Mos Maiorum

Römischer Reisetipp: Neumagen-Dhron an der Mosel, das römische Komplettpaket!

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Blick auf das Römerweinschiff und die Peterskapelle

Wir machen immer wieder gerne mehrtägige Kurzreisen durch unsere schöne gallo-römische Provinz (letztes Jahr wandelten wir zum Beispiel auf den Spuren von Sirona und Apollo-Grannus durch den Hunsrück).

 In diesem Jahr waren wir ausgiebig an der Mosel unterwegs, oder, nach dem römischen Dichter Ausonius, an der schönen Mosella. Wir bereisten sie von der Mündung bei Koblenz flußaufwärts bis nach Luxemburg und entdeckten dabei viele spannende Orte aus der bewegten gallo-römischen Geschichte dieses Flusses.

Einleitung: Mosella

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Die „Stella Noviomagi“, der Nachbau des römischen Weinschiffs, liegt in Neumagen vor Anker

Das Gebiet entlang der Mosel gehörte zu römischer Zeit zu Gallien und war vom gallischen Stamm der Treverer bewohnt, daher stammen Ortsnamen wie Augusta Treverorum (Trier) oder Noviomagus Treverorum (Neumagen).

 Weinbau und Landwirtschaft wurden schon zu römischer Zeit exzessiv entlang des Flusses betrieben, wie zahlreiche römische Kelteranlagen an der Mosel noch heute beweisen – unter anderem die große Kelteranlage in Piesport (zu römischer Zeit Porto Pigontio, benannt nach dem dort verehrten Lokalgott Mercurius-Bigontius), die die größte römische Kelteranlage nördlich der Alpen ist.

Überall entlang der Mosel sind römische Spuren zu finden – Kelteranlagen, Tempel (bis hin zum rekonstruierten Bergtempel auf dem Calmont, Europas steilstem Weinberg, und dem Lenus-Mars-Tempelkomplex auf dem Martberg bei Pommern), Zivilgebäude, Landgüter und Militärkastelle. Einen Höhepunkt bildet natürlich Trier, die ehemalige Hauptstadt der gallischen Provinz und Kaisersitz, doch auch jenseits davon geht es weiter mit römischen Funden wie der Igeler Säule, dem höchsten Grabdenkmal nördlich der Alpen, Grabtempeln, die das Moseltal überblicken, sogar Kaiserpalästen wie in Konz, wo Mosel und Saar zusammenfließen, und immer wieder Keltersteine.

Über viele dieser Orte haben wir schon geschrieben oder werden wir im Laufe der Zeit einen Reiseartikel hinzufügen (die To-Do-Liste ist noch lang!).

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Wegen seiner ausgesprochen gut erhaltenen Funde wird Neumagen als „moselländisches Pergamon“ bezeichnet. Hier: Die „Frisierszene“

Heute jedoch möchten wir Euch einen besonderen Ort an der Mosel jenseits der „Mainstream-Touristenziele“ vorstellen, der auf den ersten Blick fast unscheinbar erscheint, aber seinen Ruf als „Moselländisches Pergamon“ nicht ohne Grund trägt: Neumagen-Dhron – ein eindrucksvolles Beispiel der römischen Blütezeit an der Mosel zu konstantinischer Zeit.

Normalerweise schreiben wir über einzelne Sehenswürdigkeiten eigene kleine Reiseartikel, aber Neumagen-Dhron hat für den römischen Touristen so viel zu bieten, daß wir entschieden haben, den Ort als „Komplettpaket“ vorzustellen, anstatt dies über mehrere Artikel zu verstreuen.

Die Lage

Neumagen-Dhron liegt am rechten Moselufer etwa auf halber Höhe zwischen Bernkastel-Kues und Trier. Die nächsten Orte sind Piesport und Trittenheim.

101_neumagenDer kleine Weinort selbst wirkt auf den ersten Blick unspektakulärer als die typischen Touri-Moselstädte wie Cochem, Bernkastel-Kues oder Traben-Trarbach, die der Mosel zum Teil auch ihren zweifelhaften Ruf als Gegend für „Sauftourismus“ und Kegeltouren eingebracht haben. Während sich durch Cochem vor allem amerikanische und asiatische Touristen schieben, ist das kleine Neumagen-Dhron eher ein verschlafenes Dorf, das gerne von Niederländern, Belgiern und Skandinaviern besucht wird.

Es besteht im Prinzip aus einer langen Hauptstraße, der „Römerstraße“ mit urigen Winzerhöfen aus dem 18. Jahrhundert und einer parallel dazu verlaufenden Straße entlang des Moselufers. Es ist ein beliebtes Ziel für Radtouristen, Wanderer und… Römerfans.

Remmi-Demmi-Kneipen, besoffene Heerscharen von Touristen und lautes Nachtleben sucht man hier vergebens (und möchte man auch gar nicht finden). Dafür versteckt sich überall im Ort das römische Erbe, das von der Dorfgemeinschaft und dem örtlichen Kulturverein Ausonius e.V. mit Inbrunst gepflegt und von Ehrenamtlichen leidenschaftlich und mit großem zeitlichen und finanziellen Aufwand betreut wird.

Parken ist kein Problem in Neumagen, einerseits gibt es Parkplätze an der Hauptstraße  vor der kleinen Kapelle, direkt neben dem Grabmal des Weinhändlers. Dann, einige Meter weiter, vor der nicht zu übersehenden Kirche des Ortes. Nicht zuletzt finden sich unten am Moselufer zahlreiche Parkplätze rund um die Anlegestelle der „Stella Noviomagi“ und entlang des Ufers.

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln gestaltet sich schwieriger, da Neumagen-Dhron keinen Bahnhof hat. Die nächstgelegenen Bahnhöfe befinden sich in Schweich oder Trier und werden von der Moselbahn zwischen Koblenz und Trier angefahren. In Neumagen hält eine Buslinie, der „RegioRadler Moseltal“, der zwischen Trier und Bullay verkehrt und Platz für bis zu 20 Fahrräder bietet (Reservierung empfohlen).

Ein „deutsches Pergamon“

Neumagen schmückt sich mit dem Untertitel „Ältester Weinort Deutschlands„. Schon aus römischer Zeit ist hier der Weinbau und Weinhandel nachgewiesen. Vor allem aber ist es eine ganz besondere Sehenswürdigkeit, die Neumagen berühmt gemacht hat: der Fund eines monumentalen Grabmals eines römischen Weinhändlers in Form eines Mosel-Weinschiffs, das von mehreren Ruderern gerudert wird und mit Fässern und Amphoren beladen ist.

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Das Weinschiff und andere römische Repliken gibt es sogar beim örtlichen Konditor (allerdings nicht aus Kuchen).

Das Original dieses Grabmals befindet sich heute im Landesmuseum Trier (und ist dort auch ein tragendes Element im großartigen Multimedia-Spektakel „Im Reich der Schatten„). Neumagen jedoch verfügt über eine Replik in Originalgröße, die schön präsentiert im Dorfmittelpunkt an der Hauptstraße steht. Zudem ist dieses Schiff überall in Miniaturform in verschiedenen Größen als Modell zu finden, bis hin zur Dorfkonditorei, es ziert zahllose Schilder, Gegenstände (wie Weingläser, Tassen, Taschen), ist zum Logo des Ortes geworden und quasi omnipräsent.

Doch es ist nicht nur dieses Schiff, das Neumagen so besonders macht – tatsächlich ist Neumagen neben Trier der bedeutsamste Fundort römischer Hinterlassenschaften an der Mosel. Die Funde aus dem 2.-4. Jahrhundert sind vielfältig und von ungewöhnlich hohem Rang und Qualität, darunter Hunderte von sehr gut erhaltenen Reliefsteinen, Denkmäler, Grabmonumente reicher Einwohner und Kaufleute, die detailierte Alltagsszenen zeigen und zu überregionaler Berühmtheit geführt haben, wie eine Frisierszene, eine Schulszene, Jagdszene, Totenmahl oder eine Szene, die eine Pachtzahlung zeigt. Hinzu kommen zahlreiche Inschriftensteine und Reliefs mit mythologischen Motiven.

Auch Darstellungen rund um den antiken Weinbau sind zu finden: Wagenausfahrt, Transport von Weinfässern und Amphoren auf Schiffen. Bemerkenswert ist hierbei die portraithafte Darstellung der gezeigten Personen mit individuellen, fein gearbeiteten Gesichtszügen bis hin zur detaillierten Ausarbeitung von Frisuren, Kleidung und Gesichtsausdrücken.

Noviomagus Treverorum

Das römische Neumagen – Noviomagus Treverorum – war ein römisches Kleinkastell an der Ausoniusstraße, einer Fernstraße, die von Trier durch den Hunsrück bis nach Bingen und von dort nach Mainz führte. Schon auf der römischen Reisekarte, der Tabula Peutingeriana, findet man Noviomagus als eine sichere Wegestation entlang der römischen Schnellstraße auf dem beschwerlichen Überlandweg von Trier an den Rhein.

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Die römische Pachtzahlung ist ein weiteres berühmtes Motiv, aus dem viele Details, bis hin zur einheimischen Kleidung der Beteiligten, hervorgehen

Während die finsteren Wälder und Berge des Hunsrücks für den damaligen Reisenden alles andere als sicher waren und auf ihn bedrohlich wirkten, boten Kleinkastelle und bewachte Siedlungen wie Noviomagus eine sichere Übernachtungsmöglichkeit mit Essen und der Möglichkeit, Pferde zu wechseln. Sie fanden sich überall entlang des römischen Fernstraßennetzes im Abstand von je einer Tagesreise. Die Straßenführung aus dem Hunsrück ist noch heute fast identisch mit dem Verlauf in der Antike.

Die erste schriftliche Erwähnung von Noviomagus findet sich bei Decimus Magnus Ausonius in seiner Reisedichtung „Mosella“ aus dem Jahr 370 n. Chr.. Er erwähnt den Ort nach seiner beschwerlichen Anreise mit „und endlich erblickte ich Noviomagus, das berühmte Kastell des göttlichen Constantinus!“ und beschreibt die Schönheit des Moseltals rund um Neumagen. Hier erfahren wir auch Details über die Art der Bebauung, die Schiffahrt auf der Mosel, die Arbeit der Einheimischen bei Fischfang und Weinbau. Als Tribun, der am Feldzug des Kaisers Valentinian I. gegen die Alemannen teilnahm, als Konsul, Rhetoriker und Erzieher des Kaisersohns Gratian und weitgereister Staatsmann (der selbst aus Bordeaux stammte), zeigt sein ausführliches Loblied, wie beeindruckt er von der Landschaft war, die er erstmals von der Niederemmeler Höhe aus erblickte, als er vom angrenzenden Hunsrück hinabstieg.

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Ein römischer Leugenstein befindet sich vor der Kirche

Ursprünglich befand sich an dieser Stelle nur eine römische Siedlung mit Markt, ein vicus, der ein wichtiger Handelsplatz für Waren aus dem Hunsrückraum darstellte. Dieser wurde jedoch im Jahr 275 n. Chr. durch Germaneneinfälle zerstört. Aufgrund der strategisch bedeutsamen Lage an der wichtigen Fernstraße und an der Mosel, die ebenfalls ein bedeutsamer Transportweg für die Versorgung der Kaiserstadt Trier war, wurde an der gleichen Stelle zu konstantinischer Zeit im frühen 4. Jahrhundert ein Militärkastell errichtet. Hier gab es auch eine Schiffsanlegestelle und eine Fährverbindung zum anderen Moselufer. Dadurch wurde eine Querverbindung zur Straße geschaffen, die aus der Eifel bei Wittlich hinab nach Porto Bigontio (dem heutigen Piesport) führte.

Das Kastell war von einer Stadtmauer umgeben und mit 13 Rundtürmen geschützt, die zum Teil noch bis ins 17. Jahrhundert standen.Es gab zwei 8-10 Meter hohe Tore mit Befestigungsgräben, die den Innenbereich und die dort ansässigen Zivilisten schützten. Die zinnenbewehrte Mauer war in der Lage, Belagerungsangriffen mit Rammböcken und Leitern zu widerstehen.

Teile dieser (ursprünglich als mittelalterlich vermuteten) Mauern wurden bei Hausbauten und Kellerausschachtungen freigelegt. Erst als man 1877 inmitten dieser Mauern Reliefsteine mit figürlichem und ornamentalem Bildwerk sowie Architekturelemente entdeckte, die das Fundament dieser Kastellmauern bildeten, wurde die wahre archäologische Bedeutung des Ortes deutlich. Es schlossen sich Ausgrabungen des neu gegründeten Provinzialmuseums Trier an. Die Neumagener Sammlung mit ihren hervorragenden Reliefsteinen, Pfeilern, Grabmonumenten, Weihealtären ist heute noch im Landesmuseum Trier zu bestaunen. Die Reliefs sind von überdurchschnittlich hoher Qualität und deuten auf ein Bildhaueratelier in der Nähe von Trier hin. Die Tatsache, daß sie beim Bau der Stadtmauer zu konstantinischer Zeit im Fundament vermauert wurden, ist die Ursache für ihre ausgesprochen gute Erhaltung bis in die heutige Zeit.

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Die Vision des Konstantin fand tatsächlich in Neumagen statt!!!

Eine örtliche Legende erzählt sich, daß Kaiser Konstantin im Jahre 312 seine berühmte Vision des Kreuzes gar auf dem Kronberg oberhalb von Neumagen hatte. Diese Erscheinung sagte seinen Sieg im Kampf gegen seinen Rivalen Maxentius voraus, falls er im Zeichen des Kreuzes in die Schlacht zöge. Diese Vision führte dazu, daß Konstantin seinen Soldaten befahl, in der Schlacht an der Milvischen Brücke bei Rom ihre Schilde mit dem Christusmonogramm Chi-Ro zu bemalen – und tatsächlich war er siegreich. Daß er seine Vision in Neumagen hatte, ist eine sicher nicht allzu bekannte Anekdote dieses bedeutsamen historischen Ereignisses😉

Noch heute sind Teile der Rundtürme erhalten und der Verlauf der Kastellmauern und die Position der Türme sind im Ort durch Pflasterungen auf dem Boden oder kleine Aufmauerungen verdeutlicht.

Die Funde befinden sich heute zum größten Teil im Landesmuseum Trier. Es finden sich jedoch überall im Ort originalgetreue Repliken der Funde, die sogar aus dem Original-Material (meist Sandstein aus der Region) hergestellt sind. Da sie dort der Witterung ausgesetzt sind, müssen sie alle paar Jahre erneuert werden.

Aber auch einige Originalfunde aus Neumagen sind versteckt überall im Ort zu finden. Eine detaillierte Beschreibung der vielen Sehenswürdigkeiten folgt später im Laufe des Artikels, wenn wir Euch mit auf den Rundweg nehmen.

Archäologischer Rundweg

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Der „fröhliche Steuermann“ weist den Weg auf dem Archäologischen Rundweg

Seit dem Jahr 1998 führt ein archäologischer Rundweg durch den Ort, der alle römischen Sehenswürdigkeiten miteinander verbindet. Er ist auf dem Boden gut sichtbar durch Plaketten mit dem Gesicht des „fröhlichen Steuermanns“ ausgeschildert, dem Teil eines weiteren römischen Weinschiffs, das den Kopf eines selig lächelnden Steuermanns zeigt. Auch dieser Steuermann wurde zu einem der Wahrzeichen Neumagens und die Einheimischen identifizieren sich gerne mit diesem sympathischen Weinfreund.

Der Rundweg ist bequem zu Fuß zu absolvieren (der Ort ist sehr klein) und gesäumt von 17 gut gemachten und bebilderten Info-Tafeln auf Deutsch, Englisch und Niederländisch.

Wer den Weg nicht alleine ablaufen möchte, hat auch die Gelegenheit, an einer archäologischen Wanderung „auf den Spuren der Römer“ teilzunehmen, die von Mai bis Oktober Freitags um 17:15 Uhr und Samstags um 10:15 Uhr von der Touristeninformation Neumagen angeboten wird. Sie wird von Ehrenamtlichen vom Förderverein Neumagener Weinschiff e.V. geleitet, die gut informiert sind und mit Leidenschaft das römische Erbe ihres Ortes pflegen. Der Unkostenbeitrag von 4€ für einen Erwachsenen ist absolut in Ordnung und unterstützt die Erhaltung und Restaurierung der römischen Denkmäler und des Rundweges.

Selbst wenn man den Ort auf römischen Spuren selbst durchwandern möchte, erlaubt die Teilnahme an der Führung geheime Einblicke, die man als einzelner römischer Tourist nicht unbedingt bekommt – doch dazu später mehr! Wir empfehlen also beides: den Ort auf eigene Faust erkunden und an der Führung teilnehmen, wenn die Zeit es erlaubt. Eine Voranmeldung ist nicht notwendig.

Stadtmuseum

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Im Stadtmuseum werden einige Szenen aus berühmten Reliefs nachgestellt

Startpunkt der Führung oder des Rundgangs ist die Touristeninformation, nicht zu verfehlen an der Hauptstraße des Ortes gegenüber der Kirche und nur wenige Meter vom Römerweinschiff-Denkmal entfernt.

Dort findet sich auch ein kleines Stadtmuseum, gleichzeitig befindet sich dort die örtliche Post und ein römischer Souvenirshop mit Repliken, Wein, Gläsern, Neumagen-Merchandise, Postkarten, betreut in Personalunion. Die Öffnungszeiten sind: 01. April bis Weihnachten stets von 09.00-12.30 und nachmittags von 14.00-16.30Uhr. Mittwoch und Samstagnachmittag geschlossen. Nach Weihnachten bis 31.03. dann wochentags immer von 09.00 -12.30 Uhr und samstags von 09.00-12.00 Uhr.

Gegen eine geringe Zahlung von 2€ betritt man das aus vier Räumen bestehende kleine Stadtmuseum, das sich ganz auf die römische Geschichte von Neumagen spezialisiert hat. Es ist überraschend liebevoll und detailliert ausgestattet, mit römischen Wandmalereien, der Nachstellung zweier römischer Alltagsszenen aus den Reliefs „Pachtzahlung“ und „Frisierszene“, einigen Originalfunden (Säulenteile, Geschirr und Bauelemente), der Erklärung einer Hypokaustenanlage und des römischen Vermessungswesens, unterstützt durch einen Film über römische Vermessungstechnik, den man sich dort anschauen kann. Ein Modell veranschaulicht die Lage und Größe des ehemaligen Kastells und ein kurzer Film über das Kastell vermittelt Hintergrundinformationen.

Es gibt Informationen über die Ausoniusstraße, ein kleines Lararium, Einblick in eine Schreibstube sowie eine Statue des Gottes Mars von der Mosel.

Ein nettes kleines Museum, das eine gute Ergänzung zum römischen Aufenthalt in Neumagen bietet – sollte man definitiv besuchen, wenn man schon einmal in Noviomagus weilt, auch, um den ambitionierten Ortsverein zur Erhaltung der römischen Geschichte zu unterstützen.

Archäologischer Rundgang

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Eine Teilnahme an der Führung ist empfehlenswert, da sie auch zu versteckten römischen Sehenswürdigkeiten führt, die man alleine schnell übersieht

Vor dem Stadtmuseum beginnt der Archäologische Rundgang durch den Ort, dem man anhand der im Boden eingelassenen Plaketten mit dem Gesicht des seligen Steuermannes folgt. Der Rundweg wurde unter Mitwirkung des Rheinischen Landesmuseums Trier erarbeitet und von der Gemeinde Neumagen-Dhron sowie des Heimat- und Verkehrsvereins finanziert.

Die einzelnen Stationen sind gut erkennbar an den großen, mehrsprachigen Infotafeln. Da das Stadtmuseum innerhalb der ehemaligen Kastellmauern liegt, befinden sich bereits in Sichtweite rund um das Gebäude bereits mehrere Stationen, die unter anderem den Aufbau des Kastells erläutern und den Verlauf der Mauern und Türme verdeutlichen. Direkt an der Außenmauer des Museums befindet sich eine der vielen Alltagsszenen aus den berühmten Neumagener Grabreliefs, die „Pachtzahlung“.

Gegenüber des Museums, neben der Kirche, befindet sich ein Leugenstein, ein antiker Wegweiser und Meilenstein. Auf der Rückseite der Kirche gibt es ein Weinrankenrelief – ein Hinweis auf die Bedeutung des Weines in dieser Region schon zur Zeit der römischen Antike. Hier ist deutlich die typische Einzelpfahlerziehung einer Weinrebe zur Römerzeit zu erkennen, die in charakteristischer Weise wie eine „8“ gebunden ist. Auch Weinbergsschädlinge sind auf dem Relief zu erkennen.

Folgt man dem Rundweg hinab zum Moselufer, kommt man an der zuvor erwähnten Konstantinstele vorbei, die den Kaiser mit seiner Vision zeigt. Antike Säulenreste säumen den weiteren Verlauf des Weges.

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Alle Reliefs sind mit dreisprachigen Informationstafeln beschildert

An vielen Hauswänden finden sich weitere Reliefs, wie die berühmte Schulszene, die einen (offenbar griechischen) Hauslehrer mit drei Schülern zeigt, eine Mahlzeit eines Hausherren mit seiner Gemahlin, die von zwei Dienern bewirtet werden, oder den Mundschenk (lat: Princerna), der als Vorkoster eine hohe Vertrauensstelle am kaiserlichen Hofe einnahm.

Jedes Relief ist mit einer Infotafel versehen, auf der der Inhalt des Bildes erläutert wird.

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Der Ausoniuspark

Vom Moselufer hinauf zurück zur Hauptstraße führt ein kleiner Park mit Treppen, der dem Dichter Ausonius gewidmet ist. Hier findet sich auch eine Statue des Ausonius, daneben ein Sarkophag mit einer Zirkusszene, die ein Pferderennen zeigt. Auch die bekannte Frisierszene, bei der eine hochstehende römische Dame von Dienerinnen frisiert wird, ist hier prominent in Szene gesetzt.

Der kleine römische Park ist von Bäumen überschattet und gepflegt. Er führt hinauf zu einer kleinen Kapelle aus dem 14. Jahrhundert, der Peterskapelle, die sich direkt neben dem Highlight des Rundwegs befindet, dem Grabmahl des Weinhändlers.

Das römische Grabschiff

Das bekannteste und sicher beliebteste römische Denkmal, das römische Grabschiff, befindet sich rechts von der Peterskapelle an der Hauptstraße, gegenüber vom „Café Wald am Römerschiff“ das mit einer schwindelerregenden Auswahl an Torten begeistert. Auch hier befinden sich in der Gaststube Repliken römischer Reliefs aus Neumagen und man kann auch Repliken des Weinschiffs in allen Größen in der Backstube erwerben (touristischer Tipp am Rande: Das Café am Römerschiff ist gleichzeitig ein recht familiäres Hotel, in dem wir übernachteten – direkter Blick vom Zimmer auf das nachts beleuchtete Römerweinschiff inklusive!).

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Das Grabmal des Weinhändlers ist das Wahrzeichen des Ortes

Das Weinschiff – als Wahrzeichen des Ortes – wird gut in Szene gesetzt. Es gibt eine große Informationstafel, vor dem Schiff sind Blumen gepflanzt und es wird im Dunkeln stimmungsvoll von Scheinwerfern angestrahlt. Für Touristen ein beliebtes Fotomotiv, so daß sich in der Saison rund um das Weinschiff immer Gruppen von Wanderern und Radfahrern einfinden.

In Neumagen wurden insgesamt vier Grabmonumente in Form von Weinschiffen gefunden.

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Rekonstruktion des Grabmals auf der Infotafel

Vom Römerweinschiff an der Kapelle ist nur eine Frontseite erhalten; tatsächlich handelte es sich wohl um eine Art Katamaran, auf dessen Zwischenfläche die Weinfässer und Amphoren transportiert wurden. Das 3 Meter lange Grabmal zeigt vier Fässer und vierzehn Amphoren, was besonders interessant ist: Fässer waren untypisch für den römischen Weinhandel und eigentlich eine Erfindung der Kelten. Da sich Neumagen allerdings tief im Land der keltischen Treverer befand, ist anhand der Grabdenkmäler ersichtlich, daß der lokale Weinhandel und die Winzer – neben Amphoren – auch diese Art der Weinaufbewahrung nutzten (daneben gibt es Diskussionen, ob die Fässer eventuell statt Wein Bier enthielten, um auch andere lokale Geschmäcker zu befriedigen, dafür gibt es jedoch keine Belege). Die 14 Amphoren auf dem Weinschiff sind mit einem Strohgeflecht transportsicher gestapelt.

Entlang des Schiffs sind 6 rudernde Besatzungsmitglieder, 22 Ruder sowie zwei Steuermänner zu sehen.

Auffällig ist die Bauart des Weinschiffs, das an der Vorderseite in einem Rammsporn ausläuft, wie man es nur von Militärschiffen kennt. Möglicherweise handelte es sich bei dem Weinschiff um ein für den zivilen Dienst genutztes ehemaliges Militärschiff oder ein Schiff, das in Friedenszeiten zum Wein- und Warentransport nach Trier benutzt wurde und bei Bedarf zum Kriegsdienst umgerüstet werden konnte.

Charakteristisch ist auch der Drachenkopf an der Vorderseite des Schiffs sowie die auf den Rumpf gemalten Augen, die beide Unheil abwehren sollten – die Mosel war zu römischer Zeit ein weitaus wilderer Fluß, der noch nicht, wie heute, durch Staustufen gebändigt war und somit berüchtigte Untiefen und Stromschnellen hatte.

Reste eines weiteren Grabschiffs, von dem auch der Kopf des seligen Steuermanns stammt, sind im Vorgarten eines Hauses an der Hauptstraße zu sehen.

Kastellmauer: Gut versteckt, aber erhalten

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Die Kastellmauer versteckt sich hinter Häusern und in Kellern

Ebenfalls noch zu sehen, wenn auch gut versteckt, sind Teile der Kastellmauer, an denen sogar noch die charakteristische römische Bauweise in Fischgrätmauerweise der Schiefersteine zu erkennen ist.

Einen noch hoch anstehenden Mauerteil findet man an der Hinterseite einiger Wohngebäude: In der Spielesgasse, die von der Römerstraße abzweigt, führt auf der rechten Straßenseite ein kleiner, enger Fußweg zur Rückwand einiger Häuser. Hier erwartet den Besucher ein Teil der Stadtmauer sowie eine Informationstafel.

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Ein Insidertipp für den römischen Touristen

Ein richtiger Noviomagus-Geheimtipp ist jedoch die Straußwirtschaft des Weinguts Lauterbach „An der Römermauer“ in der Spielesgasse 14. Der Winzerhof ist direkt in die römische Steinmauer hinein gebaut worden, so daß die Mauer heute die Rückwand der Weinstube bildet und „Weingenuss vor altrömischer Kulisse“ erlaubt. Das Weingut ist im Besitz der Winzerfamilie Lauterbach und die Weinstube ist nur unregelmäßig geöffnet (in der Saison samstags ab 19 Uhr, ohne Gewähr – bei Bedarf kurz vorher anfragen). Hier gibt es auch nichts zu essen (außer Knabbereien), dafür Weinausschank durch die freundlichen Inhaber in einer ganz besonderen Umgebung.

Denn neben der römischen Wand, die der Blickfang der Weinstube ist, hat der Besitzer auch einige andere römische Funde in seine Einrichtung integriert. Es findet sich – natürlich -eine Replik des seligen Steuermanns, aber auch Original-Funde aus Neumagen, die – mit Erlaubnis des Landesmuseums Trier – zu Tischen umfunktioniert wurden: So wurden ein Stück antiker Wasserleitung und ein Teil eines Grabmonuments mit schweren Glasplatten überdeckt, so daß sie zwar gut zu sehen sind, aber gleichzeitig auch gut geschützt praktisch genutzt werden können.

Nicht zuletzt herrscht in der Weinstube eine sehr familiäre und urgemütliche Wohnzimmeratmosphäre und der Winzer und seine Frau gesellen sich gerne zu den Gästen und erzählen ihnen von der römischen Geschichte Neumagens und vor allem der Geschichte der Kastellwand und der zu Tischen umfunktionierten Funde. Nicht zuletzt ist auch der lokale Riesling (dessen Etikett ebenfalls die Kastellwand ziert), sehr gut zu trinken (und nein, wir bekommen kein Geld für diese Empfehlung, sondern berichten aus eigener, angenehmer Erfahrung🙂 ).

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Ludovicus und Corvina lassen den Abend gemütlich ausklingen: mit einem halbtrockenen Riesling vor der Römermauer in der römischen Weinstube

Fahrt mit der Stella Noviomagi

Der Höhepunkt einer Neumagen-Reise ist natürlich eine Fahrt mit dem nachgebauten Weinschiff, der Stella Noviomagi, die in Neumagen vor Anker liegt. Es wird vom Kulturverein Ausonius e.V. betreut.

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Ein Muss für den Neumagen-Besucher: Eine Fahrt mit der Stella Noviomagi und ein Glas Moselwein

Es handelt sich dabei um einen fahrtüchtigen Nachbau basierend auf dem Grabdenkmal-Weinschiff, der in der Sommersaison regelmäßig Kulturfahrten 10 km moselaufwärts oder moselabwärts unternimmt. Zudem kann das Schiff auch für Gruppenfahrten für bis zu 40 Personen gechartert werden. Es ist motorisiert, kann aber auf Wunsch mit 22 Rudern auch (selbst) gerudert werden. Wie unser Führer uns schmunzelnd berichtete, erfordert dies jedoch ein gut eingespieltes Team, ansonsten kann man sich darüber amüsieren, wie die Gruppe sich mit dem Schiff im Kreis dreht.

Die Stella Noviomagi lief 2007 vom Stapel. Es wurde von Auszubildenden der Handwerkskammer Trier mit Holz aus heimischen Wäldern gebaut und ist das größte im deutschen Sprachraum nachgebaute Römerschiff. Seine Länge beträgt 17,95 Meter, das Leergewicht 14 Tonnen.

Es wurde etwas verkleinert nachgebaut, da es im Original-Maßstab die „Schallmauer“ von 18 Metern weit übertroffen hätte – und ab dieser Länge sind das große Kapitänspatent sowie deutlich strengere Auflagen zur Personenbeförderung gesetzlich vorgeschrieben, etwas, was der kleine ehrenamtliche Verein, der das Boot betreibt, nicht leisten kann. Trotz der Gelder, die durch die Kulturfahrten und Charter des Schiffes hereinkommen, wird damit kein Gewinn erzielt, da nach jeder Saison umfangreiche Restaurierungs- und Pflegearbeiten notwendig sind, um das Schiff zu erhalten. Die Arbeitsstunden werden zum großen Teil ehrenamtlich geleistet und viel Geld fließt aus eigener Tasche hinzu. Insofern ist es eine gute Sache, das Projekt zu unterstützen und wir empfehlen an dieser Stelle auch gerne die Fahrt mit der Stella Noviomagi jedem Römerfan und jedem Moselfreund weiter!

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Die Moselfelsen sind spektakulär

Wir nahmen auch an einer sogenannten „Kulturfahrt“ teil. Diese finden von Ostern bis Oktober Samstags um 15:30h und Sonntags um 10:00h statt (bei Bedarf und in der Hochsaison werden auch weitere Fahrten angeboten). Die Fahrten finden auch bei schlechtem Wetter statt.

Die Fahrt kostet 18€ für einen Erwachsenen und dauert ca. 1,5 Stunden. Vorher erhält man im Infopavillon eine kurze 20-minütige Einführung, bei der auch zwei Filme gezeigt werden: einer über das Kastell Neumagen und einer über die Herstellung des Schiffs, bevor man dann gemeinsam zum Anleger geht. Der Preis ist völlig in Ordnung für dieses Erlebnis und unterstützt zudem eine gute Sache.

Begleitet wird die Kulturfahrt von einem erfahrenen Gästeführer, der während der Fahrt ausführlich über die römische Geschichte der Mosel, die Geschichte des Weinbaus und über Kultur, Land und Leute der Region referiert. Zudem werden Sehenswürdigkeiten erläutert, die man auf der Fahrt passiert, wie die Mosel-Loreley oder den Ort Piesport, zu dem unsere Fahrt moselabwärts führte.

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Das darf in keinem kultivierten römischen Haushalt fehlen!

Außerdem findet an Bord des Schiffs während der Fahrt eine Weinverkostung statt. Hier hat man die Möglichkeit, ein Weinglas zu erwerben, das das römische Grabmonument sowie die nachgebaute Stella Noviomagus zeigt (das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen!) und – ganz nach Geschmack – örtlichen trockenen, halbtrockenen oder lieblichen Moselwein zu probieren. Die Preise für den Wein an Bord sind absolut zivilisiert und keine Abzocke: das befüllte Glas kostet 4,50€ (das man im Anschluß behalten kann; möchte man nur das Glas, kostet es 3€). Nachfüllen kostet jeweils 1,50€ und man schenkt großzügig ein.

Die Fahrt, die wir gemeinsam mit einer Gruppe Skandinavier und gemischter Touristen allen Alters machten, war sehr unterhaltsam. Die Erklärungen des Gästeführers waren interessant und versiert und wir lernten tatsächlich noch einiges über die Römerzeit an der Mosel, über Neumagen und Ausonius, sowie über Weinbau, obwohl wir ja selbst aus einem Weinbaugebiet kommen. Die Stimmung an Bord war gut, locker und entspannt. Man kann sich auf dem Schiff frei bewegen, fotografieren, auf den Ruderbänken sitzen oder an der Reling oder vorne am Bug stehen.

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Der fröhliche Steuermann war nicht an Bord, ist aber in einem Vorgarten an der Hauptstraße zu finden

Anspruch auf eine Sitzgelegenheit gibt es nicht, aber das stellte trotzdem kein Problem dar, obwohl wir ausgebucht waren. Wer einen Platz benötigt, bekommt auch einen; die meisten Passagiere stehen eh an der Reling und winken den zahlreichen staunenden Passanten am Ufer und auf den Brücken zu und amüsierten sich damit, sich gegenseitig vor der dramatischen Moselkulisse und dem Schiff zu fotografieren und fröhlich dem Wein zuzusprechen.

Wir empfehlen unbedingt, die Fahrt im Voraus zu buchen, je früher desto besser!

Uns stand, obwohl wir einige Tage in Neumagen waren, nur noch der Sonntagmorgen-Termin offen und wir bekamen dort die letzten Plätze, obwohl wir lange im Voraus angefragt hatten. Die Buchung kann über die Touristeninformation Neumagen vorgenommen werden (per Email oder telefonisch). Unverbindliche Anfrageformulare und eine Übersicht über die freien Termine finden sich auf der offiziellen Website des Weinschiffs.

Das Schiff fährt zudem bei den Weinfesten in Neumagen und dem römischen Kelterfest in  Piesport, wo man an einer kurzen Schnupperfahrt teilnehmen kann.

Wenn man in Neumagen weilt, ist die Fahrt mit der Stella Noviomagi ein absolutes Muß!

Fazit

Wer ein besonderes römisches „Rundum-Sorglos-Paket“ sucht  – und das abseits der ausgetretenen Pfade wie Trier -, dem können wir den ältesten Weinort Deutschlands nur ans Herz legen.

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Auch in der Weinstube an der Römermauer freut sich der Steuermann über römisch interessierte Besucher. Man erzählt sich unter den Einheimischen, wenn der Steuermann ein Licht bekommt und es flackert, dann spricht er zu einem…und ab manch weinseliger später Stunde mag man ihn verstehen können…

Für uns waren die Tage in Neumagen Erholung und Erlebnis zugleich und wir waren begeistert von der Mischung: ein ruhiges Örtchen mit versteckten, urigen Weinstuben, wo man familiär mit dem Winzer in dessen Hof oder Keller plaudert, einem gepflegten und vorbildlichen Archäologischen Rundweg, dazu das besondere Erlebnis der Schiffsfahrt und der guten Betreuung durch versierte einheimische Führer des Ausonius e.V., die einen auch auf die versteckten römischen Winkel des Ortes aufmerksam machen.

Auf den ersten Blick ist Neumagen unscheinbar, gerade im Vergleich mit den lauten und lebhaften bekannten Moselorten, aber dafür ist der versteckte Charme umso größer.

Oder, um zum Abschluß noch einmal Ausonius zu Wort kommen zu lassen, der das Moseltal rund um Neumagen im Lande der Treverer folgendermaßen beschreibt:

“Und endlich erblickte ich im vorderen Grenzlande der Belger, NOVIOMAGUM (Neumagen), das berühmte Lagerkastell des göttlichen Constantinus. Reiner ist hier den Gefilden, die Luft und Phoebus (Sonnengott) mit heiteren, Licht verkläret den purpurnen Olymp.

Du brauchst hier nicht durch dichtverschlungene Zweige, hinter der grünlichen Hülle versteckt, den Himmel zu suchen, sondern die Strahlen des Tags, die hellen, vergönnen‘s dem Wanderer wohl, zu sehen die spiegelnde Flut und den goldenen Horizont. Ganz an das heimische Land und die Art des glänzenden Burdigala erinnernd, mahnet mich jedes Ding, das das blickende Auge ergötzt.

Ragende Villen hier, auf hängenden Ufer gegründet. Und grünende Hügel dem Bacchus gewidmet und der Mosel lieblich strömende Flut, die mit leisem Gemurmel einherfliesst. Sei mir gegrüßt, o Fluss! Deiner Äcker und Pflanzen wegen gelobt, dem die Belgier die Stadt des Thrones gewürdigt (Augusta Trevirorum) verdanken wir mit Wohlgeruch verbreitenden Reben bepflanzt, ihr Hügel ihr Ufer bedeckt mit grünenden Wiesen, euch grüße ich! Schiffbar, so wie das Meer, doch abwärts­strömend und wogend wie ein Strom und gleichet dem Spiegel des tiefgründigen Sees, gleichet dem Bache er auch, der zögernden Laufes einherfliesst. Und so rein ist zum Trunk nicht der Waldquell als deine Gewässer!…

Lasst uns zum Weinberg gehen, das ist ein erquickendes Schauspiel! Bildete doch Natur das Gebirg wie im Theater. Hoch ist der Kamm, steigt sanft hinan mit Krümmung und Einschnitt, Felsen und sonnige Höhen, und alles bepflanzt mit Reben.“

– Ausonius, Mosella

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Auch die berühmte „Schulszene“ stammt aus Neumagen. Sie spielt, wie das Weinschiff, ebenfalls eine Rolle im Trierer „Reich der Schatten“ im Landesmuseum

Weiterführende Literatur und Links:

  • Massow: Die Grabmäler von Neumagen, Berlin 1932
  • Cüppers, Heinz: Die Römer in Rheinland-Pfalz
  • FVFD (Führer zu Vor- und Frühgeschichtlichen Denkmälern des Zentralmuseums Mainz) 34 (1977), S. 246 ff.
  • TZ (Trierer Zeitschrift) 45 (1982) und 48 (1985)
  • Ausonius: Mosella
  • Offizielle Website von Neumagen-Dhron

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Wo kann ich ein Lararium kaufen?“

Regelmäßig bekommen wir Anfragen nach Bezugsquellen, Händlern oder Shops, bei denen man ein Lararium – einen römischen Hausschrein – kaufen kann. Vor allem aufwendige Lararien im klassischen mediterranen Stil, wie man sie an vielen Stellen auf unserer Website sehen kann, stoßen hierbei auf Interesse.

Deswegen möchten wir diese (und damit verwandte) Frage heute in einem Artikel aufgreifen, um sie an zentraler Stelle für unsere Leser zu beantworten.

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Die schlechte Nachricht gleich vorweg, oder, um es kurz und schmerzlos zu machen: Es gibt unseres Wissens keine Shops oder Händler, bei denen man ein Lararium kaufen kann, zumindest keine, wie sie von unseren Lesern gesucht werden.

Es gibt zwar kleine Larariumsnischen oder Relief-Repliken zu kaufen, wie hier im Römershop des Forum Traiani, aber den meisten schwebt ein richtiger Hausaltar in Form eines Miniaturtempels vor, in den man Statuen und Ritualgegenstände wie Öllampen, Räucherschalen und Opfergefäße stellen kann.

Viele Cultores haben mehr oder weniger elaborierte, zum Teil sehr aufwendig gestaltete und dekorierte Lararien in ihrem Domus, i.e. Heim. Auch sieht man solche bunten und aufwendig gestalteten Lararien auf Römerfesten und Veranstaltungen in den Zelten und an den Ständen vieler Gruppen. Der einheitliche Stil, bestehend aus einem Miniaturtempel mit Podest, oft einem säulengetragenen Dach, legt die Vermutung nahe, daß es eine oder mehrere Bezugsquellen für derartige Hausaltäre gibt – doch leider ist dies nicht der Fall.

Do it yourself

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Lararium mit Opferbrot (Libum)

Die Antwort auf die Frage, woher man so ein schönes Lararium bekommt, lautet: all diese Lararien sind selbstgemacht und wenn man einen Miniaturtempel als Hausaltar möchte, dann bleibt einem nichts übrig, als sich selbst daran zu versuchen oder jemanden zu finden, der ihn für einen baut.

Zwar besteht auf dem Markt definitiv ein gewisser Bedarf an solchen Miniaturtempeln, allerdings ist der Aufwand, diese Lararien in Handarbeit herzustellen, zu bemalen und zudem in verschiedenen Größen vorrätig zu haben, einfach zu hoch, als daß es sich für einen Hersteller rechnen würde – diese Lararien wären einfach zu teuer, wenn man die Arbeitsstunden bezahlen müßte, die eine solche individuelle Handarbeit erfordern würde.

Doch es gibt auch eine gute Nachricht: die eigentlichen Materialkosten sind relativ gering. Und allzu großes handwerkliches Geschick oder exotisches Werkzeug ist auch nicht nötig, um ein solches Lararium selbst herzustellen.

Und schon die Beschäftigung damit, sich zu überlegen, wie groß es werden soll, welche Proportionen man wünscht, welche Statuen hineinpassen sollen, wie man es bemalen möchte – all das ist eine sehr schöne Art, sich mit dem Thema „Lararium“ auseinanderzusetzen und einen persönlichen Bezug zu seinem Hausaltar zu bekommen.

„Könnt Ihr mir kein Lararium bauen?“

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Dekoriert zu den Saturnalien

Wir selbst hatten Hilfe beim Bau unserer Lararien durch Ludovicus‘ handwerklich begabten Vater, was umso bedeutsamer und symbolreicher wird, wenn man bedenkt, daß im Lararium auch der Ahnen gedacht wird, zu denen auch unsere Eltern und Großeltern einmal gehören werden.

Um der nächsten Frage vorzugreifen, die ebenfalls häufig an uns herangetragen wird:

Nein, leider können wir für Euch kein Lararium bauen; unser Baumeister ist gesundheitlich und altersbedingt nicht in der Lage, in die Larariums-Großproduktion einzusteigen (obwohl wir ihm das spaßeshalber schon vorgeschlagen haben, da er dafür wirklich ein gutes Händchen hat, auch wenn er die Minitempel gerne scherzhaft als „Römische Vogelhäuschen“ bezeichnet😉 ).

Und auch wenn die Geldbeträge, die uns dafür schon geboten wurden, wirklich fair und großzügig sind, ist es uns einfach nicht möglich.

Muß es gleich ein Minitempel sein?

Viele, die neu zum Cultus Deorum, dem römisch-rekonstruktionistischen Polytheismus kommen, wollen (verständlicherweise) gleich „voll durchstarten“ und fühlen sich vielleicht sogar gerade durch die sehr ansprechenden, aufwendigen Hausaltäre und die Vorstellung, daran Rituale abzuhalten, angezogen und inspiriert.

Wenn sie zum Entschluß gekommen sind, daß der römische Weg der ist, auf dem sie bleiben wollen, dann ist das Einrichten eines Larariums tatsächlich der erste Schritt, da sich darum die Sacra Privata, die persönliche Kultpraxis, dreht. Deshalb beginnt der Einstieg in den Cultus Deorum Romanorum immer mit einem Lararium, oft gefolgt von einem Sacellum für weitere Gottheiten, die im privaten Cultus ebenfalls eine Rolle spielen.

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Hier wurde ein japanischer O-butsodan (Hausschrein) zum Schrein für Merkur und Rosmerta

Was allerdings nicht immer klar ist: Man benötigt nicht zwingend einen aufwendigen Miniaturtempel, um den Cultus auszuüben! Ein Mangel an finanziellen Mitteln oder handwerklichem Geschick ist kein Hinderungsgrund, sich dem römischen Rekonstruktionismus zu widmen.

Tatsächlich besaßen auch in der römischen Antike die wenigsten pompöse, dekorative, aufwendige Lararien (oder gar eigene Lararienräume); dies war vor allem den Reichen vorbehalten, die Platz und Geld hatten, um sich derartige Dinge anfertigen zu lassen und auch in ihrem Heim aufzustellen. So galt bei ihnen ein aufwendiges Lararium (gerade in der Eingangs- und Empfangshalle) auch als Statussymbol und Zeichen ihrer guten Beziehung zu den Göttern. Der „richtige“ Hauskult fand aber auch in den Herrenhäusern meistens an kleineren Lararien statt, die vorzugsweise in der Küche in der Nähe des Herds standen (weil die Göttin Vesta, die in jedem Lararium eine Rolle spielt, mit dem immer brennenden Herdfeuer assoziiert wurde), da alle Hausbewohner, auch Gesinde und Sklaven, zum Haushalt zählten, oder an privaten Lararien in den Schlafgemächern oder Privatzimmern der Hausbewohner. Gerade aus Pompeji und Herculaneum sind uns viele großartige Lararien erhalten, die sich über ganze Wände erstreckten und mit detaillierten Wandmalereien versehen sind – und die schon damals ein Vermögen kosteten.

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Es muß nicht gleich so groß sein wie in Pompeji!

Bei der Mehrheit der Bevölkerung, insbesondere der ärmeren Stadtbevölkerung, die oft in beengten Wohnverhältnissen lebten oder in dunklen mehrstöckigen Mietskasernen, fehlten oft sowohl Raum als auch finanzielle Mittel, um ein elaboriertes Lararium zu errichten. Die meisten Lararien waren deshalb eher zweckmäßig und pragmatisch angelegt – in einer Wandnische, auf einem Beistelltisch oder einem Regalbrett, auf dem einige Figürchen standen, die die Ahnen oder Götter repräsentierten. Solche Figuren konnten einfach selbst hergestellt werden, zum Beispiel aus Ton. Götterstatuetten konnten preisgünstig in Tempelläden erworben werden, wo sie in einfacher Qualität aus billiger Massenproduktion verkauft wurden, so daß sie sich jeder leisten konnte.

Es ist also nichts Verwerfliches daran – oder Zeichen für mangelnde Hingabe an die Götter -, wenn man sich für den Anfang erst einmal ein Regal oder einen Tisch einrichtet (gerade, wenn man in beengten Verhältnissen wohnt, zum Beispiel in einer Studentenbude oder in einem Zimmer). Wichtiger ist es, einfach mit der Praxis anzufangen, als sich darum einen Kopf zu machen, wie toll man das Lararium gestalten könnte und ob man ohne Miniaturtempel überhaupt Cultor werden kann.

So kann man in Ruhe über die Zeit Zubehör und Ritualgegenstände sammeln, zum Beispiel Repliken römischer Figuren, Öllampen oder Geschirr, oder Dekorationen wie Girlanden, Münzen, Reliefs, und so wird das Lararium von selbst wachsen und sich im Laufe der Zeit auch immer wieder verändern.

Ja, es soll aber ein Minitempel sein!

Wenn es aber unbedingt ein Miniaturtempel sein soll, so haben die Götter vor den Beginn der Kultpraxis den Schweiß gesetzt und das eigene Bemühen.

Wer nicht kreativ genug ist, um sich einen eigenen Entwurf zu zeichnen, zum Beispiel auf der Grundlage von Fotos aktueller und historischer Lararien, die man überall im Internet findet, kann auf einem Römerfest jeden Besitzer eines Lararium an seinem Stand oder Zelt ansprechen – dieser wird ihm gerne Tipps zum Bau geben, die Maße des Larariums verraten oder ihm vielleicht sogar eine Skizze mitgeben oder zuschicken.

Sinnvoll ist es natürlich, sich vorher zu überlegen, wo das Lararium später stehen soll, um die Proportionen und Maße daran anzupassen – ein monströser Tempel, den man nach irgendeiner Vorlage baut und der hinterher nicht auf den geplanten Tisch passt und in dem die Figuren der Laren verschwinden, die man extra dafür gekauft hat, ist dann nicht zielführend, genauso wie ein Minischrein, in dem sich die Götter den Kopf stoßen, die man im Internet bestellt hat…

Zur groben Orientierung oder als erster Anhaltspunkt hier die Maße (in cm) eines unserer Lararien:

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Gute Planung ist also wichtig im Vorfeld und ohne Zollstock und Maßband braucht man gar nicht erst zu beginnen. Man kann gar nicht genug betonen, wie wichtig es ist, daß die Dimensionen sowohl zum Raum als auch zu den darin zu platzierenden Gegenständen passen sollten, damit man sich hinterher nicht ärgert!

Hat man eine Vorstellung davon, wie das Lararium aussehen soll (wieviele Säulen, Treppen, wie hoch, wie lang, wie breit, wie tief), ist es sinnvoll, sich eine Skizze anzufertigen, in die man sämtliche Maße einträgt. Selbst wenn man kein technischer Zeichner ist, sollte man sich eine Zeichnung anfertigen, so rudimentär und laienhaft sie auch sein mag, denn nur so kann man festlegen, welche Bauteile man benötigt.

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Die Rohform, mit Maßnahme und Größenvergleich für die Anschaffung der darin aufzustellenden Figuren

Die meisten Larariumsbesitzer, die wir kennen, fertigen ihre Lararien aus Holz an (am einfachsten zu verarbeiten ist Sperrholz). Aber auch Pappmaché wird eingesetzt, insbesondere für Dekoelemente wie geriffelte Säulen, sieht es zum Teil sogar besser aus, als zersägte Besenstile oder Gardinenstangen. Hier muß man einfach experimentieren und auch mal pragmatisch improvisieren.

Wenn man nicht gerade selbst Schreiner ist oder viel mit Holz arbeitet, ist der nächste Schritt relativ einfach: man geht in den nächsten Baumarkt seines Vertrauens in die Holzabteilung und läßt sich alle benötigten Teile maßgerecht aus Brettern seiner Wahl zuschneiden. Dies bieten viele Holzabteilungen an, oft ohne Aufpreis oder für eine geringe Gebühr. Wenn man Glück hat, findet man einen Baumarkt mit freundlichem Personal in der Holzabteilung, dem man erklärt, was man für Stücke benötigt und der daraufhin mit einem zu den Brettern geht und direkt ausmisst, wieviele Bretter in welcher Größe man braucht, um die benötigten Teilstücke daraus zu sägen. Das spart Kosten, weil man weniger unbrauchbaren Verschnitt erzeugt!

Was für ein Holz man nimmt, ist dem persönlichen Geschmack und Geldbeutel überlassen. Sperrholz ist leicht und einfach zu verarbeiten. Massivholz kostet mehr und ist unter Umständen schwieriger zu verleimen. Da das Lararium am Ende komplett bemalt wird, ist es nicht unbedingt nötig, ein bestimmtes Holz zu wählen, weil man Farbe und Maserung attraktiv findet, denn davon wird man am Ende ohnehin nichts sehen. Auch sollte man bedenken, daß ein komplettes Lararium einige Kilogramm wiegen kann, auch aus Sperrholz, so daß man es sich gut überlegen sollte, sein Lararium aus Massivholz zu bauen.

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Es macht Sinn, Säulen vor dem Verbauen zu bemalen, damit man sauberer arbeiten kann

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Säulenbemalung in Progress

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Bereit zum Einbau!

In der Holzabteilung läßt man die benötigten Einzelteile zurechtsägen: Bodenplatten, Seiten-, Rückwände, Winkel, Streifen für eine Türaussparung etc… Will man Säulenelemente integrieren, muß man auch an Rundhölzer denken, zum Beispiel in Form von Besenstilen oder Gardinenstangen, die es ebenfalls im Baumarkt gibt. Diese kann man auch daheim mit jeder Holzsäge in Säulen schneiden oder sogar in Scheiben, um damit ansprechende Säulensockel zu gestalten.

Daneben benötigt man noch einen guten Holzleim und Schraubzwingen, um die Einzelteile miteinander zu verleimen – und Geduld, alles in Ruhe trocknen zu lassen.

Ein fundamental wichtiger Tipp vorab: Vor allem die kleinen Einzelteile sollten VOR dem Zusammenbauen bemalt werden, insbesondere die Säulen! Sonst wird das Bemalen viel schwieriger und zum Teil zu einer Tortur, wenn man in unzugängliche Winkel gelangen muß oder gerade Linien benötigt (wie bei einer rot-weißen Säule).

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Auch andere Deko-Elemente, wie diese bronzefarbenen Säulensockel, sollte man vorher bemalen – das ist deutlich einfacher!

Bemalt man Säulen vorher, kann man Grenzen ganz einfach mit Kreppband abkleben und dadurch gerade Linien ziehen. Auch Kleinteile wie Säulensockel lassen sich besser bemalen, wenn man sie in der Hand drehen und wenden kann.

Zum Bemalen empfehlen wir handelsübliche Acrylfarbe. Diese deckt gut und ist einfach aufzutragen. Außerdem kann sie gut gemischt werden, so daß jede gewünschte Farbe aus ein paar Grundfarben hergestellt werden kann. Auch andere Hobbyfarben (z.B. zum Bemalen von Warhammer-Miniaturen) können gut zur Bemalung, insbesondere für Details und Akzente, verwendet werden, weil es sie in besonderen Farbtönen wie Gold, Bronze oder in ganz speziellen Schattierungen gibt.

Für die großflächige Grundbemalung in weiß tut es aber auch eine große weiße Tube Acrylfarbe, die ebenfalls günstig im Hobbymarkt zu bekommen ist. Dort gibt es auch Sets mit 5 Grundfarben, mit denen man sehr weit kommt. Pinsel sollte man natürlich nicht vergessen, hier braucht man einen breiten für große Flächen und feinere Pinsel für Dekorationen und andersfarbige Elemente. Eine Mischpalette, die es günstig aus Plastik gibt, ist ebenfalls hilfreich, aber man kann notfalls auch auf Zeitungspapier mischen.

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Nach dem Zusammenbau des Grundgerüsts wird der Rest bemalt – erst eine weiße Grundierung, danach farbige Dekorationen. Hierbei Grenzen immer gut mit Malerkrepp abkleben!

Für das Dach gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie Dachpappen, dünnes Eternit oder Dachfolien aus dem Modellbau, die zum Beispiel Schieferbedeckung imitieren (diese war in der Antike in unseren Breiten im östlichen Gallien verbreitet, im Raum Eifel – Mosel – Hunsrück waren viele römische Gebäude, Wachtürme und Tempel mit Schiefer statt Dachziegeln gedeckt, zum Beispiel im Raum der westlichen Vulkaneifel um Mayen).

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Dach mit echter Schieferdeckung

 

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Dach aus Eternit mit Terrakotta-Bemalung

Aber auch ein Dach, das die traditionell römische Dachziegelbedeckung imitiert, ist relativ einfach herzustellen, insbesondere, wenn man es in einer entsprechenden gedeckten roten Farbe bemalt. Hier kann man sich gut im Modellbaubereich oder Baumarkt inspirieren lassen.

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Eine gute Idee zum Bemalen sind auch Schablonen, die es in vielen Formen im Hobbymarkt gibt

Für das Bild in der Rückwand gibt es auch verschiedene Optionen – wer gut malen kann, kann sich selbst ein Gemälde nach seinem Geschmack erstellen, das typische Larariumsmotive zeigt – Laren, die Schlange, Götter, Vesta, eine mythologische Szene etc.. Ansonsten ist es auch beliebt, ein „klassisches“ Motiv, zum Beispiel aus Pompeji oder Herculaneum, zu reproduzieren, indem man es auf die gewünschte Größe vergrößert und am PC ausdruckt oder in einem Drogeriemarkt auf Fotopapier drucken läßt und auf die Rückseite klebt. Vereinfacht wird die Sache, wenn man das Bild auf eine harte Unterlage, wie Pappe oder ein dünnes Brett klebt und dieses dann in die Rückseite einsetzt, anstatt das Bild direkt auf die Rückwand des zusammengeleimten Hauses zu kleben.

Und dann?

Wenn das Lararium fertig ist, bemalt und dekoriert an seinem Platz steht, werden die Ahnen, Laren und Hausgötter darin eingeladen.

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Durchführung einer Räucherung im Ritus Romanus (capite velato)

Fortan sollte man mindestens an den Iden und Kalenden (bis hin zu täglich) ein Larariums-Ritual durchführen. Dort ist ein Ort, um den Hausgöttern seine Anliegen vorzutragen, um ihre Gunst und Unterstützung für seine Pläne und Aktivitäten zu bitten und Opfergaben darzubringen.

Es sollte in Ehren gehalten und nicht vernachlässigt werden (d.h. keine Opfergaben dort vergammeln lassen, es nicht vollkleckern oder einstauben lassen). Ein Lararium zu besitzen, bedeutet auch eine gewisse Verantwortung zu übernehmen – es ist nicht einfach nur ein römisches Deko-Element der Wohnung, sondern der zentrale Fokus römischer Spiritualität! Im schlimmsten Fall wird das Lararium bei Vernachlässigung von den einmal dorthin eingeladenen Wesen wieder verlassen und zu einem toten Ort, weil niemand die Veranlassung sieht, sich dort niederzulassen und auf die Anliegen des Besitzers zu hören, weil dieser nicht die gebotene Sorgfalt walten läßt.

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Rauchopfer im Schein der Öllampen

Es kommt nicht darauf an, daß es perfekt ist und toll aussieht, wie gerade frisch aus Pompeji importiert – vielmehr zählt der Gedanke beim Einrichten und die Pflege und Aufmerksamkeit, die es danach bekommt. Also: lieber eine Nummer kleiner, auch ruhig improvisiert und nicht perfekt, aber dafür ein Ort lebendiger Kultpraxis!

Weitere Tipps für das Lararium, zum Beispiel zur Einrichtung, zur Invokation einer Gottheit in eine Statue und Anleitungen für Rituale zu vielen Anlässen findet Ihr in unserer Artikelsammlung zum Cultus Deorum.

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Eine tolle Sache: Ein Lararium im Museum (Römervilla Ahrweiler) vermittelt Besuchern eine anschauliche Vorstellung von heimischer religiöser Praxis in unseren Breiten zur Zeit der Antike

Römische Rezepte: Moretum

Einleitung: Herkunft, Tipps und Infos

Direkt zum Rezept

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Moretum – die römische Kräuter-Käsepaste passt eigentlich zu allem!

Sommerzeit – Grillsaison… da wird es Zeit, daß wir Euch endlich unser Rezept für Moretum verraten, die römische Kräuter-Käsepaste, die nahezu zu allem passt, unserer Meinung nach aber besonders zu gegrilltem oder kurzgebratenem Fleisch und zu Brot. Insbesondere die Kombination mit römischem Gewürzbrot oder mit dem (ebenfalls käsehaltigen) Opferbrot Libum sollte man unbedingt probiert haben.

In der römischen Antike war Moretum ein einfaches Allerweltsessen, das zu allen Uhrzeiten geschätzt wurde. Die herzhafte Käsepaste ließ sich schnell herstellen und über den Tag hinweg essen, zudem war sie vielseitig einsetzbar, so daß sie täglich auf den Tisch kam. Die weite Verbreitung und Bedeutung dieses Alltags-Brotaufstrichs zeigt sich auch in der häufigen Erwähnung in der antiken Literatur.

Moretum wird unter anderem beschrieben von Lucius Iunius Moderatus Columella in seiner Schrift „De re rustica“ (das neben Catos „De agri cultura“ das bedeutendste Werk über römische Landwirtschaft ist). In seinem Werk wird eine Variante erwähnt, in der statt Schafskäse geriebene Walnüsse verwendet werden (und die damit auch neumodische vegane Geschmäcker trifft – wir haben dies jedoch nicht ausprobiert und halten uns an die althergebrachte Variante mit Schafskäse).

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Das tolle grüne Moretum der Gallo-Römer der PzlG e.V.

Die ausführlichste Beschreibung der Herstellung von Moretum wird allerdings Vergil zugeschrieben (ob es wirklich von ihm stammt, ist nicht gesichert). Im Gedicht „Moretum“ aus dem „Appendix Vergiliana“ beschreibt der Dichter in 122 Hexametern  detailliert den Tagesablauf eines Bauern, wobei die morgendliche Zubereitung des Moretums eine zentrale Rolle spielt. Zwar ist der Text als übertriebene und humorvolle Lobpreisung des einfachen Landlebens gedacht, uns liefert er jedoch heute detaillierte Informationen über die Herstellung dieses ländlichen Grundnahrungsmittels.

Hergestellt wird das Gericht laut den Quellen in der Reibschale, dem Mortarium, die der Paste auch ihren Namen gab. Das Mortarium, eine flache Schale aus Ton mit eingebrannten Sandkörnern an der rauhen Innenseite, wird häufig in der römischen Küche verwendet und wird in zahlreichen Rezepten erwähnt. Unter anderem wird es zur Herstellung von Pasten und Saucen verwendet.

Die Zubereitung in einer Rührschüssel ist allerdings ebenfalls unproblematisch. Wer es gerne homogen mag, kann einen Mixer verwenden; wir rühren und kneten unser Moretum in der Regel mit einem Holzlöffel, so daß es ein bißchen körniger und ungleichförmiger ist.

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Wir sind immer auf geheimer Moretum-Verkostungs-Tour unterwegs. So wird es im APX in Xanten serviert

Man kann das fertige Moretum entweder in einer Schale servieren, aus der man das Moretum dann, ähnlich moderner Kräuterbutter, mit einem Messer auf sein Brot oder Fleisch streicht. Die klassische Form der Zubereitung, die ebenfalls im besagten Vergil-Gedicht erwähnt wird, ist es, das Moretum zu kleinen runden Bällchen zu formen. Das hat den Vorteil, daß es transportabel ist und sich gut als „Finger Food“ für Zwischendurch eignet.

Da das Moretum unter anderem in der Pause bei der Feldarbeit gegessen wurde, ist die Bällchen-Form auch heute für Outdoor-Aktivitäten sinnvoll und zweckmäßig.

Das klassische Moretum besteht aus Schafs- oder Ziegenkäse, Olivenöl, Selleriegrün, Salz, Knoblauch und diversen Gewürzen, wobei man hier kaum übertreiben kann – je würziger, desto besser.

Hier kann man im Endeffekt seinen geschmacklichen Gewürzvorlieben freien Lauf lassen, denn schon in der Antike würzte man das Moretum mit allen möglichen Kräutern der Saison, wie sie eben gerade im Kräutergarten verfügbar waren.

Spezifisch erwähnt werden bei Vergil die Weinraute und Koriander, wobei die Weinraute etwas schwierig zu bekommen ist. Sie erfordert zudem etwas Sorgfalt im Umgang und der Dosierung, da die Blätter zu Hautreizungen führen können. Schwangere sollten das Gewürz generell meiden, da es in höherer Dosierung zu Fehlgeburten führen kann (und deshalb seit Jahrhunderten zu abortiven Zwecken genutzt wird). Mit ein paar Blättern kann man aber nichts falsch machen, ihr Geschmack ist sehr charakteristisch für Moretum.  In geriebener oder gemahlener Form ist sie uns nicht bekannt, aber als Gewächs für Garten oder Balkon bekommt man sie in gutsortierten Gärtnereien (zum Beispiel in der Klostergärtnerei der Abtei Maria Laach).

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Eine römische Küche im Kastell Saalburg im Taunus

Des weiteren eignen sich alle typischen Gewürze der römischen Küche zur Verfeinerung des Moretums. In der „De re rustica“ werden- je nach saisonaler Verfügbarkeit – Bohnenkraut, Lattichblätter, Schnittlauch, Minze, Schnittlauch, Lattichblätter, Walnüsse, Sesamkörner, Thymian, Pinienkerne, Haselnüsse, Mandelkerne und Oregano erwähnt. Wir persönlich haben zum Beispiel auch gerne Anis, Fenchel und Kümmel dabei.

Die Farbe eines Moretums reicht von weiß mit sichtbaren grünen Kräutern bis hin zu einer leuchtend grünen Paste, wie man sie zum Beispiel beim wirklich genialen Moretum des Vereins PzlG e.V. (Projekte zur lebendigen Geschichte e.V.) probieren darf – wer diese Gruppe einmal mit einem Moretum-Probierstand auf einer Veranstaltung sieht, sollte dem Stand unbedingt einen Besuch abstatten! Wir haben schon viel Moretum probiert, aber das ist eindeutig unser Favorit.

Auch das (weiße) Moretum, das ab und zu bei Veranstaltungen in der Römerwelt Rheinbrohl zum Verkosten angeboten wird (zum Beispiel zum römischen Backhaustag oder Limes-Wandertag), ist sehr empfehlenswert; hier wird ebenfalls mit Anis und Fenchel gearbeitet.

Wichtig ist, daß man nicht zimperlich mit Knoblauch sein sollte, da dieser ein Hauptbestandteil der Paste darstellt und alles dominiert. Hier reden wir nicht von einzelnen Zehen, hier rechnen wir in Knollen😉

Welcher Käse tatsächlich verwendet wurde, ist nicht eindeutig geklärt. Er wird in der Literatur als „milchiger Käse“, „harter Käse“, „junger gesalzener Käse“ und „hart von zerfressenem Salz“ beschrieben. Dies deutet darauf hin, daß es keine einheitliche Zubereitungsart für das Moretum gab und es sich wahrscheinlich regional und durch die Jahreszeiten je nach Geschmacksvorlieben und Verfügbarkeit der Zutaten unterschieden hat, genau, wie man die Gewürze je nach Saison verwendete.

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Moretum-Verkostung mit Edgar Comes, einem Experten der römischen Küche, bei der IRM in der Villa Borg

So ist ein Moretum sowohl aus weichem, feta– oder ricottartigem Schafs- oder Ziegenkäse üblich (Verarbeitung und Verzehr von Kuhmilch war in der römischen Antike unüblich), als auch aus Hartkäsearten wie Pecorino, eventuell vermischt mit weichem Schafs- oder Ziegenkäse. Wir bevorzugen die Variante mit weichem Käse.

Wer kein Freund von Schafs- oder Ziegenkäse ist, kann diesen auch mit Kuhmilch-Feta ersetzen, er sollte sich halt nur darüber im Klaren sein, daß es sich in dem Fall dann nicht um ein 100% authentisches Rezept aus der Antike handelt – aber rein von der Anwendung oder dem Geschmack her ist das unproblematisch. Schafs- oder Ziegenkäse ist allerdings aromatischer, da der Kuhmilch-Feta in der Regel ja einfach nur salzig ist. Wo wir schon mal beim Thema „unauthentisch, aber schmackhaft“ sind: Für eine angenehme Konsistenz und Textur kann man zum Beispiel auch körnigen Frischkäse oder Hüttenkäse zum verwendeten Schafs- oder Hartkäse hinzugeben, das ist zwar ebenfalls nicht authentisch, hat sich in der Praxis aber als sehr angenehme und frische Ergänzung erwiesen, so daß wir das im Sommer, z.B. zum Grillen, gerne als unsere „lokale Variante“ so zubereiten.


Rezept

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Ein Mortarium, die Reibschale zum Herstellen von Gewürzpasten

Hinweis: Römische Rezepte enthalten in der Regel keine Mengenangaben. Hier muß man selbst experimentieren, wieviel man letztendlich erhalten möchte und wie stark man Gewürze und Knoblauch dosieren will. Hier kann man ganz mutig sein und nach Augenmaß arbeiten; viel falsch machen kann man bei Moretum nicht.

Zutaten

Für Moretum nach antiken Originalrezepten benötigt man:

  • Weichen Schafs- und/oder Ziegenkäse nach Feta-Art (z.B. Salakis) und/oder Ricotta (3 Pakete a 250 Gramm ergeben etwa eine mittelgroße Schüssel)
  • Einen guten Schuß Olivenöl
  • Sehr viel Knoblauch, mindestens 5 Zehen, aber wahre Moretum-Fans nehmen auch 1-2 Knollen…
  • Sellerieblätter
  • Ca. 20 ml Essig (z.B. einen guten Weinessig)
  • Gewürze (nach Saison und Geschmack): Weinraute, Koriander, Bohnenkraut, Minze, Schnittlauch, Lattich, Thymian, Oregano, eine Prise Salz (Vorsicht, der Feta-Käse ist bereits salzig)
  • Optional (diese verwenden wir persönlich für unser Moretum nicht): Walnüsse, Sesamkörner, Haselnüsse, Mandelkerne, Pinienkerne

Wir ergänzen das Rezept (aus unserer experimentellen Erfahrung) dafür gerne noch mit:

  • 1 Paket Hüttenkäse / Körnigem Frischkäse
  • Gewürze: Anis, Fenchel, Kümmel
  • Etwas Honig

Zubereitung

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Olivenöl und Knoblauch vermengen

Zur Zubereitung eignet sich eine einfache große Schüssel.

Als erstes wird das Olivenöl mit dem klein gehackten oder zerdrückten Knoblauch vermischt.

In diese Mischung wird der zerbröselte Feta-Käse gegeben und mit Ricotta oder Hüttenkäse verrührt, bis sich eine körnige, aber gleichmäßige Masse ergibt.

Einen großzügigen Schuß Essig hinzufügen und einen ganz kleinen Löffel Honig.

Die Gewürze reiben oder fein mahlen, sofern man sie nicht bereits gemahlen vorliegen hat. Schnittlauch und andere blattartige Gewürze fein hacken. Nach und nach zur Käsemasse hinzugeben und unterheben. Kräftig durchrühren.

Wer es gerne homogen mag, kann hier einen Mixer benutzen, aber interessanter schmeckt das Moretum, wenn es gröber und ungleichmäßiger ist, so daß wir es mit einem Holzlöffel rühren.

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Und dann immer: Rühren, Kneten, Rühren, Kneten…

Für ein intensiveres Aroma empfiehlt es sich, das Moretum für eine Nacht im Kühlschrank stehen zu lassen, damit es gut durchziehen kann.

Für die original-römische Zubereitung wird die Masse zuletzt mit den Händen zu kleinen, etwa tischtennisballgroßen Bällchen geformt. Diese können z.B. mit je einem Zahlstocher durchbohrt, als Häppchen angerichtet werden.

Wer keine Bällchen formen möchte, kann das Moretum einfach in einer Schüssel servieren, aus der man sich mit einem Messer bedient.

Bene sapiat!🙂

Events und Veranstaltungen: Römertage Villa Borg 6.-7. August 2016

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Eine tolle Location: Der Archäologiepark Villa Borg

Am kommenden Wochenende steht uns ein weiteres Highlight der Saison bevor: die XIX. Römertage im Archäologiepark Villa Borg!

Die Römertage in der Villa Borg sind ein „Klassiker“ unter den Römerfesten, denn die Kulisse des rekonstruierten römischen Gutshofs mit seinem zweistöckigen Herrenhaus und der weitläufigen Gartenanlage sorgt für eine ganz besondere Atmosphäre.

Der Archäologische Park liegt im östlichen Gallien, sprich: im Dreiländereck bei Perl im Saarland, direkt an der luxemburgischen Grenze (am anderen Moselufer liegt das luxemburgische Schengen) sowie an der Grenze zu Frankreich.

Wie auch schon in den Jahren zuvor, sind wieder einige römische Legionen vor Ort (unter anderem die Legio XXII Primigenia Milites Bedenses aus Bitburg und die VEX LEG XI CPF, die extra für diesen Event aus der Schweiz anreist), die militärisches Alltagsleben, Exerzieren und Ausrüstung demonstrieren. Dabei stehen die gut informierten und auskunftsfreudigen Mitglieder dieser Gruppen gerne für Fragen aller Art zur Verfügung.

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Kampfkunst der Barbaren (2015)

Erstmalig dabei ist die Vigilia Romana Vindriacum, der Verein für rekonstruktive Geschichte, deren Schwerpunkt auf dieser Veranstaltung auf dem Weinbau und Weintransport in der Antike liegt.

Auf dem Gelände wird außerdem ziviles Leben in der römischen Provinz demonstriert, so daß die Besucher einen Einblick in verschiedene Handwerkstechniken wie Schmieden, Schuhmacher, Bogenbau, Frisieren, Mosaiklegen und Töpfern gewinnen können. Händler erlauben zudem, sich mit allem einzudecken, was der römische Cultor und der Antikenfreund benötigt – von Öllampen über gute Repliken bis hin zu Schmuck.

Einen Blick auf die andere Seite, die einheimischen Gallier, Iberokelten, Sueben und andere „Barbaren“ in der Antike, erlaubt die luxemburgische Gruppe Lucilinburhuc, die mit ihren Pferden anreist und ihre Waffen- und Kampftechniken demonstriert. Nicht zuletzt zeigen – wie jedes Jahr – die Gladiatoren der Familia Gladiatoria Pannonica aus Ungarn Gladiatorenkämpfe.

Zur Stärkung gibt es römische Speisen nach Apicius und Getränke. Daneben wird zum Römerfest auch der „schwarze Römersud“ ausgeschenkt, ein schmackhaftes naturbelassenes, unfiltriertes Schwarzbier, das in Zusammenarbeit mit dem Förderkreis Römische Villa Borg in der Mettlacher Abtei-Brauerei jährlich extra für diesen Event gebraut wird.

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Immer ein Erlebnis: die Führung mit dem Haussklaven Jatros

Im Rahmen der Veranstaltungen werden auch kostenlose Führungen durch die Villa angeboten. Denn auch das Innere des Gebäudes, das auf den originalen Fundamenten errichtet wurde, ist absolut sehenswert. Hierbei sind vor allem die authentisch rekonstruierten Bäder, die Küche, die Vorratsräume und der Wohnbereich zu nennen. Außerdem gibt es im Inneren einen Museumsteil, der über die Geschichte der Villa Borg und der Region informiert, sowie einen römischen Kräutergarten. Wenn man Glück hat, hat man auch Gelegenheit, an einer “Führung der etwas anderen Art” durch den immer enthusiastischen Haussklaven Jatros teilnehmen zu können.

Bei Kindern sehr beliebt sind die Esel der Familie Marson, mit denen man zum Gelände reiten kann. Sie sind sehr zutraulich.

Der Eintritt für Erwachsene kostet 7€. Es gibt die Möglichkeit, eine Familienkarte für 14€ zu erwerben.

Kostenlose Parkplätze sind vor dem Villengelände ausreichend vorhanden. Die Veranstaltung findet jeweils von 10 – 18 Uhr statt.

Mehr Informationen gibt es auf der Website der Villa Borg.

Für Informationen rund um den Archäologiepark Villa Borg empfehlen wir auch unseren Artikel!

 

Museen und Archäologische Parks: Malagne – Archéoparc de Rochefort (BE)

 

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Das gallo-römische Landgut in den belgischen Ardennen

Anschrift:

Rue du Coirbois 85, 5580 Rochefort, Belgien

Anfahrt:

Der Archäologische Park Malagne liegt in den belgischen Ardennen in der Provinz Wallonie nahe Rochefort.

Mit dem Auto ist es gut zu erreichen; der Archäologische Park ist mit Schildern, die auf eine „L’Experience Gallo-Romain“ hinweisen, bereits an der Hauptstraße N86 zwischen Marche-en-Famenne und Rochefort gut sichtbar ausgeschildert. Das Navi findet die Anschrift problemlos. Vor dem Freilichtmuseum befindet sich ein eigener großer Parkplatz.

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist nicht unmittelbar möglich, da der Park etwas abgelegen liegt. Der nächstgelegene Bahnhof ist in Jemelle (etwa 4km entfernt). Hier halten Züge aus Luxemburg, Brüssel und Libramont. Außerdem gibt es einen zentralen Busbahnhof. Von dort aus kann man mit der Buslinie 166a zur Haltestelle Hall Omnisports in der Nähe der Straße „Malagne“ fahren, von dort aus muß man jedoch das restliche Stück laufen (etwa 15 Minuten Fußweg).

Hintergrundinformationen:

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Blick auf das Gelände von der Aussichtsplattform

Der Archäologische Park Malagne, „die gallo-römische Erfahrung“ , befindet sich im ehemaligen romanisierten Gallien. Hier wurden im Jahr 1890 von der Archäologischen Gesellschaft Namur die fast vollständig erhaltenen Grundrisse eines gallo-römischen Landgutes entdeckt, inklusive einer großen herrschaftlichen Villa, die mit großer Sicherheit über vier Jahrhunderte bewohnt war. Daneben entdeckte man zahlreiche Neben- und Wirtschaftsgebäude, die einen guten Eindruck von den Ausmaßen und der Struktur eines gallo-römischen Landguts vermittelten.

In den Jahren zwischen 1992 und 1997 führte die Provinz Wallonie großangelegte Grabungen auf dem Gelände durch und konnte zahlreiche wichtige Details freilegen: weitere Nebengebäude, ein Glasofen, eine Schmiede und ein Teich, der pollenanalytisch untersucht wurde und eine genaue Datierung des Nutzungszeitraums ermöglichte.

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Das Landgut zu römischer Zeit

Es gelang den Archäologen, den Bauplan des Landgutes zu rekonstruieren und dessen Aufteilung in einen Wohnbereich (Pars urbana) und einen Arbeitsbereich (Pars rustica) nachzuweisen.

Der Wohnbereich mit seiner weitläufigen, doppelstöckigen Villa verfügte über alle Annehmlichkeiten der gehobenen Lebenskultur in der gallo-römischen Provinz: Fußbodenheizung, Repräsentationssäle, eine Thermenanlage, Latrinen, fließend Wasser und einem Raum, der als Sacellum diente und das Lararium beinhaltete, mit einem separaten, von vier Säulen getragenen Eingang.

Auch die Funktionen der landwirtschaftlich genutzten Nebengebäude konnten ermittelt werden. So interpretierte man die Gebäude als Ställe, eine Schmiede mit Räucherkammer, Getreidedarre und Bierbrauerei.

Um die Einzigartigkeit dieses zusammenhängenden Landgutes zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, entschied man sich, das Gelände als Archäologischen Park zu gestalten und einige der Nebengebäude zu rekonstruieren, um dem Besucher eine bessere Vorstellung von der Größe und den Dimensionen des Gehöfts zu vermitteln.

Neben der Präsentation der Funde legte man auch einen Schwerpunkt auf die experimentelle Archäologie, so daß Forschern ermöglicht werden sollte, in Malagne auf praktische Weise die Details des Lebens auf einem gallo-römischen Landgut zu erforschen. So wurden unter anderem der Stall und die Schmiede in funktionstüchtiger Weise in alter Bautechnik rekonstruiert und in den Original-Farben weiß und rot verputzt. Beide Gebäude sind voll funktionsfähig und werden auch für Experimente genutzt.

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Anbau von Obst und Gemüse

Daneben pflanzte man antike Getreidesorten auf den weitläufigen Feldern zwischen den Gebäuden, legte den Teich wieder an seiner originalen Position an und begann auch mit Nutztierhaltung, wobei Wert darauf  gelegt wurde, Rassen zu wählen, die in Größe und Art den Nutztieren eines gallo-römischen Bauernhofs entsprechen.

Heute werden auf dem Gelände Ziegen, Schafe, Pferde, Maultiere und Rinder gehalten. Dies erlaubt archäologische Experimente, die auch Tiere einschließen, wie zum Beispiel die Rekonstruktion eines Vallus, der römischen Mähmaschine, die von einem Maultier geschoben wird und eine um ein Vielfaches schnellere Getreideernte als mit der Sense erlaubt. Hierbei konnten im Experiment auch praktische Fragen gelöst werden, die mit den vorhandenen Schrift- und Bildquellen bislang nur unzureichend in der Theorie beantwortet werden konnten, zum Beispiel, wie das Geschirr und Joch des Esels aussahen, der die Maschine schob.

Funktionstüchtige Kuppelbacköfen, eine Küche und ein Rennofen zur Eisenschmelze erlauben weitere Experimente.

Es wurde auch ein Zier- und ein Nutzgarten angelegt, in dem Kräuter und Pflanzen aus römischer Zeit, Obst- und Gemüsesorten sowie Wein angebaut werden. Alles in allem werden hier über 200 Pflanzen angebaut, deren Gebrauch bereits aus der Antike bekannt ist.

Bis heute wird das Gelände experimentalarchäologisch bewirtschaftet und für Experimente aller Art genutzt, was es einmalig unter den gallo-römischen Landgütern macht.

Eine Villa Rustica hat fast jeder Ort in unserer gallischen Provinz, aber ein vollständiges Landgut mitsamt Haupt- und Nebengebäuden, Getreideanbau und Viehzucht, das die Größe eines solchen Geländes vermittelt, ist einmalig.

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Experimentelle Archäologie: Der Vallus im Einsatz

Das Hauptgebäude, die Wohnvilla, wurde nicht rekonstruiert, sondern in ihren Fundamenten belassen. Es gibt auch keine Pläne, das Gebäude (wie z.B. bei der Villa Borg) zu rekonstruieren.

Ein konstantes Problem eines solchen Projektes, das nicht die Mittel wie z.B. ein LVR-Park zur Verfügung hat, ist, wie üblich, die Finanzierung. Wie überall, wird auch in Belgien bei der Archäologie gespart.

Der Wiederaufbau der Villa wäre allein aus finanzieller Hinsicht utopisch. Es befinden sich allerdings noch mehr Nebengebäude und Funde auf dem Gelände, die jedoch aus Geldmangel nach Abschluß der Grabungsarbeiten und archäologischen Aufnahme wieder vergraben werden mußten, um sie zu schützen und zu erhalten. Das Museum ist ständig um neue Gelder bemüht, um die Grabungen fortzusetzen; sollten neue Mittel verfügbar sein, würde man damit gerne weitere Nebengebäude rekonstruieren.

Beschreibung:

Auf unseren Reisen durch die gallische Provinz stoßen wir immer wieder auf Überraschungen  – Malagne war eine solche, die uns regelrecht begeisterte. Wir hatten mit einer weiteren Villa Rustica gerechnet, aber dann sahen wir die Ausmaße des Geländes und vor allem, wie detailliert und anschaulich das Landgut rekonstruiert und betrieben wird.

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Auch Getreide wird hier angebaut

Am Parkplatz befindet sich ein Schild, das darauf hinweist, daß der Park zwar bis 18 Uhr geöffnet hat, der letzte Einlaß aber um 16:30h ist, was uns im ersten Moment verwunderte, dann aber schnell klar wurde, warum das so ist.

Malagne ist nichts für eine kurze, schnelle Stippvisite – der Park mit seinen vielen Details und weitläufigem Gelände muß in Ruhe erforscht und erwandert werden, um dem Besucher die Dimension dessen, was hier erarbeitet und gezeigt wird, zu erschließen.

Im Eingangsbereich an der Kasse empfing uns eine sehr freundliche und engagierte Frau, mit der wir uns in einem regen Mix aus Französisch und Englisch unterhielten. Sie erklärte uns, daß an dem Tag unseres Besuchs keine Vorführungen stattfanden (an manchen Sonntagen wird der Park durch Darsteller belebt, die an einigen Stationen praktische Tätigkeiten demonstrieren). Aber man kann den gesamten Park auch gut alleine erwandern, denn er ist in über 20 beschriftete Stationen aufgeteilt, zu denen man ausführliche Informationen mit einem Audio-Guide abrufen kann.

Den Audio-Guide erhielten wir an der Kasse, zusammen mit einem laminierten Lageplan der einzelnen Stationen auf dem Gelände, so daß man problemlos den Nummern folgen kann. Das Gerät ist im Eintrittspreis enthalten (der angesichts der Größe und des Aufwands der Bewirtschaftung des Geländes absolut in Ordnung ist); unsere Ansagetexte stellte die Frau uns auf Englisch ein. Daneben sind Französisch und Flämisch als weitere Sprachen verfügbar.

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Die Texte in den Audio-Guides sind detailliert und fundiert

Die Informationen des Audio-Guides sind sehr gut gemacht – informativ und detailliert. Sie schafften es, den experimentalarchäologischen Anspruch des Parks und die erzielten Ergebnisse sehr gut herauszustellen und anhand der Stationen zu erläutern.

Zu einigen Spezialthemen sind auf Wunsch, zusätzlich zu den Texten der Stationen, weiterführende Informationen verfügbar, die man durch Eingabe einer weiteren Nummer abrufen kann. Hier gehen die Texte dann sehr ins Detail und weisen auf ganz spezielle Aspekte eines Themas hin, unterlegt durch Zitate aus antiken Quellen oder mit Hinweisen auf Bildquellen – didaktisch vorbildlich!

Die Führung beginnt im Inneren des Hauptgebäudes, in dem sich auch ein Seminar- und Arbeitsraum befinden, wo regelmäßig pädagogische Aktivitäten für Gruppen, Schulklassen und andere Interessenten stattfinden.

Hier werden anhand eines rekonstruierten Modells des Landgutes zu römischer Zeit das Gelände, der Lageplan und die Geographie erläutert, zum Beispiel auch die Tatsache, daß sich am Hang hinter dem auf einem Hügel gelegenen Herrenhaus ein Steinbruch befand.

Nach der Erläuterung der generellen Lage wird der Besucher auf das Freigelände entlassen, auf dem man sich frei bewegen kann. Es macht jedoch Sinn, die Stationen in numerischer Reihenfolge abzulaufen, da die Informationen aufeinander aufbauen.

Den Anfang macht eine Aussichtsplattform, von der aus man einen tollen Überblick über das Landgut hat und schon einmal staunt, wie groß das Gelände war und wie hervorragend die Aussicht des Hausherrn auf sein Land von seiner auf der Anhöhe gelegenen Villa gewesen sein muß.

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Ausprobieren erlaubt!

Überall zwischen Getreidefeldern und Viehweiden, die (neben einem modernen Zaun, der den heutigen Vorschriften geschuldet ist) mit antiker Zauntechnik umgrenzt sind, sieht man die rekonstruierten Nebengebäude aufragen.

Das Blöken der Schafe, die Laute der Pferde und Rinder, machen den Gang über das Gelände besonders anschaulich – so muß auch die Geräuschkulisse zu römischer Zeit gewesen sein. Das verstärkt das Eintauchen in die Geschichte und erhöht die Anschaulichkeit deutlicher, als wenn man nur durch die Ruinen einer Villa Rustica geht.

Das ganze Gelände ist sehr gepflegt und sauber, die Kräuter-, Obst- und Gemüsefelder sind beschriftet.

Alle Gebäude können betreten werden und alles, was sich darin an Werkzeugen und Alltagsgegenständen befindet, kann man in die Hand nehmen und ausprobieren. Man wird zuerst an die Öfen und Küche geführt und erhält eine Einführung in antike Bautechnik mit Fachwerk und Steinbauweise. Nach einem Rundgang durch die Gärten geht es an einem Getreidefeld entlang zum Teich, der an der originalen Stelle angelegt wurde (heute jedoch als Biotop verwendet wird, um Lebensraum und Ökosystem See zu erläutern).

Vorbei an den Weiden der Rinder, Pferde, Schafe und Ziegen geht es in die Schmiede, wo auch die Versorgung thematisiert wird, da sich hier auch Räucherkammer und Bierbrauerei befanden. Am nicht wieder aufgebauten, aber mit einem Schutzbau überdachten Haus des Gutsverwalters vorbei, besichtigt man dann den großen Stall, der im Winter tatsächlich als Stall für die Tiere des Parks genutzt wird.

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Der rekonstruierte Vellus, die römische Mähmaschine

Hier erfährt auch man detailliert von einem besonderen Experiment, das in Malagne durchgeführt wurde: die Rekonstruktion der antiken Mähmaschine Vallus, die auch im Stall als Nachbau zu bestaunen ist.

Während man sich über das Gelände bewegt, erfährt man im Audio-Guide von weiteren Besonderheiten des Hofes, zum Beispiel der Entdeckung eines Gräberfeldes, das jedoch noch nicht weiter erforscht werden konnte.

Den Abschluß der gut 1,5 bis 2-stündigen Rundwanderung bildet das Herrenhaus, das zwar nicht rekonstruiert wurde, das aber (mauerschonend) über Brücken und Stege betreten und durchquert werden kann.

Überall im Park finden sich, zusätzlich zu den Informationen im Audio-Guide, Info-Tafeln. Diese sind jedoch leider nur auf Französisch (gelegentlich mit einer einzeiligen Zusammenfassung auf Flämisch).

Im Museumseingang gibt es einen kleinen Shop und es besteht die Möglichkeit, heiße und kalte Getränke zu sich zu nehmen. Es gibt auch einen Picknickbereich.

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Im großen Hauptgebäude, der herrschaftlichen Villa

Fazit: Eine Villa Rustica haben viele Orte, aber als „gallo-römische Erfahrung“ ist das römische Landgut von Malagne definitiv etwas Besonderes.

Durch die Kombination aus rekonstruierten Gebäuden, aktiver Bewirtschaftung, experimenteller Archäologie und hervorragender, fundierter Wissensvermittlung gehört Malagne für uns definitiv zu den Geheimtips, die wir unseren gallo-römisch interessierten Lesern wärmstens ans Herz legen möchten. Deswegen machen wir an dieser Stelle gerne (und unbezahlt) Werbung für diesen Archäologischen Park! Wenn Ihr einmal in der Nähe seid, sei es in den belgischen, luxemburgischen oder französischen Ardennen (beide Landesgrenzen sind nur wenige Kilometer entfernt), solltet Ihr dieses Ziel unbedingt auf Eure Liste setzen.

Öffnungszeiten, Eintritt:

In den Monaten Juli bis September ist der Park täglich von 11-18 Uhr geöffnet (letzter Einlaß 16:30 Uhr). Für den Besuch sind etwa 2 Stunden einzuplanen.

Außerhalb dieser Zeiten, von Ende März bis Anfang November, ist der Park in den Schulferien und an Feiertagen und Wochenenden geöffnet.

Während der Winterpause ist Öffnung für Gruppen nach Absprache möglich.

Der Eintritt für einen Erwachsenen beträgt 6,50 €, für Kinder 5 €. Der Audio-Guide ist im Preis enthalten.

Führungen, Veranstaltungen:

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In der experimentellen Küche

Jeden ersten Sonntag im Monat finden Führungen mit praktischen Vorführungen statt, zum Beispiel zum Thema Brotbacken.

Malagne ist auch Schauplatz eines Römerfests namens „Le Rendez-Vous Gallo-Romain de Wallonie“ mit römischen Legionen, Handwerkern, Reiterei und Gladiatorenspielen. Das Gelände ist für solche Veranstaltungen ausgezeichnet geeignet.

Aktuelle Informationen zu solchen Veranstaltungen sind auf der offiziellen Website zu finden oder in unseren Ankündigungen unter „Events und Veranstaltungen“.

Es finden außerdem regelmäßige Veranstaltungen und Workshops statt (allerdings ausschließlich auf Französisch), wie archäologische „Gallo Day Camps“ für Kinder. Gruppenaktivitäten können auf Anfrage gebucht werden, ebenso wie eine Vorführung antiker Bierbraukunst oder Brotback-Workshops.

Sonstiges:

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Die rekonstruierte Schmiede mit Räucherkammer, Darre und Bierbrauerei

Es ist erlaubt, Hunde an der Leine mitzuführen.

Fotografieren ist überall uneingeschränkt erlaubt.

Weiterführende Informationen:

 

 

  • Kurzer Filmbeitrag über Malagne: „Malagne, vivre au temps des Romains“ (Französisch, 8 Minuten)

Events und Veranstaltungen: Römerfest in den Kaiserthermen Trier, 23.-24.7.2016

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In Trier gibt es viele gut erhaltene römische Momunentalbauten

Update: Das Römerfest ist vorbei und war ein voller Erfolg. Einige Foto-Impressionen findet Ihr auf unserer Seite auf Facebook!

Am kommenden Wochenende ist es (endlich!) wieder so weit: Nach vielen Jahren Pause findet in Trier, der ältesten Stadt Deutschlands, wieder ein großes Römerfest statt!

Nachdem der etablierte jährliche Event „Brot und Spiele“ 2012 endgültig eingestellt worden war, wurde es aus römischer Sicht still um die Kaiserstadt Augusta Treverorum, einst zweitgrößte Stadt des römischen Reichs und nicht umsonst bezeichnet als „Roma Secunda“.

Das war umso bedauerlicher, als daß sich in Trier noch heute gut erhaltene Monumentalbauten aus römischer Zeit finden und die Kulisse der Stadt für ein Römerfest einfach wie geschaffen ist. Auch wurde es von vielen Seiten bedauert, daß ausgerechnet eine Stadt, die sich so sehr auf ihre römische Vergangenheit berufen kann, kein großes Römerfest mehr ausrichtet.

In diesem Jahr feiert Trier nun „30 Jahre UNESCO Weltkulturerbe“ – unter anderem mit der großartigen Nero-Sonderausstellung „Kaiser, Künstler und Tyrann“ parallel in drei Museen der Stadt, und eben auch einem großen Römerfest, das in den Kaiserthermen abgehalten wird.

Zahlreiche Gruppen und Einzeldarsteller, wie die Legio XXI Rapax, die Cohors Praetoria, die Bitburger Legion XXII Primigenia Milites Bedenses, die Gladiatorenschule Trier, der Reiter Roms und zahlreiche Handwerker und Darsteller zivilen Lebens haben ihre Teilnahme zugesagt, so daß nun auch das vollgepackte Programm der beiden Tage bekannt ist:

Kaiserthermen

Das Römerfest findet an beiden Tagen von jeweils 10-18 Uhr in den Kaiserthermen statt (die Kellergänge der Thermen sind während des Römerfestes allerdings geschlossen und können nicht besichtigt werden).

Es gilt der reguläre Eintrittspreis in die Kaiserthermen, auch die AntikenCardTrier und die AntikenCardNero werden angerechnet. Wer eine Eintrittskarte der Nero-Ausstellung vom gleichen Tag vorweisen kann, erhält kostenlosen Einlaß zum Fest.

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„Brot und Spiele“, 2007

Weitere Informationen hier auf der offiziellen Website „Trier – Zentrum der Antike“ 

 

 

Wie die Götter es manchmal fügen…

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Artikel © D. Gratius Ludovicus, 07/2016

Manchmal gibt es schöne Beispiele im Leben eines Cultors, wie die Götter die Dinge fügen… heute also eine kleine Geschichte aus der gelebten Religion eines römischen Rekonstruktionisten, die ja gerne von vielen „Neuheiden“ als unspirituell und trocken abgelehnt wird😉

Ich habe immer schon eine gewisse Nähe zu Silvanus verspürt, dem Gott des Waldes und der Felder, der im Gegensatz zu Faunus nicht die wilde Natur, sondern deren Eingrenzung und damit gleichermaßen ihre Zähmung und Nutzung verkörpert, wodurch letztlich die Grenze zwischen Natur und Kultur geschaffen wird. Dadurch gehören zu seiner Sphäre ebenfalls die Gärten und die Grenzen der ländlichen Grundstücke, so daß er nicht nur – wie Horaz ihn nennt – tutor finium, also Beschützer der Grenzen ist, sondern als Silvanus domesticus, als häuslicher Silvanus, geradezu der Wächter (custos) des Grundbesitzes und Hauses wird, was seine Funktion sich mit der der Laren überschneiden lässt. In diesem Sinne finden wir ihn auch in Inschriften als Silvanus sanctus larum oder Silvanus sanctus sacer larum als den  Penaten zugehörig erwähnt.

 

Sucellus

Sucellus Hochrelief aus Kinheim an der Mosel, 3. Jahrhundert

Bis dato hatte dieser Gott für mich aber kein Gesicht und er blieb ein Numen, das man spüren kann, wenn man alleine durch Wald und Flur streift. Vor einiger Zeit besuchten wir eine römische Kelteranlage am Fuße des – wie die Römer ihn nannten – Dulcis mons, des „süßen Berges“ bei Brauneberg an der Mosel. Dort fiel uns eine recht große Statue auf, die hinter der Absperrung aufgestellt ist und die wir bis dato noch nicht kannten. Es stellte sich heraus, daß es sich um den keltischen Gott Sucellus handelte, der später auch in der gallo-römischen Religion eine große Rolle spielte und dessen Darstellung als Statue hier an der Kelter nach einem Fund aus Kindel/Kinheim angefertigt worden war.

 

In der nachfolgenden Recherche zu dieser Gottheit war ich nicht wenig überrascht über die gallo-römische Gleichsetzung des Sucellus mit… Silvanus! Jetzt hatte dieses Numen, das ich kannte, auf einmal ein Gesicht bekommen, zwar aus einer für mich unerwarteten Ecke, aber durch die zufällig erscheinende Begegnung im Sinne einer bewegenden Überraschung.

 

Leider kannte ich keine konkrete Darstellung des Sucellus, wie etwa die Statue an der römischen Kelter, die man erwerben konnte. Abseits der üblichen Götterdarstellungen, die in den diversen Museumshops erhältlich sind, oder direkt von Künstlern, die diese anbieten (und die oft eben jene sind, die diese Repliken auch für die Museen anfertigen) wird es generell schwierig für den normalen Gallo-Römer. Die Museen wachen mit Argusaugen darüber, daß Rechte nicht verletzt werden, daß von Statuen z.B. keine „illegalen“ Abgüsse kursieren und daß sie die Kontrolle darüber haben, was auf dem Markt für jedermann erhältlich ist.

 

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Die römische Kelteranlage bei Brauneberg an der Mosel

Als ich mich vor vielen Jahren im Rheinischen Landesmuseum in Bonn einmal nach der Möglichkeit erkundigte, ob es Möglichkeiten gäbe, daß ich als Privatperson mir einen Matronenstein anfertigen lassen könnte, wurde schnell abgewunken mit dem Hinweis „sowas sehen wir nicht gerne und erlauben es auch nicht, was Abgüsse angeht etc. – wir möchten wissen wer wo was stehen hat“ – eine seltsame und mich nicht wirklich überzeugende Aussage, aber so war es nun mal.

Insofern hatte ich nach der Begegnung an der Mosel mit dieser gallo-römischen Gottheit  natürlich spontan die Idee, eine Statue des Sucellus-Silvanus für meine sacra privata irgendwann einmal mein Eigen nennen zu können, wußte aber um die oben angesprochenen Probleme. So zeigte sich denn auch nach einer entsprechenden Recherche schnell, daß diese Gottheit nicht zu denjenigen gehört, die auf dem üblichen Weg erhältlich sind, was mir deutlich machte, daß aus diesem Wunsch nichts werden würde. Was sich noch einstellte, war die Verärgerung über diverse Richtlinien, die es Museen erlauben, hier eine solche restriktive Kontrolle auszuüben, gleich wie sie das begründen mögen. Es mag bestimmte Gründe geben, die man als mehr oder weniger überzeugend für diese Restriktion akzeptieren kann, aber für den heutigen Cultor ist das schon ein arger Einschnitt in die  Ausübung unserer Religion. Damit war das Thema erst einmal auch abgehakt für mich. Aber wohl nicht für Sucellus😉

 

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Sucellus, in der Kelter bei Brauneberg an der Mosel

Denn kurze Zeit später weilten wir auf einem kleinen aber feinen Event – die Historischen Zeit-Reise-Tage/Antiken Tage auf der Burg Olbrück – dessen Initiator wir kennen und wo wir kurz mal „Salve!“ sagen wollten, da die Olbrück nicht weit von uns entfernt liegt und sich das für einen sonnigen Sonntagausflug anbot.

 

Nachdem wir uns an wohlschmeckenden keltischen Gerichten gelabt hatten, erwähnte jener Bekannte, er habe eine Replik des Sucellus darstellenden Hochreliefs, das bei Ausgrabungen einer römischen Villenanlage aus dem 3. Jahrhundert in Kindel gefunden wurde, erwerben können… und habe noch eine zweite! Ein mehr als guter Preis wurde schnell auf unkomplizierte keltisch-römische Art vereinbart und ein paar Wochenenden später konnten wir den Sucellus bei ihm daheim abholen.

 

Heute – Dies Iovis Nonis Iuliis MMDCCLXIX ab urbe condita – habe ich die Invocatio durchgeführt und die Auspizien nach dem Ritus waren eindeutig, das Sucellus-Silvanus die Einladung angenommen hat.
Die Art und Weise, wie sich die Dinge in kürzester Zeit entgegen jeglicher Erwartung gefügt haben, ist für mich wieder ein deutliches Zeichen dafür, daß eine Gottheit Wege findet, um sich zu offenbaren und auch eigentlich Unmögliches doch irgendwie möglich zu machen🙂

Events und Veranstaltungen: „Schwerter, Brot und Spiele“ in Xanten,25.-26.6.2016

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So viele Mitwirkende sieht man selten auf einer Veranstaltung – ein Riesen-Event!

Alle zwei Jahre findet im Archäologischen Park Xanten (APX) eines der größten Römerfeste Europas statt – und dieses Jahr ist es wieder soweit!

Vor der sehenswerten Kulisse der teilweise rekonstruierten römischen Colonia Ulpia Traiana treffen sich anläßlich dieses Events Römergruppen und Einzeldarsteller aus ganz Europa – über 500 Mitwirkende, unter anderem Soldaten, Händler, Handwerker, Musiker und Gladiatoren.

Hierbei steht nicht die „Show“ im Vordergrund, sondern den Beteiligten geht es vor allem um die Vermittlung von Wissen über die römische Antike, auch in unserer Region.

Interessante Vorführungen, zum Beispiel zur römischen Musik, Alltagsleben,  Militärwesen, stehen neben Informationen zur Archäologie, sowohl den Stand der Ausgrabungen in Xanten als auch experimentelle Archäologie betreffend. Hersteller von Repliken, die ihre Waren anbieten sind ebenso vertreten wie Experten in römischem Weinbau, Brotbacken, Schmieden oder Weben. Römische Küche kann ebenfalls – und sollte! – probiert werden.

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Spezialthemen, wie römische Musik, werden hervorragend präsentiert

Einer der Höhepunkte ist die Pompa, der große Umzug über die Hauptstraße des Parks zum teilrekonstruierten Amphitheater. Hier finden die Gladiatorenkämpfe der Gladiatorenschule Amor Mortis statt, welche auch abseits der Arena fundiert und sachkundig gerne Fragen zur Gladiatur beantworten und die zu den besten Gladiatoren der Reenactment Szene zählen.

„Schwerter, Brot und Spiele“ ist ein wirklich großer Event mit einem vollgepackten Programm auf einem riesigen Gelände – hier kann man locker den ganzen Tag verbringen, ohne daß man auch nur eine Minute Zeit findet, das Museum des APX zu besichtigen.

Auf jeden Fall eine sehenswerte Veranstaltung – allein aufgrund der Dimensionen kaum mit den eher lokal orientierten anderen Römerfesten vergleichbar.

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Bei den Gladiatorenkämpfen in der großen Arena kommt Stimmung auf!

Auch wer sich mit römischen Devotionalien eindecken möchte (von der handgefertigten Sandale über Terra Sigillata bis zur Götterfigur ist alles zu haben, so daß man hier auch Dinge findet, um sein Lararium stilgerecht auszustatten), sollte sich diesen Termin vormerken – mehr Händler und Handwerker an einem Ort versammelt wird man in dieser Saison nicht finden.

Die Veranstaltung findet am 25. und 26. Juni von 10 – 18 Uhr statt.

Die Tageskarte für Erwachsene kostet 13 €, eine Zweitageskarte 19 €. Der Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist frei.

Weitere Informationen zur Veranstaltung gibt es hier auf der Offiziellen Seite des APX.

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Auch dieses Jahr mit vollem Körpereinsatz dabei: Die Gladiatorenschule Amor Mortis

 

 

 

Antike Stätten: Bertriacum – Römisches Quellheiligtum der Meduna und Vercana (Bad Bertrich)

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Die evangelische Kirche auf dem Felssporn steht an der Position eines ehemaligen römischen Tempels

Anschrift:

Trinkbrunnen: Kurgarten (Wandelhalle), 56864 Bad Bertrich

Anfahrt:

Bad Bertrich, das römische Bertriacum, liegt in der südlichen Vulkaneifel nahe der Mosel.

Der Kurort liegt in einem engen Tal, umgeben von mehreren erloschenen Vulkankegeln, und ist über eine gewundene Landstraße aus der Eifel und von der Mosel aus zu erreichen.

Parkmöglichkeiten bestehen am Ortseingang auf einem großen öffentlichen Parkplatz hinter dem „Apollo-Tunnel“. Von hier aus ist in dem kleinen Ort alles gut fußläufig zu erreichen.

Bad Bertrich hat keinen Bahnhof. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen möchte, nimmt den Zug zum Bahnhof Bullay, von dort aus besteht eine regelmäßige Busverbindung mit der Linie 727.

Ansonsten liegt Bad Bertrich in einer touristisch sehr attraktiven Landschaft mit vulkanischen Maaren und dem Moseltal. Es ist gut mit zum Teil spektakulären Wanderwegen durch das felsige Umland erschlossen.

Hintergrundinformationen:

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Rohre der römischen Quellfassung

In Bad Bertrich befindet sich die einzige Glaubersalz-Heilquelle Deutschlands. Sie wurde von der Römerzeit über das Mittelalter, durch Kurfürsten, als Preußisches Staatsbad, im Nationalsozialismus bis zum heutigen Kurbetrieb kontinuierlich genutzt. All diese Epochen haben ihre Spuren in dem kleinen Kurort hinterlassen.

Zu römischer Zeit wurde diese Thermalquelle bereits so geschätzt, daß an dieser Stelle im 4. Jahrhundert n. Chr. das große römische Heilbad Bertriacum entstand. Unter den Kaisern Valentinian II. und Gratian wurden prächtige Badeanlagen mit Säulentempeln errichtet.

Die Heilquelle wurde zu einer überregional bedeutsamen Pilger- und Kurstätte, die den anderen Quellheiligtümern in der Region im sprichwörtlichen Sinne des Wortes das Wasser – sprich, die Pilger – abgrub und damit zu ihrem langsamen Versinken in der Bedeutungslosigkeit betrug, wie es wahrscheinlich beim Quellheiligtum von Heckenmünster der Fall war. Der Weg dorthin war um ein Vielfaches beschwerlicher, während das imposante Heilbad in Moselnähe deutlich verkehrsgünstiger lag.

Das Thermalwasser, das in Bertriacum zu Tage tritt, hat eine Temperatur von 32 Grad und gilt als wirksam bei Magen- und Darmerkrankungen. Bereits die Römer fassten die Quelle, die aus einer 2,3 km tiefen Bruchzone durch Felsgestein an die Oberfläche steigt, in einer 25 Meter langen Quellfassung. Durch bleiernde Steigrohre wurden pro Minute 123 Liter direkt in die Bäderanlagen geführt. Das Fördersystem, das aufgrund des natürlichen Steigdrucks ohne Pumpen auskam, war ausgeklügelt. Die Quellfassung war mit Estrich versiegelt, damit das Wasser gegen Schmutzeintrag von außen geschützt war, insbesondere bei Hochwasser. Außerdem schützte es die Quellleitung vor Wasserverlust in das von Klüften durchzogene umliegende Gestein.

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Geschmacksabhängig: 32 Grad warmes Glaubersalz-Quellwasser… aber wenn es hilft😉

Neben Architekturresten der Bäder fand man in Bad Bertrich auch Überreste mehrerer Tempelanlagen, die auf die Bedeutung des Ortes als Heil- und Quellheiligtum hinweisen. So wurden sowohl am Standort der heutigen evangelischen und der katholischen Kirchen römisches Säulen- und Mauerwerk gefunden, die jeweils auf einen Tempel hinweisen. Die exponierte Lage beider Kirchen auf Felserhebungen oberhalb des Orts wäre nach römischem Brauch ebenfalls typisch für weithin sichtbare Tempelanlagen.

Westlich des Ortes auf einer Anhöhe wurde ein weiterer Weihealtar entdeckt. Auch in der Gemarkung „Kuheck“ wird eine Kultstätte vermutet. Um die Tempel- und Bäderkomplexe herum wurden Überreste einer zivilen Ansiedlung gefunden, die auf einen vicus und speziell für den Kurbetrieb errichtete Gebäude eines typischen Kurorts hindeuten. Damit steht die römische Bäderstadt Bertricaum in gleicher Tradition wie die anderen Quellheiligtümer der Region, die ebenfalls einen Bäderbetrieb im großen Stil, unterstützt durch Kultanlagen und Nebengebäude wie Herbergen, Geschäfte und Handwerksbetriebe vermuten lassen.

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Relief der Diana aus Bad Bertrich

Inschriften und Reliefs, die heute im Kurhaus ausgestellt sind, belegen, welche Gottheiten an dieser Quelle verehrt wurden. 1858 wurde ein 50cm großes Relief der Diana gefunden, die in der Literatur teilweise mit der keltischen Quell- und Heilgöttin Sirona in Verbindung gebracht wird, vor allem aufgrund ihrer Assoziation mit dem Heilgott Apollo-Grannus.

Sirona- und Apollo-Grannus-Heiligtümer sind aus der Region ebenfalls bekannt, ein Zusammenhang kann nicht ausgeschlossen, aber auch nicht belegt werden.

Besonders interessant ist der Fund eines 30cm hohen Weihealtars aus Sandstein (CIL XIII 7667), der den Göttinnen Meduna und Vercana geweiht ist. Die keltische Meduna, die bei den hier ansässigen Treverern verehrt wurde, gilt bis heute als die Schutzpatronin des Ortes Bad Bertrich (wie z.B. der Name der Meduna-Klinik zeigt). Da die Inschrift in der Nähe der warmen Quellen gefunden wurde, liegt die Vermutung nahe, daß es sich bei diesen Göttinnen um Quell- oder Heilgöttinnen handelt. Allerdings sind keine bildlichen Darstellungen dieser Göttinnen bekannt und ihre genaue Funktion bleibt unbekannt.

Die Inschrift auf dem Altar lautet:

De(a)e Vercan(a)e / et Medun(a)e / L(ucius) T() Acc(e)ptus / v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito)

Gegenüber den Göttinnen Vercana und Meduna hat Lucius T. Acceptus sein Gebübde gerne und nach Gebühr eingelöst.

Dieser Altar ist ebenfalls in der Wandelhalle des Kurhauses ausgestellt.

 Beschreibung:

Leider sind heutzutage keine Bauten aus römischer Zeit mehr an der Oberfläche zu sehen. Die große Bedeutung des römischen Heilbades Bertriacum läßt sich deshalb nur indirekt erfahren.

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Der Sandsteinalter für Meduna und Vercana

Überreste der römischen Quellfassung (Steigrohre aus Blei), eine Replik des Diana-Reliefs und der Sandsteinaltar für Meduna und Vercana sind (etwas stiefmütterlich versteckt) neben dem öffentlichen Trinkbrunnen in der Wandelhalle des Kurhauses in Vitrinen ausgestellt.

Zu den Ausstellungsstücken gibt es Beschriftungen mit Kurzinformationen. Im weiteren Verlauf der Wandelhalle befinden sich einige weitere Infotafeln, in erster Linie über Glaubersalz. Hier gibt es aber auch eine Tafel, die den Querschnitt durch die römische Brunnenfassung zeigt und erklärt.

Aus dem Trinkbrunnen kann man zu den Öffnungszeiten des Kurhauses direkt aus der warmen Glaubersalzquelle trinken. In der nahegelegenen Vulkan-Therme kann man auch im Quellwasser baden und schwimmen.

Für den römischen Touristen empfiehlt sich also in erster Linie ein Besuch des Kurhauses und eine Kostprobe des salzigen Wassers, das schon von den Römern geschätzt wurde. Auch ein Besuch der katholischen Kirche und der evangelischen Kirche auf dem Friedhofshügel kann vor dem Hintergrund erfolgen, daß an beiden Stellen ursprünglich  römische Tempel standen. Die exponierte Lage beider Kirchen vermittelt einen guten Eindruck, wie imposant die Tempel gewirkt haben müssen, und erlaubt auch einen Überblick über das schmale Tal, in dem Bad Bertrich liegt.

Öffnungszeiten, Eintritt

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Infotafel in der Wandelhalle: Schnitt durch die römische Quellfassung

Der Trinkbrunnen in der Wandelhalle im Kurgarten, an dem die römischen Funde ausgestellt sind, ist offiziell nur 8 – 9 Uhr, 11 – 12 Uhr und 16.30 – 17.30 Uhr geöffnet (er wird vor allem zur Durchführung von Trinkkuren vor dem Essen eingesetzt). Als wir dort waren, konnten wir jedoch auch außerhalb der Öffnungszeiten am frühen Nachmittag die Wandelhalle betreten und vom Brunnen trinken.

Eintritt wird nicht erhoben.

Sonstiges

Fotografieren ist überall möglich.

Wir empfehlen auch einen Besuch der katholischen Kirche auf dem Felsvorsprung oberhalb des Orts.

Eine weitere interessante, aber gänzlich unrömische Besonderheit von Bad Bertrich ist der sogenannte „Römerkessel„, Europas einziger landschaftstherapeutischer Park, mit seinen 7 Themengärten. Auf einem Felsen inmitten des Parks liegt die evangelische Kirche, die ebenfalls an der Position eines ehemaligen römischen Tempels steht.

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Ganz in der Nähe gibt es auch spannende nicht-römische Ausflugsziele, wie die berühmte Lava-Bombe von Strohn

Wer ein Freund von Thermen ist, kann den Besuch gut mit einem Besuch der Vulkaneifel-Therme verbinden.

Sowohl die Mosel und die Vulkaneifel sind nur wenige Fahrminuten von Bad Bertrich entfernt; in beiden Richtungen finden sich zahlreiche weitere interessante römische Ausflugsziele.

 

 

 

Kaiser Nero – 2000 Jahre Rufmord!?

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Der junge Kaiser Nero, Foto von Wolfgang Sauber (lizensiert unter CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons)

In diesem Frühjahr werdet Ihr in unserem Blog einiges zu Kaiser Nero finden – eine der schillerndsten, berühmt-berüchtigsten Figuren der römischen Geschichte. Und möglicherweise auch eine der mißverstandensten Personen, denn durch neue quellenkritische Ansätze mehrt sich die Ansicht, daß das heutige Bild, das wir von Kaiser Nero haben, vor allem auf Verleumdung und Propaganda basiert.

Vorbereitung auf die Sonderausstellung in Trier

Neben der Tatsache, daß es einfach spannend ist, sich mit einer so kontroversen Figur der Geschichte zu befassen, über die so abenteuerliche Geschichten im Umlauf sind (unvergessen Peter Ustinov als Nero in „Quo Vadis“, wie er sang und Lyra spielte, während Rom brannte), werfen auch große Ereignisse ihre Schatten voraus: Am 14. Mai eröffnet in Trier die Sonderausstellung: „NERO – Kaiser, Künstler und Tyrann„. Ihr Anspruch ist es, den vermeintlichen Tyrannen und verschwendungssüchtigen Wahnsinnigen aufgrund aktueller Forschungserbnisse in ganz neuem Licht zu zeigen – die erste große Schau zu diesem Thema in Europa mit hochkarätigen Leihgaben.

NERO_PlakatMit Spannung sehen wir dieser Sonderausstellung entgegen, die sich (ähnlich wie 2014 die Ausstellung „Credo“ in Paderborn) über drei verschiedene Museen der Stadt und insgesamt 2000 Quadratmeter erstrecken wird:

Das Rheinische Landesmuseum Trier legt den Schwerpunkt auf Neros Leben, seinen Aufstieg, die Blütezeit seiner Herrschaft, aber auch auf seinen Abstieg und zeigt dies anhand von über 400 Exponaten aus aller Welt.

Das Museum am Dom beleuchtet den Kontext „Nero und die Christen“, wobei auch das generelle Verhältnis der Christen zum römischen Staat und zur römischen Religion untersucht wird.

Im Stadtmuseum Simeonsstift wird dem Thema „Lust und Verbrechen. Der Mythos Nero in der Kunst“ nachgegangen, der bis in die heutige Zeit ja exzessiv in den Medien zelebriert wird. Hier werden deshalb zahlreiche Kunstwerke, Gemälde, Grafiken, sowie Informationen zu  Filmen und Opern ausgestellt, die sich mit der Bildtradition und Rezeption von Nero als Inkarnation des grausamen, irren, dekadenten, prunksüchtigen und größenwahnsinnigen Tyrannen befassen.

Die Sonderausstellung geht bis zum 16. Oktober 2016 und wir freuen uns bereits darauf, sie zu besuchen, denn nie zuvor (und wahrscheinlich auch danach nie wieder) wurden so viele hochrangige Exponate rund um Kaiser Nero an einem Ort zusammengetragen und in einer differenzierten Zusammenschau präsentiert. Die Leihgaben stammen unter anderem aus den Vatikanischen Museen in Rom, dem Louvre in Paris und dem Britischen Museum in London. Kunstwerke werden unter anderem zur Verfügung gestellt von der Eremitage in St. Petersburg, der Mailänder Scala und aus Florenz.

Alles Verleumdung?

War Kaiser Nero (eigentlich: Nero Claudius Caesar Augustus Germanicus) also in Wirklichkeit ein freundlicher, zurückhaltender, beliebter, erfolgreicher und gerechter Kaiser des Römischen Reichs? Die ehrlichste Antwort muß lauten: wir wissen es nicht, denn niemand von uns war während seiner 14-jährigen Regierungszeit (54 bis 68 n. Chr.) dabei und alle schriftlichen Quellen, die wir besitzen, sind mit höchster Vorsicht zu genießen, da sie ausschließlich aus ganz bestimmten, persönlichen Motiven heraus geschrieben – oder zu späterer Zeit im Mittelalter verfasst wurden, in der Nero von christlichen Autoren, vor allem aus Propagandagründen, zum personifizierten Antichristen hochstilisiert wurde, von dem in der Offenbarung des Johannes berichtet wird (inklusive mathematischer Beweise, warum die Zahl Neros die Zahl 666 des Großen Tieres ist).

So ist das heute gefestigte Nero-Bild tatsächlich vor allem ein durch das Mittelalter geprägtes Bild. Doch diese mittelalterliche Darstellung hält sich bis heute hartnäckig und wird gerne und lustvoll in den Medien und der Pop-Kultur kolportiert – denn natürlich ist sie faszinierend, verbreitet wohligen Schauer und Abscheu und ist gleichzeitig interessant und spannend. Spannender jedenfalls als „langweilige“ Kaiser, deren Namen heute nur noch Geschichtsinteressierte kennen.

Unser heutiges Nero-Bild ist vor allem durch Peter Ustinovs unvergessene Darstellung in „Quo Vadis“ geprägt:

Tatsächlich ist Nero einer der Römischen Kaiser, über den am meisten Schlechtes geschrieben wurde (neben Kaiser Caligula, dessen attestierter „Wahnsinn“ heute ebenfalls umstritten ist und dessen Leben ebenfalls differenzierter betrachtet werden muß als es gemeinhin geschieht) und man findet ihn auf jeder „Bösewicht-Skala“ in den Top Ten Listen der verderbtesten Persönlichkeiten der Weltgeschichte, zusammen mit Hitler, Heinrich VIII., Stalin, Mengele, Charles Manson, Iwan dem Schrecklichen, Pol Pot und wer in den diversen Internet-Hitlisten noch aufgeführt wird.

Doch was sind die wichtigsten historischen Quellen, die wir heute über Kaiser Nero haben? Bereits die mittelalterlichen Quellen greifen zurück auf die drei Hauptquellen der Antike: Sueton, Tacitus und Cassius Dio.

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