Mos Maiorum

Antike Stätten: Bertriacum – Römisches Quellheiligtum der Meduna und Vercana (Bad Bertrich)

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Die evangelische Kirche auf dem Felssporn steht an der Position eines ehemaligen römischen Tempels

Anschrift:

Trinkbrunnen: Kurgarten (Wandelhalle), 56864 Bad Bertrich

Anfahrt:

Bad Bertrich, das römische Bertriacum, liegt in der südlichen Vulkaneifel nahe der Mosel.

Der Kurort liegt in einem engen Tal, umgeben von mehreren erloschenen Vulkankegeln, und ist über eine gewundene Landstraße aus der Eifel und von der Mosel aus zu erreichen.

Parkmöglichkeiten bestehen am Ortseingang auf einem großen öffentlichen Parkplatz hinter dem „Apollo-Tunnel“. Von hier aus ist in dem kleinen Ort alles gut fußläufig zu erreichen.

Bad Bertrich hat keinen Bahnhof. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen möchte, nimmt den Zug zum Bahnhof Bullay, von dort aus besteht eine regelmäßige Busverbindung mit der Linie 727.

Ansonsten liegt Bad Bertrich in einer touristisch sehr attraktiven Landschaft mit vulkanischen Maaren und dem Moseltal. Es ist gut mit zum Teil spektakulären Wanderwegen durch das felsige Umland erschlossen.

Hintergrundinformationen:

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Rohre der römischen Quellfassung

In Bad Bertrich befindet sich die einzige Glaubersalz-Heilquelle Deutschlands. Sie wurde von der Römerzeit über das Mittelalter, durch Kurfürsten, als Preußisches Staatsbad, im Nationalsozialismus bis zum heutigen Kurbetrieb kontinuierlich genutzt. All diese Epochen haben ihre Spuren in dem kleinen Kurort hinterlassen.

Zu römischer Zeit wurde diese Thermalquelle bereits so geschätzt, daß an dieser Stelle im 4. Jahrhundert n. Chr. das große römische Heilbad Bertriacum entstand. Unter den Kaisern Valentinian II. und Gratian wurden prächtige Badeanlagen mit Säulentempeln errichtet.

Die Heilquelle wurde zu einer überregional bedeutsamen Pilger- und Kurstätte, die den anderen Quellheiligtümern in der Region im sprichwörtlichen Sinne des Wortes das Wasser – sprich, die Pilger – abgrub und damit zu ihrem langsamen Versinken in der Bedeutungslosigkeit betrug, wie es wahrscheinlich beim Quellheiligtum von Heckenmünster der Fall war. Der Weg dorthin war um ein Vielfaches beschwerlicher, während das imposante Heilbad in Moselnähe deutlich verkehrsgünstiger lag.

Das Thermalwasser, das in Bertriacum zu Tage tritt, hat eine Temperatur von 32 Grad und gilt als wirksam bei Magen- und Darmerkrankungen. Bereits die Römer fassten die Quelle, die aus einer 2,3 km tiefen Bruchzone durch Felsgestein an die Oberfläche steigt, in einer 25 Meter langen Quellfassung. Durch bleiernde Steigrohre wurden pro Minute 123 Liter direkt in die Bäderanlagen geführt. Das Fördersystem, das aufgrund des natürlichen Steigdrucks ohne Pumpen auskam, war ausgeklügelt. Die Quellfassung war mit Estrich versiegelt, damit das Wasser gegen Schmutzeintrag von außen geschützt war, insbesondere bei Hochwasser. Außerdem schützte es die Quellleitung vor Wasserverlust in das von Klüften durchzogene umliegende Gestein.

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Geschmacksabhängig: 32 Grad warmes Glaubersalz-Quellwasser… aber wenn es hilft 😉

Neben Architekturresten der Bäder fand man in Bad Bertrich auch Überreste mehrerer Tempelanlagen, die auf die Bedeutung des Ortes als Heil- und Quellheiligtum hinweisen. So wurden sowohl am Standort der heutigen evangelischen und der katholischen Kirchen römisches Säulen- und Mauerwerk gefunden, die jeweils auf einen Tempel hinweisen. Die exponierte Lage beider Kirchen auf Felserhebungen oberhalb des Orts wäre nach römischem Brauch ebenfalls typisch für weithin sichtbare Tempelanlagen.

Westlich des Ortes auf einer Anhöhe wurde ein weiterer Weihealtar entdeckt. Auch in der Gemarkung „Kuheck“ wird eine Kultstätte vermutet. Um die Tempel- und Bäderkomplexe herum wurden Überreste einer zivilen Ansiedlung gefunden, die auf einen vicus und speziell für den Kurbetrieb errichtete Gebäude eines typischen Kurorts hindeuten. Damit steht die römische Bäderstadt Bertricaum in gleicher Tradition wie die anderen Quellheiligtümer der Region, die ebenfalls einen Bäderbetrieb im großen Stil, unterstützt durch Kultanlagen und Nebengebäude wie Herbergen, Geschäfte und Handwerksbetriebe vermuten lassen.

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Relief der Diana aus Bad Bertrich

Inschriften und Reliefs, die heute im Kurhaus ausgestellt sind, belegen, welche Gottheiten an dieser Quelle verehrt wurden. 1858 wurde ein 50cm großes Relief der Diana gefunden, die in der Literatur teilweise mit der keltischen Quell- und Heilgöttin Sirona in Verbindung gebracht wird, vor allem aufgrund ihrer Assoziation mit dem Heilgott Apollo-Grannus.

Sirona- und Apollo-Grannus-Heiligtümer sind aus der Region ebenfalls bekannt, ein Zusammenhang kann nicht ausgeschlossen, aber auch nicht belegt werden.

Besonders interessant ist der Fund eines 30cm hohen Weihealtars aus Sandstein (CIL XIII 7667), der den Göttinnen Meduna und Vercana geweiht ist. Die keltische Meduna, die bei den hier ansässigen Treverern verehrt wurde, gilt bis heute als die Schutzpatronin des Ortes Bad Bertrich (wie z.B. der Name der Meduna-Klinik zeigt). Da die Inschrift in der Nähe der warmen Quellen gefunden wurde, liegt die Vermutung nahe, daß es sich bei diesen Göttinnen um Quell- oder Heilgöttinnen handelt. Allerdings sind keine bildlichen Darstellungen dieser Göttinnen bekannt und ihre genaue Funktion bleibt unbekannt.

Die Inschrift auf dem Altar lautet:

De(a)e Vercan(a)e / et Medun(a)e / L(ucius) T() Acc(e)ptus / v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito)

Gegenüber den Göttinnen Vercana und Meduna hat Lucius T. Acceptus sein Gebübde gerne und nach Gebühr eingelöst.

Dieser Altar ist ebenfalls in der Wandelhalle des Kurhauses ausgestellt.

 Beschreibung:

Leider sind heutzutage keine Bauten aus römischer Zeit mehr an der Oberfläche zu sehen. Die große Bedeutung des römischen Heilbades Bertriacum läßt sich deshalb nur indirekt erfahren.

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Der Sandsteinalter für Meduna und Vercana

Überreste der römischen Quellfassung (Steigrohre aus Blei), eine Replik des Diana-Reliefs und der Sandsteinaltar für Meduna und Vercana sind (etwas stiefmütterlich versteckt) neben dem öffentlichen Trinkbrunnen in der Wandelhalle des Kurhauses in Vitrinen ausgestellt.

Zu den Ausstellungsstücken gibt es Beschriftungen mit Kurzinformationen. Im weiteren Verlauf der Wandelhalle befinden sich einige weitere Infotafeln, in erster Linie über Glaubersalz. Hier gibt es aber auch eine Tafel, die den Querschnitt durch die römische Brunnenfassung zeigt und erklärt.

Aus dem Trinkbrunnen kann man zu den Öffnungszeiten des Kurhauses direkt aus der warmen Glaubersalzquelle trinken. In der nahegelegenen Vulkan-Therme kann man auch im Quellwasser baden und schwimmen.

Für den römischen Touristen empfiehlt sich also in erster Linie ein Besuch des Kurhauses und eine Kostprobe des salzigen Wassers, das schon von den Römern geschätzt wurde. Auch ein Besuch der katholischen Kirche und der evangelischen Kirche auf dem Friedhofshügel kann vor dem Hintergrund erfolgen, daß an beiden Stellen ursprünglich  römische Tempel standen. Die exponierte Lage beider Kirchen vermittelt einen guten Eindruck, wie imposant die Tempel gewirkt haben müssen, und erlaubt auch einen Überblick über das schmale Tal, in dem Bad Bertrich liegt.

Öffnungszeiten, Eintritt

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Infotafel in der Wandelhalle: Schnitt durch die römische Quellfassung

Der Trinkbrunnen in der Wandelhalle im Kurgarten, an dem die römischen Funde ausgestellt sind, ist offiziell nur 8 – 9 Uhr, 11 – 12 Uhr und 16.30 – 17.30 Uhr geöffnet (er wird vor allem zur Durchführung von Trinkkuren vor dem Essen eingesetzt). Als wir dort waren, konnten wir jedoch auch außerhalb der Öffnungszeiten am frühen Nachmittag die Wandelhalle betreten und vom Brunnen trinken.

Eintritt wird nicht erhoben.

Sonstiges

Fotografieren ist überall möglich.

Wir empfehlen auch einen Besuch der katholischen Kirche auf dem Felsvorsprung oberhalb des Orts.

Eine weitere interessante, aber gänzlich unrömische Besonderheit von Bad Bertrich ist der sogenannte „Römerkessel„, Europas einziger landschaftstherapeutischer Park, mit seinen 7 Themengärten. Auf einem Felsen inmitten des Parks liegt die evangelische Kirche, die ebenfalls an der Position eines ehemaligen römischen Tempels steht.

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Ganz in der Nähe gibt es auch spannende nicht-römische Ausflugsziele, wie die berühmte Lava-Bombe von Strohn

Wer ein Freund von Thermen ist, kann den Besuch gut mit einem Besuch der Vulkaneifel-Therme verbinden.

Sowohl die Mosel und die Vulkaneifel sind nur wenige Fahrminuten von Bad Bertrich entfernt; in beiden Richtungen finden sich zahlreiche weitere interessante römische Ausflugsziele.

 

 

 

Kaiser Nero – 2000 Jahre Rufmord!?

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Der junge Kaiser Nero, Foto von Wolfgang Sauber (lizensiert unter CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons)

In diesem Frühjahr werdet Ihr in unserem Blog einiges zu Kaiser Nero finden – eine der schillerndsten, berühmt-berüchtigsten Figuren der römischen Geschichte. Und möglicherweise auch eine der mißverstandensten Personen, denn durch neue quellenkritische Ansätze mehrt sich die Ansicht, daß das heutige Bild, das wir von Kaiser Nero haben, vor allem auf Verleumdung und Propaganda basiert.

Vorbereitung auf die Sonderausstellung in Trier

Neben der Tatsache, daß es einfach spannend ist, sich mit einer so kontroversen Figur der Geschichte zu befassen, über die so abenteuerliche Geschichten im Umlauf sind (unvergessen Peter Ustinov als Nero in „Quo Vadis“, wie er sang und Lyra spielte, während Rom brannte), werfen auch große Ereignisse ihre Schatten voraus: Am 14. Mai eröffnet in Trier die Sonderausstellung: „NERO – Kaiser, Künstler und Tyrann„. Ihr Anspruch ist es, den vermeintlichen Tyrannen und verschwendungssüchtigen Wahnsinnigen aufgrund aktueller Forschungserbnisse in ganz neuem Licht zu zeigen – die erste große Schau zu diesem Thema in Europa mit hochkarätigen Leihgaben.

NERO_PlakatMit Spannung sehen wir dieser Sonderausstellung entgegen, die sich (ähnlich wie 2014 die Ausstellung „Credo“ in Paderborn) über drei verschiedene Museen der Stadt und insgesamt 2000 Quadratmeter erstrecken wird:

Das Rheinische Landesmuseum Trier legt den Schwerpunkt auf Neros Leben, seinen Aufstieg, die Blütezeit seiner Herrschaft, aber auch auf seinen Abstieg und zeigt dies anhand von über 400 Exponaten aus aller Welt.

Das Museum am Dom beleuchtet den Kontext „Nero und die Christen“, wobei auch das generelle Verhältnis der Christen zum römischen Staat und zur römischen Religion untersucht wird.

Im Stadtmuseum Simeonsstift wird dem Thema „Lust und Verbrechen. Der Mythos Nero in der Kunst“ nachgegangen, der bis in die heutige Zeit ja exzessiv in den Medien zelebriert wird. Hier werden deshalb zahlreiche Kunstwerke, Gemälde, Grafiken, sowie Informationen zu  Filmen und Opern ausgestellt, die sich mit der Bildtradition und Rezeption von Nero als Inkarnation des grausamen, irren, dekadenten, prunksüchtigen und größenwahnsinnigen Tyrannen befassen.

Die Sonderausstellung geht bis zum 16. Oktober 2016 und wir freuen uns bereits darauf, sie zu besuchen, denn nie zuvor (und wahrscheinlich auch danach nie wieder) wurden so viele hochrangige Exponate rund um Kaiser Nero an einem Ort zusammengetragen und in einer differenzierten Zusammenschau präsentiert. Die Leihgaben stammen unter anderem aus den Vatikanischen Museen in Rom, dem Louvre in Paris und dem Britischen Museum in London. Kunstwerke werden unter anderem zur Verfügung gestellt von der Eremitage in St. Petersburg, der Mailänder Scala und aus Florenz.

Alles Verleumdung?

War Kaiser Nero (eigentlich: Nero Claudius Caesar Augustus Germanicus) also in Wirklichkeit ein freundlicher, zurückhaltender, beliebter, erfolgreicher und gerechter Kaiser des Römischen Reichs? Die ehrlichste Antwort muß lauten: wir wissen es nicht, denn niemand von uns war während seiner 14-jährigen Regierungszeit (54 bis 68 n. Chr.) dabei und alle schriftlichen Quellen, die wir besitzen, sind mit höchster Vorsicht zu genießen, da sie ausschließlich aus ganz bestimmten, persönlichen Motiven heraus geschrieben – oder zu späterer Zeit im Mittelalter verfasst wurden, in der Nero von christlichen Autoren, vor allem aus Propagandagründen, zum personifizierten Antichristen hochstilisiert wurde, von dem in der Offenbarung des Johannes berichtet wird (inklusive mathematischer Beweise, warum die Zahl Neros die Zahl 666 des Großen Tieres ist).

So ist das heute gefestigte Nero-Bild tatsächlich vor allem ein durch das Mittelalter geprägtes Bild. Doch diese mittelalterliche Darstellung hält sich bis heute hartnäckig und wird gerne und lustvoll in den Medien und der Pop-Kultur kolportiert – denn natürlich ist sie faszinierend, verbreitet wohligen Schauer und Abscheu und ist gleichzeitig interessant und spannend. Spannender jedenfalls als „langweilige“ Kaiser, deren Namen heute nur noch Geschichtsinteressierte kennen.

Unser heutiges Nero-Bild ist vor allem durch Peter Ustinovs unvergessene Darstellung in „Quo Vadis“ geprägt:

Tatsächlich ist Nero einer der Römischen Kaiser, über den am meisten Schlechtes geschrieben wurde (neben Kaiser Caligula, dessen attestierter „Wahnsinn“ heute ebenfalls umstritten ist und dessen Leben ebenfalls differenzierter betrachtet werden muß als es gemeinhin geschieht) und man findet ihn auf jeder „Bösewicht-Skala“ in den Top Ten Listen der verderbtesten Persönlichkeiten der Weltgeschichte, zusammen mit Hitler, Heinrich VIII., Stalin, Mengele, Charles Manson, Iwan dem Schrecklichen, Pol Pot und wer in den diversen Internet-Hitlisten noch aufgeführt wird.

Doch was sind die wichtigsten historischen Quellen, die wir heute über Kaiser Nero haben? Bereits die mittelalterlichen Quellen greifen zurück auf die drei Hauptquellen der Antike: Sueton, Tacitus und Cassius Dio.

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Events und Veranstaltungen: Römertage in Rheinbrohl – „Die Kelten kommen“ am 7.-8. Mai 2016

Die nächste spannende Veranstaltung steht bevor: Die alljährlichen Römertage in der Römerwelt Rheinbrohl am Beginn des Limes vom 7. bis 8. Mai 2016.

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Die Kelten kommen! Dank an Christian Havenith für die freundliche Genehmigung zur Verwendung des Bildes.

Dieses Jahr lautet das Motto: „Die Kelten kommen„.

Neben den Römern der Römerwelt-Stammkohorte „Broele Trans Rhenum XXVI VOL C R“ schlagen auf dem Außengelände auch mehrere Keltengruppen ihr Lager auf, um dem Besucher eine Zeitreise von der Hallstadtzeit bis zu den Hunsrückkelten zu ermöglichen. Hierbei wird Wert auf Authentizität jenseits der üblichen Keltenklischees gelegt.

Den Besuchern wird sachkundig die keltische Küche, keltische Bekleidung oder die Nutzung der Steinschleuder erläutert. Gerne beantworten die Kelten auch Fragen aller Art rund um die keltische Kultur und geben Einblicke in gallo-provinzialrömische Lebensweise.

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Die Pfahlramme in Aktion!

Die Römer demonstrieren Handwerk, Ausrüstung, Militär, Alltagsleben und Handel am Limes.

Sehenswert ist auch der germanische Fischer Jörg Nadler, der vor Ort Fischerei in der Antike präsentiert und sehr anschaulich über Techniken und Netzbau erzählt. Markus Gruner demonstriert das Emaillieren von Bronzeobjekten.

Anläßlich der Veranstaltung wird auch wieder das römische Backhaus befeuert, so daß man vor Ort die Gelegenheit hat, römische Kuppelbacköfen in Aktion zu sehen und (was noch wichtiger ist), die Produkte zu probieren – das sehr schmackhafte Römerwelt-Brot nach römischem Rezept, idealerweise in Kombination mit Moretum (nicht zu vergessen natürlich auch die zwar moderne, aber legendäre Limes-Torte, die es nur in Rheinbrohl gibt).

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Immer wieder lohnenswert: die Führungen und Vorträge mit Mario Becker

Daneben gibt es wieder Museumsführungen durch die Römerwelt Rheinbrohl mit Mario Becker und Live-Demonstrationen der Nachbauten von Pfahlramme und Kran.

Außerdem gibt einen Vortrag im Vortragsraum zum Thema „Die Kelten – Roms Feinde im Norden?“

Das vollständige Programm steht hier als PDF auf der offiziellen Website der Römerwelt bereit.

Der Eintritt kostet für einen Tag 8€ für Erwachsene und für Kinder von 7-14 Jahren 5€.

Es gibt Vergünstigungen für Menschen mit Handicap und Familien. In diesem Jahr wird erstmalig eine vergünstigte Zweitageskarte angeboten (12€ Erwachsene, Kinder 7€).

Die Römertage finden an beiden Tagen jeweils von 10-18 Uhr statt.

Brot

Römisches Brot, gewürzt mit Anis, Fenchel, Koriander und Kümmel, schmeckt ofenfrisch am besten! (Römerwelt Rheinbrohl, 2015)

Weitere Links zum Thema:

 

 

 

Events und Veranstaltungen: Limes-Wandertag am 5.5.2016

Und wieder haben wir einen bewegungsreichen römischen Ausflugstipp für Euch. Wer an Christi Himmelfahrt (5. Mai 2016) eine Alternative zum Grölen mit dem Böllerwagen sucht, dem empfehlen wir eine besondere Veranstaltung am UNESCO Weltkulturerbe Limes!

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Start und Ziel des Wandertages: Die Römerwelt in Rheinbrohl

Traditionell findet am Beginn des Limes (caput limitis), ab Rheinbrohl im Westerwald, zu Christi Himmelfahrt der Limes-Wandertag statt. Er startet in der Römerwelt Rheinbrohl, wo die Teilnehmer eine Karte mit den einzelnen Stationen sowie einen Fragebogen für ein Quiz erhalten, das unterwegs ausgefüllt werden kann.

Die Wanderung folgt dem Verlauf des Limes, entlang am Limes-Lehrpfad, vorbei am hölzernen Limes-Wachturm IX, von dem aus man einen tollen Panoramablick über den Westerwald hat und an zahlreichen Stationen, an denen lehrreich der Limes, die Römerzeit und das Leben in der Antike vorgestellt wird.

Zu den Stationen des etwa 5 Kilometer langen Fußweges gehört Mulsum-Verkostung, es gibt einen Probierstand für römisches Brot mit Informationen über römischen Weinbau und Brotbacken, ein Römerlager der Cohorte XXVI, die sich immer um die Römerwelt und den Raum Rheinbrohl bemüht. Dort kann man auch Getränke kaufen und es gibt ein Mitmach-Programm für Kinder.

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Rekonstruktion des Limes im Innenhof der Römerwelt

Eine weitere Station demonstriert den Palisadenbau, ein römisches Katapult wird vorgestellt, in einem Kohlenmeiler wird die Herstellung von Holzkohle erklärt. Für Kinder schließt sich ein Kletterparcour an. An einer Waldhütte kann altes Werkzeug ausprobiert werden. Den Abschluß bildet ein Jagdhaus. Hier besteht auch die Möglichkeit, mit einem Planwagen zurück zur Römerwelt zu fahren, sowie zum Essen und Trinken.

Der Start- und Zielpunkt der Wanderung, die Römerwelt Rheinbrohl, ist ein sehenswertes Mitmach- und Erlebnismuseum.

Der Limes-Wandertag ist immer eine handfeste Möglichkeit, das eigentlich etwas schwer zu vermittelnde Bodendenkmal anschaulich zu erleben. Das Programm ist abwechslungsreich und die Route interessant gestaltet.

Festes Schuhwerk wird empfohlen, es geht durch den Wald und einige Steigungen sind ebenfalls zu überwinden. Alles in allem ist der Weg aber nicht allzu schwierig, sondern familientauglich. Veranstaltet wird der Limes-Wandertag von der Ortsgemeinde Rheinbrohl und dem Verein Freunde des Limes.

Gestartet werden kann ab Römerwelt Rheinbrohl zwischen 9 Uhr und 11:30 Uhr.

Übrigens, wer an diesem Termin keine Zeit hat oder gar nicht genug von der Römerwelt und dem Limes bekommt: Am darauffolgenden Wochenende (7.-8. Mai 2016) finden in der Römerwelt die alljährlichen „Römertage“ statt, die dieses Jahr unter dem Motto stehen: „Die Kelten kommen“ – mit einer Zeitreise von den Hallstatt- bis zu den Hunsrückkelten. Eine gesonderte Ankündigung mit weiteren Informationen folgt in Kürze auf unserem Blog!

Jetzt opfert fleißig allen Göttern, die auch nur entfernt Einfluß auf das Wetter haben, damit es nun endlich angemessen warm und sonnig wird 🙂

Events und Veranstaltungen: Soldatenlager im Römerkastell Saalburg, 30.4.-1.5.2016

Saalburg

Das Römerkastell Saalburg im Taunus

Mit dem Mai steht uns ein veranstaltungsreicher Monat ins Haus – und den Auftakt macht (bei hoffentlich besserem Wetter als bei der IRM) das Soldatenlager im Römerkastell Saalburg.

Vom 30. April bis zum 1. Mai schlägt die Cohors III Vindelicorum ihr Lager im großen Limeskastell im Hochtaunus auf. Dieses Mal bringen sie noch einen besonderen Gast mit: die Legio VIII Augusta aus Autun in Frankreich. Dazu ist die „Stammtruppe“ der Saalburg vor Ort, die Cohors Secunda Raetorum, die ein Mitmach-Programm anbietet.

Zwei Tage lang zeigen die Soldaten den Alltag am Limes und das römische Soldatenleben. Neben der Vorstellung von Ausrüstung und Drill bringen sie auch einen originalgetreu ausgerüsteten römischen Reiter mit, der seinen Patrouillendienst am Limes zeigt.

Die Soldaten stehen für Fragen zur Verfügung und vermitteln sachkundige Informationen.

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Auch dieses Jahr dabei: Die Vindeliker-Kohorte (hier: Römermarkt 2015)

Außerdem kann man einen römischen Cornicen, einen Hornspieler, erleben, der die Schlachtfeldsignale des Centurio in akustische Signale umsetzte und dadurch die Truppen auf dem Schlachtfeld lenkte.

Das Programm richtet sich an alle Altergruppen.

Es gibt stündliche Führungen durch die Saalburg, dazu natürlich wie üblich römisches (und modernes) Essen in der Taberna.

Die Veranstaltung findet an beiden Tagen von 10-17 Uhr statt (der Archäologische Park und der Museumsshop sind schon ab 9 Uhr geöffnet). Der Eintritt beträgt 7€ für Erwachsene und 5€ für Kinder, der Erwerb einer Familienkarte ist möglich. Ansonsten gelten an diesem Tag keine Vergünstigungen. Alle Aktionen und Führungen sind im Preis inbegriffen.

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Außerhalb der Kastellmauern befinden sich die Reste des zivilen vicus

Wegen des sehr begrenzten Parkplatzangebots an der Saalburg bittet der Veranstalter darum, so weit möglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen (es gibt eine regelmäßig verkehrende Pendelbuslinie aus Bad Homburg vor der Höhe (Linie 5, bis Bushaltestelle Saalburg) und mit der Taunusbahn (Linie 15 bis Bahnhof Saalburg / Lochmühle, hier ist allerdings noch eine kurze Wanderung entlang des Limes notwendig).

Noch ein Hinweis: Besucher in Gewandung erhalten in der Saalburg generell keinen Einlass, also kommt in zeitgemäßem Zivil, damit Ihr nicht vor verschlossenen Toren steht!

Weitere Informationen auf der offiziellen Website des Saalburgmuseums.

Events & Veranstaltungen: IRM – Internationale Reenactment-Messe 2016 (23.-24.4.2016)

irm2016-plakat_A4redUnd wieder ist ein Jahr herum und ein langer, aber nicht allzu winterlicher Winter ist vorüber. Zeit, die neue Saison einzuläuten – und das geschieht wie immer auf dem ersten großen Event des Jahres: Der IRM.

Die sechste Internationale Reenactment-Messe  ist die Fachmesse für Geschichtsdarstellung und experimentelle Archäologie. Sie findet, wie jedes Jahr, im Archäologiepark Römische Villa Borg im Dreiländereck Saarland – Luxemburg – Frankreich statt.

Vom 23. bis zum 24. April stellen Handwerker, Händler und Hersteller von hochwertigem Reenactment-Bedarf sowie von Museumsrepliken ihre Waren vor. Dabei umfasst die Messe alle Epochen von der Steinzeit bis ins 19. Jahrhundert, wobei die Antike allerdings einen Schwerpunkt bildet.

Außerdem informieren archäologische Stellen, Ämter, Museen und Vereine über ihre Arbeit, so zum Beispiel der Freundeskreis Ringwall Otzenhausen e.V., das Landesamt Denkmalpflege Saarland, das Römermuseum Schwarzenacker oder das Grabungsprojekt Wareswald.

Wie jedes Jahr der obligatorische Hinweis: Wer Mittelalter-Tand, angeklebte Elfenohren und pseudo-germanische Devotionalien erwartet, wie man sie z.B. auf kommerziellen Mittelaltermärkten findet, ist hier falsch – hier wird Wert auf Authentizität gelegt, denn die Messe richtet sich an ein fachlich versiertes, geschichtsinteressiertes Publikum. Hier findet man stattdessen Ausrüstungsgegenstände für die Geschichtsdarstellung und museumspädagogische Ausstattung. Deswegen sind alle Aussteller handverlesen und belegen die Authentizität Ihrer Waren, bevor sie vom Veranstalter zur Messe zugelassen werden.

Da die Messe “von Aktiven” “für Aktive” gedacht ist, gilt sie gleichzeitig mit ihrem Termin Ende April als “inoffizieller Saisonstart” in die Reenactment-Saison, die von römischer Seite aus auch dieses Jahr wieder von zahlreichen großen und kleinen römischen Veranstaltungen, Römertagen und -festen geprägt ist.

In unserem Blog versorgen wir Euch regelmäßig mit Veranstaltungstipps, also schaut öfter bei uns vorbei!

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Eine perfekte Location für diese Messe: Die rekonstruierte römische Villa Borg

Neben der Möglichkeit, mit Händlern und Handwerkern ins Gespräch zu kommen und sich zu fairen Preisen mit neuer Ausrüstung und Zubehör einzudecken, sowie sich über archäologische Projekte und Gruppen zu informieren, bietet die Messe auch ein Rahmenprogramm aus Vorträgen, die sich thematisch mit Geschichte, Geschichtsdarstellung, sowie Geschichts- und Rekonstruktionsforschung befassen.

Das Programm für dieses Jahr ist hier einzusehen: Rahmenprogramm IRM 2016

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Nicht nur Römer, sondern auch andere Epochen bis zum 19. Jahrhundert sind fachkundig vertreten

Für das leibliche Wohl sorgt die römische Taverne mit original römischer Küche. Samstag Abend wird zudem zwanglos gegrillt, wobei jeder sein Grillgut selbst mitbringen kann oder es für kleines Geld auf dem Gelände erwerben kann.

Übernachtungsmöglichkeiten in der Villa selbst sind den Ausstellern vorbehalten. Auf dem Gelände ist aber ein Bereich zum Zelten ausgewiesen, inklusive Stellmöglichkeiten für Wohnwagen (hier muß allerdings im Vorfeld zur besseren Planung reserviert werden!). Ansonsten bieten sich die zahlreichen touristisch attraktiven Orte im Umland für Übernachtungsmöglichkeiten an, sowohl im Saarland als auch an der luxemburgischen Mosel, die nur wenige Kilometer entfernt liegt.

Eine vollständige Ausstellerliste findet man – neben weiteren nützlichen Informationen – hier auf der Website der IRM!

Informationen über die (immer wieder sehens- und besuchenswerte!) Villa Borg auf der offiziellen Website des Archäologischen Parks.

Antike Stätten: Weihestein für Arduinna (Gey-Hürtgenwald)

06_Stein Gey

Der Weihstein für die Göttin Ardbinna

Anschrift:

Dürener Straße / Ecke Broicher Straße, 52393 Gey (Hürtgenwald)

Anfahrt:

Gey liegt im Hürtgenwald am Rande des Nationalparks Eifel und des Deutsch-Belgischen Nationalparks „Hohes Venn“ an der Bundesstraße B399, die von Düren zur belgischen Grenze führt.

Der Weihestein steht am Rande des zentralen Dorfplatzes zwischen Volksbank, Sparkasse, kleiner Grünanlage und Feuerwehr. Er ist die erste Station des „Ardbinna-Wanderwegs“, der auf zahlreichen Tafeln die (durch den 2. Weltkrieg weitgehend zerstörte) Geschichte des Ortes und der Umgebung erzählt.

Parkmöglichkeiten bestehen direkt am Dorfplatz bei der Sparkasse.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist Gey mit der Buslinie 286 aus Düren zu erreichen, der durch die verschiedenen Dörfer des Hürtgenwalds bis nach Vossenack fährt.

Hintergrund:

Eins vorweg – hier handelt es sich um keine „richtige“ antike Stätte; der Weihestein für die gallo-römische Göttin Arduinna (hier in der Schreibweise „Ardbinna“) ist eine Kopie. Das Original befindet sich im Rheinischen Landesmuseum Bonn. Weitere Kopien stehen in den Museen von Düren und Vossenack.

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Von Arduinna gibt es keine figürlichen Darstellungen; ob es sich bei dieser Figur um sie handelt, ist ungeklärt

Das Besondere an der Stelle ist jedoch, daß das Original des Weihesteins im Jahr 1859 bei Rodungsarbeiten bei Gey gefunden wurde und damit ein Beleg dafür ist, daß die Göttin Arduinna hier in dieser Region lokal verehrt wurde. Zu römischer Zeit zählte die Gegend des Eifelrandes zu den Ardennen im östlichen Gallien und war von einheimischen Kelten besiedelt. Die Schutzgöttin des großen Mittelgebirgswaldes der Ardennen spielte in diesem unwegsamen Gebiet, das sich durch dichte Wälder und enge, steile Flußtäler auszeichnet, eine wichtige Rolle.

Die Tatsache, daß der Stein in Gey gefunden wurde und zumindest als Replik auf dem Dorfplatz aufgestellt wurde, ist für uns Grund genug, diesen Ort in unserer Reise-Reihe „Antike Stätten“ aufzunehmen. Denn anders als Orte für z.B. Merkur, die man in unseren Breiten zahlreich findet, sind Original-Lokalitäten, an denen Arduinna verehrt wurde, sehr selten und deswegen auch besonders interessant. Deshalb geht es uns weniger um den Stein, als um die Region als solche, in der zu keltischer und römischer Zeit ihr Numen gewirkt hat.

Der Weihestein wurde von einem Julius T. Aequalis gestiftet, der damit seinen Dank gegenüber der Göttin zum Ausdruck brachte. Die Inschrift lautet:

DEAE ARDBINNAE T IVLIVS AEQVALIS S.L.M.

In der Übersetzung:

„Der Göttin Ardbinna gestiftet von T. Julius Aequalis. Er erfüllte damit gerne und nach Gebühr das Gelübde“.

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An der Seite finden sich Laubreliefs

Auf den Seiten des Weihesteins findet sich ein Laub-Relief, das ebenfalls die Beziehung zum Wald und zur Waldgöttin verdeutlicht.

Dem Namen nach handelte es sich bei dem Stifter des Steins um einen Römer oder um einen romanisierten keltischen Einheimischen, der einen römischen Namen angenommen hatte (was nicht ungewöhnlich war).

Genaues ist über T. Julius Aequalis nicht bekannt, aber aufgrund der Fundsituation wird folgendes gedeutet: Der Stein wurde in der Nähe zahlreicher Tonscherben, aber auch erhaltenem Tongeschirr wie Reibschalen, verglasten Schlacken, wie sie aus Brennöfen bekannt sind, und pilzförmigem Töpferwerkzeug gefunden. Daher nimmt man an, daß es sich bei dem Stifter um den Inhaber einer Töpferei handelte.

Da der Transport der empfindlichen Töpferwaren stets durch den unwegsamen Hürtgenwald erfolgte, dankte er der lokalen Waldgöttin Arduinna für die sichere Reise auf seinen Wegen. Die Töpferwaren aus Gey, die durch den Stempel der Herstellermanufaktur in Form einer Rosette erkennbar sind, wurden überregional gehandelt; ein Töpfergeschirr aus Gey wurde sogar im englischen Rochester gefunden. Deswegen tat Aequalis gut daran, sich an die lokale gallo-römische Schutzgöttin seiner Region zu wenden.

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Eingebrannte Panzerketten im Hürtgenwald

Gey wurde im 2. Weltkrieg in der Allerseelenschlacht, der Schlacht um den Hürtgenwald im Rahmen der Ardennenoffensive im Winter 1944, zu 99% zerstört, wie viele andere Orte im Hürtgenwald auch. Im Wald ist  noch heute Minengefahr und kein Haus darf ohne vorherige Kampfmittelprüfung gebaut werden. Einen Reisebericht, den wir für eine unserer anderen Websites geschrieben haben, mit Hintergrundinformationen zum Hürtgenwald und auch dem Hürtgenwaldmuseum in Vossenack (wo neben dem 2. Weltkrieg auch etwas zur Jungsteinzeit und zur keltisch-römischen Vorgeschichte zu finden ist), möchten wir Euch an dieser Stelle gerne empfehlen.

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Der Hürtgenwald ist landschaftlich reizvoll mit seinen engen, steilen Flußtälern (hier das Kalltal)

Da die Ortschaften des Hürtgenwaldes aufgrund der massiven Kriegsschäden allesamt nicht sonderlich „urig“, alt oder rustikal anmuten, sind sie heute sehr bemüht, sich ein neues Gesicht zu geben und ihre Geschichte wieder in Erinnerung zu rufen, damit auch der durch den Nationalpark Eifel gestiegene Tourismus in dieser Gegend Fuß fasst. Deshalb hat der Heimat-, Wander- und Verkehrsverein Gey-Straß e.V. im Jahr 2007 den „Ardbinna-Wanderweg“ angelegt, der mit informativen Tafeln die Geschichte der Orte Gey, Straß und Horm darstellt, von der Römerzeit über das Mittelalter bis zum 2. Weltkrieg. Der Ardbinna-Stein ist die erste Station dieses Weges.

Beschreibung:

Der Stein steht am Rande des Dorfplatzes nahe der Hauptstraße neben einem denkmalgeschützten Basalt-Wegekreuz aus dem Jahr 1767.

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Weihestein und Wegekreuz

Es handelt sich beim Weihestein um eine Replik, die in einem sehr guten Zustand ist (keine Schmierereien oder ähnliches, wie man an Dorfplätzen manchmal erlebt). Die Buchstaben der Inschrift sind farbig ausgemalt und gut zu lesen, so daß man eine gute Vorstellung davon bekommt, wie ein derartiger Weihestein aussah. Auch das Laubrelief an den Seiten des Steins ist deutlich erkennbar.

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Ausführliche Infotafel

Links neben dem Stein befindet sich die Infotafel des Ardbinna-Wanderweges. Sie ist informativ gestaltet und enthält gut aufbereitete Hintergrundinformationen über die keltische Göttin, den Stifter, die Fundsituation des Steins und die Einordnung der Region in die römische Zeit. Auch die Inschrift des Steins wird erläutert und auf die belaubten Seiten des Steins hingewiesen. Abgesehen von der Tatsache, daß die Tafel etwas verwittert und von Wind und Wetter verschmutzt ist (was vielleicht daran liegt, daß wir so früh im Jahr dort waren und der Weg noch nicht für die anstehende Wandersaison vorbereitet wurde), ist die Beschriftung des Ardbinna-Wanderwegs vorbildlich. Ihm zu folgen, ist ebenfalls gut möglich, da er komplett ausgeschildert ist.

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Der Ardbinna-Wanderweg ist gut ausgeschildert

Gleich um die Ecke auf dem Dorfplatz befindet sich Station 2, die historische Aufnahmen von Gey vor dem 2. Weltkrieg zeigt, denn an dieser Stelle, an der sich heute der Platz befindet, lag ursprünglich die zerstörte Kirche des Ortes.

Für geschichtsinteressierte Besucher lohnt es sich, auch die anderen Stationen abzugehen.

Eintritt, Zugänglichkeit:

Der Weihestein steht offen und ist jederzeit frei zugänglich.

Sonstiges:

Fotografieren ist natürlich uneingeschränkt möglich.

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Das Hürtgenwald-Museum in Vossenack ist sehr empfehlenswert!

Wir empfehlen geschichtsinteressierten Besuchern unbedingt auch einen Besuch des Museums „Hürtgenwald 1944 und im Frieden“ in Vossenack, das vor allem die Zeit des 2. Weltkriegs in dieser Region sehr eindringlich und anschaulich präsentiert.

Achtung, es hat nur Sonntags von 11-17 Uhr geöffnet!

Antike Stätten: Die römische Eifelwasserleitung – der längste Aquädukt des Imperium Romanum

Die Aquäduktbrücke bei Mechernich-Vussem

Die Aquäduktbrücke bei Mechernich-Vussem

Ein 100 Kilometer langer römischer Ausflugstipp

Im letzten Sommer hatten wir, dank des „Tags des Offenen Denkmals“, die Gelegenheit, unsere Spurensuche entlang des „Römerkanals“ abzuschließen, die wir vor zwei Jahren begonnen haben.

Was erst einmal sehr technisch klingt, ist tatsächlich eine sehr interessante und spannende Angelegenheit und ein lohnenswertes, abwechslungsreiches Reiseziel! Deshalb möchten wir Euch in unserem Blog dieses Bauwerk, das mitten durch unsere schönen Provinzen läuft und auch heute noch in Teilstücken sehr gut erhalten ist, als besonderen römischen Ausflugstipp vorstellen.

Neben Hintergrundinformationen zu diesem beeindruckenden Baudenkmal stellen wir Euch in einer kleinen Reihe deshalb auch besonders sehenswerte Aufschlüsse entlang der ganzen Strecke vor.

Nicht zuletzt verläuft der gut ausgeschilderte und mit vielen Informationstafeln versehene „Römerkanal-Wanderweg“ in 7 Etappen entlang der gesamten Leitung und ist eine echte Wander-Alternative für den römisch interessanten Eifeltouristen – zumal diese Wanderung sehr gut mit weiteren in der direkten Umgebung liegenden römischen Sehenswürdigkeiten verbunden werden kann, wie dem römischen Straßendorf Marcomagus an der Via Agrippa mit seinem berühmten Matronentempeln und dem Kleinkastell an der Urft, das heute in den Archäologischen Landschaftspark Nettersheim eingebettet ist.

Wir werden Euch nicht mit allzuvielen technischen Informationen erschlagen, denn es gibt sehr gute Websites und Bücher zum Thema, die viel besser als wir das könnten, über römische Vermessungs- und Bautechnik Auskunft geben. Zum Beispiel bietet der Freundeskreis Römerkanal e.V. zahlreiche Vorträge, Publikationen (auch als PDF zum kostenlosen Download) und Exkursionen an.

20 Millionen Liter Trinkwasser für Köln… pro Tag!

Der Römerkanal - antike Ingenieurskunst, wie sie erst ab dem 19. Jahrhundert wieder erreicht wurde

Der Römerkanal – antike Ingenieurskunst, wie sie erst ab dem 19. Jahrhundert wieder erreicht wurde

Die römische Eifelwasserleitung von Nettersheim nach Köln war mit über 100 km Länge die größte Fernwasserleitung des Römischen Reichs und gilt auch heute noch als das größte römische Bauwerk nördlich der Alpen. Sie versorgte die Colonia Claudia Ara Agrippinensium, Hauptstadt der Provinz Germania inferior, aus der das heutige Köln hervorging, mit 20 Millionen Liter Trinkwasser… täglich!

Dabei überwand sie als reine Gefälleleitung die Berge und Wälder der Eifel, Flußtäler, die Wasserscheide zwischen Rhein und Maas und brachte bestes Eifelwasser durch unterirdische Leitungen und talüberspannende Aquäduktbrücken bis hinunter in die Kölner Bucht.

Im Römischen Reich hatte man besondere Ansprüche an das Trinkwasser, das man besonders kalkreich schätzte, im Gegensatz zum kalkarmen Wasser, das als geschmacklich langweilig und „labbrig“ empfunden wurde.

Das Wasser aus der Eifel, das in der Sötenicher Kalkmulde entspringt, entsprach deshalb genau den Vorlieben der Stadtbewohner von Köln. Nebenbei hatte es den besonderen Effekt, durch seinen hohen Kalkgehalt die aus Blei bestehenden Wasserleitungen innerhalb von kürzester Zeit von innen mit einer Kalksinterschicht zu überziehen und dadurch das giftige Blei zu neutralisieren.

Sonderausstellung

Sonderausstellung „Wasser für Roms Städte“ in Zülpich 2014

In Köln speiste das Wasser die öffentlichen Brunnen, die niemals weiter als 50 Meter auseinander lagen, die öffentlichen Latrinen, öffentliche Gebäude, Thermen und diejenigen Privathaushalte, die sich einen eigenen Wasseranschluß – inklusiver bronzener Wasserhähne für jederzeit verfügbares fließendes Wasser – leisten konnten. Die Brunnen der Stadt förderten ununterbrochen Wasser, so daß sie durch gelegentliches Übertreten gleichzeitig die Straßen spülten. Abwässer von Straße, Latrinen und Häusern wurden mit Brauchwasser in die unterirdische Kanalisation gespült und von dort in den Rhein abgeleitet.

Die Leitung begann bei Nettersheim im Urfttal auf 420 Metern Höhe NN am sogenannten „Grünen Pütz“. Sie verlief weiter entlang zum Fluß Kall, wo sich die Wasserscheide zwischen Maas und Rhein befindet. Im weiteren Verlauf folgte die Leitung dem Nordhang der Eifel bis zum Fluß Erft bei Euskirchen und von dort aus durch das Swisttal bis nach Rheinbach und Meckenheim. Im weiteren Verlauf passierte sie den Kottenforst nordwestlich von Bonn und das Vorgebirge vor Köln. Die letzte Etappe verlief im Bereich von Brühl und Hürth nach Köln, wo die Leitung in 10 Meter Höhe auf die Stadtmauer traf und von dort in ein kompliziertes Verteilsystem geleitet wurde.

Ein Meisterwerk römischer Bautechnik – von Soldaten errichtet

Antike Vermessungstechnik war in der Lage, eine 100 km lange Gefälleleitung mit konstantem 0,5%igem Gefälle zu errichten

Antike Vermessungstechnik war in der Lage, eine 100 km lange Gefälleleitung mit konstantem 0,1%igem Gefälle zu errichten

Entgegen landläufiger Vorstellungen waren römische Legionäre nicht ununterbrochen mit dem Sichern von Grenzen und dem Kämpfen gegen Barbarenhorden (oder gegeneinander in diversen Bürgerkriegen) beschäftigt. Stattdessen gehörten Bauvorhaben, insbesondere der Straßenbau und die Errichtung von Infrastruktur zur schnellen Versorgung in allen Winkeln des Reichs, zu ihren wichtigsten Aufgaben.

Deshalb fanden sich in ihren Reihen hochspezialisierte und gut ausgebildete Techniker, die sich auskannten mit Landvermessung, Konstruktion von Baugeräten wie Kränen, Pfahlrammen oder wasserbetriebenen Sägen, oder der Herstellung des römischen Betons (Opus caementicium – unser Begriff Zement geht darauf zurück), der selbst unter Wasser aushärten konnte und so stabil war, daß er bis heute hält und nur mit hohem technischen Aufwand zu beseitigen ist. Deswegen sind auch römische Brücken (wie die Brücken von Cordoba oder Trier) oft noch heute in Betrieb, während moderne Brücken und Straßen nach bereits einem heißen Sommer oder kalten Winter ihre ersten Verfallserscheinungen zeigen. Werkstoffanalysen haben gezeigt, daß römischer Beton auch den heutigen Normen für diesen Baustoff entsprochen hätte.

Der Kanal in Rundbogenbauweise

Der Kanal in Rundbogenbauweise

Die Wasserleitung wurde, von einigen steileren Teilstücken abgesehen, die zur Überwindung geographischer Hindernisse nötig waren, mit einem konstanten Gefälle von 0,1% gebaut – eine Leistung, die selbst in der heutigen Zeit mit lasergestützter Vermessungstechnik nur schwer zu vollbringen ist, insbesondere durch ein so wechselhaftes Gelände und über eine mehr als 100 Kilometer lange Strecke. An den wenigen Stellen, an denen ein steileres Gefälle vorhanden war, befanden sich Tosbecken, in die das Wasser stürzte und in denen es gebremst wurde. Daneben wurde eine Verringerung der Wassergeschwindigkeit in Absetzbecken genutzt, in denen sich Verunreinigungen, sowie Schweb- und Trübstoffe absetzten, bevor das Wasser seine gemächliche Reise nach Köln fortsetzte.

Die Leitung wurde in mehreren, voneinander unabhängigen Bauabschnitten – sogenannten Baulosen – zu je 15.000 römischen Fuß (ca. 4400 Metern) errichtet. Der Erdaushub und Materialtransport, der dafür notwendig war, war mit 4 Kubikmetern je laufendem Meter Leitung gigantisch. Hinzu kam das Mauerwerk, mit dem die Leitung in unterirdischen Schächten ummauert wurde, sowie der Innenputz, mit dem das Bauwerk verputzt war.

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Museen und Antike Stätten: Römerhalle Bad Kreuznach

054_Bad Kreuznach_Römerhalle

Blick von oben in die Römerhalle

Anschrift:

Hüffelsheimer Str. 11, 55545 Bad Kreuznach.

Anfahrt:

Die Kurstadt Bad Kreuznach liegt in Rheinland-Pfalz zwischen Hunsrück und Rheinhessen in der Nähe von Bingen.

Die Römerhalle liegt etwas außerhalb des Ortskerns in der Scheune des ehemaligen Ritterguts Bangert hinter dem Schloßpark, wo sich auch das Museum für Puppentheaterkultur, ein historisches Cafe, das Stadtarchiv und das Schloßparkmuseum befinden.

Das Rittergut Bangert mit seinen zahlreichen Kulturstätten verfügt über einen eigenen Parkplatz, Parkmöglichkeiten sind aber auch überall in der Nähe zu finden.

Mit dem öffentlichen Nahverkehr ist das Museum ebenfalls gut zu erreichen; Bad Kreuznach verfügt über einen Bahnhof, von dort verkehrt die Buslinie 203 Richtung Agnesienberg, Ausstieg an der Haltestelle „Schlossparkmuseum“.

Hintergrundinformationen:

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Bad Kreuznach zu römischer Zeit

Bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. befand sich an der Stelle des heutigen Bad Kreuznach eine keltische Siedlung, deren Existenz archäologisch nachgewiesen ist.

Im Jahr 58 v. Chr., im Rahmen des Gallischen Krieges, wurde das Gebiet Teil des Römischen Reiches. Hier befand sich bald ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, an dem sich mehrere römische Überlandstraßen kreuzten und wo sich im Umfeld eines Kastells ein ziviler römischer Vicus bildete. Hinweise deuten auch auf ein Mercurius- und Maia-Heiligtum sowie auf ein gallo-römisches Provinztheater.

Bei Bad Kreuznach kreuzte sich die römische Schnellstraße von Metz (Divodurum), entlang der Saar über Contiomagus bis nach Bingen am Rhein (Bingium) mit Straßen nach Mainz (Mogontiacum, Provinzhauptstadt von Germania superior), Trier (Augusta Treverorum) und Belginum.

022_Bad Kreuznach_Palastvilla

Modell der Palastvilla von Bad Kreuznach

Im 2. Jahrhundert n. Chr. wurde an einem Südhang des Ellerbachtals, mit Panoramablick auf den Fluß und das Umland, eine gigantische Peristylvilla errichtet. Ihre Dimensionen waren so gewaltig, daß sie weit über das, was man weithin als „Villa Rustica“ bezeichnet, hinausgingen. Es handelte sich weniger um ein luxuriöses Landgut, als um eine Art Landschloß.

Das vierflügelige Gebäude war um einen Innenhof herum ausgerichtet. Es hatte drei Stockwerke, wovon alleine das Erdgeschoß über 50 Zimmer und großzügige Empfangshallen aufwies.

Die Fenster waren verglast, die wichtigsten Räume mit Hypokausten-Fußbodenheizung ausgestattet. Eigene Thermen, eine mehrsitzige Latrine und große Küche, aufwendige und kostspielige Wand- und Deckenmalereien im stadtrömischen Stil, große Fußbodenmosaike, Springbrunnen und eine Ver- und Entsorgung mit fließendem Wasser zeugten vom hohen Lebensstandard der Bewohner. Mit Szenen aus griechischen Tragödien und Komödien wollte der Besitzer möglicherweise seinem Bildungsstand gemäß sein Profil als Kulturkenner zum Ausdruck bringen; daß die Villa repräsentativen Charakter hatte, steht ganz außer Frage.

Blog_Bad Kreuznach_Oceanus-Cernunnos

Das Oceanus-Cernunnos-Mosaik

Schon im 18. Jahrhundert war bekannt, daß sich an dieser Stelle einmal ein römisches Bauwerk befunden hatte. Ein 58 qm großes, beheizbares (!) Gladiatorenmosaik wurde 1893 entdeckt. Seit dieser Zeit wurde an der Stelle archäologisch geforscht, doch zu ersten systematischen Ausgrabungen kam es erst mit der Entdeckung eines Oceanus-Cernunnos-Mosaiks im Jahr 1966. Freigelegt und untersucht wurde das Gebäude zwischen den Jahren 1975 und 1980 unter Leitung des Archäologen Dr. Gerhard Rupprecht.

076_Bad Kreuznach_Hypokausten

Hypokausten der Fußbodenheizung

Es ist nicht genau bekannt, wer der Besitzer dieser Luxusvilla war; Deutungen über den Besitzer stützen sich auf Indizien, die aus Bau, Ausstattung und Funden der Villa hervorgehen. Er wird jedoch nirgendwo namentlich erwähnt.

Es wird davon ausgegangen, daß es sich um einen hochrangigen Verwaltungsbeamten oder erfolgreichen Geschäftsmann handelte, der möglicherweise in der eine Tagesreise entfernten Provinzhauptstadt Mogontiacum seinen Geschäften nachging und sich gerne auf sein Landschloß zurückzog, um dort im repräsentativen Rahmen Gäste oder Geschäftspartner zu empfangen, zu arbeiten oder zu entspannen.

045_Bad Kreuznach_Altäre

Eine Sammlung von Weihesteinen

Ulrike Ehming geht in ihrer Arbeit „Der Besitzer der Bad Kreuznacher Peristylvilla  – ein Händler ostmediterraner Lebensmittel?“ (Münstersche Beiträge zur antiken Handelsgeschichte, Bd. XXIV, 2, 2005) der Frage nach, ob es sich bei dem Besitzer möglicherweise um einen Händler mit teuren Luxusgütern handelte, der frische Meeresfrüche, Austern, Garum, Olivenöl und andere teure Waren aus dem mediterranen Raum nach Gallien brachte. Hierbei stützt sie sich vor allem auf die detaillierten Darstellungen der großflächigen Mosaike in den Empfangssälen, die zu den besterhaltendsten und bedeutendsten Mosaiken nördlich der Alpen gehören, sowie auf Amphoren.

071_Bad Kreuznach_Gladiatorenmosaik

Blick auf das Gladiatoren-Mosaik

Die Villa wurde im späten 3. Jahrhundert n. Chr. zerstört, wahrscheinlich im Zuge der Frankeneinfälle. Während des 4. Jahrhunderts wurde der Nordflügel der Villa kurzzeitig wieder genutzt, jedoch eher als Festung gegen die immer wieder einfallenden Franken, denn als Luxuswohnanlage. Nach kurzer Zeit wurde das Gebäude dann ganz aufgegeben.

Heute sind die ausgegrabenen Reste der Villa in die „Römerhalle“ integriert, die ehemalige Scheune eines Rittergutes. Während die Mosaike, Kleinfunde und weitere Sammlungen aus der Region im Inneren der Halle ausgestellt sind, sind die Räume der Villa auf dem anschließenden Freigelände zu begehen und reichen bis unter die angrenzende Straße und Wohnsiedlung.

Beschreibung

042_Bad Kreuznach_Schlüssel

Der Schlüssel zur Villa?

Die große Halle ist hoch und hell, so daß sie einen angenehmen Rahmen für die Präsentation der Funde bietet. Auf einer Empore sind weitere Funde ausgestellt, zudem hat man von oben eine gute Sicht auf die Halle und die Mosaike. Insgesamt verfügt die Römerhalle somit über 1000 qm Ausstellungsfläche.

Herausragend sind natürlich die beiden Mosaike, das Gladiatorenmosaik, das an die Villa Nennig im Saarland erinnert, und das ungewöhnliche Oceanus-Cernunnos-Mosaik, das eine interessante Verschmelzung eines römischen Gottes mit einer gallischen Lokalgottheit zeigt und darauf hindeutet, daß es sich bei dem Besitzer der Villa um einen wohlhabenden und einflussreichen romanisierten Einheimischen gehandelt haben könnte.

030_Bad Kreuznach_Viergötterstein

Es gibt eine ansehnliche Sammlung von Viergöttersteinen aus der Region

Säulen und Baufragmente der Villa sind rund um die beiden abgegrenzten Mosaike aufgestellt. Großflächige, illustrierte Informationstafeln berichten über die gallo-römische Zeit in der Region, über den Aufbau, die Technik und den Alltag in der Villa und weitere Themen, wie Begräbniskultur, Alltag, Schmuck und Badewesen, Heizung, Militär oder Religion.

Neben dem Oceanus-Mosaik befindet sich auch ein interaktiver Bildschirm, auf dem man sich kurze Filme zu einzelnen Themen anschauen kann, wie dem Mosaik oder der Ausgrabungsgeschichte der Villa.

Die Funde selbst sind ebenfalls gut beschriftet mit Datierung und Herkunftsort (alles jedoch ausschließlich auf deutsch).

051_Bad Kreuznach_Römerhalle

Die Soldatengrabsteine sind sehr detailliert

Einen großen Teil der Ausstellung nehmen Funde aus dem Vicus und dem Kastell, vor allem Soldatengrabsteine ein, die sowohl von Auxiliartruppen als auch von regulären Soldaten aus dem nahegelegenen Kastell stammen. Sie sind deswegen so bemerkenswert, weil sie sehr detailliert und gut erhalten sind und auf den Darstellungen selbst kleinste Details der Rüstung, Kleidung und Ausrüstung gut erkennbar sind. Dies ist eine wahre Fundgrube für alle, die sich für römisches Militär interessieren, vor allem wenn sie Reenactment betreiben.

Auch Sarkophage und Aschekisten gehören zu der Ausstellung.

Daneben gibt es eine Sammlung von Viergöttersteinen von Jupitersäulen, die typisch für diese Region und gallo-römische Glaubensvorstellungen sind, sowie Weihesteine und Reliefs, die weitere Götter zeigen, unter anderem eine Darstellung des trauernden Attis und einer Sphinx auf einem Grabstein, die auf die orientalische Herkunft des hier bestatteten Soldaten hindeuten. Kleine Statuen einer Muttergottheit, des Gottes Vulcanus, Öllampen oder ein kleiner Schrein beleuchten das religiöse Alltagsleben in der Provinz.

Auf der Empore finden sich neben dem teuren Tafelgeschirr aus Terra Sigillata, Schmuckutensilien und andere Kleinfunde aus keltischer und römischer Zeit. Launige Zitate von Römern über Kelten, die großflächig an einer Wand angebracht sind, runden das Bild ab.

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Ein seltener Fund: Fluchtäfelchen

Interessant ist darüber hinaus die Ausstellung von Fluchtäfelchen.

Das Museum zeigt damit zahlreiche hochinteressante Ausstellungsstücke – eine Luxusvilla, die in der Region ihresgleichen sucht, zwei großartige Mosaike und eine ungewöhnliche gallo-römische Gottheit sowie viele spannende Kleinfunde.

Durch eine Seitentür gelangt man in das Außengelände, wo Wege mit Informationstafeln durch die Grundmauern der Villa führen.

Das Museum hat eine angenehme und entspannte Atmosphäre, man kann sich frei und ungezwungen bewegen, das Personal ist sehr nett und hilfsbereit (auch, als wir uns nach unserem Besuch noch Ausflugstipps und Wegbeschreibungen für Bad Kreuznach holten).

Von uns gibt es deshalb eine ganz klare Empfehlung für diesen Geheimtipp abseits der bekannten Römermuseen.

Öffnungszeiten, Preise, Veranstaltungen

Das Museum ist dienstags bis sonntags geöffnet (Montag geschlossen). Öffnungszeiten sind Dienstags von 10-13 Uhr, Mittwoch bis Freitag von 10-16 Uhr und an den Wochenenden von 11-17 Uhr.

Im Februar ist das Museum komplett geschlossen.

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Das Außengelände schließt sich an die Halle an

Der Eintrittspreis für Halle und Freigelände beträgt 4€ (ermäßigt 3€).

Für 7€ ist eine Kombikarte für alle drei Museen im Rittergut erhältlich: Puppentheatermuseum, Schloßmuseum und Römerhalle.

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Blick über die Räume der Villa

Es finden regelmäßige Sonderveranstaltungen statt, wie Erlebnisführungen und museumspädagogische Workshops rund um „römische“ Themen, die sich vor allem an Kinder und Schulklassen richten, zum Beispiel über römische Götter, Münzprägen, Tonfigürchen oder Geschirr.

Im unregelmäßigen Abstand finden auch Kulturveranstaltungen wie Konzerte in der Halle statt. Daneben kann sie für Veranstaltungen gebucht werden.

Sonstiges

Fotografieren ist im gesamten Museum uneingeschränkt möglich.

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Keltische Funde aus der Region

Das Museum ist behindertengerecht gestaltet mit Rampe und Behindertentoilette.

Ein Besuch der Römerhalle kann gut mit den anderen Sehenswürdigkeiten der Kurstadt Bad Kreuznach kombiniert werden, die auf eine lange und bewegte Geschichte von der Antike über das Mittelalter bis zur Neuzeit blicken kann. Unter anderem sind die 9 Meter hohen Gradierwerke der Salinen im 1100 Meter langen Salinental sehens- und erlebenswert.

Daneben gibt es die berühmten mittelalterlichen Brückenhäuser auf der Nahebrücke, die das Wahrzeichen der Stadt bilden, sowie das alte Gerberviertel „Klein Venedig“ am Zusammenfluss von Nahe und Ellerbach, eine Volkssternwarte und eine Burgruine.

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Die Gradierwerke im Salinental sind sehens- und atmenswert

 

 

Eine ungewöhnliche Gallo-Römische Gottheit: Oceanus-Cernunnos

Heute möchten wir Euch eine gallo-römische Kuriosität vorstellen – eine ungewöhnliche  Verschmelzung eines keltischen mit einem römischen Gott: Oceanus-Cernunnos.

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Kurzer Exkurs: Interpretatio Romana

Dank der Interpretatio Romana ist die Identifikation fremder Gottheiten mit römischen Gottheiten eigentlich nichts Außergewöhnliches; viele Gottheiten anderer Völker, seien es gallische, afrikanische oder orientalische Götter hielten auf diese Weise Einzug in den römischen Pantheon, indem sie mit bekannten römischen Gottheiten identifiziert oder assoziiert wurden. Beispiele dafür sind die gallischen Heilgötter Apollo-Grannus und Lenus-Mars, landwirtschaftliche Götter wie Mars-Intarabus, der orientalische Soldatengott Jupiter-Dolichenus, der ägyptische Jupiter-Ammon oder die keltische Waldgöttin Diana-Arduinna.

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Apollo-Grannus und Sirona, zwei beliebte gallo-römische Gottheiten

Andere fremde Götter wurden ohne römisches Gegenstück Teil der römischen Götterwelt, wie die keltischen Göttinnen Sirona, Rosmerta und – vor allem – Epona, die sich reichsweiter Beliebtheit erfreute.

In der Römischen Antike war es üblich, Lokalgötter aus den Provinzen des Imperiums durch funktionale Identifikation, d.h. aufgrund ihrer Attribute, Eigenschaften oder Zuständigkeiten, mit einer römischen Gottheit gleichzusetzen und dadurch in den eigenen Cultus aufzunehmen. Ausführliche Hintergrundinformationen zu dieser Praxis findet Ihr in unserem Artikel zur Interpretatio Romana, auf den wir an dieser Stelle verweisen möchten.

Ein römischer Meeresgott und der keltische Gehörnte?!

Da es, wie im verlinkten Artikel beschrieben, keine festen „Zuordnungstabellen“, Regeln oder gar Kommissionen gab, die bestimmten, welcher Gott mit welchem zu identifizieren sei, gab es in der Vermischung große persönliche Freiheiten und Interpretationsspielräume. Das führte dazu, daß wir heute auf Bildern, Weihesteinen oder Inschriften immer wieder auch auf ungewöhnliche Zuordnungen stoßen, die zwei Götter miteinander verschmelzen, deren Zusammenhang sich auf den ersten Blick nicht unmittelbar erschließt oder die aus den persönlichen Lebensumständen des Stifters zu deuten sind.

Ein Beispiel dafür ist auf einem großen Bodenmosaik in der Palastvilla von Bad Kreuznach zu bewundern, die wahrscheinlich einem erfolgreichen, einheimischen Geschäftsmann gallischer Herkunft und Händler für mediterrane Meeresfrüchte gehörte: er widmete das detailreiche Relief einem gallo-römischen Oceanus-Cernunnos.

Der Fundort

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Modell der Palastvilla von Bad Kreuznach

Die römische Luxusvilla liegt in der heutigen Stadt Bad Kreuznach an der Nahe, zu römischer Zeit eine kleinere Ansiedlung (vicus) mit einem nahegelegenen Militärkastell.

Es handelte sich um eine der größten Villen in der Region, deren wohlhabender Besitzer vermutlich in der eine Tagesreise entfernten Provinzhauptstadt Mogontiacum (das heutige Mainz) arbeitete und sich dann und wann auf sein „Landschlößchen“ zurückzog. Der repräsentative Bau deutet darauf hin, daß er auch dazu diente, Gäste und Geschäftsleute zu empfangen, sich in den ausschweifenden Thermen standesgemäß zu entspannen oder sich anderen Vergnügungen hinzugeben, wie man es als „Superreicher“ zur römischen Zeit tat.

Die Villa lag auf einem Südhang des Ellerbachtals mit Panoramablick auf den Fluß und das ganze Tal. Sie war im Stil einer Peristylvilla erbaut, einem Gebäude, das im mediterranen Stil um einen zentralen Innenhof herum errichtet war. Entlang der gesamten Nordseite, über die das Haus betreten wurde, zog sich ein Porticus, eine Säulenhalle.

Die dreistöckige Villa hatte gigantische Ausmaße und verfügte allein im Erdgeschoß über 50 Zimmer. Die Fenster waren verglast. Die beiden repräsentativen Empfangssäle waren jeweils mit einer Hypokaust-Fußbodenheizung beheizt. Es gab Wasserspiele, die mit eigenen Wasserleitungen versorgt wurden, einen Küchentrakt und eine dreisitzige Toilette. Tonleitungen, die von einer Quelle oberhalb des Hangs bis zum Haus führten, deuten auf eine eigene Versorgung mit fließendem Wasser, sowie den steten Abfluß von Brauchwasser hin. Auch im Keller des Hauses lag eine eigene Quelle, deren Wasser durch Risse im Fels sinnvoll genutzt wurde, um Vorräte zu kühlen.

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Die Römerhalle von Bad Kreuznach ist ein sehr sehenswertes Museum

An einigen Wänden fanden sich große, sehr hochwertig ausgeführte Wandmalereien, zum Teil mit Inschriftenresten, die auf Szenen griechischer Tragödien hindeuten und den hohen Bildungsanspruch des Besitzers darstellen sollen. Einige Wände sind mit echtem Marmor verkleidet, an anderen wiederum wurde Marmorimitat verwendet. Deckenmalereien mit Kassetten sind an stadtrömische Architektur angelehnt.

Zwei großflächige Mosaike (eines davon beheizt!) dienten dazu, den Reichtum des Besitzers zur Schau zu stellen – schon damals in gehobenen Kreisen überaus wichtig. Sie gehören heute zu den besterhaltensten Mosaiken nördlich der Alpen, zusammen mit dem Dionysos-Mosaik in Köln und dem Gladiatorenmosaik in der Villa Nennig.

Das erste Mosaik der Villa zeigt Gladiatorenszenen aller Art, wie sie überall im römischen Reich zu finden sind.

Blog_Bad Kreuznach_Oceanus-Cernunnos

Mosaik mit eingelassenem Sechseckbrunnen

Das zweite Mosaik zeigt das Portrait eines Gottes, der als „Oceanus-Cernunnos“ angesprochen wird, da sich in seiner Darstellung Attribute beider Götter vereinigen. Zwar gibt es nirgendwo in der Villa eine Inschrift, in der er ausdrücklich so genannt wird, aufgrund der eindeutigen Ikonographie wird diese Deutung allerdings allgemein akzeptiert – zumal nichts dagegen spricht, daß ein romanisierter Kelte diese beiden Götter, die beide für ihn in seinem Privatleben eine wichtige Rolle spielen, miteinander verbindet.

Das war gängige römische Praxis; nur die Mischung zweier augenscheinlich vollkommen unterschiedlicher Götter ist es, die diese Kombination besonders interessant macht (wenn auch nicht einzigartig, denn es sind einige weitere Oceanus-Cernunnos-Verbindungen bekannt, unter anderem aus Verulamium und Colchester in Britannien).

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Der vicus von Bad Kreuznach zur Römerzeit

Das Mosaik stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 234 n. Chr., worauf eine Konsularinschrift bezogen auf die Konsuln Maximus und Urbanus hindeutet.

Die Villa ist heute in die Römerhalle Bad Kreuznach integriert, ein sehenswertes Museum mit Freigelände, das auf 1000 Quadratmetern Funde der Umgebung aus keltischer und römischer Zeit zeigt, sowie Fluchtafeln und eine große Auswahl an Viergöttersteinen. Neben den beiden Mosaiken gehört eine Sammlung von Soldatengrabsteinen aus dem nahen Militärlager zu den wichtigsten Ausstellungsstücken, da diese, oft lebensgroßen und sehr detaillierten Darstellungen, Aufschluß über den soldatischen Alltag und das Aussehen der Auxiliartruppen in der Region geben.

Ikonographie des Mosaiks

Das 1966 gefundene, sehr gut erhaltene Fußbodenmosaik ist 68 Quadratmeter groß. In seiner Mitte befindet sich ein marmorverkleidetes sechseckiges Wasserbecken. Einlassungen im Mosaikboden deuten darauf hin, daß sich darauf ein steinernes Triklinum – eine Liegebank für gesellschaftliche Anlässe – befand.

Die detaillierten Darstellungen auf dem Mosaik gelten als Indiz dafür, daß es sich bei dem Besitzer der Villa um einen Händler von Fisch- und Meeresprodukten gehandelt hat, also teuren Luxusgütern in dieser weit vom Meer entfernten Region, die in der Hauptstadt der Provinz Germania Superior, Mogontiacum, sehr begehrt waren (Dies wird unter anderem in der Arbeit „Der Besitzer der Bad Kreuznacher Peristylvilla – ein Händler ostmediterraner Lebensmittel?“ von Ulrike Ehmig ausführlich untersucht (erschienen in: Münstersche Beiträge zur Antiken Handelsgeschichte, Bd. XXIV, 2, 2005).

Es handelt sich nicht um die sonst üblichen stilisierten Meeres- und Fischereiszenen, die allgemein als Sinnbild für ein glückliches Leben in ländlicher Idylle fernab von Verpflichtungen gelten, sondern um sehr konkrete Darstellungen von Schiffen, Amphoren und Gegenständen, von Handel und Transportszenen, sowie um wirklichkeitsgetreue Abbildungen von Meerestieren, mit denen der Hausherr wahrscheinlich gehandelt hat und die den Gästen in diesem Raum sicherlich auch serviert wurden. In erster Linie diente es also der Selbstdarstellung seines Unternehmens, modern ausgedrückt könnte man sagen, war dieses Haus Teil des Marketings des Besitzers .

Das Mosaik zeigt im Zentrum den nackten Oberkörper eines Gottes mit langen blonden, gelockten Haaren und blondem langem Schnurrbart. Aus seinem Kopf wächst ein rotes, verästeltes Geweih, das einige Laubblätter zieren. Seinen Hals ziert ein Halsreif oder Torque in Form einer Schlange im keltischen Stil.

Hinter den beiden Schultern des Gottes befinden sich zwei Hippocampen (mythologische Meerpferdchen mit dem Oberkörper eines Pferdes und dem Unterkörper eines Fisches).

Um den Gott herum befinden sich detaillierte Darstellungen von Handelstätigkeiten, zum Beispiel dem Kauf von Amphoren und dem Transport von Waren mit Schiffen, mediterrane Küstenlandschaften und zahlreiche Fische und Meerestiere.

Oceanus

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Klassische Darstellung des Oceanus aus Petra (heute Jordanien)

Der römische Meeres- und Flussgott Oceanus wird für gewöhnlich mit Hummer- oder Krebsscheren auf dem Kopf dargestellt. Typisch römisch ist auch seine Darstellung mit wild gelocktem Haar. Oft werden bei den im ganzen römischen Reich beliebten Oceanus-Darstellungen die Enden des Schnurrbarts zu Meerestieren. Im Gegensatz zu Neptun, dem Meeresgott, der oft in aktiver Pose mit Dreizack dargestellt wird, ist Oceanus in der römischen Darstellung meist ruhig, allenfalls mit Anker oder einem Ruder, da er als Gott angerufen wird, wenn es um gute und ruhige Fahrt über ein Gewässer geht.

Seine häufige Darstellung und praktische Verwendung als Wasserspender an Brunnen sowie die Attribute Schilf und Quelle weisen auf seine Funktion als Flussgott hin. Durch die Nähe zum Rhein, eine Tagesreise entfernt, über den der Besitzer der Villa sicherlich zum großen Teil den Transport seiner leicht verderblichen Luxusgüter abwickelte, erklärt sich seine Verbundenheit zu einem Gott, der sowohl die Meere und dessen Bewohner repräsentiert, aber auch als Vater der Flüsse gilt. Seine zentrale Bedeutung für die Sacra Privata, den privaten Hauskult des Villenbesitzers, zeigt sich auch in einem weiteren Fund – Oceanus in Form eines fein gearbeiteten Türbeschlags.

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Klassischer Ocenaus mit Krebsscheren auf dem Kopf, die Bartenden werden zu Delphinen (Cordoba, Spanien)

Die Abwandlung der klassisch römischen Darstellung des Oceanus in eine keltisch beeinflusste Form zeigt sich in der Umwandlung der Hummerscheren in ein Geweih. Zwar könnte man es aufgrund der roten Farbe auch als aus Koralle bestehend deuten, die Form und die daran haftenden Blätter identifizieren es aber eindeutig als Geweih.

Gleiches gilt für den Halsschmuck in Form eines typisch keltischen Halsreifs, der klassischerweise nichts an einem Oceanus zu suchen hat. Auch die Schlangen an seinen Enden entspringen nicht der Ikonographie des Ocenaus, sondern sind in der Gedanken- und Vorstellungwelt eines romanisierten Galliers zu verorten, der sich einerseits ganz dem römischen Lebensstil verschrieben hat, andererseits aber einen unkomplizierten Umgang mit der lokalen gallo-römischen Glaubenswelt pflegt und deshalb keine Probleme damit hat, einen für sein Volk wichtigen Gott mit einem für ihn persönlich wichtigen römischen Gott zu vermischen und ihre Attribute in einer völlig neuen Form zu kombinieren.

Daß ein Gallier von den Krebsscheren auf dem Kopf des Oceanus an das Hirschgeweih einer keltischen Geweihgottheit erinnert wird und diesen in einem heimischen Mosaik entsprechend darstellen läßt, ist im Rahmen des gallo-römischen Kontextes nicht weiter befremdlich. Ebensowenig verwundert es, daß er den Gott Oceanus mit dem in einheimischer Tracht üblichen Halsschmuck darstellt.

Cernunnos (?)

Gundestrup_Cernunnos

Cernunnos auf dem Kessel von Gundestrup, sicherlich die bekannteste Darstellung

Cernunnos, der keltische Gott des Waldes und der Waldbewohner, ist aufgrund der Überlieferungslage generell problematisch in der Deutung.

Der Name des Gottes, der aus einer bruchstückhaften Inschrift der Pariser Nautensäule stammt, wurde in der Neuzeit auf zahlreiche namenlose keltischen Gottheiten mit Hirschgeweih übertragen, ohne daß sichergestellt ist, daß es sich bei ihnen immer um ein und denselben Gott handelt und nicht vielmehr um lokale Gottheiten unbekannten Namens.

Es gibt keinerlei Erwähnung oder Beschreibung seiner Symbole, Kultpraxis oder Attribute in schriftlichen römischen Quellen, so daß bei diesem Gott viel (moderne) Interpretation im Spiel ist. So ist die Verwendung des Namens „Cernunnos“ für alle gallischen Geweihgottheiten an sich schon fragwürdig.

Cernunnos trägt auf seinen Darstellungen ein Hirschgeweih oder hat zuweilen sogar einen vollständigen Hirschkopf. Meist sitzt er in ruhiger, geradezu an eine Meditationshaltung erinnernde Pose und ist von Tieren umgeben. In den bekannten Darstellungen trägt er oft ebenfalls einen eng anliegenden Halsreif. In der Gundestrop-Darstellung hält er zudem eine Schlange in der linken Hand und einen Torque in der rechten. Diese Schlange findet sich in mehreren Darstellungen quer durch den gallischen Raum.

Die Schlange spielt allerdings auch in der römischen Vorstellungswelt eine wichtige Rolle als positives, glücks- und erfolgsverheißendes Symbol und Torques mit Enden in Form von Schlangenköpfen sind aus dem gallo-römischen Raum bekannt, zum Beispiel wurden sie gerne von Legionären getragen.

Daß sich Cernunnos im romanisierten Gallien auch zur Römerzeit noch großer Beliebtheit erfreute, belegen Weihesteine, Brunnenfunde, Figur- und Reliefdarstellungen, die bis in die späte Kaiserzeit hinein populär waren. Auf Inschriften wird er in latinisierter Form Cernenus, Cornunus oder Cornutus genannt, worin sich das lateinische Wort „Cornu“ (Horn) wiederfindet (daß der aus dem luxemburgischen Waldtempel im Alzettetal bekannte Cerunincus etwas mit Cernunnos zu tun hat, ist hingegen unwahrscheinlich).

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