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Events und Veranstaltungen: Römer- und Eburonenlager 2015 in Nettersheim

Im Römer- und Eburonenlager verträgt man sich gut

Im Römer- und Eburonenlager verträgt man sich – trotz keltischer Sitte des Köpfesammelns – gut

Eine besondere Gelegenheit, den Matronentempel für die Matronae Aufaniae und den dazugehörigen vicus Marcomagus mit Kleinkastell zu besuchen, ist das bevorstehende Römer- und Eburonenlager am 30. und 31. Mai 2015.

Der gallo-römische Tempel liegt inmitten des Archäologischen Landschaftsparks Nettersheim in der Eifel, in unmittelbarer Nähe zu zwei weiteren Matronentempeln (in Pesch und Zingsheim), direkt an der ehemaligen römischen Schnellstraße, der Via Agrippa von Trier nach Köln.

Der Verlauf dieser Hauptstraße ist im Archäologiepark ebenso nachvollziehbar wie der römische Ort Marcomagus, der zum einst beliebten Tempelkomplex gehörte. Hier reihten sich die Streifenhäuser der Handwerker und der Ladenbesitzer aneinander bis hinunter zum Fluß Urft, der heute von einer Brücke an der originalen Stelle gequert wird. Am anderen Ufer befand sich das kleine Kastell der örtlichen Beneficarier, die für die Aufrechterhaltung der Ordnung und das Kassieren der Zölle auf der viel befahrenen Straße zuständig waren.

Einmal im Jahr steht dieser Archäologische Park, in dem noch heute Lehrgrabungen der Universität Köln durchgeführt werden, um Marcomagus weiter zu erschließen, ganz im Zeichen der Römer und der hier ansässigen keltischen Eburonen.

Die Tempelanlage liegt auf einem Bergrücken und bietet eine tolle Aussicht über die Eifel

Die Tempelanlage liegt auf einem Bergrücken und bietet eine tolle Aussicht über die Eifel

Von Samstag, 30. Mai bis Sonntag, 31. Mai, schlagen die Römer der Legio XV Primigenia (Römerkohorte Niederrhein, Interessengemeinschaft für Römische Militär- und Kulturgeschichte im Rheinland) sowie die Eburonen des Tribus Eburones aus Euskirchen hier ihre Lager auf.

Ausgangspunkt der Veranstaltung ist das Naturzentrum Eifel mitten in Nettersheim, das auch ein kleines Museum mit Fossilien, Korallen, Informationen zu den Matronen und Römern, sowie die Natur rund um die Eifel bietet. Hier gibt es auch einen lohnenswerten Museumsshop, in dem zum Beispiel die Medusa erworben werden kann, deren Haupt den „Grünen Pütz“ ziert, den Beginn der römischen Eifelwasserleitung von Nettersheim nach Köln. Auch weitere römische Gegenstände (wie Münzrepliken) können hier – neben Büchern, Steinen, Kleidung, Produkten rund um die Eifel – erworben werden. Wenn man Glück hat, gibt es hier auch eine kleine Replik der drei aufanischen Matronen (diese sind jedoch nicht immer vorrätig).

Das Naturzentrum verfügt über ein großes Außengelände. In dieser parkähnlichen Grünanlage befindet sich das Lager der Römer und Eburonen. Besucher können hier mit den auskunftsfreudigen Darstellern fachsimpeln, sich das römische Alltags- und Legionärsleben in der Eifel erklären lassen oder von den Eburonen erfahren, wie hier das keltische Leben in vorrömischer Zeit aussah. Die Eburonen zeigen unter anderem ihren Nachbau eines keltischen Streitwagens, keltische Speisen und alte Handwerkstechniken. Im Römerlager gibt es Informationen zum Militäralltag, Vermessungstechnik und Handwerk.

Archäologen erläutern den aktuellen Stand der Ausgrabungen

Archäologen erläutern den aktuellen Stand der Ausgrabungen

Auch ist hier für das leibliche Wohl gesorgt, in dem Speisen nach original römischen Rezepten probiert werden können (natürlich gibt es auch Kaffee und Kuchen 😉 )

Mittags ist eine Pompa – ein Umzug – vom Naturzentrum zum Matronenheiligtum geplant.

Vom Naturzentrum aus führt ein gut ausgeschilderter Rundwanderweg durch den Archäologischen Landschaftspark. Zuerst erreicht der Besucher den auf einem Hügel gelegenen Matronentempel. Von dort aus folgt man dem Verlauf der Agrippastraße entlang durch den vicus Marcomagus bis hinunter zum Fluß und in das Kastell.

Während der Römer- und Eburonentage befinden sich an allen diesen Stationen fachkundige Ansprechpartner – sowohl Römer, die den vicus beleben oder ein römisches Opfer im Tempel durchführen, als auch Archäologen, die über den aktuellen Stand der Grabungen informieren und Einblicke in die aktuellen Grabungsstellen erlauben.

Ein römischer Reisewagen, von Pferden gezogen, verkehrt am Sonntag zwischen Naturzentrum Nettersheim und dem Tempel und kann ebenfalls genutzt werden.

Die Streifenhäuser von Marcomagus entlang der Via Agrippa

Die Streifenhäuser von Marcomagus entlang der Via Agrippa

Parkplätze sind im ganzen Ort ausgeschildert. Eine Anreise per Bahn ist ebenfalls gut möglich, da Nettersheim einen Bahnhof hat (der ganz in der Nähe des Naturzentrums liegt) und an die regelmäßig verkehrende Eifelbahn nach Gerolstein und Trier angeschlossen ist.

Die Veranstaltung findet an beiden Tagen von 10 – 18 Uhr statt.

Weiterführende Informationen auf der offiziellen Website des Naturzentrums Eifel.

Das Römer- und Eburonenlager gehört sicher nicht zu den „großen“ Veranstaltungen des Jahres, ist aber trotzdem ein schöner, engagierter Event in einer sehr sehenswerten und vor allem authentischen Kulisse.

Unser zusätzlicher Tipp für den römischen Touristen:

Wer sich vor allem für die Matronentempel interessiert und eine weitere Anreise hat, dem empfehlen wir, den Besuch bei dieser Gelegenheit mit den anderen beiden Tempeln zu kombinieren, die nur wenige Autominuten entfernt liegen (insbesondere der große Waldtempel bei Pesch ist sehr sehenswert, vor allem in der Abendstimmung).

Aber auch wer sich für römische Technologie interessiert, kann den Besuch des Archäologieparks mit dem römischen Brunnen und dem Beginn der Eifelwasserleitung verbinden, der sich ebenfalls in unmittelbarer Nähe befindet. Nicht zuletzt lohnt es sich, auf dem Weg nach Nettersheim kurz an der Villa Rustica von Roderath Halt zu machen.

Antike Stätten: Römisches Matronenheiligtum Nöthen/Pesch

 

Umgangstempel mit Cella

Umgangstempel mit Cella

Anschrift:

Der Tempel liegt im Wald und ist nur zu Fuß zu erreichen. Keine postalische Anschrift.

Anfahrt:

Der Tempelbezirk liegt in der Nordeifel, auf der Anhöhe „Addig“ inmitten des Waldes zwischen den Dörfern Nöthen (zu Bad Münstereifel gehörend) und Pesch (zu Nettersheim gehörend). Er ist nicht direkt mit dem Auto zu erreichen, sondern nur über Wanderwege.

Mit dem Auto erreicht man ihn über die A1 Abfahrt Nettersheim, Richtung Zingsheim (wo man bei der Gelegenheit gleich den ersten der drei in dieser Gegend liegenden Matronentempel besuchen kann). Bei Zingsheim auf die L206 Richtung Pesch fahren, dann durch den Ort Pesch hindurch bis zu einem Parkplatz-Schild. Ein kleiner Weg führt an den Becken der Kläranlage vorbei zu einem Wanderparkplatz, auf dem ein Holztisch mit zwei Bänken und eine große Wandertafel stehen. Ein Schild „Römertempel“ weist den Weg in den Wald. Parkmöglichkeiten sind ausreichend vorhanden.

Alternativ kann man der Landstraße noch einige Meter Richtung Nöthen folgen und erreicht dann einen zweiten Zugangsweg zum Tempel, hier mit dem Hinweisschild „Heidentempel“ beschriftet.

Weg hinauf zum Waldtempel

Weg hinauf zum Waldtempel

Der erste Zugangsweg vom Wanderparkplatz aus folgt dem Wanderweg A1 des Deutsch-Belgischen Naturparks Eifel und ist etwas spektakulärer, weil er erst einen kleinen Bach überquert und dann aus dem Flußtal herauf steil auf die Anhöhe führt. Die Entfernung beträgt etwa 300 Meter. Vom zweiten Parkplatz aus ist der Weg direkter, flacher und einfacher zu gehen, hier beträgt die Entfernung etwa 200 Meter.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Tempel so gut wie gar nicht zu erreichen. Der Tempel ist 7 Kilometer vom Naturzentrum Eifel in Nettersheim entfernt, das mit der Deutschen Bahn bis Bahnhof Nettersheim gut als Ausgangspunkt für den Besuch des dortigen Tempels genommen werden kann. Da sich alle drei Tempel im Umkreis befinden (wobei Zingsheim genau auf halber Strecke zwischen Pesch und Nettersheim liegt), bietet sich hier eine Rundwanderung oder Radtour von Nettersheim aus an. Die Strecke ist gut an einem Tag zu bewältigen und auch nicht durch starke Steigungen geprägt. Die Entfernung vom Tempel Pesch nach Zingsheim beträgt 6,5 Kilometer.

Busse nach Pesch und Nöthen fahren ab Bad Münstereifel, Schleiden und Nettersheim, jedoch nur sehr sporadisch, so daß man sich hier vorher gut informieren muß, um nicht in der Eifel zu stranden (was natürlich auch reizvoll sein kann, die Urlaubsgegend ist sehr beliebt bei Wanderern und Radfahrern).

Hintergrundinformationen:

Der Tempelbezirk Pesch ist eine gallo-römische Tempelanlage aus dem 1. bis 4. Jahrhundert n.Chr. Es handelt sich um ein Matronenheiligtum für die Matronae Vacallinehae, die in der Region sehr verbreitet waren, wie die Funde von 130 vollständigen und 150 teilerhaltenen Weiheinschriften und -steinen belegen.

Sie waren sowohl bei den einheimischen Kelten, als auch bei den von den Römern hier angesiedelten germanischen Ubiern und den römischen Einwohnern, beginnend mit den hier stationierten Legionären, sehr beliebt.

Weihestein der Matronae Vacallinehae

Weihestein der Matronae Vacallinehae

Aufgrund der geografischen Lage geht man davon aus, daß es sich hier ursprünglich um einen Baumkultort der keltischen Vacalli handelte, einem hier ansässigen eburonischen Klan / Sippe. Mit dem Beginn der römischen Besiedlung der Eifel wandelte sich die Darstellung der Matronen zur typisch römischen bildlichen Darstellung, wie man sie auf zahlreichen hier gefundenen Weihesteinen kennt und der Tempel wurde zu einer großen Tempelanlage mit mehreren Gebäuden aus Stein ausgebaut.

Neben der Cella, in der wahrscheinlich lebensgroße Statuen der Matronen standen, gab es im angrenzenden Kulthof, in dem Pilger ihre Weihesteine errichteten, auch einen kleinen Sechsecktempel für Jupiter.

Wie die anderen Matronentempel, so lag auch der Tempel von Pesch in der Nähe der vielbereisten römischen „Schnellstraße“ zwischen Köln und Trier, der Agrippastraße.

Die Tempelanlage wurde zwischen 1908 und 1913 von Hans Lehner vom Provinzialmuseum Bonn ausgegraben. Weitere Nachgrabungen fanden im Jahr 1962 statt, bei denen zahlreiche Weihesteine der Matronae Vacallinehae gefunden wurden. Die Existenz des im Volksmund als „Heidentempel“ oder „Heidenpütz“ genannten Ortes war aber schon seit dem 19. Jahrhundert bekannt.

Bei der heute vorgefundenen Tempelanlage handelt es sich um Überreste aus der 3. Bauphase im vierten Jahrhundert, in der Teile des älteren Tempels abgerissen und in großem Maßstab planmäßig neu gebaut wurden. Es handelte sich um eine große Anlage von 100 x 34 Metern Länge, die aus mehreren Gebäuden und einem großen Festplatz bestand, auf dem Prozessionen und Veranstaltungen abgehalten wurden. Für den großangelegten Umbau im vierten Jahrhundert wurden die alten Gebäude einplaniert und es wurden neben Grauwacke und rotem Sandstein auch alte Weihesteine als Baumaterial für die neuen Gebäude verwendet.

Es ist davon auszugehen, daß sich die Anlage zu einer weithin beliebten Wallfahrtsstätte entwickelte. Neben dem Umgangstempel und dem Kulthof gab es einen (aus einer älteren Bauphase stammenden) gemauerten Brunnen, der noch heute erhalten ist. Zudem gab es einen hohen Versammlungsraum – die durch Säulen unterteilte dreischiffige Basilika -, sowie etliche kleinere Gebäude. Der Tempelbezirk war mit einer Mauer und Wandelhalle samt überdachtem Porticus von 120 Metern Länge umgeben, in dem sich die Pilgerunterkünfte und Devotionalienhändler befanden.

Anfang des 5. Jahrhunderts wurde der Tempel zerstört. Die Fundsituation deutet darauf hin, daß er gewaltsam zerstört wurde und nicht, wie andere Tempel, einfach mit der Zeit verfiel.

Der Brunnen spielte seit der Anfangszeit eine wichtige Rolle bei kultischen Handlungen

Der Brunnen spielte seit der Anfangszeit eine wichtige Rolle bei kultischen Handlungen

Weihesteine überdauerten die Zeit, weil sie zweckentfremdet wurden. So stammt einer der besterhaltenen Weihesteine für die Matronae Vacallinehae aus der Pfarrkirche von Weyer in der Eifel, wo er als Altarstein diente.  Ein großer Matronen-Weihestein wurde als Grababdeckplatte eines in der Nähe von Pesch gelegenen Frankengrabes aus dem 6. Jahrhundert gefunden.

Die Originalfunde aus Pesch und Umgebung befinden sich heute im Rheinischen Landesmuseum in Bonn, darunter auch solche mit Darstellungen religiöser Opferhandlungen wie die Opferung durch einen Mann in Toga, der Weihrauch als Opfergabe auf den Altar streut, während ein Opferdiener im Hintergrund ein Kästchen mit den Opfergaben hält und ein zweiter eine Kanne und eine Schale mit Griff zur anschließenden Handwaschung bereithält. Begleitet wird die Szene von einem Musikanten mit einer Doppelflöte.

Das Gelände ist teilrestauriert, wobei die Mauern der Cella auf zwei Meter Höhe aufgemauert wurden, um dem Besucher einen besseren Eindruck der Struktur der Anlage zu vermitteln. Die anderen Gebäude und Räume sind mit niedrigeren Mauern bis ca. 1 Meter Höhe aufgemauert. Restaurierungsarbeiten zum Schutz der Anlage finden regelmäßig statt.

Beschreibung:

Der Tempel gehört zu den besterhaltenen römischen Kultanlagen in Nordrhein-Westfalen.

Von allen drei Matronentempeln in der Gegend ist die Lage des Heiligtums nahe Pesch inmitten des Waldes sicherlich die idyllischste. Auch ist dieser Tempelbezirk aufgrund der zahlreichen Nebengebäude der weitläufigste und detailreichste der drei Tempel.

Moderne Info-Tafeln vermitteln Hintergrundinformationen über die Anlage, zusammen mit kleineren, alten Tafeln, die vor den jeweiligen Gebäuden stehen. Sie sind illustriert und gut gestaltet.

Weihestein mit Opfergaben im Kulthof

Weihestein mit Opfergaben im Kulthof

Am Eingang des Tempelbezirks, wo sich die Wanderwege der beiden Parkplätze treffen, befindet sich eine Schutzhütte aus Holz, in der sich auch eine Sitzbank befindet. Sie ist schwarz gestrichen und fügt sich relativ dezent in die Waldumgebung ein.

Die innere Cella des Umgangstempels war nachweislich farbig ausgemalt. Durch die Aufmauerung auf zwei Meter Höhe und Bepflanzung mit einer Grasnarbe bekommt man einen recht guten Eindruck von den Größenverhältnissen.

Am Eingang zur Cella befinden sich zwei Weihesteine, links eine Replik des Weihesteins für die aufanischen Matronen aus Nettersheim (weil man seinerzeit, als der Tempel restauriert wurde, noch keinen geeigneten Weihestein für die vacallinehischen Matronen gefunden hatte). Mit der Entdeckung des Steins unter dem Altar der Kirche von Weyer wurde dieser Stein schließlich rechts vom Eingang aufgestellt. Die Inschrift lautet:

MATRONIS
VACALLINEHIS LUC(IUS)
CALDINIUS FIRMIN(IUS)
L(IBENS) M(ERITO)

Übersetzung:

Den vacallinehischen Matronen (hat) Lucius Caldinius Firminius gerne und nach Verdienst (sein Gelübde erfüllt)

An Farbresten konnte rekonstruiert werden, daß die Weihesteine farbig bemalt waren (wie es allgemein für römische Statuen, Götterbilder und Monumente üblich war).

Auf beiden Weihesteinen sind immer Opfergaben der Besucher zu finden und es ist auch möglich, eigene Opfergaben zu hinterlegen. Hierbei sollten jedoch einige Grundsätze beachtet werden, die nicht allen Besuchern der drei Tempel eingängig zu sein scheinen.

Die Umschreitung des Tempelinneren durch den Umgang ist möglich.

An den Umgangstempel schließt sich der Kulthof an, in dem sich früher einige Gebäude sowie ein großer Platz für die Weihesteine der Pilger und für Prozessionen und Veranstaltungen befanden. In seiner Mitte ist er leicht erhöht, was möglicherweise kultische Bedeutung hatte und auf die Herkunft des Tempels als Baumheiligtum hindeutet. Die umgebende Mauer des Kulthofes ist durch eine niedrige Mauer angedeutet, eine Infotafel informiert auch hier über die damalige Beschaffenheit und Funktion der Anlage.

In der Schutzhütte befindet sich auch eine Infotafel

In der Schutzhütte befindet sich auch eine Infotafel

In der Mitte des Hofes, auf der höchsten Erhebung, befindet sich eine Feuerstelle, die in regelmäßigem Gebrauch zu sein scheint. Daneben sind im Kulthof einige weitere Weihesteine für Matronen verteilt, die ebenfalls ständig mit Opfergaben dekoriert sind.

Vom Kulthof geht ein kleiner Fußweg hinunter zum gemauerten Brunnen, der schon aus den Anfangszeiten des Tempels stammt. Sein Wasser spielte eine wichtige Rolle für kultische Handlungen. Leider wird der Brunnen, wie üblich, immer wieder als Abfalleimer mißbraucht, obwohl man ihn mit einer massiven Eisenkonstruktion abgedeckt hat.

An den Kulthof schließt sich die Basilika an, die Versammlungshalle, die wohl profanen wie religiösen Zwecken gedient hat. Die Säulen, die die Schiffe getragen haben, sind noch als Sockel erhalten. Auch ist überliefert, daß es in ihr Sitzgelegenheiten gab. Sie ist ebenfalls von einer angedeuteten Mauer umrahmt, um die Größe zu verdeutlichen.

Die ganze Anlage ist sauber und gepflegt.

Insbesondere bei schönem Wetter ist hier einiges los, der Tempel ist beliebt bei Wanderern, Radfahrern, archäologisch interessierten Besuchern, die die „Straßen der Römer“ in der Eifel bereisen, sowie Angehörigen diverser religiöser und gesellschaftlicher Gruppierungen. Da das Gelände aber recht weitläufig ist, verläuft es sich etwas besser als in den Tempeln von Zingsheim oder Nettersheim.

Eintritt und Zugänglichkeit

Rekonstruktion des Tempels mit Prozession

Rekonstruktion des Tempels mit Prozession

Die Tempelanlage ist rund um die Uhr frei zugänglich. Eintritt wird nicht erhoben.

Der Tempel liegt mitten im Wald auf einer leichten Anhöhe, ist also nicht direkt mit dem Auto zu erreichen. Auch nächtliche Besuche sind ohne weiteres möglich. Da die Anlage etwas abseits des nächsten Ortes liegt und (vor allem im Sommer) durch den umgebenden Wald sichtgeschützt ist, ist er gut für etwaige Rituale geeignet. Man sollte jedoch damit rechnen, insbesondere bei Jahreskreisfesten wie Beltane oder Sonnenwende auch auf andere heidnische Gruppierungen, wie Germanengruppen oder Hexen aller Art zu treffen.

Sonstiges

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Der Besuch des Tempels sollte idealerweise mit einem Besuch aller drei Matronentempel in der Gegend kombiniert werden, die aufgrund ihrer unmittelbaren Nähe alle an einem Tag aufgesucht werden können.

Weiterführende Informationen

Antike Stätten: Römisches Matronenheiligtum Zingsheim

 

Der Matronentempel „Vor Hirschberg“ in Zingsheim

Anschrift:

Der Tempel liegt etwas abseits der K59 im Gewerbegebiet von Zingsheim / Eifel. Keine postalische Anschrift.

Anfahrt:

Der K59 von Nettersheim nach Zingsheim folgen. Der Tempel ist am Straßenrand der K59 mit „Römischer Tempel“ ausgeschildert. Er liegt im Gewerbegebiet Zingsheim, in der Nähe eines Sägewerks und eines Holzturms, man kann auch den Schildern zum Gewerbe „Auf der Heide“ folgen. Parkmöglichkeit in unmittelbarer Nähe ist vorhanden. Um ihn zu finden, muß man die Augen offenhalten, da es keine Anschrift für das Navi gibt.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Matronentempel, wie die beiden anderen Tempel in unmittelbarer Nähe, nicht direkt zu erreichen. In die nächstgrößeren Ortschaften – Bad Münstereifel und Nettersheim – gelangt man mit der Deutschen Bahn. Busse nach Zingsheim verkehren aus Nettersheim, Kall und Bad Münstereifel, allerdings fahren sie sehr unregelmäßig, so daß man sich hier vorher kurzfristig informieren sollte, wenn man nicht in der Eifel stranden möchte (was allerdings auch lohnenswert sein kann, denn hier ist eine beliebte Urlaubs- und Wandergegend 😉 ).

Wanderfreudige können den Tempel gemeinsam mit dem großen Matronenheiligtum bei Nettersheim auf der Görresburg erwandern; die Entfernung zwischen beiden Tempeln beträgt etwa 5 Kilometer. Von Bad Münstereifel bis Zingsheim sind es etwa 12 Kilometer. Der Tempel liegt am „Kräuterpfad„, der Nettersheim und Bad Münstereifel miteinander verbindet.

Hintergrund:

In der Umgebung von Nettersheim sind drei römische Matronenheiligtümer zu finden: bei Zingsheim, Nettersheim („Görresburg“) und Nöthen-Pesch. Da alle drei in unmittelbarer Umgebung voneinander liegen, wird angenommen, daß sie miteinander im Zusammenhang stehen. Zingsheim liegt genau auf halbem Weg zwischen den Tempelbezirken von Nettersheim und Pesch.

Der Celeris-Weihestein. Auch heute findet man dort Gaben, wie diese Blumen

Der Celeris-Weihestein. Auch heute findet man dort Gaben, wie diese Blumen

Bei dem Tempel in Zingsheim handelt es sich um Teile einer gallo-römischen Tempelanlage, die 1960 entdeckt wurde. Freigelegt wurde die 2,60 x 3,40m große  Cella des Umgangstempels, die von einem säulengestützten Umgang umgeben war (wie man es z.B. beim rekonstruierten Tempel auf dem Martberg an der Mosel gut sehen kann). Die Fundamente wurden bei Bauarbeiten im Gewerbegebiet im Flurabschnitt „Vor Hirschberg“ entdeckt, weswegen der Tempel heute auch diesen Beinamen trägt.

Verehrt wurden, wie man aus Weiheinschriften auf Bruchstücken von Kalk- und Sandsteinen weiß, die Matronendreiheit der Matronae Fachinehae („Fachinehische Matronen“), deren Kult nur in Zingsheim und Euskirchen nachgewiesen wurde, von dem man hier aber schon seit Ende des 19. Jahrhunderts Kenntnis hatte. Es handelte sich bei ihnen um einheimische Schutz-, Fruchtbarkeits- und Muttergottheiten, die aber auch bei den Römern schnell zu großer Beliebtheit fanden und von ihnen nach römischer Art verehrt wurden. Woher die Bezeichnung „Fachinehae“ stammt, ist bis heute nicht eindeutig geklärt, es scheint sich dabei aber um einen germanischen Beinamen zu handeln, da er Buchstaben enthält, die es im lateinischen Alphabet nicht gibt.

Bislang wurde nur der Umgangstempel freigelegt, man geht aber davon aus, daß der Tempel möglicherweise Teil einer größeren Tempelanlage war, da in der Umgebung weitere römische Bauspuren gefunden wurden. Funde von Nägeln deuten darauf hin, daß es einen Vorgängerbau aus Holz gab.

Der steinerne Tempel wird auf das 2. bis 4. Jahrhundert n.Chr. datiert. In der unmittelbaren Umgebung wurden eine kleine Birne aus Stein gefunden, die sich offenbar aus einem Relief oder Bild gelöst hatte (möglicherweise aus der bekannten Darstellung eines Füllhorns auf einem Weihestein). Außerdem wurde der Torso eines Ortsgenius (Genius Loci) entdeckt, der allerdings aufgrund seiner schlechten Erhaltung nicht näher bestimmt werden kann, sowie eine lebensgroße menschliche Hand aus Sandstein. Zwar fehlen Finger und Daumen, in der Innenseite der Hand sich jedoch noch die Ansatzstellen eines waagrecht gehaltenen Gegenstandes zu erkennen, vermutlich Reste eines Fruchtkorbes oder einer Votivgabe, wie man sie auch von anderen Matronensteinen kennt, zum Beispiel aus dem nahegelegen Tempelbezirk von Nöthen-Pesch.

Daneben wurde die Figur eines etwa vierjährigen lockigen, lachenden Mädchenkopfes gefunden, von dem man glaubt, daß er zu einem Grabdenkmal gehörte.

Der Tempel wurde im Jahr 1975 erneut untersucht und restauriert. Dabei stieß man in der Nähe auf ein fränkisches Gräberfeld aus dem 7. Jahrhundert. Als Grabplatten und Abstützung wurden hier zwei Weihesteine der Fachinae verwendet.

Die lateinische Inschrift auf einer der Tafeln lautet:

M(a)T(ronis) FA(c)HINE
IS L(ucius) CELER
IS PRO SE
ET SUIS
L(ibens) M(erito)

Übersetzung: „Den Fachihenischen Matronen hat Lucius Celeris für sich und die Seinen gern und nach ihrem Verdienst sein Gelübde erfüllt„. Der Stein wird auf Ende 2. Jahrhundert / Anfang 3. Jahrhundert datiert. Der zweite Weihestein stammte von einem Lucius Chuaciionius Primus.

Beschreibung:

Der Tempel befindet sich in unmittelbarer Nähe dieses Turms, danach sollte man also Ausschau halten

Der Tempel befindet sich in unmittelbarer Nähe dieses Turms, danach sollte man also Ausschau halten

Der Tempel liegt abgelegen auf einer freien Fläche inmitten des Gewerbegebiets Zingsheim, was ihn nicht gerade zu einem malerischen Ort macht (Pesch und Nettersheim entschädigen dafür jedoch doppelt). In unmittelbarer Nähe befindet sich das Sägewerk, dessen Geräuschkulisse hier unter der Woche dauerhaft zu hören ist. Sonn- und Feiertags sowie abends ist es hier jedoch ruhig und dann kommt der Ort auch besser zur Geltung.

Der Tempel selbst ist teilrekonstruiert, die Fundamente wurden auf ca. 1 Meter Höhe aufgemauert, um dem Besucher einen Eindruck des Gebäudes zu vermitteln. Informationstafeln informieren über die Hintergründe der Tempelanlage.

Am Eingang der Cella wurde eine Replik des Weihesteins des Lucius Celeris aufgestellt, das Original befindet sich im Rheinischen Landesmuseum in Bonn.

Der Tempel ist, auch aufgrund der Lage und weil er der kleinste der drei Bauten ist, auch der am wenigsten besuchte, so daß es hier in der Regel menschenleer ist, im Gegensatz zu den anderen beiden Tempeln, an denen stets reges Treiben herrscht, denn die römischen Heiligtümer sind auch unter Angehörigen anderer Glaubensgemeinschaften beliebt, wie zum Beispiel Wicca und  Ásatrúar.

In neuerer Zeit wird dieser Tempel jedoch auch stärker frequentiert, wie Bänder in den umstehenden Bäumen und Büschen sowie zahlreiche Opfergaben auf dem Weihestein und den umgebenen Mauern zeigen.

Der Erhaltungszustand des Tempels ist, da er restauriert und aufgemauert ist, sehr gut. Er wird vom Landschaftsverband Rheinland betreut.

Eintritt, Zugänglichkeit:

Der Tempel ist jederzeit kostenlos und frei zugänglich.

Sonstiges:

Die Fundamente sind 1 Meter hoch aufgemauert und vermitteln einen guten Eindruck vom Aufbau des Tempels

Die Fundamente sind 1 Meter hoch aufgemauert und vermitteln einen guten Eindruck vom Aufbau des Tempels

Fotografieren ist problemlos möglich.

Der Besuch des Tempels wird idealerweise mit einem Besuch aller drei Matronentempel in der Gegend kombiniert, die aufgrund ihrer unmittelbaren Nähe alle an einem Tag aufgesucht werden können. Abhängig davon, aus welcher Richtung man kommt, empfiehlt sich die Reihenfolge Nettersheim – Zingsheim – Pesch oder umgekehrt, wobei Zingsheim sicherlich der unspektakulärste der drei Orte ist.

Aufgrund der Lage gibt es keine Anwohner oder Nachbarn, so daß man hier Tag und Nacht ungestört ist – sofern einen die industrielle Kulisse nicht stört (die spät abends und nachts natürlich weniger ein Problem darstellt).

Weiterführende Informationen: