Mos Maiorum

Wie die Götter es manchmal fügen…

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Artikel © D. Gratius Ludovicus, 07/2016

Manchmal gibt es schöne Beispiele im Leben eines Cultors, wie die Götter die Dinge fügen… heute also eine kleine Geschichte aus der gelebten Religion eines römischen Rekonstruktionisten, die ja gerne von vielen „Neuheiden“ als unspirituell und trocken abgelehnt wird 😉

Ich habe immer schon eine gewisse Nähe zu Silvanus verspürt, dem Gott des Waldes und der Felder, der im Gegensatz zu Faunus nicht die wilde Natur, sondern deren Eingrenzung und damit gleichermaßen ihre Zähmung und Nutzung verkörpert, wodurch letztlich die Grenze zwischen Natur und Kultur geschaffen wird. Dadurch gehören zu seiner Sphäre ebenfalls die Gärten und die Grenzen der ländlichen Grundstücke, so daß er nicht nur – wie Horaz ihn nennt – tutor finium, also Beschützer der Grenzen ist, sondern als Silvanus domesticus, als häuslicher Silvanus, geradezu der Wächter (custos) des Grundbesitzes und Hauses wird, was seine Funktion sich mit der der Laren überschneiden lässt. In diesem Sinne finden wir ihn auch in Inschriften als Silvanus sanctus larum oder Silvanus sanctus sacer larum als den  Penaten zugehörig erwähnt.

 

Sucellus

Sucellus Hochrelief aus Kinheim an der Mosel, 3. Jahrhundert

Bis dato hatte dieser Gott für mich aber kein Gesicht und er blieb ein Numen, das man spüren kann, wenn man alleine durch Wald und Flur streift. Vor einiger Zeit besuchten wir eine römische Kelteranlage am Fuße des – wie die Römer ihn nannten – Dulcis mons, des „süßen Berges“ bei Brauneberg an der Mosel. Dort fiel uns eine recht große Statue auf, die hinter der Absperrung aufgestellt ist und die wir bis dato noch nicht kannten. Es stellte sich heraus, daß es sich um den keltischen Gott Sucellus handelte, der später auch in der gallo-römischen Religion eine große Rolle spielte und dessen Darstellung als Statue hier an der Kelter nach einem Fund aus Kindel/Kinheim angefertigt worden war.

 

In der nachfolgenden Recherche zu dieser Gottheit war ich nicht wenig überrascht über die gallo-römische Gleichsetzung des Sucellus mit… Silvanus! Jetzt hatte dieses Numen, das ich kannte, auf einmal ein Gesicht bekommen, zwar aus einer für mich unerwarteten Ecke, aber durch die zufällig erscheinende Begegnung im Sinne einer bewegenden Überraschung.

 

Leider kannte ich keine konkrete Darstellung des Sucellus, wie etwa die Statue an der römischen Kelter, die man erwerben konnte. Abseits der üblichen Götterdarstellungen, die in den diversen Museumshops erhältlich sind, oder direkt von Künstlern, die diese anbieten (und die oft eben jene sind, die diese Repliken auch für die Museen anfertigen) wird es generell schwierig für den normalen Gallo-Römer. Die Museen wachen mit Argusaugen darüber, daß Rechte nicht verletzt werden, daß von Statuen z.B. keine „illegalen“ Abgüsse kursieren und daß sie die Kontrolle darüber haben, was auf dem Markt für jedermann erhältlich ist.

 

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Die römische Kelteranlage bei Brauneberg an der Mosel

Als ich mich vor vielen Jahren im Rheinischen Landesmuseum in Bonn einmal nach der Möglichkeit erkundigte, ob es Möglichkeiten gäbe, daß ich als Privatperson mir einen Matronenstein anfertigen lassen könnte, wurde schnell abgewunken mit dem Hinweis „sowas sehen wir nicht gerne und erlauben es auch nicht, was Abgüsse angeht etc. – wir möchten wissen wer wo was stehen hat“ – eine seltsame und mich nicht wirklich überzeugende Aussage, aber so war es nun mal.

Insofern hatte ich nach der Begegnung an der Mosel mit dieser gallo-römischen Gottheit  natürlich spontan die Idee, eine Statue des Sucellus-Silvanus für meine sacra privata irgendwann einmal mein Eigen nennen zu können, wußte aber um die oben angesprochenen Probleme. So zeigte sich denn auch nach einer entsprechenden Recherche schnell, daß diese Gottheit nicht zu denjenigen gehört, die auf dem üblichen Weg erhältlich sind, was mir deutlich machte, daß aus diesem Wunsch nichts werden würde. Was sich noch einstellte, war die Verärgerung über diverse Richtlinien, die es Museen erlauben, hier eine solche restriktive Kontrolle auszuüben, gleich wie sie das begründen mögen. Es mag bestimmte Gründe geben, die man als mehr oder weniger überzeugend für diese Restriktion akzeptieren kann, aber für den heutigen Cultor ist das schon ein arger Einschnitt in die  Ausübung unserer Religion. Damit war das Thema erst einmal auch abgehakt für mich. Aber wohl nicht für Sucellus 😉

 

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Sucellus, in der Kelter bei Brauneberg an der Mosel

Denn kurze Zeit später weilten wir auf einem kleinen aber feinen Event – die Historischen Zeit-Reise-Tage/Antiken Tage auf der Burg Olbrück – dessen Initiator wir kennen und wo wir kurz mal „Salve!“ sagen wollten, da die Olbrück nicht weit von uns entfernt liegt und sich das für einen sonnigen Sonntagausflug anbot.

 

Nachdem wir uns an wohlschmeckenden keltischen Gerichten gelabt hatten, erwähnte jener Bekannte, er habe eine Replik des Sucellus darstellenden Hochreliefs, das bei Ausgrabungen einer römischen Villenanlage aus dem 3. Jahrhundert in Kindel gefunden wurde, erwerben können… und habe noch eine zweite! Ein mehr als guter Preis wurde schnell auf unkomplizierte keltisch-römische Art vereinbart und ein paar Wochenenden später konnten wir den Sucellus bei ihm daheim abholen.

 

Heute – Dies Iovis Nonis Iuliis MMDCCLXIX ab urbe condita – habe ich die Invocatio durchgeführt und die Auspizien nach dem Ritus waren eindeutig, das Sucellus-Silvanus die Einladung angenommen hat.
Die Art und Weise, wie sich die Dinge in kürzester Zeit entgegen jeglicher Erwartung gefügt haben, ist für mich wieder ein deutliches Zeichen dafür, daß eine Gottheit Wege findet, um sich zu offenbaren und auch eigentlich Unmögliches doch irgendwie möglich zu machen 🙂

Events und Veranstaltungen: „Schwerter, Brot und Spiele“ in Xanten,25.-26.6.2016

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So viele Mitwirkende sieht man selten auf einer Veranstaltung – ein Riesen-Event!

Alle zwei Jahre findet im Archäologischen Park Xanten (APX) eines der größten Römerfeste Europas statt – und dieses Jahr ist es wieder soweit!

Vor der sehenswerten Kulisse der teilweise rekonstruierten römischen Colonia Ulpia Traiana treffen sich anläßlich dieses Events Römergruppen und Einzeldarsteller aus ganz Europa – über 500 Mitwirkende, unter anderem Soldaten, Händler, Handwerker, Musiker und Gladiatoren.

Hierbei steht nicht die „Show“ im Vordergrund, sondern den Beteiligten geht es vor allem um die Vermittlung von Wissen über die römische Antike, auch in unserer Region.

Interessante Vorführungen, zum Beispiel zur römischen Musik, Alltagsleben,  Militärwesen, stehen neben Informationen zur Archäologie, sowohl den Stand der Ausgrabungen in Xanten als auch experimentelle Archäologie betreffend. Hersteller von Repliken, die ihre Waren anbieten sind ebenso vertreten wie Experten in römischem Weinbau, Brotbacken, Schmieden oder Weben. Römische Küche kann ebenfalls – und sollte! – probiert werden.

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Spezialthemen, wie römische Musik, werden hervorragend präsentiert

Einer der Höhepunkte ist die Pompa, der große Umzug über die Hauptstraße des Parks zum teilrekonstruierten Amphitheater. Hier finden die Gladiatorenkämpfe der Gladiatorenschule Amor Mortis statt, welche auch abseits der Arena fundiert und sachkundig gerne Fragen zur Gladiatur beantworten und die zu den besten Gladiatoren der Reenactment Szene zählen.

„Schwerter, Brot und Spiele“ ist ein wirklich großer Event mit einem vollgepackten Programm auf einem riesigen Gelände – hier kann man locker den ganzen Tag verbringen, ohne daß man auch nur eine Minute Zeit findet, das Museum des APX zu besichtigen.

Auf jeden Fall eine sehenswerte Veranstaltung – allein aufgrund der Dimensionen kaum mit den eher lokal orientierten anderen Römerfesten vergleichbar.

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Bei den Gladiatorenkämpfen in der großen Arena kommt Stimmung auf!

Auch wer sich mit römischen Devotionalien eindecken möchte (von der handgefertigten Sandale über Terra Sigillata bis zur Götterfigur ist alles zu haben, so daß man hier auch Dinge findet, um sein Lararium stilgerecht auszustatten), sollte sich diesen Termin vormerken – mehr Händler und Handwerker an einem Ort versammelt wird man in dieser Saison nicht finden.

Die Veranstaltung findet am 25. und 26. Juni von 10 – 18 Uhr statt.

Die Tageskarte für Erwachsene kostet 13 €, eine Zweitageskarte 19 €. Der Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist frei.

Weitere Informationen zur Veranstaltung gibt es hier auf der Offiziellen Seite des APX.

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Auch dieses Jahr mit vollem Körpereinsatz dabei: Die Gladiatorenschule Amor Mortis

 

 

 

Antike Stätten: Bertriacum – Römisches Quellheiligtum der Meduna und Vercana (Bad Bertrich)

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Die evangelische Kirche auf dem Felssporn steht an der Position eines ehemaligen römischen Tempels

Anschrift:

Trinkbrunnen: Kurgarten (Wandelhalle), 56864 Bad Bertrich

Anfahrt:

Bad Bertrich, das römische Bertriacum, liegt in der südlichen Vulkaneifel nahe der Mosel.

Der Kurort liegt in einem engen Tal, umgeben von mehreren erloschenen Vulkankegeln, und ist über eine gewundene Landstraße aus der Eifel und von der Mosel aus zu erreichen.

Parkmöglichkeiten bestehen am Ortseingang auf einem großen öffentlichen Parkplatz hinter dem „Apollo-Tunnel“. Von hier aus ist in dem kleinen Ort alles gut fußläufig zu erreichen.

Bad Bertrich hat keinen Bahnhof. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen möchte, nimmt den Zug zum Bahnhof Bullay, von dort aus besteht eine regelmäßige Busverbindung mit der Linie 727.

Ansonsten liegt Bad Bertrich in einer touristisch sehr attraktiven Landschaft mit vulkanischen Maaren und dem Moseltal. Es ist gut mit zum Teil spektakulären Wanderwegen durch das felsige Umland erschlossen.

Hintergrundinformationen:

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Rohre der römischen Quellfassung

In Bad Bertrich befindet sich die einzige Glaubersalz-Heilquelle Deutschlands. Sie wurde von der Römerzeit über das Mittelalter, durch Kurfürsten, als Preußisches Staatsbad, im Nationalsozialismus bis zum heutigen Kurbetrieb kontinuierlich genutzt. All diese Epochen haben ihre Spuren in dem kleinen Kurort hinterlassen.

Zu römischer Zeit wurde diese Thermalquelle bereits so geschätzt, daß an dieser Stelle im 4. Jahrhundert n. Chr. das große römische Heilbad Bertriacum entstand. Unter den Kaisern Valentinian II. und Gratian wurden prächtige Badeanlagen mit Säulentempeln errichtet.

Die Heilquelle wurde zu einer überregional bedeutsamen Pilger- und Kurstätte, die den anderen Quellheiligtümern in der Region im sprichwörtlichen Sinne des Wortes das Wasser – sprich, die Pilger – abgrub und damit zu ihrem langsamen Versinken in der Bedeutungslosigkeit betrug, wie es wahrscheinlich beim Quellheiligtum von Heckenmünster der Fall war. Der Weg dorthin war um ein Vielfaches beschwerlicher, während das imposante Heilbad in Moselnähe deutlich verkehrsgünstiger lag.

Das Thermalwasser, das in Bertriacum zu Tage tritt, hat eine Temperatur von 32 Grad und gilt als wirksam bei Magen- und Darmerkrankungen. Bereits die Römer fassten die Quelle, die aus einer 2,3 km tiefen Bruchzone durch Felsgestein an die Oberfläche steigt, in einer 25 Meter langen Quellfassung. Durch bleiernde Steigrohre wurden pro Minute 123 Liter direkt in die Bäderanlagen geführt. Das Fördersystem, das aufgrund des natürlichen Steigdrucks ohne Pumpen auskam, war ausgeklügelt. Die Quellfassung war mit Estrich versiegelt, damit das Wasser gegen Schmutzeintrag von außen geschützt war, insbesondere bei Hochwasser. Außerdem schützte es die Quellleitung vor Wasserverlust in das von Klüften durchzogene umliegende Gestein.

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Geschmacksabhängig: 32 Grad warmes Glaubersalz-Quellwasser… aber wenn es hilft 😉

Neben Architekturresten der Bäder fand man in Bad Bertrich auch Überreste mehrerer Tempelanlagen, die auf die Bedeutung des Ortes als Heil- und Quellheiligtum hinweisen. So wurden sowohl am Standort der heutigen evangelischen und der katholischen Kirchen römisches Säulen- und Mauerwerk gefunden, die jeweils auf einen Tempel hinweisen. Die exponierte Lage beider Kirchen auf Felserhebungen oberhalb des Orts wäre nach römischem Brauch ebenfalls typisch für weithin sichtbare Tempelanlagen.

Westlich des Ortes auf einer Anhöhe wurde ein weiterer Weihealtar entdeckt. Auch in der Gemarkung „Kuheck“ wird eine Kultstätte vermutet. Um die Tempel- und Bäderkomplexe herum wurden Überreste einer zivilen Ansiedlung gefunden, die auf einen vicus und speziell für den Kurbetrieb errichtete Gebäude eines typischen Kurorts hindeuten. Damit steht die römische Bäderstadt Bertricaum in gleicher Tradition wie die anderen Quellheiligtümer der Region, die ebenfalls einen Bäderbetrieb im großen Stil, unterstützt durch Kultanlagen und Nebengebäude wie Herbergen, Geschäfte und Handwerksbetriebe vermuten lassen.

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Relief der Diana aus Bad Bertrich

Inschriften und Reliefs, die heute im Kurhaus ausgestellt sind, belegen, welche Gottheiten an dieser Quelle verehrt wurden. 1858 wurde ein 50cm großes Relief der Diana gefunden, die in der Literatur teilweise mit der keltischen Quell- und Heilgöttin Sirona in Verbindung gebracht wird, vor allem aufgrund ihrer Assoziation mit dem Heilgott Apollo-Grannus.

Sirona- und Apollo-Grannus-Heiligtümer sind aus der Region ebenfalls bekannt, ein Zusammenhang kann nicht ausgeschlossen, aber auch nicht belegt werden.

Besonders interessant ist der Fund eines 30cm hohen Weihealtars aus Sandstein (CIL XIII 7667), der den Göttinnen Meduna und Vercana geweiht ist. Die keltische Meduna, die bei den hier ansässigen Treverern verehrt wurde, gilt bis heute als die Schutzpatronin des Ortes Bad Bertrich (wie z.B. der Name der Meduna-Klinik zeigt). Da die Inschrift in der Nähe der warmen Quellen gefunden wurde, liegt die Vermutung nahe, daß es sich bei diesen Göttinnen um Quell- oder Heilgöttinnen handelt. Allerdings sind keine bildlichen Darstellungen dieser Göttinnen bekannt und ihre genaue Funktion bleibt unbekannt.

Die Inschrift auf dem Altar lautet:

De(a)e Vercan(a)e / et Medun(a)e / L(ucius) T() Acc(e)ptus / v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito)

Gegenüber den Göttinnen Vercana und Meduna hat Lucius T. Acceptus sein Gebübde gerne und nach Gebühr eingelöst.

Dieser Altar ist ebenfalls in der Wandelhalle des Kurhauses ausgestellt.

 Beschreibung:

Leider sind heutzutage keine Bauten aus römischer Zeit mehr an der Oberfläche zu sehen. Die große Bedeutung des römischen Heilbades Bertriacum läßt sich deshalb nur indirekt erfahren.

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Der Sandsteinalter für Meduna und Vercana

Überreste der römischen Quellfassung (Steigrohre aus Blei), eine Replik des Diana-Reliefs und der Sandsteinaltar für Meduna und Vercana sind (etwas stiefmütterlich versteckt) neben dem öffentlichen Trinkbrunnen in der Wandelhalle des Kurhauses in Vitrinen ausgestellt.

Zu den Ausstellungsstücken gibt es Beschriftungen mit Kurzinformationen. Im weiteren Verlauf der Wandelhalle befinden sich einige weitere Infotafeln, in erster Linie über Glaubersalz. Hier gibt es aber auch eine Tafel, die den Querschnitt durch die römische Brunnenfassung zeigt und erklärt.

Aus dem Trinkbrunnen kann man zu den Öffnungszeiten des Kurhauses direkt aus der warmen Glaubersalzquelle trinken. In der nahegelegenen Vulkan-Therme kann man auch im Quellwasser baden und schwimmen.

Für den römischen Touristen empfiehlt sich also in erster Linie ein Besuch des Kurhauses und eine Kostprobe des salzigen Wassers, das schon von den Römern geschätzt wurde. Auch ein Besuch der katholischen Kirche und der evangelischen Kirche auf dem Friedhofshügel kann vor dem Hintergrund erfolgen, daß an beiden Stellen ursprünglich  römische Tempel standen. Die exponierte Lage beider Kirchen vermittelt einen guten Eindruck, wie imposant die Tempel gewirkt haben müssen, und erlaubt auch einen Überblick über das schmale Tal, in dem Bad Bertrich liegt.

Öffnungszeiten, Eintritt

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Infotafel in der Wandelhalle: Schnitt durch die römische Quellfassung

Der Trinkbrunnen in der Wandelhalle im Kurgarten, an dem die römischen Funde ausgestellt sind, ist offiziell nur 8 – 9 Uhr, 11 – 12 Uhr und 16.30 – 17.30 Uhr geöffnet (er wird vor allem zur Durchführung von Trinkkuren vor dem Essen eingesetzt). Als wir dort waren, konnten wir jedoch auch außerhalb der Öffnungszeiten am frühen Nachmittag die Wandelhalle betreten und vom Brunnen trinken.

Eintritt wird nicht erhoben.

Sonstiges

Fotografieren ist überall möglich.

Wir empfehlen auch einen Besuch der katholischen Kirche auf dem Felsvorsprung oberhalb des Orts.

Eine weitere interessante, aber gänzlich unrömische Besonderheit von Bad Bertrich ist der sogenannte „Römerkessel„, Europas einziger landschaftstherapeutischer Park, mit seinen 7 Themengärten. Auf einem Felsen inmitten des Parks liegt die evangelische Kirche, die ebenfalls an der Position eines ehemaligen römischen Tempels steht.

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Ganz in der Nähe gibt es auch spannende nicht-römische Ausflugsziele, wie die berühmte Lava-Bombe von Strohn

Wer ein Freund von Thermen ist, kann den Besuch gut mit einem Besuch der Vulkaneifel-Therme verbinden.

Sowohl die Mosel und die Vulkaneifel sind nur wenige Fahrminuten von Bad Bertrich entfernt; in beiden Richtungen finden sich zahlreiche weitere interessante römische Ausflugsziele.

 

 

 

Kaiser Nero – 2000 Jahre Rufmord!?

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Der junge Kaiser Nero, Foto von Wolfgang Sauber (lizensiert unter CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons)

In diesem Frühjahr werdet Ihr in unserem Blog einiges zu Kaiser Nero finden – eine der schillerndsten, berühmt-berüchtigsten Figuren der römischen Geschichte. Und möglicherweise auch eine der mißverstandensten Personen, denn durch neue quellenkritische Ansätze mehrt sich die Ansicht, daß das heutige Bild, das wir von Kaiser Nero haben, vor allem auf Verleumdung und Propaganda basiert.

Vorbereitung auf die Sonderausstellung in Trier

Neben der Tatsache, daß es einfach spannend ist, sich mit einer so kontroversen Figur der Geschichte zu befassen, über die so abenteuerliche Geschichten im Umlauf sind (unvergessen Peter Ustinov als Nero in „Quo Vadis“, wie er sang und Lyra spielte, während Rom brannte), werfen auch große Ereignisse ihre Schatten voraus: Am 14. Mai eröffnet in Trier die Sonderausstellung: „NERO – Kaiser, Künstler und Tyrann„. Ihr Anspruch ist es, den vermeintlichen Tyrannen und verschwendungssüchtigen Wahnsinnigen aufgrund aktueller Forschungserbnisse in ganz neuem Licht zu zeigen – die erste große Schau zu diesem Thema in Europa mit hochkarätigen Leihgaben.

NERO_PlakatMit Spannung sehen wir dieser Sonderausstellung entgegen, die sich (ähnlich wie 2014 die Ausstellung „Credo“ in Paderborn) über drei verschiedene Museen der Stadt und insgesamt 2000 Quadratmeter erstrecken wird:

Das Rheinische Landesmuseum Trier legt den Schwerpunkt auf Neros Leben, seinen Aufstieg, die Blütezeit seiner Herrschaft, aber auch auf seinen Abstieg und zeigt dies anhand von über 400 Exponaten aus aller Welt.

Das Museum am Dom beleuchtet den Kontext „Nero und die Christen“, wobei auch das generelle Verhältnis der Christen zum römischen Staat und zur römischen Religion untersucht wird.

Im Stadtmuseum Simeonsstift wird dem Thema „Lust und Verbrechen. Der Mythos Nero in der Kunst“ nachgegangen, der bis in die heutige Zeit ja exzessiv in den Medien zelebriert wird. Hier werden deshalb zahlreiche Kunstwerke, Gemälde, Grafiken, sowie Informationen zu  Filmen und Opern ausgestellt, die sich mit der Bildtradition und Rezeption von Nero als Inkarnation des grausamen, irren, dekadenten, prunksüchtigen und größenwahnsinnigen Tyrannen befassen.

Die Sonderausstellung geht bis zum 16. Oktober 2016 und wir freuen uns bereits darauf, sie zu besuchen, denn nie zuvor (und wahrscheinlich auch danach nie wieder) wurden so viele hochrangige Exponate rund um Kaiser Nero an einem Ort zusammengetragen und in einer differenzierten Zusammenschau präsentiert. Die Leihgaben stammen unter anderem aus den Vatikanischen Museen in Rom, dem Louvre in Paris und dem Britischen Museum in London. Kunstwerke werden unter anderem zur Verfügung gestellt von der Eremitage in St. Petersburg, der Mailänder Scala und aus Florenz.

Alles Verleumdung?

War Kaiser Nero (eigentlich: Nero Claudius Caesar Augustus Germanicus) also in Wirklichkeit ein freundlicher, zurückhaltender, beliebter, erfolgreicher und gerechter Kaiser des Römischen Reichs? Die ehrlichste Antwort muß lauten: wir wissen es nicht, denn niemand von uns war während seiner 14-jährigen Regierungszeit (54 bis 68 n. Chr.) dabei und alle schriftlichen Quellen, die wir besitzen, sind mit höchster Vorsicht zu genießen, da sie ausschließlich aus ganz bestimmten, persönlichen Motiven heraus geschrieben – oder zu späterer Zeit im Mittelalter verfasst wurden, in der Nero von christlichen Autoren, vor allem aus Propagandagründen, zum personifizierten Antichristen hochstilisiert wurde, von dem in der Offenbarung des Johannes berichtet wird (inklusive mathematischer Beweise, warum die Zahl Neros die Zahl 666 des Großen Tieres ist).

So ist das heute gefestigte Nero-Bild tatsächlich vor allem ein durch das Mittelalter geprägtes Bild. Doch diese mittelalterliche Darstellung hält sich bis heute hartnäckig und wird gerne und lustvoll in den Medien und der Pop-Kultur kolportiert – denn natürlich ist sie faszinierend, verbreitet wohligen Schauer und Abscheu und ist gleichzeitig interessant und spannend. Spannender jedenfalls als „langweilige“ Kaiser, deren Namen heute nur noch Geschichtsinteressierte kennen.

Unser heutiges Nero-Bild ist vor allem durch Peter Ustinovs unvergessene Darstellung in „Quo Vadis“ geprägt:

Tatsächlich ist Nero einer der Römischen Kaiser, über den am meisten Schlechtes geschrieben wurde (neben Kaiser Caligula, dessen attestierter „Wahnsinn“ heute ebenfalls umstritten ist und dessen Leben ebenfalls differenzierter betrachtet werden muß als es gemeinhin geschieht) und man findet ihn auf jeder „Bösewicht-Skala“ in den Top Ten Listen der verderbtesten Persönlichkeiten der Weltgeschichte, zusammen mit Hitler, Heinrich VIII., Stalin, Mengele, Charles Manson, Iwan dem Schrecklichen, Pol Pot und wer in den diversen Internet-Hitlisten noch aufgeführt wird.

Doch was sind die wichtigsten historischen Quellen, die wir heute über Kaiser Nero haben? Bereits die mittelalterlichen Quellen greifen zurück auf die drei Hauptquellen der Antike: Sueton, Tacitus und Cassius Dio.

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Events und Veranstaltungen: Römertage in Rheinbrohl – „Die Kelten kommen“ am 7.-8. Mai 2016

Die nächste spannende Veranstaltung steht bevor: Die alljährlichen Römertage in der Römerwelt Rheinbrohl am Beginn des Limes vom 7. bis 8. Mai 2016.

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Die Kelten kommen! Dank an Christian Havenith für die freundliche Genehmigung zur Verwendung des Bildes.

Dieses Jahr lautet das Motto: „Die Kelten kommen„.

Neben den Römern der Römerwelt-Stammkohorte „Broele Trans Rhenum XXVI VOL C R“ schlagen auf dem Außengelände auch mehrere Keltengruppen ihr Lager auf, um dem Besucher eine Zeitreise von der Hallstadtzeit bis zu den Hunsrückkelten zu ermöglichen. Hierbei wird Wert auf Authentizität jenseits der üblichen Keltenklischees gelegt.

Den Besuchern wird sachkundig die keltische Küche, keltische Bekleidung oder die Nutzung der Steinschleuder erläutert. Gerne beantworten die Kelten auch Fragen aller Art rund um die keltische Kultur und geben Einblicke in gallo-provinzialrömische Lebensweise.

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Die Pfahlramme in Aktion!

Die Römer demonstrieren Handwerk, Ausrüstung, Militär, Alltagsleben und Handel am Limes.

Sehenswert ist auch der germanische Fischer Jörg Nadler, der vor Ort Fischerei in der Antike präsentiert und sehr anschaulich über Techniken und Netzbau erzählt. Markus Gruner demonstriert das Emaillieren von Bronzeobjekten.

Anläßlich der Veranstaltung wird auch wieder das römische Backhaus befeuert, so daß man vor Ort die Gelegenheit hat, römische Kuppelbacköfen in Aktion zu sehen und (was noch wichtiger ist), die Produkte zu probieren – das sehr schmackhafte Römerwelt-Brot nach römischem Rezept, idealerweise in Kombination mit Moretum (nicht zu vergessen natürlich auch die zwar moderne, aber legendäre Limes-Torte, die es nur in Rheinbrohl gibt).

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Immer wieder lohnenswert: die Führungen und Vorträge mit Mario Becker

Daneben gibt es wieder Museumsführungen durch die Römerwelt Rheinbrohl mit Mario Becker und Live-Demonstrationen der Nachbauten von Pfahlramme und Kran.

Außerdem gibt einen Vortrag im Vortragsraum zum Thema „Die Kelten – Roms Feinde im Norden?“

Das vollständige Programm steht hier als PDF auf der offiziellen Website der Römerwelt bereit.

Der Eintritt kostet für einen Tag 8€ für Erwachsene und für Kinder von 7-14 Jahren 5€.

Es gibt Vergünstigungen für Menschen mit Handicap und Familien. In diesem Jahr wird erstmalig eine vergünstigte Zweitageskarte angeboten (12€ Erwachsene, Kinder 7€).

Die Römertage finden an beiden Tagen jeweils von 10-18 Uhr statt.

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Römisches Brot, gewürzt mit Anis, Fenchel, Koriander und Kümmel, schmeckt ofenfrisch am besten! (Römerwelt Rheinbrohl, 2015)

Weitere Links zum Thema:

 

 

 

Events und Veranstaltungen: Limes-Wandertag am 5.5.2016

Und wieder haben wir einen bewegungsreichen römischen Ausflugstipp für Euch. Wer an Christi Himmelfahrt (5. Mai 2016) eine Alternative zum Grölen mit dem Böllerwagen sucht, dem empfehlen wir eine besondere Veranstaltung am UNESCO Weltkulturerbe Limes!

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Start und Ziel des Wandertages: Die Römerwelt in Rheinbrohl

Traditionell findet am Beginn des Limes (caput limitis), ab Rheinbrohl im Westerwald, zu Christi Himmelfahrt der Limes-Wandertag statt. Er startet in der Römerwelt Rheinbrohl, wo die Teilnehmer eine Karte mit den einzelnen Stationen sowie einen Fragebogen für ein Quiz erhalten, das unterwegs ausgefüllt werden kann.

Die Wanderung folgt dem Verlauf des Limes, entlang am Limes-Lehrpfad, vorbei am hölzernen Limes-Wachturm IX, von dem aus man einen tollen Panoramablick über den Westerwald hat und an zahlreichen Stationen, an denen lehrreich der Limes, die Römerzeit und das Leben in der Antike vorgestellt wird.

Zu den Stationen des etwa 5 Kilometer langen Fußweges gehört Mulsum-Verkostung, es gibt einen Probierstand für römisches Brot mit Informationen über römischen Weinbau und Brotbacken, ein Römerlager der Cohorte XXVI, die sich immer um die Römerwelt und den Raum Rheinbrohl bemüht. Dort kann man auch Getränke kaufen und es gibt ein Mitmach-Programm für Kinder.

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Rekonstruktion des Limes im Innenhof der Römerwelt

Eine weitere Station demonstriert den Palisadenbau, ein römisches Katapult wird vorgestellt, in einem Kohlenmeiler wird die Herstellung von Holzkohle erklärt. Für Kinder schließt sich ein Kletterparcour an. An einer Waldhütte kann altes Werkzeug ausprobiert werden. Den Abschluß bildet ein Jagdhaus. Hier besteht auch die Möglichkeit, mit einem Planwagen zurück zur Römerwelt zu fahren, sowie zum Essen und Trinken.

Der Start- und Zielpunkt der Wanderung, die Römerwelt Rheinbrohl, ist ein sehenswertes Mitmach- und Erlebnismuseum.

Der Limes-Wandertag ist immer eine handfeste Möglichkeit, das eigentlich etwas schwer zu vermittelnde Bodendenkmal anschaulich zu erleben. Das Programm ist abwechslungsreich und die Route interessant gestaltet.

Festes Schuhwerk wird empfohlen, es geht durch den Wald und einige Steigungen sind ebenfalls zu überwinden. Alles in allem ist der Weg aber nicht allzu schwierig, sondern familientauglich. Veranstaltet wird der Limes-Wandertag von der Ortsgemeinde Rheinbrohl und dem Verein Freunde des Limes.

Gestartet werden kann ab Römerwelt Rheinbrohl zwischen 9 Uhr und 11:30 Uhr.

Übrigens, wer an diesem Termin keine Zeit hat oder gar nicht genug von der Römerwelt und dem Limes bekommt: Am darauffolgenden Wochenende (7.-8. Mai 2016) finden in der Römerwelt die alljährlichen „Römertage“ statt, die dieses Jahr unter dem Motto stehen: „Die Kelten kommen“ – mit einer Zeitreise von den Hallstatt- bis zu den Hunsrückkelten. Eine gesonderte Ankündigung mit weiteren Informationen folgt in Kürze auf unserem Blog!

Jetzt opfert fleißig allen Göttern, die auch nur entfernt Einfluß auf das Wetter haben, damit es nun endlich angemessen warm und sonnig wird 🙂

Events und Veranstaltungen: Soldatenlager im Römerkastell Saalburg, 30.4.-1.5.2016

Saalburg

Das Römerkastell Saalburg im Taunus

Mit dem Mai steht uns ein veranstaltungsreicher Monat ins Haus – und den Auftakt macht (bei hoffentlich besserem Wetter als bei der IRM) das Soldatenlager im Römerkastell Saalburg.

Vom 30. April bis zum 1. Mai schlägt die Cohors III Vindelicorum ihr Lager im großen Limeskastell im Hochtaunus auf. Dieses Mal bringen sie noch einen besonderen Gast mit: die Legio VIII Augusta aus Autun in Frankreich. Dazu ist die „Stammtruppe“ der Saalburg vor Ort, die Cohors Secunda Raetorum, die ein Mitmach-Programm anbietet.

Zwei Tage lang zeigen die Soldaten den Alltag am Limes und das römische Soldatenleben. Neben der Vorstellung von Ausrüstung und Drill bringen sie auch einen originalgetreu ausgerüsteten römischen Reiter mit, der seinen Patrouillendienst am Limes zeigt.

Die Soldaten stehen für Fragen zur Verfügung und vermitteln sachkundige Informationen.

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Auch dieses Jahr dabei: Die Vindeliker-Kohorte (hier: Römermarkt 2015)

Außerdem kann man einen römischen Cornicen, einen Hornspieler, erleben, der die Schlachtfeldsignale des Centurio in akustische Signale umsetzte und dadurch die Truppen auf dem Schlachtfeld lenkte.

Das Programm richtet sich an alle Altergruppen.

Es gibt stündliche Führungen durch die Saalburg, dazu natürlich wie üblich römisches (und modernes) Essen in der Taberna.

Die Veranstaltung findet an beiden Tagen von 10-17 Uhr statt (der Archäologische Park und der Museumsshop sind schon ab 9 Uhr geöffnet). Der Eintritt beträgt 7€ für Erwachsene und 5€ für Kinder, der Erwerb einer Familienkarte ist möglich. Ansonsten gelten an diesem Tag keine Vergünstigungen. Alle Aktionen und Führungen sind im Preis inbegriffen.

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Außerhalb der Kastellmauern befinden sich die Reste des zivilen vicus

Wegen des sehr begrenzten Parkplatzangebots an der Saalburg bittet der Veranstalter darum, so weit möglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen (es gibt eine regelmäßig verkehrende Pendelbuslinie aus Bad Homburg vor der Höhe (Linie 5, bis Bushaltestelle Saalburg) und mit der Taunusbahn (Linie 15 bis Bahnhof Saalburg / Lochmühle, hier ist allerdings noch eine kurze Wanderung entlang des Limes notwendig).

Noch ein Hinweis: Besucher in Gewandung erhalten in der Saalburg generell keinen Einlass, also kommt in zeitgemäßem Zivil, damit Ihr nicht vor verschlossenen Toren steht!

Weitere Informationen auf der offiziellen Website des Saalburgmuseums.

Events & Veranstaltungen: IRM – Internationale Reenactment-Messe 2016 (23.-24.4.2016)

irm2016-plakat_A4redUnd wieder ist ein Jahr herum und ein langer, aber nicht allzu winterlicher Winter ist vorüber. Zeit, die neue Saison einzuläuten – und das geschieht wie immer auf dem ersten großen Event des Jahres: Der IRM.

Die sechste Internationale Reenactment-Messe  ist die Fachmesse für Geschichtsdarstellung und experimentelle Archäologie. Sie findet, wie jedes Jahr, im Archäologiepark Römische Villa Borg im Dreiländereck Saarland – Luxemburg – Frankreich statt.

Vom 23. bis zum 24. April stellen Handwerker, Händler und Hersteller von hochwertigem Reenactment-Bedarf sowie von Museumsrepliken ihre Waren vor. Dabei umfasst die Messe alle Epochen von der Steinzeit bis ins 19. Jahrhundert, wobei die Antike allerdings einen Schwerpunkt bildet.

Außerdem informieren archäologische Stellen, Ämter, Museen und Vereine über ihre Arbeit, so zum Beispiel der Freundeskreis Ringwall Otzenhausen e.V., das Landesamt Denkmalpflege Saarland, das Römermuseum Schwarzenacker oder das Grabungsprojekt Wareswald.

Wie jedes Jahr der obligatorische Hinweis: Wer Mittelalter-Tand, angeklebte Elfenohren und pseudo-germanische Devotionalien erwartet, wie man sie z.B. auf kommerziellen Mittelaltermärkten findet, ist hier falsch – hier wird Wert auf Authentizität gelegt, denn die Messe richtet sich an ein fachlich versiertes, geschichtsinteressiertes Publikum. Hier findet man stattdessen Ausrüstungsgegenstände für die Geschichtsdarstellung und museumspädagogische Ausstattung. Deswegen sind alle Aussteller handverlesen und belegen die Authentizität Ihrer Waren, bevor sie vom Veranstalter zur Messe zugelassen werden.

Da die Messe “von Aktiven” “für Aktive” gedacht ist, gilt sie gleichzeitig mit ihrem Termin Ende April als “inoffizieller Saisonstart” in die Reenactment-Saison, die von römischer Seite aus auch dieses Jahr wieder von zahlreichen großen und kleinen römischen Veranstaltungen, Römertagen und -festen geprägt ist.

In unserem Blog versorgen wir Euch regelmäßig mit Veranstaltungstipps, also schaut öfter bei uns vorbei!

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Eine perfekte Location für diese Messe: Die rekonstruierte römische Villa Borg

Neben der Möglichkeit, mit Händlern und Handwerkern ins Gespräch zu kommen und sich zu fairen Preisen mit neuer Ausrüstung und Zubehör einzudecken, sowie sich über archäologische Projekte und Gruppen zu informieren, bietet die Messe auch ein Rahmenprogramm aus Vorträgen, die sich thematisch mit Geschichte, Geschichtsdarstellung, sowie Geschichts- und Rekonstruktionsforschung befassen.

Das Programm für dieses Jahr ist hier einzusehen: Rahmenprogramm IRM 2016

22_IRM

Nicht nur Römer, sondern auch andere Epochen bis zum 19. Jahrhundert sind fachkundig vertreten

Für das leibliche Wohl sorgt die römische Taverne mit original römischer Küche. Samstag Abend wird zudem zwanglos gegrillt, wobei jeder sein Grillgut selbst mitbringen kann oder es für kleines Geld auf dem Gelände erwerben kann.

Übernachtungsmöglichkeiten in der Villa selbst sind den Ausstellern vorbehalten. Auf dem Gelände ist aber ein Bereich zum Zelten ausgewiesen, inklusive Stellmöglichkeiten für Wohnwagen (hier muß allerdings im Vorfeld zur besseren Planung reserviert werden!). Ansonsten bieten sich die zahlreichen touristisch attraktiven Orte im Umland für Übernachtungsmöglichkeiten an, sowohl im Saarland als auch an der luxemburgischen Mosel, die nur wenige Kilometer entfernt liegt.

Eine vollständige Ausstellerliste findet man – neben weiteren nützlichen Informationen – hier auf der Website der IRM!

Informationen über die (immer wieder sehens- und besuchenswerte!) Villa Borg auf der offiziellen Website des Archäologischen Parks.

Antike Stätten: Weihestein für Arduinna (Gey-Hürtgenwald)

06_Stein Gey

Der Weihstein für die Göttin Ardbinna

Anschrift:

Dürener Straße / Ecke Broicher Straße, 52393 Gey (Hürtgenwald)

Anfahrt:

Gey liegt im Hürtgenwald am Rande des Nationalparks Eifel und des Deutsch-Belgischen Nationalparks „Hohes Venn“ an der Bundesstraße B399, die von Düren zur belgischen Grenze führt.

Der Weihestein steht am Rande des zentralen Dorfplatzes zwischen Volksbank, Sparkasse, kleiner Grünanlage und Feuerwehr. Er ist die erste Station des „Ardbinna-Wanderwegs“, der auf zahlreichen Tafeln die (durch den 2. Weltkrieg weitgehend zerstörte) Geschichte des Ortes und der Umgebung erzählt.

Parkmöglichkeiten bestehen direkt am Dorfplatz bei der Sparkasse.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist Gey mit der Buslinie 286 aus Düren zu erreichen, der durch die verschiedenen Dörfer des Hürtgenwalds bis nach Vossenack fährt.

Hintergrund:

Eins vorweg – hier handelt es sich um keine „richtige“ antike Stätte; der Weihestein für die gallo-römische Göttin Arduinna (hier in der Schreibweise „Ardbinna“) ist eine Kopie. Das Original befindet sich im Rheinischen Landesmuseum Bonn. Weitere Kopien stehen in den Museen von Düren und Vossenack.

arduinna

Von Arduinna gibt es keine figürlichen Darstellungen; ob es sich bei dieser Figur um sie handelt, ist ungeklärt

Das Besondere an der Stelle ist jedoch, daß das Original des Weihesteins im Jahr 1859 bei Rodungsarbeiten bei Gey gefunden wurde und damit ein Beleg dafür ist, daß die Göttin Arduinna hier in dieser Region lokal verehrt wurde. Zu römischer Zeit zählte die Gegend des Eifelrandes zu den Ardennen im östlichen Gallien und war von einheimischen Kelten besiedelt. Die Schutzgöttin des großen Mittelgebirgswaldes der Ardennen spielte in diesem unwegsamen Gebiet, das sich durch dichte Wälder und enge, steile Flußtäler auszeichnet, eine wichtige Rolle.

Die Tatsache, daß der Stein in Gey gefunden wurde und zumindest als Replik auf dem Dorfplatz aufgestellt wurde, ist für uns Grund genug, diesen Ort in unserer Reise-Reihe „Antike Stätten“ aufzunehmen. Denn anders als Orte für z.B. Merkur, die man in unseren Breiten zahlreich findet, sind Original-Lokalitäten, an denen Arduinna verehrt wurde, sehr selten und deswegen auch besonders interessant. Deshalb geht es uns weniger um den Stein, als um die Region als solche, in der zu keltischer und römischer Zeit ihr Numen gewirkt hat.

Der Weihestein wurde von einem Julius T. Aequalis gestiftet, der damit seinen Dank gegenüber der Göttin zum Ausdruck brachte. Die Inschrift lautet:

DEAE ARDBINNAE T IVLIVS AEQVALIS S.L.M.

In der Übersetzung:

„Der Göttin Ardbinna gestiftet von T. Julius Aequalis. Er erfüllte damit gerne und nach Gebühr das Gelübde“.

04_Stein seitlich Gey

An der Seite finden sich Laubreliefs

Auf den Seiten des Weihesteins findet sich ein Laub-Relief, das ebenfalls die Beziehung zum Wald und zur Waldgöttin verdeutlicht.

Dem Namen nach handelte es sich bei dem Stifter des Steins um einen Römer oder um einen romanisierten keltischen Einheimischen, der einen römischen Namen angenommen hatte (was nicht ungewöhnlich war).

Genaues ist über T. Julius Aequalis nicht bekannt, aber aufgrund der Fundsituation wird folgendes gedeutet: Der Stein wurde in der Nähe zahlreicher Tonscherben, aber auch erhaltenem Tongeschirr wie Reibschalen, verglasten Schlacken, wie sie aus Brennöfen bekannt sind, und pilzförmigem Töpferwerkzeug gefunden. Daher nimmt man an, daß es sich bei dem Stifter um den Inhaber einer Töpferei handelte.

Da der Transport der empfindlichen Töpferwaren stets durch den unwegsamen Hürtgenwald erfolgte, dankte er der lokalen Waldgöttin Arduinna für die sichere Reise auf seinen Wegen. Die Töpferwaren aus Gey, die durch den Stempel der Herstellermanufaktur in Form einer Rosette erkennbar sind, wurden überregional gehandelt; ein Töpfergeschirr aus Gey wurde sogar im englischen Rochester gefunden. Deswegen tat Aequalis gut daran, sich an die lokale gallo-römische Schutzgöttin seiner Region zu wenden.

109_Kall_Trail

Eingebrannte Panzerketten im Hürtgenwald

Gey wurde im 2. Weltkrieg in der Allerseelenschlacht, der Schlacht um den Hürtgenwald im Rahmen der Ardennenoffensive im Winter 1944, zu 99% zerstört, wie viele andere Orte im Hürtgenwald auch. Im Wald ist  noch heute Minengefahr und kein Haus darf ohne vorherige Kampfmittelprüfung gebaut werden. Einen Reisebericht, den wir für eine unserer anderen Websites geschrieben haben, mit Hintergrundinformationen zum Hürtgenwald und auch dem Hürtgenwaldmuseum in Vossenack (wo neben dem 2. Weltkrieg auch etwas zur Jungsteinzeit und zur keltisch-römischen Vorgeschichte zu finden ist), möchten wir Euch an dieser Stelle gerne empfehlen.

112_Kall_Trail

Der Hürtgenwald ist landschaftlich reizvoll mit seinen engen, steilen Flußtälern (hier das Kalltal)

Da die Ortschaften des Hürtgenwaldes aufgrund der massiven Kriegsschäden allesamt nicht sonderlich „urig“, alt oder rustikal anmuten, sind sie heute sehr bemüht, sich ein neues Gesicht zu geben und ihre Geschichte wieder in Erinnerung zu rufen, damit auch der durch den Nationalpark Eifel gestiegene Tourismus in dieser Gegend Fuß fasst. Deshalb hat der Heimat-, Wander- und Verkehrsverein Gey-Straß e.V. im Jahr 2007 den „Ardbinna-Wanderweg“ angelegt, der mit informativen Tafeln die Geschichte der Orte Gey, Straß und Horm darstellt, von der Römerzeit über das Mittelalter bis zum 2. Weltkrieg. Der Ardbinna-Stein ist die erste Station dieses Weges.

Beschreibung:

Der Stein steht am Rande des Dorfplatzes nahe der Hauptstraße neben einem denkmalgeschützten Basalt-Wegekreuz aus dem Jahr 1767.

02_Stein und Kreuz Gey

Weihestein und Wegekreuz

Es handelt sich beim Weihestein um eine Replik, die in einem sehr guten Zustand ist (keine Schmierereien oder ähnliches, wie man an Dorfplätzen manchmal erlebt). Die Buchstaben der Inschrift sind farbig ausgemalt und gut zu lesen, so daß man eine gute Vorstellung davon bekommt, wie ein derartiger Weihestein aussah. Auch das Laubrelief an den Seiten des Steins ist deutlich erkennbar.

03_TafelGey

Ausführliche Infotafel

Links neben dem Stein befindet sich die Infotafel des Ardbinna-Wanderweges. Sie ist informativ gestaltet und enthält gut aufbereitete Hintergrundinformationen über die keltische Göttin, den Stifter, die Fundsituation des Steins und die Einordnung der Region in die römische Zeit. Auch die Inschrift des Steins wird erläutert und auf die belaubten Seiten des Steins hingewiesen. Abgesehen von der Tatsache, daß die Tafel etwas verwittert und von Wind und Wetter verschmutzt ist (was vielleicht daran liegt, daß wir so früh im Jahr dort waren und der Weg noch nicht für die anstehende Wandersaison vorbereitet wurde), ist die Beschriftung des Ardbinna-Wanderwegs vorbildlich. Ihm zu folgen, ist ebenfalls gut möglich, da er komplett ausgeschildert ist.

08_Wanderweg

Der Ardbinna-Wanderweg ist gut ausgeschildert

Gleich um die Ecke auf dem Dorfplatz befindet sich Station 2, die historische Aufnahmen von Gey vor dem 2. Weltkrieg zeigt, denn an dieser Stelle, an der sich heute der Platz befindet, lag ursprünglich die zerstörte Kirche des Ortes.

Für geschichtsinteressierte Besucher lohnt es sich, auch die anderen Stationen abzugehen.

Eintritt, Zugänglichkeit:

Der Weihestein steht offen und ist jederzeit frei zugänglich.

Sonstiges:

Fotografieren ist natürlich uneingeschränkt möglich.

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Das Hürtgenwald-Museum in Vossenack ist sehr empfehlenswert!

Wir empfehlen geschichtsinteressierten Besuchern unbedingt auch einen Besuch des Museums „Hürtgenwald 1944 und im Frieden“ in Vossenack, das vor allem die Zeit des 2. Weltkriegs in dieser Region sehr eindringlich und anschaulich präsentiert.

Achtung, es hat nur Sonntags von 11-17 Uhr geöffnet!

Antike Stätten: Die römische Eifelwasserleitung – der längste Aquädukt des Imperium Romanum

Die Aquäduktbrücke bei Mechernich-Vussem

Die Aquäduktbrücke bei Mechernich-Vussem

Ein 100 Kilometer langer römischer Ausflugstipp

Im letzten Sommer hatten wir, dank des „Tags des Offenen Denkmals“, die Gelegenheit, unsere Spurensuche entlang des „Römerkanals“ abzuschließen, die wir vor zwei Jahren begonnen haben.

Was erst einmal sehr technisch klingt, ist tatsächlich eine sehr interessante und spannende Angelegenheit und ein lohnenswertes, abwechslungsreiches Reiseziel! Deshalb möchten wir Euch in unserem Blog dieses Bauwerk, das mitten durch unsere schönen Provinzen läuft und auch heute noch in Teilstücken sehr gut erhalten ist, als besonderen römischen Ausflugstipp vorstellen.

Neben Hintergrundinformationen zu diesem beeindruckenden Baudenkmal stellen wir Euch in einer kleinen Reihe deshalb auch besonders sehenswerte Aufschlüsse entlang der ganzen Strecke vor.

Nicht zuletzt verläuft der gut ausgeschilderte und mit vielen Informationstafeln versehene „Römerkanal-Wanderweg“ in 7 Etappen entlang der gesamten Leitung und ist eine echte Wander-Alternative für den römisch interessanten Eifeltouristen – zumal diese Wanderung sehr gut mit weiteren in der direkten Umgebung liegenden römischen Sehenswürdigkeiten verbunden werden kann, wie dem römischen Straßendorf Marcomagus an der Via Agrippa mit seinem berühmten Matronentempeln und dem Kleinkastell an der Urft, das heute in den Archäologischen Landschaftspark Nettersheim eingebettet ist.

Wir werden Euch nicht mit allzuvielen technischen Informationen erschlagen, denn es gibt sehr gute Websites und Bücher zum Thema, die viel besser als wir das könnten, über römische Vermessungs- und Bautechnik Auskunft geben. Zum Beispiel bietet der Freundeskreis Römerkanal e.V. zahlreiche Vorträge, Publikationen (auch als PDF zum kostenlosen Download) und Exkursionen an.

20 Millionen Liter Trinkwasser für Köln… pro Tag!

Der Römerkanal - antike Ingenieurskunst, wie sie erst ab dem 19. Jahrhundert wieder erreicht wurde

Der Römerkanal – antike Ingenieurskunst, wie sie erst ab dem 19. Jahrhundert wieder erreicht wurde

Die römische Eifelwasserleitung von Nettersheim nach Köln war mit über 100 km Länge die größte Fernwasserleitung des Römischen Reichs und gilt auch heute noch als das größte römische Bauwerk nördlich der Alpen. Sie versorgte die Colonia Claudia Ara Agrippinensium, Hauptstadt der Provinz Germania inferior, aus der das heutige Köln hervorging, mit 20 Millionen Liter Trinkwasser… täglich!

Dabei überwand sie als reine Gefälleleitung die Berge und Wälder der Eifel, Flußtäler, die Wasserscheide zwischen Rhein und Maas und brachte bestes Eifelwasser durch unterirdische Leitungen und talüberspannende Aquäduktbrücken bis hinunter in die Kölner Bucht.

Im Römischen Reich hatte man besondere Ansprüche an das Trinkwasser, das man besonders kalkreich schätzte, im Gegensatz zum kalkarmen Wasser, das als geschmacklich langweilig und „labbrig“ empfunden wurde.

Das Wasser aus der Eifel, das in der Sötenicher Kalkmulde entspringt, entsprach deshalb genau den Vorlieben der Stadtbewohner von Köln. Nebenbei hatte es den besonderen Effekt, durch seinen hohen Kalkgehalt die aus Blei bestehenden Wasserleitungen innerhalb von kürzester Zeit von innen mit einer Kalksinterschicht zu überziehen und dadurch das giftige Blei zu neutralisieren.

Sonderausstellung

Sonderausstellung „Wasser für Roms Städte“ in Zülpich 2014

In Köln speiste das Wasser die öffentlichen Brunnen, die niemals weiter als 50 Meter auseinander lagen, die öffentlichen Latrinen, öffentliche Gebäude, Thermen und diejenigen Privathaushalte, die sich einen eigenen Wasseranschluß – inklusiver bronzener Wasserhähne für jederzeit verfügbares fließendes Wasser – leisten konnten. Die Brunnen der Stadt förderten ununterbrochen Wasser, so daß sie durch gelegentliches Übertreten gleichzeitig die Straßen spülten. Abwässer von Straße, Latrinen und Häusern wurden mit Brauchwasser in die unterirdische Kanalisation gespült und von dort in den Rhein abgeleitet.

Die Leitung begann bei Nettersheim im Urfttal auf 420 Metern Höhe NN am sogenannten „Grünen Pütz“. Sie verlief weiter entlang zum Fluß Kall, wo sich die Wasserscheide zwischen Maas und Rhein befindet. Im weiteren Verlauf folgte die Leitung dem Nordhang der Eifel bis zum Fluß Erft bei Euskirchen und von dort aus durch das Swisttal bis nach Rheinbach und Meckenheim. Im weiteren Verlauf passierte sie den Kottenforst nordwestlich von Bonn und das Vorgebirge vor Köln. Die letzte Etappe verlief im Bereich von Brühl und Hürth nach Köln, wo die Leitung in 10 Meter Höhe auf die Stadtmauer traf und von dort in ein kompliziertes Verteilsystem geleitet wurde.

Ein Meisterwerk römischer Bautechnik – von Soldaten errichtet

Antike Vermessungstechnik war in der Lage, eine 100 km lange Gefälleleitung mit konstantem 0,5%igem Gefälle zu errichten

Antike Vermessungstechnik war in der Lage, eine 100 km lange Gefälleleitung mit konstantem 0,1%igem Gefälle zu errichten

Entgegen landläufiger Vorstellungen waren römische Legionäre nicht ununterbrochen mit dem Sichern von Grenzen und dem Kämpfen gegen Barbarenhorden (oder gegeneinander in diversen Bürgerkriegen) beschäftigt. Stattdessen gehörten Bauvorhaben, insbesondere der Straßenbau und die Errichtung von Infrastruktur zur schnellen Versorgung in allen Winkeln des Reichs, zu ihren wichtigsten Aufgaben.

Deshalb fanden sich in ihren Reihen hochspezialisierte und gut ausgebildete Techniker, die sich auskannten mit Landvermessung, Konstruktion von Baugeräten wie Kränen, Pfahlrammen oder wasserbetriebenen Sägen, oder der Herstellung des römischen Betons (Opus caementicium – unser Begriff Zement geht darauf zurück), der selbst unter Wasser aushärten konnte und so stabil war, daß er bis heute hält und nur mit hohem technischen Aufwand zu beseitigen ist. Deswegen sind auch römische Brücken (wie die Brücken von Cordoba oder Trier) oft noch heute in Betrieb, während moderne Brücken und Straßen nach bereits einem heißen Sommer oder kalten Winter ihre ersten Verfallserscheinungen zeigen. Werkstoffanalysen haben gezeigt, daß römischer Beton auch den heutigen Normen für diesen Baustoff entsprochen hätte.

Der Kanal in Rundbogenbauweise

Der Kanal in Rundbogenbauweise

Die Wasserleitung wurde, von einigen steileren Teilstücken abgesehen, die zur Überwindung geographischer Hindernisse nötig waren, mit einem konstanten Gefälle von 0,1% gebaut – eine Leistung, die selbst in der heutigen Zeit mit lasergestützter Vermessungstechnik nur schwer zu vollbringen ist, insbesondere durch ein so wechselhaftes Gelände und über eine mehr als 100 Kilometer lange Strecke. An den wenigen Stellen, an denen ein steileres Gefälle vorhanden war, befanden sich Tosbecken, in die das Wasser stürzte und in denen es gebremst wurde. Daneben wurde eine Verringerung der Wassergeschwindigkeit in Absetzbecken genutzt, in denen sich Verunreinigungen, sowie Schweb- und Trübstoffe absetzten, bevor das Wasser seine gemächliche Reise nach Köln fortsetzte.

Die Leitung wurde in mehreren, voneinander unabhängigen Bauabschnitten – sogenannten Baulosen – zu je 15.000 römischen Fuß (ca. 4400 Metern) errichtet. Der Erdaushub und Materialtransport, der dafür notwendig war, war mit 4 Kubikmetern je laufendem Meter Leitung gigantisch. Hinzu kam das Mauerwerk, mit dem die Leitung in unterirdischen Schächten ummauert wurde, sowie der Innenputz, mit dem das Bauwerk verputzt war.

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