Mos Maiorum

Startseite » Beitrag verschlagwortet mit 'villa rustica'

Schlagwort-Archive: villa rustica

Antike Stätten: gallo-römische Villa Mageroy (Belgien)

011_Mageroy

Villa Mageroy

Anschrift:

Villa gallo-romaine de Mageroy, Rue de Mageroy 2, 6723 Habay-la-Vieille, Belgien.

Anfahrt:

Die Ausgrabungsstätte der gallo-römischen Villa Mageroy liegt in den südbelgischen Ardennen in der Provinz Luxemburg (Wallonie) in der Nähe des Ortes Habay-la-Vieille. Sie liegt außerhalb des Ortes inmitten von Feldern und Kuhwiesen. Von Habay aus ist sie aber gut zu finden, da sie ausgeschildert ist. Der Weg führt über landwirtschaftliche Nutzwege.

Für das Navi kann man die „Rue de Mageroy“ eingeben, muss dann vor Ort aber trotzdem die Augen nach den kleinen Wanderschildern offenhalten, die die Richtung weisen, da die Rue de Mageroy in eine unbenannte Schotterstraße mündet. Folgt man dieser nach rechts den Hügel hinab, so ist die Ausgrabungsstätte bald auf der rechten Seite zu sehen. Man kann direkt vor dem Gelände parken.

Die Gegend ist wanderfreundlich und ein Netz von ausgeschilderten Wanderwegen verläuft rund um die Villa.

Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, erreicht die Ausgrabungsstätte entweder mit dem Regionalzug aus Libramont / Arlon. Vom Bahnhof Habay aus sind es noch etwa 15 Minuten Fußweg. Eine Alternative ist der Bus der TEC Linie 28 zwischen Arlon und Marbehan. Von der Haltestelle Rue de Nantimont sind es noch einige Gehminuten zu Fuß.

Hintergrundinformationen:

Die Region in den luxemburgischen und südbelgischen Ardennen gehörte in römischer Zeit zu Gallien und wurde nach dem Ende des Gallischen Krieges schnell romanisiert. An vielen Orten der noch heute landwirtschaftlich, vor allem viehwirtschaftlich dominierten Region, finden sich deshalb gallo-römische Landgüter, Tempel oder andere militärische oder zivile Bauwerke.

015_Mageroy

Panoramablick über das Gelände

Der gallo-römische Gutshof von Mageroy, der im Stammesgebiet der Treverer lag, gilt als archäologisch besonders bedeutsam und regelmäßig finanziert das Land Wallonie Grabungskampagnen (2017 zum Beispiel die Untersuchung eines Nebengebäudes, in dem man Spuren von Eisenverhüttung entdeckte). Betreut wird die 3 ha große Ausgrabungsstätte durch den gemeinnützigen Verein ARC-HAB, der von mehreren Archäologen geleitet und durch zahlreiche Freiwillige unterstützt wird. Dieser Verein leitet die Ausgrabungen und wertet die Funde aus.

Das Landgut, das sich aus einem Hauptgebäude, mehreren Neben- und Wirtschaftsgebäuden, sowie weiteren Baustrukturen zusammensetzt, stammt aus dem 1. Jahrhundert n.Chr. Es durchlief in den folgenden Jahrhunderten jedoch mehrere Umbauphasen und wurde bis ins 4. Jahrhundert bewohnt.

Zu römischer Zeit lag es fünf Kilometer von der römischen Fernstraße von Reims nach Trier entfernt. Die nächste größere Ortschaft war vicus Orolaunum, das heutige Arlon.

Die Lage des Gutshofes in einer sumpfigen Mulde in der Nähe eines kleinen Baches erlaubte das Anlegen eines großen Weihers auf dem Gelände.

014_Mageroy

Der Bereich des ehemaligen Weihers ist heute noch ein Feuchtgebiet und ein reiches Biotop

Der Wohnbereich, die Pars urbana, bestand aus einem 670 Quadratmeter großen Haupttrakt aus dem 1. Jahrhundert, der eine nach Süden ausgerichtete Fassade von 28 Metern Länge aufwies. Der größte Raum befand sich zentral im Hauptgebäude und umfasste 170 Quadratmeter. Aus der Anordnung der Räume läßt sich schließen, daß sich im Westflügel die Wohn- und Privaträume befanden, während die Räume im Ostflügel als Gemeinschaftsräume angesprochen werden.

Als Baumaterial für die Gebäude diente das lokal anstehende Gestein, das vor allem aus Schiefer und grünem Sandstein besteht. An das Hauptgebäude schließen sich weitere Neben- und Wirtschaftsgebäude an.

Das zweite Jahrhundert gilt als die Wohlstandszeit der Bewohner der Villa, die vermutlich einheimische romanisierte Gallier waren. Zahlreiche Erweiterungen und der Einbau von „Luxusfeatures“ wie Fußbodenheizungen und Thermen zeigen, wie  komfortabel die Bewohner lebten. Auch der prunkvoll gestaltete, repräsentative Eingangsbereich zeugt vom Wohlstand seiner Bewohner.

Zahlreiche Funde, wie z.B. ein Pflug, aber auch ungewöhnliche organische Funde, die sich im anaeroben Milieu des Weihers erhielten, geben heute einen guten Einblick in den Alltag der Bewohner. So wurden seltene Funde in gutem Erhaltungszustand geborgen, unter anderem Holzrohre, Schuhsohlen aus Stroh, Funde aus Leder und Holz, Obstkerne und eine Weinrebe.

Auch einige Namen der Bewohner sind bekannt, so wurde ein Ring mit dem eingravierten Namen „Micia“ gefunden. Man nimmt an, daß Micia eine Hausherrin war, zumal ihr Name auch auf Tongeschirr entdeckt wurde. Der Name eines Verwalters, der  in einem der seitlichen Wirtschaftsgebäude lebte, ist ebenfalls bekannt: Onesimus Olympius.

Auch im dritten Jahrhundert wurde das Landgut noch einmal erweitert, unter anderem um eine Bronzegießerei. Allerdings scheint der Hof im Jahr 262 (datiert aus Münzfunden) auch einem großen Feuer anheimgefallen zu sein. Dies war auch die Zeit der großen Germaneneinfälle, die zwischen 260 und 270 diesen Teil Galliens heimsuchten.

013_MageroyDer Hof wurde jedoch nicht aufgegeben, sondern neu aufgebaut, um einige Gebäude, wie Latrinen, Getreidedarren und ein Silo, sowie um eine dem Schutz dienende Befestigungsanlage erweitert. Aus dem 4. Jahrhundert stammen Keramik-Scherben in typischer germanischer Machart. Zum Ende des 4. Jahrhunderts wurde der Ort dann jedoch aus unbekannten Gründen aufgegeben und verlassen.

Die Existenz einer archäologischen Stätte war bereits im 19. Jahrhundert bekannt, als Bauern von alten Mauern und Bauwerken berichteten. Auch hielt sich in der Region Habay seit Jahrhunderten eine Legende von „drei Schlössern“, von denen eines in Mageroy vermutet wurde. Bis in das 17. Jahrhundert sollen die römischen Mauern sichtbar gewesen sein und wurden für die Überreste eines solchen Schlosses gehalten.

Erste Ausgrabungen fanden im Jahr 1984 statt. Die Untersuchungen, die auch moderne Methoden des Georadars umfassen, dauern bis heute an und die Funde aus Mageroy werden von verschiedenen Forschungseinrichtungen untersucht.

Beschreibung:

Schon von weitem fällt das in einer Talsenke gelegene Ausgrabungsgelände ins Auge: rund um die freigelegten Mauern der Häuser befinden sich kleine aufgeschüttete Anhöhen, auf denen Informationstafeln stehen und die einen guten Blick von oben auf das Gelände bieten.

012_Mageroy

Ein Kuppelbackofen

Viele der Gebäudefundamente wurden im Laufe der Grabungskampagnen freigelegt. Fußwege führen durch das Gelände und zu den Aussichtshügeln. Daneben gibt es experimental-archäologische Bereiche wie einen Kuppenbackofen oder einen Kräutergarten, in dem thematisch gruppierte Pflanzen angebaut werden, zum Beispiel Pflanzen zum Färben, Aroma-Pflanzen oder Heilpflanzen.

Überall auf dem Gelände finden sich ausführliche und mit guten Illustrationen und Fotos versehene Informationstafeln (leider nur auf Französisch), sowie schematische Darstellungen der Gebäude, so daß man sich orientieren kann, was man gerade vor sich sieht.

Als wir im Juli 2017 dort waren, war gerade eine neue Ausgrabungskampagne des Vereins ARC-HAB im Gange und eine Gruppe aus etwa 10 freiwilligen jungen Leuten legte ein Nebengebäude frei. Die Grabungsteilnehmer waren sehr auskunftsfreudig und hilfsbereit und kamen sofort auf uns zu, um uns Informationen anzubieten, falls wir Fragen hätten. Auf die Frage, was aktuell erforscht wird, erfuhren wir, daß das Land Wallonien Geldmittel zur Verfügung gestellt hatte, um ein Nebengebäude freizugelegen, in dem wahrscheinlich Metall geschmolzen oder Erz verhüttet wurde. Man zeigte uns auch einige aktuelle Funde des Tages, vor allem Keramikscherben und Reste von Dachziegeln.

Das Gelände ist überraschend weitläufig und man kann sich dort frei bewegen und überall umschauen. Es gibt auch ein Verwaltungsgebäude, das für die Vereinsmitglieder zur Verfügung steht, ansonsten aber geschlossen ist, sowie einen Schuppen für die Grabungswerkzeuge und zur zwischenzeitlichen Aufbewahrung der Funde. Durch die gute und interessante Präsentation der Ausgrabungsstätte ist diese Villa Rustica sehr sehenswert und hebt sich auch von vielen anderen typischen gallo-römischen Landgütern ab, die man überall im Lande findet.

018_Mageroy

Der Kräutergarten

Der Verein, der die Anlage betreut, ist sehr um Öffentlichkeitsarbeit bemüht und führt auf Anfrage auch Führungen durch. Daneben gibt es immer wieder Veranstaltungen, auch für Kinder, einen Fotowettbewerb, Exkursionen, Grabungscamps oder sogar eine „gallo-römische Radtour“.

Eintritt und Öffnungszeiten

Der Eintritt ist frei. Die Villa Mageroy ist jederzeit und rund um die Uhr frei zugänglich. Sonderveranstaltungen kosten gegebenenfalls eine Teilnehmergebühr.

Sonstiges

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Ein Besuch der Villa Mageroy läßt sich gut mit einem Besuch der nahen Stadt Arlon kombinieren, die ein hervorragendes archäologisches Museum hat, dessen gut erhaltene gallo-römische Abteilung wegen seiner Skulpturen als eine der besten des Landes gilt.  Ebenfalls in der Nähe liegt das Keltenmuseum von Libramont-Chevigny.

Quellen und weiterführende Informationen:

Museen und Archäologische Parks: Malagne – Archéoparc de Rochefort (BE)

 

211_Malagne

Das gallo-römische Landgut in den belgischen Ardennen

Anschrift:

Rue du Coirbois 85, 5580 Rochefort, Belgien

Anfahrt:

Der Archäologische Park Malagne liegt in den belgischen Ardennen in der Provinz Wallonie nahe Rochefort.

Mit dem Auto ist es gut zu erreichen; der Archäologische Park ist mit Schildern, die auf eine „L’Experience Gallo-Romain“ hinweisen, bereits an der Hauptstraße N86 zwischen Marche-en-Famenne und Rochefort gut sichtbar ausgeschildert. Das Navi findet die Anschrift problemlos. Vor dem Freilichtmuseum befindet sich ein eigener großer Parkplatz.

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist nicht unmittelbar möglich, da der Park etwas abgelegen liegt. Der nächstgelegene Bahnhof ist in Jemelle (etwa 4km entfernt). Hier halten Züge aus Luxemburg, Brüssel und Libramont. Außerdem gibt es einen zentralen Busbahnhof. Von dort aus kann man mit der Buslinie 166a zur Haltestelle Hall Omnisports in der Nähe der Straße „Malagne“ fahren, von dort aus muß man jedoch das restliche Stück laufen (etwa 15 Minuten Fußweg).

Hintergrundinformationen:

201_Malagne

Blick auf das Gelände von der Aussichtsplattform

Der Archäologische Park Malagne, „die gallo-römische Erfahrung“ , befindet sich im ehemaligen romanisierten Gallien. Hier wurden im Jahr 1890 von der Archäologischen Gesellschaft Namur die fast vollständig erhaltenen Grundrisse eines gallo-römischen Landgutes entdeckt, inklusive einer großen herrschaftlichen Villa, die mit großer Sicherheit über vier Jahrhunderte bewohnt war. Daneben entdeckte man zahlreiche Neben- und Wirtschaftsgebäude, die einen guten Eindruck von den Ausmaßen und der Struktur eines gallo-römischen Landguts vermittelten.

In den Jahren zwischen 1992 und 1997 führte die Provinz Wallonie großangelegte Grabungen auf dem Gelände durch und konnte zahlreiche wichtige Details freilegen: weitere Nebengebäude, ein Glasofen, eine Schmiede und ein Teich, der pollenanalytisch untersucht wurde und eine genaue Datierung des Nutzungszeitraums ermöglichte.

198_Malagne

Das Landgut zu römischer Zeit

Es gelang den Archäologen, den Bauplan des Landgutes zu rekonstruieren und dessen Aufteilung in einen Wohnbereich (Pars urbana) und einen Arbeitsbereich (Pars rustica) nachzuweisen.

Der Wohnbereich mit seiner weitläufigen, doppelstöckigen Villa verfügte über alle Annehmlichkeiten der gehobenen Lebenskultur in der gallo-römischen Provinz: Fußbodenheizung, Repräsentationssäle, eine Thermenanlage, Latrinen, fließend Wasser und einem Raum, der als Sacellum diente und das Lararium beinhaltete, mit einem separaten, von vier Säulen getragenen Eingang.

Auch die Funktionen der landwirtschaftlich genutzten Nebengebäude konnten ermittelt werden. So interpretierte man die Gebäude als Ställe, eine Schmiede mit Räucherkammer, Getreidedarre und Bierbrauerei.

Um die Einzigartigkeit dieses zusammenhängenden Landgutes zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, entschied man sich, das Gelände als Archäologischen Park zu gestalten und einige der Nebengebäude zu rekonstruieren, um dem Besucher eine bessere Vorstellung von der Größe und den Dimensionen des Gehöfts zu vermitteln.

Neben der Präsentation der Funde legte man auch einen Schwerpunkt auf die experimentelle Archäologie, so daß Forschern ermöglicht werden sollte, in Malagne auf praktische Weise die Details des Lebens auf einem gallo-römischen Landgut zu erforschen. So wurden unter anderem der Stall und die Schmiede in funktionstüchtiger Weise in alter Bautechnik rekonstruiert und in den Original-Farben weiß und rot verputzt. Beide Gebäude sind voll funktionsfähig und werden auch für Experimente genutzt.

210_Malagne

Anbau von Obst und Gemüse

Daneben pflanzte man antike Getreidesorten auf den weitläufigen Feldern zwischen den Gebäuden, legte den Teich wieder an seiner originalen Position an und begann auch mit Nutztierhaltung, wobei Wert darauf  gelegt wurde, Rassen zu wählen, die in Größe und Art den Nutztieren eines gallo-römischen Bauernhofs entsprechen.

Heute werden auf dem Gelände Ziegen, Schafe, Pferde, Maultiere und Rinder gehalten. Dies erlaubt archäologische Experimente, die auch Tiere einschließen, wie zum Beispiel die Rekonstruktion eines Vallus, der römischen Mähmaschine, die von einem Maultier geschoben wird und eine um ein Vielfaches schnellere Getreideernte als mit der Sense erlaubt. Hierbei konnten im Experiment auch praktische Fragen gelöst werden, die mit den vorhandenen Schrift- und Bildquellen bislang nur unzureichend in der Theorie beantwortet werden konnten, zum Beispiel, wie das Geschirr und Joch des Esels aussahen, der die Maschine schob.

Funktionstüchtige Kuppelbacköfen, eine Küche und ein Rennofen zur Eisenschmelze erlauben weitere Experimente.

Es wurde auch ein Zier- und ein Nutzgarten angelegt, in dem Kräuter und Pflanzen aus römischer Zeit, Obst- und Gemüsesorten sowie Wein angebaut werden. Alles in allem werden hier über 200 Pflanzen angebaut, deren Gebrauch bereits aus der Antike bekannt ist.

Bis heute wird das Gelände experimentalarchäologisch bewirtschaftet und für Experimente aller Art genutzt, was es einmalig unter den gallo-römischen Landgütern macht.

Eine Villa Rustica hat fast jeder Ort in unserer gallischen Provinz, aber ein vollständiges Landgut mitsamt Haupt- und Nebengebäuden, Getreideanbau und Viehzucht, das die Größe eines solchen Geländes vermittelt, ist einmalig.

220_Malagne

Experimentelle Archäologie: Der Vallus im Einsatz

Das Hauptgebäude, die Wohnvilla, wurde nicht rekonstruiert, sondern in ihren Fundamenten belassen. Es gibt auch keine Pläne, das Gebäude (wie z.B. bei der Villa Borg) zu rekonstruieren.

Ein konstantes Problem eines solchen Projektes, das nicht die Mittel wie z.B. ein LVR-Park zur Verfügung hat, ist, wie üblich, die Finanzierung. Wie überall, wird auch in Belgien bei der Archäologie gespart.

Der Wiederaufbau der Villa wäre allein aus finanzieller Hinsicht utopisch. Es befinden sich allerdings noch mehr Nebengebäude und Funde auf dem Gelände, die jedoch aus Geldmangel nach Abschluß der Grabungsarbeiten und archäologischen Aufnahme wieder vergraben werden mußten, um sie zu schützen und zu erhalten. Das Museum ist ständig um neue Gelder bemüht, um die Grabungen fortzusetzen; sollten neue Mittel verfügbar sein, würde man damit gerne weitere Nebengebäude rekonstruieren.

Beschreibung:

Auf unseren Reisen durch die gallische Provinz stoßen wir immer wieder auf Überraschungen  – Malagne war eine solche, die uns regelrecht begeisterte. Wir hatten mit einer weiteren Villa Rustica gerechnet, aber dann sahen wir die Ausmaße des Geländes und vor allem, wie detailliert und anschaulich das Landgut rekonstruiert und betrieben wird.

213_Malagne

Auch Getreide wird hier angebaut

Am Parkplatz befindet sich ein Schild, das darauf hinweist, daß der Park zwar bis 18 Uhr geöffnet hat, der letzte Einlaß aber um 16:30h ist, was uns im ersten Moment verwunderte, dann aber schnell klar wurde, warum das so ist.

Malagne ist nichts für eine kurze, schnelle Stippvisite – der Park mit seinen vielen Details und weitläufigem Gelände muß in Ruhe erforscht und erwandert werden, um dem Besucher die Dimension dessen, was hier erarbeitet und gezeigt wird, zu erschließen.

Im Eingangsbereich an der Kasse empfing uns eine sehr freundliche und engagierte Frau, mit der wir uns in einem regen Mix aus Französisch und Englisch unterhielten. Sie erklärte uns, daß an dem Tag unseres Besuchs keine Vorführungen stattfanden (an manchen Sonntagen wird der Park durch Darsteller belebt, die an einigen Stationen praktische Tätigkeiten demonstrieren). Aber man kann den gesamten Park auch gut alleine erwandern, denn er ist in über 20 beschriftete Stationen aufgeteilt, zu denen man ausführliche Informationen mit einem Audio-Guide abrufen kann.

Den Audio-Guide erhielten wir an der Kasse, zusammen mit einem laminierten Lageplan der einzelnen Stationen auf dem Gelände, so daß man problemlos den Nummern folgen kann. Das Gerät ist im Eintrittspreis enthalten (der angesichts der Größe und des Aufwands der Bewirtschaftung des Geländes absolut in Ordnung ist); unsere Ansagetexte stellte die Frau uns auf Englisch ein. Daneben sind Französisch und Flämisch als weitere Sprachen verfügbar.

204_Malagne

Die Texte in den Audio-Guides sind detailliert und fundiert

Die Informationen des Audio-Guides sind sehr gut gemacht – informativ und detailliert. Sie schafften es, den experimentalarchäologischen Anspruch des Parks und die erzielten Ergebnisse sehr gut herauszustellen und anhand der Stationen zu erläutern.

Zu einigen Spezialthemen sind auf Wunsch, zusätzlich zu den Texten der Stationen, weiterführende Informationen verfügbar, die man durch Eingabe einer weiteren Nummer abrufen kann. Hier gehen die Texte dann sehr ins Detail und weisen auf ganz spezielle Aspekte eines Themas hin, unterlegt durch Zitate aus antiken Quellen oder mit Hinweisen auf Bildquellen – didaktisch vorbildlich!

Die Führung beginnt im Inneren des Hauptgebäudes, in dem sich auch ein Seminar- und Arbeitsraum befinden, wo regelmäßig pädagogische Aktivitäten für Gruppen, Schulklassen und andere Interessenten stattfinden.

Hier werden anhand eines rekonstruierten Modells des Landgutes zu römischer Zeit das Gelände, der Lageplan und die Geographie erläutert, zum Beispiel auch die Tatsache, daß sich am Hang hinter dem auf einem Hügel gelegenen Herrenhaus ein Steinbruch befand.

Nach der Erläuterung der generellen Lage wird der Besucher auf das Freigelände entlassen, auf dem man sich frei bewegen kann. Es macht jedoch Sinn, die Stationen in numerischer Reihenfolge abzulaufen, da die Informationen aufeinander aufbauen.

Den Anfang macht eine Aussichtsplattform, von der aus man einen tollen Überblick über das Landgut hat und schon einmal staunt, wie groß das Gelände war und wie hervorragend die Aussicht des Hausherrn auf sein Land von seiner auf der Anhöhe gelegenen Villa gewesen sein muß.

207_Malagne

Ausprobieren erlaubt!

Überall zwischen Getreidefeldern und Viehweiden, die (neben einem modernen Zaun, der den heutigen Vorschriften geschuldet ist) mit antiker Zauntechnik umgrenzt sind, sieht man die rekonstruierten Nebengebäude aufragen.

Das Blöken der Schafe, die Laute der Pferde und Rinder, machen den Gang über das Gelände besonders anschaulich – so muß auch die Geräuschkulisse zu römischer Zeit gewesen sein. Das verstärkt das Eintauchen in die Geschichte und erhöht die Anschaulichkeit deutlicher, als wenn man nur durch die Ruinen einer Villa Rustica geht.

Das ganze Gelände ist sehr gepflegt und sauber, die Kräuter-, Obst- und Gemüsefelder sind beschriftet.

Alle Gebäude können betreten werden und alles, was sich darin an Werkzeugen und Alltagsgegenständen befindet, kann man in die Hand nehmen und ausprobieren. Man wird zuerst an die Öfen und Küche geführt und erhält eine Einführung in antike Bautechnik mit Fachwerk und Steinbauweise. Nach einem Rundgang durch die Gärten geht es an einem Getreidefeld entlang zum Teich, der an der originalen Stelle angelegt wurde (heute jedoch als Biotop verwendet wird, um Lebensraum und Ökosystem See zu erläutern).

Vorbei an den Weiden der Rinder, Pferde, Schafe und Ziegen geht es in die Schmiede, wo auch die Versorgung thematisiert wird, da sich hier auch Räucherkammer und Bierbrauerei befanden. Am nicht wieder aufgebauten, aber mit einem Schutzbau überdachten Haus des Gutsverwalters vorbei, besichtigt man dann den großen Stall, der im Winter tatsächlich als Stall für die Tiere des Parks genutzt wird.

219_Malagne

Der rekonstruierte Vellus, die römische Mähmaschine

Hier erfährt auch man detailliert von einem besonderen Experiment, das in Malagne durchgeführt wurde: die Rekonstruktion der antiken Mähmaschine Vallus, die auch im Stall als Nachbau zu bestaunen ist.

Während man sich über das Gelände bewegt, erfährt man im Audio-Guide von weiteren Besonderheiten des Hofes, zum Beispiel der Entdeckung eines Gräberfeldes, das jedoch noch nicht weiter erforscht werden konnte.

Den Abschluß der gut 1,5 bis 2-stündigen Rundwanderung bildet das Herrenhaus, das zwar nicht rekonstruiert wurde, das aber (mauerschonend) über Brücken und Stege betreten und durchquert werden kann.

Überall im Park finden sich, zusätzlich zu den Informationen im Audio-Guide, Info-Tafeln. Diese sind jedoch leider nur auf Französisch (gelegentlich mit einer einzeiligen Zusammenfassung auf Flämisch).

Im Museumseingang gibt es einen kleinen Shop und es besteht die Möglichkeit, heiße und kalte Getränke zu sich zu nehmen. Es gibt auch einen Picknickbereich.

239_Malagne

Im großen Hauptgebäude, der herrschaftlichen Villa

Fazit: Eine Villa Rustica haben viele Orte, aber als „gallo-römische Erfahrung“ ist das römische Landgut von Malagne definitiv etwas Besonderes.

Durch die Kombination aus rekonstruierten Gebäuden, aktiver Bewirtschaftung, experimenteller Archäologie und hervorragender, fundierter Wissensvermittlung gehört Malagne für uns definitiv zu den Geheimtips, die wir unseren gallo-römisch interessierten Lesern wärmstens ans Herz legen möchten. Deswegen machen wir an dieser Stelle gerne (und unbezahlt) Werbung für diesen Archäologischen Park! Wenn Ihr einmal in der Nähe seid, sei es in den belgischen, luxemburgischen oder französischen Ardennen (beide Landesgrenzen sind nur wenige Kilometer entfernt), solltet Ihr dieses Ziel unbedingt auf Eure Liste setzen.

Öffnungszeiten, Eintritt:

In den Monaten Juli bis September ist der Park täglich von 11-18 Uhr geöffnet (letzter Einlaß 16:30 Uhr). Für den Besuch sind etwa 2 Stunden einzuplanen.

Außerhalb dieser Zeiten, von Ende März bis Anfang November, ist der Park in den Schulferien und an Feiertagen und Wochenenden geöffnet.

Während der Winterpause ist Öffnung für Gruppen nach Absprache möglich.

Der Eintritt für einen Erwachsenen beträgt 6,50 €, für Kinder 5 €. Der Audio-Guide ist im Preis enthalten.

Führungen, Veranstaltungen:

206_Malagne

In der experimentellen Küche

Jeden ersten Sonntag im Monat finden Führungen mit praktischen Vorführungen statt, zum Beispiel zum Thema Brotbacken.

Malagne ist auch Schauplatz eines Römerfests namens „Le Rendez-Vous Gallo-Romain de Wallonie“ mit römischen Legionen, Handwerkern, Reiterei und Gladiatorenspielen. Das Gelände ist für solche Veranstaltungen ausgezeichnet geeignet.

Aktuelle Informationen zu solchen Veranstaltungen sind auf der offiziellen Website zu finden oder in unseren Ankündigungen unter „Events und Veranstaltungen“.

Es finden außerdem regelmäßige Veranstaltungen und Workshops statt (allerdings ausschließlich auf Französisch), wie archäologische „Gallo Day Camps“ für Kinder. Gruppenaktivitäten können auf Anfrage gebucht werden, ebenso wie eine Vorführung antiker Bierbraukunst oder Brotback-Workshops.

Sonstiges:

228_Malagne

Die rekonstruierte Schmiede mit Räucherkammer, Darre und Bierbrauerei

Es ist erlaubt, Hunde an der Leine mitzuführen.

Fotografieren ist überall uneingeschränkt erlaubt.

Weiterführende Informationen:

 

 

  • Kurzer Filmbeitrag über Malagne: „Malagne, vivre au temps des Romains“ (Französisch, 8 Minuten)

Antike Stätten: Tumulus von Ochtendung

Der rekonstruierte Tumulus von Ochtendung

Der rekonstruierte Tumulus von Ochtendung

Anschrift:

Am Römerhügel, 56299 Ochtendung.

Anfahrt:

Der römische Grabtumulus liegt mitten in einem Wohngebiet des kleinen Ortes Ochtendung in der vulkanischen Osteifel. Das Grabmal ist eine Station des Vulkanparks. Allerdings ist die Anfahrtsbeschreibung auf der Seite des Vulkanparks nicht sonderlich hilfreich, ganz im Gegenteil eher verwirrend.

Zwar ist der Tumulus mit einem braunen Hinweisschild „römisches Grabmal“ an einigen Stellen im Ort ausgeschildert, jedoch sieht man diese Schilder nur aus einer Fahrtrichtung.

Mit dem Auto folgt man entweder der Bahnhofstraße bis zu einer Abzweigung „Auf Münsterhöh“, von dort in den Welschtalweg. Vom Welschtalweg geht eine kleine, unscheinbare Sackgasse ab, die „am Römerhügel“ heißt. Hier liegen auf der einen Seite vier Wohnhäuser und gegenüber auf einer großen Rasenfläche steht in der Nähe eines Spielplatzes der Tumulus. Direkt vor der Wiese besteht Parkmöglichkeit in gekennzeichneten Buchten.

Es gibt auch die Möglichkeit, direkt von der Bahnhofstraße aus über einen kleinen Fußweg über einen Spielplatz zum Tumulus zu laufen. Dieser Fußweg ist ausgeschildert.

Ochtendung hat keinen Bahnhof, der nächste Bahnhof befindet sich im 5 km entfernten Nachbarort Plaidt. Mit dem Bus ist Ochtendung mit der Linie 335 aus Medig, Mayen, Andernach und Neuwied zu erreichen.

Für Wanderer und Radfahrer ist die Region attraktiv, weil hier mehrere Routen des Vulkanparks verlaufen. Es befinden sich zahlreiche weitere Sehenswürdigkeiten in der Umgebung, so daß man den Tumulus von Ochtendung gut in eine Vulkanpark-Tour einbinden kann.

Hintergrundinformationen:

Wie beim Tumulus von Nickenich handelt es sich beim Tumulus von Ochtendung um ein gallo-römisches Grabmal. In der Nähe befand sich eine villa rustica, ein großer Gutshof, dessen wohlhabende Besitzer sich dieses repräsentative Grabmal errichten ließen.

Verbreitungsgebiet der Tumuli (orange Punkte) in der Region (aus der Infotafel des Vulkanparks vor dem Tumulus Ochtendung)

Verbreitungsgebiet der Tumuli (orange Punkte) in der Region (aus der Infotafel des Vulkanparks vor dem Tumulus Ochtendung)

Ochtendung lag zu römischer Zeit in Ostgallien im Stammesgebiet der keltischen Treverer. Grabtumuli, runde, mit Stein ummauerte Erdhügel, sind überall in der Region zu finden und typisch für eine Verschmelzung gallischer und römischer Grabkultur. Die einheimischen Gutshofbesitzer waren romanisierte Gallier, die der keltischen Oberschicht angehörten und durch diese sehr aufwendige und kostspielige Grabgestaltung nach römischem Geschmack zeigten, daß sie Macht, Einfluß und Geld besaßen.

Derartige Tumuli – Erdhügel mit einem gemauerten Sockel – waren in der Region vom Ende des 1. Jahrhunderts, insbesondere entlang der Mosel, bis zum Ende des 3. Jahrhunderts üblich.

Im Gegensatz zum Tumulus von Nickenich, bei dem aus Inschriften eines ebenfalls in der Nähe gefundenen Nischengrabmals die Namen der Errichter überliefert sind, wurden im Tumulus von Ochtendung zwar Tote mit ihren Grabbeigaben gefunden, die Namen der hier Bestatteten sind jedoch unbekannt.

Das Grabmal wurde wahrscheinlich zwischen 100 und 150 n. Chr. errichtet, jedoch wurde die Stelle auch später noch als Grabstätte genutzt, als der Tumulus bereits nicht mehr bestand (um 300 n. Chr.), so daß der Ort seine Bedeutung als Friedhof beibehielt.

Bei dem Tumulus handelte es sich um einen Erdhügel von mit einer kreisrunden Umfassungsmauer aus 13 Tuffsteinsegmenten (wahrscheinlich aus dem nahen römischen Tuffsteinbergwerk Meurin) und mit einem Durchmesser von fast 8 Metern. Die Blöcke waren an den Stoßfugen mit schwalbenschwanzförmigen Klammern verbunden. Der Steinkranz als Fundament mit seinen 2 x 0,8 x 0,5 Meter mächtigen Steinquadern war bei der ersten Befundaufnahme noch vollständig und in originaler Lage erhalten. Die versetzte Bauweise nach oben zeigt deutliche Parallelen zum nahen Tumulus von Nickenich.

Bei Bauarbeiten im Wohngebiet stieß man im Jahr 1978 auf die Überreste dieses Tumulus. Bei den folgenden Ausgrabungen im Jahr 1980-1982 wurden darin mehrere Gräber entdeckt. Bei den ältesten Gräbern aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. handelte es sich um Urnengräber nach römischer Sitte, in denen sich in einer massiven Aschekiste aus Tuffstein der Leichenbrand einer Frau mit ihrem Neugeborenen oder einem Fötus befand, so daß davon ausgegangen wird, daß sie bei der Geburt starb. Daneben lag ein Grab aus Schieferplatte mit den Überresten eines ca. 9 Monate alten Kindes, die sich in einer Urne vom Typ „Honigtopf“ befanden.

Die Urne und die Grabbeigaben sind auf den gut gestalteten Infotafeln vor dem Tumulus beschrieben und abgebildet

Die Urne und die Grabbeigaben sind auf den gut gestalteten Infotafeln vor dem Tumulus beschrieben und abgebildet

Als Grabbeigaben der Mutter fanden sich Öllampen und Teller im römischen Stil, die beweisen, daß die hier Bestatteten den römischen Lebensstil schätzten, sowie ein Nadelkästchen aus Knochen.

Das Kindergrab enthielt Speisegefäße und ein Holzkästchen unbekannten Inhalts, das nur noch durch seine metallenen Beschläge und Nägel nachweisbar ist.

Aus der späteren Zeit stammen fünf Körpergräber, in denen die Toten nach spätrömischem Brauch unverbrannt bestattet wurden. Sie stammen aus der Zeit ab 300 n. Chr., zu der der Tumulus nicht mehr bestand, was daran erkennbar ist, daß die Toten im Bereich der früheren Umfassungsmauer lagen. Der späteste Tuffstein-Sarkophag stammt aus der Zeit um 400-450 n.Chr.

Der jüngste Sarkophag zeichnete sich durch besonders wertvolle Grabbeigaben aus, wie zwei Glasgefäße, eine robuste Schüssel sowie ein Trinkbecher mit der Aufschrift „SITIO“ („Ich habe Durst“). Derartige Spruchbecher waren um 400 n. Chr. nicht mehr in Mode, sondern vor allem in früherer Zeit modern, so daß man davon ausgeht, daß es sich um ein geschätztes Erbstück handelte.

Der Tumulus wurde am Originalstandort im Jahr 2002 im Maßstab 1:1 rekonstruiert und als Station in den Vulkanpark eingebunden. Die Steine stammen, wie schon beim Original, aus dem typischen Tuffstein der Region. Er gilt heute als geschütztes Kulturdenkmal.

Beschreibung:

Die Rekonstruktion ist am Originalstandort im Maßstab 1:1 errichtet

Die Rekonstruktion ist am Originalstandort im Maßstab 1:1 errichtet

Der Tumulus liegt auf einer leicht erhöhten Wiese mitten in einem ruhigen Wohngebiet.

Er ist in gepflegtem Zustand und mit mehreren Infotafeln des Vulkanparks versehen, aus dem gut beschriebene, detaillierte Informationen zu Geschichte und Hintergrund hervorgehen, zusammen mit informativen Illustrationen. Eine vorbildliche Beschilderung!

Zwar ist der Tumulus von Nickenich – aufgrund des in der Nähe stehenden Nischengrabs und der Grabinschriften – spektakulärer, der Vollständigkeit halber ist der Tumulus von Ochtendung jedoch auch einen Besuch wert.

Öffnungszeiten, Zugänglichkeit, Führungen:

Der Tumulus ist jederzeit frei zugänglich, da er mitten in einem Wohngebiet steht. Die Anwohner der gegenüberliegenden Häuser sind herumlaufende Wanderer und Vulkanpark-Touristen gewöhnt und nehmen diese freundlich-gleichgültig zur Kenntnis.

Regelmäßige Führungen sind uns nicht bekannt; wer sich für eine Besichtigung der römischen Stationen des Vulkanparks interessiert (Tumuli Nickenich und Ochtendung, Katzenberg Mayen, Mayener Grubenfeld, Römerbergwerk Meurin) kann sich für weitere Informationen an das Infozentrum des Vulkanparks in Plaidt wenden.

Sonstiges:

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Über die romanisierten Kelten Contuinda, Tochter des Esucco und ihren Sohn Silvanus Ategnissa wissen wir viel dank ihres Grabsteins in Nickenich in der Eifel

Über die romanisierten Kelten Contuinda, Tochter des Esucco und ihren Sohn Silvanus Ategnissa wissen wir viel dank ihres Grabsteins beim Tumulus von Nickenich in der Eifel

Der Besuch des Tumulus sollte auf jeden Fall mit weiteren Sehenswürdigkeiten des Vulkanparks verbunden werden. Hier gibt es neben den zuvor aufgezählten römischen Sehenswürdigkeiten auch spannende geologische Stationen, wie den Laacher See oder das Basaltbergwerk und das Deutsche Vulkanmuseum Lavadome Mendig.

Ebenfalls archäologisch und insbesondere für den keltischen Touristen interessant ist der nahegelegene Goloring, der als eines der bedeutendsten archäologischen Anlagen der Eisenzeit in Rheinland-Pfalz gilt und auch als das „Eifel-Stonehenge“ bezeichnet wird. Da sich diese Anlage jedoch in einem militärischen Sperrgebiet befindet, ist sie nicht frei zugänglich; hier müssen Besuchstermine vereinbart werden, ansonsten ist die 175 Meter lange, kreisrunde Wall-Graben-Anlage vom Henge-Typ, die aufgrund ihrer Lage eher als Heiligtum oder Kultplatz als als Schutz- oder Befestigungsanlage gedeutet wird, am Tag des Offenen Denkmals zu besichtigen.

Antike Stätten: Römischer „Palast“ Helmsange-Walferdange (LU)

Der "Palast" von Helmsange

Der „Palast“ von Helmsange

Anschrift:

Rue Jean Schaack, 7251 Helmsange, Luxemburg

Anfahrt:

Der römische „Palast“, eigentlich ein sehr opulentes Herrenhaus, liegt mitten in der Ortschaft Helmsange in der Gemeinde Walferdange im Tal der Alzette in Luxemburg.

Der Ort ist über die Nationalstraße N7 erreichbar. Die Villenanlage befindet sich am Ende der Rue Jean Schaack inmitten eines Wohngebiets und neben einer Tiefgarage. Parken kann man direkt neben der Anlage am Straßenrand oder in einer der zahlreichen Seitenstraßen. An der kreuzenden Rue Soleil liegen außerdem mehrere Schulen, an denen man ebenfalls gut parken kann.

Die Seitenstraßen sind etwas verworren, aber Einheimische weisen auf Nachfrage nach dem „Palais Romaine“ gerne den Weg.

Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist ebenfalls gut möglich, da sich der Bahnhof Welferdange nicht weit entfernt an der Hauptstraße befindet. Er wird von Regionalbahnen aus Luxemburg Stadt, Diekirch oder Troisvierges regelmäßig angefahren. Von dort ist es nur ein kurzer Fußweg.

Auch der Gemeindebus „Walfy“ sowie weitere Buslinien verkehren hier regelmäßig.

Hintergrundinformationen:

In den Jahren 1990-1994 wurden im Rahmen von Grabungen zur Erschließung eines Wohngebiets oberhalb des Flusses Alzette auf dem „Sonnebierg“ das Herrenhaus eines gallo-römischen Gutshofs freigelegt. Dabei handelt es sich zwar – wie bei den zahlreichen römischen Gutshöfen in der Gegend – um den typischen gallo-römischen Baustil einer Villa mit Säulengang (Portikus) und seitlichen Flügeln (Risaliten). Außergewöhnlich sind jedoch die Dimensionen dieses Gebäudes, die zu einer kleinen Reihe von „Luxuspalästen“ im Gebiet der Treverer zählen.

Die Dimensionen des Hauses sind überwältigend - und das, wo nur ein Teil freigelegt ist!

Die Dimensionen des Hauses sind überwältigend – und das, wo nur ein Teil freigelegt ist!

Neben über 1200 bekannten gallo-römischen Landgütern durchschnittlicher Größe, die überall in einem dichten Netz im Stammesgebiet der keltischen Treverer (Mosel, Eifel bis Luxemburg) zu finden sind, finden sich insbesondere im Raum Luxemburg einige dieser größeren palastartigen Villen der Gutsbesitzer (unter anderem in Echternach und Diekirch). Einige dieser Villen sind bis zu 10.000 Quadratmeter groß und haben mehr als 80 Räume, so daß sie durchaus als die gallo-römische Version von „Landschlössern“ bezeichnet werden können. Sie weisen allesamt eine gleichermaßen luxuriöse Ausstattung mit Mosaiken, Heizung, fließendem Wasser, Marmortäfelung, Wandmalereien und Stuckverzierungen vor. Die größte bekannte Prunkvilla befand sich in Echternach und kann dort noch heute besichtigt werden. In sie würden mittelgroße römische Landgüter wie die Villa Borg – bereits an sich recht beeindruckend – mehrere Male hineinpassen und selbst der Palast in Helmsange wirkt dagegen fast bescheiden.

Die mehrstöckige Villa in Helmsange hat eine Länge von über 168 Metern und eine Breite von über 90 Metern. Allein im Erdgeschoß befanden sich über 50 Räume. Das Gebäude wurde Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. gebaut und erst mit den Germaneneinfällen im 4. Jahrhundert aufgegeben. Während der Nutzungszeit wurde es mehrmals umgebaut und erweitert.

Talseitig schloß sich ein Wirtschaftshof an, dessen Überreste allerdings modern überbaut wurden. Damit entsprach der Gutshof der in unserem Teil Galliens typischen Vermischung der Bauelemente eines vor-römischen keltischen Landguts mit den Elementen römischer Landgüter aus dem italienischen Raum.

Das Alzette-Tal war zu römischer Zeit dicht besiedelt. Hier liegt auch der Cerunincus-Waldtempel

Das Alzette-Tal war zu römischer Zeit dicht besiedelt. Hier liegt auch der Cerunincus-Waldtempel

Das Alzettetal, in dem die Villa lag, war in römischer Zeit dicht besiedelt. Hier lagen zahlreiche weitere Landgüter, die oft nur 700-800 Meter voneinander entfernt waren und sich in der besonders günstigen Lage am Fluß Alzette an beiden Ufern entlangzogen, oft sogar in Sichtweite voneinander. Hier gab es reiche Quellen zur Wasserversorgung, gleichzeitig war man aber geschützt vor Hochwasser. Der römische Dichter Ausonius bezeichnete diese Gegend als „Felix Alisontia„.

Neben weiteren, auch größeren Landgütern in der Nähe, befand sich nur wenige Kilometer weiter der gallo-römische Waldtempel des Cerunincus bei Steinsel. Auch wurden Reste eines unterirdischen Aquädukts gefunden, was den Anschluß der Region an das römische Fernwassernetz belegt.

Der Palast von Helmsange war luxuriös und für seine Zeit topmodern ausgestattet. Mehrere Wohnräume, unter anderem ein 50 Quadratmeter großer Saal im Nordflügel, wurden mit Hypokaustheizung beheizt. Dabei ruhte der Fußboden auf 169 geschichteten Tragepfeilern. Durch eine Feuerstelle im Heizraum wurde der Hohlraum unter dem Fußboden mit heißer Luft erwärmt, die auch durch Hohlziegel in den Wänden aufstieg und somit zusätzlich die Wände erwärmte.

Das Gebäude war symmetrisch aufgebaut, es gab einen zentralen Empfangssaal mit flankierenden Küchen, dazu einen Innenhof mit großem Wasserbecken. Das Haus verfügte auch über einen gemauerten Keller sowie Badeanlagen und Thermen, deren Reste aber nicht mehr erhalten sind.

Im Innenhof des Hauptgebäudes wurden hölzerne Wasserrohre gefunden. Diese dienten nicht nur der Wasserversorgung des Hauses mit fließendem Frischwasser, sondern speisten auch Zierbecken. Woher das Wasser kam, konnte nicht rekonstruiert werden, es wird aber angenommen, daß die Leitungen mit dem unterirdischen Aquädukt in Verbindung standen, der aus dem Wald ins Tal herabführte.

Das Gebäude ist teilrekonstruiert und optisch durch Sand und Gras gut strukturiert

Das Gebäude ist teilrekonstruiert und optisch durch Sand und Gras gut strukturiert

Die Funde, die bei den Grabungen gemacht wurden, belegen den luxuriösen Lebensstil der Bewohner, deren Namen nicht bekannt sind. Auch ist nicht bekannt, ob es sich um zugewanderte Römer aus Italien handelte oder um romanisierte Treverer, die sich dem römischen Lebensstil angepaßt hatten und möglicherweise schon einer wohlhabenden und einflußreichen keltischen Familie aus vor-römischer Zeit entstammten.

In mehreren Wohnräumen wurden farbige Wandmalereien gefunden. Schwarz-Weiße Mosaiken und Marmorplatten befanden sich im Bauschutt, jedoch ist ihre räumliche Zuordnung nicht mehr möglich. Auch beweisen Funde von Fensterglas, daß zumindest ein Teil der Fenster des Palastes verglast waren. Säulen und Stuckfragmente zeigen den architektonisch aufwendigen Aufbau des Hauptgebäudes.

Aus zahlreichen Kleinfunden läßt sich der sehr hohe Lebensstandard der Bewohner ablesen. Es wurden 400 römische Münzen gefunden, von denen der Hauptteil aus der Zeit zwischen 260 und 280 n. Chr. stammt. Daneben wurden Haarnadeln, Fibeln und andere Schmuckstücke entdeckt, wie Perlen eines Glascolliers und verzierte Kleiderspangen mit Emaille-Einlassungen. Eine Besonderheit stellt ein Fingerring aus Bronze mit der Gravur „PICNVS AMORE ESCIPE“ („Empfange dies als Pfand meiner Liebe“) dar. Eine weitere kostbare Rarität ist eine bronzene Phalerae, eine militärische runde Metallverzierung aus Bronze, mit einem Löwenkopf.

Auch Möbelreste sind erhalten, aus denen auf eine Inneneinrichtung aus Truhen und Kassetten geschlossen werden kann. Zu den weiteren Hausratsfunden gehören Öllampen und Keramiken, wobei nahezu alle gängigen römischen Keramikarten und Formen des 1. bis 4. Jahrhunderts vorkamen. Auch gehörten sehr seltene und teure Gläser zum Geschirr in diesem Haushalt.

Überall in der Anlage stehen Informationstafeln, die über die Geschichte des Palastes informieren

Überall in der Anlage stehen Informationstafeln, die über die Geschichte des Palastes informieren

Selbst die Ernährungsgewohnheiten der Bewohner sind durch Funde übermittelt. So entdeckte man unter anderem Austernschalen! Ein besonderer Fund ist ein kleines Lebensmitteletikett aus Blei mit der Bezeichnung „LIQVAMEN“, einem Markennamen der für die römische Küche unverzichtbaren Fischsauce, sowie Angaben über Preis, Gewicht und Hersteller.

Was den Palast in Helmsange von anderen römischen Luxuspalästen unterscheidet, ist eine ungewöhnlich große Anzahl an religiösen und kultischen Gegenständen. Dazu gehört unter anderem eine Jupitergigantensäule, ein Götterrelief, von dem nur der untere Teil erhalten geblieben ist, eine Skulptur aus Kalkstein mit einer durch Götterdarstellungen verzierten Stele, Teile einer Venus-Statue, ein Blech mit den Reliefs der Wochentagsgötter, Räucherkelche, Terrakotta-Figürchen und einer Gesichtsmaske aus Ton.

Ab dem 3. Jahrhundert zeigen Umbauten, daß der Schwerpunkt sich von der Repräsentativität verlagerte zur Zweckmäßigkeit des Hauses. Germaneneinfälle im 3. Jahrhundert verwüsteten schließlich das Gebäude und zerstörten es auch zum Teil. Es wurde nie wieder vollständig aufgebaut. Ab dem 4. Jahrhundert wurden nur noch Teile des Hauses genutzt, unter anderem als Getreidedarre und Räucherkammer.

Mit den Germaneneinfällen Ende des 4. Jahrhunderts wurde das Haus dann vollständig aufgegeben und blieb 200 Jahre lang unbewohnt. Im 7. Jahrhundert siedelte sich eine fränkische Familie wieder darin an und gaben dem Haus ihren Namen („Helmar“?). Sie nutzten das Gelände als Bauernhof zur Viehzucht, bauten das Haupthaus aber nicht erneut auf, sondern errichteten westlich davon ein eigenes Wohnhaus. Zu den Tieren des Hofes gehörten Rinder, Schweine, Ziegen, Hühner und Schafe. Darüber hinaus wurden Hirsche, Eichhörnchen und Auerhahn gegessen.

Die Franken nutzten das Gelände auch für die Textilwirtschaft, wie Funde von Webgewichten, Spinnanlagen und Nähnadeln belegen. Auch finden sich Reste einer Eisen- und Bronzeverhüttungsanlage. Als besonderer Fund aus fränkischer Zeit gilt ein spätmerowingischer Reliefstein, der Teile einer römischen Dreigötterstele wiederverwertete. Er zeigt geometrische und figürliche Motive.

In der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts wurde die fränkische Siedlung von einem mächtigen Erdrutsch verschüttet, der wahrscheinlich die Folge von Unwettern war.

Beschreibung

Die Palastanlage befindet sich auf einem großen Platz inmitten des Neubaugebiets. Die Mauern sind teilrekonstruiert und aufgemauert und überall im Gelände befinden sich sehr gut gemachte Informationstafeln auf Französisch und Deutsch, die weitreichende Hintergrundinformationen über die Stätte liefern. Sie sind, wie an vielen Stellen in Luxemburg und auch im Waldtempel von Steinsel, auf witterungsbeständige Plexiglasscheiben gedruckt und von hoher Qualität. Diese Beschriftung und Illustrationen sind vorbildlich, vor allem, wenn man bedenkt, an wie vielen römischen antiken Stätten in Deutschland fast zerstörte, verwitterte, verblichene Schilder oder Tafeln hängen, aus denen keine Informationen mehr hervorgehen (zum Beispiel beim Mars-Intarabus-Tempel in Ernzen oder der römischen Villa in Bollendorf, die sogar vom Eifelverein betreut wird, der aber offenbar mehr Geld in Erhalt und Pflege der eigenen Bronze-Jubiläumsgedenktafel steckt als in eine lesbare Informationstafel).

Die Beschriftung ist informativ, ausführlich und vorbildlich illustriert

Die Beschriftung ist informativ, ausführlich und vorbildlich illustriert

Das Wohngebiet ist ruhig, direkt an die Anlage schließt sich ein Parkdeck an, unter dem Teile der Mauern verschwinden. Es ist offensichtlich, daß nicht die ganze Villenanlage erschlossen ist, sondern diese sich zum Teil unter der neuen Bebauung befindet.

Die fast labyrinthartigen Mauern und Räume des Palastes sind frei begehbar. Pseudo-römische, aber sehr moderne Wandmalereien zieren die zweckmäßigen Außenmauern aus Beton, an die sich die Straßen und Wohnhäuser anschließen. Die Räume sind mit einem durch hellem Sand bestreuten Weg verbunden, auf dem auch die Informationstafeln stehen. Einige Räume sind innen mit Rasen bepflanzt, was für eine gute optische Orientierung sorgt.

Der Erhaltungszustand der aufgemauerten Fundamente ist sehr gut, die Anlage macht einen gepflegten Eindruck und ist auch nicht – obwohl sie in einem nicht gerade gehobenen Wohngebiet neben Schulzentrum, Parkplatz und Hauptstraße liegt und damit im Einzugsbereich der ansässigen Dorfjugend – mit Graffitis beschmiert oder sonstwie beschmutzt. Das paßt zu unserer Beobachtung, die wir an vielen historischen Orten in Luxemburg gemacht haben, daß hier antike Stätten und Denkmäler mit Respekt behandelt werden und nicht zum Treffpunkt einer abhängenden, trinkenden und desinteressierten Dorfjugend werden, wie man es leider häufiger in Deutschland erleben muß.

Obwohl es sich um eine ungewöhnlichere römische Villa handelt, die touristisch sehr gut aufbereitet ist, ist es dort nicht überlaufen. Tatsächlich hatten wir die Anlage fast für uns alleine, von vereinzelten Spaziergängern und Einheimischen einmal abgesehen, die dort vorbeikamen, sich aber nicht weiter für uns interessierten. Man kann sich in aller Seelenruhe in dem Palast umschauen, die Räume betreten und sich dort so lange aufhalten wie man möchte, ohne Aufmerksamkeit der Anwohner zu erregen.

Öffnungszeiten, Preise, Führungen

Der Palast ist jederzeit zugänglich, da er wie ein kleiner Park mitten im Wohngebiet liegt. Eintritt wird nicht erhoben. Über öffentliche Führungen dorthin ist uns nichts bekannt.

Sonstiges

Fotografieren und Betreten aller Räume ist uneingeschränkt möglich. Im Gegensatz zu deutschen Stätten dieser Art ist hier das Betreten der Mauern nicht nur erlaubt, sondern zum Teil ausdrücklich vorgesehen (wie auch in der riesigen Villa in Echternach), um von einem Teil der Anlage zur anderen zu gelangen. Trotzdem ist der Erhaltungszustand vorbildlich, so daß wir davon ausgehen, daß die Mauern regelmäßig gewartet und gepflegt und gegebenenfalls mit einer neuen Schutzabdeckung vor Berührung und Witterung versehen werden.

Der Palast ist eine Station des Réimerpad-Rundwegs, der mit diesem Symbol markiert ist

Der Palast ist eine Station des Réimerpad-Rundwegs, der mit diesem Symbol markiert ist

Der kulturhistorische Rundwanderweg „Réimerpad“ führt an der Anlage vorbei und verbindet ihn mit weiteren römische Sehenswürdigkeiten in der Region. Er ist durch ein grünes Schild mit dem Symbol „R“ und einer stilisierten römischen Büste mit Lorbeerkranz gut ausgeschildert.

Der Besuch des Palasts in Helmsange läßt sich sehr gut mit weiteren römischen Sehenswürdigkeiten in der Gegend verbinden. Eine Möglichkeit ist es, dem Réimerpad-Rundwanderweg zu folgen. Ansonsten empfehlen wir auf jeden Fall den Besuch des Waldtempels im benachbarten Steinsel.

Weiterführende Links

Antike Stätten: Villa Rustica Roderath

Ein Fußweg führt zum Hauptgebäude

Ein Fußweg führt zum Hauptgebäude

Anschrift:

An der K36 zwischen Roderath und Engelgau. Keine postalische Anschrift.

Anfahrt:

Die Villa Rustica liegt landschaftlich sehr schön zwischen Wiesen, Äckern und dem Waldrand, mitten in der Eifel. Sie befindet sich etwa auf halber Höhe zwischen den Dörfern Roderath und Engelgau, ca. 7 km von Nettersheim entfernt.

Von Engelgau kommend folgt man der K36 in Richtung Roderath. Auf der linken Seite findet sich ein Hinweisschild und eine Info-Tafel vor einem kleinen Parkplatz. Die Villa ist gut zu finden und kaum zu übersehen. Ausschilderung findet sich bereits in Engelgau.

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist etwas schwierig. Zwar verkehren Buslinien von Blankenheim, Bad Münstereifel und Nettersheim (die alle einen Bahnhof haben) nach Roderath und Engelgau, diese fahren jedoch nur sehr unregelmäßig.

Eine attraktive Alternative für Wanderer und Radfahrer sind die diversen lokalen Wanderwege, die unter anderem von Nettersheim hier entlang führen. Außerdem verläuft der Jakobsweg in unmittelbarer Nähe.

Hintergrundinformationen:

Zeichnerische Rekonstruktion des Gutshofs auf der Infotafel

Zeichnerische Rekonstruktion des Gutshofs auf der Infotafel

Die Villa Rustica in Roderath war ein römischer Gutshof, der vom 1. bis zum 4. Jahrhundert genutzt wurde.

Er lag nahe der quer durch die Eifel verlaufenden römischen Schnellstraße Via Agrippa von Trier nach Köln. Die nächst größere Ortschaft war Marcomagus mit seinem Kleinkastell, dem vicus samt Handwerkerstraße und dem Matronentempel für die Matronae Aufaniae (heute alles eingebettet und touristisch gut erschlossen im ca. 7,5 Kilometer entfernten Archäologischen Landschaftspark Nettersheim).

Die Anlage wurde zwischen 1984 und 1989 ausgegraben und archäologisch untersucht. Der Bauernhof bestand aus mehreren Gebäuden, die alle in Fachwerktechnik errichtet waren. Das 19 Meter lange und 7,5 Meter breite, eingeschossige Haupthaus am Hang hatte einen Sockel aus Bruchstein und mit Lehm gefüllte Fachwerkwände. Das Dach war mit Ziegeln gedeckt, die bei den Ausgrabungen gefunden wurden. Die Datierung der Ziegel ergab eine Nutzung des Bauernhofes bereits im frühen 1. Jahrhundert. Als Siedlungsschwerpunkt gilt der Zeitraum 2. bis 3. Jahrhundert.

Das Hauptgebäude mit seinen steinernen Fundamenten

Das Hauptgebäude mit seinen steinernen Fundamenten

Im Gegensatz zum Haupthaus mit seinem steinernen Fundament waren die Nebengebäude des Gutshofes reine Fachwerkbauten in Pfostenbauweise. Die Löcher der Holzpfosten sind bis heute gut in der weitläufigen Wiese zu erkennen. Es wird davon ausgegangen, daß es sich bei den Nebengebäuden um die Wirtschaftsgebäude eines Gutshofes, sowie um Scheunen, Ställe und Schuppen gehandelt hat. Bei den Ausgrabungen kam auch ein Backofen in der Nähe des Hauptgebäudes zum Vorschein. Eine Wasserleitung, die zum Haupthaus führt, deutet auf die Existenz eines Brunnens hin, dessen ehemalige Position an einer sehr nassen Stelle im Boden in der Nähe vermutet wird. Zu den Funden gehören außerdem Keramikscherben.

Das Hauptgebäude wurde im Jahr 2004 teilrekonstruiert und für Touristen attraktiv gestaltet, indem die Fundamente an der Originalposition auf ca. 1 Meter Höhe aufgemauert wurden. Es war diskutiert worden, auch die Nebengebäude aufzumauern, aber das wurde vom örtlichen Denkmalschutz abgelehnt, weil es nicht dem Originalbefund entsprach, der nur für das Haupthaus einen steinernen Sockel belegte. Stattdessen wurden die Pfostenlöcher der Nebengebäude mit Hecken markiert.

Beschreibung:

Die Position der Pfostenlöcher der Nebengebäude ist durch Hecken markiert

Die Position der Pfostenlöcher der Nebengebäude ist durch Hecken markiert

An der Landstraße befindet sich eine Info-Tafel, die kurze Hintergrundinformationen sowie eine Zeichnung zum römischen Gutshof bietet. Außerdem ist dort eine Wanderkarte mit den Sehenswürdigkeiten der Umgebung sowie weitere touristische Hinweise, insbesondere zum Ort Nettersheim, zu finden.

Vom Parkplatz mit Infotafel führt ein kleiner Pfad auf die Wiese, die das Gelände des ehemaligen Gutshofs umfasst. Das Hauptgebäude ist bereits von weitem gut sichtbar, weil es teilrekonstruiert wurde und deswegen der Verlauf der Außenmauern und Räume gut ersichtlich ist.

Für die Darstellung der Nebengebäude hat man sich etwas anderes einfallen lassen – basierend auf der Position der Pfostenlöcher, aus denen die Lage und Größe der Wirtschaftsgebäude ermittelt werden konnte, werden die Umrandungen dieser Gebäude mit Hecken dargestellt. Auch die Grenze des Geländes ist durch eine auffällige Hecke markiert.

Eine Infotafel liefert Hintergrundinformationen

Eine Infotafel liefert Hintergrundinformationen

Die einzelnen Gebäude sind durch gemähte Pfade auf der Wiese miteinander verbunden.

Das Gelände liegt sehr idyllisch und vom etwas erhöhten Haupthaus aus hat man eine sehr schöne Aussicht über die weite Eifellandschaft. Als wir im Mai 2014 die Villa besuchten, waren die Wiese und die Anlage gepflegt und in einem guten Zustand. Die Hecken zeichnen die Umrisse der Gebäude gut nach und passen sich gleichzeitig gut in die Landschaft ein (im Gegensatz zur furchterregend rekonstruierten Villa Rustica in Blankenheim).

Noch im Herbst 2013 erfolgte ein Aufruf in der lokalen Presse, ob sich Freiwillige finden, die die Anlage betreuen und die Pflege der Gebäude, Hecken und Wiese übernehmen (wie es bei anderen römischen Städten in der Gegend, wie zum Beispiel beim Matronentempel Pesch der Fall ist). Da die Anlage bei unserem Besuch in 2014 ordentlich aussah, bleibt zu hoffen, daß sich in der Zwischenzeit Freiwillige gefunden haben.

Eine tolle Aussicht über die Eifellandschaft!

Eine tolle Aussicht über die Eifellandschaft!

Öffnungszeiten, Eintritt, Führungen

Das Gelände ist jederzeit frei zugänglich, Eintritt wird nicht erhoben.

Führungen zur Villa werden gelegentlich im Rahmen von archäologischen Exkursionen des Naturzentrums Eifel in Nettersheim angeboten. Die Termine können der Website des Naturzentrums entnommen werden.

Sonstiges

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Ein Abstecher nach Nettersheim darf nicht fehlen!

Ein Abstecher nach Nettersheim darf nicht fehlen!

Ein Besuch der Villa von Roderath läßt sich ideal kombinieren mit einem Besuch der ebenfalls in der unmittelbaren Nähe liegenden drei Matronentempel von Zingsheim, Nettersheim und Pesch.

Ebenfalls sehr empfehlenswert ist der (kostenlose) Besuch des Archäologischen Landschaftsparks bei Nettersheim, in dem der römische Ort Marcomagus auf einem Rundweg zu erwandern ist.

Nettersheim ist touristisch sehr gut erschlossen, weil der Ort spezialisiert ist auf Naturtourismus mit den Schwerpunkten Umwelt, Geologie, Archäologie und Kulturgeschichte. Hier gibt es zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten, Angebote, Informationsmaterial und Wandermöglichkeiten.

Weiterführende Informationen:

  • Nettersheim-Roderath: Römischer Gutshof. in: Heinz Günter Horn (Hrsg.): Die Römer in Nordrhein-Westfalen.
  • Gerd-Uwe Knackstedt: Die villa rustica von Roderath. In: Archäologie im Rheinland 2004
  • „Pfleger“ für Römervilla gesucht, Artikel in der Kölnischen Rundschau vom 14.10.2013

Antike Stätten: Römischer Grabtumulus Nennig

Der Grabhügel von Nennig

Der Grabhügel von Nennig

Anschrift:

Auf einer Wiese am Ortseingang von Nennig. Keine postalische Anschrift.

Anfahrt:

Nennig liegt im Saarland an der Mosel, direkt an der französischen und luxemburgischen Grenze.

Der römische Grabhügel befindet sich gut sichtbar auf einer Wiese zwischen der Römerstraße (aus dem Nachbarort Tettingen-Butzdorf kommend) und der Bundesstraße B419 am Ortseingang von Nennig, in unmittelbarer Nähe zur römischen Villa. Wenn man in das Navi „Römerstraße, Ecke Peter-Reuter-Weg eingibt“, kann man den Tumulus nicht verfehlen.

Parken kann man direkt an der Römerstraße vor dem Tumulus, oder man parkt auf dem Parkplatz der römischen Villa in Nennig, die man auf jeden Fall auch besuchen sollte, wenn man vor Ort ist! Von dort aus sind es zum Tumulus nur wenige Minuten zu Fuß.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist Nennig mit dem SaarLux-Bus aus Luxemburg, Saarburg, Saarlouis oder Merzig zu erreichen. Nennig hat außerdem einen Bahnhof, der von Regionalzügen aus Wittlich, Perl und Trier angefahren wird.

Hintergrundinformationen:

Die Ausmaße sind beeindruckend

Die Ausmaße sind beeindruckend

Der römische Grabhügel („Mahlknopf“ oder „Moknapp“, wie er im moselfränkischen Dialekt genannt wird), gilt als der bedeutendste und größte Grabhügel in der Region Trier. Er stammt aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. und gehörte zur Villenanlage von Nennig. Er liegt etwa 300 Meter moselwärts ausgehend von der ausgedehnten Badeanlage. In unmittelbarer Nähe befand sich ein zweiter Tumulus, der heute jedoch vollständig eingeebnet ist. Man geht davon aus, daß es sich um den Grabkomplex der wohlhabenden Besitzer der Villa gehandelt hatte, da er aufgrund seiner gigantischen Ausmaße ein überaus kostspieliges und beeindruckendes Statussymbol gewesen sein dürfte.

Der Grabhügel wurde 1819 in einer unorganisierten Schatzgrabung geöffnet, deren Spuren noch heute durch einen großen Trichter am Hügeleingang zu sehen sind. Dabei entdeckte man zahlreiche Funde wie Urnen, Tongefäße und ein Schwert. Da die Grabung nicht gemäß archäologisch-wissenschaftlicher Methodik vorgenommen wurde, weiß man wenig über die im Inneren liegende Grabkammer.

Seinerzeit war auch die römische Herkunft noch nicht erkannt worden und man hielt den Hügel für den Grabhügel des 882 n.Chr. verstorbenen Bischofs von Metz, Wala, der in der Wikingerschlacht von Remich ums Leben gekommen war. Der römische Ursprung und der Zusammenhang zur Villa von Nennig wurden erst später festgestellt.

Eine Bank am Fußweg kann zur Rast genutzt werden

Eine Bank am Fußweg kann zur Rast genutzt werden

1985-1987 erfolgten Untersuchungen und Ausgrabungen des Hügels und des näheren Umfelds durch Alfons Kolling, bei denen nachgewiesen werden konnte, daß der Durchmesser des ringförmigen Grabhügels 44,5 Meter betrug. In seinem Inneren befand sich eine runde Mauerstruktur, zudem war der Hügel von einer 94 x 100 Meter großen eckigen Mauer eingefriedet. Die Höhe des Tumulus betrug 10 Meter. Innen war er von den Besitzern mit Erde verfüllt worden. Die Mauer an der Innenseite diente als Stützmauer und zugleich als repräsentative Schmuckfassade. Sie bestand aus 32, sich nach innen biegenden, Mauersegmenten aus Kalkstein.

Nach dem Ende der Untersuchungen wurde der Hügel wieder verschlossen und aufgeschüttet und die Ringmauer zum Teil rekonstruiert, um sie für die Öffentlichkeit anschaulich darzustellen. Ursprünglich war der ganze Grabhügel außen mit rotem Sandstein verkleidet.

Berichte von Einheimischen, die von älteren Bürgern des Ortes immer wieder bestätigt werden, deuten auf die Existenz von unterirdischen Verbindungsgängen zwischen der Villa Nennig und dem Grabhügel hin. Vor 30 Jahren soll der Eingang eines solchen Verbindungsgangs an der Villa noch zugänglich gewesen sein. Er war so gut ausgebaut, daß man in ihm mehrere hundert Meter lang aufrecht gehen konnte. Auch bei Kanalarbeiten wurde ein solcher Gang gefunden. Ob diese Gänge römischen Ursprungs sind, konnte bislang nicht geklärt werden.

Beschreibung:

Der römische, kreisrunde Grabhügel sticht von schon weitem ins Auge. Ein gerader, gepflasterter Fußweg in römischer Bauart führt von der Römerstraße, einer ruhigen Landstraße, die parallel zur Bundesstraße verläuft, zu dem 10 Meter hohen Hügel.

Die Informationstafel liefert gutes Hintergrundwissen

Die Informationstafel liefert gutes Hintergrundwissen

Eine Informationstafel der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz / Museum für Ur- und Frühgeschichte mit gutem, erklärendem Text und einer Grafik liefert dem Besucher Hintergrundinformationen.

Der Grabhügel liegt gut sichtbar auf einer Wiese und wird von zwei hohen Bäumen umrahmt. Am Wegrand gibt es eine Steinbank, so daß der Ort auch ideal zur Rast genutzt werden kann. Die Gegend ist sehr ruhig und nur ab und zu begegnet einem ein Bauer, Wanderer oder Radfahrer.

Die Dimensionen des Grabhügels sind beeindruckend, insbesondere wenn man sich vorstellt, daß er einst komplett mit einer roten Steinfassade verkleidet gewesen ist. Ein kleines, aber feines Ausflugsziel, das ideal mit anderen Zielen in unmittelbarer Nähe kombiniert werden kann.

Öffnungszeiten, Preise, Zugänglichkeit:

Der Grabhügel ist jederzeit frei zugänglich. Eintritt wird nicht erhoben.

Sonstiges:

Größenvergleich!

Größenvergleich!

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Wenn man sich in der Gegend befindet, sollte man den Besuch des Grabhügels unbedingt mit der Besichtigung der römischen Villa in Nennig verbinden. Hier befindet sich das größte und besterhaltene Mosaik nördlich der Alpen, das mit seinen detaillierten Gladiator-Motiven absolut sehenswert ist.

Ebenfalls in unmittelbarer Nähe, nur wenige Ortschaften weiter, liegt Perl mit dem Archäologiepark Villa Borg. Dieses rekonstruierte römische Landgut ist geradezu Pflichtprogramm für den römischen Touristen!

Auch in den Mosel-Ortschaften im angrenzenden Luxemburg sind zahlreiche römische Sehenswürdigkeiten zu entdecken, so daß man durchaus einen oder mehrere Tage in der Region verbringen kann (und sollte!).

Weiterführende Literatur:

  • Alfons Kolling: Der Tumulus „Malknopf“, erschienen in: Der Kreis Merzig-Wadern und die Mosel zwischen Nennig und Metz. Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland. Band 24., Stuttgart : Theiss, 1992. ISBN 3806210217

Antike Stätten: Römische Villa Mersch mit Riesenbecken (LU)

167_Mersch_Villa mit Riesenbecken

Der Schutzbau der Villa ist leicht zu finden

Anschrift:

Rue des Romains, 7565 Mersch, Luxemburg.

Anfahrt:

Diese ungewöhnliche römische Villa liegt inmitten eines gepflegten Wohngebiets an einer Seitenstraße im luxemburgischen Ort Mersch (Miersch) im Tal der Alzette.

Die Villa mit ihrem Schutzbau im Ortsteil Mies (französisch: Meix) ist leicht zu finden und von der Straße aus gut zu erkennen. Es ist möglich, direkt am Straßenrand vor der kleinen parkähnlichen Anlage zu parken; es herrscht kaum Verkehr und die Gegend ist ruhig.

Mersch hat einen Bahnhof und ist per Zug aus Luxemburg Stadt oder Ettelbrück zu erreichen. Vom Bahnhof aus sind es etwa 1,5 Kilometer Fußweg bis zur Villa.

Hintergrundinformation:

Die Hypokausten sind ungewöhnlich gut erhalten

Die Hypokausten sind ungewöhnlich gut erhalten

Die gallo-römische Villa rustica in Mersch zeichnet sich durch eine interessante Besonderheit aus, die sie von den anderen römischen Villen in diesem Teil Galliens abhebt: neben dem großen Herrenhaus mit der gut erhaltenen Hypokaustenanlage gibt es die Überreste eines gigantischen Schwimmbeckens: Das 75 Meter lange, ovale Riesenbecken stellt jedes olympische Schwimmbad in den Schatten.

Auch das einige Meter vom Becken entfernt gelegene Herrenhaus war von solch großen Ausmaßen, daß es auf französisch als „Palais“ bezeichnet wird. Es war mit allen luxuriösen Finessen ausgestattet, die man sich in der gallischen Provinz vorstellen konnte, allem voran einer Fußbodenheizung und einer ausgedehnten Bäderanlage. Daneben wurden Reste eines aufwendigen schwarz-weißen Mosaiks sowie auf Stuck durchgeführte, bunte Wandbemalungen mit Temperafarben gefunden, die auf den Reichtum der Besitzer hindeuten.

Es wird angenommen, daß sich dort im 1. Jahrhundert n. Chr. ein ehemaliger Legionär niederließ, der nach dem Absolvieren seiner 25-jährigen Dienstzeit ein Stück Land in einer Provinz zugeteilt bekam. Im Lande der Treverer bildeten die ehemaligen Soldaten zuverlässige Einwohner, die zur Stabilität, dem Frieden und Wohlstand der Provinz Gallien beitrugen. In der fruchtbaren und ertragreichen Region des Alzettetals kam die Familie zu Wohlstand. Es wurden zahlreiche Gebrauchsgegenstände wie Münzen, Spangen, Schmuckstücke und Ringe gefunden, die die Theorie stützen, daß die Villa einem hochrangigen römischen Offizier gehörte.

Das Riesenbecken liegt in einem kleinen Park inmitten des Wohngebiets

Das Riesenbecken liegt in einem kleinen Park inmitten des Wohngebiets

Schon früh war bekannt, daß das Alzettetal zur Römerzeit römisch besiedelt war. Der Name des Ortsteils Mies (franz. „Meix“) wird hergeleitet vom lateinischen Wort mansus =  Haus, Hof, Dorf.

Die Villa war vom 1. bis zum 4. Jahrhundert n. Chr. bewohnt. Im 4. Jahrhundert endete die römische Herrschaft und die Provinz wurde von den Franken eingenommen, die das Landgut zerstörten oder zerfallen ließen. Sie nutzten das Gelände danach als Ackergrund.

Immer wieder kamen in der ländlichen Gegend beim Umpflügen Tonscherben und Ziegel zum Vorschein. Im Jahr 1905 wurde die römische Villenanlage durch den Staatsarchitekten Karl Arendt ausgegraben. Er nahm das Gelände auf und erkannte, daß es sich bei der Anlage um den typischen gallo-römischen „Normaltypus“ einer Villa rustica handelte, wie sie in dieser Region im Stammesgebiet der Treverer üblich war.

Im Jahr 1966 stieß man bei den Bauarbeiten für eine größere Wohnsiedlung auf weitere römische Überreste in der unmittelbaren Umgebung der Villa. Weitere Grabungen durch das Luxemburgische Staatsmuseum legten eine fast 100 Meter lange Mauer frei. Es stellte sich heraus, daß es sich um ein von Wasserleitungen durchzogenes, ovales Schwimmbecken handelte, das zur Villa gehörte. Das Becken wurde, um es für die Öffentlichkeit zu bewahren, freigelegt, die Umrisse nachrekonstruiert und dann in einen kleinen Park inmitten der Wohnanlage integriert. Über die Überreste der Villa baute man einen Schutzbau.

Leider ist die Beschriftung - bis auf die Rekonstruktionszeichnung - nicht sehr informativ

Leider ist die Beschriftung – bis auf die Rekonstruktionszeichnung – nicht sehr informativ

Auch in der Umgebung, überall in Mies, fand man zahlreiche Münzen, die zeitlich von Kaiser Domitian bis Kaiser Konstantin reichen (81 bis 337 n. Chr.)

Außerdem entdeckte man in der Nähe den Inschriftenstein eines Militärtribuns und Priesters des Lenus-Mars (heute zu besichtigen im Staatsmuseum in Luxemburg Stadt). Möglicherweise übte der Bewohner der Villa die Funktion dieses Lenus Mars-Priesters aus.

Beschreibung:

Am Straßenrand liegt in einem kleinen Park unter Bäumen der Schutzraum für den Wohnbereich. Er ist dezent gestaltet in einem Natursteinhaus im angedeuteten römischen Stil.

Das Haus ist frei zugänglich, allerdings befindet sich der Innenraum mit der Hypokaustenanlage hinter einer Glasscheibe, so daß man nicht in der Ruine selbst herumlaufen kann.

Im Eingangsbereich befindet sich eine Informationstafel, die allerdings nur auf französisch ist und deren Informationsgehalt auch nicht sehr groß ist. Es gibt eine Rekonstruktionszeichnung der Villa mit Schwimmbad und kurze Informationen über den Zeitraum der Nutzung. Weitere Hintergrundinformationen sucht man leider vergebens. Da sind wir aus Luxemburg viel bessere und geradezu vorbildliche Beschriftungen gewohnt!

Hinter dem Haus führt ein kleiner Fußweg in einen Obstgarten, der am Rande des Schwimmbeckens liegt. Das Schwimmbecken selbst bildet eine ovale Vertiefung in einer ruhigen, parkähnlichen Anlage inmitten der Wohnhäuser. In regelmäßigen Abständen laden Sitzbänke zum Verweilen ein und ein kleiner, von Bäumen gesäumter Spazierweg führt um das Becken herum. Die Anlage ist sauber und gepflegt und wird zur Naherholung von den Bewohnern der umliegenden Wohnsiedlung genutzt.

Die Dimensionen des Riesenbeckens sind hier gut zu erkennen!

Die Dimensionen des Riesenbeckens sind hier gut zu erkennen, denn in der Mitte an den Wasserrohren steht eine Person!

Diese Villenanlage sollte man, wenn man in der Gegend unterwegs ist, gesehen haben. Das gigantische Becken und die sehr gut erhaltenen Hypokausten sind schon eine Besonderheit, die die Villa von Mersch von den anderen römischen Landgütern der Umgebung abhebt.

Öffnungszeiten, Zugänglichkeit:

Die Anlage ist frei zugänglich und kann jederzeit besichtigt werden. Eintritt wird nicht erhoben.

Sonstiges:

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Die Besichtigung kann gut mit einem Besuch des Cerunincus-Waldtempels bei Steinsel verbunden werden, der nur wenige Kilometer entfernt liegt.

Veranstaltungstipp: Römernacht in der Römervilla Ahrweiler am 13. September

Römernacht_01

Am Samstag, dem 13. September 2014 findet in der Römervilla am Silberberg in Ahrweiler bereits die 5. „Römernacht“ statt.

Blick vom Balkon

Blick vom Balkon

Von 18 Uhr bis Mitternacht bieten die Mitarbeiter und ehrenamtlichen Helfer inmitten der imposanten archäologischen Anlage spannende Einblicke in die römische Antike im Ahrtal, die von luxuriösen römischen Landgütern, aber auch von Eisenverhüttung geprägt war.

Die Römervilla ist eine der besterhaltensten römischen Landvillen (Villa rustica) nördlich der Alpen, die vor allem berühmt ist für ihre zahlreichen Kleinfunde, Wand- und Deckenmalereien und viele erhaltene Baudetails. Sie befindet sich in einem überdachten Schutzbau, so daß die Römernacht auch bei Wind und Wetter gefeiert werden kann.

Es gibt ein buntes Programm für die ganze Familie, wobei auch viel Augenmerk auf ein bildungsreiches Kinderprogramm gelegt wird. Gutsherren, Haussklaven, Handwerker und die vornehme Hausherrin führen die Gäste durch die Nacht.

Es gibt Einblicke in die römische Küche und – natürlich – Weinkultur, denn schon die Römer bauten an der Ahr Wein an. Ein römischer Medicus zeigt seine Fähigkeiten und erklärt wie hoch entwickelt die römische Medizin war. Es gibt Informationen über  Heilkräuter und eine Duftstraße. Eine besondere Rolle spielt auch die Badekultur, denn die Römervilla hat einen sehr gut erhaltenen Badetrakt mit Heizungssystem. Weitere Programmpunkte sind Mosaike, römische Landwirtschaft, römische Kinderspiele und das römische Militär.

Auch Informationen zur Eisenverhüttung in römischer Zeit werden geboten, denn die im Ahrweiler Stadtwald gelegene Eisenschmelzersiedlung ist die größte römische Eisenverhüttungsanlage nördlich der Alpen und ein Bodendenkmal von internationalem Rang.

Die gut erhaltene Fußbodenheizung

Die gut erhaltene Fußbodenheizung

Der Eintritt beträgt 7€ für Erwachsene, ermäßigt 4,50€, Kinder 2,50€. Es ist möglich, eine Familienkarte für 14€ zu erwerben.

Die Römervilla ist gut mit dem Auto und dem öffentlichen Nahverkehr zu erreichen. Zur Anfahrtsbeschreibung und allgemeinen Hintergrundinformationen empfehlen wir unseren Artikel zur Römervilla.

Am gleichen Wochenende findet in Ahrweiler der Weinmarkt statt, dessen Umzüge und Markttreiben ebenfalls sehenswert sind. Der Besuch in der Römervilla kann auch sehr gut mit dem Besuch der Eisenschmelzersiedlung sowie der Besichtigung des Römischen Bades am Weiherberg (nur Sonntag von 14-16 Uhr) und dem Erwandern von Rotweinwanderweg und Ahrsteig kombiniert werden.

Diese besondere Nacht in einem besonderen Museum ist unser Veranstaltungsgeheimtipp für den Monat September!

Römervilla_02

Antike Stätten: Villa Rustica in Blankenheim

 

Herrenhaus der „Villa Rostica“ von Blankenheim

Anschrift:

In den Alzen 18, 53945 Blankenheim

Anfahrt:

Das parkartig angelegte Gelände der Villa Rustica befindet sich in einem Wohngebiet am Ortsrand des historischen Eifelstädtchens Blankenheim. Die Anschrift kann mit jedem Navi und Stadtplan einfach gefunden werden.

Auch mit dem öffentlichen Nahverkehr ist diese Villa gut zu erreichen. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Bushaltestelle „Blankenheim, Königstraße“. Blankenheim selbst hat keinen Bahnhof, die Eifel-Bahnen aus Köln, Gerolstein, Trier und Euskirchen halten aber am etwa 6 km entfernt gelegenen Bahnhof „Blankenheim Wald“. Von dort aus erreicht man den Ortskern von Blankenheim mit der Buslinie 832.

Rund um Blankenheim gibt es auch viele Wander- und Radwege, da es sich hier um eine bei Touristen beliebte Region der Eifel handelt.

Vorbemerkung:

Porticus des Herrenhauses

Porticus des Herrenhauses

Die Villa Rustica wurde in ihrer jetzigen Aufmachung am 11. Juli 2014 eröffnet.

Hierbei gleich eine Warnung vorweg: die „moderne, monumentale, imposante, eigenwillige“ Rekonstruktion aus verrostetem Corten-Stahl ist sehr geschmacksabhängig. Unseren Geschmack trifft sie definitiv nicht! Ein Musterbeispiel aus unserer Reihe „wie man römische Stätten nicht präsentieren sollte“.

Aber wenn man gerne etwas architektonisch Eigenwilliges wünscht, um sich von den zahllosen Villae rusticae der Umgebung abzusetzen und dafür auch noch 2,6 Millionen Euro springen läßt, kommt es bisweilen auch schon einmal zu derartigen bizarrern Auswüchsen.

Die Anlage soll Touristen anziehen und „bewußt für eine Kontroverse sorgen“ (irgendwie muß man sich als arme Eifelkommune ja ins Gespräch bringen, da hilft im Notfall auch Provokation).

Ob man damit das Primärziel erreicht, Touristen anzulocken, die sich auf Römerwegen durch die Eifel bewegen, sei dahingestellt. Einen pädagogischen Nutzen, der über Aussehen und Funktion eines römischen Landguts informiert, hat eine solche Darstellungsweise eher nicht und sie ist auch nicht geeignet, die jüngere Generation über römische Architektur zu bilden. Wer einen authentischen Eindruck gewinnen will, ist also in Echternach, Ahrweiler oder natürlich bei der Villa Borg im Saarland besser aufgehoben. Die gewünschte Kontroverse hingegen lösen sie damit ganz sicher aus.

Die Gebäude liegen in einem kleinen Park

Die Gebäude liegen in einem kleinen Park

Und den römischen Geschmack hätte diese Rekonstruktion bestimmt nicht getroffen; die Monumentalkonstruktion aus Corten-Stahl scheint uns definitiv barbarischen Ursprungs zu sein.

Wir müssen froh sein, daß es sich „nur“ um ein römisches Profangebäude handelt und man nicht auf die Idee kam, einen römischen Tempel in einer solchen Weise zu „gestalten“!

Nun gut, die Villa kann nichts dafür. Bei ihr handelt es sich tatsächlich um einen monumentalen römischen Gutshof, der zudem die einzig bekannte Axialvilla im Rheinland ist. Insofern hat sie natürlich auch einen Platz unter unseren „Antiken Stätten“ verdient. Als Kuriosum und abschreckendes Beispiel kann die Präsentation auf jeden Fall herhalten – was sich der Gutsherr sicher auch nicht hat träumen lassen…

Wer absurd gestimmt ist und ohnehin gerade zwischen den zahlreichen römischen Stätten in der Eifel unterwegs ist, kann sich dieses bizarre Erlebnis natürlich gönnen.

Wir benannten diese Stätte beim ersten Anblick spontan in „Villa Rostica“ von Blankenheim um.

Hintergrundinformationen:

Fotos von der ersten Grabung 1894

Fotos von der ersten Grabung 1894

Der römische Gutshof in Blankenheim wurde erstmals im Jahr 1894 ausgegraben. Da die Funde mit ihren mehr als 1 Meter hohen Mauerresten so gut erhalten waren, entschloß man sich seinerzeit, sie als touristische Attraktion zugänglich zu machen, restaurierte die Mauern und errichtete einen Schutzbau über dem Badetrakt.

Im Laufe der folgenden Jahre litt die Anlage stark. Durch die harten Winter in der Eifel verwitterten die Mauern und Souvenirjäger nahmen immer wieder Steine mit. Im Jahr 1914 trug man die obersten Mauern ab, um die darunterliegenden Bauabschnitte zu untersuchen. In den Wirren der Weltkriege wurde das Gelände schließlich wieder zugeschüttet.

Im Jahr 2005 wurde das Gelände durch das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege neu sondiert, um die genaue Befundlage zu klären. Im Rahmen zweier Diplomarbeiten wurden ein digitales Geländemodell und eine digitale Rekonstruktion des Hauptgebäudes erstellt. 2006 legte man Teile des Bades frei, wobei sich die Befundlage durch die Abtragungsarbeiten von 1914 deutlich verschlechtert hatte.

Digitale Rekonstruktion des Herrenhauses

Digitale Rekonstruktion des Herrenhauses

Es handelt sich um eine Villa Rustica, deren Ausstattung und Größe darauf schließen läßt, daß ihre Eigentümer wohlhabende Gutsbesitzer waren. Insbesondere das monumentale Herrenhaus mit seinen zahlreichen Nebengebäuden deutet auf luxuriöses Wohnen in der Nähe der vielbereisten römischen Schnellstraße von Köln nach Trier. In etwa 400 Metern Entfernung zur Villa verlief eine Abzweigung dieser Fernstraße, die nach Bonn führte.

Der Komplex war 250 Meter x 120 Meter groß und lag am terrassierten Osthang eines Hügels. Das Gelände war von einer Umfassungsmauer abgeschlossen und reichte bis ins Bachtal.

Grabung 1894

Grabung 1894

Bei der Villa konnten mehrere Bauperioden ermittelt werden. Der erste Bau stammte aus dem 1. Jahrhundert und wurde bis ins 2. Jahrhundert genutzt. Es handelte sich um den typisch römischen Baustil, wie er bei Landgütern in der Region verbreitet war, mit einer symmetrischen Anordnung der Gebäude und einem überdachten Porticus mit Eckrisaliten.

Im 2. Jahrhundert scheint die Villa komplett abgebrannt zu sein. Es wurde ein neues Herrenhaus mit Porticus errichtet, dazu eine ausgedehnte Bäderanlage. Im 3. Jahrhundert wurde das Gebäude noch einmal erweitert, der Hauptsaal in mehrere beheizbare Räume unterteilt. Nutzung fand bis ins 4. Jahrhundert statt, bis das Landgut (vermutlich infolge der Germaneneinfälle) aufgegeben wurde. Die archäologische Analyse ergab, das sich bereits Verfallserscheinungen kurz vor der Aufgabe feststellen lassen, so ließ man z.B. die Heizungsanlage verfallen und mauerte Fenster zu.

Blick von innen hinaus auf die Terrasse

Blick von innen hinaus auf die Terrasse

Innerhalb des Geländes wurden auch Reste von Eisenschlacken sowie Hinweise auf Eisenverhüttungsanlagen gefunden, mit denen das im Raum Blankenheim oberirdisch anstehende Eisenerz verarbeitet wurde. Wie auch bei der Eisenschmelzersiedlung von Ahrweiler kann man daraus den Schluß ziehen, daß gegen Ende der Nutzung, als die Lage in der Region unruhiger wurde, die bereits vorhandenen Gebäude des ehemals landwirtschaftlichen Landguts umfunktioniert wurden, um dort vor Ort Eisen zu produzieren, als der Nachschub über die fernen Handelsrouten nicht mehr sichergestellt war. Eine Umfunktionierung zu einer Eisenverhüttungsanlage erklärt auch, warum man ehemals wichtige Bereiche, die dem Wohnkomfort einer Gutshofsfamilie dienten – wie eine Heizung -, verfallen ließ, denn in einer qualmenden und stinkenden Industrieanlage saß sicherlich kein Gutsherr mehr gediegen auf seiner Terrasse.

Im Jahr 2010 wurde als Teil des Projekts „Erlebnisraum Römerstraße“ (eine Rad- und Wanderroute mit 94 Stationen, zu dem auch der Archäologische Landschaftspark Nettersheim gehört) ein Architekturwettbewerb für eine abstrakte Präsentation der Römervilla ausgeschrieben. Architektin Nina Delius, die den Wettbewerb gewann, erklärte, daß man sich bewußt gegen eine Rekonstruktion entschieden habe. Wichtig war auch, daß durch die Konstruktion möglichst wenig Folgekosten für die Gemeinde entstehen, wie sie durch Fassaden (die gestrichen werden müssen) oder bepflanzte Anlagen regelmäßig anfallen. Der Corten-Stahl scheint dafür das richtige Baumaterial zu sein, denn er sieht schon seit der Errichtung verrostet aus.

Eine Größenvorstellung vom Herrenhaus bekommt man schon

Eine Größenvorstellung vom Herrenhaus bekommt man schon

Auch in der Gemeinde entstand eine kontroverse Diskussion über den rostigen Monumentalbau, die vom Bürgermeister als „gute Werbung für Blankenheim“ bezeichnet wurde.

Am 11. Juli 2014 fand die offizielle Einweihung der neugestalteten Villa Rustica statt.

 

Beschreibung:

Das Gelände liegt auf einem abfallenden Hang und wurde in Form eines kleinen Parks angelegt. Gekieste Wege führen zwischen den Gebäuden hindurch. Hinweistafeln sind ebenfalls auf verrosteten Stahlplatten angebracht. Hier gibt es zur Zeit erst zwei Tafeln, wir vermuten aber (anhand der vielen herumstehenden leeren Rosttafeln), daß die einzelnen Gebäude über kurz oder lang eigene Erklärungen erhalten. Bislang hält sich der Informationsgehalt der Anlage noch in Grenzen. Lediglich die Informationstafel an einem kleinen Haus auf dem Gelände zeigt eine digitale Rekonstruktion der Villa, einen Grundriß des Geländes und einige Fotos aus der Zeit der ersten Grabung 1894.

Die Beschriftung der Infotafeln rollt sich auf

Die Beschriftung der Infotafeln rollt sich auf

Hierbei ist kritisch anzumerken, daß auch das Material, auf das die Informationen gedruckt sind, nicht wetterbeständig zu sein scheint. Wir waren Ende Juli in der Anlage (also 2 Wochen nach Eröffnung) und bereits jetzt rollen sich die Ränder der nur auf den Stahlplatten aufgeklebten Informationsschildern auf. Eine Ablösung ist nur eine Frage der Zeit. Hier sollte man sich über anderes Material und bessere Befestigung Gedanken machen.

Die einzelnen Gebäude, die überall auf dem Gelände verteilt liegen, sind mit einer rostigen Umfassung aus Corten-Stahl dargestellt innerhalb derer eine etwa fünfzig Zentimeter breite Schüttung aus grobem Stein folgt. Das Innere der Räume besteht aus einem Boden aus Metallgitter oder Schotter. Durch die Schüttungen aus Stein und die rostbraunen Trennlinien sind zwar der Verlauf der Wände, die Position der Türen und der Grundriß der Gebäude gut zu erkennen, optisch ansprechend ist das jedoch nicht.

Das Gelände wird dominiert vom Herrenhaus, das oben auf dem Hang liegt und das Landgut überblickt. Hier wurde der Porticus, d.h. die dem Gebäude vorgelagerte, überdachte Terrasse, in Stahl nachgestaltet, so daß der Besucher einen Eindruck von der Länge und Höhe des Gebäudes bekommt. Fenster und Türen sowie Säulen, die das Vordach tragen, bestehen aus rostigen Stahllamellen. Der knapp 57 Meter lange und 6 Meter hohe Säulengang war sicherlich ein imposanter Eindruck und die Größe wird auch durch das Stahlobjekt deutlich.

Die Fundamente sind kaum unter dem Glas zu erkennen

Die Fundamente sind kaum unter dem Glas zu erkennen

Die Originalfundamente sind in etwa 1,50 Meter Tiefe zum Teil zu besichtigen – wenn man denn etwas erkennt, denn auch hier wundern wir uns sehr über die Designentscheidung, sie unter (nicht begehbaren) Glasplatten zu verbergen. Das allein klingt ja nach einer guten Idee, aber leider war bei unserem Besuch durch die Glasscheiben so gut wie nichts zu erkennen, denn erst einmal spiegeln sie den Himmel stark und außerdem hatte sich unter der Scheibe starkes Kondenswasser gebildet, so daß außer gespiegeltem Himmel und massenhaft dicken Tropfen nur zu erahnen war, daß sich darunter irgendwo Mauerreste befinden. Schade! Und eine solch starke Bildung von Kondenswasser, die nur durch eine ungenügende Durchlüftung der darunter liegenden Areale wegen der offenbar zu dicht abschliessenden Glasabdeckung zu erklären ist, dürfte auch den originalen Mauern, die sich dort befinden, schaden.

Die Stahlkonstruktion, das ist stark geschmacksabhängig – das muß man nicht mögen. Man hat sich nun für diese Darstellung entschieden und muß damit leben.

Dennoch sollte aber bezüglich der anderen Probleme nachgebessert werden – die schlecht befestigten Infoschilder und die merkwürdigen Glasplatten, durch die man nichts sieht. Auch ist die Anlage noch sehr schlecht beschriftet, aber wir gehen davon aus, daß eine Beschriftung der Nebengebäude und Räume noch erfolgt und nicht rechtzeitig zur Eröffnung fertig wurde, obwohl man sich schon fragt, warum das so ist.

Hat jemand irgendwo eine römische Mauer gesehen?

Hat jemand irgendwo eine römische Mauer gesehen?

Es gibt Sitzbänke, auch auf der Stahlterrasse, von denen man seinen Blick ins Tal schweifen lassen kann. Der kleine Park ist sicherlich gut gemeint und wen die Stahlmonster nicht stören, der kann dort in Ruhe verweilen.

Aber als Fazit zum Eindruck kann man in der Tat festhalten, das Gegenteil von gut ist eben gut gemeint…für das Geld, was man für diese ‚künstlerisch wertvolle‘ Konstruktion ausgegeben hat, hätte man ohne weiteres eine dem originalen Gebäude entsprechende Präsentation mit wirklichen Säulen und nachgebautem Porticus errichten können. Der Eindruck wäre um ein Vielfaches imposanter gewesen und der Lerneffekt nicht nur auf die vermittelten Ausmasse beschränkt geblieben, wie es jetzt leider der Fall ist.

Eintritt, Öffnungszeiten, Führungen:

Der Park befindet sich in einem Wohngebiet und ist jederzeit frei zugänglich. Eintritt wird nicht erhoben.

Ob gelegentlich Führungen stattfinden, ist uns nicht bekannt, wenn ja, wurde es zumindest bislang nicht gut kommuniziert.

Sonstiges:

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Weiterführende Informationen:

 

Antike Stätten: Römisches Bad am Weiherberg in Ahrweiler

Das römische Bad versteckt sich unter der Bundesstraße

Das römische Bad versteckt sich unter der Bundesstraße

Anschrift:

Am Weiherberg, 53474 Ahrweiler

Anfahrt:

Das römische Bad liegt in einem Schutzbau unterhalb der Bundesstraße B267. Mit dem Auto kann man direkt in die kleine Straße „Am Weiherberg“ einbiegen, die sich an den Weinbergen entlangschlängelt. Offizielle Parkmöglichkeiten gibt es nicht, aber die Straße ist kaum befahren und man kann sein Auto am Rande des Weinbergs abstellen. Besser ist es, das Auto auf dem Parkplatz am Adenbachtor abzustellen und ein paar Schritte zu laufen.

Mit dem öffentlichen Nahverkehr ist das Bad sehr gut zu erreichen. Mit der Ahrtalbahn (ab Remagen / bis Ahrbrück) bis „Ahrweiler Markt“ fahren (nicht nur bis Haltestelle „Ahrweiler“!). Von dort geht man nicht bergab in den historischen Ortskern, sondern bergauf in Richtung des Rotweinwanderwegs jenseits der Brücke über die Bundesstraße. Dort befindet sich bereits die Straße „Am Weiherberg“, in die man nach rechts einbiegt. Nach einigen hundert Metern, die man der Straße durch die Weinberge folgt, erreicht man ein kleines Tor mit dem Hinweis „Römisches Bad“. Hier führt eine Treppe hinab in den Schutzbau. Oft hält sich dort auch einer der beiden ehrenamtlichen Betreuer der Anlage auf und lädt vorbeikommende Wanderer zu einem Besuch ein, so daß der Eingang nicht zu verfehlen ist.

Alternativ, wenn man aus der Innenstadt von Ahrweiler kommt, erreicht man das Bad über die Fußgängerbrücke „Im Ellig“, die hinter der Kreisverwaltung liegt.

Hintergrundinformationen:

Der Weg zum Bad führt an den Weinbergen entlang

Der Weg zum Bad führt an den Weinbergen entlang

Das Ahrtal war zu römischer Zeit dicht besiedelt.

Mit dem Sieg Caesars über Gallien wurde das von den keltischen Eburonen bewohnte Ahrtal Teil des Römischen Reichs. Hier ist eine sehr hohe Dichte an römischen Villen auszumachen, von denen allein im näheren Umkreis um Ahrweiler über 20 Stück bekannt sind. Hierbei ist die „Römervilla am Silberberg„, die als Museum ausgebaut ist, überregional bekannt und gilt als eine der besterhaltensten Villen nördlich der Alpen. Ein Muß, wenn man zu Besuch im Ahrtal ist!

Daneben finden sich im unmittelbaren Umfeld weitere antike Stätten, so eine große römische Eisenschmelzersiedlung im Ahrweiler Stadtwald „An den Maaren“, auf deren Gelände sich ebenfalls ein luxuriös ausgestatteter Gutshof fand, der über Fußbodenheizung und verglaste Fensterscheiben verfügte.

Nicht zuletzt wurde erst kürzlich direkt vor den Toren von Ahrweiler eine große keltische Siedlung entdeckt und vermessen, deren Ausmaße den Schluss nahelegen, daß es sich um das Hauptsiedlungszentrum der Eburonen handelte.

Blick auf das Praefurnium, den Raum der Befeuerungsanlage

Blick auf das Praefurnium, den Raum der Befeuerungsanlage

Bereits beim Bau der Ahrtalbahn ab 1879 und der historischen Kreisverwaltung 1894 entdeckte man die Überreste einer römischen Villa mit großem Badebereich. Sie wurden jedoch im Rahmen der Bauarbeiten ohne Dokumentation beseitigt. Bei Gleisbauarbeiten zur Erweiterung in Ahrtalbahn im Jahr 1912, im Zuge der Kriegsvorbereitungen mit Blick in Richtung Belgien, wurde der Badetrakt entdeckt. Teile des Bades neben der Bahntrasse blieben erhalten und wurde von Professor Clemen vom Rheinischen Provinzialmuseum untersucht und ausgewertet.

Danach gerieten die römischen Überreste für viele Jahre in Vergessenheit, waren der einheimischen Bevölkerung aber bekannt. So berichtete uns ein Ahrweiler „Ureinwohner“, wie er als Kind schon in den Mauerresten herumgeklettert war.

Das Heißbad mit Hypokausten

Das Heißbad mit Hypokausten

Mit dem Bau der Bundesstraße B267, bei der auch die große Villa am Silberberg entdeckt wurde, wurde das römische Bad mit einem Schutzbau aus Beton versehen, um die archäologische Stätte zu erhalten. Dann wurde die Bundesstraße über die Anlage gebaut.

Jahrelang war das römische Bad für die Öffentlichkeit nicht zugänglich und lag vergessen in seinem Schutzbau.

Zwei ehrenamtliche Mitarbeiter des Museums Römervilla, Bernd Walther und Michael Schneider, die auch bei den Grabungen in der Eisenschmelzersiedlung aktiv waren, fanden es schade, daß ein so gut erhaltenes archäologisches Denkmal nicht der Öffentlichkeit präsentiert wird, zumal das Interesse an der römischen Geschichte des Ahrtals groß ist. Sie bemühten sich darum, daß das Bad – zumindest zu bestimmten Zeiten – interessierten Besuchern gezeigt wird. Der Plan stieß bei der Kreisverwaltung auf Zustimmung, leider erfolgte jedoch keine finanzielle Beteiligung einer öffentlichen Hand, so daß die beiden Initiatoren die Präsentation und Betreuung des römischen Bades persönlich und ehrenamtlich übernahmen und aus eigenen Mitteln finanzierten. Die Ausgestaltung fand unter fachkundiger Beratung der Leitung der Römervilla am Silberberg statt.

Ein Dachziegel und ein Tubulus (Hohlziegel)

Ein Dachziegel und ein Tubulus (Hohlziegel)

Ab dem 1. April 2014 ist das römische Bad nun jeden 2. Sonntag im Monat für zwei Stunden geöffnet.

Die sehr gut erhaltenen Reste des Badetrakts stammen aus einem Gutshof wohlhabender Besitzer, der ab dem 1. Jahrhundert genutzt wurde. Das Kaltbad (Frigidarium) befand sich jenseits der heutigen Bahntrasse und ist leider zerstört. Das Heißbad, in das die Bewohner des Hauses erst nach einem Kaltbad, daran anschließendem Aufenthalt im Tepidarium und folgender Körperreinigung mit Öl stiegen, blieb allerdings erhalten.

Bei dem zu besichtigenden Gemäuer handelt es sich noch um die Originalmauern. Der (wasserfeste) römische Mörtel ist gut zu erkennen. Wasserleitungen, Teile der für die Wandbeheizung und Abluft zuständigen Hohlziegel (Tubuli) sowie eine Dachziegelplatte mit einem Pfotenabdruck sind erhalten und können besichtigt werden.

Ebenfalls gut zu sehen ist die Hypokaustenanlage. Im ersten Raum der Anlage befinden sich zwei mächtige Tuffsteinblöcke, die Teil der Befeuerungsanlage im Praefurnium waren. Im angrenzenden Raum konnte das Wasserbecken nachgewiesen werden. Die Zufuhr des heißen Wassers erfolgte über einen mit Feuer erhitzten Boiler über Bleileitungen mit Kupferhähnen.

Die Reste des Bades sind gut erhalten

Die Reste des Bades sind gut erhalten

Die Anlage deutet auf einen sehr wohlhabenden Gutsbesitzer hin. Die Villa wurde bis zum 3./4. Jahrhundert genutzt und dann (wahrscheinlich im Zuge der Frankeneinfälle) aufgegeben. Mit dem Ende des Römischen Reichs endete auch die fortschrittliche Badekultur in Europa mit ihrer sehr ausgefeilten Beheizungstechnik.

Beschreibung:

Das römische Bad ist über eine Treppe von der Straße „Am Weiherberg“ zu erreichen, die hinab in den Schutzbau unterhalb der Bundesstraße führt.

Im Vorraum des Bades wurde von den beiden Initiatoren ein kleines Museum eingerichtet, in dem einige Originalfunde aus dem Raum Ahrweiler gezeigt werden. Viele Funde gehören zur Eisenschmelzersiedlung „An den Maaren“. Zu den besonders schönen Stücken gehört eine Babyrassel, die vermutlich mit Kirschkernen gefüllt gewesen war (die Füllung ist wegen des vergänglichen Materials nicht mehr erhalten).

Die Informationstafeln sind gut gestaltet

Die Informationstafeln sind gut gestaltet

Großformatige Fotos von den Grabungen „an den Maaren“ und den dort gemachten Funden (wie einer Fußfessel, die im Küchenbereich entdeckt wurde) sowie Tafeln und Plakate mit Informationen und Zeichnungen runden das Bild ab. Hierbei ist besonders ein gezeichnetes Plakat zu erwähnen, das die Situation im Ahrtal zu römischer Zeit zeigt und in anschaulicher Weise demonstriert, wie hoch die Dichte der römischen Landgüter war.

Daneben befindet sich im Vorraum der Nachbau einer römischen Scorpio und eines Rennofens, wie er zur Eisenschmelze verwendet wurde.

Im anschließenden Raum, von den Bahngleisen nur durch ein luftdurchlässiges Gitter getrennt, befindet sich die römische Badeanlage. Hier erläutern Tafeln mit informativen Zeichnungen, wie man sich die Funktionsweise vorzustellen hat.

Im Vorraum erfährt der Besucher viele Zusatzinformationen zur römischen Zeit im Ahrtal

Im Vorraum erfährt der Besucher viele Zusatzinformationen zur römischen Zeit im Ahrtal

Die Badeanlage ist sehr gut erhalten, die einzelnen Räume mitsamt der Ansätze der Fenster sind deutlich zu erkennen. Ursprünglich war die Anlage noch gut einen Meter höher, wurde beim Bau der Bundesstraße jedoch auf die heutige Höhe „gekürzt“.

Was diese archäologische Stätte so besonders macht, ist die Betreuung durch die beiden ehrenamtlichen Mitarbeiter, Bernd Walther und Michael Schneider, die jeden Besucher individuell durch die Anlage und den Vorraum führen und dabei interessante Details zur Funktionsweise des Bades, aber auch zu den aktuellen Grabungen an den Maaren, zur Entdeckungsgeschichte und Hintergrundinformationen zur Einrichtung dieses Schutzraumes berichten können.

Beide Mitarbeiter sind über die regionale Archäologie des römischen (und keltischen) Ahrtals sehr gut informiert und geben ihr Wissen mit großem persönlichen Engagement und Leidenschaft weiter. Da sie diese Ausstellung auf eine Faust finanzieren und alleine betreuen, freuen sie sich sehr über interessierte Besucher, die ihnen beweisen, daß die Öffnung der Anlage auf Interesse stößt und deswegen wichtig ist für den Kreis Ahrweiler.

Eine sehr sehenswerte archäologische Örtlichkeit, lehrreiche persönliche Führung – ein echter Geheimtipp!

Öffnungszeiten, Eintrittspreise, Führungen:

Auch viele Informationen zur nahen Eisenschmelzersiedlung und dem aktuellen Stand der Grabung werden vermittelt

Auch viele Informationen zur nahen Eisenschmelzersiedlung und dem aktuellen Stand der Grabung werden vermittelt

Das römische Bad ist zur Zeit jeden zweiten Sonntag (in geraden Kalenderwochen) von 14 bis 16 Uhr geöffnet.

Der Eintritt ist frei! Man freut sich jedoch sehr über eine Spende, die in einer römischen Amphore am Eingang hinterlassen werden kann.

Da die beiden Initiatoren viele Pläne haben, um den Vorraum noch ansprechender zu gestalten, außerdem dringende Reparaturarbeiten durch die Belastungen der darüberliegenden Bundesstraße notwendig sind, wird jeder Euro gebraucht. Denn leider gibt es keinerlei Fördermittel von öffentlicher Hand oder dritter Seite – etwas, das uns sehr erstaunt hat, da die Stadt Ahrweiler so viel Wert auf die Präsentation ihrer römischen Geschichte legt und damit auch wirbt. Hier würden selbst kleine Beträge schon Großes bewirken. Bleibt zu hoffen, daß die Stadt den touristischen und historischen Wert dieser Einrichtung irgendwann erkennt!

Feste Zeiten für Führungen gibt es nicht; im Rahmen der Öffnung der Anlage wird jeder Besucher von den Betreuern persönlich hindurchgeführt.

Sonstiges:

Der schönste Fund: eine Rassel

Der schönste Fund: eine Babyrassel

Fotografieren ist erlaubt.

Für archäologisch Interessierte findet an einigen festen Terminen an Sonntagen ab 16 Uhr ein Treff im Schutzbau statt, wo über archäologische Themen generell, die neuste Literatur und natürlich die Archäologie des Ahrtales diskutiert wird. Die Termine sind bei den beiden Betreuern zu erfahren.

Michael Schneider bietet auch geführte archäologische Touren durch das Ahrtal an.

Der Besuch des Bades sollte auf jeden Fall auch mit einem Besuch der spektakulären Römervilla am Silberberg kombiniert werden. Wer Lust auf eine kleine Waldwanderung hat, sollte sich auch die Eisenschmelzersiedlung anschauen, die die größte römische Anlage ihrer Art nördlich der Alpen und ein bedeutendes Zeugnis römischer Industrie ist!

Weiterführende Informationen: