Mos Maiorum

Startseite » Beitrag verschlagwortet mit 'Nettersheim'

Schlagwort-Archive: Nettersheim

Antike Stätten: Die römische Eifelwasserleitung – der längste Aquädukt des Imperium Romanum nördlich der Alpen

Die Aquäduktbrücke bei Mechernich-Vussem

Die Aquäduktbrücke bei Mechernich-Vussem

Ein 100 Kilometer langer römischer Ausflugstipp

Im letzten Sommer hatten wir, dank des „Tags des Offenen Denkmals“, die Gelegenheit, unsere Spurensuche entlang des „Römerkanals“ abzuschließen, die wir vor zwei Jahren begonnen haben.

Was erst einmal sehr technisch klingt, ist tatsächlich eine sehr interessante und spannende Angelegenheit und ein lohnenswertes, abwechslungsreiches Reiseziel! Deshalb möchten wir Euch in unserem Blog dieses Bauwerk, das mitten durch unsere schönen Provinzen läuft und auch heute noch in Teilstücken sehr gut erhalten ist, als besonderen römischen Ausflugstipp vorstellen.

Neben Hintergrundinformationen zu diesem beeindruckenden Baudenkmal stellen wir Euch in einer kleinen Reihe deshalb auch besonders sehenswerte Aufschlüsse entlang der ganzen Strecke vor.

Nicht zuletzt verläuft der gut ausgeschilderte und mit vielen Informationstafeln versehene „Römerkanal-Wanderweg“ in 7 Etappen entlang der gesamten Leitung und ist eine echte Wander-Alternative für den römisch interessanten Eifeltouristen – zumal diese Wanderung sehr gut mit weiteren in der direkten Umgebung liegenden römischen Sehenswürdigkeiten verbunden werden kann, wie dem römischen Straßendorf Marcomagus an der Via Agrippa mit seinem berühmten Matronentempeln und dem Kleinkastell an der Urft, das heute in den Archäologischen Landschaftspark Nettersheim eingebettet ist.

Wir werden Euch nicht mit allzuvielen technischen Informationen erschlagen, denn es gibt sehr gute Websites und Bücher zum Thema, die viel besser als wir das könnten, über römische Vermessungs- und Bautechnik Auskunft geben. Zum Beispiel bietet der Freundeskreis Römerkanal e.V. zahlreiche Vorträge, Publikationen (auch als PDF zum kostenlosen Download) und Exkursionen an.

20 Millionen Liter Trinkwasser für Köln… pro Tag!

Der Römerkanal - antike Ingenieurskunst, wie sie erst ab dem 19. Jahrhundert wieder erreicht wurde

Der Römerkanal – antike Ingenieurskunst, wie sie erst ab dem 19. Jahrhundert wieder erreicht wurde

Die römische Eifelwasserleitung von Nettersheim nach Köln war mit über 100 km Länge eine der längsten Fernwasserleitungen des Römischen Reiches und gilt auch heute noch als das größte römische Bauwerk nördlich der Alpen. Sie versorgte die Colonia Claudia Ara Agrippinensium, Hauptstadt der Provinz Germania inferior, aus der das heutige Köln hervorging, mit 20 Millionen Liter Trinkwasser… täglich!

Dabei überwand sie als reine Gefälleleitung die Berge und Wälder der Eifel, Flußtäler, die Wasserscheide zwischen Rhein und Maas und brachte bestes Eifelwasser durch unterirdische Leitungen und talüberspannende Aquäduktbrücken bis hinunter in die Kölner Bucht.

Im Römischen Reich hatte man besondere Ansprüche an das Trinkwasser, das man besonders kalkreich schätzte, im Gegensatz zum kalkarmen Wasser, das als geschmacklich langweilig und „labbrig“ empfunden wurde.

Das Wasser aus der Eifel, das in der Sötenicher Kalkmulde entspringt, entsprach deshalb genau den Vorlieben der Stadtbewohner von Köln. Nebenbei hatte es den besonderen Effekt, durch seinen hohen Kalkgehalt die aus Blei bestehenden Wasserleitungen innerhalb von kürzester Zeit von innen mit einer Kalksinterschicht zu überziehen und dadurch das giftige Blei zu neutralisieren.

Sonderausstellung

Sonderausstellung „Wasser für Roms Städte“ in Zülpich 2014

In Köln speiste das Wasser die öffentlichen Brunnen, die niemals weiter als 50 Meter auseinander lagen, die öffentlichen Latrinen, öffentliche Gebäude, Thermen und diejenigen Privathaushalte, die sich einen eigenen Wasseranschluß – inklusiver bronzener Wasserhähne für jederzeit verfügbares fließendes Wasser – leisten konnten. Die Brunnen der Stadt förderten ununterbrochen Wasser, so daß sie durch gelegentliches Übertreten gleichzeitig die Straßen spülten. Abwässer von Straße, Latrinen und Häusern wurden mit Brauchwasser in die unterirdische Kanalisation gespült und von dort in den Rhein abgeleitet.

Die Leitung begann bei Nettersheim im Urfttal auf 420 Metern Höhe NN am sogenannten „Grünen Pütz“. Sie verlief weiter entlang zum Fluß Kall, wo sich die Wasserscheide zwischen Maas und Rhein befindet. Im weiteren Verlauf folgte die Leitung dem Nordhang der Eifel bis zum Fluß Erft bei Euskirchen und von dort aus durch das Swisttal bis nach Rheinbach und Meckenheim. Im weiteren Verlauf passierte sie den Kottenforst nordwestlich von Bonn und das Vorgebirge vor Köln. Die letzte Etappe verlief im Bereich von Brühl und Hürth nach Köln, wo die Leitung in 10 Meter Höhe auf die Stadtmauer traf und von dort in ein kompliziertes Verteilsystem geleitet wurde.

Ein Meisterwerk römischer Bautechnik – von Soldaten errichtet

Antike Vermessungstechnik war in der Lage, eine 100 km lange Gefälleleitung mit konstantem 0,5%igem Gefälle zu errichten

Antike Vermessungstechnik war in der Lage, eine 100 km lange Gefälleleitung mit konstantem 0,1%igem Gefälle zu errichten

Entgegen landläufiger Vorstellungen waren römische Legionäre nicht ununterbrochen mit dem Sichern von Grenzen und dem Kämpfen gegen Barbarenhorden (oder gegeneinander in diversen Bürgerkriegen) beschäftigt. Stattdessen gehörten Bauvorhaben, insbesondere der Straßenbau und die Errichtung von Infrastruktur zur schnellen Versorgung in allen Winkeln des Reichs, zu ihren wichtigsten Aufgaben.

Deshalb fanden sich in ihren Reihen hochspezialisierte und gut ausgebildete Techniker, die sich auskannten mit Landvermessung, Konstruktion von Baugeräten wie Kränen, Pfahlrammen oder wasserbetriebenen Sägen, oder der Herstellung des römischen Betons (Opus caementicium – unser Begriff Zement geht darauf zurück), der selbst unter Wasser aushärten konnte und so stabil war, daß er bis heute hält und nur mit hohem technischen Aufwand zu beseitigen ist. Deswegen sind auch römische Brücken (wie die Brücken von Cordoba oder Trier) oft noch heute in Betrieb, während moderne Brücken und Straßen nach bereits einem heißen Sommer oder kalten Winter ihre ersten Verfallserscheinungen zeigen. Werkstoffanalysen haben gezeigt, daß römischer Beton auch den heutigen Normen für diesen Baustoff entsprochen hätte.

Der Kanal in Rundbogenbauweise

Der Kanal in Rundbogenbauweise

Die Wasserleitung wurde, von einigen steileren Teilstücken abgesehen, die zur Überwindung geographischer Hindernisse nötig waren, mit einem konstanten Gefälle von 0,1% gebaut – eine Leistung, die selbst in der heutigen Zeit mit lasergestützter Vermessungstechnik nur schwer zu vollbringen ist, insbesondere durch ein so wechselhaftes Gelände und über eine mehr als 100 Kilometer lange Strecke. An den wenigen Stellen, an denen ein steileres Gefälle vorhanden war, befanden sich Tosbecken, in die das Wasser stürzte und in denen es gebremst wurde. Daneben wurde eine Verringerung der Wassergeschwindigkeit in Absetzbecken genutzt, in denen sich Verunreinigungen, sowie Schweb- und Trübstoffe absetzten, bevor das Wasser seine gemächliche Reise nach Köln fortsetzte.

Die Leitung wurde in mehreren, voneinander unabhängigen Bauabschnitten – sogenannten Baulosen – zu je 15.000 römischen Fuß (ca. 4400 Metern) errichtet. Der Erdaushub und Materialtransport, der dafür notwendig war, war mit 4 Kubikmetern je laufendem Meter Leitung gigantisch. Hinzu kam das Mauerwerk, mit dem die Leitung in unterirdischen Schächten ummauert wurde, sowie der Innenputz, mit dem das Bauwerk verputzt war.

(mehr …)

Events und Veranstaltungen: Römer- und Eburonenlager 2015 in Nettersheim

Im Römer- und Eburonenlager verträgt man sich gut

Im Römer- und Eburonenlager verträgt man sich – trotz keltischer Sitte des Köpfesammelns – gut

Eine besondere Gelegenheit, den Matronentempel für die Matronae Aufaniae und den dazugehörigen vicus Marcomagus mit Kleinkastell zu besuchen, ist das bevorstehende Römer- und Eburonenlager am 30. und 31. Mai 2015.

Der gallo-römische Tempel liegt inmitten des Archäologischen Landschaftsparks Nettersheim in der Eifel, in unmittelbarer Nähe zu zwei weiteren Matronentempeln (in Pesch und Zingsheim), direkt an der ehemaligen römischen Schnellstraße, der Via Agrippa von Trier nach Köln.

Der Verlauf dieser Hauptstraße ist im Archäologiepark ebenso nachvollziehbar wie der römische Ort Marcomagus, der zum einst beliebten Tempelkomplex gehörte. Hier reihten sich die Streifenhäuser der Handwerker und der Ladenbesitzer aneinander bis hinunter zum Fluß Urft, der heute von einer Brücke an der originalen Stelle gequert wird. Am anderen Ufer befand sich das kleine Kastell der örtlichen Beneficarier, die für die Aufrechterhaltung der Ordnung und das Kassieren der Zölle auf der viel befahrenen Straße zuständig waren.

Einmal im Jahr steht dieser Archäologische Park, in dem noch heute Lehrgrabungen der Universität Köln durchgeführt werden, um Marcomagus weiter zu erschließen, ganz im Zeichen der Römer und der hier ansässigen keltischen Eburonen.

Die Tempelanlage liegt auf einem Bergrücken und bietet eine tolle Aussicht über die Eifel

Die Tempelanlage liegt auf einem Bergrücken und bietet eine tolle Aussicht über die Eifel

Von Samstag, 30. Mai bis Sonntag, 31. Mai, schlagen die Römer der Legio XV Primigenia (Römerkohorte Niederrhein, Interessengemeinschaft für Römische Militär- und Kulturgeschichte im Rheinland) sowie die Eburonen des Tribus Eburones aus Euskirchen hier ihre Lager auf.

Ausgangspunkt der Veranstaltung ist das Naturzentrum Eifel mitten in Nettersheim, das auch ein kleines Museum mit Fossilien, Korallen, Informationen zu den Matronen und Römern, sowie die Natur rund um die Eifel bietet. Hier gibt es auch einen lohnenswerten Museumsshop, in dem zum Beispiel die Medusa erworben werden kann, deren Haupt den „Grünen Pütz“ ziert, den Beginn der römischen Eifelwasserleitung von Nettersheim nach Köln. Auch weitere römische Gegenstände (wie Münzrepliken) können hier – neben Büchern, Steinen, Kleidung, Produkten rund um die Eifel – erworben werden. Wenn man Glück hat, gibt es hier auch eine kleine Replik der drei aufanischen Matronen (diese sind jedoch nicht immer vorrätig).

Das Naturzentrum verfügt über ein großes Außengelände. In dieser parkähnlichen Grünanlage befindet sich das Lager der Römer und Eburonen. Besucher können hier mit den auskunftsfreudigen Darstellern fachsimpeln, sich das römische Alltags- und Legionärsleben in der Eifel erklären lassen oder von den Eburonen erfahren, wie hier das keltische Leben in vorrömischer Zeit aussah. Die Eburonen zeigen unter anderem ihren Nachbau eines keltischen Streitwagens, keltische Speisen und alte Handwerkstechniken. Im Römerlager gibt es Informationen zum Militäralltag, Vermessungstechnik und Handwerk.

Archäologen erläutern den aktuellen Stand der Ausgrabungen

Archäologen erläutern den aktuellen Stand der Ausgrabungen

Auch ist hier für das leibliche Wohl gesorgt, in dem Speisen nach original römischen Rezepten probiert werden können (natürlich gibt es auch Kaffee und Kuchen 😉 )

Mittags ist eine Pompa – ein Umzug – vom Naturzentrum zum Matronenheiligtum geplant.

Vom Naturzentrum aus führt ein gut ausgeschilderter Rundwanderweg durch den Archäologischen Landschaftspark. Zuerst erreicht der Besucher den auf einem Hügel gelegenen Matronentempel. Von dort aus folgt man dem Verlauf der Agrippastraße entlang durch den vicus Marcomagus bis hinunter zum Fluß und in das Kastell.

Während der Römer- und Eburonentage befinden sich an allen diesen Stationen fachkundige Ansprechpartner – sowohl Römer, die den vicus beleben oder ein römisches Opfer im Tempel durchführen, als auch Archäologen, die über den aktuellen Stand der Grabungen informieren und Einblicke in die aktuellen Grabungsstellen erlauben.

Ein römischer Reisewagen, von Pferden gezogen, verkehrt am Sonntag zwischen Naturzentrum Nettersheim und dem Tempel und kann ebenfalls genutzt werden.

Die Streifenhäuser von Marcomagus entlang der Via Agrippa

Die Streifenhäuser von Marcomagus entlang der Via Agrippa

Parkplätze sind im ganzen Ort ausgeschildert. Eine Anreise per Bahn ist ebenfalls gut möglich, da Nettersheim einen Bahnhof hat (der ganz in der Nähe des Naturzentrums liegt) und an die regelmäßig verkehrende Eifelbahn nach Gerolstein und Trier angeschlossen ist.

Die Veranstaltung findet an beiden Tagen von 10 – 18 Uhr statt.

Weiterführende Informationen auf der offiziellen Website des Naturzentrums Eifel.

Das Römer- und Eburonenlager gehört sicher nicht zu den „großen“ Veranstaltungen des Jahres, ist aber trotzdem ein schöner, engagierter Event in einer sehr sehenswerten und vor allem authentischen Kulisse.

Unser zusätzlicher Tipp für den römischen Touristen:

Wer sich vor allem für die Matronentempel interessiert und eine weitere Anreise hat, dem empfehlen wir, den Besuch bei dieser Gelegenheit mit den anderen beiden Tempeln zu kombinieren, die nur wenige Autominuten entfernt liegen (insbesondere der große Waldtempel bei Pesch ist sehr sehenswert, vor allem in der Abendstimmung).

Aber auch wer sich für römische Technologie interessiert, kann den Besuch des Archäologieparks mit dem römischen Brunnen und dem Beginn der Eifelwasserleitung verbinden, der sich ebenfalls in unmittelbarer Nähe befindet. Nicht zuletzt lohnt es sich, auf dem Weg nach Nettersheim kurz an der Villa Rustica von Roderath Halt zu machen.

Antike Stätten: Villa Rustica Roderath

Ein Fußweg führt zum Hauptgebäude

Ein Fußweg führt zum Hauptgebäude

Anschrift:

An der K36 zwischen Roderath und Engelgau. Keine postalische Anschrift.

Anfahrt:

Die Villa Rustica liegt landschaftlich sehr schön zwischen Wiesen, Äckern und dem Waldrand, mitten in der Eifel. Sie befindet sich etwa auf halber Höhe zwischen den Dörfern Roderath und Engelgau, ca. 7 km von Nettersheim entfernt.

Von Engelgau kommend folgt man der K36 in Richtung Roderath. Auf der linken Seite findet sich ein Hinweisschild und eine Info-Tafel vor einem kleinen Parkplatz. Die Villa ist gut zu finden und kaum zu übersehen. Ausschilderung findet sich bereits in Engelgau.

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist etwas schwierig. Zwar verkehren Buslinien von Blankenheim, Bad Münstereifel und Nettersheim (die alle einen Bahnhof haben) nach Roderath und Engelgau, diese fahren jedoch nur sehr unregelmäßig.

Eine attraktive Alternative für Wanderer und Radfahrer sind die diversen lokalen Wanderwege, die unter anderem von Nettersheim hier entlang führen. Außerdem verläuft der Jakobsweg in unmittelbarer Nähe.

Hintergrundinformationen:

Zeichnerische Rekonstruktion des Gutshofs auf der Infotafel

Zeichnerische Rekonstruktion des Gutshofs auf der Infotafel

Die Villa Rustica in Roderath war ein römischer Gutshof, der vom 1. bis zum 4. Jahrhundert genutzt wurde.

Er lag nahe der quer durch die Eifel verlaufenden römischen Schnellstraße Via Agrippa von Trier nach Köln. Die nächst größere Ortschaft war Marcomagus mit seinem Kleinkastell, dem vicus samt Handwerkerstraße und dem Matronentempel für die Matronae Aufaniae (heute alles eingebettet und touristisch gut erschlossen im ca. 7,5 Kilometer entfernten Archäologischen Landschaftspark Nettersheim).

Die Anlage wurde zwischen 1984 und 1989 ausgegraben und archäologisch untersucht. Der Bauernhof bestand aus mehreren Gebäuden, die alle in Fachwerktechnik errichtet waren. Das 19 Meter lange und 7,5 Meter breite, eingeschossige Haupthaus am Hang hatte einen Sockel aus Bruchstein und mit Lehm gefüllte Fachwerkwände. Das Dach war mit Ziegeln gedeckt, die bei den Ausgrabungen gefunden wurden. Die Datierung der Ziegel ergab eine Nutzung des Bauernhofes bereits im frühen 1. Jahrhundert. Als Siedlungsschwerpunkt gilt der Zeitraum 2. bis 3. Jahrhundert.

Das Hauptgebäude mit seinen steinernen Fundamenten

Das Hauptgebäude mit seinen steinernen Fundamenten

Im Gegensatz zum Haupthaus mit seinem steinernen Fundament waren die Nebengebäude des Gutshofes reine Fachwerkbauten in Pfostenbauweise. Die Löcher der Holzpfosten sind bis heute gut in der weitläufigen Wiese zu erkennen. Es wird davon ausgegangen, daß es sich bei den Nebengebäuden um die Wirtschaftsgebäude eines Gutshofes, sowie um Scheunen, Ställe und Schuppen gehandelt hat. Bei den Ausgrabungen kam auch ein Backofen in der Nähe des Hauptgebäudes zum Vorschein. Eine Wasserleitung, die zum Haupthaus führt, deutet auf die Existenz eines Brunnens hin, dessen ehemalige Position an einer sehr nassen Stelle im Boden in der Nähe vermutet wird. Zu den Funden gehören außerdem Keramikscherben.

Das Hauptgebäude wurde im Jahr 2004 teilrekonstruiert und für Touristen attraktiv gestaltet, indem die Fundamente an der Originalposition auf ca. 1 Meter Höhe aufgemauert wurden. Es war diskutiert worden, auch die Nebengebäude aufzumauern, aber das wurde vom örtlichen Denkmalschutz abgelehnt, weil es nicht dem Originalbefund entsprach, der nur für das Haupthaus einen steinernen Sockel belegte. Stattdessen wurden die Pfostenlöcher der Nebengebäude mit Hecken markiert.

Beschreibung:

Die Position der Pfostenlöcher der Nebengebäude ist durch Hecken markiert

Die Position der Pfostenlöcher der Nebengebäude ist durch Hecken markiert

An der Landstraße befindet sich eine Info-Tafel, die kurze Hintergrundinformationen sowie eine Zeichnung zum römischen Gutshof bietet. Außerdem ist dort eine Wanderkarte mit den Sehenswürdigkeiten der Umgebung sowie weitere touristische Hinweise, insbesondere zum Ort Nettersheim, zu finden.

Vom Parkplatz mit Infotafel führt ein kleiner Pfad auf die Wiese, die das Gelände des ehemaligen Gutshofs umfasst. Das Hauptgebäude ist bereits von weitem gut sichtbar, weil es teilrekonstruiert wurde und deswegen der Verlauf der Außenmauern und Räume gut ersichtlich ist.

Für die Darstellung der Nebengebäude hat man sich etwas anderes einfallen lassen – basierend auf der Position der Pfostenlöcher, aus denen die Lage und Größe der Wirtschaftsgebäude ermittelt werden konnte, werden die Umrandungen dieser Gebäude mit Hecken dargestellt. Auch die Grenze des Geländes ist durch eine auffällige Hecke markiert.

Eine Infotafel liefert Hintergrundinformationen

Eine Infotafel liefert Hintergrundinformationen

Die einzelnen Gebäude sind durch gemähte Pfade auf der Wiese miteinander verbunden.

Das Gelände liegt sehr idyllisch und vom etwas erhöhten Haupthaus aus hat man eine sehr schöne Aussicht über die weite Eifellandschaft. Als wir im Mai 2014 die Villa besuchten, waren die Wiese und die Anlage gepflegt und in einem guten Zustand. Die Hecken zeichnen die Umrisse der Gebäude gut nach und passen sich gleichzeitig gut in die Landschaft ein (im Gegensatz zur furchterregend rekonstruierten Villa Rustica in Blankenheim).

Noch im Herbst 2013 erfolgte ein Aufruf in der lokalen Presse, ob sich Freiwillige finden, die die Anlage betreuen und die Pflege der Gebäude, Hecken und Wiese übernehmen (wie es bei anderen römischen Städten in der Gegend, wie zum Beispiel beim Matronentempel Pesch der Fall ist). Da die Anlage bei unserem Besuch in 2014 ordentlich aussah, bleibt zu hoffen, daß sich in der Zwischenzeit Freiwillige gefunden haben.

Eine tolle Aussicht über die Eifellandschaft!

Eine tolle Aussicht über die Eifellandschaft!

Öffnungszeiten, Eintritt, Führungen

Das Gelände ist jederzeit frei zugänglich, Eintritt wird nicht erhoben.

Führungen zur Villa werden gelegentlich im Rahmen von archäologischen Exkursionen des Naturzentrums Eifel in Nettersheim angeboten. Die Termine können der Website des Naturzentrums entnommen werden.

Sonstiges

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Ein Abstecher nach Nettersheim darf nicht fehlen!

Ein Abstecher nach Nettersheim darf nicht fehlen!

Ein Besuch der Villa von Roderath läßt sich ideal kombinieren mit einem Besuch der ebenfalls in der unmittelbaren Nähe liegenden drei Matronentempel von Zingsheim, Nettersheim und Pesch.

Ebenfalls sehr empfehlenswert ist der (kostenlose) Besuch des Archäologischen Landschaftsparks bei Nettersheim, in dem der römische Ort Marcomagus auf einem Rundweg zu erwandern ist.

Nettersheim ist touristisch sehr gut erschlossen, weil der Ort spezialisiert ist auf Naturtourismus mit den Schwerpunkten Umwelt, Geologie, Archäologie und Kulturgeschichte. Hier gibt es zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten, Angebote, Informationsmaterial und Wandermöglichkeiten.

Weiterführende Informationen:

  • Nettersheim-Roderath: Römischer Gutshof. in: Heinz Günter Horn (Hrsg.): Die Römer in Nordrhein-Westfalen.
  • Gerd-Uwe Knackstedt: Die villa rustica von Roderath. In: Archäologie im Rheinland 2004
  • „Pfleger“ für Römervilla gesucht, Artikel in der Kölnischen Rundschau vom 14.10.2013

Archäologischer Landschaftspark Nettersheim

 

Archäologischer Landschaftspark Nettersheim

Archäologischer Landschaftspark Nettersheim

Anschrift:

Naturzentrum Eifel in Nettersheim, Urftstr. 2-4, 53947 Nettersheim

Anfahrt:

Der Archäologiepark beginnt am Naturzentrum Eifel in Nettersheim. Der Ort ist mit dem Auto über die A1 zu erreichen.

Es gibt auch einen Bahnhof, der von Regionalzügen aus Köln, Trier und Gerolstein angefahren wird, so daß Nettersheim für Eifelverhältnisse auch mit dem öffentlichen Nahverkehr sehr gut erreichbar ist.

Am Naturzentrum bestehen Parkmöglichkeiten, sowie die Möglichkeit zur Einkehr bei Cafe und Kuchen. Dort gibt es auch Informationen, Wegbeschreibungen und Wanderkarten.

Der Landschaftspark kann auf einem 4,5 km langen Rundwanderweg durchwandert werden, der am Naturzentrum startet und mit einem Matronenlogo markiert ist. Alternativ kann die ebenfalls hier startende, 12 km lange Route „Archäologie entdecken“ erwandert werden, die an weiteren römischen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt, wie dem Beginn der Eifelwasserleitung, die einst Köln mit 20 Millionen Litern Trinkwasser täglich versorgte.

Neben dem eigentlichen Rundweg durchquert den Landschaftspark auch der Pfad „Archäologie Erleben“, der Eifelsteig, der Erlebnispfad, ein Wanderweg nach Marmagen und die 3-Flüsse-Tour. Außerdem führt hier der Römerkanal-Wanderweg von Nettersheim nach Köln (110 km), an dem 50 Stationen mit römischen Bauwerken zu finden sind.  Auch der Radweg „Erlebnisraum Römerstraße“ führt entlang der Agrippastraße nach Köln (75 km).

Hintergrund:

Ein beliebtes Highlight ist das Matronenheiligtum

Ein beliebtes Highlight ist das Matronenheiligtum

Der Matronentempel „Görresburg“ auf einer Anhöhe oberhalb des Flusses Urft war schon seit 1909 bekannt und ein beliebtes Ausflugsziel in der Region. Daß sich dieser Tempel in unmittelbarer Nähe der römischen Schnellstraße zwischen Trier und Köln, der Agrippastraße, befand, war ebenfalls bekannt. Auch wurde in der Nähe immer eine zivile Siedlung, ein vicus, vermutet, Hinweise fand man auf Meilensteinen.

Im Jahr 2009 wurde das Gelände von der Universität Köln mit neusten geophysikalischen Methoden komplett neu untersucht. Dabei entdeckte man neben dem Verlauf der Agrippastraße auch zahlreiche Fundamente von Streifenhäusern, die sich vom Tempel bis hinunter an die Urft ziehen und beidseitig der Straße liegen. Funde wie handwerkliche Gegenstände und Schlackereste deuteten darauf hin, daß es sich hierbei vor allem um die Häuser von Handwerkern und Händlern gehandelt hat, die im vorderen Teil an der Straße ihr Geschäft betrieben und im hinteren Teil der Häuser wohnten.

Die Urft wurde von einer Brücke gequert, die breit genug für Fuhrwerke war. Jenseits der Brücke lag ein Kleinkastell, in dem die Beneficarier stationiert waren, die hier besonders den Matronenkult pflegten. Ihre Aufgabe bestand neben dem Schutz der Straße und des Ortes wahrscheinlich auch in der Erhebung von Zöllen.

Den Matronen werden gerne Weihegaben gebracht

Den Matronen werden gerne Weihegaben gebracht

Der Fundort hat für die Archäologen den einmaligen Vorteil, daß die römischen Fundamente sich nur 20 cm bis 70 cm unterhalb der Erdoberfläche befinden, so daß man zwar zur ersten Grabung mit einem Bagger anrückte, zur Freude der Grabungsteilnehmer aber schon mit einem Spaten schnell auf die römischen Funde stieß. Da das Gelände niemals überbaut wurde oder landschaftlich genutzt und umgepflügt wurde, liegt hier eine einmalige Fundsituation vor – im Gegensatz zu Städten wie Köln, wo erst mehrere Meter Mittelalter durchgraben werden müssen, um in die römischen Schichten zu gelangen.

Die Grabungen halten bis heute an und das Gelände wird nun von der Universität Köln vor allem für Lehrgrabungen angehender Archäologen verwendet. Daneben bietet auch das Naturzentrum Nettersheim interessierten Laien die Möglichkeit, an Grabungscamps unter fachkundiger Führung teilzunehmen und mitzuhelfen.

Es ist allerdings nicht geplant, den kompletten vicus freizulegen, da das zu Problemen bei der Erhaltung führt, denn alles, was ausgegraben wurde, ist der Verwitterung ausgesetzt. Hier wird abgewogen zwischen der Präsentation von Funden für die Öffentlichkeit und der Erforschung von Teilbereichen, die anschließend jedoch wieder zugedeckt werden. Genauso wenig ist eine komplette Rekonstruktion von Gebäuden geplant, wie man es zum Beispiel von der Mosel vom Lenus-Mars-Tempel bei Pommern oder dem römischen Höhenheiligtum auf dem Calmont kennt.

Blick entlang der Agrippastraße in den Vicus Marcomagus, die Schneise im Wald verdeutlicht den weiteren Verlauf der Straße

Blick entlang der Agrippastraße in den Vicus Marcomagus, die Schneise im Wald verdeutlicht den weiteren Verlauf der Straße

Im Rahmen der Freilegung des vicus und des Kastells wurde auch der Matronentempel archäologisch neu bewertet und im Rahmen einer Magisterarbeit untersucht. Dabei kam man zu neuen Erkenntnissen, die zu einer neuen Interpretation des Aufbaus und der Nutzung der Tempelanlage führten.

Die Tempelanlage wurde neu aufgemauert und die Weihesteine umgesetzt. Die Fundamente einiger Streifenhäuser sind ebenfalls freigelegt, die Position weiterer Gebäude wurde durch Aufschüttungen angedeutet. Auch das Kastell wurde auf den alten Fundamenten aufgemauert, um dem Besucher eine Vorstellung der Größe zu vermitteln. Der Verlauf der Agrippastraße wurde durch Schotter dargestellt. In der Verlängerung jenseits des Parks wird durch eine angedeutete Schneise in den Wäldern der Eifel der weitere Verlauf angedeutet.

Man geht heute davon aus, daß es sich bei dem vicus, der sich unmittelbar an den Tempel anschließt und sich hinab bis zur Urft zieht, um den Ort Marcomagus handelt, der auf römischen Karten eingezeichnet ist.

Marcomagus ist aus alten römischen Karten bekannt

Marcomagus ist aus alten römischen Karten bekannt

Ursprünglich hielt man das einige Kilometer entfernte Eifeldorf Marmagen für diesen Ort, dort wurden jedoch keine Funde gemacht, die auf eine so wichtige Siedlung hindeuteten. Wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, daß sich die Position des Ortes in fränkischer Zeit verlagerte, wie es häufiger der Fall war, so daß daraus auch die Verschiebung des Ortsnamens resultiert.

Aufgrund der guten Fundlage wurde beschlossen, die Gegend touristisch zu erschließen und für Besucher Archäologie erlebbar zu machen. Deswegen wurde der Archäologische Landschaftspark eingerichtet, in dem die Sehenswürdigkeiten auf einem Rundweg erwandert werden können. Informationstafeln und Erlebnisstationen runden den Eindruck ab.

Zudem wurde im Museum im Obergeschoß des Naturzentrums auch eine Abteilung für römische Geschichte der Region eingerichtet, die weitere Hintergründe zum Matronenkult und zum römischen Alltagsleben in der Eifel vermittelt.

Der Park wurde am 18. Mai 2014 mit einem Römer- und Eburonenlager sowie fachkundiger archäologischer Betreuung eröffnet und erfreut sich seitdem großer Beliebtheit.

Beschreibung:

Der Rundweg ist mit dem Matronenlogo gut ausgeschildert

Der Rundweg ist mit dem Matronenlogo gut ausgeschildert

Am Naturzentrum Eifel beginnt der Rundweg, der durch den Landschaftspark führt. Er ist mit einem Matronenlogo markiert und die Ausschilderung ist vorbildlich. Eine Faltkarte mit den verschiedenen Stationen ist kostenlos im Naturzentrum erhältlich. Der Park ist nur zu Fuß zu erwandern, aber auf weiten Strecken Rollstuhl-, Fahrrad- und Kinderwagengerecht.

An einigen Stellen (wie hinauf zum Tempel) hat man die Wahl, einen unwegsameren Wanderweg zu benutzen, oder den gut ausgebauten, asphaltierten und einfacheren Weg.

Als erste Station erreicht der Besucher nach etwa 1,5 Kilometern den Matronentempel, der auf einer Anhöhe liegt. Hier kann man entweder dem asphaltierten Hauptweg folgen oder einen steilen Hohlweg erklimmen.

Auf dem Gipfel befindet sich die etwa 1,30 Meter hohe aufgemauerte Tempelanlage sowie eine kleine Schutzhütte mit Sitzbank. Informationstafeln vermitteln Hintergrundwissen zum Tempel auf der Grundlage neuer Untersuchungen.

Wer den Tempel von früher kennt (d.h. vor 2014), wird sich über die Umgestaltung wundern, denn die drei Weihesteine, die ursprünglich neben dem Eingang der Cella standen, sind verschwunden. Stattdessen reihen sich nun Weihesteine um den Tempel herum auf, während der Eingangsbereich leer bleibt, wie es neue wissenschaftliche Erkenntnisse andeuten. Auch wurden die alten Weihesteine durch neue Repliken ersetzt, die zum Teil aber nicht so detailliert gearbeitet sind wie die alten Steine, die uns persönlich besser gefallen haben. Diese wurden, laut einem archäologischen Mitarbeiter des Naturzentrums, leider oft vandalisiert und Souvenierjäger brachen sich Stücke davon ab. Die neuen Repliken sind vermutlich günstiger herzustellen und zu ersetzen, wenn sie Schaden genommen haben.

Wir hätten es gut gefunden, wenn man einige der Steine angemalt hätte, wie es zu römischer Zeit üblich war, als Statuen und Steine bunt bemalt waren (die Vorstellung weißer Statuen und Steine ist relativ neu und entspricht nicht der römischen Realität, die überaus farbenfreudig war).

Die Informationstafeln sind gut gemacht und reichlich vorhanden

Die Informationstafeln sind gut gemacht und reichlich vorhanden

Weihegaben sind aber auch auf den neuen Steinen zu finden und können dort problemlos abgelegt werden.

Auf dem höchsten Punkt der Anhöhe sind zwei Holzpfosten mit Gucklöchern errichtet, durch die Erwachsene und Kinder auf den darunterliegenden vicus von Marcomagus blicken und den Verlauf der Agrippastraße bis in die fernen Wälder verfolgen können. Auch hier gibt es Informationstafeln.

Vom Tempel folgt der Rundweg der römischen Schnellstraße hinab bis zur Urft. Links von der geschotterten Straße befinden sich die niedrig aufgemauerten Reste dreier Streifenhäuser, die man auch betreten kann, um sich einen Eindruck von der Größe dieser Geschäfts- und Wohnhäuser zu machen. Infotafeln vermitteln einen guten Eindruck, wie man sich das rege Treiben an der Hauptstraße vorstellen kann, das wohl eine Mischung aus stark bereister Fernstaße mit Geschäften und Handwerkern sowie Pilgerumtrieben war, wie man sie aus Wallfahrtsorten wie Kevelaer kennt.

Der Weg zieht sich hinab ins Urfttal und macht dort einen weitläufigen Bogen, um den Bahndamm zu überqueren, der sich quer durch den Landschaftspark zieht. Jenseits des Bahndamms setzt sich die Straße fort und stößt auf eine schmale Holzbrücke über die Urft. Sie befindet sich, wie Funde von Holzpfosten beweisen, an der originalen Stelle, an der einst die Agrippastraße die Urft überquerte. Die damalige Brücke war jedoch deutlich breiter, da sie von Wagen, Reitern und schweren Gespannen überquert werden mußte. Die heutige Brücke ist gerade breit genug für einen Fußgänger, stellt jedoch einen Kompromiß dar, da es vor der Errichtung Diskussionen mit Naturschützern gab, deren Bedenken durch die schmale, hölzerne Konstruktion schließlich ausgeräumt werden konnten.

Am Römerweiher

Am Römerweiher

An die Brücke schließt sich ein römischer Meilenstein und dahinter das Kastell an. Auch hier finden sich einige Informationstafeln. Das Kastell ist ebenfalls zum Teil aufgemauert, so daß vor allem der Eingangs- und Ausgangsbereich erkennbar ist, die so breit waren, daß man sie mit einem Fuhrwagen passieren konnte.

Der Rundweg führt auf dieser Uferseite der Urft zurück Richtung Nettersheim, vorbei am sogenannten „Römerweiher„, der tolle Wasserspiegelungen zu bieten hat.

Zuletzt wird eine Taverne passiert, in der man einkehren und einen römischen (oder modernen) Imbiß zu sich nehmen kann. Bei schönem Wetter kann man auch draußen sitzen. Hier befinden sich auch die historischen Werkhäuser von Nettersheim, in denen man römisch übernachten kann, sowie selbst an Kochveranstaltungen zur römischen Küche teilnehmen kann.

Gegenüber der Taverne liegen begehbare Kalkbrennöfen aus dem 19. Jahrhundert, bevor der Rundweg am Bahnhof Nettersheim die Gleise überquert und zurück zum Naturzentrum führt.

Die Brücke über die Urft führt zum Meilenstein und dem Kastell

Die Brücke über die Urft führt zum Meilenstein und dem Kastell

Im Naturzentrum sollte man sich noch das Museum anschauen und einen Blick in den Museumsshop werfen, wo es Matronenrepliken sowie Buchstützen mit dem Medusenhaupt der römischen Eifelwasserleitung zu kaufen gibt, außerdem Bücher und römische Münzen.

Der Park ist sehr gepflegt, vorbildlich beschildert und wird von engagiertem Personal betreut, dem die Vermittlung von Natur und Archäologie ein persönliches Anliegen ist.

Das durch das ganze Jahr gebotene Programm ist vielseitig und der Archäologische Park, der sich in einer steten Weiterentwicklung befindet, ist sicherlich ein attraktives Reiseziel in der Eifel, das leicht mit weiteren, in der Nähe gelegenen Zielen (wie den Matronentempeln von Pesch und Zingsheim, oder dem Beginn der Eifelwasserleitung) kombiniert werden kann.

Nicht zuletzt ist die Gegend auch landschaftlich sehr reizvoll mit den Hügeln, Wäldern und weiten Feldern der typischen Eifellandschaft.

Öffnungszeiten und Führungen:

Archäologie zum Anfassen

Archäologie zum Anfassen

Das Naturzentrum ist montags bis freitags von 9-16 Uhr geöffnet, samstags und sonntags von 10-16 Uhr. In den Sommermonaten (Mai bis Oktober) sind die Öffnungszeiten verlängert bis 18 Uhr.

Der Park selbst ist nicht umzäunt oder abgeschlossen, er kann rund um die Uhr betreten und erwandert werden (ist aber natürlich nicht beleuchtet, sondern liegt tief inmitten der Eifellandschaft).

Eintritt in den Park wird nicht erhoben. Auch der Besuch des Erdgeschosses des Naturzentrums mit Museumsshop, sanitären Anlagen, Korallenriff, Cafeteria, Veranstaltungsraum, Wickelraum, ist kostenlos.

Die Austellungen im Obergeschoß, inklusive dem nahe gelegenen Haus der Fossilien, den Werkhäusern und historischem Bauernhaus kosten 3€ für Erwachsene, 1€ für Kinder und 4€ für Familien.

Geführte Wanderungen und Exkursionen können beim Naturzentrum gebucht werden. Auch gibt es zahlreiche Angebote für Schulklassen und Gruppen mit römischen Themengebieten wie „Römische Werkstatt“, „Die Römer bitten zu Tisch“, „Römische Schönheitspflege“, „Römer-Olympiade“ etc.

Sonstiges:

Die Streifenhäuser des Handwerkerbezirks entlang der Straße

Die Streifenhäuser des Handwerkerbezirks entlang der Straße

Das Naturzentrum bietet auch einen Fahrradverleih, sowie die Fahrt im römischen Reisewagen (der für Gruppen vorab gebucht werden muß). Auch Geologenhammer, Lupe, Fernglas oder eine „Erlebnistasche Archäologie“ kann geliehen werden. Als besonderen Clou kann man sich auch das Marschgepäck eines römischen Legionärs ausleihen, um damit einmal hautnah zu erleben, wieviel ein Legionär mit sich herumtrug.

Fotografieren ist überall erlaubt.

Am Naturzentrum findet jährlich ein Römer- und Eburonenlager statt. Die Termine sind dem Veranstaltungsplan auf der Website des Naturzentrums zu entnehmen.

Weiterführende Informationen:

Am Ausgang des Kastells ist der weitere Verlauf der Agrippastraße gut sichtbar

Am Ausgang des Kastells ist der weitere Verlauf der Agrippastraße gut sichtbar

Antike Stätten: Römisches Matronenheiligtum Nöthen/Pesch

 

Umgangstempel mit Cella

Umgangstempel mit Cella

Anschrift:

Der Tempel liegt im Wald und ist nur zu Fuß zu erreichen. Keine postalische Anschrift.

Anfahrt:

Der Tempelbezirk liegt in der Nordeifel, auf der Anhöhe „Addig“ inmitten des Waldes zwischen den Dörfern Nöthen (zu Bad Münstereifel gehörend) und Pesch (zu Nettersheim gehörend). Er ist nicht direkt mit dem Auto zu erreichen, sondern nur über Wanderwege.

Mit dem Auto erreicht man ihn über die A1 Abfahrt Nettersheim, Richtung Zingsheim (wo man bei der Gelegenheit gleich den ersten der drei in dieser Gegend liegenden Matronentempel besuchen kann). Bei Zingsheim auf die L206 Richtung Pesch fahren, dann durch den Ort Pesch hindurch bis zu einem Parkplatz-Schild. Ein kleiner Weg führt an den Becken der Kläranlage vorbei zu einem Wanderparkplatz, auf dem ein Holztisch mit zwei Bänken und eine große Wandertafel stehen. Ein Schild „Römertempel“ weist den Weg in den Wald. Parkmöglichkeiten sind ausreichend vorhanden.

Alternativ kann man der Landstraße noch einige Meter Richtung Nöthen folgen und erreicht dann einen zweiten Zugangsweg zum Tempel, hier mit dem Hinweisschild „Heidentempel“ beschriftet.

Weg hinauf zum Waldtempel

Weg hinauf zum Waldtempel

Der erste Zugangsweg vom Wanderparkplatz aus folgt dem Wanderweg A1 des Deutsch-Belgischen Naturparks Eifel und ist etwas spektakulärer, weil er erst einen kleinen Bach überquert und dann aus dem Flußtal herauf steil auf die Anhöhe führt. Die Entfernung beträgt etwa 300 Meter. Vom zweiten Parkplatz aus ist der Weg direkter, flacher und einfacher zu gehen, hier beträgt die Entfernung etwa 200 Meter.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Tempel so gut wie gar nicht zu erreichen. Der Tempel ist 7 Kilometer vom Naturzentrum Eifel in Nettersheim entfernt, das mit der Deutschen Bahn bis Bahnhof Nettersheim gut als Ausgangspunkt für den Besuch des dortigen Tempels genommen werden kann. Da sich alle drei Tempel im Umkreis befinden (wobei Zingsheim genau auf halber Strecke zwischen Pesch und Nettersheim liegt), bietet sich hier eine Rundwanderung oder Radtour von Nettersheim aus an. Die Strecke ist gut an einem Tag zu bewältigen und auch nicht durch starke Steigungen geprägt. Die Entfernung vom Tempel Pesch nach Zingsheim beträgt 6,5 Kilometer.

Busse nach Pesch und Nöthen fahren ab Bad Münstereifel, Schleiden und Nettersheim, jedoch nur sehr sporadisch, so daß man sich hier vorher gut informieren muß, um nicht in der Eifel zu stranden (was natürlich auch reizvoll sein kann, die Urlaubsgegend ist sehr beliebt bei Wanderern und Radfahrern).

Hintergrundinformationen:

Der Tempelbezirk Pesch ist eine gallo-römische Tempelanlage aus dem 1. bis 4. Jahrhundert n.Chr. Es handelt sich um ein Matronenheiligtum für die Matronae Vacallinehae, die in der Region sehr verbreitet waren, wie die Funde von 130 vollständigen und 150 teilerhaltenen Weiheinschriften und -steinen belegen.

Sie waren sowohl bei den einheimischen Kelten, als auch bei den von den Römern hier angesiedelten germanischen Ubiern und den römischen Einwohnern, beginnend mit den hier stationierten Legionären, sehr beliebt.

Weihestein der Matronae Vacallinehae

Weihestein der Matronae Vacallinehae

Aufgrund der geografischen Lage geht man davon aus, daß es sich hier ursprünglich um einen Baumkultort der keltischen Vacalli handelte, einem hier ansässigen eburonischen Klan / Sippe. Mit dem Beginn der römischen Besiedlung der Eifel wandelte sich die Darstellung der Matronen zur typisch römischen bildlichen Darstellung, wie man sie auf zahlreichen hier gefundenen Weihesteinen kennt und der Tempel wurde zu einer großen Tempelanlage mit mehreren Gebäuden aus Stein ausgebaut.

Neben der Cella, in der wahrscheinlich lebensgroße Statuen der Matronen standen, gab es im angrenzenden Kulthof, in dem Pilger ihre Weihesteine errichteten, auch einen kleinen Sechsecktempel für Jupiter.

Wie die anderen Matronentempel, so lag auch der Tempel von Pesch in der Nähe der vielbereisten römischen „Schnellstraße“ zwischen Köln und Trier, der Agrippastraße.

Die Tempelanlage wurde zwischen 1908 und 1913 von Hans Lehner vom Provinzialmuseum Bonn ausgegraben. Weitere Nachgrabungen fanden im Jahr 1962 statt, bei denen zahlreiche Weihesteine der Matronae Vacallinehae gefunden wurden. Die Existenz des im Volksmund als „Heidentempel“ oder „Heidenpütz“ genannten Ortes war aber schon seit dem 19. Jahrhundert bekannt.

Bei der heute vorgefundenen Tempelanlage handelt es sich um Überreste aus der 3. Bauphase im vierten Jahrhundert, in der Teile des älteren Tempels abgerissen und in großem Maßstab planmäßig neu gebaut wurden. Es handelte sich um eine große Anlage von 100 x 34 Metern Länge, die aus mehreren Gebäuden und einem großen Festplatz bestand, auf dem Prozessionen und Veranstaltungen abgehalten wurden. Für den großangelegten Umbau im vierten Jahrhundert wurden die alten Gebäude einplaniert und es wurden neben Grauwacke und rotem Sandstein auch alte Weihesteine als Baumaterial für die neuen Gebäude verwendet.

Es ist davon auszugehen, daß sich die Anlage zu einer weithin beliebten Wallfahrtsstätte entwickelte. Neben dem Umgangstempel und dem Kulthof gab es einen (aus einer älteren Bauphase stammenden) gemauerten Brunnen, der noch heute erhalten ist. Zudem gab es einen hohen Versammlungsraum – die durch Säulen unterteilte dreischiffige Basilika -, sowie etliche kleinere Gebäude. Der Tempelbezirk war mit einer Mauer und Wandelhalle samt überdachtem Porticus von 120 Metern Länge umgeben, in dem sich die Pilgerunterkünfte und Devotionalienhändler befanden.

Anfang des 5. Jahrhunderts wurde der Tempel zerstört. Die Fundsituation deutet darauf hin, daß er gewaltsam zerstört wurde und nicht, wie andere Tempel, einfach mit der Zeit verfiel.

Der Brunnen spielte seit der Anfangszeit eine wichtige Rolle bei kultischen Handlungen

Der Brunnen spielte seit der Anfangszeit eine wichtige Rolle bei kultischen Handlungen

Weihesteine überdauerten die Zeit, weil sie zweckentfremdet wurden. So stammt einer der besterhaltenen Weihesteine für die Matronae Vacallinehae aus der Pfarrkirche von Weyer in der Eifel, wo er als Altarstein diente.  Ein großer Matronen-Weihestein wurde als Grababdeckplatte eines in der Nähe von Pesch gelegenen Frankengrabes aus dem 6. Jahrhundert gefunden.

Die Originalfunde aus Pesch und Umgebung befinden sich heute im Rheinischen Landesmuseum in Bonn, darunter auch solche mit Darstellungen religiöser Opferhandlungen wie die Opferung durch einen Mann in Toga, der Weihrauch als Opfergabe auf den Altar streut, während ein Opferdiener im Hintergrund ein Kästchen mit den Opfergaben hält und ein zweiter eine Kanne und eine Schale mit Griff zur anschließenden Handwaschung bereithält. Begleitet wird die Szene von einem Musikanten mit einer Doppelflöte.

Das Gelände ist teilrestauriert, wobei die Mauern der Cella auf zwei Meter Höhe aufgemauert wurden, um dem Besucher einen besseren Eindruck der Struktur der Anlage zu vermitteln. Die anderen Gebäude und Räume sind mit niedrigeren Mauern bis ca. 1 Meter Höhe aufgemauert. Restaurierungsarbeiten zum Schutz der Anlage finden regelmäßig statt.

Beschreibung:

Der Tempel gehört zu den besterhaltenen römischen Kultanlagen in Nordrhein-Westfalen.

Von allen drei Matronentempeln in der Gegend ist die Lage des Heiligtums nahe Pesch inmitten des Waldes sicherlich die idyllischste. Auch ist dieser Tempelbezirk aufgrund der zahlreichen Nebengebäude der weitläufigste und detailreichste der drei Tempel.

Moderne Info-Tafeln vermitteln Hintergrundinformationen über die Anlage, zusammen mit kleineren, alten Tafeln, die vor den jeweiligen Gebäuden stehen. Sie sind illustriert und gut gestaltet.

Weihestein mit Opfergaben im Kulthof

Weihestein mit Opfergaben im Kulthof

Am Eingang des Tempelbezirks, wo sich die Wanderwege der beiden Parkplätze treffen, befindet sich eine Schutzhütte aus Holz, in der sich auch eine Sitzbank befindet. Sie ist schwarz gestrichen und fügt sich relativ dezent in die Waldumgebung ein.

Die innere Cella des Umgangstempels war nachweislich farbig ausgemalt. Durch die Aufmauerung auf zwei Meter Höhe und Bepflanzung mit einer Grasnarbe bekommt man einen recht guten Eindruck von den Größenverhältnissen.

Am Eingang zur Cella befinden sich zwei Weihesteine, links eine Replik des Weihesteins für die aufanischen Matronen aus Nettersheim (weil man seinerzeit, als der Tempel restauriert wurde, noch keinen geeigneten Weihestein für die vacallinehischen Matronen gefunden hatte). Mit der Entdeckung des Steins unter dem Altar der Kirche von Weyer wurde dieser Stein schließlich rechts vom Eingang aufgestellt. Die Inschrift lautet:

MATRONIS
VACALLINEHIS LUC(IUS)
CALDINIUS FIRMIN(IUS)
L(IBENS) M(ERITO)

Übersetzung:

Den vacallinehischen Matronen (hat) Lucius Caldinius Firminius gerne und nach Verdienst (sein Gelübde erfüllt)

An Farbresten konnte rekonstruiert werden, daß die Weihesteine farbig bemalt waren (wie es allgemein für römische Statuen, Götterbilder und Monumente üblich war).

Auf beiden Weihesteinen sind immer Opfergaben der Besucher zu finden und es ist auch möglich, eigene Opfergaben zu hinterlegen. Hierbei sollten jedoch einige Grundsätze beachtet werden, die nicht allen Besuchern der drei Tempel eingängig zu sein scheinen.

Die Umschreitung des Tempelinneren durch den Umgang ist möglich.

An den Umgangstempel schließt sich der Kulthof an, in dem sich früher einige Gebäude sowie ein großer Platz für die Weihesteine der Pilger und für Prozessionen und Veranstaltungen befanden. In seiner Mitte ist er leicht erhöht, was möglicherweise kultische Bedeutung hatte und auf die Herkunft des Tempels als Baumheiligtum hindeutet. Die umgebende Mauer des Kulthofes ist durch eine niedrige Mauer angedeutet, eine Infotafel informiert auch hier über die damalige Beschaffenheit und Funktion der Anlage.

In der Schutzhütte befindet sich auch eine Infotafel

In der Schutzhütte befindet sich auch eine Infotafel

In der Mitte des Hofes, auf der höchsten Erhebung, befindet sich eine Feuerstelle, die in regelmäßigem Gebrauch zu sein scheint. Daneben sind im Kulthof einige weitere Weihesteine für Matronen verteilt, die ebenfalls ständig mit Opfergaben dekoriert sind.

Vom Kulthof geht ein kleiner Fußweg hinunter zum gemauerten Brunnen, der schon aus den Anfangszeiten des Tempels stammt. Sein Wasser spielte eine wichtige Rolle für kultische Handlungen. Leider wird der Brunnen, wie üblich, immer wieder als Abfalleimer mißbraucht, obwohl man ihn mit einer massiven Eisenkonstruktion abgedeckt hat.

An den Kulthof schließt sich die Basilika an, die Versammlungshalle, die wohl profanen wie religiösen Zwecken gedient hat. Die Säulen, die die Schiffe getragen haben, sind noch als Sockel erhalten. Auch ist überliefert, daß es in ihr Sitzgelegenheiten gab. Sie ist ebenfalls von einer angedeuteten Mauer umrahmt, um die Größe zu verdeutlichen.

Die ganze Anlage ist sauber und gepflegt.

Insbesondere bei schönem Wetter ist hier einiges los, der Tempel ist beliebt bei Wanderern, Radfahrern, archäologisch interessierten Besuchern, die die „Straßen der Römer“ in der Eifel bereisen, sowie Angehörigen diverser religiöser und gesellschaftlicher Gruppierungen. Da das Gelände aber recht weitläufig ist, verläuft es sich etwas besser als in den Tempeln von Zingsheim oder Nettersheim.

Eintritt und Zugänglichkeit

Rekonstruktion des Tempels mit Prozession

Rekonstruktion des Tempels mit Prozession

Die Tempelanlage ist rund um die Uhr frei zugänglich. Eintritt wird nicht erhoben.

Der Tempel liegt mitten im Wald auf einer leichten Anhöhe, ist also nicht direkt mit dem Auto zu erreichen. Auch nächtliche Besuche sind ohne weiteres möglich. Da die Anlage etwas abseits des nächsten Ortes liegt und (vor allem im Sommer) durch den umgebenden Wald sichtgeschützt ist, ist er gut für etwaige Rituale geeignet. Man sollte jedoch damit rechnen, insbesondere bei Jahreskreisfesten wie Beltane oder Sonnenwende auch auf andere heidnische Gruppierungen, wie Germanengruppen oder Hexen aller Art zu treffen.

Sonstiges

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Der Besuch des Tempels sollte idealerweise mit einem Besuch aller drei Matronentempel in der Gegend kombiniert werden, die aufgrund ihrer unmittelbaren Nähe alle an einem Tag aufgesucht werden können.

Weiterführende Informationen

Antike Stätten: Römisches Matronenheiligtum Nettersheim

 Update Mai 2014:

Im Mai 2014 eröffnete der „Archäologische Landschaftspark Nettersheim„. Durch neue Grabungen und Erkenntnisse aus der hier noch immer laufenden archäologischen Forschung wurde der zum Tempel gehörige Vicus Marcomagus samt Kleinkastell entdeckt und zum Teil freigelegt. Noch immer forscht und gräbt dort die Universität Köln, die durch geophysikalische Bodenuntersuchungen zahlreiche weitere Gebäude entlang der Agrippastraße ermittelt hat. Das Gelände wird jetzt vor allem für Lehrgrabungen genutzt und weiter freigelegt.

Reger Betrieb anläßlich der Eröffnung des Archäologieparks am 18. Mai 2014

Reger Betrieb anläßlich der Eröffnung des Archäologieparks am 18. Mai 2014

Nun führt ein 4,5 Kilometer langer, mit „Matronenlogo“ gekennzeichneter Rundweg vom Naturzentrum Nettersheim zum Tempel. Von dort ist es möglich, der mit Schotter und einer Waldschneise angedeuteten Agrippastraße hinab zur Urft zu folgen. Streifenhäuser der hier an der vielbefahrenen Schnellstraße ansässigen Handwerker und Händler sind zum Teil restauriert. Eine Holzbrücke überquert die Urft an der Stelle der originalen Römerbrücke und führt zum Kleinkastell am anderen Ufer, in dem die Beneficarier ansässig waren, die hier besonders den Matronenkult pflegten.

Durch die Umgestaltung des Geländes wurde auch der Tempel höher aufgemauert und neusten wissenschaftlichen Erkenntissen angepaßt. Er gilt nun nicht mehr als typisch gallo-römischer Umgangstempel, sondern der Haupttempel bestand aus einem Gebäude ohne säulengetragenen Umgang.

Die Weihesteine wurden vom Eingang der Cella entfernt und rund um das Tempelgebäude aufgestellt. Hierbei wurden die Steine durch (etwas einfacher gestaltete) Repliken ersetzt, was lt. Informationen eines wissenschaftlichen Mitarbeiters des Naturzentrums auch dem Vandalismus bzw. der Souvenierjägerschaft vieler Besucher zu verdanken ist, die sich oft Stücke der alten, detaillierten Weihesteine abbrachen und diese mitnahmen.

Die Informationstafeln wurden überarbeitet und neu gestaltet.

Die Tempelanlage liegt auf einem Bergrücken und bietet eine tolle Aussicht über die Eifel

Die Tempelanlage liegt auf einem Bergrücken und bietet eine tolle Aussicht über die Eifel

Anschrift: 

Es handelt sich um ein Höhenheiligtum auf einem Bergrücken. Keine postalische Anschrift.

Anfahrt:

Der Tempel „Görresburg“ liegt im Urfttal bei Nettersheim in der Eifel. Er ist nicht direkt mit dem Auto zu erreichen, sondern muß erwandert werden.

Nettersheim ist mit dem Auto über die A1 zu erreichen. Der Ort hat auch einen Bahnhof, der von Regionalbahnen aus Köln, Trier und Gerolstein angefahren wird, so daß er für Eifelverhältnisse sehr gut erreichbar ist.

Im Ortskern von Nettersheim befindet sich das „Naturzentrum Eifel„, das als Ausgangspunkt genommen werden kann. Hier gibt es auch Parkmöglichkeiten, ein Museum zu den Themen Archäologie, Geologie und Biologie mit Museumsshop (samt Matronenrepliken!) und einem kleinem Cafe mit hausgemachtem Kuchen, Kaffee und Tee. Auch gibt es im Ort ein großes Jugendgästehaus mit einfachen Übernachtungsmöglichkeiten sowie viele Möglichkeiten zur privaten Unterkunft, da der Ort ganz auf Naturtourismus ausgerichtet ist.

Rund um Nettersheim gibt es gut ausgeschilderte Wanderrouten, wie den „Erlebnispfad“ und den „Schmetterlingspfad“, deren Pläne im Naturzentrum erhältlich sind. Der Matronentempel ist nun Teil des Archäologischen Landschaftsparks und kann auf einem gut ausgeschilderten Rundweg erwandert werden.

Vom Naturzentrum aus führt der Weg entlang der Urft über einen breiten, gut ausgebauten Wanderweg zum Hügel, auf dem das Matronenheiligtum zu finden ist. Es führen zwei Wege auf den Gipfel hinauf, ein steilerer Hohlweg am Nordhang und ein breiter, asphaltierter Weg für Gehbehinderte und Besucher mit Kinderwagen.

Der Weg zum Tempel ist stark frequentiert, da er von allen drei Matronentempeln der beliebteste und bekannteste ist. Die Entfernung vom Naturzentrum beträgt etwa 1,5 Kilometer. Neben dem Archäologischen Landschaftspark ist der Tempel an die 12 km lange Rundwanderroute „Archäologie entdecken“ angebunden, die ebenfalls am Naturzentrum beginnt und auf der unter anderem auch der Beginn der Eifeler Wasserleitung, die einst Köln mit 20 Millionen Litern Trinkwasser täglich versorgte, zu besichtigen ist (Römischer Brunnenanlage „Grüner Pütz“).

Hintergrund:

Das Matronenheiligtum liegt auf dem Rücken eines Berges oberhalb des Urfttales. Hier entdeckten Bauern im Jahr 1909 große Steine mit den Abbildern „merkwürdiger Figuren“. Archäologen identifizierten die Steine als Weihesteine für Matronen, lokale Schutz- und Fruchtbarkeitsgöttinnen, die meist in Dreiergruppen auftreten. Sie sind typisch für den Eifelraum, wo sie ursprünglich von einheimischen Kelten (wahrscheinlich den hier ansässigen Eburonen) und Germanen (von den Römern angesiedelte Ubier) verehrt wurden. Die Römer, beginnend mit den hier stationierten Legionären, übernahmen den Kult, der germanische, keltische und römische Einflüsse miteinander verschmolz, und die Matronen erlangten regional sehr große Beliebtheit. Steinerne Bilder von Matronen sind seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. bekannt.

Die Weihesteine für die Matronen

Die Weihesteine für die Matronen (Position bis 2014)

In unmittelbarer Nähe, in nur wenigen Kilometern Entfernung, liegen zwei weitere Matronenheiligtümer: der Matronentempel von Zingsheim und der „Heidentempel“ von Nöthen/Pesch, wobei Zingsheim genau in der Mitte zwischen den anderen beiden liegt, so daß angenommen wird, daß die drei Heiligtümer miteinander in Verbindung standen.

Das Bergheiligtum bei Nettersheim lag direkt an der Agrippastraße, einer vielbereisten römischen „Schnellstraße“ zwischen Köln, der Landeshauptstadt der Germania inferior und Trier, der Kaiserstadt in Gallien. Die unmittelbare Lage an der mit einer Trassenbreite von 12 Metern belegten Schnellstraße zeigt die Bedeutung des Tempels, der auf diese Weise gut von Pilgern erreicht werden konnte, aber vermutlich auch anderen Reisenden Unterkunft und Rastmöglichkeit bot. Der Verlauf der Agrippastraße ist heute im Archäologiepark mit Schotter verdeutlicht; die virtuelle Fortsetzung wird durch eine in den anschließenden Eifelwald geschlagene Schneise gezeigt.

Die Tempelanlage lag oberhalb der römischen Siedlung, die sich südlich vom Tempel am Ufer der Urft befand. Der Name der Siedlung ist nicht bekannt, da auf Bruchstücken von Wegsteinen kein Ortsname erhalten ist, lediglich der Hinweis auf den Ort, den vicus. Neue Forschungen gehen davon aus, daß es sich um den auf römischen Karten verzeichneten Ort Marcomagus handelt (der nicht mit dem einige Kilometer entfernten Marmagen identisch ist, dessen Position vermutlich in fränkischer Zeit eine Ortsverschiebung erfuhr).

Die Weihesteine sind nun rund um das Tempelgebäude aufgestellt (ab 2014)

Die Weihesteine sind nun rund um das Tempelgebäude aufgestellt

Bei ersten Ausgrabungen datierte man die Weihesteine auf etwa 200 n.Chr. Es wurde eine lange Umfassungsmauer mit Eingang und Ausgang freigelegt, die drei Gebäude umschließt, eines davon eine große Cella, sowie Brandgruben für Opferungen. Bei den Ausgrabungen fand man weitere Weihesteine, Tonscherben, Säulenreste, Keramik, Münzen, 40 Inschriftensteine und andere Stücke, die in das Rheinische Landesmuseum in Bonn gebracht wurden und die die große Bedeutung im damaligen römischen Cultus belegen. Nach den ersten Ausgrabungen wuchs die Tempelanlage wieder zu und wurde erst im Jahr 1977 erneut archäologisch untersucht. Südlich außerhalb der Umrandung wurden zudem Fundamentreste entdeckt, die zeigen, daß dort noch weitere Gebäude zu finden waren.

Im Jahr 2009 wurden durch neue geophysikalische Untersuchungsmethoden der dazugehörige Vicus und das Kastell entdeckt und zum Teil freigelegt. Im Rahmen dieser Ausgrabungen wurde auch der Tempel neu bewertet, unter anderem in einer Magisterarbeit einer Kölner Archäologiestudentin, die neue Erkenntnisse zum Aufbau und Betrieb der Kultstätte erbrachten und zur Neugestaltung der Anlage führten.

Die Cella war aus Kalkbruchstein mit Ziegeln gemauert und an den Außenmauern weiß verputzt. Ein offener, von hölzernen Säulen getragener Umgang, der bis 2009 vermutet wurde (wie man es auch vom Martberg an der Mosel sowie vom Matronentempel Pesch kennt, wo die Säulenfundamente erhalten sind), gilt heute als nicht mehr belegt und wurde in modernen Rekonstruktionszeichnungen entfernt.

Schließlich wurden die Mauerreste teilrekonstruiert und etwa 1,30 Meter hoch aufgemauert, um Besuchern eine bessere Vorstellung vom Aufbau des Tempelkomplexes zu vermitteln. Außerdem wurden Replikate der Weihesteine aufgestellt, deren Originale im Rheinischen Landesmuseum Bonn besichtigt werden können.

Verehrt wurden hier die Matronae Aufaniae, die aufanischen Matronen. Im Gegensatz zu den nur aus dieser Gegend bekannten fachineischen Matronen (die in Zingsheim verehrt wurden), waren die aufanischen Matronen in ganz Westeuropa verbreitet, so in Bonn, Köln, Jülich, Xanten, Nijmegen, Düsseldorf, Mainz, Lyon und sogar im spanischen Carmona, wie über 90 Fundstellen belegen.

Die neuen Informationstafeln des Archäologieparks sind gut gestaltet

Die neuen Informationstafeln des Archäologieparks sind gut gestaltet

Der Tempel bestand vom 1. bis zum 4. Jahrhundert. Viele der Weihesteine stammten von Angehörigen der römischen Schutztruppen (Benefiziarier, also so etwas wie Straßenpolizisten), die im Kleinkastell unterhalb des Tempels am Ufer der Urft stationiert waren und wahrscheinlich zur Legio I Minervia aus Bonn gehörten.

Die Übersetzung der Inschriften auf den drei großen, am Eingang zum Tempel aufgestellten Weihesteine lautet:

Linker Stein: „Den Aufanischen Matronen hat Marcus Pettronius Patroclus, Benefiziarier im Stabe des Statthalters und zum zweiten Male auf Posten, sein Gelübde gerne und nach ihrem Verdienst eingelöst.“

Mittlerer Stein: „Den Aufanischen Matronen hat Gaius Lucretius Fatius, Benefiziarier im Stabe des Statthalters, gerne nach ihrem Verdienst sein Gelübde eingelöst.“

Rechter Stein: „Den Aufanischen Göttinnen für das Heil des unbesiegten Kaisers Antonius hat Marcus Aurelius Agrippinus, Benefiziarier im Stabe des Statthalters, sein Gelübde gerne und nach ihrem Verdienst eingelöst.“

Da im letzten Stein der Kaiser genannt wird, läßt er sich sehr genau auf die Jahre zwischen 211 und 222 datieren.

Auf der Vorderseite zeigen alle Steine sitzende weibliche Figuren. An den Schmalseiten sind verschiedene Abbildungen zu finden, so ein Füllhorn, ein Altar mit einem Schweinekopf, sowie andere Gottheiten (zum Beispiel Venus und Herkules auf dem mittleren Weihestein).

Beschreibung:

Dieses Matronenheiligtum ist ganz sicher das bekannteste und am meisten besuchte aller in der Eifel liegenden Matronenheiligtümer. Der Weg dorthin ist landschaftlich sehr reizvoll und die exponierte Lage auf dem Bergrücken erlaubt eine uneingeschränkte Aussicht auf das Urfttal und die umliegenden Berge, Felder und Wälder der Eifel. Durch die Anlage des Archäologieparks wird der Tempel nun in einen völlig neuen Zusammenhang gestellt und durch die räumliche Nähe zur Handwerker- und Handelsstraße sowie zum Kastell ergibt sich eine viel deutlichere Vorstellung vom damaligen Betrieb, den man sich wie eine Mischung aus reger Geschäftsstraße und Pilgerverkehr in Kevelaer vorstellen kann.

Der Tempel ist gut ausgeschildert. Ein Matronenlogo weist den Weg

Der Tempel ist gut ausgeschildert. Ein Matronenlogo weist den Weg

Die Anlage ist gepflegt und sauber. Informationstafeln informieren über die Geschichte und Hintergründe dieser Tempelanlage. Sie finden sich überall entlang des Rundweges und wurden durch die Gemeinde Nettersheim aufgestellt, die den Tempel zusammen mit dem Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege betreut.

Es gibt auch eine Schutzhütte sowie die Möglichkeit zum Picknick.

Es herrscht oft reger Betrieb in der Tempelanlage, wobei das Publikum sehr gemischt ist. Sowohl Schulklassen und Wanderer auf dem Erlebnispfad des Naturzentrums suchen diesen Ort auf, als auch Angehörige diverser religiöser und gesellschaftlicher Gruppen. Von meditierenden Frauengruppen über Wicca bis hin zu Anhängern des Asatru und freien Hexen ist hier alles anzutreffen. Auch finden sich hier archäologisch interessierte Besucher, auf den Spuren der Römer durch die Eifel reisend, denn der Tempel gehört auch zu den überregionalen Zielen der „Straßen der Römer an Eifel und Mosel“, die mit einem Reiseführer zwischen summenden, singenden und trommelnden Frauen umherwandern. Chancen auf weniger Besucher hat man eher außerhalb der Ferienzeit und bei etwas bedeckterem Wetter sowie im Winter.

Auch auf den neuen Weihesteinen finden sich schon Opfergaben

Auch auf den neuen Weihesteinen finden sich schon Opfergaben

Es sind immer frische Opfergaben an den Matronensteinen zu finden. Darunter eher traditionelle Gaben aller möglichen Kulte wie Opferbrote, Blumen, Räucherwerk, Früchten, Münzen bis hin zu modernen Suggestiv-Zettelchen rat- oder heilungssuchender Frauen mit Aufschriften wie: „Ich bin stark und liebenswert“ oder kleinen, abstrakten, selbstgemachten Gemälden oder handgefertigten Figürchen aus Ton oder Stroh.

Das Ablegen eigener Opfergaben und das Räuchern stellt auch für den römisch-rekonstruktionistischen Cultor generell kein Problem dar, auch wenn man natürlich selbst entscheiden muß, ob man mit lateinischen Ritualen und römischer Kopfbedeckung unbedingt die Aufmerksamkeit von gerade anwesenden modernen Hexen auf sich ziehen möchte. Erwischt man aber einen guten Zeitpunkt, so kann man in Ruhe und ungestört die Cella umwandern.

Meistens lassen sich die Anwesenden gegenseitig in Ruhe, so fanden wir bei unserem letzten Besuch sowohl eine Frau vor, die im Schneidersitz vor den Matronensteinen saß und in ein Gebet vertieft war, als auch eine Gruppe aus drei Frauen, die leise sprechend im Umgang des Tempels saßen.

Durch die Einbettung in den Archäologischen Landschaftspark und die räumliche Nähe zum Vicus und Kastell ist nun mit höherem Besucheraufkommen zu rechnen, da die Anzahl der Sehenswürdigkeiten und ihre Präsentation nun für Touristen und Wanderer sehr attraktiv geworden ist.

Eintritt und Zugänglichkeit:

Der Tempel und der Archäologische Landschaftspark ist jederzeit frei zugänglich. Man muß allerdings zu Fuß hinwandern, da eine direkte Zufahrt mit dem Auto nicht möglich ist.

Auch nächtliche Besuche sind möglich, wobei jedoch zu beachten ist, daß die exponierte Lage auf dem Rücken des Berges im Umland weithin sichtbar ist, was insbesondere bei Feuer zu beachten ist.

Wer irgendwelche nächtlichen Rituale durchführen möchte, sollte im Auge behalten, daß es ab und zu auch germanische Gruppen nachts zu diesem Tempel zieht, deren Praktiken mit dem Cultus Deorum eher inkompatibel sind. Auch mit hexischen Aktivitäten zu besonderen Anlässen wie Beltane oder Sonnenwende ist zu rechnen.

Abgesehen davon, daß nächtliche Tempelaktivitäten in der römischen Religion, von speziellen Kulten für besondere Gottheiten einmal abgesehen, ohnehin eher unüblich waren, steht einem Besuch dieses Ortes bei Nacht um der Atmosphäre willen nichts im Wege, sofern man den Weg durch die dunkle, unbeleuchtete Eifellandschaft findet und potentielle Begegnungen mit anderen Nachtschwärmern in Kauf nimmt.

Sonstiges:

Die Anlage ist weitläufig und es gibt auch einen Unterstand, der vor Unwetter schützt

Die Anlage ist weitläufig und es gibt auch einen Unterstand, der vor Unwetter schützt

Zwischenzeitlich gab es Pläne der Gemeindeverwaltung Nettersheim, einen gigantischen hölzernen Kubus in die Cella des Tempels zu bauen. Dieses Projekt wurde – den Göttern sei Dank -nach Protesten zahlreicher Interessengruppen und der Bevölkerung gestoppt.

Fotografieren ist natürlich uneingeschränkt möglich.

Der Besuch des Tempels sollte idealerweise mit einem Besuch aller drei Matronentempel in der Gegend kombiniert werden, die aufgrund ihrer unmittelbaren Nähe alle an einem Tag aufgesucht werden können.

Auch sollte man unbedingt den kompletten Rundwanderweg gehen, um ein vollständiges Bild von der Lage des Tempels oberhalb der Schnellstraße und von der dazugehörigen Siedlung zu erhalten.

Das Naturzentrum Nettersheim bietet auch Fahrten mit einem römischen Reisewagen zum Tempel an.

Teilnahme an Wochend-Grabungscamps unter fachkundiger archäologischer Führung ist ebenfalls möglich!

Weiterführende Informationen:

 

Antike Stätten: Römisches Matronenheiligtum Zingsheim

 

Der Matronentempel „Vor Hirschberg“ in Zingsheim

Anschrift:

Der Tempel liegt etwas abseits der K59 im Gewerbegebiet von Zingsheim / Eifel. Keine postalische Anschrift.

Anfahrt:

Der K59 von Nettersheim nach Zingsheim folgen. Der Tempel ist am Straßenrand der K59 mit „Römischer Tempel“ ausgeschildert. Er liegt im Gewerbegebiet Zingsheim, in der Nähe eines Sägewerks und eines Holzturms, man kann auch den Schildern zum Gewerbe „Auf der Heide“ folgen. Parkmöglichkeit in unmittelbarer Nähe ist vorhanden. Um ihn zu finden, muß man die Augen offenhalten, da es keine Anschrift für das Navi gibt.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Matronentempel, wie die beiden anderen Tempel in unmittelbarer Nähe, nicht direkt zu erreichen. In die nächstgrößeren Ortschaften – Bad Münstereifel und Nettersheim – gelangt man mit der Deutschen Bahn. Busse nach Zingsheim verkehren aus Nettersheim, Kall und Bad Münstereifel, allerdings fahren sie sehr unregelmäßig, so daß man sich hier vorher kurzfristig informieren sollte, wenn man nicht in der Eifel stranden möchte (was allerdings auch lohnenswert sein kann, denn hier ist eine beliebte Urlaubs- und Wandergegend 😉 ).

Wanderfreudige können den Tempel gemeinsam mit dem großen Matronenheiligtum bei Nettersheim auf der Görresburg erwandern; die Entfernung zwischen beiden Tempeln beträgt etwa 5 Kilometer. Von Bad Münstereifel bis Zingsheim sind es etwa 12 Kilometer. Der Tempel liegt am „Kräuterpfad„, der Nettersheim und Bad Münstereifel miteinander verbindet.

Hintergrund:

In der Umgebung von Nettersheim sind drei römische Matronenheiligtümer zu finden: bei Zingsheim, Nettersheim („Görresburg“) und Nöthen-Pesch. Da alle drei in unmittelbarer Umgebung voneinander liegen, wird angenommen, daß sie miteinander im Zusammenhang stehen. Zingsheim liegt genau auf halbem Weg zwischen den Tempelbezirken von Nettersheim und Pesch.

Der Celeris-Weihestein. Auch heute findet man dort Gaben, wie diese Blumen

Der Celeris-Weihestein. Auch heute findet man dort Gaben, wie diese Blumen

Bei dem Tempel in Zingsheim handelt es sich um Teile einer gallo-römischen Tempelanlage, die 1960 entdeckt wurde. Freigelegt wurde die 2,60 x 3,40m große  Cella des Umgangstempels, die von einem säulengestützten Umgang umgeben war (wie man es z.B. beim rekonstruierten Tempel auf dem Martberg an der Mosel gut sehen kann). Die Fundamente wurden bei Bauarbeiten im Gewerbegebiet im Flurabschnitt „Vor Hirschberg“ entdeckt, weswegen der Tempel heute auch diesen Beinamen trägt.

Verehrt wurden, wie man aus Weiheinschriften auf Bruchstücken von Kalk- und Sandsteinen weiß, die Matronendreiheit der Matronae Fachinehae („Fachinehische Matronen“), deren Kult nur in Zingsheim und Euskirchen nachgewiesen wurde, von dem man hier aber schon seit Ende des 19. Jahrhunderts Kenntnis hatte. Es handelte sich bei ihnen um einheimische Schutz-, Fruchtbarkeits- und Muttergottheiten, die aber auch bei den Römern schnell zu großer Beliebtheit fanden und von ihnen nach römischer Art verehrt wurden. Woher die Bezeichnung „Fachinehae“ stammt, ist bis heute nicht eindeutig geklärt, es scheint sich dabei aber um einen germanischen Beinamen zu handeln, da er Buchstaben enthält, die es im lateinischen Alphabet nicht gibt.

Bislang wurde nur der Umgangstempel freigelegt, man geht aber davon aus, daß der Tempel möglicherweise Teil einer größeren Tempelanlage war, da in der Umgebung weitere römische Bauspuren gefunden wurden. Funde von Nägeln deuten darauf hin, daß es einen Vorgängerbau aus Holz gab.

Der steinerne Tempel wird auf das 2. bis 4. Jahrhundert n.Chr. datiert. In der unmittelbaren Umgebung wurden eine kleine Birne aus Stein gefunden, die sich offenbar aus einem Relief oder Bild gelöst hatte (möglicherweise aus der bekannten Darstellung eines Füllhorns auf einem Weihestein). Außerdem wurde der Torso eines Ortsgenius (Genius Loci) entdeckt, der allerdings aufgrund seiner schlechten Erhaltung nicht näher bestimmt werden kann, sowie eine lebensgroße menschliche Hand aus Sandstein. Zwar fehlen Finger und Daumen, in der Innenseite der Hand sich jedoch noch die Ansatzstellen eines waagrecht gehaltenen Gegenstandes zu erkennen, vermutlich Reste eines Fruchtkorbes oder einer Votivgabe, wie man sie auch von anderen Matronensteinen kennt, zum Beispiel aus dem nahegelegen Tempelbezirk von Nöthen-Pesch.

Daneben wurde die Figur eines etwa vierjährigen lockigen, lachenden Mädchenkopfes gefunden, von dem man glaubt, daß er zu einem Grabdenkmal gehörte.

Der Tempel wurde im Jahr 1975 erneut untersucht und restauriert. Dabei stieß man in der Nähe auf ein fränkisches Gräberfeld aus dem 7. Jahrhundert. Als Grabplatten und Abstützung wurden hier zwei Weihesteine der Fachinae verwendet.

Die lateinische Inschrift auf einer der Tafeln lautet:

M(a)T(ronis) FA(c)HINE
IS L(ucius) CELER
IS PRO SE
ET SUIS
L(ibens) M(erito)

Übersetzung: „Den Fachihenischen Matronen hat Lucius Celeris für sich und die Seinen gern und nach ihrem Verdienst sein Gelübde erfüllt„. Der Stein wird auf Ende 2. Jahrhundert / Anfang 3. Jahrhundert datiert. Der zweite Weihestein stammte von einem Lucius Chuaciionius Primus.

Beschreibung:

Der Tempel befindet sich in unmittelbarer Nähe dieses Turms, danach sollte man also Ausschau halten

Der Tempel befindet sich in unmittelbarer Nähe dieses Turms, danach sollte man also Ausschau halten

Der Tempel liegt abgelegen auf einer freien Fläche inmitten des Gewerbegebiets Zingsheim, was ihn nicht gerade zu einem malerischen Ort macht (Pesch und Nettersheim entschädigen dafür jedoch doppelt). In unmittelbarer Nähe befindet sich das Sägewerk, dessen Geräuschkulisse hier unter der Woche dauerhaft zu hören ist. Sonn- und Feiertags sowie abends ist es hier jedoch ruhig und dann kommt der Ort auch besser zur Geltung.

Der Tempel selbst ist teilrekonstruiert, die Fundamente wurden auf ca. 1 Meter Höhe aufgemauert, um dem Besucher einen Eindruck des Gebäudes zu vermitteln. Informationstafeln informieren über die Hintergründe der Tempelanlage.

Am Eingang der Cella wurde eine Replik des Weihesteins des Lucius Celeris aufgestellt, das Original befindet sich im Rheinischen Landesmuseum in Bonn.

Der Tempel ist, auch aufgrund der Lage und weil er der kleinste der drei Bauten ist, auch der am wenigsten besuchte, so daß es hier in der Regel menschenleer ist, im Gegensatz zu den anderen beiden Tempeln, an denen stets reges Treiben herrscht, denn die römischen Heiligtümer sind auch unter Angehörigen anderer Glaubensgemeinschaften beliebt, wie zum Beispiel Wicca und  Ásatrúar.

In neuerer Zeit wird dieser Tempel jedoch auch stärker frequentiert, wie Bänder in den umstehenden Bäumen und Büschen sowie zahlreiche Opfergaben auf dem Weihestein und den umgebenen Mauern zeigen.

Der Erhaltungszustand des Tempels ist, da er restauriert und aufgemauert ist, sehr gut. Er wird vom Landschaftsverband Rheinland betreut.

Eintritt, Zugänglichkeit:

Der Tempel ist jederzeit kostenlos und frei zugänglich.

Sonstiges:

Die Fundamente sind 1 Meter hoch aufgemauert und vermitteln einen guten Eindruck vom Aufbau des Tempels

Die Fundamente sind 1 Meter hoch aufgemauert und vermitteln einen guten Eindruck vom Aufbau des Tempels

Fotografieren ist problemlos möglich.

Der Besuch des Tempels wird idealerweise mit einem Besuch aller drei Matronentempel in der Gegend kombiniert, die aufgrund ihrer unmittelbaren Nähe alle an einem Tag aufgesucht werden können. Abhängig davon, aus welcher Richtung man kommt, empfiehlt sich die Reihenfolge Nettersheim – Zingsheim – Pesch oder umgekehrt, wobei Zingsheim sicherlich der unspektakulärste der drei Orte ist.

Aufgrund der Lage gibt es keine Anwohner oder Nachbarn, so daß man hier Tag und Nacht ungestört ist – sofern einen die industrielle Kulisse nicht stört (die spät abends und nachts natürlich weniger ein Problem darstellt).

Weiterführende Informationen: