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Antike Stätten: Archäologischer Wanderweg Bruttig-Fankel

Heute stellen wir Euch nicht nur ein archäologisches Bodendenkmal vor, sondern gleich einen ganzen Wanderweg durch die Kulturgeschichte der Eifel-Mosel-Region.

In dieser Gegend, die erst von der Bronzezeit, dann der eisenzeitlichen Eifel-Hunsrück-Kultur und dem keltischen Stamm der Treverer und schließlich von der gallo-römischen Kultur geprägt war, findet sich ein kleiner, aber sehr spannender Themenwanderweg abseits der ausgetretenen Wanderpfade.

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Einer von vielen keltischen Grabhügeln auf diesem Wanderweg

Länge und Streckenführung:

Es handelt sich nicht um einen Rundwanderweg, d.h. man geht den Weg einmal hin- und wieder zurück (wahlweise kann man natürlich auch einen alternativen Rückweg durch das mit zahlreichen Wanderwegen durchzogene Gebiet nutzen).

Der Weg folgt einem Teilstück des Keltenweges (ein Fernwanderweg durch den Hunsrück) sowie des Moselhöhenweges. Zum Teil verläuft er direkt auf der ehemaligen Römerstraße, die als Querverbindung die Ausoniusstraße durch den Hunsrück mit der Mosel verband.

Länge: ca. 3,3 km (einfache Strecke). Plant bei gemütlichem Gehen und ausführlicher Besichtigung der archäologischen Bodendenkmäler ca. 2,5 Stunden ein.

Der Weg ist sehr einfach zu gehen und folgt einem breiten, gut ausgebauten Waldpfad. Es gibt ein paar wenige Steigungen oder Gefällestücke, die aber immer nur kurz und nicht anspruchsvoll sind.

18_Weg

Der Weg ist breit und einfach zu begehen und deshalb auch für ungeübte Wanderer geeignet

Anfahrt und Startpunkt:

Der Archäologische Wanderweg hat an seinem nördlichen Startpunkt einen eigenen Wanderparkplatz. Er ist von der Landstraße aus ausgeschildert und leicht an einer großen „Straße der Römer“ Infotafel zu erkennen. Wir empfehlen den Start an diesem Ende des Weges, auch wegen der Informationen auf dieser Tafel.

Die Anreise erfolgt am besten aus dem Moselort Bruttig-Fankel. Hier finden sich vor der Ortseinfahrt bereits die typischen braunen Hinweisschilder, die an der Mosel auf archäologische Besonderheiten aufmerksam machen, mit der Beschriftung: „Grabhügelfelder„.

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Der Wanderparkplatz beim Birkenhof oberhalb von Bruttig-Fankel

Für das Navi „Bruttig Fankel, Birkenhof“ eingeben. Der Landstraße aus Bruttig-Fankel den Berg hinauf folgen. Kurz vor der Abzweigung, wo es links zum gut sichtbaren Biohof „Birkenhof“ geht (mit Hofladen-Automat!), weist ein grünes Hinweisschild nach rechts auf den „Archäologischen Wanderweg“ hin. Wenn man hier rechts einbiegt, ist man schon auf dem Wanderparkplatz.

Die Anreise mit Öffentlichen Verkehrsmitteln ist nur mit dem Bus möglich. Vom Bahnhof Cochem aus fährt die Buslinie 717 zum Haltepunkt „Valwigerberg – Archäologischer Weg“. Zustieg ist auch in Treis-Karden und Bruttig-Fankel möglich. Die Fahrzeiten sind allerdings eher sporadisch.

Hintergrundinformationen:

Auf den Moselhöhen oberhalb von Bruttig-Fankel sind Besiedlungsspuren aus über 3000 Jahren Kulturgeschichte erhalten. Da die Wälder des Hunsrücks in dieser Region nie im großen Stil überbaut wurden, sind zahlreiche archäologische Bodendenkmäler noch heute gut sichtbar im Gelände erhalten. Die Moselgemeinde Bruttig-Fankel hat in einer Region mit besonders hoher Dichte an Bodendenkmälern aus den unterschiedlichsten Besiedlungsepochen einen archäologischen Wanderweg ausgewiesen. Nahezu alle Epochen der Menschheitsgeschichte, von der Jungsteinzeit bis zum Mittelalter, sind hier belegt, was diesen kleinen Wanderweg zu einem echten Geheimtipp macht.

Hinweistafeln erläutern die Bodenfunde und ihren zeitlichen und historischen Zusammenhang.

Die ältesten Funde sind Grabhügelfelder aus der Urnenfelder- und Bronzezeit (1500 bis 700 v. Chr.). Es folgen große keltische Grabhügelanlagen der Treverer aus der Eisenzeit, wie sie typisch für die hier vertretene Eifel-Hunsrück-Kultur sind (750 bis 400 v. Chr.). Durch die Eisenverhüttung zog der Landstrich Menschen an und es kam zu einem Bevölkerungsanstieg in der unwirtlichen Höhenlage. Hier siedelte man meist auf den offenen Flächen in kleinen Fachwerk-Siedlungen und Einzelgehöften.

Grabhügel_klein

Die Grabhügel sind im Gelände gut zu erkennen, hier ein Größenvergleich

Aus der römischen Zeit gibt es Teile der gut erhaltenen Römerstraße.

Da unser Interessenschwerpunkt bei mosmaiorum.info auf der Römischen Zeit liegt, können wir uns natürlich besonders für das römische Fernstraßennetz im Raum Eifel, Mosel und Hunsrück begeistern, das durch ein dichtes Wegenetz aus Fernstraßen schnelle Verbindungen zwischen den Metropolen Metz, Trier, Köln, Bonn und bis an den Rhein bei Koblenz und Bingen und von da aus weiter nach Mainz ermöglichte.

Durch den Hunsrück führte der bekannte Ausoniusweg, der von Trier (Augusta Treverorum) nach Bingen (Bingium) führte. Querverbindungen verbanden ihn mit dem Moseltal, sowie dem Fernstraßennetz der oberhalb des anderen Moselufers gelegenen Eifel. Die Verbindung erfolgte hier über Brücken.

Eine solche Querverbindung in Richtung Eifel stellte der hier zu findende sogenannte „Rennweg“ statt, der nach der modernsten römischen Straßenbautechnik erbaut war: erst wurde eine Trasse ausgeschachtet, es folgte eine Packung aus feinen und dichtem Steinmaterial mit Kalkmörtel-Beimischung (Statumen). Darüber folgten eine Lage aus quer geschichteten Steinen, dann eine Schicht aus grobem Kies und Steinen. Der letztendliche abdichtende Straßenbelag bestand aus feinen, wassergebundenen Kiesschichten. Damit Wasser gut abfließen konnte, waren römische Straßen gewölbt gebaut mit einem Wassergraben an beiden Seiten. Die Straße war ca. 6 Meter breit (20 römische Fuß), so dass 2 Karren aneinander vorbeifahren konnten. Straßenpflaster gab es in unseren Breiten allerdings nur bei den wichtigsten Fernstraßen.

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Die schnurgerade Römerstraße

Aus dem Hochmittelalter stammen auffällige Hohlwege mit Landwehrsystemen, die in über 300 Metern Länge aufgeschlossen sind.

Beschreibung

Der Wanderweg kann in beiden Richtungen begangen werden (es ist, wie schon erwähnt, kein Rundweg). Wir empfehlen den Start an der Infotafel von „Straße der Römer„, wo sich auch der Parkplatz befindet. Die bunte Starttafel beschreibt den Archäologischen Pfad und hat auch kurze Zusammenfassungen auf Englisch und Französisch.

Der Weg ist einfach zu verfolgen. Er verläuft vom Parkplatz aus eine Weile strikt geradeaus erst über einen offenen Bereich mit dichtem Gestrüpp, danach durch den Wald. Zu Beginn findet man eine allgemeine Informationstafel zur Kulturgeschichte der Region. Einige hundert Meter weiter folgt links am Wegrand eine Informationstafel zu den Hügelgräbern. Der weitere Wegverlauf folgt dem „Moselhöhenweg“ und dem „Keltenweg“.

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Der Verlauf des Weges ist auf der ersten Infotafel beschrieben

Die Infotafel zu den Hügelgräbern ist allerdings etwas irreführend aufgestellt; wir verbrachten eine Weile damit, im dornigen Gestrüpp herumzulaufen und die beschriebenen Überreste des „Grabhügels an der Urmersheck“ zu suchen. An dieser Stelle ist jedoch nichts zu sehen, wie uns ortskundige Einheimische bestätigten. Sie gaben uns den entscheidenden Tipp: wenn man dem Weg weiter folgt, macht er eine scharfe Abbiegung nach rechts und verläuft dann wieder schnurgerade (da er zu Teilen der alten römischen Fernstraße folgt). Wenn man nun dem Weg nach der Biegung noch einige hundert Meter folgt, ist das keltische Hügelgrab rechts des Weges gut sichtbar; es gibt sogar eine erkennbare gemauerte Kammer. Der Hügel hat einen Durchmesser von ca. 6 Metern. Es wird auf das 5. bis 4. Jahrhundert v. Chr. datiert.

Nach einigen weiteren hundert Metern stößt man links des Weges auf ein sehr großes Hügelgrab, das eine eigene Infotafel hat – den Grabhügel an der Wolfskaul aus der vorrömischen Eisenzeit. Er ist mit 12 Metern Durchmesser und 1,20 Höhe gut im Gelände zu erkennen. Die Infotafel vermittelt allgemeine Informationen über Hügelgräber und Bestattungsbräuche.

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Antike Stätten: Tumulus von Ochtendung

Der rekonstruierte Tumulus von Ochtendung

Der rekonstruierte Tumulus von Ochtendung

Anschrift:

Am Römerhügel, 56299 Ochtendung.

Anfahrt:

Der römische Grabtumulus liegt mitten in einem Wohngebiet des kleinen Ortes Ochtendung in der vulkanischen Osteifel. Das Grabmal ist eine Station des Vulkanparks. Allerdings ist die Anfahrtsbeschreibung auf der Seite des Vulkanparks nicht sonderlich hilfreich, ganz im Gegenteil eher verwirrend.

Zwar ist der Tumulus mit einem braunen Hinweisschild „römisches Grabmal“ an einigen Stellen im Ort ausgeschildert, jedoch sieht man diese Schilder nur aus einer Fahrtrichtung.

Mit dem Auto folgt man entweder der Bahnhofstraße bis zu einer Abzweigung „Auf Münsterhöh“, von dort in den Welschtalweg. Vom Welschtalweg geht eine kleine, unscheinbare Sackgasse ab, die „am Römerhügel“ heißt. Hier liegen auf der einen Seite vier Wohnhäuser und gegenüber auf einer großen Rasenfläche steht in der Nähe eines Spielplatzes der Tumulus. Direkt vor der Wiese besteht Parkmöglichkeit in gekennzeichneten Buchten.

Es gibt auch die Möglichkeit, direkt von der Bahnhofstraße aus über einen kleinen Fußweg über einen Spielplatz zum Tumulus zu laufen. Dieser Fußweg ist ausgeschildert.

Ochtendung hat keinen Bahnhof, der nächste Bahnhof befindet sich im 5 km entfernten Nachbarort Plaidt. Mit dem Bus ist Ochtendung mit der Linie 335 aus Medig, Mayen, Andernach und Neuwied zu erreichen.

Für Wanderer und Radfahrer ist die Region attraktiv, weil hier mehrere Routen des Vulkanparks verlaufen. Es befinden sich zahlreiche weitere Sehenswürdigkeiten in der Umgebung, so daß man den Tumulus von Ochtendung gut in eine Vulkanpark-Tour einbinden kann.

Hintergrundinformationen:

Wie beim Tumulus von Nickenich handelt es sich beim Tumulus von Ochtendung um ein gallo-römisches Grabmal. In der Nähe befand sich eine villa rustica, ein großer Gutshof, dessen wohlhabende Besitzer sich dieses repräsentative Grabmal errichten ließen.

Verbreitungsgebiet der Tumuli (orange Punkte) in der Region (aus der Infotafel des Vulkanparks vor dem Tumulus Ochtendung)

Verbreitungsgebiet der Tumuli (orange Punkte) in der Region (aus der Infotafel des Vulkanparks vor dem Tumulus Ochtendung)

Ochtendung lag zu römischer Zeit in Ostgallien im Stammesgebiet der keltischen Treverer. Grabtumuli, runde, mit Stein ummauerte Erdhügel, sind überall in der Region zu finden und typisch für eine Verschmelzung gallischer und römischer Grabkultur. Die einheimischen Gutshofbesitzer waren romanisierte Gallier, die der keltischen Oberschicht angehörten und durch diese sehr aufwendige und kostspielige Grabgestaltung nach römischem Geschmack zeigten, daß sie Macht, Einfluß und Geld besaßen.

Derartige Tumuli – Erdhügel mit einem gemauerten Sockel – waren in der Region vom Ende des 1. Jahrhunderts, insbesondere entlang der Mosel, bis zum Ende des 3. Jahrhunderts üblich.

Im Gegensatz zum Tumulus von Nickenich, bei dem aus Inschriften eines ebenfalls in der Nähe gefundenen Nischengrabmals die Namen der Errichter überliefert sind, wurden im Tumulus von Ochtendung zwar Tote mit ihren Grabbeigaben gefunden, die Namen der hier Bestatteten sind jedoch unbekannt.

Das Grabmal wurde wahrscheinlich zwischen 100 und 150 n. Chr. errichtet, jedoch wurde die Stelle auch später noch als Grabstätte genutzt, als der Tumulus bereits nicht mehr bestand (um 300 n. Chr.), so daß der Ort seine Bedeutung als Friedhof beibehielt.

Bei dem Tumulus handelte es sich um einen Erdhügel von mit einer kreisrunden Umfassungsmauer aus 13 Tuffsteinsegmenten (wahrscheinlich aus dem nahen römischen Tuffsteinbergwerk Meurin) und mit einem Durchmesser von fast 8 Metern. Die Blöcke waren an den Stoßfugen mit schwalbenschwanzförmigen Klammern verbunden. Der Steinkranz als Fundament mit seinen 2 x 0,8 x 0,5 Meter mächtigen Steinquadern war bei der ersten Befundaufnahme noch vollständig und in originaler Lage erhalten. Die versetzte Bauweise nach oben zeigt deutliche Parallelen zum nahen Tumulus von Nickenich.

Bei Bauarbeiten im Wohngebiet stieß man im Jahr 1978 auf die Überreste dieses Tumulus. Bei den folgenden Ausgrabungen im Jahr 1980-1982 wurden darin mehrere Gräber entdeckt. Bei den ältesten Gräbern aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. handelte es sich um Urnengräber nach römischer Sitte, in denen sich in einer massiven Aschekiste aus Tuffstein der Leichenbrand einer Frau mit ihrem Neugeborenen oder einem Fötus befand, so daß davon ausgegangen wird, daß sie bei der Geburt starb. Daneben lag ein Grab aus Schieferplatte mit den Überresten eines ca. 9 Monate alten Kindes, die sich in einer Urne vom Typ „Honigtopf“ befanden.

Die Urne und die Grabbeigaben sind auf den gut gestalteten Infotafeln vor dem Tumulus beschrieben und abgebildet

Die Urne und die Grabbeigaben sind auf den gut gestalteten Infotafeln vor dem Tumulus beschrieben und abgebildet

Als Grabbeigaben der Mutter fanden sich Öllampen und Teller im römischen Stil, die beweisen, daß die hier Bestatteten den römischen Lebensstil schätzten, sowie ein Nadelkästchen aus Knochen.

Das Kindergrab enthielt Speisegefäße und ein Holzkästchen unbekannten Inhalts, das nur noch durch seine metallenen Beschläge und Nägel nachweisbar ist.

Aus der späteren Zeit stammen fünf Körpergräber, in denen die Toten nach spätrömischem Brauch unverbrannt bestattet wurden. Sie stammen aus der Zeit ab 300 n. Chr., zu der der Tumulus nicht mehr bestand, was daran erkennbar ist, daß die Toten im Bereich der früheren Umfassungsmauer lagen. Der späteste Tuffstein-Sarkophag stammt aus der Zeit um 400-450 n.Chr.

Der jüngste Sarkophag zeichnete sich durch besonders wertvolle Grabbeigaben aus, wie zwei Glasgefäße, eine robuste Schüssel sowie ein Trinkbecher mit der Aufschrift „SITIO“ („Ich habe Durst“). Derartige Spruchbecher waren um 400 n. Chr. nicht mehr in Mode, sondern vor allem in früherer Zeit modern, so daß man davon ausgeht, daß es sich um ein geschätztes Erbstück handelte.

Der Tumulus wurde am Originalstandort im Jahr 2002 im Maßstab 1:1 rekonstruiert und als Station in den Vulkanpark eingebunden. Die Steine stammen, wie schon beim Original, aus dem typischen Tuffstein der Region. Er gilt heute als geschütztes Kulturdenkmal.

Beschreibung:

Die Rekonstruktion ist am Originalstandort im Maßstab 1:1 errichtet

Die Rekonstruktion ist am Originalstandort im Maßstab 1:1 errichtet

Der Tumulus liegt auf einer leicht erhöhten Wiese mitten in einem ruhigen Wohngebiet.

Er ist in gepflegtem Zustand und mit mehreren Infotafeln des Vulkanparks versehen, aus dem gut beschriebene, detaillierte Informationen zu Geschichte und Hintergrund hervorgehen, zusammen mit informativen Illustrationen. Eine vorbildliche Beschilderung!

Zwar ist der Tumulus von Nickenich – aufgrund des in der Nähe stehenden Nischengrabs und der Grabinschriften – spektakulärer, der Vollständigkeit halber ist der Tumulus von Ochtendung jedoch auch einen Besuch wert.

Öffnungszeiten, Zugänglichkeit, Führungen:

Der Tumulus ist jederzeit frei zugänglich, da er mitten in einem Wohngebiet steht. Die Anwohner der gegenüberliegenden Häuser sind herumlaufende Wanderer und Vulkanpark-Touristen gewöhnt und nehmen diese freundlich-gleichgültig zur Kenntnis.

Regelmäßige Führungen sind uns nicht bekannt; wer sich für eine Besichtigung der römischen Stationen des Vulkanparks interessiert (Tumuli Nickenich und Ochtendung, Katzenberg Mayen, Mayener Grubenfeld, Römerbergwerk Meurin) kann sich für weitere Informationen an das Infozentrum des Vulkanparks in Plaidt wenden.

Sonstiges:

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Über die romanisierten Kelten Contuinda, Tochter des Esucco und ihren Sohn Silvanus Ategnissa wissen wir viel dank ihres Grabsteins in Nickenich in der Eifel

Über die romanisierten Kelten Contuinda, Tochter des Esucco und ihren Sohn Silvanus Ategnissa wissen wir viel dank ihres Grabsteins beim Tumulus von Nickenich in der Eifel

Der Besuch des Tumulus sollte auf jeden Fall mit weiteren Sehenswürdigkeiten des Vulkanparks verbunden werden. Hier gibt es neben den zuvor aufgezählten römischen Sehenswürdigkeiten auch spannende geologische Stationen, wie den Laacher See oder das Basaltbergwerk und das Deutsche Vulkanmuseum Lavadome Mendig.

Ebenfalls archäologisch und insbesondere für den keltischen Touristen interessant ist der nahegelegene Goloring, der als eines der bedeutendsten archäologischen Anlagen der Eisenzeit in Rheinland-Pfalz gilt und auch als das „Eifel-Stonehenge“ bezeichnet wird. Da sich diese Anlage jedoch in einem militärischen Sperrgebiet befindet, ist sie nicht frei zugänglich; hier müssen Besuchstermine vereinbart werden, ansonsten ist die 175 Meter lange, kreisrunde Wall-Graben-Anlage vom Henge-Typ, die aufgrund ihrer Lage eher als Heiligtum oder Kultplatz als als Schutz- oder Befestigungsanlage gedeutet wird, am Tag des Offenen Denkmals zu besichtigen.

Museen und Archäologische Parks: Archäologiepark Belginum

Das Museum des Archäologischen Parks steht mitten im vicus Belginum

Das Museum des Archäologischen Parks steht mitten im vicus Belginum

Anschrift:

Keltenstraße 2, 54497 Morbach

Anfahrt:

Der Archäologiepark Belginum liegt unmittelbar an der Hunsrückhöhenstraße – schon zu keltischer und römischer Zeit eine wichtige Fernstraße quer durch den Hunsrück von Trier (Augusta Treverorum) nach Bingen (Bingium), die Ausoniusstraße. Sie ist benannt nach dem Dichter Decimus Magnus Ausonius, bekannt für seine Moselbeschreibung „Mosella“. Der Verlauf der heutigen Hunsrückhöhenstraße folgt noch heute der antiken Fernstraße.

Der Park liegt in der Nähe der Dörfer Morbach und Hochscheid im Hunsrück. Letzeres spielte zu römischer Zeit wegen des dortigen Quellheiligtums für Sirona und Apollo-Grannus mit Heilbad, Pilgerherbergen und Tempelkomplex eine überregional bedeutsame Rolle. Da er unmittelbar an der Bundesstraße liegt, ist er mit dem Auto gut erreichtbar. Parkplätze stehen vor dem Museum kostenlos zur Verfügung.

Überall im Park finden sich Informationstafeln auf Deutsch, Englisch und Französisch

Überall im Park finden sich Informationstafeln auf Deutsch, Englisch und Französisch

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Park etwas umständlich zu erreichen. Der nächste Bahnhof befindet sich in Bernkastel-Kues an der Mosel. Von dort aus fährt man mit der Buslinie 311 bis zur Haltstelle „K106“ bei Wederath (Keltenstraße). Von dort aus sind es noch einige Minuten zu Fuß. Dort halten jedoch nur wenige Busse pro Tag, so daß die An- und Abreise sehr gut geplant werden muß. Ansonsten gibt es noch einen Bahnhof in Idar-Oberstein, von dem aus ebenfalls ein Bus nach Morbach fährt. Hier sehen die Verbindungen jedoch nicht besser aus, so daß man besser mit dem Auto anreisen sollte, wenn man die Möglichkeit dazu hat.

Belginum ist auch eine Station auf dem 106 km langen „Sirona-Weg„, der antiken Stätten der Kelten und Römer folgt. Dieser Wanderweg befindet sich lt. Aussage der Verbandsgemeinde zur Zeit auf dem Prüfstand, so daß einige Wegpunkte und Schilder nicht ganz so gut gepflegt sind, wie sie es eigentlich sein sollten. Auch die Website des Sirona-Weges ist zur Zeit offline. Dem Weg kann man aber dennoch gut folgen; insbesondere im Raum Belginum – Hochscheid – Stipshausen – Bundenbach finden sich einige interessante Sehenswürdigkeiten, die in diesem beliebten Wandergebiet in einer Ganztageswanderung erschlossen werden können (Abschnittslänge ca. 20 km).

Hintergrundinformationen:

Der vicus Belginum im östlichen Gallien war zu römischer Zeit ein Ort, der direkt an der viel bereisten und zum Teil zweispurig ausgebauten Ausoniusstraße lag und damit ein wichtiger Durchgangsort war für Reisende in West-Ost-Richtung und für Pilger, die auf dem Weg zum nahen Quellheiligtum in Hochscheid waren.

Ein Kräutergarten mit typischen Kräutern, die zu römischer Zeit verwendet wurden

Ein Kräutergarten mit typischen Kräutern, die zu römischer Zeit verwendet wurden

Der Siedlungsort ist jedoch weit älter und war schon in vorrömischer Zeit von einheimischen Kelten besiedelt. Die Siedlungsgeschichte erstreckt sich von 400 v. Chr. bis 400 n. Chr. und ist deswegen ein bedeutender Fundort für die keltische Zeit im Hunsrück, der vom Stamm der Treverer bewohnt war.

Darüber hinaus ist er auch eine wichtige Fundstätte für die gallo-römische Übergangszeit, da er detailliert den Prozeß der Romanisierung der einheimischen Bevölkerung belegt, die mit der Ankunft der Römer nach dem Ende des Gallischen Krieges nach und nach den römischen Lebensstil übernahmen. Nicht zuletzt wird auch die provinzialrömische Zeit bis in die Spätantike und die beginnende Christianisierung dokumentiert.

Das Besondere an Belginum ist, daß neben dem eigentlichen Ort mit seinen vier Tempelkomplexen, Kulttheater (dessen Nutzung zu kultischen Zwecken durch eine Inschrift belegt ist) und kleinem Militärlager ein riesiges Gräberfeld lag, das fast 1000 Jahre lang durchgängig genutzt wurde.

Es finden sich sowohl keltische Hügelgräber aus vorrömischer Zeit, Gräber aus der Zeit des Gallischen Krieges, Brandgräber nach römischem Brauch und zuletzt Körpergräber nach christlichem Brauch. Die fast 2500 entdeckten Gräber dokumentieren durch ihre Grabfunde detailliert Alter, Geschlecht, Besitzstand und Status der hier Bestatteten. Es gibt Gräber alter und junger Menschen bis hin zu Kindergräbern, wohlhabender und armer Einwohner, Krieger und Handwerker. Insbesondere in der Bestattungskultur ist der Übergang von keltischen zu gallo-römischen Bräuchen und der Mischkultur, die für diese Region typisch ist, sehr gut zu beobachten.

Die Göttin Epona wurde hier im Tempel verehrt, sie war eine der Hauptgottheiten der Treverer

Die Göttin Epona wurde hier im Tempel verehrt, sie war eine der Hauptgottheiten der Treverer

Die Verschmelzung keltischer Bräuche und Glaubensvorstellungen, auch die Übernahme von Gottheiten, die für die Treverer eine besonders zentrale Rolle spielten (wie Epona, Sirona und Grannus) in den römischen Pantheon sind in dieser Region im Hunsrück sehr gut zu sehen. Hier hat sich, wie im ganzen östlichen Gallien (vor allem im Mosel- und Eifelraum) die besondere Mischform des gallo-römischen Cultus in ganz typischer Weise herausgebildet und ist in Belginum durch die Jahrhunderte nachvollziehbar.

Im Tempelbezirk sind die typisch gallo-römischen Umgangstempel mit Cella nachgewiesen. Dort ebenfalls gefundene Pfostenlöcher weisen bereits auf eine Nutzung als Tempelbezirk zu keltischer Zeit hin, da auch die Kelten in dieser Region bereits feststehende Tempelgebäude errichteten. Gleichzeitig befand sich der Tempelbezirk am Ortsrand, was vermuten läßt, daß hier keltische Traditionen der Naturverehrung mit römischen städtischen Traditionen verbunden wurden. Zahlreiche Inschriften, Weihealtäre, Bronzestatuetten und Opfergaben (wie Pferdegeschirr und Wagenteile, die im Tempel gefunden wurden) belegen unter anderem, daß hier ein zentrales Heiligtum für die Göttin Epona stand. Sie war eine der wichtigsten Göttinnen der Treverer, die im ganzen Reich für ihre Pferdezucht bekannt waren und auch die römische Armee mit Pferden belieferten.

Welche anderen Götter eine zentrale Rolle in den Umgangstempeln spielten, ist nicht bekannt, da in keiner Cella ein großes Standbild (wie man es zum Beispiel von Sirona aus Hochscheid kennt) gefunden wurde. Zu den kleinen Figurenfunden gehörten unter anderem Venus und Herkules.

Belginum vicus an der Ausoniusstraße auf der römischen Straßenkarte

Belginum vicus an der Ausoniusstraße auf der römischen Straßenkarte

Die Siedlungsgeschichte an diesem Ort begann um 400 v. Chr. zur Zeit der Hunsrück-Eifel-Kultur, reicht kontinuierlich über die Spätlatènezeit bis in die Eisenzeit und Spätantike. Der Name des Ortes, vicus Belginum, ist auf der Tabula Peutingeriana aufgeführt, einer 6,80 Meter langen römischen Straßenkarte aus dem 3. Jahrhundert, die die wichtigsten Orte des gesamten Römischen Reichs und deren Verbindungsstraßen zeigt (das Original ist nicht erhalten, wurde zu spätrömischer Zeit im 5. Jahrhundert auf der Grundlage von Kartenmaterial aus dem 3. Jahrhundert neu erstellt, zu karolinischer Zeit und im 12. Jahrhundert kopiert; die letzte Kopie ist erhalten geblieben). Auch das zeigt die Bedeutung dieses Ortes an einem wichtigen Verkehrsweg.

Durch die verkehrsgeographische und strategische Lage war Belginum ein wichtiger Warenumschlagplatz, über den Waren aus entfernten Regionen des Reichs, so aus Afrika, Spanien und Italien, nach Norden und von Westen an den Rhein transportiert wurden. Rohstoffe und Güter aus der Region gelangten von hier aus wiederum in den Mittelmeerraum. Zahlreiche Funde, wie riesige Amphoren mit spanischem Olivenöl, dokumentieren den reichsweiten Warenverkehr, der mit hohem logistischem Aufwand betrieben wurde.

Hercules-Figur, gefunden in Belginum

Hercules-Figur, gefunden in Belginum

Im Ort herrschte ein reges Markttreiben, der Markt zog Händler, Handwerker und Kunden von weither an. Außerdem gab es die wichtigsten Handwerksbetriebe vor Ort, vom Radmacher und Wagenbauer über Tischler, Schmiede, bis zum Tuchmacher sowie Ärzten. Die Gegend war auch – wie heute noch – stark von Landwirtschaft geprägt, so daß Bauern in Belginum die Produkte aus der Region anboten.

Die Siedlung bestand aus engen, nebeneinander liegenden Parzellen mit schmalen, rechteckigen Häusern von 8 – 10 Metern Breite und 30 – 40 Metern Länge, die entlang der Straße errichtet waren. Jedes Haus verfügte über einen eigenen Keller und hatte vor der Eingangstür ein Vordach. Es handelte sich um Fachwerkhäuser, die auf steinernen Fundamenten standen und sie beinhalteten wahrscheinlich, wie dies üblich war, Geschäfte und Werkstätten im vorderen Teil und Wohnräume im hinteren Teil. Daran schlossen sich Innenhöfe und Gärten an, in denen Zisternen und Abwässerkanäle eine gut funktionierende Wasserversorgung und Abwasserentsorgung belegen. Da diese Region des Hunsrück bekannt für seine Schiefervorkommen ist (Hunsrück-Schiefer, Bundenbacher Schiefer), der hier auch im großen Stil abgebaut wurde und immer noch wird, waren die Häuser schiefergedeckt.

Zum Ende des 4. Jahrhunderts wurde Belginum, wahrscheinlich durch den Druck der Germaneneinfälle, aufgegeben. Auch die Nekropole, in der fast 1000 Jahre lang Kelten und Römer ihre Toten bestatteten, wurde nicht mehr genutzt.

Die antike Stätte und der antike Straßenverlauf werden seit dem 17. Jahrhundert archäologisch erforscht. Bis ins 20. Jahrhundert waren die Ruinen in der nicht mehr neu besiedelten Gegend oberirdisch sichtbar und fielen immer wieder durch zahlreiche, auch außergewöhnliche Funde auf.

Keltische Hügelgräber in der Nekropole von Belginum

Keltische Hügelgräber in der Nekropole von Belginum

Die ersten systematischen Grabungen erfolgten ab dem Jahr 1954 in mehrjährigen Grabungskampagnen, bei denen das 4,5 ha große Gräberfeld mit seinen 2500 Gräbern archäologisch erfasst wurde. Ab 1969, im Rahmen von Straßenbaumaßnahmen an der nahen Bundesstraße, wurde auch der dazugehörige vicus untersucht, der etwa 600 Meter entlang der römischen Straße und der heutigen Hunsrückhöhenstraße verlief.

In den 90er Jahren wurde das Gebiet mit geophysikalischen Methoden untersucht, wobei zwei Tempelbezirke, das Kulttheater und ein frührömisches Militärlager nachgewiesen werden konnten.

Im Jahr 2002 wurde in diesem Gebiet der Archäologiepark Belginum gegründet, um die Funde zu bewahren und den bedeutsamen Ort der Öffentlichkeit vorzustellen. Die Ausgrabungen dauern bis heute an; aktuell konzentrieren sie sich auf den westlichen Teil der Siedlung und den zweiten Tempelbezirk. Die Grabungen erfolgen in Kooperation mit dem Landesmuseum Trier.

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Antike Stätten: Waldkapelle „Beatae Mariae Virginis ad Silvam“ Kaisersesch

Das römische Quellheiligtum ist heute noch ein beliebter Wallfahrtsort

Das römische Quellheiligtum ist heute noch ein beliebter Wallfahrtsort

Anschrift:

In der Langheck, 56759 Kaisersesch

Anfahrt:

Kaisersesch liegt am Rande der Osteifel, 12 Kilometer von der Mosel und der Stadt Cochem entfernt, direkt an der A48.

Die Waldkapelle befindet sich in der Nähe des Bahnhofs am Rande des Ortskerns in der Sackgasse „In der Langheck“. Parkmöglichkeit besteht direkt vor der Kapelle.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist Kaisersesch gut zu erreichen, da der Bahnhof von der „Eifelquerbahn“ zwischen Andernach und Gerolstein angefahren wird. Vom Bahnhof sind es nur wenige Gehminuten bis zur Kapelle.

Die Waldkapelle ist auch eine Station auf dem „Historischen Rundwanderweg„, der unter anderem auch an keltischen Gräbern, der alten römischen Heerstraße und dem Römerturm auf der Anhöhe oberhalb der Stadt vorbeiführt. Die ganze Region ist gut zum Wandern geeignet und verfügt über mehrere historisch interessante und landschaftlich schöne Wanderrouten.

Außerdem liegt die Kapelle unmittelbar am Eifel-Camino, dem Jakobsweg durch die Eifel nach Santiago de Compostela und dient als Stempelstelle für den Pilgerpass.

Hintergrundinformationen:

Die Waldkapelle (Foto von Reinhard Hauke)

Die Waldkapelle (Foto von Reinhard Hauke)

Die Waldkapelle „Selige Jungfrau Maria am Walde“ oder „Beatae Mariae Virginis ad Silvam“ ist nur mittelbar als „römische antike Stätte“ zu werten.

Auch ist – entgegen unserer sonstigen Gewohnheit in unseren Reiseempfehlungen – einiges zur römischen Geschichte dieser Kapelle spekulativ oder nur durch Indizien zu belegen, da eine klare und eindeutige Befundlage fehlt. Dennoch haben wir uns entschieden, diese Kapelle ebenfalls in unsere Reisetipps aufzunehmen, da es gute Anhaltspunkte dafür gibt, daß der Ort in römischer Zeit eine gewisse Bedeutung hatte und sich der geneigte Cultor vielleicht auch gerne selbst ein Bild machen möchte. Historisch interessant ist der Ort allemal, so daß die Kapelle einen Abstecher wert ist, wenn man sich in der Gegend befindet und zum Beispiel den römischen Wachturm besichtigt oder der alten römischen Heerstraße zwischen Trier und dem Neuwieder Becken folgt, die an dem Standort der Kapelle vorbeiführte.

Wer sich für den römischen Hintergrund von Kaisersesch und der Umgebung interessiert, dem legen wir unseren Artikel zum Römischen Wachturm ans Herz, um unsere Leser nicht mit der Wiederholung von Informationen zu langweilen.

Die Region lag zu römischer Zeit im östlichen Gallien und war von den keltischen Treverern besiedelt.

Die kleine Waldkapelle, früher auch Wachtkapelle genannt, ist der Seligen Jungfrau Maria am Walde geweiht. Sie steht zwar, anders als der Name vermuten lassen mag, noch am Ortsrand von Kaisersesch, am Ende der Straße beginnt jedoch der Wald, in dem auch die Reste der Militärstraße noch gut erkennbar verlaufen.

Der Ursprung der Kapelle geht auf einen römischen Wachturm zurück, der an dieser Stelle die Sicherheit auf der Heerstraße überwachte und wahrscheinlich von Beneficariern (altgedienten Legionären, die Polizeiarbeit leisteten) besetzt war. Die Fundamente des Wachturms aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. wurden bei Renovierungsarbeiten der Kapelle gefunden, weshalb der römische Ursprung des Ortes archäologisch gesichert ist.

Ebenfalls bei den Restaurierungsarbeiten im Jahre 1982 gefunden wurde eine Heilquelle. Die Forschung geht davon aus, daß es sich dabei um ein Quellheiligtum gehandelt haben könnte, das bereits zu römischer Zeit (und vermutlich auch schon von den einheimischen Kelten) genutzt wurde, weil die Quelle in räumlicher Beziehung zu dem Wachturm stand. Wer dort verehrt wurde und wie die Kultpraxis aussah, ist nicht bekannt, da keinerlei Weiheinschriften, Figuren, Statuen oder sonstige schriftliche oder bildliche Zeugnisse gefunden wurden.

Die Heilquelle wurde im Jahr 1982 bei Renovierungsarbeiten wiederentdeckt

Die Heilquelle wurde im Jahr 1982 bei Renovierungsarbeiten wiederentdeckt

Mehreren dörflichen Überlieferungen aus der Region zufolge, gilt diese Quelle als Heilquelle gegen Augenleiden. Dies wird noch heute in der Bevölkerung tradiert und die Quelle auch für diese Zwecke genutzt.

Die wiederentdeckte Quelle wurde im Rahmen der Restaurierung freigelegt, in eine Rohrleitungssystem gefasst und in die Kirche integriert, wo sich die Besucher das Wasser durch die Betätigung einer (elektrischen) Pumpe frisch zapfen können.

Da es bei katholischen Kirchen und Kapellen häufig der Fall ist, daß sie an Stellen errichtet wurden, an denen sich zuvor römische Tempel oder andere Stätten der Verehrung (wie Quellheiligtümer oder Schreine) befanden, ist auch für diesen Ort anzunehmen, daß die Position der ursprünglichen Kapelle, die hier bereits im Mittelalter stand, bewußt in der Nähe der im Volk verehrten Heilquelle gewählt wurde.

Die Tatsache, daß der Ort seit 2000 Jahren von Menschen mit ihren Anliegen aufgesucht wird, zeigt, daß hier ein gewisses Numen vorhanden ist und unterstreicht auch die Bedeutung von katholischen Kirchen und Kapellen für die Bewahrung und Weitertradierung alter Kultorte, oder auch deren Wiederentdeckung, die oft nur durch die darüber errichteten Kirchen (zum Beispiel im Rahmen von Renovierungsarbeiten) erfolgt, während sie in der Bevölkerung in Vergessenheit geraten waren.

Ob ein Ort noch das Numen des Göttlichen beinhaltet oder spirituell „tot“ ist, bemerkt man relativ schnell, wenn man heute einen sakralen Raum betritt – bei manchen Kirchen ist es deutlich zu spüren, wenn sie seit 2000 Jahren an einem Ort der Verehrung stehen und Menschen durch die Jahrhunderte dort religiös aktiv waren, gleichgültig, wer das Ziel ihrer Verehrung war resp. welchen Namen sie dem dort aktiven Genus loci gaben. Andere Orte (besonders bei modernen Kirchen, wie zum Beispiel das Betonmonstrum von Linz), sind spirituell leer und tot und deshalb einfach nur „Gebäude“, der Raum wird hier nur durch die bestehenden Wände definiert – nicht mehr durch eine Präsenz, die erst den Grund gab, solche behütenden Wände zu errichten…

Sowohl in der Waldkapelle in Kaisersesch als auch im nahegelegenen Kloster Maria Martental im Enderttal (wo ebenfalls ein Quellheiligtum vermutet wird und eine römische Besiedelung des Platzes anhand von archäologischen Funden, wie römischen Münzen, gesichert ist) ist das Numen noch vorhanden und wurde an beiden Orten durch Wallfahrer und Pilger durch die Jahrhunderte vor Ort gehalten (und nicht, wie an vielen anderen Orten, durch Vernachlässigung und Vergessen vertrieben).

Für mehr Informationen zum römischen Heidentum und der römisch-katholischen Kirche empfehlen wir unseren Hintergrundartikel „Römisch (oder) Katholisch? Heidnische Gdanken zum Christentum„.

Die gallo-römische Quell- und Heilgöttin Sirona, Gefährtin des Apollo-Grannus, war bei den Treverern in dieser Region sehr beliebt

Die gallo-römische Quell- und Heilgöttin Sirona, Gefährtin des Apollo-Grannus, war bei den Treverern in dieser Region sehr beliebt

Spekulativ, aber argumentativ begründbar, ist, daß es sich bei der an diesem Quellheiligtum (sowie im Quellheiligtum im Kloster Martental, heute immer noch eine bedeutende Wallfahrtsstätte für Alte und Kranke) um eine weibliche Gottheit, z.B.  eine Quell- und Heilgöttin wie die im Raum der Treverer verehrte gallo-römische Sirona gehandelt hat. Die Tatsache, daß sowohl die Waldkapelle als auch die Klosterkirche Marienkirchen sind, in denen jeweils eine besondere Inkarnation der Maria im Vordergrund steht (auch in Martental ist es die „Schmerzhafte Mutter“), die dort traditionell verehrt werden, deutet auf eine Göttin als zentrales Objekt des religiösen Kultes.

Beiden Orten gemein ist auch die Verehrung bestimmter Heiliger wie Judas Thaddäus, der vor allem in schwierigen und ausweglosen Lebenssituationen angerufen wird. Zahllose Votivtafeln in Martental für ihn, sowie für Maria, zeigen die Wirksamkeit dieses Ortes, die bis heute ungebrochen ist. Daß Heilige oft 1:1, sogar noch mitsamt ihrer Attribute (wie Isis mit dem Horuskind oder Isis auf der Mondsichel als Darstellungen der Jungfrau Maria), von römischen oder anderen einheimischen Göttern übernommen wurden, ist nicht neu, so daß auch hier davon ausgegangen werden kann, daß dieser Heilige einen römischen oder gallo-römischen Vorgängergott in diesen beiden Quellheiligtümern hatte.

An der Stelle der Kapelle stand bereits im 12. Jahrhundert eine Vorgängerkapelle, die der Legende nach von dem an Mosel und in Eifel ansässigen Hochadels- und Rittergeschlecht von der Leyen als Dank für die glückliche Heimkehr von den Kreuzzügen errichtet wurde. Dieser Legende zufolge soll die alte Kapelle 1000 Schritte von der Pfarrkirche entfernt gewesen sein, was genau der Distanz zwischen dem Haus des Pilatus in Jerusalem und dem Berg Golgatha entsprach. Auch befand sich zu dieser Zeit zwischen Pfarrkirche und Kapelle deswegen ein Kreuzweg, von dem aber nur noch eine Station an der Waldkapelle erhalten ist.

Die heutige Kapelle wurde im Jahr 1769 neu gebaut und war innerhalb kürzester Zeit ein beliebter Wallfahrtsort in der „Bittwoche“, wohin Pilger zu Ehren der Schmerzhaften Muttergottes pilgerten. Der Pilgerandrang war zwischenzeitlich so groß. daß die Franziskaner von Adenau und die Kapuziner von Cochem bei der Beichte aushelfen mußten.

Der Altar mit dem Bildnis der Schmerzreichen Mutter

Der Altar mit dem Bildnis der Schmerzreichen Mutter

Durch den Einfall der Franzosen, Österreicher und Preußen im Jahr 1794 wurde die Kapelle zerstört und mußte geschlossen werden. Im Jahr 1833 wurde sie vollständig renoviert und in eine dreiachsige Form gebracht. Im Jahr 1910 stürzte das Gewölbe ein und wurde durch das heutige Holztonnen-Gewölbe ersetzt. Einen Chorraum gibt es aus Platzgründen nicht.

Im 19. Jahrhundert war die Kirche auch ein wichtiger Wallfahrtsort für Bergleute aus der Region, die vor allem vom Schieferbergbau lebte. Sie verehrten hier die Heilige Barbara, die Schutzpatronin der Bergleute, deren Statue sich noch heute in der Kirche befindet.

Im Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1944, wurde die Kirche teilweise zerstört und erhielt nach dem Krieg neue Fenster nach den Vorschlägen des Kölner Dombaumeisters.

Im Jahr 1982 wurde die Kirche wegen Nässeschadens erneut grundlegend renoviert, wobei die Heilquelle entdeckt wurde. Da die notwendige Renovierung nicht finanziert werden konnte, wurde sie von der Freiwilligen Feuerwehr Kaisersesch in 1085 kostenlosen Arbeitsstunden durchgeführt. Noch heute wird die Kirche von der Feuerwehr betreut und gepflegt, wie auch der Blumenschmuck ehrenamtlich von zwei Kaisersescher Bürgerinnen gestellt wird.

Die Kapelle enthält wichtige Kunstschätze, wie das Altarbildnis der Schmerzhaften Muttergottes und Rokokoschnitzwerk über der Tür.

Der Altar wird flankiert von aufwendigen und schön gestalteten, klassischen Statuen der Heiligen Barbara, Elisabeth (die sich für Arme und Kranke einsetzte), des Heiligen Apollinarius (ein Zeitgenosse von Petrus, der auch in Remagen bei der Apollinariswallfahrt verehrt wird) und des Heiligen Judas Thaddäus.

Beschreibung

Das Heilwasser kann man sich frisch von der Quelle zapfen

Das Heilwasser kann man sich frisch von der Quelle zapfen

Die Waldkapelle hat zwei Reihen aus Sitzbänken und ist für eine Kapelle recht groß. Vor dem Bildnis der Schmerzhaften Mutter am Altar besteht natürlich die Möglichkeit (nach altem heidnisch-römischem Brauch) eine Opferkerze zu entzünden.

Die Heilquelle befindet sich hinter einem schmiedeeisernen, verzierten Gitter an der rechten Wand der Kirche. Hier ragt die steinerne Fassung der Quelle aus der Wand, darunter befindet sich ein Gefäß, damit das Wasser nicht überläuft. Die Quelle läuft nicht ununterbrochen, sondern wird durch das Betätigen einer Pumpe aktiviert. Hierzu drückt man auf einen Schalter, der sich neben der Quelle befindet.

Die Öffnungen im Gitter sind groß genug, um die Hand oder auch ein Gefäß wie ein Fläschchen oder Becher unter die Quelle zu halten und das Heilwasser damit aufzufangen. Da die Quelle vor allem bei Augenleiden hilft, kann man sich damit auch vor Ort direkt die Augen benetzen.

Die Kirche ist sauber und gepflegt. Wie für eine katholische Kirche üblich, ist sie tagsüber geöffnet und man kann sich darin so lange aufhalten, wie man möchte. Von Wallfahrtszeiten und Feiertagen abgesehen, ist man dort meist allein.

Ein angenehmer Ort mit einer langen, interessanten Geschichte. Das römische Quellheiligtum ist hier zumindest an einem würdevollen, immer noch sakralen Ort untergebracht und wird von engagierten Bürgern betreut, so daß die Quelle, die schon vor 2000 Jahren genutzt wurde, erhalten bleibt und weiter genutzt werden kann.

Sonstiges

Die zahllosen Votivtafeln im Kloster Martental bezeugen die Wirksamkeit des Ortes

Die zahllosen Votivtafeln im Kloster Martental bezeugen die Wirksamkeit des Ortes

Fotografieren ist natürlich uneingeschränkt möglich.

Der Besuch der Waldkapelle kann gut mit anderen Sehenswürdigkeiten rund um Kaisersesch kombiniert werden. Ideal ist natürlich das Wallfahrtskloster Maria Martental im atmosphärischen Enderttal mit seinen vielen Votivtafeln. Hier besteht auch die Möglichkeit einer kleinen, angenehmen Wanderung zu einem nahegelegenen Wasserfall.

Ebenfalls für den römischen Besucher interessant ist der rekonstruierte römische Wachturm oberhalb der Stadt, von dem aus man eine ausgezeichnete Aussicht hat. Der 7,7 km lange „Historische Rundwanderweg“, der in Kaisersesch startet, führt an diesem Turm vorbei und folgt streckenweise auch der römischen Militärstraße, die noch gut im Gelände zu erkennen ist. Außdem gibt es hier auch keltische, mittelalterliche und neuzeitliche Stationen.

Antike Stätten: Caiva-Tempel bei Gerolstein

Der Tempelkomplex auf dem Dolomitplateau bei Gerolstein

Der Tempelkomplex auf dem Dolomitplateau bei Gerolstein

Anschrift:

Der Tempel liegt auf einem Dolomit-Felsplateau oberhalb von Gerolstein. Keine postalische Anschrift.

Anfahrt:

Gerolstein liegt in der Vulkaneifel in Rheinland-Pfalz. Es ist vor allem bekannt durch seine Sprudelquellen, die bereits von den Kelten und Römern genutzt wurden.

Eine direkte Anfahrt des Tempels „bis vor den Tempeleingang“ ist nicht möglich. Der Tempel befindet sich oberhalb von Gerolstein auf dem Dolomitplateau „Hustley“ und ist nur zu Fuß zu erreichen. Direkt am Tempelkomplex führen sowohl der Vulkanweg des Eifelvereins als auch der Eifelsteig vorbei, so daß er über zwei gut markierte Wege erwandert werden kann.

Die

Die „Munterley“, die Dolomitfelsen oberhalb von Gerolstein, sind die erste Station auf dem Weg zum Tempel

Der Tempel auf dem Plateau kann von zwei Richtungen aus erreicht werden: durch einen Aufstieg aus Gerolstein-Mitte hinauf auf das spektakuläre Munterley-Dolomitplataeu oder vom anderen Ende der Hochfläche aus, wo sich die Kasselburg mit einem Adler- und Wolfspark befindet.

Wir empfehlen, den Tempel aus Gerolstein über die Munterley zu erwandern, da der Weg weitere attraktive Sehenswürdigkeiten bietet. Außerdem dient die Munterley als Aussichtspunkt über die Umgebung, die für den archäologisch interessierte Besucher auch einen Blick auf die gegenüber liegende, 617 m hohen Dietzenley erlaubt, eine 240 Meter lange keltische Höhenfestung auf einem steilen Basaltfelsen – der höchsten Erhebung im Gerolsteiner Land.

Für körperlich oder gesundheitlich eingeschränkte Personen ist der Weg über die Kasselburg geeigneter, da der Weg über die Munterley wegen der Felsen und schmalen Pfade stellenweise anspruchsvoll ist. Er ist auf keinen Fall für Rollstuhlfahrer oder Kinderwagen geeignet!

Die Anreise erfolgt nach Gerolstein, wo man an einem der zentralen Parkplätze (am „Rondell“ oder an der Kyll) parken kann. Die Parkplätze sind montags bis samstags gebührenpflichtig, sonntags ist das Parken kostenlos.

Auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist Gerolstein sehr gut zu erreichen. Es gibt einen Bahnhof, der regelmäßig von den Regionalzügen aus Köln und Trier angefahren wird.

Wanderung zum Tempel

Da der Tempel erwandert werden muß und unser empfohlener Weg an einigen interessanten Wegmarken vorbeiführt, weichen wir in diesem Artikel einmal von unserem üblichen Aufbau ab und beschreiben den Weg zum Tempel ausführlicher. Der Tempel selbst wird wie gewohnt in den folgenden Abschnitten beschrieben.

Alle Wege führen zum Tempel!

Alle Wege führen zum Tempel!

Unser Tipp: Vor dem Aufstieg kann man die Gelegenheit nutzen, im nahen Park an der öffentlichen Zapfstelle „Helenenquelle“ seine Wasserflasche mit frischem (kostenlosem) Gerolsteiner Sprudel aufzufüllen.

Eine Bemerkung vorweg: der Aufstieg zur Munterley ist zwar nicht sehr lang, aber relativ steil (es müssen in kurzer Zeit 195 Höhenmeter überwunden werden). Er folgt schmalen Pfaden und über Dolomitfelsen. Wanderschuhe bzw. festes Schuhwerk ist unbedingt erforderlich.

Von Gerolstein-Mitte aus überquert man zu Fuß die Eisenbahnbrücke in Richtung der markanten Dolomitfelsen, die den Ort überragen. Zwischen dem „Cafe Dolomiten“ und einem Eiscafe führt ein beschilderter Fußgängerweg durch ein Wohngebiet hoch in Richtung des Felsplateaus. Hier folgt man den Schildern „Munterley“, die die erste Station auf dem Weg zum Tempel darstellt. Der Tempel selbst, der im Volksmund „Juddekirchhof“ genannt wird, ist nicht ausgeschildert, so daß man sich am besten an Schildern in Richtung „Munterley“, „Papenkaule“ und Buchenlochhöhle“ orientiert, die alle auf dem Weg zum Tempel liegen.

Das Wohngebiet wird schon nach wenigen Aufstiegen über Straßen und Treppen zurückgelassen; stattdessen führt der Weg in den Wald hinein. Hier orientiert man an Abzweigungen immer nach oben. Kurz unterhalb der Munterley-Felsen teilt sich der Weg in den (beschilderten) Wanderweg und einen steilen Fußweg, der unmittelbar nach oben führt. Dieser Fußweg ist eine sehr gute Abkürzung, die in wenigen Minuten hoch auf das Felsplateau führt. Hier ist jedoch Trittsicherheit und gelegentlich sogar Zuhilfenahme der Hände an den Dolomitfelsen notwendig. Der Weg wird jedoch regelmäßig genutzt und ist nicht zu übersehen oder zu verlieren.

Von der Munterley aus hat man eine gute Aussicht auf die Umgebung

Von der Munterley aus hat man eine gute Aussicht auf die Umgebung

Wer es gemächlicher (aber auch langwieriger) mag, folgt aus Gerolstein-Mitte dem „G“-Symbol, das den Gerolsteiner Dolomitenweg kennzeichnet und der in vielen Serpentinen auf den Gipfel hinaufführt.

Die Munterley, das markante, mit einer Schutzhütte und einer Flagge markierte Felsplataeu, ist die erste Station auf dem Weg und ein toller Aussichtspunkt. Hier gibt es eine Tafel, auf der die Umgebung und die Entstehung der Dolomiten erläutert wird. Die Gegend, die von den keltischen Treverern besiedelt war, ist reich an keltischen Spuren, wie der Höhenfestung auf dem Felsplateau der Dietzenley, die von der Munterley aus gesehen werden kann. Die Dietzenley selbst lohnt sich ebenfalls als Ausflugsziel für den (keltisch interessierten) Wanderer; auf ihrem Gipfel steht ein hölzerner Aussichtsturm.

Von der Munterley aus folgt man dann der Beschilderung zur „Papenkaule“, einem Trockenmaar, und der „Buchenlochhöhle“, einer begehbaren, etwa 30 Meter tiefen Höhle im Felsgestein, die steinzeitlich besiedelt war. Nach etwa 10 Minuten folgt ein weiterer Aussichtspunkt über die Eifellandschaft.

Der Weg zur Buchenlochhöhle

Der Weg zur Buchenlochhöhle

Der Weg zur Buchenlochhöhle führt durch Wald und an spektakulären Felsen entlang, ist aber nicht mehr so steil oder unwegsam wie der eigentliche Aufstieg, sondern zeichnet sich durch milde Steigungen und Gefälle aus, die sich abwechseln.

In die Buchenlochhöhle führt eine Holztreppe (mit einer Fledermauszählanlage). In der Höhle kann man sich frei bewegen. Sie ist konstant 8 Grad kalt und feucht. Weitere Informationen liefern die Infotafeln der Geo-Route, die an markanten Punkten aufgestellt sind.

Nach der Höhle folgt man dem Weg weiter in Richtung der Papenkaule. Nach Wald und Fels erreicht man das unbewaldete, offene Hochplateau, das im Sommer wenig Schatten bietet und im Frühjahr und Herbst recht windig sein kann. Der Weg führt an dem markanten Vulkankrater entlang, der bis vor 10.000 Jahren aktiv war. Der mit Gras und niedrigen Pflanzen bewachsene kreisrunde Krater ist im Gelände sehr gut erkennbar.

Die Felslandschaft bietet bisweilen mystische Momente!

Die Felslandschaft bietet bisweilen mystische Momente!

Hinter dem Krater trifft der Fußweg auf einen asphaltierten Weg, dem man bis zum Tempel folgt. Hier an der Kreuzung liegt ein Grillplatz und damit verbunden leider auch die negativen Begleiterscheinungen – Müll, wohin das Auge sieht. Der Grillplatz selbst sowie die umliegenden Büsche und Wege sind mit diversen Abfällen übersät, leider fühlen sich offenbar nicht nur die Grillenden gehalten, hier einfach ihren Müll liegenzulassen, sondern auch andere Leute nutzen die Gelegenheit, hier unerwünschtes Zeug loszuwerden. Leider verbreitet sich dieser Müll durch Wind und Wetter dann auch im weiteren Umfeld des Grillplatzes; hier ist auch die Stadt gefragt, etwas stärker für Ordnung und Kontrollen zu sorgen, was offenbar nicht konsequent erfolgt.

Am Grillplatz wendet man sich auf dem asphaltierten Weg nach links. Bereits hinter der nächsten Kurve sieht man in der Ferne den Tempelkomplex liegen. Der Weg schlängelt sich über die offene Hochfläche, bis er das Tempelgelände erreicht, das einen eigenen kleinen Zuweg hat. Der Tempel selbst ist umzäunt und mit einer Schranke versehen. Er ist so weithin sichtbar, daß er von diesem Punkt aus nicht verfehlt werden kann.

Da es sich nicht um einen Rundweg handelt, hat man nach dem Tempelbesuch die Wahl, den gleichen Weg zurück zu nehmen, wobei wir hier von der Munterley aus den Abstieg über den gemächlicheren, aber längeren „G“-Weg empfehlen, oder man setzt den Weg zur etwa 2,5 km entfernten Kasselburg fort (wo man den Adler- und Wolfspark besuchen kann) und geht dann im Tal am Fluß Kyll entlang zurück nach Gerolstein. Wir bevorzugen den Rückweg über die Munterley, da er landschaftlich spannender ist, als im Tal zurückzuwandern. (mehr …)

Ambiorix, König der Eburonen

Das Denkmal des Ambiorix auf dem Marktplatz von Tongeren

Das Denkmal des Ambiorix auf dem Marktplatz von Tongeren

Eine unserer Reisen durch das östliche Gallien führte uns nach Tongeren, in die älteste Stadt Belgiens.

Sie entstand aus der römischen Stadt Atuatuca Tungrorum, Hauptstadt des Verwaltungsbezirks Civitas Tungrorum in der Provinz Gallia Belgica (die später in die Provinz Germania inferior, Niedergermanien, eingemeindet wurde).

Neben der noch über mehrere Kilometer erhaltenen römischen Stadtmauer, gibt es in Tongeren das (sehr modern gestaltete) Gallo-Romeins Museum, das zum Europäischen Museum des Jahres 2011 gekürt wurde. Hier sind vor allem die regionalen Funde aus dem römischen Atuatuca Tungrorum ausgestellt und der Besucher erhält einen guten Eindruck von der Ausdehnung und dem Aufbau der römischen Provinzstadt.

Die dritte – wenngleich nicht wirklich „römische“ Sehenswürdigkeit, aber dennoch für den gallo-römischen Touristen Pflichtprogramm -, ist das 1866 errichtete Ambiorixstandbild auf dem Marktplatz der Stadt. Er zeigt den überlebensgroßen König des gallischen Stammes der Eburonen, der auf drei Dolmen steht.

Ambiorix gilt als ein belgischer „Nationalheld“. Der Anführer der Eburonen spielt eine wichtige Rolle in Caesars KriegsberichtDe Bello Gallico, denn er brachte den römischen Legionen auf ihrem Gallienfeldzug in den Jahren 54-53 v. Chr. eine ihrer größten Niederlagen bei. Caesar beschäftigt sich in seinem Kriegsbericht ausführlich mit diesem Herrscher, den wir deshalb vor allem aus dieser Quelle kennen.

Die Eburonen wurden von einem Doppelkönigtum regiert; diese beiden Herrscher bezeichnete Caesar mit dem lateinischen Wort „Rex“ (König):

„Catuvolcus rex dimidiae partis Eburonum“

König Catuvolcus herrscht über die eine Hälfte der Eburonen“ (De Bello Gallico 6,31,5)

Als Rache für die Niederlage, die die Eburonen den römischen Legionen beibrachten, ordnete Caesar im Jahr 51 v. Chr. einen Rachefeldzug gegen den gesamten Stamm an mit dem Ziel, ihn auszulöschen und das Stammesgebiet danach den Rom-loyalen Germanen vom Stamme der Ubier zu übergeben.

Eburonische Höhenfestung (Römervilla Ahrweiler, 2014)

Eburonische Höhenfestung (Römervilla Ahrweiler, 2014)

Auch für uns ist das Schicksal des Ambiorix und der Eburonen von besonderem Interesse, da die Region, in der wir leben – das Ahrtal – im Grenzland zwischen den Stammesgebieten der Eburonen und der ebenfalls keltischen Treverer lag. Eburonische Funde aus der Region, sowie die Rekonstruktion einer eburonischen Höhensiedlung, waren im Jahr 2012 im Rahmen der Sonderausstellung „Eburonen – unsere vergessenen Vorfahren“ in der Römervilla Ahrweiler zu sehen.

Als römische Rekonstruktionisten ist es für uns immer spannend und interessant, sich ganz grundsätzlich mit römischer Geschichte zu beschäftigen, die wir dank der vielen erhaltenen Quellen gut studieren können. Als wir in Tongeren auf Ambiorix und die Eburonen trafen, die auch unsere Region besiedelt hatten, war die Gelegenheit gekommen, wieder einmal Caesars Kriegsbericht „De Bello Gallico“ in die Hand zu nehmen und sich mit Ambiorix und dem Schicksal seines gallischen Stammes zu beschäftigen!

Da vielen Lesern der „Gallische Krieg“ des Julius Caesar in der Schule im Lateinunterricht vergällt wurde, wäre es natürlich ein schöner Nebeneffekt, wenn dieser Artikel wieder das Interesse an dem spannenden Kriegsbericht des römischen Feldherren (und natürlich an Ambiorix und den Eburonen!) weckt und man feststellt, daß Geschichte keineswegs dröge und langweilig ist – und daß „De Bello Gallico“ Ereignisse beschreibt, die sich direkt hier vor Ort, in unserer Heimat abgespielt haben 🙂

Die Eburonen

Das Stammesgebiet der Eburonen erstreckte sich über das stark bewaldete Gebiet zwischen Rhein und Maas im Bereich der Eifel und der nördlichen Ardennen. Westlich reichte es etwa bis auf die Höhe der Stadt Brüssel und an das Gebiet der westlich der Maas lebenden Aduatuker, südlich stieß es an das Stammesgebiet der in der Südeifel und im Moselraum lebenden, ebenfalls keltischen Treverer. Beiden – größeren – Stämmen waren sie zu Tributzahlungen verpflichtet.

Die Wälder und engen Schluchten der Ardennen gehören zu unseren liebsten Reisezielen

Die Wälder und engen Schluchten der Ardennen gehören zu unseren liebsten Reisezielen (hier: Blick von der Burg in Esch-sur-Sûre)

Die Eburonen waren ein relativ kleiner gallischer Stamm, der über etwa 44.000 Mitglieder, davon 8000 kampffähige Krieger, verfügte.

Caesar berichtet in „De Bello Gallico„, daß die Eburonen von einer Doppelspitze aus zwei Königen geführt wurden (Ambiorix und Catuvolcus), wie es bei keltischen Stämmen bisweilen üblich war. Um einen Krieg zu erklären, war die Zustimmung beider Könige notwendig. Ansonsten schien die Aufgabenverteilung eher geografischer Natur zu sein; nach der Verteilung der Münzfunde scheint Ambiorix‘ Herrschaftsgebiet in der Nähe von Brüssel gelegen zu haben, während Catuvolcus über die Eburonen im Eifel- und Ardennenraum herrschte. Den Machtbefugnissen der Könige nach zu urteilen, schien es sich, wie im heutigen Großbritannien, den Niederlanden oder Belgien, eher um eine Art konstitutionelle Monarchie gehandelt zu haben, denn Ambiorix selbst erklärt gegenüber Caesar bei einem Zusammentreffen:

„ut non minus haberet iuris in se multitudo, quam ipse in multitudinem.“

„denn seine Herrschaft sei von der Art, dass das Volk ebenso viele Gewalt über ihn besitze als er über das Volk“ (De Bello Gallico, 5, 27, 3)

Im Laufe des Krieges tritt dann allerdings ausschließlich noch Ambiorix in Erscheinung; von König Catuvolcus hört man nur noch einmal, im Zusammenhang mit seinem Selbstmord nach der Zerschlagung des eburonischen Aufstandes. Der alte König vergiftete sich mit dem Saft des Eibenbaums und verfluchte seinen Amtskollegen Ambiorix auf dem Sterbebett. Die Eibe gilt als der „heilige“ Baum der Eburonen und das keltische Wort für Eibe (eburo) als Namensgeber des Stammes, so daß aus dem hohen Alter von Catuvolcus in der Literatur auch geschlussfolgert wird, daß der zweite König eher sakrale Funktionen innehatte.

„Catuvolcus rex dimidiae partis Eburonum, qui una cum Ambiorige consilium inierat, aetate iam confectus, cum laborem aut belli aut fugae ferre non posset, omnibus precibus detestatus Ambiorigem, qui eius consilii auctor fuisset, taxo, cuius magna in Gallia Germaniaque copia est, se exanimavit.“

„Catuvolcus, der König einer Hälfte der Eburonen, der an der Verschwörung des Ambiorix teilnahm, aber seines hohen Alters wegen unfähig war, die Last des Krieges oder der Flucht zu ertragen, vergiftete sich unter Fluch und Verwünschung des Ambiorix als des Urhebers der ganzen Sache, mit dem Beerensaft des Eibenbaumes, der in Gallien und Germanien in großer Menge wächst.“ (De Bello Gallico, 6, 31, 5)

Kelten oder Germanen?

Zu Beginn des Gallienfeldzugs waren die Eburonen mit den Römern verbündet und es herrschte ein reger Kontakt zwischen Caesar und Ambiorix. Zwischen beiden verkehrten regelmäßig Boten und es fanden lange Gespräche und Verhandlungen statt. Unter anderem unterstützten die Eburonen Rom bei der Unterwerfung des Stammes der Belger.

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Götterwelt: Lenus-Mars

Zuständigkeiten, Herkunft, Bezeichnungen:

Schreibweisen: Lenus, Laenus

(Moderne) Holzstatue des Lenus-Mars im Tempel auf dem Martberg

(Moderne) Holzstatue des Lenus-Mars im Tempel auf dem Martberg

Der gallo-römische Heil- und Stammesgott Lenus des keltischen Stammes der Treverer war einer der wichtigsten und bedeutsamsten einheimischen Götter im Eifel- und Moselraum bis nach Luxemburg. Seine Bedeutung in diesem Teil Galliens war so groß, daß sein Kult sich bald auch großer Beliebtheit unter den Römern erfreute. Im römischen Reich verbreitete sich Lenus-Mars auch über das Stammesgebiet der Treverer hinaus, was Weiheinschriften in Britannien belegen.

Im romanisierten Gallien wurde Lenus durch die Interpretatio Romana mit dem römischen Gott Mars identifiziert, was zu seiner Ausprägung als Lenus-Mars führte. Die besondere Bedeutung des Gottes ist auch durch die ungewöhnliche Tatsache ersichtlich, daß sein gallisches Epitheton zuerst genannt wird, während es ansonsten bei romanisierten Göttern üblich war, zuerst den römischen Namen zu nennen („Apollo Grannus“, „Merkur Cissonius“, „Jupiter-Ammon“).

In seiner Hauptfunktion ist Lenus-Mars ein Heilgott. Für ihn gab es gewaltige Heiligtümer mit medizinischen Heilquellen in Trier (der Kaiserstadt Augusta Treverorum, die seinerzeit die zweitgrößte Stadt des römischen Reichs war – deswegen auch „Rom des Nordens“ genannt) und auf dem Martberg (Mons Martis, „Marsberg“) an der Mosel. Beide Tempel wurden im römischen Reich zu überregional bedeutsamen Pilgerstätten, ihre Orte waren aber schon zu keltischer Zeit bedeutsame Heiligtümer. Das Quellheiligtum in Trier („Am Irmenwingert“) war schon vor der römischen Zeit ein religiöses Zentrum der Treverer, in dem neben dem Stammesgott Lenus auch Iovantucarus (in der Interpretatio Romana ebenfalls mit Mars gleichgesetzt), Ancamna (eine gallo-römische Quellgöttin) und die Xulsigiae (dreifache gallo-römische Quell- und Fruchtbarkeitsgöttinnen), später auch die Göttin Victoria verehrt wurden.

Ortschaften wie Cardena (das heutige Treis-Karden an der Mosel) am Fuße des Martbergs entstanden und blühten durch den Pilger-Tourismus. Cardena war ein Töpferort, in dem sich eine Töpferei an die nächste reihte, um in Massenproduktion Opfergaben wie billige Öllämpchen und Votivfiguren des Lenus-Mars zu produzieren. Auch das verdeutlicht die große Bedeutung dieses Heilgottes.

Weihestein für Lenus-Mars im Tempel auf dem Martberg

Weihestein für Lenus-Mars im Tempel auf dem Martberg

Nach römischer Sitte wurden an den einheimischen Heiligtümern steinerne Tempelanlagen errichtet. Beim Tempel auf dem Martberg handelt es sich um einen typisch gallo-römischen Umgangstempel, der die keltische Kultpraxis integrierte, ein Heiligtum zu umschreiten und dadurch die Akzeptanz bei der einheimischen Bevölkerung zu erhöhen. Die gallo-römische Kultanlage in Trier gilt in der Archäologie als „treverisches Nationalheiligtum mit monumentaler Ausstattung“. Neben Pilgerherbergen, Prozessionsstraße, Bädern, Tempel und Schreinen gab es sogar ein Kulttheater, das bei Kultfesten der Darstellung von Göttermythen diente.

Weitere Fundorte sind Welschbillig und Mersch (Luxemburg), wo der Militärtribun gleichzeitig die Funktion des Lenus-Mars-Priesters ausübte.

Lenus-Mars wird, trotz seiner Identifikation mit Mars, in erster Linie als Heilgott angesprochen. Neben Gesundheit, Heilung von Krankheiten und Verletzungen ist er auch generell für Glück und gutes Schicksal zuständig. Die Identifikation mit dem kriegerischen Mars und die Darstellung mit Rüstung, Schild und Speer wird so gedeutet, daß er seine Waffen und Kraft benutzt, um Krankheiten zu bekämpfen und abzuwehren, als auch vor Krankheit und Tod zu schützen.

Neben den Heiligtümern mit Heilquellen und Bädern belegen auch die Inschriften auf Weihetafeln die Funktion als Heilgott. Auf einem Weihestein auf dem Martberg bedankt sich Tychikos dafür, daß er von einem schweren Leiden geheilt wurde.

Eine Deutung des Ursprungs des Namens „Lenus“ liegt in den keltischen Worten „li-n-a“ („schmutzig, verschmutzen“), „li-no“ (Eiter), „li-no“ (Leinen) und „linomn“ (reinigen, entfernen). All diese Worte sind mit Wunden und Wundinfektionen assoziiert sowie dem Behandeln und Verbinden dieser Wunden. Der Ursprung des Lenus wird deshalb in einem Gott angenommen, der für die Heilung und Reinigung (infizierter) Wunden zuständig war, was seine Bedeutsamkeit sowohl für die ländliche Bevölkerung als auch für das Militär erklärt.

Attribute und Darstellungen

Neben Weiheinschriften wurden auch Statuen und Figuren des Lenus-Mars gefunden. Eine Bronzestatuette vom Martberg zeigt ihn als klassischen Krieger mit korinthischem Helm, Speer, Schild und Rüstung. Ein Relief aus Chedworth, Britannien zeigt ihn mit Axt und Speer.

Das Sockelfundament einer Statue aus Britannien zeigt, daß Lenus von einem großen Vogel begleitet wurde, möglicherweise einer Gans. Weitere Funde aus dieser Region belegen eine Verbindung des Gottes mit einer widderköpfigen Schlange, was ebenfalls als Symbol seiner Funktion als Heilgott gedeutet wird.

Opfergaben

Opfergaben für Lenus-Mars, gefunden auf dem Martberg (Stiftsmuseum Treis-Karden)

Opfergaben für Lenus-Mars, gefunden auf dem Martberg (Stiftsmuseum Treis-Karden)

Zahlreiche Funde auf dem Martberg zeigen, daß der keltische Opferbrauch, Münzen und Schmuck zu opfern, auch zu römischer Zeit fortgesetzt wurde. Es wurden Tausende von Münzen, Fibeln und Schmuckgegenständen gefunden. Daneben hielt der römische Brauch Einzug, tönerne Miniaturgefäße (wie Öllampen) und Figuren zu opfern, wovon zahlreiche Tonscherben zeugen.

Nach erfolgter Heilung war es unter wohlsituierteren Bürgern üblich, einen Weihestein zu stiften, auf dem man seinen Dank zum Ausdruck bringt (wie man es noch heute von Weihetafeln aus katholischen Kirchen kennt („Maria hat geholfen“).

Sonstiges

Während von der Tempelanlage in Trier nichts mehr zu sehen ist, wurde der Tempel auf dem Martberg teilrekonstruiert. Der Umgangstempel wurde komplett wieder aufgebaut und auch von innen im römischen Stil bemalt. Es gibt eine (moderne) Holzstatue des Lenus-Mars sowie einen Weihealtar, auf dem Opfergaben, vor allem Münzen, abgelegt werden können (und werden). Auf dem Bergrücken, der einst ein bedeutendes keltisches Oppidium war, sind neben den römischen Tempelgebäuden auch rekonstruierte keltische Bauten in einen kleinen archäologischen Park integriert. Für weiterführende Informationen empfehlen wir Euch unseren Artikel zum Martberg.

 

 

 

 

 

 

Antike Stätten: Römische Villa Mersch mit Riesenbecken (LU)

167_Mersch_Villa mit Riesenbecken

Der Schutzbau der Villa ist leicht zu finden

Anschrift:

Rue des Romains, 7565 Mersch, Luxemburg.

Anfahrt:

Diese ungewöhnliche römische Villa liegt inmitten eines gepflegten Wohngebiets an einer Seitenstraße im luxemburgischen Ort Mersch (Miersch) im Tal der Alzette.

Die Villa mit ihrem Schutzbau im Ortsteil Mies (französisch: Meix) ist leicht zu finden und von der Straße aus gut zu erkennen. Es ist möglich, direkt am Straßenrand vor der kleinen parkähnlichen Anlage zu parken; es herrscht kaum Verkehr und die Gegend ist ruhig.

Mersch hat einen Bahnhof und ist per Zug aus Luxemburg Stadt oder Ettelbrück zu erreichen. Vom Bahnhof aus sind es etwa 1,5 Kilometer Fußweg bis zur Villa.

Hintergrundinformation:

Die Hypokausten sind ungewöhnlich gut erhalten

Die Hypokausten sind ungewöhnlich gut erhalten

Die gallo-römische Villa rustica in Mersch zeichnet sich durch eine interessante Besonderheit aus, die sie von den anderen römischen Villen in diesem Teil Galliens abhebt: neben dem großen Herrenhaus mit der gut erhaltenen Hypokaustenanlage gibt es die Überreste eines gigantischen Schwimmbeckens: Das 75 Meter lange, ovale Riesenbecken stellt jedes olympische Schwimmbad in den Schatten.

Auch das einige Meter vom Becken entfernt gelegene Herrenhaus war von solch großen Ausmaßen, daß es auf französisch als „Palais“ bezeichnet wird. Es war mit allen luxuriösen Finessen ausgestattet, die man sich in der gallischen Provinz vorstellen konnte, allem voran einer Fußbodenheizung und einer ausgedehnten Bäderanlage. Daneben wurden Reste eines aufwendigen schwarz-weißen Mosaiks sowie auf Stuck durchgeführte, bunte Wandbemalungen mit Temperafarben gefunden, die auf den Reichtum der Besitzer hindeuten.

Es wird angenommen, daß sich dort im 1. Jahrhundert n. Chr. ein ehemaliger Legionär niederließ, der nach dem Absolvieren seiner 25-jährigen Dienstzeit ein Stück Land in einer Provinz zugeteilt bekam. Im Lande der Treverer bildeten die ehemaligen Soldaten zuverlässige Einwohner, die zur Stabilität, dem Frieden und Wohlstand der Provinz Gallien beitrugen. In der fruchtbaren und ertragreichen Region des Alzettetals kam die Familie zu Wohlstand. Es wurden zahlreiche Gebrauchsgegenstände wie Münzen, Spangen, Schmuckstücke und Ringe gefunden, die die Theorie stützen, daß die Villa einem hochrangigen römischen Offizier gehörte.

Das Riesenbecken liegt in einem kleinen Park inmitten des Wohngebiets

Das Riesenbecken liegt in einem kleinen Park inmitten des Wohngebiets

Schon früh war bekannt, daß das Alzettetal zur Römerzeit römisch besiedelt war. Der Name des Ortsteils Mies (franz. „Meix“) wird hergeleitet vom lateinischen Wort mansus =  Haus, Hof, Dorf.

Die Villa war vom 1. bis zum 4. Jahrhundert n. Chr. bewohnt. Im 4. Jahrhundert endete die römische Herrschaft und die Provinz wurde von den Franken eingenommen, die das Landgut zerstörten oder zerfallen ließen. Sie nutzten das Gelände danach als Ackergrund.

Immer wieder kamen in der ländlichen Gegend beim Umpflügen Tonscherben und Ziegel zum Vorschein. Im Jahr 1905 wurde die römische Villenanlage durch den Staatsarchitekten Karl Arendt ausgegraben. Er nahm das Gelände auf und erkannte, daß es sich bei der Anlage um den typischen gallo-römischen „Normaltypus“ einer Villa rustica handelte, wie sie in dieser Region im Stammesgebiet der Treverer üblich war.

Im Jahr 1966 stieß man bei den Bauarbeiten für eine größere Wohnsiedlung auf weitere römische Überreste in der unmittelbaren Umgebung der Villa. Weitere Grabungen durch das Luxemburgische Staatsmuseum legten eine fast 100 Meter lange Mauer frei. Es stellte sich heraus, daß es sich um ein von Wasserleitungen durchzogenes, ovales Schwimmbecken handelte, das zur Villa gehörte. Das Becken wurde, um es für die Öffentlichkeit zu bewahren, freigelegt, die Umrisse nachrekonstruiert und dann in einen kleinen Park inmitten der Wohnanlage integriert. Über die Überreste der Villa baute man einen Schutzbau.

Leider ist die Beschriftung - bis auf die Rekonstruktionszeichnung - nicht sehr informativ

Leider ist die Beschriftung – bis auf die Rekonstruktionszeichnung – nicht sehr informativ

Auch in der Umgebung, überall in Mies, fand man zahlreiche Münzen, die zeitlich von Kaiser Domitian bis Kaiser Konstantin reichen (81 bis 337 n. Chr.)

Außerdem entdeckte man in der Nähe den Inschriftenstein eines Militärtribuns und Priesters des Lenus-Mars (heute zu besichtigen im Staatsmuseum in Luxemburg Stadt). Möglicherweise übte der Bewohner der Villa die Funktion dieses Lenus Mars-Priesters aus.

Beschreibung:

Am Straßenrand liegt in einem kleinen Park unter Bäumen der Schutzraum für den Wohnbereich. Er ist dezent gestaltet in einem Natursteinhaus im angedeuteten römischen Stil.

Das Haus ist frei zugänglich, allerdings befindet sich der Innenraum mit der Hypokaustenanlage hinter einer Glasscheibe, so daß man nicht in der Ruine selbst herumlaufen kann.

Im Eingangsbereich befindet sich eine Informationstafel, die allerdings nur auf französisch ist und deren Informationsgehalt auch nicht sehr groß ist. Es gibt eine Rekonstruktionszeichnung der Villa mit Schwimmbad und kurze Informationen über den Zeitraum der Nutzung. Weitere Hintergrundinformationen sucht man leider vergebens. Da sind wir aus Luxemburg viel bessere und geradezu vorbildliche Beschriftungen gewohnt!

Hinter dem Haus führt ein kleiner Fußweg in einen Obstgarten, der am Rande des Schwimmbeckens liegt. Das Schwimmbecken selbst bildet eine ovale Vertiefung in einer ruhigen, parkähnlichen Anlage inmitten der Wohnhäuser. In regelmäßigen Abständen laden Sitzbänke zum Verweilen ein und ein kleiner, von Bäumen gesäumter Spazierweg führt um das Becken herum. Die Anlage ist sauber und gepflegt und wird zur Naherholung von den Bewohnern der umliegenden Wohnsiedlung genutzt.

Die Dimensionen des Riesenbeckens sind hier gut zu erkennen!

Die Dimensionen des Riesenbeckens sind hier gut zu erkennen, denn in der Mitte an den Wasserrohren steht eine Person!

Diese Villenanlage sollte man, wenn man in der Gegend unterwegs ist, gesehen haben. Das gigantische Becken und die sehr gut erhaltenen Hypokausten sind schon eine Besonderheit, die die Villa von Mersch von den anderen römischen Landgütern der Umgebung abhebt.

Öffnungszeiten, Zugänglichkeit:

Die Anlage ist frei zugänglich und kann jederzeit besichtigt werden. Eintritt wird nicht erhoben.

Sonstiges:

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Die Besichtigung kann gut mit einem Besuch des Cerunincus-Waldtempels bei Steinsel verbunden werden, der nur wenige Kilometer entfernt liegt.

Antike Stätten: Römischer Tempelbezirk Tawern

 

Tempelbezirk Tawern

Tempelbezirk Tawern

Anschrift

Der Tempel liegt auf einer Anhöhe im Wald oberhalb von Tawern. Keine postalische Anschrift.

Anfahrt

Der Tempelkomplex liegt auf dem Metzenberg und ist nur zu Fuß auf einer etwa 20-minütigen Wanderung bergauf durch den Wald zu erreichen.

Am Ortsrand von Tawern (gesprochen: Tawérn, abgeleitet vom lateinischen Ortsnamen Tabernae) befindet sich in der Bergstraße ein kleiner Waldparkplatz. Der Weg zum Parkplatz ist mit auffälligen Hinweisschildern „Römischer Tempel“ im ganzen Ort ausgeschildert und eigentlich nicht zu verfehlen. Für das Navigationsgerät kann als zusätzliche Hilfe die Anschrift „Bergstraße“ eingegeben werden. Kurz vor dem Parkplatz befindet sich außerdem ein Schild, das auf den nahegelegenen Vicus von Tabernae verweist, der zu dem Tempelkomplex gehört und ebenfalls besucht werden sollte, wenn man schon einmal in der Gegend ist!

Wer die Wahl hat... schnell und steil oder lang und bequem?

Wer die Wahl hat… schnell und steil oder lang und bequem?

Am Waldparkplatz befindet sich eine etwas verwitterte Hinweistafel, die auf den Merkurtempel und die jeden Sonntag stattfindenden Führungen verweist.

Von dort aus folgt man zu Fuß der asphaltierten Straße den Berg hinauf. Nach einer Biegung teilt sich der Weg; hier hat der Wanderer die Wahl, ob er den (schnelleren, aber unwegsameren und steileren) Fußweg quer durch den Wald nehmen möchte, oder dem in Serpentinen verlaufenden, längeren geteerten Weg. Letzterer ist für Radfahrer, Gehbehinderte oder Reisende mit Kinderwagen zu empfehlen, da der Fußweg doch recht unwegsam ist, besonders bei feuchtem Wetter.

Mit dem öffentlichen Nahverkehr ist Tawern per Bus aus Trier über Konz zu erreichen. Von der Bushaltestelle in der Ortsmitte sind es noch etwa 30 Minuten Fußweg bis zum Tempel. Hier sollte man sich vorher gut über die Abfahrzeiten informieren, da der öffentliche Nahverkehr nur sporadisch fährt. Wir empfehlen eine Anreise mit dem Auto.

Hintergrundinformationen

Die römische Tempelanlage auf dem Metzenberg wurde in den Jahren 1986 bis 1987 vom Rheinischen Landesmuseum Trier ausgegraben und nach Abschluß der Grabungen zum Teil rekonstruiert, um dem Besucher eine Vorstellung vom Aussehen gallo-römischer Tempelanlagen in der gallischen Provinz zu ermöglichen und die Fundamente auf diese Weise zu konservieren. Die Fundstelle selbst war bereits seit 30 Jahren bekannt, konnte jedoch bis dahin nicht gedeutet werden.

Die Rekonstruktionen befinden sich auf den originalen Fundamenten.

Die Ausgrabungen ergaben, das der Tempel vom 1. Jahrhundert n. Chr. bis in das 4. Jahrhundert genutzt wurde. Im Jahre 392 n.Chr. wurde der Tempel, wahrscheinlich im Rahmen der Christianisierung, zerstört.

Der große Merkur-Umgangstempel ist das Herzstück des Tempelbezirks

Der große Merkur-Umgangstempel ist das Herzstück des Tempelbezirks

Er lag nahe der römischen Fernstraße von Rom über Marseille und Metz nach Trier. Dazu gehörte auch der zivile Vicus Tabernae, der – wie der lateinische Name andeutet – vor allem als Raststation für Fernreisende fungierte, denn er war von Trier aus gesehen die erste Raststation an der Fernstraße.

Der Tempel lag zu dieser Zeit noch nicht im tiefen Wald, sondern die Aussicht vom unbewaldeten Metzenberg reichte bei klarem Wetter bis in das Moseltal und das ferne Trier, die Kaiserstadt Augusta Treverorum.

Eine Hauptfunktion, die den Tempelkomplex so beliebt bei Pilgern und Reisenden machte, lag darin, sich des Segens der Götter für die Reise zu vergewissern.

Der Tempelbezirk war ummauert; innerhalb der Mauern konnten sieben verschiedene Tempel unterschiedlichen Alters im terrassenförmig angelegten Gelände identifiziert werden. Die Eingänge weisen in Richtung des Tals.

Im 15 Meter tiefen und 1,05 x 1,05 Meter breiten, quadratischen Brunnen auf dem Gelände fand man zahlreiche Kultgegenstände und Münzen, architektonische Elemente, fast vollständig erhaltene Krüge und Tonfiguren, Statuen und Reliefs, die aufgrund der zeitlichen Schichtung im Brunnenschacht eine sehr genaue Datierung und Rekonstruktion des Tempelbetriebs ermöglichten. Es wird angenommen, daß die Gegenstände von den Gegnern des heidnischen Kults in den Brunnen geworfen wurden, was sich für die Archäologen als Glücksfall erwies.

Im Brunnen versenkt: Ein Relief der Göttin Epona, Schutzherrin der Pferde

Im Brunnen versenkt: Ein Relief der Göttin Epona, Schutzherrin der Pferde

Zu den wichtigsten Funden gehörte ein etwas überlebensgroßer Kopf des Gottes Merkur, der hier vor allem wegen seiner Funktion als Schutzgott der Reisenden als die Hauptgottheit des Tempelkomplexes eingestuft wurde.

Außerdem fanden sich Reliefs der in Gallien bei den Treverern sehr beliebten Göttin Epona, Weiheinschriften für Merkur und Apollo sowie ein Relief von Isis und Serapis, deren exotischer Kult hier ebenfalls geschätzt wurde. Das belegt auch der Fund eines kleines Mosaiksteins mit einer Ibis-Malerei im nahen Tabernae.

Ebenfalls ungewöhnlich sind zwei 15,5 cm große, wahrscheinlich in der heutigen Türkei hergestellte Tonfiguren der Göttin Artemis Ephesia, die an zwei Stellen im Bezirk gefunden wurden und wohl als Weihegaben von einem Händler mit hierher gebracht wurden. Alle Original-Funde befinden sich heute im Rheinischen Landesmuseum Trier.

Die Weiheinschriften belegen, daß es sich bei dem Haupttempel um einen Merkurtempel handelte. Die Inschrift des ältesten Tempels lautete:

MER[CVRIO AEDICVLA]M
GRATVS [ . . F . V.S.L]M. (votum solvit libens merito)

Übersetzung:

Dem Gott Merkur (weiht) diesen Tempel
Gratus [Sohn des . . .], er hat sein Gelübde gern entsprechend dem Verdienst eingelöst.

Später wurde dieser Inschrift eine weitere hinzugefügt, die auf den Bau des Brunnens Bezug nimmt:

CERATIVS PRIMVS
GRATI LIB. (Libertus)
CATENARIA CUM ULlA LIB[ERTAE] II
V.S.L.M. (votum solverunt libens merito)
PVTEVM CVM SVIS O[RNAMENTIS]

Ebenfalls im Brunnen gefunden: Relief von Isis und Serapis

Ebenfalls im Brunnen gefunden: Relief von Isis und Serapis

Übersetzung:

Aceratius Primus,
Freigelassener (Sklave) des Gratus (der die erste Inschrift gestiftet hatte!),
Catenaria mit Julia, zwei Freigelassene (Sklavinnen),
haben ihr Gelübde gern entsprechend dem Verdienst eingelöst (und)
diesen Brunnen mit seinen Ausrüstungsgegenständen (Ornamenten)… (gestiftet/repariert).

Heutzutage befindet sich am rekonstruierten Tempel ebenfalls eine Inschrift. Diese wurde von den leitenden Archäologen, Dr. Sabine Faust und Dr. Karl-Josef Gilles, nach römischer Sitte gestaltet:

DEO MERCVRIO
TEMPLVM SABINA EFOSSVM ET
C AEGIDIO REAEDIFICATVM
HENDRICE ET TEXTORE
PRAEFECTIS KAL AVG MCMLXXXIX

Übersetzung:

Dem Gott Merkur (geweiht)
Der Tempel wurde von Sabina (= Dr. Sabine Faust) ausgegraben und
von Carolus Aegidius (= Dr. Karl-Josef Gilles) wieder aufgebaut,
als Hendricks und Weber (Textore) Bürgermeister waren, 1. August 1989.

In der Cella des Umgangstempels befindet sich eine rekonstruierte, 2,08 Meter große Merkurstatue

In der Cella des Umgangstempels befindet sich eine rekonstruierte, 2,08 Meter große Merkurstatue

Die zeitliche Einordnung der verschiedenen Nutzungsphasen des Tempels wurde durch über 1800 gefundene Münzen ermöglicht, die aus unterschiedlichen Prägestätten aus allen Ecken des Reichs stammen. Gleichzeitig ist der Prozentsatz einheimischer Münzen ungewöhnlich gering, was auf eine überwiegende Nutzung durch Fernreisende schließen läßt.

Die ältesten Münzen sind drei keltische Münzen sowie Münzen aus der Zeit von Kaiser Augustus. An den Stückzahlen der Münzen aus den unterschiedlichen folgenden Jahren sind mehrere Wellen besonderer Beliebtheit des Tempels zu identifizieren, bevor mit dem Verbot heidnischer Kulte im ausgehenden vierten Jahrhundert kaum noch Münzen vorhanden sind. Die jüngste Münze wurde um 392 geprägt.

Beim großen Merkurtempel handelt es sich um einen typisch gallo-römischen Umgangstempel mit einem säulengetragenem Umgang. Dabei bestanden die dreizehn toskanischen Säulen, die das Pultdach des Umgangs trugen, aus hiesigem Sandstein. Dieser Tempel ist 10,80 Meter lang und 9,80 Meter breit.

Unmittelbar vor dem Umgang befinden sich Abflußrinnen aus Sandstein, die noch im Original erhalten sind.

Als Besonderheit wurde das Innere des Umgangstempels, die Cella, in der Rekonstruktion nach römischem Vorbild gestaltet. Die Wände sind – basierend auf Farbfunden in Putzresten – bunt bemalt, zudem wurde aus dem im Brunnen gefundenen Kopf eine mit 2,08 Metern überlebensgroße Merkurstatue rekonstruiert, die ebenfalls nach römischem Brauch komplett bemalt ist, wobei Farben und Pigmente verwendet wurden, die es schon in der Antike gab.

Beschreibung

Der Tempelkomplex oberhalb von Tawern ist allein deswegen, weil er fast vollständig an Ort und Stelle auf den alten Fundamenten rekonstruiert wurde, einzigartig.

Am Eingang zum Bezirk befinden sich Informationstafeln

Am Eingang zum Bezirk befinden sich Informationstafeln

Das Gelände ist von einer Mauer umgeben; ein neuer Eingang befindet sich direkt am Wanderweg. Hier sind auch zwei Informationstafeln aufgestellt; eine ältere Tafel, die über die Grabung und den Grundriss der Gebäude informiert sowie eine neuere Tafel des „Straßen der Römer“ Projektes, die Hintergrundinformationen über die Nutzung des Tempelkomplexes in römischer Zeit vermittelt.

Der originale Eingang in Richtung des Tals ist ebenfalls erhalten, so daß man den Tempelbezirk auch durch den „echten“ Eingang betreten kann.

Die einzelnen Gebäude sind auf Terrassen unterschiedlicher Höhe errichtet. Am Eingangsbereich empfängt den Besucher eine Jupitersäule, auf deren Sockel unter anderem der Gott Hercules abgebildet ist.

Alle Gebäude sind mit dezenten schwarzen Plaketten beschriftet, aus denen ihre Funktion hervorgeht.

Ablegen von Opfergaben auf dem Altar vor dem Merkurtempel

Ablegen von Opfergaben auf dem Altar vor dem Merkurtempel

Den Hauptteil des Tempels nimmt der große Merkur-Umgangstempel ein. Die Cella kann nach keltisch-römischem Brauch umgangen werden. In der bunt bemalten Cella befindet sich auf einem Sockel die bunte Staue des Gottes Merkur. Sie zu bemalen und nicht nach (modernem) Geschmacksempfinden weiß zu lassen, war eine gute Entscheidung des Vereins Römisches Tawern e.V., der die Tempelanlage betreut. So wird der verbreiteten Ansicht, im alten Rom seien alle Statuen und Monumente schneeweiß gewesen (wie man es von Statuen seit der Renaissance kennt), eine realistische Darstellung nach römischem Geschmack entgegengestellt (wie man es auch bei „Im Reich der Schatten“ im Landesmuseum Trier erleben kann, wo Grabmonumente durch Projektionen in buntesten Farben zum Leben erweckt werden). Bei der Rekonstruktion und Bemalung wurde darauf geachtet, Techniken und Farben zu verwenden, die schon zu römischer Zeit genutzt wurden. Auf den ersten Blick ist ein so bunter Merkur sicher ungewohnt für moderne Augen, aber aus pädagogischer und ästhetischer Sicht eine sehr gute Entscheidung.

Die Cella ist abgeschlossen, was wegen leider immer wieder stattfindender Vandalisierungen notwendig geworden war (so wurde Merkur erst im Dezember 2013 bei einem Einbruch der Caduceus entwendet und zerstört). Auch wurde im Innenraum des Tempels eine Videoüberwachungsanlage installiert, die aber so dezent ist, daß sie nicht zu sehen ist und auch nicht bei Kulthandlungen stört.

Der Tempelkomplex ist weitläufig und gepflegt. Vor dem Merkurtempel steht ein Weihealtar, der zum Ablegen von Opfergaben genutzt werden kann.

Auch der Brunnen wurde rekonstruiert

Auch der Brunnen wurde rekonstruiert

In einem benachbarten Tempelgebäude befinden sich, ebenfalls hinter Gittern, Repliken einiger im Brunnen gefundener Reliefs, wie dem Bildnis für Epona, sowie dem Relief von Isis und Serapis, sowie einige Keramiken.

Eine Schatzkammer im hinteren Teil des Tempelgeländes, die ursprünglich zur Aufbewahrung besonders wertvoller Kultgegenstände diente, wird zur Zeit offensichtlich als Lagerraum für Sammelsurium aller Art genutzt, so befindet sich dort eine römische Legionärsrüstung, ein Streitwagen, aber auch allerlei Zeug, das offenbar für dörfliche Brauchtumsveranstaltungen genutzt wird. Das wirkt etwas merkwürdig und stört das ansonsten einheitliche Bild.

Auch der Brunnen wurde rekonstruiert. Hier befindet sich eine Vorrichtung, in die man Münzen einwerfen kann und wodurch (angeblich) das Licht im Brunnen angeht und Wasser läuft. Das funktionierte bei uns aber leider nicht, so daß wir schließlich nach dem römischen Brauch des Münzwurfs direkt Geld durch das Abdeckgitter in den Brunnen warfen, um bei Merkur um eine Vermehrung des Geldes zu bitten.

Öffnungszeiten, Eintrittspreise, Führungen

Im Umgang des Umgangstempels. Umschreiten ist nach gallo-römischer Sitte möglich

Im Umgang des Umgangstempels. Umschreiten ist nach gallo-römischer Sitte möglich

Der Tempelbezirk ist nicht abgeschlossen und deswegen rund um die Uhr begehbar.

Der Eintritt ist frei.

Führungen bietet der Verein Römisches Tawern e.V. jeden Sonntag (Mai bis Oktober) von 14:30 bis 16:30 an, wo jeweils ein Mitglied des Vereins zum Tempel kommt und interessierte Besucher herumführt. Die Teilnahme an einer solchen Führung kostet für Erwachsene 2€, für Kinder 1€. Eine Voranmeldung ist nicht nötig.

Sonstiges

Es gibt diverse archäologische Schriften, die sich mit dem Tempelbezirk Tawern befassen. Unter anderem sind dies: „Römische Kulturdenkmäler in Tawern: der römische Vicus tabernae und der Tempelbezirk auf dem Metzenberg“, „2000 Jahre Tawern: Eine Chronik mit ausführlichen Informationen über die Geschichte Tawerns“ sowie „Funde und Ausgrabungen im Bezirk 34, Trier“ mit 3 wichtigen Beiträgen die Ausgrabungen, unter anderem über den Kopf der Merkurstatue. Diese Schriften sind bei Führungen, bei Familie Michel in der Brunnenstraße 11, sowie in der örtlichen Bäckerei und Metzgerei in der Römerstraße erhältlich!

Fotografieren ist uneingeschränkt erlaubt.

Die Aussicht vom einst unbewaldeten Metzenberg reichte an guten Tagen bis nach Trier

Die Aussicht vom einst unbewaldeten Metzenberg reichte an guten Tagen bis nach Trier

Der Tempel ist zwar jederzeit frei begehbar, liegt allerdings so tief im Wald, daß ein nächtliches Aufsuchen eine gewisse Logistik erfordert. Anwohner, die sich durch Aktivitäten gestört fühlen könnten, gibt es nicht, allerdings legt der Verein Römisches Tawern e.V. – zu Recht! – sehr viel Wert darauf, daß der Tempelbezirk geschont und pfleglich behandelt wird. Von der Durchführung wilder neuheidnischer Rituale mit Trommeln und Feuer machen, wie z.B. bei Wicca üblich, sollte abgesehen werden. Auch ist man sehr empfindlich gegenüber Vandalismus und die oft unschönen Hinterlassenschaften diverser Gruppierungen haben in dieser Tempelanlage nichts zu suchen.

Gegen ein dezentes römisches Opfer an Merkur oder die anderen hier verehrten Götter durch den römischen Cultor, sowie das Ablegen von Opfergaben auf dem Weihealtar vor dem Haupttempel hat aber niemand etwas einzuwenden.

Das Befahren des Tempelgeländes mit Fahrrädern ist verboten.

Weiterführende Informationen

Götterwelt: Cerunincus

 

Bronzefigur aus örtlicher Herstellung

Bronzefigur aus örtlicher Herstellung

Zuständigkeiten, Herkunft, Bezeichnungen

Bei Cerunincus handelt es sich um einen ursprünglichen gallischen (keltischen) Gott der Treverer, der lokal begrenzt im Alzettetal im heutigen Luxembourg verehrt wurde.

Diese Region war zu römischer Zeit dicht mit Gutshöfen besiedelt und lag in der Nähe einer viel bereisten Schnellstraße. Oberhalb der Ortschaft Steinsel befindet sich der zur Zeit einzige bekannte Tempel, der diesem Gott geweiht war. Es handelt sich dabei um einen Tempelkomplex mit einem zentralen Umgangstempel, wie er für die gallo-römische Tempelarchitektur typisch war, bei der keltische Kultvorstellungen mit mediterraner Tempelarchitektur kombiniert wurden.

Zwar wurden im Tempel zahlreiche Votivgaben und Weihesteine gefunden, dennoch ist der Zuständigkeitsbereich von Cerunincus unbekannt. Eine Weiheinschrift aus Bronze belegt, daß er von der romanisierten treverischen Bevölkerung geschätzt und nach römischem Brauch verehrt wurde:

DEO CERUNIN / CO
SOLTRIUS / PRUSCUS /
V(OTUM) S(OLVIT) L(IBENS) M(ERITO)

In der Übersetzung:

Dem Gott Cerunincus hat Soltrius Pruscus sein Gelübde eingelöst, freudig und verdientermaßen.

Rekonstruktionszeichnung des Tempels

Rekonstruktionszeichnung des Tempels

Allerdings findet sich nirgendwo im Tempelkomplex eine Inschrift, die darauf hindeutet, mit welchem Gott Cerunincus in der Interpretatio Romana gleichgesetzt wurde, so daß seine Zuständigkeiten und Attribute bis heute nicht geklärt werden konnten.

Die Fundstücke weisen jedoch darauf hin, daß er gleichermaßen von einheimischen Treverern wie auch von zugereisten Römern verehrt wurde; die Gaben stammen von reichen Gutshofsbesitzern, lokalen Händlern und Kaufleuten, römischen Soldaten bis hin zu einfachen Leuten der Landbevölkerung.

 

Attribute und Darstellungen

Im Tempel gefunden wurde eine 12 cm große Bronzefigur, die aus lokaler Herstellung stammt.

Cella des Waldtempels bei Steinsel

Cella des Waldtempels bei Steinsel

Sie zeigt einen unbekleideten, bartlosen jungen Mann mit kurzem lockigem Haar, dessen linke Hand erhoben ist. Was er in der Hand hielt, ist unbekannt. Es ist wahrscheinlich, aber nicht belegt, daß es sich bei dieser Darstellung um den Gott Cerunincus handelt, dessen Figuren man mit großer Wahrscheinlichkeit im örtlichen Devotionalienladen am Tempeleingang erwerben konnte.

Ebenfalls gefunden wurden Fragmente einer überlebensgroßen Frauenfigur, so daß man in der Forschung davon ausgeht, daß es sich möglicherweise um eine weibliche Kultgefährtin des Cerunincus handelt.

Opfergaben und Cultus

Zu den Opfergaben an Cerunincus gehörten Fibeln, Bronzeglocken, Figürchen und Ringe.

Zahlreiche auf dem Tempelgelände gefundene Münzen weisen darauf hin, daß auch die (noch heute beliebte) Praxis des Münzwurfs, um damit die Erfüllung eines Wunsches zu bitten, auch in diesem Tempel üblich war.

Über die praktische Ausübung des Cultus ist nichts bekannt, da es keine Funde gibt, die die Kultpraxis szenisch darstellen. Ebenfalls nicht überliefert sind schriftliche Aufzeichnungen über die Kultpraxis dieses sehr lokalen Gottes.

Die für einen Umgangstempel übliche Umschreitung der Cella, die Ablage von Weihesteinen und Votivgaben vor dem Tempel, die Darbringung von Opfern auf dem vor dem Tempel befindlichen Altar und Prozessionen um den Umgang herum, wie sie von anderen gallo-römischen Umgangstempeln überliefert sind, sind auch hier wahrscheinlich.

Sonstiges: Cerunincus = Cernunnos?

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Cernunnos wie er auf dem ‚Pariser Nautenpfeiler‘ erscheint

Manchmal, vor allem auf neuheidnischen Seiten im Internet angestellte Vermutungen, es handele sich um den keltischen Gott Cernunnos, können ausschließlich auf die Namensähnlichkeit Bezug nehmen, was als Basis einer solchen Gleichsetzung äußerst fraglich ist.

Cernunnos wird üblicherweise mit dem ‚gehörnten Gott‘ identifiziert, der aus der keltischen Ikonographie bekannt ist und als Naturgott und Herr der Tiere interpretiert wird. Allerdings ist nur eine einzige Inschriftenquelle bekannt, die die Darstellung einer mit einem Geweih versehenen Figur mit diesem Namen in Verbindung bringt, der sog. Pariser Nautenpfeiler.

Der Name leitet sich wohl vom gallischen Wort ‚karnon‚ ab, das (wie auch das lateinische cornu) ‚Horn‘ bedeutet und deswegen die Identifizierung dieser bekannten Figur aus der keltischen Mythologie mit diesem Namen legitim erscheinen lässt. Gleichwohl macht die Tatsache stutzig, daß die bildhafte Darstellung einer solchen Figur, die relativ häufig gefunden wurde, bis auf den genannten einen Fall, niemals sonst mit diesem Namen in Verbindung gebracht werden kann.

Es gibt auch keine Interpretatio Romana, sprich, die römischen Quellen geben für ihn keine Identifikation mit einer römischen Gottheit an, was gerade für einen sehr bekannten und wichtigen Gott ungewöhnlich ist.

Dies wird manchmal darauf zurückgeführt, daß dieser keltische Gott zu spezifisch in seiner Hirschgeweih-Gestalt oder Funktion war, um mit einer der römischen Götter gleichgesetzt zu werden, was allerdings nicht sehr überzeugend klingt. Die römische Praxis, lokale Gottheiten mit überregional in ihrer eigenen Religion verehrten Gottheiten zu identifizieren, wurde relativ großzügig gehandhabt. Je nachdem, was stärker betont werden konnte, wurde die Funktion einer Gottheit oder ihre Erscheinung zur Grundlage genommen.

Ein keltischer Naturgott mit einem Geweih ließe sich demnach relativ problemlos im römischen Silvanus oder noch besser im, diesem ebenfalls gleichgesetzten, (gehörnten!) Faunus wiedererkennen. Warum dies nicht geschehen ist, wissen wir nicht, was zur generellen Unsicherheit in Bezug auf die Deutung von Cernunnos beiträgt.

Daß wir auch im Tempel von Steinsel keinen römischen Namen der dort verehrten Gottheit finden, wird deswegen ebenfalls gerne als weiterer Beleg für die Identität von Cerunincus mit Cernunnos angeführt. Auch dies bleibt hingegen reine Spekulation, die wenig belastbar ist, da neben der nicht auszuschließenden Möglichkeit, daß evtl. doch einmal Funde mit einem römischen Namen für diesen Gott zutage treten, ebenfalls keinerlei Geweihdarstellung in Verbindung mit dieser Gottheit gefunden wurde. Die hohe Wahrscheinlichkeit, das die gefundene Figur tatsächlich Cerunincus darstellt und die Tatsache, daß diese keinerlei Geweih/Horn als Attribut besitzt, lässt es sinnvoller erscheinen, diesen Gott als eigene Gottheit zu betrachten, welche lokalen Charakter hatte, anstatt sich auf eine reine Namensähnlichkeit zu stützten.