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Neue Heiden und Müll an alten Stätten

Ausgebrannte Plastik-öllichter, leere Sektflaschen und Grillreste sollte man nach dem Ritual aus dem Tempel entfernen

Ausgebrannte Plastik-Öllichter, leere Sektflaschen und Grillreste sollte man nach dem Ritual aus dem Tempel entfernen

Wir haben ja gar nichts dagegen, daß Angehörige aller Glaubensgemeinschaften in den alten römischen Tempeln feiern und dort ihre Rituale abhalten. Ob Wicca, Germanen oder Hexen – die Tempel, als heilige Orte mit einer ganz besonderen Atmosphäre, sind schließlich für alle da.

Wofür wir allerdings überhaupt kein Verständnis haben ist, daß wir uns mittlerweile (insbesondere nach Jahreskreisfesten) bei einem Tempelbesuch gezwungen sehen, gleich einen Müllsack mitnehmen zu müssen, um die rituellen Hinterlassenschaften diverser Gruppierungen aufzusammeln.

Am gestrigen Wochenende waren wir nach der Winterpause seit langem mal wieder in den römischen Matronentempeln von Zingsheim und Pesch.

In Pesch wurde (von Münzen, Steinkügelchen oder Muscheln einmal abgesehen), fast nur „vergängliches“ Opfergut hinterlegt, wie Blumen, Kürbisse, Tannenzapfen und Zweige. Ob zu güldenen Kugeln zusammengerollte Alufolie, wie sie um Süßigkeiten gewickelt ist, eine gute Opfergabe ist, um sie einer Matrone in den Schoß zu legen, ist fragwürdig. Immerhin befinden sich diese Tempel tief im Wald und die Opfergaben können (oder sollen) von Tieren gefressen werden. Ich glaube nicht, daß Kügelchen aus goldener Alufolie sonderlich bekömmlich sind.

In Zingsheim jedoch, wo – den Dekorationen und Opfergaben zufolge – ganz offensichtlich irgendeine neuheidnische Gruppe (vermutlich zur Tagundnachtgleiche) ein größeres Ritual abgehalten hat, löste der Anblick des Tempels bei uns eher Irritation bis Verärgerung aus. Es ist ja noch unproblematisch, daß man dort Stoffbänder in Bäume und an die vier Ecken der Cella bindet, auch wenn dies nach einiger Zeit ziemlich zerfleddert aussieht. Auch kann man ja durchaus seine Opfergaben auf den Weihesteinen hinterlassen,wie Räucherwerk, Schalen mit Früchten, Tannenzweigen, Münzen und Muscheln, Granatäpfeln und anderen Pflanzen, wie wir sie dort vorgefunden haben.

Vergängliche Opfergaben, die auch von Tieren gefressen werden können, sind unproblematisch

Vergängliche Opfergaben, die auch von Tieren gefressen werden können, sind unproblematisch

Was allerdings nicht akzeptabel ist: Da das Ritual offenbar bei Abend oder Nacht stattgefunden hat, standen überall verkokelte und leere Plastik-Grablichter herum, die durch den Wind natürlich auch in der Gegend herumgeblasen wurden. Plastikmüll in der Cella ist nicht sonderlich ansprechend. Genauso wenig wie herumliegende leere Sektflaschen und andere Zeugen eines wilden Festes.

Auch muß es nicht sein, daß die Weihesteine über und über mit Wachs – und, schlimmer noch, dieser Ölmischung aus den Grablichtern -bekleckert werden. Kein anderer Besucher will mit Wachs beschmierte Matronen oder Götterstatuen sehen und außerdem tut das den Weihesteinen auch nicht sonderlich gut. Wir verbrachten einige Zeit damit, die öligen Wachsreste wieder abzuknibbeln, ohne dabei den Stein zu beschädigen.

Also, wenn Ihr schon nach barbarischer Sitte in römischen Tempeln feiert, dann bitten wir Euch eindringlich, danach zumindest alles mitzunehmen, was aus Plastik oder anderen unvergänglichen Materialien besteht (wie Alufolien-Kugeln) und von Tieren gefressen werden könnte.

Wir wissen nicht, ob Ihr glaubt, daß die ausgebrannten Kerzen und Öllichter nach einigen Wochen „von selbst“ aus dem Tempel wandern und sich in Luft auflösen. Sie tun es nicht. Es gibt auch keine Priester mehr, die (wie in römischer Zeit) regelmäßig die Opfergaben abräumen und entsorgen. Nein, sie werden einfach von Wind und Wetter durch die Gegend geblasen und fliegen dann im und um den Tempel herum, bis sich jemand erbarmt und sie aufsammelt und wegwirft.

Danke, daß wir Euren Ritualmüll nach Wochen entsorgen dürfen.

Danke, daß wir Euren Ritualmüll nach Wochen entsorgen dürfen.

Keiner will Eure leeren Alkoholflaschen und Müllreste rund um das Feuer entsorgen und Ihr wollt schließlich auch einen ansprechenden, sauberen Ritualplatz vorfinden. Und wenn Ihr schon mit Kerzen auf und in den Weihesteinen arbeitet, dann seht zumindest zu, daß sie nicht überlaufen und alles mit dicken Wachsschichten beschmieren.

Deswegen an dieser Stelle ein super innovativer Tipp von uns – und zwar gratis! Es wäre überaus freundlich und sicher nicht zuviel verlangt, wenn Ihr einfach eine Rolle Müllbeutel mit zu Eurem Ritual nehmt und Euren Müll danach einsammelt.

Denn es kann ja nun nicht angehen, daß der römische Cultor jedes Mal beim Tempelbesuch einen Müllbeutel mitnehmen muß, um die Überreste Eurer Festivitäten zu entsorgen. Das fördert weder die gegenseitige Toleranz, noch wird es die Götter sonderlich erfreuen, wenn man sie erst mit großem Tamtam anruft, und danach ihren Tempel als Plastik- und Flaschenmüllkippe hinterläßt.

Verbindlichen Dank für Eure Aufmerksamkeit.

 

Nachtrag:

Das ist die aktuelle Ausbeute unseres Tempelbesuchs im Oktober:

Daß Elektro-Grablichter 2 dicke Batterien enthalten, die im Wald nichts verloren haben, scheint unbekannt zu sein

Daß Elektro-Grablichter 2 dicke Batterien enthalten, die im Wald nichts verloren haben, scheint unbekannt zu sein

Durchdringend riechende Pfirsich-Duftteelichter verbreiten nicht nur chemische Gerüche, auch die Wachsflecken sehen nicht gerade einladend aus

Durchdringend riechende Pfirsich-Duftteelichter verbreiten nicht nur chemische Gerüche, auch die Wachsflecken sehen nicht gerade einladend aus

Ausbeute eines Tempelbesuchs

Ausbeute eines Tempelbesuchs

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15 Kommentare

  1. Malzkorn sagt:

    Das wird immer und immer wieder diskutiert und wahr auch zur Sommersonnenwende in Stonehenge ein großes Thema. Aber irgendwie sind viele Neuheid_innen dann doch nicht so naturnah, wie im Alltag behauptet wird. 🙂

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    • (war nicht wahr… :P)

      Das Problem ist doch, die Vorstellung die vorchristliche Religion sei irgendwie naturmystisch, ein schwärmerischer Naturkult, welcher die Natur an sich vergöttert, ist sicherlich falsch und ein reiner moderner Gedanke, der irgendein Defizit unserer Zeit auf die Lebensumstände unserer Vorfahren projiziert…aber selbst diese doch oft eher pragmatisch und wenig schwärmerischen Heiden hätten sich die Zumüllung einer explizit heiligen Stätte weder vorstellen können, noch wäre sie geduldet worden. Das scheint mir der eigentliche Skandal…ein Römer etwa hatte sicher keine Probleme damit gehabt, etwa als Besitzer einer Brennanlage für Töpferwaren einen ganzen Wald zu verheizen…aber sicherlich damit den Tempel in seiner Stadt durch solches Gebaren geschändet zu sehen. Heutige Heiden gefallen sich darin von beseelten Bäumen und kleinen Elfen zu sprechen, die angeblich so zentral für ihre Religion sind, in der Theorie das Hohelied der unbefleckten Natur zu singen, aber nach einem ihrer Happenings ihren ganzen Plastikmüll im wahrsten Sinne einfach hinter sich zu lassen…

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      • Jan Pelick sagt:

        Man kann dieses Verhalten, aber nicht auf alle Heiden münzen. Nur weil es Menschen gibt die nicht verstanden haben was sich gehört, heißt dass nicht gleich alle so sind. Bitte nicht immer verallgemeinern!

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        • Wir haben nicht „verallgemeinert“, denn das „Ihr“ war eine direkte Ansprache und zwar an jene Unbekannten, die sich dergestalt verhalten haben oder vielleicht noch verhalten werden. „Allgemeine“ Vorstellung jedoch ist eben dieses naturmystische Verständnis paganer Religionen und wenn man schon diese (oft irrige Annahme) vertritt, dann wiegt halt so ein Verhalten um so schwerer und wird entsprechend kommentiert und das war Gedanke hinter dem Artikel – neben der Frustration, die man gerade als Anhänger der Religio Romana empfindet, wenn Leute, die sich als hexisch-heidnisch-irgendwas verstehen, diese Tempel der gallo-römischen Tradition für ihre Aktivitäten nutzen und – wie es unsere Erfahrung eben ist – oft genug respektlos behandeln.

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  2. Vali sagt:

    Als würden nur wir Neu-Heiden sowas machen…
    Natürlich ist es eine Sauerei wenn gerade Asatruari und andere Neu-Heiden sowas machen, aber Umweltverschmutzung ist ja generell ein großes Problem, und es gibt, leider, viel, viel zu viele Menschen die über ihr Tun und Handeln schlicht weg nicht nachdenken, oder denen es einfach egal ist.
    Natürlich kann man auch spekulieren dass es nicht unbedingt Heiden waren die an Heiligen Ritual-und Opferplätzen solche Sauereien hinterlassen, aber im Grunde ist es doch egal wer es war. Kein Mensch sollte es machen, ob nun Christ, Heide oder Nicht-Gläubige. Es schadet der Natur, den Tieren und letzendlich auch uns!

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    • Jan Pelick sagt:

      Nun ja, hier wurden aber explizit gesagt, dass es sich hierbei um Heiden handelt. Natürlich verschmutzten auch andere Menschen die Umwelt, aber in diesem Fall geht es um Heiden.

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      • Vali sagt:

        Das ist mir durchaus bewusst…ich wollte es nur anmerken…
        Außerdem sind nicht alle Neu-Heiden so! Ich finds irgendwie unfair dass das so allgemein ausgedrückt wird, als wäre uns die Natur egal, oder als würden alle Heiden die Umwelt verschmutzen, was ja nicht stimmt, das war das einzige was mich gestört hat…

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  3. Jan Pelick sagt:

    Warum manche Heiden es nicht in ihren Kopf bekommen, was eigentlich selbstverständlich ist, kann ich nicht nachvollziehen. Ich bin selber Heide und würde niemals so eine Sauerei hinterlassen. Weder gut für die Natur, noch Tempel, noch beziehung zu seinen Göttern. Ich würde es auch nicht mögen, wenn eine Gruppe von Leuten in meine Wohnung kämme, feiern und dabei mir dies auseinander nehmen würde.

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  4. Das Müllproblem ist seit Jahren bekannt, besonders da von der Gemeine keine Papierkörbe aufgestellt werden. Ich muss aber Eifeler Frauen in Schutz nehmen, die hier regelmäßig aufräumen. ich selbst bin jahrelang fast täglich mit Mülltüten zu den Tempen gegangen – wohne fast in Rufweite. Leider kann ich das heute aus Alters- und Gesundheitsgründen nicht mehr. Mein Rat an Besucher: Besser aufräumen als sich ärgern. Ärger kostet viel mehr Kraft. Müllentfernen ist auch Dienst an der Natur und Menschen, die das nich so sehen, kann man sowieso nicht ändern. Herzlichen Dank an alle, die dafür sorgen, dass die Tempel saubere Kultplätze bleiben.

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  5. Raudka sagt:

    Ich bin immer wieder auf´s Neue entsetzt über das Handeln und Denken in dieser ach so naturliebenden Heidenszene. Alle schreien immer nach Kultstätten und dann muss man sowas lesen. Das Bewusstsein so mancher ihrer Umwelt gegenüber, lässt solche Vorhaben schon im Keim ersticken. Danke für die doch so treffenden Worte. Wir werden diesen Beitrag verbreiten und in unserer Gemeinschaft und in unserem Forum zur Diskussion stellen. Hier besteht anscheinend ein sehr großer Bedarf an Sensibilisierung.

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  6. Paula Noske sagt:

    Es ist nicht schön, solche Dinge ansprechen zu müssen. Danke Curtis, dass du diesen so wichtigen Dienst auf dich genommen und Klartext gesprochen hast. Es ist NOT-wendig für manchen MIND, für Natur, Pflanzen, Tiere, Wesenheiten und uns…

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    • Salve Paula, Curtis hatte unseren Artikel rebloggt, sie schreibt nicht bei Mos Maiorum mit, insofern weiß ich nicht, ob sie Deinen Kommentar hier liest. Wollte das nur anmerken, falls Du der Meinung warst, sie hier direkt erreichen zu können 🙂

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  7. Alexis Sólveig Freysdóttir sagt:

    Traurig. Man würde annehmen, dass das für Neu-Heiden oder Wiccas selbstverständlich ist, schließlich ist man ja göttinnen-verbunden, sprich: umweltbewusst.

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  8. Curtis Nike sagt:

    Hat dies auf rebloggt und kommentierte:
    Diesem Artikel ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, aus diesem Grunde reblogge ich ihn an dieser Stelle komplett, zu Eurer Kenntnisnahme!

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