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Antike Stätten: Archäologischer Wanderweg Bruttig-Fankel

Heute stellen wir Euch nicht nur ein archäologisches Bodendenkmal vor, sondern gleich einen ganzen Wanderweg durch die Kulturgeschichte der Eifel-Mosel-Region.

In dieser Gegend, die erst von der Bronzezeit, dann der eisenzeitlichen Eifel-Hunsrück-Kultur und dem keltischen Stamm der Treverer und schließlich von der gallo-römischen Kultur geprägt war, findet sich ein kleiner, aber sehr spannender Themenwanderweg abseits der ausgetretenen Wanderpfade.

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Einer von vielen keltischen Grabhügeln auf diesem Wanderweg

Länge und Streckenführung:

Es handelt sich nicht um einen Rundwanderweg, d.h. man geht den Weg einmal hin- und wieder zurück (wahlweise kann man natürlich auch einen alternativen Rückweg durch das mit zahlreichen Wanderwegen durchzogene Gebiet nutzen).

Der Weg folgt einem Teilstück des Keltenweges (ein Fernwanderweg durch den Hunsrück) sowie des Moselhöhenweges. Zum Teil verläuft er direkt auf der ehemaligen Römerstraße, die als Querverbindung die Ausoniusstraße durch den Hunsrück mit der Mosel verband.

Länge: ca. 3,3 km (einfache Strecke). Plant bei gemütlichem Gehen und ausführlicher Besichtigung der archäologischen Bodendenkmäler ca. 2,5 Stunden ein.

Der Weg ist sehr einfach zu gehen und folgt einem breiten, gut ausgebauten Waldpfad. Es gibt ein paar wenige Steigungen oder Gefällestücke, die aber immer nur kurz und nicht anspruchsvoll sind.

18_Weg

Der Weg ist breit und einfach zu begehen und deshalb auch für ungeübte Wanderer geeignet

Anfahrt und Startpunkt:

Der Archäologische Wanderweg hat an seinem nördlichen Startpunkt einen eigenen Wanderparkplatz. Er ist von der Landstraße aus ausgeschildert und leicht an einer großen „Straße der Römer“ Infotafel zu erkennen. Wir empfehlen den Start an diesem Ende des Weges, auch wegen der Informationen auf dieser Tafel.

Die Anreise erfolgt am besten aus dem Moselort Bruttig-Fankel. Hier finden sich vor der Ortseinfahrt bereits die typischen braunen Hinweisschilder, die an der Mosel auf archäologische Besonderheiten aufmerksam machen, mit der Beschriftung: „Grabhügelfelder„.

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Der Wanderparkplatz beim Birkenhof oberhalb von Bruttig-Fankel

Für das Navi „Bruttig Fankel, Birkenhof“ eingeben. Der Landstraße aus Bruttig-Fankel den Berg hinauf folgen. Kurz vor der Abzweigung, wo es links zum gut sichtbaren Biohof „Birkenhof“ geht (mit Hofladen-Automat!), weist ein grünes Hinweisschild nach rechts auf den „Archäologischen Wanderweg“ hin. Wenn man hier rechts einbiegt, ist man schon auf dem Wanderparkplatz.

Die Anreise mit Öffentlichen Verkehrsmitteln ist nur mit dem Bus möglich. Vom Bahnhof Cochem aus fährt die Buslinie 717 zum Haltepunkt „Valwigerberg – Archäologischer Weg“. Zustieg ist auch in Treis-Karden und Bruttig-Fankel möglich. Die Fahrzeiten sind allerdings eher sporadisch.

Hintergrundinformationen:

Auf den Moselhöhen oberhalb von Bruttig-Fankel sind Besiedlungsspuren aus über 3000 Jahren Kulturgeschichte erhalten. Da die Wälder des Hunsrücks in dieser Region nie im großen Stil überbaut wurden, sind zahlreiche archäologische Bodendenkmäler noch heute gut sichtbar im Gelände erhalten. Die Moselgemeinde Bruttig-Fankel hat in einer Region mit besonders hoher Dichte an Bodendenkmälern aus den unterschiedlichsten Besiedlungsepochen einen archäologischen Wanderweg ausgewiesen. Nahezu alle Epochen der Menschheitsgeschichte, von der Jungsteinzeit bis zum Mittelalter, sind hier belegt, was diesen kleinen Wanderweg zu einem echten Geheimtipp macht.

Hinweistafeln erläutern die Bodenfunde und ihren zeitlichen und historischen Zusammenhang.

Die ältesten Funde sind Grabhügelfelder aus der Urnenfelder- und Bronzezeit (1500 bis 700 v. Chr.). Es folgen große keltische Grabhügelanlagen der Treverer aus der Eisenzeit, wie sie typisch für die hier vertretene Eifel-Hunsrück-Kultur sind (750 bis 400 v. Chr.). Durch die Eisenverhüttung zog der Landstrich Menschen an und es kam zu einem Bevölkerungsanstieg in der unwirtlichen Höhenlage. Hier siedelte man meist auf den offenen Flächen in kleinen Fachwerk-Siedlungen und Einzelgehöften.

Grabhügel_klein

Die Grabhügel sind im Gelände gut zu erkennen, hier ein Größenvergleich

Aus der römischen Zeit gibt es Teile der gut erhaltenen Römerstraße.

Da unser Interessenschwerpunkt bei mosmaiorum.info auf der Römischen Zeit liegt, können wir uns natürlich besonders für das römische Fernstraßennetz im Raum Eifel, Mosel und Hunsrück begeistern, das durch ein dichtes Wegenetz aus Fernstraßen schnelle Verbindungen zwischen den Metropolen Metz, Trier, Köln, Bonn und bis an den Rhein bei Koblenz und Bingen und von da aus weiter nach Mainz ermöglichte.

Durch den Hunsrück führte der bekannte Ausoniusweg, der von Trier (Augusta Treverorum) nach Bingen (Bingium) führte. Querverbindungen verbanden ihn mit dem Moseltal, sowie dem Fernstraßennetz der oberhalb des anderen Moselufers gelegenen Eifel. Die Verbindung erfolgte hier über Brücken.

Eine solche Querverbindung in Richtung Eifel stellte der hier zu findende sogenannte „Rennweg“ statt, der nach der modernsten römischen Straßenbautechnik erbaut war: erst wurde eine Trasse ausgeschachtet, es folgte eine Packung aus feinen und dichtem Steinmaterial mit Kalkmörtel-Beimischung (Statumen). Darüber folgten eine Lage aus quer geschichteten Steinen, dann eine Schicht aus grobem Kies und Steinen. Der letztendliche abdichtende Straßenbelag bestand aus feinen, wassergebundenen Kiesschichten. Damit Wasser gut abfließen konnte, waren römische Straßen gewölbt gebaut mit einem Wassergraben an beiden Seiten. Die Straße war ca. 6 Meter breit (20 römische Fuß), so dass 2 Karren aneinander vorbeifahren konnten. Straßenpflaster gab es in unseren Breiten allerdings nur bei den wichtigsten Fernstraßen.

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Die schnurgerade Römerstraße

Aus dem Hochmittelalter stammen auffällige Hohlwege mit Landwehrsystemen, die in über 300 Metern Länge aufgeschlossen sind.

Beschreibung

Der Wanderweg kann in beiden Richtungen begangen werden (es ist, wie schon erwähnt, kein Rundweg). Wir empfehlen den Start an der Infotafel von „Straße der Römer„, wo sich auch der Parkplatz befindet. Die bunte Starttafel beschreibt den Archäologischen Pfad und hat auch kurze Zusammenfassungen auf Englisch und Französisch.

Der Weg ist einfach zu verfolgen. Er verläuft vom Parkplatz aus eine Weile strikt geradeaus erst über einen offenen Bereich mit dichtem Gestrüpp, danach durch den Wald. Zu Beginn findet man eine allgemeine Informationstafel zur Kulturgeschichte der Region. Einige hundert Meter weiter folgt links am Wegrand eine Informationstafel zu den Hügelgräbern. Der weitere Wegverlauf folgt dem „Moselhöhenweg“ und dem „Keltenweg“.

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Der Verlauf des Weges ist auf der ersten Infotafel beschrieben

Die Infotafel zu den Hügelgräbern ist allerdings etwas irreführend aufgestellt; wir verbrachten eine Weile damit, im dornigen Gestrüpp herumzulaufen und die beschriebenen Überreste des „Grabhügels an der Urmersheck“ zu suchen. An dieser Stelle ist jedoch nichts zu sehen, wie uns ortskundige Einheimische bestätigten. Sie gaben uns den entscheidenden Tipp: wenn man dem Weg weiter folgt, macht er eine scharfe Abbiegung nach rechts und verläuft dann wieder schnurgerade (da er zu Teilen der alten römischen Fernstraße folgt). Wenn man nun dem Weg nach der Biegung noch einige hundert Meter folgt, ist das keltische Hügelgrab rechts des Weges gut sichtbar; es gibt sogar eine erkennbare gemauerte Kammer. Der Hügel hat einen Durchmesser von ca. 6 Metern. Es wird auf das 5. bis 4. Jahrhundert v. Chr. datiert.

Nach einigen weiteren hundert Metern stößt man links des Weges auf ein sehr großes Hügelgrab, das eine eigene Infotafel hat – den Grabhügel an der Wolfskaul aus der vorrömischen Eisenzeit. Er ist mit 12 Metern Durchmesser und 1,20 Höhe gut im Gelände zu erkennen. Die Infotafel vermittelt allgemeine Informationen über Hügelgräber und Bestattungsbräuche.

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Antike Stätten: Römische Kalkbrennerei Iversheim

Der Schutzbau der Kalkbrennerei Iversheim

Der Schutzbau der Kalkbrennerei Iversheim

Anschrift:

An der B51 (für das Navi: Kalkarer Straße), 53902 Bad Münstereifel-Iversheim

Anfahrt:

Die römische Kalkbrennerei liegt beim Dorf Iversheim und ist etwa 3 km von Bad Münstereifel entfernt.

Von der Bundesstraße B51 aus ist die Anlage leicht zu finden, denn sie ist bereits an der Bundesstraße gut ausgeschildert. Wenn man in die Kalkarer Straße einbiegt, folgt nach einigen Metern ein Parkplatz mit einer Informationstafel der VIA – Erlebnisraum Römerstraße, zu der auch diese römische Sehenswürdigkeit gehört. Ein kurzer Fußweg führt hinab zum Schutzbau, der sich direkt an der Bahntrasse der Regionalbahn nach Bad Münstereifel befindet.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Kalkbrennerei ebenfalls gut erreichbar; der Bahnhof Iversheim liegt nur wenige Gehminuten entfernt und wird regelmäßig von der Regionalbahn aus Euskirchen, Köln und Bonn angefahren.

Die römische Kalkbrennerei liegt auch an den zahlreichen Rad- und Wanderrouten, die die Eifel in dieser Region erschließen. Unmittelbar in der Nähe liegt auch die Quelle der römischen Eifelwasserleitung, sowie drei Matronentempel und der vicus Marcomagus, der in einen archäologischen Park eingebettet ist, so daß man hier viele römische Sehenswürdigkeiten miteinander verbinden kann.

Hintergrundinformationen:

Blick in einen der Brennöfen

Blick in einen der Brennöfen

Bei der römischen Kalkbrennerei handelt es sich um einen seltenes römisches Industrie-Bodendenkmal von überregionaler Bedeutung, denn hier ist es erstmalig in Europa gelungen, eine komplette Industrieanlage aus römischer Zeit freizulegen, ihre Funktion zu untersuchen und ihre praktische Funktionsweise im Experiment zu beweisen. Damit gehört diese in ihrer Art und Größe außergewöhnliche antike Stätte zu einer der bedeutendsten archäologischen Fundstätten für die Wirtschaftsgeschichte der Römerzeit nördlich der Alpen.

Zwischen 150 n. Chr. und 300 n. Chr. wurde hier im großen Stil Dolomit zu Branntkalk verarbeitet. Die Arbeiten wurden jedoch nicht von Sklaven oder Arbeitern durchgeführt, sondern die Fabrik stand unter der Kontrolle von etwa 60 Legionären der Legio XXX Ulpia Victrix aus Xanten und Legio I Minervia, die für die Kalkgewinnung zuständig waren. Daß diese Anlage von militärischen Arbeitskommandos betrieben wurde, ist durch zahlreiche Weiheinschriften belegt.

Kommandeur der Anlage war ein Offizier, der laut einer Weiheinschrift als „Magister calcarium“ bezeichnet wurde.

Der Bedarf an gebranntem, ungelöschtem Kalk war in den römischen Nordwestprovinzen, wie überall im Römischen Reich, gewaltig, denn das weiße Pulver diente nicht nur als Baustoff, als Grundlage für Mörtel und Beton, sondern war auch zum Kalken der römischen Gebäude erforderlich, die nach römischem Geschmack auch in unseren Breiten oft nicht in ihrer natürlichen Fachwerk-, Naturstein- oder Ziegelbauweise belassen wurden, sondern weiß gekalkt und bisweilen bunt bemalt waren.

Die geologische Situation wird auf einer Tafel erläutert

Die geologische Situation wird auf einer Tafel erläutert

Die Region liegt geologisch betrachtet in der Sötenicher Kalkmulde, eine von acht Kalkmulden aus dem Mitteldevon, die sich quer durch die Eifel ziehen. Die Gegend ist deshalb reich an anstehendem Kalk- und Dolomitgestein. In unmittelbarer Nähe zur Kalkfabrik wurde der Dolomit in Steinbrüchen gewonnen und in einer der umliegenden Fabriken verarbeitet.

Vier Kalkfabriken sind archäologisch nachgewiesen, jedoch werden bis zu zwölf in der unmittelbaren Gegend vermutet. Damit war der Raum um Iversheim zu römischer Zeit ein Schwerpunkt der römischen Kalkindustrie von nahezu großindustriellen Ausmaßen.

Die Kalkbrennerei von Iversheim liegt an einem Hang im Erfttal unterhalb der römischen Steinbrüche. Der in der Nähe verlaufende Fluß Erft, ein Nebenfluß des Rheins, bot hier einen Standortvorteil, weil er zu römischer Zeit schiffbar war und zum schnellen Abtransport des gewonnenen Kalks diente. Die Produkte aus Iversheim wurden überall in den Nordwestprovinzen verbaut, bis hoch nach Xanten (Colonia Ulpia Traiana) am Niederrhein, wo Iversheimer Kalk an vielen Stellen nachgewiesen werden konnte.

Zur Kalkfabrik gehörte eine Batterie aus mindestens sechs Brennöfen mit birnenförmigem Grundriss. Jeder hatte einen Durchmesser von 3 Metern und ein Fassungsvermögen von 15 Kubikmetern Kalk. Die Öfen waren nebeneinander in einer 30 Meter langen Werkshalle untergebracht. Außerhalb dieser Werkshalle lagen die Wohn- und Aufenthaltsgebäude der Belegschaft, sowie ein Backraum, in dem Brot gebacken wurde. Daß man, trotz (oder gerade wegen) der schweren körperlichen Arbeit, auch Wert auf Luxus und Annehmlichkeiten der römischen Zivilisation legte, beweisen die Wohnräume, die mit Wandmalereien aus Pflanzenmustern aufwendig dekoriert waren.

Von oben hat man einen guten Blick!

Von oben hat man einen guten Blick!

In unmittelbarer Nähe verlief eine Hauptstraße, über die die Kalkbrennerei an das gut ausgebaute römische Fernstraßennetz angeschlossen war.

Die rötlichen Dolomitgesteine wurden von Legionären oberhalb der Fabrik gebrochen, den Hang hinab zur Werkshalle gebracht und dort weiterverarbeitet.

Für die Anlage wurde eine monatliche Produktionskapazität von 200 Tonnen Dolomitkalk berechnet.

Exkurs: Wie funktionierte Kalkgewinnung im Brennofen?

Die Kalköfen bestanden aus feuerfester unterdevonischer Grauwacke mit tertiärem Ton.

Um Branntkalk aus den Dolomitgesteinen zu gewinnen, mußten diese zuerst zerkleinert werden. Das Innere des Ofens war durch eine Befeuerungs- und Belüftungsöffnung, die sogenannte Schnauze, begehbar, so daß zu Beginn des Prozesses auf dem Grund des vier Meter hohen Brennofens ein nach oben gewölbtes hölzernes Gerüst errichtet wurde, das sich nach oben hin verjüngte – das sogenannte Lehrgerüst. Ob dieses Gerüst zusätzlich mit Baumstämmen gestützt wurde, ist nicht bekannt.

Eine Tafel erläutert die Funktionsweise eines Brennofens; besser noch ist der Film, der auf Wunsch gezeigt wird

Eine Tafel erläutert die Funktionsweise eines Brennofens; besser noch ist der Film, der auf Wunsch gezeigt wird

Auf dieses Gerüst wurden Dolomitsteine als „Himmel“ paßgenau und rutschfest geschichtet. Die Steine waren so ineinander verkeilt und stützten sich gegenseitig, daß die Konstruktion freitragend war. Darauf stapelte man weitere Dolomitsteine, bis die Oberseite des Ofens erreicht war. Um ein vorzeitiges Einbrechen der 25 Tonnen wiegenden Beschickung zu vermeiden, waren Erfahrung und Technik grundlegende Voraussetzungen, so daß die hier tätigen Legionäre durchaus als Spezialisten bezeichnet werden können.

War der Ofen befüllt, wurde er über die Schnauze befeuert. Wenn die Stapelung des Himmels sachkundig durchgeführt war, konnte man das Lehrgerüst entfernen, ohne daß die darüberliegenden Steine einbrachen.

Nun füllte man die Brennkammer unter den Dolomitgesteinen mit Holz, hier ausschließlich Pappel- und Weidenholz, das direkt unterhalb der Anlage in den Erftauen wuchs. Der Ofen mußte eine Woche lang rund um die Uhr befeuert werden, wobei pro Brennvorgang 60 Raummeter Holz verbraucht wurden. In Anbetracht der Tatsache, daß neben dieser Großfabrik mit ihren sechs Öfen bis zu zwölf weitere Fabriken in der Umgebung lagen, mußte deshalb ein enormer Holzverbrauch zur Reduzierung der umliegenden Eifelwälder geführt haben.

Modell der römischen Kalkfabrik

Modell der römischen Kalkfabrik

Die Schnauze hatte durch ihre Form und Lage einen Kamineffekt mit einer Windgeschwindigkeit von 3m/sec, durch den im Inneren der Brennkammer bis zu 1000 Grad erreicht wurden, während Dampf und das Abfallprodukt Kohlendioxid durch die Oberfläche des Ofens entweichen konnten. Da in der Eifel das magnesiumhaltige Dolomitgestein verbrannt wurde, waren geringere Temperaturen zur Erzeugung des Branntkalks notwendig als bei reinem Kalkstein, der höhere Brenntemperaturen erfordert.

War der neu gewonnene Branntkalk abgekühlt, wurde der Ofen entleert und der Kalk zur weiteren Verwendung abtransportiert. Der Ofen konnte im Anschluß sofort wieder befüllt werden. Es wird davon ausgegangen, daß jeweils ein Ofen mit Gestein befüllt wurde, einer entleert wurde und sich die übrigen Öfen im Brenn- und Abkühlungsvorgang befanden.

Durch die Tatsache, daß einer der Öfen gefüllt war und im Querschnitt gute Informationen über die Schichtung und Beschaffenheit des Materials bot, war es möglich, im Experiment die Theorien über die Funktionsweise und Technik der Öfen zu überprüfen. Deswegen wurde einer der Öfen restauriert und für ein großes Brennexperiment verwendet, das erfolgreich war. Durch dieses Experiment konnten zweifelsfrei die Theorien über die verwendete Brenntechnik belegt werden.

Die Ausgrabungen in Iversheim

Der rekonstruierte Brennofen wurde für Experimente verwendet

Der rekonstruierte Brennofen wurde für Experimente verwendet

Die Anlage wurde ca. 150 n. Chr. errichtet. Im Jahr 270 n. Chr. wurde sie durch Frankeneinfälle stark beschädigt, aber sofort wieder aufgebaut und weiterbetrieben – zu wertvoll war der hier gewonnene Rohstoff für die Baustellen der in weiten Teilen kalkfreien Nordwestprovinzen und auch zum unmittelbaren Bau von Verteidigungsanlagen. Unterstützung erhielten die hier stationierten Soldaten nach diesem Einbruch durch eine orientalische Einheit aus der Provinz Arabia, die Legio III Cyrenaica, so daß die Produktivität durch die neuen Arbeiter noch einmal deutlich gesteigert werden konnte.

Die Tatsache, daß einer der Öfen noch eine komplette Kalkfüllung enthielt (die sich durch Wassereinfluss im Laufe der Jahrhunderte verfestigte), weist darauf hin, daß die Anlage – möglicherweise in Kriegswirren – fluchtartig verlassen und nicht planmäßig aufgegeben wurde.

1966 stieß man beim Bau einer Wasserleitung auf die Anlage, die daraufhin unter der Leitung des Rheinischen Amts für Bodendenkmalpflege von 1966-1968 ausgegraben und dokumentiert wurde. Im Anschluß wurden drei Öfen mit einem Schutzbau überdacht, um sie zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ein vierter Ofen, der für Brennexperimente verwendet wurde, befindet sich außerhalb des Schutzbaus unter einem eigenen Vordach. Zwei weitere Öfen wurden nach der Aufnahme der Befunde wieder zugeschüttet.

Blick vom Balkon

Blick vom Balkon

Die Öfen innerhalb des Schutzbaus befinden sich noch im originalen Grabungsbefund und wurden nicht rekonstruiert oder aufgemauert.

Der Schutzbau wird heute vom Dorfverschönerungsverein Iversheim betreut. Ein wichtiger Sponsor, um die Anlage für die Öffentlichkeit zu erhalten, sind regionale Kalksteinwerke, die Mitglieder des Bundesverbands der Deutschen Kalkindustrie sind. Die Stadt Bad Münstereifel selbst sieht sich finanziell nicht in der Lage, sich um die Betreuung, Präsentation und Erhaltung der Anlage zu kümmern, so daß die Arbeit von Ehrenamtlichen aus Iversheim und engagierten Römerfreunden getragen wird.

Beschreibung:

Die Kalkbrennerei liegt in einem hölzernen Schutzbau, der nur zu den Wochenenden geöffnet ist, da Ehrenamtliche sich um die Besucher kümmern.

Eine Infotafel am Parkplatz bietet eine Übersicht

Eine Infotafel am Parkplatz bietet eine Übersicht

Lediglich der rekonstruierte Ofen, der für Experimente verwendet wurde, ist jederzeit frei zugänglich, da er außerhalb des Baus liegt.

Vom Parkplatz zum Schutzbau führt ein kurzer Fußweg bergab. Auf dem Parkplatz steht eine moderne Informationstafel des VIA-Projekts, die farbig illustrierte Hintergrundinformationen über die Anlage bietet. Am Schutzbau gibt es eine zweite, etwas ältere Tafel, die ebenfalls auf die Bedeutung der Anlage hinweist und zudem einige weitere Sehenswürdigkeiten in der Region vorstellt, wie die Matronenheiligtümer, das historische Radioteleskop Stockert, die Altstadt von Bad Münstereifel oder die Quelle der Eifelwasserleitung.

Das Innere des Schutzbaus ist geräumig; über eine Treppe gelangt man auf eine balkonartige zweite Etage, von der aus man einen guten Blick in die Öfen hat. Karten an den Wänden bieten Hintergrundinformationen über die geologische Lage der Anlage in der Sötenicher Kalkmulde, Schemazeichnungen zeigen, wie man sich einen Ofen im Querschnitt vorzustellen hat.

Im Erdgeschoss befinden sich einige liebevoll gestaltete Modelle, die von den Betreuern der Anlage selbst gebaut wurden. Eines zeigt anschaulich den Steinbruchbetrieb in Miniaturform, mit Gebäuden, Personen, Werkzeug und Kränen. Ein Modell eines Brennofens erlaubt es, die Steinschicht an einem Griff herauszuheben und einen Blick in das Innere eines befüllten Ofens zu werfen.

Replik des hier gefundenen Weihesteins für Minerva

Replik des hier gefundenen Weihesteins für Minerva

An einer Art schwarzem Brett hängen weitere Informationen, zum Beispiel Zeitungsartikel aus der Zeit der Entdeckung der Anlage oder eine Übersichtskarte über das römische Straßennetz in der Region. Ebenfalls hier zu finden sind Repliken von Weihesteinen aus den nahegelegenen Matronentempeln von Pesch und Nettersheim.

Auch der Sponsor der Anlage – die Kalkindustrie – bekommt ihren Platz eingeräumt, was sich inhaltlich aber gut mit dem Thema verträgt. So gibt es großformatige Farbtafeln zum Thema „Kalkstein und Kalkgewinnung“, die auch die heutige großindustrielle Kalkgewinnung erläutern. Außerdem gibt es Kalk- und Dolomitsteine zum Anfassen, damit der Besucher sich selbst ein Bild vom Rohmaterial machen kann.

Auf dem Balkon steht die Replik eines Weihesteins an Minerva durch den Magister calcarium mit der Inschrift:

„Der Minerva geweiht. Titus Aurelius Exoratus, Soldat der 30. Legion, der siegreichen ulpia, erfüllt als Meister der Kalkbrennerei gern sein Gelübde, weil die Göttin es verdient hat.“

Diese Replik wurde von einer Studentin für das kleine Museum gefertigt.

Daneben befinden sich mehrere Vitrinen mit typischen Fossilien aus dem Kalkstein des mittleren Eifeldevons, in dem sich diese Stätte befindet, unter anderem diverse Korallen und Brachiopoden aus dem tropischen Eifelkalkriff. Diese Sammlung wurde von einem einheimischen Sammler als Leihgabe zur Verfügung gestellt und rundet ebenfalls das Bild ab, das der Besucher über antike und moderne Kalkgewinnung und Kalk als Rohstoff gewinnt.

Ein Modell zum Auseinandernehmen erlaubt einen Blick in den Ofen

Ein Modell zum Auseinandernehmen erlaubt einen Blick in den Ofen

Am Ende des Schutzbaus im Erdgeschoß befindet sich ein kleiner Fernseher samt DVD-Spieler und ein paar Stuhlreihen. Hier zeigt der Betreuer des Baus gerne auf Anfrage ein Video über die Kalkgewinnung im Brennofen. Zwar geht es hier nicht um die Kalkgewinnung in römischer Zeit, aber dennoch um das traditionelle Handwerk des Kalkbrennens am Beispiel einer bayerischen Kalkbrennerfamilie, die dieses aussterbende alte Handwerk seit Generationen nach überlieferten Methoden betreibt. Das Video ist sehr anschaulich und lehrreich, da die Methoden der Kalkgewinnung in Handarbeit sich seit römischer Zeit kaum verändert haben.

Interessant ist auch die Tatsache, daß heute noch immer ein Markt für den handgebrannten Kalk besteht. Denn im Gegensatz zu dem mit Koks oder Kohle gebrannten Industriekalk, der einen hohen Schwefelanteil hat, ist der in Handarbeit über Holz gebrannte Kalk fast schwefelfrei und wird deswegen besonders von Kirchenrestauratoren geschätzt. Der industrielle Kalk neigt dazu, sich schon nach wenigen Jahren gelb zu verfärben, während der handgebrannte Kalk farbstabil weiß bleibt.

Die Atmosphäre in der Kalkbrennerei ist sehr entspannt und persönlich. Am Eingang wird man von dem Ehrenamtlichen begrüßt, der an diesem Wochenende Dienst hat. Man berichtete uns, daß sich 20 Ehrenamtliche die Aufgabe teilen, von denen jeder jeweils ein bis zwei Tage im Jahr die Betreuung übernimmt. Hier bezahlt man auch ein geringes Entgelt, das ausschließlich dem Erhalt und dem Unterhalt der Anlage zugute kommt, bei der selbst eine durchgebrannte Birne eines der Deckenscheinwerfer durch den damit verbundenen Aufwand beim Austausch große Summen verschlingt. Also eine Spende für eine gute und sinnvolle Sache.

Fossilien aus der Eifelkalkmulde ergänzen das lehrreiche Programm rund um das Thema Kalk

Fossilien aus der Eifelkalkmulde ergänzen das lehrreiche Programm rund um das Thema Kalk

Der Besucher erhält auf Wunsch eine persönliche Führung durch die Anlage, wobei die Ehrenamtlichen des Bürgervereins mit viel Hintergrundwissen über die Kalkgewinnung und die Geschichte der Anlage zu berichten wissen. Gerne stellen diese auch die einzelnen Fundstücke vor, die im Gebäude stehen, erklären die Öfen, zeigen die Gesteine und erzählen von den Schwierigkeiten, mit denen die Anlage heute – in Zeiten knapper kultureller Mittel – zu kämpfen hat.

Man kann so lange im Schutzbau herumwandern, wie man möchte, auch auf dem Balkon verharren und hinunter schauen oder sich den Film zeigen lassen.

An diesem Ort merkt man, daß es sich nicht um ein professionelles Museum handelt, sondern um ein Projekt, das von Laien mit Liebe zur Sache und großem persönlichen Engagement betrieben wird.

Abgesehen davon, daß es sich ohnehin um einen absolut sehenswerten und lehrreichen Ort handelt und die großen Brennöfen beeindruckend sind, finden wir dieses Projekt sehr unterstützenswert und möchten unsere ausdrückliche Empfehlung aussprechen, es zu besuchen, wenn man sich in der Gegend befindet und die „größeren“ touristischen römischen Attraktionen besichtigt.

Selbst wenn der eigene Interessenschwerpunkt nicht unbedingt in römischer Militär- und Industriegeschichte liegt – nach einem Besuch dieser Anlage sieht man das Thema mit ganz neuen Augen und wird zu einem wahren Fan der Kalkgewinnung! 😉

Öffnungszeiten, Preise, Führungen:

Die Lage der Öfen und des Schutzbaus

Die Lage der Öfen und des Schutzbaus

Die Kalkbrennerei ist vom 1. Mai bis 31. Oktober geöffnet.

Öffnungszeiten sind Samstags von 13-16 Uhr und Sonn- und Feiertags von 11-16 Uhr.

Der Eintritt für Erwachsene beträgt 2€, für Kinder 1€.

Gesonderte Führungen gibt es nicht; der jeweilige Betreuer des Tages führt den interessierten Besucher gerne individuell herum, steht für Fragen zur Verfügung und erklärt die Anlage und Hintergründe.

Öffnungen und Gruppenführungen (z.B. für Schulklassen) außerhalb dieser Zeiten sind nach telefonischer Absprache mit Dieter Ruß vom Dorfverschönerungsverein Iversheim unter der Telefonnummer 02253-3385 möglich. Anfragen beantwortet auch die Kurverwaltung von Bad Münstereifel unter touristinfo@bad-muenstereifel.de

Sonstiges:

Fotografieren ist in der Kalkbrennerei erlaubt.

Achtung: Es gibt keine sanitären Anlagen.

Eine Tafel vor dem Bau informiert auch über weitere Sehenswürdigkeiten in der Gegend

Eine Tafel vor dem Bau informiert auch über weitere Sehenswürdigkeiten in der Gegend

Ein Besuch der Kalkbrennerei läßt sich sehr gut mit weiteren römischen Ausflugszielen in der unmittelbaren Region kombinieren, wie den drei Matronentempeln von Zingsheim, Nöthen-Pesch und Nettersheim. Außerdem ist der Archäologische Landschaftspark Marcomagus, in dem aktuell eine wichtige Straßensiedlung an der römischen Fernstraße Via Agrippa ausgegraben wird, sehr sehenswert!

Außerdem befindet sich in der Nähe der Beginn der über 100 km langen Eifelwasserleitung, die das römische Köln mit 25.000 Kubimetern Wasser täglich versorgte und eines der längsten Bauwerke des Römischen Imperiums lag. Hier beginnt auch der Römerkanal-Wanderweg, der die Quelle „Grüner Pütz“ sowie zahlreiche Leitungsreste, Wasserverteilstationen, Aquädukte miteinander verbindet.

Weiterführende Informationen:

Antike Stätten: Römischer Wachturm Kaisersesch

Der rekonstruierte Wachturm an der römischen Fernstraße durch Eifel und Moseltal

Der rekonstruierte Wachturm an der römischen Fernstraße durch Eifel und Moseltal

Anschrift:

Am Römerturm, 56759 Kaisersesch

Anfahrt:

Kaisersesch liegt am Rande der Osteifel, nur wenige Kilometer von der Mosel und Cochem entfernt.

Der rekonstruierte römische Wachturm fällt jedem ins Auge, der auf der A48 zwischen Mayen und Trier unterwegs ist. Auf einer Anhöhe, links vom auffälligen modernen Bau des TGZ (Technologie- und Gründerzentrum), das auch noch den markanten Schriftzug „TGZ“ trägt, ist der weiße Turm weithin sichtbar.

Erreichbar ist er deshalb auch am einfachsten über die A48, Abfahrt Kaisersesch. Im Gewerbegebiet kann man auf dem geräumigen Parkplatz des TGZ parken (Am Ende der Straße „Am Römerturm“, das TGZ ist ausgeschildert). Von dort aus sind es nur wenige Meter zu Fuß bis zum Römerturm.

Kaisersesch ist auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar, da der Bahnhof von der Eifelquerbahn zwischen Andernach und Gerolstein angefahren wird. Vom Bahnhof zum Römerturm sind es zu Fuß ca. 1,5 Kilometer.

Nicht zuletzt liegt der Römerturm als Station auf dem 7,7 km langen „Historischen Rundwanderweg„, der quer durch die Epochen der bewegten Geschichte von Kaisersesch führt, entlang an der alten römischen Heerstraße, keltischen Gräbern, einer mittelalterlichen Waldkapelle mit Heilquelle, Gefallenendenkmal des 2. Weltkriegs, einem jüdischen Friedhof und der alten Richtstätte. Die Region ist sehr schön zum Wandern, auch erwähnenswert das nahe Enderttal mit dem Kloster Martental und Wasserfall oder die alte Postkutschenstrecke nach Cochem oder zum Ulmener Maar.

Hintergrundinformationen:

Die Aussicht von der Anhöhe ist strategisch günstig und reicht weit in den Eifel- und Moselraum

Die Aussicht von der Anhöhe ist strategisch günstig und reicht weit in den Eifel- und Moselraum

Kaisersesch liegt dort, wo zu römischer Zeit die Militärstraße zwischen Trier und dem Neuwieder Becken verlief.

Zu römischer Zeit gehörte das Gebiet zum östlichen Gallien und war von den keltischen Treverern besiedelt. Eine römische Stadt oder Vorgängersiedlung gab es hier nicht, aber da hier eine wichtige Wegekreuzung lag, sind mehrere Wachtürme entlang dieser Schnellstraße nachgewiesen. Hier waren wahrscheinlich Beneficarier stationiert, altgediente Legionäre, die eine Art Polizeidienst verrichteten und für die Sicherheit der Straße sowie dem Kassieren von Zöllen zuständig waren.

In der ganzen Gegend sind Römerspuren und Spuren der einheimischen Kelten zu finden, wie z.B. römische und keltische Gräberfelder. Die Heerstraße ist streckenweise noch gut erhalten und kann auf der historischen Wanderung besichtigt werden. Auch wird im nahen Enderttal, beim Wallfahrtsort Kloster Martental, ein ehemals römisches Quellheiligtum vermutet (es gibt zahlreiche Indizien, aber keine gesicherten Funde), was die ungebrochene Bedeutung dieses Ortes als Pilgerstätte und (heute vor allem für Alten- und Krankenwallfahrt) seit der Antike erklärt. Die Heilquelle in der Waldkapelle von Kaisersesch, die bei Augenleiden helfen soll, geht ebenfalls auf römische Zeit zurück; die Kapelle wurde auf den Fundamenten eines römischen Wachturms errichtet.

Das TZG ist als Orientierungspunkt gut geeignet, es ist von der A48 weithin sichtbar und bietet Parkmöglichkeit

Das TZG ist als Orientierungspunkt gut geeignet, es ist von der A48 weithin sichtbar und bietet Parkmöglichkeit

Nach den Römern siedelten die Franken in dem Gebiet, was noch heute in der heimischen Mundart – dem Moselfränkischen – zu erkennen ist. Im Mittelalter und Neuzeit wurde der Ort immer wieder von durchziehenden Söldnern und Heeren verwüstet, lediglich das alte Gefängnis blieb unversehrt, weil es von allen Autoritäten als Gebäude genutzt wurde. Kaisersesch war auch ein Stammsitz des an der Mosel ansässigen Ritter- und Hochadelsgeschlechts von der Leyen, die im Ort ihre Spuren (als Wappen oder als Stifter der Waldkapelle als Dank für die Rückkehr vom Kreuzzug) hinterlassen hat und im 16. und 17. Jahrhundert viele bedeutende Kirchenmänner stellte, wie den Erzbischof von Trier oder den Abt der Abtei Maria Laach. Nicht zuletzt war Kaisersesch eine bedeutende Postkutschenstation auf der Thurn- und Taxis-Postkutschenroute, die noch heute bis Cochem erwandert werden kann.

Der rekonstruierte Wachturm auf der Anhöhe oberhalb von Kaisersesch wurde an der Stelle aufgebaut, an der Fundamente eines römischen Wachturms aus dem 3. Jahrhundert freigelegt wurden. Der Turm stand an einem strategisch wichtigen Punkt, denn von hier aus hatte man eine weite Sicht über das ganze Tal und bis tief hinein in den Eifel- und Moselraum.

Wie genau der Wachturm aussah, ist nicht bekannt, da nur Fundamente gefunden wurden. Da Römer für ihre militärischen Bauwerke aber überall im Reich einheitliche Baupläne verwendeten, wurde als Vorlage für die Rekonstruktion ein Wachturm vom süddeutschen Limes gewählt.

Im Jahr 1997 errichtete die Ortsgruppe des Eifelvereins diesen Wachturm an der originalen Stelle als begehbaren Aussichtsturm.

Beschreibung:

Gute Aussicht aus dem zweiten Stock!

Gute Aussicht aus dem zweiten Stock!

Der Wachturm sieht aus wie ein typischer Limesturm, weiß verputzt, mit zwei Etagen und einem begehbaren Balkon.

Ein kleiner Fußweg führt vom Parkplatz des TGZ dorthin. Vor dem Turm befindet sich ein Grillplatz mit Holzbänken und Tischen (was gelegentlich leider auch zu den obligatorischen unangenehmen Begleiterscheinungen – herumfliegendem Müll – führt). Und der abgelegene, begehbare Wachturm lädt nachts offenbar auch die einheimische Dorfjugend ein, dort zu trinken und sich entsprechend kulturlos zu benehmen, wie herumliegende Bierflaschen und Graffitis im Eingangsbereich beweisen.

Der Turm ist ansonsten in einem guten und gepflegten Zustand; das Treppenhaus ist solide und der begehbare Aussichtsbalkon ist durch eine – etwas stilbrechend wirkende – Plexiglastür zu erreichen. Von oben hat man eine ausgezeichnete Aussicht über das Umland, einen leider von Windrädern gestörten Ausblick über die Eifelhöhen, Sicht auf das unterhalb des Berges gelegene Kaisersesch und die nahe vorbeiziehende A48. Durch den weiten Blick erschließt sich die strategische Bedeutung dieses Wachturms dem Besucher recht schnell.

Der Turm ist auch eine beliebte Station für Wanderer, die dem historischen Rundwanderweg folgen und somit gut geeignet als Rastpunkt auf einer Wandertour in der Umgebung.

Öffnungszeiten, Eintritt, Zugänglichkeit:

Der Turm ist jederzeit frei zugänglich. Eintritt wird nicht erhoben.

Sonstiges:

Die Umgebung, wie das nahe Enderttal, bietet sehr schöne Wandermöglichkeiten

Die Umgebung, wie das nahe Enderttal, bietet sehr schöne Wandermöglichkeiten

Fotografieren ist natürlich uneingeschränkt möglich.

Wir empfehlen den Besuch in Kombination mit den interessanten Natur- und Kulturdenkmälern der Umgebung, wie dem Ort Kaisersesch mit der Waldkapelle, dem alten Gefängnis oder der Kirche mit dem vom Wind verdrehten Kirchturm, oder auch der Wallfahrtsstätte Kloster Martental. Hier führt ein angenehmer Wanderweg am frisch restaurierten und mit seinen bemalten Reliefs in quasi römischem Stil gehaltenen Kreuzweg entlang hinab zu einem Wasserfall im Enderttal.

Auch wer auf der A48 nur kurz an Kaisersesch vorbei kommt (zum Beispiel auf dem Weg nach Trier oder Mayen), sollte einen kurzen Abstecher in Erwägung ziehen, einfach, weil der Turm so eine gute Aussicht über das Umland bietet. Er ist nur wenige Fahrtminuten von der Autobahnabfahrt entfernt und deshalb kaum ein Umweg.

Antike Stätten / Museen: Limeskastell Pohl

Das Kastell, vom Aussichtshügel aus gesehen

Das Kastell, vom Aussichtshügel aus gesehen

Anschrift:

Am Ortseingang von Pohl, an der B260 (Deutsche Limes-Straße, Ecke Pohler Kirchstraße) gelegen.

Anfahrt:

Das Kleinkastell liegt im Nassauer Land am Ortseingang des Ortes Pohl (Rheinland-Pfalz, Rhein-Lahn-Kreis). Gibt man in das Navigationsgerät „Pohl“ ein, ist es nicht zu verfehlen, da das rekonstruierte Kastell sehr prominent am Ortseingang auf einer großen Wiese liegt und wehende Fahnen an der Straße auf den Ort hinweisen.

Pohl liegt direkt an der Deutschen Limes-Straße (Bundesstraße 260), an der weitere Limes-Sehenswürdigkeiten zu finden sind (viele sind zu erkennen an der dort wehenden Limes-Fahne). Die nächsten größeren Orte sind Bad Ems, Nassau, Nastätten und Limburg.

Das Kastell verfügt über einen eigenen Parkplatz. Parken stellt an der sehr ländlich und abgelegenen Anlage aber auch generell kein Problem dar.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist Pohl nur sehr schlecht zu erreichen. Der nächstgelegene Bahnhof ist Nassau, von dort verkehrt ein Bus (Linie 542) nach Pohl. Wir empfehlen die Anreise mit dem PKW.

Wanderer und Radfahrer können dem (800 km langen) Limes-Rad- und Wanderweg folgen, der auch am Kastell vorbeiführt und zahlreiche sehenswerte Orte am Limes (Römerwelt Rheinbrohl, Römerkastell Saalburg) passiert.

Hintergrundinformationen:

Während des alljährlichen Herbstfestes belebt die Gruppe der Flavii e.V. das Kastell und informiert die Besucher

Während des alljährlichen Herbstfestes belebt die Gruppe der Flavii e.V. das Kastell und informiert die Besucher

Das Limeskastell Pohl ist eine nach heutigem archäologischem Forschungsstand authentische Rekonstruktion eines Kleinkastells am Obergermanisch-Raetischen Limes. Das Kastell ist in Holz-Erde-Bauweise errichtet und verfügt über einen Wachturm.

Im Jahr 1897 entdeckte Streckenkommissar Ernst Fabricius von der Reichslimeskomission beim Ort Pohl erste Spuren eines römischen Kleinkastells, das schon seit längerem in dieser Gegend vermutet wurde. Der Verlauf des Limes durch den Ort war bekannt, auch, daß die römische Grenzbefestigung hier eine alte keltische Heer- und Handelsstraße kreuzte, die über den Taunus zur Lahn führte. Aus dem römischen Gebiet von Westen her stieß zudem ein Überlandweg („Hohl“) auf diese Handelsroute. Deswegen war es wahrscheinlich, daß sich an dieser Stelle ein Kastell zur Kontrolle des Verkehrs befunden hatte. Auch war der mit 337 Höhenmeter auf einer Anhöhe gelegene Ort, der von einem Wachturm aus einen guten Blick über die Talsenke erlaubt hätte, militärisch bedeutsam.

Ausgrabungen brachten schließlich ein 43 x 34 Meter großes Kleinkastell zum Vorschein, das größtenteils in Holzbauweise errichtet war, aber auch ein Gebäude mit Steinfundamenten umfaßte. Später wurde bekannt, daß man bereits beim Bau der Kirche im Jahr 1874 auf römische Fundamente gestoßen war, die man jedoch verschwiegen hatte, um das Bauvorhaben nicht zu gefährden.

Im Gegensatz zur Saalburg im Taunus handelte es sich bei dem Kastell in Pohl nicht um ein großes Kohortenkastell, in dessen Umfeld zeitweise bis zum 2000 Soldaten und Zivilisten lebten, sondern eher um eine Art Grenz- und Kontrollstation zur Kontrolle von Personen und Warenverkehr sowie zur Erhebung von Zöllen. Von diesen kleinen Kastellen gab es zahlreiche entlang des Limes, da sie die Lücken zwischen den großen Kastellen schlossen. Möglicherweise wurde von Pohl aus auch der weitere Verlauf des Limes in Richtung Taunus abgesteckt.

Der Wachturm ist begehbar und bietet eine gute Aussicht

Der Wachturm ist begehbar und bietet eine gute Aussicht

Das nächste größere Kastell von Pohl aus gesehen, war das Kastell Holzhausen, das zu den besterhaltenen Limeskastellen Deutschlands zählt. Die Wachtürme entlang des Limes waren in Sichtweite voneinander gebaut, so daß mittels Fackel- und Hornsignalen schnell Nachrichten übermittelt werden konnten.

Das Kleinkastell Pohl war in seiner Holz-Erde-Bauweise mit Gräben, Palisaden und Wehrgang typisch für die frühe Zeit des Limes. Es wurde vermutlich zu Beginn des 2. Jahrhunderts errichtet und gehört damit zu den frühesten Bauwerken am Obergermanisch-Raetischen Limes. Bei Limeskastellen und Türmen aus späteren Phasen wurden die Holzkonstruktionen oft durch eine solche aus Stein ersetzt.

Über die Besatzung des Lagers ist kaum etwas bekannt, da man keine archäologischen Funde entdeckt hat, die Aufschluß über Namen und Bezeichnung der hier stationierten Einheit geben könnte. Es wird davon ausgegangen, daß es sich um eine Vexellatio handelt, also eine kleine Abteilung eines römischen Heers. Ob es sich dabei um den Teil einer Legion oder um Auxiliareinheiten handelte, lässt sich nicht ermittlen. Es handelte sich um nicht mehr als eine Centuria also ca. 80 Mann, die in dem Kastell Platz fanden. Da es sich um ein Bauwerk aus der Frühphase des Limes handelt, wird die Theorie diskutiert, daß es sich bei den hier stationierten Soldaten um Bauspezialisten der Legionen aus Mogontiacum (Mainz) gehandelt hat, die mit der Vermessung, Planung und weiterem Bau des Limes in Richtung Taunus beauftragt waren (Architekten, Logistiker, Pioniere, Vermesser) und die Bauarbeiten koordinierten und überwachten.

Im Museumsteil können römische Helme besichtigt (und anprobiert) werden

Im Museumsteil können römische Helme besichtigt (und anprobiert) werden

Im Jahr 2007 entschied man, das Limeskastell als Freilichtmuseum zu rekonstruieren und es wurde der Förderkreis Limeskastell Pohl e.V. gegründet. Im Förderkreis aktiv sind sowohl Privatpersonen, als auch Unternehmen und öffentliche Institutionen. Bauherr und Eigentümer des Kastells ist die Gemeinde Pohl. An den Baukosten beteiligten sich das Land Rheinland-Pfalz, der Rhein-Lahn-Kreis und die Verbandsgemeinde Nassau.

Das Projekt sollte unter anderem dabei helfen, den Limes, als UNESCO-Weltkulturerbe, zu präsentieren und sichtbar zu machen, sowie die Region Nassau touristisch attraktiv zu machen. Als Bodendenkmal ist es generell schwierig, ihn attraktiv zu präsentieren und für historisch interessierte Besucher zugänglich zu machen. Deswegen spielen freigelegte und rekonstruierte Limes-Abschnitte, Kastelle und Wachtürme hierbei eine große Rolle, um die Bedeutung dieses Denkmals ins Bewußtsein der Öffentlichkeit zu bringen. Der Verein fördert heute Projekte, Veranstaltungen, Aktionen und Publikationen rund um das Thema Limes. Die Eröffnung fand im Jahr 2011 statt.

Das Limeskastell wurde etwas versetzt zur ursprünglichen Position errichtet, da es zum Teil modern überbaut wurde. Die Anlage wurde als Freilichtmuseum konzipiert und dient daneben auch als Ausstellungs- und Veranstaltungsort in der Region.

Beschreibung:

Der Innenhof

Der Innenhof

Die Rekonstruktion des Kleinkastells gilt als authentisch. Es handelt sich um eine von einer Mauer umgebene Fläche, auf der sich ein U-förmiges Gebäude befindet. Sehr anschaulich ist das „falsche“ Mauerwerk, das typisch für die römische Holzbauweise war. Obwohl die das Kastell umgebende Mauer komplett aus Holz besteht, wurde sie weiß gestrichen und so mit roten Linien bemalt, das sie die Illusion von Mauersteinen erwecken. Dadurch wirkt die ganze Anlage wie aus Stein errichtet und hat aus diesem Grund (zumindest aus der Ferne) eine abschreckende Wirkung, da sie massiver wirkt, als sie eigentlich ist.

Vor dem Kastell liegt ein großer Parkplatz, der auch zu Veranstaltungen wie dem jährlichen zweitägigen Römerfest im Herbst genügend Platz für die Besucher bietet. Ein Fußweg führt zum Eingang des Kastells. Außerhalb der Außenmauer, also auch für zufällig vorbeikommende Wanderer und Radfahrer zugänglich, befinden sich einige Informationstafeln, die anschaulich den Limes, die Funktion des Kastells und das Projekt der Rekonstruktion beschreiben. Auch liegt vor dem Gelände ein „Aussichtsberg„, den man jederzeit besteigen kann und von dem aus man eine gute Aussicht auf das Kastell hat.

Blick in das Kastell vom Aussichtsturm

Blick in das Kastell vom Aussichtsturm

Ein Tor führt in das Innere der Anlage, in der innerhalb des U-förmigen Gebäudes einzelne Räume mit unterschiedlichen Funktionen zu besichtigen sind. Es gibt ein Contubernium, also aneinandergereihte Mannschaftsstuben, die jeweils festen Gruppen von 8 Soldaten als Unterkunft dienten. In weiteren Räumen sind Museumsräume untergebracht, in denen zum Beispiel römische Waffen und Ausrüstungen angeschaut (und angefaßt) werden können. Außerdem gibt es viele Informationen zum Limes im Besonderen und zu Kastellen im Allgemeinen.

Eine Cafeteria („Culinarium„) mit hausgemachtem Kuchen, Kleinigkeiten zum Essen mit römischem Einschlag, sowie ein kleiner Museumsshop mit Repliken und Römerdevotionalien sind ebenfalls vorhanden.

Im Museumsteil sind Funde aus der Region zu sehen, wie dieses Reiterrelief

Im Museumsteil sind Funde aus der Region zu sehen, wie dieses Reiterrelief

Im Sommer ist es möglich, im Innenhof des Museums auf Bänken zu sitzen und sich dort an dem schönen Ort und der Gastronomie zu erfreuen. Deswegen ist das Kastell auch als Einkehrort für Wanderer und Radfahrer entlang des Deutschen Limes-Radwegs beliebt.

Der außerhalb der Mauer gelegene Wachturm kann über eine Brücke aus dem Innenbereich des Kastells aus bestiegen werden und bietet eine tolle Aussicht über die weite Landschaft und in das Innere des Kastellgeländes.

Alles in allem ist das Kleinkastell Pohl ein kleiner, aber sehr schöner Ort in attraktiver Lage im Nassauer Land. Die Atmosphäre ist entspannt, das Personal freundlich und aufgeschlossen.

Veranstaltungen und Führungen:

Beim Rennofenexperiment werden antike Verhüttungstechniken ausprobiert

Beim Rennofenexperiment werden antike Verhüttungstechniken ausprobiert

Für den „römischen“ Besucher am interessantesten ist das jährliche zweitägige Herbstfest, das jeweils unter einem Motto steht und gut gemachte Einblicke in die römische Zeit am Limes bietet. Im Jahr 2014 stand das Herbstfest zum Beispiel unter dem Motto „Eisen für Rom“. Anhand eines rekonstruierten römischen Rennofens wurde die Eisenschmelzetechnik in einem archäologischen Experiment durch einen erfahrenen Limes-Cicerone präsentiert. Hier konnte der in der römischen Eisenverhüttung erfahrene Römertourist auch gut die Unterschiede zwischen der Technik, die zum Beispiel in Eifel und Ahrtal verwendet wurde, mit der Technik aus dieser Region vergleichen, die den lokal typischen Hämatit als Ausgangsstoff verwendete.

Zudem nehmen am Herbstfest auch Reenactment-Gruppen teil, die das Kastell „beleben“ und dem Zuschauer auf interessante, aber gleichzeitig historisch akkurate Weise das Leben am Limes in der römischen Zeit nahebringen. Vor dem Kastell sind dann Zivilisten anzutreffen, die antike Handwerkstechniken wie Schmiedekunst, Brettchenweben, Wollefärben, Wolle- und Lederverarbeitung, Bildhauerei oder Nadelbinderei demonstrieren und erklären.

Die Informationstafeln im Außenbereich

Die Informationstafeln im Außenbereich

Im Kastell trifft man auf römische Truppen, die anschaulich das Alltagsleben eines Soldaten am Limes erläutern und von den Besuchern angesprochen und befragt werden können. Der Lagerkommandant erklärt zum Beispiel gerne, daß er weniger militärische Aufgaben hat, sondern vielmehr am Limes die Rolle eines Verwalters und Buchhalters übernimmt, der Zölle und Abgaben kassiert, sowie den Warenstrom zu regeln hat. Die Funktionsweise eines römischen Abacus, d.h. eines „Taschenrechners“, der sogar die Bruchrechnung beherrschte, kann dabei ebenso bestaunt werden, wie die Alltagsgegenstände, die ein Soldat in einem solchen Kastell mit sich führte.

Auch informiert z.B. ein römischer Maler (Pictor) über antike Maltechniken, das Pflegen und Anfertigen von Ausrüstungsgegenständen wie Schilden und Kettenhemden kann ebenso betrachtet werden. Mitglieder der Gruppe „Flavii e.V. (Legio I Flavia Minervia Pia Fidelis Domitiana)“ beleben das Kastell und informieren auch über antike Badekultur, Medizin, zeigen militärischen Drill und Legionsalltag. Für Kinder gibt es römische Spiele und anderes Programm. Außerdem kann der Besucher sich an römischen Gerichten wie lukanischer Wurst, Sau am Spieß und Mulsum erfreuen.

Neben römischen Veranstaltungen und Vorträgen dient das Kastell auch als Veranstaltungsort für kulturelle Ereignisse wie Konzerte, Ausstellungen und Vorträgen zu unterschiedlichen (meist archäologischen oder regionalen) Themen.

Zum Herbstfest zeigt ein römischer „Pictor“ seine Bilder in alter Maltechnik.

Führungen durch das Kastell sind für Gruppen mit maximal 25 Personen jederzeit nach Voranmeldung möglich (auch außerhalb der Öffnungszeiten). Auf Wunsch umfassen diese Führungen auch die Limes-Aufschlüsse in der Region.

„Offene“ Führungen für Einzelbesucher sind auch für diese Saison geplant und werden, so weit möglich, gerne angeboten, wenn genug Besucher vor Ort sind, bei denen Interesse besteht, und wenn an dem Tag ein entsprechend ausgebildeter Gästeführer im Kastell anwesend ist. An Wochenenden ist dies meistens der Fall und die Chancen stehen gut, an einer Führung teilnehmen zu können. Sicherheitshalber empfiehlt es sich, bei einem Spontanbesuch kurz vorher anzurufen, wenn Interesse besteht (06772-9680768). Auch werden geplante Führungen kurzfristig auf Facebook und der Website bekannt gegeben.

Römische Gruppen (wie Legionen) nutzen das Kastell auch für eigene Veranstaltungen und üben dort „Lagerleben“ im Kastell. Insbesondere die Übernachtungen dort mit abendlichem Umtrunk sind legendär.

Öffnungszeiten, Eintrittspreise:

Das Kastell ist von Mai bis September von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Im April und Oktober schließt das Kastell bereits um 16 Uhr. Winterpause ist von November bis Ende März, wobei jedoch auch während der Winterpause Veranstaltungen stattfinden können.

Montags ist Ruhetag (außer an Feiertagen).

Kinder bis 6 Jahren haben freien Eintritt, von 7-14 Jahren zahlen sie 2 Euro. Eine Tageskarte für Erwachsene kostet 4 Euro, ermäßigt 3 Euro (Studenten, Schüler, Behinderte). Familienkarten, Gruppenkarten und Jahreskarten sind ebenfalls erhältlich. Mitglieder des Fördervereins haben freien Eintritt.

Hier ist gut die „gefälschte“ Steinmauer eines Holzkastells zu erkennen

Bei Sonderveranstaltungen können Öffnungszeiten und Eintrittspreise abweichen.

Sonstiges

Leider ist die Website des Kastells nicht immer ganz aktuell (so finden sich unter „Veranstaltungen“ noch Termine aus 2013). Sie bietet zwar gute Hintergrundinformationen zum Limes, zum Kastell und zur Rekonstruktion. Aktuelle Veranstaltungstermine entnimmt man aber besser der Facebook-Präsenz, die schnell und zeitnah ist. Auch beantwortet dort das freundliche Team gerne Anfragen zu geplanten Besuchen oder zu Veranstaltungen.

Im Rahmen der Tourismusförderung in der Region werden Pauschalangebote mit Übernachtung vom Tourismusverband Nassauer Land und Kreativ-Reisen Limes angeboten.

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

 

 

 

 

 

 

 

Antike Stätten: Römische Festungsmauer des Kastells, Remagen

Die Festungsmauer von Rigomagus

Die Festungsmauer von Rigomagus

Anschrift:

Parkplatz hinter dem Rathaus, zu erreichen über die Kirchstraße, den Marktplatz oder die Bachstraße.

Anfahrt:

Zur Anreise nach Remagen und den dortigen Parkmöglichkeiten verweisen wir auf unseren vorherigen Artikel zum Kastell Remagen und den Jupiteraltären, Pfarrkirche St. Peter und Paul. Die in diesem Beitrag beschriebene Festungsmauer befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Kirche, so daß wir an dieser Stelle auf Wiederholungen verzichten möchten.

Die rekonstruierte Festungsmauer befindet sich mitten in der Altstadt von Remagen, hinter dem Rathaus und an einem kleinen Parkplatz gelegen. Sie ist fußläufig in einer Minute von der Kirche, vom Marktplatz, dem Römischen Museum und dem Rathaus Remagen zu erreichen.

Hintergrundinformationen:

Die Kirchstraße wird noch heute "Via Principalis" genannt und ist die alte Hauptstraße des Kastells

Die Kirchstraße wird noch heute „Via Principalis“ genannt und ist die alte Hauptstraße des Kastells

Dies ist der dritte Artikel unserer kleinen Serie mit römischen Reisetipps in Remagen am Rhein.

Wie in unseren bisherigen Artikeln über Remagen (Kirche St. Peter und Paul, Römisches Museum) beschrieben, war Remagen zu römischer Zeit ein Hilfstruppenkastell („Rigomagus„) am Rhein in der Provinz Germania inferior. Es lag in unmittelbarer Nähe der römischen Fernstraße zwischen den beiden Städten Köln und Koblenz.

Auch wenn Remagen im 2. Weltkrieg durch die Kämpfe um die Brücke von Remagen massiv zerstört wurde und größtenteils modern überbaut ist, sind an einigen Orten in der Stadt noch immer die Spuren des Kastells sichtbar. Auch folgt der Straßenverlauf der Altstadt dem typischen römischen Schema.

Das Kastell wurde im 1. Jahrhundert in Holz-Erde-Bauweise errichtet und nach dem Bataveraufstand Mitte des 1. Jahrhunderts durch ein Steinkastell ersetzt. Das Steinkastell war von einer vollständigen Umwehrungsmauer umgeben, in die in regelmäßigen Abständen von 16 Metern Wachtürme eingelassen waren.

Von den Gebäuden im Innenbereich des Kastells sind in Remagen das Stabsgebäude (Principa) und das Wohnhaus des Kommandeurs (Prätorium) nachgewiesen und ihre Überreste können besichtigt werden.

Durch diesen Torbogen aus mittelalterlichen Steilen erreicht man die Mauer

Durch diesen Torbogen aus mittelalterlichen Steilen erreicht man die Mauer

In der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts führten Germaneneinfälle zu einer Verstärkung der Festungsmauer, indem vor die bisherige Mauer eine zweite Mauer aus Bruchsteinen gesetzt wurde; die etwa zwei Meter breite Lücke zwischen beiden Mauern wurde mit Mörtel und Steinen verfüllt. Die Höhe dieser Mauer betrug etwa 6 Meter.

Im Mittelalter wurden die Bruchsteine abgetragen und verbaut; die Füllung und der nahezu unzerstörbare römische Mörtel blieben jedoch erhalten, so daß der Verlauf der Mauer anhand dieses Mauerkerns bis heute an mehreren Stellen in der Stadt nachweisbar ist.

Im Jahr 2004 entschied man sich, Teile der noch erhaltenen römischen Kastellbefestigung zu rekonstruieren und zu konservieren, da diese durch Witterungseinflüsse baufällig und von Efeu überwuchert war. Um die 2000-jährige Geschichte der Stadt zu würdigen, wurde der Mauerkern freigelegt und mit einer Informationstafel versehen.

Die südwestlichen und südlichen Teile der Mauer sind unterhalb der Kirche St. Peter und Paul am Deichweg zu besichtigen. Funde aus Rigomagus werden im Römischen Museum sowie im Rheinischen Landesmuseum Bonn aufbewahrt.

Beschreibung:

Eine Informationstafel liefert Hintergrundwissen zum Kastell

Eine Informationstafel liefert Hintergrundwissen zum Kastell

Vom  Marktplatz zur Festungsmauer führt ein kleiner Torbogen aus mittelalterlichen Steinen, die wahrscheinlich zu einem Hofgut der Abtei gehört hatten. Die Mauer selbst liegt neben dem Künstlerforum Remagen auf einem kleinen, ruhigen Parkplatz, der mit Blumen bepflanzt ist.

Die moderne Regenrinne der Mauer dient der Abführung von Regenwasser und muß als Konzession an heutige Bauvorschriften und zum Schutz des Denkmals betrachtet werden. Ansonsten ist die typisch römische Schalenbauweise gut zu erkennen.

Links von der Mauer befindet sich eine Informationstafel, die Informationen über das Kastell Remagen und die Mauer enthält.

Rechts, oberhalb der Mauer an einer Hauswand, sind die überlieferten Namen einiger Kastellbewohner („Römer in Rigomagus“) aufgelistet, die man aus Schriften und Grabsteinen kennt. Das ist eine sehr gute Idee, zumal nicht nur die Namen, sondern auch ihre Funktion und der Zeitraum, in dem die Personen gelebt haben, aufgeführt sind. Das gibt den (zumeist thrakischen) Bewohnern des Hilfstruppenkastells ein persönliches Gesicht. Hier finden sich auch die beiden Benefiziarier wieder, die die Jupiteraltäre gestiftet haben, die heute in der Pfarrkirche aufgestellt sind.

Wer sich auf Erkundungstour durch das römische Kastell Rigomagus befindet, sollte an dieser Mauer also unbedingt Station machen.

Eintritt, Zugänglichkeit, Führungen, Öffnungszeiten:

Einige bekannte Bewohner des Kastells sind an dieser Hauswand verewigt

Einige bekannte Bewohner des Kastells sind an dieser Hauswand verewigt

Die Mauer ist jederzeit frei zugänglich. Eintritt wird nicht erhoben.

Das römische Remagen ist im Rahmen von Stadtführungen zu erkunden, die von der Touristeninformation angeboten werden. Es lohnt sich, an einer solchen Führung teilzunehmen, weil man dabei auch in Teile des Kastells gelangt, die ansonsten für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind, wie das unter dem Caracciola-Gedächtniszimmer gelegene Prätorium mit seiner gut erhaltenen Hypokaustenanlage.

Sonstiges:

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Wir empfehlen, in Remagen einen „römischen Tag“ einzulegen und alle Sehenswürdigkeiten des Kastells zu erkunden. Da alle antiken Stätten fußläufig in wenigen Minuten erreichbar sind, kann das Kastell sehr gut und einfach erwandert werden.

Hierbei sollte man die recht eingeschränkten Öffnungszeiten des Römischen Museums in seine Planungen einbeziehen, denn das Museum stellt ein Highlight der Kastellwanderung dar und gehört zum Pflichtprogramm. Auch lohnt es sich, im Vorfeld bei der Touristeninformation Remagen anzufragen, wann die Möglichkeit besteht, in die abgeschlossenen Kellerräume unterhalb des Caracciola-Gedächtniszimmers zu gelangen.

Außerdem lohnt sich (auch wenn es nicht zum Thema gehört), ein Besuch des Friedensmuseums von Remagen, das sich in den Brückenpfeilern der zerstörten Brücke von Remagen befindet und eine sehr gute Ausstellung zur Schlacht um die Brücke zeigt. Lohnenswert ist auch ein Besuch des Apollinarisklosters oberhalb von Remagen, sowie eine Überfahrt über den Rhein mit einer Fähre nach Erpel mit Besteigung der Erpeleyer Ley, von deren Gipfel aus  man eine tolle Aussicht über das Rheintal und die Stadt hat.

Weiterführende Informationen:

Antike Stätten: Jupiteraltäre und römisches Kastell, Kirche St. Peter und Paul Remagen

Die Kirche "Peter und Paul" mit darunterliegendem römischem Mauerwerk

Die Kirche „Peter und Paul“ mit darunterliegendem römischem Mauerwerk

Anschrift:

Kirchstraße 32, 53424 Remagen

Anfahrt:

Der kleine Ort Remagen liegt an der B9 zwischen Bonn und Koblenz.

Die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul befindet sich inmitten der historischen Altstadt des Ortes Remagen am Rhein und ist nicht zu übersehen.

Parkmöglichkeiten bestehen rund um die Kirche, an der Rheinpromenade (Parken 2 Stunden kostenfrei) oder auf dem großen kostenpflichtigen Park & Ride-Parkplatz an der B9 hinter dem Bahnhof.

Die Kirche ist auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut zu erreichen, da Remagen einen gut angeschlossenen Bahnhof hat, an dem Züge des Nah- und Fernverkehrs entlang der Rheinschiene zwischen Köln und Koblenz halten. Als Nahverkehrszüge halten hier der Rheinexpress (Emmerich bis Koblenz), die Ahrtalbahn (Bonn bis Ahrbrück) und die Mittelrheinbahn (Köln bis Mainz).

Es gibt auch mehrere Buslinien, die Remagen anfahren, diese fahren jedoch große Umwege über die umliegenden Dörfer an Rhein und in der Eifel, so daß wir die Anreise mit dem Zug oder dem Auto empfehlen.

Hintergrund:

Remagen (Rigomagus) war zu römischer Zeit ein Hilfstruppenkastell am Rhein in Niedergermanien (Germania inferior). Es wurde um 43 n.Chr. gegründet, als mit dem Eroberungsfeldzug in Britannien die Verteidigung des strategisch wichtigen Rheins umorganisiert wurde.

Der Ursprung des romanischen Torbogens neben der Kirche gilt als rätselhaft

Der Ursprung des romanischen Torbogens neben der Kirche gilt als rätselhaft

Das Kastell beherberte eine etwa 500 Mann starke Besatzung aus Infanterie und Kavallerie, deren Truppen fast ausschließlich aus den römischen Provinzen Thrakien, Spanien und Pannonien stammten. Im Jahr 69 n. Chr. wurde das Kastell im Rahmen des Bataveraufstandes zerstört, aber erneut aufgebaut und schließlich bis ins 3. Jahrhundert zu einer Festung ausgebaut. Diese Befestigung war so stark, daß sie sogar dem großen Germaneneinfall im Jahr 355 n. Chr. standhielt.

Auch wenn die Stadt im 2. Weltkrieg durch die Kämpfe um die Brücke von Remagen fast vollständig zerstört wurde, sind an vielen Orten im Stadtgebiet römische Spuren erhalten geblieben, so die Fundamente von Gebäuden, Wasserleitungen, Hypokausten und Gräberfelder.

Viele römische Funde aus Rigomagus sind heute im Römischen Museum von Remagen ausgestellt, das sich in einer Kapelle oberhalb der Principia des Kastells befindet. Dieser alte Eingangsbereich zum Stabsgebäude des Kastells wurde in das Untergeschoß des kleinen Museums integriert.

Die romanisch-gotische Kirche der Stadt wurde in der Nordwestecke des römischen Kastells errichtet. Ihr Kirchturm steht wahrscheinlich auf den Resten eines römischen Festungsturms. Unter ihr sind noch Mauerfundamente zu finden und die typischen römischen Quader des Kastells wurden auch zum Bau der Kirchenbefestigung verwendet. Im Jahr 1900 wurden bei Ausschachtungsarbeiten zu einem Erweiterungsbau der Kirche Reste einer Palisade gefunden.

Das ursprüngliche Mauerwerk, das man unterhalb der Kirche entdeckte, hatte eine Länge von 28,50 Metern, eine Breite von 2,65 Meter und eine Höhe von 5,50 Meter. Da diese Mauer aus Schiefer und Mörtel aus Rheinkies bestand, war sie so hart und stabil, daß große Teile erhalten blieben und selbst mit heutiger Technik nicht zerstört werden können. Das Fundament der Mauer bestand aus Tuffsteinblöcken, die aus der nahen Vulkaneifel stammten (möglicherweise aus dem Römerbergwerk Meurin). Teile des römischen Mauerwerks sind immer noch sichtbar, im oberen Teil wurde es allerdings durch eine mittelalterliche Mauer überbaut.

Ein Blick auf das römische Mauerwerk unter der Kirche von der Deichstraße aus

Ein Blick auf das römische Mauerwerk unter der Kirche von der Deichstraße aus

Neben diesen römischen Fundamenten, die in „Fenstern der Geschichte“ besichtigt werden können, befinden sich in der Eingangshalle der Kirche zwei Jupiter-Weihealtäre für Jupiter Optimus Maximus (IOM) und den Genius Loci. Diese beiden Altäre wurden im Jahr 1969 beim Einbau einer Heizungsanlage unter dem Boden der Kirche gefunden. Sie wurden von zwei Benefiziariern (die im römischen Reich eine Art Polizeifunktion innehatten) gestiftet, als sie an die Wachstation in Rigomagus abkommandiert wurden. Ihre Namen waren Sextus Senius Secundinus, Soldat der I. Legion aus Bonna und Consularis Titus Farfenna Ianuarius, Hauptmann der XXXV. Legion. Warum er als Hauptmann zu einer Polizeistation in der Provinz abkommandiert wurde, die normalerweise von Soldaten niederen Ranges besetzt wurden, ist unbekannt.

Weitere Weihesteine, die im Römischen Museum der Stadt stehen, deuten darauf hin, daß Remagen zu römischer Zeit auch ein wichtiger Rheinhafen war. Hier verkehrten die Schiffe bis zum Großkastell bei Xanten und transportierten auch die wichtigen Tuffsteine aus der Vulkaneifel, die im Hafen Andernach eingeladen wurden und rheinauf- und rheinabwärts überall für römische Bauwerke verwendet wurden. Auch die Mendiger Mühlsteine waren ein Exportschlager, der über den Rhein bis in die entlegendsten Winkel des Reichs transportiert wurden, so daß Remagen ein wichtiger Zwischenposten vor Bonn, Köln, Neuss und Xanten war.

Beschreibung:

Leider läßt die Beschriftung stark zu wünschen übrig

Leider läßt die Beschriftung stark zu wünschen übrig

Die Pfarrkirche von Remagen liegt inmitten der historischen Altstadt. An der Deichstraße, die zum Rhein hinab führt, befinden sich im Fundament der Kirche, gut von der Straße aus zu sehen, zwei Bögen, unter denen das römische Fundament des Kastells unterhalb der Kirche zu besichtigen ist. Sehr knapp gehaltene Hinweistafeln älteren Datums weisen auf den römischen Ursprung der Steinmauern hin. Informative Tafeln mit Hintergrundinformationen sucht man jedoch leider vergebens.

Die Pfarrkirche selbst hat mehrere Eingänge. Neben dem Haupteingang befindet sich ein rätselhaftes romanisches Portal, das ursprünglich in keinem Zusammenhang mit der Kirche stand und dessen Herkunft und genaue Bedeutung bis heute nicht geklärt ist. Auch wenn es keine antik-römische Sehenswürdigkeit ist, so ist dieses interessante Portal trotzdem einen genauen Blick wert. Es gilt zudem als außergewöhnliches Beispiel mittelalterlicher Steinmetzkunst.

Die beiden Jupiter-Weihealtäre in der Kirche

Die beiden Jupiter-Weihealtäre in der Kirche

Im Inneren der Kirche, im Eingangsbereich eines Nebeneingangs, stehen die zwei Weihealtäre für Jupiter und den Genius Loci. Sie wurden bewußt wieder in die Kirche zurückgebracht und dort aufgestellt, da man davon ausging, daß sich an dieser Stelle ursprünglich ein dem Gott Jupiter geweihter Ort befunden hat und die Altäre deswegen hier ihren Platz haben. Eine ungewöhnliche, aber gleichzeitig erfreuliche Einstellung.

Leider ist die Präsentation der Jupiteraltäre sehr dürftig. Sie stehen zwar an prominenter Stelle im Eingangsbereich und auf Knopfdruck kann man auch das Licht in diesem Bereich anschalten, um sie besser betrachten zu können. Allerdings gibt es keinerlei Hinweistafeln oder Informationen über die Geschichte der Steine und den Inhalt der Weiheinschriften. Die Schrift auf dem linken Stein ist stark verwittert, während die Schrift auf dem rechten Stein mit roter Farbe nachgezogen wurde und deswegen besser zu lesen ist. Hier wäre ein kleines Informationsschild oder zumindest ein Flyer, in dem die Übersetzung der Inschriften und die Herkunft der Steine erklärt, sehr wünschenswert und auch eine gute Ergänzung zum direkt um die Ecke gelegenen Römischen Museum, in dem die übrigen Fundstücke und Weihealtäre aus dem Kastell aufbewahrt werden.

Öffnungszeiten und Zugänglichkeit:

Römisches Mauerwerk

Römisches Mauerwerk

Da sich die Fundamente außerhalb des Kirchengebäudes an der Straße befinden, können sie jederzeit besichtigt werden.

Die Jupiteraltäre können nur zu den Öffnungszeiten der Kirche besucht werden. Da es sich um eine katholische Kirche handelt, ist sie meist von morgens bis abends geöffnet (genaue Zeiten sind nicht bekannt, aber wir haben sie tagsüber noch nicht verschlossen vorgefunden). Gottesdienst ist Sonntags um 11 Uhr, so daß man zu dieser Zeit von touristischen Besuchen Abstand nehmen sollte. Ansonsten ist der Bereich während der Öffnungszeiten frei zugänglich und es ist in der Regel außerhalb des Gottesdiensts auch nicht sehr voll.

Eintrittspreise werden nicht erhoben.

Sonstiges:

Fotografieren der Altäre ist erlaubt.

Oft hat man die Kirche ganz für sich allein, inbesondere in dem etwas abseits gelegenen Nebeneingangsbereich, da sich Betende und Kirchenbesucher meist im Hauptschiff aufhalten. So ist man im Seitenbereich meistens ungestört und es stellt kein Problem dar, wenn man ein kurzes Gebet an Jupiter und den Genius Loci richten möchte. Auch ist das Berühren der Steine möglich.

Die Pfarrkirche von Remagen

Die Pfarrkirche von Remagen

Allerdings sollte von aufwendigen Opfergaben, Zeremonien, Räucherungen etc. abgesehen werden, da man sich nach wie vor in einer Kirche aufhält, die zudem in einer ländlichen Region liegt, mit vielen älteren Besuchern, bei denen so etwas zu Irritationen führen würde – schließlich wollen wir die Altäre an ihrer Position erhalten und nicht durch heidnisches Gebaren dafür sorgen, daß sie eines Tages im Fundus eines Museums verschwinden, wo man sie nicht mehr besuchen und berühren kann. Auch sollten die Steine geschont und deshalb nicht mit Kerzenwachs u.ä. bekleckert werden.

Eine Kleinigkeit, wie ein Münze, auf dem Altar abzulegen, ist unproblematisch.

Der Besuch der Kirche sollte idealerweise mit einem Besuch der übrigen römischen Stätten in Remagen verbunden werden. Das Römische Museum ist auf jeden Fall einen Besuch wert, hierbei müssen jedoch die sehr begrenzten Öffnungszeiten beachtet werden (siehe unser Artikel zu diesem Museum).

Auch gibt es in der Stadt eine rekonstruierte Kastellmauer mit einer Infotafel und Auflistung bekannter römischer Bewohner des Kastells, sowie eine Hypokaustenanlage unterhalb des Caracciola-Gedenkzimmers. Dieser Keller ist jedoch nur im Rahmen einer Stadtführung zu besichtigen, da er ansonsten abgeschlossen ist.

Die Stadtführungen, die regelmäßig durch die Touristeninformation angeboten werden, sind ebenfalls sehr empfehlenswert, da Remagen neben der römischen Geschichte auch weitere interessante Touristenattraktionen wie die Stationen der Familie Caracciola, den Apollinariskeller und mittelalterliche Bauten zu bieten hat. Auch das Apollinariskloster und das Brückenmuseum zur Schlacht um Remagen sind sehenswert.

Archäologischer Landschaftspark Nettersheim

 

Archäologischer Landschaftspark Nettersheim

Archäologischer Landschaftspark Nettersheim

Anschrift:

Naturzentrum Eifel in Nettersheim, Urftstr. 2-4, 53947 Nettersheim

Anfahrt:

Der Archäologiepark beginnt am Naturzentrum Eifel in Nettersheim. Der Ort ist mit dem Auto über die A1 zu erreichen.

Es gibt auch einen Bahnhof, der von Regionalzügen aus Köln, Trier und Gerolstein angefahren wird, so daß Nettersheim für Eifelverhältnisse auch mit dem öffentlichen Nahverkehr sehr gut erreichbar ist.

Am Naturzentrum bestehen Parkmöglichkeiten, sowie die Möglichkeit zur Einkehr bei Cafe und Kuchen. Dort gibt es auch Informationen, Wegbeschreibungen und Wanderkarten.

Der Landschaftspark kann auf einem 4,5 km langen Rundwanderweg durchwandert werden, der am Naturzentrum startet und mit einem Matronenlogo markiert ist. Alternativ kann die ebenfalls hier startende, 12 km lange Route „Archäologie entdecken“ erwandert werden, die an weiteren römischen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt, wie dem Beginn der Eifelwasserleitung, die einst Köln mit 20 Millionen Litern Trinkwasser täglich versorgte.

Neben dem eigentlichen Rundweg durchquert den Landschaftspark auch der Pfad „Archäologie Erleben“, der Eifelsteig, der Erlebnispfad, ein Wanderweg nach Marmagen und die 3-Flüsse-Tour. Außerdem führt hier der Römerkanal-Wanderweg von Nettersheim nach Köln (110 km), an dem 50 Stationen mit römischen Bauwerken zu finden sind.  Auch der Radweg „Erlebnisraum Römerstraße“ führt entlang der Agrippastraße nach Köln (75 km).

Hintergrund:

Ein beliebtes Highlight ist das Matronenheiligtum

Ein beliebtes Highlight ist das Matronenheiligtum

Der Matronentempel „Görresburg“ auf einer Anhöhe oberhalb des Flusses Urft war schon seit 1909 bekannt und ein beliebtes Ausflugsziel in der Region. Daß sich dieser Tempel in unmittelbarer Nähe der römischen Schnellstraße zwischen Trier und Köln, der Agrippastraße, befand, war ebenfalls bekannt. Auch wurde in der Nähe immer eine zivile Siedlung, ein vicus, vermutet, Hinweise fand man auf Meilensteinen.

Im Jahr 2009 wurde das Gelände von der Universität Köln mit neusten geophysikalischen Methoden komplett neu untersucht. Dabei entdeckte man neben dem Verlauf der Agrippastraße auch zahlreiche Fundamente von Streifenhäusern, die sich vom Tempel bis hinunter an die Urft ziehen und beidseitig der Straße liegen. Funde wie handwerkliche Gegenstände und Schlackereste deuteten darauf hin, daß es sich hierbei vor allem um die Häuser von Handwerkern und Händlern gehandelt hat, die im vorderen Teil an der Straße ihr Geschäft betrieben und im hinteren Teil der Häuser wohnten.

Die Urft wurde von einer Brücke gequert, die breit genug für Fuhrwerke war. Jenseits der Brücke lag ein Kleinkastell, in dem die Beneficarier stationiert waren, die hier besonders den Matronenkult pflegten. Ihre Aufgabe bestand neben dem Schutz der Straße und des Ortes wahrscheinlich auch in der Erhebung von Zöllen.

Den Matronen werden gerne Weihegaben gebracht

Den Matronen werden gerne Weihegaben gebracht

Der Fundort hat für die Archäologen den einmaligen Vorteil, daß die römischen Fundamente sich nur 20 cm bis 70 cm unterhalb der Erdoberfläche befinden, so daß man zwar zur ersten Grabung mit einem Bagger anrückte, zur Freude der Grabungsteilnehmer aber schon mit einem Spaten schnell auf die römischen Funde stieß. Da das Gelände niemals überbaut wurde oder landschaftlich genutzt und umgepflügt wurde, liegt hier eine einmalige Fundsituation vor – im Gegensatz zu Städten wie Köln, wo erst mehrere Meter Mittelalter durchgraben werden müssen, um in die römischen Schichten zu gelangen.

Die Grabungen halten bis heute an und das Gelände wird nun von der Universität Köln vor allem für Lehrgrabungen angehender Archäologen verwendet. Daneben bietet auch das Naturzentrum Nettersheim interessierten Laien die Möglichkeit, an Grabungscamps unter fachkundiger Führung teilzunehmen und mitzuhelfen.

Es ist allerdings nicht geplant, den kompletten vicus freizulegen, da das zu Problemen bei der Erhaltung führt, denn alles, was ausgegraben wurde, ist der Verwitterung ausgesetzt. Hier wird abgewogen zwischen der Präsentation von Funden für die Öffentlichkeit und der Erforschung von Teilbereichen, die anschließend jedoch wieder zugedeckt werden. Genauso wenig ist eine komplette Rekonstruktion von Gebäuden geplant, wie man es zum Beispiel von der Mosel vom Lenus-Mars-Tempel bei Pommern oder dem römischen Höhenheiligtum auf dem Calmont kennt.

Blick entlang der Agrippastraße in den Vicus Marcomagus, die Schneise im Wald verdeutlicht den weiteren Verlauf der Straße

Blick entlang der Agrippastraße in den Vicus Marcomagus, die Schneise im Wald verdeutlicht den weiteren Verlauf der Straße

Im Rahmen der Freilegung des vicus und des Kastells wurde auch der Matronentempel archäologisch neu bewertet und im Rahmen einer Magisterarbeit untersucht. Dabei kam man zu neuen Erkenntnissen, die zu einer neuen Interpretation des Aufbaus und der Nutzung der Tempelanlage führten.

Die Tempelanlage wurde neu aufgemauert und die Weihesteine umgesetzt. Die Fundamente einiger Streifenhäuser sind ebenfalls freigelegt, die Position weiterer Gebäude wurde durch Aufschüttungen angedeutet. Auch das Kastell wurde auf den alten Fundamenten aufgemauert, um dem Besucher eine Vorstellung der Größe zu vermitteln. Der Verlauf der Agrippastraße wurde durch Schotter dargestellt. In der Verlängerung jenseits des Parks wird durch eine angedeutete Schneise in den Wäldern der Eifel der weitere Verlauf angedeutet.

Man geht heute davon aus, daß es sich bei dem vicus, der sich unmittelbar an den Tempel anschließt und sich hinab bis zur Urft zieht, um den Ort Marcomagus handelt, der auf römischen Karten eingezeichnet ist.

Marcomagus ist aus alten römischen Karten bekannt

Marcomagus ist aus alten römischen Karten bekannt

Ursprünglich hielt man das einige Kilometer entfernte Eifeldorf Marmagen für diesen Ort, dort wurden jedoch keine Funde gemacht, die auf eine so wichtige Siedlung hindeuteten. Wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, daß sich die Position des Ortes in fränkischer Zeit verlagerte, wie es häufiger der Fall war, so daß daraus auch die Verschiebung des Ortsnamens resultiert.

Aufgrund der guten Fundlage wurde beschlossen, die Gegend touristisch zu erschließen und für Besucher Archäologie erlebbar zu machen. Deswegen wurde der Archäologische Landschaftspark eingerichtet, in dem die Sehenswürdigkeiten auf einem Rundweg erwandert werden können. Informationstafeln und Erlebnisstationen runden den Eindruck ab.

Zudem wurde im Museum im Obergeschoß des Naturzentrums auch eine Abteilung für römische Geschichte der Region eingerichtet, die weitere Hintergründe zum Matronenkult und zum römischen Alltagsleben in der Eifel vermittelt.

Der Park wurde am 18. Mai 2014 mit einem Römer- und Eburonenlager sowie fachkundiger archäologischer Betreuung eröffnet und erfreut sich seitdem großer Beliebtheit.

Beschreibung:

Der Rundweg ist mit dem Matronenlogo gut ausgeschildert

Der Rundweg ist mit dem Matronenlogo gut ausgeschildert

Am Naturzentrum Eifel beginnt der Rundweg, der durch den Landschaftspark führt. Er ist mit einem Matronenlogo markiert und die Ausschilderung ist vorbildlich. Eine Faltkarte mit den verschiedenen Stationen ist kostenlos im Naturzentrum erhältlich. Der Park ist nur zu Fuß zu erwandern, aber auf weiten Strecken Rollstuhl-, Fahrrad- und Kinderwagengerecht.

An einigen Stellen (wie hinauf zum Tempel) hat man die Wahl, einen unwegsameren Wanderweg zu benutzen, oder den gut ausgebauten, asphaltierten und einfacheren Weg.

Als erste Station erreicht der Besucher nach etwa 1,5 Kilometern den Matronentempel, der auf einer Anhöhe liegt. Hier kann man entweder dem asphaltierten Hauptweg folgen oder einen steilen Hohlweg erklimmen.

Auf dem Gipfel befindet sich die etwa 1,30 Meter hohe aufgemauerte Tempelanlage sowie eine kleine Schutzhütte mit Sitzbank. Informationstafeln vermitteln Hintergrundwissen zum Tempel auf der Grundlage neuer Untersuchungen.

Wer den Tempel von früher kennt (d.h. vor 2014), wird sich über die Umgestaltung wundern, denn die drei Weihesteine, die ursprünglich neben dem Eingang der Cella standen, sind verschwunden. Stattdessen reihen sich nun Weihesteine um den Tempel herum auf, während der Eingangsbereich leer bleibt, wie es neue wissenschaftliche Erkenntnisse andeuten. Auch wurden die alten Weihesteine durch neue Repliken ersetzt, die zum Teil aber nicht so detailliert gearbeitet sind wie die alten Steine, die uns persönlich besser gefallen haben. Diese wurden, laut einem archäologischen Mitarbeiter des Naturzentrums, leider oft vandalisiert und Souvenierjäger brachen sich Stücke davon ab. Die neuen Repliken sind vermutlich günstiger herzustellen und zu ersetzen, wenn sie Schaden genommen haben.

Wir hätten es gut gefunden, wenn man einige der Steine angemalt hätte, wie es zu römischer Zeit üblich war, als Statuen und Steine bunt bemalt waren (die Vorstellung weißer Statuen und Steine ist relativ neu und entspricht nicht der römischen Realität, die überaus farbenfreudig war).

Die Informationstafeln sind gut gemacht und reichlich vorhanden

Die Informationstafeln sind gut gemacht und reichlich vorhanden

Weihegaben sind aber auch auf den neuen Steinen zu finden und können dort problemlos abgelegt werden.

Auf dem höchsten Punkt der Anhöhe sind zwei Holzpfosten mit Gucklöchern errichtet, durch die Erwachsene und Kinder auf den darunterliegenden vicus von Marcomagus blicken und den Verlauf der Agrippastraße bis in die fernen Wälder verfolgen können. Auch hier gibt es Informationstafeln.

Vom Tempel folgt der Rundweg der römischen Schnellstraße hinab bis zur Urft. Links von der geschotterten Straße befinden sich die niedrig aufgemauerten Reste dreier Streifenhäuser, die man auch betreten kann, um sich einen Eindruck von der Größe dieser Geschäfts- und Wohnhäuser zu machen. Infotafeln vermitteln einen guten Eindruck, wie man sich das rege Treiben an der Hauptstraße vorstellen kann, das wohl eine Mischung aus stark bereister Fernstaße mit Geschäften und Handwerkern sowie Pilgerumtrieben war, wie man sie aus Wallfahrtsorten wie Kevelaer kennt.

Der Weg zieht sich hinab ins Urfttal und macht dort einen weitläufigen Bogen, um den Bahndamm zu überqueren, der sich quer durch den Landschaftspark zieht. Jenseits des Bahndamms setzt sich die Straße fort und stößt auf eine schmale Holzbrücke über die Urft. Sie befindet sich, wie Funde von Holzpfosten beweisen, an der originalen Stelle, an der einst die Agrippastraße die Urft überquerte. Die damalige Brücke war jedoch deutlich breiter, da sie von Wagen, Reitern und schweren Gespannen überquert werden mußte. Die heutige Brücke ist gerade breit genug für einen Fußgänger, stellt jedoch einen Kompromiß dar, da es vor der Errichtung Diskussionen mit Naturschützern gab, deren Bedenken durch die schmale, hölzerne Konstruktion schließlich ausgeräumt werden konnten.

Am Römerweiher

Am Römerweiher

An die Brücke schließt sich ein römischer Meilenstein und dahinter das Kastell an. Auch hier finden sich einige Informationstafeln. Das Kastell ist ebenfalls zum Teil aufgemauert, so daß vor allem der Eingangs- und Ausgangsbereich erkennbar ist, die so breit waren, daß man sie mit einem Fuhrwagen passieren konnte.

Der Rundweg führt auf dieser Uferseite der Urft zurück Richtung Nettersheim, vorbei am sogenannten „Römerweiher„, der tolle Wasserspiegelungen zu bieten hat.

Zuletzt wird eine Taverne passiert, in der man einkehren und einen römischen (oder modernen) Imbiß zu sich nehmen kann. Bei schönem Wetter kann man auch draußen sitzen. Hier befinden sich auch die historischen Werkhäuser von Nettersheim, in denen man römisch übernachten kann, sowie selbst an Kochveranstaltungen zur römischen Küche teilnehmen kann.

Gegenüber der Taverne liegen begehbare Kalkbrennöfen aus dem 19. Jahrhundert, bevor der Rundweg am Bahnhof Nettersheim die Gleise überquert und zurück zum Naturzentrum führt.

Die Brücke über die Urft führt zum Meilenstein und dem Kastell

Die Brücke über die Urft führt zum Meilenstein und dem Kastell

Im Naturzentrum sollte man sich noch das Museum anschauen und einen Blick in den Museumsshop werfen, wo es Matronenrepliken sowie Buchstützen mit dem Medusenhaupt der römischen Eifelwasserleitung zu kaufen gibt, außerdem Bücher und römische Münzen.

Der Park ist sehr gepflegt, vorbildlich beschildert und wird von engagiertem Personal betreut, dem die Vermittlung von Natur und Archäologie ein persönliches Anliegen ist.

Das durch das ganze Jahr gebotene Programm ist vielseitig und der Archäologische Park, der sich in einer steten Weiterentwicklung befindet, ist sicherlich ein attraktives Reiseziel in der Eifel, das leicht mit weiteren, in der Nähe gelegenen Zielen (wie den Matronentempeln von Pesch und Zingsheim, oder dem Beginn der Eifelwasserleitung) kombiniert werden kann.

Nicht zuletzt ist die Gegend auch landschaftlich sehr reizvoll mit den Hügeln, Wäldern und weiten Feldern der typischen Eifellandschaft.

Öffnungszeiten und Führungen:

Archäologie zum Anfassen

Archäologie zum Anfassen

Das Naturzentrum ist montags bis freitags von 9-16 Uhr geöffnet, samstags und sonntags von 10-16 Uhr. In den Sommermonaten (Mai bis Oktober) sind die Öffnungszeiten verlängert bis 18 Uhr.

Der Park selbst ist nicht umzäunt oder abgeschlossen, er kann rund um die Uhr betreten und erwandert werden (ist aber natürlich nicht beleuchtet, sondern liegt tief inmitten der Eifellandschaft).

Eintritt in den Park wird nicht erhoben. Auch der Besuch des Erdgeschosses des Naturzentrums mit Museumsshop, sanitären Anlagen, Korallenriff, Cafeteria, Veranstaltungsraum, Wickelraum, ist kostenlos.

Die Austellungen im Obergeschoß, inklusive dem nahe gelegenen Haus der Fossilien, den Werkhäusern und historischem Bauernhaus kosten 3€ für Erwachsene, 1€ für Kinder und 4€ für Familien.

Geführte Wanderungen und Exkursionen können beim Naturzentrum gebucht werden. Auch gibt es zahlreiche Angebote für Schulklassen und Gruppen mit römischen Themengebieten wie „Römische Werkstatt“, „Die Römer bitten zu Tisch“, „Römische Schönheitspflege“, „Römer-Olympiade“ etc.

Sonstiges:

Die Streifenhäuser des Handwerkerbezirks entlang der Straße

Die Streifenhäuser des Handwerkerbezirks entlang der Straße

Das Naturzentrum bietet auch einen Fahrradverleih, sowie die Fahrt im römischen Reisewagen (der für Gruppen vorab gebucht werden muß). Auch Geologenhammer, Lupe, Fernglas oder eine „Erlebnistasche Archäologie“ kann geliehen werden. Als besonderen Clou kann man sich auch das Marschgepäck eines römischen Legionärs ausleihen, um damit einmal hautnah zu erleben, wieviel ein Legionär mit sich herumtrug.

Fotografieren ist überall erlaubt.

Am Naturzentrum findet jährlich ein Römer- und Eburonenlager statt. Die Termine sind dem Veranstaltungsplan auf der Website des Naturzentrums zu entnehmen.

Weiterführende Informationen:

Am Ausgang des Kastells ist der weitere Verlauf der Agrippastraße gut sichtbar

Am Ausgang des Kastells ist der weitere Verlauf der Agrippastraße gut sichtbar

Antike Stätten: Römerwarte Katzenberg bei Mayen

Die Signalstation, von dem Fliehbereich im Inneren der Rundmauer aus gesehen

Die Signalstation, von dem Fliehbereich im Inneren der Rundmauer aus gesehen

Anschrift:

Die Römerwarte liegt auf einem Berg oberhalb von Mayen in der Vulkaneifel, deshalb keine postalische Anschrift. GPS-Koordinaten des Parkplatzes: N 50°19.327, E 007° 14.939. Straßen in der Nähe sind der Katzenberger Weg und die St.-Barbara-Straße in 56727 Mayen.

Anfahrt: 

Die Römerwarte Katzenberg liegt auf einem 290 Meter hohen Berg oberhalb der B262 und ist von der Bundesstraße aus sowohl durch die Schutzhütte auf dem Berggipfel als auch durch die teilrekonstruierte Schutzmauer gut zu erkennen. Die B262 verbindet die A61 (Abfahrt Mendig / Laacher See) mit der A48 (Richtung Trier).

Die Römerwarte Katzenberg ist auf der Höhe der Abfahrt Mayen entlang der Bundesstraße und auch innerhalb des Ortes Mayen mit der Bezeichnung „Katzenberg“ ausgeschildert (so heißt auch das gleichnamige Industriegebiet in der Nähe). Sie liegt unmittelbar des großen Schiefersteinbruchs der Firma Rathscheck Schiefer (die auch den Ausbau und Erhalt der Römerwarte gesponsort hat), so daß es auch möglich ist, den Hinweisschildern zu diesem Tagebauunternehmen zu folgen, bis man auf Hinweise zur Römerwarte trifft.

Etwas unterhalb der Bergkuppe befindet sich ein Schotter-Parkplatz, der als Ausgangspunkt der nicht direkt mit dem Auto erreichbaren Römerwarte dient.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Römerwarte schwierig zu erreichen, sie liegt außerhalb von Mayen im Industriegebiet Katzenberg. Mayen selbst ist mit der Pellenz-Eifel-Bahn oder Eifelquerbahn zwischen Andernach und Gerolstein zu erreichen.

Von Mendig, Bell und Maria Laach aus fährt die Linie 312, der sogenannte „Vulkanbus“ die vulkanischen Sehenswürdigkeiten der Region ab. Die nächste Haltestelle zum Katzenberg ist „Mayen Ostbahnhof“, von dort aus sind es ca. 1,5 km Fußweg bis zur Römerwarte.

Hintergrundinformationen:

Der Wehrgang ist begehbar, genauso wie die Rundtürme

Der Wehrgang ist begehbar, genauso wie die Rundtürme

Der Name „Katzenberg“ leitet sich von der ursprünglichen Bezeichnung „Kastellberg“ ab.

Es handelt sich hierbei um eine spätrömische Höhenbefestigung, die um ca. 300 n. Chr. nach dem Fall des Limes errichtet wurde, als immer wieder plündernde germanische Stämme in die linksrheinischen römischen Provinzen einfielen.

Oft drangen die Plünderer dabei auch bis in die Vulkaneifel in das Gebiet um Mayen vor, das bereits seit keltischer Zeit berühmt für seine Basalt- und Tuffsteinvorkommen war. Hier befanden (und befinden sich noch heute) ausgedehnte Basaltsteinbrüche, aus denen zu keltischer und römischer Zeit bis in die Neuzeit Mühlsteine hergestellt und nach ganz Europa exportiert wurden. Die wirtschaftlich bedeutsame Region war deswegen auch für Plünderer attraktiv.

Die römische Befestigungsanlage oberhalb der im Bereich der heutigen Stadt Mayen gelegenen zivilen Siedlung (vicus), diente deswegen auch als Fliehburg für die einheimische Bevölkerung. Während eines Überfalls zogen sich die einheimischen Zivilisten auf den weitläufigen Platz hinter den Befestigungsmauern auf dem Bergrücken zurück, wo sie unter militärischem Schutz standen. So plünderten die Germanen zwar die Siedlung, aber die Bewohner kamen zumindest mit dem Leben davon.

Die 1,2 Hektar große Fliehburg gilt als die größte bekannte römische Fliehburg in Rheinland. Sie entstand als eine von 60 Bergbefestigungen, die sich in einer Kette durch die Höhenlagen von Eifel und Hunsrück zogen. Die Militärposten auf den Berggipfeln standen in Sichtkontakt miteinander und konnten sich mit Hilfe von Feuerzeichen verständigen. Außerdem ermöglichte die Position eine Beobachtung des weiten Umlandes bis tief  in Eifel und Hunsrück, sowie in die Ebenen der umgebenen Vulkaneifel.

Sie war für etwa 70 Jahre in Gebrauch. Danach lag sie 30 Jahre brach, bevor sie bis 450 n.Chr. wieder in Betrieb genommen wurde.

Die Dächer sind mit dem hier abgebauten Moselschiefer in authentischer Originaltechnik gedeckt

Die Dächer sind mit dem hier abgebauten Moselschiefer in authentischer Originaltechnik gedeckt

Die Höhenbefestigung liegt oberhalb des beeindruckenden Mayener Lavastroms („Bellerberg-Vulkanstrom“), der am Fuße des Katzenberges endete, sowie oberhalb des Flusses Nette, der zur Römerzeit deutlich größer war als heute.

Sie wurde um 1900 entdeckt und 1932 erstmalig archäologisch untersucht. Die eigentliche Freilegung und Restauration erfolgte ab 1997 und dauert bis heute an. Sie wird durch den Vulkanpark durchgeführt. Die archäologischen Untersuchungen erfolgen durch die Stadt Mayen und das Landesamt für Denkmalpflege in Koblenz.

Im Rahmen der Ausgrabungen wurden Teile der rundum laufenden Wehrmauer sowie Dachbedeckungen der Wachtürme aus dem hier anstehenden Moselschiefer gefunden. Dabei stellte sich heraus, daß die Türme in der für die Römerzeit seltenen altdeutschen Schuppentechnik gedeckt waren, die auch heute noch in Eifel und Hunsrück gebräuchlich ist.

Von der Signalstation auf dem Berggipfel sind Fundamente erhalten, sowie Teile einer Fußbodenheizung und Sechseck-Schiefer-Dachbedeckung.

Beschreibung:

Vom Parkplatz aus ist die auf dem Berggipfel gelegene Signalstation gut zu erkennen, denn sie wurde durch die regional sehr engagierte Schieferfirma Rathscheck mit einem großen Schutzbau aus Holz überbaut, der in der klassischen Sechseck-Technik mit Moselschiefer gedeckt wurde, wie man ihn auch auf der Ausgrabungsstätte gefunden hat.

Teile der Außenmauer wurden mitsamt Wehrgang zur besseren Anschauung rekonstruiert, genauso wie mehrere Rundtürme, die aus Original-Material der Wachtürme bestehen und in authentischer Weise mit Schiefer gedeckt sind.

Um die Signalstation herum führt ein Rundwanderweg, der auch zur tiefer gelegenen Außenmauer des Fliehbereichs führt. Über den Wehrgang entlang der Außenmauer und durch die Wachtürme hindurch kann man ebenfalls hindurchgehen und gelangt schließlich wieder zurück zur Signalstation.

Infotafeln säumen den gesamten Rundweg

Infotafeln säumen den gesamten Rundweg

Überall entlang des Rundweges sind Informationstafeln des Vulkanparks aufgestellt, die sowohl über die römische Geschichte und Hintergründe der Bergfestung als auch über die lokale Geologie mit dem Mayener Lavastrom und Schieferbergbau informieren. Die Wände des Vulkanstroms sowie der Schiefertagebau, welche ebenfalls auf dem Rundweg zu sehen sind, sind eine lohnenswerte Zugabe zur römischen Geschichte. Die Tafeln sind sehr informativ und gut gemacht.

Der Weg rund um die Römerwarte ist stellenweise ziemlich steil und felsig, so daß Trittsicherheit von Vorteil ist. Festes Schuhwerk wird empfohlen.

Es ist nicht möglich, direkt mit dem Auto zur Signalstation oder Mauer zu gelangen. Für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen ist die Strecke nicht geeignet.

Eintritt, Zugänglichkeit, Führungen:

Die Römerwarte ist zu jeder Zeit frei zugänglich. Der Eintritt ist frei.

Gelegentlich werden Führungen über die Römerwarte durch Mitarbeiter des Vulkanparks angeboten. Hierbei sind insbesondere die kostenlosen Führungen über den Katzenberg sowie durch das Mayener Grubenfeld im Rahmen des jährlichen Römerfestes am 3. Wochenende im Juli zu empfehlen. Anläßlich dieser Veranstaltung, die in der Terra Vulcania in Mayen stattfindet, wird ein kostenloser Shuttle-Service von dort zur Römerwarte angeboten. Engagierte und gut informierte Führer begehen mit den Besuchern die ganze Anlage und vermitteln gute Hintergrundinformationen zu Geologie und Römerzeit.

Sonstiges:

Die Aussicht von der Signalstation reicht bis zum Hunsrück

Die Aussicht von der Signalstation reicht bis zum Hunsrück

Bis 2012 fand das jährliche Römerfest in Mayen (3. Juli-Wochenende) direkt auf der Römerwarte Katzenberg statt. Da das Gelände jedoch steil und unzugänglich ist, stellte dies ein Problem für die Zelte der dort lagernden Legio XXII Primigenia Milites Bedenses aus Bitburg dar. Zudem fehlen sanitäre Anlagen und das Gebiet ist für Besucher schlecht zu erreichen.

Deswegen zog das Römerfest ab 2012 auf das Gelände der Terra Vulcania des Vulkanparks in Mayen, wo die Räumlichkeiten mit Toiletten, Duschen, Vortragsräumen und den überdachten Gebäuden des Vulkanzentrums für Besucher wie für die römischen Darsteller besser geeignet sind – wenn natürlich auch nicht ganz so stimmungsvoll. Dafür liegt das Mayener Grubenfeld in unmittelbarer Nähe und der Vulkanpark versucht, die Lokalität dadurch auszugleichen, daß kostenlose Führungen zu Römerwarte und Grubenfeld angeboten werden.

Fotografieren auf der Römerwarte ist natürlich überall erlaubt und kein Problem.

Es lohnt sich, die Römerwarte an einem Tag mit guter Fernsicht aufzusuchen, um die gute Aussicht von der Signalstation auf die Gipfel der Mittelgebirge von Eifel und Hunsrück zu bestaunen.

Der Besuch der Römerwarte kann gut mit einem Besuch des Mayener Grubenfeldes kombiniert werden, das über Basaltabbau in keltischer und römischer Zeit informiert und ein sehr ungewöhnliches Ausflugsziel darstellt.

Außerdem liegt die Römerwarte in unmittelbarer Nähe weiterer Sehenswürdigkeiten des Vulkanparks wie dem Deutschen Vulkanmuseum in Mendig mit den unterirdischen Basalthöhlen, dem Schieferbergwerkmuseum in der Burg Mayen sowie dem Kloster Maria Laach am Laacher See.

Die Wehrmauer ist in der Umgebung weithin sichtbar

Die Wehrmauer ist in der Umgebung weithin sichtbar

Antike Stätten: Limes-Wachturm 1 bei Rheinbrohl

Der Wachturm Nummer 1 in der umstrittenen Rekonstruktion

Der Wachturm Nummer 1 in der umstrittenen Rekonstruktion

Anschrift:

Der Wachturm liegt in Rheinnähe auf einer Wiese kurz vor der Autofähre Bad Hönningen – Bad Breisig. Keine postalische Anschrift.

Anfahrt: 

In Rheinbrohl-Arienheller auf der L87 in Richtung Rheinfähre nach Bad Breisig fahren. Kurz vor der Abbiegung, die zum Rhein hinabführt, befindet sich auf der rechten Seite der Landstraße der Römerturm mit Gedenkstein und Infotafel. Er ist, auch aufgrund der wehenden Limes-Fahnen, nicht zu übersehen.

Vor dem Römerturm kann an einer Toreinfahrt problemlos geparkt werden.

Beschreibung:

Am Rhein, auf dem rechtsrheinischen Ufer zwischen Rheinbrohl und Bad Hönningen, begann der Obergermanisch-Raetische Limes, der sich bis zur Donau erstreckte und das Römische Reich vom freien Germanien (Germania Magna) trennte. Hier, am Beginn des Limes („Caput Limitis“, Kopf des Limes) stand deswegen auch der erste Wachturm einer ganzen Reihe von in regelmäßigen Abständen aufgestellten Wachtürmen, Klein- und Großkastellen.

Kurz vor der Abbiegung zur Autofähre wurde im Jahr 1973 auf einer kleinen Anhöhe ein römischer Wachturm aufgestellt, der zu großen Teilen aus Originalmaterial des einst gut erhaltenen Wachturms Nummer 8 erbaut wurde. Allerdings handelt es sich beim Aufstellungsort nicht um den Original-Standort, der sich vermutlich ca. 120 Meter weiter nordwestlich, in Richtung des römischen Kleinkastells Rheinbrohl befand. Das Kleinkastell selbst ist heute nicht mehr erhalten, da sich auf dem Gelände nun die Kläranlage Rheinbrohl befindet.

Informationstafeln informieren über den Limes und das Kleinkastell Rheinbrohl

Informationstafeln informieren über den Limes und das Kleinkastell Rheinbrohl

Der genaue Standort des damaligen Wachturms Nummer 1 ist unbekannt, da durch den jahrelangen Kiesabbau am Rheinufer keine archäologischen Nachweise erhalten geblieben sind.

Obwohl Wachturm Nummer 1 aus Originalmaterial eines anderen Wachturms erbaut wurde, ist er umstritten, da er nicht dem typischen Aussehen von Limeswachtürmen entspricht. Dies wurde in der wissenschaftlichen Literatur entsprechend kritisiert.

Als privat initiierter Rekonstruktionsversuch der Gemeinde Rheinbrohl, der in erster Linie auch zur Erinnerung an den Beginn des Limes errichtet wurde, ist er dennoch ein schönes Ausflugsziel, das gut mit einem Besuch der RömerWelt Rheinbrohl verbunden werden kann, die in unmittelbarer Nähe liegt.

Neben dem Turm befindet sich eine Kopie des Grabsteins des römischen Feldzeichenträgers Pintaius der V Cohorte Asturum. Das Original steht im Rheinischen Landesmuseum Bonn.

Die Inschrift lautet: „PINTAIUS PEDILICI  F(ilius), ASTUR TRANS MONTANUS CASTEL(l)O INTERCATIA, SIGNIFER C(o)HO(rtis) V ASTURUM, ANNO(rum) XXX STIP(endiorum) VII, H(eres) EX T(estamento) F(aciendum) C(uravit), AVE“.

Übersetzung: „Pintaius, Sohn des Pedilicus, aus dem Kastell Intercatia in Asturien, hinter dem Berg, Feldzeichenträger der Cohors V Asturum, 30 Jahre alt, 7 Jahre im Dienst. Sein Erbe hat hiermit das Testament erfüllt. Grüsse. „

Vor dem Turm steht außerdem eine bequeme, geschwungene Sitzbank für zwei Personen, wie man sie auch vom Ahrsteig und den Traumpfad-Wanderwegen kennt. Dort kann man sehr schön sitzen und die Aussicht auf den Rhein genießen.

Der Grabstein des Legionärs steht direkt neben dem Turm

Der Grabstein des Legionärs steht direkt neben dem Turm

Weiterführende Informationen:

Eintritt und Zugänglichkeit:

Der Wachturm samt Grabstein steht auf einer Wiese an der Landstraße und ist jederzeit frei zugänglich. Der Wachturm selbst kann jedoch nicht betreten werden, die Tür ist abgeschlossen.

Der Eintritt ist frei.

Sonstiges:

Fotografieren ist kein Problem.

Antike Stätten: Römerkastell Saalburg (Taunus)

Haupttor des Kastells (April 2013)

Haupttor des Kastells (April 2013)

Anschrift: 

Römerkastell Saalburg Archäologischer Park, Saalburg 1, 61350 Bad Homburg vor der Höhe.

Anfahrt:

Das Römerkastell liegt im Hochtaunus auf einem Bergkamm nördlich von Bad Homburg vor der Höhe (Hessen). Es ist gut mit dem Auto über die B456 zu erreichen und verfügt über Parkplätze entlang der Zufahrtsstraße. Bei schönem Wetter kann es hier allerdings schon einmal eng werden und die Schlange der parkenden Autos zieht sich dann fast bis hinab in das Tal.

Nach Bad Homburg gelangt man von Frankfurt aus mit der S-Bahn-Linie 5. Vom Bahnhofsvorplatz Bad Homburg aus führt dann die Stadtbuslinie 5 mehrmals täglich direkt bis zur Saalburg.

Alternativ kann man ab Frankfurt / Bad Homburg mit der Taunusbahn bis zum Bahnhof Saalburg / Lochmühle fahren und von dort am Limes entlang über einen Fußweg in ca. 45 Minuten zur Saalburg wandern.

Weiterführende Informationen:

Hintergrund:

In der Principia, dem zentralen Stabsgebäude

In der Principia, dem zentralen Stabsgebäude

Das Römerkastell Saalburg war ein römisches Militärlager am Limes, das Anfang des 2. Jahrhunderts zur Befestigung der Grenzen im freien rechtsrheinischen Germanien in Taunus und Wetterau errichtet wurde, in das die römische Armee vorgestoßen war.

Es gilt heute als das am besten erforschte und am vollständigsten rekonstruierte Kastell des Obergermanisch-Raetischen Limes (der seit 2005 UNESCO-Weltkulturerbe ist).

Das Kastell liegt auf einem Gebirgspass, der von den Ebenen des Mains in das Siedlungsgebiet der Germanen führte.

Es wurde zuerst als Holzkastell errichtet, später zu einem steinernen Kohortenkastell für 600 Mann Besatzung ausgebaut. Stationiert war dort die rätische Auxiliar-Reiterkohorte Cohors II Raetorum civium Romanorum equitata („2. teilberittene rätische Kohorte römischen Bürgerrechts“), die ursprünglich in Wiesbaden stationiert gewesen war und unter dem Legionskommando in Mogontiacum (Mainz) stand. Die Soldaten waren einheimische Hilfstruppen aus Raetien, einer römischen Provinz im Alpenvorland in der heutigen Schweiz. Sie wurden hier stationiert, weil sie mit dem rauhen Klima im Hochtaunus besser zurechtkamen als Truppen aus dem Süden.

Bald zog es auch Zivilisten an, die an den dort stationierten Soldaten verdienten – Handwerker, Händler – und es bildete sich eine zivile Siedlung (vicus) entlang der Pass-Straße. Im zweiten Jahrhundert wurde das Lager erweitert und erhielt eine Bäderanlage, eine Herberge und öffentliche Gebäude. Zusätzlich wurde dort eine zweite raetische Kohorte stationiert.

Die Siedlung wurde nach römischem Vorbild ausgebaut und mit typisch römischer Infrastruktur versehen, samt befestigten Straßen, Geschäften, Gasthäusern und öffentlichen Bädern.

Innenhof

Innenhof

Da sich das Militärlager im Grenzgebiet zum freien Germanien befand, wurde es allerdings immer wieder Ziel von germanischen Überfällen. Im Jahr 233 brannten alemannische Stämme das Dorf nieder und raubten alles, was ihnen in die Hände fiel. Nach 260 wurde der Druck insbesondere durch die Alemannen am Limes so massiv, daß er schließlich aufgegeben wurde und sich die Römer wieder hinter den Rhein zurückzogen. Das Kastell wurde ohne Kampfhandlungen planmäßig geräumt und nicht überhastet verlassen.

Das Kastell Saalburg ist das umfangreichste wiederhergestellte Limeskastell und zudem das einzige, dessen ziviler vicus ebenfalls erhalten geblieben ist und zum Teil freigelegt wurde.

Daneben gehört auch ein umfangreiches Gräberfeld und ein Mithras-Heiligtum (Mithräum) zum Gelände.

Erhaltungszustand und Aufmachung:

Wie viele römische Gebäude, diente das Römerkastell im Mittelalter und der frühen Neuzeit als Steinbruch der Einheimischen. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts erkannte man die archäologische Bedeutung und begann, das Kastell systematisch auszugraben und zu untersuchen. Kaiser Wilhelm II, der archäologisch interessiert war, ordnete schließlich im Jahr 1897 an, das Kastell auf den alten Fundamenten originalgetreu wieder aufzubauen. Beim Wiederaufbau orientierte man sich an antiken Vorbildern, so daß der Wiederaufbau heute als „annähernd authentisch“ gewertet wird.

Römische Backöfen

Römische Backöfen

In den Jahren 2003-2009 wurde das Römerkastell zu einem Archäologischen Park ausgebaut. Von 2009-2012 wurde die historische Bausubstanz saniert.

In mehreren der wieder aufgebauten Gebäude befindet sich das Saalburgmuseum, in dem Funde aus der Limesregion und dem Kastell gezeigt werden. Außerdem enthält die Anlage ein Forschungsinstitut.

Das Kastell wurde mitsamt seiner Außenmauer, Wehrgang, vier Toren und zahlreichen Gebäuden aus Stein wieder aufgebaut. Darunter finden sich die Centuriae (Mannschaftsbarracken für die einfachen Soldaten), das Horreum (Getreidespeicher, in dem heute ein Ausstellungsraum ist), das Praetorium samt Innenhof mit Brunnenmosaik (Wohnhaus des Kommandanten, in dem die Museumsverwaltung und das Forschungsinstitut untergebracht sind, das im Rahmen einer Führung aber besichtigt werden kann), die Principa (das zentrale Stabsgebäude mit großer Appellhalle und Innenhof, in dem seinerzeit Schreibstube, Amtsräume und Waffenlager waren), die Fabrica (Werkstätten, die heute für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt werden).

Einige der Bereiche sind auch von innen rekonstruiert, so kann sich der Besucher einen Eindruck von der beengten Inneneinrichtung eines Mannschaftsquartiers für 8 Personen machen und einen Eindruck vom Alltagsleben der Soldaten und Zivilisten bekommen. Einige Aspekte sind szenisch dargestellt, wie das opulente Triclinium, der Speiseraum eines Offiziers. Im Außenbereich entlang der Mauer befinden sich (funktionsfähige) römische Backöfen, in denen zu besonderen Anlässen mehrmals im Jahr römisches Brot gebacken wird. Es gibt auch ein Aedes, das Fahnenheiligtum und kultische Zentrum des Kastells, das allerdings nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen ist.

Das Fahnenheiligtum ist nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen

Das Fahnenheiligtum ist nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen

In einem der Gebäude befindet sich eine Taberna, ein Restaurant, in dem sowohl „moderne“ Speisen als auch Speisen und Getränke der Römer angeboten werden. Sie ist nach antikem Vorbild einer römischen Gaststube mit Herd, Anrichten, Backofen und Regalen eingerichtet.

Vor dem Haupttor des Kastells befinden sich die Mauerreste des (nicht aufgebauten) zivilen vicus, unter anderem des Badehauses, eines Gästehauses sowie Keller und Brunnen von Wohnhäusern. Um einen Eindruck davon zu vermitteln, wie diese zivilen Häuser aussahen, wurden zwei Rekonstruktionen errichtet, die als Kassenhaus, Limes-Informationszentrum und Museumsshop dienen.

Rund um die Saalburg führt der 2,5 km lange „Rundweg Saalburg“ am Limes entlang, der an einigen Stellen ebenfalls rekonstruiert wurde, unter anderem wird ein typischer Durchgangsposten gezeigt. Hier gibt es auch weitere archäologische Sehenswürdigkeiten, wie eine Jupitersäule und ein Mithrasheiligtum. Der Rundweg dauert etwa 45 Minuten.

Die ganze Anlage ist sehr gut erhalten und gepflegt. Ein komplett wiederaufgebautes römisches Militärlager ist eine Sensation, die man gesehen haben sollte, denn der Eindruck, der hier von einer solchen Anlage vermittelt wird, ist ein ganz anderer, als wenn man nur Mauerreste betrachtet. Insbesondere die Höhe und Größe der Gebäude und Mauern und die Architektur von Häusern und Innenhof sind sehr anschaulich.

Der Museumsbereich, der sich über mehrere Gebäude erstreckt, ist gut aufgemacht und informativ mit einer umfangreichen Sammlung von Gegenständen aus der Limesregion.

Öffnungszeiten:

Das Gelände ist sehr weitläufig

Das Gelände ist sehr weitläufig

Der Archäologische Park und das Museum sind im Winter (November bis Februar) täglich außer montags von 9-16 Uhr geöffnet, Einlaß bis 15.30 Uhr.

In der Sommerzeit (März bis Oktober) sind die Öffnungszeiten täglich von 9-18 Uhr, Einlaß bis 17:30 Uhr.

Es kann zu Abweichungen bei Abend- und Nachtveranstaltungen kommen.

Eintrittspreise und Führungen:

Erwachsene 5€, ermäßigt (Behinderte, Studenten, Rentner, ALGII-Empfänger, Wehrdienst- /Freiwilligendienstleistende) 3,50€.  Kinder unter 6 Jahren frei. Kinder von 6-18 Jahren 3€. Für Familien (2 Erwachsene mit Kindern) gibt es eine Familienkarte für 10€.

Für Hunde muß 1€ Eintritt gezahlt werden und sie müssen an der Leine geführt werden.

Es ist möglich, ein Kombiticket mit der Keltenwelt am Glauberg zu erwerben.

Der Museumsbereich mit Wegesteinen

Der Museumsbereich mit Wegesteinen

Zu Sonderveranstaltungen sind abweichende Eintrittspreise möglich.

Führungen werden mehrmals täglich (im Sommer um 11, 13 und 15 Uhr) durch archäologische Mitarbeiter durchgeführt und sind sehr empfehlenswert. Wer die Saalburg besucht, sollte unbedingt auch an der Führung teilnehmen, weil sie sehr viel Hintergrundinformationen vermittelt und außerdem die Möglichkeit bietet, in die ansonsten verschlossenen Gebäude (Praetorium und Fahnenheiligtum) zu gelangen.

Es gibt außerdem spezielle Führungen für Kinder, die sehr nett und spielerisch gemacht sind (ebenfalls parallel zu den Erwachsenenführungen um 11, 13 und 15 Uhr, so daß man seine Kinder dort parallel zur eigenen Führung gut betreut weiß). Führungen in anderen Sprachen sind auf Absprache möglich. Es gibt auch spezielle Themenführungen wie „Latein lebt“ oder „Römischer Wohnluxus“.

Regelmäßig finden Sonderveranstaltungen statt, wie Bogenbaukurse, antike Handwerkstechniken wie das Brettchenweben, Römisches Buffet, „Altertum für Ältere“ für Senioren und Gehbehinderte, Römische Abende, Kostümführungen, Vorführungen römischer Reiter und Re-enactment der Cohors Secunda, Erlebnistage mit römischen Soldaten am UNESCO-Weltkulturerbetag, Brotbacken, Vorführung römischer Getreidemühlen, „Feminae Romanae“, ein Erlebnistag mit römischen Frauen, ein Thementag „Licht in der Antike“ mit Vorträgen „die Lampe in der römischen Provinz und die erste Ölkrise Europas“, Kinder in der Römerzeit, archäologisches Ferienprogramm, Nox Romana (Nacht im Museum), römische Steinmetze und vieles mehr.

Das Jahresprogramm kann auf der offiziellen Website der Saalburg als PDF heruntergeladen werden.

Sonstiges:

Viele interessante Funde aus Militär- und Zivilleben sind im Museum ausgestellt

Viele interessante Funde aus Militär- und Zivilleben sind im Museum ausgestellt

Achtung, im Winter wird es auf dem Taunuskamm sehr kalt, oft bedeutend kälter als im Umland und im Tal. Auch bleibt Schnee hier länger liegen, was bei der Anreise durch die gebirgige Gegend zu beachten ist. Da es sich um ein Freilichtmuseum handelt, ist es auch nicht geheizt, so daß man warm gekleidet sein sollte.

Achtung! Besucher in Gewandung erhalten (anders als in anderen archäologischen Parks wie der Villa Borg oder dem Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim, wo antik Gewandete sogar ermäßigten Eintritt haben) keinen Einlass! Das gehört zum museumspädagogischen Anspruch der Saalburg, wo Wert darauf gelegt wird, daß Besucher eindeutig von Darstellern, die zum Tagesprogramm gehören, unterschieden werden können. Als Besucher müßt Ihr deswegen unbedingt in Zivil anreisen!

Der Museumsshop bietet eine gute Mischung aus römischen Devotionalen, Repliken, Büchern, Schmuck und Souvenirs an und ist gut sortiert. Hier kann auch eingekauft werden, ohne daß man den Eintritt in das Museum zahlt.

Fotografieren ist überall erlaubt.

Außerhalb der Kastellmauern befinden sich die Reste des zivilen vicus

Außerhalb der Kastellmauern befinden sich die Reste des zivilen vicus