußbodenheizungen und Thermen zeigen, wie  komfortabel die Bewohner lebten. Auch der prunkvoll gestaltete, repräsentative Eingangsbereich zeugt vom Wohlstand seiner Bewohner.

Zahlreiche Funde, wie z.B. ein Pflug, aber auch ungewöhnliche organische Funde, die sich im anaeroben Milieu des Weihers erhielten, geben heute einen guten Einblick in den Alltag der Bewohner. So wurden seltene Funde in gutem Erhaltungszustand geborgen, unter anderem Holzrohre, Schuhsohlen aus Stroh, Funde aus Leder und Holz, Obstkerne und eine Weinrebe.

Auch einige Namen der Bewohner sind bekannt, so wurde ein Ring mit dem eingravierten Namen „Micia“ gefunden. Man nimmt an, daß Micia eine Hausherrin war, zumal ihr Name auch auf Tongeschirr entdeckt wurde. Der Name eines Verwalters, der  in einem der seitlichen Wirtschaftsgebäude lebte, ist ebenfalls bekannt: Onesimus Olympius.

Auch im dritten Jahrhundert wurde das Landgut noch einmal erweitert, unter anderem um eine Bronzegießerei. Allerdings scheint der Hof im Jahr 262 (datiert aus Münzfunden) auch einem großen Feuer anheimgefallen zu sein. Dies war auch die Zeit der großen Germaneneinfälle, die zwischen 260 und 270 diesen Teil Galliens heimsuchten.

013_MageroyDer Hof wurde jedoch nicht aufgegeben, sondern neu aufgebaut, um einige Gebäude, wie Latrinen, Getreidedarren und ein Silo, sowie um eine dem Schutz dienende Befestigungsanlage erweitert. Aus dem 4. Jahrhundert stammen Keramik-Scherben in typischer germanischer Machart. Zum Ende des 4. Jahrhunderts wurde der Ort dann jedoch aus unbekannten Gründen aufgegeben und verlassen.

Die Existenz einer archäologischen Stätte war bereits im 19. Jahrhundert bekannt, als Bauern von alten Mauern und Bauwerken berichteten. Auch hielt sich in der Region Habay seit Jahrhunderten eine Legende von „drei Schlössern“, von denen eines in Mageroy vermutet wurde. Bis in das 17. Jahrhundert sollen die römischen Mauern sichtbar gewesen sein und wurden für die Überreste eines solchen Schlosses gehalten.

Erste Ausgrabungen fanden im Jahr 1984 statt. Die Untersuchungen, die auch moderne Methoden des Georadars umfassen, dauern bis heute an und die Funde aus Mageroy werden von verschiedenen Forschungseinrichtungen untersucht.

Beschreibung:

Schon von weitem fällt das in einer Talsenke gelegene Ausgrabungsgelände ins Auge: rund um die freigelegten Mauern der Häuser befinden sich kleine aufgeschüttete Anhöhen, auf denen Informationstafeln stehen und die einen guten Blick von oben auf das Gelände bieten.

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Ein Kuppelbackofen

Viele der Gebäudefundamente wurden im Laufe der Grabungskampagnen freigelegt. Fußwege führen durch das Gelände und zu den Aussichtshügeln. Daneben gibt es experimental-archäologische Bereiche wie einen Kuppenbackofen oder einen Kräutergarten, in dem thematisch gruppierte Pflanzen angebaut werden, zum Beispiel Pflanzen zum Färben, Aroma-Pflanzen oder Heilpflanzen.

Überall auf dem Gelände finden sich ausführliche und mit guten Illustrationen und Fotos versehene Informationstafeln (leider nur auf Französisch), sowie schematische Darstellungen der Gebäude, so daß man sich orientieren kann, was man gerade vor sich sieht.

Als wir im Juli 2017 dort waren, war gerade eine neue Ausgrabungskampagne des Vereins ARC-HAB im Gange und eine Gruppe aus etwa 10 freiwilligen jungen Leuten legte ein Nebengebäude frei. Die Grabungsteilnehmer waren sehr auskunftsfreudig und hilfsbereit und kamen sofort auf uns zu, um uns Informationen anzubieten, falls wir Fragen hätten. Auf die Frage, was aktuell erforscht wird, erfuhren wir, daß das Land Wallonien Geldmittel zur Verfügung gestellt hatte, um ein Nebengebäude freizugelegen, in dem wahrscheinlich Metall geschmolzen oder Erz verhüttet wurde. Man zeigte uns auch einige aktuelle Funde des Tages, vor allem Keramikscherben und Reste von Dachziegeln.

Das Gelände ist überraschend weitläufig und man kann sich dort frei bewegen und überall umschauen. Es gibt auch ein Verwaltungsgebäude, das für die Vereinsmitglieder zur Verfügung steht, ansonsten aber geschlossen ist, sowie einen Schuppen für die Grabungswerkzeuge und zur zwischenzeitlichen Aufbewahrung der Funde. Durch die gute und interessante Präsentation der Ausgrabungsstätte ist diese Villa Rustica sehr sehenswert und hebt sich auch von vielen anderen typischen gallo-römischen Landgütern ab, die man überall im Lande findet.

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Der Kräutergarten

Der Verein, der die Anlage betreut, ist sehr um Öffentlichkeitsarbeit bemüht und führt auf Anfrage auch Führungen durch. Daneben gibt es immer wieder Veranstaltungen, auch für Kinder, einen Fotowettbewerb, Exkursionen, Grabungscamps oder sogar eine „gallo-römische Radtour“.

Eintritt und Öffnungszeiten

Der Eintritt ist frei. Die Villa Mageroy ist jederzeit und rund um die Uhr frei zugänglich. Sonderveranstaltungen kosten gegebenenfalls eine Teilnehmergebühr.

Sonstiges

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Ein Besuch der Villa Mageroy läßt sich gut mit einem Besuch der nahen Stadt Arlon kombinieren, die ein hervorragendes archäologisches Museum hat, dessen gut erhaltene gallo-römische Abteilung wegen seiner Skulpturen als eine der besten des Landes gilt.  Ebenfalls in der Nähe liegt das Keltenmuseum von Libramont-Chevigny.

Quellen und weiterführende Informationen:

Events und Veranstaltungen: Römerfest Villa Borg, 5. -6. August 2017

Borg_kleinAlljährlich am ersten August-Wochenende findet das traditionelle Römerfest im „Archäologischen Park Römische Villa Borg“ statt – dieses Jahr bereits zum 20. Mal!

Die Villa Borg liegt im östlichen Gallien, sprich: im Dreiländereck bei Perl im Saarland, direkt an der luxemburgischen Grenze (am anderen Moselufer liegt das luxemburgische Schengen) sowie an der Grenze zu Frankreich.

Die Kulisse des rekonstruierten römischen Gutshofs mit seinem zweistöckigen Herrenhaus und der schönen Gartenanlage sorgt dabei immer für eine spezielle Atmosphäre und macht dieses Römerfest zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Zum festen Programm gehören wie jedes Jahr die römischen Legionen Legio XXII Primigenia Milites Bedenses aus Bitburg und die VEX LEG XI CPF, die extra für diesen Event aus der Schweiz anreist. Die gut informierten und auskunftsfreudigen Legionäre demonstrieren den Militäralltag, das Exerzieren und erklären ihre Ausrüstung.

Zum zweiten Mal dabei ist die Vigilia Romana Vindriacum, der Verein für rekonstruktive Geschichte, deren Schwerpunkt auf dem Weinbau und Weintransport in der Antike liegt und beide Themen anschaulich erklärt.

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Daneben wird auch das zivile Leben im römischen Gallien gezeigt, so wird dem Besucher Einblick in Handwerkstechniken wie Schmieden, Schuhmacher, Bogenbau, Friseur oder Töpfern geboten.

Auch sind in Borg immer zahlreiche Händler vor Ort, so daß dieser Termin eine der besten Gelegenheiten für den Cultor und Antikenfreund ist, sich mit guten Repliken einzudecken, von Öllampen über Schmuck bis hin zu Statuen und Wandreliefs.

Auch wieder mit dabei ist die luxemburgische Gruppe Lucilinburhuc, die mit ihren Pferden anreist und Waffen- und Kampftechniken der einheimischen Gallier, aber auch der Iberokelten, Sueben und anderer „Barbaren“ der Antike demonstriert. Nicht zuletzt zeigen – wie jedes Jahr – die Gladiatoren der Familia Gladiatoria Pannonica aus Ungarn Gladiatorenkämpfe.

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Auch bei den Barbaren geht es ordentlich zur Sache

In diesem Jahr neu dabei ist ein ganz besonderer Besucher aus dem Archäologischen Landschaftspark Nettersheim: der römische Reisewagen, der sich extra für diese Veranstaltung aus der Eifel auf den Weg gemacht hat, um den Besuchern das Reisen in der römischen Antike nahezubringen.

 

Zur Stärkung gibt es römische Speisen nach Apicius und Getränke. Traditionell wird zum Römerfest auch der „schwarze Römersud“ ausgeschenkt, ein schmackhaftes naturbelassenes, unfiltriertes Schwarzbier, das in Zusammenarbeit mit dem Förderkreis Römische Villa Borg in der Mettlacher Abtei-Brauerei jährlich extra für diesen Event gebraut wird.

Im Rahmen der Veranstaltungen werden auch kostenlose Führungen durch die Villa angeboten. Denn auch das Innere des Gebäudes, das auf den originalen Fundamenten errichtet wurde, ist absolut sehenswert. Hierbei sind vor allem die authentisch rekonstruierten Bäder, die Küche, die Vorratsräume und der Wohnbereich zu nennen. Außerdem gibt es im Inneren einen Museumsteil, der über die Geschichte der Villa Borg und der Region informiert, sowie einen römischen Kräutergarten.

Wenn man Glück hat, hat man auch Gelegenheit, an einer “Führung der etwas anderen Art” durch den immer enthusiastischen Haussklaven Jatros teilnehmen zu können.

Archäologen vor Ort bieten einen Einblick in den aktuellen Stand der Ausgrabungen, der auch die Forschung geht fortlaufend weiter, da noch längst nicht das ganze Gelände des weitläufigen Landguts freigelegt ist.

Bei Kindern sehr beliebt sind die Esel der Familie Marson, mit denen man zum Gelände reiten kann. Sie sind sehr zutraulich.

57_Villa BorgDer Eintritt für Erwachsene kostet 7€. Es gibt die Möglichkeit, eine Familienkarte für 14€ zu erwerben.

Kostenlose Parkplätze sind auf der Wiese vor dem Villengelände ausreichend vorhanden. Die Veranstaltung findet jeweils von 10 – 18 Uhr statt.

Mehr Informationen gibt es auf der Website der Villa Borg.

Für Informationen rund um den Archäologiepark Villa Borg empfehlen wir auch unseren Artikel!

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Römischer Reisetipp: Neumagen-Dhron an der Mosel, das römische Komplettpaket!

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Blick auf das Römerweinschiff und die Peterskapelle

Wir machen immer wieder gerne mehrtägige Kurzreisen durch unsere schöne gallo-römische Provinz (letztes Jahr wandelten wir zum Beispiel auf den Spuren von Sirona und Apollo-Grannus durch den Hunsrück).

In diesem Jahr waren wir ausgiebig an der Mosel unterwegs, oder, nach dem römischen Dichter Ausonius, an der schönen Mosella. Wir bereisten sie von der Mündung bei Koblenz flußaufwärts bis nach Luxemburg und entdeckten dabei viele spannende Orte aus der bewegten gallo-römischen Geschichte dieses Flusses.

Einleitung: Mosella

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Die „Stella Noviomagi“, der Nachbau des römischen Weinschiffs, liegt in Neumagen vor Anker

Das Gebiet entlang der Mosel gehörte zu römischer Zeit zu Gallien und war vom gallischen Stamm der Treverer bewohnt, daher stammen Ortsnamen wie Augusta Treverorum (Trier) oder Noviomagus Treverorum (Neumagen).

Weinbau und Landwirtschaft wurden schon zu römischer Zeit exzessiv entlang des Flusses betrieben, wie zahlreiche römische Kelteranlagen an der Mosel noch heute beweisen – unter anderem die große Kelteranlage in Piesport (zu römischer Zeit Porto Pigontio, benannt nach dem dort verehrten Lokalgott Mercurius-Bigontius), die die größte römische Kelteranlage nördlich der Alpen ist.

Überall entlang der Mosel sind römische Spuren zu finden – Kelteranlagen, Tempel (bis hin zum rekonstruierten Bergtempel auf dem Calmont, Europas steilstem Weinberg, und dem Lenus-Mars-Tempelkomplex auf dem Martberg bei Pommern), Zivilgebäude, Landgüter und Militärkastelle. Einen Höhepunkt bildet natürlich Trier, die ehemalige Hauptstadt der gallischen Provinz und Kaisersitz, doch auch jenseits davon geht es weiter mit römischen Funden wie der Igeler Säule, dem höchsten Grabdenkmal nördlich der Alpen, Grabtempeln, die das Moseltal überblicken, sogar Kaiserpalästen wie in Konz, wo Mosel und Saar zusammenfließen, und immer wieder Keltersteine.

Über viele dieser Orte haben wir schon geschrieben oder werden wir im Laufe der Zeit einen Reiseartikel hinzufügen (die To-Do-Liste ist noch lang!).

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Wegen seiner ausgesprochen gut erhaltenen Funde wird Neumagen als „moselländisches Pergamon“ bezeichnet. Hier: Die „Frisierszene“

Heute jedoch möchten wir Euch einen besonderen Ort an der Mosel jenseits der „Mainstream-Touristenziele“ vorstellen, der auf den ersten Blick fast unscheinbar erscheint, aber seinen Ruf als „Moselländisches Pergamon“ nicht ohne Grund trägt: Neumagen-Dhron – ein eindrucksvolles Beispiel der römischen Blütezeit an der Mosel zu konstantinischer Zeit.

Normalerweise schreiben wir über einzelne Sehenswürdigkeiten eigene kleine Reiseartikel, aber Neumagen-Dhron hat für den römischen Touristen so viel zu bieten, daß wir entschieden haben, den Ort als „Komplettpaket“ vorzustellen, anstatt dies über mehrere Artikel zu verstreuen.

Die Lage

Neumagen-Dhron liegt am rechten Moselufer etwa auf halber Höhe zwischen Bernkastel-Kues und Trier. Die nächsten Orte sind Piesport und Trittenheim.

101_neumagenDer kleine Weinort selbst wirkt auf den ersten Blick unspektakulärer als die typischen Touri-Moselstädte wie Cochem, Bernkastel-Kues oder Traben-Trarbach, die der Mosel zum Teil auch ihren zweifelhaften Ruf als Gegend für „Sauftourismus“ und Kegeltouren eingebracht haben. Während sich durch Cochem vor allem amerikanische und asiatische Touristen schieben, ist das kleine Neumagen-Dhron eher ein verschlafenes Dorf, das gerne von Niederländern, Belgiern und Skandinaviern besucht wird.

Es besteht im Prinzip aus einer langen Hauptstraße, der „Römerstraße“ mit urigen Winzerhöfen aus dem 18. Jahrhundert und einer parallel dazu verlaufenden Straße entlang des Moselufers. Es ist ein beliebtes Ziel für Radtouristen, Wanderer und… Römerfans.

Remmi-Demmi-Kneipen, besoffene Heerscharen von Touristen und lautes Nachtleben sucht man hier vergebens (und möchte man auch gar nicht finden). Dafür versteckt sich überall im Ort das römische Erbe, das von der Dorfgemeinschaft und dem örtlichen Kulturverein Ausonius e.V. mit Inbrunst gepflegt und von Ehrenamtlichen leidenschaftlich und mit großem zeitlichen und finanziellen Aufwand betreut wird.

Parken ist kein Problem in Neumagen, einerseits gibt es Parkplätze an der Hauptstraße  vor der kleinen Kapelle, direkt neben dem Grabmal des Weinhändlers. Dann, einige Meter weiter, vor der nicht zu übersehenden Kirche des Ortes. Nicht zuletzt finden sich unten am Moselufer zahlreiche Parkplätze rund um die Anlegestelle der „Stella Noviomagi“ und entlang des Ufers.

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln gestaltet sich schwieriger, da Neumagen-Dhron keinen Bahnhof hat. Die nächstgelegenen Bahnhöfe befinden sich in Schweich oder Trier und werden von der Moselbahn zwischen Koblenz und Trier angefahren. In Neumagen hält eine Buslinie, der „RegioRadler Moseltal“, der zwischen Trier und Bullay verkehrt und Platz für bis zu 20 Fahrräder bietet (Reservierung empfohlen).

Ein „deutsches Pergamon“

Neumagen schmückt sich mit dem Untertitel „Ältester Weinort Deutschlands„. Schon aus römischer Zeit ist hier der Weinbau und Weinhandel nachgewiesen. Vor allem aber ist es eine ganz besondere Sehenswürdigkeit, die Neumagen berühmt gemacht hat: der Fund eines monumentalen Grabmals eines römischen Weinhändlers in Form eines Mosel-Weinschiffs, das von mehreren Ruderern gerudert wird und mit Fässern und Amphoren beladen ist.

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Das Weinschiff und andere römische Repliken gibt es sogar beim örtlichen Konditor (allerdings nicht aus Kuchen).

Das Original dieses Grabmals befindet sich heute im Landesmuseum Trier (und ist dort auch ein tragendes Element im großartigen Multimedia-Spektakel „Im Reich der Schatten„). Neumagen jedoch verfügt über eine Replik in Originalgröße, die schön präsentiert im Dorfmittelpunkt an der Hauptstraße steht. Zudem ist dieses Schiff überall in Miniaturform in verschiedenen Größen als Modell zu finden, bis hin zur Dorfkonditorei, es ziert zahllose Schilder, Gegenstände (wie Weingläser, Tassen, Taschen), ist zum Logo des Ortes geworden und quasi omnipräsent.

Doch es ist nicht nur dieses Schiff, das Neumagen so besonders macht – tatsächlich ist Neumagen neben Trier der bedeutsamste Fundort römischer Hinterlassenschaften an der Mosel. Die Funde aus dem 2.-4. Jahrhundert sind vielfältig und von ungewöhnlich hohem Rang und Qualität, darunter Hunderte von sehr gut erhaltenen Reliefsteinen, Denkmäler, Grabmonumente reicher Einwohner und Kaufleute, die detailierte Alltagsszenen zeigen und zu überregionaler Berühmtheit geführt haben, wie eine Frisierszene, eine Schulszene, Jagdszene, Totenmahl oder eine Szene, die eine Pachtzahlung zeigt. Hinzu kommen zahlreiche Inschriftensteine und Reliefs mit mythologischen Motiven.

Auch Darstellungen rund um den antiken Weinbau sind zu finden: Wagenausfahrt, Transport von Weinfässern und Amphoren auf Schiffen. Bemerkenswert ist hierbei die portraithafte Darstellung der gezeigten Personen mit individuellen, fein gearbeiteten Gesichtszügen bis hin zur detaillierten Ausarbeitung von Frisuren, Kleidung und Gesichtsausdrücken.

Noviomagus Treverorum

Das römische Neumagen – Noviomagus Treverorum – war ein römisches Kleinkastell an der Ausoniusstraße, einer Fernstraße, die von Trier durch den Hunsrück bis nach Bingen und von dort nach Mainz führte. Schon auf der römischen Reisekarte, der Tabula Peutingeriana, findet man Noviomagus als eine sichere Wegestation entlang der römischen Schnellstraße auf dem beschwerlichen Überlandweg von Trier an den Rhein.

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Die römische Pachtzahlung ist ein weiteres berühmtes Motiv, aus dem viele Details, bis hin zur einheimischen Kleidung der Beteiligten, hervorgehen

Während die finsteren Wälder und Berge des Hunsrücks für den damaligen Reisenden alles andere als sicher waren und auf ihn bedrohlich wirkten, boten Kleinkastelle und bewachte Siedlungen wie Noviomagus eine sichere Übernachtungsmöglichkeit mit Essen und der Möglichkeit, Pferde zu wechseln. Sie fanden sich überall entlang des römischen Fernstraßennetzes im Abstand von je einer Tagesreise. Die Straßenführung aus dem Hunsrück ist noch heute fast identisch mit dem Verlauf in der Antike.

Die erste schriftliche Erwähnung von Noviomagus findet sich bei Decimus Magnus Ausonius in seiner Reisedichtung „Mosella“ aus dem Jahr 370 n. Chr.. Er erwähnt den Ort nach seiner beschwerlichen Anreise mit „und endlich erblickte ich Noviomagus, das berühmte Kastell des göttlichen Constantinus!“ und beschreibt die Schönheit des Moseltals rund um Neumagen. Hier erfahren wir auch Details über die Art der Bebauung, die Schiffahrt auf der Mosel, die Arbeit der Einheimischen bei Fischfang und Weinbau. Als Tribun, der am Feldzug des Kaisers Valentinian I. gegen die Alemannen teilnahm, als Konsul, Rhetoriker und Erzieher des Kaisersohns Gratian und weitgereister Staatsmann (der selbst aus Bordeaux stammte), zeigt sein ausführliches Loblied, wie beeindruckt er von der Landschaft war, die er erstmals von der Niederemmeler Höhe aus erblickte, als er vom angrenzenden Hunsrück hinabstieg.

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Ein römischer Leugenstein befindet sich vor der Kirche

Ursprünglich befand sich an dieser Stelle nur eine römische Siedlung mit Markt, ein vicus, der ein wichtiger Handelsplatz für Waren aus dem Hunsrückraum darstellte. Dieser wurde jedoch im Jahr 275 n. Chr. durch Germaneneinfälle zerstört. Aufgrund der strategisch bedeutsamen Lage an der wichtigen Fernstraße und an der Mosel, die ebenfalls ein bedeutsamer Transportweg für die Versorgung der Kaiserstadt Trier war, wurde an der gleichen Stelle zu konstantinischer Zeit im frühen 4. Jahrhundert ein Militärkastell errichtet. Hier gab es auch eine Schiffsanlegestelle und eine Fährverbindung zum anderen Moselufer. Dadurch wurde eine Querverbindung zur Straße geschaffen, die aus der Eifel bei Wittlich hinab nach Porto Bigontio (dem heutigen Piesport) führte.

Das Kastell war von einer Stadtmauer umgeben und mit 13 Rundtürmen geschützt, die zum Teil noch bis ins 17. Jahrhundert standen.Es gab zwei 8-10 Meter hohe Tore mit Befestigungsgräben, die den Innenbereich und die dort ansässigen Zivilisten schützten. Die zinnenbewehrte Mauer war in der Lage, Belagerungsangriffen mit Rammböcken und Leitern zu widerstehen.

Teile dieser (ursprünglich als mittelalterlich vermuteten) Mauern wurden bei Hausbauten und Kellerausschachtungen freigelegt. Erst als man 1877 inmitten dieser Mauern Reliefsteine mit figürlichem und ornamentalem Bildwerk sowie Architekturelemente entdeckte, die das Fundament dieser Kastellmauern bildeten, wurde die wahre archäologische Bedeutung des Ortes deutlich. Es schlossen sich Ausgrabungen des neu gegründeten Provinzialmuseums Trier an. Die Neumagener Sammlung mit ihren hervorragenden Reliefsteinen, Pfeilern, Grabmonumenten, Weihealtären ist heute noch im Landesmuseum Trier zu bestaunen. Die Reliefs sind von überdurchschnittlich hoher Qualität und deuten auf ein Bildhaueratelier in der Nähe von Trier hin. Die Tatsache, daß sie beim Bau der Stadtmauer zu konstantinischer Zeit im Fundament vermauert wurden, ist die Ursache für ihre ausgesprochen gute Erhaltung bis in die heutige Zeit.

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Die Vision des Konstantin fand tatsächlich in Neumagen statt!!!

Eine örtliche Legende erzählt sich, daß Kaiser Konstantin im Jahre 312 seine berühmte Vision des Kreuzes gar auf dem Kronberg oberhalb von Neumagen hatte. Diese Erscheinung sagte seinen Sieg im Kampf gegen seinen Rivalen Maxentius voraus, falls er im Zeichen des Kreuzes in die Schlacht zöge. Diese Vision führte dazu, daß Konstantin seinen Soldaten befahl, in der Schlacht an der Milvischen Brücke bei Rom ihre Schilde mit dem Christusmonogramm Chi-Ro zu bemalen – und tatsächlich war er siegreich. Daß er seine Vision in Neumagen hatte, ist eine sicher nicht allzu bekannte Anekdote dieses bedeutsamen historischen Ereignisses 😉

Noch heute sind Teile der Rundtürme erhalten und der Verlauf der Kastellmauern und die Position der Türme sind im Ort durch Pflasterungen auf dem Boden oder kleine Aufmauerungen verdeutlicht.

Die Funde befinden sich heute zum größten Teil im Landesmuseum Trier. Es finden sich jedoch überall im Ort originalgetreue Repliken der Funde, die sogar aus dem Original-Material (meist Sandstein aus der Region) hergestellt sind. Da sie dort der Witterung ausgesetzt sind, müssen sie alle paar Jahre erneuert werden.

Aber auch einige Originalfunde aus Neumagen sind versteckt überall im Ort zu finden. Eine detaillierte Beschreibung der vielen Sehenswürdigkeiten folgt später im Laufe des Artikels, wenn wir Euch mit auf den Rundweg nehmen.

Archäologischer Rundweg

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Der „fröhliche Steuermann“ weist den Weg auf dem Archäologischen Rundweg

Seit dem Jahr 1998 führt ein archäologischer Rundweg durch den Ort, der alle römischen Sehenswürdigkeiten miteinander verbindet. Er ist auf dem Boden gut sichtbar durch Plaketten mit dem Gesicht des „fröhlichen Steuermanns“ ausgeschildert, dem Teil eines weiteren römischen Weinschiffs, das den Kopf eines selig lächelnden Steuermanns zeigt. Auch dieser Steuermann wurde zu einem der Wahrzeichen Neumagens und die Einheimischen identifizieren sich gerne mit diesem sympathischen Weinfreund.

Der Rundweg ist bequem zu Fuß zu absolvieren (der Ort ist sehr klein) und gesäumt von 17 gut gemachten und bebilderten Info-Tafeln auf Deutsch, Englisch und Niederländisch.

Wer den Weg nicht alleine ablaufen möchte, hat auch die Gelegenheit, an einer archäologischen Wanderung „auf den Spuren der Römer“ teilzunehmen, die von Mai bis Oktober Freitags um 17:15 Uhr und Samstags um 10:15 Uhr von der Touristeninformation Neumagen angeboten wird. Sie wird von Ehrenamtlichen vom Förderverein Neumagener Weinschiff e.V. geleitet, die gut informiert sind und mit Leidenschaft das römische Erbe ihres Ortes pflegen. Der Unkostenbeitrag von 4€ für einen Erwachsenen ist absolut in Ordnung und unterstützt die Erhaltung und Restaurierung der römischen Denkmäler und des Rundweges.

Selbst wenn man den Ort auf römischen Spuren selbst durchwandern möchte, erlaubt die Teilnahme an der Führung geheime Einblicke, die man als einzelner römischer Tourist nicht unbedingt bekommt – doch dazu später mehr! Wir empfehlen also beides: den Ort auf eigene Faust erkunden und an der Führung teilnehmen, wenn die Zeit es erlaubt. Eine Voranmeldung ist nicht notwendig.

Stadtmuseum

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Im Stadtmuseum werden einige Szenen aus berühmten Reliefs nachgestellt

Startpunkt der Führung oder des Rundgangs ist die Touristeninformation, nicht zu verfehlen an der Hauptstraße des Ortes gegenüber der Kirche und nur wenige Meter vom Römerweinschiff-Denkmal entfernt.

Dort findet sich auch ein kleines Stadtmuseum, gleichzeitig befindet sich dort die örtliche Post und ein römischer Souvenirshop mit Repliken, Wein, Gläsern, Neumagen-Merchandise, Postkarten, betreut in Personalunion. Die Öffnungszeiten sind: 01. April bis Weihnachten stets von 09.00-12.30 und nachmittags von 14.00-16.30Uhr. Mittwoch und Samstagnachmittag geschlossen. Nach Weihnachten bis 31.03. dann wochentags immer von 09.00 -12.30 Uhr und samstags von 09.00-12.00 Uhr.

Gegen eine geringe Zahlung von 2€ betritt man das aus vier Räumen bestehende kleine Stadtmuseum, das sich ganz auf die römische Geschichte von Neumagen spezialisiert hat. Es ist überraschend liebevoll und detailliert ausgestattet, mit römischen Wandmalereien, der Nachstellung zweier römischer Alltagsszenen aus den Reliefs „Pachtzahlung“ und „Frisierszene“, einigen Originalfunden (Säulenteile, Geschirr und Bauelemente), der Erklärung einer Hypokaustenanlage und des römischen Vermessungswesens, unterstützt durch einen Film über römische Vermessungstechnik, den man sich dort anschauen kann. Ein Modell veranschaulicht die Lage und Größe des ehemaligen Kastells und ein kurzer Film über das Kastell vermittelt Hintergrundinformationen.

Es gibt Informationen über die Ausoniusstraße, ein kleines Lararium, Einblick in eine Schreibstube sowie eine Statue des Gottes Mars von der Mosel.

Ein nettes kleines Museum, das eine gute Ergänzung zum römischen Aufenthalt in Neumagen bietet – sollte man definitiv besuchen, wenn man schon einmal in Noviomagus weilt, auch, um den ambitionierten Ortsverein zur Erhaltung der römischen Geschichte zu unterstützen.

Archäologischer Rundgang

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Eine Teilnahme an der Führung ist empfehlenswert, da sie auch zu versteckten römischen Sehenswürdigkeiten führt, die man alleine schnell übersieht

Vor dem Stadtmuseum beginnt der Archäologische Rundgang durch den Ort, dem man anhand der im Boden eingelassenen Plaketten mit dem Gesicht des seligen Steuermannes folgt. Der Rundweg wurde unter Mitwirkung des Rheinischen Landesmuseums Trier erarbeitet und von der Gemeinde Neumagen-Dhron sowie des Heimat- und Verkehrsvereins finanziert.

Die einzelnen Stationen sind gut erkennbar an den großen, mehrsprachigen Infotafeln. Da das Stadtmuseum innerhalb der ehemaligen Kastellmauern liegt, befinden sich bereits in Sichtweite rund um das Gebäude bereits mehrere Stationen, die unter anderem den Aufbau des Kastells erläutern und den Verlauf der Mauern und Türme verdeutlichen. Direkt an der Außenmauer des Museums befindet sich eine der vielen Alltagsszenen aus den berühmten Neumagener Grabreliefs, die „Pachtzahlung“.

Gegenüber des Museums, neben der Kirche, befindet sich ein Leugenstein, ein antiker Wegweiser und Meilenstein. Auf der Rückseite der Kirche gibt es ein Weinrankenrelief – ein Hinweis auf die Bedeutung des Weines in dieser Region schon zur Zeit der römischen Antike. Hier ist deutlich die typische Einzelpfahlerziehung einer Weinrebe zur Römerzeit zu erkennen, die in charakteristischer Weise wie eine „8“ gebunden ist. Auch Weinbergsschädlinge sind auf dem Relief zu erkennen.

Folgt man dem Rundweg hinab zum Moselufer, kommt man an der zuvor erwähnten Konstantinstele vorbei, die den Kaiser mit seiner Vision zeigt. Antike Säulenreste säumen den weiteren Verlauf des Weges.

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Alle Reliefs sind mit dreisprachigen Informationstafeln beschildert

An vielen Hauswänden finden sich weitere Reliefs, wie die berühmte Schulszene, die einen (offenbar griechischen) Hauslehrer mit drei Schülern zeigt, eine Mahlzeit eines Hausherren mit seiner Gemahlin, die von zwei Dienern bewirtet werden, oder den Mundschenk (lat: Princerna), der als Vorkoster eine hohe Vertrauensstelle am kaiserlichen Hofe einnahm.

Jedes Relief ist mit einer Infotafel versehen, auf der der Inhalt des Bildes erläutert wird.

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Der Ausoniuspark

Vom Moselufer hinauf zurück zur Hauptstraße führt ein kleiner Park mit Treppen, der dem Dichter Ausonius gewidmet ist. Hier findet sich auch eine Statue des Ausonius, daneben ein Sarkophag mit einer Zirkusszene, die ein Pferderennen zeigt. Auch die bekannte Frisierszene, bei der eine hochstehende römische Dame von Dienerinnen frisiert wird, ist hier prominent in Szene gesetzt.

Der kleine römische Park ist von Bäumen überschattet und gepflegt. Er führt hinauf zu einer kleinen Kapelle aus dem 14. Jahrhundert, der Peterskapelle, die sich direkt neben dem Highlight des Rundwegs befindet, dem Grabmahl des Weinhändlers.

Das römische Grabschiff

Das bekannteste und sicher beliebteste römische Denkmal, das römische Grabschiff, befindet sich rechts von der Peterskapelle an der Hauptstraße, gegenüber vom „Café Wald am Römerschiff“ das mit einer schwindelerregenden Auswahl an Torten begeistert. Auch hier befinden sich in der Gaststube Repliken römischer Reliefs aus Neumagen und man kann auch Repliken des Weinschiffs in allen Größen in der Backstube erwerben (touristischer Tipp am Rande: Das Café am Römerschiff ist gleichzeitig ein recht familiäres Hotel, in dem wir übernachteten – direkter Blick vom Zimmer auf das nachts beleuchtete Römerweinschiff inklusive!).

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Das Grabmal des Weinhändlers ist das Wahrzeichen des Ortes

Das Weinschiff – als Wahrzeichen des Ortes – wird gut in Szene gesetzt. Es gibt eine große Informationstafel, vor dem Schiff sind Blumen gepflanzt und es wird im Dunkeln stimmungsvoll von Scheinwerfern angestrahlt. Für Touristen ein beliebtes Fotomotiv, so daß sich in der Saison rund um das Weinschiff immer Gruppen von Wanderern und Radfahrern einfinden.

In Neumagen wurden insgesamt vier Grabmonumente in Form von Weinschiffen gefunden.

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Rekonstruktion des Grabmals auf der Infotafel

Vom Römerweinschiff an der Kapelle ist nur eine Frontseite erhalten; tatsächlich handelte es sich wohl um eine Art Katamaran, auf dessen Zwischenfläche die Weinfässer und Amphoren transportiert wurden. Das 3 Meter lange Grabmal zeigt vier Fässer und vierzehn Amphoren, was besonders interessant ist: Fässer waren untypisch für den römischen Weinhandel und eigentlich eine Erfindung der Kelten. Da sich Neumagen allerdings tief im Land der keltischen Treverer befand, ist anhand der Grabdenkmäler ersichtlich, daß der lokale Weinhandel und die Winzer – neben Amphoren – auch diese Art der Weinaufbewahrung nutzten (daneben gibt es Diskussionen, ob die Fässer eventuell statt Wein Bier enthielten, um auch andere lokale Geschmäcker zu befriedigen, dafür gibt es jedoch keine Belege). Die 14 Amphoren auf dem Weinschiff sind mit einem Strohgeflecht transportsicher gestapelt.

Entlang des Schiffs sind 6 rudernde Besatzungsmitglieder, 22 Ruder sowie zwei Steuermänner zu sehen.

Auffällig ist die Bauart des Weinschiffs, das an der Vorderseite in einem Rammsporn ausläuft, wie man es nur von Militärschiffen kennt. Möglicherweise handelte es sich bei dem Weinschiff um ein für den zivilen Dienst genutztes ehemaliges Militärschiff oder ein Schiff, das in Friedenszeiten zum Wein- und Warentransport nach Trier benutzt wurde und bei Bedarf zum Kriegsdienst umgerüstet werden konnte.

Charakteristisch ist auch der Drachenkopf an der Vorderseite des Schiffs sowie die auf den Rumpf gemalten Augen, die beide Unheil abwehren sollten – die Mosel war zu römischer Zeit ein weitaus wilderer Fluß, der noch nicht, wie heute, durch Staustufen gebändigt war und somit berüchtigte Untiefen und Stromschnellen hatte.

Reste eines weiteren Grabschiffs, von dem auch der Kopf des seligen Steuermanns stammt, sind im Vorgarten eines Hauses an der Hauptstraße zu sehen.

Kastellmauer: Gut versteckt, aber erhalten

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Die Kastellmauer versteckt sich hinter Häusern und in Kellern

Ebenfalls noch zu sehen, wenn auch gut versteckt, sind Teile der Kastellmauer, an denen sogar noch die charakteristische römische Bauweise in Fischgrätmauerweise der Schiefersteine zu erkennen ist.

Einen noch hoch anstehenden Mauerteil findet man an der Hinterseite einiger Wohngebäude: In der Spielesgasse, die von der Römerstraße abzweigt, führt auf der rechten Straßenseite ein kleiner, enger Fußweg zur Rückwand einiger Häuser. Hier erwartet den Besucher ein Teil der Stadtmauer sowie eine Informationstafel.

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Ein Insidertipp für den römischen Touristen

Ein richtiger Noviomagus-Geheimtipp ist jedoch die Straußwirtschaft des Weinguts Lauterbach „An der Römermauer“ in der Spielesgasse 14. Der Winzerhof ist direkt in die römische Steinmauer hinein gebaut worden, so daß die Mauer heute die Rückwand der Weinstube bildet und „Weingenuss vor altrömischer Kulisse“ erlaubt. Das Weingut ist im Besitz der Winzerfamilie Lauterbach und die Weinstube ist nur unregelmäßig geöffnet (in der Saison samstags ab 19 Uhr, ohne Gewähr – bei Bedarf kurz vorher anfragen). Hier gibt es auch nichts zu essen (außer Knabbereien), dafür Weinausschank durch die freundlichen Inhaber in einer ganz besonderen Umgebung.

Denn neben der römischen Wand, die der Blickfang der Weinstube ist, hat der Besitzer auch einige andere römische Funde in seine Einrichtung integriert. Es findet sich – natürlich -eine Replik des seligen Steuermanns, aber auch Original-Funde aus Neumagen, die – mit Erlaubnis des Landesmuseums Trier – zu Tischen umfunktioniert wurden: So wurden ein Stück antiker Wasserleitung und ein Teil eines Grabmonuments mit schweren Glasplatten überdeckt, so daß sie zwar gut zu sehen sind, aber gleichzeitig auch gut geschützt praktisch genutzt werden können.

Nicht zuletzt herrscht in der Weinstube eine sehr familiäre und urgemütliche Wohnzimmeratmosphäre und der Winzer und seine Frau gesellen sich gerne zu den Gästen und erzählen ihnen von der römischen Geschichte Neumagens und vor allem der Geschichte der Kastellwand und der zu Tischen umfunktionierten Funde. Nicht zuletzt ist auch der lokale Riesling (dessen Etikett ebenfalls die Kastellwand ziert), sehr gut zu trinken (und nein, wir bekommen kein Geld für diese Empfehlung, sondern berichten aus eigener, angenehmer Erfahrung 🙂 ).

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Ludovicus und Corvina lassen den Abend gemütlich ausklingen: mit einem halbtrockenen Riesling vor der Römermauer in der römischen Weinstube

Fahrt mit der Stella Noviomagi

Der Höhepunkt einer Neumagen-Reise ist natürlich eine Fahrt mit dem nachgebauten Weinschiff, der Stella Noviomagi, die in Neumagen vor Anker liegt. Es wird vom Kulturverein Ausonius e.V. betreut.

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Ein Muss für den Neumagen-Besucher: Eine Fahrt mit der Stella Noviomagi und ein Glas Moselwein

Es handelt sich dabei um einen fahrtüchtigen Nachbau basierend auf dem Grabdenkmal-Weinschiff, der in der Sommersaison regelmäßig Kulturfahrten 10 km moselaufwärts oder moselabwärts unternimmt. Zudem kann das Schiff auch für Gruppenfahrten für bis zu 40 Personen gechartert werden. Es ist motorisiert, kann aber auf Wunsch mit 22 Rudern auch (selbst) gerudert werden. Wie unser Führer uns schmunzelnd berichtete, erfordert dies jedoch ein gut eingespieltes Team, ansonsten kann man sich darüber amüsieren, wie die Gruppe sich mit dem Schiff im Kreis dreht.

Die Stella Noviomagi lief 2007 vom Stapel. Es wurde von Auszubildenden der Handwerkskammer Trier mit Holz aus heimischen Wäldern gebaut und ist das größte im deutschen Sprachraum nachgebaute Römerschiff. Seine Länge beträgt 17,95 Meter, das Leergewicht 14 Tonnen.

Es wurde etwas verkleinert nachgebaut, da es im Original-Maßstab die „Schallmauer“ von 18 Metern weit übertroffen hätte – und ab dieser Länge sind das große Kapitänspatent sowie deutlich strengere Auflagen zur Personenbeförderung gesetzlich vorgeschrieben, etwas, was der kleine ehrenamtliche Verein, der das Boot betreibt, nicht leisten kann. Trotz der Gelder, die durch die Kulturfahrten und Charter des Schiffes hereinkommen, wird damit kein Gewinn erzielt, da nach jeder Saison umfangreiche Restaurierungs- und Pflegearbeiten notwendig sind, um das Schiff zu erhalten. Die Arbeitsstunden werden zum großen Teil ehrenamtlich geleistet und viel Geld fließt aus eigener Tasche hinzu. Insofern ist es eine gute Sache, das Projekt zu unterstützen und wir empfehlen an dieser Stelle auch gerne die Fahrt mit der Stella Noviomagi jedem Römerfan und jedem Moselfreund weiter!

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Die Moselfelsen sind spektakulär

Wir nahmen auch an einer sogenannten „Kulturfahrt“ teil. Diese finden von Ostern bis Oktober Samstags um 15:30h und Sonntags um 10:00h statt (bei Bedarf und in der Hochsaison werden auch weitere Fahrten angeboten). Die Fahrten finden auch bei schlechtem Wetter statt.

Die Fahrt kostet 18€ für einen Erwachsenen und dauert ca. 1,5 Stunden. Vorher erhält man im Infopavillon eine kurze 20-minütige Einführung, bei der auch zwei Filme gezeigt werden: einer über das Kastell Neumagen und einer über die Herstellung des Schiffs, bevor man dann gemeinsam zum Anleger geht. Der Preis ist völlig in Ordnung für dieses Erlebnis und unterstützt zudem eine gute Sache.

Begleitet wird die Kulturfahrt von einem erfahrenen Gästeführer, der während der Fahrt ausführlich über die römische Geschichte der Mosel, die Geschichte des Weinbaus und über Kultur, Land und Leute der Region referiert. Zudem werden Sehenswürdigkeiten erläutert, die man auf der Fahrt passiert, wie die Mosel-Loreley oder den Ort Piesport, zu dem unsere Fahrt moselabwärts führte.

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Das darf in keinem kultivierten römischen Haushalt fehlen!

Außerdem findet an Bord des Schiffs während der Fahrt eine Weinverkostung statt. Hier hat man die Möglichkeit, ein Weinglas zu erwerben, das das römische Grabmonument sowie die nachgebaute Stella Noviomagus zeigt (das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen!) und – ganz nach Geschmack – örtlichen trockenen, halbtrockenen oder lieblichen Moselwein zu probieren. Die Preise für den Wein an Bord sind absolut zivilisiert und keine Abzocke: das befüllte Glas kostet 4,50€ (das man im Anschluß behalten kann; möchte man nur das Glas, kostet es 3€). Nachfüllen kostet jeweils 1,50€ und man schenkt großzügig ein.

Die Fahrt, die wir gemeinsam mit einer Gruppe Skandinavier und gemischter Touristen allen Alters machten, war sehr unterhaltsam. Die Erklärungen des Gästeführers waren interessant und versiert und wir lernten tatsächlich noch einiges über die Römerzeit an der Mosel, über Neumagen und Ausonius, sowie über Weinbau, obwohl wir ja selbst aus einem Weinbaugebiet kommen. Die Stimmung an Bord war gut, locker und entspannt. Man kann sich auf dem Schiff frei bewegen, fotografieren, auf den Ruderbänken sitzen oder an der Reling oder vorne am Bug stehen.

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Der fröhliche Steuermann war nicht an Bord, ist aber in einem Vorgarten an der Hauptstraße zu finden

Anspruch auf eine Sitzgelegenheit gibt es nicht, aber das stellte trotzdem kein Problem dar, obwohl wir ausgebucht waren. Wer einen Platz benötigt, bekommt auch einen; die meisten Passagiere stehen eh an der Reling und winken den zahlreichen staunenden Passanten am Ufer und auf den Brücken zu und amüsierten sich damit, sich gegenseitig vor der dramatischen Moselkulisse und dem Schiff zu fotografieren und fröhlich dem Wein zuzusprechen.

Wir empfehlen unbedingt, die Fahrt im Voraus zu buchen, je früher desto besser!

Uns stand, obwohl wir einige Tage in Neumagen waren, nur noch der Sonntagmorgen-Termin offen und wir bekamen dort die letzten Plätze, obwohl wir lange im Voraus angefragt hatten. Die Buchung kann über die Touristeninformation Neumagen vorgenommen werden (per Email oder telefonisch). Unverbindliche Anfrageformulare und eine Übersicht über die freien Termine finden sich auf der offiziellen Website des Weinschiffs.

Das Schiff fährt zudem bei den Weinfesten in Neumagen und dem römischen Kelterfest in  Piesport, wo man an einer kurzen Schnupperfahrt teilnehmen kann.

Wenn man in Neumagen weilt, ist die Fahrt mit der Stella Noviomagi ein absolutes Muß!

Fazit

Wer ein besonderes römisches „Rundum-Sorglos-Paket“ sucht  – und das abseits der ausgetretenen Pfade wie Trier -, dem können wir den ältesten Weinort Deutschlands nur ans Herz legen.

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Auch in der Weinstube an der Römermauer freut sich der Steuermann über römisch interessierte Besucher. Man erzählt sich unter den Einheimischen, wenn der Steuermann ein Licht bekommt und es flackert, dann spricht er zu einem…und ab manch weinseliger später Stunde mag man ihn verstehen können…

Für uns waren die Tage in Neumagen Erholung und Erlebnis zugleich und wir waren begeistert von der Mischung: ein ruhiges Örtchen mit versteckten, urigen Weinstuben, wo man familiär mit dem Winzer in dessen Hof oder Keller plaudert, einem gepflegten und vorbildlichen Archäologischen Rundweg, dazu das besondere Erlebnis der Schiffsfahrt und der guten Betreuung durch versierte einheimische Führer des Ausonius e.V., die einen auch auf die versteckten römischen Winkel des Ortes aufmerksam machen.

Auf den ersten Blick ist Neumagen unscheinbar, gerade im Vergleich mit den lauten und lebhaften bekannten Moselorten, aber dafür ist der versteckte Charme umso größer.

Oder, um zum Abschluß noch einmal Ausonius zu Wort kommen zu lassen, der das Moseltal rund um Neumagen im Lande der Treverer folgendermaßen beschreibt:

“Und endlich erblickte ich im vorderen Grenzlande der Belger, NOVIOMAGUM (Neumagen), das berühmte Lagerkastell des göttlichen Constantinus. Reiner ist hier den Gefilden, die Luft und Phoebus (Sonnengott) mit heiteren, Licht verkläret den purpurnen Olymp.

Du brauchst hier nicht durch dichtverschlungene Zweige, hinter der grünlichen Hülle versteckt, den Himmel zu suchen, sondern die Strahlen des Tags, die hellen, vergönnen‘s dem Wanderer wohl, zu sehen die spiegelnde Flut und den goldenen Horizont. Ganz an das heimische Land und die Art des glänzenden Burdigala erinnernd, mahnet mich jedes Ding, das das blickende Auge ergötzt.

Ragende Villen hier, auf hängenden Ufer gegründet. Und grünende Hügel dem Bacchus gewidmet und der Mosel lieblich strömende Flut, die mit leisem Gemurmel einherfliesst. Sei mir gegrüßt, o Fluss! Deiner Äcker und Pflanzen wegen gelobt, dem die Belgier die Stadt des Thrones gewürdigt (Augusta Trevirorum) verdanken wir mit Wohlgeruch verbreitenden Reben bepflanzt, ihr Hügel ihr Ufer bedeckt mit grünenden Wiesen, euch grüße ich! Schiffbar, so wie das Meer, doch abwärts­strömend und wogend wie ein Strom und gleichet dem Spiegel des tiefgründigen Sees, gleichet dem Bache er auch, der zögernden Laufes einherfliesst. Und so rein ist zum Trunk nicht der Waldquell als deine Gewässer!…

Lasst uns zum Weinberg gehen, das ist ein erquickendes Schauspiel! Bildete doch Natur das Gebirg wie im Theater. Hoch ist der Kamm, steigt sanft hinan mit Krümmung und Einschnitt, Felsen und sonnige Höhen, und alles bepflanzt mit Reben.“

– Ausonius, Mosella

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Auch die berühmte „Schulszene“ stammt aus Neumagen. Sie spielt, wie das Weinschiff, ebenfalls eine Rolle im Trierer „Reich der Schatten“ im Landesmuseum

Weiterführende Literatur und Links:

  • Massow: Die Grabmäler von Neumagen, Berlin 1932
  • Cüppers, Heinz: Die Römer in Rheinland-Pfalz
  • FVFD (Führer zu Vor- und Frühgeschichtlichen Denkmälern des Zentralmuseums Mainz) 34 (1977), S. 246 ff.
  • TZ (Trierer Zeitschrift) 45 (1982) und 48 (1985)
  • Ausonius: Mosella
  • Offizielle Website von Neumagen-Dhron

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie die Götter es manchmal fügen…

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Artikel © D. Gratius Ludovicus, 07/2016

Manchmal gibt es schöne Beispiele im Leben eines Cultors, wie die Götter die Dinge fügen… heute also eine kleine Geschichte aus der gelebten Religion eines römischen Rekonstruktionisten, die ja gerne von vielen „Neuheiden“ als unspirituell und trocken abgelehnt wird 😉

Ich habe immer schon eine gewisse Nähe zu Silvanus verspürt, dem Gott des Waldes und der Felder, der im Gegensatz zu Faunus nicht die wilde Natur, sondern deren Eingrenzung und damit gleichermaßen ihre Zähmung und Nutzung verkörpert, wodurch letztlich die Grenze zwischen Natur und Kultur geschaffen wird. Dadurch gehören zu seiner Sphäre ebenfalls die Gärten und die Grenzen der ländlichen Grundstücke, so daß er nicht nur – wie Horaz ihn nennt – tutor finium, also Beschützer der Grenzen ist, sondern als Silvanus domesticus, als häuslicher Silvanus, geradezu der Wächter (custos) des Grundbesitzes und Hauses wird, was seine Funktion sich mit der der Laren überschneiden lässt. In diesem Sinne finden wir ihn auch in Inschriften als Silvanus sanctus larum oder Silvanus sanctus sacer larum als den  Penaten zugehörig erwähnt.

 

Sucellus

Sucellus Hochrelief aus Kinheim an der Mosel, 3. Jahrhundert

Bis dato hatte dieser Gott für mich aber kein Gesicht und er blieb ein Numen, das man spüren kann, wenn man alleine durch Wald und Flur streift. Vor einiger Zeit besuchten wir eine römische Kelteranlage am Fuße des – wie die Römer ihn nannten – Dulcis mons, des „süßen Berges“ bei Brauneberg an der Mosel. Dort fiel uns eine recht große Statue auf, die hinter der Absperrung aufgestellt ist und die wir bis dato noch nicht kannten. Es stellte sich heraus, daß es sich um den keltischen Gott Sucellus handelte, der später auch in der gallo-römischen Religion eine große Rolle spielte und dessen Darstellung als Statue hier an der Kelter nach einem Fund aus Kindel/Kinheim angefertigt worden war.

 

In der nachfolgenden Recherche zu dieser Gottheit war ich nicht wenig überrascht über die gallo-römische Gleichsetzung des Sucellus mit… Silvanus! Jetzt hatte dieses Numen, das ich kannte, auf einmal ein Gesicht bekommen, zwar aus einer für mich unerwarteten Ecke, aber durch die zufällig erscheinende Begegnung im Sinne einer bewegenden Überraschung.

 

Leider kannte ich keine konkrete Darstellung des Sucellus, wie etwa die Statue an der römischen Kelter, die man erwerben konnte. Abseits der üblichen Götterdarstellungen, die in den diversen Museumshops erhältlich sind, oder direkt von Künstlern, die diese anbieten (und die oft eben jene sind, die diese Repliken auch für die Museen anfertigen) wird es generell schwierig für den normalen Gallo-Römer. Die Museen wachen mit Argusaugen darüber, daß Rechte nicht verletzt werden, daß von Statuen z.B. keine „illegalen“ Abgüsse kursieren und daß sie die Kontrolle darüber haben, was auf dem Markt für jedermann erhältlich ist.

 

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Die römische Kelteranlage bei Brauneberg an der Mosel

Als ich mich vor vielen Jahren im Rheinischen Landesmuseum in Bonn einmal nach der Möglichkeit erkundigte, ob es Möglichkeiten gäbe, daß ich als Privatperson mir einen Matronenstein anfertigen lassen könnte, wurde schnell abgewunken mit dem Hinweis „sowas sehen wir nicht gerne und erlauben es auch nicht, was Abgüsse angeht etc. – wir möchten wissen wer wo was stehen hat“ – eine seltsame und mich nicht wirklich überzeugende Aussage, aber so war es nun mal.

Insofern hatte ich nach der Begegnung an der Mosel mit dieser gallo-römischen Gottheit  natürlich spontan die Idee, eine Statue des Sucellus-Silvanus für meine sacra privata irgendwann einmal mein Eigen nennen zu können, wußte aber um die oben angesprochenen Probleme. So zeigte sich denn auch nach einer entsprechenden Recherche schnell, daß diese Gottheit nicht zu denjenigen gehört, die auf dem üblichen Weg erhältlich sind, was mir deutlich machte, daß aus diesem Wunsch nichts werden würde. Was sich noch einstellte, war die Verärgerung über diverse Richtlinien, die es Museen erlauben, hier eine solche restriktive Kontrolle auszuüben, gleich wie sie das begründen mögen. Es mag bestimmte Gründe geben, die man als mehr oder weniger überzeugend für diese Restriktion akzeptieren kann, aber für den heutigen Cultor ist das schon ein arger Einschnitt in die  Ausübung unserer Religion. Damit war das Thema erst einmal auch abgehakt für mich. Aber wohl nicht für Sucellus 😉

 

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Sucellus, in der Kelter bei Brauneberg an der Mosel

Denn kurze Zeit später weilten wir auf einem kleinen aber feinen Event – die Historischen Zeit-Reise-Tage/Antiken Tage auf der Burg Olbrück – dessen Initiator wir kennen und wo wir kurz mal „Salve!“ sagen wollten, da die Olbrück nicht weit von uns entfernt liegt und sich das für einen sonnigen Sonntagausflug anbot.

 

Nachdem wir uns an wohlschmeckenden keltischen Gerichten gelabt hatten, erwähnte jener Bekannte, er habe eine Replik des Sucellus darstellenden Hochreliefs, das bei Ausgrabungen einer römischen Villenanlage aus dem 3. Jahrhundert in Kindel gefunden wurde, erwerben können… und habe noch eine zweite! Ein mehr als guter Preis wurde schnell auf unkomplizierte keltisch-römische Art vereinbart und ein paar Wochenenden später konnten wir den Sucellus bei ihm daheim abholen.

 

Heute – Dies Iovis Nonis Iuliis MMDCCLXIX ab urbe condita – habe ich die Invocatio durchgeführt und die Auspizien nach dem Ritus waren eindeutig, das Sucellus-Silvanus die Einladung angenommen hat.
Die Art und Weise, wie sich die Dinge in kürzester Zeit entgegen jeglicher Erwartung gefügt haben, ist für mich wieder ein deutliches Zeichen dafür, daß eine Gottheit Wege findet, um sich zu offenbaren und auch eigentlich Unmögliches doch irgendwie möglich zu machen 🙂

Eine ungewöhnliche Gallo-Römische Gottheit: Oceanus-Cernunnos

Heute möchten wir Euch eine gallo-römische Kuriosität vorstellen – eine ungewöhnliche  Verschmelzung eines keltischen mit einem römischen Gott: Oceanus-Cernunnos.

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Kurzer Exkurs: Interpretatio Romana

Dank der Interpretatio Romana ist die Identifikation fremder Gottheiten mit römischen Gottheiten eigentlich nichts Außergewöhnliches; viele Gottheiten anderer Völker, seien es gallische, afrikanische oder orientalische Götter hielten auf diese Weise Einzug in den römischen Pantheon, indem sie mit bekannten römischen Gottheiten identifiziert oder assoziiert wurden. Beispiele dafür sind die gallischen Heilgötter Apollo-Grannus und Lenus-Mars, landwirtschaftliche Götter wie Mars-Intarabus, der orientalische Soldatengott Jupiter-Dolichenus, der ägyptische Jupiter-Ammon oder die keltische Waldgöttin Diana-Arduinna.

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Apollo-Grannus und Sirona, zwei beliebte gallo-römische Gottheiten

Andere fremde Götter wurden ohne römisches Gegenstück Teil der römischen Götterwelt, wie die keltischen Göttinnen Sirona, Rosmerta und – vor allem – Epona, die sich reichsweiter Beliebtheit erfreute.

In der Römischen Antike war es üblich, Lokalgötter aus den Provinzen des Imperiums durch funktionale Identifikation, d.h. aufgrund ihrer Attribute, Eigenschaften oder Zuständigkeiten, mit einer römischen Gottheit gleichzusetzen und dadurch in den eigenen Cultus aufzunehmen. Ausführliche Hintergrundinformationen zu dieser Praxis findet Ihr in unserem Artikel zur Interpretatio Romana, auf den wir an dieser Stelle verweisen möchten.

Ein römischer Meeresgott und der keltische Gehörnte?!

Da es, wie im verlinkten Artikel beschrieben, keine festen „Zuordnungstabellen“, Regeln oder gar Kommissionen gab, die bestimmten, welcher Gott mit welchem zu identifizieren sei, gab es in der Vermischung große persönliche Freiheiten und Interpretationsspielräume. Das führte dazu, daß wir heute auf Bildern, Weihesteinen oder Inschriften immer wieder auch auf ungewöhnliche Zuordnungen stoßen, die zwei Götter miteinander verschmelzen, deren Zusammenhang sich auf den ersten Blick nicht unmittelbar erschließt oder die aus den persönlichen Lebensumständen des Stifters zu deuten sind.

Ein Beispiel dafür ist auf einem großen Bodenmosaik in der Palastvilla von Bad Kreuznach zu bewundern, die wahrscheinlich einem erfolgreichen, einheimischen Geschäftsmann gallischer Herkunft und Händler für mediterrane Meeresfrüchte gehörte: er widmete das detailreiche Relief einem gallo-römischen Oceanus-Cernunnos.

Der Fundort

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Modell der Palastvilla von Bad Kreuznach

Die römische Luxusvilla liegt in der heutigen Stadt Bad Kreuznach an der Nahe, zu römischer Zeit eine kleinere Ansiedlung (vicus) mit einem nahegelegenen Militärkastell.

Es handelte sich um eine der größten Villen in der Region, deren wohlhabender Besitzer vermutlich in der eine Tagesreise entfernten Provinzhauptstadt Mogontiacum (das heutige Mainz) arbeitete und sich dann und wann auf sein „Landschlößchen“ zurückzog. Der repräsentative Bau deutet darauf hin, daß er auch dazu diente, Gäste und Geschäftsleute zu empfangen, sich in den ausschweifenden Thermen standesgemäß zu entspannen oder sich anderen Vergnügungen hinzugeben, wie man es als „Superreicher“ zur römischen Zeit tat.

Die Villa lag auf einem Südhang des Ellerbachtals mit Panoramablick auf den Fluß und das ganze Tal. Sie war im Stil einer Peristylvilla erbaut, einem Gebäude, das im mediterranen Stil um einen zentralen Innenhof herum errichtet war. Entlang der gesamten Nordseite, über die das Haus betreten wurde, zog sich ein Porticus, eine Säulenhalle.

Die dreistöckige Villa hatte gigantische Ausmaße und verfügte allein im Erdgeschoß über 50 Zimmer. Die Fenster waren verglast. Die beiden repräsentativen Empfangssäle waren jeweils mit einer Hypokaust-Fußbodenheizung beheizt. Es gab Wasserspiele, die mit eigenen Wasserleitungen versorgt wurden, einen Küchentrakt und eine dreisitzige Toilette. Tonleitungen, die von einer Quelle oberhalb des Hangs bis zum Haus führten, deuten auf eine eigene Versorgung mit fließendem Wasser, sowie den steten Abfluß von Brauchwasser hin. Auch im Keller des Hauses lag eine eigene Quelle, deren Wasser durch Risse im Fels sinnvoll genutzt wurde, um Vorräte zu kühlen.

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Die Römerhalle von Bad Kreuznach ist ein sehr sehenswertes Museum

An einigen Wänden fanden sich große, sehr hochwertig ausgeführte Wandmalereien, zum Teil mit Inschriftenresten, die auf Szenen griechischer Tragödien hindeuten und den hohen Bildungsanspruch des Besitzers darstellen sollen. Einige Wände sind mit echtem Marmor verkleidet, an anderen wiederum wurde Marmorimitat verwendet. Deckenmalereien mit Kassetten sind an stadtrömische Architektur angelehnt.

Zwei großflächige Mosaike (eines davon beheizt!) dienten dazu, den Reichtum des Besitzers zur Schau zu stellen – schon damals in gehobenen Kreisen überaus wichtig. Sie gehören heute zu den besterhaltensten Mosaiken nördlich der Alpen, zusammen mit dem Dionysos-Mosaik in Köln und dem Gladiatorenmosaik in der Villa Nennig.

Das erste Mosaik der Villa zeigt Gladiatorenszenen aller Art, wie sie überall im römischen Reich zu finden sind.

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Mosaik mit eingelassenem Sechseckbrunnen

Das zweite Mosaik zeigt das Portrait eines Gottes, der als „Oceanus-Cernunnos“ angesprochen wird, da sich in seiner Darstellung Attribute beider Götter vereinigen. Zwar gibt es nirgendwo in der Villa eine Inschrift, in der er ausdrücklich so genannt wird, aufgrund der eindeutigen Ikonographie wird diese Deutung allerdings allgemein akzeptiert – zumal nichts dagegen spricht, daß ein romanisierter Kelte diese beiden Götter, die beide für ihn in seinem Privatleben eine wichtige Rolle spielen, miteinander verbindet.

Das war gängige römische Praxis; nur die Mischung zweier augenscheinlich vollkommen unterschiedlicher Götter ist es, die diese Kombination besonders interessant macht (wenn auch nicht einzigartig, denn es sind einige weitere Oceanus-Cernunnos-Verbindungen bekannt, unter anderem aus Verulamium und Colchester in Britannien).

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Der vicus von Bad Kreuznach zur Römerzeit

Das Mosaik stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 234 n. Chr., worauf eine Konsularinschrift bezogen auf die Konsuln Maximus und Urbanus hindeutet.

Die Villa ist heute in die Römerhalle Bad Kreuznach integriert, ein sehenswertes Museum mit Freigelände, das auf 1000 Quadratmetern Funde der Umgebung aus keltischer und römischer Zeit zeigt, sowie Fluchtafeln und eine große Auswahl an Viergöttersteinen. Neben den beiden Mosaiken gehört eine Sammlung von Soldatengrabsteinen aus dem nahen Militärlager zu den wichtigsten Ausstellungsstücken, da diese, oft lebensgroßen und sehr detaillierten Darstellungen, Aufschluß über den soldatischen Alltag und das Aussehen der Auxiliartruppen in der Region geben.

Ikonographie des Mosaiks

Das 1966 gefundene, sehr gut erhaltene Fußbodenmosaik ist 68 Quadratmeter groß. In seiner Mitte befindet sich ein marmorverkleidetes sechseckiges Wasserbecken. Einlassungen im Mosaikboden deuten darauf hin, daß sich darauf ein steinernes Triklinum – eine Liegebank für gesellschaftliche Anlässe – befand.

Die detaillierten Darstellungen auf dem Mosaik gelten als Indiz dafür, daß es sich bei dem Besitzer der Villa um einen Händler von Fisch- und Meeresprodukten gehandelt hat, also teuren Luxusgütern in dieser weit vom Meer entfernten Region, die in der Hauptstadt der Provinz Germania Superior, Mogontiacum, sehr begehrt waren (Dies wird unter anderem in der Arbeit „Der Besitzer der Bad Kreuznacher Peristylvilla – ein Händler ostmediterraner Lebensmittel?“ von Ulrike Ehmig ausführlich untersucht (erschienen in: Münstersche Beiträge zur Antiken Handelsgeschichte, Bd. XXIV, 2, 2005).

Es handelt sich nicht um die sonst üblichen stilisierten Meeres- und Fischereiszenen, die allgemein als Sinnbild für ein glückliches Leben in ländlicher Idylle fernab von Verpflichtungen gelten, sondern um sehr konkrete Darstellungen von Schiffen, Amphoren und Gegenständen, von Handel und Transportszenen, sowie um wirklichkeitsgetreue Abbildungen von Meerestieren, mit denen der Hausherr wahrscheinlich gehandelt hat und die den Gästen in diesem Raum sicherlich auch serviert wurden. In erster Linie diente es also der Selbstdarstellung seines Unternehmens, modern ausgedrückt könnte man sagen, war dieses Haus Teil des Marketings des Besitzers .

Das Mosaik zeigt im Zentrum den nackten Oberkörper eines Gottes mit langen blonden, gelockten Haaren und blondem langem Schnurrbart. Aus seinem Kopf wächst ein rotes, verästeltes Geweih, das einige Laubblätter zieren. Seinen Hals ziert ein Halsreif oder Torque in Form einer Schlange im keltischen Stil.

Hinter den beiden Schultern des Gottes befinden sich zwei Hippocampen (mythologische Meerpferdchen mit dem Oberkörper eines Pferdes und dem Unterkörper eines Fisches).

Um den Gott herum befinden sich detaillierte Darstellungen von Handelstätigkeiten, zum Beispiel dem Kauf von Amphoren und dem Transport von Waren mit Schiffen, mediterrane Küstenlandschaften und zahlreiche Fische und Meerestiere.

Oceanus

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Klassische Darstellung des Oceanus aus Petra (heute Jordanien)

Der römische Meeres- und Flussgott Oceanus wird für gewöhnlich mit Hummer- oder Krebsscheren auf dem Kopf dargestellt. Typisch römisch ist auch seine Darstellung mit wild gelocktem Haar. Oft werden bei den im ganzen römischen Reich beliebten Oceanus-Darstellungen die Enden des Schnurrbarts zu Meerestieren. Im Gegensatz zu Neptun, dem Meeresgott, der oft in aktiver Pose mit Dreizack dargestellt wird, ist Oceanus in der römischen Darstellung meist ruhig, allenfalls mit Anker oder einem Ruder, da er als Gott angerufen wird, wenn es um gute und ruhige Fahrt über ein Gewässer geht.

Seine häufige Darstellung und praktische Verwendung als Wasserspender an Brunnen sowie die Attribute Schilf und Quelle weisen auf seine Funktion als Flussgott hin. Durch die Nähe zum Rhein, eine Tagesreise entfernt, über den der Besitzer der Villa sicherlich zum großen Teil den Transport seiner leicht verderblichen Luxusgüter abwickelte, erklärt sich seine Verbundenheit zu einem Gott, der sowohl die Meere und dessen Bewohner repräsentiert, aber auch als Vater der Flüsse gilt. Seine zentrale Bedeutung für die Sacra Privata, den privaten Hauskult des Villenbesitzers, zeigt sich auch in einem weiteren Fund – Oceanus in Form eines fein gearbeiteten Türbeschlags.

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Klassischer Ocenaus mit Krebsscheren auf dem Kopf, die Bartenden werden zu Delphinen (Cordoba, Spanien)

Die Abwandlung der klassisch römischen Darstellung des Oceanus in eine keltisch beeinflusste Form zeigt sich in der Umwandlung der Hummerscheren in ein Geweih. Zwar könnte man es aufgrund der roten Farbe auch als aus Koralle bestehend deuten, die Form und die daran haftenden Blätter identifizieren es aber eindeutig als Geweih.

Gleiches gilt für den Halsschmuck in Form eines typisch keltischen Halsreifs, der klassischerweise nichts an einem Oceanus zu suchen hat. Auch die Schlangen an seinen Enden entspringen nicht der Ikonographie des Ocenaus, sondern sind in der Gedanken- und Vorstellungwelt eines romanisierten Galliers zu verorten, der sich einerseits ganz dem römischen Lebensstil verschrieben hat, andererseits aber einen unkomplizierten Umgang mit der lokalen gallo-römischen Glaubenswelt pflegt und deshalb keine Probleme damit hat, einen für sein Volk wichtigen Gott mit einem für ihn persönlich wichtigen römischen Gott zu vermischen und ihre Attribute in einer völlig neuen Form zu kombinieren.

Daß ein Gallier von den Krebsscheren auf dem Kopf des Oceanus an das Hirschgeweih einer keltischen Geweihgottheit erinnert wird und diesen in einem heimischen Mosaik entsprechend darstellen läßt, ist im Rahmen des gallo-römischen Kontextes nicht weiter befremdlich. Ebensowenig verwundert es, daß er den Gott Oceanus mit dem in einheimischer Tracht üblichen Halsschmuck darstellt.

Cernunnos (?)

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Cernunnos auf dem Kessel von Gundestrup, sicherlich die bekannteste Darstellung

Cernunnos, der keltische Gott des Waldes und der Waldbewohner, ist aufgrund der Überlieferungslage generell problematisch in der Deutung.

Der Name des Gottes, der aus einer bruchstückhaften Inschrift der Pariser Nautensäule stammt, wurde in der Neuzeit auf zahlreiche namenlose keltischen Gottheiten mit Hirschgeweih übertragen, ohne daß sichergestellt ist, daß es sich bei ihnen immer um ein und denselben Gott handelt und nicht vielmehr um lokale Gottheiten unbekannten Namens.

Es gibt keinerlei Erwähnung oder Beschreibung seiner Symbole, Kultpraxis oder Attribute in schriftlichen römischen Quellen, so daß bei diesem Gott viel (moderne) Interpretation im Spiel ist. So ist die Verwendung des Namens „Cernunnos“ für alle gallischen Geweihgottheiten an sich schon fragwürdig.

Cernunnos trägt auf seinen Darstellungen ein Hirschgeweih oder hat zuweilen sogar einen vollständigen Hirschkopf. Meist sitzt er in ruhiger, geradezu an eine Meditationshaltung erinnernde Pose und ist von Tieren umgeben. In den bekannten Darstellungen trägt er oft ebenfalls einen eng anliegenden Halsreif. In der Gundestrop-Darstellung hält er zudem eine Schlange in der linken Hand und einen Torque in der rechten. Diese Schlange findet sich in mehreren Darstellungen quer durch den gallischen Raum.

Die Schlange spielt allerdings auch in der römischen Vorstellungswelt eine wichtige Rolle als positives, glücks- und erfolgsverheißendes Symbol und Torques mit Enden in Form von Schlangenköpfen sind aus dem gallo-römischen Raum bekannt, zum Beispiel wurden sie gerne von Legionären getragen.

Daß sich Cernunnos im romanisierten Gallien auch zur Römerzeit noch großer Beliebtheit erfreute, belegen Weihesteine, Brunnenfunde, Figur- und Reliefdarstellungen, die bis in die späte Kaiserzeit hinein populär waren. Auf Inschriften wird er in latinisierter Form Cernenus, Cornunus oder Cornutus genannt, worin sich das lateinische Wort „Cornu“ (Horn) wiederfindet (daß der aus dem luxemburgischen Waldtempel im Alzettetal bekannte Cerunincus etwas mit Cernunnos zu tun hat, ist hingegen unwahrscheinlich).

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Antike Stätten: Römischer Kaiserpalast Konz

Hier residierten römische Kaiser mit Blick auf die Saarmündung

Hier residierten römische Kaiser mit Blick auf die Saarmündung

Anschrift:

An der Pfarrkirche St. Nikolaus, Martinstr. 22, 54329 Konz

Anfahrt:

Der römische Kaiserpalast liegt auf einer Anhöhe direkt neben der modernen Kirche St. Nikolaus und dem Friedhof von Konz im Landkreis Trier-Saarburg, mit Blick ins Tal. Hier mündet die Saar in die Mosel.

Konz liegt nahe der luxemburgischen Grenze zwischen Saarburg und Trier und ist gut über die Bundesstraße 51 zu erreichen. Parkmöglichkeit besteht an der St. Nikolauskirche und am Friedhof. Der Kaiserpalast ist als „Römischer Palast“ weithin in der Region ausgeschildert und gut zu finden.

Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln erfolgt am besten mit dem Zug. Konz hat einen Bahnhof, der von Regionalzügen der Saartalbahn (Trier, Saarlouis, Saarbrücken) und dem Mosel-Saar-Pfalz-Express (Koblenz, Wittlich, Trier, Saarbrücken, Kaiserslautern) angefahren wird.

Auch für Wanderer ist die Region rund um die Saarmündung und das Saarschleifenland attraktiv. In der Nähe liegen zahlreiche weitere römische Sehenswürdigkeiten, die gut miteinander kombiniert werden können, sowohl auf der luxemburgischen Seite als auch in Deutschland.

Hintergrundinformationen:

Von hier hat man eine gute Aussicht auf die Saarmündung in die Mosel

Von hier hat man eine gute Aussicht auf die Saarmündung in die Mosel – wie sie schon Ausonius und der Kaiser schätzten

In Konz befand sich zur Zeit der Spätantike das römische Contionacum, das aus mehreren schriftlichen antiken Quellen bekannt ist, unter anderem durch gesetzliche Edikte, die von Kaiser Valentinian I. (364-375 n. Chr.) in Contionacum unterzeichnet wurden, sowie durch den Dichter Ausonius, der in seiner Reisebeschreibung entlang der Mosel, der Mosella aus dem Jahr 371 n. Chr., von den „Kaiserlichen Mauern“ an der Saarmündung berichtet.

Der kaiserliche Palast, der aus mindestens 30 Räumen und einem großzügigen Saal mit Apsis bestand, befand sich auf einer Anhöhe mit hervorragender Aussicht in das Tal, auf die umliegenden Hügel und auf die Saarmündung. Der Saal hatte vor allem repräsentativen Charakter und diente wahrscheinlich als Empfangssaal und für Festivitäten. Sein Haupteingang war 3,16 Meter breit. Um den zentralen Raum gruppierten sich Wohnräume und eine großzügige Badeanlage.

Das Bauwerk war im Stil einer Porticusvilla errichtet, entlang der gesamten 5,80 Meter hohen Vorderfront befand sich ein überdachter, säulengestützter Porticus, also ein wettergeschützter Laufgang. Von der aufwendigen Ausstattung sind Wandmalereien, Marmor (der sowohl Teile der Wände als auch der Fußböden bedeckte), Diatretglas und ein Goldschatz erhalten.

Die Reste des Palastes finden sich überall rund um die Kirche und am Friedhof

Die Reste des Palastes finden sich überall rund um die Kirche und auf dem Friedhof

Sowohl die Innenwände als auch die Außenfassade des Palastes waren bemalt. Gefundene Deckenmalereien waren rotgrundig mit goldenen Sternen, die einen kornblumenblauen Mittelpunkt aufwiesen. Vor dem Eingang befand sich ein achteckiger Springbrunnen, wie man es auch von den anderen palastartigen Riesenvillen in der Region kennt, wie der römischen Villa von Echternach und der Villa Borg.

Funde einer Heizungsanlage deuten darauf hin, daß der Palast ganzjährig genutzt wurde.

Es wird davon ausgegangen, daß der Palast zumindest zeitweilig von Kaiser Valentinian I. als Residenz genutzt wurde, da er hier Gesetze unterzeichnete, die u.a. die Steuerpflichten, Sklaven und das Erbrecht der kaiserlichen Familie betrafen. Das Anwesen wurde bis mindestens 388 n. Chr. genutzt und erst aufgegeben, als wegen der Germaneneinfälle die römische Verwaltung nach Arles verlegt wurde. Damit ist wahrscheinlich, daß auch die Kaiser Valentinian II., der von Ausonius erzogene Gratian und Magnus Maximus in Contionacum residierten.

Die Residenz lag an der wichtigen Hauptverkehrsachse von Trier nach Metz, die in der Verlängerung die Nordwestprovinzen mit dem Mittelmeerraum verband. Von der Villa aus hatte man auch einen guten Blick auf die römische Brücke über die Saar an der Moselmündung, die ebenfalls von Ausonius in der Mosella erwähnt wird.

Noch im 17. Jahrhundert war der dazugehörige Palast als Ruine erhalten und weithin bekannt. Im Jahr 1887 kannte man zumindest noch die römische Badeanlage. (Wieder-)entdeckt wurde der Kaiserpalast beim Bau der neuen Pfarrkirche St. Nikolaus im Jahr 1959. Ausgrabungen des Rheinischen Landesmuseums Trier zwischen 1959 – 1961 legten die große Porticusvilla frei, jedoch konnte das Bauwerk nicht erhalten oder gar rekonstruiert werden, sondern es mußte dem Kirchenneubau weichen und wurde zum größten Teil zerstört. Lediglich der Westteil des Kaltbades (frigidarium), eine Stützmauer des Mittelsaales und eine Wandelhalle blieben erhalten. Unterhalb der Kirche und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich liegt zudem noch die Befeuerungsanlage für die Heizung des Apsissaales mit einem gut erhaltenen Arbeitsraum des Heizers, dem Praefurnium, und Hypokausten.

Die Anlage ist frei begehbar und - bis auf die Heizungsanlage - öffentlich zugänglich

Die Anlage ist frei begehbar und – bis auf die Heizungsanlage – öffentlich zugänglich

Die Anlage geriet danach wieder in Vergessenheit, bis im Jahr 2004 entschieden wurde, diese bedeutende antike Stätte touristisch zu erschließen. Es wurde beschlossen, keine weitere Grabungen durchzuführen, sondern stattdessen das, was erhalten geblieben war, für 115.000€ zu konservieren und anschaulich zu präsentieren.

Zu diesem Zweck wurde zur Veranschaulichung der Verlauf der Wände der bekannten Räume rund um die Nikolauskirche und den Friedhof mit weißen Kalksteinstreifen auf dem Boden nachgezeichnet. Die hohen Stützmauern der Westapsis wurden, wie die moselseitige östliche Hälfte der Porticus-Stützmauer, instandgesetzt. Ebenfalls erhalten ist der Mittelrisalit und die Eingangsseite des Empfangssaals. Zudem wurde das Gelände mit mehreren Informationstafeln versehen, die Hintergrundinformationen zum Palast vermitteln.

Weithin sichtbar wird die Höhe des Gebäudes durch eine Stahlskulptur angedeutet, die zwei Fensterbögen des Palastes darstellen soll. Diese Skulptur ist nachts beleuchtet.

Heute ist der Kaiserpalast Konz eine der Stationen von „Straßen der Römer„.

Beschreibung:

Die Stahlkonstruktion verdeutlicht die Größe der Fenster gut

Die Stahlkonstruktion verdeutlicht die Größe der Fenster gut

Der Kaiserpalast liegt hinter der – modern-häßlichen – katholischen Kirche St. Nikolaus. Mehrere Informationstafeln der „Straßen der Römer“ informieren über das Gebäude, die Funktion, das Bad, die Heizungsanlagen und Konz zu römischer Zeit.

Der ganze Ort wirkt etwas kurios, weil die römischen Mauern zwischen Kirche und Friedhof aufragen, teilweise aus der Kirche selbst zu kommen scheinen, und die Kirche von außen umrunden. Zwar sind die ehemaligen Räume durch die weißen Streifen auf dem Boden gekennzeichnet, aber die Orientierung ist durch das mitten im Palast liegende Kirchengebäude trotzdem erschwert und verlangt einiges an Vorstellungskraft. Dafür hat man von der Palastvilla herab einen sehr schönen Ausblick ins Tal und auf die Saarmündung, was gut veranschaulicht, warum die Römer gerade diesen Ort für das repräsentative Gebäude ausgesucht haben.

Sicherlich geschmacksabhängig, aber von der Grundidee nicht verkehrt, ist die Stahlkonstruktion am Hang, die die Höhe der Fenster des Palasts deutlich macht. Im Gegensatz zur „Villa Rostica“ von Blankenheim, die komplett mit verrostetem Kortenstahl dargestellt wird, ist der Stahlbogen oberhalb des Saartals zurückhaltend und macht seine Aufgabe deshalb ganz ordentlich – er vermittelt einen guten Eindruck von der Höhendimension. Auch ist die Idee, diesen weithin sichtbaren Bogen nachts zu beleuchten, positiv, da dadurch auch die Neugier von Touristen geweckt wird, die ihn leicht als prägnanten Punkt oberhalb des Ortes erkennen können. Und alles, was die Aufmerksamkeit auf die reiche römische Geschichte in unserer Region lenkt, ist willkommen 😉

Die Tafeln sind informativ, aber leider sehr rissig

Die Tafeln sind informativ, aber leider sehr rissig

Die 5 Informationstafeln sind inhaltlich gut, leider aber ist das Material angewittert und rissig, weil es offenbar die Sonneneinstrahlung nicht dauerhaft verträgt. Hier sollte über kurz oder lang etwas getan werden, bevor die Tafeln noch weiter verwittern und unleserlich werden.

Leider sind die Hypokausten und der Heizraum nicht zugänglich, weil sie sich unterhalb der Kirche befinden.

Alles in allem ist der Ort sehenswert, auch oder gerade wegen seiner Bedeutung als kaiserliche Residenz. Schade ist natürlich, daß man seinerzeit einen Großteil der Anlage zerstört hat, aber die Prioritäten lagen in den 60er Jahren offenbar noch nicht beim Erhalt des archäologischen Erbes. Umso positiver ist es, daß die Stadt Konz mit der katholischen Kirche einen Nutzungsvertrag schließen konnte, der zumindest die neue Präsentation und Konservierung der Anlage ermöglichte. Wir können einen Besuch beim Kaiserpalast empfehlen, insbesondere in Kombination mit weiteren römischen Zielen in der Region (siehe weiter unten unter Sonstiges).

Öffnungszeiten, Zugänglichkeit, Preise, Führungen:

Die Anlage ist frei und rund um die Uhr zugänglich. Eintritt wird nicht erhoben.

Über öffentliche Führungen ist uns nichts bekannt.

Sonstiges:

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Wer Konz besucht, sollte unbedingt einen Abstecher zum nahen Umgangstempel von Tawern machen!

Wer Konz besucht, sollte unbedingt einen Abstecher zum nahen Umgangstempel von Tawern machen!

Wie bereits erwähnt, kann der Besuch gut mit anderen Sehenswürdigkeiten kombiniert werden. Nur 8 Kilometer entfernt liegt der  gallo-römische Tempelkomplex von Tawern, ein sehr sehenswerter, rekonstruierter Waldtempelbezirk mit einem Umgangstempel für Merkur – einer unserer oft besuchten Favoriten, wenn es um antike Stätten geht! Zudem befindet sich in Tawern auch der zivile vicus der antiken Straßensiedlung Taberna.

Etwa 30 km sind es bis zur Villa Borg in Perl und der Villa Nennig mit ihrem tollen Fußbodenmosaik, sowie in nördlicher Richtung nach Echternach mit einem der größten römischen Landgüter in Gallien.

In 14 km Entfernung, auf der Luxemburger Seite der Mosel, liegt Grevenmacher, wo ein römisches Grabmal besichtigt werden kann. Und: Trier liegt nur 11 Kilometer entfernt, und die alte Kaiserstadt – Roma Secunda, einst zweitgrößte Stadt des Römischen Reichs – ist natürlich Pflichtprogramm für jeden römischen Touristen!

Antike Stätten: Tempel „Varnenum“ für Sunuxal und Varneno bei Kornelimünster

Tempelanlage Varnenum bei Kornelimünster

Tempelanlage Varnenum bei Kornelimünster

Anschrift:

Der Tempel liegt auf einem Acker in der Nähe der Breiniger Straße, 52076 Kornelimünster. GPS-Koordinaten: 50°43’47.0″N 6°11’37.0″E

Anfahrt:

Kornelimünster ist ein kleiner Ort an der Inde, einem Nebenfluß der Rur. Es liegt bei Aachen und schließt sich an den Stadtteil Aachen-Brand an.

Die Tempelanlage befindet sich etwas außerhalb von Kornelimünster an der Landstraße zwischen Kornelimünster und Breinig. Für das Navi am besten „Breiniger Straße“ eingeben.

Zwar befinden sich sowohl in Kornelimünster als auch in Breinig braune Hinweisschilder „römische Tempelanlage Varnenum“, die beide auf diese Landstraße verweisen, aber die eigentliche Einfahrt zum Tempel ist nicht ausgeschildert.

Deshalb kurz hinter der Ortsausfahrt Kornelimünster in Fahrtrichtung Breinig auf einen landwirtschaftlichen Nutzweg achten, der auf der linken Seite in die Felder abzweigt. Hier steht ein „Durchfahrt verboten in 100 Metern“-Schild. Diesem unbefestigten Weg etwa 100 Meter folgen, dann erreicht man den auf einer kleinen Anhöhe inmitten von Kuhweiden gelegenen Tempel. Vor dem Gelände ist Platz für 2 parkende Autos.

Kornelimünster war früher an die Vennbahn angeschlossen, hat heute jedoch keinen eigenen Bahnhof mehr. Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln muß deshalb per Bus aus Aachen oder Monschau erfolgen.

Für Wanderfreunde interessant: Der Eifelsteig beginnt in Kornelimünster, von wo aus er in der ersten Etappe durch die Moore des Hohen Venns führt. Der Besuch des Tempels, der nahe am Ortsausgang liegt, läßt sich also auch gut mit einer Wanderung auf dem Eifelsteig verbinden.

Eine Warnung vorab:

Wer sich überlegt, sich auf eine weite Reise zu begeben, nur um diesen Tempel zu besichtigen, sollte eines wissen: Der Tempelkomplex Varnenum ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie man mit dem antiken römischen Erbe in unserem Land nicht umgehen sollte. Erwartet deswegen auch keinen religiös inspirierenden Ort, der zu kultischen Handlungen einlädt, oder setzt zu hohe Erwartungen in dieses seltene Heiligtum der Göttin Sunuxal. Sondern macht Euch für eine etwas schockierende und ernüchternde Erfahrung bereit und die Erkenntnis, daß in unserer ehemaligen römischen, kulturell hochstehenden Provinz heute wieder die Barbaren hausen.

Aus wissenschaftlichem  Interesse oder in Verbindung mit weiteren Sehenswürdigkeiten der Region (zum Beispiel die sehr schöne Stadt Monschau oder Aachen mit seinem beeindruckenden Kaiserdom und den Schätzen Karls des Großen) kann man diesen Abstecher natürlich durchaus machen.

Hintergrundinformationen:

Der Tempel, der heute „Varnenum“ genannt wird, war eine große gallo-römische Tempelanlage von einst überregionaler Bedeutung. Magnetometrische Untersuchungen deuten auf eine Größe des Geländes von mindestens 150.000 Quadratmetern hin.

Rekonstruktionsmodell eines der beiden Haupt-Umgangstempel aus Varnenum (Museum Frankenberg, Aalen)

Rekonstruktionsmodell eines der beiden Haupt-Umgangstempel aus Varnenum (Museum Frankenberg, Aalen)

Errichtet wurde der Tempel um die Zeit von Christi Geburt auf einer leichten Anhöhe, die in römischer Zeit wahrscheinlich terrassenartig angelegt war. In unmittelbarer Nähe verlief eine wichtige römische Heerstraße, die Aachen mit der Eifel und der dort verlaufenden Via Agrippa verband, so daß der Tempel an einer befestigten Überlandstraße lag und gut erreichbar war.

Es schlossen sich mehrere Bauphasen an, in denen die Anlage systematisch erweitert wurde. Er bestand in seiner Blütezeit aus mehreren Umgangstempeln mit weitstehenden Säulen, Priestergebäuden, Schatzhäusern zur Aufbewahrung von Opfergaben und Kultgegenständen und einer 20 Meter langen Wandelhalle, sowie einem zentralen, gepflasterten Platz für Prozessionen und Kulthandlungen. Im Jahre 70 n. Chr. wurden große Teile der Anlage durch einen Brand zerstört, er wurde jedoch in größerer und erweiterter Form wieder aufgebaut.

Zum Tempel gehörte auch eine zivile Siedlung, die alles bot, was man als Pilger, Reisender und Tempelbesucher benötigte: Herbergen, Schänken, Verwaltungsgebäude, Geschäfte, Handwerksbetriebe, Wohngebäude, Versammlungsräume und Lagerhäuser. Die Größe der Anlage und die Vielzahl der Gebäude deuten auf einen stark frequentierten Tempelkomplex hin.

Zudem wurde im Umland im Bereich des heutigen Dorfes Breinig auch Galmei abgebaut, eine seltene Form des Zinks, der in der Antike ein wertvoller Rohstoff zur Herstellung von Messing war, so daß die gesamte Region zu römischer Zeit sehr belebt war.

Phosphat-Bodenanalysen zeigen, wie groß das Tempelgelände war („VarnenumVicus“ von Tympanus, lizenziert unter Copyrighted free use über Wikimedia Commons)

Phosphat-Bodenanalysen zeigen, wie groß das Tempelgelände war („VarnenumVicus“ von Tympanus, lizenziert unter Copyrighted free use über Wikimedia Commons)

Der Tempelkomplex war durch eine Temenosmauer eingefriedet. Der Zugang erfolgte durch ein Tor, das im Süden der Anlage lag. Auch die Eingänge der Umgangstempel zeigten nach Süden.

Es kann nicht genau datiert werden, bis wann der Tempel genutzt wurde. Schätzungen anhand der Fundlage gehen davon aus, daß er bis ca. 260 n. Chr. in Gebrauch war und danach aufgegeben wurde. Auch die Gründe hierfür sind nicht bekannt.

Es wird davon ausgegangen, daß diese Region schon in vorrömischer Zeit von der lokalen Bevölkerung sowohl zum Metallabbau und auch als Kultzentrum genutzt wurde, da hier vor allem lokale Götter nicht-römischen Ursprungs verehrt wurden. Aus den hier gemachten Funden, vor allem Weiheinschriften, geht hervor, daß hier vor allem zwei Gottheiten verehrt wurden: die Göttin Sunuxal, die auch aus Nettersheim, Euskirchen, Eschweiler, Zülpich, Nideggen, Köln, Bonn und Remagen bekannt ist, sowie der Gott Varneno. Über letzteren ist nichts bekannt; Inschriften, die seinen Namen nennen, kennt man ausschließlich von diesem Ort. Auch ist die etymologische Herkunft seines Namens nicht eindeutig, so daß nicht geklärt werden kann, ob er keltischen oder germanischen Ursprungs ist.

Sunuxal ist hingegen aus dem Gebiet des heutigen rheinischen Braunkohlereviers bis in die Eifel gut belegt, insbesondere aus der Zeit zwischen dem 1. und 2. Jahrhundert n. Chr.. Sie gilt als Stammesgöttin der Sunuci, ein Stamm germanischer Herkunft, dessen Führungsschicht jedoch stark keltisiert war. Da sich das Siedlungsgebiet der Sunuci auf dem Stammesgebiet der Ubier befand, wird vermutet, daß sie entweder bei diesen in der Pflicht standen oder sich von diesen als eigene Gruppe abgespaltet haben.

Der Tempelkomplex bei Kornelimünster gilt als ein zentrales Heiligtum der Sunuci für ihre Stammesgöttin Sunuxal. Diese wird als sitzende Frau in Begleitung eines Tieres dargestellt, jedoch sind die wenigen figürlichen Darstellung so beschädigt, daß weder ihr Kopf noch ihr Oberkörper erhalten geblieben ist; von ihrem tierischen Begleiter kennt man nur die Vorderbeine. Interessant jedoch ist in diesem Zusammenhang, daß aufgrund der stets fehlenden Köpfe, die möglicherweise mutwillig im Rahmen der Christianisierung abgeschlagen wurden, in der gesamten Region des westlichen Rheinlands bis heute die sogenannten „Juffernsagen“ über kopflose Frauen verbreitet sind.

Die

Die „Fossa Sanguinis“ in Neuss war wahrscheinlich eine Kultstätte der Sunuxal

Man geht heute auch davon aus, daß die sogenannte „Blutgrube der Kybele“ in Neuss eigentlich eine Kultstätte der Sunuxal war.

Mehrere Jahrhunderte lang, bis in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg, diente der Tempelkomplex als Steinbruch für die Gebäude der Umgebung, insbesondere für den Bau der nahegelegenen St. Stephanuskirche. In dieser Kirche fand man 1972 bei Ausgrabungen einen Stein, dessen Inschrift belegt, daß es sich um eine römische Weihegabe eines Mannes handelte, der Stifter eines der Gebäude des Tempelkomplexes war: „Perpetuus hat dieses Gebäude aus eigenem Vermögen gestiftet„.

Die ersten dokumentierten Ausgrabungen wurden im Jahr 1907 durchgeführt und in den Jahren 1911 bis 1924 fortgeführt.

Zu den wichtigsten damaligen Funden gehörten Fibeln, Münzen (die eine genaue Datierung des Ortes erlaubten), Nadeln, Nägel und Keramik. Die meisten dieser Funde wurden zwar schriftlich dokumentiert, gingen jedoch im 2. Weltkrieg oder aufgrund unsachgemäßer Lagerung verloren. Einige Funde befinden sich heute in einem Depot in Meckenheim, wo sie auf ihre weitere Untersuchung warten – oder darauf, in einem eigenen Museum, zum Beispiel in Kornelimünster, ausgestellt zu werden (was im Moment aber nicht wahrscheinlich zu sein scheint).

Zu den wichtigsten Funden gehören drei Votivtafeln aus Bronze, deren Inschriften die in Varnenum verehrten Gottheiten nennen:

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Antike Stätten: Römische Kalkbrennerei Iversheim

Der Schutzbau der Kalkbrennerei Iversheim

Der Schutzbau der Kalkbrennerei Iversheim

Anschrift:

An der B51 (für das Navi: Kalkarer Straße), 53902 Bad Münstereifel-Iversheim

Anfahrt:

Die römische Kalkbrennerei liegt beim Dorf Iversheim und ist etwa 3 km von Bad Münstereifel entfernt.

Von der Bundesstraße B51 aus ist die Anlage leicht zu finden, denn sie ist bereits an der Bundesstraße gut ausgeschildert. Wenn man in die Kalkarer Straße einbiegt, folgt nach einigen Metern ein Parkplatz mit einer Informationstafel der VIA – Erlebnisraum Römerstraße, zu der auch diese römische Sehenswürdigkeit gehört. Ein kurzer Fußweg führt hinab zum Schutzbau, der sich direkt an der Bahntrasse der Regionalbahn nach Bad Münstereifel befindet.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Kalkbrennerei ebenfalls gut erreichbar; der Bahnhof Iversheim liegt nur wenige Gehminuten entfernt und wird regelmäßig von der Regionalbahn aus Euskirchen, Köln und Bonn angefahren.

Die römische Kalkbrennerei liegt auch an den zahlreichen Rad- und Wanderrouten, die die Eifel in dieser Region erschließen. Unmittelbar in der Nähe liegt auch die Quelle der römischen Eifelwasserleitung, sowie drei Matronentempel und der vicus Marcomagus, der in einen archäologischen Park eingebettet ist, so daß man hier viele römische Sehenswürdigkeiten miteinander verbinden kann.

Hintergrundinformationen:

Blick in einen der Brennöfen

Blick in einen der Brennöfen

Bei der römischen Kalkbrennerei handelt es sich um einen seltenes römisches Industrie-Bodendenkmal von überregionaler Bedeutung, denn hier ist es erstmalig in Europa gelungen, eine komplette Industrieanlage aus römischer Zeit freizulegen, ihre Funktion zu untersuchen und ihre praktische Funktionsweise im Experiment zu beweisen. Damit gehört diese in ihrer Art und Größe außergewöhnliche antike Stätte zu einer der bedeutendsten archäologischen Fundstätten für die Wirtschaftsgeschichte der Römerzeit nördlich der Alpen.

Zwischen 150 n. Chr. und 300 n. Chr. wurde hier im großen Stil Dolomit zu Branntkalk verarbeitet. Die Arbeiten wurden jedoch nicht von Sklaven oder Arbeitern durchgeführt, sondern die Fabrik stand unter der Kontrolle von etwa 60 Legionären der Legio XXX Ulpia Victrix aus Xanten und Legio I Minervia, die für die Kalkgewinnung zuständig waren. Daß diese Anlage von militärischen Arbeitskommandos betrieben wurde, ist durch zahlreiche Weiheinschriften belegt.

Kommandeur der Anlage war ein Offizier, der laut einer Weiheinschrift als „Magister calcarium“ bezeichnet wurde.

Der Bedarf an gebranntem, ungelöschtem Kalk war in den römischen Nordwestprovinzen, wie überall im Römischen Reich, gewaltig, denn das weiße Pulver diente nicht nur als Baustoff, als Grundlage für Mörtel und Beton, sondern war auch zum Kalken der römischen Gebäude erforderlich, die nach römischem Geschmack auch in unseren Breiten oft nicht in ihrer natürlichen Fachwerk-, Naturstein- oder Ziegelbauweise belassen wurden, sondern weiß gekalkt und bisweilen bunt bemalt waren.

Die geologische Situation wird auf einer Tafel erläutert

Die geologische Situation wird auf einer Tafel erläutert

Die Region liegt geologisch betrachtet in der Sötenicher Kalkmulde, eine von acht Kalkmulden aus dem Mitteldevon, die sich quer durch die Eifel ziehen. Die Gegend ist deshalb reich an anstehendem Kalk- und Dolomitgestein. In unmittelbarer Nähe zur Kalkfabrik wurde der Dolomit in Steinbrüchen gewonnen und in einer der umliegenden Fabriken verarbeitet.

Vier Kalkfabriken sind archäologisch nachgewiesen, jedoch werden bis zu zwölf in der unmittelbaren Gegend vermutet. Damit war der Raum um Iversheim zu römischer Zeit ein Schwerpunkt der römischen Kalkindustrie von nahezu großindustriellen Ausmaßen.

Die Kalkbrennerei von Iversheim liegt an einem Hang im Erfttal unterhalb der römischen Steinbrüche. Der in der Nähe verlaufende Fluß Erft, ein Nebenfluß des Rheins, bot hier einen Standortvorteil, weil er zu römischer Zeit schiffbar war und zum schnellen Abtransport des gewonnenen Kalks diente. Die Produkte aus Iversheim wurden überall in den Nordwestprovinzen verbaut, bis hoch nach Xanten (Colonia Ulpia Traiana) am Niederrhein, wo Iversheimer Kalk an vielen Stellen nachgewiesen werden konnte.

Zur Kalkfabrik gehörte eine Batterie aus mindestens sechs Brennöfen mit birnenförmigem Grundriss. Jeder hatte einen Durchmesser von 3 Metern und ein Fassungsvermögen von 15 Kubikmetern Kalk. Die Öfen waren nebeneinander in einer 30 Meter langen Werkshalle untergebracht. Außerhalb dieser Werkshalle lagen die Wohn- und Aufenthaltsgebäude der Belegschaft, sowie ein Backraum, in dem Brot gebacken wurde. Daß man, trotz (oder gerade wegen) der schweren körperlichen Arbeit, auch Wert auf Luxus und Annehmlichkeiten der römischen Zivilisation legte, beweisen die Wohnräume, die mit Wandmalereien aus Pflanzenmustern aufwendig dekoriert waren.

Von oben hat man einen guten Blick!

Von oben hat man einen guten Blick!

In unmittelbarer Nähe verlief eine Hauptstraße, über die die Kalkbrennerei an das gut ausgebaute römische Fernstraßennetz angeschlossen war.

Die rötlichen Dolomitgesteine wurden von Legionären oberhalb der Fabrik gebrochen, den Hang hinab zur Werkshalle gebracht und dort weiterverarbeitet.

Für die Anlage wurde eine monatliche Produktionskapazität von 200 Tonnen Dolomitkalk berechnet.

Exkurs: Wie funktionierte Kalkgewinnung im Brennofen?

Die Kalköfen bestanden aus feuerfester unterdevonischer Grauwacke mit tertiärem Ton.

Um Branntkalk aus den Dolomitgesteinen zu gewinnen, mußten diese zuerst zerkleinert werden. Das Innere des Ofens war durch eine Befeuerungs- und Belüftungsöffnung, die sogenannte Schnauze, begehbar, so daß zu Beginn des Prozesses auf dem Grund des vier Meter hohen Brennofens ein nach oben gewölbtes hölzernes Gerüst errichtet wurde, das sich nach oben hin verjüngte – das sogenannte Lehrgerüst. Ob dieses Gerüst zusätzlich mit Baumstämmen gestützt wurde, ist nicht bekannt.

Eine Tafel erläutert die Funktionsweise eines Brennofens; besser noch ist der Film, der auf Wunsch gezeigt wird

Eine Tafel erläutert die Funktionsweise eines Brennofens; besser noch ist der Film, der auf Wunsch gezeigt wird

Auf dieses Gerüst wurden Dolomitsteine als „Himmel“ paßgenau und rutschfest geschichtet. Die Steine waren so ineinander verkeilt und stützten sich gegenseitig, daß die Konstruktion freitragend war. Darauf stapelte man weitere Dolomitsteine, bis die Oberseite des Ofens erreicht war. Um ein vorzeitiges Einbrechen der 25 Tonnen wiegenden Beschickung zu vermeiden, waren Erfahrung und Technik grundlegende Voraussetzungen, so daß die hier tätigen Legionäre durchaus als Spezialisten bezeichnet werden können.

War der Ofen befüllt, wurde er über die Schnauze befeuert. Wenn die Stapelung des Himmels sachkundig durchgeführt war, konnte man das Lehrgerüst entfernen, ohne daß die darüberliegenden Steine einbrachen.

Nun füllte man die Brennkammer unter den Dolomitgesteinen mit Holz, hier ausschließlich Pappel- und Weidenholz, das direkt unterhalb der Anlage in den Erftauen wuchs. Der Ofen mußte eine Woche lang rund um die Uhr befeuert werden, wobei pro Brennvorgang 60 Raummeter Holz verbraucht wurden. In Anbetracht der Tatsache, daß neben dieser Großfabrik mit ihren sechs Öfen bis zu zwölf weitere Fabriken in der Umgebung lagen, mußte deshalb ein enormer Holzverbrauch zur Reduzierung der umliegenden Eifelwälder geführt haben.

Modell der römischen Kalkfabrik

Modell der römischen Kalkfabrik

Die Schnauze hatte durch ihre Form und Lage einen Kamineffekt mit einer Windgeschwindigkeit von 3m/sec, durch den im Inneren der Brennkammer bis zu 1000 Grad erreicht wurden, während Dampf und das Abfallprodukt Kohlendioxid durch die Oberfläche des Ofens entweichen konnten. Da in der Eifel das magnesiumhaltige Dolomitgestein verbrannt wurde, waren geringere Temperaturen zur Erzeugung des Branntkalks notwendig als bei reinem Kalkstein, der höhere Brenntemperaturen erfordert.

War der neu gewonnene Branntkalk abgekühlt, wurde der Ofen entleert und der Kalk zur weiteren Verwendung abtransportiert. Der Ofen konnte im Anschluß sofort wieder befüllt werden. Es wird davon ausgegangen, daß jeweils ein Ofen mit Gestein befüllt wurde, einer entleert wurde und sich die übrigen Öfen im Brenn- und Abkühlungsvorgang befanden.

Durch die Tatsache, daß einer der Öfen gefüllt war und im Querschnitt gute Informationen über die Schichtung und Beschaffenheit des Materials bot, war es möglich, im Experiment die Theorien über die Funktionsweise und Technik der Öfen zu überprüfen. Deswegen wurde einer der Öfen restauriert und für ein großes Brennexperiment verwendet, das erfolgreich war. Durch dieses Experiment konnten zweifelsfrei die Theorien über die verwendete Brenntechnik belegt werden.

Die Ausgrabungen in Iversheim

Der rekonstruierte Brennofen wurde für Experimente verwendet

Der rekonstruierte Brennofen wurde für Experimente verwendet

Die Anlage wurde ca. 150 n. Chr. errichtet. Im Jahr 270 n. Chr. wurde sie durch Frankeneinfälle stark beschädigt, aber sofort wieder aufgebaut und weiterbetrieben – zu wertvoll war der hier gewonnene Rohstoff für die Baustellen der in weiten Teilen kalkfreien Nordwestprovinzen und auch zum unmittelbaren Bau von Verteidigungsanlagen. Unterstützung erhielten die hier stationierten Soldaten nach diesem Einbruch durch eine orientalische Einheit aus der Provinz Arabia, die Legio III Cyrenaica, so daß die Produktivität durch die neuen Arbeiter noch einmal deutlich gesteigert werden konnte.

Die Tatsache, daß einer der Öfen noch eine komplette Kalkfüllung enthielt (die sich durch Wassereinfluss im Laufe der Jahrhunderte verfestigte), weist darauf hin, daß die Anlage – möglicherweise in Kriegswirren – fluchtartig verlassen und nicht planmäßig aufgegeben wurde.

1966 stieß man beim Bau einer Wasserleitung auf die Anlage, die daraufhin unter der Leitung des Rheinischen Amts für Bodendenkmalpflege von 1966-1968 ausgegraben und dokumentiert wurde. Im Anschluß wurden drei Öfen mit einem Schutzbau überdacht, um sie zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ein vierter Ofen, der für Brennexperimente verwendet wurde, befindet sich außerhalb des Schutzbaus unter einem eigenen Vordach. Zwei weitere Öfen wurden nach der Aufnahme der Befunde wieder zugeschüttet.

Blick vom Balkon

Blick vom Balkon

Die Öfen innerhalb des Schutzbaus befinden sich noch im originalen Grabungsbefund und wurden nicht rekonstruiert oder aufgemauert.

Der Schutzbau wird heute vom Dorfverschönerungsverein Iversheim betreut. Ein wichtiger Sponsor, um die Anlage für die Öffentlichkeit zu erhalten, sind regionale Kalksteinwerke, die Mitglieder des Bundesverbands der Deutschen Kalkindustrie sind. Die Stadt Bad Münstereifel selbst sieht sich finanziell nicht in der Lage, sich um die Betreuung, Präsentation und Erhaltung der Anlage zu kümmern, so daß die Arbeit von Ehrenamtlichen aus Iversheim und engagierten Römerfreunden getragen wird.

Beschreibung:

Die Kalkbrennerei liegt in einem hölzernen Schutzbau, der nur zu den Wochenenden geöffnet ist, da Ehrenamtliche sich um die Besucher kümmern.

Eine Infotafel am Parkplatz bietet eine Übersicht

Eine Infotafel am Parkplatz bietet eine Übersicht

Lediglich der rekonstruierte Ofen, der für Experimente verwendet wurde, ist jederzeit frei zugänglich, da er außerhalb des Baus liegt.

Vom Parkplatz zum Schutzbau führt ein kurzer Fußweg bergab. Auf dem Parkplatz steht eine moderne Informationstafel des VIA-Projekts, die farbig illustrierte Hintergrundinformationen über die Anlage bietet. Am Schutzbau gibt es eine zweite, etwas ältere Tafel, die ebenfalls auf die Bedeutung der Anlage hinweist und zudem einige weitere Sehenswürdigkeiten in der Region vorstellt, wie die Matronenheiligtümer, das historische Radioteleskop Stockert, die Altstadt von Bad Münstereifel oder die Quelle der Eifelwasserleitung.

Das Innere des Schutzbaus ist geräumig; über eine Treppe gelangt man auf eine balkonartige zweite Etage, von der aus man einen guten Blick in die Öfen hat. Karten an den Wänden bieten Hintergrundinformationen über die geologische Lage der Anlage in der Sötenicher Kalkmulde, Schemazeichnungen zeigen, wie man sich einen Ofen im Querschnitt vorzustellen hat.

Im Erdgeschoss befinden sich einige liebevoll gestaltete Modelle, die von den Betreuern der Anlage selbst gebaut wurden. Eines zeigt anschaulich den Steinbruchbetrieb in Miniaturform, mit Gebäuden, Personen, Werkzeug und Kränen. Ein Modell eines Brennofens erlaubt es, die Steinschicht an einem Griff herauszuheben und einen Blick in das Innere eines befüllten Ofens zu werfen.

Replik des hier gefundenen Weihesteins für Minerva

Replik des hier gefundenen Weihesteins für Minerva

An einer Art schwarzem Brett hängen weitere Informationen, zum Beispiel Zeitungsartikel aus der Zeit der Entdeckung der Anlage oder eine Übersichtskarte über das römische Straßennetz in der Region. Ebenfalls hier zu finden sind Repliken von Weihesteinen aus den nahegelegenen Matronentempeln von Pesch und Nettersheim.

Auch der Sponsor der Anlage – die Kalkindustrie – bekommt ihren Platz eingeräumt, was sich inhaltlich aber gut mit dem Thema verträgt. So gibt es großformatige Farbtafeln zum Thema „Kalkstein und Kalkgewinnung“, die auch die heutige großindustrielle Kalkgewinnung erläutern. Außerdem gibt es Kalk- und Dolomitsteine zum Anfassen, damit der Besucher sich selbst ein Bild vom Rohmaterial machen kann.

Auf dem Balkon steht die Replik eines Weihesteins an Minerva durch den Magister calcarium mit der Inschrift:

„Der Minerva geweiht. Titus Aurelius Exoratus, Soldat der 30. Legion, der siegreichen ulpia, erfüllt als Meister der Kalkbrennerei gern sein Gelübde, weil die Göttin es verdient hat.“

Diese Replik wurde von einer Studentin für das kleine Museum gefertigt.

Daneben befinden sich mehrere Vitrinen mit typischen Fossilien aus dem Kalkstein des mittleren Eifeldevons, in dem sich diese Stätte befindet, unter anderem diverse Korallen und Brachiopoden aus dem tropischen Eifelkalkriff. Diese Sammlung wurde von einem einheimischen Sammler als Leihgabe zur Verfügung gestellt und rundet ebenfalls das Bild ab, das der Besucher über antike und moderne Kalkgewinnung und Kalk als Rohstoff gewinnt.

Ein Modell zum Auseinandernehmen erlaubt einen Blick in den Ofen

Ein Modell zum Auseinandernehmen erlaubt einen Blick in den Ofen

Am Ende des Schutzbaus im Erdgeschoß befindet sich ein kleiner Fernseher samt DVD-Spieler und ein paar Stuhlreihen. Hier zeigt der Betreuer des Baus gerne auf Anfrage ein Video über die Kalkgewinnung im Brennofen. Zwar geht es hier nicht um die Kalkgewinnung in römischer Zeit, aber dennoch um das traditionelle Handwerk des Kalkbrennens am Beispiel einer bayerischen Kalkbrennerfamilie, die dieses aussterbende alte Handwerk seit Generationen nach überlieferten Methoden betreibt. Das Video ist sehr anschaulich und lehrreich, da die Methoden der Kalkgewinnung in Handarbeit sich seit römischer Zeit kaum verändert haben.

Interessant ist auch die Tatsache, daß heute noch immer ein Markt für den handgebrannten Kalk besteht. Denn im Gegensatz zu dem mit Koks oder Kohle gebrannten Industriekalk, der einen hohen Schwefelanteil hat, ist der in Handarbeit über Holz gebrannte Kalk fast schwefelfrei und wird deswegen besonders von Kirchenrestauratoren geschätzt. Der industrielle Kalk neigt dazu, sich schon nach wenigen Jahren gelb zu verfärben, während der handgebrannte Kalk farbstabil weiß bleibt.

Die Atmosphäre in der Kalkbrennerei ist sehr entspannt und persönlich. Am Eingang wird man von dem Ehrenamtlichen begrüßt, der an diesem Wochenende Dienst hat. Man berichtete uns, daß sich 20 Ehrenamtliche die Aufgabe teilen, von denen jeder jeweils ein bis zwei Tage im Jahr die Betreuung übernimmt. Hier bezahlt man auch ein geringes Entgelt, das ausschließlich dem Erhalt und dem Unterhalt der Anlage zugute kommt, bei der selbst eine durchgebrannte Birne eines der Deckenscheinwerfer durch den damit verbundenen Aufwand beim Austausch große Summen verschlingt. Also eine Spende für eine gute und sinnvolle Sache.

Fossilien aus der Eifelkalkmulde ergänzen das lehrreiche Programm rund um das Thema Kalk

Fossilien aus der Eifelkalkmulde ergänzen das lehrreiche Programm rund um das Thema Kalk

Der Besucher erhält auf Wunsch eine persönliche Führung durch die Anlage, wobei die Ehrenamtlichen des Bürgervereins mit viel Hintergrundwissen über die Kalkgewinnung und die Geschichte der Anlage zu berichten wissen. Gerne stellen diese auch die einzelnen Fundstücke vor, die im Gebäude stehen, erklären die Öfen, zeigen die Gesteine und erzählen von den Schwierigkeiten, mit denen die Anlage heute – in Zeiten knapper kultureller Mittel – zu kämpfen hat.

Man kann so lange im Schutzbau herumwandern, wie man möchte, auch auf dem Balkon verharren und hinunter schauen oder sich den Film zeigen lassen.

An diesem Ort merkt man, daß es sich nicht um ein professionelles Museum handelt, sondern um ein Projekt, das von Laien mit Liebe zur Sache und großem persönlichen Engagement betrieben wird.

Abgesehen davon, daß es sich ohnehin um einen absolut sehenswerten und lehrreichen Ort handelt und die großen Brennöfen beeindruckend sind, finden wir dieses Projekt sehr unterstützenswert und möchten unsere ausdrückliche Empfehlung aussprechen, es zu besuchen, wenn man sich in der Gegend befindet und die „größeren“ touristischen römischen Attraktionen besichtigt.

Selbst wenn der eigene Interessenschwerpunkt nicht unbedingt in römischer Militär- und Industriegeschichte liegt – nach einem Besuch dieser Anlage sieht man das Thema mit ganz neuen Augen und wird zu einem wahren Fan der Kalkgewinnung! 😉

Öffnungszeiten, Preise, Führungen:

Die Lage der Öfen und des Schutzbaus

Die Lage der Öfen und des Schutzbaus

Die Kalkbrennerei ist vom 1. Mai bis 31. Oktober geöffnet.

Öffnungszeiten sind Samstags von 13-16 Uhr und Sonn- und Feiertags von 11-16 Uhr.

Der Eintritt für Erwachsene beträgt 2€, für Kinder 1€.

Gesonderte Führungen gibt es nicht; der jeweilige Betreuer des Tages führt den interessierten Besucher gerne individuell herum, steht für Fragen zur Verfügung und erklärt die Anlage und Hintergründe.

Öffnungen und Gruppenführungen (z.B. für Schulklassen) außerhalb dieser Zeiten sind nach telefonischer Absprache mit Dieter Ruß vom Dorfverschönerungsverein Iversheim unter der Telefonnummer 02253-3385 möglich. Anfragen beantwortet auch die Kurverwaltung von Bad Münstereifel unter touristinfo@bad-muenstereifel.de

Sonstiges:

Fotografieren ist in der Kalkbrennerei erlaubt.

Achtung: Es gibt keine sanitären Anlagen.

Eine Tafel vor dem Bau informiert auch über weitere Sehenswürdigkeiten in der Gegend

Eine Tafel vor dem Bau informiert auch über weitere Sehenswürdigkeiten in der Gegend

Ein Besuch der Kalkbrennerei läßt sich sehr gut mit weiteren römischen Ausflugszielen in der unmittelbaren Region kombinieren, wie den drei Matronentempeln von Zingsheim, Nöthen-Pesch und Nettersheim. Außerdem ist der Archäologische Landschaftspark Marcomagus, in dem aktuell eine wichtige Straßensiedlung an der römischen Fernstraße Via Agrippa ausgegraben wird, sehr sehenswert!

Außerdem befindet sich in der Nähe der Beginn der über 100 km langen Eifelwasserleitung, die das römische Köln mit 25.000 Kubimetern Wasser täglich versorgte und eines der längsten Bauwerke des Römischen Imperiums lag. Hier beginnt auch der Römerkanal-Wanderweg, der die Quelle „Grüner Pütz“ sowie zahlreiche Leitungsreste, Wasserverteilstationen, Aquädukte miteinander verbindet.

Weiterführende Informationen: