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Museen und Antike Stätten: Römerhalle Bad Kreuznach

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Blick von oben in die Römerhalle

Anschrift:

Hüffelsheimer Str. 11, 55545 Bad Kreuznach.

Anfahrt:

Die Kurstadt Bad Kreuznach liegt in Rheinland-Pfalz zwischen Hunsrück und Rheinhessen in der Nähe von Bingen.

Die Römerhalle liegt etwas außerhalb des Ortskerns in der Scheune des ehemaligen Ritterguts Bangert hinter dem Schloßpark, wo sich auch das Museum für Puppentheaterkultur, ein historisches Cafe, das Stadtarchiv und das Schloßparkmuseum befinden.

Das Rittergut Bangert mit seinen zahlreichen Kulturstätten verfügt über einen eigenen Parkplatz, Parkmöglichkeiten sind aber auch überall in der Nähe zu finden.

Mit dem öffentlichen Nahverkehr ist das Museum ebenfalls gut zu erreichen; Bad Kreuznach verfügt über einen Bahnhof, von dort verkehrt die Buslinie 203 Richtung Agnesienberg, Ausstieg an der Haltestelle „Schlossparkmuseum“.

Hintergrundinformationen:

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Bad Kreuznach zu römischer Zeit

Bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. befand sich an der Stelle des heutigen Bad Kreuznach eine keltische Siedlung, deren Existenz archäologisch nachgewiesen ist.

Im Jahr 58 v. Chr., im Rahmen des Gallischen Krieges, wurde das Gebiet Teil des Römischen Reiches. Hier befand sich bald ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, an dem sich mehrere römische Überlandstraßen kreuzten und wo sich im Umfeld eines Kastells ein ziviler römischer Vicus bildete. Hinweise deuten auch auf ein Mercurius- und Maia-Heiligtum sowie auf ein gallo-römisches Provinztheater.

Bei Bad Kreuznach kreuzte sich die römische Schnellstraße von Metz (Divodurum), entlang der Saar über Contiomagus bis nach Bingen am Rhein (Bingium) mit Straßen nach Mainz (Mogontiacum, Provinzhauptstadt von Germania superior), Trier (Augusta Treverorum) und Belginum.

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Modell der Palastvilla von Bad Kreuznach

Im 2. Jahrhundert n. Chr. wurde an einem Südhang des Ellerbachtals, mit Panoramablick auf den Fluß und das Umland, eine gigantische Peristylvilla errichtet. Ihre Dimensionen waren so gewaltig, daß sie weit über das, was man weithin als „Villa Rustica“ bezeichnet, hinausgingen. Es handelte sich weniger um ein luxuriöses Landgut, als um eine Art Landschloß.

Das vierflügelige Gebäude war um einen Innenhof herum ausgerichtet. Es hatte drei Stockwerke, wovon alleine das Erdgeschoß über 50 Zimmer und großzügige Empfangshallen aufwies.

Die Fenster waren verglast, die wichtigsten Räume mit Hypokausten-Fußbodenheizung ausgestattet. Eigene Thermen, eine mehrsitzige Latrine und große Küche, aufwendige und kostspielige Wand- und Deckenmalereien im stadtrömischen Stil, große Fußbodenmosaike, Springbrunnen und eine Ver- und Entsorgung mit fließendem Wasser zeugten vom hohen Lebensstandard der Bewohner. Mit Szenen aus griechischen Tragödien und Komödien wollte der Besitzer möglicherweise seinem Bildungsstand gemäß sein Profil als Kulturkenner zum Ausdruck bringen; daß die Villa repräsentativen Charakter hatte, steht ganz außer Frage.

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Das Oceanus-Cernunnos-Mosaik

Schon im 18. Jahrhundert war bekannt, daß sich an dieser Stelle einmal ein römisches Bauwerk befunden hatte. Ein 58 qm großes, beheizbares (!) Gladiatorenmosaik wurde 1893 entdeckt. Seit dieser Zeit wurde an der Stelle archäologisch geforscht, doch zu ersten systematischen Ausgrabungen kam es erst mit der Entdeckung eines Oceanus-Cernunnos-Mosaiks im Jahr 1966. Freigelegt und untersucht wurde das Gebäude zwischen den Jahren 1975 und 1980 unter Leitung des Archäologen Dr. Gerhard Rupprecht.

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Hypokausten der Fußbodenheizung

Es ist nicht genau bekannt, wer der Besitzer dieser Luxusvilla war; Deutungen über den Besitzer stützen sich auf Indizien, die aus Bau, Ausstattung und Funden der Villa hervorgehen. Er wird jedoch nirgendwo namentlich erwähnt.

Es wird davon ausgegangen, daß es sich um einen hochrangigen Verwaltungsbeamten oder erfolgreichen Geschäftsmann handelte, der möglicherweise in der eine Tagesreise entfernten Provinzhauptstadt Mogontiacum seinen Geschäften nachging und sich gerne auf sein Landschloß zurückzog, um dort im repräsentativen Rahmen Gäste oder Geschäftspartner zu empfangen, zu arbeiten oder zu entspannen.

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Eine Sammlung von Weihesteinen

Ulrike Ehming geht in ihrer Arbeit „Der Besitzer der Bad Kreuznacher Peristylvilla  – ein Händler ostmediterraner Lebensmittel?“ (Münstersche Beiträge zur antiken Handelsgeschichte, Bd. XXIV, 2, 2005) der Frage nach, ob es sich bei dem Besitzer möglicherweise um einen Händler mit teuren Luxusgütern handelte, der frische Meeresfrüche, Austern, Garum, Olivenöl und andere teure Waren aus dem mediterranen Raum nach Gallien brachte. Hierbei stützt sie sich vor allem auf die detaillierten Darstellungen der großflächigen Mosaike in den Empfangssälen, die zu den besterhaltendsten und bedeutendsten Mosaiken nördlich der Alpen gehören, sowie auf Amphoren.

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Blick auf das Gladiatoren-Mosaik

Die Villa wurde im späten 3. Jahrhundert n. Chr. zerstört, wahrscheinlich im Zuge der Frankeneinfälle. Während des 4. Jahrhunderts wurde der Nordflügel der Villa kurzzeitig wieder genutzt, jedoch eher als Festung gegen die immer wieder einfallenden Franken, denn als Luxuswohnanlage. Nach kurzer Zeit wurde das Gebäude dann ganz aufgegeben.

Heute sind die ausgegrabenen Reste der Villa in die „Römerhalle“ integriert, die ehemalige Scheune eines Rittergutes. Während die Mosaike, Kleinfunde und weitere Sammlungen aus der Region im Inneren der Halle ausgestellt sind, sind die Räume der Villa auf dem anschließenden Freigelände zu begehen und reichen bis unter die angrenzende Straße und Wohnsiedlung.

Beschreibung

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Der Schlüssel zur Villa?

Die große Halle ist hoch und hell, so daß sie einen angenehmen Rahmen für die Präsentation der Funde bietet. Auf einer Empore sind weitere Funde ausgestellt, zudem hat man von oben eine gute Sicht auf die Halle und die Mosaike. Insgesamt verfügt die Römerhalle somit über 1000 qm Ausstellungsfläche.

Herausragend sind natürlich die beiden Mosaike, das Gladiatorenmosaik, das an die Villa Nennig im Saarland erinnert, und das ungewöhnliche Oceanus-Cernunnos-Mosaik, das eine interessante Verschmelzung eines römischen Gottes mit einer gallischen Lokalgottheit zeigt und darauf hindeutet, daß es sich bei dem Besitzer der Villa um einen wohlhabenden und einflussreichen romanisierten Einheimischen gehandelt haben könnte.

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Es gibt eine ansehnliche Sammlung von Viergöttersteinen aus der Region

Säulen und Baufragmente der Villa sind rund um die beiden abgegrenzten Mosaike aufgestellt. Großflächige, illustrierte Informationstafeln berichten über die gallo-römische Zeit in der Region, über den Aufbau, die Technik und den Alltag in der Villa und weitere Themen, wie Begräbniskultur, Alltag, Schmuck und Badewesen, Heizung, Militär oder Religion.

Neben dem Oceanus-Mosaik befindet sich auch ein interaktiver Bildschirm, auf dem man sich kurze Filme zu einzelnen Themen anschauen kann, wie dem Mosaik oder der Ausgrabungsgeschichte der Villa.

Die Funde selbst sind ebenfalls gut beschriftet mit Datierung und Herkunftsort (alles jedoch ausschließlich auf deutsch).

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Die Soldatengrabsteine sind sehr detailliert

Einen großen Teil der Ausstellung nehmen Funde aus dem Vicus und dem Kastell, vor allem Soldatengrabsteine ein, die sowohl von Auxiliartruppen als auch von regulären Soldaten aus dem nahegelegenen Kastell stammen. Sie sind deswegen so bemerkenswert, weil sie sehr detailliert und gut erhalten sind und auf den Darstellungen selbst kleinste Details der Rüstung, Kleidung und Ausrüstung gut erkennbar sind. Dies ist eine wahre Fundgrube für alle, die sich für römisches Militär interessieren, vor allem wenn sie Reenactment betreiben.

Auch Sarkophage und Aschekisten gehören zu der Ausstellung.

Daneben gibt es eine Sammlung von Viergöttersteinen von Jupitersäulen, die typisch für diese Region und gallo-römische Glaubensvorstellungen sind, sowie Weihesteine und Reliefs, die weitere Götter zeigen, unter anderem eine Darstellung des trauernden Attis und einer Sphinx auf einem Grabstein, die auf die orientalische Herkunft des hier bestatteten Soldaten hindeuten. Kleine Statuen einer Muttergottheit, des Gottes Vulcanus, Öllampen oder ein kleiner Schrein beleuchten das religiöse Alltagsleben in der Provinz.

Auf der Empore finden sich neben dem teuren Tafelgeschirr aus Terra Sigillata, Schmuckutensilien und andere Kleinfunde aus keltischer und römischer Zeit. Launige Zitate von Römern über Kelten, die großflächig an einer Wand angebracht sind, runden das Bild ab.

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Ein seltener Fund: Fluchtäfelchen

Interessant ist darüber hinaus die Ausstellung von Fluchtäfelchen.

Das Museum zeigt damit zahlreiche hochinteressante Ausstellungsstücke – eine Luxusvilla, die in der Region ihresgleichen sucht, zwei großartige Mosaike und eine ungewöhnliche gallo-römische Gottheit sowie viele spannende Kleinfunde.

Durch eine Seitentür gelangt man in das Außengelände, wo Wege mit Informationstafeln durch die Grundmauern der Villa führen.

Das Museum hat eine angenehme und entspannte Atmosphäre, man kann sich frei und ungezwungen bewegen, das Personal ist sehr nett und hilfsbereit (auch, als wir uns nach unserem Besuch noch Ausflugstipps und Wegbeschreibungen für Bad Kreuznach holten).

Von uns gibt es deshalb eine ganz klare Empfehlung für diesen Geheimtipp abseits der bekannten Römermuseen.

Öffnungszeiten, Preise, Veranstaltungen

Das Museum ist dienstags bis sonntags geöffnet (Montag geschlossen). Öffnungszeiten sind Dienstags von 10-13 Uhr, Mittwoch bis Freitag von 10-16 Uhr und an den Wochenenden von 11-17 Uhr.

Im Februar ist das Museum komplett geschlossen.

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Das Außengelände schließt sich an die Halle an

Der Eintrittspreis für Halle und Freigelände beträgt 4€ (ermäßigt 3€).

Für 7€ ist eine Kombikarte für alle drei Museen im Rittergut erhältlich: Puppentheatermuseum, Schloßmuseum und Römerhalle.

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Blick über die Räume der Villa

Es finden regelmäßige Sonderveranstaltungen statt, wie Erlebnisführungen und museumspädagogische Workshops rund um „römische“ Themen, die sich vor allem an Kinder und Schulklassen richten, zum Beispiel über römische Götter, Münzprägen, Tonfigürchen oder Geschirr.

Im unregelmäßigen Abstand finden auch Kulturveranstaltungen wie Konzerte in der Halle statt. Daneben kann sie für Veranstaltungen gebucht werden.

Sonstiges

Fotografieren ist im gesamten Museum uneingeschränkt möglich.

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Keltische Funde aus der Region

Das Museum ist behindertengerecht gestaltet mit Rampe und Behindertentoilette.

Ein Besuch der Römerhalle kann gut mit den anderen Sehenswürdigkeiten der Kurstadt Bad Kreuznach kombiniert werden, die auf eine lange und bewegte Geschichte von der Antike über das Mittelalter bis zur Neuzeit blicken kann. Unter anderem sind die 9 Meter hohen Gradierwerke der Salinen im 1100 Meter langen Salinental sehens- und erlebenswert.

Daneben gibt es die berühmten mittelalterlichen Brückenhäuser auf der Nahebrücke, die das Wahrzeichen der Stadt bilden, sowie das alte Gerberviertel „Klein Venedig“ am Zusammenfluss von Nahe und Ellerbach, eine Volkssternwarte und eine Burgruine.

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Die Gradierwerke im Salinental sind sehens- und atmenswert

 

 

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1 Kommentar

  1. Ich habe Ihre Website vor noch nicht allzu langer Zeit entdeckt und bin sehr davon angetan, wie engagiert Sie ein Wissen um das Erbe unserer Vorfahren verbreiten !

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