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Antike Stätten: Jupitersäule an der Saalburg

Die Jupitersäule ist ein beeindruckender Anblick!

Die Jupitersäule ist ein beeindruckender Anblick!

Anschrift:

An der Jupitersäule, 61350 Bad Homburg vor der Höhe

Anfahrt:

Die Jupitersäule liegt in einem kleinen parkartigen Gelände am Rundwanderweg Saalburg als Teil des Limeserlebnispfads Hochtaunus. Sie ist etwa 300 Meter vom Römerkastell Saalburg entfernt.

Das Gelände rund um die Saalburg gehört zu Bad Homburg vor der Höhe und liegt im Hochtaunus. Durch Eingabe der Anschrift ist es mit dem Auto gut zu finden.

Parkmöglichkeiten sind an der Saalburg immer etwas eingeschränkt, da es dort oft sehr voll ist. Unmittelbar am Weg zur Jupitersäule liegt ein Landgasthof, der gut besucht ist und ebenfalls für hohes Parkaufkommen sorgt, ebenso wie die vielen Wander- und Radwege, die stark frequentiert sind. Da man den Besuch der Jupitersäule aber ohnehin immer mit einem Besuch der Saalburg und des davor liegenden Mithräums verbinden wird, kann man auch auf den Parkplätzen der Saalburg oder entlang der Zufahrtsstraße parken. Bei Veranstaltungen wird einem hier bisweilen ein Parkplatz (gebührenfrei) durch Ordner zugewiesen.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist dieser Ort ebenfalls gut erreichbar, es verkehren regelmäßig Linienbusse zwischen Bad Homburg, dem nahegelegenen Hessenpark und der Saalburg.

Ansonsten kann man sich das Gebiet auch gut über diverse Taunus-Wanderwege in der reizvollen Landschaft des schwer zugänglichen Hochtaunus erwandern. Dabei erhält man gleich einen guten Eindruck davon, wie ungastlich ein Leben am Limes in dieser Region gewesen sein mag.

Hintergrundinformationen:

Die Säule befindet sich direkt am Limeserlebnispfad Hochtaunus

Die Säule befindet sich direkt am Limeserlebnispfad Hochtaunus

Die Jupitersäule ist keine „echte“ antike Stätte, wir halten sie aber trotzdem für relevant genug, um von uns in dieser Kategorie aufgeführt zu werden.

Tatsächlich wurde die Jupitersäule erst Anfang des 20. Jahrhunderts im Rahmen der Rekonstruktion des Kastells Saalburg durch Kaiser Wilhelm II als weitere „Attraktion“ zusammen mit dem Mithräum im Umfeld der Saalburg errichtet.

Nichtsdestotrotz handelt es sich dabei um kein Phantasiegebilde aus der Kaiserzeit, sondern um eine archäologisch interessante Rekonstruktion – und zudem um eine sehr beeindruckende dazu -, die einen guten Eindruck davon vermittelt, wie die zur römischen Zeit in den germanischen und gallischen Provinzen verbreiteten Jupitersäulen gewirkt haben müssen, die typisch für diese Regionen waren.

Bei der Jupitersäule handelt es sich um eine Replik einer originalen Jupitersäule aus Mainz, dem antiken Mogontiacum, die heute im Landesmuseum Mainz ausgestellt ist und in Nachbildung vor dem Landtag von Rheinland-Pfalz steht. Weitere Kopien dieser Säule stehen in Paris und Rom.

Zum Zeitpunkt der Entdeckung der Kalksteinsäule in Mainz war diese vollkommen zerstört und wurde in mühevoller Kleinarbeit aus über 2000 Einzelteilen wieder zusammengesetzt.

Der überlebensgroße Gott Jupiter Optimus Maximus schleudert Blitze

Der überlebensgroße Gott Jupiter Optimus Maximus schleudert Blitze

Die Besonderheit der Kopie an der Saalburg ist, daß es sich nicht nur um eine reine Replik der Säule aus Mainz handelt, sondern daß diese auch noch ergänzt und an den Stellen vervollständigt wurde, für die es in Mainz keine Überlieferungen gibt. Es handelt sich auch nicht, wie sonst üblich, um einen Abguss des Originals, sondern die Säule wurde von einem Bildhauer aus Kalkstein nachgefertigt.

Die Höhe der Säule beträgt 12,50 Meter. Auf ihrer Spitze thront eine überlebensgroße, stehende, komplett vergoldete Figur des Gottes Jupiter. Von dieser Statue wurden in Mainz nur wenige Bruchstücke gefunden, wie der linke Fuß, ein Finger, ein Blitz, eine Adlerklaue und ein kleines Stück des Körpers. Wahrscheinlich wurde die vergoldete Bronzestatue nach der gewaltsamen Zerstörung der Jupitersäule in Mainz eingeschmolzen. Deswegen hat man sich bei der Rekonstruktion der Gottesstatue an der Saalburg auf besser erhaltene Statuen von diversen Fundorten bezogen, um ein stimmiges und authentisches Bildnis zu erschaffen.

Zu römischer Zeit war die komplette Säule, die zahlreiche Götterdarstellungen zeigt, bunt bemalt. Dies wurde bei der Rekonstruktion nicht nachvollzogen, so daß die Säule selbst die Farbe des Kalksteins hat, aus dem sie besteht.

Eine Inschriftentafel im unteren Bereich der Säule besagt, daß die Mainzer Bürger diese Säule dem obersten Gott Jupiter Optimus Maximus zum Wohle des Kaisers Nero geweiht haben. Damit ist das Original etwa um das Jahr 59 n. Chr. datierbar, in dem Nero nur knapp einer Verschwörung entkommen war. Da Nero nach seinem Selbstmord im Jahre 68 unter die reichsweite Damnatio memoriae fiel, wurden alle Inschriftenteile, die sich auf ihn beziehen, unkenntlich gemacht. Sie sind aber nach wie vor entzifferbar.

Vor der Jupiterstatue wurde ein Weihealtar errichtet, der in Mainz zusammen mit der Säule gefunden wurde. Auch er trägt eine Inschrift, die den gleichen Inhalt hat wie die Inschrift der Jupitersäule. An den Seiten des Altars sind Gegenstände abgebildet, die für Opferhandlungen verwendet wurden.

Beschreibung:

Zu römischer Zeit waren Säulen bunt bemalt. Hier eine Skizze, die Anfang des 20. Jahrhunderts angefertigt wurde

Zu römischer Zeit waren Säulen bunt bemalt. Hier eine Skizze, die Anfang des 20. Jahrhunderts angefertigt wurde

Die 12,50 Meter hohe Jupitersäule, auf die ein gerader Fußweg zuführt, wirkt schon aus der Ferne beeindruckend, insbesondere durch die überlebensgroße vergoldete Jupiterstatue auf ihrer Spitze. Die Statue steht auf einem erhöhten Podest, davor befindet sich der Weihealtar. Umrahmt wird diese Anordnung von geschnittenen Hecken, die wie ein Zaun wirken, so daß der Bereich nur von vorne betreten werden kann.

Die Säule ist in einem guten Zustand und die Reliefs sind deutlich erkennbar.

Auf dem Sockelstein der Säule sind folgende Götter abgebildet: Hercules, Fortuna und Minerva, Jupiter, Merkur und ein nicht identifizierter Gott, möglicherweise Salus.

Darüber befindet sich ein Sockelstein mit der erwähnten Inschrift, sowie Abbildungen von Apollo und den Dioskuren Castor und Pollux. Alle Reliefs sind reich verziert.

Auch die darüberliegenden runden Säulentrommeln tragen Götterdarstellungen, es finden sich Mars, Victoria, Neptun und Diana, gefolgt von Vulcanus und Ceres (?), Roma (?) und Virtus (?). Die mit Fragezeichen gekennzeichneten Gottheiten sind nicht mit letzter Sicherheit identifiziert, aber ihre Zuordnung ist wahrscheinlich.

Die nächste Säule zeigt Vesta (?), Pax (?), Aequitas (?) und eine unbekannte Göttin.

Darüber finden sich zwei Laren, Bacchus und der Genius des Kaisers Nero (?). Auf der obersten Säulentrommel befinden sich Juno, Luna als Lenkerin einer Biga und Sol als Lenker einer Quadriga.

Herkules befindet sich auf dem Viergötterstein, der als Sockel der Säule dient

Herkules befindet sich auf dem Viergötterstein, der als Sockel der Säule dient

Auf dem korinthischen Kapitell mit Akanthusblättern schließlich steht Jupiter, der ein Blitzbündel schleudert.

Anders als in vielen Darstellungen der im gallo-römischen Raum verbreiteten Jupitergigantensäulen, handelt es sich hier um die klassische Darstellung auf einem Viergötterstein als Sockel, während sich bei vielen anderen dieser Säulen die gallo-römisch geprägte Darstellung des Jupiter im Zweikampf mit einer giganischen Schlange findet (gute Beispiele sind unter anderem im Gallo-Romeins Museum in Tongeren zu besichtigen). Bei diesem Untertypus der Jupitersäulen ist die Säule selbst geschuppt und nicht mit Götterbildern versehen. Beide Formen sind jedoch typisch für den gallo-römischen Raum nördlich der Alpen, wo sie sich jahrhundertelang großer Beliebtheit und Verbreitung erfreuten.

Da an der Jupitersäule mehrere Wander- und Radwege vorbeiführen, die stark frequentiert sind, leidet der Ort – wie so viele historische Bauten – unter dem in unserer Zeit so verbreiteten Kulturbanausentum. So befindet sich auf der Frontseite des Weihealtars leider ein neongrünes Graffiti und bei unserem letzten Besuch lag hinter dem Altar Abfall mit Essensresten und benutztem Einweggeschirr aus Plastik, wahrscheinlich, da die Treppen zur Säule zur Rast einladen.

Dafür kann natürlich die Säule nichts; sie ist auf jeden Fall ein beeindruckender Anblick und läßt den Besucher gut nachvollziehen, wie sich ein Einheimischer in den Provinzen fühlte, wenn er dem höchsten römischen Gott in Form einer solchen Präsentation gegenüberstand.

Neben der Säule befindet sich eine Informationstafel aus wilhelminischer Zeit, deren Inhalt den damaligen Forschungsstand wiedergibt. Zur Ergänzung steht am Wegrand eine moderne Informationstafel des Limeserlebnispfads Hochtaunus, die anschaulich (und mit englischer und französischer Zusammenfassung) über die Jupitersäule informiert.

Eintrittspreise, Öffnungszeiten, Zugänglichkeit

Am Wegrand befindet sich eine Infotafel

Am Wegrand befindet sich eine Infotafel

Der Ort ist jederzeit frei zugänglich. Eintritt wird nicht erhoben.

Im Frühjahr und Sommer während der Saison herrscht dort reger Wander- und Radfahrerbetrieb, der auch durch den nahegelegenen Landgasthof und die Saalburg begünstigt wird. Im Herbst und Winter hat man in dieser entlegenen Region im Hochtaunus seine Ruhe.

Sonstiges

Fotografieren ist natürlich uneingeschränkt möglich.

Auch wenn es sich um keine „originale“ antike Stätte handelt (wobei nicht auszuschließen ist, daß es auf dem Gelände der Saalburg oder im angrenzenden zivilen vicus, dessen Mauerreste und Spuren überall rund um die Saalburg zu finden sind, eine Jupitersäule gab, da diese sehr weit verbreitet waren), ist dieser Ort mit solcher Sorgfalt und Blick fürs Detail rekonstruiert, daß er heute problemlos als „Kultort“ für Jupiter Optimus Maximus genutzt werden kann. Die Darstellung des Jupiter ist respektvoll und ehrfurchtgebietend, so daß der höchste römische Gott diesem Ort sicherlich mit Wohlgefallen gegenübersteht. Außerdem war es zu römischer Zeit vollkommen üblich, diese Jupitersäulen an zahlreichen Orten aufzustellen, insbesondere an zivilen Orten wie vor Landgütern, in den Höfen von Villen und in den Städten und Ortschaften. Damit folgt man hier an der Saalburg einer guten alten römischen Tradition, wie sie jahrhundertelang in unseren Nordprovinzen üblich war. Und damit ist dieser Ort in unseren Augen „gültig“ als ein Weiheort für Jupiter, je öfter Cultores dort opfern, desto stärker wird das Numen des Gottes werden 🙂

Saalburg

Das Kastell Saalburg liegt nur 300 Meter entfernt

Ein Besuch dieser Säule sollte natürlich unbedingt mit einem Besuch des nahen Römerkastells Saalburg, dem zivilen Vicus und dem Mithräum kombiniert werden, die zu den wichtigsten römischen Sehenswürdigkeit am UNESCO-Welterbe Limes zählen.

Events und Veranstaltungen: Römermarkt in der Saalburg vom 1.-3. Mai 2015

Saalburg

Auch das Römerkastell Saalburg im Taunus ist immer eine Reise wert!

Ein langes Wochenende naht mit großen Schritten und, so Jupiter will, hoffentlich gutem Wetter!

In der Zeit vom 1. bis zum 3. Mai buhlen gleich mehrere römische Veranstaltungen um Euren Besuch. Das Schöne aber ist, daß alle Veranstaltungen sich über drei Tage erstrecken und somit nichts dagegen spricht, gleich mehrere davon zu besuchen.

Unser zweiter Tipp für dieses Wochenende:

Das Römerkastell Saalburg im Taunus bietet vom 1. bis 3. Mai einen Römermarkt. Hier kann sich der Besucher einen guten Eindruck davon machen, wie das typische römische Markttreiben in der Grenzregion am Limes aussah.

Wer immer schon das römische Marktleben kennenlernen wollte, hat hier die ideale Gelegenheit, es mit einem interessanten antiken Ort – einem aufwendig rekonstruierten Limes-Kastell – zu kombinieren, das allein schon eine Reise wert ist.

Der weitläufige Innenbereich des Kastells bietet eine gute Kulisse für eine römische Veranstaltung

Der weitläufige Innenbereich des Kastells bietet eine gute Kulisse für eine römische Veranstaltung

Die Markttreibenden bauen ihre Zelte und Stände sowohl außerhalb der Kastellmauern im vorgelagerten zivilen Dorf, dem vicus, auf, als auch innerhalb der Kastellmauern. Auf dem Markt zeigen unter anderem Schuster, Salbenhersteller, Feinschmiede, Knochenschnitzer und viele Händler ihre Waren und wie diese hergestellt werden. Auch erfährt der Besucher viel über römischen Handel und wie die Waren in die abgelegene Provinz gelangten.

Auch Mitmach-Aktionen gibt es für Kinder und Erwachsene, unter anderem Knochenschnitzen oder das Töpfern auf der Drehscheibe. Für Kinder gibt es auch Bastelaktionen und Programm mit den Legionären. Am Sonntag gibt es Zusatzprogramm: hier kann der Besucher sich eine römische Frisur machen lassen und für Kinder gibt es Ponyreiten.

Wie es sich für einen Markt gehört, haben die Besucher auch die Möglichkeit, römische Handwerksprodukte zu erwerben, unter anderem Öllampen, Wachstafeln, Glas- und Tonwaren sowie Schmuck.

Es wird im Kastell auch ein Römerlager geben. Die IV. Vindeliker Kohorte wird hier ihre Zelte aufschlagen und über römisches Militär, Alltag am Limes, Leben in einem Großkastell und den Soldatenalltag informieren. Diese Gruppe ist allen neugierigen Fragen gegenüber aufgeschlossen und erklärt und zeigt gerne ihre Ausrüstung.

Außerhalb der Kastellmauern befinden sich die Reste des zivilen vicus

Außerhalb der Kastellmauern befinden sich die Reste des zivilen vicus

Im Kastell wird außerdem der Nachbau eines römischen Lastenkahns gezeigt und erläutert. Stündlich finden fundierte archäologische Führungen durch das Kastell statt, die ebenfalls sehr empfehlenswert sind und viel Hintergrundinformationen über das große Limes-Kastell liefern!

Die Taberna des Museums bietet römische Gerichte nach überlieferten Rezepten an.

Die Saalburg und der Museumsshop sind an diesen Tagen von 9 bis 18 Uhr geöffnet (die Taberna öffnet um 10 Uhr). Der Eintritt beträgt 7€ für Erwachsene und 5€ für Kinder. Alle Aktionen und Führungen sind bereits im Eintrittspreis erhalten.

Ein Hinweis des Veranstalters: an der Saalburg stehen relativ wenige Parkplätze zur Verfügung, so daß die Veranstalter – wenn möglich – um eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln bitten. Vom Bahnhof Bad Homburg aus fährt an diesen Tagen deswegen extra die Buslinie 5 jede halbe Stunde zur Saalburg (der erste Bus fährt um 9:25h ab Bad Homburg, der letzte in Richtung Bad Homburg um 18:46h).

Download des Sonderfahrplans der Linie 5 hier (PDF)

Weitere Informationen, Anfahrtsbeschreibungen etc. auf der offiziellen Website der Saalburg.

Antike Stätten: Römerkastell Saalburg (Taunus)

Haupttor des Kastells (April 2013)

Haupttor des Kastells (April 2013)

Anschrift: 

Römerkastell Saalburg Archäologischer Park, Saalburg 1, 61350 Bad Homburg vor der Höhe.

Anfahrt:

Das Römerkastell liegt im Hochtaunus auf einem Bergkamm nördlich von Bad Homburg vor der Höhe (Hessen). Es ist gut mit dem Auto über die B456 zu erreichen und verfügt über Parkplätze entlang der Zufahrtsstraße. Bei schönem Wetter kann es hier allerdings schon einmal eng werden und die Schlange der parkenden Autos zieht sich dann fast bis hinab in das Tal.

Nach Bad Homburg gelangt man von Frankfurt aus mit der S-Bahn-Linie 5. Vom Bahnhofsvorplatz Bad Homburg aus führt dann die Stadtbuslinie 5 mehrmals täglich direkt bis zur Saalburg.

Alternativ kann man ab Frankfurt / Bad Homburg mit der Taunusbahn bis zum Bahnhof Saalburg / Lochmühle fahren und von dort am Limes entlang über einen Fußweg in ca. 45 Minuten zur Saalburg wandern.

Weiterführende Informationen:

Hintergrund:

In der Principia, dem zentralen Stabsgebäude

In der Principia, dem zentralen Stabsgebäude

Das Römerkastell Saalburg war ein römisches Militärlager am Limes, das Anfang des 2. Jahrhunderts zur Befestigung der Grenzen im freien rechtsrheinischen Germanien in Taunus und Wetterau errichtet wurde, in das die römische Armee vorgestoßen war.

Es gilt heute als das am besten erforschte und am vollständigsten rekonstruierte Kastell des Obergermanisch-Raetischen Limes (der seit 2005 UNESCO-Weltkulturerbe ist).

Das Kastell liegt auf einem Gebirgspass, der von den Ebenen des Mains in das Siedlungsgebiet der Germanen führte.

Es wurde zuerst als Holzkastell errichtet, später zu einem steinernen Kohortenkastell für 600 Mann Besatzung ausgebaut. Stationiert war dort die rätische Auxiliar-Reiterkohorte Cohors II Raetorum civium Romanorum equitata („2. teilberittene rätische Kohorte römischen Bürgerrechts“), die ursprünglich in Wiesbaden stationiert gewesen war und unter dem Legionskommando in Mogontiacum (Mainz) stand. Die Soldaten waren einheimische Hilfstruppen aus Raetien, einer römischen Provinz im Alpenvorland in der heutigen Schweiz. Sie wurden hier stationiert, weil sie mit dem rauhen Klima im Hochtaunus besser zurechtkamen als Truppen aus dem Süden.

Bald zog es auch Zivilisten an, die an den dort stationierten Soldaten verdienten – Handwerker, Händler – und es bildete sich eine zivile Siedlung (vicus) entlang der Pass-Straße. Im zweiten Jahrhundert wurde das Lager erweitert und erhielt eine Bäderanlage, eine Herberge und öffentliche Gebäude. Zusätzlich wurde dort eine zweite raetische Kohorte stationiert.

Die Siedlung wurde nach römischem Vorbild ausgebaut und mit typisch römischer Infrastruktur versehen, samt befestigten Straßen, Geschäften, Gasthäusern und öffentlichen Bädern.

Innenhof

Innenhof

Da sich das Militärlager im Grenzgebiet zum freien Germanien befand, wurde es allerdings immer wieder Ziel von germanischen Überfällen. Im Jahr 233 brannten alemannische Stämme das Dorf nieder und raubten alles, was ihnen in die Hände fiel. Nach 260 wurde der Druck insbesondere durch die Alemannen am Limes so massiv, daß er schließlich aufgegeben wurde und sich die Römer wieder hinter den Rhein zurückzogen. Das Kastell wurde ohne Kampfhandlungen planmäßig geräumt und nicht überhastet verlassen.

Das Kastell Saalburg ist das umfangreichste wiederhergestellte Limeskastell und zudem das einzige, dessen ziviler vicus ebenfalls erhalten geblieben ist und zum Teil freigelegt wurde.

Daneben gehört auch ein umfangreiches Gräberfeld und ein Mithras-Heiligtum (Mithräum) zum Gelände.

Erhaltungszustand und Aufmachung:

Wie viele römische Gebäude, diente das Römerkastell im Mittelalter und der frühen Neuzeit als Steinbruch der Einheimischen. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts erkannte man die archäologische Bedeutung und begann, das Kastell systematisch auszugraben und zu untersuchen. Kaiser Wilhelm II, der archäologisch interessiert war, ordnete schließlich im Jahr 1897 an, das Kastell auf den alten Fundamenten originalgetreu wieder aufzubauen. Beim Wiederaufbau orientierte man sich an antiken Vorbildern, so daß der Wiederaufbau heute als „annähernd authentisch“ gewertet wird.

Römische Backöfen

Römische Backöfen

In den Jahren 2003-2009 wurde das Römerkastell zu einem Archäologischen Park ausgebaut. Von 2009-2012 wurde die historische Bausubstanz saniert.

In mehreren der wieder aufgebauten Gebäude befindet sich das Saalburgmuseum, in dem Funde aus der Limesregion und dem Kastell gezeigt werden. Außerdem enthält die Anlage ein Forschungsinstitut.

Das Kastell wurde mitsamt seiner Außenmauer, Wehrgang, vier Toren und zahlreichen Gebäuden aus Stein wieder aufgebaut. Darunter finden sich die Centuriae (Mannschaftsbarracken für die einfachen Soldaten), das Horreum (Getreidespeicher, in dem heute ein Ausstellungsraum ist), das Praetorium samt Innenhof mit Brunnenmosaik (Wohnhaus des Kommandanten, in dem die Museumsverwaltung und das Forschungsinstitut untergebracht sind, das im Rahmen einer Führung aber besichtigt werden kann), die Principa (das zentrale Stabsgebäude mit großer Appellhalle und Innenhof, in dem seinerzeit Schreibstube, Amtsräume und Waffenlager waren), die Fabrica (Werkstätten, die heute für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt werden).

Einige der Bereiche sind auch von innen rekonstruiert, so kann sich der Besucher einen Eindruck von der beengten Inneneinrichtung eines Mannschaftsquartiers für 8 Personen machen und einen Eindruck vom Alltagsleben der Soldaten und Zivilisten bekommen. Einige Aspekte sind szenisch dargestellt, wie das opulente Triclinium, der Speiseraum eines Offiziers. Im Außenbereich entlang der Mauer befinden sich (funktionsfähige) römische Backöfen, in denen zu besonderen Anlässen mehrmals im Jahr römisches Brot gebacken wird. Es gibt auch ein Aedes, das Fahnenheiligtum und kultische Zentrum des Kastells, das allerdings nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen ist.

Das Fahnenheiligtum ist nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen

Das Fahnenheiligtum ist nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen

In einem der Gebäude befindet sich eine Taberna, ein Restaurant, in dem sowohl „moderne“ Speisen als auch Speisen und Getränke der Römer angeboten werden. Sie ist nach antikem Vorbild einer römischen Gaststube mit Herd, Anrichten, Backofen und Regalen eingerichtet.

Vor dem Haupttor des Kastells befinden sich die Mauerreste des (nicht aufgebauten) zivilen vicus, unter anderem des Badehauses, eines Gästehauses sowie Keller und Brunnen von Wohnhäusern. Um einen Eindruck davon zu vermitteln, wie diese zivilen Häuser aussahen, wurden zwei Rekonstruktionen errichtet, die als Kassenhaus, Limes-Informationszentrum und Museumsshop dienen.

Rund um die Saalburg führt der 2,5 km lange „Rundweg Saalburg“ am Limes entlang, der an einigen Stellen ebenfalls rekonstruiert wurde, unter anderem wird ein typischer Durchgangsposten gezeigt. Hier gibt es auch weitere archäologische Sehenswürdigkeiten, wie eine Jupitersäule und ein Mithrasheiligtum. Der Rundweg dauert etwa 45 Minuten.

Die ganze Anlage ist sehr gut erhalten und gepflegt. Ein komplett wiederaufgebautes römisches Militärlager ist eine Sensation, die man gesehen haben sollte, denn der Eindruck, der hier von einer solchen Anlage vermittelt wird, ist ein ganz anderer, als wenn man nur Mauerreste betrachtet. Insbesondere die Höhe und Größe der Gebäude und Mauern und die Architektur von Häusern und Innenhof sind sehr anschaulich.

Der Museumsbereich, der sich über mehrere Gebäude erstreckt, ist gut aufgemacht und informativ mit einer umfangreichen Sammlung von Gegenständen aus der Limesregion.

Öffnungszeiten:

Das Gelände ist sehr weitläufig

Das Gelände ist sehr weitläufig

Der Archäologische Park und das Museum sind im Winter (November bis Februar) täglich außer montags von 9-16 Uhr geöffnet, Einlaß bis 15.30 Uhr.

In der Sommerzeit (März bis Oktober) sind die Öffnungszeiten täglich von 9-18 Uhr, Einlaß bis 17:30 Uhr.

Es kann zu Abweichungen bei Abend- und Nachtveranstaltungen kommen.

Eintrittspreise und Führungen:

Erwachsene 5€, ermäßigt (Behinderte, Studenten, Rentner, ALGII-Empfänger, Wehrdienst- /Freiwilligendienstleistende) 3,50€.  Kinder unter 6 Jahren frei. Kinder von 6-18 Jahren 3€. Für Familien (2 Erwachsene mit Kindern) gibt es eine Familienkarte für 10€.

Für Hunde muß 1€ Eintritt gezahlt werden und sie müssen an der Leine geführt werden.

Es ist möglich, ein Kombiticket mit der Keltenwelt am Glauberg zu erwerben.

Der Museumsbereich mit Wegesteinen

Der Museumsbereich mit Wegesteinen

Zu Sonderveranstaltungen sind abweichende Eintrittspreise möglich.

Führungen werden mehrmals täglich (im Sommer um 11, 13 und 15 Uhr) durch archäologische Mitarbeiter durchgeführt und sind sehr empfehlenswert. Wer die Saalburg besucht, sollte unbedingt auch an der Führung teilnehmen, weil sie sehr viel Hintergrundinformationen vermittelt und außerdem die Möglichkeit bietet, in die ansonsten verschlossenen Gebäude (Praetorium und Fahnenheiligtum) zu gelangen.

Es gibt außerdem spezielle Führungen für Kinder, die sehr nett und spielerisch gemacht sind (ebenfalls parallel zu den Erwachsenenführungen um 11, 13 und 15 Uhr, so daß man seine Kinder dort parallel zur eigenen Führung gut betreut weiß). Führungen in anderen Sprachen sind auf Absprache möglich. Es gibt auch spezielle Themenführungen wie „Latein lebt“ oder „Römischer Wohnluxus“.

Regelmäßig finden Sonderveranstaltungen statt, wie Bogenbaukurse, antike Handwerkstechniken wie das Brettchenweben, Römisches Buffet, „Altertum für Ältere“ für Senioren und Gehbehinderte, Römische Abende, Kostümführungen, Vorführungen römischer Reiter und Re-enactment der Cohors Secunda, Erlebnistage mit römischen Soldaten am UNESCO-Weltkulturerbetag, Brotbacken, Vorführung römischer Getreidemühlen, „Feminae Romanae“, ein Erlebnistag mit römischen Frauen, ein Thementag „Licht in der Antike“ mit Vorträgen „die Lampe in der römischen Provinz und die erste Ölkrise Europas“, Kinder in der Römerzeit, archäologisches Ferienprogramm, Nox Romana (Nacht im Museum), römische Steinmetze und vieles mehr.

Das Jahresprogramm kann auf der offiziellen Website der Saalburg als PDF heruntergeladen werden.

Sonstiges:

Viele interessante Funde aus Militär- und Zivilleben sind im Museum ausgestellt

Viele interessante Funde aus Militär- und Zivilleben sind im Museum ausgestellt

Achtung, im Winter wird es auf dem Taunuskamm sehr kalt, oft bedeutend kälter als im Umland und im Tal. Auch bleibt Schnee hier länger liegen, was bei der Anreise durch die gebirgige Gegend zu beachten ist. Da es sich um ein Freilichtmuseum handelt, ist es auch nicht geheizt, so daß man warm gekleidet sein sollte.

Achtung! Besucher in Gewandung erhalten (anders als in anderen archäologischen Parks wie der Villa Borg oder dem Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim, wo antik Gewandete sogar ermäßigten Eintritt haben) keinen Einlass! Das gehört zum museumspädagogischen Anspruch der Saalburg, wo Wert darauf gelegt wird, daß Besucher eindeutig von Darstellern, die zum Tagesprogramm gehören, unterschieden werden können. Als Besucher müßt Ihr deswegen unbedingt in Zivil anreisen!

Der Museumsshop bietet eine gute Mischung aus römischen Devotionalen, Repliken, Büchern, Schmuck und Souvenirs an und ist gut sortiert. Hier kann auch eingekauft werden, ohne daß man den Eintritt in das Museum zahlt.

Fotografieren ist überall erlaubt.

Außerhalb der Kastellmauern befinden sich die Reste des zivilen vicus

Außerhalb der Kastellmauern befinden sich die Reste des zivilen vicus