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Götterlexikon: Epona

Herkunft, Bezeichnungen

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Epona aus Belginum / Hunsrück

Epona ist eine gallo-römische Göttin, die – als einzige Göttin keltischer Herkunft – weite Verbreitung im römischen Reich erfuhr und sich auch über die Grenzen des keltischen Raumes hinaus bis nach Rom großer Beliebtheit erfreute, wo sie sogar Teil des Staatskultes wurde.

Epona ist in zahlreichen Bild- und Textquellen belegt, unter anderem aus 60 Weiheinschriften sowie Reliefs, Weihealtären und figürlichen Darstellungen, die aus ganz Westeuropa stammen, vor allem aus Frankreich, entlang der Mosel, West- und Süddeutschland, Spanien, Großbritannien, dem Donaubecken, Norditalien, Rom und dem Alpenraum. Auffällig hierbei ist eine besonders hohe Dichte an Funden entlang der befestigten Grenzen des Reichs, wie dem Limes, entlang des Rheins, der Donau und in Nord-Britannien.

Lediglich in zwei Regionen des Römischen Reiches scheint sie nicht verbreitet gewesen zu sein: In Nordafrika, wo man bislang nur eine Darstellung von ihr gefunden hat, sowie dem Nahen Osten, wo sie gar nicht auftaucht.

Ihre Verehrung scheint sich zudem auf das Gebiet des Römischen Reichs zu beschränken; jenseits des Limes im freien Germanien, aus dem Raum zwischen Rhein und Elbe, sind keine Darstellungen oder Inschriften von Epona bekannt.

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Figürliche Darstellung der Epona, zu bewundern im Rheinischen Landesmuseum Bonn

Ihr Name ist gallischer Herkunft und kann etymologisch aus dem gallischen Wort „epos“ für Pferd hergeleitet werden, das wiederum auf die proto-Indo-Europäische Wurzel *ék̂u̯os zurückgeführt wird. Aus dieser Wurzel stammen auch andere Worte für Pferd, wie das lateinische Equus, das altirische Ech oder das litauische Esva. Durch die weibliche Endung -a und den Namensbestandteil -on wird ihr Name verschiedentlich als „große Stute„, „göttliche Stute“ oder „die, die wie eine Stute ist“ oder „große Reiterin“ gedeutet.

Trotz dieser Herleitung und ihrer überwiegenden Verbreitung im gallischen Raum gibt es keine Erwähnungen ihres Namens aus vor-römischer Zeit. Es gibt auch keine Inschriften auf Gallisch, sämtliche Inschriften sind auf Latein oder (seltener) Griechisch. Sie stammen zudem nicht nur von Personen keltischer Herkunft, sondern von Stiftern aus verschiedensten Teilen des Reiches, wie Germanen, Römern und sogar – wie bei einem Fund aus Mainz – einem Syrer.

Zwar ist die Möglichkeit gegeben, dass diese Göttin bereits vor der römischen Eroberung Galliens (im Jahre 52 v. Chr. durch Julius Caesar) von einheimischen keltischen Völkern verehrt wurde, es gibt jedoch bislang keine Quellen oder Belege dafür.

Tatsächlich stammen die frühesten Funde aus dem ersten Jahrhundert n. Chr., eine auffällige, fast explosionsartige Häufung beginnt aber erst mit dem zweiten Jahrhundert n. Chr., so dass man davon ausgehen muß, dass sich der spezifisch gallo-römische Kult um Epona erst um diese Zeit zu entwickeln und im Reich zu verbreiten begann. Mitte des zweiten Jahrhunderts, etwa ab dem Jahr 130 n. Chr. häufen sich auch die Inschriften aus Rom.

Der früheste absolut sicher datierbare Bildbeleg ist ein Wandgemälde in Pompeji, da wir von dort wissen, dass er nicht älter sein kann als 79 n. Chr.

Die erste zweifelsfreie namentliche Inschrift, in der Eponas Name genannt wird, stammt aus einem Tempel in Entrains-sur-Nohain, Frankreich aus dem frühen zweiten Jahrhundert. Sie lautet:

Augusto sacrum deae / Eponae / Connonius Icotasgi fil(ius) / templum cum suis orna/mentis omnibus de suo donavit l(ibens) m(erito) (CIL 13, 02902)

Der erhabenen Göttin Epona gibt Connonius, Sohn von Icotasgus, diesen Tempel mit all seinen Verzierungen und auf eigene Kosten.

Am gleichen Ort findet sich auch eine zweite Widmung an Epona (CIL 13, 2903), was ihre zentrale Bedeutung für diesen Tempel hervorhebt.

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Epona im Landesmuseum Trier

Literarische Belege tauchen ab der hadrianischen Zeit auf (die Regierungszeit von Kaiser Hadrian war 117-138 n. Chr.).

Interessanterweise geht die Verbreitung Eponas nicht von Gallien aus, sondern die Funde sind in den frühen Jahren weit verbreitet überall im Reich zu finden, von Italien bis Britannien, von Rumänien bis Frankreich, während sie sich erst später auf den Raum Gallien und Germanien konzentrieren und dort gehäuft auftreten.

Wieso es bislang keine gesicherten Belege zwischen der Eroberung Galliens im Jahr 52 v. Chr. und der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. gibt, ist nicht eindeutig erklärt und schwierig mit der Hypothese zu vereinbaren, dass Epona eine Göttin ist, die aus vor-römischer Zeit stammt, denn dann dürfte es diese auffällige 100-jährige Überlieferungslücke eigentlich nicht geben.

Ihr relativ spätes Auftauchen ab der Mitte des ersten Jahrhunderts stützt jedoch die gegenläufige These, dass Epona und ihr Kult erst später durch Verschmelzung lokaler keltischer und römischer Götter entstand und sie keine keltische Vorläuferin hat, die 1:1 von den Römern übernommen wurde (vgl. Zeittafel aller bekannten Inschriften und Darstellungen von Epona, oder Auflistung von M. Euskirchen in ihrer Dissertation “Epona”. Bericht der Römisch-Germanischen Kommission Deutsches Archäologisches Institut., 74: 607-838., 1993).

Wir erlauben uns an dieser Stelle kein Urteil und lassen deshalb die Herkunft der Göttin Epona offen – ob sie nun bereits zu vorrömischer Zeit von den einheimischen Galliern in unserer Region verehrt wurde oder ob sich ihre Vorstellung erst in gallo-römischer Zeit entwickelt hat, ist für den Praktizierenden des Gallo-Römischen Kultes unerheblich.

Wie bei den anderen keltischen Göttinnen, die von den Römern übernommen wurden, wurde ihr Name auch nicht um ein Epitheton erweitert, sondern sie wurde – wie z.B. Rosmerta oder Sirona – unter ihrem gallischen Namen verehrt. Dies ist anders bei männlichen Göttern keltischer Herkunft, die im Rahmen der Interpretatio Romana fast immer einen römischen Namenszusatz erhielten, wie Apollo-Grannus, Mars-Intarabus oder Lenus-Mars (der wiederum die Besonderheit aufweist, daß der keltische Name vor dem römischen genannt wird).

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Epona aus dem Tempel in Tawern, wo sie in einem 9 Meter tiefen Brunnenschacht gefunden wurde

Im Gegensatz zu vielen anderen keltischen Göttinnen wurde Epona auch nicht mit einem männlichen Gott verpartnert, sondern blieb alleine. Gelegentlich wurde sie zusammen mit Herkules angerufen, der ebenfalls unter anderem für Schutz auf Reisen zuständig war.

Dafür wird sie oft mit Beinamen gekennzeichnet, aus der ihre große Bedeutung und Wertschätzung hervorgeht, wie Epona Regina (Königin Epona) oder – bei Anrufungen im Rahmen des Staatskultes – als Epona Augusta. Andere Beinamen waren Epona Dea (die Göttliche) und Epona Sancta (die Heilige).

In den meisten Inschriften wird sie „Epona“ genannt, daneben gibt es auch einige abweichende Inschriften, in denen sie „Epana“ oder „Epane“ geschrieben wird, zum Beispiel bei Funden im Norden Spaniens. Inwieweit es sich dabei um eine lokale Variante, künstlerische Freiheit oder Unwissenheit des Steinmetzes handelt, ist unklar.

Ikonographie

Das Aussehen der Göttin Epona ist durch zahlreiche archäologische Funde sehr gut belegt.

Neben Votivreliefs und Reliefs auf Altären taucht Epona auch in figürlicher Darstellung in Form von Statuetten und in Wandmalereien auf.

Es existierten mehrere typische Darstellungsformen (klassifiziert nach W. Schleiermacher):

  • Epona, seitlich auf einem Pferd sitzend („gallischer Typus“)
  • Epona, mittig auf einem Stuhl oder Thron sitzend und auf beiden Seiten flankiert von einem oder mehreren Pferden (der „Imperiale Typus“ genannt)
  • Epona in einer Kutsche, die von mehreren Pferden gezogen wird

Seitlicher Sitz auf dem Pferd („Gallischer Typus“)

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Epona im „gallischen Typus“ (Archäologisches Museum Arlon)

Diese Darstellungsform ist die häufigste Form in Gallien. Epona sitzt (anders als beim modernen Damensattel) seitlich mit herabhängenden Beinen auf einem (in der Regel nach rechts schauenden) stehenden oder laufenden Pferd.

Die Göttin ist in dieser Darstellung oft mit einem langen Gewand bekleidet, gelegentlich auch mit einer Kopfbedeckung in Form einer Haube oder eines Umhangs.

In vielen dieser Darstellungen berührt die Göttin mit einer Hand das Pferd oder hält Zügel (diese gibt es jedoch nicht immer), während sie in der anderen Hand ein Füllhorn (Cornucopia) oder eine Opferschale (Patera) hält. Manchmal hält sie auch Früchte, Getreideähren oder eine Schale oder Korb mit Früchten auf dem Schoß.

Diese Symbole deuten auf Fruchtbarkeit, Wohlstand und Üppigkeit hin.

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Das wissenschaftliche Rätsel zur Datierung der Porta Nigra in Trier ist gelöst!

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UNESCO Welterbe Porta Nigra, das römische Stadttor von Trier

Bislang konnte das Alter der Porta Nigra, dem römischen Stadttor von Trier und UNESCO Welterbe, nur anhand von bauhistorischen und archäologischen Forschungen geschätzt werden.

Im August 2017 wurde vom Rheinischen Landesmuseum Trier und der Ludwig-Maximilians-Universität München eine Grabung an der römischen Stadtmauer durchgeführt, bei der unter anderem Holzreste geborgen wurden.

Diese Hölzer unterzog man einer dendrochronologischen Untersuchung. Die Grabungen waren auch darüber hinaus ein voller Erfolg, denn man fand nicht nur das römische Stadtmauerfundament, sondern auch Reste eines römischen Turms.  „Die Bauten wurden den Funden zufolge zeitgleich auf einem sumpfigen Altarm der Mosel errichtet. Die römischen Bautrupps hatten große Schwierigkeiten beim Errichten dieser Anlage und mussten die Baugrube mithilfe von Hölzern trocken legen“, berichtet Christoph Lindner von der LMU.

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Kulturminister Konrad Wolf präsentiert die gefundenen Hölzer © GDKE – Rheinisches Landesmuseum Trier, Th. Zühmer

Im heutigen Pressegespräch im Rheinischen Landesmuseum Trier wurden die Ergebnisse dieser Grabung präsentiert – und stellen eine kleine archäologische Sensation dar.

Kulturminister Konrad Wolf gab bekannt: „Ein wissenschaftliches Rätsel kann heute gelöst werden. Die Porta Nigra und die römische Stadtmauer Triers wurden um 170 nach Christus erbaut. Darauf deuten die Grabungen und die dendrochronologischen Untersuchungen gefundener Hölzer hin. Damit konnte die Theorie von Dr. Heinz Cüppers, dem ehemaligen Leiter des Rheinischen Landesmuseums in Trier, bestätigt werden. Diese frühe Datierung ist eine wissenschaftlich höchst bedeutende Erkenntnis und freut uns sehr.“

Die Untersuchungen ergaben, dass die Baumstämme im Winter 169/170 n. Chr. gefällt wurden. Daraus leiten die Forscher ab, dass die Stadtmauer ebenfalls zu dieser Zeit oder kurz danach stattfand.

„Mit dem Datum kann nun auch die Entstehungszeit des nahe gelegenen nördlichen Stadttors des antiken Triers, der Porta Nigra, eingegrenzt werden. Neuere Forschungsmeinungen von Experten, die das Bauwerk in das späte 3. oder frühe 4. Jahrhundert n. Chr. datierten, können mit diesem Fund widerlegt werden. Die konkreten naturwissenschaftlichen Untersuchungen haben vielmehr die Einschätzung des ehemaligen Direktors des Landesmuseums, Dr. Heinz Cüppers, bestätigt, der den Bau der Stadtmauer und der Porta Nigra zwischen 160 und 180 n. Chr. vermutete, “ analysiert Dr. Marcus Reuter, Direktor des Rheinischen Landesmuseums Trier.

Forschungsprojekt Datierung Stadtmauer, LMU, Lindner

Die Grabung an der römischen Stadtmauer im August 2017 © Ch. Lindner, Ludwig-Maximilians-Universität München

Die Vorstellung der Grabungsergebnisse wurde von Kulturminister Wolf dazu genutzt, das Engagement der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, sowie die gute Vernetzung im Bereich der Wissenschaft und Kultur hervorzuheben, um das geschichtliche Erbe des Landes Rheinland-Pfalz zu erforschen und zu bewahren. Wichtig ist auch der Anspruch, diese Forschungsergebnisse einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen und dem Publikum verständlich und nachvollziehbar zu vermitteln.

Wer sich für die Details der Forschungsergebnisse interessiert, dem legen wir an dieser Stelle einen Vortrag ans Herz, der am  Donnerstag, dem 5. April 2018 um 19 Uhr im  Veranstaltungssaal des Landesmuseums Trier stattfindet: „170 n. Chr. – neue Erkenntnisse zur Gründung von Stadtmauer und Porta Nigra“.

Die Forschungsergebnisse werden präsentiert von Christoph Lindner von der Ludwigs-Maximilian-Universität München  und Andreas Rzepecki vom Dendrochronologischen Forschungslabor am Rheinischen Landesmuseum Trier.

Der Vortrag ist öffentlich und der Eintritt ist frei.

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Ein empfehlenswertes Ausflugsziel: Die Porta Nigra läßt sich auch von innen besichtigen und zeigt viele Jahrhunderte Geschichte und wechselvolle Nutzung

Wieder ein Beweis dafür, dass wir jedem römisch Interessierten nicht ohne Grund einen Besuch in Trier empfehlen – einst zweitgrößte Stadt des Römischen Reichs, Kaisersitz und nicht umsonst bekannt als „Roma Secunda„, das „Zweite Rom“.

 

 

 

Antike Stätten: Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim

 

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Lageplan

 

Anschrift: 

Deutsche Seite: Robert-Schumann-Str. 2, 66453 Reinheim (Saarland)

Französische Seite: 1 Rue Robert Schumann, 57200 Bliesbruck.

GPS: 49°08’07″N, 7°10’59″E

Anfahrt:

Das Gelände des „Europäischen Kulturparks Bliesbruck-Reinheim“ (französisch: Parc Archéologique Européen de Bliesbruck-Reinheim) liegt zum Teil in Frankreich, zum Teil in Deutschland.

Das Gelände des Archäologieparks ist weitläufig und zu großen Teilen frei begehbar, lediglich die überdachten Attraktionen kosten Eintritt. Deswegen kann man den Park auch von unterschiedlichen Seiten aus betreten; kostenlose Parkplätze befinden sich sowohl auf der französischen als auch auf der deutschen Seite. Ein großer Parkplatz (P2) liegt unter der Bliesbrücke in Reinheim.

Mit dem Auto ist der Park gut zu erreichen, das Navi kennt beide Adressen.

Er ist auch gut an die Öffentlichen Verkehrsmittel angeschlossen: ab Kleinblittersdorf, Homburg und Blieskastel-Lautzkirchen fährt stündlich der Biosphärenbus 501 bis zur Haltestelle Reinheim-Kulturpark. Homburg und Lautzkirchen sind mit der Deutschen Bahn erreichbar, Kleinblittersdorf mit einer Stadtbahn, die auch im französischen Sarreguemines hält.

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Es gibt viel zu sehen im Park

Für wen die Anreise für einen Tagestrip zu weit ist oder wer den Besuch mit weiteren Attraktionen in der Region, wie dem Archäologiepark Schwarzenacker verbinden möchte (wie wir es getan haben), der hat in der Umgebung verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten. Die nächsten größeren Städte sind Sarreguemines auf französischer Seite (hier haben wir übernachtet), sowie Zweibrücken, Blieskastel und Saarbrücken auf deutscher Seite.

 

Hintergrund:

Der Archäologiepark umfasst ein Gelände von 700.000 Quadratmetern und erstreckt sich über 1,2 km Länge inmitten des UNESCO Biosphärenreservats Bliesgau im Tal des Flusses Blies.

Das Motto des Parks lautet: „Geschichte grenzenlos erleben“, denn die Staatsgrenze zwischen Frankreich und Deutschland führt mitten durch das Parkgelände.

Im Mittelpunkt des Parks steht die gallo-römische Geschichte der Region. Mehrere archäologische Sehenswürdigkeiten aus der keltischen und römischen Geschichte sind hier freigelegt und werden anschaulich präsentiert.

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Die römische Palastvilla mit rekonstruiertem Nebengebäude

Der erste archäologische Fund, den man auf dem Gelände machte, war der einer römischen Palastvilla, die sich heute auf der deutschen Seite befindet. Das Villengelände hat eine Grundfläche von 7 ha (70.000 Quadratmeter) und gehört damit zu den größten gallo-römischen Villenanlagen im Raum Saar-Mosel. Von der Größe her vergleichbare „Palastvillen“ sind z.B. aus dem luxemburgischen Helmsange oder aus Echternach bekannt.

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Eingang zum Gelände der Palastvilla

Nach ersten Grabungen im 19. Jahrhundert ab 1806 wurde die römische Palastvilla systematisch ab dem Jahr 1987 freigelegt. Heute ist sie nahezu vollständig ausgegraben und gilt als ein Musterbeispiel für gallo-römische Wohnkultur der einheimischen Oberschicht im 1. bis 4. Jahrhundert. Über diesen Zeitraum war die Villa in verschiedenen Nutzungsphasen bewohnt.

 

Zum Zweck der Veranschaulichung wurden einige Teile der Villa, wie Gebäude und Umfassungsmauern, rekonstruiert oder teilrekonstruiert. Funde aus der Villa sind im Obergeschoß des (modernen) Restaurants zu finden, das sich in einem der rekonstruierten Nebengebäude befindet.

Im französischen Teil befindet sich ein römischer vicus, eine Kleinstadt. Hierbei handelt es sich um die Nachbarstadt der im ca. 30 km entfernten Archäologiepark Schwarzenacker zu besichtigenden Kleinstadt.

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Hauptstraße des Handwerkerviertels im römischen vicus

Der römische Name des Ortes ist bislang unbekannt.

Die Straßensiedlung, in der zur Blütezeit um die 2000 Menschen lebten, war vom 1. bis zum 5. Jahrhundert n. Chr. bewohnt. Es sind mehrere Stadtviertel bekannt, etwa ein Handwerkerviertel mit unterschiedlichen Werkstätten (Schmiede, Bäckerei), das sich an der Hauptstraße befand. Daneben gab es eine große, eindrucksvolle Thermenanlage, die sich heute unter einem Schutzbau befindet, eine Brunnenanlage zur Wasserversorgung, sowie eine Basilika, die für Versammlungen genutzt wurde.

Viele der Gebäude im Handwerkerviertel sind, was ebenfalls bemerkswert ist, unterkellert.

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Rekonstruktionszeichnung der Thermenanlage (auf einer Infotafel im Park)

Der römische vicus wurde im Jahr 1971 beim Kies- und Sandabbau für Straßenbauarbeiten entdeckt. Erste Freilegungen erfolgten unsystematisch durch Notgrabungen, bevor man Ende der 70er Jahre mit systematischen Grabungen und Forschungen begann.

In den Jahren 1952-1955 entdeckte man in der Region zudem fünf römische Kalköfen.

Im Jahr 1954 gelang – wiederum beim Sand- und Kiesabbau – einer der spektakulärsten Funde, welche die Region archäologisch überregional bekannt machte: drei keltische Grabhügel aus der Frühlatène-Zeit, von denen einer ein komplett erhaltenes keltisches Fürstinnengrab samt Grabbeigaben beinhaltete (370 v. Chr.). Neben den Überresten der Bestatteten beinhaltete die Grabkammer reichhaltigen Goldschmuck, sowie diverse andere Wertgegenstände, zum Beispiel Gefäße, die Zeugnis für den Handel der Einheimischen mit fernen Regionen ablegten.

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Die Grabhügel mit dem Fürstinnengrab

Im Jahr 1999 wurden diese Grabhügel in ihrer ursprünglichen Form rekonstruiert.

Das Fürstinnengrab wurde in einer unterirdischen Kammer in musealer Form inszeniert, um Besuchern den Aufbau und die Bedeutung der Fundstücke nahezubringen.

Aufgrund der vielfältigen archäologischen Funde wurde im Jahr 1989 der Europäische Kulturpark Bliesbruck-Reinheim unter Federführung der Stiftung Europäischer Kulturparks gegründet, um die überregional bedeutsamen Funde zu bewahren und der Öffentlichkeit zu präsentieren, sowie um weitere Forschungen und Grabungen zu ermöglichen.

Weitere Träger sind zudem das französische Ministerium für Kunst und Kultur, das Saarland, sowie die Gemeinde Gersheim. Initiator der Parkgründung war Jean Schaub, der den römischen vicus entdeckte und nach dem heute das Informationszentrum benannt ist.

Der Park wurde vom französischen Kultusministerium in die Liste der bedeutsamsten archäologischen Stätten Frankreichs aufgenommen.

Das Außengelände des Parks wurde seit der Gründung immer weiter ausgestaltet und didaktisch erweitert, um den Informationsgehalt für die Öffentlichkeit zu verbessern. So wurden Schutzbauten um die Thermen und einige Teile des vicus errichtet, Teile der Villa rekonstruiert, das Fürstinnengrab ausgebaut, alles grenzüberschreitend mit mehrsprachigen Informationstafeln versehen und ein Ausstellungszentrum eröffnet. Hier finden auch regelmäßig Sonderausstellungen statt.

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So könnte der Ort zu römischer Zeit ausgesehen haben

Daneben wird der Park in der Region regelmäßig für öffentliche Führungen, aber auch für diverse Veranstaltungen genutzt, die nicht nur Archäologie zum Thema haben, sondern auch Geschichte, Natur oder Kultur, um auch neue Besuchergruppen anzuziehen. Fest etabliert hat sich neben einem Antikenspektakel auch ein jährliches Heißluftballon- und Drachenfestival. An Aktionstagen werden didaktische Veranstaltungen geboten, die sich z.B. mit römischer Ausrüstung, Schmuck oder Küche beschäftigen, aber auch praktische Veranstaltungen wie Kindergrabungen, Schmuckherstellung oder Töpfern.

Neben der Funktion als Freilichtmuseum wird im Park nach wie vor Forschung betrieben, die sich mit der Geschichte der gesamten Region von der Bronzezeit bis heute befasst. Der Park stellt deswegen heute eines der wichtigsten archäologischen Forschungszentren Europas dar.

Die wissenschaftlichen Ergebnisse werden in einer eigenen Schriftenreihe, den BLESA-Bänden, publiziert.

 

Beschreibung – unser Eindruck:

 

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Kräutergarten und Nebengebäude der Villa

Der Kulturpark kann an zahlreichen Stellen betreten werden; abgeschlossene Ein- und Ausgänge gibt es nicht. Er wird deshalb von der Bevölkerung für Spaziergänge und Naherholung genutzt.

Lediglich die überdachten Attraktionen sind kostenpflichtig; Tickets können an verschiedenen Stellen des Parks erworben werden.

Die Parkplätze, die sich an verschiedenen Zugängen des Parks befinden, sind kostenfrei nutzbar und bieten genug Platz selbst bei größeren Veranstaltungen. Es spielt im Prinzip keine Rolle, wo man mit der Erkundung beginnt. Wir begannen bei unserem letzten Besuch, anläßlich des „Antikenspektakels 2017“, auf der französischen Seite beim römischen vicus.

Die zentrale Anlaufstelle am französischen Parkplatz ist dabei das Informationszentrum CREX (Centre d’Éxposition). Hier befindet sich eine Kasse, an der man das Kombiticket für den ganzen Park erwerben kann, ein Museumsshop, eine Touristeninformation, Toiletten, Veranstaltungsräume und die Dauerausstellung.

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In der Dauerausstellung sind Funde aus dem vicus zu sehen, wie diese Zeugnisse des häuslichen Kultes

Das Personal an der Kasse ist mehrsprachig und hilfsbereit, so daß keine Französischkenntnisse notwendig sind, um sich zurechtzufinden. Hier erhält man auch einen Lageplan über das Gelände, um sich einen Überblick darüber zu verschaffen, wo sich was befindet.

Der Plan des Geländes kann auch hier als PDF herunterladen werden.

In der Dauerausstellung kann man sich über den Park, über die einzelnen Gebäude und die Siedlungsgeschichte des Bliesgaus informieren. Sie ist mehrsprachig beschriftet und informativ gestaltet.

Folgt man dem geschotterten Fußweg vom Gebäude aus nach rechts, gelangt man zum römischen vicus. Die Besichtigung des Handwerkerviertels ist kostenlos, lediglich für den Schutzbau der Therme benötigt man eine Eintrittskarte.

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Der Schutzbau der Thermen erlaubt einen guten Überblick

Der weitläufige vicus ist informativ beschildert und kann auf einem Rundgang erwandert werden. Die Thermen liegen in einem überdachten hölzernen Schutzbau.

Die Gebäude des vicus, insbesondere die Keller, sind zum Teil begehbar. Man kann sich frei in der Siedlung bewegen und der Hauptstraße folgen, oder aber in und zwischen den Gebäuden herumlaufen. Die Thermenanlagen sind im Schutzbau gut präsentiert und man erhält von den erhöhten Balkons, die sich oberhalb der Thermenräume und der Hypokaustenanlage befinden, einen guten Überblick.

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Hypokaustenanlage der Thermen

Folgt man dem Weg links vom Informationszentrum aus gesehen, in Richtung Parkplatz, erreicht man einen kleinen See. Hinter dem See verläuft die Landesgrenze zwischen Deutschland und Frankreich, die mit einem speziellen, den Gedanken der offenen Grenze versinnbindlichen Gebäude gekennzeichnet ist.

Kurz vor der Grenze weist eine Hinweistafel auf den nahegelegenen Hügel des Homerich hin, der bereits zur keltischen Zeit intensiv genutzt wurde, zu römischer Zeit als Kultplatz diente, wie durch Funde von Glöckchen und Opfergaben, sowie mögliche Tempelfundamente belegt ist, dann zur Merowingerzeit wiederum als Grabhügel diente, bis man ihn bis zum 17. Jahrhundert als Hinrichtungsstätte nutzte.

Auf dem deutschen Teil erreicht man dann die äußere Umfassungsmauer des Villengeländes mit einem rekonstruierten Eingangstor. Die eindrucksvollen Ausmaße des Außengeländes werden durch rekonstruierte Mauern und eine Informationstafel verdeutlicht. Das Villengelände ist kostenfrei begehbar.

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Überblick über das westliche Handwerkerviertel

In der linken Hälfte des Villengeländes befindet sich ein rekonstruiertes Nebengebäude, das landwirtschaftliche Funktion hatte.

Ein Durchlass in der Mauer erlaubt es, ein kleines keltisches Dorf zu besichtigen, das – im Gegensatz zur prunkvollen Palastvilla – das einfache Leben der bäuerlichen Landbevölkerung demonstrieren soll. Dieses keltische Dorf enthält einige Fachwerk-Lehmhütten und einen keltischen Pfahlgott.

Leider macht dieses Keltendorf, im Gegensatz zum übrigen Gelände, einen nicht ganz so taufrischen Eindruck und wirkt etwas vernachlässigt. Achtlos standen hier Überbleibsel einer Veranstaltung herum, wie Bierbänke und Plastikplanen, die den informativen Charakter des Ortes deutlich schmälerten und die Illusion beeinträchtigten.

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In der keltischen Siedlung braucht der deprimiert dreinschauende Pfahlgott Trost

Die Palastvilla selbst ist nicht rekonstruiert (wie etwa die Villa Borg), aber in ihren Grundmauern mit den zahlreichen Räumen gut im Gelände zu erkennen und durch Informationstafeln beschrieben.

In einem rekonstruierten Nebengebäude befindet sich ein Restaurant, römische Taverne genannt, in der man kleinere Gerichte und Snacks (wie die obligatorischen Pommes) zu sich nehmen kann.

Im oberen Stock des Restaurants befindet sich das Museum zu den Funden der Palastvilla. An unserem Besuchstag war die Taverne allerdings wegen einer geschlossenen Gesellschaft (Hochzeit) nicht zugänglich, so daß wir auch nicht in das Museum konnten. Das ist natürlich etwas unglücklich gelöst, wenn man das Museum bei Veranstaltungen des Restaurants nicht besuchen kann.

Zur Villa gehört ebenfalls ein teilrekonstruierter Säulengang und ein umfangreicher, begehbarer römischer Kräutergarten, der einen gepflegten Eindruck machte. Alles in allem wirkt das ganze Villengelände ordentlich und aufgeräumt.

Hinter der römischen Villa sind bereits aus der Ferne eindrucksvoll die drei keltischen Grabhügel erkennbar, die mit Gras bewachsen sind. Überall stehen Sitzbänke, so daß Spaziergänger die Gelegenheit gerne nutzen, sich auf dem Gelände der Villa und rund um die Grabhügel zu erholen. Die Grabhügel sind auch begehbar, wie darauf herumkletternde Kinder belegten.

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Grabhügel mit dem keltischen Hund aus dem Fürstinnengrab

Vor einem Grabhügel befindet sich die überlebensgroße Replik eines keltischen Hundes, wie er am Henkel eines Trinkgefäßes aus dem Fürstinnengrab gefunden wurde. Er ist das Wahrzeichen des Parks und kann im Museumsshop auch als kleine Figur erworben werden.

Neben den Grabhügeln sticht ein architektonisch extravagantes Gebäude ins Auge, der Eingangsbereich zum Fürstinnengrab. Hier befindet sich eine Kasse, da der Grabbesuch kostenpflichtig ist. Das Personal hier im deutschen Teil ist ebenfalls mehrsprachig, die Frau hinter der Theke war sehr freundlich und hilfsbereit und gab uns auf Nachfrage gerne auch weiterführende Auskünfte. An der Kasse ist zudem ein kleiner Museumsshop zu finden, der Fachliteratur, aber auch kleine Andenken wie die besagte Hundefigur anbietet.

Im Eingangsbereich des Gebäudes sind einige Informationstafeln zum Fürstinnengrab zu finden, außerdem eine Spielmöglichkeit für Kinder, wo sie z.B. keltische Nahrungsmittel erraten können.

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Das unterirdische Grab ist stimmungsvoll inszeniert

Das Grab selber befindet sich in einer unterirdischen Grabkammerkuppel aus Beton, in die man auf einer gewendelten Treppe hinabsteigt. Es ist dunkel im Innenbereich und aus Lautsprechern erschallen pseudo-keltische Frauengesänge. Entlang der vielen Stufen, die man hinabsteigt, hängen an den Wänden weitere Informationstafeln mit Informationen zu den Kelten.

Unten angekommen, trifft man auf das Fürstinnengrab hinter einer Glasscheibe. Hier liegt eine lebensgroße Frauenfigur in typischer Kleidung und mit dem Schmuck und den Gegenständen, wie man sie im Originalzustand vorfand. Die Wände der Kuppel sind schwarz gestrichen, es ist dunkel und punktuell stimmungsvoll beleuchtet. In Vitrinen befinden sich Rekonstruktionen der bedeutendsten Funde.

Eine Sitzbank gegenüber dem Fürstinnengrab hinter der Scheibe lädt zum Verweilen und zum Wirkenlassen der Stimmung ein. Wenn nicht gerade Familien mit grölenden kleinen Kindern anwesend sind, ist die Atmosphäre in der Kammer recht ansprechend und hat uns gut gefallen.

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Einige Keller der Handwerkerhäuser sind begehbar

Hier befinden wir uns nun am anderen Ende des Parks, wo es zum Parkplatz auf der deutschen Seite geht.

Alles in allem ist der Park sehr sehenswert, gepflegt, informativ und didaktisch ansprechend präsentiert.

Dem Gedanken an den grenzüberschreitenden Park wird dadurch Rechnung getragen, dass alles mehrsprachig ist, auch wenn man schon erkennt, dass die deutsche und die französische Seite jeweils unter eigener Leitung stehen und eigene Schwerpunkte verfolgen.

 

Öffnungszeiten, Zugänglichkeit, Preise

Wie bereits beschrieben, sind große Teile des Parks frei und kostenlos zugänglich.

Eine Eintrittskarte wird für folgende Bereiche benötigt: das Museum in der Maison Jean Schaub, das Museum im oberen Teil der Taverne, das Fürstinnengrab, das Ausstellungszentrum Bliesbruck und der Schutzbau der Therme im Vicus.

Die Eintrittskarten kann man sowohl auf der französischen als auch der deutschen Seite jeweils in den kostenpflichtigen Orten erwerben und sie gelten für alle Attraktionen in beiden Ländern.

Der Eintritt beträgt für Erwachsene 5€, ermäßigt 3,50€.

Jugendliche bis 16 Jahre und zu 100% Behinderte haben freien Eintritt.

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Die Informationstafeln auf dem Freigelände sind dreisprachig beschriftet: Deutsch, Englisch und Französisch

Der weitläufige Park, das Villengelände und der vicus sind kostenfrei zu besichtigen. Die Nutzung des Parks zur Freizeitgestaltung, für Picknicks, Drachsteigen und Familiennachmittage sowie das Mitbringen von Hunden ist ausdrücklich erlaubt.

Der Park ist ganzjährig geöffnet und rund um die Uhr begehbar.

Die kostenpflichtigen Teile sind nur in der Saison vom 15. März bis 31. Oktober zu besichtigen. Am 1. Mai sind die Museen in Bliesbruck (auf der französischen Seite) geschlossen.

Führungen, Veranstaltungen:

Veranstaltungen finden regelmäßig statt. Die Termine sind der offiziellen Website zu entnehmen. Es gibt viele Thementage und insbesondere für Kinder und Schulklassen wird viel geboten.

Jeden ersten Sonntag im Monat finden „Schnupperführungen“ statt.

Spezialführungen (Wanderungen mit dem Römer, Keltenwanderung rund um Reinheim, Führung auf den Spuren der Kelten und Römer) können von Gruppen gebucht werden. Die Preise, Inhalt und Dauer sind ebenfalls der offiziellen Seite zu entnehmen.

Daneben bietet der Park unter dem Stichwort „Archäologie zum Mitmachen“ an festen Terminen auch die fachlich begleitete Teilnahme an archäologischen Grabungen an. Vorkenntnisse sind dafür nicht notwendig.

Antikenspektakel:

Das jährliche „Antikenspektakel“ gehört, anders als der Name es vermuten läßt, zu den kleineren römischen Veranstaltungen der Saison. Es fand im Jahr 2017 ausschließlich im französischen Teil auf dem Freigelände hinter der Therme statt.

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2017 ging es rund um Pferde, Reiterei, Wagenrennen und Gladiatoren

Jedes Jahr steht das Antikenspektakel unter einem bestimmten Motto, wie z.B. im Jahr 2017 Wagenrennen den Schwerpunkt bildeten. Zu diesem Zweck war auf dem Freigelände ein ovaler Zirkus mit Sitztribünen eingerichtet worden.

Es gab zu regelmäßigen Zeitpunkten stattfindende Wagenrennen mit zwei Streitwagen, sowie Gladiatorenkämpfe.

Zudem gab es eine römische Musikgruppe, die auf den originalen Nachbauten römischer Musikinstrumente – wie Trommeln, Cornu und Tibia – die Gladiatorenkämpfe begleitete, wie es auch historisch der Fall gewesen war. Das gefiel uns gut, weil es historisch akkurat war und einen guten Eindruck vermittelte, wie Gladiatorenkämpfe mit Live-Musikbegeleitung gewirkt haben mochten – auch wenn die Größe des Spektakels ansonsten mit wenigen Darstellern eher überschaubar war und somit überhaupt nicht mit dem zu vergleichen sein dürfte, was zu römischer Zeit als „Spektakel“ galt.

Die Gladiatorengruppe und auch die Musiker machten ihre Sache auf jeden Fall, trotz des grottenschlechten Wetters mit Sturm und strömendem Regen, gut und gefielen uns in ihren Darbietungen.

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Die Gladiatorenkämpfe waren live von römischer Musik untermalt und dadurch dramatisch in Szene gesetzt

Man konnte sich an einem Stand über römische Streitwagen informierenm, die Pferde und Wagen aus der Nähe betrachten und auch den Stand der Musiker und die Gladiatoren in ihrem Zelt besuchen.

Was uns jedoch eindeutig fehlte, waren weitere Stände, wie man es von anderen römischen Veranstaltungen kennt, zum Beispiel Händler, Handwerker, Schreiber, Medicus etc.. Es muß nicht immer eine Legion sein, aber für unseren Geschmack war das, was an Unterhaltung zwischen den Programmpunkten (Wagenrennen, Gladiatoren) geboten wurde, einfach zu wenig, um die großen Lücken zu füllen, die sich den Tag über ergaben, da man relativ schnell mit der Besichtigung des Festivalgeländes fertig war und sich das Programm nach einer gewissen Zeit auch wiederholte.

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Die Musiker waren tapfer, trotz des strömenden Regens

Das Festival beginnt vormittags um 11 Uhr. Einer der Höhepunkte, auf den wir uns gefreut hatten, war das römische Konzert um 18 Uhr sowie das Feuerspektakel nach Einbruch der Dunkelheit (die im August natürlich etwas auf sich warten läßt).

Es gab – typisch französisch – ausschweifende Gastronomie, sowie einen Bierwagen, aber selbst wenn man den Park noch nicht kennt und diesen im Anschluss in Ruhe besichtigt, ist es schwierig, sich von morgens bis zum Abend zu beschäftigen, so dass es sich empfiehlt, eher später zu kommen, wenn man am abendlichen Programm teilnehmen möchte. Es ist eben kein Xanten oder Villa Borg, wo man von morgens bis abends durchgehend beschäftigt ist!

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Das Ankündigungsplakat

Was wir allerdings eher merkürdig fanden, war die Tatsache, dass das Ereignis – obwohl in einem deutsch-französischen Kulturpark stattfindend und weithin auch in Deutschland beworben und vermarktet – fast ausschließlich in französischer Sprache stattfand.

Bereits das Personal am Eingang sprach nur Französisch (oder Englisch), aber insbesondere während der Showprogramme fiel es doch sehr auf, dass die (zum Teil sehr ausführliche und lange) Moderation und die Erklärungen immer mehr zu einer Veranstaltung rein auf Französisch wurden.

Gab es zu Beginn noch einen Dolmetscher, der die Sätze zumindest in rudimentären Einzeilern auf Deutsch „zusammenfasste“, und wurden die deutschen Besucher zur Eröffnung auch noch auf Deutsch begrüßt, gab es ab Beginn des Gladiatorenkampfes gar keine Übersetzung mehr. Schade, denn es wurde wirklich ausführlich erklärt und der Lanista der Gladiatorentruppe ging sehr detailliert auf die einzelnen Aspekte der Gladiatur und das, was gezeigt wurde, ein. Teilweise erklärte er zwischen den Kämpfen bis zu 10 Minuten am Stück, was fast schon kleinen Vorträgen gleichkam.

Da die Hälfte des Publikums aus Deutschland angereist war, sah man viele ratlose Gesichter und das Potential wurde leider auf diese Weise verschenkt.

Wir können nicht beurteilen, ob es sich bei diesem Event um eine Ausnahme gehandelt hat und zu dem Zeitpunkt niemand zur Verfügung stand, der auf die Schnelle für die deutschen Besucher die deutsche Moderation übernehmen konnte. Für einen Park, der sich ausdrücklich als zweisprachig und grenzüberschreitend präsentiert, fanden wir diesen fast ausschließlich französischsprachigen Event jedoch sehr befremdlich und für die vielen angereisten deutschen Familien, gerade mit Kindern, war es deswegen sicher auch enttäuschend.

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Eingewickelt vom Retiarius!

Der Umfang selbst ist kein Problem, wenn man weiß, dass es sich nur um einen kleinen Event handelt (es gibt ja auch in Deutschland sehr schöne, kleine römische Veranstaltungen, man muß es nur vorher wissen, um sich darauf einstellen zu können, was die Erwartungen und die zeitliche Planung betrifft), dann kann man sich in seinem Zeitplan entsprechend einrichten.

Der Besuch des Festes sollte auf jeden Fall mit einem Besuch des Parks und seinen vielen Sehenswürdigkeiten kombiniert werden.

Sonstiges:

Fotografieren ist überall erlaubt, auch in den Museen und dem Fürstinnengrab.

Der Kulturpark ist in weiten Teilen behindertengerecht gestaltet.

065_Bliesbruck-ReinheimHunde sind im Park (jedoch nicht in den Museen) erlaubt.

Französischkenntnisse sind zum Besuch des Parks nicht erforderlich, sind jedoch für die Veranstaltungen (wie das Antikenspektakel) hilfreich bis nötig.

In ca. 30 Kilometern Entfernung liegt das Römermuseum Schwarzenacker bei Homburg. Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine Kleinstadt wie den vicus von Bliesbruck-Reinheim und war zu gallo-römischer Zeit der nächste, eine Tagesreise entfernte größere Ort.

Wir empfehlen, wenn man ohnehin in der Gegend ist, diese beiden römischen Ausflugsziele miteinander zu kombinieren!

Weiterführende Informationen und Literatur:

  • Offizielle Website des Kulturparks
  • Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim auf Wikipedia
  • Andreas Stinsky: „Die Villa von Reinheim. Ein ländliches Domizil der gallo-römischen Oberschicht“. Nünnerich-Asmus-Verlag 2016
  • Parkführer: Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim. Herausgegeben vom Saarpfalz-Kreis / Département Moselle, 2013
  • Walter Reinhard: „Kelten, Römer und Germanen im Bliesgau“, Denkmalpflege im Saarland, 2010
  • Walter Reinhard: „Die keltische Fürstin von Reinheim“, Blieskastel 2004
  • BLESA, parkeigene Veröffentlichungsreihe zu den aktuellen Forschungsergebnissen

Tempel des Iuppiter-Perunus eingeweiht!

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Unter dem Motto Feci, quod potui, faciant meliora potentes (Ich habe gemacht, was ich kann; wer kann, mag Besseres tun) ist ein beeindruckendes Projekt innerhalb der römisch-rekonstruktionischen Bewegung einen gewaltigen Schritt weitergekommen!

22095437_10214694835271325_1186697368_oRömische Cultores der Colonia Alba Sarmata (Poltava, Ukraine) unter der Führung von M. Octavius Corvus haben einen lange gehegten Plan umgesetzt und auf privatem Grund durch eigene Hände Arbeit und unterstützt von Spenden aus der internationalen Gemeinschaft einen Tempel für Iuppiter-Perunus errichtet, der am 9. September 2017 offiziell eingeweiht wurde.

19055836_1622275947839829_4034807411603779578_oPerunus ist der einheimische Gott, der dem römischen Iuppiter entspricht und gemäß römischem Brauch (interpretatio romana) wird er demzufolge mit seinem Doppelnamen genannt und angesprochen. Die grundlegenden Riten wurden gemäß der Tradition von Pontifex Cn. Cornelius Lentulus (Nova Roma) und Augur M. Lucretius Agricola geleitet, die anschließende Grundsteinlegung von beiden zusammen mit M. Octavius Corvus rituell durchgeführt und somit ein würdiger Grundstein für das ambitionierte Projekt gelegt, welches sich neben der weiteren Ausgestaltung des Tempels (Säulen, Marmorplaketten für die Spender etc.) die Errichtung weiterer Altäre und Tempel für andere Gottheiten zum Ziel gesetzt hat.

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Der Tempel (resp, später das komplette Areal) soll jedem Cultor offenstehen und die Möglichkeit bieten, die traditionellen Opfer und Gebete zu verrichten. Die erfahrenen Sacerdotes vor Ort bieten ihre Hilfe bei der Durchführung der Riten an und heißen jeden Anhänger des Cultus Deorum Romanorum willkommen. Weitere Spenden und anderweitige Unterstützung sind gerne gesehen, wer sich dafür interessiert und seinen Namen als Donator am Tempel verewigt sehen möchte, möge die Webseite des Projektes besuchen.

 

Für all jene, die den Tempel nicht persönlich besuchen können, besteht trotzdem die Möglichkeit an den Riten der dortigen Gemeinschaft von Cultores teilzuhaben und Gebete und Bitten an Iuppiter zu richten. Jeder, der diese an M. Octavius Corvus via Facebook oder direkt per email (m.octavius.corvusATgmail.com) sendet, wird damit in die Riten und Opfer des Tempels eingebunden, indem seine Bitten auf spezielle Gebetskarten übertragen und diese innerhalb des Tempelareals aufgehängt werden. Bei den morgendlichen Riten zu Ehren Iuppiters werden die Karten aufgehängt und jede Bitte laut im Namen des Absenders verlesen. Mit den täglichen Opfern und dem aufsteigenden Weihrauch, dargebracht von den Pontifices, werden diese Gebete und Bitten so der Gottheit angetragen.

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Wir gratulieren unseren Freunden der Colonia Alba Sarmata zu dieser prächtigen Einlösung ihres ehemals gegebenen Votum und hoffen, daß die Götter jedes der dort dargebrachten Opfer annehmen und jedes Gebet, welches dort gesprochen wird, erhören mögen! Das Erreichte ist ein Zeichen echten römischen Geistes – Potest, qui vult! (Wer will, der kann!)

Die Vision:

 

 

 

 

Events und Veranstaltungen: Vita Romana – Antikes Spektakel 12.-15.8.2017

Logo-EKP_front_largeVom 12. bis 15. August 2017 findet ein länderübergreifender römischer Event statt: „Vita Romana – Antikes Spektakel“ im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim.

Unter dem Motto „Raus aus dem Alltag, rein in die Antike“ wird im französischen Teil des deutsch-französischen Archäologischen Parks in diesem Jahr zum 20. Mal vor historischer Kulisse die römische Antike wiederbelebt.

Das Festival dauert in diesem Jahr 4 Tage, wobei das Programm an den vier Tagen wechselt. Im Mittelpunkt stehen Pferde und Wagenrennen. Montag und Dienstag werden zudem militärische Manöver auf dem Pferd demonstriert.

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Außerdem dabei: Gladiatoren, Metallhandwerk und die Gruppe „Galate“, die römische Musik und Tanz vorstellt. Montag und Dienstag wird zudem antike Glasbläserei  demonstriert. Es finden auch Workshops rund um die Themen Pferdepflege, Metallhandwerk, Kavallerie und Glasbläserei statt.

Am Samstag und Montag wartet auf den Besucher noch ein besonderes Highlight: mit Einbruch der Dunkelheit zeigt die Gruppe „La Compagnie la Salamandre“ eine Feuershow mit einem magischen Flammentanz inmitten der antiken Ruinen des Parks. Musik unterschiedlicher Gruppen und eine Nachtshow runden das Programm ab.

Auch der Park selbst ist sehenswert, er bietet unter anderem ein keltisches Fürstinnengrab, eine teilrekonstruierte römische Palastvilla und ein Ausstellungszentrum mit Funden aus der römischen Kleinstadt, die einst zwischen dem 1. und 5. Jahrhundert an dieser Stelle stand.

Vita Romana findet Samstag und Montag von 12-23 Uhr statt, Sonntag und Dienstag von 10-18 Uhr.

Der Eintritt beträgt 7€ für Erwachsene, ermäßigt 5,50€. Der Eintritt für Kinder unter 16 Jahren ist frei.

Mehr Informationen hier auf der offiziellen Website des Archäologieparks.

Facebook-Seite der Veranstaltung

Antike Stätten: gallo-römische Villa Mageroy (Belgien)

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Villa Mageroy

Anschrift:

Villa gallo-romaine de Mageroy, Rue de Mageroy 2, 6723 Habay-la-Vieille, Belgien.

Anfahrt:

Die Ausgrabungsstätte der gallo-römischen Villa Mageroy liegt in den südbelgischen Ardennen in der Provinz Luxemburg (Wallonie) in der Nähe des Ortes Habay-la-Vieille. Sie liegt außerhalb des Ortes inmitten von Feldern und Kuhwiesen. Von Habay aus ist sie aber gut zu finden, da sie ausgeschildert ist. Der Weg führt über landwirtschaftliche Nutzwege.

Für das Navi kann man die „Rue de Mageroy“ eingeben, muss dann vor Ort aber trotzdem die Augen nach den kleinen Wanderschildern offenhalten, die die Richtung weisen, da die Rue de Mageroy in eine unbenannte Schotterstraße mündet. Folgt man dieser nach rechts den Hügel hinab, so ist die Ausgrabungsstätte bald auf der rechten Seite zu sehen. Man kann direkt vor dem Gelände parken.

Die Gegend ist wanderfreundlich und ein Netz von ausgeschilderten Wanderwegen verläuft rund um die Villa.

Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, erreicht die Ausgrabungsstätte entweder mit dem Regionalzug aus Libramont / Arlon. Vom Bahnhof Habay aus sind es noch etwa 15 Minuten Fußweg. Eine Alternative ist der Bus der TEC Linie 28 zwischen Arlon und Marbehan. Von der Haltestelle Rue de Nantimont sind es noch einige Gehminuten zu Fuß.

Hintergrundinformationen:

Die Region in den luxemburgischen und südbelgischen Ardennen gehörte in römischer Zeit zu Gallien und wurde nach dem Ende des Gallischen Krieges schnell romanisiert. An vielen Orten der noch heute landwirtschaftlich, vor allem viehwirtschaftlich dominierten Region, finden sich deshalb gallo-römische Landgüter, Tempel oder andere militärische oder zivile Bauwerke.

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Panoramablick über das Gelände

Der gallo-römische Gutshof von Mageroy, der im Stammesgebiet der Treverer lag, gilt als archäologisch besonders bedeutsam und regelmäßig finanziert das Land Wallonie Grabungskampagnen (2017 zum Beispiel die Untersuchung eines Nebengebäudes, in dem man Spuren von Eisenverhüttung entdeckte). Betreut wird die 3 ha große Ausgrabungsstätte durch den gemeinnützigen Verein ARC-HAB, der von mehreren Archäologen geleitet und durch zahlreiche Freiwillige unterstützt wird. Dieser Verein leitet die Ausgrabungen und wertet die Funde aus.

Das Landgut, das sich aus einem Hauptgebäude, mehreren Neben- und Wirtschaftsgebäuden, sowie weiteren Baustrukturen zusammensetzt, stammt aus dem 1. Jahrhundert n.Chr. Es durchlief in den folgenden Jahrhunderten jedoch mehrere Umbauphasen und wurde bis ins 4. Jahrhundert bewohnt.

Zu römischer Zeit lag es fünf Kilometer von der römischen Fernstraße von Reims nach Trier entfernt. Die nächste größere Ortschaft war vicus Orolaunum, das heutige Arlon.

Die Lage des Gutshofes in einer sumpfigen Mulde in der Nähe eines kleinen Baches erlaubte das Anlegen eines großen Weihers auf dem Gelände.

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Der Bereich des ehemaligen Weihers ist heute noch ein Feuchtgebiet und ein reiches Biotop

Der Wohnbereich, die Pars urbana, bestand aus einem 670 Quadratmeter großen Haupttrakt aus dem 1. Jahrhundert, der eine nach Süden ausgerichtete Fassade von 28 Metern Länge aufwies. Der größte Raum befand sich zentral im Hauptgebäude und umfasste 170 Quadratmeter. Aus der Anordnung der Räume läßt sich schließen, daß sich im Westflügel die Wohn- und Privaträume befanden, während die Räume im Ostflügel als Gemeinschaftsräume angesprochen werden.

Als Baumaterial für die Gebäude diente das lokal anstehende Gestein, das vor allem aus Schiefer und grünem Sandstein besteht. An das Hauptgebäude schließen sich weitere Neben- und Wirtschaftsgebäude an.

Das zweite Jahrhundert gilt als die Wohlstandszeit der Bewohner der Villa, die vermutlich einheimische romanisierte Gallier waren. Zahlreiche Erweiterungen und der Einbau von „Luxusfeatures“ wie Fußbodenheizungen und Thermen zeigen, wie  komfortabel die Bewohner lebten. Auch der prunkvoll gestaltete, repräsentative Eingangsbereich zeugt vom Wohlstand seiner Bewohner.

Zahlreiche Funde, wie z.B. ein Pflug, aber auch ungewöhnliche organische Funde, die sich im anaeroben Milieu des Weihers erhielten, geben heute einen guten Einblick in den Alltag der Bewohner. So wurden seltene Funde in gutem Erhaltungszustand geborgen, unter anderem Holzrohre, Schuhsohlen aus Stroh, Funde aus Leder und Holz, Obstkerne und eine Weinrebe.

Auch einige Namen der Bewohner sind bekannt, so wurde ein Ring mit dem eingravierten Namen „Micia“ gefunden. Man nimmt an, daß Micia eine Hausherrin war, zumal ihr Name auch auf Tongeschirr entdeckt wurde. Der Name eines Verwalters, der  in einem der seitlichen Wirtschaftsgebäude lebte, ist ebenfalls bekannt: Onesimus Olympius.

Auch im dritten Jahrhundert wurde das Landgut noch einmal erweitert, unter anderem um eine Bronzegießerei. Allerdings scheint der Hof im Jahr 262 (datiert aus Münzfunden) auch einem großen Feuer anheimgefallen zu sein. Dies war auch die Zeit der großen Germaneneinfälle, die zwischen 260 und 270 diesen Teil Galliens heimsuchten.

013_MageroyDer Hof wurde jedoch nicht aufgegeben, sondern neu aufgebaut, um einige Gebäude, wie Latrinen, Getreidedarren und ein Silo, sowie um eine dem Schutz dienende Befestigungsanlage erweitert. Aus dem 4. Jahrhundert stammen Keramik-Scherben in typischer germanischer Machart. Zum Ende des 4. Jahrhunderts wurde der Ort dann jedoch aus unbekannten Gründen aufgegeben und verlassen.

Die Existenz einer archäologischen Stätte war bereits im 19. Jahrhundert bekannt, als Bauern von alten Mauern und Bauwerken berichteten. Auch hielt sich in der Region Habay seit Jahrhunderten eine Legende von „drei Schlössern“, von denen eines in Mageroy vermutet wurde. Bis in das 17. Jahrhundert sollen die römischen Mauern sichtbar gewesen sein und wurden für die Überreste eines solchen Schlosses gehalten.

Erste Ausgrabungen fanden im Jahr 1984 statt. Die Untersuchungen, die auch moderne Methoden des Georadars umfassen, dauern bis heute an und die Funde aus Mageroy werden von verschiedenen Forschungseinrichtungen untersucht.

Beschreibung:

Schon von weitem fällt das in einer Talsenke gelegene Ausgrabungsgelände ins Auge: rund um die freigelegten Mauern der Häuser befinden sich kleine aufgeschüttete Anhöhen, auf denen Informationstafeln stehen und die einen guten Blick von oben auf das Gelände bieten.

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Ein Kuppelbackofen

Viele der Gebäudefundamente wurden im Laufe der Grabungskampagnen freigelegt. Fußwege führen durch das Gelände und zu den Aussichtshügeln. Daneben gibt es experimental-archäologische Bereiche wie einen Kuppenbackofen oder einen Kräutergarten, in dem thematisch gruppierte Pflanzen angebaut werden, zum Beispiel Pflanzen zum Färben, Aroma-Pflanzen oder Heilpflanzen.

Überall auf dem Gelände finden sich ausführliche und mit guten Illustrationen und Fotos versehene Informationstafeln (leider nur auf Französisch), sowie schematische Darstellungen der Gebäude, so daß man sich orientieren kann, was man gerade vor sich sieht.

Als wir im Juli 2017 dort waren, war gerade eine neue Ausgrabungskampagne des Vereins ARC-HAB im Gange und eine Gruppe aus etwa 10 freiwilligen jungen Leuten legte ein Nebengebäude frei. Die Grabungsteilnehmer waren sehr auskunftsfreudig und hilfsbereit und kamen sofort auf uns zu, um uns Informationen anzubieten, falls wir Fragen hätten. Auf die Frage, was aktuell erforscht wird, erfuhren wir, daß das Land Wallonien Geldmittel zur Verfügung gestellt hatte, um ein Nebengebäude freizugelegen, in dem wahrscheinlich Metall geschmolzen oder Erz verhüttet wurde. Man zeigte uns auch einige aktuelle Funde des Tages, vor allem Keramikscherben und Reste von Dachziegeln.

Das Gelände ist überraschend weitläufig und man kann sich dort frei bewegen und überall umschauen. Es gibt auch ein Verwaltungsgebäude, das für die Vereinsmitglieder zur Verfügung steht, ansonsten aber geschlossen ist, sowie einen Schuppen für die Grabungswerkzeuge und zur zwischenzeitlichen Aufbewahrung der Funde. Durch die gute und interessante Präsentation der Ausgrabungsstätte ist diese Villa Rustica sehr sehenswert und hebt sich auch von vielen anderen typischen gallo-römischen Landgütern ab, die man überall im Lande findet.

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Der Kräutergarten

Der Verein, der die Anlage betreut, ist sehr um Öffentlichkeitsarbeit bemüht und führt auf Anfrage auch Führungen durch. Daneben gibt es immer wieder Veranstaltungen, auch für Kinder, einen Fotowettbewerb, Exkursionen, Grabungscamps oder sogar eine „gallo-römische Radtour“.

Eintritt und Öffnungszeiten

Der Eintritt ist frei. Die Villa Mageroy ist jederzeit und rund um die Uhr frei zugänglich. Sonderveranstaltungen kosten gegebenenfalls eine Teilnehmergebühr.

Sonstiges

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Ein Besuch der Villa Mageroy läßt sich gut mit einem Besuch der nahen Stadt Arlon kombinieren, die ein hervorragendes archäologisches Museum hat, dessen gut erhaltene gallo-römische Abteilung wegen seiner Skulpturen als eine der besten des Landes gilt.  Ebenfalls in der Nähe liegt das Keltenmuseum von Libramont-Chevigny.

Quellen und weiterführende Informationen:

Events und Veranstaltungen: Römerfest Villa Borg, 5. -6. August 2017

Borg_kleinAlljährlich am ersten August-Wochenende findet das traditionelle Römerfest im „Archäologischen Park Römische Villa Borg“ statt – dieses Jahr bereits zum 20. Mal!

Die Villa Borg liegt im östlichen Gallien, sprich: im Dreiländereck bei Perl im Saarland, direkt an der luxemburgischen Grenze (am anderen Moselufer liegt das luxemburgische Schengen) sowie an der Grenze zu Frankreich.

Die Kulisse des rekonstruierten römischen Gutshofs mit seinem zweistöckigen Herrenhaus und der schönen Gartenanlage sorgt dabei immer für eine spezielle Atmosphäre und macht dieses Römerfest zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Zum festen Programm gehören wie jedes Jahr die römischen Legionen Legio XXII Primigenia Milites Bedenses aus Bitburg und die VEX LEG XI CPF, die extra für diesen Event aus der Schweiz anreist. Die gut informierten und auskunftsfreudigen Legionäre demonstrieren den Militäralltag, das Exerzieren und erklären ihre Ausrüstung.

Zum zweiten Mal dabei ist die Vigilia Romana Vindriacum, der Verein für rekonstruktive Geschichte, deren Schwerpunkt auf dem Weinbau und Weintransport in der Antike liegt und beide Themen anschaulich erklärt.

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Daneben wird auch das zivile Leben im römischen Gallien gezeigt, so wird dem Besucher Einblick in Handwerkstechniken wie Schmieden, Schuhmacher, Bogenbau, Friseur oder Töpfern geboten.

Auch sind in Borg immer zahlreiche Händler vor Ort, so daß dieser Termin eine der besten Gelegenheiten für den Cultor und Antikenfreund ist, sich mit guten Repliken einzudecken, von Öllampen über Schmuck bis hin zu Statuen und Wandreliefs.

Auch wieder mit dabei ist die luxemburgische Gruppe Lucilinburhuc, die mit ihren Pferden anreist und Waffen- und Kampftechniken der einheimischen Gallier, aber auch der Iberokelten, Sueben und anderer „Barbaren“ der Antike demonstriert. Nicht zuletzt zeigen – wie jedes Jahr – die Gladiatoren der Familia Gladiatoria Pannonica aus Ungarn Gladiatorenkämpfe.

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Auch bei den Barbaren geht es ordentlich zur Sache

In diesem Jahr neu dabei ist ein ganz besonderer Besucher aus dem Archäologischen Landschaftspark Nettersheim: der römische Reisewagen, der sich extra für diese Veranstaltung aus der Eifel auf den Weg gemacht hat, um den Besuchern das Reisen in der römischen Antike nahezubringen.

 

Zur Stärkung gibt es römische Speisen nach Apicius und Getränke. Traditionell wird zum Römerfest auch der „schwarze Römersud“ ausgeschenkt, ein schmackhaftes naturbelassenes, unfiltriertes Schwarzbier, das in Zusammenarbeit mit dem Förderkreis Römische Villa Borg in der Mettlacher Abtei-Brauerei jährlich extra für diesen Event gebraut wird.

Im Rahmen der Veranstaltungen werden auch kostenlose Führungen durch die Villa angeboten. Denn auch das Innere des Gebäudes, das auf den originalen Fundamenten errichtet wurde, ist absolut sehenswert. Hierbei sind vor allem die authentisch rekonstruierten Bäder, die Küche, die Vorratsräume und der Wohnbereich zu nennen. Außerdem gibt es im Inneren einen Museumsteil, der über die Geschichte der Villa Borg und der Region informiert, sowie einen römischen Kräutergarten.

Wenn man Glück hat, hat man auch Gelegenheit, an einer “Führung der etwas anderen Art” durch den immer enthusiastischen Haussklaven Jatros teilnehmen zu können.

Archäologen vor Ort bieten einen Einblick in den aktuellen Stand der Ausgrabungen, der auch die Forschung geht fortlaufend weiter, da noch längst nicht das ganze Gelände des weitläufigen Landguts freigelegt ist.

Bei Kindern sehr beliebt sind die Esel der Familie Marson, mit denen man zum Gelände reiten kann. Sie sind sehr zutraulich.

57_Villa BorgDer Eintritt für Erwachsene kostet 7€. Es gibt die Möglichkeit, eine Familienkarte für 14€ zu erwerben.

Kostenlose Parkplätze sind auf der Wiese vor dem Villengelände ausreichend vorhanden. Die Veranstaltung findet jeweils von 10 – 18 Uhr statt.

Mehr Informationen gibt es auf der Website der Villa Borg.

Für Informationen rund um den Archäologiepark Villa Borg empfehlen wir auch unseren Artikel!

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Events und Veranstaltungen: Römerfest Kaiserthermen Trier, 15., 17.-18. Juni 2017

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Römerfest 2016

Nach dem Ende von „Brot & Spiele“ , dem traditionellen römischen Event in Trier im Jahr 2012, war es lange Jahre ruhig um die Römer in Trier. Dies war natürlich besonders schade, da Trier als „Roma Secunda“ einst eine der bedeutendsten römischen Städte nördlich der Alpen war und auch Sitz des römischen Kaisers. Gerade im Hinblick auf die gut erhaltenen römischen Monumente war Trier die perfekte authentische Kulisse für ein römisches Spektakel.

Umso erfreulicher, daß im Jahr 2016 von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz der Versuch gewagt wurde, wieder eine römische Großveranstaltung ins Leben zu rufen – dieses Mal in den Kaiserthermen. Sie war als Versuchsballon geplant, um zu schauen, wie groß das Interesse an einem solchen Event ist – und war, trotz des mäßigen Wetters, ein durchschlagender Erfolg.

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Blick über das Gelände (2016)

Und zwar so erfolgreich, daß das Ereignis in diesem Jahr wiederholt wird:

Am 15. Juni, sowie vom 17.-18. Juni öffnet das Römerfest in den Kaiserthermen auf 7000 qm erneut seine Pforten und bietet vor einer historischen Kulisse einen guten Mix aus römischen Themen. Über 200 Akteure aus 30 Gruppen zeigen das Militär (Legionäre, Prätorianer und Reiter), Handwerk (Töpfern, Münzprägung, Bronzeguss, Lederarbeiten, Öllampen), das Zivilleben (Medizin, Kochen, Schreibkunst), Modenschau, Gladiatorenkämpfe, Sklavenmarkt. Auch (in römischen Diensten stehende) Gallier sind vor Ort und präsentieren ihren gallischen Streitwagen.

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spannende Gladiatorenkämpfe mit guten Erklärungen (2016)

Natürlich gibt es auch wieder entsprechende Verpflegung in Form von römisch angehauchten Speisen und Getränken. Das Programm richtet sich an Erwachsene und Kinder gleichermaßen, so daß für jeden Geschmack etwas geboten wird.

Das Fest öffnet an allen Tagen von 10-18 Uhr.

Der Eintritt für Erwachsene kostet 6€ (ermäßigt 5€). Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zahlen 3€, unter 6 Jahren ist der Eintritt frei. Gruppen- und Familienkarten sind verfügbar. Wer über eine AntikenCard Trier verfügt, kann die Kaiserthermen ohne Aufpreis besuchen.

Kommt zahlreich und verbreitet die Kunde (Trier ist immer eine Reise wert, dort kann man sich als römischer Tourist gar nicht oft genug aufhalten!) und helft dadurch mit, daß das Römerfest zu einer festen jährlichen Dauereinrichtung wird!

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Auch eine gute Gelegenheit, sich mit Öllampen und Zubehör einzudecken! (2016)

 

 

Events und Veranstaltungen: Römertage Römerwelt Rheinbrohl, 13.-14. Mai 2017

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Das offizielle Werbeplakat der Römerwelt

Ein kleiner, aber feiner jährlicher Event steht wieder bevor: Die Römertage in der Römerwelt Rheinbrohl, am Beginn des Obergermanischen Limes am Rhein und am Rande des Westerwalds gelegen.

Das Wochenende vom 13.-14. Mai 2017 steht dieses Jahr unter dem Motto „Kunst und Handwerk im antiken Rom“ . Dabei zeigen verschiedene Darsteller den Alltag am Limes, so die Soldaten der Cohors XXVI, der „Stammbesatzung“ der Römerwelt und bekannt als „Römer zum Anfassen“ , die die Ausrüstung und Ausbildung einer Auxiliareinheit vorführen.

Antikes Handwerk wird präsentiert vom Römerverein „Militär und Handwerk“ . Auch der antike Fischer spannt wieder seine Netze, seine Darstellung ist wirklich spannend und wir hören ihm jedes Jahr wieder gerne zu!  Weitere Gebiete, die vorgestellt werden, sind antike Vermessungstechnik, sowie römisches Goldschmiedehandwerk und Schmiede.

Die Römerwelt verfügt über funktionsfähige Nachbauten einer Pfahlramme und eines römischen Krans, beide werden im Rahmen der Römertage in Aktion gezeigt.

Ein wissenschaftliches Vortragsprogramm sowie Führungen durch die Römerwelt und ein Sonderprogramm für Kinder runden das Angebot ab. Natürlich kann auch wieder das römische Brot aus den Original-Kuppelbacköfen gekauft werden, die zu diesem Anlaß befeuert werden und die legendäre Limes-Torte darf auch in diesem Jahr nicht fehlen!

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Die COHORS XXVI gehört zur Römerwelt wie der Limes, der Limes-Wachturm Nr. 1 und der Limes-Wanderweg! (Eindrücke vom Römerfest 2016)

Geöffnet ist das Gelände an beiden Tagen von 10:00 bis 18:00 Uhr. Ein 1-Tages-Ticket für Erwachsene kostet 8 €, Kinder von 7 bis 14 Jahren zahlen 5€. Es sind ermäßigte 2-Tages-Tickets sowie Familienkarten erhältlich.

Das detaillierte Programm sowie Impressionen von den Vorjahren hier auf der offiziellen Website der Römerwelt!

Für uns ein liebgewonnener jährlicher Event – und damit eine klare Empfehlung!

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Willkommen am Limes!

Achtung, wer noch mehr Römerwelt und vor allem Limes live erleben will: An Christi Himmelfahrt (25. Mai) findet wieder der alljährliche Limes-Wandertag statt, der ebenfalls in der Römerwelt startet.

Wer das UNESCO Welterbe Limes und den Feiertag einmal anders erleben will, in munterer Gesellschaft und mit interessanten Wegestationen und Programm – sollte sich diesen Aktivtag vormerken, spektakulärer Ausblick über Westwald, Rheintal und Eifel vom Wachturm inklusive!

Garantiert besser als Saufen mit dem Bollerwagen 🙂

Antike Stätten: Sironabad Nierstein

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Das Sironabad in Nierstein mit seinen 4 Heilquellen

Anschrift:

Sironastr. 6, 55283 Nierstein

Anfahrt:

Der Weinort Nierstein am Rhein liegt in Rheinhessen (Rheinland-Pfalz) an der B9. Das keltisch-römische Sironabad befindet sich am südöstlichen Ortsausgang (nahe der B9 Richtung Oppenheim) in einer Stichstraße hinter einem chinesischen Restaurant und kurz vor einer Eisenbahnschranke.

Parkmöglichkeiten gibt es im Umfeld des Sironabades entlang der Sironastraße, ggfs. auch auf der anderen Seite der Eisenbahnlinie ein Stück den Berg hinauf.

Nierstein hat einen Bahnhof, so daß es auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar ist. Der Ort wird regelmäßig von Regionalzügen aus Mainz und Worms angefahren.

Das Gebäude befindet sich in einem Keller unterhalb eines unscheinbaren Hauses und ist nicht sonderlich prominent ausgeschildert. Mit der Anschrift ist es aber einfach zu finden.

Hintergrundinformationen:

Wo das heutige Nierstein liegt, befand sich zu römischer Zeit das Militärlager Buconica. Bereits zu keltischer Zeit wurden die dortigen vier Mineralquellen genutzt und man wies zahlreiche keltische und römische Siedlungsspuren im Raum in und um Nierstein nach.

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Eine Statue der Göttin Sirona schmückt das Sironabad

Römische Ansiedlungen sind vom 1. bis 5. Jahrhundert n. Chr. belegt. Hierbei spielt das Quellheiligtum der gallo-römischen Göttin Sirona eine besondere Rolle.

Sirona und ihr kultischer Begleiter, Apollo-Grannus, wurden an zahlreichen Orten im Raum Eifel-Hunsrück vor allem in Quellheiligtümern verehrt (siehe unseren Reisebericht „auf den Spuren von Sirona und Apollo-Grannus im Hunsrück„). So war auch das Quellheiligtum in Nierstein zu römischer Zeit lange das Ziel vieler Pilger, was Münzfunde aus der Regierungszeit des Kaisers Domitian (86 n. Chr.), Nerva, Trajan, Hadrian, Antoninus Pius bis zu Postumus (256 n. Chr.) belegen.

Die Militär- und Straßenstation Buconica lag an der viel bereisten römischen Rheintalstraße zwischen Mogontiacum (heutiges Mainz, ehemalige Hauptstadt von Obergermanien) und dem Militärstandort Borbetomagus (heute Worms). Sie ist auch auf der Tabula Peutingeriana, einer im 12. Jahrhundert angefertigten Kopie einer antiken römischen Straßenkarte, als Straßenstation eingezeichnet.

In Nierstein treten vier Mineralquellen an die Oberfläche: zwei Süßwasserquellen und zwei Schwefelquellen. Wasseruntersuchungen aus dem Jahr 1991 bescheinigen den Quellen mikrobiologisch einwandfreie Trinkwasserqualität, sowie hohe Anteile an Mineralien und Gasen, vor allem Schwefel, schwefel- und salzsaures Natron, schwefeliges Stickstoffgas und Eisen. Es wurde bis in die frühe Gegenwart intensiv als Heil- und Mineralwasser im Kurbetrieb genutzt und gilt als heilsam bei Asthma, Hauterkrankungen, Brustleiden, Unterleibsbeschwerden, Hämorrhoiden, Gicht und Rheuma.

Daß diese Quellen schon zu römischer Zeit als Heilquellen genutzt wurden, ist durch Opfergaben wie Münzen und kleine gebrannte Votivfiguren belegt.

Wichtigster Nachweis für die Bedeutung dieser Quelle als Heilquelle, aber auch als Ort der Verehrung für Sirona und Apollo ist ein gut erhaltener Votivaltar mit einer Inschrift, der im Jahr 1802 bei Aufräumarbeiten der jahrhundertelang verschütteten Quelle gefunden wurde:

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Der Weihestein für Apollo und Sirona ist heute in der Wand der Quellenhalle eingelassen

Deo Apollini et Sironae, Julia Frontina
v[otum] s[olvit] l[ibenter] l[ubenter] m[eritis].

Dem Gott Apollo und Sirona erfüllt Julia Frontina ihr Gelübde freudig und nach Gebühr.

(CIL 13, 6272)

Es ist davon auszugehen, daß die Römerin Julia Frontina nach römischem Brauch  zur Erfüllung eines Gelübdes diesen Stein stiftete, nachdem sie an dieser Quelle Heilung erfahren hatte. Ähnlich wie wir dies heute noch in katholischen Kapellen und Kirchen finden, wenn dort Tafeln aufgehangen werden mit der Formulierung „Maria/Heiliger hat geholfen!“

Da der Name Julia Frontina auch auf einem Weihestein aus Ungarn bekannt ist, den dort ein Militärangehöriger namens Cajus Julius Frontinanus stiftete, ein Veteran der V. Legion, ist es durchaus denkbar, daß es sich bei der Stifterin im Militärlager Buconica um die Tochter dieses Soldaten handelte. Frontinanus stiftete seinen Stein in seinem Namen, seiner Frau Caphia Maxima, sowie seiner Tochter Julia Frontina den Heilgöttern Aesculap, Hygia (die im römischen Kontext starke Parallelen mit Sirona aufweist) und den übrigen Heilgöttern und Göttinnen des Ortes für die Wiederherstellung seiner Sehkraft. Es ist deshalb nicht unwahrscheinlich, daß auch Julia sich entsprechend an die lokalen gallischen Heilgötter ihres Ortes wandte, Sirona und Apollo (-Grannus).

Bei den Freilegungsarbeiten im 19. Jahrhundert fand man zudem noch die römischen Quellfassungen und eine Säule.

Im Jahr 1803 wurde das Quellheiligtum vom Belgier van der Welden nach römischem Vorbild rekonstruiert. Unter Napoleon, als Rheinhessen zu Frankreich gehörte, herrschte im Bad ein reger Kurbetrieb. Es erfolgten mehrere Umbauten zu einer modernen Kur- und Badeanstalt mit Badehalle, Unterkünften und Brunnenhalle, die sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreute. Französische Inschriftentafeln, die in die Wände eingelassen sind, zeugen noch heute von der Bedeutung des Ortes.

Ab 1910 wurde das Wasser industriell genutzt, unter anderem aufgrund seiner chemischen Eigenschaften zum Bleichen von Mais in einer Stärkefabrik der Firma Sander.

Seit 1937 steht das Bad unter Denkmalschutz und wird seitdem von der Gemeinde Nierstein betreut. Es wurde für die Öffentlichkeit restauriert und zugänglich gemacht.

Beschreibung:

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Der Eingang zum Bad ist unscheinbar

Das Sironabad in Nierstein ist nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen und ansonsten verschlossen. Eine Führung lohnt sich, da dort viel Hintergrundwissen vermittelt wird.

Das Bad liegt unterirdisch unter einem unscheinbaren Gebäude. Man steigt über eine lange Treppe hinab und gelangt in den großen Quellraum, der das ganze Jahr über gleichmäßig kühl ist. In der Quellhalle befinden sich zwei Wasserbecken, die jeweils von den zwei Süßwasser- bzw. zwei Schwefelwasserquellen gespeist werden.

Die Quellen sind frei zugänglich und man kann sowohl das Wasser der Süßwasser-, als auch der Schwefelquelle probieren (im Rahmen einer Führung werden für gewöhnlich zu diesem Zweck Pappbecher verteilt). Die Wasserqualität beider Quellen in beiden Becken gilt als einwandfrei und das Wasser kann vorbehaltlos getrunken werden – wenn man nicht geschmacksempfindlich ist.

Das Süßwasser schmeckt neutral nach Mineralwasser, das Schwefelwasser ist allerdings eher etwas für Hartgesottene, da das typische Schwefelaroma nach faulen Eiern intensiv ist. Wer Heilung wünscht, muß da allerdings durch 😉

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Augen zu und runter! Schwefel hilft gegen alles, das wußten schon die Römer!

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Ein skeptischer Blick – aber wer Heilung will, muß da durch!

Oberhalb der Brunnenfassungen sind in den Wänden Plaketten mit Inschriften für Napoleon sowie für wohlmeinende Stifter angebracht.

Der Weihestein für Apollo und Sirona ist in eine Wand oberhalb des Brunnenraumes eingelassen. Auch eine große Replik der Sirona-Statue aus Hochscheid befindet sich in der Halle des Quellheiligtum, was wir eine gute Idee finden, um ihr Numen in dieser offenbar doch recht wirksamen Heilquelle lebendig zu halten.

Im Hintergrund der Brunnenhalle befinden sich Wanddurchbrüche, die zu den ehemaligen Räumen des neuzeitlichen Kurbetriebs führen, so zum Beispiel zu Saunaräumen.

Öffnungszeiten, Führungen

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Die Quellen sind frei zugänglich und man kann seinen Becher nach Belieben nachfüllen…

Öffentliche Führungen finden von Mai bis Oktober jeweils am 2. Sonntag im Monat statt. An diesen Tagen ist das Bad von 11 bis 15 Uhr geöffnet und es hält sich ein Führer im Bad auf, der, je nach Besucheraufkommen, regelmäßige Führungen durchführt.

Für Gruppen sind außerhalb dieses Termins Führungen nach Absprache möglich. Hierzu wendet man sich an das Tourismus- und Kulturbüro Nierstein. Kontaktdaten für telefonische oder Email-Terminvereinbarung sind auf der offiziellen Website der Stadt Nierstein einzusehen.

Für die Führung wird ein minimaler Beitrag von einigen Euro erhoben, der aber völlig in Ordnung geht, da er der Erhaltung und Pflege des denkmalgeschützten Bades zugute kommt. Uns hat die ausführliche Führung gut gefallen, die einen weiten Bogen schlägt von der Kelten- und Römerzeit über die napoleonische Besatzung, den Kurbetrieb des 19. Jahrhunderts bis hin zur industriellen Nutzung als Bleiche und Mineralwasserproduktionsstätte.

Sonstiges

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Der Abstieg hinab in die Hallen des Quellheiligtums

Fotografieren ist erlaubt.

Der Abstieg hinab in den Keller ist nicht barrierefrei.

Weiterführende Links und Quellen:

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