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Antike Stätten: Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim

 

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Lageplan

 

Anschrift: 

Deutsche Seite: Robert-Schumann-Str. 2, 66453 Reinheim (Saarland)

Französische Seite: 1 Rue Robert Schumann, 57200 Bliesbruck.

GPS: 49°08’07″N, 7°10’59″E

Anfahrt:

Das Gelände des „Europäischen Kulturparks Bliesbruck-Reinheim“ (französisch: Parc Archéologique Européen de Bliesbruck-Reinheim) liegt zum Teil in Frankreich, zum Teil in Deutschland.

Das Gelände des Archäologieparks ist weitläufig und zu großen Teilen frei begehbar, lediglich die überdachten Attraktionen kosten Eintritt. Deswegen kann man den Park auch von unterschiedlichen Seiten aus betreten; kostenlose Parkplätze befinden sich sowohl auf der französischen als auch auf der deutschen Seite. Ein großer Parkplatz (P2) liegt unter der Bliesbrücke in Reinheim.

Mit dem Auto ist der Park gut zu erreichen, das Navi kennt beide Adressen.

Er ist auch gut an die Öffentlichen Verkehrsmittel angeschlossen: ab Kleinblittersdorf, Homburg und Blieskastel-Lautzkirchen fährt stündlich der Biosphärenbus 501 bis zur Haltestelle Reinheim-Kulturpark. Homburg und Lautzkirchen sind mit der Deutschen Bahn erreichbar, Kleinblittersdorf mit einer Stadtbahn, die auch im französischen Sarreguemines hält.

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Es gibt viel zu sehen im Park

Für wen die Anreise für einen Tagestrip zu weit ist oder wer den Besuch mit weiteren Attraktionen in der Region, wie dem Archäologiepark Schwarzenacker verbinden möchte (wie wir es getan haben), der hat in der Umgebung verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten. Die nächsten größeren Städte sind Sarreguemines auf französischer Seite (hier haben wir übernachtet), sowie Zweibrücken, Blieskastel und Saarbrücken auf deutscher Seite.

 

Hintergrund:

Der Archäologiepark umfasst ein Gelände von 700.000 Quadratmetern und erstreckt sich über 1,2 km Länge inmitten des UNESCO Biosphärenreservats Bliesgau im Tal des Flusses Blies.

Das Motto des Parks lautet: „Geschichte grenzenlos erleben“, denn die Staatsgrenze zwischen Frankreich und Deutschland führt mitten durch das Parkgelände.

Im Mittelpunkt des Parks steht die gallo-römische Geschichte der Region. Mehrere archäologische Sehenswürdigkeiten aus der keltischen und römischen Geschichte sind hier freigelegt und werden anschaulich präsentiert.

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Die römische Palastvilla mit rekonstruiertem Nebengebäude

Der erste archäologische Fund, den man auf dem Gelände machte, war der einer römischen Palastvilla, die sich heute auf der deutschen Seite befindet. Das Villengelände hat eine Grundfläche von 7 ha (70.000 Quadratmeter) und gehört damit zu den größten gallo-römischen Villenanlagen im Raum Saar-Mosel. Von der Größe her vergleichbare „Palastvillen“ sind z.B. aus dem luxemburgischen Helmsange oder aus Echternach bekannt.

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Eingang zum Gelände der Palastvilla

Nach ersten Grabungen im 19. Jahrhundert ab 1806 wurde die römische Palastvilla systematisch ab dem Jahr 1987 freigelegt. Heute ist sie nahezu vollständig ausgegraben und gilt als ein Musterbeispiel für gallo-römische Wohnkultur der einheimischen Oberschicht im 1. bis 4. Jahrhundert. Über diesen Zeitraum war die Villa in verschiedenen Nutzungsphasen bewohnt.

 

Zum Zweck der Veranschaulichung wurden einige Teile der Villa, wie Gebäude und Umfassungsmauern, rekonstruiert oder teilrekonstruiert. Funde aus der Villa sind im Obergeschoß des (modernen) Restaurants zu finden, das sich in einem der rekonstruierten Nebengebäude befindet.

Im französischen Teil befindet sich ein römischer vicus, eine Kleinstadt. Hierbei handelt es sich um die Nachbarstadt der im ca. 30 km entfernten Archäologiepark Schwarzenacker zu besichtigenden Kleinstadt.

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Hauptstraße des Handwerkerviertels im römischen vicus

Der römische Name des Ortes ist bislang unbekannt.

Die Straßensiedlung, in der zur Blütezeit um die 2000 Menschen lebten, war vom 1. bis zum 5. Jahrhundert n. Chr. bewohnt. Es sind mehrere Stadtviertel bekannt, etwa ein Handwerkerviertel mit unterschiedlichen Werkstätten (Schmiede, Bäckerei), das sich an der Hauptstraße befand. Daneben gab es eine große, eindrucksvolle Thermenanlage, die sich heute unter einem Schutzbau befindet, eine Brunnenanlage zur Wasserversorgung, sowie eine Basilika, die für Versammlungen genutzt wurde.

Viele der Gebäude im Handwerkerviertel sind, was ebenfalls bemerkswert ist, unterkellert.

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Rekonstruktionszeichnung der Thermenanlage (auf einer Infotafel im Park)

Der römische vicus wurde im Jahr 1971 beim Kies- und Sandabbau für Straßenbauarbeiten entdeckt. Erste Freilegungen erfolgten unsystematisch durch Notgrabungen, bevor man Ende der 70er Jahre mit systematischen Grabungen und Forschungen begann.

In den Jahren 1952-1955 entdeckte man in der Region zudem fünf römische Kalköfen.

Im Jahr 1954 gelang – wiederum beim Sand- und Kiesabbau – einer der spektakulärsten Funde, welche die Region archäologisch überregional bekannt machte: drei keltische Grabhügel aus der Frühlatène-Zeit, von denen einer ein komplett erhaltenes keltisches Fürstinnengrab samt Grabbeigaben beinhaltete (370 v. Chr.). Neben den Überresten der Bestatteten beinhaltete die Grabkammer reichhaltigen Goldschmuck, sowie diverse andere Wertgegenstände, zum Beispiel Gefäße, die Zeugnis für den Handel der Einheimischen mit fernen Regionen ablegten.

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Die Grabhügel mit dem Fürstinnengrab

Im Jahr 1999 wurden diese Grabhügel in ihrer ursprünglichen Form rekonstruiert.

Das Fürstinnengrab wurde in einer unterirdischen Kammer in musealer Form inszeniert, um Besuchern den Aufbau und die Bedeutung der Fundstücke nahezubringen.

Aufgrund der vielfältigen archäologischen Funde wurde im Jahr 1989 der Europäische Kulturpark Bliesbruck-Reinheim unter Federführung der Stiftung Europäischer Kulturparks gegründet, um die überregional bedeutsamen Funde zu bewahren und der Öffentlichkeit zu präsentieren, sowie um weitere Forschungen und Grabungen zu ermöglichen.

Weitere Träger sind zudem das französische Ministerium für Kunst und Kultur, das Saarland, sowie die Gemeinde Gersheim. Initiator der Parkgründung war Jean Schaub, der den römischen vicus entdeckte und nach dem heute das Informationszentrum benannt ist.

Der Park wurde vom französischen Kultusministerium in die Liste der bedeutsamsten archäologischen Stätten Frankreichs aufgenommen.

Das Außengelände des Parks wurde seit der Gründung immer weiter ausgestaltet und didaktisch erweitert, um den Informationsgehalt für die Öffentlichkeit zu verbessern. So wurden Schutzbauten um die Thermen und einige Teile des vicus errichtet, Teile der Villa rekonstruiert, das Fürstinnengrab ausgebaut, alles grenzüberschreitend mit mehrsprachigen Informationstafeln versehen und ein Ausstellungszentrum eröffnet. Hier finden auch regelmäßig Sonderausstellungen statt.

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So könnte der Ort zu römischer Zeit ausgesehen haben

Daneben wird der Park in der Region regelmäßig für öffentliche Führungen, aber auch für diverse Veranstaltungen genutzt, die nicht nur Archäologie zum Thema haben, sondern auch Geschichte, Natur oder Kultur, um auch neue Besuchergruppen anzuziehen. Fest etabliert hat sich neben einem Antikenspektakel auch ein jährliches Heißluftballon- und Drachenfestival. An Aktionstagen werden didaktische Veranstaltungen geboten, die sich z.B. mit römischer Ausrüstung, Schmuck oder Küche beschäftigen, aber auch praktische Veranstaltungen wie Kindergrabungen, Schmuckherstellung oder Töpfern.

Neben der Funktion als Freilichtmuseum wird im Park nach wie vor Forschung betrieben, die sich mit der Geschichte der gesamten Region von der Bronzezeit bis heute befasst. Der Park stellt deswegen heute eines der wichtigsten archäologischen Forschungszentren Europas dar.

Die wissenschaftlichen Ergebnisse werden in einer eigenen Schriftenreihe, den BLESA-Bänden, publiziert.

 

Beschreibung – unser Eindruck:

 

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Kräutergarten und Nebengebäude der Villa

Der Kulturpark kann an zahlreichen Stellen betreten werden; abgeschlossene Ein- und Ausgänge gibt es nicht. Er wird deshalb von der Bevölkerung für Spaziergänge und Naherholung genutzt.

Lediglich die überdachten Attraktionen sind kostenpflichtig; Tickets können an verschiedenen Stellen des Parks erworben werden.

Die Parkplätze, die sich an verschiedenen Zugängen des Parks befinden, sind kostenfrei nutzbar und bieten genug Platz selbst bei größeren Veranstaltungen. Es spielt im Prinzip keine Rolle, wo man mit der Erkundung beginnt. Wir begannen bei unserem letzten Besuch, anläßlich des „Antikenspektakels 2017“, auf der französischen Seite beim römischen vicus.

Die zentrale Anlaufstelle am französischen Parkplatz ist dabei das Informationszentrum CREX (Centre d’Éxposition). Hier befindet sich eine Kasse, an der man das Kombiticket für den ganzen Park erwerben kann, ein Museumsshop, eine Touristeninformation, Toiletten, Veranstaltungsräume und die Dauerausstellung.

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In der Dauerausstellung sind Funde aus dem vicus zu sehen, wie diese Zeugnisse des häuslichen Kultes

Das Personal an der Kasse ist mehrsprachig und hilfsbereit, so daß keine Französischkenntnisse notwendig sind, um sich zurechtzufinden. Hier erhält man auch einen Lageplan über das Gelände, um sich einen Überblick darüber zu verschaffen, wo sich was befindet.

Der Plan des Geländes kann auch hier als PDF herunterladen werden.

In der Dauerausstellung kann man sich über den Park, über die einzelnen Gebäude und die Siedlungsgeschichte des Bliesgaus informieren. Sie ist mehrsprachig beschriftet und informativ gestaltet.

Folgt man dem geschotterten Fußweg vom Gebäude aus nach rechts, gelangt man zum römischen vicus. Die Besichtigung des Handwerkerviertels ist kostenlos, lediglich für den Schutzbau der Therme benötigt man eine Eintrittskarte.

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Der Schutzbau der Thermen erlaubt einen guten Überblick

Der weitläufige vicus ist informativ beschildert und kann auf einem Rundgang erwandert werden. Die Thermen liegen in einem überdachten hölzernen Schutzbau.

Die Gebäude des vicus, insbesondere die Keller, sind zum Teil begehbar. Man kann sich frei in der Siedlung bewegen und der Hauptstraße folgen, oder aber in und zwischen den Gebäuden herumlaufen. Die Thermenanlagen sind im Schutzbau gut präsentiert und man erhält von den erhöhten Balkons, die sich oberhalb der Thermenräume und der Hypokaustenanlage befinden, einen guten Überblick.

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Hypokaustenanlage der Thermen

Folgt man dem Weg links vom Informationszentrum aus gesehen, in Richtung Parkplatz, erreicht man einen kleinen See. Hinter dem See verläuft die Landesgrenze zwischen Deutschland und Frankreich, die mit einem speziellen, den Gedanken der offenen Grenze versinnbindlichen Gebäude gekennzeichnet ist.

Kurz vor der Grenze weist eine Hinweistafel auf den nahegelegenen Hügel des Homerich hin, der bereits zur keltischen Zeit intensiv genutzt wurde, zu römischer Zeit als Kultplatz diente, wie durch Funde von Glöckchen und Opfergaben, sowie mögliche Tempelfundamente belegt ist, dann zur Merowingerzeit wiederum als Grabhügel diente, bis man ihn bis zum 17. Jahrhundert als Hinrichtungsstätte nutzte.

Auf dem deutschen Teil erreicht man dann die äußere Umfassungsmauer des Villengeländes mit einem rekonstruierten Eingangstor. Die eindrucksvollen Ausmaße des Außengeländes werden durch rekonstruierte Mauern und eine Informationstafel verdeutlicht. Das Villengelände ist kostenfrei begehbar.

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Überblick über das westliche Handwerkerviertel

In der linken Hälfte des Villengeländes befindet sich ein rekonstruiertes Nebengebäude, das landwirtschaftliche Funktion hatte.

Ein Durchlass in der Mauer erlaubt es, ein kleines keltisches Dorf zu besichtigen, das – im Gegensatz zur prunkvollen Palastvilla – das einfache Leben der bäuerlichen Landbevölkerung demonstrieren soll. Dieses keltische Dorf enthält einige Fachwerk-Lehmhütten und einen keltischen Pfahlgott.

Leider macht dieses Keltendorf, im Gegensatz zum übrigen Gelände, einen nicht ganz so taufrischen Eindruck und wirkt etwas vernachlässigt. Achtlos standen hier Überbleibsel einer Veranstaltung herum, wie Bierbänke und Plastikplanen, die den informativen Charakter des Ortes deutlich schmälerten und die Illusion beeinträchtigten.

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In der keltischen Siedlung braucht der deprimiert dreinschauende Pfahlgott Trost

Die Palastvilla selbst ist nicht rekonstruiert (wie etwa die Villa Borg), aber in ihren Grundmauern mit den zahlreichen Räumen gut im Gelände zu erkennen und durch Informationstafeln beschrieben.

In einem rekonstruierten Nebengebäude befindet sich ein Restaurant, römische Taverne genannt, in der man kleinere Gerichte und Snacks (wie die obligatorischen Pommes) zu sich nehmen kann.

Im oberen Stock des Restaurants befindet sich das Museum zu den Funden der Palastvilla. An unserem Besuchstag war die Taverne allerdings wegen einer geschlossenen Gesellschaft (Hochzeit) nicht zugänglich, so daß wir auch nicht in das Museum konnten. Das ist natürlich etwas unglücklich gelöst, wenn man das Museum bei Veranstaltungen des Restaurants nicht besuchen kann.

Zur Villa gehört ebenfalls ein teilrekonstruierter Säulengang und ein umfangreicher, begehbarer römischer Kräutergarten, der einen gepflegten Eindruck machte. Alles in allem wirkt das ganze Villengelände ordentlich und aufgeräumt.

Hinter der römischen Villa sind bereits aus der Ferne eindrucksvoll die drei keltischen Grabhügel erkennbar, die mit Gras bewachsen sind. Überall stehen Sitzbänke, so daß Spaziergänger die Gelegenheit gerne nutzen, sich auf dem Gelände der Villa und rund um die Grabhügel zu erholen. Die Grabhügel sind auch begehbar, wie darauf herumkletternde Kinder belegten.

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Grabhügel mit dem keltischen Hund aus dem Fürstinnengrab

Vor einem Grabhügel befindet sich die überlebensgroße Replik eines keltischen Hundes, wie er am Henkel eines Trinkgefäßes aus dem Fürstinnengrab gefunden wurde. Er ist das Wahrzeichen des Parks und kann im Museumsshop auch als kleine Figur erworben werden.

Neben den Grabhügeln sticht ein architektonisch extravagantes Gebäude ins Auge, der Eingangsbereich zum Fürstinnengrab. Hier befindet sich eine Kasse, da der Grabbesuch kostenpflichtig ist. Das Personal hier im deutschen Teil ist ebenfalls mehrsprachig, die Frau hinter der Theke war sehr freundlich und hilfsbereit und gab uns auf Nachfrage gerne auch weiterführende Auskünfte. An der Kasse ist zudem ein kleiner Museumsshop zu finden, der Fachliteratur, aber auch kleine Andenken wie die besagte Hundefigur anbietet.

Im Eingangsbereich des Gebäudes sind einige Informationstafeln zum Fürstinnengrab zu finden, außerdem eine Spielmöglichkeit für Kinder, wo sie z.B. keltische Nahrungsmittel erraten können.

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Das unterirdische Grab ist stimmungsvoll inszeniert

Das Grab selber befindet sich in einer unterirdischen Grabkammerkuppel aus Beton, in die man auf einer gewendelten Treppe hinabsteigt. Es ist dunkel im Innenbereich und aus Lautsprechern erschallen pseudo-keltische Frauengesänge. Entlang der vielen Stufen, die man hinabsteigt, hängen an den Wänden weitere Informationstafeln mit Informationen zu den Kelten.

Unten angekommen, trifft man auf das Fürstinnengrab hinter einer Glasscheibe. Hier liegt eine lebensgroße Frauenfigur in typischer Kleidung und mit dem Schmuck und den Gegenständen, wie man sie im Originalzustand vorfand. Die Wände der Kuppel sind schwarz gestrichen, es ist dunkel und punktuell stimmungsvoll beleuchtet. In Vitrinen befinden sich Rekonstruktionen der bedeutendsten Funde.

Eine Sitzbank gegenüber dem Fürstinnengrab hinter der Scheibe lädt zum Verweilen und zum Wirkenlassen der Stimmung ein. Wenn nicht gerade Familien mit grölenden kleinen Kindern anwesend sind, ist die Atmosphäre in der Kammer recht ansprechend und hat uns gut gefallen.

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Einige Keller der Handwerkerhäuser sind begehbar

Hier befinden wir uns nun am anderen Ende des Parks, wo es zum Parkplatz auf der deutschen Seite geht.

Alles in allem ist der Park sehr sehenswert, gepflegt, informativ und didaktisch ansprechend präsentiert.

Dem Gedanken an den grenzüberschreitenden Park wird dadurch Rechnung getragen, dass alles mehrsprachig ist, auch wenn man schon erkennt, dass die deutsche und die französische Seite jeweils unter eigener Leitung stehen und eigene Schwerpunkte verfolgen.

 

Öffnungszeiten, Zugänglichkeit, Preise

Wie bereits beschrieben, sind große Teile des Parks frei und kostenlos zugänglich.

Eine Eintrittskarte wird für folgende Bereiche benötigt: das Museum in der Maison Jean Schaub, das Museum im oberen Teil der Taverne, das Fürstinnengrab, das Ausstellungszentrum Bliesbruck und der Schutzbau der Therme im Vicus.

Die Eintrittskarten kann man sowohl auf der französischen als auch der deutschen Seite jeweils in den kostenpflichtigen Orten erwerben und sie gelten für alle Attraktionen in beiden Ländern.

Der Eintritt beträgt für Erwachsene 5€, ermäßigt 3,50€.

Jugendliche bis 16 Jahre und zu 100% Behinderte haben freien Eintritt.

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Die Informationstafeln auf dem Freigelände sind dreisprachig beschriftet: Deutsch, Englisch und Französisch

Der weitläufige Park, das Villengelände und der vicus sind kostenfrei zu besichtigen. Die Nutzung des Parks zur Freizeitgestaltung, für Picknicks, Drachsteigen und Familiennachmittage sowie das Mitbringen von Hunden ist ausdrücklich erlaubt.

Der Park ist ganzjährig geöffnet und rund um die Uhr begehbar.

Die kostenpflichtigen Teile sind nur in der Saison vom 15. März bis 31. Oktober zu besichtigen. Am 1. Mai sind die Museen in Bliesbruck (auf der französischen Seite) geschlossen.

Führungen, Veranstaltungen:

Veranstaltungen finden regelmäßig statt. Die Termine sind der offiziellen Website zu entnehmen. Es gibt viele Thementage und insbesondere für Kinder und Schulklassen wird viel geboten.

Jeden ersten Sonntag im Monat finden „Schnupperführungen“ statt.

Spezialführungen (Wanderungen mit dem Römer, Keltenwanderung rund um Reinheim, Führung auf den Spuren der Kelten und Römer) können von Gruppen gebucht werden. Die Preise, Inhalt und Dauer sind ebenfalls der offiziellen Seite zu entnehmen.

Daneben bietet der Park unter dem Stichwort „Archäologie zum Mitmachen“ an festen Terminen auch die fachlich begleitete Teilnahme an archäologischen Grabungen an. Vorkenntnisse sind dafür nicht notwendig.

Antikenspektakel:

Das jährliche „Antikenspektakel“ gehört, anders als der Name es vermuten läßt, zu den kleineren römischen Veranstaltungen der Saison. Es fand im Jahr 2017 ausschließlich im französischen Teil auf dem Freigelände hinter der Therme statt.

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2017 ging es rund um Pferde, Reiterei, Wagenrennen und Gladiatoren

Jedes Jahr steht das Antikenspektakel unter einem bestimmten Motto, wie z.B. im Jahr 2017 Wagenrennen den Schwerpunkt bildeten. Zu diesem Zweck war auf dem Freigelände ein ovaler Zirkus mit Sitztribünen eingerichtet worden.

Es gab zu regelmäßigen Zeitpunkten stattfindende Wagenrennen mit zwei Streitwagen, sowie Gladiatorenkämpfe.

Zudem gab es eine römische Musikgruppe, die auf den originalen Nachbauten römischer Musikinstrumente – wie Trommeln, Cornu und Tibia – die Gladiatorenkämpfe begleitete, wie es auch historisch der Fall gewesen war. Das gefiel uns gut, weil es historisch akkurat war und einen guten Eindruck vermittelte, wie Gladiatorenkämpfe mit Live-Musikbegeleitung gewirkt haben mochten – auch wenn die Größe des Spektakels ansonsten mit wenigen Darstellern eher überschaubar war und somit überhaupt nicht mit dem zu vergleichen sein dürfte, was zu römischer Zeit als „Spektakel“ galt.

Die Gladiatorengruppe und auch die Musiker machten ihre Sache auf jeden Fall, trotz des grottenschlechten Wetters mit Sturm und strömendem Regen, gut und gefielen uns in ihren Darbietungen.

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Die Gladiatorenkämpfe waren live von römischer Musik untermalt und dadurch dramatisch in Szene gesetzt

Man konnte sich an einem Stand über römische Streitwagen informierenm, die Pferde und Wagen aus der Nähe betrachten und auch den Stand der Musiker und die Gladiatoren in ihrem Zelt besuchen.

Was uns jedoch eindeutig fehlte, waren weitere Stände, wie man es von anderen römischen Veranstaltungen kennt, zum Beispiel Händler, Handwerker, Schreiber, Medicus etc.. Es muß nicht immer eine Legion sein, aber für unseren Geschmack war das, was an Unterhaltung zwischen den Programmpunkten (Wagenrennen, Gladiatoren) geboten wurde, einfach zu wenig, um die großen Lücken zu füllen, die sich den Tag über ergaben, da man relativ schnell mit der Besichtigung des Festivalgeländes fertig war und sich das Programm nach einer gewissen Zeit auch wiederholte.

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Die Musiker waren tapfer, trotz des strömenden Regens

Das Festival beginnt vormittags um 11 Uhr. Einer der Höhepunkte, auf den wir uns gefreut hatten, war das römische Konzert um 18 Uhr sowie das Feuerspektakel nach Einbruch der Dunkelheit (die im August natürlich etwas auf sich warten läßt).

Es gab – typisch französisch – ausschweifende Gastronomie, sowie einen Bierwagen, aber selbst wenn man den Park noch nicht kennt und diesen im Anschluss in Ruhe besichtigt, ist es schwierig, sich von morgens bis zum Abend zu beschäftigen, so dass es sich empfiehlt, eher später zu kommen, wenn man am abendlichen Programm teilnehmen möchte. Es ist eben kein Xanten oder Villa Borg, wo man von morgens bis abends durchgehend beschäftigt ist!

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Das Ankündigungsplakat

Was wir allerdings eher merkürdig fanden, war die Tatsache, dass das Ereignis – obwohl in einem deutsch-französischen Kulturpark stattfindend und weithin auch in Deutschland beworben und vermarktet – fast ausschließlich in französischer Sprache stattfand.

Bereits das Personal am Eingang sprach nur Französisch (oder Englisch), aber insbesondere während der Showprogramme fiel es doch sehr auf, dass die (zum Teil sehr ausführliche und lange) Moderation und die Erklärungen immer mehr zu einer Veranstaltung rein auf Französisch wurden.

Gab es zu Beginn noch einen Dolmetscher, der die Sätze zumindest in rudimentären Einzeilern auf Deutsch „zusammenfasste“, und wurden die deutschen Besucher zur Eröffnung auch noch auf Deutsch begrüßt, gab es ab Beginn des Gladiatorenkampfes gar keine Übersetzung mehr. Schade, denn es wurde wirklich ausführlich erklärt und der Lanista der Gladiatorentruppe ging sehr detailliert auf die einzelnen Aspekte der Gladiatur und das, was gezeigt wurde, ein. Teilweise erklärte er zwischen den Kämpfen bis zu 10 Minuten am Stück, was fast schon kleinen Vorträgen gleichkam.

Da die Hälfte des Publikums aus Deutschland angereist war, sah man viele ratlose Gesichter und das Potential wurde leider auf diese Weise verschenkt.

Wir können nicht beurteilen, ob es sich bei diesem Event um eine Ausnahme gehandelt hat und zu dem Zeitpunkt niemand zur Verfügung stand, der auf die Schnelle für die deutschen Besucher die deutsche Moderation übernehmen konnte. Für einen Park, der sich ausdrücklich als zweisprachig und grenzüberschreitend präsentiert, fanden wir diesen fast ausschließlich französischsprachigen Event jedoch sehr befremdlich und für die vielen angereisten deutschen Familien, gerade mit Kindern, war es deswegen sicher auch enttäuschend.

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Eingewickelt vom Retiarius!

Der Umfang selbst ist kein Problem, wenn man weiß, dass es sich nur um einen kleinen Event handelt (es gibt ja auch in Deutschland sehr schöne, kleine römische Veranstaltungen, man muß es nur vorher wissen, um sich darauf einstellen zu können, was die Erwartungen und die zeitliche Planung betrifft), dann kann man sich in seinem Zeitplan entsprechend einrichten.

Der Besuch des Festes sollte auf jeden Fall mit einem Besuch des Parks und seinen vielen Sehenswürdigkeiten kombiniert werden.

Sonstiges:

Fotografieren ist überall erlaubt, auch in den Museen und dem Fürstinnengrab.

Der Kulturpark ist in weiten Teilen behindertengerecht gestaltet.

065_Bliesbruck-ReinheimHunde sind im Park (jedoch nicht in den Museen) erlaubt.

Französischkenntnisse sind zum Besuch des Parks nicht erforderlich, sind jedoch für die Veranstaltungen (wie das Antikenspektakel) hilfreich bis nötig.

In ca. 30 Kilometern Entfernung liegt das Römermuseum Schwarzenacker bei Homburg. Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine Kleinstadt wie den vicus von Bliesbruck-Reinheim und war zu gallo-römischer Zeit der nächste, eine Tagesreise entfernte größere Ort.

Wir empfehlen, wenn man ohnehin in der Gegend ist, diese beiden römischen Ausflugsziele miteinander zu kombinieren!

Weiterführende Informationen und Literatur:

  • Offizielle Website des Kulturparks
  • Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim auf Wikipedia
  • Andreas Stinsky: „Die Villa von Reinheim. Ein ländliches Domizil der gallo-römischen Oberschicht“. Nünnerich-Asmus-Verlag 2016
  • Parkführer: Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim. Herausgegeben vom Saarpfalz-Kreis / Département Moselle, 2013
  • Walter Reinhard: „Kelten, Römer und Germanen im Bliesgau“, Denkmalpflege im Saarland, 2010
  • Walter Reinhard: „Die keltische Fürstin von Reinheim“, Blieskastel 2004
  • BLESA, parkeigene Veröffentlichungsreihe zu den aktuellen Forschungsergebnissen
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Antike Stätten: gallo-römische Villa Mageroy (Belgien)

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Villa Mageroy

Anschrift:

Villa gallo-romaine de Mageroy, Rue de Mageroy 2, 6723 Habay-la-Vieille, Belgien.

Anfahrt:

Die Ausgrabungsstätte der gallo-römischen Villa Mageroy liegt in den südbelgischen Ardennen in der Provinz Luxemburg (Wallonie) in der Nähe des Ortes Habay-la-Vieille. Sie liegt außerhalb des Ortes inmitten von Feldern und Kuhwiesen. Von Habay aus ist sie aber gut zu finden, da sie ausgeschildert ist. Der Weg führt über landwirtschaftliche Nutzwege.

Für das Navi kann man die „Rue de Mageroy“ eingeben, muss dann vor Ort aber trotzdem die Augen nach den kleinen Wanderschildern offenhalten, die die Richtung weisen, da die Rue de Mageroy in eine unbenannte Schotterstraße mündet. Folgt man dieser nach rechts den Hügel hinab, so ist die Ausgrabungsstätte bald auf der rechten Seite zu sehen. Man kann direkt vor dem Gelände parken.

Die Gegend ist wanderfreundlich und ein Netz von ausgeschilderten Wanderwegen verläuft rund um die Villa.

Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, erreicht die Ausgrabungsstätte entweder mit dem Regionalzug aus Libramont / Arlon. Vom Bahnhof Habay aus sind es noch etwa 15 Minuten Fußweg. Eine Alternative ist der Bus der TEC Linie 28 zwischen Arlon und Marbehan. Von der Haltestelle Rue de Nantimont sind es noch einige Gehminuten zu Fuß.

Hintergrundinformationen:

Die Region in den luxemburgischen und südbelgischen Ardennen gehörte in römischer Zeit zu Gallien und wurde nach dem Ende des Gallischen Krieges schnell romanisiert. An vielen Orten der noch heute landwirtschaftlich, vor allem viehwirtschaftlich dominierten Region, finden sich deshalb gallo-römische Landgüter, Tempel oder andere militärische oder zivile Bauwerke.

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Panoramablick über das Gelände

Der gallo-römische Gutshof von Mageroy, der im Stammesgebiet der Treverer lag, gilt als archäologisch besonders bedeutsam und regelmäßig finanziert das Land Wallonie Grabungskampagnen (2017 zum Beispiel die Untersuchung eines Nebengebäudes, in dem man Spuren von Eisenverhüttung entdeckte). Betreut wird die 3 ha große Ausgrabungsstätte durch den gemeinnützigen Verein ARC-HAB, der von mehreren Archäologen geleitet und durch zahlreiche Freiwillige unterstützt wird. Dieser Verein leitet die Ausgrabungen und wertet die Funde aus.

Das Landgut, das sich aus einem Hauptgebäude, mehreren Neben- und Wirtschaftsgebäuden, sowie weiteren Baustrukturen zusammensetzt, stammt aus dem 1. Jahrhundert n.Chr. Es durchlief in den folgenden Jahrhunderten jedoch mehrere Umbauphasen und wurde bis ins 4. Jahrhundert bewohnt.

Zu römischer Zeit lag es fünf Kilometer von der römischen Fernstraße von Reims nach Trier entfernt. Die nächste größere Ortschaft war vicus Orolaunum, das heutige Arlon.

Die Lage des Gutshofes in einer sumpfigen Mulde in der Nähe eines kleinen Baches erlaubte das Anlegen eines großen Weihers auf dem Gelände.

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Der Bereich des ehemaligen Weihers ist heute noch ein Feuchtgebiet und ein reiches Biotop

Der Wohnbereich, die Pars urbana, bestand aus einem 670 Quadratmeter großen Haupttrakt aus dem 1. Jahrhundert, der eine nach Süden ausgerichtete Fassade von 28 Metern Länge aufwies. Der größte Raum befand sich zentral im Hauptgebäude und umfasste 170 Quadratmeter. Aus der Anordnung der Räume läßt sich schließen, daß sich im Westflügel die Wohn- und Privaträume befanden, während die Räume im Ostflügel als Gemeinschaftsräume angesprochen werden.

Als Baumaterial für die Gebäude diente das lokal anstehende Gestein, das vor allem aus Schiefer und grünem Sandstein besteht. An das Hauptgebäude schließen sich weitere Neben- und Wirtschaftsgebäude an.

Das zweite Jahrhundert gilt als die Wohlstandszeit der Bewohner der Villa, die vermutlich einheimische romanisierte Gallier waren. Zahlreiche Erweiterungen und der Einbau von „Luxusfeatures“ wie Fußbodenheizungen und Thermen zeigen, wie  komfortabel die Bewohner lebten. Auch der prunkvoll gestaltete, repräsentative Eingangsbereich zeugt vom Wohlstand seiner Bewohner.

Zahlreiche Funde, wie z.B. ein Pflug, aber auch ungewöhnliche organische Funde, die sich im anaeroben Milieu des Weihers erhielten, geben heute einen guten Einblick in den Alltag der Bewohner. So wurden seltene Funde in gutem Erhaltungszustand geborgen, unter anderem Holzrohre, Schuhsohlen aus Stroh, Funde aus Leder und Holz, Obstkerne und eine Weinrebe.

Auch einige Namen der Bewohner sind bekannt, so wurde ein Ring mit dem eingravierten Namen „Micia“ gefunden. Man nimmt an, daß Micia eine Hausherrin war, zumal ihr Name auch auf Tongeschirr entdeckt wurde. Der Name eines Verwalters, der  in einem der seitlichen Wirtschaftsgebäude lebte, ist ebenfalls bekannt: Onesimus Olympius.

Auch im dritten Jahrhundert wurde das Landgut noch einmal erweitert, unter anderem um eine Bronzegießerei. Allerdings scheint der Hof im Jahr 262 (datiert aus Münzfunden) auch einem großen Feuer anheimgefallen zu sein. Dies war auch die Zeit der großen Germaneneinfälle, die zwischen 260 und 270 diesen Teil Galliens heimsuchten.

013_MageroyDer Hof wurde jedoch nicht aufgegeben, sondern neu aufgebaut, um einige Gebäude, wie Latrinen, Getreidedarren und ein Silo, sowie um eine dem Schutz dienende Befestigungsanlage erweitert. Aus dem 4. Jahrhundert stammen Keramik-Scherben in typischer germanischer Machart. Zum Ende des 4. Jahrhunderts wurde der Ort dann jedoch aus unbekannten Gründen aufgegeben und verlassen.

Die Existenz einer archäologischen Stätte war bereits im 19. Jahrhundert bekannt, als Bauern von alten Mauern und Bauwerken berichteten. Auch hielt sich in der Region Habay seit Jahrhunderten eine Legende von „drei Schlössern“, von denen eines in Mageroy vermutet wurde. Bis in das 17. Jahrhundert sollen die römischen Mauern sichtbar gewesen sein und wurden für die Überreste eines solchen Schlosses gehalten.

Erste Ausgrabungen fanden im Jahr 1984 statt. Die Untersuchungen, die auch moderne Methoden des Georadars umfassen, dauern bis heute an und die Funde aus Mageroy werden von verschiedenen Forschungseinrichtungen untersucht.

Beschreibung:

Schon von weitem fällt das in einer Talsenke gelegene Ausgrabungsgelände ins Auge: rund um die freigelegten Mauern der Häuser befinden sich kleine aufgeschüttete Anhöhen, auf denen Informationstafeln stehen und die einen guten Blick von oben auf das Gelände bieten.

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Ein Kuppelbackofen

Viele der Gebäudefundamente wurden im Laufe der Grabungskampagnen freigelegt. Fußwege führen durch das Gelände und zu den Aussichtshügeln. Daneben gibt es experimental-archäologische Bereiche wie einen Kuppenbackofen oder einen Kräutergarten, in dem thematisch gruppierte Pflanzen angebaut werden, zum Beispiel Pflanzen zum Färben, Aroma-Pflanzen oder Heilpflanzen.

Überall auf dem Gelände finden sich ausführliche und mit guten Illustrationen und Fotos versehene Informationstafeln (leider nur auf Französisch), sowie schematische Darstellungen der Gebäude, so daß man sich orientieren kann, was man gerade vor sich sieht.

Als wir im Juli 2017 dort waren, war gerade eine neue Ausgrabungskampagne des Vereins ARC-HAB im Gange und eine Gruppe aus etwa 10 freiwilligen jungen Leuten legte ein Nebengebäude frei. Die Grabungsteilnehmer waren sehr auskunftsfreudig und hilfsbereit und kamen sofort auf uns zu, um uns Informationen anzubieten, falls wir Fragen hätten. Auf die Frage, was aktuell erforscht wird, erfuhren wir, daß das Land Wallonien Geldmittel zur Verfügung gestellt hatte, um ein Nebengebäude freizugelegen, in dem wahrscheinlich Metall geschmolzen oder Erz verhüttet wurde. Man zeigte uns auch einige aktuelle Funde des Tages, vor allem Keramikscherben und Reste von Dachziegeln.

Das Gelände ist überraschend weitläufig und man kann sich dort frei bewegen und überall umschauen. Es gibt auch ein Verwaltungsgebäude, das für die Vereinsmitglieder zur Verfügung steht, ansonsten aber geschlossen ist, sowie einen Schuppen für die Grabungswerkzeuge und zur zwischenzeitlichen Aufbewahrung der Funde. Durch die gute und interessante Präsentation der Ausgrabungsstätte ist diese Villa Rustica sehr sehenswert und hebt sich auch von vielen anderen typischen gallo-römischen Landgütern ab, die man überall im Lande findet.

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Der Kräutergarten

Der Verein, der die Anlage betreut, ist sehr um Öffentlichkeitsarbeit bemüht und führt auf Anfrage auch Führungen durch. Daneben gibt es immer wieder Veranstaltungen, auch für Kinder, einen Fotowettbewerb, Exkursionen, Grabungscamps oder sogar eine „gallo-römische Radtour“.

Eintritt und Öffnungszeiten

Der Eintritt ist frei. Die Villa Mageroy ist jederzeit und rund um die Uhr frei zugänglich. Sonderveranstaltungen kosten gegebenenfalls eine Teilnehmergebühr.

Sonstiges

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Ein Besuch der Villa Mageroy läßt sich gut mit einem Besuch der nahen Stadt Arlon kombinieren, die ein hervorragendes archäologisches Museum hat, dessen gut erhaltene gallo-römische Abteilung wegen seiner Skulpturen als eine der besten des Landes gilt.  Ebenfalls in der Nähe liegt das Keltenmuseum von Libramont-Chevigny.

Quellen und weiterführende Informationen:

Römischer Reisetipp: Neumagen-Dhron an der Mosel, das römische Komplettpaket!

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Blick auf das Römerweinschiff und die Peterskapelle

Wir machen immer wieder gerne mehrtägige Kurzreisen durch unsere schöne gallo-römische Provinz (letztes Jahr wandelten wir zum Beispiel auf den Spuren von Sirona und Apollo-Grannus durch den Hunsrück).

In diesem Jahr waren wir ausgiebig an der Mosel unterwegs, oder, nach dem römischen Dichter Ausonius, an der schönen Mosella. Wir bereisten sie von der Mündung bei Koblenz flußaufwärts bis nach Luxemburg und entdeckten dabei viele spannende Orte aus der bewegten gallo-römischen Geschichte dieses Flusses.

Einleitung: Mosella

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Die „Stella Noviomagi“, der Nachbau des römischen Weinschiffs, liegt in Neumagen vor Anker

Das Gebiet entlang der Mosel gehörte zu römischer Zeit zu Gallien und war vom gallischen Stamm der Treverer bewohnt, daher stammen Ortsnamen wie Augusta Treverorum (Trier) oder Noviomagus Treverorum (Neumagen).

Weinbau und Landwirtschaft wurden schon zu römischer Zeit exzessiv entlang des Flusses betrieben, wie zahlreiche römische Kelteranlagen an der Mosel noch heute beweisen – unter anderem die große Kelteranlage in Piesport (zu römischer Zeit Porto Pigontio, benannt nach dem dort verehrten Lokalgott Mercurius-Bigontius), die die größte römische Kelteranlage nördlich der Alpen ist.

Überall entlang der Mosel sind römische Spuren zu finden – Kelteranlagen, Tempel (bis hin zum rekonstruierten Bergtempel auf dem Calmont, Europas steilstem Weinberg, und dem Lenus-Mars-Tempelkomplex auf dem Martberg bei Pommern), Zivilgebäude, Landgüter und Militärkastelle. Einen Höhepunkt bildet natürlich Trier, die ehemalige Hauptstadt der gallischen Provinz und Kaisersitz, doch auch jenseits davon geht es weiter mit römischen Funden wie der Igeler Säule, dem höchsten Grabdenkmal nördlich der Alpen, Grabtempeln, die das Moseltal überblicken, sogar Kaiserpalästen wie in Konz, wo Mosel und Saar zusammenfließen, und immer wieder Keltersteine.

Über viele dieser Orte haben wir schon geschrieben oder werden wir im Laufe der Zeit einen Reiseartikel hinzufügen (die To-Do-Liste ist noch lang!).

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Wegen seiner ausgesprochen gut erhaltenen Funde wird Neumagen als „moselländisches Pergamon“ bezeichnet. Hier: Die „Frisierszene“

Heute jedoch möchten wir Euch einen besonderen Ort an der Mosel jenseits der „Mainstream-Touristenziele“ vorstellen, der auf den ersten Blick fast unscheinbar erscheint, aber seinen Ruf als „Moselländisches Pergamon“ nicht ohne Grund trägt: Neumagen-Dhron – ein eindrucksvolles Beispiel der römischen Blütezeit an der Mosel zu konstantinischer Zeit.

Normalerweise schreiben wir über einzelne Sehenswürdigkeiten eigene kleine Reiseartikel, aber Neumagen-Dhron hat für den römischen Touristen so viel zu bieten, daß wir entschieden haben, den Ort als „Komplettpaket“ vorzustellen, anstatt dies über mehrere Artikel zu verstreuen.

Die Lage

Neumagen-Dhron liegt am rechten Moselufer etwa auf halber Höhe zwischen Bernkastel-Kues und Trier. Die nächsten Orte sind Piesport und Trittenheim.

101_neumagenDer kleine Weinort selbst wirkt auf den ersten Blick unspektakulärer als die typischen Touri-Moselstädte wie Cochem, Bernkastel-Kues oder Traben-Trarbach, die der Mosel zum Teil auch ihren zweifelhaften Ruf als Gegend für „Sauftourismus“ und Kegeltouren eingebracht haben. Während sich durch Cochem vor allem amerikanische und asiatische Touristen schieben, ist das kleine Neumagen-Dhron eher ein verschlafenes Dorf, das gerne von Niederländern, Belgiern und Skandinaviern besucht wird.

Es besteht im Prinzip aus einer langen Hauptstraße, der „Römerstraße“ mit urigen Winzerhöfen aus dem 18. Jahrhundert und einer parallel dazu verlaufenden Straße entlang des Moselufers. Es ist ein beliebtes Ziel für Radtouristen, Wanderer und… Römerfans.

Remmi-Demmi-Kneipen, besoffene Heerscharen von Touristen und lautes Nachtleben sucht man hier vergebens (und möchte man auch gar nicht finden). Dafür versteckt sich überall im Ort das römische Erbe, das von der Dorfgemeinschaft und dem örtlichen Kulturverein Ausonius e.V. mit Inbrunst gepflegt und von Ehrenamtlichen leidenschaftlich und mit großem zeitlichen und finanziellen Aufwand betreut wird.

Parken ist kein Problem in Neumagen, einerseits gibt es Parkplätze an der Hauptstraße  vor der kleinen Kapelle, direkt neben dem Grabmal des Weinhändlers. Dann, einige Meter weiter, vor der nicht zu übersehenden Kirche des Ortes. Nicht zuletzt finden sich unten am Moselufer zahlreiche Parkplätze rund um die Anlegestelle der „Stella Noviomagi“ und entlang des Ufers.

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln gestaltet sich schwieriger, da Neumagen-Dhron keinen Bahnhof hat. Die nächstgelegenen Bahnhöfe befinden sich in Schweich oder Trier und werden von der Moselbahn zwischen Koblenz und Trier angefahren. In Neumagen hält eine Buslinie, der „RegioRadler Moseltal“, der zwischen Trier und Bullay verkehrt und Platz für bis zu 20 Fahrräder bietet (Reservierung empfohlen).

Ein „deutsches Pergamon“

Neumagen schmückt sich mit dem Untertitel „Ältester Weinort Deutschlands„. Schon aus römischer Zeit ist hier der Weinbau und Weinhandel nachgewiesen. Vor allem aber ist es eine ganz besondere Sehenswürdigkeit, die Neumagen berühmt gemacht hat: der Fund eines monumentalen Grabmals eines römischen Weinhändlers in Form eines Mosel-Weinschiffs, das von mehreren Ruderern gerudert wird und mit Fässern und Amphoren beladen ist.

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Das Weinschiff und andere römische Repliken gibt es sogar beim örtlichen Konditor (allerdings nicht aus Kuchen).

Das Original dieses Grabmals befindet sich heute im Landesmuseum Trier (und ist dort auch ein tragendes Element im großartigen Multimedia-Spektakel „Im Reich der Schatten„). Neumagen jedoch verfügt über eine Replik in Originalgröße, die schön präsentiert im Dorfmittelpunkt an der Hauptstraße steht. Zudem ist dieses Schiff überall in Miniaturform in verschiedenen Größen als Modell zu finden, bis hin zur Dorfkonditorei, es ziert zahllose Schilder, Gegenstände (wie Weingläser, Tassen, Taschen), ist zum Logo des Ortes geworden und quasi omnipräsent.

Doch es ist nicht nur dieses Schiff, das Neumagen so besonders macht – tatsächlich ist Neumagen neben Trier der bedeutsamste Fundort römischer Hinterlassenschaften an der Mosel. Die Funde aus dem 2.-4. Jahrhundert sind vielfältig und von ungewöhnlich hohem Rang und Qualität, darunter Hunderte von sehr gut erhaltenen Reliefsteinen, Denkmäler, Grabmonumente reicher Einwohner und Kaufleute, die detailierte Alltagsszenen zeigen und zu überregionaler Berühmtheit geführt haben, wie eine Frisierszene, eine Schulszene, Jagdszene, Totenmahl oder eine Szene, die eine Pachtzahlung zeigt. Hinzu kommen zahlreiche Inschriftensteine und Reliefs mit mythologischen Motiven.

Auch Darstellungen rund um den antiken Weinbau sind zu finden: Wagenausfahrt, Transport von Weinfässern und Amphoren auf Schiffen. Bemerkenswert ist hierbei die portraithafte Darstellung der gezeigten Personen mit individuellen, fein gearbeiteten Gesichtszügen bis hin zur detaillierten Ausarbeitung von Frisuren, Kleidung und Gesichtsausdrücken.

Noviomagus Treverorum

Das römische Neumagen – Noviomagus Treverorum – war ein römisches Kleinkastell an der Ausoniusstraße, einer Fernstraße, die von Trier durch den Hunsrück bis nach Bingen und von dort nach Mainz führte. Schon auf der römischen Reisekarte, der Tabula Peutingeriana, findet man Noviomagus als eine sichere Wegestation entlang der römischen Schnellstraße auf dem beschwerlichen Überlandweg von Trier an den Rhein.

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Die römische Pachtzahlung ist ein weiteres berühmtes Motiv, aus dem viele Details, bis hin zur einheimischen Kleidung der Beteiligten, hervorgehen

Während die finsteren Wälder und Berge des Hunsrücks für den damaligen Reisenden alles andere als sicher waren und auf ihn bedrohlich wirkten, boten Kleinkastelle und bewachte Siedlungen wie Noviomagus eine sichere Übernachtungsmöglichkeit mit Essen und der Möglichkeit, Pferde zu wechseln. Sie fanden sich überall entlang des römischen Fernstraßennetzes im Abstand von je einer Tagesreise. Die Straßenführung aus dem Hunsrück ist noch heute fast identisch mit dem Verlauf in der Antike.

Die erste schriftliche Erwähnung von Noviomagus findet sich bei Decimus Magnus Ausonius in seiner Reisedichtung „Mosella“ aus dem Jahr 370 n. Chr.. Er erwähnt den Ort nach seiner beschwerlichen Anreise mit „und endlich erblickte ich Noviomagus, das berühmte Kastell des göttlichen Constantinus!“ und beschreibt die Schönheit des Moseltals rund um Neumagen. Hier erfahren wir auch Details über die Art der Bebauung, die Schiffahrt auf der Mosel, die Arbeit der Einheimischen bei Fischfang und Weinbau. Als Tribun, der am Feldzug des Kaisers Valentinian I. gegen die Alemannen teilnahm, als Konsul, Rhetoriker und Erzieher des Kaisersohns Gratian und weitgereister Staatsmann (der selbst aus Bordeaux stammte), zeigt sein ausführliches Loblied, wie beeindruckt er von der Landschaft war, die er erstmals von der Niederemmeler Höhe aus erblickte, als er vom angrenzenden Hunsrück hinabstieg.

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Ein römischer Leugenstein befindet sich vor der Kirche

Ursprünglich befand sich an dieser Stelle nur eine römische Siedlung mit Markt, ein vicus, der ein wichtiger Handelsplatz für Waren aus dem Hunsrückraum darstellte. Dieser wurde jedoch im Jahr 275 n. Chr. durch Germaneneinfälle zerstört. Aufgrund der strategisch bedeutsamen Lage an der wichtigen Fernstraße und an der Mosel, die ebenfalls ein bedeutsamer Transportweg für die Versorgung der Kaiserstadt Trier war, wurde an der gleichen Stelle zu konstantinischer Zeit im frühen 4. Jahrhundert ein Militärkastell errichtet. Hier gab es auch eine Schiffsanlegestelle und eine Fährverbindung zum anderen Moselufer. Dadurch wurde eine Querverbindung zur Straße geschaffen, die aus der Eifel bei Wittlich hinab nach Porto Bigontio (dem heutigen Piesport) führte.

Das Kastell war von einer Stadtmauer umgeben und mit 13 Rundtürmen geschützt, die zum Teil noch bis ins 17. Jahrhundert standen.Es gab zwei 8-10 Meter hohe Tore mit Befestigungsgräben, die den Innenbereich und die dort ansässigen Zivilisten schützten. Die zinnenbewehrte Mauer war in der Lage, Belagerungsangriffen mit Rammböcken und Leitern zu widerstehen.

Teile dieser (ursprünglich als mittelalterlich vermuteten) Mauern wurden bei Hausbauten und Kellerausschachtungen freigelegt. Erst als man 1877 inmitten dieser Mauern Reliefsteine mit figürlichem und ornamentalem Bildwerk sowie Architekturelemente entdeckte, die das Fundament dieser Kastellmauern bildeten, wurde die wahre archäologische Bedeutung des Ortes deutlich. Es schlossen sich Ausgrabungen des neu gegründeten Provinzialmuseums Trier an. Die Neumagener Sammlung mit ihren hervorragenden Reliefsteinen, Pfeilern, Grabmonumenten, Weihealtären ist heute noch im Landesmuseum Trier zu bestaunen. Die Reliefs sind von überdurchschnittlich hoher Qualität und deuten auf ein Bildhaueratelier in der Nähe von Trier hin. Die Tatsache, daß sie beim Bau der Stadtmauer zu konstantinischer Zeit im Fundament vermauert wurden, ist die Ursache für ihre ausgesprochen gute Erhaltung bis in die heutige Zeit.

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Die Vision des Konstantin fand tatsächlich in Neumagen statt!!!

Eine örtliche Legende erzählt sich, daß Kaiser Konstantin im Jahre 312 seine berühmte Vision des Kreuzes gar auf dem Kronberg oberhalb von Neumagen hatte. Diese Erscheinung sagte seinen Sieg im Kampf gegen seinen Rivalen Maxentius voraus, falls er im Zeichen des Kreuzes in die Schlacht zöge. Diese Vision führte dazu, daß Konstantin seinen Soldaten befahl, in der Schlacht an der Milvischen Brücke bei Rom ihre Schilde mit dem Christusmonogramm Chi-Ro zu bemalen – und tatsächlich war er siegreich. Daß er seine Vision in Neumagen hatte, ist eine sicher nicht allzu bekannte Anekdote dieses bedeutsamen historischen Ereignisses 😉

Noch heute sind Teile der Rundtürme erhalten und der Verlauf der Kastellmauern und die Position der Türme sind im Ort durch Pflasterungen auf dem Boden oder kleine Aufmauerungen verdeutlicht.

Die Funde befinden sich heute zum größten Teil im Landesmuseum Trier. Es finden sich jedoch überall im Ort originalgetreue Repliken der Funde, die sogar aus dem Original-Material (meist Sandstein aus der Region) hergestellt sind. Da sie dort der Witterung ausgesetzt sind, müssen sie alle paar Jahre erneuert werden.

Aber auch einige Originalfunde aus Neumagen sind versteckt überall im Ort zu finden. Eine detaillierte Beschreibung der vielen Sehenswürdigkeiten folgt später im Laufe des Artikels, wenn wir Euch mit auf den Rundweg nehmen.

Archäologischer Rundweg

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Der „fröhliche Steuermann“ weist den Weg auf dem Archäologischen Rundweg

Seit dem Jahr 1998 führt ein archäologischer Rundweg durch den Ort, der alle römischen Sehenswürdigkeiten miteinander verbindet. Er ist auf dem Boden gut sichtbar durch Plaketten mit dem Gesicht des „fröhlichen Steuermanns“ ausgeschildert, dem Teil eines weiteren römischen Weinschiffs, das den Kopf eines selig lächelnden Steuermanns zeigt. Auch dieser Steuermann wurde zu einem der Wahrzeichen Neumagens und die Einheimischen identifizieren sich gerne mit diesem sympathischen Weinfreund.

Der Rundweg ist bequem zu Fuß zu absolvieren (der Ort ist sehr klein) und gesäumt von 17 gut gemachten und bebilderten Info-Tafeln auf Deutsch, Englisch und Niederländisch.

Wer den Weg nicht alleine ablaufen möchte, hat auch die Gelegenheit, an einer archäologischen Wanderung „auf den Spuren der Römer“ teilzunehmen, die von Mai bis Oktober Freitags um 17:15 Uhr und Samstags um 10:15 Uhr von der Touristeninformation Neumagen angeboten wird. Sie wird von Ehrenamtlichen vom Förderverein Neumagener Weinschiff e.V. geleitet, die gut informiert sind und mit Leidenschaft das römische Erbe ihres Ortes pflegen. Der Unkostenbeitrag von 4€ für einen Erwachsenen ist absolut in Ordnung und unterstützt die Erhaltung und Restaurierung der römischen Denkmäler und des Rundweges.

Selbst wenn man den Ort auf römischen Spuren selbst durchwandern möchte, erlaubt die Teilnahme an der Führung geheime Einblicke, die man als einzelner römischer Tourist nicht unbedingt bekommt – doch dazu später mehr! Wir empfehlen also beides: den Ort auf eigene Faust erkunden und an der Führung teilnehmen, wenn die Zeit es erlaubt. Eine Voranmeldung ist nicht notwendig.

Stadtmuseum

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Im Stadtmuseum werden einige Szenen aus berühmten Reliefs nachgestellt

Startpunkt der Führung oder des Rundgangs ist die Touristeninformation, nicht zu verfehlen an der Hauptstraße des Ortes gegenüber der Kirche und nur wenige Meter vom Römerweinschiff-Denkmal entfernt.

Dort findet sich auch ein kleines Stadtmuseum, gleichzeitig befindet sich dort die örtliche Post und ein römischer Souvenirshop mit Repliken, Wein, Gläsern, Neumagen-Merchandise, Postkarten, betreut in Personalunion. Die Öffnungszeiten sind: 01. April bis Weihnachten stets von 09.00-12.30 und nachmittags von 14.00-16.30Uhr. Mittwoch und Samstagnachmittag geschlossen. Nach Weihnachten bis 31.03. dann wochentags immer von 09.00 -12.30 Uhr und samstags von 09.00-12.00 Uhr.

Gegen eine geringe Zahlung von 2€ betritt man das aus vier Räumen bestehende kleine Stadtmuseum, das sich ganz auf die römische Geschichte von Neumagen spezialisiert hat. Es ist überraschend liebevoll und detailliert ausgestattet, mit römischen Wandmalereien, der Nachstellung zweier römischer Alltagsszenen aus den Reliefs „Pachtzahlung“ und „Frisierszene“, einigen Originalfunden (Säulenteile, Geschirr und Bauelemente), der Erklärung einer Hypokaustenanlage und des römischen Vermessungswesens, unterstützt durch einen Film über römische Vermessungstechnik, den man sich dort anschauen kann. Ein Modell veranschaulicht die Lage und Größe des ehemaligen Kastells und ein kurzer Film über das Kastell vermittelt Hintergrundinformationen.

Es gibt Informationen über die Ausoniusstraße, ein kleines Lararium, Einblick in eine Schreibstube sowie eine Statue des Gottes Mars von der Mosel.

Ein nettes kleines Museum, das eine gute Ergänzung zum römischen Aufenthalt in Neumagen bietet – sollte man definitiv besuchen, wenn man schon einmal in Noviomagus weilt, auch, um den ambitionierten Ortsverein zur Erhaltung der römischen Geschichte zu unterstützen.

Archäologischer Rundgang

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Eine Teilnahme an der Führung ist empfehlenswert, da sie auch zu versteckten römischen Sehenswürdigkeiten führt, die man alleine schnell übersieht

Vor dem Stadtmuseum beginnt der Archäologische Rundgang durch den Ort, dem man anhand der im Boden eingelassenen Plaketten mit dem Gesicht des seligen Steuermannes folgt. Der Rundweg wurde unter Mitwirkung des Rheinischen Landesmuseums Trier erarbeitet und von der Gemeinde Neumagen-Dhron sowie des Heimat- und Verkehrsvereins finanziert.

Die einzelnen Stationen sind gut erkennbar an den großen, mehrsprachigen Infotafeln. Da das Stadtmuseum innerhalb der ehemaligen Kastellmauern liegt, befinden sich bereits in Sichtweite rund um das Gebäude bereits mehrere Stationen, die unter anderem den Aufbau des Kastells erläutern und den Verlauf der Mauern und Türme verdeutlichen. Direkt an der Außenmauer des Museums befindet sich eine der vielen Alltagsszenen aus den berühmten Neumagener Grabreliefs, die „Pachtzahlung“.

Gegenüber des Museums, neben der Kirche, befindet sich ein Leugenstein, ein antiker Wegweiser und Meilenstein. Auf der Rückseite der Kirche gibt es ein Weinrankenrelief – ein Hinweis auf die Bedeutung des Weines in dieser Region schon zur Zeit der römischen Antike. Hier ist deutlich die typische Einzelpfahlerziehung einer Weinrebe zur Römerzeit zu erkennen, die in charakteristischer Weise wie eine „8“ gebunden ist. Auch Weinbergsschädlinge sind auf dem Relief zu erkennen.

Folgt man dem Rundweg hinab zum Moselufer, kommt man an der zuvor erwähnten Konstantinstele vorbei, die den Kaiser mit seiner Vision zeigt. Antike Säulenreste säumen den weiteren Verlauf des Weges.

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Alle Reliefs sind mit dreisprachigen Informationstafeln beschildert

An vielen Hauswänden finden sich weitere Reliefs, wie die berühmte Schulszene, die einen (offenbar griechischen) Hauslehrer mit drei Schülern zeigt, eine Mahlzeit eines Hausherren mit seiner Gemahlin, die von zwei Dienern bewirtet werden, oder den Mundschenk (lat: Princerna), der als Vorkoster eine hohe Vertrauensstelle am kaiserlichen Hofe einnahm.

Jedes Relief ist mit einer Infotafel versehen, auf der der Inhalt des Bildes erläutert wird.

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Der Ausoniuspark

Vom Moselufer hinauf zurück zur Hauptstraße führt ein kleiner Park mit Treppen, der dem Dichter Ausonius gewidmet ist. Hier findet sich auch eine Statue des Ausonius, daneben ein Sarkophag mit einer Zirkusszene, die ein Pferderennen zeigt. Auch die bekannte Frisierszene, bei der eine hochstehende römische Dame von Dienerinnen frisiert wird, ist hier prominent in Szene gesetzt.

Der kleine römische Park ist von Bäumen überschattet und gepflegt. Er führt hinauf zu einer kleinen Kapelle aus dem 14. Jahrhundert, der Peterskapelle, die sich direkt neben dem Highlight des Rundwegs befindet, dem Grabmahl des Weinhändlers.

Das römische Grabschiff

Das bekannteste und sicher beliebteste römische Denkmal, das römische Grabschiff, befindet sich rechts von der Peterskapelle an der Hauptstraße, gegenüber vom „Café Wald am Römerschiff“ das mit einer schwindelerregenden Auswahl an Torten begeistert. Auch hier befinden sich in der Gaststube Repliken römischer Reliefs aus Neumagen und man kann auch Repliken des Weinschiffs in allen Größen in der Backstube erwerben (touristischer Tipp am Rande: Das Café am Römerschiff ist gleichzeitig ein recht familiäres Hotel, in dem wir übernachteten – direkter Blick vom Zimmer auf das nachts beleuchtete Römerweinschiff inklusive!).

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Das Grabmal des Weinhändlers ist das Wahrzeichen des Ortes

Das Weinschiff – als Wahrzeichen des Ortes – wird gut in Szene gesetzt. Es gibt eine große Informationstafel, vor dem Schiff sind Blumen gepflanzt und es wird im Dunkeln stimmungsvoll von Scheinwerfern angestrahlt. Für Touristen ein beliebtes Fotomotiv, so daß sich in der Saison rund um das Weinschiff immer Gruppen von Wanderern und Radfahrern einfinden.

In Neumagen wurden insgesamt vier Grabmonumente in Form von Weinschiffen gefunden.

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Rekonstruktion des Grabmals auf der Infotafel

Vom Römerweinschiff an der Kapelle ist nur eine Frontseite erhalten; tatsächlich handelte es sich wohl um eine Art Katamaran, auf dessen Zwischenfläche die Weinfässer und Amphoren transportiert wurden. Das 3 Meter lange Grabmal zeigt vier Fässer und vierzehn Amphoren, was besonders interessant ist: Fässer waren untypisch für den römischen Weinhandel und eigentlich eine Erfindung der Kelten. Da sich Neumagen allerdings tief im Land der keltischen Treverer befand, ist anhand der Grabdenkmäler ersichtlich, daß der lokale Weinhandel und die Winzer – neben Amphoren – auch diese Art der Weinaufbewahrung nutzten (daneben gibt es Diskussionen, ob die Fässer eventuell statt Wein Bier enthielten, um auch andere lokale Geschmäcker zu befriedigen, dafür gibt es jedoch keine Belege). Die 14 Amphoren auf dem Weinschiff sind mit einem Strohgeflecht transportsicher gestapelt.

Entlang des Schiffs sind 6 rudernde Besatzungsmitglieder, 22 Ruder sowie zwei Steuermänner zu sehen.

Auffällig ist die Bauart des Weinschiffs, das an der Vorderseite in einem Rammsporn ausläuft, wie man es nur von Militärschiffen kennt. Möglicherweise handelte es sich bei dem Weinschiff um ein für den zivilen Dienst genutztes ehemaliges Militärschiff oder ein Schiff, das in Friedenszeiten zum Wein- und Warentransport nach Trier benutzt wurde und bei Bedarf zum Kriegsdienst umgerüstet werden konnte.

Charakteristisch ist auch der Drachenkopf an der Vorderseite des Schiffs sowie die auf den Rumpf gemalten Augen, die beide Unheil abwehren sollten – die Mosel war zu römischer Zeit ein weitaus wilderer Fluß, der noch nicht, wie heute, durch Staustufen gebändigt war und somit berüchtigte Untiefen und Stromschnellen hatte.

Reste eines weiteren Grabschiffs, von dem auch der Kopf des seligen Steuermanns stammt, sind im Vorgarten eines Hauses an der Hauptstraße zu sehen.

Kastellmauer: Gut versteckt, aber erhalten

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Die Kastellmauer versteckt sich hinter Häusern und in Kellern

Ebenfalls noch zu sehen, wenn auch gut versteckt, sind Teile der Kastellmauer, an denen sogar noch die charakteristische römische Bauweise in Fischgrätmauerweise der Schiefersteine zu erkennen ist.

Einen noch hoch anstehenden Mauerteil findet man an der Hinterseite einiger Wohngebäude: In der Spielesgasse, die von der Römerstraße abzweigt, führt auf der rechten Straßenseite ein kleiner, enger Fußweg zur Rückwand einiger Häuser. Hier erwartet den Besucher ein Teil der Stadtmauer sowie eine Informationstafel.

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Ein Insidertipp für den römischen Touristen

Ein richtiger Noviomagus-Geheimtipp ist jedoch die Straußwirtschaft des Weinguts Lauterbach „An der Römermauer“ in der Spielesgasse 14. Der Winzerhof ist direkt in die römische Steinmauer hinein gebaut worden, so daß die Mauer heute die Rückwand der Weinstube bildet und „Weingenuss vor altrömischer Kulisse“ erlaubt. Das Weingut ist im Besitz der Winzerfamilie Lauterbach und die Weinstube ist nur unregelmäßig geöffnet (in der Saison samstags ab 19 Uhr, ohne Gewähr – bei Bedarf kurz vorher anfragen). Hier gibt es auch nichts zu essen (außer Knabbereien), dafür Weinausschank durch die freundlichen Inhaber in einer ganz besonderen Umgebung.

Denn neben der römischen Wand, die der Blickfang der Weinstube ist, hat der Besitzer auch einige andere römische Funde in seine Einrichtung integriert. Es findet sich – natürlich -eine Replik des seligen Steuermanns, aber auch Original-Funde aus Neumagen, die – mit Erlaubnis des Landesmuseums Trier – zu Tischen umfunktioniert wurden: So wurden ein Stück antiker Wasserleitung und ein Teil eines Grabmonuments mit schweren Glasplatten überdeckt, so daß sie zwar gut zu sehen sind, aber gleichzeitig auch gut geschützt praktisch genutzt werden können.

Nicht zuletzt herrscht in der Weinstube eine sehr familiäre und urgemütliche Wohnzimmeratmosphäre und der Winzer und seine Frau gesellen sich gerne zu den Gästen und erzählen ihnen von der römischen Geschichte Neumagens und vor allem der Geschichte der Kastellwand und der zu Tischen umfunktionierten Funde. Nicht zuletzt ist auch der lokale Riesling (dessen Etikett ebenfalls die Kastellwand ziert), sehr gut zu trinken (und nein, wir bekommen kein Geld für diese Empfehlung, sondern berichten aus eigener, angenehmer Erfahrung 🙂 ).

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Ludovicus und Corvina lassen den Abend gemütlich ausklingen: mit einem halbtrockenen Riesling vor der Römermauer in der römischen Weinstube

Fahrt mit der Stella Noviomagi

Der Höhepunkt einer Neumagen-Reise ist natürlich eine Fahrt mit dem nachgebauten Weinschiff, der Stella Noviomagi, die in Neumagen vor Anker liegt. Es wird vom Kulturverein Ausonius e.V. betreut.

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Ein Muss für den Neumagen-Besucher: Eine Fahrt mit der Stella Noviomagi und ein Glas Moselwein

Es handelt sich dabei um einen fahrtüchtigen Nachbau basierend auf dem Grabdenkmal-Weinschiff, der in der Sommersaison regelmäßig Kulturfahrten 10 km moselaufwärts oder moselabwärts unternimmt. Zudem kann das Schiff auch für Gruppenfahrten für bis zu 40 Personen gechartert werden. Es ist motorisiert, kann aber auf Wunsch mit 22 Rudern auch (selbst) gerudert werden. Wie unser Führer uns schmunzelnd berichtete, erfordert dies jedoch ein gut eingespieltes Team, ansonsten kann man sich darüber amüsieren, wie die Gruppe sich mit dem Schiff im Kreis dreht.

Die Stella Noviomagi lief 2007 vom Stapel. Es wurde von Auszubildenden der Handwerkskammer Trier mit Holz aus heimischen Wäldern gebaut und ist das größte im deutschen Sprachraum nachgebaute Römerschiff. Seine Länge beträgt 17,95 Meter, das Leergewicht 14 Tonnen.

Es wurde etwas verkleinert nachgebaut, da es im Original-Maßstab die „Schallmauer“ von 18 Metern weit übertroffen hätte – und ab dieser Länge sind das große Kapitänspatent sowie deutlich strengere Auflagen zur Personenbeförderung gesetzlich vorgeschrieben, etwas, was der kleine ehrenamtliche Verein, der das Boot betreibt, nicht leisten kann. Trotz der Gelder, die durch die Kulturfahrten und Charter des Schiffes hereinkommen, wird damit kein Gewinn erzielt, da nach jeder Saison umfangreiche Restaurierungs- und Pflegearbeiten notwendig sind, um das Schiff zu erhalten. Die Arbeitsstunden werden zum großen Teil ehrenamtlich geleistet und viel Geld fließt aus eigener Tasche hinzu. Insofern ist es eine gute Sache, das Projekt zu unterstützen und wir empfehlen an dieser Stelle auch gerne die Fahrt mit der Stella Noviomagi jedem Römerfan und jedem Moselfreund weiter!

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Die Moselfelsen sind spektakulär

Wir nahmen auch an einer sogenannten „Kulturfahrt“ teil. Diese finden von Ostern bis Oktober Samstags um 15:30h und Sonntags um 10:00h statt (bei Bedarf und in der Hochsaison werden auch weitere Fahrten angeboten). Die Fahrten finden auch bei schlechtem Wetter statt.

Die Fahrt kostet 18€ für einen Erwachsenen und dauert ca. 1,5 Stunden. Vorher erhält man im Infopavillon eine kurze 20-minütige Einführung, bei der auch zwei Filme gezeigt werden: einer über das Kastell Neumagen und einer über die Herstellung des Schiffs, bevor man dann gemeinsam zum Anleger geht. Der Preis ist völlig in Ordnung für dieses Erlebnis und unterstützt zudem eine gute Sache.

Begleitet wird die Kulturfahrt von einem erfahrenen Gästeführer, der während der Fahrt ausführlich über die römische Geschichte der Mosel, die Geschichte des Weinbaus und über Kultur, Land und Leute der Region referiert. Zudem werden Sehenswürdigkeiten erläutert, die man auf der Fahrt passiert, wie die Mosel-Loreley oder den Ort Piesport, zu dem unsere Fahrt moselabwärts führte.

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Das darf in keinem kultivierten römischen Haushalt fehlen!

Außerdem findet an Bord des Schiffs während der Fahrt eine Weinverkostung statt. Hier hat man die Möglichkeit, ein Weinglas zu erwerben, das das römische Grabmonument sowie die nachgebaute Stella Noviomagus zeigt (das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen!) und – ganz nach Geschmack – örtlichen trockenen, halbtrockenen oder lieblichen Moselwein zu probieren. Die Preise für den Wein an Bord sind absolut zivilisiert und keine Abzocke: das befüllte Glas kostet 4,50€ (das man im Anschluß behalten kann; möchte man nur das Glas, kostet es 3€). Nachfüllen kostet jeweils 1,50€ und man schenkt großzügig ein.

Die Fahrt, die wir gemeinsam mit einer Gruppe Skandinavier und gemischter Touristen allen Alters machten, war sehr unterhaltsam. Die Erklärungen des Gästeführers waren interessant und versiert und wir lernten tatsächlich noch einiges über die Römerzeit an der Mosel, über Neumagen und Ausonius, sowie über Weinbau, obwohl wir ja selbst aus einem Weinbaugebiet kommen. Die Stimmung an Bord war gut, locker und entspannt. Man kann sich auf dem Schiff frei bewegen, fotografieren, auf den Ruderbänken sitzen oder an der Reling oder vorne am Bug stehen.

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Der fröhliche Steuermann war nicht an Bord, ist aber in einem Vorgarten an der Hauptstraße zu finden

Anspruch auf eine Sitzgelegenheit gibt es nicht, aber das stellte trotzdem kein Problem dar, obwohl wir ausgebucht waren. Wer einen Platz benötigt, bekommt auch einen; die meisten Passagiere stehen eh an der Reling und winken den zahlreichen staunenden Passanten am Ufer und auf den Brücken zu und amüsierten sich damit, sich gegenseitig vor der dramatischen Moselkulisse und dem Schiff zu fotografieren und fröhlich dem Wein zuzusprechen.

Wir empfehlen unbedingt, die Fahrt im Voraus zu buchen, je früher desto besser!

Uns stand, obwohl wir einige Tage in Neumagen waren, nur noch der Sonntagmorgen-Termin offen und wir bekamen dort die letzten Plätze, obwohl wir lange im Voraus angefragt hatten. Die Buchung kann über die Touristeninformation Neumagen vorgenommen werden (per Email oder telefonisch). Unverbindliche Anfrageformulare und eine Übersicht über die freien Termine finden sich auf der offiziellen Website des Weinschiffs.

Das Schiff fährt zudem bei den Weinfesten in Neumagen und dem römischen Kelterfest in  Piesport, wo man an einer kurzen Schnupperfahrt teilnehmen kann.

Wenn man in Neumagen weilt, ist die Fahrt mit der Stella Noviomagi ein absolutes Muß!

Fazit

Wer ein besonderes römisches „Rundum-Sorglos-Paket“ sucht  – und das abseits der ausgetretenen Pfade wie Trier -, dem können wir den ältesten Weinort Deutschlands nur ans Herz legen.

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Auch in der Weinstube an der Römermauer freut sich der Steuermann über römisch interessierte Besucher. Man erzählt sich unter den Einheimischen, wenn der Steuermann ein Licht bekommt und es flackert, dann spricht er zu einem…und ab manch weinseliger später Stunde mag man ihn verstehen können…

Für uns waren die Tage in Neumagen Erholung und Erlebnis zugleich und wir waren begeistert von der Mischung: ein ruhiges Örtchen mit versteckten, urigen Weinstuben, wo man familiär mit dem Winzer in dessen Hof oder Keller plaudert, einem gepflegten und vorbildlichen Archäologischen Rundweg, dazu das besondere Erlebnis der Schiffsfahrt und der guten Betreuung durch versierte einheimische Führer des Ausonius e.V., die einen auch auf die versteckten römischen Winkel des Ortes aufmerksam machen.

Auf den ersten Blick ist Neumagen unscheinbar, gerade im Vergleich mit den lauten und lebhaften bekannten Moselorten, aber dafür ist der versteckte Charme umso größer.

Oder, um zum Abschluß noch einmal Ausonius zu Wort kommen zu lassen, der das Moseltal rund um Neumagen im Lande der Treverer folgendermaßen beschreibt:

“Und endlich erblickte ich im vorderen Grenzlande der Belger, NOVIOMAGUM (Neumagen), das berühmte Lagerkastell des göttlichen Constantinus. Reiner ist hier den Gefilden, die Luft und Phoebus (Sonnengott) mit heiteren, Licht verkläret den purpurnen Olymp.

Du brauchst hier nicht durch dichtverschlungene Zweige, hinter der grünlichen Hülle versteckt, den Himmel zu suchen, sondern die Strahlen des Tags, die hellen, vergönnen‘s dem Wanderer wohl, zu sehen die spiegelnde Flut und den goldenen Horizont. Ganz an das heimische Land und die Art des glänzenden Burdigala erinnernd, mahnet mich jedes Ding, das das blickende Auge ergötzt.

Ragende Villen hier, auf hängenden Ufer gegründet. Und grünende Hügel dem Bacchus gewidmet und der Mosel lieblich strömende Flut, die mit leisem Gemurmel einherfliesst. Sei mir gegrüßt, o Fluss! Deiner Äcker und Pflanzen wegen gelobt, dem die Belgier die Stadt des Thrones gewürdigt (Augusta Trevirorum) verdanken wir mit Wohlgeruch verbreitenden Reben bepflanzt, ihr Hügel ihr Ufer bedeckt mit grünenden Wiesen, euch grüße ich! Schiffbar, so wie das Meer, doch abwärts­strömend und wogend wie ein Strom und gleichet dem Spiegel des tiefgründigen Sees, gleichet dem Bache er auch, der zögernden Laufes einherfliesst. Und so rein ist zum Trunk nicht der Waldquell als deine Gewässer!…

Lasst uns zum Weinberg gehen, das ist ein erquickendes Schauspiel! Bildete doch Natur das Gebirg wie im Theater. Hoch ist der Kamm, steigt sanft hinan mit Krümmung und Einschnitt, Felsen und sonnige Höhen, und alles bepflanzt mit Reben.“

– Ausonius, Mosella

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Auch die berühmte „Schulszene“ stammt aus Neumagen. Sie spielt, wie das Weinschiff, ebenfalls eine Rolle im Trierer „Reich der Schatten“ im Landesmuseum

Weiterführende Literatur und Links:

  • Massow: Die Grabmäler von Neumagen, Berlin 1932
  • Cüppers, Heinz: Die Römer in Rheinland-Pfalz
  • FVFD (Führer zu Vor- und Frühgeschichtlichen Denkmälern des Zentralmuseums Mainz) 34 (1977), S. 246 ff.
  • TZ (Trierer Zeitschrift) 45 (1982) und 48 (1985)
  • Ausonius: Mosella
  • Offizielle Website von Neumagen-Dhron

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Museen und Archäologische Parks: Malagne – Archéoparc de Rochefort (BE)

 

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Das gallo-römische Landgut in den belgischen Ardennen

Anschrift:

Rue du Coirbois 85, 5580 Rochefort, Belgien

Anfahrt:

Der Archäologische Park Malagne liegt in den belgischen Ardennen in der Provinz Wallonie nahe Rochefort.

Mit dem Auto ist es gut zu erreichen; der Archäologische Park ist mit Schildern, die auf eine „L’Experience Gallo-Romain“ hinweisen, bereits an der Hauptstraße N86 zwischen Marche-en-Famenne und Rochefort gut sichtbar ausgeschildert. Das Navi findet die Anschrift problemlos. Vor dem Freilichtmuseum befindet sich ein eigener großer Parkplatz.

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist nicht unmittelbar möglich, da der Park etwas abgelegen liegt. Der nächstgelegene Bahnhof ist in Jemelle (etwa 4km entfernt). Hier halten Züge aus Luxemburg, Brüssel und Libramont. Außerdem gibt es einen zentralen Busbahnhof. Von dort aus kann man mit der Buslinie 166a zur Haltestelle Hall Omnisports in der Nähe der Straße „Malagne“ fahren, von dort aus muß man jedoch das restliche Stück laufen (etwa 15 Minuten Fußweg).

Hintergrundinformationen:

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Blick auf das Gelände von der Aussichtsplattform

Der Archäologische Park Malagne, „die gallo-römische Erfahrung“ , befindet sich im ehemaligen romanisierten Gallien. Hier wurden im Jahr 1890 von der Archäologischen Gesellschaft Namur die fast vollständig erhaltenen Grundrisse eines gallo-römischen Landgutes entdeckt, inklusive einer großen herrschaftlichen Villa, die mit großer Sicherheit über vier Jahrhunderte bewohnt war. Daneben entdeckte man zahlreiche Neben- und Wirtschaftsgebäude, die einen guten Eindruck von den Ausmaßen und der Struktur eines gallo-römischen Landguts vermittelten.

In den Jahren zwischen 1992 und 1997 führte die Provinz Wallonie großangelegte Grabungen auf dem Gelände durch und konnte zahlreiche wichtige Details freilegen: weitere Nebengebäude, ein Glasofen, eine Schmiede und ein Teich, der pollenanalytisch untersucht wurde und eine genaue Datierung des Nutzungszeitraums ermöglichte.

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Das Landgut zu römischer Zeit

Es gelang den Archäologen, den Bauplan des Landgutes zu rekonstruieren und dessen Aufteilung in einen Wohnbereich (Pars urbana) und einen Arbeitsbereich (Pars rustica) nachzuweisen.

Der Wohnbereich mit seiner weitläufigen, doppelstöckigen Villa verfügte über alle Annehmlichkeiten der gehobenen Lebenskultur in der gallo-römischen Provinz: Fußbodenheizung, Repräsentationssäle, eine Thermenanlage, Latrinen, fließend Wasser und einem Raum, der als Sacellum diente und das Lararium beinhaltete, mit einem separaten, von vier Säulen getragenen Eingang.

Auch die Funktionen der landwirtschaftlich genutzten Nebengebäude konnten ermittelt werden. So interpretierte man die Gebäude als Ställe, eine Schmiede mit Räucherkammer, Getreidedarre und Bierbrauerei.

Um die Einzigartigkeit dieses zusammenhängenden Landgutes zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, entschied man sich, das Gelände als Archäologischen Park zu gestalten und einige der Nebengebäude zu rekonstruieren, um dem Besucher eine bessere Vorstellung von der Größe und den Dimensionen des Gehöfts zu vermitteln.

Neben der Präsentation der Funde legte man auch einen Schwerpunkt auf die experimentelle Archäologie, so daß Forschern ermöglicht werden sollte, in Malagne auf praktische Weise die Details des Lebens auf einem gallo-römischen Landgut zu erforschen. So wurden unter anderem der Stall und die Schmiede in funktionstüchtiger Weise in alter Bautechnik rekonstruiert und in den Original-Farben weiß und rot verputzt. Beide Gebäude sind voll funktionsfähig und werden auch für Experimente genutzt.

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Anbau von Obst und Gemüse

Daneben pflanzte man antike Getreidesorten auf den weitläufigen Feldern zwischen den Gebäuden, legte den Teich wieder an seiner originalen Position an und begann auch mit Nutztierhaltung, wobei Wert darauf  gelegt wurde, Rassen zu wählen, die in Größe und Art den Nutztieren eines gallo-römischen Bauernhofs entsprechen.

Heute werden auf dem Gelände Ziegen, Schafe, Pferde, Maultiere und Rinder gehalten. Dies erlaubt archäologische Experimente, die auch Tiere einschließen, wie zum Beispiel die Rekonstruktion eines Vallus, der römischen Mähmaschine, die von einem Maultier geschoben wird und eine um ein Vielfaches schnellere Getreideernte als mit der Sense erlaubt. Hierbei konnten im Experiment auch praktische Fragen gelöst werden, die mit den vorhandenen Schrift- und Bildquellen bislang nur unzureichend in der Theorie beantwortet werden konnten, zum Beispiel, wie das Geschirr und Joch des Esels aussahen, der die Maschine schob.

Funktionstüchtige Kuppelbacköfen, eine Küche und ein Rennofen zur Eisenschmelze erlauben weitere Experimente.

Es wurde auch ein Zier- und ein Nutzgarten angelegt, in dem Kräuter und Pflanzen aus römischer Zeit, Obst- und Gemüsesorten sowie Wein angebaut werden. Alles in allem werden hier über 200 Pflanzen angebaut, deren Gebrauch bereits aus der Antike bekannt ist.

Bis heute wird das Gelände experimentalarchäologisch bewirtschaftet und für Experimente aller Art genutzt, was es einmalig unter den gallo-römischen Landgütern macht.

Eine Villa Rustica hat fast jeder Ort in unserer gallischen Provinz, aber ein vollständiges Landgut mitsamt Haupt- und Nebengebäuden, Getreideanbau und Viehzucht, das die Größe eines solchen Geländes vermittelt, ist einmalig.

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Experimentelle Archäologie: Der Vallus im Einsatz

Das Hauptgebäude, die Wohnvilla, wurde nicht rekonstruiert, sondern in ihren Fundamenten belassen. Es gibt auch keine Pläne, das Gebäude (wie z.B. bei der Villa Borg) zu rekonstruieren.

Ein konstantes Problem eines solchen Projektes, das nicht die Mittel wie z.B. ein LVR-Park zur Verfügung hat, ist, wie üblich, die Finanzierung. Wie überall, wird auch in Belgien bei der Archäologie gespart.

Der Wiederaufbau der Villa wäre allein aus finanzieller Hinsicht utopisch. Es befinden sich allerdings noch mehr Nebengebäude und Funde auf dem Gelände, die jedoch aus Geldmangel nach Abschluß der Grabungsarbeiten und archäologischen Aufnahme wieder vergraben werden mußten, um sie zu schützen und zu erhalten. Das Museum ist ständig um neue Gelder bemüht, um die Grabungen fortzusetzen; sollten neue Mittel verfügbar sein, würde man damit gerne weitere Nebengebäude rekonstruieren.

Beschreibung:

Auf unseren Reisen durch die gallische Provinz stoßen wir immer wieder auf Überraschungen  – Malagne war eine solche, die uns regelrecht begeisterte. Wir hatten mit einer weiteren Villa Rustica gerechnet, aber dann sahen wir die Ausmaße des Geländes und vor allem, wie detailliert und anschaulich das Landgut rekonstruiert und betrieben wird.

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Auch Getreide wird hier angebaut

Am Parkplatz befindet sich ein Schild, das darauf hinweist, daß der Park zwar bis 18 Uhr geöffnet hat, der letzte Einlaß aber um 16:30h ist, was uns im ersten Moment verwunderte, dann aber schnell klar wurde, warum das so ist.

Malagne ist nichts für eine kurze, schnelle Stippvisite – der Park mit seinen vielen Details und weitläufigem Gelände muß in Ruhe erforscht und erwandert werden, um dem Besucher die Dimension dessen, was hier erarbeitet und gezeigt wird, zu erschließen.

Im Eingangsbereich an der Kasse empfing uns eine sehr freundliche und engagierte Frau, mit der wir uns in einem regen Mix aus Französisch und Englisch unterhielten. Sie erklärte uns, daß an dem Tag unseres Besuchs keine Vorführungen stattfanden (an manchen Sonntagen wird der Park durch Darsteller belebt, die an einigen Stationen praktische Tätigkeiten demonstrieren). Aber man kann den gesamten Park auch gut alleine erwandern, denn er ist in über 20 beschriftete Stationen aufgeteilt, zu denen man ausführliche Informationen mit einem Audio-Guide abrufen kann.

Den Audio-Guide erhielten wir an der Kasse, zusammen mit einem laminierten Lageplan der einzelnen Stationen auf dem Gelände, so daß man problemlos den Nummern folgen kann. Das Gerät ist im Eintrittspreis enthalten (der angesichts der Größe und des Aufwands der Bewirtschaftung des Geländes absolut in Ordnung ist); unsere Ansagetexte stellte die Frau uns auf Englisch ein. Daneben sind Französisch und Flämisch als weitere Sprachen verfügbar.

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Die Texte in den Audio-Guides sind detailliert und fundiert

Die Informationen des Audio-Guides sind sehr gut gemacht – informativ und detailliert. Sie schafften es, den experimentalarchäologischen Anspruch des Parks und die erzielten Ergebnisse sehr gut herauszustellen und anhand der Stationen zu erläutern.

Zu einigen Spezialthemen sind auf Wunsch, zusätzlich zu den Texten der Stationen, weiterführende Informationen verfügbar, die man durch Eingabe einer weiteren Nummer abrufen kann. Hier gehen die Texte dann sehr ins Detail und weisen auf ganz spezielle Aspekte eines Themas hin, unterlegt durch Zitate aus antiken Quellen oder mit Hinweisen auf Bildquellen – didaktisch vorbildlich!

Die Führung beginnt im Inneren des Hauptgebäudes, in dem sich auch ein Seminar- und Arbeitsraum befinden, wo regelmäßig pädagogische Aktivitäten für Gruppen, Schulklassen und andere Interessenten stattfinden.

Hier werden anhand eines rekonstruierten Modells des Landgutes zu römischer Zeit das Gelände, der Lageplan und die Geographie erläutert, zum Beispiel auch die Tatsache, daß sich am Hang hinter dem auf einem Hügel gelegenen Herrenhaus ein Steinbruch befand.

Nach der Erläuterung der generellen Lage wird der Besucher auf das Freigelände entlassen, auf dem man sich frei bewegen kann. Es macht jedoch Sinn, die Stationen in numerischer Reihenfolge abzulaufen, da die Informationen aufeinander aufbauen.

Den Anfang macht eine Aussichtsplattform, von der aus man einen tollen Überblick über das Landgut hat und schon einmal staunt, wie groß das Gelände war und wie hervorragend die Aussicht des Hausherrn auf sein Land von seiner auf der Anhöhe gelegenen Villa gewesen sein muß.

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Ausprobieren erlaubt!

Überall zwischen Getreidefeldern und Viehweiden, die (neben einem modernen Zaun, der den heutigen Vorschriften geschuldet ist) mit antiker Zauntechnik umgrenzt sind, sieht man die rekonstruierten Nebengebäude aufragen.

Das Blöken der Schafe, die Laute der Pferde und Rinder, machen den Gang über das Gelände besonders anschaulich – so muß auch die Geräuschkulisse zu römischer Zeit gewesen sein. Das verstärkt das Eintauchen in die Geschichte und erhöht die Anschaulichkeit deutlicher, als wenn man nur durch die Ruinen einer Villa Rustica geht.

Das ganze Gelände ist sehr gepflegt und sauber, die Kräuter-, Obst- und Gemüsefelder sind beschriftet.

Alle Gebäude können betreten werden und alles, was sich darin an Werkzeugen und Alltagsgegenständen befindet, kann man in die Hand nehmen und ausprobieren. Man wird zuerst an die Öfen und Küche geführt und erhält eine Einführung in antike Bautechnik mit Fachwerk und Steinbauweise. Nach einem Rundgang durch die Gärten geht es an einem Getreidefeld entlang zum Teich, der an der originalen Stelle angelegt wurde (heute jedoch als Biotop verwendet wird, um Lebensraum und Ökosystem See zu erläutern).

Vorbei an den Weiden der Rinder, Pferde, Schafe und Ziegen geht es in die Schmiede, wo auch die Versorgung thematisiert wird, da sich hier auch Räucherkammer und Bierbrauerei befanden. Am nicht wieder aufgebauten, aber mit einem Schutzbau überdachten Haus des Gutsverwalters vorbei, besichtigt man dann den großen Stall, der im Winter tatsächlich als Stall für die Tiere des Parks genutzt wird.

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Der rekonstruierte Vellus, die römische Mähmaschine

Hier erfährt auch man detailliert von einem besonderen Experiment, das in Malagne durchgeführt wurde: die Rekonstruktion der antiken Mähmaschine Vallus, die auch im Stall als Nachbau zu bestaunen ist.

Während man sich über das Gelände bewegt, erfährt man im Audio-Guide von weiteren Besonderheiten des Hofes, zum Beispiel der Entdeckung eines Gräberfeldes, das jedoch noch nicht weiter erforscht werden konnte.

Den Abschluß der gut 1,5 bis 2-stündigen Rundwanderung bildet das Herrenhaus, das zwar nicht rekonstruiert wurde, das aber (mauerschonend) über Brücken und Stege betreten und durchquert werden kann.

Überall im Park finden sich, zusätzlich zu den Informationen im Audio-Guide, Info-Tafeln. Diese sind jedoch leider nur auf Französisch (gelegentlich mit einer einzeiligen Zusammenfassung auf Flämisch).

Im Museumseingang gibt es einen kleinen Shop und es besteht die Möglichkeit, heiße und kalte Getränke zu sich zu nehmen. Es gibt auch einen Picknickbereich.

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Im großen Hauptgebäude, der herrschaftlichen Villa

Fazit: Eine Villa Rustica haben viele Orte, aber als „gallo-römische Erfahrung“ ist das römische Landgut von Malagne definitiv etwas Besonderes.

Durch die Kombination aus rekonstruierten Gebäuden, aktiver Bewirtschaftung, experimenteller Archäologie und hervorragender, fundierter Wissensvermittlung gehört Malagne für uns definitiv zu den Geheimtips, die wir unseren gallo-römisch interessierten Lesern wärmstens ans Herz legen möchten. Deswegen machen wir an dieser Stelle gerne (und unbezahlt) Werbung für diesen Archäologischen Park! Wenn Ihr einmal in der Nähe seid, sei es in den belgischen, luxemburgischen oder französischen Ardennen (beide Landesgrenzen sind nur wenige Kilometer entfernt), solltet Ihr dieses Ziel unbedingt auf Eure Liste setzen.

Öffnungszeiten, Eintritt:

In den Monaten Juli bis September ist der Park täglich von 11-18 Uhr geöffnet (letzter Einlaß 16:30 Uhr). Für den Besuch sind etwa 2 Stunden einzuplanen.

Außerhalb dieser Zeiten, von Ende März bis Anfang November, ist der Park in den Schulferien und an Feiertagen und Wochenenden geöffnet.

Während der Winterpause ist Öffnung für Gruppen nach Absprache möglich.

Der Eintritt für einen Erwachsenen beträgt 6,50 €, für Kinder 5 €. Der Audio-Guide ist im Preis enthalten.

Führungen, Veranstaltungen:

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In der experimentellen Küche

Jeden ersten Sonntag im Monat finden Führungen mit praktischen Vorführungen statt, zum Beispiel zum Thema Brotbacken.

Malagne ist auch Schauplatz eines Römerfests namens „Le Rendez-Vous Gallo-Romain de Wallonie“ mit römischen Legionen, Handwerkern, Reiterei und Gladiatorenspielen. Das Gelände ist für solche Veranstaltungen ausgezeichnet geeignet.

Aktuelle Informationen zu solchen Veranstaltungen sind auf der offiziellen Website zu finden oder in unseren Ankündigungen unter „Events und Veranstaltungen“.

Es finden außerdem regelmäßige Veranstaltungen und Workshops statt (allerdings ausschließlich auf Französisch), wie archäologische „Gallo Day Camps“ für Kinder. Gruppenaktivitäten können auf Anfrage gebucht werden, ebenso wie eine Vorführung antiker Bierbraukunst oder Brotback-Workshops.

Sonstiges:

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Die rekonstruierte Schmiede mit Räucherkammer, Darre und Bierbrauerei

Es ist erlaubt, Hunde an der Leine mitzuführen.

Fotografieren ist überall uneingeschränkt erlaubt.

Weiterführende Informationen:

 

 

  • Kurzer Filmbeitrag über Malagne: „Malagne, vivre au temps des Romains“ (Französisch, 8 Minuten)

Museen und Antike Stätten: Römerhalle Bad Kreuznach

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Blick von oben in die Römerhalle

Anschrift:

Hüffelsheimer Str. 11, 55545 Bad Kreuznach.

Anfahrt:

Die Kurstadt Bad Kreuznach liegt in Rheinland-Pfalz zwischen Hunsrück und Rheinhessen in der Nähe von Bingen.

Die Römerhalle liegt etwas außerhalb des Ortskerns in der Scheune des ehemaligen Ritterguts Bangert hinter dem Schloßpark, wo sich auch das Museum für Puppentheaterkultur, ein historisches Cafe, das Stadtarchiv und das Schloßparkmuseum befinden.

Das Rittergut Bangert mit seinen zahlreichen Kulturstätten verfügt über einen eigenen Parkplatz, Parkmöglichkeiten sind aber auch überall in der Nähe zu finden.

Mit dem öffentlichen Nahverkehr ist das Museum ebenfalls gut zu erreichen; Bad Kreuznach verfügt über einen Bahnhof, von dort verkehrt die Buslinie 203 Richtung Agnesienberg, Ausstieg an der Haltestelle „Schlossparkmuseum“.

Hintergrundinformationen:

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Bad Kreuznach zu römischer Zeit

Bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. befand sich an der Stelle des heutigen Bad Kreuznach eine keltische Siedlung, deren Existenz archäologisch nachgewiesen ist.

Im Jahr 58 v. Chr., im Rahmen des Gallischen Krieges, wurde das Gebiet Teil des Römischen Reiches. Hier befand sich bald ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, an dem sich mehrere römische Überlandstraßen kreuzten und wo sich im Umfeld eines Kastells ein ziviler römischer Vicus bildete. Hinweise deuten auch auf ein Mercurius- und Maia-Heiligtum sowie auf ein gallo-römisches Provinztheater.

Bei Bad Kreuznach kreuzte sich die römische Schnellstraße von Metz (Divodurum), entlang der Saar über Contiomagus bis nach Bingen am Rhein (Bingium) mit Straßen nach Mainz (Mogontiacum, Provinzhauptstadt von Germania superior), Trier (Augusta Treverorum) und Belginum.

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Modell der Palastvilla von Bad Kreuznach

Im 2. Jahrhundert n. Chr. wurde an einem Südhang des Ellerbachtals, mit Panoramablick auf den Fluß und das Umland, eine gigantische Peristylvilla errichtet. Ihre Dimensionen waren so gewaltig, daß sie weit über das, was man weithin als „Villa Rustica“ bezeichnet, hinausgingen. Es handelte sich weniger um ein luxuriöses Landgut, als um eine Art Landschloß.

Das vierflügelige Gebäude war um einen Innenhof herum ausgerichtet. Es hatte drei Stockwerke, wovon alleine das Erdgeschoß über 50 Zimmer und großzügige Empfangshallen aufwies.

Die Fenster waren verglast, die wichtigsten Räume mit Hypokausten-Fußbodenheizung ausgestattet. Eigene Thermen, eine mehrsitzige Latrine und große Küche, aufwendige und kostspielige Wand- und Deckenmalereien im stadtrömischen Stil, große Fußbodenmosaike, Springbrunnen und eine Ver- und Entsorgung mit fließendem Wasser zeugten vom hohen Lebensstandard der Bewohner. Mit Szenen aus griechischen Tragödien und Komödien wollte der Besitzer möglicherweise seinem Bildungsstand gemäß sein Profil als Kulturkenner zum Ausdruck bringen; daß die Villa repräsentativen Charakter hatte, steht ganz außer Frage.

Blog_Bad Kreuznach_Oceanus-Cernunnos

Das Oceanus-Cernunnos-Mosaik

Schon im 18. Jahrhundert war bekannt, daß sich an dieser Stelle einmal ein römisches Bauwerk befunden hatte. Ein 58 qm großes, beheizbares (!) Gladiatorenmosaik wurde 1893 entdeckt. Seit dieser Zeit wurde an der Stelle archäologisch geforscht, doch zu ersten systematischen Ausgrabungen kam es erst mit der Entdeckung eines Oceanus-Cernunnos-Mosaiks im Jahr 1966. Freigelegt und untersucht wurde das Gebäude zwischen den Jahren 1975 und 1980 unter Leitung des Archäologen Dr. Gerhard Rupprecht.

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Hypokausten der Fußbodenheizung

Es ist nicht genau bekannt, wer der Besitzer dieser Luxusvilla war; Deutungen über den Besitzer stützen sich auf Indizien, die aus Bau, Ausstattung und Funden der Villa hervorgehen. Er wird jedoch nirgendwo namentlich erwähnt.

Es wird davon ausgegangen, daß es sich um einen hochrangigen Verwaltungsbeamten oder erfolgreichen Geschäftsmann handelte, der möglicherweise in der eine Tagesreise entfernten Provinzhauptstadt Mogontiacum seinen Geschäften nachging und sich gerne auf sein Landschloß zurückzog, um dort im repräsentativen Rahmen Gäste oder Geschäftspartner zu empfangen, zu arbeiten oder zu entspannen.

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Eine Sammlung von Weihesteinen

Ulrike Ehming geht in ihrer Arbeit „Der Besitzer der Bad Kreuznacher Peristylvilla  – ein Händler ostmediterraner Lebensmittel?“ (Münstersche Beiträge zur antiken Handelsgeschichte, Bd. XXIV, 2, 2005) der Frage nach, ob es sich bei dem Besitzer möglicherweise um einen Händler mit teuren Luxusgütern handelte, der frische Meeresfrüche, Austern, Garum, Olivenöl und andere teure Waren aus dem mediterranen Raum nach Gallien brachte. Hierbei stützt sie sich vor allem auf die detaillierten Darstellungen der großflächigen Mosaike in den Empfangssälen, die zu den besterhaltendsten und bedeutendsten Mosaiken nördlich der Alpen gehören, sowie auf Amphoren.

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Blick auf das Gladiatoren-Mosaik

Die Villa wurde im späten 3. Jahrhundert n. Chr. zerstört, wahrscheinlich im Zuge der Frankeneinfälle. Während des 4. Jahrhunderts wurde der Nordflügel der Villa kurzzeitig wieder genutzt, jedoch eher als Festung gegen die immer wieder einfallenden Franken, denn als Luxuswohnanlage. Nach kurzer Zeit wurde das Gebäude dann ganz aufgegeben.

Heute sind die ausgegrabenen Reste der Villa in die „Römerhalle“ integriert, die ehemalige Scheune eines Rittergutes. Während die Mosaike, Kleinfunde und weitere Sammlungen aus der Region im Inneren der Halle ausgestellt sind, sind die Räume der Villa auf dem anschließenden Freigelände zu begehen und reichen bis unter die angrenzende Straße und Wohnsiedlung.

Beschreibung

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Der Schlüssel zur Villa?

Die große Halle ist hoch und hell, so daß sie einen angenehmen Rahmen für die Präsentation der Funde bietet. Auf einer Empore sind weitere Funde ausgestellt, zudem hat man von oben eine gute Sicht auf die Halle und die Mosaike. Insgesamt verfügt die Römerhalle somit über 1000 qm Ausstellungsfläche.

Herausragend sind natürlich die beiden Mosaike, das Gladiatorenmosaik, das an die Villa Nennig im Saarland erinnert, und das ungewöhnliche Oceanus-Cernunnos-Mosaik, das eine interessante Verschmelzung eines römischen Gottes mit einer gallischen Lokalgottheit zeigt und darauf hindeutet, daß es sich bei dem Besitzer der Villa um einen wohlhabenden und einflussreichen romanisierten Einheimischen gehandelt haben könnte.

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Es gibt eine ansehnliche Sammlung von Viergöttersteinen aus der Region

Säulen und Baufragmente der Villa sind rund um die beiden abgegrenzten Mosaike aufgestellt. Großflächige, illustrierte Informationstafeln berichten über die gallo-römische Zeit in der Region, über den Aufbau, die Technik und den Alltag in der Villa und weitere Themen, wie Begräbniskultur, Alltag, Schmuck und Badewesen, Heizung, Militär oder Religion.

Neben dem Oceanus-Mosaik befindet sich auch ein interaktiver Bildschirm, auf dem man sich kurze Filme zu einzelnen Themen anschauen kann, wie dem Mosaik oder der Ausgrabungsgeschichte der Villa.

Die Funde selbst sind ebenfalls gut beschriftet mit Datierung und Herkunftsort (alles jedoch ausschließlich auf deutsch).

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Die Soldatengrabsteine sind sehr detailliert

Einen großen Teil der Ausstellung nehmen Funde aus dem Vicus und dem Kastell, vor allem Soldatengrabsteine ein, die sowohl von Auxiliartruppen als auch von regulären Soldaten aus dem nahegelegenen Kastell stammen. Sie sind deswegen so bemerkenswert, weil sie sehr detailliert und gut erhalten sind und auf den Darstellungen selbst kleinste Details der Rüstung, Kleidung und Ausrüstung gut erkennbar sind. Dies ist eine wahre Fundgrube für alle, die sich für römisches Militär interessieren, vor allem wenn sie Reenactment betreiben.

Auch Sarkophage und Aschekisten gehören zu der Ausstellung.

Daneben gibt es eine Sammlung von Viergöttersteinen von Jupitersäulen, die typisch für diese Region und gallo-römische Glaubensvorstellungen sind, sowie Weihesteine und Reliefs, die weitere Götter zeigen, unter anderem eine Darstellung des trauernden Attis und einer Sphinx auf einem Grabstein, die auf die orientalische Herkunft des hier bestatteten Soldaten hindeuten. Kleine Statuen einer Muttergottheit, des Gottes Vulcanus, Öllampen oder ein kleiner Schrein beleuchten das religiöse Alltagsleben in der Provinz.

Auf der Empore finden sich neben dem teuren Tafelgeschirr aus Terra Sigillata, Schmuckutensilien und andere Kleinfunde aus keltischer und römischer Zeit. Launige Zitate von Römern über Kelten, die großflächig an einer Wand angebracht sind, runden das Bild ab.

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Ein seltener Fund: Fluchtäfelchen

Interessant ist darüber hinaus die Ausstellung von Fluchtäfelchen.

Das Museum zeigt damit zahlreiche hochinteressante Ausstellungsstücke – eine Luxusvilla, die in der Region ihresgleichen sucht, zwei großartige Mosaike und eine ungewöhnliche gallo-römische Gottheit sowie viele spannende Kleinfunde.

Durch eine Seitentür gelangt man in das Außengelände, wo Wege mit Informationstafeln durch die Grundmauern der Villa führen.

Das Museum hat eine angenehme und entspannte Atmosphäre, man kann sich frei und ungezwungen bewegen, das Personal ist sehr nett und hilfsbereit (auch, als wir uns nach unserem Besuch noch Ausflugstipps und Wegbeschreibungen für Bad Kreuznach holten).

Von uns gibt es deshalb eine ganz klare Empfehlung für diesen Geheimtipp abseits der bekannten Römermuseen.

Öffnungszeiten, Preise, Veranstaltungen

Das Museum ist dienstags bis sonntags geöffnet (Montag geschlossen). Öffnungszeiten sind Dienstags von 10-13 Uhr, Mittwoch bis Freitag von 10-16 Uhr und an den Wochenenden von 11-17 Uhr.

Im Februar ist das Museum komplett geschlossen.

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Das Außengelände schließt sich an die Halle an

Der Eintrittspreis für Halle und Freigelände beträgt 4€ (ermäßigt 3€).

Für 7€ ist eine Kombikarte für alle drei Museen im Rittergut erhältlich: Puppentheatermuseum, Schloßmuseum und Römerhalle.

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Blick über die Räume der Villa

Es finden regelmäßige Sonderveranstaltungen statt, wie Erlebnisführungen und museumspädagogische Workshops rund um „römische“ Themen, die sich vor allem an Kinder und Schulklassen richten, zum Beispiel über römische Götter, Münzprägen, Tonfigürchen oder Geschirr.

Im unregelmäßigen Abstand finden auch Kulturveranstaltungen wie Konzerte in der Halle statt. Daneben kann sie für Veranstaltungen gebucht werden.

Sonstiges

Fotografieren ist im gesamten Museum uneingeschränkt möglich.

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Keltische Funde aus der Region

Das Museum ist behindertengerecht gestaltet mit Rampe und Behindertentoilette.

Ein Besuch der Römerhalle kann gut mit den anderen Sehenswürdigkeiten der Kurstadt Bad Kreuznach kombiniert werden, die auf eine lange und bewegte Geschichte von der Antike über das Mittelalter bis zur Neuzeit blicken kann. Unter anderem sind die 9 Meter hohen Gradierwerke der Salinen im 1100 Meter langen Salinental sehens- und erlebenswert.

Daneben gibt es die berühmten mittelalterlichen Brückenhäuser auf der Nahebrücke, die das Wahrzeichen der Stadt bilden, sowie das alte Gerberviertel „Klein Venedig“ am Zusammenfluss von Nahe und Ellerbach, eine Volkssternwarte und eine Burgruine.

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Die Gradierwerke im Salinental sind sehens- und atmenswert

 

 

Antike Stätten: Römischer Kaiserpalast Konz

Hier residierten römische Kaiser mit Blick auf die Saarmündung

Hier residierten römische Kaiser mit Blick auf die Saarmündung

Anschrift:

An der Pfarrkirche St. Nikolaus, Martinstr. 22, 54329 Konz

Anfahrt:

Der römische Kaiserpalast liegt auf einer Anhöhe direkt neben der modernen Kirche St. Nikolaus und dem Friedhof von Konz im Landkreis Trier-Saarburg, mit Blick ins Tal. Hier mündet die Saar in die Mosel.

Konz liegt nahe der luxemburgischen Grenze zwischen Saarburg und Trier und ist gut über die Bundesstraße 51 zu erreichen. Parkmöglichkeit besteht an der St. Nikolauskirche und am Friedhof. Der Kaiserpalast ist als „Römischer Palast“ weithin in der Region ausgeschildert und gut zu finden.

Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln erfolgt am besten mit dem Zug. Konz hat einen Bahnhof, der von Regionalzügen der Saartalbahn (Trier, Saarlouis, Saarbrücken) und dem Mosel-Saar-Pfalz-Express (Koblenz, Wittlich, Trier, Saarbrücken, Kaiserslautern) angefahren wird.

Auch für Wanderer ist die Region rund um die Saarmündung und das Saarschleifenland attraktiv. In der Nähe liegen zahlreiche weitere römische Sehenswürdigkeiten, die gut miteinander kombiniert werden können, sowohl auf der luxemburgischen Seite als auch in Deutschland.

Hintergrundinformationen:

Von hier hat man eine gute Aussicht auf die Saarmündung in die Mosel

Von hier hat man eine gute Aussicht auf die Saarmündung in die Mosel – wie sie schon Ausonius und der Kaiser schätzten

In Konz befand sich zur Zeit der Spätantike das römische Contionacum, das aus mehreren schriftlichen antiken Quellen bekannt ist, unter anderem durch gesetzliche Edikte, die von Kaiser Valentinian I. (364-375 n. Chr.) in Contionacum unterzeichnet wurden, sowie durch den Dichter Ausonius, der in seiner Reisebeschreibung entlang der Mosel, der Mosella aus dem Jahr 371 n. Chr., von den „Kaiserlichen Mauern“ an der Saarmündung berichtet.

Der kaiserliche Palast, der aus mindestens 30 Räumen und einem großzügigen Saal mit Apsis bestand, befand sich auf einer Anhöhe mit hervorragender Aussicht in das Tal, auf die umliegenden Hügel und auf die Saarmündung. Der Saal hatte vor allem repräsentativen Charakter und diente wahrscheinlich als Empfangssaal und für Festivitäten. Sein Haupteingang war 3,16 Meter breit. Um den zentralen Raum gruppierten sich Wohnräume und eine großzügige Badeanlage.

Das Bauwerk war im Stil einer Porticusvilla errichtet, entlang der gesamten 5,80 Meter hohen Vorderfront befand sich ein überdachter, säulengestützter Porticus, also ein wettergeschützter Laufgang. Von der aufwendigen Ausstattung sind Wandmalereien, Marmor (der sowohl Teile der Wände als auch der Fußböden bedeckte), Diatretglas und ein Goldschatz erhalten.

Die Reste des Palastes finden sich überall rund um die Kirche und am Friedhof

Die Reste des Palastes finden sich überall rund um die Kirche und auf dem Friedhof

Sowohl die Innenwände als auch die Außenfassade des Palastes waren bemalt. Gefundene Deckenmalereien waren rotgrundig mit goldenen Sternen, die einen kornblumenblauen Mittelpunkt aufwiesen. Vor dem Eingang befand sich ein achteckiger Springbrunnen, wie man es auch von den anderen palastartigen Riesenvillen in der Region kennt, wie der römischen Villa von Echternach und der Villa Borg.

Funde einer Heizungsanlage deuten darauf hin, daß der Palast ganzjährig genutzt wurde.

Es wird davon ausgegangen, daß der Palast zumindest zeitweilig von Kaiser Valentinian I. als Residenz genutzt wurde, da er hier Gesetze unterzeichnete, die u.a. die Steuerpflichten, Sklaven und das Erbrecht der kaiserlichen Familie betrafen. Das Anwesen wurde bis mindestens 388 n. Chr. genutzt und erst aufgegeben, als wegen der Germaneneinfälle die römische Verwaltung nach Arles verlegt wurde. Damit ist wahrscheinlich, daß auch die Kaiser Valentinian II., der von Ausonius erzogene Gratian und Magnus Maximus in Contionacum residierten.

Die Residenz lag an der wichtigen Hauptverkehrsachse von Trier nach Metz, die in der Verlängerung die Nordwestprovinzen mit dem Mittelmeerraum verband. Von der Villa aus hatte man auch einen guten Blick auf die römische Brücke über die Saar an der Moselmündung, die ebenfalls von Ausonius in der Mosella erwähnt wird.

Noch im 17. Jahrhundert war der dazugehörige Palast als Ruine erhalten und weithin bekannt. Im Jahr 1887 kannte man zumindest noch die römische Badeanlage. (Wieder-)entdeckt wurde der Kaiserpalast beim Bau der neuen Pfarrkirche St. Nikolaus im Jahr 1959. Ausgrabungen des Rheinischen Landesmuseums Trier zwischen 1959 – 1961 legten die große Porticusvilla frei, jedoch konnte das Bauwerk nicht erhalten oder gar rekonstruiert werden, sondern es mußte dem Kirchenneubau weichen und wurde zum größten Teil zerstört. Lediglich der Westteil des Kaltbades (frigidarium), eine Stützmauer des Mittelsaales und eine Wandelhalle blieben erhalten. Unterhalb der Kirche und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich liegt zudem noch die Befeuerungsanlage für die Heizung des Apsissaales mit einem gut erhaltenen Arbeitsraum des Heizers, dem Praefurnium, und Hypokausten.

Die Anlage ist frei begehbar und - bis auf die Heizungsanlage - öffentlich zugänglich

Die Anlage ist frei begehbar und – bis auf die Heizungsanlage – öffentlich zugänglich

Die Anlage geriet danach wieder in Vergessenheit, bis im Jahr 2004 entschieden wurde, diese bedeutende antike Stätte touristisch zu erschließen. Es wurde beschlossen, keine weitere Grabungen durchzuführen, sondern stattdessen das, was erhalten geblieben war, für 115.000€ zu konservieren und anschaulich zu präsentieren.

Zu diesem Zweck wurde zur Veranschaulichung der Verlauf der Wände der bekannten Räume rund um die Nikolauskirche und den Friedhof mit weißen Kalksteinstreifen auf dem Boden nachgezeichnet. Die hohen Stützmauern der Westapsis wurden, wie die moselseitige östliche Hälfte der Porticus-Stützmauer, instandgesetzt. Ebenfalls erhalten ist der Mittelrisalit und die Eingangsseite des Empfangssaals. Zudem wurde das Gelände mit mehreren Informationstafeln versehen, die Hintergrundinformationen zum Palast vermitteln.

Weithin sichtbar wird die Höhe des Gebäudes durch eine Stahlskulptur angedeutet, die zwei Fensterbögen des Palastes darstellen soll. Diese Skulptur ist nachts beleuchtet.

Heute ist der Kaiserpalast Konz eine der Stationen von „Straßen der Römer„.

Beschreibung:

Die Stahlkonstruktion verdeutlicht die Größe der Fenster gut

Die Stahlkonstruktion verdeutlicht die Größe der Fenster gut

Der Kaiserpalast liegt hinter der – modern-häßlichen – katholischen Kirche St. Nikolaus. Mehrere Informationstafeln der „Straßen der Römer“ informieren über das Gebäude, die Funktion, das Bad, die Heizungsanlagen und Konz zu römischer Zeit.

Der ganze Ort wirkt etwas kurios, weil die römischen Mauern zwischen Kirche und Friedhof aufragen, teilweise aus der Kirche selbst zu kommen scheinen, und die Kirche von außen umrunden. Zwar sind die ehemaligen Räume durch die weißen Streifen auf dem Boden gekennzeichnet, aber die Orientierung ist durch das mitten im Palast liegende Kirchengebäude trotzdem erschwert und verlangt einiges an Vorstellungskraft. Dafür hat man von der Palastvilla herab einen sehr schönen Ausblick ins Tal und auf die Saarmündung, was gut veranschaulicht, warum die Römer gerade diesen Ort für das repräsentative Gebäude ausgesucht haben.

Sicherlich geschmacksabhängig, aber von der Grundidee nicht verkehrt, ist die Stahlkonstruktion am Hang, die die Höhe der Fenster des Palasts deutlich macht. Im Gegensatz zur „Villa Rostica“ von Blankenheim, die komplett mit verrostetem Kortenstahl dargestellt wird, ist der Stahlbogen oberhalb des Saartals zurückhaltend und macht seine Aufgabe deshalb ganz ordentlich – er vermittelt einen guten Eindruck von der Höhendimension. Auch ist die Idee, diesen weithin sichtbaren Bogen nachts zu beleuchten, positiv, da dadurch auch die Neugier von Touristen geweckt wird, die ihn leicht als prägnanten Punkt oberhalb des Ortes erkennen können. Und alles, was die Aufmerksamkeit auf die reiche römische Geschichte in unserer Region lenkt, ist willkommen 😉

Die Tafeln sind informativ, aber leider sehr rissig

Die Tafeln sind informativ, aber leider sehr rissig

Die 5 Informationstafeln sind inhaltlich gut, leider aber ist das Material angewittert und rissig, weil es offenbar die Sonneneinstrahlung nicht dauerhaft verträgt. Hier sollte über kurz oder lang etwas getan werden, bevor die Tafeln noch weiter verwittern und unleserlich werden.

Leider sind die Hypokausten und der Heizraum nicht zugänglich, weil sie sich unterhalb der Kirche befinden.

Alles in allem ist der Ort sehenswert, auch oder gerade wegen seiner Bedeutung als kaiserliche Residenz. Schade ist natürlich, daß man seinerzeit einen Großteil der Anlage zerstört hat, aber die Prioritäten lagen in den 60er Jahren offenbar noch nicht beim Erhalt des archäologischen Erbes. Umso positiver ist es, daß die Stadt Konz mit der katholischen Kirche einen Nutzungsvertrag schließen konnte, der zumindest die neue Präsentation und Konservierung der Anlage ermöglichte. Wir können einen Besuch beim Kaiserpalast empfehlen, insbesondere in Kombination mit weiteren römischen Zielen in der Region (siehe weiter unten unter Sonstiges).

Öffnungszeiten, Zugänglichkeit, Preise, Führungen:

Die Anlage ist frei und rund um die Uhr zugänglich. Eintritt wird nicht erhoben.

Über öffentliche Führungen ist uns nichts bekannt.

Sonstiges:

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Wer Konz besucht, sollte unbedingt einen Abstecher zum nahen Umgangstempel von Tawern machen!

Wer Konz besucht, sollte unbedingt einen Abstecher zum nahen Umgangstempel von Tawern machen!

Wie bereits erwähnt, kann der Besuch gut mit anderen Sehenswürdigkeiten kombiniert werden. Nur 8 Kilometer entfernt liegt der  gallo-römische Tempelkomplex von Tawern, ein sehr sehenswerter, rekonstruierter Waldtempelbezirk mit einem Umgangstempel für Merkur – einer unserer oft besuchten Favoriten, wenn es um antike Stätten geht! Zudem befindet sich in Tawern auch der zivile vicus der antiken Straßensiedlung Taberna.

Etwa 30 km sind es bis zur Villa Borg in Perl und der Villa Nennig mit ihrem tollen Fußbodenmosaik, sowie in nördlicher Richtung nach Echternach mit einem der größten römischen Landgüter in Gallien.

In 14 km Entfernung, auf der Luxemburger Seite der Mosel, liegt Grevenmacher, wo ein römisches Grabmal besichtigt werden kann. Und: Trier liegt nur 11 Kilometer entfernt, und die alte Kaiserstadt – Roma Secunda, einst zweitgrößte Stadt des Römischen Reichs – ist natürlich Pflichtprogramm für jeden römischen Touristen!

Antike Stätten: Tumulus von Ochtendung

Der rekonstruierte Tumulus von Ochtendung

Der rekonstruierte Tumulus von Ochtendung

Anschrift:

Am Römerhügel, 56299 Ochtendung.

Anfahrt:

Der römische Grabtumulus liegt mitten in einem Wohngebiet des kleinen Ortes Ochtendung in der vulkanischen Osteifel. Das Grabmal ist eine Station des Vulkanparks. Allerdings ist die Anfahrtsbeschreibung auf der Seite des Vulkanparks nicht sonderlich hilfreich, ganz im Gegenteil eher verwirrend.

Zwar ist der Tumulus mit einem braunen Hinweisschild „römisches Grabmal“ an einigen Stellen im Ort ausgeschildert, jedoch sieht man diese Schilder nur aus einer Fahrtrichtung.

Mit dem Auto folgt man entweder der Bahnhofstraße bis zu einer Abzweigung „Auf Münsterhöh“, von dort in den Welschtalweg. Vom Welschtalweg geht eine kleine, unscheinbare Sackgasse ab, die „am Römerhügel“ heißt. Hier liegen auf der einen Seite vier Wohnhäuser und gegenüber auf einer großen Rasenfläche steht in der Nähe eines Spielplatzes der Tumulus. Direkt vor der Wiese besteht Parkmöglichkeit in gekennzeichneten Buchten.

Es gibt auch die Möglichkeit, direkt von der Bahnhofstraße aus über einen kleinen Fußweg über einen Spielplatz zum Tumulus zu laufen. Dieser Fußweg ist ausgeschildert.

Ochtendung hat keinen Bahnhof, der nächste Bahnhof befindet sich im 5 km entfernten Nachbarort Plaidt. Mit dem Bus ist Ochtendung mit der Linie 335 aus Medig, Mayen, Andernach und Neuwied zu erreichen.

Für Wanderer und Radfahrer ist die Region attraktiv, weil hier mehrere Routen des Vulkanparks verlaufen. Es befinden sich zahlreiche weitere Sehenswürdigkeiten in der Umgebung, so daß man den Tumulus von Ochtendung gut in eine Vulkanpark-Tour einbinden kann.

Hintergrundinformationen:

Wie beim Tumulus von Nickenich handelt es sich beim Tumulus von Ochtendung um ein gallo-römisches Grabmal. In der Nähe befand sich eine villa rustica, ein großer Gutshof, dessen wohlhabende Besitzer sich dieses repräsentative Grabmal errichten ließen.

Verbreitungsgebiet der Tumuli (orange Punkte) in der Region (aus der Infotafel des Vulkanparks vor dem Tumulus Ochtendung)

Verbreitungsgebiet der Tumuli (orange Punkte) in der Region (aus der Infotafel des Vulkanparks vor dem Tumulus Ochtendung)

Ochtendung lag zu römischer Zeit in Ostgallien im Stammesgebiet der keltischen Treverer. Grabtumuli, runde, mit Stein ummauerte Erdhügel, sind überall in der Region zu finden und typisch für eine Verschmelzung gallischer und römischer Grabkultur. Die einheimischen Gutshofbesitzer waren romanisierte Gallier, die der keltischen Oberschicht angehörten und durch diese sehr aufwendige und kostspielige Grabgestaltung nach römischem Geschmack zeigten, daß sie Macht, Einfluß und Geld besaßen.

Derartige Tumuli – Erdhügel mit einem gemauerten Sockel – waren in der Region vom Ende des 1. Jahrhunderts, insbesondere entlang der Mosel, bis zum Ende des 3. Jahrhunderts üblich.

Im Gegensatz zum Tumulus von Nickenich, bei dem aus Inschriften eines ebenfalls in der Nähe gefundenen Nischengrabmals die Namen der Errichter überliefert sind, wurden im Tumulus von Ochtendung zwar Tote mit ihren Grabbeigaben gefunden, die Namen der hier Bestatteten sind jedoch unbekannt.

Das Grabmal wurde wahrscheinlich zwischen 100 und 150 n. Chr. errichtet, jedoch wurde die Stelle auch später noch als Grabstätte genutzt, als der Tumulus bereits nicht mehr bestand (um 300 n. Chr.), so daß der Ort seine Bedeutung als Friedhof beibehielt.

Bei dem Tumulus handelte es sich um einen Erdhügel von mit einer kreisrunden Umfassungsmauer aus 13 Tuffsteinsegmenten (wahrscheinlich aus dem nahen römischen Tuffsteinbergwerk Meurin) und mit einem Durchmesser von fast 8 Metern. Die Blöcke waren an den Stoßfugen mit schwalbenschwanzförmigen Klammern verbunden. Der Steinkranz als Fundament mit seinen 2 x 0,8 x 0,5 Meter mächtigen Steinquadern war bei der ersten Befundaufnahme noch vollständig und in originaler Lage erhalten. Die versetzte Bauweise nach oben zeigt deutliche Parallelen zum nahen Tumulus von Nickenich.

Bei Bauarbeiten im Wohngebiet stieß man im Jahr 1978 auf die Überreste dieses Tumulus. Bei den folgenden Ausgrabungen im Jahr 1980-1982 wurden darin mehrere Gräber entdeckt. Bei den ältesten Gräbern aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. handelte es sich um Urnengräber nach römischer Sitte, in denen sich in einer massiven Aschekiste aus Tuffstein der Leichenbrand einer Frau mit ihrem Neugeborenen oder einem Fötus befand, so daß davon ausgegangen wird, daß sie bei der Geburt starb. Daneben lag ein Grab aus Schieferplatte mit den Überresten eines ca. 9 Monate alten Kindes, die sich in einer Urne vom Typ „Honigtopf“ befanden.

Die Urne und die Grabbeigaben sind auf den gut gestalteten Infotafeln vor dem Tumulus beschrieben und abgebildet

Die Urne und die Grabbeigaben sind auf den gut gestalteten Infotafeln vor dem Tumulus beschrieben und abgebildet

Als Grabbeigaben der Mutter fanden sich Öllampen und Teller im römischen Stil, die beweisen, daß die hier Bestatteten den römischen Lebensstil schätzten, sowie ein Nadelkästchen aus Knochen.

Das Kindergrab enthielt Speisegefäße und ein Holzkästchen unbekannten Inhalts, das nur noch durch seine metallenen Beschläge und Nägel nachweisbar ist.

Aus der späteren Zeit stammen fünf Körpergräber, in denen die Toten nach spätrömischem Brauch unverbrannt bestattet wurden. Sie stammen aus der Zeit ab 300 n. Chr., zu der der Tumulus nicht mehr bestand, was daran erkennbar ist, daß die Toten im Bereich der früheren Umfassungsmauer lagen. Der späteste Tuffstein-Sarkophag stammt aus der Zeit um 400-450 n.Chr.

Der jüngste Sarkophag zeichnete sich durch besonders wertvolle Grabbeigaben aus, wie zwei Glasgefäße, eine robuste Schüssel sowie ein Trinkbecher mit der Aufschrift „SITIO“ („Ich habe Durst“). Derartige Spruchbecher waren um 400 n. Chr. nicht mehr in Mode, sondern vor allem in früherer Zeit modern, so daß man davon ausgeht, daß es sich um ein geschätztes Erbstück handelte.

Der Tumulus wurde am Originalstandort im Jahr 2002 im Maßstab 1:1 rekonstruiert und als Station in den Vulkanpark eingebunden. Die Steine stammen, wie schon beim Original, aus dem typischen Tuffstein der Region. Er gilt heute als geschütztes Kulturdenkmal.

Beschreibung:

Die Rekonstruktion ist am Originalstandort im Maßstab 1:1 errichtet

Die Rekonstruktion ist am Originalstandort im Maßstab 1:1 errichtet

Der Tumulus liegt auf einer leicht erhöhten Wiese mitten in einem ruhigen Wohngebiet.

Er ist in gepflegtem Zustand und mit mehreren Infotafeln des Vulkanparks versehen, aus dem gut beschriebene, detaillierte Informationen zu Geschichte und Hintergrund hervorgehen, zusammen mit informativen Illustrationen. Eine vorbildliche Beschilderung!

Zwar ist der Tumulus von Nickenich – aufgrund des in der Nähe stehenden Nischengrabs und der Grabinschriften – spektakulärer, der Vollständigkeit halber ist der Tumulus von Ochtendung jedoch auch einen Besuch wert.

Öffnungszeiten, Zugänglichkeit, Führungen:

Der Tumulus ist jederzeit frei zugänglich, da er mitten in einem Wohngebiet steht. Die Anwohner der gegenüberliegenden Häuser sind herumlaufende Wanderer und Vulkanpark-Touristen gewöhnt und nehmen diese freundlich-gleichgültig zur Kenntnis.

Regelmäßige Führungen sind uns nicht bekannt; wer sich für eine Besichtigung der römischen Stationen des Vulkanparks interessiert (Tumuli Nickenich und Ochtendung, Katzenberg Mayen, Mayener Grubenfeld, Römerbergwerk Meurin) kann sich für weitere Informationen an das Infozentrum des Vulkanparks in Plaidt wenden.

Sonstiges:

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Über die romanisierten Kelten Contuinda, Tochter des Esucco und ihren Sohn Silvanus Ategnissa wissen wir viel dank ihres Grabsteins in Nickenich in der Eifel

Über die romanisierten Kelten Contuinda, Tochter des Esucco und ihren Sohn Silvanus Ategnissa wissen wir viel dank ihres Grabsteins beim Tumulus von Nickenich in der Eifel

Der Besuch des Tumulus sollte auf jeden Fall mit weiteren Sehenswürdigkeiten des Vulkanparks verbunden werden. Hier gibt es neben den zuvor aufgezählten römischen Sehenswürdigkeiten auch spannende geologische Stationen, wie den Laacher See oder das Basaltbergwerk und das Deutsche Vulkanmuseum Lavadome Mendig.

Ebenfalls archäologisch und insbesondere für den keltischen Touristen interessant ist der nahegelegene Goloring, der als eines der bedeutendsten archäologischen Anlagen der Eisenzeit in Rheinland-Pfalz gilt und auch als das „Eifel-Stonehenge“ bezeichnet wird. Da sich diese Anlage jedoch in einem militärischen Sperrgebiet befindet, ist sie nicht frei zugänglich; hier müssen Besuchstermine vereinbart werden, ansonsten ist die 175 Meter lange, kreisrunde Wall-Graben-Anlage vom Henge-Typ, die aufgrund ihrer Lage eher als Heiligtum oder Kultplatz als als Schutz- oder Befestigungsanlage gedeutet wird, am Tag des Offenen Denkmals zu besichtigen.

Nachrichten aus dem Imperium: Restaurierung der Igeler Säule abgeschlossen!

Die Igeler Säule bis September 2015

Die Igeler Säule bis September 2015

Wie versprochen, halten wir Euch in Sachen „Igeler Säule“ auf dem Laufenden.

Nachdem das größte Pfeilergrabmal nördlich der Alpen in Igel an der Mosel seit 2013 wegen akutem Renovierungsbedarf verhüllt und seitdem aufwendig restauriert wurde, fand am 27. September 2015 nun die feierliche „Wiedereröffnung“ des UNESCO-Weltkulturerbes statt.

Nicht nur das 23 Meter hohe Grabmonument im kleinen Moselort Igel bei Trier ist nun wieder für die Öffentlichkeit zugänglich – gleichzeitig wurde auch das Umfeld durch terrassierte Gärten attraktiver gestaltet, in denen jeder Obst, Gemüse und Kräuter für den eigenen Bedarf ernten kann.

Damit ist diese Moselregion, in der es ohnehin zahlreiche römische antike Stätten zu besichtigen gibt, wieder um eine bedeutende Attraktion reicher!

Antike Stätten: Tempel „Varnenum“ für Sunuxal und Varneno bei Kornelimünster

Tempelanlage Varnenum bei Kornelimünster

Tempelanlage Varnenum bei Kornelimünster

Anschrift:

Der Tempel liegt auf einem Acker in der Nähe der Breiniger Straße, 52076 Kornelimünster. GPS-Koordinaten: 50°43’47.0″N 6°11’37.0″E

Anfahrt:

Kornelimünster ist ein kleiner Ort an der Inde, einem Nebenfluß der Rur. Es liegt bei Aachen und schließt sich an den Stadtteil Aachen-Brand an.

Die Tempelanlage befindet sich etwas außerhalb von Kornelimünster an der Landstraße zwischen Kornelimünster und Breinig. Für das Navi am besten „Breiniger Straße“ eingeben.

Zwar befinden sich sowohl in Kornelimünster als auch in Breinig braune Hinweisschilder „römische Tempelanlage Varnenum“, die beide auf diese Landstraße verweisen, aber die eigentliche Einfahrt zum Tempel ist nicht ausgeschildert.

Deshalb kurz hinter der Ortsausfahrt Kornelimünster in Fahrtrichtung Breinig auf einen landwirtschaftlichen Nutzweg achten, der auf der linken Seite in die Felder abzweigt. Hier steht ein „Durchfahrt verboten in 100 Metern“-Schild. Diesem unbefestigten Weg etwa 100 Meter folgen, dann erreicht man den auf einer kleinen Anhöhe inmitten von Kuhweiden gelegenen Tempel. Vor dem Gelände ist Platz für 2 parkende Autos.

Kornelimünster war früher an die Vennbahn angeschlossen, hat heute jedoch keinen eigenen Bahnhof mehr. Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln muß deshalb per Bus aus Aachen oder Monschau erfolgen.

Für Wanderfreunde interessant: Der Eifelsteig beginnt in Kornelimünster, von wo aus er in der ersten Etappe durch die Moore des Hohen Venns führt. Der Besuch des Tempels, der nahe am Ortsausgang liegt, läßt sich also auch gut mit einer Wanderung auf dem Eifelsteig verbinden.

Eine Warnung vorab:

Wer sich überlegt, sich auf eine weite Reise zu begeben, nur um diesen Tempel zu besichtigen, sollte eines wissen: Der Tempelkomplex Varnenum ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie man mit dem antiken römischen Erbe in unserem Land nicht umgehen sollte. Erwartet deswegen auch keinen religiös inspirierenden Ort, der zu kultischen Handlungen einlädt, oder setzt zu hohe Erwartungen in dieses seltene Heiligtum der Göttin Sunuxal. Sondern macht Euch für eine etwas schockierende und ernüchternde Erfahrung bereit und die Erkenntnis, daß in unserer ehemaligen römischen, kulturell hochstehenden Provinz heute wieder die Barbaren hausen.

Aus wissenschaftlichem  Interesse oder in Verbindung mit weiteren Sehenswürdigkeiten der Region (zum Beispiel die sehr schöne Stadt Monschau oder Aachen mit seinem beeindruckenden Kaiserdom und den Schätzen Karls des Großen) kann man diesen Abstecher natürlich durchaus machen.

Hintergrundinformationen:

Der Tempel, der heute „Varnenum“ genannt wird, war eine große gallo-römische Tempelanlage von einst überregionaler Bedeutung. Magnetometrische Untersuchungen deuten auf eine Größe des Geländes von mindestens 150.000 Quadratmetern hin.

Rekonstruktionsmodell eines der beiden Haupt-Umgangstempel aus Varnenum (Museum Frankenberg, Aalen)

Rekonstruktionsmodell eines der beiden Haupt-Umgangstempel aus Varnenum (Museum Frankenberg, Aalen)

Errichtet wurde der Tempel um die Zeit von Christi Geburt auf einer leichten Anhöhe, die in römischer Zeit wahrscheinlich terrassenartig angelegt war. In unmittelbarer Nähe verlief eine wichtige römische Heerstraße, die Aachen mit der Eifel und der dort verlaufenden Via Agrippa verband, so daß der Tempel an einer befestigten Überlandstraße lag und gut erreichbar war.

Es schlossen sich mehrere Bauphasen an, in denen die Anlage systematisch erweitert wurde. Er bestand in seiner Blütezeit aus mehreren Umgangstempeln mit weitstehenden Säulen, Priestergebäuden, Schatzhäusern zur Aufbewahrung von Opfergaben und Kultgegenständen und einer 20 Meter langen Wandelhalle, sowie einem zentralen, gepflasterten Platz für Prozessionen und Kulthandlungen. Im Jahre 70 n. Chr. wurden große Teile der Anlage durch einen Brand zerstört, er wurde jedoch in größerer und erweiterter Form wieder aufgebaut.

Zum Tempel gehörte auch eine zivile Siedlung, die alles bot, was man als Pilger, Reisender und Tempelbesucher benötigte: Herbergen, Schänken, Verwaltungsgebäude, Geschäfte, Handwerksbetriebe, Wohngebäude, Versammlungsräume und Lagerhäuser. Die Größe der Anlage und die Vielzahl der Gebäude deuten auf einen stark frequentierten Tempelkomplex hin.

Zudem wurde im Umland im Bereich des heutigen Dorfes Breinig auch Galmei abgebaut, eine seltene Form des Zinks, der in der Antike ein wertvoller Rohstoff zur Herstellung von Messing war, so daß die gesamte Region zu römischer Zeit sehr belebt war.

Phosphat-Bodenanalysen zeigen, wie groß das Tempelgelände war („VarnenumVicus“ von Tympanus, lizenziert unter Copyrighted free use über Wikimedia Commons)

Phosphat-Bodenanalysen zeigen, wie groß das Tempelgelände war („VarnenumVicus“ von Tympanus, lizenziert unter Copyrighted free use über Wikimedia Commons)

Der Tempelkomplex war durch eine Temenosmauer eingefriedet. Der Zugang erfolgte durch ein Tor, das im Süden der Anlage lag. Auch die Eingänge der Umgangstempel zeigten nach Süden.

Es kann nicht genau datiert werden, bis wann der Tempel genutzt wurde. Schätzungen anhand der Fundlage gehen davon aus, daß er bis ca. 260 n. Chr. in Gebrauch war und danach aufgegeben wurde. Auch die Gründe hierfür sind nicht bekannt.

Es wird davon ausgegangen, daß diese Region schon in vorrömischer Zeit von der lokalen Bevölkerung sowohl zum Metallabbau und auch als Kultzentrum genutzt wurde, da hier vor allem lokale Götter nicht-römischen Ursprungs verehrt wurden. Aus den hier gemachten Funden, vor allem Weiheinschriften, geht hervor, daß hier vor allem zwei Gottheiten verehrt wurden: die Göttin Sunuxal, die auch aus Nettersheim, Euskirchen, Eschweiler, Zülpich, Nideggen, Köln, Bonn und Remagen bekannt ist, sowie der Gott Varneno. Über letzteren ist nichts bekannt; Inschriften, die seinen Namen nennen, kennt man ausschließlich von diesem Ort. Auch ist die etymologische Herkunft seines Namens nicht eindeutig, so daß nicht geklärt werden kann, ob er keltischen oder germanischen Ursprungs ist.

Sunuxal ist hingegen aus dem Gebiet des heutigen rheinischen Braunkohlereviers bis in die Eifel gut belegt, insbesondere aus der Zeit zwischen dem 1. und 2. Jahrhundert n. Chr.. Sie gilt als Stammesgöttin der Sunuci, ein Stamm germanischer Herkunft, dessen Führungsschicht jedoch stark keltisiert war. Da sich das Siedlungsgebiet der Sunuci auf dem Stammesgebiet der Ubier befand, wird vermutet, daß sie entweder bei diesen in der Pflicht standen oder sich von diesen als eigene Gruppe abgespaltet haben.

Der Tempelkomplex bei Kornelimünster gilt als ein zentrales Heiligtum der Sunuci für ihre Stammesgöttin Sunuxal. Diese wird als sitzende Frau in Begleitung eines Tieres dargestellt, jedoch sind die wenigen figürlichen Darstellung so beschädigt, daß weder ihr Kopf noch ihr Oberkörper erhalten geblieben ist; von ihrem tierischen Begleiter kennt man nur die Vorderbeine. Interessant jedoch ist in diesem Zusammenhang, daß aufgrund der stets fehlenden Köpfe, die möglicherweise mutwillig im Rahmen der Christianisierung abgeschlagen wurden, in der gesamten Region des westlichen Rheinlands bis heute die sogenannten „Juffernsagen“ über kopflose Frauen verbreitet sind.

Die

Die „Fossa Sanguinis“ in Neuss war wahrscheinlich eine Kultstätte der Sunuxal

Man geht heute auch davon aus, daß die sogenannte „Blutgrube der Kybele“ in Neuss eigentlich eine Kultstätte der Sunuxal war.

Mehrere Jahrhunderte lang, bis in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg, diente der Tempelkomplex als Steinbruch für die Gebäude der Umgebung, insbesondere für den Bau der nahegelegenen St. Stephanuskirche. In dieser Kirche fand man 1972 bei Ausgrabungen einen Stein, dessen Inschrift belegt, daß es sich um eine römische Weihegabe eines Mannes handelte, der Stifter eines der Gebäude des Tempelkomplexes war: „Perpetuus hat dieses Gebäude aus eigenem Vermögen gestiftet„.

Die ersten dokumentierten Ausgrabungen wurden im Jahr 1907 durchgeführt und in den Jahren 1911 bis 1924 fortgeführt.

Zu den wichtigsten damaligen Funden gehörten Fibeln, Münzen (die eine genaue Datierung des Ortes erlaubten), Nadeln, Nägel und Keramik. Die meisten dieser Funde wurden zwar schriftlich dokumentiert, gingen jedoch im 2. Weltkrieg oder aufgrund unsachgemäßer Lagerung verloren. Einige Funde befinden sich heute in einem Depot in Meckenheim, wo sie auf ihre weitere Untersuchung warten – oder darauf, in einem eigenen Museum, zum Beispiel in Kornelimünster, ausgestellt zu werden (was im Moment aber nicht wahrscheinlich zu sein scheint).

Zu den wichtigsten Funden gehören drei Votivtafeln aus Bronze, deren Inschriften die in Varnenum verehrten Gottheiten nennen:

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Antike Stätten: Römische Kalkbrennerei Iversheim

Der Schutzbau der Kalkbrennerei Iversheim

Der Schutzbau der Kalkbrennerei Iversheim

Anschrift:

An der B51 (für das Navi: Kalkarer Straße), 53902 Bad Münstereifel-Iversheim

Anfahrt:

Die römische Kalkbrennerei liegt beim Dorf Iversheim und ist etwa 3 km von Bad Münstereifel entfernt.

Von der Bundesstraße B51 aus ist die Anlage leicht zu finden, denn sie ist bereits an der Bundesstraße gut ausgeschildert. Wenn man in die Kalkarer Straße einbiegt, folgt nach einigen Metern ein Parkplatz mit einer Informationstafel der VIA – Erlebnisraum Römerstraße, zu der auch diese römische Sehenswürdigkeit gehört. Ein kurzer Fußweg führt hinab zum Schutzbau, der sich direkt an der Bahntrasse der Regionalbahn nach Bad Münstereifel befindet.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Kalkbrennerei ebenfalls gut erreichbar; der Bahnhof Iversheim liegt nur wenige Gehminuten entfernt und wird regelmäßig von der Regionalbahn aus Euskirchen, Köln und Bonn angefahren.

Die römische Kalkbrennerei liegt auch an den zahlreichen Rad- und Wanderrouten, die die Eifel in dieser Region erschließen. Unmittelbar in der Nähe liegt auch die Quelle der römischen Eifelwasserleitung, sowie drei Matronentempel und der vicus Marcomagus, der in einen archäologischen Park eingebettet ist, so daß man hier viele römische Sehenswürdigkeiten miteinander verbinden kann.

Hintergrundinformationen:

Blick in einen der Brennöfen

Blick in einen der Brennöfen

Bei der römischen Kalkbrennerei handelt es sich um einen seltenes römisches Industrie-Bodendenkmal von überregionaler Bedeutung, denn hier ist es erstmalig in Europa gelungen, eine komplette Industrieanlage aus römischer Zeit freizulegen, ihre Funktion zu untersuchen und ihre praktische Funktionsweise im Experiment zu beweisen. Damit gehört diese in ihrer Art und Größe außergewöhnliche antike Stätte zu einer der bedeutendsten archäologischen Fundstätten für die Wirtschaftsgeschichte der Römerzeit nördlich der Alpen.

Zwischen 150 n. Chr. und 300 n. Chr. wurde hier im großen Stil Dolomit zu Branntkalk verarbeitet. Die Arbeiten wurden jedoch nicht von Sklaven oder Arbeitern durchgeführt, sondern die Fabrik stand unter der Kontrolle von etwa 60 Legionären der Legio XXX Ulpia Victrix aus Xanten und Legio I Minervia, die für die Kalkgewinnung zuständig waren. Daß diese Anlage von militärischen Arbeitskommandos betrieben wurde, ist durch zahlreiche Weiheinschriften belegt.

Kommandeur der Anlage war ein Offizier, der laut einer Weiheinschrift als „Magister calcarium“ bezeichnet wurde.

Der Bedarf an gebranntem, ungelöschtem Kalk war in den römischen Nordwestprovinzen, wie überall im Römischen Reich, gewaltig, denn das weiße Pulver diente nicht nur als Baustoff, als Grundlage für Mörtel und Beton, sondern war auch zum Kalken der römischen Gebäude erforderlich, die nach römischem Geschmack auch in unseren Breiten oft nicht in ihrer natürlichen Fachwerk-, Naturstein- oder Ziegelbauweise belassen wurden, sondern weiß gekalkt und bisweilen bunt bemalt waren.

Die geologische Situation wird auf einer Tafel erläutert

Die geologische Situation wird auf einer Tafel erläutert

Die Region liegt geologisch betrachtet in der Sötenicher Kalkmulde, eine von acht Kalkmulden aus dem Mitteldevon, die sich quer durch die Eifel ziehen. Die Gegend ist deshalb reich an anstehendem Kalk- und Dolomitgestein. In unmittelbarer Nähe zur Kalkfabrik wurde der Dolomit in Steinbrüchen gewonnen und in einer der umliegenden Fabriken verarbeitet.

Vier Kalkfabriken sind archäologisch nachgewiesen, jedoch werden bis zu zwölf in der unmittelbaren Gegend vermutet. Damit war der Raum um Iversheim zu römischer Zeit ein Schwerpunkt der römischen Kalkindustrie von nahezu großindustriellen Ausmaßen.

Die Kalkbrennerei von Iversheim liegt an einem Hang im Erfttal unterhalb der römischen Steinbrüche. Der in der Nähe verlaufende Fluß Erft, ein Nebenfluß des Rheins, bot hier einen Standortvorteil, weil er zu römischer Zeit schiffbar war und zum schnellen Abtransport des gewonnenen Kalks diente. Die Produkte aus Iversheim wurden überall in den Nordwestprovinzen verbaut, bis hoch nach Xanten (Colonia Ulpia Traiana) am Niederrhein, wo Iversheimer Kalk an vielen Stellen nachgewiesen werden konnte.

Zur Kalkfabrik gehörte eine Batterie aus mindestens sechs Brennöfen mit birnenförmigem Grundriss. Jeder hatte einen Durchmesser von 3 Metern und ein Fassungsvermögen von 15 Kubikmetern Kalk. Die Öfen waren nebeneinander in einer 30 Meter langen Werkshalle untergebracht. Außerhalb dieser Werkshalle lagen die Wohn- und Aufenthaltsgebäude der Belegschaft, sowie ein Backraum, in dem Brot gebacken wurde. Daß man, trotz (oder gerade wegen) der schweren körperlichen Arbeit, auch Wert auf Luxus und Annehmlichkeiten der römischen Zivilisation legte, beweisen die Wohnräume, die mit Wandmalereien aus Pflanzenmustern aufwendig dekoriert waren.

Von oben hat man einen guten Blick!

Von oben hat man einen guten Blick!

In unmittelbarer Nähe verlief eine Hauptstraße, über die die Kalkbrennerei an das gut ausgebaute römische Fernstraßennetz angeschlossen war.

Die rötlichen Dolomitgesteine wurden von Legionären oberhalb der Fabrik gebrochen, den Hang hinab zur Werkshalle gebracht und dort weiterverarbeitet.

Für die Anlage wurde eine monatliche Produktionskapazität von 200 Tonnen Dolomitkalk berechnet.

Exkurs: Wie funktionierte Kalkgewinnung im Brennofen?

Die Kalköfen bestanden aus feuerfester unterdevonischer Grauwacke mit tertiärem Ton.

Um Branntkalk aus den Dolomitgesteinen zu gewinnen, mußten diese zuerst zerkleinert werden. Das Innere des Ofens war durch eine Befeuerungs- und Belüftungsöffnung, die sogenannte Schnauze, begehbar, so daß zu Beginn des Prozesses auf dem Grund des vier Meter hohen Brennofens ein nach oben gewölbtes hölzernes Gerüst errichtet wurde, das sich nach oben hin verjüngte – das sogenannte Lehrgerüst. Ob dieses Gerüst zusätzlich mit Baumstämmen gestützt wurde, ist nicht bekannt.

Eine Tafel erläutert die Funktionsweise eines Brennofens; besser noch ist der Film, der auf Wunsch gezeigt wird

Eine Tafel erläutert die Funktionsweise eines Brennofens; besser noch ist der Film, der auf Wunsch gezeigt wird

Auf dieses Gerüst wurden Dolomitsteine als „Himmel“ paßgenau und rutschfest geschichtet. Die Steine waren so ineinander verkeilt und stützten sich gegenseitig, daß die Konstruktion freitragend war. Darauf stapelte man weitere Dolomitsteine, bis die Oberseite des Ofens erreicht war. Um ein vorzeitiges Einbrechen der 25 Tonnen wiegenden Beschickung zu vermeiden, waren Erfahrung und Technik grundlegende Voraussetzungen, so daß die hier tätigen Legionäre durchaus als Spezialisten bezeichnet werden können.

War der Ofen befüllt, wurde er über die Schnauze befeuert. Wenn die Stapelung des Himmels sachkundig durchgeführt war, konnte man das Lehrgerüst entfernen, ohne daß die darüberliegenden Steine einbrachen.

Nun füllte man die Brennkammer unter den Dolomitgesteinen mit Holz, hier ausschließlich Pappel- und Weidenholz, das direkt unterhalb der Anlage in den Erftauen wuchs. Der Ofen mußte eine Woche lang rund um die Uhr befeuert werden, wobei pro Brennvorgang 60 Raummeter Holz verbraucht wurden. In Anbetracht der Tatsache, daß neben dieser Großfabrik mit ihren sechs Öfen bis zu zwölf weitere Fabriken in der Umgebung lagen, mußte deshalb ein enormer Holzverbrauch zur Reduzierung der umliegenden Eifelwälder geführt haben.

Modell der römischen Kalkfabrik

Modell der römischen Kalkfabrik

Die Schnauze hatte durch ihre Form und Lage einen Kamineffekt mit einer Windgeschwindigkeit von 3m/sec, durch den im Inneren der Brennkammer bis zu 1000 Grad erreicht wurden, während Dampf und das Abfallprodukt Kohlendioxid durch die Oberfläche des Ofens entweichen konnten. Da in der Eifel das magnesiumhaltige Dolomitgestein verbrannt wurde, waren geringere Temperaturen zur Erzeugung des Branntkalks notwendig als bei reinem Kalkstein, der höhere Brenntemperaturen erfordert.

War der neu gewonnene Branntkalk abgekühlt, wurde der Ofen entleert und der Kalk zur weiteren Verwendung abtransportiert. Der Ofen konnte im Anschluß sofort wieder befüllt werden. Es wird davon ausgegangen, daß jeweils ein Ofen mit Gestein befüllt wurde, einer entleert wurde und sich die übrigen Öfen im Brenn- und Abkühlungsvorgang befanden.

Durch die Tatsache, daß einer der Öfen gefüllt war und im Querschnitt gute Informationen über die Schichtung und Beschaffenheit des Materials bot, war es möglich, im Experiment die Theorien über die Funktionsweise und Technik der Öfen zu überprüfen. Deswegen wurde einer der Öfen restauriert und für ein großes Brennexperiment verwendet, das erfolgreich war. Durch dieses Experiment konnten zweifelsfrei die Theorien über die verwendete Brenntechnik belegt werden.

Die Ausgrabungen in Iversheim

Der rekonstruierte Brennofen wurde für Experimente verwendet

Der rekonstruierte Brennofen wurde für Experimente verwendet

Die Anlage wurde ca. 150 n. Chr. errichtet. Im Jahr 270 n. Chr. wurde sie durch Frankeneinfälle stark beschädigt, aber sofort wieder aufgebaut und weiterbetrieben – zu wertvoll war der hier gewonnene Rohstoff für die Baustellen der in weiten Teilen kalkfreien Nordwestprovinzen und auch zum unmittelbaren Bau von Verteidigungsanlagen. Unterstützung erhielten die hier stationierten Soldaten nach diesem Einbruch durch eine orientalische Einheit aus der Provinz Arabia, die Legio III Cyrenaica, so daß die Produktivität durch die neuen Arbeiter noch einmal deutlich gesteigert werden konnte.

Die Tatsache, daß einer der Öfen noch eine komplette Kalkfüllung enthielt (die sich durch Wassereinfluss im Laufe der Jahrhunderte verfestigte), weist darauf hin, daß die Anlage – möglicherweise in Kriegswirren – fluchtartig verlassen und nicht planmäßig aufgegeben wurde.

1966 stieß man beim Bau einer Wasserleitung auf die Anlage, die daraufhin unter der Leitung des Rheinischen Amts für Bodendenkmalpflege von 1966-1968 ausgegraben und dokumentiert wurde. Im Anschluß wurden drei Öfen mit einem Schutzbau überdacht, um sie zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ein vierter Ofen, der für Brennexperimente verwendet wurde, befindet sich außerhalb des Schutzbaus unter einem eigenen Vordach. Zwei weitere Öfen wurden nach der Aufnahme der Befunde wieder zugeschüttet.

Blick vom Balkon

Blick vom Balkon

Die Öfen innerhalb des Schutzbaus befinden sich noch im originalen Grabungsbefund und wurden nicht rekonstruiert oder aufgemauert.

Der Schutzbau wird heute vom Dorfverschönerungsverein Iversheim betreut. Ein wichtiger Sponsor, um die Anlage für die Öffentlichkeit zu erhalten, sind regionale Kalksteinwerke, die Mitglieder des Bundesverbands der Deutschen Kalkindustrie sind. Die Stadt Bad Münstereifel selbst sieht sich finanziell nicht in der Lage, sich um die Betreuung, Präsentation und Erhaltung der Anlage zu kümmern, so daß die Arbeit von Ehrenamtlichen aus Iversheim und engagierten Römerfreunden getragen wird.

Beschreibung:

Die Kalkbrennerei liegt in einem hölzernen Schutzbau, der nur zu den Wochenenden geöffnet ist, da Ehrenamtliche sich um die Besucher kümmern.

Eine Infotafel am Parkplatz bietet eine Übersicht

Eine Infotafel am Parkplatz bietet eine Übersicht

Lediglich der rekonstruierte Ofen, der für Experimente verwendet wurde, ist jederzeit frei zugänglich, da er außerhalb des Baus liegt.

Vom Parkplatz zum Schutzbau führt ein kurzer Fußweg bergab. Auf dem Parkplatz steht eine moderne Informationstafel des VIA-Projekts, die farbig illustrierte Hintergrundinformationen über die Anlage bietet. Am Schutzbau gibt es eine zweite, etwas ältere Tafel, die ebenfalls auf die Bedeutung der Anlage hinweist und zudem einige weitere Sehenswürdigkeiten in der Region vorstellt, wie die Matronenheiligtümer, das historische Radioteleskop Stockert, die Altstadt von Bad Münstereifel oder die Quelle der Eifelwasserleitung.

Das Innere des Schutzbaus ist geräumig; über eine Treppe gelangt man auf eine balkonartige zweite Etage, von der aus man einen guten Blick in die Öfen hat. Karten an den Wänden bieten Hintergrundinformationen über die geologische Lage der Anlage in der Sötenicher Kalkmulde, Schemazeichnungen zeigen, wie man sich einen Ofen im Querschnitt vorzustellen hat.

Im Erdgeschoss befinden sich einige liebevoll gestaltete Modelle, die von den Betreuern der Anlage selbst gebaut wurden. Eines zeigt anschaulich den Steinbruchbetrieb in Miniaturform, mit Gebäuden, Personen, Werkzeug und Kränen. Ein Modell eines Brennofens erlaubt es, die Steinschicht an einem Griff herauszuheben und einen Blick in das Innere eines befüllten Ofens zu werfen.

Replik des hier gefundenen Weihesteins für Minerva

Replik des hier gefundenen Weihesteins für Minerva

An einer Art schwarzem Brett hängen weitere Informationen, zum Beispiel Zeitungsartikel aus der Zeit der Entdeckung der Anlage oder eine Übersichtskarte über das römische Straßennetz in der Region. Ebenfalls hier zu finden sind Repliken von Weihesteinen aus den nahegelegenen Matronentempeln von Pesch und Nettersheim.

Auch der Sponsor der Anlage – die Kalkindustrie – bekommt ihren Platz eingeräumt, was sich inhaltlich aber gut mit dem Thema verträgt. So gibt es großformatige Farbtafeln zum Thema „Kalkstein und Kalkgewinnung“, die auch die heutige großindustrielle Kalkgewinnung erläutern. Außerdem gibt es Kalk- und Dolomitsteine zum Anfassen, damit der Besucher sich selbst ein Bild vom Rohmaterial machen kann.

Auf dem Balkon steht die Replik eines Weihesteins an Minerva durch den Magister calcarium mit der Inschrift:

„Der Minerva geweiht. Titus Aurelius Exoratus, Soldat der 30. Legion, der siegreichen ulpia, erfüllt als Meister der Kalkbrennerei gern sein Gelübde, weil die Göttin es verdient hat.“

Diese Replik wurde von einer Studentin für das kleine Museum gefertigt.

Daneben befinden sich mehrere Vitrinen mit typischen Fossilien aus dem Kalkstein des mittleren Eifeldevons, in dem sich diese Stätte befindet, unter anderem diverse Korallen und Brachiopoden aus dem tropischen Eifelkalkriff. Diese Sammlung wurde von einem einheimischen Sammler als Leihgabe zur Verfügung gestellt und rundet ebenfalls das Bild ab, das der Besucher über antike und moderne Kalkgewinnung und Kalk als Rohstoff gewinnt.

Ein Modell zum Auseinandernehmen erlaubt einen Blick in den Ofen

Ein Modell zum Auseinandernehmen erlaubt einen Blick in den Ofen

Am Ende des Schutzbaus im Erdgeschoß befindet sich ein kleiner Fernseher samt DVD-Spieler und ein paar Stuhlreihen. Hier zeigt der Betreuer des Baus gerne auf Anfrage ein Video über die Kalkgewinnung im Brennofen. Zwar geht es hier nicht um die Kalkgewinnung in römischer Zeit, aber dennoch um das traditionelle Handwerk des Kalkbrennens am Beispiel einer bayerischen Kalkbrennerfamilie, die dieses aussterbende alte Handwerk seit Generationen nach überlieferten Methoden betreibt. Das Video ist sehr anschaulich und lehrreich, da die Methoden der Kalkgewinnung in Handarbeit sich seit römischer Zeit kaum verändert haben.

Interessant ist auch die Tatsache, daß heute noch immer ein Markt für den handgebrannten Kalk besteht. Denn im Gegensatz zu dem mit Koks oder Kohle gebrannten Industriekalk, der einen hohen Schwefelanteil hat, ist der in Handarbeit über Holz gebrannte Kalk fast schwefelfrei und wird deswegen besonders von Kirchenrestauratoren geschätzt. Der industrielle Kalk neigt dazu, sich schon nach wenigen Jahren gelb zu verfärben, während der handgebrannte Kalk farbstabil weiß bleibt.

Die Atmosphäre in der Kalkbrennerei ist sehr entspannt und persönlich. Am Eingang wird man von dem Ehrenamtlichen begrüßt, der an diesem Wochenende Dienst hat. Man berichtete uns, daß sich 20 Ehrenamtliche die Aufgabe teilen, von denen jeder jeweils ein bis zwei Tage im Jahr die Betreuung übernimmt. Hier bezahlt man auch ein geringes Entgelt, das ausschließlich dem Erhalt und dem Unterhalt der Anlage zugute kommt, bei der selbst eine durchgebrannte Birne eines der Deckenscheinwerfer durch den damit verbundenen Aufwand beim Austausch große Summen verschlingt. Also eine Spende für eine gute und sinnvolle Sache.

Fossilien aus der Eifelkalkmulde ergänzen das lehrreiche Programm rund um das Thema Kalk

Fossilien aus der Eifelkalkmulde ergänzen das lehrreiche Programm rund um das Thema Kalk

Der Besucher erhält auf Wunsch eine persönliche Führung durch die Anlage, wobei die Ehrenamtlichen des Bürgervereins mit viel Hintergrundwissen über die Kalkgewinnung und die Geschichte der Anlage zu berichten wissen. Gerne stellen diese auch die einzelnen Fundstücke vor, die im Gebäude stehen, erklären die Öfen, zeigen die Gesteine und erzählen von den Schwierigkeiten, mit denen die Anlage heute – in Zeiten knapper kultureller Mittel – zu kämpfen hat.

Man kann so lange im Schutzbau herumwandern, wie man möchte, auch auf dem Balkon verharren und hinunter schauen oder sich den Film zeigen lassen.

An diesem Ort merkt man, daß es sich nicht um ein professionelles Museum handelt, sondern um ein Projekt, das von Laien mit Liebe zur Sache und großem persönlichen Engagement betrieben wird.

Abgesehen davon, daß es sich ohnehin um einen absolut sehenswerten und lehrreichen Ort handelt und die großen Brennöfen beeindruckend sind, finden wir dieses Projekt sehr unterstützenswert und möchten unsere ausdrückliche Empfehlung aussprechen, es zu besuchen, wenn man sich in der Gegend befindet und die „größeren“ touristischen römischen Attraktionen besichtigt.

Selbst wenn der eigene Interessenschwerpunkt nicht unbedingt in römischer Militär- und Industriegeschichte liegt – nach einem Besuch dieser Anlage sieht man das Thema mit ganz neuen Augen und wird zu einem wahren Fan der Kalkgewinnung! 😉

Öffnungszeiten, Preise, Führungen:

Die Lage der Öfen und des Schutzbaus

Die Lage der Öfen und des Schutzbaus

Die Kalkbrennerei ist vom 1. Mai bis 31. Oktober geöffnet.

Öffnungszeiten sind Samstags von 13-16 Uhr und Sonn- und Feiertags von 11-16 Uhr.

Der Eintritt für Erwachsene beträgt 2€, für Kinder 1€.

Gesonderte Führungen gibt es nicht; der jeweilige Betreuer des Tages führt den interessierten Besucher gerne individuell herum, steht für Fragen zur Verfügung und erklärt die Anlage und Hintergründe.

Öffnungen und Gruppenführungen (z.B. für Schulklassen) außerhalb dieser Zeiten sind nach telefonischer Absprache mit Dieter Ruß vom Dorfverschönerungsverein Iversheim unter der Telefonnummer 02253-3385 möglich. Anfragen beantwortet auch die Kurverwaltung von Bad Münstereifel unter touristinfo@bad-muenstereifel.de

Sonstiges:

Fotografieren ist in der Kalkbrennerei erlaubt.

Achtung: Es gibt keine sanitären Anlagen.

Eine Tafel vor dem Bau informiert auch über weitere Sehenswürdigkeiten in der Gegend

Eine Tafel vor dem Bau informiert auch über weitere Sehenswürdigkeiten in der Gegend

Ein Besuch der Kalkbrennerei läßt sich sehr gut mit weiteren römischen Ausflugszielen in der unmittelbaren Region kombinieren, wie den drei Matronentempeln von Zingsheim, Nöthen-Pesch und Nettersheim. Außerdem ist der Archäologische Landschaftspark Marcomagus, in dem aktuell eine wichtige Straßensiedlung an der römischen Fernstraße Via Agrippa ausgegraben wird, sehr sehenswert!

Außerdem befindet sich in der Nähe der Beginn der über 100 km langen Eifelwasserleitung, die das römische Köln mit 25.000 Kubimetern Wasser täglich versorgte und eines der längsten Bauwerke des Römischen Imperiums lag. Hier beginnt auch der Römerkanal-Wanderweg, der die Quelle „Grüner Pütz“ sowie zahlreiche Leitungsreste, Wasserverteilstationen, Aquädukte miteinander verbindet.

Weiterführende Informationen: