Mos Maiorum

Römische Rezepte: Moretum

Einleitung: Herkunft, Tipps und Infos

Direkt zum Rezept

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Moretum – die römische Kräuter-Käsepaste passt eigentlich zu allem!

Sommerzeit – Grillsaison… da wird es Zeit, daß wir Euch endlich unser Rezept für Moretum verraten, die römische Kräuter-Käsepaste, die nahezu zu allem passt, unserer Meinung nach aber besonders zu gegrilltem oder kurzgebratenem Fleisch und zu Brot. Insbesondere die Kombination mit römischem Gewürzbrot oder mit dem (ebenfalls käsehaltigen) Opferbrot Libum sollte man unbedingt probiert haben.

In der römischen Antike war Moretum ein einfaches Allerweltsessen, das zu allen Uhrzeiten geschätzt wurde. Die herzhafte Käsepaste ließ sich schnell herstellen und über den Tag hinweg essen, zudem war sie vielseitig einsetzbar, so daß sie täglich auf den Tisch kam. Die weite Verbreitung und Bedeutung dieses Alltags-Brotaufstrichs zeigt sich auch in der häufigen Erwähnung in der antiken Literatur.

Moretum wird unter anderem beschrieben von Lucius Iunius Moderatus Columella in seiner Schrift „De re rustica“ (das neben Catos „De agri cultura“ das bedeutendste Werk über römische Landwirtschaft ist). In seinem Werk wird eine Variante erwähnt, in der statt Schafskäse geriebene Walnüsse verwendet werden (und die damit auch neumodische vegane Geschmäcker trifft – wir haben dies jedoch nicht ausprobiert und halten uns an die althergebrachte Variante mit Schafskäse).

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Das tolle grüne Moretum der Gallo-Römer der PzlG e.V.

Die ausführlichste Beschreibung der Herstellung von Moretum wird allerdings Vergil zugeschrieben (ob es wirklich von ihm stammt, ist nicht gesichert). Im Gedicht „Moretum“ aus dem „Appendix Vergiliana“ beschreibt der Dichter in 122 Hexametern  detailliert den Tagesablauf eines Bauern, wobei die morgendliche Zubereitung des Moretums eine zentrale Rolle spielt. Zwar ist der Text als übertriebene und humorvolle Lobpreisung des einfachen Landlebens gedacht, uns liefert er jedoch heute detaillierte Informationen über die Herstellung dieses ländlichen Grundnahrungsmittels.

Hergestellt wird das Gericht laut den Quellen in der Reibschale, dem Mortarium, die der Paste auch ihren Namen gab. Das Mortarium, eine flache Schale aus Ton mit eingebrannten Sandkörnern an der rauhen Innenseite, wird häufig in der römischen Küche verwendet und wird in zahlreichen Rezepten erwähnt. Unter anderem wird es zur Herstellung von Pasten und Saucen verwendet.

Die Zubereitung in einer Rührschüssel ist allerdings ebenfalls unproblematisch. Wer es gerne homogen mag, kann einen Mixer verwenden; wir rühren und kneten unser Moretum in der Regel mit einem Holzlöffel, so daß es ein bißchen körniger und ungleichförmiger ist.

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Wir sind immer auf geheimer Moretum-Verkostungs-Tour unterwegs. So wird es im APX in Xanten serviert

Man kann das fertige Moretum entweder in einer Schale servieren, aus der man das Moretum dann, ähnlich moderner Kräuterbutter, mit einem Messer auf sein Brot oder Fleisch streicht. Die klassische Form der Zubereitung, die ebenfalls im besagten Vergil-Gedicht erwähnt wird, ist es, das Moretum zu kleinen runden Bällchen zu formen. Das hat den Vorteil, daß es transportabel ist und sich gut als „Finger Food“ für Zwischendurch eignet.

Da das Moretum unter anderem in der Pause bei der Feldarbeit gegessen wurde, ist die Bällchen-Form auch heute für Outdoor-Aktivitäten sinnvoll und zweckmäßig.

Das klassische Moretum besteht aus Schafs- oder Ziegenkäse, Olivenöl, Selleriegrün, Salz, Knoblauch und diversen Gewürzen, wobei man hier kaum übertreiben kann – je würziger, desto besser.

Hier kann man im Endeffekt seinen geschmacklichen Gewürzvorlieben freien Lauf lassen, denn schon in der Antike würzte man das Moretum mit allen möglichen Kräutern der Saison, wie sie eben gerade im Kräutergarten verfügbar waren.

Spezifisch erwähnt werden bei Vergil die Weinraute und Koriander, wobei die Weinraute etwas schwierig zu bekommen ist. Sie erfordert zudem etwas Sorgfalt im Umgang und der Dosierung, da die Blätter zu Hautreizungen führen können. Schwangere sollten das Gewürz generell meiden, da es in höherer Dosierung zu Fehlgeburten führen kann (und deshalb seit Jahrhunderten zu abortiven Zwecken genutzt wird). Mit ein paar Blättern kann man aber nichts falsch machen, ihr Geschmack ist sehr charakteristisch für Moretum.  In geriebener oder gemahlener Form ist sie uns nicht bekannt, aber als Gewächs für Garten oder Balkon bekommt man sie in gutsortierten Gärtnereien (zum Beispiel in der Klostergärtnerei der Abtei Maria Laach).

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Eine römische Küche im Kastell Saalburg im Taunus

Des weiteren eignen sich alle typischen Gewürze der römischen Küche zur Verfeinerung des Moretums. In der „De re rustica“ werden- je nach saisonaler Verfügbarkeit – Bohnenkraut, Lattichblätter, Schnittlauch, Minze, Schnittlauch, Lattichblätter, Walnüsse, Sesamkörner, Thymian, Pinienkerne, Haselnüsse, Mandelkerne und Oregano erwähnt. Wir persönlich haben zum Beispiel auch gerne Anis, Fenchel und Kümmel dabei.

Die Farbe eines Moretums reicht von weiß mit sichtbaren grünen Kräutern bis hin zu einer leuchtend grünen Paste, wie man sie zum Beispiel beim wirklich genialen Moretum des Vereins PzlG e.V. (Projekte zur lebendigen Geschichte e.V.) probieren darf – wer diese Gruppe einmal mit einem Moretum-Probierstand auf einer Veranstaltung sieht, sollte dem Stand unbedingt einen Besuch abstatten! Wir haben schon viel Moretum probiert, aber das ist eindeutig unser Favorit.

Auch das (weiße) Moretum, das ab und zu bei Veranstaltungen in der Römerwelt Rheinbrohl zum Verkosten angeboten wird (zum Beispiel zum römischen Backhaustag oder Limes-Wandertag), ist sehr empfehlenswert; hier wird ebenfalls mit Anis und Fenchel gearbeitet.

Wichtig ist, daß man nicht zimperlich mit Knoblauch sein sollte, da dieser ein Hauptbestandteil der Paste darstellt und alles dominiert. Hier reden wir nicht von einzelnen Zehen, hier rechnen wir in Knollen😉

Welcher Käse tatsächlich verwendet wurde, ist nicht eindeutig geklärt. Er wird in der Literatur als „milchiger Käse“, „harter Käse“, „junger gesalzener Käse“ und „hart von zerfressenem Salz“ beschrieben. Dies deutet darauf hin, daß es keine einheitliche Zubereitungsart für das Moretum gab und es sich wahrscheinlich regional und durch die Jahreszeiten je nach Geschmacksvorlieben und Verfügbarkeit der Zutaten unterschieden hat, genau, wie man die Gewürze je nach Saison verwendete.

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Moretum-Verkostung mit Edgar Comes, einem Experten der römischen Küche, bei der IRM in der Villa Borg

So ist ein Moretum sowohl aus weichem, feta– oder ricottartigem Schafs- oder Ziegenkäse üblich (Verarbeitung und Verzehr von Kuhmilch war in der römischen Antike unüblich), als auch aus Hartkäsearten wie Pecorino, eventuell vermischt mit weichem Schafs- oder Ziegenkäse. Wir bevorzugen die Variante mit weichem Käse.

Wer kein Freund von Schafs- oder Ziegenkäse ist, kann diesen auch mit Kuhmilch-Feta ersetzen, er sollte sich halt nur darüber im Klaren sein, daß es sich in dem Fall dann nicht um ein 100% authentisches Rezept aus der Antike handelt – aber rein von der Anwendung oder dem Geschmack her ist das unproblematisch. Schafs- oder Ziegenkäse ist allerdings aromatischer, da der Kuhmilch-Feta in der Regel ja einfach nur salzig ist. Wo wir schon mal beim Thema „unauthentisch, aber schmackhaft“ sind: Für eine angenehme Konsistenz und Textur kann man zum Beispiel auch körnigen Frischkäse oder Hüttenkäse zum verwendeten Schafs- oder Hartkäse hinzugeben, das ist zwar ebenfalls nicht authentisch, hat sich in der Praxis aber als sehr angenehme und frische Ergänzung erwiesen, so daß wir das im Sommer, z.B. zum Grillen, gerne als unsere „lokale Variante“ so zubereiten.


Rezept

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Ein Mortarium, die Reibschale zum Herstellen von Gewürzpasten

Hinweis: Römische Rezepte enthalten in der Regel keine Mengenangaben. Hier muß man selbst experimentieren, wieviel man letztendlich erhalten möchte und wie stark man Gewürze und Knoblauch dosieren will. Hier kann man ganz mutig sein und nach Augenmaß arbeiten; viel falsch machen kann man bei Moretum nicht.

Zutaten

Für Moretum nach antiken Originalrezepten benötigt man:

  • Weichen Schafs- und/oder Ziegenkäse nach Feta-Art (z.B. Salakis) und/oder Ricotta (3 Pakete a 250 Gramm ergeben etwa eine mittelgroße Schüssel)
  • Einen guten Schuß Olivenöl
  • Sehr viel Knoblauch, mindestens 5 Zehen, aber wahre Moretum-Fans nehmen auch 1-2 Knollen…
  • Sellerieblätter
  • Ca. 20 ml Essig (z.B. einen guten Weinessig)
  • Gewürze (nach Saison und Geschmack): Weinraute, Koriander, Bohnenkraut, Minze, Schnittlauch, Lattich, Thymian, Oregano, eine Prise Salz (Vorsicht, der Feta-Käse ist bereits salzig)
  • Optional (diese verwenden wir persönlich für unser Moretum nicht): Walnüsse, Sesamkörner, Haselnüsse, Mandelkerne, Pinienkerne

Wir ergänzen das Rezept (aus unserer experimentellen Erfahrung) dafür gerne noch mit:

  • 1 Paket Hüttenkäse / Körnigem Frischkäse
  • Gewürze: Anis, Fenchel, Kümmel
  • Etwas Honig

Zubereitung

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Olivenöl und Knoblauch vermengen

Zur Zubereitung eignet sich eine einfache große Schüssel.

Als erstes wird das Olivenöl mit dem klein gehackten oder zerdrückten Knoblauch vermischt.

In diese Mischung wird der zerbröselte Feta-Käse gegeben und mit Ricotta oder Hüttenkäse verrührt, bis sich eine körnige, aber gleichmäßige Masse ergibt.

Einen großzügigen Schuß Essig hinzufügen und einen ganz kleinen Löffel Honig.

Die Gewürze reiben oder fein mahlen, sofern man sie nicht bereits gemahlen vorliegen hat. Schnittlauch und andere blattartige Gewürze fein hacken. Nach und nach zur Käsemasse hinzugeben und unterheben. Kräftig durchrühren.

Wer es gerne homogen mag, kann hier einen Mixer benutzen, aber interessanter schmeckt das Moretum, wenn es gröber und ungleichmäßiger ist, so daß wir es mit einem Holzlöffel rühren.

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Und dann immer: Rühren, Kneten, Rühren, Kneten…

Für ein intensiveres Aroma empfiehlt es sich, das Moretum für eine Nacht im Kühlschrank stehen zu lassen, damit es gut durchziehen kann.

Für die original-römische Zubereitung wird die Masse zuletzt mit den Händen zu kleinen, etwa tischtennisballgroßen Bällchen geformt. Diese können z.B. mit je einem Zahlstocher durchbohrt, als Häppchen angerichtet werden.

Wer keine Bällchen formen möchte, kann das Moretum einfach in einer Schüssel servieren, aus der man sich mit einem Messer bedient.

Bene sapiat!🙂

Events und Veranstaltungen: Römertage Villa Borg 6.-7. August 2016

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Eine tolle Location: Der Archäologiepark Villa Borg

Am kommenden Wochenende steht uns ein weiteres Highlight der Saison bevor: die XIX. Römertage im Archäologiepark Villa Borg!

Die Römertage in der Villa Borg sind ein „Klassiker“ unter den Römerfesten, denn die Kulisse des rekonstruierten römischen Gutshofs mit seinem zweistöckigen Herrenhaus und der weitläufigen Gartenanlage sorgt für eine ganz besondere Atmosphäre.

Der Archäologische Park liegt im östlichen Gallien, sprich: im Dreiländereck bei Perl im Saarland, direkt an der luxemburgischen Grenze (am anderen Moselufer liegt das luxemburgische Schengen) sowie an der Grenze zu Frankreich.

Wie auch schon in den Jahren zuvor, sind wieder einige römische Legionen vor Ort (unter anderem die Legio XXII Primigenia Milites Bedenses aus Bitburg und die VEX LEG XI CPF, die extra für diesen Event aus der Schweiz anreist), die militärisches Alltagsleben, Exerzieren und Ausrüstung demonstrieren. Dabei stehen die gut informierten und auskunftsfreudigen Mitglieder dieser Gruppen gerne für Fragen aller Art zur Verfügung.

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Kampfkunst der Barbaren (2015)

Erstmalig dabei ist die Vigilia Romana Vindriacum, der Verein für rekonstruktive Geschichte, deren Schwerpunkt auf dieser Veranstaltung auf dem Weinbau und Weintransport in der Antike liegt.

Auf dem Gelände wird außerdem ziviles Leben in der römischen Provinz demonstriert, so daß die Besucher einen Einblick in verschiedene Handwerkstechniken wie Schmieden, Schuhmacher, Bogenbau, Frisieren, Mosaiklegen und Töpfern gewinnen können. Händler erlauben zudem, sich mit allem einzudecken, was der römische Cultor und der Antikenfreund benötigt – von Öllampen über gute Repliken bis hin zu Schmuck.

Einen Blick auf die andere Seite, die einheimischen Gallier, Iberokelten, Sueben und andere „Barbaren“ in der Antike, erlaubt die luxemburgische Gruppe Lucilinburhuc, die mit ihren Pferden anreist und ihre Waffen- und Kampftechniken demonstriert. Nicht zuletzt zeigen – wie jedes Jahr – die Gladiatoren der Familia Gladiatoria Pannonica aus Ungarn Gladiatorenkämpfe.

Zur Stärkung gibt es römische Speisen nach Apicius und Getränke. Daneben wird zum Römerfest auch der „schwarze Römersud“ ausgeschenkt, ein schmackhaftes naturbelassenes, unfiltriertes Schwarzbier, das in Zusammenarbeit mit dem Förderkreis Römische Villa Borg in der Mettlacher Abtei-Brauerei jährlich extra für diesen Event gebraut wird.

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Immer ein Erlebnis: die Führung mit dem Haussklaven Jatros

Im Rahmen der Veranstaltungen werden auch kostenlose Führungen durch die Villa angeboten. Denn auch das Innere des Gebäudes, das auf den originalen Fundamenten errichtet wurde, ist absolut sehenswert. Hierbei sind vor allem die authentisch rekonstruierten Bäder, die Küche, die Vorratsräume und der Wohnbereich zu nennen. Außerdem gibt es im Inneren einen Museumsteil, der über die Geschichte der Villa Borg und der Region informiert, sowie einen römischen Kräutergarten. Wenn man Glück hat, hat man auch Gelegenheit, an einer “Führung der etwas anderen Art” durch den immer enthusiastischen Haussklaven Jatros teilnehmen zu können.

Bei Kindern sehr beliebt sind die Esel der Familie Marson, mit denen man zum Gelände reiten kann. Sie sind sehr zutraulich.

Der Eintritt für Erwachsene kostet 7€. Es gibt die Möglichkeit, eine Familienkarte für 14€ zu erwerben.

Kostenlose Parkplätze sind vor dem Villengelände ausreichend vorhanden. Die Veranstaltung findet jeweils von 10 – 18 Uhr statt.

Mehr Informationen gibt es auf der Website der Villa Borg.

Für Informationen rund um den Archäologiepark Villa Borg empfehlen wir auch unseren Artikel!

 

Museen und Archäologische Parks: Malagne – Archéoparc de Rochefort (BE)

 

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Das gallo-römische Landgut in den belgischen Ardennen

Anschrift:

Rue du Coirbois 85, 5580 Rochefort, Belgien

Anfahrt:

Der Archäologische Park Malagne liegt in den belgischen Ardennen in der Provinz Wallonie nahe Rochefort.

Mit dem Auto ist es gut zu erreichen; der Archäologische Park ist mit Schildern, die auf eine „L’Experience Gallo-Romain“ hinweisen, bereits an der Hauptstraße N86 zwischen Marche-en-Famenne und Rochefort gut sichtbar ausgeschildert. Das Navi findet die Anschrift problemlos. Vor dem Freilichtmuseum befindet sich ein eigener großer Parkplatz.

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist nicht unmittelbar möglich, da der Park etwas abgelegen liegt. Der nächstgelegene Bahnhof ist in Jemelle (etwa 4km entfernt). Hier halten Züge aus Luxemburg, Brüssel und Libramont. Außerdem gibt es einen zentralen Busbahnhof. Von dort aus kann man mit der Buslinie 166a zur Haltestelle Hall Omnisports in der Nähe der Straße „Malagne“ fahren, von dort aus muß man jedoch das restliche Stück laufen (etwa 15 Minuten Fußweg).

Hintergrundinformationen:

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Blick auf das Gelände von der Aussichtsplattform

Der Archäologische Park Malagne, „die gallo-römische Erfahrung“ , befindet sich im ehemaligen romanisierten Gallien. Hier wurden im Jahr 1890 von der Archäologischen Gesellschaft Namur die fast vollständig erhaltenen Grundrisse eines gallo-römischen Landgutes entdeckt, inklusive einer großen herrschaftlichen Villa, die mit großer Sicherheit über vier Jahrhunderte bewohnt war. Daneben entdeckte man zahlreiche Neben- und Wirtschaftsgebäude, die einen guten Eindruck von den Ausmaßen und der Struktur eines gallo-römischen Landguts vermittelten.

In den Jahren zwischen 1992 und 1997 führte die Provinz Wallonie großangelegte Grabungen auf dem Gelände durch und konnte zahlreiche wichtige Details freilegen: weitere Nebengebäude, ein Glasofen, eine Schmiede und ein Teich, der pollenanalytisch untersucht wurde und eine genaue Datierung des Nutzungszeitraums ermöglichte.

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Das Landgut zu römischer Zeit

Es gelang den Archäologen, den Bauplan des Landgutes zu rekonstruieren und dessen Aufteilung in einen Wohnbereich (Pars urbana) und einen Arbeitsbereich (Pars rustica) nachzuweisen.

Der Wohnbereich mit seiner weitläufigen, doppelstöckigen Villa verfügte über alle Annehmlichkeiten der gehobenen Lebenskultur in der gallo-römischen Provinz: Fußbodenheizung, Repräsentationssäle, eine Thermenanlage, Latrinen, fließend Wasser und einem Raum, der als Sacellum diente und das Lararium beinhaltete, mit einem separaten, von vier Säulen getragenen Eingang.

Auch die Funktionen der landwirtschaftlich genutzten Nebengebäude konnten ermittelt werden. So interpretierte man die Gebäude als Ställe, eine Schmiede mit Räucherkammer, Getreidedarre und Bierbrauerei.

Um die Einzigartigkeit dieses zusammenhängenden Landgutes zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, entschied man sich, das Gelände als Archäologischen Park zu gestalten und einige der Nebengebäude zu rekonstruieren, um dem Besucher eine bessere Vorstellung von der Größe und den Dimensionen des Gehöfts zu vermitteln.

Neben der Präsentation der Funde legte man auch einen Schwerpunkt auf die experimentelle Archäologie, so daß Forschern ermöglicht werden sollte, in Malagne auf praktische Weise die Details des Lebens auf einem gallo-römischen Landgut zu erforschen. So wurden unter anderem der Stall und die Schmiede in funktionstüchtiger Weise in alter Bautechnik rekonstruiert und in den Original-Farben weiß und rot verputzt. Beide Gebäude sind voll funktionsfähig und werden auch für Experimente genutzt.

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Anbau von Obst und Gemüse

Daneben pflanzte man antike Getreidesorten auf den weitläufigen Feldern zwischen den Gebäuden, legte den Teich wieder an seiner originalen Position an und begann auch mit Nutztierhaltung, wobei Wert darauf  gelegt wurde, Rassen zu wählen, die in Größe und Art den Nutztieren eines gallo-römischen Bauernhofs entsprechen.

Heute werden auf dem Gelände Ziegen, Schafe, Pferde, Maultiere und Rinder gehalten. Dies erlaubt archäologische Experimente, die auch Tiere einschließen, wie zum Beispiel die Rekonstruktion eines Vallus, der römischen Mähmaschine, die von einem Maultier geschoben wird und eine um ein Vielfaches schnellere Getreideernte als mit der Sense erlaubt. Hierbei konnten im Experiment auch praktische Fragen gelöst werden, die mit den vorhandenen Schrift- und Bildquellen bislang nur unzureichend in der Theorie beantwortet werden konnten, zum Beispiel, wie das Geschirr und Joch des Esels aussahen, der die Maschine schob.

Funktionstüchtige Kuppelbacköfen, eine Küche und ein Rennofen zur Eisenschmelze erlauben weitere Experimente.

Es wurde auch ein Zier- und ein Nutzgarten angelegt, in dem Kräuter und Pflanzen aus römischer Zeit, Obst- und Gemüsesorten sowie Wein angebaut werden. Alles in allem werden hier über 200 Pflanzen angebaut, deren Gebrauch bereits aus der Antike bekannt ist.

Bis heute wird das Gelände experimentalarchäologisch bewirtschaftet und für Experimente aller Art genutzt, was es einmalig unter den gallo-römischen Landgütern macht.

Eine Villa Rustica hat fast jeder Ort in unserer gallischen Provinz, aber ein vollständiges Landgut mitsamt Haupt- und Nebengebäuden, Getreideanbau und Viehzucht, das die Größe eines solchen Geländes vermittelt, ist einmalig.

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Experimentelle Archäologie: Der Vallus im Einsatz

Das Hauptgebäude, die Wohnvilla, wurde nicht rekonstruiert, sondern in ihren Fundamenten belassen. Es gibt auch keine Pläne, das Gebäude (wie z.B. bei der Villa Borg) zu rekonstruieren.

Ein konstantes Problem eines solchen Projektes, das nicht die Mittel wie z.B. ein LVR-Park zur Verfügung hat, ist, wie üblich, die Finanzierung. Wie überall, wird auch in Belgien bei der Archäologie gespart.

Der Wiederaufbau der Villa wäre allein aus finanzieller Hinsicht utopisch. Es befinden sich allerdings noch mehr Nebengebäude und Funde auf dem Gelände, die jedoch aus Geldmangel nach Abschluß der Grabungsarbeiten und archäologischen Aufnahme wieder vergraben werden mußten, um sie zu schützen und zu erhalten. Das Museum ist ständig um neue Gelder bemüht, um die Grabungen fortzusetzen; sollten neue Mittel verfügbar sein, würde man damit gerne weitere Nebengebäude rekonstruieren.

Beschreibung:

Auf unseren Reisen durch die gallische Provinz stoßen wir immer wieder auf Überraschungen  – Malagne war eine solche, die uns regelrecht begeisterte. Wir hatten mit einer weiteren Villa Rustica gerechnet, aber dann sahen wir die Ausmaße des Geländes und vor allem, wie detailliert und anschaulich das Landgut rekonstruiert und betrieben wird.

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Auch Getreide wird hier angebaut

Am Parkplatz befindet sich ein Schild, das darauf hinweist, daß der Park zwar bis 18 Uhr geöffnet hat, der letzte Einlaß aber um 16:30h ist, was uns im ersten Moment verwunderte, dann aber schnell klar wurde, warum das so ist.

Malagne ist nichts für eine kurze, schnelle Stippvisite – der Park mit seinen vielen Details und weitläufigem Gelände muß in Ruhe erforscht und erwandert werden, um dem Besucher die Dimension dessen, was hier erarbeitet und gezeigt wird, zu erschließen.

Im Eingangsbereich an der Kasse empfing uns eine sehr freundliche und engagierte Frau, mit der wir uns in einem regen Mix aus Französisch und Englisch unterhielten. Sie erklärte uns, daß an dem Tag unseres Besuchs keine Vorführungen stattfanden (an manchen Sonntagen wird der Park durch Darsteller belebt, die an einigen Stationen praktische Tätigkeiten demonstrieren). Aber man kann den gesamten Park auch gut alleine erwandern, denn er ist in über 20 beschriftete Stationen aufgeteilt, zu denen man ausführliche Informationen mit einem Audio-Guide abrufen kann.

Den Audio-Guide erhielten wir an der Kasse, zusammen mit einem laminierten Lageplan der einzelnen Stationen auf dem Gelände, so daß man problemlos den Nummern folgen kann. Das Gerät ist im Eintrittspreis enthalten (der angesichts der Größe und des Aufwands der Bewirtschaftung des Geländes absolut in Ordnung ist); unsere Ansagetexte stellte die Frau uns auf Englisch ein. Daneben sind Französisch und Flämisch als weitere Sprachen verfügbar.

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Die Texte in den Audio-Guides sind detailliert und fundiert

Die Informationen des Audio-Guides sind sehr gut gemacht – informativ und detailliert. Sie schafften es, den experimentalarchäologischen Anspruch des Parks und die erzielten Ergebnisse sehr gut herauszustellen und anhand der Stationen zu erläutern.

Zu einigen Spezialthemen sind auf Wunsch, zusätzlich zu den Texten der Stationen, weiterführende Informationen verfügbar, die man durch Eingabe einer weiteren Nummer abrufen kann. Hier gehen die Texte dann sehr ins Detail und weisen auf ganz spezielle Aspekte eines Themas hin, unterlegt durch Zitate aus antiken Quellen oder mit Hinweisen auf Bildquellen – didaktisch vorbildlich!

Die Führung beginnt im Inneren des Hauptgebäudes, in dem sich auch ein Seminar- und Arbeitsraum befinden, wo regelmäßig pädagogische Aktivitäten für Gruppen, Schulklassen und andere Interessenten stattfinden.

Hier werden anhand eines rekonstruierten Modells des Landgutes zu römischer Zeit das Gelände, der Lageplan und die Geographie erläutert, zum Beispiel auch die Tatsache, daß sich am Hang hinter dem auf einem Hügel gelegenen Herrenhaus ein Steinbruch befand.

Nach der Erläuterung der generellen Lage wird der Besucher auf das Freigelände entlassen, auf dem man sich frei bewegen kann. Es macht jedoch Sinn, die Stationen in numerischer Reihenfolge abzulaufen, da die Informationen aufeinander aufbauen.

Den Anfang macht eine Aussichtsplattform, von der aus man einen tollen Überblick über das Landgut hat und schon einmal staunt, wie groß das Gelände war und wie hervorragend die Aussicht des Hausherrn auf sein Land von seiner auf der Anhöhe gelegenen Villa gewesen sein muß.

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Ausprobieren erlaubt!

Überall zwischen Getreidefeldern und Viehweiden, die (neben einem modernen Zaun, der den heutigen Vorschriften geschuldet ist) mit antiker Zauntechnik umgrenzt sind, sieht man die rekonstruierten Nebengebäude aufragen.

Das Blöken der Schafe, die Laute der Pferde und Rinder, machen den Gang über das Gelände besonders anschaulich – so muß auch die Geräuschkulisse zu römischer Zeit gewesen sein. Das verstärkt das Eintauchen in die Geschichte und erhöht die Anschaulichkeit deutlicher, als wenn man nur durch die Ruinen einer Villa Rustica geht.

Das ganze Gelände ist sehr gepflegt und sauber, die Kräuter-, Obst- und Gemüsefelder sind beschriftet.

Alle Gebäude können betreten werden und alles, was sich darin an Werkzeugen und Alltagsgegenständen befindet, kann man in die Hand nehmen und ausprobieren. Man wird zuerst an die Öfen und Küche geführt und erhält eine Einführung in antike Bautechnik mit Fachwerk und Steinbauweise. Nach einem Rundgang durch die Gärten geht es an einem Getreidefeld entlang zum Teich, der an der originalen Stelle angelegt wurde (heute jedoch als Biotop verwendet wird, um Lebensraum und Ökosystem See zu erläutern).

Vorbei an den Weiden der Rinder, Pferde, Schafe und Ziegen geht es in die Schmiede, wo auch die Versorgung thematisiert wird, da sich hier auch Räucherkammer und Bierbrauerei befanden. Am nicht wieder aufgebauten, aber mit einem Schutzbau überdachten Haus des Gutsverwalters vorbei, besichtigt man dann den großen Stall, der im Winter tatsächlich als Stall für die Tiere des Parks genutzt wird.

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Der rekonstruierte Vellus, die römische Mähmaschine

Hier erfährt auch man detailliert von einem besonderen Experiment, das in Malagne durchgeführt wurde: die Rekonstruktion der antiken Mähmaschine Vallus, die auch im Stall als Nachbau zu bestaunen ist.

Während man sich über das Gelände bewegt, erfährt man im Audio-Guide von weiteren Besonderheiten des Hofes, zum Beispiel der Entdeckung eines Gräberfeldes, das jedoch noch nicht weiter erforscht werden konnte.

Den Abschluß der gut 1,5 bis 2-stündigen Rundwanderung bildet das Herrenhaus, das zwar nicht rekonstruiert wurde, das aber (mauerschonend) über Brücken und Stege betreten und durchquert werden kann.

Überall im Park finden sich, zusätzlich zu den Informationen im Audio-Guide, Info-Tafeln. Diese sind jedoch leider nur auf Französisch (gelegentlich mit einer einzeiligen Zusammenfassung auf Flämisch).

Im Museumseingang gibt es einen kleinen Shop und es besteht die Möglichkeit, heiße und kalte Getränke zu sich zu nehmen. Es gibt auch einen Picknickbereich.

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Im großen Hauptgebäude, der herrschaftlichen Villa

Fazit: Eine Villa Rustica haben viele Orte, aber als „gallo-römische Erfahrung“ ist das römische Landgut von Malagne definitiv etwas Besonderes.

Durch die Kombination aus rekonstruierten Gebäuden, aktiver Bewirtschaftung, experimenteller Archäologie und hervorragender, fundierter Wissensvermittlung gehört Malagne für uns definitiv zu den Geheimtips, die wir unseren gallo-römisch interessierten Lesern wärmstens ans Herz legen möchten. Deswegen machen wir an dieser Stelle gerne (und unbezahlt) Werbung für diesen Archäologischen Park! Wenn Ihr einmal in der Nähe seid, sei es in den belgischen, luxemburgischen oder französischen Ardennen (beide Landesgrenzen sind nur wenige Kilometer entfernt), solltet Ihr dieses Ziel unbedingt auf Eure Liste setzen.

Öffnungszeiten, Eintritt:

In den Monaten Juli bis September ist der Park täglich von 11-18 Uhr geöffnet (letzter Einlaß 16:30 Uhr). Für den Besuch sind etwa 2 Stunden einzuplanen.

Außerhalb dieser Zeiten, von Ende März bis Anfang November, ist der Park in den Schulferien und an Feiertagen und Wochenenden geöffnet.

Während der Winterpause ist Öffnung für Gruppen nach Absprache möglich.

Der Eintritt für einen Erwachsenen beträgt 6,50 €, für Kinder 5 €. Der Audio-Guide ist im Preis enthalten.

Führungen, Veranstaltungen:

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In der experimentellen Küche

Jeden ersten Sonntag im Monat finden Führungen mit praktischen Vorführungen statt, zum Beispiel zum Thema Brotbacken.

Malagne ist auch Schauplatz eines Römerfests namens „Le Rendez-Vous Gallo-Romain de Wallonie“ mit römischen Legionen, Handwerkern, Reiterei und Gladiatorenspielen. Das Gelände ist für solche Veranstaltungen ausgezeichnet geeignet.

Aktuelle Informationen zu solchen Veranstaltungen sind auf der offiziellen Website zu finden oder in unseren Ankündigungen unter „Events und Veranstaltungen“.

Es finden außerdem regelmäßige Veranstaltungen und Workshops statt (allerdings ausschließlich auf Französisch), wie archäologische „Gallo Day Camps“ für Kinder. Gruppenaktivitäten können auf Anfrage gebucht werden, ebenso wie eine Vorführung antiker Bierbraukunst oder Brotback-Workshops.

Sonstiges:

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Die rekonstruierte Schmiede mit Räucherkammer, Darre und Bierbrauerei

Es ist erlaubt, Hunde an der Leine mitzuführen.

Fotografieren ist überall uneingeschränkt erlaubt.

Weiterführende Informationen:

 

 

  • Kurzer Filmbeitrag über Malagne: „Malagne, vivre au temps des Romains“ (Französisch, 8 Minuten)

Events und Veranstaltungen: Römerfest in den Kaiserthermen Trier, 23.-24.7.2016

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In Trier gibt es viele gut erhaltene römische Momunentalbauten

Update: Das Römerfest ist vorbei und war ein voller Erfolg. Einige Foto-Impressionen findet Ihr auf unserer Seite auf Facebook!

Am kommenden Wochenende ist es (endlich!) wieder so weit: Nach vielen Jahren Pause findet in Trier, der ältesten Stadt Deutschlands, wieder ein großes Römerfest statt!

Nachdem der etablierte jährliche Event „Brot und Spiele“ 2012 endgültig eingestellt worden war, wurde es aus römischer Sicht still um die Kaiserstadt Augusta Treverorum, einst zweitgrößte Stadt des römischen Reichs und nicht umsonst bezeichnet als „Roma Secunda“.

Das war umso bedauerlicher, als daß sich in Trier noch heute gut erhaltene Monumentalbauten aus römischer Zeit finden und die Kulisse der Stadt für ein Römerfest einfach wie geschaffen ist. Auch wurde es von vielen Seiten bedauert, daß ausgerechnet eine Stadt, die sich so sehr auf ihre römische Vergangenheit berufen kann, kein großes Römerfest mehr ausrichtet.

In diesem Jahr feiert Trier nun „30 Jahre UNESCO Weltkulturerbe“ – unter anderem mit der großartigen Nero-Sonderausstellung „Kaiser, Künstler und Tyrann“ parallel in drei Museen der Stadt, und eben auch einem großen Römerfest, das in den Kaiserthermen abgehalten wird.

Zahlreiche Gruppen und Einzeldarsteller, wie die Legio XXI Rapax, die Cohors Praetoria, die Bitburger Legion XXII Primigenia Milites Bedenses, die Gladiatorenschule Trier, der Reiter Roms und zahlreiche Handwerker und Darsteller zivilen Lebens haben ihre Teilnahme zugesagt, so daß nun auch das vollgepackte Programm der beiden Tage bekannt ist:

Kaiserthermen

Das Römerfest findet an beiden Tagen von jeweils 10-18 Uhr in den Kaiserthermen statt (die Kellergänge der Thermen sind während des Römerfestes allerdings geschlossen und können nicht besichtigt werden).

Es gilt der reguläre Eintrittspreis in die Kaiserthermen, auch die AntikenCardTrier und die AntikenCardNero werden angerechnet. Wer eine Eintrittskarte der Nero-Ausstellung vom gleichen Tag vorweisen kann, erhält kostenlosen Einlaß zum Fest.

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„Brot und Spiele“, 2007

Weitere Informationen hier auf der offiziellen Website „Trier – Zentrum der Antike“ 

 

 

Wie die Götter es manchmal fügen…

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Artikel © D. Gratius Ludovicus, 07/2016

Manchmal gibt es schöne Beispiele im Leben eines Cultors, wie die Götter die Dinge fügen… heute also eine kleine Geschichte aus der gelebten Religion eines römischen Rekonstruktionisten, die ja gerne von vielen „Neuheiden“ als unspirituell und trocken abgelehnt wird😉

Ich habe immer schon eine gewisse Nähe zu Silvanus verspürt, dem Gott des Waldes und der Felder, der im Gegensatz zu Faunus nicht die wilde Natur, sondern deren Eingrenzung und damit gleichermaßen ihre Zähmung und Nutzung verkörpert, wodurch letztlich die Grenze zwischen Natur und Kultur geschaffen wird. Dadurch gehören zu seiner Sphäre ebenfalls die Gärten und die Grenzen der ländlichen Grundstücke, so daß er nicht nur – wie Horaz ihn nennt – tutor finium, also Beschützer der Grenzen ist, sondern als Silvanus domesticus, als häuslicher Silvanus, geradezu der Wächter (custos) des Grundbesitzes und Hauses wird, was seine Funktion sich mit der der Laren überschneiden lässt. In diesem Sinne finden wir ihn auch in Inschriften als Silvanus sanctus larum oder Silvanus sanctus sacer larum als den  Penaten zugehörig erwähnt.

 

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Sucellus Hochrelief aus Kinheim an der Mosel, 3. Jahrhundert

Bis dato hatte dieser Gott für mich aber kein Gesicht und er blieb ein Numen, das man spüren kann, wenn man alleine durch Wald und Flur streift. Vor einiger Zeit besuchten wir eine römische Kelteranlage am Fuße des – wie die Römer ihn nannten – Dulcis mons, des „süßen Berges“ bei Brauneberg an der Mosel. Dort fiel uns eine recht große Statue auf, die hinter der Absperrung aufgestellt ist und die wir bis dato noch nicht kannten. Es stellte sich heraus, daß es sich um den keltischen Gott Sucellus handelte, der später auch in der gallo-römischen Religion eine große Rolle spielte und dessen Darstellung als Statue hier an der Kelter nach einem Fund aus Kindel/Kinheim angefertigt worden war.

 

In der nachfolgenden Recherche zu dieser Gottheit war ich nicht wenig überrascht über die gallo-römische Gleichsetzung des Sucellus mit… Silvanus! Jetzt hatte dieses Numen, das ich kannte, auf einmal ein Gesicht bekommen, zwar aus einer für mich unerwarteten Ecke, aber durch die zufällig erscheinende Begegnung im Sinne einer bewegenden Überraschung.

 

Leider kannte ich keine konkrete Darstellung des Sucellus, wie etwa die Statue an der römischen Kelter, die man erwerben konnte. Abseits der üblichen Götterdarstellungen, die in den diversen Museumshops erhältlich sind, oder direkt von Künstlern, die diese anbieten (und die oft eben jene sind, die diese Repliken auch für die Museen anfertigen) wird es generell schwierig für den normalen Gallo-Römer. Die Museen wachen mit Argusaugen darüber, daß Rechte nicht verletzt werden, daß von Statuen z.B. keine „illegalen“ Abgüsse kursieren und daß sie die Kontrolle darüber haben, was auf dem Markt für jedermann erhältlich ist.

 

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Die römische Kelteranlage bei Brauneberg an der Mosel

Als ich mich vor vielen Jahren im Rheinischen Landesmuseum in Bonn einmal nach der Möglichkeit erkundigte, ob es Möglichkeiten gäbe, daß ich als Privatperson mir einen Matronenstein anfertigen lassen könnte, wurde schnell abgewunken mit dem Hinweis „sowas sehen wir nicht gerne und erlauben es auch nicht, was Abgüsse angeht etc. – wir möchten wissen wer wo was stehen hat“ – eine seltsame und mich nicht wirklich überzeugende Aussage, aber so war es nun mal.

Insofern hatte ich nach der Begegnung an der Mosel mit dieser gallo-römischen Gottheit  natürlich spontan die Idee, eine Statue des Sucellus-Silvanus für meine sacra privata irgendwann einmal mein Eigen nennen zu können, wußte aber um die oben angesprochenen Probleme. So zeigte sich denn auch nach einer entsprechenden Recherche schnell, daß diese Gottheit nicht zu denjenigen gehört, die auf dem üblichen Weg erhältlich sind, was mir deutlich machte, daß aus diesem Wunsch nichts werden würde. Was sich noch einstellte, war die Verärgerung über diverse Richtlinien, die es Museen erlauben, hier eine solche restriktive Kontrolle auszuüben, gleich wie sie das begründen mögen. Es mag bestimmte Gründe geben, die man als mehr oder weniger überzeugend für diese Restriktion akzeptieren kann, aber für den heutigen Cultor ist das schon ein arger Einschnitt in die  Ausübung unserer Religion. Damit war das Thema erst einmal auch abgehakt für mich. Aber wohl nicht für Sucellus😉

 

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Sucellus, in der Kelter bei Brauneberg an der Mosel

Denn kurze Zeit später weilten wir auf einem kleinen aber feinen Event – die Historischen Zeit-Reise-Tage/Antiken Tage auf der Burg Olbrück – dessen Initiator wir kennen und wo wir kurz mal „Salve!“ sagen wollten, da die Olbrück nicht weit von uns entfernt liegt und sich das für einen sonnigen Sonntagausflug anbot.

 

Nachdem wir uns an wohlschmeckenden keltischen Gerichten gelabt hatten, erwähnte jener Bekannte, er habe eine Replik des Sucellus darstellenden Hochreliefs, das bei Ausgrabungen einer römischen Villenanlage aus dem 3. Jahrhundert in Kindel gefunden wurde, erwerben können… und habe noch eine zweite! Ein mehr als guter Preis wurde schnell auf unkomplizierte keltisch-römische Art vereinbart und ein paar Wochenenden später konnten wir den Sucellus bei ihm daheim abholen.

 

Heute – Dies Iovis Nonis Iuliis MMDCCLXIX ab urbe condita – habe ich die Invocatio durchgeführt und die Auspizien nach dem Ritus waren eindeutig, das Sucellus-Silvanus die Einladung angenommen hat.
Die Art und Weise, wie sich die Dinge in kürzester Zeit entgegen jeglicher Erwartung gefügt haben, ist für mich wieder ein deutliches Zeichen dafür, daß eine Gottheit Wege findet, um sich zu offenbaren und auch eigentlich Unmögliches doch irgendwie möglich zu machen🙂

Events und Veranstaltungen: „Schwerter, Brot und Spiele“ in Xanten,25.-26.6.2016

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So viele Mitwirkende sieht man selten auf einer Veranstaltung – ein Riesen-Event!

Alle zwei Jahre findet im Archäologischen Park Xanten (APX) eines der größten Römerfeste Europas statt – und dieses Jahr ist es wieder soweit!

Vor der sehenswerten Kulisse der teilweise rekonstruierten römischen Colonia Ulpia Traiana treffen sich anläßlich dieses Events Römergruppen und Einzeldarsteller aus ganz Europa – über 500 Mitwirkende, unter anderem Soldaten, Händler, Handwerker, Musiker und Gladiatoren.

Hierbei steht nicht die „Show“ im Vordergrund, sondern den Beteiligten geht es vor allem um die Vermittlung von Wissen über die römische Antike, auch in unserer Region.

Interessante Vorführungen, zum Beispiel zur römischen Musik, Alltagsleben,  Militärwesen, stehen neben Informationen zur Archäologie, sowohl den Stand der Ausgrabungen in Xanten als auch experimentelle Archäologie betreffend. Hersteller von Repliken, die ihre Waren anbieten sind ebenso vertreten wie Experten in römischem Weinbau, Brotbacken, Schmieden oder Weben. Römische Küche kann ebenfalls – und sollte! – probiert werden.

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Spezialthemen, wie römische Musik, werden hervorragend präsentiert

Einer der Höhepunkte ist die Pompa, der große Umzug über die Hauptstraße des Parks zum teilrekonstruierten Amphitheater. Hier finden die Gladiatorenkämpfe der Gladiatorenschule Amor Mortis statt, welche auch abseits der Arena fundiert und sachkundig gerne Fragen zur Gladiatur beantworten und die zu den besten Gladiatoren der Reenactment Szene zählen.

„Schwerter, Brot und Spiele“ ist ein wirklich großer Event mit einem vollgepackten Programm auf einem riesigen Gelände – hier kann man locker den ganzen Tag verbringen, ohne daß man auch nur eine Minute Zeit findet, das Museum des APX zu besichtigen.

Auf jeden Fall eine sehenswerte Veranstaltung – allein aufgrund der Dimensionen kaum mit den eher lokal orientierten anderen Römerfesten vergleichbar.

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Bei den Gladiatorenkämpfen in der großen Arena kommt Stimmung auf!

Auch wer sich mit römischen Devotionalien eindecken möchte (von der handgefertigten Sandale über Terra Sigillata bis zur Götterfigur ist alles zu haben, so daß man hier auch Dinge findet, um sein Lararium stilgerecht auszustatten), sollte sich diesen Termin vormerken – mehr Händler und Handwerker an einem Ort versammelt wird man in dieser Saison nicht finden.

Die Veranstaltung findet am 25. und 26. Juni von 10 – 18 Uhr statt.

Die Tageskarte für Erwachsene kostet 13 €, eine Zweitageskarte 19 €. Der Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist frei.

Weitere Informationen zur Veranstaltung gibt es hier auf der Offiziellen Seite des APX.

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Auch dieses Jahr mit vollem Körpereinsatz dabei: Die Gladiatorenschule Amor Mortis

 

 

 

Antike Stätten: Bertriacum – Römisches Quellheiligtum der Meduna und Vercana (Bad Bertrich)

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Die evangelische Kirche auf dem Felssporn steht an der Position eines ehemaligen römischen Tempels

Anschrift:

Trinkbrunnen: Kurgarten (Wandelhalle), 56864 Bad Bertrich

Anfahrt:

Bad Bertrich, das römische Bertriacum, liegt in der südlichen Vulkaneifel nahe der Mosel.

Der Kurort liegt in einem engen Tal, umgeben von mehreren erloschenen Vulkankegeln, und ist über eine gewundene Landstraße aus der Eifel und von der Mosel aus zu erreichen.

Parkmöglichkeiten bestehen am Ortseingang auf einem großen öffentlichen Parkplatz hinter dem „Apollo-Tunnel“. Von hier aus ist in dem kleinen Ort alles gut fußläufig zu erreichen.

Bad Bertrich hat keinen Bahnhof. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen möchte, nimmt den Zug zum Bahnhof Bullay, von dort aus besteht eine regelmäßige Busverbindung mit der Linie 727.

Ansonsten liegt Bad Bertrich in einer touristisch sehr attraktiven Landschaft mit vulkanischen Maaren und dem Moseltal. Es ist gut mit zum Teil spektakulären Wanderwegen durch das felsige Umland erschlossen.

Hintergrundinformationen:

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Rohre der römischen Quellfassung

In Bad Bertrich befindet sich die einzige Glaubersalz-Heilquelle Deutschlands. Sie wurde von der Römerzeit über das Mittelalter, durch Kurfürsten, als Preußisches Staatsbad, im Nationalsozialismus bis zum heutigen Kurbetrieb kontinuierlich genutzt. All diese Epochen haben ihre Spuren in dem kleinen Kurort hinterlassen.

Zu römischer Zeit wurde diese Thermalquelle bereits so geschätzt, daß an dieser Stelle im 4. Jahrhundert n. Chr. das große römische Heilbad Bertriacum entstand. Unter den Kaisern Valentinian II. und Gratian wurden prächtige Badeanlagen mit Säulentempeln errichtet.

Die Heilquelle wurde zu einer überregional bedeutsamen Pilger- und Kurstätte, die den anderen Quellheiligtümern in der Region im sprichwörtlichen Sinne des Wortes das Wasser – sprich, die Pilger – abgrub und damit zu ihrem langsamen Versinken in der Bedeutungslosigkeit betrug, wie es wahrscheinlich beim Quellheiligtum von Heckenmünster der Fall war. Der Weg dorthin war um ein Vielfaches beschwerlicher, während das imposante Heilbad in Moselnähe deutlich verkehrsgünstiger lag.

Das Thermalwasser, das in Bertriacum zu Tage tritt, hat eine Temperatur von 32 Grad und gilt als wirksam bei Magen- und Darmerkrankungen. Bereits die Römer fassten die Quelle, die aus einer 2,3 km tiefen Bruchzone durch Felsgestein an die Oberfläche steigt, in einer 25 Meter langen Quellfassung. Durch bleiernde Steigrohre wurden pro Minute 123 Liter direkt in die Bäderanlagen geführt. Das Fördersystem, das aufgrund des natürlichen Steigdrucks ohne Pumpen auskam, war ausgeklügelt. Die Quellfassung war mit Estrich versiegelt, damit das Wasser gegen Schmutzeintrag von außen geschützt war, insbesondere bei Hochwasser. Außerdem schützte es die Quellleitung vor Wasserverlust in das von Klüften durchzogene umliegende Gestein.

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Geschmacksabhängig: 32 Grad warmes Glaubersalz-Quellwasser… aber wenn es hilft😉

Neben Architekturresten der Bäder fand man in Bad Bertrich auch Überreste mehrerer Tempelanlagen, die auf die Bedeutung des Ortes als Heil- und Quellheiligtum hinweisen. So wurden sowohl am Standort der heutigen evangelischen und der katholischen Kirchen römisches Säulen- und Mauerwerk gefunden, die jeweils auf einen Tempel hinweisen. Die exponierte Lage beider Kirchen auf Felserhebungen oberhalb des Orts wäre nach römischem Brauch ebenfalls typisch für weithin sichtbare Tempelanlagen.

Westlich des Ortes auf einer Anhöhe wurde ein weiterer Weihealtar entdeckt. Auch in der Gemarkung „Kuheck“ wird eine Kultstätte vermutet. Um die Tempel- und Bäderkomplexe herum wurden Überreste einer zivilen Ansiedlung gefunden, die auf einen vicus und speziell für den Kurbetrieb errichtete Gebäude eines typischen Kurorts hindeuten. Damit steht die römische Bäderstadt Bertricaum in gleicher Tradition wie die anderen Quellheiligtümer der Region, die ebenfalls einen Bäderbetrieb im großen Stil, unterstützt durch Kultanlagen und Nebengebäude wie Herbergen, Geschäfte und Handwerksbetriebe vermuten lassen.

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Relief der Diana aus Bad Bertrich

Inschriften und Reliefs, die heute im Kurhaus ausgestellt sind, belegen, welche Gottheiten an dieser Quelle verehrt wurden. 1858 wurde ein 50cm großes Relief der Diana gefunden, die in der Literatur teilweise mit der keltischen Quell- und Heilgöttin Sirona in Verbindung gebracht wird, vor allem aufgrund ihrer Assoziation mit dem Heilgott Apollo-Grannus.

Sirona- und Apollo-Grannus-Heiligtümer sind aus der Region ebenfalls bekannt, ein Zusammenhang kann nicht ausgeschlossen, aber auch nicht belegt werden.

Besonders interessant ist der Fund eines 30cm hohen Weihealtars aus Sandstein (CIL XIII 7667), der den Göttinnen Meduna und Vercana geweiht ist. Die keltische Meduna, die bei den hier ansässigen Treverern verehrt wurde, gilt bis heute als die Schutzpatronin des Ortes Bad Bertrich (wie z.B. der Name der Meduna-Klinik zeigt). Da die Inschrift in der Nähe der warmen Quellen gefunden wurde, liegt die Vermutung nahe, daß es sich bei diesen Göttinnen um Quell- oder Heilgöttinnen handelt. Allerdings sind keine bildlichen Darstellungen dieser Göttinnen bekannt und ihre genaue Funktion bleibt unbekannt.

Die Inschrift auf dem Altar lautet:

De(a)e Vercan(a)e / et Medun(a)e / L(ucius) T() Acc(e)ptus / v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito)

Gegenüber den Göttinnen Vercana und Meduna hat Lucius T. Acceptus sein Gebübde gerne und nach Gebühr eingelöst.

Dieser Altar ist ebenfalls in der Wandelhalle des Kurhauses ausgestellt.

 Beschreibung:

Leider sind heutzutage keine Bauten aus römischer Zeit mehr an der Oberfläche zu sehen. Die große Bedeutung des römischen Heilbades Bertriacum läßt sich deshalb nur indirekt erfahren.

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Der Sandsteinalter für Meduna und Vercana

Überreste der römischen Quellfassung (Steigrohre aus Blei), eine Replik des Diana-Reliefs und der Sandsteinaltar für Meduna und Vercana sind (etwas stiefmütterlich versteckt) neben dem öffentlichen Trinkbrunnen in der Wandelhalle des Kurhauses in Vitrinen ausgestellt.

Zu den Ausstellungsstücken gibt es Beschriftungen mit Kurzinformationen. Im weiteren Verlauf der Wandelhalle befinden sich einige weitere Infotafeln, in erster Linie über Glaubersalz. Hier gibt es aber auch eine Tafel, die den Querschnitt durch die römische Brunnenfassung zeigt und erklärt.

Aus dem Trinkbrunnen kann man zu den Öffnungszeiten des Kurhauses direkt aus der warmen Glaubersalzquelle trinken. In der nahegelegenen Vulkan-Therme kann man auch im Quellwasser baden und schwimmen.

Für den römischen Touristen empfiehlt sich also in erster Linie ein Besuch des Kurhauses und eine Kostprobe des salzigen Wassers, das schon von den Römern geschätzt wurde. Auch ein Besuch der katholischen Kirche und der evangelischen Kirche auf dem Friedhofshügel kann vor dem Hintergrund erfolgen, daß an beiden Stellen ursprünglich  römische Tempel standen. Die exponierte Lage beider Kirchen vermittelt einen guten Eindruck, wie imposant die Tempel gewirkt haben müssen, und erlaubt auch einen Überblick über das schmale Tal, in dem Bad Bertrich liegt.

Öffnungszeiten, Eintritt

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Infotafel in der Wandelhalle: Schnitt durch die römische Quellfassung

Der Trinkbrunnen in der Wandelhalle im Kurgarten, an dem die römischen Funde ausgestellt sind, ist offiziell nur 8 – 9 Uhr, 11 – 12 Uhr und 16.30 – 17.30 Uhr geöffnet (er wird vor allem zur Durchführung von Trinkkuren vor dem Essen eingesetzt). Als wir dort waren, konnten wir jedoch auch außerhalb der Öffnungszeiten am frühen Nachmittag die Wandelhalle betreten und vom Brunnen trinken.

Eintritt wird nicht erhoben.

Sonstiges

Fotografieren ist überall möglich.

Wir empfehlen auch einen Besuch der katholischen Kirche auf dem Felsvorsprung oberhalb des Orts.

Eine weitere interessante, aber gänzlich unrömische Besonderheit von Bad Bertrich ist der sogenannte „Römerkessel„, Europas einziger landschaftstherapeutischer Park, mit seinen 7 Themengärten. Auf einem Felsen inmitten des Parks liegt die evangelische Kirche, die ebenfalls an der Position eines ehemaligen römischen Tempels steht.

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Ganz in der Nähe gibt es auch spannende nicht-römische Ausflugsziele, wie die berühmte Lava-Bombe von Strohn

Wer ein Freund von Thermen ist, kann den Besuch gut mit einem Besuch der Vulkaneifel-Therme verbinden.

Sowohl die Mosel und die Vulkaneifel sind nur wenige Fahrminuten von Bad Bertrich entfernt; in beiden Richtungen finden sich zahlreiche weitere interessante römische Ausflugsziele.

 

 

 

Kaiser Nero – 2000 Jahre Rufmord!?

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Der junge Kaiser Nero, Foto von Wolfgang Sauber (lizensiert unter CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons)

In diesem Frühjahr werdet Ihr in unserem Blog einiges zu Kaiser Nero finden – eine der schillerndsten, berühmt-berüchtigsten Figuren der römischen Geschichte. Und möglicherweise auch eine der mißverstandensten Personen, denn durch neue quellenkritische Ansätze mehrt sich die Ansicht, daß das heutige Bild, das wir von Kaiser Nero haben, vor allem auf Verleumdung und Propaganda basiert.

Vorbereitung auf die Sonderausstellung in Trier

Neben der Tatsache, daß es einfach spannend ist, sich mit einer so kontroversen Figur der Geschichte zu befassen, über die so abenteuerliche Geschichten im Umlauf sind (unvergessen Peter Ustinov als Nero in „Quo Vadis“, wie er sang und Lyra spielte, während Rom brannte), werfen auch große Ereignisse ihre Schatten voraus: Am 14. Mai eröffnet in Trier die Sonderausstellung: „NERO – Kaiser, Künstler und Tyrann„. Ihr Anspruch ist es, den vermeintlichen Tyrannen und verschwendungssüchtigen Wahnsinnigen aufgrund aktueller Forschungserbnisse in ganz neuem Licht zu zeigen – die erste große Schau zu diesem Thema in Europa mit hochkarätigen Leihgaben.

NERO_PlakatMit Spannung sehen wir dieser Sonderausstellung entgegen, die sich (ähnlich wie 2014 die Ausstellung „Credo“ in Paderborn) über drei verschiedene Museen der Stadt und insgesamt 2000 Quadratmeter erstrecken wird:

Das Rheinische Landesmuseum Trier legt den Schwerpunkt auf Neros Leben, seinen Aufstieg, die Blütezeit seiner Herrschaft, aber auch auf seinen Abstieg und zeigt dies anhand von über 400 Exponaten aus aller Welt.

Das Museum am Dom beleuchtet den Kontext „Nero und die Christen“, wobei auch das generelle Verhältnis der Christen zum römischen Staat und zur römischen Religion untersucht wird.

Im Stadtmuseum Simeonsstift wird dem Thema „Lust und Verbrechen. Der Mythos Nero in der Kunst“ nachgegangen, der bis in die heutige Zeit ja exzessiv in den Medien zelebriert wird. Hier werden deshalb zahlreiche Kunstwerke, Gemälde, Grafiken, sowie Informationen zu  Filmen und Opern ausgestellt, die sich mit der Bildtradition und Rezeption von Nero als Inkarnation des grausamen, irren, dekadenten, prunksüchtigen und größenwahnsinnigen Tyrannen befassen.

Die Sonderausstellung geht bis zum 16. Oktober 2016 und wir freuen uns bereits darauf, sie zu besuchen, denn nie zuvor (und wahrscheinlich auch danach nie wieder) wurden so viele hochrangige Exponate rund um Kaiser Nero an einem Ort zusammengetragen und in einer differenzierten Zusammenschau präsentiert. Die Leihgaben stammen unter anderem aus den Vatikanischen Museen in Rom, dem Louvre in Paris und dem Britischen Museum in London. Kunstwerke werden unter anderem zur Verfügung gestellt von der Eremitage in St. Petersburg, der Mailänder Scala und aus Florenz.

Alles Verleumdung?

War Kaiser Nero (eigentlich: Nero Claudius Caesar Augustus Germanicus) also in Wirklichkeit ein freundlicher, zurückhaltender, beliebter, erfolgreicher und gerechter Kaiser des Römischen Reichs? Die ehrlichste Antwort muß lauten: wir wissen es nicht, denn niemand von uns war während seiner 14-jährigen Regierungszeit (54 bis 68 n. Chr.) dabei und alle schriftlichen Quellen, die wir besitzen, sind mit höchster Vorsicht zu genießen, da sie ausschließlich aus ganz bestimmten, persönlichen Motiven heraus geschrieben – oder zu späterer Zeit im Mittelalter verfasst wurden, in der Nero von christlichen Autoren, vor allem aus Propagandagründen, zum personifizierten Antichristen hochstilisiert wurde, von dem in der Offenbarung des Johannes berichtet wird (inklusive mathematischer Beweise, warum die Zahl Neros die Zahl 666 des Großen Tieres ist).

So ist das heute gefestigte Nero-Bild tatsächlich vor allem ein durch das Mittelalter geprägtes Bild. Doch diese mittelalterliche Darstellung hält sich bis heute hartnäckig und wird gerne und lustvoll in den Medien und der Pop-Kultur kolportiert – denn natürlich ist sie faszinierend, verbreitet wohligen Schauer und Abscheu und ist gleichzeitig interessant und spannend. Spannender jedenfalls als „langweilige“ Kaiser, deren Namen heute nur noch Geschichtsinteressierte kennen.

Unser heutiges Nero-Bild ist vor allem durch Peter Ustinovs unvergessene Darstellung in „Quo Vadis“ geprägt:

Tatsächlich ist Nero einer der Römischen Kaiser, über den am meisten Schlechtes geschrieben wurde (neben Kaiser Caligula, dessen attestierter „Wahnsinn“ heute ebenfalls umstritten ist und dessen Leben ebenfalls differenzierter betrachtet werden muß als es gemeinhin geschieht) und man findet ihn auf jeder „Bösewicht-Skala“ in den Top Ten Listen der verderbtesten Persönlichkeiten der Weltgeschichte, zusammen mit Hitler, Heinrich VIII., Stalin, Mengele, Charles Manson, Iwan dem Schrecklichen, Pol Pot und wer in den diversen Internet-Hitlisten noch aufgeführt wird.

Doch was sind die wichtigsten historischen Quellen, die wir heute über Kaiser Nero haben? Bereits die mittelalterlichen Quellen greifen zurück auf die drei Hauptquellen der Antike: Sueton, Tacitus und Cassius Dio.

(mehr …)

Events und Veranstaltungen: Römertage in Rheinbrohl – „Die Kelten kommen“ am 7.-8. Mai 2016

Die nächste spannende Veranstaltung steht bevor: Die alljährlichen Römertage in der Römerwelt Rheinbrohl am Beginn des Limes vom 7. bis 8. Mai 2016.

Christian_Römertage

Die Kelten kommen! Dank an Christian Havenith für die freundliche Genehmigung zur Verwendung des Bildes.

Dieses Jahr lautet das Motto: „Die Kelten kommen„.

Neben den Römern der Römerwelt-Stammkohorte „Broele Trans Rhenum XXVI VOL C R“ schlagen auf dem Außengelände auch mehrere Keltengruppen ihr Lager auf, um dem Besucher eine Zeitreise von der Hallstadtzeit bis zu den Hunsrückkelten zu ermöglichen. Hierbei wird Wert auf Authentizität jenseits der üblichen Keltenklischees gelegt.

Den Besuchern wird sachkundig die keltische Küche, keltische Bekleidung oder die Nutzung der Steinschleuder erläutert. Gerne beantworten die Kelten auch Fragen aller Art rund um die keltische Kultur und geben Einblicke in gallo-provinzialrömische Lebensweise.

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Die Pfahlramme in Aktion!

Die Römer demonstrieren Handwerk, Ausrüstung, Militär, Alltagsleben und Handel am Limes.

Sehenswert ist auch der germanische Fischer Jörg Nadler, der vor Ort Fischerei in der Antike präsentiert und sehr anschaulich über Techniken und Netzbau erzählt. Markus Gruner demonstriert das Emaillieren von Bronzeobjekten.

Anläßlich der Veranstaltung wird auch wieder das römische Backhaus befeuert, so daß man vor Ort die Gelegenheit hat, römische Kuppelbacköfen in Aktion zu sehen und (was noch wichtiger ist), die Produkte zu probieren – das sehr schmackhafte Römerwelt-Brot nach römischem Rezept, idealerweise in Kombination mit Moretum (nicht zu vergessen natürlich auch die zwar moderne, aber legendäre Limes-Torte, die es nur in Rheinbrohl gibt).

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Immer wieder lohnenswert: die Führungen und Vorträge mit Mario Becker

Daneben gibt es wieder Museumsführungen durch die Römerwelt Rheinbrohl mit Mario Becker und Live-Demonstrationen der Nachbauten von Pfahlramme und Kran.

Außerdem gibt einen Vortrag im Vortragsraum zum Thema „Die Kelten – Roms Feinde im Norden?“

Das vollständige Programm steht hier als PDF auf der offiziellen Website der Römerwelt bereit.

Der Eintritt kostet für einen Tag 8€ für Erwachsene und für Kinder von 7-14 Jahren 5€.

Es gibt Vergünstigungen für Menschen mit Handicap und Familien. In diesem Jahr wird erstmalig eine vergünstigte Zweitageskarte angeboten (12€ Erwachsene, Kinder 7€).

Die Römertage finden an beiden Tagen jeweils von 10-18 Uhr statt.

Brot

Römisches Brot, gewürzt mit Anis, Fenchel, Koriander und Kümmel, schmeckt ofenfrisch am besten! (Römerwelt Rheinbrohl, 2015)

Weitere Links zum Thema:

 

 

 

Events und Veranstaltungen: Limes-Wandertag am 5.5.2016

Und wieder haben wir einen bewegungsreichen römischen Ausflugstipp für Euch. Wer an Christi Himmelfahrt (5. Mai 2016) eine Alternative zum Grölen mit dem Böllerwagen sucht, dem empfehlen wir eine besondere Veranstaltung am UNESCO Weltkulturerbe Limes!

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Start und Ziel des Wandertages: Die Römerwelt in Rheinbrohl

Traditionell findet am Beginn des Limes (caput limitis), ab Rheinbrohl im Westerwald, zu Christi Himmelfahrt der Limes-Wandertag statt. Er startet in der Römerwelt Rheinbrohl, wo die Teilnehmer eine Karte mit den einzelnen Stationen sowie einen Fragebogen für ein Quiz erhalten, das unterwegs ausgefüllt werden kann.

Die Wanderung folgt dem Verlauf des Limes, entlang am Limes-Lehrpfad, vorbei am hölzernen Limes-Wachturm IX, von dem aus man einen tollen Panoramablick über den Westerwald hat und an zahlreichen Stationen, an denen lehrreich der Limes, die Römerzeit und das Leben in der Antike vorgestellt wird.

Zu den Stationen des etwa 5 Kilometer langen Fußweges gehört Mulsum-Verkostung, es gibt einen Probierstand für römisches Brot mit Informationen über römischen Weinbau und Brotbacken, ein Römerlager der Cohorte XXVI, die sich immer um die Römerwelt und den Raum Rheinbrohl bemüht. Dort kann man auch Getränke kaufen und es gibt ein Mitmach-Programm für Kinder.

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Rekonstruktion des Limes im Innenhof der Römerwelt

Eine weitere Station demonstriert den Palisadenbau, ein römisches Katapult wird vorgestellt, in einem Kohlenmeiler wird die Herstellung von Holzkohle erklärt. Für Kinder schließt sich ein Kletterparcour an. An einer Waldhütte kann altes Werkzeug ausprobiert werden. Den Abschluß bildet ein Jagdhaus. Hier besteht auch die Möglichkeit, mit einem Planwagen zurück zur Römerwelt zu fahren, sowie zum Essen und Trinken.

Der Start- und Zielpunkt der Wanderung, die Römerwelt Rheinbrohl, ist ein sehenswertes Mitmach- und Erlebnismuseum.

Der Limes-Wandertag ist immer eine handfeste Möglichkeit, das eigentlich etwas schwer zu vermittelnde Bodendenkmal anschaulich zu erleben. Das Programm ist abwechslungsreich und die Route interessant gestaltet.

Festes Schuhwerk wird empfohlen, es geht durch den Wald und einige Steigungen sind ebenfalls zu überwinden. Alles in allem ist der Weg aber nicht allzu schwierig, sondern familientauglich. Veranstaltet wird der Limes-Wandertag von der Ortsgemeinde Rheinbrohl und dem Verein Freunde des Limes.

Gestartet werden kann ab Römerwelt Rheinbrohl zwischen 9 Uhr und 11:30 Uhr.

Übrigens, wer an diesem Termin keine Zeit hat oder gar nicht genug von der Römerwelt und dem Limes bekommt: Am darauffolgenden Wochenende (7.-8. Mai 2016) finden in der Römerwelt die alljährlichen „Römertage“ statt, die dieses Jahr unter dem Motto stehen: „Die Kelten kommen“ – mit einer Zeitreise von den Hallstatt- bis zu den Hunsrückkelten. Eine gesonderte Ankündigung mit weiteren Informationen folgt in Kürze auf unserem Blog!

Jetzt opfert fleißig allen Göttern, die auch nur entfernt Einfluß auf das Wetter haben, damit es nun endlich angemessen warm und sonnig wird🙂

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