Mos Maiorum

Bücher: Gladiatoren-Kochbuch von Christian Eckert

KO13_Gladiatoren_Umschlag.inddRömische Küche ist bei uns bekanntermaßen ein beliebtes Thema.

Auch jenseits von Apicius und Lucullus und den überlieferten Rezepten der Reichen und Schönen der römischen Antike ist das Thema „Ernährung“ sehr interessant.

Denn während exotische Gerichte wie die berühmten Flamingozungen wohl nicht beim „Römer von Nebenan“ auf den Tisch kamen, ernährte sich das einfache Volk bodenständig und rustikal. Auch beim Militär war der tägliche Getreidebrei und Eintopf (Puls), geschmacklich variiert durch lokale Zutaten, eher unspektakulär und aus der Praxis geboren.

In unseren Rezepten und auch in der letzten Buchvorstellung haben wir bisher die „gängige“ römische Alltags-Küche vorgestellt, mit der auch jeder moderne Mensch problemlos etwas anfangen kann.

Heute jedoch möchten wir Euch ein römisches Kochbuch vorstellen, dass sich einer speziellen Zielgruppe widmet – den Gladiatoren. Diese wurden, da sie Hochleistungssportler waren, auch auf eine ganz besondere Weise ernährt.

Quellen hierzu gibt es unter anderem in schriftlicher Form (wir wissen zum Beispiel, dass die Gladiatoren abschätzig „Hordearii, „Gerstenmänner“ oder „Körnerfresser„, genannt wurden). Aber auch aus Analysen der zahlreichen Knochenfunde aus den Gladiatorengräbern von Ephesus sind uns erstaunlich detaillierte Informationen überliefert.

Und was für damalige Hochleistungssportler nicht verkehrt war, ist sicher auch für heutige Sportler und alle, die sich gerne fit halten und einen hohen Energiebedarf haben, interessant. Deshalb stellen wir Euch heute das neu aufgelegte Buch aus dem Zauberfeder-Verlag vor: „Das Gladiatoren-Kochbuch„.

Der Autor und das Experiment

Das Buch wurde geschrieben von Christian Eckert, Jahrgang 1968. Er ist Kampfsportler aus Hochheim am Main und wir hatten schon die Gelegenheit, einen seiner spannenden Vorträge bei der Reenactment-Messe 2015 in der Villa Borg zu hören. Denn eines seiner Spezialthemen ist die Gladiatur, die er in einem spannenden Versuch im Rahmen der experimentellen Archäologie erforscht hat.

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Gladiatorenkampf beim Römerfest Bliesbruck-Reinheim, 2017

Im Rahmen eines Projekts der Universität Regensburg im Jahr 2010 lebten er und 28 weitere Mitstreiter sechs Wochen lang im Amphitheater von Carnuntum (Österreich) wie Gladiatoren – sie trainierten, kämpften und aßen wie ihre antiken Vorbilder und machten dabei sehr interessante und auch überraschende Erfahrungen. Eckert trainierte hierbei Studenten der Archäologie, Sport, Latein und Geschichte im Rahmen eines interdisziplinären Projekts. Ihre Ernährung basierte dabei auf den historisch bekannten Vorgaben.

Auch wenn der Schwerpunkt des Experiments auf dem Training und Kampf lag, so faszinierte die Projektteilnehmer, welche körperlichen Veränderungen sich ab der zweiten Woche mit konsequenter „streng gladiatorischer“ Ernährung einstellten. So waren sie erstaunt, wie wenig Muskelkater sie trotz des täglichen 9-stündigen Trainingspensums hatten, und wie fit und leistungsfähig sich die Teilnehmer trotz allem fühlten.

Auch normalisierte sich bei allen Teilnehmers das Gewicht – Übergewichtige nahmen ab und Untergewichtige nahmen zu.

Die „gladiatorische Küche“

Was unterscheidet nun die gladiatorische Küche von der „normalen römischen“ Küche?

Die Zusammensetzung der verwendeten Lebensmittel unterschied sich von der der Zivilbevölkerung und auch der Soldaten – die Produkte und Verarbeitungsmethoden jedoch waren die gleichen.

Das Buch beschreibt ausführlich und gut verständlich, was die Küche der Gladiatoren ausmachte und von der regulären römischen Küche unterschied. Am überraschendsten ist sicher die Tatsache, dass man sich überwiegend vegetarisch ernährte. Dies erstaunt umso mehr, weil die gängige Meinung zur Sportlerernährung ja von einer eiweißreichen Nahrung ausgeht und Fleisch als ein guter Eiweißlieferant gilt.

Hier beschreibt Eckert, dass sie selbst im Rahmen des Experiments mehr oder weniger überrascht feststellten, dass das Eiweiß aus fleischlichen Quellen zu schwer verdaulich und langsam ist und deshalb die Kontinuität des Trainings beeinträchtigte, da es lange Pausen zur Folge hatte. Der Verzicht auf Fleisch basierte deshalb auf langer Erfahrung, die bereits seit den griechischen professionellen Sportlern in 700 Jahren antiker Vorgeschichte erprobt war.

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Gladiatorenschule „Amor Mortis“ in Xanten, 2014

Früher basierten die Ernährungsprinzipien rein auf Beobachtung und der Erfahrung, welche Nahrungsmittel sich gut für das Training eigneten.

Heute kann der Grund, warum eben genau diese Ernährungsweise gut geeignet ist, wissenschaftlich erklärt und belegt werden. Das wichtigste Stichwort hierbei ist die „Säure-Basen-Balance“ (gladiatorische Ernährung ist basisch, was die Regenerationsgeschwindigkeit erhöht) sowie eine effektive Kombination aus Nahrungsmitteln mit hochwertigen Proteinen.

Ein Beispiel dafür ist die häufige Kombination aus Gerste und Bohnen, die gute Trainingseffekte effizienter begünstigt als ein Stück Fleisch – belegt weil vom Autor erprobt und selbst erfahren im Experiment in Carnuntum.

Das Buch

Das Buch ist kein reines Kochbuch, sondern liefert darüber hinaus auch interessantes Hintergrundwissen rund um die Gladiatur. Dabei merkt man, dass es nicht von jemandem geschrieben wurde, der das Thema nur theoretisch studiert hat, sondern von einem Praktiker, der weitgehende Erfahrungen damit gemacht hat.

Deshalb findet sich zur Einleitung auch ein ausführliches Kapitel rund um den historischen Gladiator (fernab von den bekannten Klischees) und eine Vorstellung des Gladiatoren-Projekts 2010 der Universität Regensburg. Hierbei wird beschrieben, wie das Projekt ablief, wie trainiert wurde und worauf es in der Studie ankam.

Ebenfalls kurz erklärt und mit anschaulichen Illustrationen versehen sind die verschiedenen Gladiatoren-Typen, sowie die Theorie zu den 5 Elementen des Kampfes und dem darauf basierenden Aufbau des Trainings der einzelnen Klassen.

Beschrieben wird auch das Grundlagentraining (Fallschule, Schwert gegen Schwert), Krafttraining und Kampftraining von Leicht- bis Vollkontakt. Hierbei wird besonders deutlich, dass hier jemand schreibt, der sich dem Kampfsport verschrieben hat und aus der Praxis weiß, worüber er redet.

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Das folgende Kapitel widmet sich dann der Ernährung der Gladiatoren – den Quellen, aus denen man die Informationen kennt und den praktischen Erkenntnissen aus Carnuntum, sowie den Beobachtungen am eigenen Leibe. Das Ganze wird ergänzt durch den wissenschaftlichen Hintergrund der modernen Ernährungswissenschaft, die erklärt, warum eben genau diese Ernährung so effizient war und immer noch ist.

Es gibt außerdem einige Tipps und eine Merkliste zur richtigen Anwendung dieser Ernährungsweise. Anschließend wird erklärt, warum diese Ernährung auch als perfekte Diät für den modernen Menschen geeignet ist und zwar nicht nur für Hochleistungssportler und Leute, die schwere körperliche Arbeit verrichtenm sondern in drei Varianten für alle Typen: Essen mit hoher, mittlerer und niedriger Energiedichte.

Den Abschluss der Einleitung bildet eine Einkaufsliste und eine Übersicht über die Grundnahrungsmittel, die man immer im Vorratsschrank haben sollte, welche man immer frisch kaufen sollte sowie zu den Gewürzen, die man sich in  das Regal stellen sollte.

Die Rezepte

Es folgt der Rezeptteil, übersichtlich gegliedert nach den verschiedenen Kategorien.

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Der Ritus christianus in der Religio Romana – Teil III: Judenchristen und Heidenchristen

Zu Teil II: Aufstieg eines Mysterienkultes

Im vorherigen Teil haben wir skizziert, wie sich das Christentum innerhalb des heidnischen römischen Kontextes aus einem von vielen, damals durchaus konkurrierenden Mysterienkulten entwickelte. Im Gegensatz zu den anderen Kulten, die in der römischen Antike praktiziert wurden, nahm das Christentum aber schließlich eine dominante Stellung ein, bis es schließlich zur Staatsreligion erhoben wurde.

Es läßt sich im Rahmen dieser Reihe natürlich nicht die Christianisierung in allen Schritten nachzeichnen, dies ist auch nicht unser Anspruch. Hier kommt man um ein Selbststudium der entsprechenden Literatur nicht herum.

Ein wichtiger Aspekt des Urchristentums, wie es sich zu heidnischen Zeiten in der römischen Antike entwickelte, soll in diesem Teil jedoch besonders betrachtet werden:

Kulturelle Bruchlinien im Urchristentum

Was für uns relevant im Rahmen der behandelten Thematik ist, ist der allgemeine gesellschaftliche Tenor, der letztendlich überhaupt zur Erfolgsgeschichte der christlichen Religion im heidnischen Umfeld beitrug.

Besonders interessant ist hierbei die Tatsache, dass wir bereits relativ früh in der Zeit des Urchristentums (bezeichnet die Zeit nach der Kreuzigung Jesu) bestimmte Brüche feststellen können, die mit der griechischen Kultur verbunden sind – und zwar getragen durch in dieser Kultur sozialisierten Juden.

Diesen Sachverhalt wollen wir an dieser Stelle deswegen kurz skizzieren, weil er bezogen auf die oft in neopaganen Kreisen kolportierte Mär vom Christentum als „fremde jüdische Wüstenreligion“ doch ziemlich erhellend ist.

Das Christentum entwickelte sich anfangs in der Tat gänzlich innerhalb des Judentums. Jesus und seine Schüler darf man sicherlich als innerjüdische Sonder- oder evtl. auch Reformgruppierung ansprechen, die einerseits bereits im Judentum angelegte Ideen neu formulierte, teilweise auch verschärfte (etwa die generelle Herrschaft Gottes im Hier und Jetzt), andererseits einen expliziten heilsgeschichtlichen Fokus durch das Erleben Gottes besonders betonte (Heilungen, Wunder, Exorzismen etc.) sowie eine endzeitliche Naherwartung des Reiches Gottes vertrat.

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Jakobus, Fresko in der Kathedrale von Le Puy en Velay (Bild: gemeinfrei)

Nach der Kreuzigung Jesu um das Jahr 30, durch die die Erwartungen an seine Rolle massiv enttäuscht wurden, finden wir seine Anhängerschaft vorwiegend in Galiläa versammelt, obgleich wohl auch manche in Jerusalem verblieben waren (Mk 15,40f).

Durch im Umlauf befindliche Berichte von Begegnungen mit dem auferstandenen Jesus festigte sich in diesen Kreisen dann aber wieder der Glaube an die Messianität und letztlich an die Wiederkunft Jesu. In der Folge und motiviert durch diese sich verbreitenden Erzählungen sammelten sich die Anhänger Jesu wieder verstärkt in Jerusalem, wo sie in der dortigen Gemeinde unter der Leitung von Petrus, Johannes und Jakobus agierten und wo sie sich nun offenbar eine neue Deutung der Ereignisse erarbeiteten, die ihnen eine tragende Zukunftsvision an die Hand gab.

Ihre anfängliche Erwartung an den – zunächst völlig im jüdischen Kontext verstandenen – Messias war ganz offensichtlich enttäuscht worden; die Tatsache, dass ihr Meister einen in damaligen Augen schändlichen Tod am Kreuz starb, musste einen verheerenden Eindruck hinterlassen haben und passte so gar nicht zur Vorstellung des jüdischen Messias. Aber die hartnäckig kursierenden Berichte von Begegnungen mit dem offenbar lebenden Jesus gaben nun Anlass zu denken, dass Gott selbst hier einfach in völlig unerwarteter Weise in das Leben der Menschen eingegriffen und Jesus in einer Rolle bestätigt hatte, die über die jüdische Messiasidee und damit über das, was seine Anhänger in ihm ursprünglich gesehen hatten, weit hinausging. Gerade im offensichtlich völligen Scheitern am Ende seines Lebens und Wirkens, dann aber gekrönt durch die Auferstehung, sahen seine Anhänger nun den eigentlichen Impuls des Sieges – des ultimativen Sieges, weil über den Tod – gegeben, der zum Impuls für ein Weiterwirken der Gemeinschaft werden sollte.

Bis auf diese spezifischen Glaubenspunkte, die die heilsgeschichtliche Rolle Jesu betrafen, fielen die Urchristen allerdings im jüdischen Umfeld erst einmal nicht weiter auf, denn sie verhielten sich ansonsten überwiegend traditionskonform – so beteten sie im Tempel, brachten Opfer dar, sprachen Aramäisch, die Beschneidung wurde traditionell praktiziert, die Speisevorschriften beachtet und das mosaische Gesetz besaß für sie volle Gültigkeit.

Ihre religiösen Sonderformen wie die Taufe oder regelmäßige Treffen in Hausgemeinden, wo sie das Herrenmahl zum Gedächtnis an das letzte Mahl Jesu feierten und auch die missionarische Tätigkeit unter ihren jüdischen Landsleuten, wo sie für ihre Überzeugungen zu werben suchten, hatten deshalb anfangs keinen wirklich trennenden Effekt bezogen auf die jüdische Gemeinschaft in der sie lebten. Diese ersten Judenchristen lebten bis zur angeordneten Hinrichtung des Jakobus im Jahre 62 n. Chr. durch den Sanhedrin, der bereits etwa 20 Jahre vorher Stephanus hatte steinigen lassen, in Jerusalem und wanderten erst danach in die Gebiete des Ostjordanlandes ab.

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Steinigung des Stephanus, des 1. Märtyrers des Christentums (Zerstörtes Fresko aus dem Dom zu Speyer, Bild: gemeinfrei)

Stephanus wiederum, der durch seine Hinrichtung wegen seines Bekenntnisses zu Jesus als dem Christus als Erzmärtyrer (erster Märtyrer der christlichen Geschichte) gilt, gehörte zu den sog. „Hellenisten“, sprich Juden in der Jerusalemer Gemeinde, die ursprünglich aus den Diasporasynagogen des östlichen Mittelmeerraumes, also Nordafrika, Ägypten und Syrien kamen und im Gegensatz zu den „Hebräern“ nicht Aramäisch, sondern von Haus aus Griechisch sprachen (das sog. Koine-Griechisch, eine aus verschiedenen Dialekten gebildete Allgemeinsprache (ἡ κοινὴ [διάλεκτος] / hē koinḕ [diálektos] = „der allgemeine [Dialekt]“)).

Ihre Sozialisierung in der griechischen Kultur hat sich dabei aber nicht nur auf die Sprache beschränkt, sondern war in umfassender Weise prägend – sie trugen griechische Namen, waren in dieser kulturellen Umgebung integriert und Träger ihrer Bildung. Diese griechisch gebildeten Juden hatten vor diesem besonderen Hintergrund auch bereits früh begonnen, ihre Religion neu zu reflektieren und zu interpretieren – man relativierte dabei ihren Status als Religion einer spezifischen Ethnie und nutzte auch allegorische Auslegungen der biblischen Texte, was grundsätzlich eine andere, eine offenere Herangehensweise an die im Judentum verankerte Gesetzesreligion belegt. Insofern gab es nicht nur Sprachgrenzen, die auch dazu führten, dass die „Hebräer“ und die „Hellenisten“ eigene Gemeindestrukturen entwickelten, sondern mit der Zeit eben auch eine divergente theologische Ausrichtung beider Gruppen.

Diejenigen Hellenisten, die nun in Kontakt mit der Botschaft von Jesus als dem Messias kamen und diese als für sich verbindlich adaptierten, brachten dabei diese kulturelle Eigenständigkeit mit, die nun wiederum auch ihre Sichtweise und Interpretation dessen färbte, was sie über Jesus und seine Lehre hörten. Wie schon in der genuin jüdischen Gemeinde, führte dies auch zu einer Zweiteilung in der judenchristlichen Jerusalemer Urgemeinde.

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Bild des Jesaja in der Synagoge von Dura Europos (im heutigen Syrien), eine Synagoge des hellenistischen Judentums, die vollkommen mit figürlichen Wandmalereien und biblischen Szenen dekoriert war (Bild: gemeinfrei)

Alleine schon wegen der sprachlichen Ausrichtung missionierten diese Judenchristen wiederum vor allem die hellenistischen Juden, was sie von den aramäisch sprechenden Judenchristen weiter entfernte, aber eben letztlich auch in Konflikte mit den konservativen Juden der hellenistischen Synagogen brachte.

Auch scheint es so zu sein, dass, bedingt durch ihre kulturelle Prägung, ihre Einstellung zu punktuellen religiösen Fragen eine andere war und so etwa die Kritik der hellenistischen Judenchristen an den gewachsenen Tempelstrukturen ausgeprägter war, als bei den aramäisch sprechenden Judenchristen.

Entsprechende gesetzeskritische Motive in der Jesusüberlieferung wurden dabei offenbar aufgenommen und konsequenter umgesetzt, was sich auch darin zeigt, dass Stephanus nach der Schilderung der Apostelgeschichte explizit eine Lästerung des Mose und des Tempels vorgeworfen wird (Apg 6:8-15), was diesen Konflikt zwischen den Juden und Judenchristen in den hellenistischen Gemeinden belegt.

Trennung von Judentum und Christentum

Das Palästina des 1. Jhd. war tief beeinflusst von hellenistischer Kultur, immerhin hatte Alexander der Große bereits 400 Jahre v. Chr. einen riesigen Bereich erobert – zu dem auch Palästina gehörte – und pflanzte in seinem Herrschaftsgebiet die Samen der griechischen Kultur und Sprache. Diese kulturelle Beeinflussung hörte mit dem Tode Alexanders nicht auf und blieb Teil der sich in der Folge entwickelnden Ideen und Strukturen, so das sich das Judentum in diesem Gebiet auf quasi natürliche Weise mit dem Hellenismus verband.

Insofern ist die Aussage, dass sich das Christentum vor der Ausformung in Rom aus dem Judentum heraus entwickelte, zwar korrekt, aber eben nicht wie manchmal verstanden, aus einem unbeeinflussten Judentum im Gegensatz zur griechisch-römischen Kultur. Die jüdischen Revolten zielten somit auch nicht auf eine Abgrenzung zu dieser bereits mit dem Judentum eng verflochtenen hellenistischen Kultur, sondern auf die politische Unabhängigkeit.

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Elijas Opfer auf dem Berg Karmel, eine weitere Wandmalerei aus der jüdisch-hellenistischen Synagoge von Dura Europos. Die Opfernden sind in griechisch-römischem Stil in Toga und Tunika gekleidet (Bild: gemeinfrei)

Politische Gründe waren es denn auch, die eine Abgrenzung der Christen von den Juden förderten, da erstere nicht in den Ruch einer den Staat gefährdenden messianischen Bewegung geraten wollten. Die jüdischen Revolten der Jahre 66 – 70 n. Chr. und 132 – 135  n. Chr. führten dazu, das die Juden im Römischen Reich zunehmend argwöhnisch bis feindselig betrachtet wurden und Rom machte grundsätzlich mit Gruppierungen, die sich der Staatsräson nicht unterordnen wollten, kurzen Prozess.

Bereits in den Evangelien finden sich deshalb Relativierungen, was etwa die zugrundeliegenden Beweggründe für die Hinrichtung Jesu betrifft, die hier bewusst eher als innerjüdische Problematik dargestellt werden. So finden wir etwa die Zuweisung der Schuld an den jüdischen Sanhedrin, eine eher positiv gehaltene Darstellung des römischen Statthalters Pontius Pilatus und andere ähnliche Beleuchtungen der historischen Geschehnisse im Sinne einer relativierenden Absicht. In den Erzählungen der Evangelien wird diese Propagierung einer dem römischen Staat zumindest neutral gegenüberstehenden Einstellung sogar Jesus selbst zugeschrieben:

Einige Pharisäer und einige Anhänger des Herodes wurden zu Jesus geschickt, um ihn mit einer Frage in eine Falle zu locken. Sie kamen zu ihm und sagten: Meister, wir wissen, dass du immer die Wahrheit sagst und dabei auf niemand Rücksicht nimmst; denn du siehst nicht auf die Person, sondern lehrst wirklich den Weg Gottes. Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht? Sollen wir sie zahlen oder nicht zahlen? Er aber durchschaute ihre Heuchelei und sagte zu ihnen: Warum stellt ihr mir eine Falle? Bringt mir einen Denar, ich will ihn sehen. Man brachte ihm einen. Da fragte er sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie antworteten ihm: Des Kaisers.
Da sagte Jesus zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört! Und sie waren sehr erstaunt über ihn. (Mk, 12: 13-17)

Wir haben deshalb schon in dieser ganz frühen Zeit einen sich deutlich abzeichnenden doppelten Bruch, einerseits zwischen Christen und Juden, andererseits in der christlichen Gemeinschaft bedingt durch die kulturelle Prägung der nicht in einem jüdischen Kontext aufgewachsenen sog. Heidenchristen.

Jesus Christos (von griechisch Χριστός, Christόs, = „der Gesalbte“), der Titel, der sich für Jesus in der christlichen Deutung etablierte, musste für pagane Griechen und Römer gleichermaßen unverständlich bleiben, aber auch für die in dieser Kultur aufgewachsenen Heidenchristen, denn Salbungen als sakrale Akte wie sie im Judentum vorkommen, kannten die im paganen Umfeld sozialisierten Heidenchristen nicht.

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Bücher: „Römer-Kochbuch“ von Edgar Comes

Einleitung

KO6_Rom_Umschlag.inddWie unsere treuen Leser wissen, sind wir Fans der römischen Küche. Wir kochen gerne selber römisch (unser Moretum ist berüchtigt!).

Wir gehen auch gerne römisch essen, zum Beispiel im Domstein in Trier oder in der Villa Borg. Auf Römerfesten ist keine lukanische Wurst vor uns sicher!

Auf unserer Website veröffentlichen wir in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder unsere eigenen Rezepte (oft zu Speisen, die auch rituellen Einsatz finden, wie Opferbrot) oder Hintergrundartikel zur römischen Küche.

Aber wer es gerne handfest in Form eines Kochbuchs mag, wird tatsächlich auch auf dem Büchermarkt fündig. Erst einmal gibt es natürlich „das Original“ – „de re coquinaria“ oder kurz „der Apicius„, ein original erhaltenes römisches Kochbuch aus der Antike. Danach zu kochen ist allerdings etwas schwierig, denn der antike Autor Marcus Gavius Apicius richtet sich mit seinem Werk an eine Leserschaft, die weiß, wie man kocht und worum es geht. Das heißt, grundlegende Techniken werden vorausgesetzt, wie dieses Beispiel zeigt:

Nimm gereinigten Spargel, reibe ihn im Mörser, gieße Wasser zu und streiche ihn durch einen Durchschlag. Füge zubereitete Feigenschnepfen zu.“ (Apicius 4.2.5)

Wie man nun genau die Feigenschnepfe (eine Vogelart) zubereitet, wird nicht thematisiert; für dieses Rezept muß sie bereits „zubereitet“ sein. Auch Angaben zu Temperaturen oder Gardauer und derartige Details sucht man vergebens. Mengenangaben finden sich vor allem bei Nebenzutaten wie Eiern oder Flüssigkeiten, z.B. Öl (in Unzen) oder Wein (Glas). Wieviel Spargel oder Feigenschnepfe man benötigt, ist jedoch nicht erwähnt.

Da viele Zutaten aus der Zeit des Apicius heutzutage nicht mehr gängig sind (wie Flamingozungen und Feigenschnepfen) und die Rezepte auch alles andere als zugänglich sind, haben sich einige Autoren bemüht, auf der Grundlage der bekannten römischen Gerichte, römische Küche für die heutige Zeit zu beschreiben und damit für den modernen Menschen nachkochbar zu machen.

Zum Beispiel wurde damit experimentiert, welche Zutaten antike Zutaten ersetzen können, ohne sich geschmacklich und inhaltlich zu weit vom Original zu entfernen oder es wurde mit Mengenangaben experimentiert, um herauszufinden, in welchen Mengenverhältnissen die Zutaten schmecken und wie sie idealerweise zusammenpassen.

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Edgar Comes ist nicht nur ein Experte in römischer Küche – hier präsentiert er römische Bekleidung (Römerfest Mayen, 2013)

Einer dieser Autoren ist der Vermessungsingenieur und Hobbykoch Edgar Comes, der seit vielen Jahren im Bereich der experimentellen Archäologie aktiv ist. Ein Schwerpunkt seiner Forschungen liegt dabei auf der römischen Küche.

Wir selbst haben ihn schon öfter bei römischen Events getroffen, entweder zusammen mit den Milites Bedenses Legio XXII Primigenia, einer römischen Reenactment-Legion aus der Eifel, oder etwa auch bei einem Vortrag über römische Küche in der Villa Borg – inklusive Probieren!

Wir möchten Euch deshalb heute gerne sein Kochbuch vorstellen, das die Quintessenz seiner langjährigen Experimente und Verfeinerungen im Bereich Römisches Essen und Trinken darstellt. Dazu gibt es einen kurzen historischen Abriss über die Geschichte der römischen Küche und einen Überblick über die verwendeten Lebensmittel, vor allem Kräuter und Gewürze, sowie Tipps zur Verwendung römischer Kochutensilien.

Das Buch wurde 2009 mit dem „World Cookbook Award“ ausgezeichnet. Es ist im Juli 2018 in einer überarbeiteten Neuauflage im Zauberfelder-Verlag erschienen. Unsere Rezension bezieht sich auf diese Neuauflage.

Aufmachung

Das Hardcover-Buch hat einen Umfang von 128 Seiten und ist durchgehend farbig gehalten, zum Teil mit großformatigen Fotos versehen. Dabei ist es mit Liebe zum Detail gestaltet und im römischen Stil gehalten, zum Beispiel durch die Integration pompejanischer Fresken und Mosaike und die Verwendung eines marmorierten Hintergrundes. Auch die verwendete Schrift bei den Kapitel-Unterteilungen lehnt sich an römischen Stil an, so dass das ganze Buch vom Layout her in sich rund und stimmig wirkt und gut zum Thema passt.

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Das Layout mit den originalen Wandgemälden und Mosaiken gefällt uns sehr gut

Inhalt

Den ersten Teil des Buchs nehmen Vorwort und Einleitung ein. Hierbei gibt es einen kompakten, aber durchaus informativen Überblick über die Mahlzeiten im Tagesablauf, die Tischsitten, verwendetes Besteck, oder wie die Mahlzeiten technisch zubereitet wurden.

Es folgt ein Überblick über die „Rohstoffe“, die in der Küche verarbeitet wurden, also welche Gemüsesorten populär waren (und welche man wiederum gar nicht kannte, Stichwort: Kartoffel, Tomate und Paprika…), sowie welche Getreidearten, Obstsorten, Fleischsorten und Milchprodukte man in der römischen Antike verwendete. Auch Getränke kommen nicht zu kurz und es schließt sich gleich auch das erste Rezept an, die Herstellung des „Passum“, eines beliebten Rosinenweins, den man häufig auf Römerfesten probieren kann, wo die römischen Weinbauer vor Ort sind, zum Beispiel am ersten Augustwochenende in der Villa Borg, aber auch beim zweijährlichen Römerfest in Xanten.

Erwähnung findet natürlich auch eine der wichtigsten Zutaten, sozusagen das „Maggi der Römerzeit“ oder Liquamen, eine fermentierte Fischsauce, die quasi für alles Verwendung fand und die im großindustriellen Stil hergestellt wurde.

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Römische Ess- und Trinkprobe auf der Reenactment-Messe 2015 in der Villa Borg (eigenes Foto)

Hier ist Edgar Comes sehr pragmatisch – wie in seinem ganzen Buch. Er versucht zwar, nahe genug an den Rezepten der Antike zu bleiben, macht jedoch auch Konzessionen an die moderne Machbarkeit und Praktikabilität.

Niemandem ist wohl wirklich zuzumuten, daheim Fischsauce selbst zu fermentieren. Es ist auch nicht nötig, die teure erlesene kalabrische Fischsauce aus Italien zu importieren (die gleichwohl von besonderer Qualität sein soll und sich deswegen lohnen mag). Tatsächlich gibt es hier keine Berührungsängste und die Empfehlung, fernöstliche Fischsauce als Ersatz zu nehmen, weil sie noch heute quasi nach dem gleichen Verfahren hergestellt wird, das auch die Römer nutzten und so geschmacklich annähernd ähnlich ist.

An die Einleitung schließen sich nun die Rezepte an, die in einzelne Gruppen unterteilt sind: Es beginnt mit den Gustationes (Vorspeisen) bzw. Nebengerichten, die immer gut zu einem römischen Mahl passen, wie das beliebte Moretum oder diverse gefüllte Häppchen und Pasteten.

Es folgen die Beilagen, meist Gemüse in allen Variationen, aber auch Pilze.

Die Mensae Primae (Hauptgerichte) liefern einen guten Querschnitt und bieten etwas für jeden Geschmack. Hier gibt es auch, was uns besonders freut, ein Rezept für lukanische Würstchen, die römische Gewürz-Bratwurst. Sie ähnelt einer „normalen“ heutigen Bratwurst, zeichnet sich jedoch durch die Verwendung spezifischer Gewürze im Brät aus, was sie wesentlich herzhafter macht. Auch hier wird pragmatisch empfohlen, das Brät – anstatt es aufwändig im Schweinenetz in Wurstform zu bringen, als Frikadellen anzurichten. Das geht viel schneller und schmeckt genauso gut – außerdem ist es durchaus römisch, denn Frikadellen waren, wie viele andere Arten von Finger-Food, sehr beliebt im Römischen Reich. Auch hier zeigt sich wieder die Praktikabilität der Rezepte, die aus der Praxis geboren sind.

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Lukanische Wurst – mit dem Römer-Kochbuch auch zum Selbermachen geeignet!

Die Hauptgerichte sind allesamt Fleischgerichte und verwenden Schwein (Hausschwein, Wildschwein, Ferkel), Lamm, Huhn, diverse Fischarten, Kalb und Rind. Auch die Zubereitungsarten unterscheiden sich sehr, vom Eintopf über gegrillt bis gekocht ist alles zu finden.

Vegetarier werden hier wohl nicht glücklich, sie können sich allerdings an den zahlreichen pflanzlichen Beilagen und Eierspeisen satt essen.

Den Abschluss bilden die Dulcia, die Desserts, denn Römer waren große Freunde von Süßspeisen aller Art. Zwar kannten sie keinen Industriezucker, aber gesüßt wurde trotzdem reichlich und zwar mit Rosinen, Honig oder süßem Obst wie Birnen oder Sirup aus Traubenmost. Es finden sich Eierspeisen, Obstspeisen, Aufläufe und Omletts.

Den Abschluss bildet ein weiteres beliebtes Getränk – das Conditum Paradoxum, einen, auch Mulsum genannten, Gewürzwein. Diesen kann man auch vielerorts kaufen (zum Beispiel in der Römervilla Ahrweiler oder der Römerwelt Rheinbrohl) denn er wird von einigen Winzern hergestellt, da er mittlerweile durchaus einige Liebhaber hat. Hier hat jeder Winzer und Hersteller seine eigene geheime Gewürzmischung, ähnlich dem weihnachtlichen Glühwein. Das Rezept, das Edgar Comes anbietet, ist sehr klassisch und verwendet nur wenige Zutaten, braucht dafür aber eine lange Reifezeit.

Zum Abschluß listet der Autor noch transparent seine Quellen auf, allen voran die antiken Klassiker, die uns bis heute gute Einblicke in das Thema „Römische Küche“ gewähren: Cato der Ältere, Vergil und natürlich Apicius, Plinius der Ältere und Columella, von denen es jeweils eine Kurzvorstellung gibt.

Einige Tipps zu Bezugsquellen sowie die Kontaktdaten des Autors schließen das Buch ab.

Review

Als Liebhaber römischer Küche haben wir uns intensiv mit den Rezepten des Buches beschäftigt und sie mit anderen uns bekannten Rezepten verglichen.

Persönlich gefiel uns der praxisnahe Ansatz sehr gut, der keine Scheu davor hat, Konzessionen an die Moderne zu machen, dabei aber immer Wert darauf legt, so authentisch wie möglich zu bleiben. Insbesondere die lukanische Wurst bzw. die lukanische Frikadelle haben uns gut gefallen – und geschmeckt!

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Moretum läßt sich einfach herstellen und ist ideal zu Brot oder zu Gegrilltem oder… einfach allem… sofern man (oder die Arbeitskollegen) kein Problem mit Knoblauch hat

Das Moretum, für das wir uns ja immer besonders erwärmen können und das wir gerne bei allen möglichen Anlässen und an allen möglichen Orten probieren und vergleichen, unterscheidet sich schon in einigen Aspekten von „unserem“ Moretum, aber es ist ein sehr klassisches Rezept, das den typischen Geschmack auf jeden Fall gut wiedergibt und einem Einsteiger, der sich für römische Küche interessiert, eine ausgezeichnete Vorstellung dieser Käsespeise vermittelt. „Das“ Moretum-Rezept gibt es ohnehin nicht; es war eine solche Allerweltsspeise, dass man die Kräuter und Gewürze verwendete, die gerade Saison hatten und was der Hof oder Markt gerade so hergaben.

Auch dass der „Puls„, ein weiterer römischer Klassiker, von dem man oft liest und hört, weil es eine Standardnahrung der römischen Legionäre war, als Rezept vorgestellt und damit nachkochbar wird, hat uns gut gefallen – denn oft wird er nur als simpler „Getreidebrei“ abgetan, unter dem sich niemand etwas vorstellen kann und der Visionen von langweiligem Haferschleim aufkommen lässt. Woraus dieser Eintopf tatsächlich bestand und wie vielseitig er war, kommt hier nun gut herüber.

Für den historisch- und an den Quellen interessierten Koch ist auch anzumerken, dass unter den Rezepten jeweils die Quelle angegeben ist, auf der das Rezept basiert, zum Beispiel bei den Boletos Fungos (den frischen Champions): Apicius VII, 15.4.

Sehr gut gefällt uns die optische Aufmachung, sowohl mit den alten Gemälden und Mosaiken, die die Kapitel zieren, als auch die großformatigen Fotos, die die Gerichte appetitlich und in sehr detaillierter Nahaufnahme zeigen. Sie sind durchweg in römischem Geschirr und mit römischem Besteck angerichtet, was natürlich ganz anders wirkt, als wenn sie schnöde auf einem modernen Teller lägen. So bekommt man gleich noch Dekorationstipps für den römischen Abend daheim oder Anregungen, wenn man sich auf dem nächsten Römerfest mit Keramik, Essgeschirr, Besteck eindecken möchte.

Die Bilder wirken deshalb einerseits „klassisch“, weil sie die Gerichte in antikem Ambiente zeigen, aber gleichzeitig auch modern, weil sie sehr ansprechend inszeniert sind. Etwas irritierend ist allenfalls, dass die Bilder manchmal Zutaten zeigen, die im Rezept gar nicht vorkommen, zum Beispiel ist das Porcellum Coriandratum mit Rosmarin-Zweigen dekoriert, die im Rezept keine Verwendung finden.

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Moretum, Eier und Liquamen beim Vortrag von Edgar Comes (Reenactment-Messe 2015 in der Villa Borg, eigenes Foto)

Wichtig ist, dass auch in diesem Buch (ähnlich wie bei Apicius, allerdings doch etwas praxistauglicher) die Rezepte nicht wie in einem modernen Rezeptbuch bis ins Detail aufgeschlüsselt sind, nach dem Motto: „man nehme 2 Eier, schlage sie auf, rühre sie mit einem Schneebesen schaumig, hebe sie vorsichtig unter und koche sie dann 27 Minuten bei Stufe 3 bis sie goldbraun sind“.

Sondern hier sind die Anweisungen, wie in der Antike üblich, auch eher knapp gehalten und gehen davon aus, dass man sich mit den Grundfertigkeiten des Kochens auskennt. Gar- und Kochzeiten sucht man hier vergebens, weshalb ein gewisses Gefühl dafür, wann etwas gar oder durch ist, vorausgesetzt wird.

Im Gegensatz zum Klassiker gibt es jedoch eine ausführliche Zutatenliste mit Mengenangaben (in der Regel für 4 Personen), daneben eine Kurzanweisung, wie das Gericht zu kochen ist, zum Beispiel, dass man das Hähnchen in Teile schneidet, mit Salz, Pfeffer und Koriander würzt, in Öl scharf anbrät und dann schmoren läßt, sodann nach der Hälfte der Garzeit den fein geschnittenen Lauch hinzugibt und mitgaren läßt. Wann die Hälfte abgelaufen ist und wann es gar ist, muss der Koch selbst entscheiden.

Oder es wird zum Beispiel verlangt, einen „Braten mit Wein abzulöschen, mit Liquamen und Honig abzuschmecken und dann mit Mehl zu binden“. Wie man ablöscht oder mit Mehl bindet, sollte man wissen – solche Grundlagen werden nicht weiter erklärt und es gibt auch keine Mengenangaben in der Zutatenliste für solche Nebenzutaten, hier findet sich dann nur die Zutat „Mehl zum Binden“.

Es ist also definitiv kein Kochbuch für blutige Anfänger, die jeden Schritt detailliert erklärt haben müssen und auch auf exakte Zeit- und Temperaturangaben angewiesen sind!

Die Rezepte kommen allerdings auch mit wenigen Zutaten aus und nichts davon ist extrem kompliziert und benötigt viele Arbeitsschritte. Ganz im Gegenteil ist die römische Küche ja sehr bodenständig und nicht sehr schnörkelig. Insofern tut das Buch genau das, was es möchte: römische Gerichte vorstellen und Anregungen zum Nachkochen geben.

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Ein Beispiel für ein Rezept: Gefüllte Eier. Unter der Überschrift ist die Quelle des Original-Rezepts zu finden. Das Essen ist in einer römischen Terra Sigillata-Schale angerichtet

Ein Punkt, den ich persönlich etwas schade finde: Der Bereich „Backen“ wurde (bewußt) vom Autor ausgeklammert, da dieser Bereich den Rahmen gesprengt hätte – aber es wäre eine passende Ergänzung gewesen und einige Seiten mehr dieses interessanten und liebevoll gestalteten Buches hätten den Leser sicher erfreut. So wurde durchaus Potential verschenkt und der Schwerpunkt auf den Bereich der römischen Koch- und Bratgerichte, sowie Beilagen und Nachtisch gelegt.

Immerhin verweist der Autor im Nachwort darauf, dass, wer Interesse am römischen Backen hat, er z.B. an Backtagen in den diversen Archäologischen Parks fündig wird. Außerdem empfiehlt er, wenn man unbedingt Brot als Beilage haben möchte (Brot, Kuchen, Backwerk war ebenfalls sehr beliebt bei den Römern), kann man sich durchaus mit einem Fladenbrot aus dem Handel behelfen, das in der Herstellung ähnlich ist. Da wir gerne mit römischem Backwerk experimentieren (Opferbrot, Gewürzbrot), ist das für uns persönlich natürlich schade, aber natürlich nachvollziehbar – der Umfang eines Buches ist begrenzt und man muss Prioritäten setzen.

Wir hätten gar nichts dagegen, wenn der Autor ein weiteres römisches Kochbuch verfassen würde, dieses Mal zum Schwerpunkt Backen!

Fazit

Seine Prioritäten setzt Edgar Comes auf jeden Fall gut nachvollziehbar und mit einem roten Faden. Die einzelnen Speisen zum Tagesablauf, sowie aus den unterschiedlichen Kategorien der Vorspeisen, Beilagen, Hauptgerichte und Desserts sind vielfältig und bieten einen guten Querschnitt durch die Vielfalt der Römischen Küche.

Um sich einen Überblick zu verschaffen, ist es auf jeden Fall sehr gut geeignet, auch in Kombination mit den einleitenden Hintergrundinformationen.

Die Aufmachung ist hervorragend, stimmungsvoll und wirkt hochwertig. Die Herangehensweise an die antiken Rezepte ist, getreu der experimentellen Archäologie, so originalgetreu wie möglich, aber so praktikabel wie nötig. Hier wurden Kompromisse gefunden, mit denen man gut leben kann, wie etwa beim Liquamen.

Das Kochbuch ist nicht für absolute Kochlaien gedacht, weil es kaum Anleitungen für die grundsätzliche Herstellung der Gerichte gibt, aber wer einigermaßen Erfahrung im Kochen hat und wem die grundlegenden Techniken bekannt sind, dürfte mit dem Nachkochen keine Probleme haben.

Nicht zuletzt sind die Bilder sehr aussagekräftig und zeigen die Gerichte in original römischem Geschirr und mit Besteck, so dass auch hier Inspirationen zum Anrichten und Präsentieren, aber auch zum Erwerb der Ausstattung gegeben werden.

Uns gefällt das Kochbuch sehr gut und wir können es guten Gewissens jedem empfehlen, der sich schon immer mal einen Überblick über die Römische Küche verschaffen wollte und dabei Anregungen und Vorschläge sucht, wie er die Gerichte nachkochen und im original römischen Stil anrichten kann.

 

Überarbeitete Neuauflage erschienen 07/2018 im Logo-Zauberfeder-Verlag

ISBN: 978-3-938922-86-6

Preis: 19,90€

Verwendete Illustrationen aus dem Buch mit freundlicher Genehmigung des Zauberfelder-Verlags

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Artikel © Q. Albia Corvina, 04/2019

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Ritus christianus in der Religio Romana – Teil II: Aufstieg eines Mysterienkultes

Zu Teil 1: Ritus Christianus – Einleitung: das Christentum im Kontext der Religio Romana in Antike und Gegenwart

Roma locuta, causa finita

Dieses bekannte „Zitat“ des Kirchenlehrers Augustinus von Hippo (354–430), bedeutet „Rom hat gesprochen, der Fall ist beendet“ und soll verstanden werden im Sinne von „Wenn Rom gesprochen hat, ist die Diskussion über den Sachverhalt beendet, es gibt dazu nichts mehr zu sagen.“

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Älteste Darstellung des Augustinus,
Mosaik an der Kapelle Sancta
Sanctorum in Rom, 6. Jh.
(Wikimedia, gemeinfrei)

Zwar hat Augustinus den entsprechenden Teil seiner Predigt aus dem Jahr 417 n. Chr. (Sermo 131, 10) über die Entscheidung des Papstes bezüglich der Lehren des Pelagius genau in diesem Sinne verstanden wissen wollen, aber er hat wörtlich nur das „causa finita“ benutzt.

Es ist mittlerweile aber ein geflügeltes Wort in der oben genannten, ergänzten Form und bringt so einen Punkt prägnant zum Ausdruck, den wir als Ausgangspunkt für die folgenden Ausführungen für wichtig erachten, nämlich die Tatsache, dass das Christentum ab einem bestimmten Zeitpunkt zur Staatsreligion, zur Sacra Publica des Imperium Romanum geworden ist – ein Fakt, der sich nicht wegdiskutieren lässt.

Dies wurde also durch die Römer selbst entschieden – es geschah in ihrer Zeit und Lebenswirklichkeit, innerhalb der Kultur des römischen Reiches und eingebunden in den Kontext der traditionellen Kulte, was eine besondere Sichtweise auf Änderungen im öffentlichen religiösen Leben mit sich brachte. Deswegen stellt es für uns, die wir diese Geschichte studieren und anhand der Quellen zu verstehen versuchen, erst einmal nur einen weiteren organischen Schritt in der Entwicklung der römischen Geschichte dar, gegangen vom römischen Volk selbst.

Wir, die wir nach ihnen kommen, uns ihnen verbunden fühlen und in einer Kultur sozialisiert sind, die bereits selbst schon wieder einen weiteren Schritt in dieser fortlaufenden Geschichte und Kultur darstellt, müssen akzeptieren, dass wir in dieser historischen Entscheidung einerseits kein Mitspracherecht haben und wir sie andererseits auch nicht einfach ignorieren können.

Uns stellt sich nur die Frage, wie wir heute mit dieser Entscheidung derer, die vor uns waren, umgehen. Um hier zu einer befriedigenden Antwort zu kommen, gerade auch vor dem Hintergrund der Praxis der Religio Romana in unserer Zeit, ist es unabdingbar, sich von diversen Vorstellungen und Stereotypen zu verabschieden, die aus dem Blick auf die Geschichte durch eine quasi ideologische Brille erwachsen sind.

Wir müssen deshalb eine Perspektive einnehmen, die der entspricht, welche den religiösen wie politischen Entscheidungen im antiken römischen Staat zugrunde lag, um hierbei zu einer adäquaten Einschätzung kommen zu können.

Um diesen Punkt der Perspektive noch einmal konkret zu fassen, ist es wichtig zu betonen, Rekonstruktionismus ist keine Religion, auch nicht im Paganismus eine Denomination oder Konfession, sondern eine Herangehensweise, eine Methode.

Es geht dabei um die konstruktive Evaluation von Quellen, von tradiertem Wissen über eine Religion und Kultur, um diese in einem zeitgenössischen Kontext authentisch leben zu können. Im Rekonstruktionismus finden wir oft eine eher ganzheitliche Betrachtung, was aber besonders für den römischen Rekonstruktionismus gilt. Dies bedeutet, es geht nicht nur um den Teilaspekt der Religion, sondern grundsätzlich um die Kultur, um die „Romanitas“ von der die Religio – einschließlich der Sacra Publica – ein untrennbarer Teil ist.

Durch diese spezifische Betrachtungsweise kommt es naturgegebenermaßen zu einer natürlichen Einbeziehung von historischen Entscheidungen, die innerhalb der römischen Geschichte getroffen wurden und damit die Entwicklung des Römischen Reiches und der ihm zugrundeliegenden Kultur, wie auch der Aspekte, die in der Folge davon als römisches Erbe Europas immer noch aktuell sind, mitgestaltet haben. Durch diese Akzeptanz von historischen Entscheidungen kommt es generell zu einer anderen Sichtweise auf das Imperium Romanum, das wir zwar durch bestimmte Veränderungen in seiner historischen Entwicklung gekennzeichnet sehen, dem wir aber eine grundsätzliche Kontinuität zuschreiben, die kulturell bis heute nachwirkt.

Aus diesem Grunde sehen wir im Niedergang des weströmischen Reiches im 5. Jahrhundert nicht den „Untergang des Römischen Reiches“ schlechthin, denn auch wenn man gerne vom Byzantinischen Reich spricht, gab es ein solches nicht im Selbstverständnis der Römer, die sich auch im östlichen Teil des Reiches immer als solche betrachteten und bezeichneten (grch.: Ῥωμαῖοι / Rhōmaîoi). Es vollzog sich zwar im Ostteil des Reiches schon früh eine Vermischung der römischen Kultur mit griechisch-orientalischen Elementen (wobei aber auch im westlichen Teil des Imperiums Griechisch seit jeher die Sprache der Gebildeten war), eine stärkere Gräzisierung des Römischen Reiches fand allerdings erst nach dem Niedergang des westlichen Herrschaftsbereiches statt.

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Byzantion wurde, nachdem Konstantin es für seine Neugründung Konstantinopel erwählt hatte, auf das Fünffache der ursprünglichen Fläche vergrößert, wie das Vorbild Rom auf sieben Hügeln errichtet und entsprechend der politischen und weltlichen Strukturen der alten Hauptstadt glanzvoll ausgebaut. So erhielt Konstantinopel ein Kapitol, einen dem Senat in Rom vergleichbaren Rat, einen Circus für 100.000 Zuschauer, ein Forum (Forum Constantini) und eine Hauptverkehrsachse in ost-westlicher Richtung. Es war das Zentrum der Wirtschaft, Kultur und Verwaltung des Oströmischen Reiches kontinuierlich von der Spätantike bis zum Beginn der Neuzeit. (Bild: Antoine Herbert, Portfolio Konstantinopel vom 4. bis 8. Jahrhundert, eine Bilderreihe zur Byzantinischen Architektur)

Das Oströmische Reich war also kein „Nachfolger“ des Weströmischen Reiches, wie man dies manchmal liest, sondern es gab immer nur ein einziges Imperium Romanum und die seit der sog. Reichsteilung 395 n. Chr. vollzogene Aufteilung in einen westlichen und östlichen Teil war im eigentlichen Sinne eine Herrschaftsteilung von 2 Kaisern, eine Aufteilung des „Imperiums“, also der höchsten exekutiven Macht im Staat, keine Aufteilung oder Trennung des Römischen Reiches an sich.

Das Imperium Romanum ging somit erst 1453 n. Chr. mit der Eroberung seiner Hauptstadt im Osten, Konstantinopel, entstanden durch den großzügigen Ausbau des ehemaligen Byzantion, tatsächlich als Staat zu Ende. Wir betonen dies, weil diese Kontinuität für unsere Herangehensweise an die römische Geschichte und Kultur entscheidend ist.

Die Wortverbindung „katholische Kirche“ wurde zwar bereits von Ignatius von Antiochien um das Jahr 110 n. Chr. verwendet, aber erst nachdem es unter Theodosius I. im Jahre 380 n. Chr. durch das Edikt Cunctos populos zur Erhebung und Einsetzung des Christentums – eben in seiner auf das Konzil von Nicäa im Jahre 325 n. Chr. zurückgehenden Form – als Sacra Publica kam und damit die Konsolidierung des Römisch-Katholischen belegte, wurde dieser nun christliche Charakter des Reiches später im Ostteil als staatlicher und kultureller Impuls weiter verstärkt (Zitat aus dem Wortlaut des Ediktes: „Hanc legem sequentes christianorum catholicorum nomen iubemus amplecti (…) / „Nur diejenigen, die diesem Gesetz folgen, sollen, so gebieten wir, katholische Christen heißen dürfen“) .

Die oft vorgetragene Idee, dass die Christianisierung des Imperium Romanum zu seinem Untergang im Westen führte oder diesen zumindest gefördert habe (betont bei Edward Gibbon in seinem Werk „The History of the Decline and the Fall of the Roman Empire“ und in der Folge immer wieder von diversen Seiten aufgenommen, heute jedoch von der historischen Forschung als widerlegt betrachtet), wird natürlich alleine durch die Tatsache hinfällig, dass sich das später dezidiert christliche Oströmische Reich bis ins 15. Jahrhundert behaupten konnte, auch wenn es anfangs nicht in dieser Form existierte.

Denn Kaiser Konstantin förderte zwar das Christentum, aber sein Konstantinopel wurde nicht als eine Art „christliches Rom“ gegründet, wie man manchmal zu lesen bekommt. Die traditionellen paganen Riten bei der Gründung der Stadt wurden ebenso selbstverständlich beachtet, wie die Renovierung von paganen Tempeln gefördert wurde.

In Hoc Signo Vinces… oder Götterdämmerung?

Wie konnte es nun zu einer solch breiten Akzeptanz eines ursprünglich so kleinen Kultes wie des Christentums und schließlich sogar zu seiner Erhebung zur Staatsreligon im Römischen Reich kommen?

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Götterlexikon: Epona

Herkunft, Bezeichnungen

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Epona aus Belginum / Hunsrück

Epona ist eine gallo-römische Göttin, die – als einzige Göttin keltischer Herkunft – weite Verbreitung im römischen Reich erfuhr und sich auch über die Grenzen des keltischen Raumes hinaus bis nach Rom großer Beliebtheit erfreute, wo sie sogar Teil des Staatskultes wurde.

Epona ist in zahlreichen Bild- und Textquellen belegt, unter anderem aus 60 Weiheinschriften sowie Reliefs, Weihealtären und figürlichen Darstellungen, die aus ganz Westeuropa stammen, vor allem aus Frankreich, entlang der Mosel, West- und Süddeutschland, Spanien, Großbritannien, dem Donaubecken, Norditalien, Rom und dem Alpenraum. Auffällig hierbei ist eine besonders hohe Dichte an Funden entlang der befestigten Grenzen des Reichs, wie dem Limes, entlang des Rheins, der Donau und in Nord-Britannien.

Lediglich in zwei Regionen des Römischen Reiches scheint sie nicht verbreitet gewesen zu sein: In Nordafrika, wo man bislang nur eine Darstellung von ihr gefunden hat, sowie dem Nahen Osten, wo sie gar nicht auftaucht.

Ihre Verehrung scheint sich zudem auf das Gebiet des Römischen Reichs zu beschränken; jenseits des Limes im freien Germanien, aus dem Raum zwischen Rhein und Elbe, sind keine Darstellungen oder Inschriften von Epona bekannt.

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Figürliche Darstellung der Epona, zu bewundern im Rheinischen Landesmuseum Bonn

Ihr Name ist gallischer Herkunft und kann etymologisch aus dem gallischen Wort „epos“ für Pferd hergeleitet werden, das wiederum auf die proto-Indo-Europäische Wurzel *ék̂u̯os zurückgeführt wird. Aus dieser Wurzel stammen auch andere Worte für Pferd, wie das lateinische Equus, das altirische Ech oder das litauische Esva. Durch die weibliche Endung -a und den Namensbestandteil -on wird ihr Name verschiedentlich als „große Stute„, „göttliche Stute“ oder „die, die wie eine Stute ist“ oder „große Reiterin“ gedeutet.

Trotz dieser Herleitung und ihrer überwiegenden Verbreitung im gallischen Raum gibt es keine Erwähnungen ihres Namens aus vor-römischer Zeit. Es gibt auch keine Inschriften auf Gallisch, sämtliche Inschriften sind auf Latein oder (seltener) Griechisch. Sie stammen zudem nicht nur von Personen keltischer Herkunft, sondern von Stiftern aus verschiedensten Teilen des Reiches, wie Germanen, Römern und sogar – wie bei einem Fund aus Mainz – einem Syrer.

Zwar ist die Möglichkeit gegeben, dass diese Göttin bereits vor der römischen Eroberung Galliens (im Jahre 52 v. Chr. durch Julius Caesar) von einheimischen keltischen Völkern verehrt wurde, es gibt jedoch bislang keine Quellen oder Belege dafür.

Tatsächlich stammen die frühesten Funde aus dem ersten Jahrhundert n. Chr., eine auffällige, fast explosionsartige Häufung beginnt aber erst mit dem zweiten Jahrhundert n. Chr., so dass man davon ausgehen muß, dass sich der spezifisch gallo-römische Kult um Epona erst um diese Zeit zu entwickeln und im Reich zu verbreiten begann. Mitte des zweiten Jahrhunderts, etwa ab dem Jahr 130 n. Chr. häufen sich auch die Inschriften aus Rom.

Der früheste absolut sicher datierbare Bildbeleg ist ein Wandgemälde in Pompeji, da wir von dort wissen, dass er nicht älter sein kann als 79 n. Chr.

Die erste zweifelsfreie namentliche Inschrift, in der Eponas Name genannt wird, stammt aus einem Tempel in Entrains-sur-Nohain, Frankreich aus dem frühen zweiten Jahrhundert. Sie lautet:

Augusto sacrum deae / Eponae / Connonius Icotasgi fil(ius) / templum cum suis orna/mentis omnibus de suo donavit l(ibens) m(erito) (CIL 13, 02902)

Der erhabenen Göttin Epona gibt Connonius, Sohn von Icotasgus, diesen Tempel mit all seinen Verzierungen und auf eigene Kosten.

Am gleichen Ort findet sich auch eine zweite Widmung an Epona (CIL 13, 2903), was ihre zentrale Bedeutung für diesen Tempel hervorhebt.

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Epona im Landesmuseum Trier

Literarische Belege tauchen ab der hadrianischen Zeit auf (die Regierungszeit von Kaiser Hadrian war 117-138 n. Chr.).

Interessanterweise geht die Verbreitung Eponas nicht von Gallien aus, sondern die Funde sind in den frühen Jahren weit verbreitet überall im Reich zu finden, von Italien bis Britannien, von Rumänien bis Frankreich, während sie sich erst später auf den Raum Gallien und Germanien konzentrieren und dort gehäuft auftreten.

Wieso es bislang keine gesicherten Belege zwischen der Eroberung Galliens im Jahr 52 v. Chr. und der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. gibt, ist nicht eindeutig erklärt und schwierig mit der Hypothese zu vereinbaren, dass Epona eine Göttin ist, die aus vor-römischer Zeit stammt, denn dann dürfte es diese auffällige 100-jährige Überlieferungslücke eigentlich nicht geben.

Ihr relativ spätes Auftauchen ab der Mitte des ersten Jahrhunderts stützt jedoch die gegenläufige These, dass Epona und ihr Kult erst später durch Verschmelzung lokaler keltischer und römischer Götter entstand und sie keine keltische Vorläuferin hat, die 1:1 von den Römern übernommen wurde (vgl. Zeittafel aller bekannten Inschriften und Darstellungen von Epona, oder Auflistung von M. Euskirchen in ihrer Dissertation “Epona”. Bericht der Römisch-Germanischen Kommission Deutsches Archäologisches Institut., 74: 607-838., 1993).

Wir erlauben uns an dieser Stelle kein Urteil und lassen deshalb die Herkunft der Göttin Epona offen – ob sie nun bereits zu vorrömischer Zeit von den einheimischen Galliern in unserer Region verehrt wurde oder ob sich ihre Vorstellung erst in gallo-römischer Zeit entwickelt hat, ist für den Praktizierenden des Gallo-Römischen Kultes unerheblich.

Wie bei den anderen keltischen Göttinnen, die von den Römern übernommen wurden, wurde ihr Name auch nicht um ein Epitheton erweitert, sondern sie wurde – wie z.B. Rosmerta oder Sirona – unter ihrem gallischen Namen verehrt. Dies ist anders bei männlichen Göttern keltischer Herkunft, die im Rahmen der Interpretatio Romana fast immer einen römischen Namenszusatz erhielten, wie Apollo-Grannus, Mars-Intarabus oder Lenus-Mars (der wiederum die Besonderheit aufweist, daß der keltische Name vor dem römischen genannt wird).

Epona

Epona aus dem Tempel in Tawern, wo sie in einem 9 Meter tiefen Brunnenschacht gefunden wurde

Im Gegensatz zu vielen anderen keltischen Göttinnen wurde Epona auch nicht mit einem männlichen Gott verpartnert, sondern blieb alleine. Gelegentlich wurde sie zusammen mit Herkules angerufen, der ebenfalls unter anderem für Schutz auf Reisen zuständig war.

Dafür wird sie oft mit Beinamen gekennzeichnet, aus der ihre große Bedeutung und Wertschätzung hervorgeht, wie Epona Regina (Königin Epona) oder – bei Anrufungen im Rahmen des Staatskultes – als Epona Augusta. Andere Beinamen waren Epona Dea (die Göttliche) und Epona Sancta (die Heilige).

In den meisten Inschriften wird sie „Epona“ genannt, daneben gibt es auch einige abweichende Inschriften, in denen sie „Epana“ oder „Epane“ geschrieben wird, zum Beispiel bei Funden im Norden Spaniens. Inwieweit es sich dabei um eine lokale Variante, künstlerische Freiheit oder Unwissenheit des Steinmetzes handelt, ist unklar.

Ikonographie

Das Aussehen der Göttin Epona ist durch zahlreiche archäologische Funde sehr gut belegt.

Neben Votivreliefs und Reliefs auf Altären taucht Epona auch in figürlicher Darstellung in Form von Statuetten und in Wandmalereien auf.

Es existierten mehrere typische Darstellungsformen (klassifiziert nach W. Schleiermacher):

  • Epona, seitlich auf einem Pferd sitzend („gallischer Typus“)
  • Epona, mittig auf einem Stuhl oder Thron sitzend und auf beiden Seiten flankiert von einem oder mehreren Pferden (der „Imperiale Typus“ genannt)
  • Epona in einer Kutsche, die von mehreren Pferden gezogen wird

Seitlicher Sitz auf dem Pferd („Gallischer Typus“)

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Epona im „gallischen Typus“ (Archäologisches Museum Arlon)

Diese Darstellungsform ist die häufigste Form in Gallien. Epona sitzt (anders als beim modernen Damensattel) seitlich mit herabhängenden Beinen auf einem (in der Regel nach rechts schauenden) stehenden oder laufenden Pferd.

Die Göttin ist in dieser Darstellung oft mit einem langen Gewand bekleidet, gelegentlich auch mit einer Kopfbedeckung in Form einer Haube oder eines Umhangs.

In vielen dieser Darstellungen berührt die Göttin mit einer Hand das Pferd oder hält Zügel (diese gibt es jedoch nicht immer), während sie in der anderen Hand ein Füllhorn (Cornucopia) oder eine Opferschale (Patera) hält. Manchmal hält sie auch Früchte, Getreideähren oder eine Schale oder Korb mit Früchten auf dem Schoß.

Diese Symbole deuten auf Fruchtbarkeit, Wohlstand und Üppigkeit hin.

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Das wissenschaftliche Rätsel zur Datierung der Porta Nigra in Trier ist gelöst!

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UNESCO Welterbe Porta Nigra, das römische Stadttor von Trier

Bislang konnte das Alter der Porta Nigra, dem römischen Stadttor von Trier und UNESCO Welterbe, nur anhand von bauhistorischen und archäologischen Forschungen geschätzt werden.

Im August 2017 wurde vom Rheinischen Landesmuseum Trier und der Ludwig-Maximilians-Universität München eine Grabung an der römischen Stadtmauer durchgeführt, bei der unter anderem Holzreste geborgen wurden.

Diese Hölzer unterzog man einer dendrochronologischen Untersuchung. Die Grabungen waren auch darüber hinaus ein voller Erfolg, denn man fand nicht nur das römische Stadtmauerfundament, sondern auch Reste eines römischen Turms.  „Die Bauten wurden den Funden zufolge zeitgleich auf einem sumpfigen Altarm der Mosel errichtet. Die römischen Bautrupps hatten große Schwierigkeiten beim Errichten dieser Anlage und mussten die Baugrube mithilfe von Hölzern trocken legen“, berichtet Christoph Lindner von der LMU.

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Kulturminister Konrad Wolf präsentiert die gefundenen Hölzer © GDKE – Rheinisches Landesmuseum Trier, Th. Zühmer

Im heutigen Pressegespräch im Rheinischen Landesmuseum Trier wurden die Ergebnisse dieser Grabung präsentiert – und stellen eine kleine archäologische Sensation dar.

Kulturminister Konrad Wolf gab bekannt: „Ein wissenschaftliches Rätsel kann heute gelöst werden. Die Porta Nigra und die römische Stadtmauer Triers wurden um 170 nach Christus erbaut. Darauf deuten die Grabungen und die dendrochronologischen Untersuchungen gefundener Hölzer hin. Damit konnte die Theorie von Dr. Heinz Cüppers, dem ehemaligen Leiter des Rheinischen Landesmuseums in Trier, bestätigt werden. Diese frühe Datierung ist eine wissenschaftlich höchst bedeutende Erkenntnis und freut uns sehr.“

Die Untersuchungen ergaben, dass die Baumstämme im Winter 169/170 n. Chr. gefällt wurden. Daraus leiten die Forscher ab, dass die Stadtmauer ebenfalls zu dieser Zeit oder kurz danach stattfand.

„Mit dem Datum kann nun auch die Entstehungszeit des nahe gelegenen nördlichen Stadttors des antiken Triers, der Porta Nigra, eingegrenzt werden. Neuere Forschungsmeinungen von Experten, die das Bauwerk in das späte 3. oder frühe 4. Jahrhundert n. Chr. datierten, können mit diesem Fund widerlegt werden. Die konkreten naturwissenschaftlichen Untersuchungen haben vielmehr die Einschätzung des ehemaligen Direktors des Landesmuseums, Dr. Heinz Cüppers, bestätigt, der den Bau der Stadtmauer und der Porta Nigra zwischen 160 und 180 n. Chr. vermutete, “ analysiert Dr. Marcus Reuter, Direktor des Rheinischen Landesmuseums Trier.

Forschungsprojekt Datierung Stadtmauer, LMU, Lindner

Die Grabung an der römischen Stadtmauer im August 2017 © Ch. Lindner, Ludwig-Maximilians-Universität München

Die Vorstellung der Grabungsergebnisse wurde von Kulturminister Wolf dazu genutzt, das Engagement der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, sowie die gute Vernetzung im Bereich der Wissenschaft und Kultur hervorzuheben, um das geschichtliche Erbe des Landes Rheinland-Pfalz zu erforschen und zu bewahren. Wichtig ist auch der Anspruch, diese Forschungsergebnisse einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen und dem Publikum verständlich und nachvollziehbar zu vermitteln.

Wer sich für die Details der Forschungsergebnisse interessiert, dem legen wir an dieser Stelle einen Vortrag ans Herz, der am  Donnerstag, dem 5. April 2018 um 19 Uhr im  Veranstaltungssaal des Landesmuseums Trier stattfindet: „170 n. Chr. – neue Erkenntnisse zur Gründung von Stadtmauer und Porta Nigra“.

Die Forschungsergebnisse werden präsentiert von Christoph Lindner von der Ludwigs-Maximilian-Universität München  und Andreas Rzepecki vom Dendrochronologischen Forschungslabor am Rheinischen Landesmuseum Trier.

Der Vortrag ist öffentlich und der Eintritt ist frei.

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Ein empfehlenswertes Ausflugsziel: Die Porta Nigra läßt sich auch von innen besichtigen und zeigt viele Jahrhunderte Geschichte und wechselvolle Nutzung

Wieder ein Beweis dafür, dass wir jedem römisch Interessierten nicht ohne Grund einen Besuch in Trier empfehlen – einst zweitgrößte Stadt des Römischen Reichs, Kaisersitz und nicht umsonst bekannt als „Roma Secunda„, das „Zweite Rom“.

 

 

 

Antike Stätten: Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim

 

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Lageplan

 

Anschrift: 

Deutsche Seite: Robert-Schumann-Str. 2, 66453 Reinheim (Saarland)

Französische Seite: 1 Rue Robert Schumann, 57200 Bliesbruck.

GPS: 49°08’07″N, 7°10’59″E

Anfahrt:

Das Gelände des „Europäischen Kulturparks Bliesbruck-Reinheim“ (französisch: Parc Archéologique Européen de Bliesbruck-Reinheim) liegt zum Teil in Frankreich, zum Teil in Deutschland.

Das Gelände des Archäologieparks ist weitläufig und zu großen Teilen frei begehbar, lediglich die überdachten Attraktionen kosten Eintritt. Deswegen kann man den Park auch von unterschiedlichen Seiten aus betreten; kostenlose Parkplätze befinden sich sowohl auf der französischen als auch auf der deutschen Seite. Ein großer Parkplatz (P2) liegt unter der Bliesbrücke in Reinheim.

Mit dem Auto ist der Park gut zu erreichen, das Navi kennt beide Adressen.

Er ist auch gut an die Öffentlichen Verkehrsmittel angeschlossen: ab Kleinblittersdorf, Homburg und Blieskastel-Lautzkirchen fährt stündlich der Biosphärenbus 501 bis zur Haltestelle Reinheim-Kulturpark. Homburg und Lautzkirchen sind mit der Deutschen Bahn erreichbar, Kleinblittersdorf mit einer Stadtbahn, die auch im französischen Sarreguemines hält.

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Es gibt viel zu sehen im Park

Für wen die Anreise für einen Tagestrip zu weit ist oder wer den Besuch mit weiteren Attraktionen in der Region, wie dem Archäologiepark Schwarzenacker verbinden möchte (wie wir es getan haben), der hat in der Umgebung verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten. Die nächsten größeren Städte sind Sarreguemines auf französischer Seite (hier haben wir übernachtet), sowie Zweibrücken, Blieskastel und Saarbrücken auf deutscher Seite.

 

Hintergrund:

Der Archäologiepark umfasst ein Gelände von 700.000 Quadratmetern und erstreckt sich über 1,2 km Länge inmitten des UNESCO Biosphärenreservats Bliesgau im Tal des Flusses Blies.

Das Motto des Parks lautet: „Geschichte grenzenlos erleben“, denn die Staatsgrenze zwischen Frankreich und Deutschland führt mitten durch das Parkgelände.

Im Mittelpunkt des Parks steht die gallo-römische Geschichte der Region. Mehrere archäologische Sehenswürdigkeiten aus der keltischen und römischen Geschichte sind hier freigelegt und werden anschaulich präsentiert.

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Die römische Palastvilla mit rekonstruiertem Nebengebäude

Der erste archäologische Fund, den man auf dem Gelände machte, war der einer römischen Palastvilla, die sich heute auf der deutschen Seite befindet. Das Villengelände hat eine Grundfläche von 7 ha (70.000 Quadratmeter) und gehört damit zu den größten gallo-römischen Villenanlagen im Raum Saar-Mosel. Von der Größe her vergleichbare „Palastvillen“ sind z.B. aus dem luxemburgischen Helmsange oder aus Echternach bekannt.

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Eingang zum Gelände der Palastvilla

Nach ersten Grabungen im 19. Jahrhundert ab 1806 wurde die römische Palastvilla systematisch ab dem Jahr 1987 freigelegt. Heute ist sie nahezu vollständig ausgegraben und gilt als ein Musterbeispiel für gallo-römische Wohnkultur der einheimischen Oberschicht im 1. bis 4. Jahrhundert. Über diesen Zeitraum war die Villa in verschiedenen Nutzungsphasen bewohnt.

 

Zum Zweck der Veranschaulichung wurden einige Teile der Villa, wie Gebäude und Umfassungsmauern, rekonstruiert oder teilrekonstruiert. Funde aus der Villa sind im Obergeschoß des (modernen) Restaurants zu finden, das sich in einem der rekonstruierten Nebengebäude befindet.

Im französischen Teil befindet sich ein römischer vicus, eine Kleinstadt. Hierbei handelt es sich um die Nachbarstadt der im ca. 30 km entfernten Archäologiepark Schwarzenacker zu besichtigenden Kleinstadt.

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Hauptstraße des Handwerkerviertels im römischen vicus

Der römische Name des Ortes ist bislang unbekannt.

Die Straßensiedlung, in der zur Blütezeit um die 2000 Menschen lebten, war vom 1. bis zum 5. Jahrhundert n. Chr. bewohnt. Es sind mehrere Stadtviertel bekannt, etwa ein Handwerkerviertel mit unterschiedlichen Werkstätten (Schmiede, Bäckerei), das sich an der Hauptstraße befand. Daneben gab es eine große, eindrucksvolle Thermenanlage, die sich heute unter einem Schutzbau befindet, eine Brunnenanlage zur Wasserversorgung, sowie eine Basilika, die für Versammlungen genutzt wurde.

Viele der Gebäude im Handwerkerviertel sind, was ebenfalls bemerkswert ist, unterkellert.

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Rekonstruktionszeichnung der Thermenanlage (auf einer Infotafel im Park)

Der römische vicus wurde im Jahr 1971 beim Kies- und Sandabbau für Straßenbauarbeiten entdeckt. Erste Freilegungen erfolgten unsystematisch durch Notgrabungen, bevor man Ende der 70er Jahre mit systematischen Grabungen und Forschungen begann.

In den Jahren 1952-1955 entdeckte man in der Region zudem fünf römische Kalköfen.

Im Jahr 1954 gelang – wiederum beim Sand- und Kiesabbau – einer der spektakulärsten Funde, welche die Region archäologisch überregional bekannt machte: drei keltische Grabhügel aus der Frühlatène-Zeit, von denen einer ein komplett erhaltenes keltisches Fürstinnengrab samt Grabbeigaben beinhaltete (370 v. Chr.). Neben den Überresten der Bestatteten beinhaltete die Grabkammer reichhaltigen Goldschmuck, sowie diverse andere Wertgegenstände, zum Beispiel Gefäße, die Zeugnis für den Handel der Einheimischen mit fernen Regionen ablegten.

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Die Grabhügel mit dem Fürstinnengrab

Im Jahr 1999 wurden diese Grabhügel in ihrer ursprünglichen Form rekonstruiert.

Das Fürstinnengrab wurde in einer unterirdischen Kammer in musealer Form inszeniert, um Besuchern den Aufbau und die Bedeutung der Fundstücke nahezubringen.

Aufgrund der vielfältigen archäologischen Funde wurde im Jahr 1989 der Europäische Kulturpark Bliesbruck-Reinheim unter Federführung der Stiftung Europäischer Kulturparks gegründet, um die überregional bedeutsamen Funde zu bewahren und der Öffentlichkeit zu präsentieren, sowie um weitere Forschungen und Grabungen zu ermöglichen.

Weitere Träger sind zudem das französische Ministerium für Kunst und Kultur, das Saarland, sowie die Gemeinde Gersheim. Initiator der Parkgründung war Jean Schaub, der den römischen vicus entdeckte und nach dem heute das Informationszentrum benannt ist.

Der Park wurde vom französischen Kultusministerium in die Liste der bedeutsamsten archäologischen Stätten Frankreichs aufgenommen.

Das Außengelände des Parks wurde seit der Gründung immer weiter ausgestaltet und didaktisch erweitert, um den Informationsgehalt für die Öffentlichkeit zu verbessern. So wurden Schutzbauten um die Thermen und einige Teile des vicus errichtet, Teile der Villa rekonstruiert, das Fürstinnengrab ausgebaut, alles grenzüberschreitend mit mehrsprachigen Informationstafeln versehen und ein Ausstellungszentrum eröffnet. Hier finden auch regelmäßig Sonderausstellungen statt.

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So könnte der Ort zu römischer Zeit ausgesehen haben

Daneben wird der Park in der Region regelmäßig für öffentliche Führungen, aber auch für diverse Veranstaltungen genutzt, die nicht nur Archäologie zum Thema haben, sondern auch Geschichte, Natur oder Kultur, um auch neue Besuchergruppen anzuziehen. Fest etabliert hat sich neben einem Antikenspektakel auch ein jährliches Heißluftballon- und Drachenfestival. An Aktionstagen werden didaktische Veranstaltungen geboten, die sich z.B. mit römischer Ausrüstung, Schmuck oder Küche beschäftigen, aber auch praktische Veranstaltungen wie Kindergrabungen, Schmuckherstellung oder Töpfern.

Neben der Funktion als Freilichtmuseum wird im Park nach wie vor Forschung betrieben, die sich mit der Geschichte der gesamten Region von der Bronzezeit bis heute befasst. Der Park stellt deswegen heute eines der wichtigsten archäologischen Forschungszentren Europas dar.

Die wissenschaftlichen Ergebnisse werden in einer eigenen Schriftenreihe, den BLESA-Bänden, publiziert.

 

Beschreibung – unser Eindruck:

 

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Kräutergarten und Nebengebäude der Villa

Der Kulturpark kann an zahlreichen Stellen betreten werden; abgeschlossene Ein- und Ausgänge gibt es nicht. Er wird deshalb von der Bevölkerung für Spaziergänge und Naherholung genutzt.

Lediglich die überdachten Attraktionen sind kostenpflichtig; Tickets können an verschiedenen Stellen des Parks erworben werden.

Die Parkplätze, die sich an verschiedenen Zugängen des Parks befinden, sind kostenfrei nutzbar und bieten genug Platz selbst bei größeren Veranstaltungen. Es spielt im Prinzip keine Rolle, wo man mit der Erkundung beginnt. Wir begannen bei unserem letzten Besuch, anläßlich des „Antikenspektakels 2017“, auf der französischen Seite beim römischen vicus.

Die zentrale Anlaufstelle am französischen Parkplatz ist dabei das Informationszentrum CREX (Centre d’Éxposition). Hier befindet sich eine Kasse, an der man das Kombiticket für den ganzen Park erwerben kann, ein Museumsshop, eine Touristeninformation, Toiletten, Veranstaltungsräume und die Dauerausstellung.

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In der Dauerausstellung sind Funde aus dem vicus zu sehen, wie diese Zeugnisse des häuslichen Kultes

Das Personal an der Kasse ist mehrsprachig und hilfsbereit, so daß keine Französischkenntnisse notwendig sind, um sich zurechtzufinden. Hier erhält man auch einen Lageplan über das Gelände, um sich einen Überblick darüber zu verschaffen, wo sich was befindet.

Der Plan des Geländes kann auch hier als PDF herunterladen werden.

In der Dauerausstellung kann man sich über den Park, über die einzelnen Gebäude und die Siedlungsgeschichte des Bliesgaus informieren. Sie ist mehrsprachig beschriftet und informativ gestaltet.

Folgt man dem geschotterten Fußweg vom Gebäude aus nach rechts, gelangt man zum römischen vicus. Die Besichtigung des Handwerkerviertels ist kostenlos, lediglich für den Schutzbau der Therme benötigt man eine Eintrittskarte.

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Der Schutzbau der Thermen erlaubt einen guten Überblick

Der weitläufige vicus ist informativ beschildert und kann auf einem Rundgang erwandert werden. Die Thermen liegen in einem überdachten hölzernen Schutzbau.

Die Gebäude des vicus, insbesondere die Keller, sind zum Teil begehbar. Man kann sich frei in der Siedlung bewegen und der Hauptstraße folgen, oder aber in und zwischen den Gebäuden herumlaufen. Die Thermenanlagen sind im Schutzbau gut präsentiert und man erhält von den erhöhten Balkons, die sich oberhalb der Thermenräume und der Hypokaustenanlage befinden, einen guten Überblick.

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Hypokaustenanlage der Thermen

Folgt man dem Weg links vom Informationszentrum aus gesehen, in Richtung Parkplatz, erreicht man einen kleinen See. Hinter dem See verläuft die Landesgrenze zwischen Deutschland und Frankreich, die mit einem speziellen, den Gedanken der offenen Grenze versinnbindlichen Gebäude gekennzeichnet ist.

Kurz vor der Grenze weist eine Hinweistafel auf den nahegelegenen Hügel des Homerich hin, der bereits zur keltischen Zeit intensiv genutzt wurde, zu römischer Zeit als Kultplatz diente, wie durch Funde von Glöckchen und Opfergaben, sowie mögliche Tempelfundamente belegt ist, dann zur Merowingerzeit wiederum als Grabhügel diente, bis man ihn bis zum 17. Jahrhundert als Hinrichtungsstätte nutzte.

Auf dem deutschen Teil erreicht man dann die äußere Umfassungsmauer des Villengeländes mit einem rekonstruierten Eingangstor. Die eindrucksvollen Ausmaße des Außengeländes werden durch rekonstruierte Mauern und eine Informationstafel verdeutlicht. Das Villengelände ist kostenfrei begehbar.

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Überblick über das westliche Handwerkerviertel

In der linken Hälfte des Villengeländes befindet sich ein rekonstruiertes Nebengebäude, das landwirtschaftliche Funktion hatte.

Ein Durchlass in der Mauer erlaubt es, ein kleines keltisches Dorf zu besichtigen, das – im Gegensatz zur prunkvollen Palastvilla – das einfache Leben der bäuerlichen Landbevölkerung demonstrieren soll. Dieses keltische Dorf enthält einige Fachwerk-Lehmhütten und einen keltischen Pfahlgott.

Leider macht dieses Keltendorf, im Gegensatz zum übrigen Gelände, einen nicht ganz so taufrischen Eindruck und wirkt etwas vernachlässigt. Achtlos standen hier Überbleibsel einer Veranstaltung herum, wie Bierbänke und Plastikplanen, die den informativen Charakter des Ortes deutlich schmälerten und die Illusion beeinträchtigten.

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In der keltischen Siedlung braucht der deprimiert dreinschauende Pfahlgott Trost

Die Palastvilla selbst ist nicht rekonstruiert (wie etwa die Villa Borg), aber in ihren Grundmauern mit den zahlreichen Räumen gut im Gelände zu erkennen und durch Informationstafeln beschrieben.

In einem rekonstruierten Nebengebäude befindet sich ein Restaurant, römische Taverne genannt, in der man kleinere Gerichte und Snacks (wie die obligatorischen Pommes) zu sich nehmen kann.

Im oberen Stock des Restaurants befindet sich das Museum zu den Funden der Palastvilla. An unserem Besuchstag war die Taverne allerdings wegen einer geschlossenen Gesellschaft (Hochzeit) nicht zugänglich, so daß wir auch nicht in das Museum konnten. Das ist natürlich etwas unglücklich gelöst, wenn man das Museum bei Veranstaltungen des Restaurants nicht besuchen kann.

Zur Villa gehört ebenfalls ein teilrekonstruierter Säulengang und ein umfangreicher, begehbarer römischer Kräutergarten, der einen gepflegten Eindruck machte. Alles in allem wirkt das ganze Villengelände ordentlich und aufgeräumt.

Hinter der römischen Villa sind bereits aus der Ferne eindrucksvoll die drei keltischen Grabhügel erkennbar, die mit Gras bewachsen sind. Überall stehen Sitzbänke, so daß Spaziergänger die Gelegenheit gerne nutzen, sich auf dem Gelände der Villa und rund um die Grabhügel zu erholen. Die Grabhügel sind auch begehbar, wie darauf herumkletternde Kinder belegten.

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Grabhügel mit dem keltischen Hund aus dem Fürstinnengrab

Vor einem Grabhügel befindet sich die überlebensgroße Replik eines keltischen Hundes, wie er am Henkel eines Trinkgefäßes aus dem Fürstinnengrab gefunden wurde. Er ist das Wahrzeichen des Parks und kann im Museumsshop auch als kleine Figur erworben werden.

Neben den Grabhügeln sticht ein architektonisch extravagantes Gebäude ins Auge, der Eingangsbereich zum Fürstinnengrab. Hier befindet sich eine Kasse, da der Grabbesuch kostenpflichtig ist. Das Personal hier im deutschen Teil ist ebenfalls mehrsprachig, die Frau hinter der Theke war sehr freundlich und hilfsbereit und gab uns auf Nachfrage gerne auch weiterführende Auskünfte. An der Kasse ist zudem ein kleiner Museumsshop zu finden, der Fachliteratur, aber auch kleine Andenken wie die besagte Hundefigur anbietet.

Im Eingangsbereich des Gebäudes sind einige Informationstafeln zum Fürstinnengrab zu finden, außerdem eine Spielmöglichkeit für Kinder, wo sie z.B. keltische Nahrungsmittel erraten können.

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Das unterirdische Grab ist stimmungsvoll inszeniert

Das Grab selber befindet sich in einer unterirdischen Grabkammerkuppel aus Beton, in die man auf einer gewendelten Treppe hinabsteigt. Es ist dunkel im Innenbereich und aus Lautsprechern erschallen pseudo-keltische Frauengesänge. Entlang der vielen Stufen, die man hinabsteigt, hängen an den Wänden weitere Informationstafeln mit Informationen zu den Kelten.

Unten angekommen, trifft man auf das Fürstinnengrab hinter einer Glasscheibe. Hier liegt eine lebensgroße Frauenfigur in typischer Kleidung und mit dem Schmuck und den Gegenständen, wie man sie im Originalzustand vorfand. Die Wände der Kuppel sind schwarz gestrichen, es ist dunkel und punktuell stimmungsvoll beleuchtet. In Vitrinen befinden sich Rekonstruktionen der bedeutendsten Funde.

Eine Sitzbank gegenüber dem Fürstinnengrab hinter der Scheibe lädt zum Verweilen und zum Wirkenlassen der Stimmung ein. Wenn nicht gerade Familien mit grölenden kleinen Kindern anwesend sind, ist die Atmosphäre in der Kammer recht ansprechend und hat uns gut gefallen.

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Einige Keller der Handwerkerhäuser sind begehbar

Hier befinden wir uns nun am anderen Ende des Parks, wo es zum Parkplatz auf der deutschen Seite geht.

Alles in allem ist der Park sehr sehenswert, gepflegt, informativ und didaktisch ansprechend präsentiert.

Dem Gedanken an den grenzüberschreitenden Park wird dadurch Rechnung getragen, dass alles mehrsprachig ist, auch wenn man schon erkennt, dass die deutsche und die französische Seite jeweils unter eigener Leitung stehen und eigene Schwerpunkte verfolgen.

 

Öffnungszeiten, Zugänglichkeit, Preise

Wie bereits beschrieben, sind große Teile des Parks frei und kostenlos zugänglich.

Eine Eintrittskarte wird für folgende Bereiche benötigt: das Museum in der Maison Jean Schaub, das Museum im oberen Teil der Taverne, das Fürstinnengrab, das Ausstellungszentrum Bliesbruck und der Schutzbau der Therme im Vicus.

Die Eintrittskarten kann man sowohl auf der französischen als auch der deutschen Seite jeweils in den kostenpflichtigen Orten erwerben und sie gelten für alle Attraktionen in beiden Ländern.

Der Eintritt beträgt für Erwachsene 5€, ermäßigt 3,50€.

Jugendliche bis 16 Jahre und zu 100% Behinderte haben freien Eintritt.

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Die Informationstafeln auf dem Freigelände sind dreisprachig beschriftet: Deutsch, Englisch und Französisch

Der weitläufige Park, das Villengelände und der vicus sind kostenfrei zu besichtigen. Die Nutzung des Parks zur Freizeitgestaltung, für Picknicks, Drachsteigen und Familiennachmittage sowie das Mitbringen von Hunden ist ausdrücklich erlaubt.

Der Park ist ganzjährig geöffnet und rund um die Uhr begehbar.

Die kostenpflichtigen Teile sind nur in der Saison vom 15. März bis 31. Oktober zu besichtigen. Am 1. Mai sind die Museen in Bliesbruck (auf der französischen Seite) geschlossen.

Führungen, Veranstaltungen:

Veranstaltungen finden regelmäßig statt. Die Termine sind der offiziellen Website zu entnehmen. Es gibt viele Thementage und insbesondere für Kinder und Schulklassen wird viel geboten.

Jeden ersten Sonntag im Monat finden „Schnupperführungen“ statt.

Spezialführungen (Wanderungen mit dem Römer, Keltenwanderung rund um Reinheim, Führung auf den Spuren der Kelten und Römer) können von Gruppen gebucht werden. Die Preise, Inhalt und Dauer sind ebenfalls der offiziellen Seite zu entnehmen.

Daneben bietet der Park unter dem Stichwort „Archäologie zum Mitmachen“ an festen Terminen auch die fachlich begleitete Teilnahme an archäologischen Grabungen an. Vorkenntnisse sind dafür nicht notwendig.

Antikenspektakel:

Das jährliche „Antikenspektakel“ gehört, anders als der Name es vermuten läßt, zu den kleineren römischen Veranstaltungen der Saison. Es fand im Jahr 2017 ausschließlich im französischen Teil auf dem Freigelände hinter der Therme statt.

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2017 ging es rund um Pferde, Reiterei, Wagenrennen und Gladiatoren

Jedes Jahr steht das Antikenspektakel unter einem bestimmten Motto, wie z.B. im Jahr 2017 Wagenrennen den Schwerpunkt bildeten. Zu diesem Zweck war auf dem Freigelände ein ovaler Zirkus mit Sitztribünen eingerichtet worden.

Es gab zu regelmäßigen Zeitpunkten stattfindende Wagenrennen mit zwei Streitwagen, sowie Gladiatorenkämpfe.

Zudem gab es eine römische Musikgruppe, die auf den originalen Nachbauten römischer Musikinstrumente – wie Trommeln, Cornu und Tibia – die Gladiatorenkämpfe begleitete, wie es auch historisch der Fall gewesen war. Das gefiel uns gut, weil es historisch akkurat war und einen guten Eindruck vermittelte, wie Gladiatorenkämpfe mit Live-Musikbegeleitung gewirkt haben mochten – auch wenn die Größe des Spektakels ansonsten mit wenigen Darstellern eher überschaubar war und somit überhaupt nicht mit dem zu vergleichen sein dürfte, was zu römischer Zeit als „Spektakel“ galt.

Die Gladiatorengruppe und auch die Musiker machten ihre Sache auf jeden Fall, trotz des grottenschlechten Wetters mit Sturm und strömendem Regen, gut und gefielen uns in ihren Darbietungen.

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Die Gladiatorenkämpfe waren live von römischer Musik untermalt und dadurch dramatisch in Szene gesetzt

Man konnte sich an einem Stand über römische Streitwagen informierenm, die Pferde und Wagen aus der Nähe betrachten und auch den Stand der Musiker und die Gladiatoren in ihrem Zelt besuchen.

Was uns jedoch eindeutig fehlte, waren weitere Stände, wie man es von anderen römischen Veranstaltungen kennt, zum Beispiel Händler, Handwerker, Schreiber, Medicus etc.. Es muß nicht immer eine Legion sein, aber für unseren Geschmack war das, was an Unterhaltung zwischen den Programmpunkten (Wagenrennen, Gladiatoren) geboten wurde, einfach zu wenig, um die großen Lücken zu füllen, die sich den Tag über ergaben, da man relativ schnell mit der Besichtigung des Festivalgeländes fertig war und sich das Programm nach einer gewissen Zeit auch wiederholte.

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Die Musiker waren tapfer, trotz des strömenden Regens

Das Festival beginnt vormittags um 11 Uhr. Einer der Höhepunkte, auf den wir uns gefreut hatten, war das römische Konzert um 18 Uhr sowie das Feuerspektakel nach Einbruch der Dunkelheit (die im August natürlich etwas auf sich warten läßt).

Es gab – typisch französisch – ausschweifende Gastronomie, sowie einen Bierwagen, aber selbst wenn man den Park noch nicht kennt und diesen im Anschluss in Ruhe besichtigt, ist es schwierig, sich von morgens bis zum Abend zu beschäftigen, so dass es sich empfiehlt, eher später zu kommen, wenn man am abendlichen Programm teilnehmen möchte. Es ist eben kein Xanten oder Villa Borg, wo man von morgens bis abends durchgehend beschäftigt ist!

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Das Ankündigungsplakat

Was wir allerdings eher merkürdig fanden, war die Tatsache, dass das Ereignis – obwohl in einem deutsch-französischen Kulturpark stattfindend und weithin auch in Deutschland beworben und vermarktet – fast ausschließlich in französischer Sprache stattfand.

Bereits das Personal am Eingang sprach nur Französisch (oder Englisch), aber insbesondere während der Showprogramme fiel es doch sehr auf, dass die (zum Teil sehr ausführliche und lange) Moderation und die Erklärungen immer mehr zu einer Veranstaltung rein auf Französisch wurden.

Gab es zu Beginn noch einen Dolmetscher, der die Sätze zumindest in rudimentären Einzeilern auf Deutsch „zusammenfasste“, und wurden die deutschen Besucher zur Eröffnung auch noch auf Deutsch begrüßt, gab es ab Beginn des Gladiatorenkampfes gar keine Übersetzung mehr. Schade, denn es wurde wirklich ausführlich erklärt und der Lanista der Gladiatorentruppe ging sehr detailliert auf die einzelnen Aspekte der Gladiatur und das, was gezeigt wurde, ein. Teilweise erklärte er zwischen den Kämpfen bis zu 10 Minuten am Stück, was fast schon kleinen Vorträgen gleichkam.

Da die Hälfte des Publikums aus Deutschland angereist war, sah man viele ratlose Gesichter und das Potential wurde leider auf diese Weise verschenkt.

Wir können nicht beurteilen, ob es sich bei diesem Event um eine Ausnahme gehandelt hat und zu dem Zeitpunkt niemand zur Verfügung stand, der auf die Schnelle für die deutschen Besucher die deutsche Moderation übernehmen konnte. Für einen Park, der sich ausdrücklich als zweisprachig und grenzüberschreitend präsentiert, fanden wir diesen fast ausschließlich französischsprachigen Event jedoch sehr befremdlich und für die vielen angereisten deutschen Familien, gerade mit Kindern, war es deswegen sicher auch enttäuschend.

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Eingewickelt vom Retiarius!

Der Umfang selbst ist kein Problem, wenn man weiß, dass es sich nur um einen kleinen Event handelt (es gibt ja auch in Deutschland sehr schöne, kleine römische Veranstaltungen, man muß es nur vorher wissen, um sich darauf einstellen zu können, was die Erwartungen und die zeitliche Planung betrifft), dann kann man sich in seinem Zeitplan entsprechend einrichten.

Der Besuch des Festes sollte auf jeden Fall mit einem Besuch des Parks und seinen vielen Sehenswürdigkeiten kombiniert werden.

Sonstiges:

Fotografieren ist überall erlaubt, auch in den Museen und dem Fürstinnengrab.

Der Kulturpark ist in weiten Teilen behindertengerecht gestaltet.

065_Bliesbruck-ReinheimHunde sind im Park (jedoch nicht in den Museen) erlaubt.

Französischkenntnisse sind zum Besuch des Parks nicht erforderlich, sind jedoch für die Veranstaltungen (wie das Antikenspektakel) hilfreich bis nötig.

In ca. 30 Kilometern Entfernung liegt das Römermuseum Schwarzenacker bei Homburg. Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine Kleinstadt wie den vicus von Bliesbruck-Reinheim und war zu gallo-römischer Zeit der nächste, eine Tagesreise entfernte größere Ort.

Wir empfehlen, wenn man ohnehin in der Gegend ist, diese beiden römischen Ausflugsziele miteinander zu kombinieren!

Weiterführende Informationen und Literatur:

  • Offizielle Website des Kulturparks
  • Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim auf Wikipedia
  • Andreas Stinsky: „Die Villa von Reinheim. Ein ländliches Domizil der gallo-römischen Oberschicht“. Nünnerich-Asmus-Verlag 2016
  • Parkführer: Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim. Herausgegeben vom Saarpfalz-Kreis / Département Moselle, 2013
  • Walter Reinhard: „Kelten, Römer und Germanen im Bliesgau“, Denkmalpflege im Saarland, 2010
  • Walter Reinhard: „Die keltische Fürstin von Reinheim“, Blieskastel 2004
  • BLESA, parkeigene Veröffentlichungsreihe zu den aktuellen Forschungsergebnissen

Tempel des Iuppiter-Perunus eingeweiht!

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Unter dem Motto Feci, quod potui, faciant meliora potentes (Ich habe gemacht, was ich kann; wer kann, mag Besseres tun) ist ein beeindruckendes Projekt innerhalb der römisch-rekonstruktionischen Bewegung einen gewaltigen Schritt weitergekommen!

22095437_10214694835271325_1186697368_oRömische Cultores der Colonia Alba Sarmata (Poltava, Ukraine) unter der Führung von M. Octavius Corvus haben einen lange gehegten Plan umgesetzt und auf privatem Grund durch eigene Hände Arbeit und unterstützt von Spenden aus der internationalen Gemeinschaft einen Tempel für Iuppiter-Perunus errichtet, der am 9. September 2017 offiziell eingeweiht wurde.

19055836_1622275947839829_4034807411603779578_oPerunus ist der einheimische Gott, der dem römischen Iuppiter entspricht und gemäß römischem Brauch (interpretatio romana) wird er demzufolge mit seinem Doppelnamen genannt und angesprochen. Die grundlegenden Riten wurden gemäß der Tradition von Pontifex Cn. Cornelius Lentulus (Nova Roma) und Augur M. Lucretius Agricola geleitet, die anschließende Grundsteinlegung von beiden zusammen mit M. Octavius Corvus rituell durchgeführt und somit ein würdiger Grundstein für das ambitionierte Projekt gelegt, welches sich neben der weiteren Ausgestaltung des Tempels (Säulen, Marmorplaketten für die Spender etc.) die Errichtung weiterer Altäre und Tempel für andere Gottheiten zum Ziel gesetzt hat.

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Der Tempel (resp, später das komplette Areal) soll jedem Cultor offenstehen und die Möglichkeit bieten, die traditionellen Opfer und Gebete zu verrichten. Die erfahrenen Sacerdotes vor Ort bieten ihre Hilfe bei der Durchführung der Riten an und heißen jeden Anhänger des Cultus Deorum Romanorum willkommen. Weitere Spenden und anderweitige Unterstützung sind gerne gesehen, wer sich dafür interessiert und seinen Namen als Donator am Tempel verewigt sehen möchte, möge die Webseite des Projektes besuchen.

 

Für all jene, die den Tempel nicht persönlich besuchen können, besteht trotzdem die Möglichkeit an den Riten der dortigen Gemeinschaft von Cultores teilzuhaben und Gebete und Bitten an Iuppiter zu richten. Jeder, der diese an M. Octavius Corvus via Facebook oder direkt per email (m.octavius.corvusATgmail.com) sendet, wird damit in die Riten und Opfer des Tempels eingebunden, indem seine Bitten auf spezielle Gebetskarten übertragen und diese innerhalb des Tempelareals aufgehängt werden. Bei den morgendlichen Riten zu Ehren Iuppiters werden die Karten aufgehängt und jede Bitte laut im Namen des Absenders verlesen. Mit den täglichen Opfern und dem aufsteigenden Weihrauch, dargebracht von den Pontifices, werden diese Gebete und Bitten so der Gottheit angetragen.

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Wir gratulieren unseren Freunden der Colonia Alba Sarmata zu dieser prächtigen Einlösung ihres ehemals gegebenen Votum und hoffen, daß die Götter jedes der dort dargebrachten Opfer annehmen und jedes Gebet, welches dort gesprochen wird, erhören mögen! Das Erreichte ist ein Zeichen echten römischen Geistes – Potest, qui vult! (Wer will, der kann!)

Die Vision:

 

 

 

 

Events und Veranstaltungen: Vita Romana – Antikes Spektakel 12.-15.8.2017

Logo-EKP_front_largeVom 12. bis 15. August 2017 findet ein länderübergreifender römischer Event statt: „Vita Romana – Antikes Spektakel“ im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim.

Unter dem Motto „Raus aus dem Alltag, rein in die Antike“ wird im französischen Teil des deutsch-französischen Archäologischen Parks in diesem Jahr zum 20. Mal vor historischer Kulisse die römische Antike wiederbelebt.

Das Festival dauert in diesem Jahr 4 Tage, wobei das Programm an den vier Tagen wechselt. Im Mittelpunkt stehen Pferde und Wagenrennen. Montag und Dienstag werden zudem militärische Manöver auf dem Pferd demonstriert.

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Außerdem dabei: Gladiatoren, Metallhandwerk und die Gruppe „Galate“, die römische Musik und Tanz vorstellt. Montag und Dienstag wird zudem antike Glasbläserei  demonstriert. Es finden auch Workshops rund um die Themen Pferdepflege, Metallhandwerk, Kavallerie und Glasbläserei statt.

Am Samstag und Montag wartet auf den Besucher noch ein besonderes Highlight: mit Einbruch der Dunkelheit zeigt die Gruppe „La Compagnie la Salamandre“ eine Feuershow mit einem magischen Flammentanz inmitten der antiken Ruinen des Parks. Musik unterschiedlicher Gruppen und eine Nachtshow runden das Programm ab.

Auch der Park selbst ist sehenswert, er bietet unter anderem ein keltisches Fürstinnengrab, eine teilrekonstruierte römische Palastvilla und ein Ausstellungszentrum mit Funden aus der römischen Kleinstadt, die einst zwischen dem 1. und 5. Jahrhundert an dieser Stelle stand.

Vita Romana findet Samstag und Montag von 12-23 Uhr statt, Sonntag und Dienstag von 10-18 Uhr.

Der Eintritt beträgt 7€ für Erwachsene, ermäßigt 5,50€. Der Eintritt für Kinder unter 16 Jahren ist frei.

Mehr Informationen hier auf der offiziellen Website des Archäologieparks.

Facebook-Seite der Veranstaltung

Antike Stätten: gallo-römische Villa Mageroy (Belgien)

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Villa Mageroy

Anschrift:

Villa gallo-romaine de Mageroy, Rue de Mageroy 2, 6723 Habay-la-Vieille, Belgien.

Anfahrt:

Die Ausgrabungsstätte der gallo-römischen Villa Mageroy liegt in den südbelgischen Ardennen in der Provinz Luxemburg (Wallonie) in der Nähe des Ortes Habay-la-Vieille. Sie liegt außerhalb des Ortes inmitten von Feldern und Kuhwiesen. Von Habay aus ist sie aber gut zu finden, da sie ausgeschildert ist. Der Weg führt über landwirtschaftliche Nutzwege.

Für das Navi kann man die „Rue de Mageroy“ eingeben, muss dann vor Ort aber trotzdem die Augen nach den kleinen Wanderschildern offenhalten, die die Richtung weisen, da die Rue de Mageroy in eine unbenannte Schotterstraße mündet. Folgt man dieser nach rechts den Hügel hinab, so ist die Ausgrabungsstätte bald auf der rechten Seite zu sehen. Man kann direkt vor dem Gelände parken.

Die Gegend ist wanderfreundlich und ein Netz von ausgeschilderten Wanderwegen verläuft rund um die Villa.

Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, erreicht die Ausgrabungsstätte entweder mit dem Regionalzug aus Libramont / Arlon. Vom Bahnhof Habay aus sind es noch etwa 15 Minuten Fußweg. Eine Alternative ist der Bus der TEC Linie 28 zwischen Arlon und Marbehan. Von der Haltestelle Rue de Nantimont sind es noch einige Gehminuten zu Fuß.

Hintergrundinformationen:

Die Region in den luxemburgischen und südbelgischen Ardennen gehörte in römischer Zeit zu Gallien und wurde nach dem Ende des Gallischen Krieges schnell romanisiert. An vielen Orten der noch heute landwirtschaftlich, vor allem viehwirtschaftlich dominierten Region, finden sich deshalb gallo-römische Landgüter, Tempel oder andere militärische oder zivile Bauwerke.

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Panoramablick über das Gelände

Der gallo-römische Gutshof von Mageroy, der im Stammesgebiet der Treverer lag, gilt als archäologisch besonders bedeutsam und regelmäßig finanziert das Land Wallonie Grabungskampagnen (2017 zum Beispiel die Untersuchung eines Nebengebäudes, in dem man Spuren von Eisenverhüttung entdeckte). Betreut wird die 3 ha große Ausgrabungsstätte durch den gemeinnützigen Verein ARC-HAB, der von mehreren Archäologen geleitet und durch zahlreiche Freiwillige unterstützt wird. Dieser Verein leitet die Ausgrabungen und wertet die Funde aus.

Das Landgut, das sich aus einem Hauptgebäude, mehreren Neben- und Wirtschaftsgebäuden, sowie weiteren Baustrukturen zusammensetzt, stammt aus dem 1. Jahrhundert n.Chr. Es durchlief in den folgenden Jahrhunderten jedoch mehrere Umbauphasen und wurde bis ins 4. Jahrhundert bewohnt.

Zu römischer Zeit lag es fünf Kilometer von der römischen Fernstraße von Reims nach Trier entfernt. Die nächste größere Ortschaft war vicus Orolaunum, das heutige Arlon.

Die Lage des Gutshofes in einer sumpfigen Mulde in der Nähe eines kleinen Baches erlaubte das Anlegen eines großen Weihers auf dem Gelände.

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Der Bereich des ehemaligen Weihers ist heute noch ein Feuchtgebiet und ein reiches Biotop

Der Wohnbereich, die Pars urbana, bestand aus einem 670 Quadratmeter großen Haupttrakt aus dem 1. Jahrhundert, der eine nach Süden ausgerichtete Fassade von 28 Metern Länge aufwies. Der größte Raum befand sich zentral im Hauptgebäude und umfasste 170 Quadratmeter. Aus der Anordnung der Räume läßt sich schließen, daß sich im Westflügel die Wohn- und Privaträume befanden, während die Räume im Ostflügel als Gemeinschaftsräume angesprochen werden.

Als Baumaterial für die Gebäude diente das lokal anstehende Gestein, das vor allem aus Schiefer und grünem Sandstein besteht. An das Hauptgebäude schließen sich weitere Neben- und Wirtschaftsgebäude an.

Das zweite Jahrhundert gilt als die Wohlstandszeit der Bewohner der Villa, die vermutlich einheimische romanisierte Gallier waren. Zahlreiche Erweiterungen und der Einbau von „Luxusfeatures“ wie Fußbodenheizungen und Thermen zeigen, wie  komfortabel die Bewohner lebten. Auch der prunkvoll gestaltete, repräsentative Eingangsbereich zeugt vom Wohlstand seiner Bewohner.

Zahlreiche Funde, wie z.B. ein Pflug, aber auch ungewöhnliche organische Funde, die sich im anaeroben Milieu des Weihers erhielten, geben heute einen guten Einblick in den Alltag der Bewohner. So wurden seltene Funde in gutem Erhaltungszustand geborgen, unter anderem Holzrohre, Schuhsohlen aus Stroh, Funde aus Leder und Holz, Obstkerne und eine Weinrebe.

Auch einige Namen der Bewohner sind bekannt, so wurde ein Ring mit dem eingravierten Namen „Micia“ gefunden. Man nimmt an, daß Micia eine Hausherrin war, zumal ihr Name auch auf Tongeschirr entdeckt wurde. Der Name eines Verwalters, der  in einem der seitlichen Wirtschaftsgebäude lebte, ist ebenfalls bekannt: Onesimus Olympius.

Auch im dritten Jahrhundert wurde das Landgut noch einmal erweitert, unter anderem um eine Bronzegießerei. Allerdings scheint der Hof im Jahr 262 (datiert aus Münzfunden) auch einem großen Feuer anheimgefallen zu sein. Dies war auch die Zeit der großen Germaneneinfälle, die zwischen 260 und 270 diesen Teil Galliens heimsuchten.

013_MageroyDer Hof wurde jedoch nicht aufgegeben, sondern neu aufgebaut, um einige Gebäude, wie Latrinen, Getreidedarren und ein Silo, sowie um eine dem Schutz dienende Befestigungsanlage erweitert. Aus dem 4. Jahrhundert stammen Keramik-Scherben in typischer germanischer Machart. Zum Ende des 4. Jahrhunderts wurde der Ort dann jedoch aus unbekannten Gründen aufgegeben und verlassen.

Die Existenz einer archäologischen Stätte war bereits im 19. Jahrhundert bekannt, als Bauern von alten Mauern und Bauwerken berichteten. Auch hielt sich in der Region Habay seit Jahrhunderten eine Legende von „drei Schlössern“, von denen eines in Mageroy vermutet wurde. Bis in das 17. Jahrhundert sollen die römischen Mauern sichtbar gewesen sein und wurden für die Überreste eines solchen Schlosses gehalten.

Erste Ausgrabungen fanden im Jahr 1984 statt. Die Untersuchungen, die auch moderne Methoden des Georadars umfassen, dauern bis heute an und die Funde aus Mageroy werden von verschiedenen Forschungseinrichtungen untersucht.

Beschreibung:

Schon von weitem fällt das in einer Talsenke gelegene Ausgrabungsgelände ins Auge: rund um die freigelegten Mauern der Häuser befinden sich kleine aufgeschüttete Anhöhen, auf denen Informationstafeln stehen und die einen guten Blick von oben auf das Gelände bieten.

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Ein Kuppelbackofen

Viele der Gebäudefundamente wurden im Laufe der Grabungskampagnen freigelegt. Fußwege führen durch das Gelände und zu den Aussichtshügeln. Daneben gibt es experimental-archäologische Bereiche wie einen Kuppenbackofen oder einen Kräutergarten, in dem thematisch gruppierte Pflanzen angebaut werden, zum Beispiel Pflanzen zum Färben, Aroma-Pflanzen oder Heilpflanzen.

Überall auf dem Gelände finden sich ausführliche und mit guten Illustrationen und Fotos versehene Informationstafeln (leider nur auf Französisch), sowie schematische Darstellungen der Gebäude, so daß man sich orientieren kann, was man gerade vor sich sieht.

Als wir im Juli 2017 dort waren, war gerade eine neue Ausgrabungskampagne des Vereins ARC-HAB im Gange und eine Gruppe aus etwa 10 freiwilligen jungen Leuten legte ein Nebengebäude frei. Die Grabungsteilnehmer waren sehr auskunftsfreudig und hilfsbereit und kamen sofort auf uns zu, um uns Informationen anzubieten, falls wir Fragen hätten. Auf die Frage, was aktuell erforscht wird, erfuhren wir, daß das Land Wallonien Geldmittel zur Verfügung gestellt hatte, um ein Nebengebäude freizugelegen, in dem wahrscheinlich Metall geschmolzen oder Erz verhüttet wurde. Man zeigte uns auch einige aktuelle Funde des Tages, vor allem Keramikscherben und Reste von Dachziegeln.

Das Gelände ist überraschend weitläufig und man kann sich dort frei bewegen und überall umschauen. Es gibt auch ein Verwaltungsgebäude, das für die Vereinsmitglieder zur Verfügung steht, ansonsten aber geschlossen ist, sowie einen Schuppen für die Grabungswerkzeuge und zur zwischenzeitlichen Aufbewahrung der Funde. Durch die gute und interessante Präsentation der Ausgrabungsstätte ist diese Villa Rustica sehr sehenswert und hebt sich auch von vielen anderen typischen gallo-römischen Landgütern ab, die man überall im Lande findet.

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Der Kräutergarten

Der Verein, der die Anlage betreut, ist sehr um Öffentlichkeitsarbeit bemüht und führt auf Anfrage auch Führungen durch. Daneben gibt es immer wieder Veranstaltungen, auch für Kinder, einen Fotowettbewerb, Exkursionen, Grabungscamps oder sogar eine „gallo-römische Radtour“.

Eintritt und Öffnungszeiten

Der Eintritt ist frei. Die Villa Mageroy ist jederzeit und rund um die Uhr frei zugänglich. Sonderveranstaltungen kosten gegebenenfalls eine Teilnehmergebühr.

Sonstiges

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Ein Besuch der Villa Mageroy läßt sich gut mit einem Besuch der nahen Stadt Arlon kombinieren, die ein hervorragendes archäologisches Museum hat, dessen gut erhaltene gallo-römische Abteilung wegen seiner Skulpturen als eine der besten des Landes gilt.  Ebenfalls in der Nähe liegt das Keltenmuseum von Libramont-Chevigny.

Quellen und weiterführende Informationen:

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