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Götterwelt: Hercules

Zuständigkeiten:

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Hercules tötet den Zentauren Nessus

Hercules ist eine sehr vielschichtige Gestalt, was sich in seinen verschiedenen Zuständigkeitsbereichen dokumentiert. So ist er Heil- und Orakelgott, Schirmherr des Handels und der Kaufleute, der Straßen und des Verkehrs, damit Beschützer der Reisenden, sowie zuständig für Maße und Gewichte, Beschützer von Haus und Lager.

Wegen seiner mythischen Heldentaten, in denen er diverse Ungeheuer besiegte und Gefahren unschädlich machte, galt er als genereller Beschützer der Menschen und Bewahrer der Ordnung. Daneben fungierte er ebenfalls als Schützer der Jugend und wurde zum Schutzherrn der Gymnasien, als Hercules Victor (Sieger) wiederum vor allem von Soldaten verehrt.

Sphäre:

Unterwelt und Himmel.

Hercules zeigt hier eine doppelte Sphärenzugehörigkeit wegen der Dichotomie als Mensch und Gott. Als Mensch ist er gestorben, aber aufgenommen wurde er bei seinem Tod in das Reich der Götter. Das führte zu einer gewissen Spannung in seiner mythischen Entwicklung, weil nun nicht klar war, wo seine Seele nach seinem Tod letztlich verblieb.

So begegnet Odysseus auf seiner Unterweltsreise konsequenterweise neben anderen verstorbenen Menschen auch dem Hercules, aber die Geschichte legt Wert darauf zu betonen, Odysseus habe nur das Schattenbild (eidolon) des Hercules beschworen. Dies entspricht der in jener Zeit aufkommenden Vorstellung, das nur ein schwaches Abbild seiner menschlichen Natur diesen Weg ging, seine eigentliche Natur aber vergöttlicht wurde.

Es gibt Berichte, die besagen, dass es manchmal üblich war, diese Zweiteilung der Sphären kultisch umzusetzen, indem Hercules einerseits eine Libation (Trankopfer) auf den Boden gegeben wurde und eine Weihrauchopferung auf dem Altar, dessen Rauch in den Himmel stieg.

Attribute und Darstellungen: 

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Hercules als junger, bartloser Mann

Hercules wird oft als muskulöser bärtiger Mann dargestellt, aber manchmal auch als bartloser und eher schlanker Krieger.

Es gibt sowohl Darstellungen, die ihn als jungen Mann zeigen, als auch welche als alten und müde gewordenen Helden.

Keule, Löwenfell, Bogen und Köcher, auch das Füllhorn und der Trinkbecher werden ihm zugeordnet, auch der delphische Dreifuß, den er entwendete, später aber an Apoll wieder aushändigte und die ebenfalls von ihm geraubten Äpfel der Hesperiden sind Motive, die mit ihm abgebildet werden.

Ältere Darstellungen zeigen ihn in seinem Löwenfell, oder mit Lendenschurz bekleidet, jüngere Skulpturen öfters auch nackt wie einen griechischen Ringer, was das Athletische seines Charakters betonen sollte.

Opfergaben: 

Weihrauch, Wein

Kulttiere: 

Schwein (Opfertier), Rind (Opfertier),  Hirschkuh, Löwe

Feiertage:

24. Juni und 30. Juni (Hercules Musagetes)

Zuordnungen: 

Weisspappel

Sonstiges: 

Auch im Rheinland beliebt: Weihealtar für Hercules Magusanus, gefunden in Bonn

Auch im Rheinland beliebt: Weihealtar für Hercules Magusanus, gefunden in Bonn

Hercules wurde im Laufe der Zeit zu einer der beliebtesten und am meisten verehrten Götter des Imperium Romanum und entwickelte eine enorme Vielschichtigkeit, sowohl was seine Funktionen, als auch seine Anhänger betraf.

So wurde Hercules von den Anhängern der Philosophenschulen der Cyniker und Stoiker oft als archetypisches Rollenmodel betrachtet und fand entsprechende Verehrung, auch wenn er auf den ersten Blick nicht als Gott mit philosophischen Qualitäten erscheint. Aber er nutzte oft seinen Verstand, wenn seine Kraft nicht ausreichte, um ein Problem zu lösen und stand für Mut und Standhaftigkeit selbst in offensichtlich ausweglosen Situationen.

Er entschied sich, als er einmal vor die Wahl gestellt wurde (wie es die Parabel ‚Hercules am Scheideweg‘ erzählt), nicht für ein leichtes Leben, dem Genuss verschrieben, sondern für ein mühevolles, aber der Tugend gewidmetes Leben. Dieses beschwerliche Dasein, ständig in Gefahr zu sein und in einen als aussichtslos erscheinenden Kampf gegen ein dunkles Schicksal hineingeworfen, wie auch sein schmerzhaftes Ende, das aber in seiner Aufnahme zu den Göttern, in seiner Apotheose, sein siegreiches Finale fand, war für die Philosophen so etwas wie ein Spiegelbild des menschlichen Daseins überhaupt. Sie sahen darin ihre eigenen Mühen, (inneren)  Kämpfe, den Versuch, einem Tugendideal zu entsprechen, in einer diesem Lebensweg oft genug feindlich erscheinenden Welt und war Ausdruck ihrer Hoffnung, letztlich als Weiser die menschliche Natur transzendieren zu können.

Seine Aufnahme unter die Götter nach seiner Selbstverbrennung diente als mythisches Modell für den später aufkommenden Brauch der Apotheose der Kaiser, beginnend mit der Deifizierung von Julius Caesar und seiner Aufnahme unter die Staatsgötter als Divus Julius.

Anhänger mit Herculessäule oder Herculesknoten waren ein beliebter Halsschmuck. Die Keule schützte vor Unheil, der Knoten galt als Liebespfand

Anhänger mit Herculeskeule oder Herculesknoten waren ein beliebter Halsschmuck. Die Keule schützte vor Unheil, der Knoten galt als Liebespfand

So erscheint Hercules mit diversen Beinamen in Gallien und Germanien in seiner Identifikation mit dort beheimateten Göttern (allen voran Donar) als Hercules Deusoniensis, Hercules Andossus oder Hercules Magusanus, wird als Hercules Domesticus oft mit seinem Trinkbecher in der Hand in seiner Schutzfunktion für Haus und Lagerräume den Laren und Penaten im Lararium beigesellt und war, wohl wegen seiner enormen Kraft, unter dem Namen Hercules Saxanus der Schutzgott der Steinbrucharbeiter.

Der römische Kaiser Commodus verehrte ihn als Hercules Invictus (Unbesiegbarer Hercules), ja sah sich selber als Inkarnation dieses Gottes und trat mit Wolfsfell bekleidet und Keule bewaffnet selbst in der Arena auf. Hercules Gaditanus galt als höchster Gott des südlichen Spanien und wurde deshalb besonders von den Kaisern Trajan und Hadrian verehrt, die von dort stammten. Diese Bedeutung für das Kaiserhaus schlug sich in seinem Kultnamen Hercules Augusti nieder, andere Namen wie Hercules Triumphalis und Hercules Magnus bezogen sich auf seine generelle Bedeutung für die Spiele in der Arena, ein Name wie Hercules Olivarius zeigt wiederum eine enge Beziehung mit jenen Kaufleuten, die mit den wichtigen Olivenprodukten handelten. Als Hercules Musagetes war er als Begleiter der Musen bekannt, was eine ganz andere Seite seines Wesens symbolisiert.

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Tempel des Hercules Victor, ältester noch erhaltener Tempel in Rom

In dieser Bandbreite und Ambivalenz des herkuleischen Charakters, wie er in seinen Mythen erscheint, zeigt sich demnach die besondere Tiefe und umfassende Bedeutung, die diesem Gott zukommt und noch heute verbinden wir mit dieser Figur spontan Heldenmut und unüberwindliche Stärke.

Im römischen Cultus wird er im Ritus Graecum anstatt im Ritus Romanum verehrt. Entgegen früherer Annahme war der Kult des Hercules nicht auf Männer beschränkt, neuere Forschungen kommen zu dem Ergebnis, dass es einen Ausschluß von Frauen im Kult nur bei den Kulthandlungen an der Ara Maxima gab, einem Altar, der auf dem Forum Boarium, dem Viehmarkt stand.

Antike Quellen mit Gebeten an Hercules:

  • Apuleius: Metamorphoses IX 21, CIL 1.1290
  • Horaz: Sermones 2.6.14
  • Horaz: Saturae 6.10.3
  • Persius: Saturae 2.8
  • Plautus: Curculio 358
  • Plautus: Bacchides 892
  • Propertius: 4.9.71-4
  • Silius Italicus: Punica 1.505-7
  • Vergil: Aeneis 8.301-2
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