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Götterlexikon: Epona

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Herkunft, Bezeichnungen

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Epona aus Belginum / Hunsrück

Epona ist eine gallo-römische Göttin, die – als einzige Göttin keltischer Herkunft – weite Verbreitung im römischen Reich erfuhr und sich auch über die Grenzen des keltischen Raumes hinaus bis nach Rom großer Beliebtheit erfreute, wo sie sogar Teil des Staatskultes wurde.

Epona ist in zahlreichen Bild- und Textquellen belegt, unter anderem aus 60 Weiheinschriften sowie Reliefs, Weihealtären und figürlichen Darstellungen, die aus ganz Westeuropa stammen, vor allem aus Frankreich, entlang der Mosel, West- und Süddeutschland, Spanien, Großbritannien, dem Donaubecken, Norditalien, Rom und dem Alpenraum. Auffällig hierbei ist eine besonders hohe Dichte an Funden entlang der befestigten Grenzen des Reichs, wie dem Limes, entlang des Rheins, der Donau und in Nord-Britannien.

Lediglich in zwei Regionen des Römischen Reiches scheint sie nicht verbreitet gewesen zu sein: In Nordafrika, wo man bislang nur eine Darstellung von ihr gefunden hat, sowie dem Nahen Osten, wo sie gar nicht auftaucht.

Ihre Verehrung scheint sich zudem auf das Gebiet des Römischen Reichs zu beschränken; jenseits des Limes im freien Germanien, aus dem Raum zwischen Rhein und Elbe, sind keine Darstellungen oder Inschriften von Epona bekannt.

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Figürliche Darstellung der Epona, zu bewundern im Rheinischen Landesmuseum Bonn

Ihr Name ist gallischer Herkunft und kann etymologisch aus dem gallischen Wort „epos“ für Pferd hergeleitet werden, das wiederum auf die proto-Indo-Europäische Wurzel *ék̂u̯os zurückgeführt wird. Aus dieser Wurzel stammen auch andere Worte für Pferd, wie das lateinische Equus, das altirische Ech oder das litauische Esva. Durch die weibliche Endung -a und den Namensbestandteil -on wird ihr Name verschiedentlich als „große Stute„, „göttliche Stute“ oder „die, die wie eine Stute ist“ oder „große Reiterin“ gedeutet.

Trotz dieser Herleitung und ihrer überwiegenden Verbreitung im gallischen Raum gibt es keine Erwähnungen ihres Namens aus vor-römischer Zeit. Es gibt auch keine Inschriften auf Gallisch, sämtliche Inschriften sind auf Latein oder (seltener) Griechisch. Sie stammen zudem nicht nur von Personen keltischer Herkunft, sondern von Stiftern aus verschiedensten Teilen des Reiches, wie Germanen, Römern und sogar – wie bei einem Fund aus Mainz – einem Syrer.

Zwar ist die Möglichkeit gegeben, dass diese Göttin bereits vor der römischen Eroberung Galliens (im Jahre 52 v. Chr. durch Julius Caesar) von einheimischen keltischen Völkern verehrt wurde, es gibt jedoch bislang keine Quellen oder Belege dafür.

Tatsächlich stammen die frühesten Funde aus dem ersten Jahrhundert n. Chr., eine auffällige, fast explosionsartige Häufung beginnt aber erst mit dem zweiten Jahrhundert n. Chr., so dass man davon ausgehen muß, dass sich der spezifisch gallo-römische Kult um Epona erst um diese Zeit zu entwickeln und im Reich zu verbreiten begann. Mitte des zweiten Jahrhunderts, etwa ab dem Jahr 130 n. Chr. häufen sich auch die Inschriften aus Rom.

Der früheste absolut sicher datierbare Bildbeleg ist ein Wandgemälde in Pompeji, da wir von dort wissen, dass er nicht älter sein kann als 79 n. Chr.

Die erste zweifelsfreie namentliche Inschrift, in der Eponas Name genannt wird, stammt aus einem Tempel in Entrains-sur-Nohain, Frankreich aus dem frühen zweiten Jahrhundert. Sie lautet:

Augusto sacrum deae / Eponae / Connonius Icotasgi fil(ius) / templum cum suis orna/mentis omnibus de suo donavit l(ibens) m(erito) (CIL 13, 02902)

Der erhabenen Göttin Epona gibt Connonius, Sohn von Icotasgus, diesen Tempel mit all seinen Verzierungen und auf eigene Kosten.

Am gleichen Ort findet sich auch eine zweite Widmung an Epona (CIL 13, 2903), was ihre zentrale Bedeutung für diesen Tempel hervorhebt.

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Epona im Landesmuseum Trier

Literarische Belege tauchen ab der hadrianischen Zeit auf (die Regierungszeit von Kaiser Hadrian war 117-138 n. Chr.).

Interessanterweise geht die Verbreitung Eponas nicht von Gallien aus, sondern die Funde sind in den frühen Jahren weit verbreitet überall im Reich zu finden, von Italien bis Britannien, von Rumänien bis Frankreich, während sie sich erst später auf den Raum Gallien und Germanien konzentrieren und dort gehäuft auftreten.

Wieso es bislang keine gesicherten Belege zwischen der Eroberung Galliens im Jahr 52 v. Chr. und der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. gibt, ist nicht eindeutig erklärt und schwierig mit der Hypothese zu vereinbaren, dass Epona eine Göttin ist, die aus vor-römischer Zeit stammt, denn dann dürfte es diese auffällige 100-jährige Überlieferungslücke eigentlich nicht geben.

Ihr relativ spätes Auftauchen ab der Mitte des ersten Jahrhunderts stützt jedoch die gegenläufige These, dass Epona und ihr Kult erst später durch Verschmelzung lokaler keltischer und römischer Götter entstand und sie keine keltische Vorläuferin hat, die 1:1 von den Römern übernommen wurde (vgl. Zeittafel aller bekannten Inschriften und Darstellungen von Epona, oder Auflistung von M. Euskirchen in ihrer Dissertation “Epona”. Bericht der Römisch-Germanischen Kommission Deutsches Archäologisches Institut., 74: 607-838., 1993).

Wir erlauben uns an dieser Stelle kein Urteil und lassen deshalb die Herkunft der Göttin Epona offen – ob sie nun bereits zu vorrömischer Zeit von den einheimischen Galliern in unserer Region verehrt wurde oder ob sich ihre Vorstellung erst in gallo-römischer Zeit entwickelt hat, ist für den Praktizierenden des Gallo-Römischen Kultes unerheblich.

Wie bei den anderen keltischen Göttinnen, die von den Römern übernommen wurden, wurde ihr Name auch nicht um ein Epitheton erweitert, sondern sie wurde – wie z.B. Rosmerta oder Sirona – unter ihrem gallischen Namen verehrt. Dies ist anders bei männlichen Göttern keltischer Herkunft, die im Rahmen der Interpretatio Romana fast immer einen römischen Namenszusatz erhielten, wie Apollo-Grannus, Mars-Intarabus oder Lenus-Mars (der wiederum die Besonderheit aufweist, daß der keltische Name vor dem römischen genannt wird).

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Epona aus dem Tempel in Tawern, wo sie in einem 9 Meter tiefen Brunnenschacht gefunden wurde

Im Gegensatz zu vielen anderen keltischen Göttinnen wurde Epona auch nicht mit einem männlichen Gott verpartnert, sondern blieb alleine. Gelegentlich wurde sie zusammen mit Herkules angerufen, der ebenfalls unter anderem für Schutz auf Reisen zuständig war.

Dafür wird sie oft mit Beinamen gekennzeichnet, aus der ihre große Bedeutung und Wertschätzung hervorgeht, wie Epona Regina (Königin Epona) oder – bei Anrufungen im Rahmen des Staatskultes – als Epona Augusta. Andere Beinamen waren Epona Dea (die Göttliche) und Epona Sancta (die Heilige).

In den meisten Inschriften wird sie „Epona“ genannt, daneben gibt es auch einige abweichende Inschriften, in denen sie „Epana“ oder „Epane“ geschrieben wird, zum Beispiel bei Funden im Norden Spaniens. Inwieweit es sich dabei um eine lokale Variante, künstlerische Freiheit oder Unwissenheit des Steinmetzes handelt, ist unklar.

Ikonographie

Das Aussehen der Göttin Epona ist durch zahlreiche archäologische Funde sehr gut belegt.

Neben Votivreliefs und Reliefs auf Altären taucht Epona auch in figürlicher Darstellung in Form von Statuetten und in Wandmalereien auf.

Es existierten mehrere typische Darstellungsformen (klassifiziert nach W. Schleiermacher):

  • Epona, seitlich auf einem Pferd sitzend („gallischer Typus“)
  • Epona, mittig auf einem Stuhl oder Thron sitzend und auf beiden Seiten flankiert von einem oder mehreren Pferden (der „Imperiale Typus“ genannt)
  • Epona in einer Kutsche, die von mehreren Pferden gezogen wird

Seitlicher Sitz auf dem Pferd („Gallischer Typus“)

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Epona im „gallischen Typus“ (Archäologisches Museum Arlon)

Diese Darstellungsform ist die häufigste Form in Gallien. Epona sitzt (anders als beim modernen Damensattel) seitlich mit herabhängenden Beinen auf einem (in der Regel nach rechts schauenden) stehenden oder laufenden Pferd.

Die Göttin ist in dieser Darstellung oft mit einem langen Gewand bekleidet, gelegentlich auch mit einer Kopfbedeckung in Form einer Haube oder eines Umhangs.

In vielen dieser Darstellungen berührt die Göttin mit einer Hand das Pferd oder hält Zügel (diese gibt es jedoch nicht immer), während sie in der anderen Hand ein Füllhorn (Cornucopia) oder eine Opferschale (Patera) hält. Manchmal hält sie auch Früchte, Getreideähren oder eine Schale oder Korb mit Früchten auf dem Schoß.

Diese Symbole deuten auf Fruchtbarkeit, Wohlstand und Üppigkeit hin.

Beispiele für diesen Typus zeigen Reliefs aus Stuttgart (Votivrelief 7360), Bregenz (Relief 5275), Nassenfels bei Eichstätt (Relief 6364), Sassenheim (Relief 6996), Heddernheim / Nida bei Frankfurt (Relief 7106), Ladenburg (Relief 25587) oder dem Römerkastell Saalburg (Relief 7241).

In Belginum im Hunsrück, wo sich heute ein Archäologiepark befindet, stand wahrscheinlich ein Zentralheiligtum für Epona, die hier von den einheimischen Treverern (die auch für ihre Pferdezucht bekannt waren), verehrt wurde. Auch hier findet sich ein Relief vom reitenden Typ.

Thronsitz („Imperialer Typus“)

Hierbei handelt es sich um den sogenannten „Imperialen Typus“ oder „Reichstypus“, den am meisten verbreiteten Typus außerhalb Galliens. Epona sitzt auf einem Thron oder Stuhl (oder steht gelegentlich) in der Mitte der Darstellung und ist auf beiden Seiten von Pferden flankiert, seltener auch Hunden oder Eseln. Die Pferde schauen in die Richtung der Göttin oder essen Äpfel aus ihrem Schoß. Diese Darstellung kennt man zum Beispiel aus einer Wandmalerei im Circus Maximus in Rom.

Daneben gibt es auch Übergangsformen, die Merkmale sowohl des Satteltypus als auch des Imperialen Typus zeigen.

Interessant ist eine Darstellung aus Dacien (heute zu finden im Historischen Museum in Budapest), die Parallelen zur Darstellung der Kybele zeigen, nur dass hier Kybeles flankierende Löwen durch Pferde ersetzt sind.

Beispiele für den Reichsstypus stammen unter anderem aus Freiberg am Neckar (Votivrelief 7359), Öhringen (Relief 7669), Budapest und Rom (Circus Maximus).

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Relief im Römerkastell Saalburg

Die Szene auf dem Relief aus Freiberg am Neckar ist sehr detailliert und besteht aus zwei Teilen. Die gleiche Darstellung findet sich auch im Römerkastell Saalburg.

In der oberen Hälfte unter einer muschelförmigen Kuppel sitzt Epona mittig auf einem gepolsterten Stuhl. Sie ist rechts und links von mehreren Pferden flankiert, die in ihre Richtung sehen. Die Göttin hält auf dem Schoß einen Korb, aus dem je ein Pferd frisst.

In der unteren Hälfte des Reliefs sieht man einen Wagen mit vier achtspeichigen Rädern, der von drei Pferden gezogen und von einem Kutscher gelenkt wird. Was der Wagen transportiert, ist nicht erkennbar.

Rechts vor dem Wagen ist eine Opferszene dargestellt, in der ein Mann mit verhülltem Haupt (Capite velato) an einem Altar das Voropfer darbringt. Neben ihm steht eine große Amphore und von rechts erscheint ein Mann, der ein Schwein an den Hinterbeinen trägt, während es auf den Vorderbeinen läuft.

Epona im Wagen

Die Darstellung des von Pferden gezogenen Wagens ist die seltenste; hier sind nur wenige Beispiele bekannt, zum Beispiel eine bronzene Platte aus Alesia.

Diese Darstellungen sind nicht immer eindeutig, so dass es zusätzlich einer Inschrift mit Namensnennung bedarf, um sie der Göttin Epona zuzuordnen.

Sonstige Darstellungen

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Epona aus Pompeji (leider aktuell kein besseres Bild verfügbar; wer eines zur Verfügung stellen kann, ist herzlich willkommen!)

Interessant ist eine besondere Darstellung auf einer Wandmalerei in einem Lararium in Pompeji.

Diese zeigt in einer Nische, neben Laren und Girlanden, eine Frau, die auf einem nach links reitenden Esel sitzt. Sie trägt ein langes, weißes Gewand, das sie über ihren Kopf gezogen hat. Im linken Arm hält sie ein in ein grünes Tuch gewickeltes Baby, das mit der rechten Hand ihre linke Brust berührt.

Es gibt zwei Deutungen, eine als „Isis-Epona“, da eine gewisse Ähnlichkeit mit Isis Lactans besteht. Diese reitet jedoch niemals und es fehlen hier auch andere typische Attribute.

Daher wird die Darstellung als Epona angesprochen, obwohl es sich nicht um den klassischen gallischen Reitertypus handelt. Die Larariumsmalerei befand sich oberhalb der Tränke eines Stalls und zudem wurde im räumlichen Zusammenhang damit auch eine gallische Epona-Statuette gefunden, so daß diese Deutung wahrscheinlich ist.

Da auch in der antiken Literatur Epona mehrmals im Zusammenhang mit Isis genannt wird, ist das Hinzufügen des Babys möglicherweise durch Isisdarstellungen inspiriert gewesen.

Zuständigkeiten, Kult und Opfergaben

Die Zuständigkeiten der Göttin kennen wir aus zahlreichen Inschriften, können sie aber auch aus der Ikonographie und den Fundumständen herleiten. Zudem wird Epona auch in antiker Literatur beschrieben, woraus sich ebenfalls Informationen darüber ergeben, welche Bedeutung die Göttin hatte und wie man ihr opferte.

Welche Zuständigkeiten Epona jedoch in vorrömischer Zeit zugesprochen wurden – sofern sie in dieser Form und unter diesem Namen zuvor überhaupt bekannt war – ist nicht überliefert.

Epona

Eine volkstümliche bemalte Darstellung der Epona

Unter anderem erscheint sie bei Juvenals Satiren (8. Buch), wo ein pferdeverrückter junger Adliger namens Lateranus, der sich gerne mit den niedersten Ständen abgibt, unter anderem den Fuhrleuten und Maultiertreibern, an einem Altar für Jupiter weigert, einen Schwur auf irgendeinen anderen Gott als Epona abzulegen. Diese wird, laut Juvenal, auf die Wände von „stinkenden Ställen“ gemalt (Satiren [8.146]).

Auch in „Der Goldene Esel“ von Apuleius wird Epona im Zusammenhang mit Ställen erwähnt. Hier wird ihre Statue als zentral in einem Schrein im Stall aufgestellte Figur beschrieben, die mit Girlanden aus frisch gepflückten Rosen behängt ist (Der Goldene Esel [III. 27,1-2]).

Diese beiden Textquellen belegen, dass Epona nicht nur in ihr geweihten Tempeln und Schreinen verehrt wurde, sondern auch in Ställen einen solchen Platz der Verehrung hatte. Dies deutet auf ihre Funktion als Schutzgöttin für Pferde, Maultiere, aber auch Fuhrleute und alle, die mit Pferden zu tun haben, hin. Bestätigt wird dies durch archäologische Funde von Statuen und Reliefs in Ställen, aber auch durch Inschriften, die wiederum Ställe erwähnen, wie explizit z.B. den Stall des Statthalters von Apulum.

Auch sind gemalte Bilder von Epona an Stallwänden bekannt. Prominentestes Beispiel ist die Wandbemalung des Circus Maximus, der größten Arena für Wagenrennen ihrer Zeit.

Epona wurde deshalb wahrscheinlich vor allem von Personen verehrt und war für sie zuständig, deren Lebensinhalt in irgendeiner Weise mit Pferden verknüpft war, seien es Fuhrleute oder Kavalleristen, Pferdekuriere, Stallburschen, Wagenlenker, Kutscher oder Pferdezüchter. Aber auch Reisende, die mit dem Pferd oder dem Wagen unterwegs waren, wandten sich an den Wege- und Pferdewechselstationen schutzsuchend an Epona.

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Epona war insbesondere bei den berittenen Streitkräften beliebt (hier: Hermann Klinkhammer, der „Reiter Roms“, bei den Historienspielen auf Ehrenbreitstein)

Besonders große Verehrung erfuhr Epona, wie man aus Fundzusammenhängen und Widmungen in Inschriften insbesondere entlang der befestigten Grenzen und Kastelle sieht, in Militärkreisen, hier insbesondere bei Soldaten der berittenen Truppen.

Diese setzten sich oft aus Auxiliareinheiten zusammen, die aus Angehörigen unterschiedlichster Völker bestanden, zum Beispiel Germanen, Gallier, Pannonier oder Syrer. Viele hatten nicht das römische Bürgerrecht, dienten aber in der Armee mit der Aussicht, es am Ende ihrer Dienstzeit zu erwerben.

Namentlich tun sich hierbei vor allem die equites singulares augustii hervor, die Kaiserliche Pferdegarde, die das berittene Äquivalent zur Prätorianergarde darstellen und sich ebenfalls aus Angehörigen verschiedener Völker und Auxiliareinheiten aller Provinzen rekrutierten, wie Germanen, Gallier, Pannonier und Daker. Sie waren stark an der Weiterverbreitung des Epona-Kultes im ganzen Reich beteiligt, da Epona zu den Schutzgottheiten ihrer Einheit gehörte, den Equites Singulares Augusti. Dies ist durch Inschriften auf Weihealtären belegt. Nach ihrer Dienstzeit bei der Kaiserlichen Reiterei kehrten die nur auf Zeit zugewiesenen Mitglieder wieder zu ihren Stammeinheiten überall im Reich zurück und nahmen dabei Epona und ihren Kult mit.

Ihre weite Verbreitung und Beliebtheit im militärischen Kontext läßt somit auch auf eine Schutzfunktion in kriegerischen Zusammenhängen schließen.

Neben der Tatsache, dass Statuen und Schreine für Epona in Ställen und Tempeln errichtet wurden und dass ihre Bilder mit Blumen dekoriert wurden, unterschied sich die praktische kultische Verehrung nicht von der anderer Göttern in der Religio Romana, sondern folgte den gängigen Ritualbräuchen.

Wetteraumuseum_Epona_Kapersburg

Epona im Imperialen Stil aus dem Wetteraumuseum Friedberg (Von Haselburg-müller – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0)

Die Verehrung wurde Capite velato durchgeführt, d.h. das Haupt wurde durch ein Tuch oder einen Teil von Toga oder Umhang bedeckt, und fand daher im Ritus Romanus statt (im Gegensatz zum Ritus Graecus, mit dem man z.B. Apollo verehrte).

Wie man aus den zahlreichen Inschriften erkennen kann, gestaltete sich der Kult für Epona wie der Kult anderer römischen Götter: man opferte, zum Beispiel Tiere, Räucherwerk oder Wein, man leistete Gelübde und man stiftete Votivgaben oder brachte andere Opfer bei der Einlösung des Gelübdes dar.

Welche Tiere Epona geopfert wurden, kann nicht eindeutig bestimmt werden. Jedoch gibt das zuvor beschriebene Relief aus Beihingen einen Hinweis auf die Opferung eines Schweines. Juvenal beschreibt in seinen Satiren (8. Buch) die Opferung eines Bullen und eines Schafs an Jupiter, in Verbindung mit einem Eid an Epona. Im Musée de Nuits-St-Georges ist ein Epona-Fragment aus dem frühen zweiten Jahrhundert zu sehen, das in einem Tempelbezirk gefunden wurde, zusammen mit einem Opfermesser, einem Altar, Schafs- und Rinderknochen.

Weitere Hinweise auf Opfergaben finden sich in der antiken Literatur. Im Werk Apotheosis, einer Arbeit zur christlichen Lehre, verfasst von Aurelius Clemens Prudentius, wird der heidnische Kult als Gegenbeispiel zur christlichen Doktrin herangezogen. Namentlich erwähnt sind die Göttinnen Epona und Cloacina. Hier werden einige gängige kultische Praktiken aus dem römischen Heidentum beschrieben, um sie dem christlichen Gedanken (als abschreckendes Beispiel) gegenüberzustellen.

Beispiele sind Räucherwerk als Opfergabe, das in einer Holzkiste, der Acerra, aufbewahrt wurde und in ein Feuer auf einem Altar gegeben wurde. Auch wird Mola Salsa, eine Mischung aus Salz und Mehl, als Opfergabe erwähnt, die in vielen römischen Ritualen zu Reinigungszwecken verwendet wird, sowie die Eingeweideschau. Das Werk stammt aus dem frühen 5. Jahrhundert (um 405 n. Chr.), so dass davon auszugehen ist, dass zu diesem Zeitpunkt noch ein Kult um Epona existiert haben muß, um als für die Leserschaft allgemeinverständliches Gegenbeispiel zur christlichen Lehre herhalten zu können.

In der Streitschrift Octavius von Minucius Felix aus dem 2. Jahrhundert, die pagane und christliche Argumente gegenüberstellt und das sich an ein gebildetes heidnisches Publikum wendet, wird Epona im gleichen Zusammenhang mit Isis genannt, und es wird das Schmücken von Pferden und Eseln mit Rosen erwähnt.

Auch im Goldenen Esel des Apuleius, der sich in großen Teilen um den Isiskult dreht, taucht Epona im Zusammenhang mit dem Stall auf, in dem der Protagonist versucht, die Rosen aus dem Schrein zu entwenden.

Ob die geschmückten Pferde oder Esel zum Teil auch geopfert wurden, kann anhand der vorliegenden Quellen nicht eindeutig geklärt werden.

 

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Epona aus Köngen (um 200 n. Chr.)   Foto von Rosemania – CC BY 2.0

Libationen, d.h. Trankopfer, wurden wie in der Religio Romana üblich aus Patera-Opferschalen durchgeführt, belegt durch den Fund einiger Opferschalen mit Inschriften für Epona (diese sind heute im Museum Budapest zu sehen).

Viele Tempel für Epona sind im Fanum-Stil als „Umgangstempel“ erbaut, dem Bautypus, der typisch ist für Gallien und die Regionen nördlich der Alpen und der keltische und römische Kultvorstellungen in sich vereint. Hierbei ist eine zentrale Cella mit dem Kultobjekt von einem mit Säulen gerahmten und überdachten Umgang umgeben, unter dem der Cultor die Cella schreitend umrundet.

Die Verehrung von Epona im Rahmen des häuslichen Kultes ist ebenfalls durch Funde belegt, hier vor allem durch kleine Bronzestatuetten und Tonfigürchen aus Privathaushalten, wie sie typisch für Larariumsfigürchen sind. Während die Bronzefiguren eher wohlhabenderen Bürgern zuzurechnen sind, wurden billige Tonfiguren in Massenproduktion hergestellt und in Tempelläden verkauft. Die Tatsache, dass es Epona als billige Massentöpferware zu kaufen gab, belegt ihre weite Verbreitung und Beliebtheit.

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Billige Figürchen, als Massenware in unterschiedlicher Qualität hergestellt, kennt man von vielen Gottheiten (Museum Gallo-Romeins, Tongeren)

Kleine Epona-Statuetten sind zum Beispiel aus Augusta Raurica bekannt.

Aufgrund ihrer Attribute Füllhorn, Opferschale, Getreideähren, Fruchtkorb kann Epona auch – analog zu anderen römischen Göttern und Göttinnen mit diesen Attributen – als Fruchtbarkeitsgöttin und Schutzgöttin des Landes gedeutet werden.

Andere Zuständigkeiten Eponas, von denen man häufig zum Beispiel in neo-keltischen, „hexischen“ und anderen neuheidnischen Kreisen liest, entspringen zum Teil Vergleichen mit der jüngeren inselkeltischen Pferdegöttin Rhiannon. Analog zu dieser wird Epona in diesen Kreisen auch als berittene Führerin der Seelen in das Totenreich betrachtet. Ob eine Verbindung zwischen Epona und Rhiannon bestand, letztere möglicherweise sogar auf die gallische Epona zurückgeführt werden kann, ist aufgrund der vorhandenen Quellen nicht belegbar und daher umstritten. In der römischen Literatur und den Textquellen finden sich keine Hinweise auf eine Rolle als Psychopompos, also als Seelengeleiter in das Totenreich.

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Epona aus Salonica, Mazedonien (4. Jahrhundert). Foto von I, QuartierLatin1968, CC BY-SA 3.0

Die verschiedenen von G. S. Olmsted herangezogenen Argumente für eine Herleitung Rhiannons aus Epona und ihre Funktion als cthonische Unterweltgöttin werden u.a. von Gerhard Bauchhenß plausibel widerlegt (vgl. Bauchheß, Gerhard: Epona – Archäologisches zu einer Gallorömischen Göttin. In: Buchreihe der Zeitschrift für Celtische Philologie, Band 19 – 150 Jahre Mabinogion (2001), S. 21-22).

Im heutigen Cultus Deorum wird Epona unter anderem – in Übertragung ihrer alten Symbolik auf die Gegebenheiten unserer Zeit – als Schutzgöttin und Nothelferin verehrt, an die man sich auf Reisen, inbesondere bei bevorstehenden Fahrten wendet, um Schutz für die Reise und für das Fahrzeug zu erbitten (Stichwort: Pferdestärken). Sie gilt als eine matronale Göttin, die für Wohlergehen, Fruchtbarkeit, Schutz von Reisenden und ihren Tieren und Fahrzeugen zuständig ist.

Feiertage

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Reiter in Xanten 2015

Epona wurde im kaiserlichen Staatskult als Epona Augusta oder Epona Regina im Namen und zum Schutz des Kaisers angerufen.

In einem römischen Kalender aus Guidizzolo in Norditalien wird ein Feiertag zu Ehren von Epona auf den 18. Dezember datiert (der 15. Tag vor den Kalenden des Januar, XV Kalendas Ianuarius Eponae). Ob es sich dabei nur um einen lokalen Feiertag oder ein überregionales Fest handelt, ist unklar.

Da dieser Tag der einzige überlieferte Termin ist, wird der 18. Dezember deshalb als Feiertag für Epona angenommen und auch im heutigen Cultus Deorum als solcher begangen.

Weiterführende Informationen (Auswahl)

  • EPONA.net, Internetseite, die sich der wissenschaftlich fundierten und belegbaren Recherche zum Thema Epona verschrieben hat. Inklusive vollständiger Auflistung aller archäologischen Fundorte
  • Bilddatenbank Ubi Erat Lupa: Bilddatenbank zu antiken Steindenkmälern
  • Epigraphische Datenbank Heidelberg: Datenbank zu antiken Inschriften
  • Bauchheß, Gerhard: Epona – Archäologisches zu einer Gallorömischen Göttin. In: Buchreihe der Zeitschrift für Celtische Philologie, Band 19 – 150 Jahre Mabinogion (2001)
  • Gschössl, Roland: Im Schmelztiegel der Religionen. Göttertausch bei Kelten, Römern und Germanen. Reihe Zaberns Bildbände zur Archäologie.
  • Reinach, Salomon: Epona, La Deesse Gauloise des Chevaux, Paris,: Leroux, 1895 (alt, aber mit zahlreichen Illustrationen zu den verschiedenen Typen)
  • Noelke, Peter: Weihaltäre mit Opferdarstellungen und -bezügen in der Germania Inferior und den übrigen Nordwestprovinzen des Imperium Romanum. Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums 58 (2011)
  • Lucius Apuleius: Der Goldene Esel
  • Juvenal: Satiren (8. Buch)
  • Prudentius: Apotheosis
  • Minucius Felix: Octavius
  • Schleiermacher, W.: Studien an Göttertypen der römischen Rheinprovinzen. Bericht der Römisch-Germanischen Kommission Deutsches Archäologisches Institut., 23. (1933)
  • Jenik, Claudia: Epona auf der Harley – Antike festlandkeltische Gottheiten und ihre neuheidnische Deutungen für das 21. Jahrhundert.
  • Euskirchen, Marion: Epona. In: Berichte der Römisch-Germanischen Kommission. Band 74 (1993)
  • Speidel, Michael P.: Riding for Caesar. The Roman Emperor’s Horse Guard. Cambridge, Massachusetts, Harvard University Press (1994)
  • Kaufmann-Heinimann, A.: Götter und Lararien aus Augusta Raurica, Forschungenin Augst 26 (1998)
  • Fröhlich, Thomas: Lararien und Fassadenbilder in den Vesuvstädten. Verlag von Zabern (1991)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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