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Antike Stätten: Römisches Matronenheiligtum Zingsheim

 

Der Matronentempel "Vor Hirschberg" in Zingsheim

Der Matronentempel „Vor Hirschberg“ in Zingsheim

Anschrift:

Der Tempel liegt etwas abseits der K59 im Gewerbegebiet von Zingsheim / Eifel. Keine postalische Anschrift.

Anfahrt:

Der K59 von Nettersheim nach Zingsheim folgen. Der Tempel ist am Straßenrand der K59 mit „Römischer Tempel“ ausgeschildert. Er liegt im Gewerbegebiet Zingsheim, in der Nähe eines Sägewerks und eines Holzturms, man kann auch den Schildern zum Gewerbe „Auf der Heide“ folgen. Parkmöglichkeit in unmittelbarer Nähe ist vorhanden. Um ihn zu finden, muß man die Augen offenhalten, da es keine Anschrift für das Navi gibt.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Matronentempel, wie die beiden anderen Tempel in unmittelbarer Nähe, nicht direkt zu erreichen. In die nächstgrößeren Ortschaften – Bad Münstereifel und Nettersheim – gelangt man mit der Deutschen Bahn. Busse nach Zingsheim verkehren aus Nettersheim, Kall und Bad Münstereifel, allerdings fahren sie sehr unregelmäßig, so daß man sich hier vorher kurzfristig informieren sollte, wenn man nicht in der Eifel stranden möchte (was allerdings auch lohnenswert sein kann, denn hier ist eine beliebte Urlaubs- und Wandergegend 😉 ).

Wanderfreudige können den Tempel gemeinsam mit dem großen Matronenheiligtum bei Nettersheim auf der Görresburg erwandern; die Entfernung zwischen beiden Tempeln beträgt etwa 5 Kilometer. Von Bad Münstereifel bis Zingsheim sind es etwa 12 Kilometer. Der Tempel liegt am „Kräuterpfad„, der Nettersheim und Bad Münstereifel miteinander verbindet.

Hintergrund:

In der Umgebung von Nettersheim sind drei römische Matronenheiligtümer zu finden: bei Zingsheim, Nettersheim („Görresburg“) und Nöthen-Pesch. Da alle drei in unmittelbarer Umgebung voneinander liegen, wird angenommen, daß sie miteinander im Zusammenhang stehen. Zingsheim liegt genau auf halbem Weg zwischen den Tempelbezirken von Nettersheim und Pesch.

Der Celeris-Weihestein. Auch heute findet man dort Gaben, wie diese Blumen

Der Celeris-Weihestein. Auch heute findet man dort Gaben, wie diese Blumen

Bei dem Tempel in Zingsheim handelt es sich um Teile einer gallo-römischen Tempelanlage, die 1960 entdeckt wurde. Freigelegt wurde die 2,60 x 3,40m große  Cella des Umgangstempels, die von einem säulengestützten Umgang umgeben war (wie man es z.B. beim rekonstruierten Tempel auf dem Martberg an der Mosel gut sehen kann). Die Fundamente wurden bei Bauarbeiten im Gewerbegebiet im Flurabschnitt „Vor Hirschberg“ entdeckt, weswegen der Tempel heute auch diesen Beinamen trägt.

Verehrt wurden, wie man aus Weiheinschriften auf Bruchstücken von Kalk- und Sandsteinen weiß, die Matronendreiheit der Matronae Fachinehae („Fachinehische Matronen“), deren Kult nur in Zingsheim und Euskirchen nachgewiesen wurde, von dem man hier aber schon seit Ende des 19. Jahrhunderts Kenntnis hatte. Es handelte sich bei ihnen um einheimische Schutz-, Fruchtbarkeits- und Muttergottheiten, die aber auch bei den Römern schnell zu großer Beliebtheit fanden und von ihnen nach römischer Art verehrt wurden. Woher die Bezeichnung „Fachinehae“ stammt, ist bis heute nicht eindeutig geklärt, es scheint sich dabei aber um einen germanischen Beinamen zu handeln, da er Buchstaben enthält, die es im lateinischen Alphabet nicht gibt.

Bislang wurde nur der Umgangstempel freigelegt, man geht aber davon aus, daß der Tempel möglicherweise Teil einer größeren Tempelanlage war, da in der Umgebung weitere römische Bauspuren gefunden wurden. Funde von Nägeln deuten darauf hin, daß es einen Vorgängerbau aus Holz gab.

Der steinerne Tempel wird auf das 2. bis 4. Jahrhundert n.Chr. datiert. In der unmittelbaren Umgebung wurden eine kleine Birne aus Stein gefunden, die sich offenbar aus einem Relief oder Bild gelöst hatte (möglicherweise aus der bekannten Darstellung eines Füllhorns auf einem Weihestein). Außerdem wurde der Torso eines Ortsgenius (Genius Loci) entdeckt, der allerdings aufgrund seiner schlechten Erhaltung nicht näher bestimmt werden kann, sowie eine lebensgroße menschliche Hand aus Sandstein. Zwar fehlen Finger und Daumen, in der Innenseite der Hand sich jedoch noch die Ansatzstellen eines waagrecht gehaltenen Gegenstandes zu erkennen, vermutlich Reste eines Fruchtkorbes oder einer Votivgabe, wie man sie auch von anderen Matronensteinen kennt, zum Beispiel aus dem nahegelegen Tempelbezirk von Nöthen-Pesch.

Daneben wurde die Figur eines etwa vierjährigen lockigen, lachenden Mädchenkopfes gefunden, von dem man glaubt, daß er zu einem Grabdenkmal gehörte.

Der Tempel wurde im Jahr 1975 erneut untersucht und restauriert. Dabei stieß man in der Nähe auf ein fränkisches Gräberfeld aus dem 7. Jahrhundert. Als Grabplatten und Abstützung wurden hier zwei Weihesteine der Fachinae verwendet.

Die lateinische Inschrift auf einer der Tafeln lautet:

M(a)T(ronis) FA(c)HINE
IS L(ucius) CELER
IS PRO SE
ET SUIS
L(ibens) M(erito)

Übersetzung: „Den Fachihenischen Matronen hat Lucius Celeris für sich und die Seinen gern und nach ihrem Verdienst sein Gelübde erfüllt„. Der Stein wird auf Ende 2. Jahrhundert / Anfang 3. Jahrhundert datiert. Der zweite Weihestein stammte von einem Lucius Chuaciionius Primus.

Beschreibung:

Der Tempel befindet sich in unmittelbarer Nähe dieses Turms, danach sollte man also Ausschau halten

Der Tempel befindet sich in unmittelbarer Nähe dieses Turms, danach sollte man also Ausschau halten

Der Tempel liegt abgelegen auf einer freien Fläche inmitten des Gewerbegebiets Zingsheim, was ihn nicht gerade zu einem malerischen Ort macht (Pesch und Nettersheim entschädigen dafür jedoch doppelt). In unmittelbarer Nähe befindet sich das Sägewerk, dessen Geräuschkulisse hier unter der Woche dauerhaft zu hören ist. Sonn- und Feiertags sowie abends ist es hier jedoch ruhig und dann kommt der Ort auch besser zur Geltung.

Der Tempel selbst ist teilrekonstruiert, die Fundamente wurden auf ca. 1 Meter Höhe aufgemauert, um dem Besucher einen Eindruck des Gebäudes zu vermitteln. Informationstafeln informieren über die Hintergründe der Tempelanlage.

Am Eingang der Cella wurde eine Replik des Weihesteins des Lucius Celeris aufgestellt, das Original befindet sich im Rheinischen Landesmuseum in Bonn.

Der Tempel ist, auch aufgrund der Lage und weil er der kleinste der drei Bauten ist, auch der am wenigsten besuchte, so daß es hier in der Regel menschenleer ist, im Gegensatz zu den anderen beiden Tempeln, an denen stets reges Treiben herrscht, denn die römischen Heiligtümer sind auch unter Angehörigen anderer Glaubensgemeinschaften beliebt, wie zum Beispiel Wicca und  Ásatrúar.

In neuerer Zeit wird dieser Tempel jedoch auch stärker frequentiert, wie Bänder in den umstehenden Bäumen und Büschen sowie zahlreiche Opfergaben auf dem Weihestein und den umgebenen Mauern zeigen.

Der Erhaltungszustand des Tempels ist, da er restauriert und aufgemauert ist, sehr gut. Er wird vom Landschaftsverband Rheinland betreut.

Eintritt, Zugänglichkeit:

Der Tempel ist jederzeit kostenlos und frei zugänglich.

Sonstiges:

Die Fundamente sind 1 Meter hoch aufgemauert und vermitteln einen guten Eindruck vom Aufbau des Tempels

Die Fundamente sind 1 Meter hoch aufgemauert und vermitteln einen guten Eindruck vom Aufbau des Tempels

Fotografieren ist problemlos möglich.

Der Besuch des Tempels wird idealerweise mit einem Besuch aller drei Matronentempel in der Gegend kombiniert, die aufgrund ihrer unmittelbaren Nähe alle an einem Tag aufgesucht werden können. Abhängig davon, aus welcher Richtung man kommt, empfiehlt sich die Reihenfolge Nettersheim – Zingsheim – Pesch oder umgekehrt, wobei Zingsheim sicherlich der unspektakulärste der drei Orte ist.

Aufgrund der Lage gibt es keine Anwohner oder Nachbarn, so daß man hier Tag und Nacht ungestört ist – sofern einen die industrielle Kulisse nicht stört (die spät abends und nachts natürlich weniger ein Problem darstellt).

Weiterführende Informationen:

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2 Kommentare

  1. zeitzeugin sagt:

    Hi

    Ich wollte mich nur allgemein für den Blog, insbesondere die Artikel zu den Matronenheiligtümern bedanken. Ich bin Archäologiestudentin und arbeite gerade an einem Referat zu den Matronenheiligtümern; Dank dir/euch ist es nun etwas leichter für mich geworden, den Wanderweg zu erschließen.
    Nein, Google ist nicht mein Freund, es hasst mich offensichtlich und lässt mich keine Wanderwege finden 😉 (möglicherweise ist es auch einfach zu heiß für mich gerade)

    Viel Erfolg und Spaß weiterhin, werde eure Seite definitiv im Auge behalten! 🙂

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    • Gerne 🙂

      Wir kennen die Suche nach römischen Stätten aus leidvoller Erfahrung; google ist da oft nicht sehr hilfreich, viele Wegbeschreibungen sind eher spartanisch („an der Landstraße irgendwann links in einen Weg“), weil es vor Ort dann doch wieder ganz anders aussieht oder nur oberflächlich beschrieben ist. Deswegen bemühen wir uns, in unseren Reisetipps möglichst praxistaugliche Wegbeschreibungen zu verfassen, die auf unserer eigener Erfahrung basieren.

      Unvergessen solche Abenteuer wie die Suche nach einem Tempel im Hunsrück, wo uns ein Forstarbeiter im Wald einen „tollen“ Weg wies, gar eine geheime Insider-Abkürzung!
      Wir: „Kennen Sie sich hier aus? Wo geht’s hier zum römischen Tempel?“
      Er: „Welchen der beiden Tempel meinen Sie?“
      Wir: „ZWEI Tempel? Wir wissen nur von einem.“
      Er: „Da hinten sind nur so ein paar olle Steine, aber wenn Sie hier bergab 400 Meter quer durch den Wald gehen, kommen Sie zu einem großen Tempel, der ist viel besser!“

      Wir folgten natürlich seiner Richtungsangabe (wer kennt sich besser im Wald aus als ein Forstarbeiter, der gerade mit einer Axt Bäume zerlegt?), marschierten über offensichtlich durch schwere Maschinen verwühlte und verschlammte Forstarbeiterpfade immer tiefer hinab in ein Bachbett, steil, rutschig, unwegsam… und als nach ca. einer halben Stunde noch immer keine Spur eines Tempels auftauchte und es immer weiter von der Beschreibung fortführte, die google uns notdürftig geliefert hatte, durften wir den ganzen Weg zurückmarschieren.
      Oben an der Hauptstraße angekommen, erfuhren wir dann von Wanderern: Der Tempel lag auf der anderen Seite der Bundesstraße (ausgeschildert und direkt am Wegesrand) und war das, was der Mann mit „wenige olle Steine“ bezeichnet hatte (und so wenige Steine waren es gar nicht!). Der angebliche zweite Tempel war eine Villa rustica, die bequem über einen archäologischen Lehrpfad erreicht werden konnte – ohne abenteuerlichen Abstieg. Sowas prägt 😉

      Es freut uns, wenn unsere Beschreibung der antiken Stätten für Dich hilfreich sind und wenn Du dadurch vielleicht sogar noch spannende Orte findest, die Du noch nicht kennst!

      Gerne kannst Du uns auch Orte empfehlen oder blöde Wegbeschreibungen korrigieren! Tipps, Hinweise und Verbesserungsvorschläge nehmen wir gerne entgegen.

      Ansonsten: viel Erfolg beim Referat, auf jeden Fall ein spannendes Thema!

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