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Museen und Archäologische Parks: Archäologiepark Belginum

Das Museum des Archäologischen Parks steht mitten im vicus Belginum

Das Museum des Archäologischen Parks steht mitten im vicus Belginum

Anschrift:

Keltenstraße 2, 54497 Morbach

Anfahrt:

Der Archäologiepark Belginum liegt unmittelbar an der Hunsrückhöhenstraße – schon zu keltischer und römischer Zeit eine wichtige Fernstraße quer durch den Hunsrück von Trier (Augusta Treverorum) nach Bingen (Bingium), die Ausoniusstraße. Sie ist benannt nach dem Dichter Decimus Magnus Ausonius, bekannt für seine Moselbeschreibung „Mosella“. Der Verlauf der heutigen Hunsrückhöhenstraße folgt noch heute der antiken Fernstraße.

Der Park liegt in der Nähe der Dörfer Morbach und Hochscheid im Hunsrück. Letzeres spielte zu römischer Zeit wegen des dortigen Quellheiligtums für Sirona und Apollo-Grannus mit Heilbad, Pilgerherbergen und Tempelkomplex eine überregional bedeutsame Rolle. Da er unmittelbar an der Bundesstraße liegt, ist er mit dem Auto gut erreichtbar. Parkplätze stehen vor dem Museum kostenlos zur Verfügung.

Überall im Park finden sich Informationstafeln auf Deutsch, Englisch und Französisch

Überall im Park finden sich Informationstafeln auf Deutsch, Englisch und Französisch

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Park etwas umständlich zu erreichen. Der nächste Bahnhof befindet sich in Bernkastel-Kues an der Mosel. Von dort aus fährt man mit der Buslinie 311 bis zur Haltstelle „K106“ bei Wederath (Keltenstraße). Von dort aus sind es noch einige Minuten zu Fuß. Dort halten jedoch nur wenige Busse pro Tag, so daß die An- und Abreise sehr gut geplant werden muß. Ansonsten gibt es noch einen Bahnhof in Idar-Oberstein, von dem aus ebenfalls ein Bus nach Morbach fährt. Hier sehen die Verbindungen jedoch nicht besser aus, so daß man besser mit dem Auto anreisen sollte, wenn man die Möglichkeit dazu hat.

Belginum ist auch eine Station auf dem 106 km langen „Sirona-Weg„, der antiken Stätten der Kelten und Römer folgt. Dieser Wanderweg befindet sich lt. Aussage der Verbandsgemeinde zur Zeit auf dem Prüfstand, so daß einige Wegpunkte und Schilder nicht ganz so gut gepflegt sind, wie sie es eigentlich sein sollten. Auch die Website des Sirona-Weges ist zur Zeit offline. Dem Weg kann man aber dennoch gut folgen; insbesondere im Raum Belginum – Hochscheid – Stipshausen – Bundenbach finden sich einige interessante Sehenswürdigkeiten, die in diesem beliebten Wandergebiet in einer Ganztageswanderung erschlossen werden können (Abschnittslänge ca. 20 km).

Hintergrundinformationen:

Der vicus Belginum im östlichen Gallien war zu römischer Zeit ein Ort, der direkt an der viel bereisten und zum Teil zweispurig ausgebauten Ausoniusstraße lag und damit ein wichtiger Durchgangsort war für Reisende in West-Ost-Richtung und für Pilger, die auf dem Weg zum nahen Quellheiligtum in Hochscheid waren.

Ein Kräutergarten mit typischen Kräutern, die zu römischer Zeit verwendet wurden

Ein Kräutergarten mit typischen Kräutern, die zu römischer Zeit verwendet wurden

Der Siedlungsort ist jedoch weit älter und war schon in vorrömischer Zeit von einheimischen Kelten besiedelt. Die Siedlungsgeschichte erstreckt sich von 400 v. Chr. bis 400 n. Chr. und ist deswegen ein bedeutender Fundort für die keltische Zeit im Hunsrück, der vom Stamm der Treverer bewohnt war.

Darüber hinaus ist er auch eine wichtige Fundstätte für die gallo-römische Übergangszeit, da er detailliert den Prozeß der Romanisierung der einheimischen Bevölkerung belegt, die mit der Ankunft der Römer nach dem Ende des Gallischen Krieges nach und nach den römischen Lebensstil übernahmen. Nicht zuletzt wird auch die provinzialrömische Zeit bis in die Spätantike und die beginnende Christianisierung dokumentiert.

Das Besondere an Belginum ist, daß neben dem eigentlichen Ort mit seinen vier Tempelkomplexen, Kulttheater (dessen Nutzung zu kultischen Zwecken durch eine Inschrift belegt ist) und kleinem Militärlager ein riesiges Gräberfeld lag, das fast 1000 Jahre lang durchgängig genutzt wurde.

Es finden sich sowohl keltische Hügelgräber aus vorrömischer Zeit, Gräber aus der Zeit des Gallischen Krieges, Brandgräber nach römischem Brauch und zuletzt Körpergräber nach christlichem Brauch. Die fast 2500 entdeckten Gräber dokumentieren durch ihre Grabfunde detailliert Alter, Geschlecht, Besitzstand und Status der hier Bestatteten. Es gibt Gräber alter und junger Menschen bis hin zu Kindergräbern, wohlhabender und armer Einwohner, Krieger und Handwerker. Insbesondere in der Bestattungskultur ist der Übergang von keltischen zu gallo-römischen Bräuchen und der Mischkultur, die für diese Region typisch ist, sehr gut zu beobachten.

Die Göttin Epona wurde hier im Tempel verehrt, sie war eine der Hauptgottheiten der Treverer

Die Göttin Epona wurde hier im Tempel verehrt, sie war eine der Hauptgottheiten der Treverer

Die Verschmelzung keltischer Bräuche und Glaubensvorstellungen, auch die Übernahme von Gottheiten, die für die Treverer eine besonders zentrale Rolle spielten (wie Epona, Sirona und Grannus) in den römischen Pantheon sind in dieser Region im Hunsrück sehr gut zu sehen. Hier hat sich, wie im ganzen östlichen Gallien (vor allem im Mosel- und Eifelraum) die besondere Mischform des gallo-römischen Cultus in ganz typischer Weise herausgebildet und ist in Belginum durch die Jahrhunderte nachvollziehbar.

Im Tempelbezirk sind die typisch gallo-römischen Umgangstempel mit Cella nachgewiesen. Dort ebenfalls gefundene Pfostenlöcher weisen bereits auf eine Nutzung als Tempelbezirk zu keltischer Zeit hin, da auch die Kelten in dieser Region bereits feststehende Tempelgebäude errichteten. Gleichzeitig befand sich der Tempelbezirk am Ortsrand, was vermuten läßt, daß hier keltische Traditionen der Naturverehrung mit römischen städtischen Traditionen verbunden wurden. Zahlreiche Inschriften, Weihealtäre, Bronzestatuetten und Opfergaben (wie Pferdegeschirr und Wagenteile, die im Tempel gefunden wurden) belegen unter anderem, daß hier ein zentrales Heiligtum für die Göttin Epona stand. Sie war eine der wichtigsten Göttinnen der Treverer, die im ganzen Reich für ihre Pferdezucht bekannt waren und auch die römische Armee mit Pferden belieferten.

Welche anderen Götter eine zentrale Rolle in den Umgangstempeln spielten, ist nicht bekannt, da in keiner Cella ein großes Standbild (wie man es zum Beispiel von Sirona aus Hochscheid kennt) gefunden wurde. Zu den kleinen Figurenfunden gehörten unter anderem Venus und Herkules.

Belginum vicus an der Ausoniusstraße auf der römischen Straßenkarte

Belginum vicus an der Ausoniusstraße auf der römischen Straßenkarte

Die Siedlungsgeschichte an diesem Ort begann um 400 v. Chr. zur Zeit der Hunsrück-Eifel-Kultur, reicht kontinuierlich über die Spätlatènezeit bis in die Eisenzeit und Spätantike. Der Name des Ortes, vicus Belginum, ist auf der Tabula Peutingeriana aufgeführt, einer 6,80 Meter langen römischen Straßenkarte aus dem 3. Jahrhundert, die die wichtigsten Orte des gesamten Römischen Reichs und deren Verbindungsstraßen zeigt (das Original ist nicht erhalten, wurde zu spätrömischer Zeit im 5. Jahrhundert auf der Grundlage von Kartenmaterial aus dem 3. Jahrhundert neu erstellt, zu karolinischer Zeit und im 12. Jahrhundert kopiert; die letzte Kopie ist erhalten geblieben). Auch das zeigt die Bedeutung dieses Ortes an einem wichtigen Verkehrsweg.

Durch die verkehrsgeographische und strategische Lage war Belginum ein wichtiger Warenumschlagplatz, über den Waren aus entfernten Regionen des Reichs, so aus Afrika, Spanien und Italien, nach Norden und von Westen an den Rhein transportiert wurden. Rohstoffe und Güter aus der Region gelangten von hier aus wiederum in den Mittelmeerraum. Zahlreiche Funde, wie riesige Amphoren mit spanischem Olivenöl, dokumentieren den reichsweiten Warenverkehr, der mit hohem logistischem Aufwand betrieben wurde.

Hercules-Figur, gefunden in Belginum

Hercules-Figur, gefunden in Belginum

Im Ort herrschte ein reges Markttreiben, der Markt zog Händler, Handwerker und Kunden von weither an. Außerdem gab es die wichtigsten Handwerksbetriebe vor Ort, vom Radmacher und Wagenbauer über Tischler, Schmiede, bis zum Tuchmacher sowie Ärzten. Die Gegend war auch – wie heute noch – stark von Landwirtschaft geprägt, so daß Bauern in Belginum die Produkte aus der Region anboten.

Die Siedlung bestand aus engen, nebeneinander liegenden Parzellen mit schmalen, rechteckigen Häusern von 8 – 10 Metern Breite und 30 – 40 Metern Länge, die entlang der Straße errichtet waren. Jedes Haus verfügte über einen eigenen Keller und hatte vor der Eingangstür ein Vordach. Es handelte sich um Fachwerkhäuser, die auf steinernen Fundamenten standen und sie beinhalteten wahrscheinlich, wie dies üblich war, Geschäfte und Werkstätten im vorderen Teil und Wohnräume im hinteren Teil. Daran schlossen sich Innenhöfe und Gärten an, in denen Zisternen und Abwässerkanäle eine gut funktionierende Wasserversorgung und Abwasserentsorgung belegen. Da diese Region des Hunsrück bekannt für seine Schiefervorkommen ist (Hunsrück-Schiefer, Bundenbacher Schiefer), der hier auch im großen Stil abgebaut wurde und immer noch wird, waren die Häuser schiefergedeckt.

Zum Ende des 4. Jahrhunderts wurde Belginum, wahrscheinlich durch den Druck der Germaneneinfälle, aufgegeben. Auch die Nekropole, in der fast 1000 Jahre lang Kelten und Römer ihre Toten bestatteten, wurde nicht mehr genutzt.

Die antike Stätte und der antike Straßenverlauf werden seit dem 17. Jahrhundert archäologisch erforscht. Bis ins 20. Jahrhundert waren die Ruinen in der nicht mehr neu besiedelten Gegend oberirdisch sichtbar und fielen immer wieder durch zahlreiche, auch außergewöhnliche Funde auf.

Keltische Hügelgräber in der Nekropole von Belginum

Keltische Hügelgräber in der Nekropole von Belginum

Die ersten systematischen Grabungen erfolgten ab dem Jahr 1954 in mehrjährigen Grabungskampagnen, bei denen das 4,5 ha große Gräberfeld mit seinen 2500 Gräbern archäologisch erfasst wurde. Ab 1969, im Rahmen von Straßenbaumaßnahmen an der nahen Bundesstraße, wurde auch der dazugehörige vicus untersucht, der etwa 600 Meter entlang der römischen Straße und der heutigen Hunsrückhöhenstraße verlief.

In den 90er Jahren wurde das Gebiet mit geophysikalischen Methoden untersucht, wobei zwei Tempelbezirke, das Kulttheater und ein frührömisches Militärlager nachgewiesen werden konnten.

Im Jahr 2002 wurde in diesem Gebiet der Archäologiepark Belginum gegründet, um die Funde zu bewahren und den bedeutsamen Ort der Öffentlichkeit vorzustellen. Die Ausgrabungen dauern bis heute an; aktuell konzentrieren sie sich auf den westlichen Teil der Siedlung und den zweiten Tempelbezirk. Die Grabungen erfolgen in Kooperation mit dem Landesmuseum Trier.

Jedes Jahr gibt es interessante, lokalspezifische Sonderausstellungen

Jedes Jahr gibt es interessante, lokalspezifische Sonderausstellungen wie „VorGeschichten“ im Jahr 2015

Immer wieder kommen dabei neue Erkenntnisse und Funde zum Vorschein, wie die erst im Juli 2015 bekannt gewordene Tatsache, daß es eine spätrömische Befestigungsmauer gegeben hatte, die dem Schutz vor den immer stärker werdenden Germaneneinfällen diente. Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen sind zum Thema Belginum erschienen, die sich detailliert mit den Grabfunden, Totenbrauchtum bei Römern und Kelten und den Themen der Sonderausstellungen beschäftigen.

Im Jahr 2002 wurde das Museum eröffnet, das das Herzstück des Parks bildet. Es steht im Zentrum des antiken Straßendorfs und hat es sich zur Aufgabe gemacht, das keltische und römische Leben an einer so wichtigen Fernstraße anhand von Originalfunden anschaulich zu präsentieren. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Präsentation der Grabfunde, wobei exemplarisch einzelne Gräber mit Knochen und Grabbeigaben den Hintergrund des jeweils hier Bestatteten vorstellen.

Daneben gibt es regelmäßige Sonderausstellungen. Im Jahr 2015 ist es zum Beispiel „VorGeschichten an der Hunsrückhöhenstraße – Straßen und Wege verbinden“.

Beschreibung:

Der Archäologiepark Belginum liegt auf einer landwirtschaftlich genutzten Hochfläche des Hunsrücks, von wo aus eine hervorragende Fernsicht auf Hunsrück, Idarwald, Moseltal und die Eifel gegeben ist. Eine Informationstafel am Wegrand erklärt dem Besucher, was er in der Ferne im Nordwesten sieht, so daß man sich geographisch gut verorten kann.

Das Gräberfeld wird anschaulich durch Informationstafeln erläutert

Das Gräberfeld wird anschaulich durch Informationstafeln erläutert

Die Informationstafeln, die überall im Park zu finden sind, sind auf Deutsch, Englisch und Französisch beschriftet.

Belginum liegt unmittelbar an der Bundesstraße, an der sich auch der Parkplatz befindet. Das kleine Museum, das aus Holz und Glas gestaltet, liegt neben dem Parkplatz, ebenso ein Kinderspielplatz, der sich an der Stelle eines ehemaligen Tempelkomplexes befindet sowie ein aufgemauerter Brunnen. Am Museum führt ein Fußweg vorbei, der von gut gestalteten Informationstafeln gesäumt ist und bis zum 500 Meter entfernten Gräberfeld reicht.

Vor dem Museum steht ein Teil einer Jupitergigantensäule, wie sie für diese Region typisch waren, und es befinden sich hier auch zwei Kräuterfelder, in denen Kräuter angebaut werden, die zu römischer Zeit Verwendung fanden.

Das Museum selbst ist zwar recht klein, dafür aber ansprechend gestaltet. Den Eingangsbereich mit der Kasse bildet ein kleiner Museumsshop, in dem es Repliken (Figuren und Reliefs) zu kaufen gibt, unter anderem der für diese Region sehr wichtigen Göttinnen Epona und Sirona. Außerdem gibt es auch aufwendigere Repliken römischer und keltischer Schmuckstücke, Bücher, Postkarten und einige römische und keltische Souvenirs und Mitbringsel.

Vor dem Museum steht die Spitze einer Jupitergigantensäule, wie man sie nur aus dem ostgallischen Raum kennt

Vor dem Museum steht die Spitze einer Jupitergigantensäule, wie man sie nur aus dem ostgallischen Raum kennt

Es gibt die Möglichkeit, die Ausstellung mit einem an der Kasse erhältlichen Audio-Guide zu besichtigen (der auch für fremdsprachige Besucher interessant ist, da die Ausstellungsstücke ausschließlich auf Deutsch beschriftet sind. Der Audioguide ist auch auf Französisch, Englisch und Niederländisch verfügbar).

Die Dauerausstellung befindet sich im Hauptgebäude des Museums und nimmt einen langen Saal ein. Die Sonderausstellung befindet sich in einem räumlich getrennten seitlichen Anbau, so daß es auch möglich ist, nur die Dauerausstellung oder nur die Sonderausstellung zu besichtigen.

Die Ausstellungsstücke im Museum befinden sich in quadratischen grauen Schaukästen, die einerseits durch eine Scheibe an der Oberseite Einblick erlauben, aber oft auch Fenster an den Seiten und der Rückseite haben, durch die weitere Besonderheiten zu entdecken sind. Außerdem haben viele der Kästen Schubladen, die man herausziehen und erkunden kann. Die Aufmachung ist modern und wirkt geordnet; die Ausstellungsstücke sind thematisch gruppiert und jeder Kasten behandelt eine eigene abgeschlossene Themengruppe.

Im vorderen Teil der langgezogenen Halle befinden sich Schaukästen, die das Leben zu keltischer und römischer Zeit an dieser bedeutsamen Fernstraße zeigen, vom Alltag über Ernährung bis zu Handwerk und Religion.

Der 500 Meter lange Feldweg führt vom Museum zur Nekropole

Der 500 Meter lange Feldweg führt vom Museum zur Nekropole

Im hinteren Teil der Halle dreht sich alles um das Thema Bestattungskultur. Hier sind in Schaukästen mit Glasdeckeln zahlreiche Gräber des Gräberfeldes ausgestellt und erklärt. Es gibt zum Beispiel ein Kindergrab mit den Knochenresten der Brandbestattung, einer Spielzeugrassel und Trinkflasche. Das Grab eines Kriegers, der möglicherweise im Gallischen Krieg fiel, der auch in dieser Region tobte, zeigt seine Ausrüstung und die absichtlich verbogene Waffe. Die Gräber einer wohlhabenden Frau mit Klappspiegel und einer kunstvoll verzierten Glasflasche, die einst vielleicht ein Duftöl enthielt, oder das Grab eines alten Mannes zeugen vom hohen Lebensstandard in Belginum. Die Vielfalt der Gräber, sowohl im keltischen als auch im gallo-römischen oder römischen Stil gibt anschauliche Einblicke in 1000 Jahre Geschichte der Bestattungskultur.

Eine Reihe von Gräbern in einer Wandvitrine erläutert noch einmal gezielt den lückenlosen Übergang von keltischer zu provinzialrömischer Zeit und der Veränderung der Lebensbedingungen anhand der Änderung der Grabbeigaben und Bestattungskultur.

Ein Aussichtsbalkon am Ende der Museumshalle erlaubt einen Blick auf das 500 Meter entfernte Gräberfeld.

Auch die Sonderausstellungen sind recht klein, da der Anbau auch nur aus einem Raum besteht, aber sie behandeln sehr spezielle, lokale Themen und haben deswegen auch ungewöhnliche Fundstücke im Programm. Die Ausstellung „VorGeschichten“, die wir uns im Juli 2015 angeschaut haben, zeigt zum Beispiel (neben Handelswaren, die in Belginum umgeschlagen wurden), verschiedene religiöse Kultgegenstände.

Unter anderem finden sich hier Merkurdarstellungen aus der Region, die einerseits klassischen römischen Vorlagen entsprechen und hochwertig aus Bronze gearbeitet sind, daneben aber eine sehr ungewöhnliche Merkurdarstellung mit primitivem Gesicht, breiten Hüften und langen Armen, die eindeutig keltische Züge trägt und offenbar von einem einheimischen Handwerker nach keltischem Geschmack angefertigt wurde. Aus einem der Tempelkomplexe werden Sklavenfesseln gezeigt, die man dort fand. Da im ländlichen gallischen Raum, anders als in Rom oder Großstädten, Tempelsklaven unüblich waren, ist davon auszugehen, daß ein freigelassener Sklave seine Fesseln dort aus Dank an die Götter abgelegt hat. Solche Funde sieht man natürlich nicht alle Tage, was gerade die kleinen regionalen und oft sehr spezialisierten Museen besonders interessant macht.

Der Weg durch das Gräberfeld

Der Weg durch das Gräberfeld

Der Besuch des Museums empfiehlt sich, bevor man sich auf die Wanderung in den Archäologischen Park begibt, damit man sich vorher das dort vermittelte Hintergrundwissen aneignen kann. Der Weg durch den Park wird vom Personal an der Kasse gerne, samt Empfehlungen, ausführlich beschrieben.

Nach dem Besuch des Museums kann man auf der Rückseite des Gebäudes zuerst den Brunnen besichtigen, an dem sich auch Informationstafeln zum Thema Wasserversorgung auf der kargen Hunsrückhöhenfläche befinden. Diese zeigen anschaulich, wie das Wasser durch ein raffiniertes, hochtechnisches Pumpensystem gefördert wurde.

Ein grasbewachsener, schnurgerader Feldweg führt parallel zur Hunsrückhöhenstraße durch den ehemaligen Vicus. Hier sind allerdings keine Mauerreste oder Gebäude sichtbar, falls man so etwas erwartet! Der Ort Belginum selbst ist, bis auf verfärbte Spuren im Gras und einige wenige aufgemauerte Bauwerke (wie den Brunnen) im Gelände unsichtbar, so daß man sich anhand der Informationstafeln darüber klarwerden muß, wo man sich geographisch innerhalb des Ortes befindet.

Daneben liefern die Informationstafeln Hintergrundinformationen, zum Beispiel über Religion, Kult oder Soldaten als Pioniere.

Größenvergleich! Dieses Hügelgrab diente im Mittelalter als Hinrichtungsstätte

Größenvergleich! Dieses Hügelgrab diente im Mittelalter als Hinrichtungsstätte

Ein paar Schritte vom Museum entfernt erreicht man das frührömische Militärlager, das wahrscheinlich keine kämpfende Truppe beherbergt hat, sondern Soldaten, die mit der Vermessung und dem Ausbau der Straße in Richtung Rhein beauftragt waren – für Straßen- und Aquäduktbau, sowie Vermessungstechnik, waren die Legionen zuständig und hatten dafür hochspezialisierte Techniker und Pioniere in ihren Reihen.

Nach etwa 500 Metern Fußmarsch über einen ebenen, gut begehbaren Feldweg erreicht man die Nekropole. Hier gibt es, anders als in Belginum, eine etwas spektakulärere Aussicht, denn hier stehen noch immer einige der frühen keltischen Hügelgräber, die man ab 400 v. Chr. links und rechts der Straße errichtete.

Man ließ sie auch zu römischer Zeit stehen, da sie nach gallo-römischen Vorstellungen der Sitz der Ahnen – damit auch der Ahnen des Ortes – waren und weiter geehrt werden sollten.

Im Mittelalter bis in die frühe Neuzeit diente das höchste dieser Hügelgräber dem Bernkastler und Kleinischen Hochgericht als Hinrichtungsplatz, weshalb das Flurstück noch heute als „Hochgerichtsheide“ bekannt ist.

Noch ein Größenvergleich

Noch ein Größenvergleich

An die Hügelgräber schlossen sich die (oberflächlich nicht mehr zu erkennenden) Brandgräber an, die für die heidnische römische Zeit typisch waren. Ab dem 4. Jahrhundert, mit der aufkommenden Christianisierung, wurden Feuerbestattungen seltener und durch Körperbestattungen abgelöst, die im heidnischen Rom nicht üblich waren.

Informationstafeln im Gräberfeld zeigen, wie man sich Feuerbestattungen zu römischer Zeit vorzustellen hatte und geben auch einen guten Eindruck davon, wie der Friedhof aussah mit seinen bunten und geschmückten Pfeiler- und Reliefgräbern, die man auch von den Ausfallstraßen vieler anderer römischer Städte überall im Reich kennt. Daneben gab es auch Gräber, die nach keltischem Geschmack mit Menhiren gekennzeichnet waren, mit Mauern umfasste Grabgärten oder steinerne Grabplatten.

Am Ende des Friedhofs macht der Fußweg eine Biegung und man wird um die Hügelgräber herum zurück zum Museum geführt.

Der Fußweg über die offene Hochfläche ist einfach zu bewältigen und bietet zwischendurch Sitzgelegenheit durch im Schatten stehende Bänke. Besonderes Wanderschuhwerk ist nicht erforderlich, der insgesamt 1 km lange Weg kann auch mit Turnschuhen oder anderem festen Schuhwerk gut gelaufen werden.

Die gute Beschilderung, kombiniert mit der tollen Fernsicht bis zu Mosel und der weit entfernten Hohen Acht, dem höchsten Berg der Eifel, sorgen für eine entspannende, interessante und landschaftlich reizvolle Wanderung durch diesen Teil des Hunsrücks.

Öffnungszeiten, Eintritt:

Hügelgräber

Hügelgräber

Das Außengelände ist jederzeit frei zugänglich und kann kostenlos besichtigt werden.

Das Museumsgebäude ist von Ende März bis Anfang November von 10 bis 17 Uhr geöffnet (Montags geschlossen, außer an Feiertagen).

Der Eintritt in die Dauerausstellung oder Sonderausstellung des Museums kostet für Erwachsene 3€ (ermäßigt 2€). Ein Kombiticket für beides kostet 4€ (ermäßigt 3€). Kinder unter 6 Jahren haben freien Eintritt, Kinder bis 15 Jahre zahlen 1,50€ (oder 2€ für das Kombiticket). Es gibt auch ein Familienticket für 6€ (bzw. Kombiticket 7€).

Träger des Museums ist die Gemeinde Morbach in enger Kooperation mit dem Landesmuseum Trier. Daneben gibt es einen Förderverein, der dafür sorgt, daß verschiedene Projekte im Museum und Park umgesetzt werden können, wie die Ausrichtung von Museumstagen, museumspädagogische Aktivitäten oder die Veröffentlichung neuer Publikationen der Forschungsergebnisse.

Führungen und Veranstaltungen:

Jeden 1. Sonntag im Monat findet um 11 Uhr eine kostenlose Führung durch die Sonderausstellung statt.

Regelmäßige Turnusführungen durch die Dauerausstellung gibt es nicht. Es besteht die Möglichkeit für Gruppen, Führungen durch die Ausstellungen und durch das Gräberfeld zu buchen (auch in englischer und französischer Sprache).

Der Blick nach Nordwesten reicht bis zu Mosel und Eifel

Der Blick nach Nordwesten reicht bis zu Mosel und Eifel

Auf der Website des Archäologieparks wird auf Sonderführungen hingewiesen, die zum Beispiel Neues von den Ausgrabungen in Belginum der Öffentlichkeit vorstellen. Auch gibt es Angebote für Kinder wie das Ferienprogramm „Grabung für Teens“ oder „Abenteuer Belginum“.

Für Erwachsene werden regelmäßig Workshops angeboten, zum Beispiel „ein Blick hinter die Kulissen – Arbeitsweise der Archäologen“.

Sonstiges:

Fotografieren ist innerhalb des Museums verboten. Im Außengelände ist das Fotografieren natürlich uneingeschränkt möglich.

Der Park ist als „teilweise barrierefrei“ für Rollstuhlfahrer zertifiziert.

Die ganze Region ist reich an keltischen und römischen Stätten. Ein Besuch in Belginum kann gut mit einem Abstecher nach Hochscheid und Stipshausen kombiniert werden. In Hochscheid befindet sich auf dem Dorfplatz ein lebensgroßes Abbild der Göttin Sirona, eine Replik der Statue aus dem Quellheiligtum. An der Landstraße zwischen Hochscheid und Stipshausen liegt am Waldrand die Sirona-Hütte, ein römischer Pavillon mit einer Sirona-Statue. In Stipshausen gibt es den Sirona-Pavillon, in dem sich Replikate der jetzt im Landesmuseum Trier befindlichen Statuen von Sirona und Apollo-Grannus befinden.

Die Dorfkirche im nahegelegenen Ort Hottenbach beinhaltet einen Viergötterstein. Setzt man seinen Weg fort bis Bundenbach, kann man – nahe eines Schiefer-Besucherbergwerks – eine rekonstruierte keltische befestigte Höhensiedlung besichtigen.

Weiterführende Informationen:

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