Mos Maiorum

Events und Veranstaltungen: Limes-Wandertag am 5.5.2016

Und wieder haben wir einen bewegungsreichen römischen Ausflugstipp für Euch. Wer an Christi Himmelfahrt (5. Mai 2016) eine Alternative zum Grölen mit dem Böllerwagen sucht, dem empfehlen wir eine besondere Veranstaltung am UNESCO Weltkulturerbe Limes!

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Start und Ziel des Wandertages: Die Römerwelt in Rheinbrohl

Traditionell findet am Beginn des Limes (caput limitis), ab Rheinbrohl im Westerwald, zu Christi Himmelfahrt der Limes-Wandertag statt. Er startet in der Römerwelt Rheinbrohl, wo die Teilnehmer eine Karte mit den einzelnen Stationen sowie einen Fragebogen für ein Quiz erhalten, das unterwegs ausgefüllt werden kann.

Die Wanderung folgt dem Verlauf des Limes, entlang am Limes-Lehrpfad, vorbei am hölzernen Limes-Wachturm IX, von dem aus man einen tollen Panoramablick über den Westerwald hat und an zahlreichen Stationen, an denen lehrreich der Limes, die Römerzeit und das Leben in der Antike vorgestellt wird.

Zu den Stationen des etwa 5 Kilometer langen Fußweges gehört Mulsum-Verkostung, es gibt einen Probierstand für römisches Brot mit Informationen über römischen Weinbau und Brotbacken, ein Römerlager der Cohorte XXVI, die sich immer um die Römerwelt und den Raum Rheinbrohl bemüht. Dort kann man auch Getränke kaufen und es gibt ein Mitmach-Programm für Kinder.

26_Römerwelt Rheinbrohl

Rekonstruktion des Limes im Innenhof der Römerwelt

Eine weitere Station demonstriert den Palisadenbau, ein römisches Katapult wird vorgestellt, in einem Kohlenmeiler wird die Herstellung von Holzkohle erklärt. Für Kinder schließt sich ein Kletterparcour an. An einer Waldhütte kann altes Werkzeug ausprobiert werden. Den Abschluß bildet ein Jagdhaus. Hier besteht auch die Möglichkeit, mit einem Planwagen zurück zur Römerwelt zu fahren, sowie zum Essen und Trinken.

Der Start- und Zielpunkt der Wanderung, die Römerwelt Rheinbrohl, ist ein sehenswertes Mitmach- und Erlebnismuseum.

Der Limes-Wandertag ist immer eine handfeste Möglichkeit, das eigentlich etwas schwer zu vermittelnde Bodendenkmal anschaulich zu erleben. Das Programm ist abwechslungsreich und die Route interessant gestaltet.

Festes Schuhwerk wird empfohlen, es geht durch den Wald und einige Steigungen sind ebenfalls zu überwinden. Alles in allem ist der Weg aber nicht allzu schwierig, sondern familientauglich. Veranstaltet wird der Limes-Wandertag von der Ortsgemeinde Rheinbrohl und dem Verein Freunde des Limes.

Gestartet werden kann ab Römerwelt Rheinbrohl zwischen 9 Uhr und 11:30 Uhr.

Übrigens, wer an diesem Termin keine Zeit hat oder gar nicht genug von der Römerwelt und dem Limes bekommt: Am darauffolgenden Wochenende (7.-8. Mai 2016) finden in der Römerwelt die alljährlichen „Römertage“ statt, die dieses Jahr unter dem Motto stehen: „Die Kelten kommen“ – mit einer Zeitreise von den Hallstatt- bis zu den Hunsrückkelten. Eine gesonderte Ankündigung mit weiteren Informationen folgt in Kürze auf unserem Blog!

Jetzt opfert fleißig allen Göttern, die auch nur entfernt Einfluß auf das Wetter haben, damit es nun endlich angemessen warm und sonnig wird 🙂

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Events und Veranstaltungen: Soldatenlager im Römerkastell Saalburg, 30.4.-1.5.2016

Saalburg

Das Römerkastell Saalburg im Taunus

Mit dem Mai steht uns ein veranstaltungsreicher Monat ins Haus – und den Auftakt macht (bei hoffentlich besserem Wetter als bei der IRM) das Soldatenlager im Römerkastell Saalburg.

Vom 30. April bis zum 1. Mai schlägt die Cohors III Vindelicorum ihr Lager im großen Limeskastell im Hochtaunus auf. Dieses Mal bringen sie noch einen besonderen Gast mit: die Legio VIII Augusta aus Autun in Frankreich. Dazu ist die „Stammtruppe“ der Saalburg vor Ort, die Cohors Secunda Raetorum, die ein Mitmach-Programm anbietet.

Zwei Tage lang zeigen die Soldaten den Alltag am Limes und das römische Soldatenleben. Neben der Vorstellung von Ausrüstung und Drill bringen sie auch einen originalgetreu ausgerüsteten römischen Reiter mit, der seinen Patrouillendienst am Limes zeigt.

Die Soldaten stehen für Fragen zur Verfügung und vermitteln sachkundige Informationen.

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Auch dieses Jahr dabei: Die Vindeliker-Kohorte (hier: Römermarkt 2015)

Außerdem kann man einen römischen Cornicen, einen Hornspieler, erleben, der die Schlachtfeldsignale des Centurio in akustische Signale umsetzte und dadurch die Truppen auf dem Schlachtfeld lenkte.

Das Programm richtet sich an alle Altergruppen.

Es gibt stündliche Führungen durch die Saalburg, dazu natürlich wie üblich römisches (und modernes) Essen in der Taberna.

Die Veranstaltung findet an beiden Tagen von 10-17 Uhr statt (der Archäologische Park und der Museumsshop sind schon ab 9 Uhr geöffnet). Der Eintritt beträgt 7€ für Erwachsene und 5€ für Kinder, der Erwerb einer Familienkarte ist möglich. Ansonsten gelten an diesem Tag keine Vergünstigungen. Alle Aktionen und Führungen sind im Preis inbegriffen.

36_Römerkastell Saalburg

Außerhalb der Kastellmauern befinden sich die Reste des zivilen vicus

Wegen des sehr begrenzten Parkplatzangebots an der Saalburg bittet der Veranstalter darum, so weit möglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen (es gibt eine regelmäßig verkehrende Pendelbuslinie aus Bad Homburg vor der Höhe (Linie 5, bis Bushaltestelle Saalburg) und mit der Taunusbahn (Linie 15 bis Bahnhof Saalburg / Lochmühle, hier ist allerdings noch eine kurze Wanderung entlang des Limes notwendig).

Noch ein Hinweis: Besucher in Gewandung erhalten in der Saalburg generell keinen Einlass, also kommt in zeitgemäßem Zivil, damit Ihr nicht vor verschlossenen Toren steht!

Weitere Informationen auf der offiziellen Website des Saalburgmuseums.

Events & Veranstaltungen: IRM – Internationale Reenactment-Messe 2016 (23.-24.4.2016)

irm2016-plakat_A4redUnd wieder ist ein Jahr herum und ein langer, aber nicht allzu winterlicher Winter ist vorüber. Zeit, die neue Saison einzuläuten – und das geschieht wie immer auf dem ersten großen Event des Jahres: Der IRM.

Die sechste Internationale Reenactment-Messe  ist die Fachmesse für Geschichtsdarstellung und experimentelle Archäologie. Sie findet, wie jedes Jahr, im Archäologiepark Römische Villa Borg im Dreiländereck Saarland – Luxemburg – Frankreich statt.

Vom 23. bis zum 24. April stellen Handwerker, Händler und Hersteller von hochwertigem Reenactment-Bedarf sowie von Museumsrepliken ihre Waren vor. Dabei umfasst die Messe alle Epochen von der Steinzeit bis ins 19. Jahrhundert, wobei die Antike allerdings einen Schwerpunkt bildet.

Außerdem informieren archäologische Stellen, Ämter, Museen und Vereine über ihre Arbeit, so zum Beispiel der Freundeskreis Ringwall Otzenhausen e.V., das Landesamt Denkmalpflege Saarland, das Römermuseum Schwarzenacker oder das Grabungsprojekt Wareswald.

Wie jedes Jahr der obligatorische Hinweis: Wer Mittelalter-Tand, angeklebte Elfenohren und pseudo-germanische Devotionalien erwartet, wie man sie z.B. auf kommerziellen Mittelaltermärkten findet, ist hier falsch – hier wird Wert auf Authentizität gelegt, denn die Messe richtet sich an ein fachlich versiertes, geschichtsinteressiertes Publikum. Hier findet man stattdessen Ausrüstungsgegenstände für die Geschichtsdarstellung und museumspädagogische Ausstattung. Deswegen sind alle Aussteller handverlesen und belegen die Authentizität Ihrer Waren, bevor sie vom Veranstalter zur Messe zugelassen werden.

Da die Messe “von Aktiven” “für Aktive” gedacht ist, gilt sie gleichzeitig mit ihrem Termin Ende April als “inoffizieller Saisonstart” in die Reenactment-Saison, die von römischer Seite aus auch dieses Jahr wieder von zahlreichen großen und kleinen römischen Veranstaltungen, Römertagen und -festen geprägt ist.

In unserem Blog versorgen wir Euch regelmäßig mit Veranstaltungstipps, also schaut öfter bei uns vorbei!

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Eine perfekte Location für diese Messe: Die rekonstruierte römische Villa Borg

Neben der Möglichkeit, mit Händlern und Handwerkern ins Gespräch zu kommen und sich zu fairen Preisen mit neuer Ausrüstung und Zubehör einzudecken, sowie sich über archäologische Projekte und Gruppen zu informieren, bietet die Messe auch ein Rahmenprogramm aus Vorträgen, die sich thematisch mit Geschichte, Geschichtsdarstellung, sowie Geschichts- und Rekonstruktionsforschung befassen.

Das Programm für dieses Jahr ist hier einzusehen: Rahmenprogramm IRM 2016

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Nicht nur Römer, sondern auch andere Epochen bis zum 19. Jahrhundert sind fachkundig vertreten

Für das leibliche Wohl sorgt die römische Taverne mit original römischer Küche. Samstag Abend wird zudem zwanglos gegrillt, wobei jeder sein Grillgut selbst mitbringen kann oder es für kleines Geld auf dem Gelände erwerben kann.

Übernachtungsmöglichkeiten in der Villa selbst sind den Ausstellern vorbehalten. Auf dem Gelände ist aber ein Bereich zum Zelten ausgewiesen, inklusive Stellmöglichkeiten für Wohnwagen (hier muß allerdings im Vorfeld zur besseren Planung reserviert werden!). Ansonsten bieten sich die zahlreichen touristisch attraktiven Orte im Umland für Übernachtungsmöglichkeiten an, sowohl im Saarland als auch an der luxemburgischen Mosel, die nur wenige Kilometer entfernt liegt.

Eine vollständige Ausstellerliste findet man – neben weiteren nützlichen Informationen – hier auf der Website der IRM!

Informationen über die (immer wieder sehens- und besuchenswerte!) Villa Borg auf der offiziellen Website des Archäologischen Parks.

Antike Stätten: Weihestein für Arduinna (Gey-Hürtgenwald)

06_Stein Gey

Der Weihstein für die Göttin Ardbinna

Anschrift:

Dürener Straße / Ecke Broicher Straße, 52393 Gey (Hürtgenwald)

Anfahrt:

Gey liegt im Hürtgenwald am Rande des Nationalparks Eifel und des Deutsch-Belgischen Nationalparks „Hohes Venn“ an der Bundesstraße B399, die von Düren zur belgischen Grenze führt.

Der Weihestein steht am Rande des zentralen Dorfplatzes zwischen Volksbank, Sparkasse, kleiner Grünanlage und Feuerwehr. Er ist die erste Station des „Ardbinna-Wanderwegs“, der auf zahlreichen Tafeln die (durch den 2. Weltkrieg weitgehend zerstörte) Geschichte des Ortes und der Umgebung erzählt.

Parkmöglichkeiten bestehen direkt am Dorfplatz bei der Sparkasse.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist Gey mit der Buslinie 286 aus Düren zu erreichen, der durch die verschiedenen Dörfer des Hürtgenwalds bis nach Vossenack fährt.

Hintergrund:

Eins vorweg – hier handelt es sich um keine „richtige“ antike Stätte; der Weihestein für die gallo-römische Göttin Arduinna (hier in der Schreibweise „Ardbinna“) ist eine Kopie. Das Original befindet sich im Rheinischen Landesmuseum Bonn. Weitere Kopien stehen in den Museen von Düren und Vossenack.

arduinna

Von Arduinna gibt es keine figürlichen Darstellungen; ob es sich bei dieser Figur um sie handelt, ist ungeklärt

Das Besondere an der Stelle ist jedoch, daß das Original des Weihesteins im Jahr 1859 bei Rodungsarbeiten bei Gey gefunden wurde und damit ein Beleg dafür ist, daß die Göttin Arduinna hier in dieser Region lokal verehrt wurde. Zu römischer Zeit zählte die Gegend des Eifelrandes zu den Ardennen im östlichen Gallien und war von einheimischen Kelten besiedelt. Die Schutzgöttin des großen Mittelgebirgswaldes der Ardennen spielte in diesem unwegsamen Gebiet, das sich durch dichte Wälder und enge, steile Flußtäler auszeichnet, eine wichtige Rolle.

Die Tatsache, daß der Stein in Gey gefunden wurde und zumindest als Replik auf dem Dorfplatz aufgestellt wurde, ist für uns Grund genug, diesen Ort in unserer Reise-Reihe „Antike Stätten“ aufzunehmen. Denn anders als Orte für z.B. Merkur, die man in unseren Breiten zahlreich findet, sind Original-Lokalitäten, an denen Arduinna verehrt wurde, sehr selten und deswegen auch besonders interessant. Deshalb geht es uns weniger um den Stein, als um die Region als solche, in der zu keltischer und römischer Zeit ihr Numen gewirkt hat.

Der Weihestein wurde von einem Julius T. Aequalis gestiftet, der damit seinen Dank gegenüber der Göttin zum Ausdruck brachte. Die Inschrift lautet:

DEAE ARDBINNAE T IVLIVS AEQVALIS S.L.M.

In der Übersetzung:

„Der Göttin Ardbinna gestiftet von T. Julius Aequalis. Er erfüllte damit gerne und nach Gebühr das Gelübde“.

04_Stein seitlich Gey

An der Seite finden sich Laubreliefs

Auf den Seiten des Weihesteins findet sich ein Laub-Relief, das ebenfalls die Beziehung zum Wald und zur Waldgöttin verdeutlicht.

Dem Namen nach handelte es sich bei dem Stifter des Steins um einen Römer oder um einen romanisierten keltischen Einheimischen, der einen römischen Namen angenommen hatte (was nicht ungewöhnlich war).

Genaues ist über T. Julius Aequalis nicht bekannt, aber aufgrund der Fundsituation wird folgendes gedeutet: Der Stein wurde in der Nähe zahlreicher Tonscherben, aber auch erhaltenem Tongeschirr wie Reibschalen, verglasten Schlacken, wie sie aus Brennöfen bekannt sind, und pilzförmigem Töpferwerkzeug gefunden. Daher nimmt man an, daß es sich bei dem Stifter um den Inhaber einer Töpferei handelte.

Da der Transport der empfindlichen Töpferwaren stets durch den unwegsamen Hürtgenwald erfolgte, dankte er der lokalen Waldgöttin Arduinna für die sichere Reise auf seinen Wegen. Die Töpferwaren aus Gey, die durch den Stempel der Herstellermanufaktur in Form einer Rosette erkennbar sind, wurden überregional gehandelt; ein Töpfergeschirr aus Gey wurde sogar im englischen Rochester gefunden. Deswegen tat Aequalis gut daran, sich an die lokale gallo-römische Schutzgöttin seiner Region zu wenden.

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Eingebrannte Panzerketten im Hürtgenwald

Gey wurde im 2. Weltkrieg in der Allerseelenschlacht, der Schlacht um den Hürtgenwald im Rahmen der Ardennenoffensive im Winter 1944, zu 99% zerstört, wie viele andere Orte im Hürtgenwald auch. Im Wald ist  noch heute Minengefahr und kein Haus darf ohne vorherige Kampfmittelprüfung gebaut werden. Einen Reisebericht, den wir für eine unserer anderen Websites geschrieben haben, mit Hintergrundinformationen zum Hürtgenwald und auch dem Hürtgenwaldmuseum in Vossenack (wo neben dem 2. Weltkrieg auch etwas zur Jungsteinzeit und zur keltisch-römischen Vorgeschichte zu finden ist), möchten wir Euch an dieser Stelle gerne empfehlen.

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Der Hürtgenwald ist landschaftlich reizvoll mit seinen engen, steilen Flußtälern (hier das Kalltal)

Da die Ortschaften des Hürtgenwaldes aufgrund der massiven Kriegsschäden allesamt nicht sonderlich „urig“, alt oder rustikal anmuten, sind sie heute sehr bemüht, sich ein neues Gesicht zu geben und ihre Geschichte wieder in Erinnerung zu rufen, damit auch der durch den Nationalpark Eifel gestiegene Tourismus in dieser Gegend Fuß fasst. Deshalb hat der Heimat-, Wander- und Verkehrsverein Gey-Straß e.V. im Jahr 2007 den „Ardbinna-Wanderweg“ angelegt, der mit informativen Tafeln die Geschichte der Orte Gey, Straß und Horm darstellt, von der Römerzeit über das Mittelalter bis zum 2. Weltkrieg. Der Ardbinna-Stein ist die erste Station dieses Weges.

Beschreibung:

Der Stein steht am Rande des Dorfplatzes nahe der Hauptstraße neben einem denkmalgeschützten Basalt-Wegekreuz aus dem Jahr 1767.

02_Stein und Kreuz Gey

Weihestein und Wegekreuz

Es handelt sich beim Weihestein um eine Replik, die in einem sehr guten Zustand ist (keine Schmierereien oder ähnliches, wie man an Dorfplätzen manchmal erlebt). Die Buchstaben der Inschrift sind farbig ausgemalt und gut zu lesen, so daß man eine gute Vorstellung davon bekommt, wie ein derartiger Weihestein aussah. Auch das Laubrelief an den Seiten des Steins ist deutlich erkennbar.

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Ausführliche Infotafel

Links neben dem Stein befindet sich die Infotafel des Ardbinna-Wanderweges. Sie ist informativ gestaltet und enthält gut aufbereitete Hintergrundinformationen über die keltische Göttin, den Stifter, die Fundsituation des Steins und die Einordnung der Region in die römische Zeit. Auch die Inschrift des Steins wird erläutert und auf die belaubten Seiten des Steins hingewiesen. Abgesehen von der Tatsache, daß die Tafel etwas verwittert und von Wind und Wetter verschmutzt ist (was vielleicht daran liegt, daß wir so früh im Jahr dort waren und der Weg noch nicht für die anstehende Wandersaison vorbereitet wurde), ist die Beschriftung des Ardbinna-Wanderwegs vorbildlich. Ihm zu folgen, ist ebenfalls gut möglich, da er komplett ausgeschildert ist.

08_Wanderweg

Der Ardbinna-Wanderweg ist gut ausgeschildert

Gleich um die Ecke auf dem Dorfplatz befindet sich Station 2, die historische Aufnahmen von Gey vor dem 2. Weltkrieg zeigt, denn an dieser Stelle, an der sich heute der Platz befindet, lag ursprünglich die zerstörte Kirche des Ortes.

Für geschichtsinteressierte Besucher lohnt es sich, auch die anderen Stationen abzugehen.

Eintritt, Zugänglichkeit:

Der Weihestein steht offen und ist jederzeit frei zugänglich.

Sonstiges:

Fotografieren ist natürlich uneingeschränkt möglich.

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Das Hürtgenwald-Museum in Vossenack ist sehr empfehlenswert!

Wir empfehlen geschichtsinteressierten Besuchern unbedingt auch einen Besuch des Museums „Hürtgenwald 1944 und im Frieden“ in Vossenack, das vor allem die Zeit des 2. Weltkriegs in dieser Region sehr eindringlich und anschaulich präsentiert.

Achtung, es hat nur Sonntags von 11-17 Uhr geöffnet!

Antike Stätten: Die römische Eifelwasserleitung – der längste Aquädukt des Imperium Romanum

Die Aquäduktbrücke bei Mechernich-Vussem

Die Aquäduktbrücke bei Mechernich-Vussem

Ein 100 Kilometer langer römischer Ausflugstipp

Im letzten Sommer hatten wir, dank des „Tags des Offenen Denkmals“, die Gelegenheit, unsere Spurensuche entlang des „Römerkanals“ abzuschließen, die wir vor zwei Jahren begonnen haben.

Was erst einmal sehr technisch klingt, ist tatsächlich eine sehr interessante und spannende Angelegenheit und ein lohnenswertes, abwechslungsreiches Reiseziel! Deshalb möchten wir Euch in unserem Blog dieses Bauwerk, das mitten durch unsere schönen Provinzen läuft und auch heute noch in Teilstücken sehr gut erhalten ist, als besonderen römischen Ausflugstipp vorstellen.

Neben Hintergrundinformationen zu diesem beeindruckenden Baudenkmal stellen wir Euch in einer kleinen Reihe deshalb auch besonders sehenswerte Aufschlüsse entlang der ganzen Strecke vor.

Nicht zuletzt verläuft der gut ausgeschilderte und mit vielen Informationstafeln versehene „Römerkanal-Wanderweg“ in 7 Etappen entlang der gesamten Leitung und ist eine echte Wander-Alternative für den römisch interessanten Eifeltouristen – zumal diese Wanderung sehr gut mit weiteren in der direkten Umgebung liegenden römischen Sehenswürdigkeiten verbunden werden kann, wie dem römischen Straßendorf Marcomagus an der Via Agrippa mit seinem berühmten Matronentempeln und dem Kleinkastell an der Urft, das heute in den Archäologischen Landschaftspark Nettersheim eingebettet ist.

Wir werden Euch nicht mit allzuvielen technischen Informationen erschlagen, denn es gibt sehr gute Websites und Bücher zum Thema, die viel besser als wir das könnten, über römische Vermessungs- und Bautechnik Auskunft geben. Zum Beispiel bietet der Freundeskreis Römerkanal e.V. zahlreiche Vorträge, Publikationen (auch als PDF zum kostenlosen Download) und Exkursionen an.

20 Millionen Liter Trinkwasser für Köln… pro Tag!

Der Römerkanal - antike Ingenieurskunst, wie sie erst ab dem 19. Jahrhundert wieder erreicht wurde

Der Römerkanal – antike Ingenieurskunst, wie sie erst ab dem 19. Jahrhundert wieder erreicht wurde

Die römische Eifelwasserleitung von Nettersheim nach Köln war mit über 100 km Länge die größte Fernwasserleitung des Römischen Reichs und gilt auch heute noch als das größte römische Bauwerk nördlich der Alpen. Sie versorgte die Colonia Claudia Ara Agrippinensium, Hauptstadt der Provinz Germania inferior, aus der das heutige Köln hervorging, mit 20 Millionen Liter Trinkwasser… täglich!

Dabei überwand sie als reine Gefälleleitung die Berge und Wälder der Eifel, Flußtäler, die Wasserscheide zwischen Rhein und Maas und brachte bestes Eifelwasser durch unterirdische Leitungen und talüberspannende Aquäduktbrücken bis hinunter in die Kölner Bucht.

Im Römischen Reich hatte man besondere Ansprüche an das Trinkwasser, das man besonders kalkreich schätzte, im Gegensatz zum kalkarmen Wasser, das als geschmacklich langweilig und „labbrig“ empfunden wurde.

Das Wasser aus der Eifel, das in der Sötenicher Kalkmulde entspringt, entsprach deshalb genau den Vorlieben der Stadtbewohner von Köln. Nebenbei hatte es den besonderen Effekt, durch seinen hohen Kalkgehalt die aus Blei bestehenden Wasserleitungen innerhalb von kürzester Zeit von innen mit einer Kalksinterschicht zu überziehen und dadurch das giftige Blei zu neutralisieren.

Sonderausstellung

Sonderausstellung „Wasser für Roms Städte“ in Zülpich 2014

In Köln speiste das Wasser die öffentlichen Brunnen, die niemals weiter als 50 Meter auseinander lagen, die öffentlichen Latrinen, öffentliche Gebäude, Thermen und diejenigen Privathaushalte, die sich einen eigenen Wasseranschluß – inklusiver bronzener Wasserhähne für jederzeit verfügbares fließendes Wasser – leisten konnten. Die Brunnen der Stadt förderten ununterbrochen Wasser, so daß sie durch gelegentliches Übertreten gleichzeitig die Straßen spülten. Abwässer von Straße, Latrinen und Häusern wurden mit Brauchwasser in die unterirdische Kanalisation gespült und von dort in den Rhein abgeleitet.

Die Leitung begann bei Nettersheim im Urfttal auf 420 Metern Höhe NN am sogenannten „Grünen Pütz“. Sie verlief weiter entlang zum Fluß Kall, wo sich die Wasserscheide zwischen Maas und Rhein befindet. Im weiteren Verlauf folgte die Leitung dem Nordhang der Eifel bis zum Fluß Erft bei Euskirchen und von dort aus durch das Swisttal bis nach Rheinbach und Meckenheim. Im weiteren Verlauf passierte sie den Kottenforst nordwestlich von Bonn und das Vorgebirge vor Köln. Die letzte Etappe verlief im Bereich von Brühl und Hürth nach Köln, wo die Leitung in 10 Meter Höhe auf die Stadtmauer traf und von dort in ein kompliziertes Verteilsystem geleitet wurde.

Ein Meisterwerk römischer Bautechnik – von Soldaten errichtet

Antike Vermessungstechnik war in der Lage, eine 100 km lange Gefälleleitung mit konstantem 0,5%igem Gefälle zu errichten

Antike Vermessungstechnik war in der Lage, eine 100 km lange Gefälleleitung mit konstantem 0,1%igem Gefälle zu errichten

Entgegen landläufiger Vorstellungen waren römische Legionäre nicht ununterbrochen mit dem Sichern von Grenzen und dem Kämpfen gegen Barbarenhorden (oder gegeneinander in diversen Bürgerkriegen) beschäftigt. Stattdessen gehörten Bauvorhaben, insbesondere der Straßenbau und die Errichtung von Infrastruktur zur schnellen Versorgung in allen Winkeln des Reichs, zu ihren wichtigsten Aufgaben.

Deshalb fanden sich in ihren Reihen hochspezialisierte und gut ausgebildete Techniker, die sich auskannten mit Landvermessung, Konstruktion von Baugeräten wie Kränen, Pfahlrammen oder wasserbetriebenen Sägen, oder der Herstellung des römischen Betons (Opus caementicium – unser Begriff Zement geht darauf zurück), der selbst unter Wasser aushärten konnte und so stabil war, daß er bis heute hält und nur mit hohem technischen Aufwand zu beseitigen ist. Deswegen sind auch römische Brücken (wie die Brücken von Cordoba oder Trier) oft noch heute in Betrieb, während moderne Brücken und Straßen nach bereits einem heißen Sommer oder kalten Winter ihre ersten Verfallserscheinungen zeigen. Werkstoffanalysen haben gezeigt, daß römischer Beton auch den heutigen Normen für diesen Baustoff entsprochen hätte.

Der Kanal in Rundbogenbauweise

Der Kanal in Rundbogenbauweise

Die Wasserleitung wurde, von einigen steileren Teilstücken abgesehen, die zur Überwindung geographischer Hindernisse nötig waren, mit einem konstanten Gefälle von 0,1% gebaut – eine Leistung, die selbst in der heutigen Zeit mit lasergestützter Vermessungstechnik nur schwer zu vollbringen ist, insbesondere durch ein so wechselhaftes Gelände und über eine mehr als 100 Kilometer lange Strecke. An den wenigen Stellen, an denen ein steileres Gefälle vorhanden war, befanden sich Tosbecken, in die das Wasser stürzte und in denen es gebremst wurde. Daneben wurde eine Verringerung der Wassergeschwindigkeit in Absetzbecken genutzt, in denen sich Verunreinigungen, sowie Schweb- und Trübstoffe absetzten, bevor das Wasser seine gemächliche Reise nach Köln fortsetzte.

Die Leitung wurde in mehreren, voneinander unabhängigen Bauabschnitten – sogenannten Baulosen – zu je 15.000 römischen Fuß (ca. 4400 Metern) errichtet. Der Erdaushub und Materialtransport, der dafür notwendig war, war mit 4 Kubikmetern je laufendem Meter Leitung gigantisch. Hinzu kam das Mauerwerk, mit dem die Leitung in unterirdischen Schächten ummauert wurde, sowie der Innenputz, mit dem das Bauwerk verputzt war.

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Museen und Antike Stätten: Römerhalle Bad Kreuznach

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Blick von oben in die Römerhalle

Anschrift:

Hüffelsheimer Str. 11, 55545 Bad Kreuznach.

Anfahrt:

Die Kurstadt Bad Kreuznach liegt in Rheinland-Pfalz zwischen Hunsrück und Rheinhessen in der Nähe von Bingen.

Die Römerhalle liegt etwas außerhalb des Ortskerns in der Scheune des ehemaligen Ritterguts Bangert hinter dem Schloßpark, wo sich auch das Museum für Puppentheaterkultur, ein historisches Cafe, das Stadtarchiv und das Schloßparkmuseum befinden.

Das Rittergut Bangert mit seinen zahlreichen Kulturstätten verfügt über einen eigenen Parkplatz, Parkmöglichkeiten sind aber auch überall in der Nähe zu finden.

Mit dem öffentlichen Nahverkehr ist das Museum ebenfalls gut zu erreichen; Bad Kreuznach verfügt über einen Bahnhof, von dort verkehrt die Buslinie 203 Richtung Agnesienberg, Ausstieg an der Haltestelle „Schlossparkmuseum“.

Hintergrundinformationen:

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Bad Kreuznach zu römischer Zeit

Bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. befand sich an der Stelle des heutigen Bad Kreuznach eine keltische Siedlung, deren Existenz archäologisch nachgewiesen ist.

Im Jahr 58 v. Chr., im Rahmen des Gallischen Krieges, wurde das Gebiet Teil des Römischen Reiches. Hier befand sich bald ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, an dem sich mehrere römische Überlandstraßen kreuzten und wo sich im Umfeld eines Kastells ein ziviler römischer Vicus bildete. Hinweise deuten auch auf ein Mercurius- und Maia-Heiligtum sowie auf ein gallo-römisches Provinztheater.

Bei Bad Kreuznach kreuzte sich die römische Schnellstraße von Metz (Divodurum), entlang der Saar über Contiomagus bis nach Bingen am Rhein (Bingium) mit Straßen nach Mainz (Mogontiacum, Provinzhauptstadt von Germania superior), Trier (Augusta Treverorum) und Belginum.

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Modell der Palastvilla von Bad Kreuznach

Im 2. Jahrhundert n. Chr. wurde an einem Südhang des Ellerbachtals, mit Panoramablick auf den Fluß und das Umland, eine gigantische Peristylvilla errichtet. Ihre Dimensionen waren so gewaltig, daß sie weit über das, was man weithin als „Villa Rustica“ bezeichnet, hinausgingen. Es handelte sich weniger um ein luxuriöses Landgut, als um eine Art Landschloß.

Das vierflügelige Gebäude war um einen Innenhof herum ausgerichtet. Es hatte drei Stockwerke, wovon alleine das Erdgeschoß über 50 Zimmer und großzügige Empfangshallen aufwies.

Die Fenster waren verglast, die wichtigsten Räume mit Hypokausten-Fußbodenheizung ausgestattet. Eigene Thermen, eine mehrsitzige Latrine und große Küche, aufwendige und kostspielige Wand- und Deckenmalereien im stadtrömischen Stil, große Fußbodenmosaike, Springbrunnen und eine Ver- und Entsorgung mit fließendem Wasser zeugten vom hohen Lebensstandard der Bewohner. Mit Szenen aus griechischen Tragödien und Komödien wollte der Besitzer möglicherweise seinem Bildungsstand gemäß sein Profil als Kulturkenner zum Ausdruck bringen; daß die Villa repräsentativen Charakter hatte, steht ganz außer Frage.

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Das Oceanus-Cernunnos-Mosaik

Schon im 18. Jahrhundert war bekannt, daß sich an dieser Stelle einmal ein römisches Bauwerk befunden hatte. Ein 58 qm großes, beheizbares (!) Gladiatorenmosaik wurde 1893 entdeckt. Seit dieser Zeit wurde an der Stelle archäologisch geforscht, doch zu ersten systematischen Ausgrabungen kam es erst mit der Entdeckung eines Oceanus-Cernunnos-Mosaiks im Jahr 1966. Freigelegt und untersucht wurde das Gebäude zwischen den Jahren 1975 und 1980 unter Leitung des Archäologen Dr. Gerhard Rupprecht.

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Hypokausten der Fußbodenheizung

Es ist nicht genau bekannt, wer der Besitzer dieser Luxusvilla war; Deutungen über den Besitzer stützen sich auf Indizien, die aus Bau, Ausstattung und Funden der Villa hervorgehen. Er wird jedoch nirgendwo namentlich erwähnt.

Es wird davon ausgegangen, daß es sich um einen hochrangigen Verwaltungsbeamten oder erfolgreichen Geschäftsmann handelte, der möglicherweise in der eine Tagesreise entfernten Provinzhauptstadt Mogontiacum seinen Geschäften nachging und sich gerne auf sein Landschloß zurückzog, um dort im repräsentativen Rahmen Gäste oder Geschäftspartner zu empfangen, zu arbeiten oder zu entspannen.

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Eine Sammlung von Weihesteinen

Ulrike Ehming geht in ihrer Arbeit „Der Besitzer der Bad Kreuznacher Peristylvilla  – ein Händler ostmediterraner Lebensmittel?“ (Münstersche Beiträge zur antiken Handelsgeschichte, Bd. XXIV, 2, 2005) der Frage nach, ob es sich bei dem Besitzer möglicherweise um einen Händler mit teuren Luxusgütern handelte, der frische Meeresfrüche, Austern, Garum, Olivenöl und andere teure Waren aus dem mediterranen Raum nach Gallien brachte. Hierbei stützt sie sich vor allem auf die detaillierten Darstellungen der großflächigen Mosaike in den Empfangssälen, die zu den besterhaltendsten und bedeutendsten Mosaiken nördlich der Alpen gehören, sowie auf Amphoren.

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Blick auf das Gladiatoren-Mosaik

Die Villa wurde im späten 3. Jahrhundert n. Chr. zerstört, wahrscheinlich im Zuge der Frankeneinfälle. Während des 4. Jahrhunderts wurde der Nordflügel der Villa kurzzeitig wieder genutzt, jedoch eher als Festung gegen die immer wieder einfallenden Franken, denn als Luxuswohnanlage. Nach kurzer Zeit wurde das Gebäude dann ganz aufgegeben.

Heute sind die ausgegrabenen Reste der Villa in die „Römerhalle“ integriert, die ehemalige Scheune eines Rittergutes. Während die Mosaike, Kleinfunde und weitere Sammlungen aus der Region im Inneren der Halle ausgestellt sind, sind die Räume der Villa auf dem anschließenden Freigelände zu begehen und reichen bis unter die angrenzende Straße und Wohnsiedlung.

Beschreibung

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Der Schlüssel zur Villa?

Die große Halle ist hoch und hell, so daß sie einen angenehmen Rahmen für die Präsentation der Funde bietet. Auf einer Empore sind weitere Funde ausgestellt, zudem hat man von oben eine gute Sicht auf die Halle und die Mosaike. Insgesamt verfügt die Römerhalle somit über 1000 qm Ausstellungsfläche.

Herausragend sind natürlich die beiden Mosaike, das Gladiatorenmosaik, das an die Villa Nennig im Saarland erinnert, und das ungewöhnliche Oceanus-Cernunnos-Mosaik, das eine interessante Verschmelzung eines römischen Gottes mit einer gallischen Lokalgottheit zeigt und darauf hindeutet, daß es sich bei dem Besitzer der Villa um einen wohlhabenden und einflussreichen romanisierten Einheimischen gehandelt haben könnte.

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Es gibt eine ansehnliche Sammlung von Viergöttersteinen aus der Region

Säulen und Baufragmente der Villa sind rund um die beiden abgegrenzten Mosaike aufgestellt. Großflächige, illustrierte Informationstafeln berichten über die gallo-römische Zeit in der Region, über den Aufbau, die Technik und den Alltag in der Villa und weitere Themen, wie Begräbniskultur, Alltag, Schmuck und Badewesen, Heizung, Militär oder Religion.

Neben dem Oceanus-Mosaik befindet sich auch ein interaktiver Bildschirm, auf dem man sich kurze Filme zu einzelnen Themen anschauen kann, wie dem Mosaik oder der Ausgrabungsgeschichte der Villa.

Die Funde selbst sind ebenfalls gut beschriftet mit Datierung und Herkunftsort (alles jedoch ausschließlich auf deutsch).

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Die Soldatengrabsteine sind sehr detailliert

Einen großen Teil der Ausstellung nehmen Funde aus dem Vicus und dem Kastell, vor allem Soldatengrabsteine ein, die sowohl von Auxiliartruppen als auch von regulären Soldaten aus dem nahegelegenen Kastell stammen. Sie sind deswegen so bemerkenswert, weil sie sehr detailliert und gut erhalten sind und auf den Darstellungen selbst kleinste Details der Rüstung, Kleidung und Ausrüstung gut erkennbar sind. Dies ist eine wahre Fundgrube für alle, die sich für römisches Militär interessieren, vor allem wenn sie Reenactment betreiben.

Auch Sarkophage und Aschekisten gehören zu der Ausstellung.

Daneben gibt es eine Sammlung von Viergöttersteinen von Jupitersäulen, die typisch für diese Region und gallo-römische Glaubensvorstellungen sind, sowie Weihesteine und Reliefs, die weitere Götter zeigen, unter anderem eine Darstellung des trauernden Attis und einer Sphinx auf einem Grabstein, die auf die orientalische Herkunft des hier bestatteten Soldaten hindeuten. Kleine Statuen einer Muttergottheit, des Gottes Vulcanus, Öllampen oder ein kleiner Schrein beleuchten das religiöse Alltagsleben in der Provinz.

Auf der Empore finden sich neben dem teuren Tafelgeschirr aus Terra Sigillata, Schmuckutensilien und andere Kleinfunde aus keltischer und römischer Zeit. Launige Zitate von Römern über Kelten, die großflächig an einer Wand angebracht sind, runden das Bild ab.

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Ein seltener Fund: Fluchtäfelchen

Interessant ist darüber hinaus die Ausstellung von Fluchtäfelchen.

Das Museum zeigt damit zahlreiche hochinteressante Ausstellungsstücke – eine Luxusvilla, die in der Region ihresgleichen sucht, zwei großartige Mosaike und eine ungewöhnliche gallo-römische Gottheit sowie viele spannende Kleinfunde.

Durch eine Seitentür gelangt man in das Außengelände, wo Wege mit Informationstafeln durch die Grundmauern der Villa führen.

Das Museum hat eine angenehme und entspannte Atmosphäre, man kann sich frei und ungezwungen bewegen, das Personal ist sehr nett und hilfsbereit (auch, als wir uns nach unserem Besuch noch Ausflugstipps und Wegbeschreibungen für Bad Kreuznach holten).

Von uns gibt es deshalb eine ganz klare Empfehlung für diesen Geheimtipp abseits der bekannten Römermuseen.

Öffnungszeiten, Preise, Veranstaltungen

Das Museum ist dienstags bis sonntags geöffnet (Montag geschlossen). Öffnungszeiten sind Dienstags von 10-13 Uhr, Mittwoch bis Freitag von 10-16 Uhr und an den Wochenenden von 11-17 Uhr.

Im Februar ist das Museum komplett geschlossen.

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Das Außengelände schließt sich an die Halle an

Der Eintrittspreis für Halle und Freigelände beträgt 4€ (ermäßigt 3€).

Für 7€ ist eine Kombikarte für alle drei Museen im Rittergut erhältlich: Puppentheatermuseum, Schloßmuseum und Römerhalle.

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Blick über die Räume der Villa

Es finden regelmäßige Sonderveranstaltungen statt, wie Erlebnisführungen und museumspädagogische Workshops rund um „römische“ Themen, die sich vor allem an Kinder und Schulklassen richten, zum Beispiel über römische Götter, Münzprägen, Tonfigürchen oder Geschirr.

Im unregelmäßigen Abstand finden auch Kulturveranstaltungen wie Konzerte in der Halle statt. Daneben kann sie für Veranstaltungen gebucht werden.

Sonstiges

Fotografieren ist im gesamten Museum uneingeschränkt möglich.

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Keltische Funde aus der Region

Das Museum ist behindertengerecht gestaltet mit Rampe und Behindertentoilette.

Ein Besuch der Römerhalle kann gut mit den anderen Sehenswürdigkeiten der Kurstadt Bad Kreuznach kombiniert werden, die auf eine lange und bewegte Geschichte von der Antike über das Mittelalter bis zur Neuzeit blicken kann. Unter anderem sind die 9 Meter hohen Gradierwerke der Salinen im 1100 Meter langen Salinental sehens- und erlebenswert.

Daneben gibt es die berühmten mittelalterlichen Brückenhäuser auf der Nahebrücke, die das Wahrzeichen der Stadt bilden, sowie das alte Gerberviertel „Klein Venedig“ am Zusammenfluss von Nahe und Ellerbach, eine Volkssternwarte und eine Burgruine.

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Die Gradierwerke im Salinental sind sehens- und atmenswert

 

 

Eine ungewöhnliche Gallo-Römische Gottheit: Oceanus-Cernunnos

Heute möchten wir Euch eine gallo-römische Kuriosität vorstellen – eine ungewöhnliche  Verschmelzung eines keltischen mit einem römischen Gott: Oceanus-Cernunnos.

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Kurzer Exkurs: Interpretatio Romana

Dank der Interpretatio Romana ist die Identifikation fremder Gottheiten mit römischen Gottheiten eigentlich nichts Außergewöhnliches; viele Gottheiten anderer Völker, seien es gallische, afrikanische oder orientalische Götter hielten auf diese Weise Einzug in den römischen Pantheon, indem sie mit bekannten römischen Gottheiten identifiziert oder assoziiert wurden. Beispiele dafür sind die gallischen Heilgötter Apollo-Grannus und Lenus-Mars, landwirtschaftliche Götter wie Mars-Intarabus, der orientalische Soldatengott Jupiter-Dolichenus, der ägyptische Jupiter-Ammon oder die keltische Waldgöttin Diana-Arduinna.

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Apollo-Grannus und Sirona, zwei beliebte gallo-römische Gottheiten

Andere fremde Götter wurden ohne römisches Gegenstück Teil der römischen Götterwelt, wie die keltischen Göttinnen Sirona, Rosmerta und – vor allem – Epona, die sich reichsweiter Beliebtheit erfreute.

In der Römischen Antike war es üblich, Lokalgötter aus den Provinzen des Imperiums durch funktionale Identifikation, d.h. aufgrund ihrer Attribute, Eigenschaften oder Zuständigkeiten, mit einer römischen Gottheit gleichzusetzen und dadurch in den eigenen Cultus aufzunehmen. Ausführliche Hintergrundinformationen zu dieser Praxis findet Ihr in unserem Artikel zur Interpretatio Romana, auf den wir an dieser Stelle verweisen möchten.

Ein römischer Meeresgott und der keltische Gehörnte?!

Da es, wie im verlinkten Artikel beschrieben, keine festen „Zuordnungstabellen“, Regeln oder gar Kommissionen gab, die bestimmten, welcher Gott mit welchem zu identifizieren sei, gab es in der Vermischung große persönliche Freiheiten und Interpretationsspielräume. Das führte dazu, daß wir heute auf Bildern, Weihesteinen oder Inschriften immer wieder auch auf ungewöhnliche Zuordnungen stoßen, die zwei Götter miteinander verschmelzen, deren Zusammenhang sich auf den ersten Blick nicht unmittelbar erschließt oder die aus den persönlichen Lebensumständen des Stifters zu deuten sind.

Ein Beispiel dafür ist auf einem großen Bodenmosaik in der Palastvilla von Bad Kreuznach zu bewundern, die wahrscheinlich einem erfolgreichen, einheimischen Geschäftsmann gallischer Herkunft und Händler für mediterrane Meeresfrüchte gehörte: er widmete das detailreiche Relief einem gallo-römischen Oceanus-Cernunnos.

Der Fundort

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Modell der Palastvilla von Bad Kreuznach

Die römische Luxusvilla liegt in der heutigen Stadt Bad Kreuznach an der Nahe, zu römischer Zeit eine kleinere Ansiedlung (vicus) mit einem nahegelegenen Militärkastell.

Es handelte sich um eine der größten Villen in der Region, deren wohlhabender Besitzer vermutlich in der eine Tagesreise entfernten Provinzhauptstadt Mogontiacum (das heutige Mainz) arbeitete und sich dann und wann auf sein „Landschlößchen“ zurückzog. Der repräsentative Bau deutet darauf hin, daß er auch dazu diente, Gäste und Geschäftsleute zu empfangen, sich in den ausschweifenden Thermen standesgemäß zu entspannen oder sich anderen Vergnügungen hinzugeben, wie man es als „Superreicher“ zur römischen Zeit tat.

Die Villa lag auf einem Südhang des Ellerbachtals mit Panoramablick auf den Fluß und das ganze Tal. Sie war im Stil einer Peristylvilla erbaut, einem Gebäude, das im mediterranen Stil um einen zentralen Innenhof herum errichtet war. Entlang der gesamten Nordseite, über die das Haus betreten wurde, zog sich ein Porticus, eine Säulenhalle.

Die dreistöckige Villa hatte gigantische Ausmaße und verfügte allein im Erdgeschoß über 50 Zimmer. Die Fenster waren verglast. Die beiden repräsentativen Empfangssäle waren jeweils mit einer Hypokaust-Fußbodenheizung beheizt. Es gab Wasserspiele, die mit eigenen Wasserleitungen versorgt wurden, einen Küchentrakt und eine dreisitzige Toilette. Tonleitungen, die von einer Quelle oberhalb des Hangs bis zum Haus führten, deuten auf eine eigene Versorgung mit fließendem Wasser, sowie den steten Abfluß von Brauchwasser hin. Auch im Keller des Hauses lag eine eigene Quelle, deren Wasser durch Risse im Fels sinnvoll genutzt wurde, um Vorräte zu kühlen.

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Die Römerhalle von Bad Kreuznach ist ein sehr sehenswertes Museum

An einigen Wänden fanden sich große, sehr hochwertig ausgeführte Wandmalereien, zum Teil mit Inschriftenresten, die auf Szenen griechischer Tragödien hindeuten und den hohen Bildungsanspruch des Besitzers darstellen sollen. Einige Wände sind mit echtem Marmor verkleidet, an anderen wiederum wurde Marmorimitat verwendet. Deckenmalereien mit Kassetten sind an stadtrömische Architektur angelehnt.

Zwei großflächige Mosaike (eines davon beheizt!) dienten dazu, den Reichtum des Besitzers zur Schau zu stellen – schon damals in gehobenen Kreisen überaus wichtig. Sie gehören heute zu den besterhaltensten Mosaiken nördlich der Alpen, zusammen mit dem Dionysos-Mosaik in Köln und dem Gladiatorenmosaik in der Villa Nennig.

Das erste Mosaik der Villa zeigt Gladiatorenszenen aller Art, wie sie überall im römischen Reich zu finden sind.

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Mosaik mit eingelassenem Sechseckbrunnen

Das zweite Mosaik zeigt das Portrait eines Gottes, der als „Oceanus-Cernunnos“ angesprochen wird, da sich in seiner Darstellung Attribute beider Götter vereinigen. Zwar gibt es nirgendwo in der Villa eine Inschrift, in der er ausdrücklich so genannt wird, aufgrund der eindeutigen Ikonographie wird diese Deutung allerdings allgemein akzeptiert – zumal nichts dagegen spricht, daß ein romanisierter Kelte diese beiden Götter, die beide für ihn in seinem Privatleben eine wichtige Rolle spielen, miteinander verbindet.

Das war gängige römische Praxis; nur die Mischung zweier augenscheinlich vollkommen unterschiedlicher Götter ist es, die diese Kombination besonders interessant macht (wenn auch nicht einzigartig, denn es sind einige weitere Oceanus-Cernunnos-Verbindungen bekannt, unter anderem aus Verulamium und Colchester in Britannien).

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Der vicus von Bad Kreuznach zur Römerzeit

Das Mosaik stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 234 n. Chr., worauf eine Konsularinschrift bezogen auf die Konsuln Maximus und Urbanus hindeutet.

Die Villa ist heute in die Römerhalle Bad Kreuznach integriert, ein sehenswertes Museum mit Freigelände, das auf 1000 Quadratmetern Funde der Umgebung aus keltischer und römischer Zeit zeigt, sowie Fluchtafeln und eine große Auswahl an Viergöttersteinen. Neben den beiden Mosaiken gehört eine Sammlung von Soldatengrabsteinen aus dem nahen Militärlager zu den wichtigsten Ausstellungsstücken, da diese, oft lebensgroßen und sehr detaillierten Darstellungen, Aufschluß über den soldatischen Alltag und das Aussehen der Auxiliartruppen in der Region geben.

Ikonographie des Mosaiks

Das 1966 gefundene, sehr gut erhaltene Fußbodenmosaik ist 68 Quadratmeter groß. In seiner Mitte befindet sich ein marmorverkleidetes sechseckiges Wasserbecken. Einlassungen im Mosaikboden deuten darauf hin, daß sich darauf ein steinernes Triklinum – eine Liegebank für gesellschaftliche Anlässe – befand.

Die detaillierten Darstellungen auf dem Mosaik gelten als Indiz dafür, daß es sich bei dem Besitzer der Villa um einen Händler von Fisch- und Meeresprodukten gehandelt hat, also teuren Luxusgütern in dieser weit vom Meer entfernten Region, die in der Hauptstadt der Provinz Germania Superior, Mogontiacum, sehr begehrt waren (Dies wird unter anderem in der Arbeit „Der Besitzer der Bad Kreuznacher Peristylvilla – ein Händler ostmediterraner Lebensmittel?“ von Ulrike Ehmig ausführlich untersucht (erschienen in: Münstersche Beiträge zur Antiken Handelsgeschichte, Bd. XXIV, 2, 2005).

Es handelt sich nicht um die sonst üblichen stilisierten Meeres- und Fischereiszenen, die allgemein als Sinnbild für ein glückliches Leben in ländlicher Idylle fernab von Verpflichtungen gelten, sondern um sehr konkrete Darstellungen von Schiffen, Amphoren und Gegenständen, von Handel und Transportszenen, sowie um wirklichkeitsgetreue Abbildungen von Meerestieren, mit denen der Hausherr wahrscheinlich gehandelt hat und die den Gästen in diesem Raum sicherlich auch serviert wurden. In erster Linie diente es also der Selbstdarstellung seines Unternehmens, modern ausgedrückt könnte man sagen, war dieses Haus Teil des Marketings des Besitzers .

Das Mosaik zeigt im Zentrum den nackten Oberkörper eines Gottes mit langen blonden, gelockten Haaren und blondem langem Schnurrbart. Aus seinem Kopf wächst ein rotes, verästeltes Geweih, das einige Laubblätter zieren. Seinen Hals ziert ein Halsreif oder Torque in Form einer Schlange im keltischen Stil.

Hinter den beiden Schultern des Gottes befinden sich zwei Hippocampen (mythologische Meerpferdchen mit dem Oberkörper eines Pferdes und dem Unterkörper eines Fisches).

Um den Gott herum befinden sich detaillierte Darstellungen von Handelstätigkeiten, zum Beispiel dem Kauf von Amphoren und dem Transport von Waren mit Schiffen, mediterrane Küstenlandschaften und zahlreiche Fische und Meerestiere.

Oceanus

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Klassische Darstellung des Oceanus aus Petra (heute Jordanien)

Der römische Meeres- und Flussgott Oceanus wird für gewöhnlich mit Hummer- oder Krebsscheren auf dem Kopf dargestellt. Typisch römisch ist auch seine Darstellung mit wild gelocktem Haar. Oft werden bei den im ganzen römischen Reich beliebten Oceanus-Darstellungen die Enden des Schnurrbarts zu Meerestieren. Im Gegensatz zu Neptun, dem Meeresgott, der oft in aktiver Pose mit Dreizack dargestellt wird, ist Oceanus in der römischen Darstellung meist ruhig, allenfalls mit Anker oder einem Ruder, da er als Gott angerufen wird, wenn es um gute und ruhige Fahrt über ein Gewässer geht.

Seine häufige Darstellung und praktische Verwendung als Wasserspender an Brunnen sowie die Attribute Schilf und Quelle weisen auf seine Funktion als Flussgott hin. Durch die Nähe zum Rhein, eine Tagesreise entfernt, über den der Besitzer der Villa sicherlich zum großen Teil den Transport seiner leicht verderblichen Luxusgüter abwickelte, erklärt sich seine Verbundenheit zu einem Gott, der sowohl die Meere und dessen Bewohner repräsentiert, aber auch als Vater der Flüsse gilt. Seine zentrale Bedeutung für die Sacra Privata, den privaten Hauskult des Villenbesitzers, zeigt sich auch in einem weiteren Fund – Oceanus in Form eines fein gearbeiteten Türbeschlags.

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Klassischer Ocenaus mit Krebsscheren auf dem Kopf, die Bartenden werden zu Delphinen (Cordoba, Spanien)

Die Abwandlung der klassisch römischen Darstellung des Oceanus in eine keltisch beeinflusste Form zeigt sich in der Umwandlung der Hummerscheren in ein Geweih. Zwar könnte man es aufgrund der roten Farbe auch als aus Koralle bestehend deuten, die Form und die daran haftenden Blätter identifizieren es aber eindeutig als Geweih.

Gleiches gilt für den Halsschmuck in Form eines typisch keltischen Halsreifs, der klassischerweise nichts an einem Oceanus zu suchen hat. Auch die Schlangen an seinen Enden entspringen nicht der Ikonographie des Ocenaus, sondern sind in der Gedanken- und Vorstellungwelt eines romanisierten Galliers zu verorten, der sich einerseits ganz dem römischen Lebensstil verschrieben hat, andererseits aber einen unkomplizierten Umgang mit der lokalen gallo-römischen Glaubenswelt pflegt und deshalb keine Probleme damit hat, einen für sein Volk wichtigen Gott mit einem für ihn persönlich wichtigen römischen Gott zu vermischen und ihre Attribute in einer völlig neuen Form zu kombinieren.

Daß ein Gallier von den Krebsscheren auf dem Kopf des Oceanus an das Hirschgeweih einer keltischen Geweihgottheit erinnert wird und diesen in einem heimischen Mosaik entsprechend darstellen läßt, ist im Rahmen des gallo-römischen Kontextes nicht weiter befremdlich. Ebensowenig verwundert es, daß er den Gott Oceanus mit dem in einheimischer Tracht üblichen Halsschmuck darstellt.

Cernunnos (?)

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Cernunnos auf dem Kessel von Gundestrup, sicherlich die bekannteste Darstellung

Cernunnos, der keltische Gott des Waldes und der Waldbewohner, ist aufgrund der Überlieferungslage generell problematisch in der Deutung.

Der Name des Gottes, der aus einer bruchstückhaften Inschrift der Pariser Nautensäule stammt, wurde in der Neuzeit auf zahlreiche namenlose keltischen Gottheiten mit Hirschgeweih übertragen, ohne daß sichergestellt ist, daß es sich bei ihnen immer um ein und denselben Gott handelt und nicht vielmehr um lokale Gottheiten unbekannten Namens.

Es gibt keinerlei Erwähnung oder Beschreibung seiner Symbole, Kultpraxis oder Attribute in schriftlichen römischen Quellen, so daß bei diesem Gott viel (moderne) Interpretation im Spiel ist. So ist die Verwendung des Namens „Cernunnos“ für alle gallischen Geweihgottheiten an sich schon fragwürdig.

Cernunnos trägt auf seinen Darstellungen ein Hirschgeweih oder hat zuweilen sogar einen vollständigen Hirschkopf. Meist sitzt er in ruhiger, geradezu an eine Meditationshaltung erinnernde Pose und ist von Tieren umgeben. In den bekannten Darstellungen trägt er oft ebenfalls einen eng anliegenden Halsreif. In der Gundestrop-Darstellung hält er zudem eine Schlange in der linken Hand und einen Torque in der rechten. Diese Schlange findet sich in mehreren Darstellungen quer durch den gallischen Raum.

Die Schlange spielt allerdings auch in der römischen Vorstellungswelt eine wichtige Rolle als positives, glücks- und erfolgsverheißendes Symbol und Torques mit Enden in Form von Schlangenköpfen sind aus dem gallo-römischen Raum bekannt, zum Beispiel wurden sie gerne von Legionären getragen.

Daß sich Cernunnos im romanisierten Gallien auch zur Römerzeit noch großer Beliebtheit erfreute, belegen Weihesteine, Brunnenfunde, Figur- und Reliefdarstellungen, die bis in die späte Kaiserzeit hinein populär waren. Auf Inschriften wird er in latinisierter Form Cernenus, Cornunus oder Cornutus genannt, worin sich das lateinische Wort „Cornu“ (Horn) wiederfindet (daß der aus dem luxemburgischen Waldtempel im Alzettetal bekannte Cerunincus etwas mit Cernunnos zu tun hat, ist hingegen unwahrscheinlich).

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Götterwelt: Arduinna

Herkunft, Bezeichnungen:

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Diese Bronzefigur wird als Arduinna angesprochen; ob es sich bei ihr tatsächlich um diese Göttin handelt, ist nicht gesichert

Arduinna ist eine gallo-römische Berg- und Waldgottheit und Göttin des Ardennenwaldes. In der Interpretatio Romana wird sie der Göttin Diana zugeordnet.

Alternative Schreibweisen sind Ardbinna oder Ardvinna. In einer Weiheinschrift wird sie auch als Dea Ardbinna bezeichnet.

Als „Ardennen“ (Arduenna silva) bezeichneten die Römer das zusammenhängende Mittelgebirge und geschlossene Waldgebiet von den (heutigen) Ardennen in Belgien und Luxemburg über Hohes Venn, Eifel bis an die Mosel und den Rhein (Provinzen Belgica und Germania inferior). Dieses Gebiet war zur Zeit des Gallischen Krieges (54-53 v. Chr) vor allem von den Treverern und Eburonen besiedelt und diente als Rückzugsgebiet des eburonischen Königs Ambiorix. Eine ausführliche geographische Beschreibung findet sich bei Caesar, De bello gallico, V, 3; VI, 31. Auch Strabon beschreibt in seiner „Geographica“ (IV, 3, 5) die Ardennen und zählt die keltischen Stämme auf, die in diesem Gebiet leben.

Ähnlich wie die gallo-römische Berggöttin Abnoba (römisch: Diana-Abnoba) die Personifikation des Schwarzwaldes war, gilt Arduinna als Personifikation der Ardennen. Weihesteine und figürliche Funde sind aus mehreren Gegenden des Eifel-Ardennengebiets bekannt, jedoch ist die Fundlage spärlicher als bei Abnoba. Verehrung erfuhr sie vor allem im Nordwesten Galliens.

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Replik des Weihesteins aus Gey

Ein Weihestein für Arduinna wurde in Gey (Hürtgenwald) gefunden, wo er heute auf dem Dorfplatz als Replik aufgestellt ist (das Original befindet sich im Rheinischen Landesmuseum Bonn). Die Inschrift (CIL 13, 07848) lautet: „Deae Ardbi/nnae T(itus) Iuli/us Aequalis / s(olvit) l(ibens) m(erito)“ – „Der Göttin Ardbinna hat Titus Iulius Aequalis sein Gelübde froh, gerne und nach Gebühr eingelöst“.

Ihre Verehrung ist bis in das Jahr 565 n. Chr. belegt, als der langobardische Mönch und luxemburgische Säulenheilige St. Walfroy (Wulfilaïc) im belgischen Florenville eine Abkehr vom Kult der Arduinna forderte und ein Heiligtum der Diana zerstörte.

Zuständigkeiten, Attribute und Darstellungen:

Ein Weihestein (CIL 6, 46) ist aus Rom bekannt, den M. Quartinius Sabinus, Soldat einer römischen Kohorte, ein Gallier aus dem Stamm der Remer, mehreren Göttern stiftete – an erster Stelle zwei Lokalgöttern seiner Heimat, Ardvinne und Mars-Camulus. Da sein Weihestein neben einer Inschrift auch ein Relief enthält, wissen wir, daß Arduinna ikonographisch im klassischen römischen Stil wie Diana mit Bogen und Köcher dargestellt wurde.

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Die Wälder und engen Täler der Ardennen (hier: Blick von der Burg in Esch-sûr-Sure)

Eine weitere Darstellung der Arduinna ist in Form einer kleinen, aus römischer Zeit stammenden Bronzestatuette erhalten, die eine jugendliche Göttin mit Pfeil und Bogen zeigt, die auf einem Eber reitet und eine kurze, gegürtete Tunika trägt und wahrscheinlich diese Göttin zeigt.

Der Fundort dieser Figur ist unbekannt, ebenso kann nicht mit absoluter Sicherheit gesagt werden, daß es sich bei dieser Figur tatsächlich um Arduinna handelt, da keine begleitenden Inschriften gefunden wurden. Die Zuordnung zu dieser Göttin stammt aus dem 19. Jahrhundert und erfolgte durch den Antiquaren, der sie entdeckte – möglicherweise aufgrund der Tatsache, daß das Wappentier der Ardennen der Eber ist. Die Figur befindet sich heute im Musée des Antiquités Nationales in Saint-Germain-en-Laye.

Durch ihre Identifikation mit Diana wird sie als Natur-, Jagd- und Waldgöttin angesprochen, daneben durch ihren Bezug zu den Ardennen und Parallelen zu Abnoba als Berggöttin und Beschützerin der Region, die sie als Lokalgöttin personifiziert.

Sonstiges:

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In den Ardennen sind wir gerne und häufig unterwegs. Hier: Blick vom Chateau La Roche

Zu Arduinna ist (anders als bei den gallischen Gottheiten Sirona oder Rosmerta) kein Begleiter bekannt.

Es sind keine Orte oder Tempel erhalten oder bekannt, an denen sie verehrt wurde.

 

 

 

 

 

 

 

Rezepte: Libum – römisches Opferbrot

Kleine römische Opferbrote für besondere Anlässe

Kleine römische Opferbrote für besondere Anlässe

Das „Libum“ ist mehr als ein Brot – es spielte in der römischen Antike als traditionelles Opferbrot eine wichtige Rolle. Es wurde zu besonderen Anlässen gebacken und geopfert, zum Beispiel anläßlich des Rituals zum eigenen Geburtstag.

Daneben war es auch eine beliebte Beilage zum Essen, die würzig oder süß serviert werden konnte.

Das Libum wird in mehreren antiken Quellen erwähnt und, was ein besonderer Glücksfall ist, darüber hinaus existiert ein vollständiges überliefertes Backrezept: Marcius Porcius Cato beschreibt in „De Agricultura“ (75-76), wie das Opferbrot hergestellt wird.

„Libum hoc modo facito: casei p. II bene disterat in mortario; ubi bene disteriverit, farinae siligineae libram aut, si voles tenerius esse, selibram similaginis solum eodem indito permiscetoque cum caseo bene; ovum unum addito et una permisceto bene. Inde panem facito, folia subdito, in foco caldo sub testu coquito leniter.“

„Ein Libum mache so: Man zerreibe 2 Pfund Käse in einem Mörser; wenn man das fein zerrieben hat, gib ein Pfund sehr weißes Weizenmehl oder, wenn du es zarter willst, nur ein Halbpfund Weizenmehl dazu hinein und vermische es gut mit dem Käse; gib ein Ei hinzu und mische es gut mit hinein. Daraus forme einen Laib, lege Blätter darunter, backe es langsam auf warmem Herd unter einer Schüssel.“ (Übersetzung aus: O.Schönberger, „Marcus Porcius Cato – Vom Landbau – Fragmente“)

Lararium mit Libum als Opfergabe

Lararium mit Libum als Opfergabe

Hierzu muß man wissen, daß das römische „Pfund“ („pondus“) nicht mit dem modernen Pfund übereinstimmt, sondern ein Pondus entspricht 327,45 g.

Wie dem Rezept zu entnehmen ist, handelt es sich beim Libum nicht um ein „klassisches“ Brot, sondern eher um eine Art Käsegebäck. Es kann nach dem Backen mit Honig bestrichen werden, schmeckt aber auch hervorragend, wenn man es warm zu Kräuterbutter oder Moretum serviert.

Die Technik des Abdeckens mit einer Schüssel ist nicht sonderlich geheimnisvoll – hier wird, ganz pragmatisch, ein Backofen ersetzt, so daß man das Opferbrot auch dort backen kann, wo man keinen aufwendigen Backofen in der Nähe hat, sei es in einer kleinen Küche oder draußen. Wir können deshalb heute problemlos auf einen Backofen zurückgreifen und müssen keine Schüssel-Herd-Experimente machen, nur um es besonders „authentisch“ zu machen. Es sei denn, man möchte diesen mobilen Reisebackofen experimentalarchäologisch ausprobieren 😉

Mit den Mengenangaben muß man etwas experimentieren. Wie geschmeidig der Teig wird, hängt von einigen Faktoren ab: in erster Linie vom Feuchtigkeitsgehalt des verwendeten Käses (wir bevorzugen eingelegten Schafs- oder Ziegenkäse, andere backen das Libum mit Ricotta) und der Größe des Eies. Deswegen empfehlen wir, das Mehl nur sehr zaghaft nach und nach zuzugeben, da der Teig bei zu trockenem Käse schnell bröselig werden kann und beim Formen der Kugeln dazu neigt, auseinanderzufallen. Deshalb lieber etwas weniger Mehl oder mehr Flüssigkeit hinzufügen, als im Rezept angegeben.

Unsere Empfehlung zur Herstellung von 4 kleinen Opferbroten:

Die Zutaten sind sehr einfach!

Die Zutaten sind sehr einfach!

Zutaten:

  • 200 Gramm Schafs- oder Ziegenkäse (in Salzlake)
  • 200-300 Gramm helles Mehl (abhängig von der Feuchtigkeit des Käses)
  • 1 Ei
  • Lorbeerblätter
  • ggfs. Honig

Die typischen Gewürze, die sich sonst in römischem Brot finden, sind nicht notwendig, da das Brot aufgrund der Verwendung des eingelegten Schafskäses und des Backens auf Lorbeerblättern schon salzig ist.

Zubereitung:

Den Schafskäse in eine Schüssel bröseln und mit einer Gabel zerdrücken.

Den Schafskäse mit einer Gabel zerdrücken

Nach und nach das Mehl hinzugeben und immer wieder vermischen und zerdrücken.

Das Ei hinzugeben und ebenfalls gut untermischen.

Nun beginnt die Kneterei: Den Teig auf ein gemehltes Brett legen und gut durchkneten, bis er gleichmäßig, geschmeidig und glatt ist. Wenn der Teig zu feucht ist, vorsichtig Mehl nachgeben, bis er gut formbar ist.

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Aus dem Teig vier gleichmäßige, etwa brötchengroße runde Laibe formen. Diese nach Geschmack oder entsprechend des geplanten Rituals sternförmig einschneiden oder mit einem anderen Muster versehen.

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Ein Backblech mit Lorbeerblättern auslegen und die Laibe auf das Bett aus Blättern legen.

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Bei etwa 200 Grad (Umluft 180 Grad) backen, bis der Teig durch ist und die Laibe eine goldbraune Farbe angenommen haben. Dies dauert bei der beschriebenen Größe etwa 30 Minuten.

Opferbrot für Apollo und Sirona

Opferbrot für Apollo und Sirona

Für die süße Variante werden die Brote direkt nach dem Backen (noch heiß) mit Honig bestrichen und trocknen gelassen.

Für die würzige Variante entfernt man nur die eventuell an der Unterseite haftenden Lorbeerblätter.

Schmeckt Menschen und Göttern gleichermaßen ;)

Schmeckt Menschen und Göttern gleichermaßen 😉

Das Brot kann sowohl heiß als auch kalt verzehrt werden, wird nach einiger Zeit aber etwas hart, so daß man es lieber frisch und warm servieren sollte.

Zur Verwendung als Opferbrot, zum Beispiel beim morgens durchgeführten Geburtstagsritual, kann es problemlos am Tag zuvor vorgebacken werden.

 

Antike Stätten: Römischer Kaiserpalast Konz

Hier residierten römische Kaiser mit Blick auf die Saarmündung

Hier residierten römische Kaiser mit Blick auf die Saarmündung

Anschrift:

An der Pfarrkirche St. Nikolaus, Martinstr. 22, 54329 Konz

Anfahrt:

Der römische Kaiserpalast liegt auf einer Anhöhe direkt neben der modernen Kirche St. Nikolaus und dem Friedhof von Konz im Landkreis Trier-Saarburg, mit Blick ins Tal. Hier mündet die Saar in die Mosel.

Konz liegt nahe der luxemburgischen Grenze zwischen Saarburg und Trier und ist gut über die Bundesstraße 51 zu erreichen. Parkmöglichkeit besteht an der St. Nikolauskirche und am Friedhof. Der Kaiserpalast ist als „Römischer Palast“ weithin in der Region ausgeschildert und gut zu finden.

Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln erfolgt am besten mit dem Zug. Konz hat einen Bahnhof, der von Regionalzügen der Saartalbahn (Trier, Saarlouis, Saarbrücken) und dem Mosel-Saar-Pfalz-Express (Koblenz, Wittlich, Trier, Saarbrücken, Kaiserslautern) angefahren wird.

Auch für Wanderer ist die Region rund um die Saarmündung und das Saarschleifenland attraktiv. In der Nähe liegen zahlreiche weitere römische Sehenswürdigkeiten, die gut miteinander kombiniert werden können, sowohl auf der luxemburgischen Seite als auch in Deutschland.

Hintergrundinformationen:

Von hier hat man eine gute Aussicht auf die Saarmündung in die Mosel

Von hier hat man eine gute Aussicht auf die Saarmündung in die Mosel – wie sie schon Ausonius und der Kaiser schätzten

In Konz befand sich zur Zeit der Spätantike das römische Contionacum, das aus mehreren schriftlichen antiken Quellen bekannt ist, unter anderem durch gesetzliche Edikte, die von Kaiser Valentinian I. (364-375 n. Chr.) in Contionacum unterzeichnet wurden, sowie durch den Dichter Ausonius, der in seiner Reisebeschreibung entlang der Mosel, der Mosella aus dem Jahr 371 n. Chr., von den „Kaiserlichen Mauern“ an der Saarmündung berichtet.

Der kaiserliche Palast, der aus mindestens 30 Räumen und einem großzügigen Saal mit Apsis bestand, befand sich auf einer Anhöhe mit hervorragender Aussicht in das Tal, auf die umliegenden Hügel und auf die Saarmündung. Der Saal hatte vor allem repräsentativen Charakter und diente wahrscheinlich als Empfangssaal und für Festivitäten. Sein Haupteingang war 3,16 Meter breit. Um den zentralen Raum gruppierten sich Wohnräume und eine großzügige Badeanlage.

Das Bauwerk war im Stil einer Porticusvilla errichtet, entlang der gesamten 5,80 Meter hohen Vorderfront befand sich ein überdachter, säulengestützter Porticus, also ein wettergeschützter Laufgang. Von der aufwendigen Ausstattung sind Wandmalereien, Marmor (der sowohl Teile der Wände als auch der Fußböden bedeckte), Diatretglas und ein Goldschatz erhalten.

Die Reste des Palastes finden sich überall rund um die Kirche und am Friedhof

Die Reste des Palastes finden sich überall rund um die Kirche und auf dem Friedhof

Sowohl die Innenwände als auch die Außenfassade des Palastes waren bemalt. Gefundene Deckenmalereien waren rotgrundig mit goldenen Sternen, die einen kornblumenblauen Mittelpunkt aufwiesen. Vor dem Eingang befand sich ein achteckiger Springbrunnen, wie man es auch von den anderen palastartigen Riesenvillen in der Region kennt, wie der römischen Villa von Echternach und der Villa Borg.

Funde einer Heizungsanlage deuten darauf hin, daß der Palast ganzjährig genutzt wurde.

Es wird davon ausgegangen, daß der Palast zumindest zeitweilig von Kaiser Valentinian I. als Residenz genutzt wurde, da er hier Gesetze unterzeichnete, die u.a. die Steuerpflichten, Sklaven und das Erbrecht der kaiserlichen Familie betrafen. Das Anwesen wurde bis mindestens 388 n. Chr. genutzt und erst aufgegeben, als wegen der Germaneneinfälle die römische Verwaltung nach Arles verlegt wurde. Damit ist wahrscheinlich, daß auch die Kaiser Valentinian II., der von Ausonius erzogene Gratian und Magnus Maximus in Contionacum residierten.

Die Residenz lag an der wichtigen Hauptverkehrsachse von Trier nach Metz, die in der Verlängerung die Nordwestprovinzen mit dem Mittelmeerraum verband. Von der Villa aus hatte man auch einen guten Blick auf die römische Brücke über die Saar an der Moselmündung, die ebenfalls von Ausonius in der Mosella erwähnt wird.

Noch im 17. Jahrhundert war der dazugehörige Palast als Ruine erhalten und weithin bekannt. Im Jahr 1887 kannte man zumindest noch die römische Badeanlage. (Wieder-)entdeckt wurde der Kaiserpalast beim Bau der neuen Pfarrkirche St. Nikolaus im Jahr 1959. Ausgrabungen des Rheinischen Landesmuseums Trier zwischen 1959 – 1961 legten die große Porticusvilla frei, jedoch konnte das Bauwerk nicht erhalten oder gar rekonstruiert werden, sondern es mußte dem Kirchenneubau weichen und wurde zum größten Teil zerstört. Lediglich der Westteil des Kaltbades (frigidarium), eine Stützmauer des Mittelsaales und eine Wandelhalle blieben erhalten. Unterhalb der Kirche und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich liegt zudem noch die Befeuerungsanlage für die Heizung des Apsissaales mit einem gut erhaltenen Arbeitsraum des Heizers, dem Praefurnium, und Hypokausten.

Die Anlage ist frei begehbar und - bis auf die Heizungsanlage - öffentlich zugänglich

Die Anlage ist frei begehbar und – bis auf die Heizungsanlage – öffentlich zugänglich

Die Anlage geriet danach wieder in Vergessenheit, bis im Jahr 2004 entschieden wurde, diese bedeutende antike Stätte touristisch zu erschließen. Es wurde beschlossen, keine weitere Grabungen durchzuführen, sondern stattdessen das, was erhalten geblieben war, für 115.000€ zu konservieren und anschaulich zu präsentieren.

Zu diesem Zweck wurde zur Veranschaulichung der Verlauf der Wände der bekannten Räume rund um die Nikolauskirche und den Friedhof mit weißen Kalksteinstreifen auf dem Boden nachgezeichnet. Die hohen Stützmauern der Westapsis wurden, wie die moselseitige östliche Hälfte der Porticus-Stützmauer, instandgesetzt. Ebenfalls erhalten ist der Mittelrisalit und die Eingangsseite des Empfangssaals. Zudem wurde das Gelände mit mehreren Informationstafeln versehen, die Hintergrundinformationen zum Palast vermitteln.

Weithin sichtbar wird die Höhe des Gebäudes durch eine Stahlskulptur angedeutet, die zwei Fensterbögen des Palastes darstellen soll. Diese Skulptur ist nachts beleuchtet.

Heute ist der Kaiserpalast Konz eine der Stationen von „Straßen der Römer„.

Beschreibung:

Die Stahlkonstruktion verdeutlicht die Größe der Fenster gut

Die Stahlkonstruktion verdeutlicht die Größe der Fenster gut

Der Kaiserpalast liegt hinter der – modern-häßlichen – katholischen Kirche St. Nikolaus. Mehrere Informationstafeln der „Straßen der Römer“ informieren über das Gebäude, die Funktion, das Bad, die Heizungsanlagen und Konz zu römischer Zeit.

Der ganze Ort wirkt etwas kurios, weil die römischen Mauern zwischen Kirche und Friedhof aufragen, teilweise aus der Kirche selbst zu kommen scheinen, und die Kirche von außen umrunden. Zwar sind die ehemaligen Räume durch die weißen Streifen auf dem Boden gekennzeichnet, aber die Orientierung ist durch das mitten im Palast liegende Kirchengebäude trotzdem erschwert und verlangt einiges an Vorstellungskraft. Dafür hat man von der Palastvilla herab einen sehr schönen Ausblick ins Tal und auf die Saarmündung, was gut veranschaulicht, warum die Römer gerade diesen Ort für das repräsentative Gebäude ausgesucht haben.

Sicherlich geschmacksabhängig, aber von der Grundidee nicht verkehrt, ist die Stahlkonstruktion am Hang, die die Höhe der Fenster des Palasts deutlich macht. Im Gegensatz zur „Villa Rostica“ von Blankenheim, die komplett mit verrostetem Kortenstahl dargestellt wird, ist der Stahlbogen oberhalb des Saartals zurückhaltend und macht seine Aufgabe deshalb ganz ordentlich – er vermittelt einen guten Eindruck von der Höhendimension. Auch ist die Idee, diesen weithin sichtbaren Bogen nachts zu beleuchten, positiv, da dadurch auch die Neugier von Touristen geweckt wird, die ihn leicht als prägnanten Punkt oberhalb des Ortes erkennen können. Und alles, was die Aufmerksamkeit auf die reiche römische Geschichte in unserer Region lenkt, ist willkommen 😉

Die Tafeln sind informativ, aber leider sehr rissig

Die Tafeln sind informativ, aber leider sehr rissig

Die 5 Informationstafeln sind inhaltlich gut, leider aber ist das Material angewittert und rissig, weil es offenbar die Sonneneinstrahlung nicht dauerhaft verträgt. Hier sollte über kurz oder lang etwas getan werden, bevor die Tafeln noch weiter verwittern und unleserlich werden.

Leider sind die Hypokausten und der Heizraum nicht zugänglich, weil sie sich unterhalb der Kirche befinden.

Alles in allem ist der Ort sehenswert, auch oder gerade wegen seiner Bedeutung als kaiserliche Residenz. Schade ist natürlich, daß man seinerzeit einen Großteil der Anlage zerstört hat, aber die Prioritäten lagen in den 60er Jahren offenbar noch nicht beim Erhalt des archäologischen Erbes. Umso positiver ist es, daß die Stadt Konz mit der katholischen Kirche einen Nutzungsvertrag schließen konnte, der zumindest die neue Präsentation und Konservierung der Anlage ermöglichte. Wir können einen Besuch beim Kaiserpalast empfehlen, insbesondere in Kombination mit weiteren römischen Zielen in der Region (siehe weiter unten unter Sonstiges).

Öffnungszeiten, Zugänglichkeit, Preise, Führungen:

Die Anlage ist frei und rund um die Uhr zugänglich. Eintritt wird nicht erhoben.

Über öffentliche Führungen ist uns nichts bekannt.

Sonstiges:

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Wer Konz besucht, sollte unbedingt einen Abstecher zum nahen Umgangstempel von Tawern machen!

Wer Konz besucht, sollte unbedingt einen Abstecher zum nahen Umgangstempel von Tawern machen!

Wie bereits erwähnt, kann der Besuch gut mit anderen Sehenswürdigkeiten kombiniert werden. Nur 8 Kilometer entfernt liegt der  gallo-römische Tempelkomplex von Tawern, ein sehr sehenswerter, rekonstruierter Waldtempelbezirk mit einem Umgangstempel für Merkur – einer unserer oft besuchten Favoriten, wenn es um antike Stätten geht! Zudem befindet sich in Tawern auch der zivile vicus der antiken Straßensiedlung Taberna.

Etwa 30 km sind es bis zur Villa Borg in Perl und der Villa Nennig mit ihrem tollen Fußbodenmosaik, sowie in nördlicher Richtung nach Echternach mit einem der größten römischen Landgüter in Gallien.

In 14 km Entfernung, auf der Luxemburger Seite der Mosel, liegt Grevenmacher, wo ein römisches Grabmal besichtigt werden kann. Und: Trier liegt nur 11 Kilometer entfernt, und die alte Kaiserstadt – Roma Secunda, einst zweitgrößte Stadt des Römischen Reichs – ist natürlich Pflichtprogramm für jeden römischen Touristen!

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