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Museen und Antike Stätten: Römerhalle Bad Kreuznach

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Blick von oben in die Römerhalle

Anschrift:

Hüffelsheimer Str. 11, 55545 Bad Kreuznach.

Anfahrt:

Die Kurstadt Bad Kreuznach liegt in Rheinland-Pfalz zwischen Hunsrück und Rheinhessen in der Nähe von Bingen.

Die Römerhalle liegt etwas außerhalb des Ortskerns in der Scheune des ehemaligen Ritterguts Bangert hinter dem Schloßpark, wo sich auch das Museum für Puppentheaterkultur, ein historisches Cafe, das Stadtarchiv und das Schloßparkmuseum befinden.

Das Rittergut Bangert mit seinen zahlreichen Kulturstätten verfügt über einen eigenen Parkplatz, Parkmöglichkeiten sind aber auch überall in der Nähe zu finden.

Mit dem öffentlichen Nahverkehr ist das Museum ebenfalls gut zu erreichen; Bad Kreuznach verfügt über einen Bahnhof, von dort verkehrt die Buslinie 203 Richtung Agnesienberg, Ausstieg an der Haltestelle „Schlossparkmuseum“.

Hintergrundinformationen:

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Bad Kreuznach zu römischer Zeit

Bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. befand sich an der Stelle des heutigen Bad Kreuznach eine keltische Siedlung, deren Existenz archäologisch nachgewiesen ist.

Im Jahr 58 v. Chr., im Rahmen des Gallischen Krieges, wurde das Gebiet Teil des Römischen Reiches. Hier befand sich bald ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, an dem sich mehrere römische Überlandstraßen kreuzten und wo sich im Umfeld eines Kastells ein ziviler römischer Vicus bildete. Hinweise deuten auch auf ein Mercurius- und Maia-Heiligtum sowie auf ein gallo-römisches Provinztheater.

Bei Bad Kreuznach kreuzte sich die römische Schnellstraße von Metz (Divodurum), entlang der Saar über Contiomagus bis nach Bingen am Rhein (Bingium) mit Straßen nach Mainz (Mogontiacum, Provinzhauptstadt von Germania superior), Trier (Augusta Treverorum) und Belginum.

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Modell der Palastvilla von Bad Kreuznach

Im 2. Jahrhundert n. Chr. wurde an einem Südhang des Ellerbachtals, mit Panoramablick auf den Fluß und das Umland, eine gigantische Peristylvilla errichtet. Ihre Dimensionen waren so gewaltig, daß sie weit über das, was man weithin als „Villa Rustica“ bezeichnet, hinausgingen. Es handelte sich weniger um ein luxuriöses Landgut, als um eine Art Landschloß.

Das vierflügelige Gebäude war um einen Innenhof herum ausgerichtet. Es hatte drei Stockwerke, wovon alleine das Erdgeschoß über 50 Zimmer und großzügige Empfangshallen aufwies.

Die Fenster waren verglast, die wichtigsten Räume mit Hypokausten-Fußbodenheizung ausgestattet. Eigene Thermen, eine mehrsitzige Latrine und große Küche, aufwendige und kostspielige Wand- und Deckenmalereien im stadtrömischen Stil, große Fußbodenmosaike, Springbrunnen und eine Ver- und Entsorgung mit fließendem Wasser zeugten vom hohen Lebensstandard der Bewohner. Mit Szenen aus griechischen Tragödien und Komödien wollte der Besitzer möglicherweise seinem Bildungsstand gemäß sein Profil als Kulturkenner zum Ausdruck bringen; daß die Villa repräsentativen Charakter hatte, steht ganz außer Frage.

Blog_Bad Kreuznach_Oceanus-Cernunnos

Das Oceanus-Cernunnos-Mosaik

Schon im 18. Jahrhundert war bekannt, daß sich an dieser Stelle einmal ein römisches Bauwerk befunden hatte. Ein 58 qm großes, beheizbares (!) Gladiatorenmosaik wurde 1893 entdeckt. Seit dieser Zeit wurde an der Stelle archäologisch geforscht, doch zu ersten systematischen Ausgrabungen kam es erst mit der Entdeckung eines Oceanus-Cernunnos-Mosaiks im Jahr 1966. Freigelegt und untersucht wurde das Gebäude zwischen den Jahren 1975 und 1980 unter Leitung des Archäologen Dr. Gerhard Rupprecht.

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Hypokausten der Fußbodenheizung

Es ist nicht genau bekannt, wer der Besitzer dieser Luxusvilla war; Deutungen über den Besitzer stützen sich auf Indizien, die aus Bau, Ausstattung und Funden der Villa hervorgehen. Er wird jedoch nirgendwo namentlich erwähnt.

Es wird davon ausgegangen, daß es sich um einen hochrangigen Verwaltungsbeamten oder erfolgreichen Geschäftsmann handelte, der möglicherweise in der eine Tagesreise entfernten Provinzhauptstadt Mogontiacum seinen Geschäften nachging und sich gerne auf sein Landschloß zurückzog, um dort im repräsentativen Rahmen Gäste oder Geschäftspartner zu empfangen, zu arbeiten oder zu entspannen.

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Eine Sammlung von Weihesteinen

Ulrike Ehming geht in ihrer Arbeit „Der Besitzer der Bad Kreuznacher Peristylvilla  – ein Händler ostmediterraner Lebensmittel?“ (Münstersche Beiträge zur antiken Handelsgeschichte, Bd. XXIV, 2, 2005) der Frage nach, ob es sich bei dem Besitzer möglicherweise um einen Händler mit teuren Luxusgütern handelte, der frische Meeresfrüche, Austern, Garum, Olivenöl und andere teure Waren aus dem mediterranen Raum nach Gallien brachte. Hierbei stützt sie sich vor allem auf die detaillierten Darstellungen der großflächigen Mosaike in den Empfangssälen, die zu den besterhaltendsten und bedeutendsten Mosaiken nördlich der Alpen gehören, sowie auf Amphoren.

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Blick auf das Gladiatoren-Mosaik

Die Villa wurde im späten 3. Jahrhundert n. Chr. zerstört, wahrscheinlich im Zuge der Frankeneinfälle. Während des 4. Jahrhunderts wurde der Nordflügel der Villa kurzzeitig wieder genutzt, jedoch eher als Festung gegen die immer wieder einfallenden Franken, denn als Luxuswohnanlage. Nach kurzer Zeit wurde das Gebäude dann ganz aufgegeben.

Heute sind die ausgegrabenen Reste der Villa in die „Römerhalle“ integriert, die ehemalige Scheune eines Rittergutes. Während die Mosaike, Kleinfunde und weitere Sammlungen aus der Region im Inneren der Halle ausgestellt sind, sind die Räume der Villa auf dem anschließenden Freigelände zu begehen und reichen bis unter die angrenzende Straße und Wohnsiedlung.

Beschreibung

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Der Schlüssel zur Villa?

Die große Halle ist hoch und hell, so daß sie einen angenehmen Rahmen für die Präsentation der Funde bietet. Auf einer Empore sind weitere Funde ausgestellt, zudem hat man von oben eine gute Sicht auf die Halle und die Mosaike. Insgesamt verfügt die Römerhalle somit über 1000 qm Ausstellungsfläche.

Herausragend sind natürlich die beiden Mosaike, das Gladiatorenmosaik, das an die Villa Nennig im Saarland erinnert, und das ungewöhnliche Oceanus-Cernunnos-Mosaik, das eine interessante Verschmelzung eines römischen Gottes mit einer gallischen Lokalgottheit zeigt und darauf hindeutet, daß es sich bei dem Besitzer der Villa um einen wohlhabenden und einflussreichen romanisierten Einheimischen gehandelt haben könnte.

030_Bad Kreuznach_Viergötterstein

Es gibt eine ansehnliche Sammlung von Viergöttersteinen aus der Region

Säulen und Baufragmente der Villa sind rund um die beiden abgegrenzten Mosaike aufgestellt. Großflächige, illustrierte Informationstafeln berichten über die gallo-römische Zeit in der Region, über den Aufbau, die Technik und den Alltag in der Villa und weitere Themen, wie Begräbniskultur, Alltag, Schmuck und Badewesen, Heizung, Militär oder Religion.

Neben dem Oceanus-Mosaik befindet sich auch ein interaktiver Bildschirm, auf dem man sich kurze Filme zu einzelnen Themen anschauen kann, wie dem Mosaik oder der Ausgrabungsgeschichte der Villa.

Die Funde selbst sind ebenfalls gut beschriftet mit Datierung und Herkunftsort (alles jedoch ausschließlich auf deutsch).

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Die Soldatengrabsteine sind sehr detailliert

Einen großen Teil der Ausstellung nehmen Funde aus dem Vicus und dem Kastell, vor allem Soldatengrabsteine ein, die sowohl von Auxiliartruppen als auch von regulären Soldaten aus dem nahegelegenen Kastell stammen. Sie sind deswegen so bemerkenswert, weil sie sehr detailliert und gut erhalten sind und auf den Darstellungen selbst kleinste Details der Rüstung, Kleidung und Ausrüstung gut erkennbar sind. Dies ist eine wahre Fundgrube für alle, die sich für römisches Militär interessieren, vor allem wenn sie Reenactment betreiben.

Auch Sarkophage und Aschekisten gehören zu der Ausstellung.

Daneben gibt es eine Sammlung von Viergöttersteinen von Jupitersäulen, die typisch für diese Region und gallo-römische Glaubensvorstellungen sind, sowie Weihesteine und Reliefs, die weitere Götter zeigen, unter anderem eine Darstellung des trauernden Attis und einer Sphinx auf einem Grabstein, die auf die orientalische Herkunft des hier bestatteten Soldaten hindeuten. Kleine Statuen einer Muttergottheit, des Gottes Vulcanus, Öllampen oder ein kleiner Schrein beleuchten das religiöse Alltagsleben in der Provinz.

Auf der Empore finden sich neben dem teuren Tafelgeschirr aus Terra Sigillata, Schmuckutensilien und andere Kleinfunde aus keltischer und römischer Zeit. Launige Zitate von Römern über Kelten, die großflächig an einer Wand angebracht sind, runden das Bild ab.

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Ein seltener Fund: Fluchtäfelchen

Interessant ist darüber hinaus die Ausstellung von Fluchtäfelchen.

Das Museum zeigt damit zahlreiche hochinteressante Ausstellungsstücke – eine Luxusvilla, die in der Region ihresgleichen sucht, zwei großartige Mosaike und eine ungewöhnliche gallo-römische Gottheit sowie viele spannende Kleinfunde.

Durch eine Seitentür gelangt man in das Außengelände, wo Wege mit Informationstafeln durch die Grundmauern der Villa führen.

Das Museum hat eine angenehme und entspannte Atmosphäre, man kann sich frei und ungezwungen bewegen, das Personal ist sehr nett und hilfsbereit (auch, als wir uns nach unserem Besuch noch Ausflugstipps und Wegbeschreibungen für Bad Kreuznach holten).

Von uns gibt es deshalb eine ganz klare Empfehlung für diesen Geheimtipp abseits der bekannten Römermuseen.

Öffnungszeiten, Preise, Veranstaltungen

Das Museum ist dienstags bis sonntags geöffnet (Montag geschlossen). Öffnungszeiten sind Dienstags von 10-13 Uhr, Mittwoch bis Freitag von 10-16 Uhr und an den Wochenenden von 11-17 Uhr.

Im Februar ist das Museum komplett geschlossen.

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Das Außengelände schließt sich an die Halle an

Der Eintrittspreis für Halle und Freigelände beträgt 4€ (ermäßigt 3€).

Für 7€ ist eine Kombikarte für alle drei Museen im Rittergut erhältlich: Puppentheatermuseum, Schloßmuseum und Römerhalle.

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Blick über die Räume der Villa

Es finden regelmäßige Sonderveranstaltungen statt, wie Erlebnisführungen und museumspädagogische Workshops rund um „römische“ Themen, die sich vor allem an Kinder und Schulklassen richten, zum Beispiel über römische Götter, Münzprägen, Tonfigürchen oder Geschirr.

Im unregelmäßigen Abstand finden auch Kulturveranstaltungen wie Konzerte in der Halle statt. Daneben kann sie für Veranstaltungen gebucht werden.

Sonstiges

Fotografieren ist im gesamten Museum uneingeschränkt möglich.

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Keltische Funde aus der Region

Das Museum ist behindertengerecht gestaltet mit Rampe und Behindertentoilette.

Ein Besuch der Römerhalle kann gut mit den anderen Sehenswürdigkeiten der Kurstadt Bad Kreuznach kombiniert werden, die auf eine lange und bewegte Geschichte von der Antike über das Mittelalter bis zur Neuzeit blicken kann. Unter anderem sind die 9 Meter hohen Gradierwerke der Salinen im 1100 Meter langen Salinental sehens- und erlebenswert.

Daneben gibt es die berühmten mittelalterlichen Brückenhäuser auf der Nahebrücke, die das Wahrzeichen der Stadt bilden, sowie das alte Gerberviertel „Klein Venedig“ am Zusammenfluss von Nahe und Ellerbach, eine Volkssternwarte und eine Burgruine.

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Die Gradierwerke im Salinental sind sehens- und atmenswert


 

Eine ungewöhnliche Gallo-Römische Gottheit: Oceanus-Cernunnos

Heute möchten wir Euch eine gallo-römische Kuriosität vorstellen – eine ungewöhnliche  Verschmelzung eines keltischen mit einem römischen Gott: Oceanus-Cernunnos.

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Kurzer Exkurs: Interpretatio Romana

Dank der Interpretatio Romana ist die Identifikation fremder Gottheiten mit römischen Gottheiten eigentlich nichts Außergewöhnliches; viele Gottheiten anderer Völker, seien es gallische, afrikanische oder orientalische Götter hielten auf diese Weise Einzug in den römischen Pantheon, indem sie mit bekannten römischen Gottheiten identifiziert oder assoziiert wurden. Beispiele dafür sind die gallischen Heilgötter Apollo-Grannus und Lenus-Mars, landwirtschaftliche Götter wie Mars-Intarabus, der orientalische Soldatengott Jupiter-Dolichenus, der ägyptische Jupiter-Ammon oder die keltische Waldgöttin Diana-Arduinna.

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Apollo-Grannus und Sirona, zwei beliebte gallo-römische Gottheiten

Andere fremde Götter wurden ohne römisches Gegenstück Teil der römischen Götterwelt, wie die keltischen Göttinnen Sirona, Rosmerta und – vor allem – Epona, die sich reichsweiter Beliebtheit erfreute.

In der Römischen Antike war es üblich, Lokalgötter aus den Provinzen des Imperiums durch funktionale Identifikation, d.h. aufgrund ihrer Attribute, Eigenschaften oder Zuständigkeiten, mit einer römischen Gottheit gleichzusetzen und dadurch in den eigenen Cultus aufzunehmen. Ausführliche Hintergrundinformationen zu dieser Praxis findet Ihr in unserem Artikel zur Interpretatio Romana, auf den wir an dieser Stelle verweisen möchten.

Ein römischer Meeresgott und der keltische Gehörnte?!

Da es, wie im verlinkten Artikel beschrieben, keine festen „Zuordnungstabellen“, Regeln oder gar Kommissionen gab, die bestimmten, welcher Gott mit welchem zu identifizieren sei, gab es in der Vermischung große persönliche Freiheiten und Interpretationsspielräume. Das führte dazu, daß wir heute auf Bildern, Weihesteinen oder Inschriften immer wieder auch auf ungewöhnliche Zuordnungen stoßen, die zwei Götter miteinander verschmelzen, deren Zusammenhang sich auf den ersten Blick nicht unmittelbar erschließt oder die aus den persönlichen Lebensumständen des Stifters zu deuten sind.

Ein Beispiel dafür ist auf einem großen Bodenmosaik in der Palastvilla von Bad Kreuznach zu bewundern, die wahrscheinlich einem erfolgreichen, einheimischen Geschäftsmann gallischer Herkunft und Händler für mediterrane Meeresfrüchte gehörte: er widmete das detailreiche Relief einem gallo-römischen Oceanus-Cernunnos.

Der Fundort

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Modell der Palastvilla von Bad Kreuznach

Die römische Luxusvilla liegt in der heutigen Stadt Bad Kreuznach an der Nahe, zu römischer Zeit eine kleinere Ansiedlung (vicus) mit einem nahegelegenen Militärkastell.

Es handelte sich um eine der größten Villen in der Region, deren wohlhabender Besitzer vermutlich in der eine Tagesreise entfernten Provinzhauptstadt Mogontiacum (das heutige Mainz) arbeitete und sich dann und wann auf sein „Landschlößchen“ zurückzog. Der repräsentative Bau deutet darauf hin, daß er auch dazu diente, Gäste und Geschäftsleute zu empfangen, sich in den ausschweifenden Thermen standesgemäß zu entspannen oder sich anderen Vergnügungen hinzugeben, wie man es als „Superreicher“ zur römischen Zeit tat.

Die Villa lag auf einem Südhang des Ellerbachtals mit Panoramablick auf den Fluß und das ganze Tal. Sie war im Stil einer Peristylvilla erbaut, einem Gebäude, das im mediterranen Stil um einen zentralen Innenhof herum errichtet war. Entlang der gesamten Nordseite, über die das Haus betreten wurde, zog sich ein Porticus, eine Säulenhalle.

Die dreistöckige Villa hatte gigantische Ausmaße und verfügte allein im Erdgeschoß über 50 Zimmer. Die Fenster waren verglast. Die beiden repräsentativen Empfangssäle waren jeweils mit einer Hypokaust-Fußbodenheizung beheizt. Es gab Wasserspiele, die mit eigenen Wasserleitungen versorgt wurden, einen Küchentrakt und eine dreisitzige Toilette. Tonleitungen, die von einer Quelle oberhalb des Hangs bis zum Haus führten, deuten auf eine eigene Versorgung mit fließendem Wasser, sowie den steten Abfluß von Brauchwasser hin. Auch im Keller des Hauses lag eine eigene Quelle, deren Wasser durch Risse im Fels sinnvoll genutzt wurde, um Vorräte zu kühlen.

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Die Römerhalle von Bad Kreuznach ist ein sehr sehenswertes Museum

An einigen Wänden fanden sich große, sehr hochwertig ausgeführte Wandmalereien, zum Teil mit Inschriftenresten, die auf Szenen griechischer Tragödien hindeuten und den hohen Bildungsanspruch des Besitzers darstellen sollen. Einige Wände sind mit echtem Marmor verkleidet, an anderen wiederum wurde Marmorimitat verwendet. Deckenmalereien mit Kassetten sind an stadtrömische Architektur angelehnt.

Zwei großflächige Mosaike (eines davon beheizt!) dienten dazu, den Reichtum des Besitzers zur Schau zu stellen – schon damals in gehobenen Kreisen überaus wichtig. Sie gehören heute zu den besterhaltensten Mosaiken nördlich der Alpen, zusammen mit dem Dionysos-Mosaik in Köln und dem Gladiatorenmosaik in der Villa Nennig.

Das erste Mosaik der Villa zeigt Gladiatorenszenen aller Art, wie sie überall im römischen Reich zu finden sind.

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Mosaik mit eingelassenem Sechseckbrunnen

Das zweite Mosaik zeigt das Portrait eines Gottes, der als „Oceanus-Cernunnos“ angesprochen wird, da sich in seiner Darstellung Attribute beider Götter vereinigen. Zwar gibt es nirgendwo in der Villa eine Inschrift, in der er ausdrücklich so genannt wird, aufgrund der eindeutigen Ikonographie wird diese Deutung allerdings allgemein akzeptiert – zumal nichts dagegen spricht, daß ein romanisierter Kelte diese beiden Götter, die beide für ihn in seinem Privatleben eine wichtige Rolle spielen, miteinander verbindet.

Das war gängige römische Praxis; nur die Mischung zweier augenscheinlich vollkommen unterschiedlicher Götter ist es, die diese Kombination besonders interessant macht (wenn auch nicht einzigartig, denn es sind einige weitere Oceanus-Cernunnos-Verbindungen bekannt, unter anderem aus Verulamium und Colchester in Britannien).

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Der vicus von Bad Kreuznach zur Römerzeit

Das Mosaik stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 234 n. Chr., worauf eine Konsularinschrift bezogen auf die Konsuln Maximus und Urbanus hindeutet.

Die Villa ist heute in die Römerhalle Bad Kreuznach integriert, ein sehenswertes Museum mit Freigelände, das auf 1000 Quadratmetern Funde der Umgebung aus keltischer und römischer Zeit zeigt, sowie Fluchtafeln und eine große Auswahl an Viergöttersteinen. Neben den beiden Mosaiken gehört eine Sammlung von Soldatengrabsteinen aus dem nahen Militärlager zu den wichtigsten Ausstellungsstücken, da diese, oft lebensgroßen und sehr detaillierten Darstellungen, Aufschluß über den soldatischen Alltag und das Aussehen der Auxiliartruppen in der Region geben.

Ikonographie des Mosaiks

Das 1966 gefundene, sehr gut erhaltene Fußbodenmosaik ist 68 Quadratmeter groß. In seiner Mitte befindet sich ein marmorverkleidetes sechseckiges Wasserbecken. Einlassungen im Mosaikboden deuten darauf hin, daß sich darauf ein steinernes Triklinum – eine Liegebank für gesellschaftliche Anlässe – befand.

Die detaillierten Darstellungen auf dem Mosaik gelten als Indiz dafür, daß es sich bei dem Besitzer der Villa um einen Händler von Fisch- und Meeresprodukten gehandelt hat, also teuren Luxusgütern in dieser weit vom Meer entfernten Region, die in der Hauptstadt der Provinz Germania Superior, Mogontiacum, sehr begehrt waren (Dies wird unter anderem in der Arbeit „Der Besitzer der Bad Kreuznacher Peristylvilla – ein Händler ostmediterraner Lebensmittel?“ von Ulrike Ehmig ausführlich untersucht (erschienen in: Münstersche Beiträge zur Antiken Handelsgeschichte, Bd. XXIV, 2, 2005).

Es handelt sich nicht um die sonst üblichen stilisierten Meeres- und Fischereiszenen, die allgemein als Sinnbild für ein glückliches Leben in ländlicher Idylle fernab von Verpflichtungen gelten, sondern um sehr konkrete Darstellungen von Schiffen, Amphoren und Gegenständen, von Handel und Transportszenen, sowie um wirklichkeitsgetreue Abbildungen von Meerestieren, mit denen der Hausherr wahrscheinlich gehandelt hat und die den Gästen in diesem Raum sicherlich auch serviert wurden. In erster Linie diente es also der Selbstdarstellung seines Unternehmens, modern ausgedrückt könnte man sagen, war dieses Haus Teil des Marketings des Besitzers .

Das Mosaik zeigt im Zentrum den nackten Oberkörper eines Gottes mit langen blonden, gelockten Haaren und blondem langem Schnurrbart. Aus seinem Kopf wächst ein rotes, verästeltes Geweih, das einige Laubblätter zieren. Seinen Hals ziert ein Halsreif oder Torque in Form einer Schlange im keltischen Stil.

Hinter den beiden Schultern des Gottes befinden sich zwei Hippocampen (mythologische Meerpferdchen mit dem Oberkörper eines Pferdes und dem Unterkörper eines Fisches).

Um den Gott herum befinden sich detaillierte Darstellungen von Handelstätigkeiten, zum Beispiel dem Kauf von Amphoren und dem Transport von Waren mit Schiffen, mediterrane Küstenlandschaften und zahlreiche Fische und Meerestiere.

Oceanus

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Klassische Darstellung des Oceanus aus Petra (heute Jordanien)

Der römische Meeres- und Flussgott Oceanus wird für gewöhnlich mit Hummer- oder Krebsscheren auf dem Kopf dargestellt. Typisch römisch ist auch seine Darstellung mit wild gelocktem Haar. Oft werden bei den im ganzen römischen Reich beliebten Oceanus-Darstellungen die Enden des Schnurrbarts zu Meerestieren. Im Gegensatz zu Neptun, dem Meeresgott, der oft in aktiver Pose mit Dreizack dargestellt wird, ist Oceanus in der römischen Darstellung meist ruhig, allenfalls mit Anker oder einem Ruder, da er als Gott angerufen wird, wenn es um gute und ruhige Fahrt über ein Gewässer geht.

Seine häufige Darstellung und praktische Verwendung als Wasserspender an Brunnen sowie die Attribute Schilf und Quelle weisen auf seine Funktion als Flussgott hin. Durch die Nähe zum Rhein, eine Tagesreise entfernt, über den der Besitzer der Villa sicherlich zum großen Teil den Transport seiner leicht verderblichen Luxusgüter abwickelte, erklärt sich seine Verbundenheit zu einem Gott, der sowohl die Meere und dessen Bewohner repräsentiert, aber auch als Vater der Flüsse gilt. Seine zentrale Bedeutung für die Sacra Privata, den privaten Hauskult des Villenbesitzers, zeigt sich auch in einem weiteren Fund – Oceanus in Form eines fein gearbeiteten Türbeschlags.

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Klassischer Ocenaus mit Krebsscheren auf dem Kopf, die Bartenden werden zu Delphinen (Cordoba, Spanien)

Die Abwandlung der klassisch römischen Darstellung des Oceanus in eine keltisch beeinflusste Form zeigt sich in der Umwandlung der Hummerscheren in ein Geweih. Zwar könnte man es aufgrund der roten Farbe auch als aus Koralle bestehend deuten, die Form und die daran haftenden Blätter identifizieren es aber eindeutig als Geweih.

Gleiches gilt für den Halsschmuck in Form eines typisch keltischen Halsreifs, der klassischerweise nichts an einem Oceanus zu suchen hat. Auch die Schlangen an seinen Enden entspringen nicht der Ikonographie des Ocenaus, sondern sind in der Gedanken- und Vorstellungwelt eines romanisierten Galliers zu verorten, der sich einerseits ganz dem römischen Lebensstil verschrieben hat, andererseits aber einen unkomplizierten Umgang mit der lokalen gallo-römischen Glaubenswelt pflegt und deshalb keine Probleme damit hat, einen für sein Volk wichtigen Gott mit einem für ihn persönlich wichtigen römischen Gott zu vermischen und ihre Attribute in einer völlig neuen Form zu kombinieren.

Daß ein Gallier von den Krebsscheren auf dem Kopf des Oceanus an das Hirschgeweih einer keltischen Geweihgottheit erinnert wird und diesen in einem heimischen Mosaik entsprechend darstellen läßt, ist im Rahmen des gallo-römischen Kontextes nicht weiter befremdlich. Ebensowenig verwundert es, daß er den Gott Oceanus mit dem in einheimischer Tracht üblichen Halsschmuck darstellt.

Cernunnos (?)

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Cernunnos auf dem Kessel von Gundestrup, sicherlich die bekannteste Darstellung

Cernunnos, der keltische Gott des Waldes und der Waldbewohner, ist aufgrund der Überlieferungslage generell problematisch in der Deutung.

Der Name des Gottes, der aus einer bruchstückhaften Inschrift der Pariser Nautensäule stammt, wurde in der Neuzeit auf zahlreiche namenlose keltischen Gottheiten mit Hirschgeweih übertragen, ohne daß sichergestellt ist, daß es sich bei ihnen immer um ein und denselben Gott handelt und nicht vielmehr um lokale Gottheiten unbekannten Namens.

Es gibt keinerlei Erwähnung oder Beschreibung seiner Symbole, Kultpraxis oder Attribute in schriftlichen römischen Quellen, so daß bei diesem Gott viel (moderne) Interpretation im Spiel ist. So ist die Verwendung des Namens „Cernunnos“ für alle gallischen Geweihgottheiten an sich schon fragwürdig.

Cernunnos trägt auf seinen Darstellungen ein Hirschgeweih oder hat zuweilen sogar einen vollständigen Hirschkopf. Meist sitzt er in ruhiger, geradezu an eine Meditationshaltung erinnernde Pose und ist von Tieren umgeben. In den bekannten Darstellungen trägt er oft ebenfalls einen eng anliegenden Halsreif. In der Gundestrop-Darstellung hält er zudem eine Schlange in der linken Hand und einen Torque in der rechten. Diese Schlange findet sich in mehreren Darstellungen quer durch den gallischen Raum.

Die Schlange spielt allerdings auch in der römischen Vorstellungswelt eine wichtige Rolle als positives, glücks- und erfolgsverheißendes Symbol und Torques mit Enden in Form von Schlangenköpfen sind aus dem gallo-römischen Raum bekannt, zum Beispiel wurden sie gerne von Legionären getragen.

Daß sich Cernunnos im romanisierten Gallien auch zur Römerzeit noch großer Beliebtheit erfreute, belegen Weihesteine, Brunnenfunde, Figur- und Reliefdarstellungen, die bis in die späte Kaiserzeit hinein populär waren. Auf Inschriften wird er in latinisierter Form Cernenus, Cornunus oder Cornutus genannt, worin sich das lateinische Wort „Cornu“ (Horn) wiederfindet (daß der aus dem luxemburgischen Waldtempel im Alzettetal bekannte Cerunincus etwas mit Cernunnos zu tun hat, ist hingegen unwahrscheinlich).

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Antike Stätten: Römischer Grabtumulus Nennig

Der Grabhügel von Nennig

Der Grabhügel von Nennig

Anschrift:

Auf einer Wiese am Ortseingang von Nennig. Keine postalische Anschrift.

Anfahrt:

Nennig liegt im Saarland an der Mosel, direkt an der französischen und luxemburgischen Grenze.

Der römische Grabhügel befindet sich gut sichtbar auf einer Wiese zwischen der Römerstraße (aus dem Nachbarort Tettingen-Butzdorf kommend) und der Bundesstraße B419 am Ortseingang von Nennig, in unmittelbarer Nähe zur römischen Villa. Wenn man in das Navi „Römerstraße, Ecke Peter-Reuter-Weg eingibt“, kann man den Tumulus nicht verfehlen.

Parken kann man direkt an der Römerstraße vor dem Tumulus, oder man parkt auf dem Parkplatz der römischen Villa in Nennig, die man auf jeden Fall auch besuchen sollte, wenn man vor Ort ist! Von dort aus sind es zum Tumulus nur wenige Minuten zu Fuß.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist Nennig mit dem SaarLux-Bus aus Luxemburg, Saarburg, Saarlouis oder Merzig zu erreichen. Nennig hat außerdem einen Bahnhof, der von Regionalzügen aus Wittlich, Perl und Trier angefahren wird.

Hintergrundinformationen:

Die Ausmaße sind beeindruckend

Die Ausmaße sind beeindruckend

Der römische Grabhügel („Mahlknopf“ oder „Moknapp“, wie er im moselfränkischen Dialekt genannt wird), gilt als der bedeutendste und größte Grabhügel in der Region Trier. Er stammt aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. und gehörte zur Villenanlage von Nennig. Er liegt etwa 300 Meter moselwärts ausgehend von der ausgedehnten Badeanlage. In unmittelbarer Nähe befand sich ein zweiter Tumulus, der heute jedoch vollständig eingeebnet ist. Man geht davon aus, daß es sich um den Grabkomplex der wohlhabenden Besitzer der Villa gehandelt hatte, da er aufgrund seiner gigantischen Ausmaße ein überaus kostspieliges und beeindruckendes Statussymbol gewesen sein dürfte.

Der Grabhügel wurde 1819 in einer unorganisierten Schatzgrabung geöffnet, deren Spuren noch heute durch einen großen Trichter am Hügeleingang zu sehen sind. Dabei entdeckte man zahlreiche Funde wie Urnen, Tongefäße und ein Schwert. Da die Grabung nicht gemäß archäologisch-wissenschaftlicher Methodik vorgenommen wurde, weiß man wenig über die im Inneren liegende Grabkammer.

Seinerzeit war auch die römische Herkunft noch nicht erkannt worden und man hielt den Hügel für den Grabhügel des 882 n.Chr. verstorbenen Bischofs von Metz, Wala, der in der Wikingerschlacht von Remich ums Leben gekommen war. Der römische Ursprung und der Zusammenhang zur Villa von Nennig wurden erst später festgestellt.

Eine Bank am Fußweg kann zur Rast genutzt werden

Eine Bank am Fußweg kann zur Rast genutzt werden

1985-1987 erfolgten Untersuchungen und Ausgrabungen des Hügels und des näheren Umfelds durch Alfons Kolling, bei denen nachgewiesen werden konnte, daß der Durchmesser des ringförmigen Grabhügels 44,5 Meter betrug. In seinem Inneren befand sich eine runde Mauerstruktur, zudem war der Hügel von einer 94 x 100 Meter großen eckigen Mauer eingefriedet. Die Höhe des Tumulus betrug 10 Meter. Innen war er von den Besitzern mit Erde verfüllt worden. Die Mauer an der Innenseite diente als Stützmauer und zugleich als repräsentative Schmuckfassade. Sie bestand aus 32, sich nach innen biegenden, Mauersegmenten aus Kalkstein.

Nach dem Ende der Untersuchungen wurde der Hügel wieder verschlossen und aufgeschüttet und die Ringmauer zum Teil rekonstruiert, um sie für die Öffentlichkeit anschaulich darzustellen. Ursprünglich war der ganze Grabhügel außen mit rotem Sandstein verkleidet.

Berichte von Einheimischen, die von älteren Bürgern des Ortes immer wieder bestätigt werden, deuten auf die Existenz von unterirdischen Verbindungsgängen zwischen der Villa Nennig und dem Grabhügel hin. Vor 30 Jahren soll der Eingang eines solchen Verbindungsgangs an der Villa noch zugänglich gewesen sein. Er war so gut ausgebaut, daß man in ihm mehrere hundert Meter lang aufrecht gehen konnte. Auch bei Kanalarbeiten wurde ein solcher Gang gefunden. Ob diese Gänge römischen Ursprungs sind, konnte bislang nicht geklärt werden.

Beschreibung:

Der römische, kreisrunde Grabhügel sticht von schon weitem ins Auge. Ein gerader, gepflasterter Fußweg in römischer Bauart führt von der Römerstraße, einer ruhigen Landstraße, die parallel zur Bundesstraße verläuft, zu dem 10 Meter hohen Hügel.

Die Informationstafel liefert gutes Hintergrundwissen

Die Informationstafel liefert gutes Hintergrundwissen

Eine Informationstafel der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz / Museum für Ur- und Frühgeschichte mit gutem, erklärendem Text und einer Grafik liefert dem Besucher Hintergrundinformationen.

Der Grabhügel liegt gut sichtbar auf einer Wiese und wird von zwei hohen Bäumen umrahmt. Am Wegrand gibt es eine Steinbank, so daß der Ort auch ideal zur Rast genutzt werden kann. Die Gegend ist sehr ruhig und nur ab und zu begegnet einem ein Bauer, Wanderer oder Radfahrer.

Die Dimensionen des Grabhügels sind beeindruckend, insbesondere wenn man sich vorstellt, daß er einst komplett mit einer roten Steinfassade verkleidet gewesen ist. Ein kleines, aber feines Ausflugsziel, das ideal mit anderen Zielen in unmittelbarer Nähe kombiniert werden kann.

Öffnungszeiten, Preise, Zugänglichkeit:

Der Grabhügel ist jederzeit frei zugänglich. Eintritt wird nicht erhoben.

Sonstiges:

Größenvergleich!

Größenvergleich!

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Wenn man sich in der Gegend befindet, sollte man den Besuch des Grabhügels unbedingt mit der Besichtigung der römischen Villa in Nennig verbinden. Hier befindet sich das größte und besterhaltene Mosaik nördlich der Alpen, das mit seinen detaillierten Gladiator-Motiven absolut sehenswert ist.

Ebenfalls in unmittelbarer Nähe, nur wenige Ortschaften weiter, liegt Perl mit dem Archäologiepark Villa Borg. Dieses rekonstruierte römische Landgut ist geradezu Pflichtprogramm für den römischen Touristen!

Auch in den Mosel-Ortschaften im angrenzenden Luxemburg sind zahlreiche römische Sehenswürdigkeiten zu entdecken, so daß man durchaus einen oder mehrere Tage in der Region verbringen kann (und sollte!).

Weiterführende Literatur:

  • Alfons Kolling: Der Tumulus „Malknopf“, erschienen in: Der Kreis Merzig-Wadern und die Mosel zwischen Nennig und Metz. Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland. Band 24., Stuttgart : Theiss, 1992. ISBN 3806210217

Antike Stätten: Dionysos-Mosaik in Köln

Das Dionysos-Mosaik in Köln

Das Dionysos-Mosaik in Köln

Anschrift:

Römisch-Germanisches Museum Köln, Roncalliplatz 4, 50667 Köln.

Anfahrt:

Das Mosaik befindet sich im Keller des Römisch-Germanischen Museums mitten in Köln auf der Domplatte, ist aber auch ohne einen Museumsbesuch von außen durch ein Panoramafenster zu betrachten (der Museumsbesuch wird von uns aber unbedingt empfohlen!!).

Das Museum selbst ist leicht zu finden –  es befindet sich direkt neben dem Kölner Dom in der Kölner Innenstadt. Idealerweise Anfahrt mit der Bahn bis Köln HBF, von dort wenige Minuten zu Fuß über die Domplatte, rechts vom Kölner Dom (Parkplatzsituation für Autofahrer in Köln eher suboptimal, deshalb sollte im Zweifelsfall Park & Ride in Erwägung gezogen werden).

Weiterführende Informationen: 

Beschreibung:

Das Dionysos-Mosaik wurde im Jahr 1941 beim Bau des „Dombunkers“, eines Luftschutzkellers mitten in der Kölner Innenstadt, entdeckt. Es handelte sich dabei um den Boden eines Speiseraumes in einer großen und luxuriösen römischen Villa im mediterranen Stil in der römischen Provinzhauptstadt von Niedergermanien, Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln). Das Haus lag direkt am damaligen Rheinufer.

Das Mosaik ist von einem Geländer umgeben, man kommt jedoch sehr nah heran und kann jedes Detail betrachten

Das Mosaik ist von einem Geländer umgeben, man kommt jedoch sehr nah heran und kann jedes Detail betrachten

Die Villa wurde um ca. 50 n.Chr. erbaut und war während der folgenden dreihundert Jahre von mehreren Generationen bewohnt. Im Jahr 240 fand noch einmal ein großangelegter Umbau statt. Auch an anderen Stellen des Hauses fanden sich Mosaike sowie Wandmalereien. Wie im mediterranen Raum üblich, war die Villa um einen Innenhof mit Springbrunnen und Säulengang herum erbaut, wie man es auch aus Pompeji und Herculaneum kennt. Daneben verfügte sie über eine im rauhen Germanien wichtige Fußbodenheizung.

Im Jahr 355 n.Chr. wurde die Villa durch die einfallenden Franken zerstört, jedoch wurde das Mosaik dabei unter den Schuttmassen begraben und blieb deswegen erhalten.

Das Dionysos-Mosaik selbst ist 70 Quadratmeter groß und besteht aus ca. 1,5 Millionen Mosaiksteinen aus Naturstein, Kalkstein, Terra Sigillata, Ton und grünen und blauen Glassteinen, die aus der Glasindustrie in Köln stammten. Es wurde um ca. 200 n.Chr. angelegt und liegt immer noch an seinem originalen Fundort, da das Museum um die alte Villa herum errichtet wurde.

Es gehört zu den größten und besterhaltendsten römischen Böden nördlich der Alpen.

Als Hauptmotiv zeigt das Mosaik den römischen Gott Bacchus, den Gott des Weines, der sich betrunken auf einen jungen Satyr stützt, der einen Thyrosstab in der Hand hält. Umgeben ist dieses Motiv von verschiedenen Motiven, die zum Bacchus-Kult und seiner Mythologie gehören und in achteckigen Formen angeordnet sind: Trinkbecher (Kantharos), Mänaden, die von einem Satyrn gejagt werden oder ekstatisch musizieren, Amor auf einem Löwen reitend, ein Silen mit einer Flöte, ein Silen auf einem Esel reitend, Pan mit einem Ziegenbock an der Leine, ein weiblicher Panther mit blauem Halsband.

Die Randdekorationen zeigen, daß es sich um den Fußboden eines Speisesaals gehandelt hat. Hier finden sich Mosaike, die sich rund um das Thema Essen und Trinken drehen: Stockenten, Tauben mit Trinkbechern, ein Pfau, Weintrauben und Erntegeräte auf einem Wagen, Vögel, Obst, Kirschen, Austern und ein Hund, der an der Tafel darauf wartet, daß Reste für ihn abfallen.

Erhaltungszustand:

Das Mosaik ist in einem ausgezeichneten Zustand, obwohl es mehrere Male in seiner Geschichte starken Schaden genommen hat.

Bei den fränkischen Germaneneinfällen, bei denen das Haus niedergebrannt wurde, stürzten brennende Trümmer auf das Mosaik, so daß es noch heute Brandspuren hat.

Studenten der FH Erfurt restaurieren das durch Kyrill beschädigte Mosaik

Studenten der FH Erfurt restaurieren das durch Kyrill beschädigte Mosaik

Nach seiner Entdeckung während des Krieges wurde es zu seinem Schutz wieder zugedeckt und erst nach dem Krieg 1946 von Archäologen freigelegt. Ende der 50er Jahre wurde es zu seinem Schutz und um die Farben besser wirken zu lassen, mit einer Kunstharzschicht überzogen. 1974 wurde das Museum als „Schutzbau“ um das Mosaik herumgebaut.

Im Jahr 2007 wurde das Mosaik durch das Orkantief Kyrill stark beschädigt, als eine 70 Kilogramm schwere Holzabdeckung eines Brunnens auf der Domplatte losgerissen wurde, quer über den Roncalliplatz flog und die Panoramascheibe des Museums durchschlug. Das Mosaik wurde dabei an 120 Stellen beschädigt, insbesondere in den Randbereichen wurden ganze Teile zerstört und zerbrochen. Lediglich der Innenteil mit dem Bildnis des Bacchus blieb unbeschädigt. Der finanzielle Gesamtschaden lag im Bereich einer siebenstelligen Summe, der kulturelle Schaden war natürlich ungleich größer. Zusammen mit dem renommierten Istituto Superiore per la Conservatione ed il Restauro Rom wurde das Mosaik ein Jahr lang von Professoren und Studenten der Fachhochschule Erfurt vor den Augen der Besucher restauriert, die dabei zuschauen konnten. Am 18.1.2008, am Jahrestag des Orkans, wurde das renovierte Mosaik mit einem „Dionysos-Fest“ neu eingeweiht.

Durch die sorgfältige Restaurierung ist es heute wieder in einem sehr guten Zustand. Die Präsentation in einem eigenen Kellerbereich ist gut gelungen.

Eintritt und Zugänglichkeit:

Das Mosaik kann von jedermann frei durch das Panoramafenster auf der Domplatte am Roncalliplatz betrachtet werden. Es wirkt auch von weitem sehr gut.

Die zahlreichen Details erschließen sich dem Betrachter jedoch nur aus der Nähe, weshalb man es mit einem Museumsbesuch verbinden sollte. Es nimmt einen eigenen Raum im Kellerbereich des Museums ein, der mit Informationstafeln bestückt ist, die auf die vielen Details des Mosaiks hinweisen und ihre Bedeutung innerhalb des Bacchus-Mythos erklären. Man kann dem Mosaik hier ganz nahe kommen, es allerdings nicht betreten.

Die Besichtigung ist im normalen Eintrittspreis für den Museumsbesuch enthalten; unsere allgemeine Beschreibung des Römisch-Germanischen Museums ist hier nachzulesen.

Sonstiges:

Der Name „Dionysos-Mosaik“ hat sich eingebürgert, obwohl – wie Gerta Wolff in ihrem Buch „Das römisch-germanische Köln“ treffend feststellte – die römischen Bewohner Kölns den Gott des Weines eher mit seinem römischen Namen „Bacchus“ angesprochen haben dürften. Deswegen müßte es eigentlich „Bacchus-Mosaik“ heißen.

Beim Weltwirtschaftsgipfel 1999 wurde die Mosaikfläche als Speiseraum für das Festessen der Staats- und Regierungschefs der G8-Staaten verwendet und während dieses Anlasses zum Schutz mit einer Acrylglasplatte abgedeckt.