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Antike Stätten: Tempel „Varnenum“ für Sunuxal und Varneno bei Kornelimünster

Tempelanlage Varnenum bei Kornelimünster

Tempelanlage Varnenum bei Kornelimünster

Anschrift:

Der Tempel liegt auf einem Acker in der Nähe der Breiniger Straße, 52076 Kornelimünster. GPS-Koordinaten: 50°43’47.0″N 6°11’37.0″E

Anfahrt:

Kornelimünster ist ein kleiner Ort an der Inde, einem Nebenfluß der Rur. Es liegt bei Aachen und schließt sich an den Stadtteil Aachen-Brand an.

Die Tempelanlage befindet sich etwas außerhalb von Kornelimünster an der Landstraße zwischen Kornelimünster und Breinig. Für das Navi am besten „Breiniger Straße“ eingeben.

Zwar befinden sich sowohl in Kornelimünster als auch in Breinig braune Hinweisschilder „römische Tempelanlage Varnenum“, die beide auf diese Landstraße verweisen, aber die eigentliche Einfahrt zum Tempel ist nicht ausgeschildert.

Deshalb kurz hinter der Ortsausfahrt Kornelimünster in Fahrtrichtung Breinig auf einen landwirtschaftlichen Nutzweg achten, der auf der linken Seite in die Felder abzweigt. Hier steht ein „Durchfahrt verboten in 100 Metern“-Schild. Diesem unbefestigten Weg etwa 100 Meter folgen, dann erreicht man den auf einer kleinen Anhöhe inmitten von Kuhweiden gelegenen Tempel. Vor dem Gelände ist Platz für 2 parkende Autos.

Kornelimünster war früher an die Vennbahn angeschlossen, hat heute jedoch keinen eigenen Bahnhof mehr. Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln muß deshalb per Bus aus Aachen oder Monschau erfolgen.

Für Wanderfreunde interessant: Der Eifelsteig beginnt in Kornelimünster, von wo aus er in der ersten Etappe durch die Moore des Hohen Venns führt. Der Besuch des Tempels, der nahe am Ortsausgang liegt, läßt sich also auch gut mit einer Wanderung auf dem Eifelsteig verbinden.

Eine Warnung vorab:

Wer sich überlegt, sich auf eine weite Reise zu begeben, nur um diesen Tempel zu besichtigen, sollte eines wissen: Der Tempelkomplex Varnenum ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie man mit dem antiken römischen Erbe in unserem Land nicht umgehen sollte. Erwartet deswegen auch keinen religiös inspirierenden Ort, der zu kultischen Handlungen einlädt, oder setzt zu hohe Erwartungen in dieses seltene Heiligtum der Göttin Sunuxal. Sondern macht Euch für eine etwas schockierende und ernüchternde Erfahrung bereit und die Erkenntnis, daß in unserer ehemaligen römischen, kulturell hochstehenden Provinz heute wieder die Barbaren hausen.

Aus wissenschaftlichem  Interesse oder in Verbindung mit weiteren Sehenswürdigkeiten der Region (zum Beispiel die sehr schöne Stadt Monschau oder Aachen mit seinem beeindruckenden Kaiserdom und den Schätzen Karls des Großen) kann man diesen Abstecher natürlich durchaus machen.

Hintergrundinformationen:

Der Tempel, der heute „Varnenum“ genannt wird, war eine große gallo-römische Tempelanlage von einst überregionaler Bedeutung. Magnetometrische Untersuchungen deuten auf eine Größe des Geländes von mindestens 150.000 Quadratmetern hin.

Rekonstruktionsmodell eines der beiden Haupt-Umgangstempel aus Varnenum (Museum Frankenberg, Aalen)

Rekonstruktionsmodell eines der beiden Haupt-Umgangstempel aus Varnenum (Museum Frankenberg, Aalen)

Errichtet wurde der Tempel um die Zeit von Christi Geburt auf einer leichten Anhöhe, die in römischer Zeit wahrscheinlich terrassenartig angelegt war. In unmittelbarer Nähe verlief eine wichtige römische Heerstraße, die Aachen mit der Eifel und der dort verlaufenden Via Agrippa verband, so daß der Tempel an einer befestigten Überlandstraße lag und gut erreichbar war.

Es schlossen sich mehrere Bauphasen an, in denen die Anlage systematisch erweitert wurde. Er bestand in seiner Blütezeit aus mehreren Umgangstempeln mit weitstehenden Säulen, Priestergebäuden, Schatzhäusern zur Aufbewahrung von Opfergaben und Kultgegenständen und einer 20 Meter langen Wandelhalle, sowie einem zentralen, gepflasterten Platz für Prozessionen und Kulthandlungen. Im Jahre 70 n. Chr. wurden große Teile der Anlage durch einen Brand zerstört, er wurde jedoch in größerer und erweiterter Form wieder aufgebaut.

Zum Tempel gehörte auch eine zivile Siedlung, die alles bot, was man als Pilger, Reisender und Tempelbesucher benötigte: Herbergen, Schänken, Verwaltungsgebäude, Geschäfte, Handwerksbetriebe, Wohngebäude, Versammlungsräume und Lagerhäuser. Die Größe der Anlage und die Vielzahl der Gebäude deuten auf einen stark frequentierten Tempelkomplex hin.

Zudem wurde im Umland im Bereich des heutigen Dorfes Breinig auch Galmei abgebaut, eine seltene Form des Zinks, der in der Antike ein wertvoller Rohstoff zur Herstellung von Messing war, so daß die gesamte Region zu römischer Zeit sehr belebt war.

Phosphat-Bodenanalysen zeigen, wie groß das Tempelgelände war („VarnenumVicus“ von Tympanus, lizenziert unter Copyrighted free use über Wikimedia Commons)

Phosphat-Bodenanalysen zeigen, wie groß das Tempelgelände war („VarnenumVicus“ von Tympanus, lizenziert unter Copyrighted free use über Wikimedia Commons)

Der Tempelkomplex war durch eine Temenosmauer eingefriedet. Der Zugang erfolgte durch ein Tor, das im Süden der Anlage lag. Auch die Eingänge der Umgangstempel zeigten nach Süden.

Es kann nicht genau datiert werden, bis wann der Tempel genutzt wurde. Schätzungen anhand der Fundlage gehen davon aus, daß er bis ca. 260 n. Chr. in Gebrauch war und danach aufgegeben wurde. Auch die Gründe hierfür sind nicht bekannt.

Es wird davon ausgegangen, daß diese Region schon in vorrömischer Zeit von der lokalen Bevölkerung sowohl zum Metallabbau und auch als Kultzentrum genutzt wurde, da hier vor allem lokale Götter nicht-römischen Ursprungs verehrt wurden. Aus den hier gemachten Funden, vor allem Weiheinschriften, geht hervor, daß hier vor allem zwei Gottheiten verehrt wurden: die Göttin Sunuxal, die auch aus Nettersheim, Euskirchen, Eschweiler, Zülpich, Nideggen, Köln, Bonn und Remagen bekannt ist, sowie der Gott Varneno. Über letzteren ist nichts bekannt; Inschriften, die seinen Namen nennen, kennt man ausschließlich von diesem Ort. Auch ist die etymologische Herkunft seines Namens nicht eindeutig, so daß nicht geklärt werden kann, ob er keltischen oder germanischen Ursprungs ist.

Sunuxal ist hingegen aus dem Gebiet des heutigen rheinischen Braunkohlereviers bis in die Eifel gut belegt, insbesondere aus der Zeit zwischen dem 1. und 2. Jahrhundert n. Chr.. Sie gilt als Stammesgöttin der Sunuci, ein Stamm germanischer Herkunft, dessen Führungsschicht jedoch stark keltisiert war. Da sich das Siedlungsgebiet der Sunuci auf dem Stammesgebiet der Ubier befand, wird vermutet, daß sie entweder bei diesen in der Pflicht standen oder sich von diesen als eigene Gruppe abgespaltet haben.

Der Tempelkomplex bei Kornelimünster gilt als ein zentrales Heiligtum der Sunuci für ihre Stammesgöttin Sunuxal. Diese wird als sitzende Frau in Begleitung eines Tieres dargestellt, jedoch sind die wenigen figürlichen Darstellung so beschädigt, daß weder ihr Kopf noch ihr Oberkörper erhalten geblieben ist; von ihrem tierischen Begleiter kennt man nur die Vorderbeine. Interessant jedoch ist in diesem Zusammenhang, daß aufgrund der stets fehlenden Köpfe, die möglicherweise mutwillig im Rahmen der Christianisierung abgeschlagen wurden, in der gesamten Region des westlichen Rheinlands bis heute die sogenannten „Juffernsagen“ über kopflose Frauen verbreitet sind.

Die

Die „Fossa Sanguinis“ in Neuss war wahrscheinlich eine Kultstätte der Sunuxal

Man geht heute auch davon aus, daß die sogenannte „Blutgrube der Kybele“ in Neuss eigentlich eine Kultstätte der Sunuxal war.

Mehrere Jahrhunderte lang, bis in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg, diente der Tempelkomplex als Steinbruch für die Gebäude der Umgebung, insbesondere für den Bau der nahegelegenen St. Stephanuskirche. In dieser Kirche fand man 1972 bei Ausgrabungen einen Stein, dessen Inschrift belegt, daß es sich um eine römische Weihegabe eines Mannes handelte, der Stifter eines der Gebäude des Tempelkomplexes war: „Perpetuus hat dieses Gebäude aus eigenem Vermögen gestiftet„.

Die ersten dokumentierten Ausgrabungen wurden im Jahr 1907 durchgeführt und in den Jahren 1911 bis 1924 fortgeführt.

Zu den wichtigsten damaligen Funden gehörten Fibeln, Münzen (die eine genaue Datierung des Ortes erlaubten), Nadeln, Nägel und Keramik. Die meisten dieser Funde wurden zwar schriftlich dokumentiert, gingen jedoch im 2. Weltkrieg oder aufgrund unsachgemäßer Lagerung verloren. Einige Funde befinden sich heute in einem Depot in Meckenheim, wo sie auf ihre weitere Untersuchung warten – oder darauf, in einem eigenen Museum, zum Beispiel in Kornelimünster, ausgestellt zu werden (was im Moment aber nicht wahrscheinlich zu sein scheint).

Zu den wichtigsten Funden gehören drei Votivtafeln aus Bronze, deren Inschriften die in Varnenum verehrten Gottheiten nennen:

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Events und Veranstaltungen: Römer- und Eburonenlager 2015 in Nettersheim

Im Römer- und Eburonenlager verträgt man sich gut

Im Römer- und Eburonenlager verträgt man sich – trotz keltischer Sitte des Köpfesammelns – gut

Eine besondere Gelegenheit, den Matronentempel für die Matronae Aufaniae und den dazugehörigen vicus Marcomagus mit Kleinkastell zu besuchen, ist das bevorstehende Römer- und Eburonenlager am 30. und 31. Mai 2015.

Der gallo-römische Tempel liegt inmitten des Archäologischen Landschaftsparks Nettersheim in der Eifel, in unmittelbarer Nähe zu zwei weiteren Matronentempeln (in Pesch und Zingsheim), direkt an der ehemaligen römischen Schnellstraße, der Via Agrippa von Trier nach Köln.

Der Verlauf dieser Hauptstraße ist im Archäologiepark ebenso nachvollziehbar wie der römische Ort Marcomagus, der zum einst beliebten Tempelkomplex gehörte. Hier reihten sich die Streifenhäuser der Handwerker und der Ladenbesitzer aneinander bis hinunter zum Fluß Urft, der heute von einer Brücke an der originalen Stelle gequert wird. Am anderen Ufer befand sich das kleine Kastell der örtlichen Beneficarier, die für die Aufrechterhaltung der Ordnung und das Kassieren der Zölle auf der viel befahrenen Straße zuständig waren.

Einmal im Jahr steht dieser Archäologische Park, in dem noch heute Lehrgrabungen der Universität Köln durchgeführt werden, um Marcomagus weiter zu erschließen, ganz im Zeichen der Römer und der hier ansässigen keltischen Eburonen.

Die Tempelanlage liegt auf einem Bergrücken und bietet eine tolle Aussicht über die Eifel

Die Tempelanlage liegt auf einem Bergrücken und bietet eine tolle Aussicht über die Eifel

Von Samstag, 30. Mai bis Sonntag, 31. Mai, schlagen die Römer der Legio XV Primigenia (Römerkohorte Niederrhein, Interessengemeinschaft für Römische Militär- und Kulturgeschichte im Rheinland) sowie die Eburonen des Tribus Eburones aus Euskirchen hier ihre Lager auf.

Ausgangspunkt der Veranstaltung ist das Naturzentrum Eifel mitten in Nettersheim, das auch ein kleines Museum mit Fossilien, Korallen, Informationen zu den Matronen und Römern, sowie die Natur rund um die Eifel bietet. Hier gibt es auch einen lohnenswerten Museumsshop, in dem zum Beispiel die Medusa erworben werden kann, deren Haupt den „Grünen Pütz“ ziert, den Beginn der römischen Eifelwasserleitung von Nettersheim nach Köln. Auch weitere römische Gegenstände (wie Münzrepliken) können hier – neben Büchern, Steinen, Kleidung, Produkten rund um die Eifel – erworben werden. Wenn man Glück hat, gibt es hier auch eine kleine Replik der drei aufanischen Matronen (diese sind jedoch nicht immer vorrätig).

Das Naturzentrum verfügt über ein großes Außengelände. In dieser parkähnlichen Grünanlage befindet sich das Lager der Römer und Eburonen. Besucher können hier mit den auskunftsfreudigen Darstellern fachsimpeln, sich das römische Alltags- und Legionärsleben in der Eifel erklären lassen oder von den Eburonen erfahren, wie hier das keltische Leben in vorrömischer Zeit aussah. Die Eburonen zeigen unter anderem ihren Nachbau eines keltischen Streitwagens, keltische Speisen und alte Handwerkstechniken. Im Römerlager gibt es Informationen zum Militäralltag, Vermessungstechnik und Handwerk.

Archäologen erläutern den aktuellen Stand der Ausgrabungen

Archäologen erläutern den aktuellen Stand der Ausgrabungen

Auch ist hier für das leibliche Wohl gesorgt, in dem Speisen nach original römischen Rezepten probiert werden können (natürlich gibt es auch Kaffee und Kuchen 😉 )

Mittags ist eine Pompa – ein Umzug – vom Naturzentrum zum Matronenheiligtum geplant.

Vom Naturzentrum aus führt ein gut ausgeschilderter Rundwanderweg durch den Archäologischen Landschaftspark. Zuerst erreicht der Besucher den auf einem Hügel gelegenen Matronentempel. Von dort aus folgt man dem Verlauf der Agrippastraße entlang durch den vicus Marcomagus bis hinunter zum Fluß und in das Kastell.

Während der Römer- und Eburonentage befinden sich an allen diesen Stationen fachkundige Ansprechpartner – sowohl Römer, die den vicus beleben oder ein römisches Opfer im Tempel durchführen, als auch Archäologen, die über den aktuellen Stand der Grabungen informieren und Einblicke in die aktuellen Grabungsstellen erlauben.

Ein römischer Reisewagen, von Pferden gezogen, verkehrt am Sonntag zwischen Naturzentrum Nettersheim und dem Tempel und kann ebenfalls genutzt werden.

Die Streifenhäuser von Marcomagus entlang der Via Agrippa

Die Streifenhäuser von Marcomagus entlang der Via Agrippa

Parkplätze sind im ganzen Ort ausgeschildert. Eine Anreise per Bahn ist ebenfalls gut möglich, da Nettersheim einen Bahnhof hat (der ganz in der Nähe des Naturzentrums liegt) und an die regelmäßig verkehrende Eifelbahn nach Gerolstein und Trier angeschlossen ist.

Die Veranstaltung findet an beiden Tagen von 10 – 18 Uhr statt.

Weiterführende Informationen auf der offiziellen Website des Naturzentrums Eifel.

Das Römer- und Eburonenlager gehört sicher nicht zu den „großen“ Veranstaltungen des Jahres, ist aber trotzdem ein schöner, engagierter Event in einer sehr sehenswerten und vor allem authentischen Kulisse.

Unser zusätzlicher Tipp für den römischen Touristen:

Wer sich vor allem für die Matronentempel interessiert und eine weitere Anreise hat, dem empfehlen wir, den Besuch bei dieser Gelegenheit mit den anderen beiden Tempeln zu kombinieren, die nur wenige Autominuten entfernt liegen (insbesondere der große Waldtempel bei Pesch ist sehr sehenswert, vor allem in der Abendstimmung).

Aber auch wer sich für römische Technologie interessiert, kann den Besuch des Archäologieparks mit dem römischen Brunnen und dem Beginn der Eifelwasserleitung verbinden, der sich ebenfalls in unmittelbarer Nähe befindet. Nicht zuletzt lohnt es sich, auf dem Weg nach Nettersheim kurz an der Villa Rustica von Roderath Halt zu machen.

Antike Stätten: Römischer Tempelbezirk Tawern

 

Tempelbezirk Tawern

Tempelbezirk Tawern

Anschrift

Der Tempel liegt auf einer Anhöhe im Wald oberhalb von Tawern. Keine postalische Anschrift.

Anfahrt

Der Tempelkomplex liegt auf dem Metzenberg und ist nur zu Fuß auf einer etwa 20-minütigen Wanderung bergauf durch den Wald zu erreichen.

Am Ortsrand von Tawern (gesprochen: Tawérn, abgeleitet vom lateinischen Ortsnamen Tabernae) befindet sich in der Bergstraße ein kleiner Waldparkplatz. Der Weg zum Parkplatz ist mit auffälligen Hinweisschildern „Römischer Tempel“ im ganzen Ort ausgeschildert und eigentlich nicht zu verfehlen. Für das Navigationsgerät kann als zusätzliche Hilfe die Anschrift „Bergstraße“ eingegeben werden. Kurz vor dem Parkplatz befindet sich außerdem ein Schild, das auf den nahegelegenen Vicus von Tabernae verweist, der zu dem Tempelkomplex gehört und ebenfalls besucht werden sollte, wenn man schon einmal in der Gegend ist!

Wer die Wahl hat... schnell und steil oder lang und bequem?

Wer die Wahl hat… schnell und steil oder lang und bequem?

Am Waldparkplatz befindet sich eine etwas verwitterte Hinweistafel, die auf den Merkurtempel und die jeden Sonntag stattfindenden Führungen verweist.

Von dort aus folgt man zu Fuß der asphaltierten Straße den Berg hinauf. Nach einer Biegung teilt sich der Weg; hier hat der Wanderer die Wahl, ob er den (schnelleren, aber unwegsameren und steileren) Fußweg quer durch den Wald nehmen möchte, oder dem in Serpentinen verlaufenden, längeren geteerten Weg. Letzterer ist für Radfahrer, Gehbehinderte oder Reisende mit Kinderwagen zu empfehlen, da der Fußweg doch recht unwegsam ist, besonders bei feuchtem Wetter.

Mit dem öffentlichen Nahverkehr ist Tawern per Bus aus Trier über Konz zu erreichen. Von der Bushaltestelle in der Ortsmitte sind es noch etwa 30 Minuten Fußweg bis zum Tempel. Hier sollte man sich vorher gut über die Abfahrzeiten informieren, da der öffentliche Nahverkehr nur sporadisch fährt. Wir empfehlen eine Anreise mit dem Auto.

Hintergrundinformationen

Die römische Tempelanlage auf dem Metzenberg wurde in den Jahren 1986 bis 1987 vom Rheinischen Landesmuseum Trier ausgegraben und nach Abschluß der Grabungen zum Teil rekonstruiert, um dem Besucher eine Vorstellung vom Aussehen gallo-römischer Tempelanlagen in der gallischen Provinz zu ermöglichen und die Fundamente auf diese Weise zu konservieren. Die Fundstelle selbst war bereits seit 30 Jahren bekannt, konnte jedoch bis dahin nicht gedeutet werden.

Die Rekonstruktionen befinden sich auf den originalen Fundamenten.

Die Ausgrabungen ergaben, das der Tempel vom 1. Jahrhundert n. Chr. bis in das 4. Jahrhundert genutzt wurde. Im Jahre 392 n.Chr. wurde der Tempel, wahrscheinlich im Rahmen der Christianisierung, zerstört.

Der große Merkur-Umgangstempel ist das Herzstück des Tempelbezirks

Der große Merkur-Umgangstempel ist das Herzstück des Tempelbezirks

Er lag nahe der römischen Fernstraße von Rom über Marseille und Metz nach Trier. Dazu gehörte auch der zivile Vicus Tabernae, der – wie der lateinische Name andeutet – vor allem als Raststation für Fernreisende fungierte, denn er war von Trier aus gesehen die erste Raststation an der Fernstraße.

Der Tempel lag zu dieser Zeit noch nicht im tiefen Wald, sondern die Aussicht vom unbewaldeten Metzenberg reichte bei klarem Wetter bis in das Moseltal und das ferne Trier, die Kaiserstadt Augusta Treverorum.

Eine Hauptfunktion, die den Tempelkomplex so beliebt bei Pilgern und Reisenden machte, lag darin, sich des Segens der Götter für die Reise zu vergewissern.

Der Tempelbezirk war ummauert; innerhalb der Mauern konnten sieben verschiedene Tempel unterschiedlichen Alters im terrassenförmig angelegten Gelände identifiziert werden. Die Eingänge weisen in Richtung des Tals.

Im 15 Meter tiefen und 1,05 x 1,05 Meter breiten, quadratischen Brunnen auf dem Gelände fand man zahlreiche Kultgegenstände und Münzen, architektonische Elemente, fast vollständig erhaltene Krüge und Tonfiguren, Statuen und Reliefs, die aufgrund der zeitlichen Schichtung im Brunnenschacht eine sehr genaue Datierung und Rekonstruktion des Tempelbetriebs ermöglichten. Es wird angenommen, daß die Gegenstände von den Gegnern des heidnischen Kults in den Brunnen geworfen wurden, was sich für die Archäologen als Glücksfall erwies.

Im Brunnen versenkt: Ein Relief der Göttin Epona, Schutzherrin der Pferde

Im Brunnen versenkt: Ein Relief der Göttin Epona, Schutzherrin der Pferde

Zu den wichtigsten Funden gehörte ein etwas überlebensgroßer Kopf des Gottes Merkur, der hier vor allem wegen seiner Funktion als Schutzgott der Reisenden als die Hauptgottheit des Tempelkomplexes eingestuft wurde.

Außerdem fanden sich Reliefs der in Gallien bei den Treverern sehr beliebten Göttin Epona, Weiheinschriften für Merkur und Apollo sowie ein Relief von Isis und Serapis, deren exotischer Kult hier ebenfalls geschätzt wurde. Das belegt auch der Fund eines kleines Mosaiksteins mit einer Ibis-Malerei im nahen Tabernae.

Ebenfalls ungewöhnlich sind zwei 15,5 cm große, wahrscheinlich in der heutigen Türkei hergestellte Tonfiguren der Göttin Artemis Ephesia, die an zwei Stellen im Bezirk gefunden wurden und wohl als Weihegaben von einem Händler mit hierher gebracht wurden. Alle Original-Funde befinden sich heute im Rheinischen Landesmuseum Trier.

Die Weiheinschriften belegen, daß es sich bei dem Haupttempel um einen Merkurtempel handelte. Die Inschrift des ältesten Tempels lautete:

MER[CVRIO AEDICVLA]M
GRATVS [ . . F . V.S.L]M. (votum solvit libens merito)

Übersetzung:

Dem Gott Merkur (weiht) diesen Tempel
Gratus [Sohn des . . .], er hat sein Gelübde gern entsprechend dem Verdienst eingelöst.

Später wurde dieser Inschrift eine weitere hinzugefügt, die auf den Bau des Brunnens Bezug nimmt:

CERATIVS PRIMVS
GRATI LIB. (Libertus)
CATENARIA CUM ULlA LIB[ERTAE] II
V.S.L.M. (votum solverunt libens merito)
PVTEVM CVM SVIS O[RNAMENTIS]

Ebenfalls im Brunnen gefunden: Relief von Isis und Serapis

Ebenfalls im Brunnen gefunden: Relief von Isis und Serapis

Übersetzung:

Aceratius Primus,
Freigelassener (Sklave) des Gratus (der die erste Inschrift gestiftet hatte!),
Catenaria mit Julia, zwei Freigelassene (Sklavinnen),
haben ihr Gelübde gern entsprechend dem Verdienst eingelöst (und)
diesen Brunnen mit seinen Ausrüstungsgegenständen (Ornamenten)… (gestiftet/repariert).

Heutzutage befindet sich am rekonstruierten Tempel ebenfalls eine Inschrift. Diese wurde von den leitenden Archäologen, Dr. Sabine Faust und Dr. Karl-Josef Gilles, nach römischer Sitte gestaltet:

DEO MERCVRIO
TEMPLVM SABINA EFOSSVM ET
C AEGIDIO REAEDIFICATVM
HENDRICE ET TEXTORE
PRAEFECTIS KAL AVG MCMLXXXIX

Übersetzung:

Dem Gott Merkur (geweiht)
Der Tempel wurde von Sabina (= Dr. Sabine Faust) ausgegraben und
von Carolus Aegidius (= Dr. Karl-Josef Gilles) wieder aufgebaut,
als Hendricks und Weber (Textore) Bürgermeister waren, 1. August 1989.

In der Cella des Umgangstempels befindet sich eine rekonstruierte, 2,08 Meter große Merkurstatue

In der Cella des Umgangstempels befindet sich eine rekonstruierte, 2,08 Meter große Merkurstatue

Die zeitliche Einordnung der verschiedenen Nutzungsphasen des Tempels wurde durch über 1800 gefundene Münzen ermöglicht, die aus unterschiedlichen Prägestätten aus allen Ecken des Reichs stammen. Gleichzeitig ist der Prozentsatz einheimischer Münzen ungewöhnlich gering, was auf eine überwiegende Nutzung durch Fernreisende schließen läßt.

Die ältesten Münzen sind drei keltische Münzen sowie Münzen aus der Zeit von Kaiser Augustus. An den Stückzahlen der Münzen aus den unterschiedlichen folgenden Jahren sind mehrere Wellen besonderer Beliebtheit des Tempels zu identifizieren, bevor mit dem Verbot heidnischer Kulte im ausgehenden vierten Jahrhundert kaum noch Münzen vorhanden sind. Die jüngste Münze wurde um 392 geprägt.

Beim großen Merkurtempel handelt es sich um einen typisch gallo-römischen Umgangstempel mit einem säulengetragenem Umgang. Dabei bestanden die dreizehn toskanischen Säulen, die das Pultdach des Umgangs trugen, aus hiesigem Sandstein. Dieser Tempel ist 10,80 Meter lang und 9,80 Meter breit.

Unmittelbar vor dem Umgang befinden sich Abflußrinnen aus Sandstein, die noch im Original erhalten sind.

Als Besonderheit wurde das Innere des Umgangstempels, die Cella, in der Rekonstruktion nach römischem Vorbild gestaltet. Die Wände sind – basierend auf Farbfunden in Putzresten – bunt bemalt, zudem wurde aus dem im Brunnen gefundenen Kopf eine mit 2,08 Metern überlebensgroße Merkurstatue rekonstruiert, die ebenfalls nach römischem Brauch komplett bemalt ist, wobei Farben und Pigmente verwendet wurden, die es schon in der Antike gab.

Beschreibung

Der Tempelkomplex oberhalb von Tawern ist allein deswegen, weil er fast vollständig an Ort und Stelle auf den alten Fundamenten rekonstruiert wurde, einzigartig.

Am Eingang zum Bezirk befinden sich Informationstafeln

Am Eingang zum Bezirk befinden sich Informationstafeln

Das Gelände ist von einer Mauer umgeben; ein neuer Eingang befindet sich direkt am Wanderweg. Hier sind auch zwei Informationstafeln aufgestellt; eine ältere Tafel, die über die Grabung und den Grundriss der Gebäude informiert sowie eine neuere Tafel des „Straßen der Römer“ Projektes, die Hintergrundinformationen über die Nutzung des Tempelkomplexes in römischer Zeit vermittelt.

Der originale Eingang in Richtung des Tals ist ebenfalls erhalten, so daß man den Tempelbezirk auch durch den „echten“ Eingang betreten kann.

Die einzelnen Gebäude sind auf Terrassen unterschiedlicher Höhe errichtet. Am Eingangsbereich empfängt den Besucher eine Jupitersäule, auf deren Sockel unter anderem der Gott Hercules abgebildet ist.

Alle Gebäude sind mit dezenten schwarzen Plaketten beschriftet, aus denen ihre Funktion hervorgeht.

Ablegen von Opfergaben auf dem Altar vor dem Merkurtempel

Ablegen von Opfergaben auf dem Altar vor dem Merkurtempel

Den Hauptteil des Tempels nimmt der große Merkur-Umgangstempel ein. Die Cella kann nach keltisch-römischem Brauch umgangen werden. In der bunt bemalten Cella befindet sich auf einem Sockel die bunte Staue des Gottes Merkur. Sie zu bemalen und nicht nach (modernem) Geschmacksempfinden weiß zu lassen, war eine gute Entscheidung des Vereins Römisches Tawern e.V., der die Tempelanlage betreut. So wird der verbreiteten Ansicht, im alten Rom seien alle Statuen und Monumente schneeweiß gewesen (wie man es von Statuen seit der Renaissance kennt), eine realistische Darstellung nach römischem Geschmack entgegengestellt (wie man es auch bei „Im Reich der Schatten“ im Landesmuseum Trier erleben kann, wo Grabmonumente durch Projektionen in buntesten Farben zum Leben erweckt werden). Bei der Rekonstruktion und Bemalung wurde darauf geachtet, Techniken und Farben zu verwenden, die schon zu römischer Zeit genutzt wurden. Auf den ersten Blick ist ein so bunter Merkur sicher ungewohnt für moderne Augen, aber aus pädagogischer und ästhetischer Sicht eine sehr gute Entscheidung.

Die Cella ist abgeschlossen, was wegen leider immer wieder stattfindender Vandalisierungen notwendig geworden war (so wurde Merkur erst im Dezember 2013 bei einem Einbruch der Caduceus entwendet und zerstört). Auch wurde im Innenraum des Tempels eine Videoüberwachungsanlage installiert, die aber so dezent ist, daß sie nicht zu sehen ist und auch nicht bei Kulthandlungen stört.

Der Tempelkomplex ist weitläufig und gepflegt. Vor dem Merkurtempel steht ein Weihealtar, der zum Ablegen von Opfergaben genutzt werden kann.

Auch der Brunnen wurde rekonstruiert

Auch der Brunnen wurde rekonstruiert

In einem benachbarten Tempelgebäude befinden sich, ebenfalls hinter Gittern, Repliken einiger im Brunnen gefundener Reliefs, wie dem Bildnis für Epona, sowie dem Relief von Isis und Serapis, sowie einige Keramiken.

Eine Schatzkammer im hinteren Teil des Tempelgeländes, die ursprünglich zur Aufbewahrung besonders wertvoller Kultgegenstände diente, wird zur Zeit offensichtlich als Lagerraum für Sammelsurium aller Art genutzt, so befindet sich dort eine römische Legionärsrüstung, ein Streitwagen, aber auch allerlei Zeug, das offenbar für dörfliche Brauchtumsveranstaltungen genutzt wird. Das wirkt etwas merkwürdig und stört das ansonsten einheitliche Bild.

Auch der Brunnen wurde rekonstruiert. Hier befindet sich eine Vorrichtung, in die man Münzen einwerfen kann und wodurch (angeblich) das Licht im Brunnen angeht und Wasser läuft. Das funktionierte bei uns aber leider nicht, so daß wir schließlich nach dem römischen Brauch des Münzwurfs direkt Geld durch das Abdeckgitter in den Brunnen warfen, um bei Merkur um eine Vermehrung des Geldes zu bitten.

Öffnungszeiten, Eintrittspreise, Führungen

Im Umgang des Umgangstempels. Umschreiten ist nach gallo-römischer Sitte möglich

Im Umgang des Umgangstempels. Umschreiten ist nach gallo-römischer Sitte möglich

Der Tempelbezirk ist nicht abgeschlossen und deswegen rund um die Uhr begehbar.

Der Eintritt ist frei.

Führungen bietet der Verein Römisches Tawern e.V. jeden Sonntag (Mai bis Oktober) von 14:30 bis 16:30 an, wo jeweils ein Mitglied des Vereins zum Tempel kommt und interessierte Besucher herumführt. Die Teilnahme an einer solchen Führung kostet für Erwachsene 2€, für Kinder 1€. Eine Voranmeldung ist nicht nötig.

Sonstiges

Es gibt diverse archäologische Schriften, die sich mit dem Tempelbezirk Tawern befassen. Unter anderem sind dies: „Römische Kulturdenkmäler in Tawern: der römische Vicus tabernae und der Tempelbezirk auf dem Metzenberg“, „2000 Jahre Tawern: Eine Chronik mit ausführlichen Informationen über die Geschichte Tawerns“ sowie „Funde und Ausgrabungen im Bezirk 34, Trier“ mit 3 wichtigen Beiträgen die Ausgrabungen, unter anderem über den Kopf der Merkurstatue. Diese Schriften sind bei Führungen, bei Familie Michel in der Brunnenstraße 11, sowie in der örtlichen Bäckerei und Metzgerei in der Römerstraße erhältlich!

Fotografieren ist uneingeschränkt erlaubt.

Die Aussicht vom einst unbewaldeten Metzenberg reichte an guten Tagen bis nach Trier

Die Aussicht vom einst unbewaldeten Metzenberg reichte an guten Tagen bis nach Trier

Der Tempel ist zwar jederzeit frei begehbar, liegt allerdings so tief im Wald, daß ein nächtliches Aufsuchen eine gewisse Logistik erfordert. Anwohner, die sich durch Aktivitäten gestört fühlen könnten, gibt es nicht, allerdings legt der Verein Römisches Tawern e.V. – zu Recht! – sehr viel Wert darauf, daß der Tempelbezirk geschont und pfleglich behandelt wird. Von der Durchführung wilder neuheidnischer Rituale mit Trommeln und Feuer machen, wie z.B. bei Wicca üblich, sollte abgesehen werden. Auch ist man sehr empfindlich gegenüber Vandalismus und die oft unschönen Hinterlassenschaften diverser Gruppierungen haben in dieser Tempelanlage nichts zu suchen.

Gegen ein dezentes römisches Opfer an Merkur oder die anderen hier verehrten Götter durch den römischen Cultor, sowie das Ablegen von Opfergaben auf dem Weihealtar vor dem Haupttempel hat aber niemand etwas einzuwenden.

Das Befahren des Tempelgeländes mit Fahrrädern ist verboten.

Weiterführende Informationen

Antike Stätten: Römisches Matronenheiligtum Nöthen/Pesch

 

Umgangstempel mit Cella

Umgangstempel mit Cella

Anschrift:

Der Tempel liegt im Wald und ist nur zu Fuß zu erreichen. Keine postalische Anschrift.

Anfahrt:

Der Tempelbezirk liegt in der Nordeifel, auf der Anhöhe „Addig“ inmitten des Waldes zwischen den Dörfern Nöthen (zu Bad Münstereifel gehörend) und Pesch (zu Nettersheim gehörend). Er ist nicht direkt mit dem Auto zu erreichen, sondern nur über Wanderwege.

Mit dem Auto erreicht man ihn über die A1 Abfahrt Nettersheim, Richtung Zingsheim (wo man bei der Gelegenheit gleich den ersten der drei in dieser Gegend liegenden Matronentempel besuchen kann). Bei Zingsheim auf die L206 Richtung Pesch fahren, dann durch den Ort Pesch hindurch bis zu einem Parkplatz-Schild. Ein kleiner Weg führt an den Becken der Kläranlage vorbei zu einem Wanderparkplatz, auf dem ein Holztisch mit zwei Bänken und eine große Wandertafel stehen. Ein Schild „Römertempel“ weist den Weg in den Wald. Parkmöglichkeiten sind ausreichend vorhanden.

Alternativ kann man der Landstraße noch einige Meter Richtung Nöthen folgen und erreicht dann einen zweiten Zugangsweg zum Tempel, hier mit dem Hinweisschild „Heidentempel“ beschriftet.

Weg hinauf zum Waldtempel

Weg hinauf zum Waldtempel

Der erste Zugangsweg vom Wanderparkplatz aus folgt dem Wanderweg A1 des Deutsch-Belgischen Naturparks Eifel und ist etwas spektakulärer, weil er erst einen kleinen Bach überquert und dann aus dem Flußtal herauf steil auf die Anhöhe führt. Die Entfernung beträgt etwa 300 Meter. Vom zweiten Parkplatz aus ist der Weg direkter, flacher und einfacher zu gehen, hier beträgt die Entfernung etwa 200 Meter.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Tempel so gut wie gar nicht zu erreichen. Der Tempel ist 7 Kilometer vom Naturzentrum Eifel in Nettersheim entfernt, das mit der Deutschen Bahn bis Bahnhof Nettersheim gut als Ausgangspunkt für den Besuch des dortigen Tempels genommen werden kann. Da sich alle drei Tempel im Umkreis befinden (wobei Zingsheim genau auf halber Strecke zwischen Pesch und Nettersheim liegt), bietet sich hier eine Rundwanderung oder Radtour von Nettersheim aus an. Die Strecke ist gut an einem Tag zu bewältigen und auch nicht durch starke Steigungen geprägt. Die Entfernung vom Tempel Pesch nach Zingsheim beträgt 6,5 Kilometer.

Busse nach Pesch und Nöthen fahren ab Bad Münstereifel, Schleiden und Nettersheim, jedoch nur sehr sporadisch, so daß man sich hier vorher gut informieren muß, um nicht in der Eifel zu stranden (was natürlich auch reizvoll sein kann, die Urlaubsgegend ist sehr beliebt bei Wanderern und Radfahrern).

Hintergrundinformationen:

Der Tempelbezirk Pesch ist eine gallo-römische Tempelanlage aus dem 1. bis 4. Jahrhundert n.Chr. Es handelt sich um ein Matronenheiligtum für die Matronae Vacallinehae, die in der Region sehr verbreitet waren, wie die Funde von 130 vollständigen und 150 teilerhaltenen Weiheinschriften und -steinen belegen.

Sie waren sowohl bei den einheimischen Kelten, als auch bei den von den Römern hier angesiedelten germanischen Ubiern und den römischen Einwohnern, beginnend mit den hier stationierten Legionären, sehr beliebt.

Weihestein der Matronae Vacallinehae

Weihestein der Matronae Vacallinehae

Aufgrund der geografischen Lage geht man davon aus, daß es sich hier ursprünglich um einen Baumkultort der keltischen Vacalli handelte, einem hier ansässigen eburonischen Klan / Sippe. Mit dem Beginn der römischen Besiedlung der Eifel wandelte sich die Darstellung der Matronen zur typisch römischen bildlichen Darstellung, wie man sie auf zahlreichen hier gefundenen Weihesteinen kennt und der Tempel wurde zu einer großen Tempelanlage mit mehreren Gebäuden aus Stein ausgebaut.

Neben der Cella, in der wahrscheinlich lebensgroße Statuen der Matronen standen, gab es im angrenzenden Kulthof, in dem Pilger ihre Weihesteine errichteten, auch einen kleinen Sechsecktempel für Jupiter.

Wie die anderen Matronentempel, so lag auch der Tempel von Pesch in der Nähe der vielbereisten römischen „Schnellstraße“ zwischen Köln und Trier, der Agrippastraße.

Die Tempelanlage wurde zwischen 1908 und 1913 von Hans Lehner vom Provinzialmuseum Bonn ausgegraben. Weitere Nachgrabungen fanden im Jahr 1962 statt, bei denen zahlreiche Weihesteine der Matronae Vacallinehae gefunden wurden. Die Existenz des im Volksmund als „Heidentempel“ oder „Heidenpütz“ genannten Ortes war aber schon seit dem 19. Jahrhundert bekannt.

Bei der heute vorgefundenen Tempelanlage handelt es sich um Überreste aus der 3. Bauphase im vierten Jahrhundert, in der Teile des älteren Tempels abgerissen und in großem Maßstab planmäßig neu gebaut wurden. Es handelte sich um eine große Anlage von 100 x 34 Metern Länge, die aus mehreren Gebäuden und einem großen Festplatz bestand, auf dem Prozessionen und Veranstaltungen abgehalten wurden. Für den großangelegten Umbau im vierten Jahrhundert wurden die alten Gebäude einplaniert und es wurden neben Grauwacke und rotem Sandstein auch alte Weihesteine als Baumaterial für die neuen Gebäude verwendet.

Es ist davon auszugehen, daß sich die Anlage zu einer weithin beliebten Wallfahrtsstätte entwickelte. Neben dem Umgangstempel und dem Kulthof gab es einen (aus einer älteren Bauphase stammenden) gemauerten Brunnen, der noch heute erhalten ist. Zudem gab es einen hohen Versammlungsraum – die durch Säulen unterteilte dreischiffige Basilika -, sowie etliche kleinere Gebäude. Der Tempelbezirk war mit einer Mauer und Wandelhalle samt überdachtem Porticus von 120 Metern Länge umgeben, in dem sich die Pilgerunterkünfte und Devotionalienhändler befanden.

Anfang des 5. Jahrhunderts wurde der Tempel zerstört. Die Fundsituation deutet darauf hin, daß er gewaltsam zerstört wurde und nicht, wie andere Tempel, einfach mit der Zeit verfiel.

Der Brunnen spielte seit der Anfangszeit eine wichtige Rolle bei kultischen Handlungen

Der Brunnen spielte seit der Anfangszeit eine wichtige Rolle bei kultischen Handlungen

Weihesteine überdauerten die Zeit, weil sie zweckentfremdet wurden. So stammt einer der besterhaltenen Weihesteine für die Matronae Vacallinehae aus der Pfarrkirche von Weyer in der Eifel, wo er als Altarstein diente.  Ein großer Matronen-Weihestein wurde als Grababdeckplatte eines in der Nähe von Pesch gelegenen Frankengrabes aus dem 6. Jahrhundert gefunden.

Die Originalfunde aus Pesch und Umgebung befinden sich heute im Rheinischen Landesmuseum in Bonn, darunter auch solche mit Darstellungen religiöser Opferhandlungen wie die Opferung durch einen Mann in Toga, der Weihrauch als Opfergabe auf den Altar streut, während ein Opferdiener im Hintergrund ein Kästchen mit den Opfergaben hält und ein zweiter eine Kanne und eine Schale mit Griff zur anschließenden Handwaschung bereithält. Begleitet wird die Szene von einem Musikanten mit einer Doppelflöte.

Das Gelände ist teilrestauriert, wobei die Mauern der Cella auf zwei Meter Höhe aufgemauert wurden, um dem Besucher einen besseren Eindruck der Struktur der Anlage zu vermitteln. Die anderen Gebäude und Räume sind mit niedrigeren Mauern bis ca. 1 Meter Höhe aufgemauert. Restaurierungsarbeiten zum Schutz der Anlage finden regelmäßig statt.

Beschreibung:

Der Tempel gehört zu den besterhaltenen römischen Kultanlagen in Nordrhein-Westfalen.

Von allen drei Matronentempeln in der Gegend ist die Lage des Heiligtums nahe Pesch inmitten des Waldes sicherlich die idyllischste. Auch ist dieser Tempelbezirk aufgrund der zahlreichen Nebengebäude der weitläufigste und detailreichste der drei Tempel.

Moderne Info-Tafeln vermitteln Hintergrundinformationen über die Anlage, zusammen mit kleineren, alten Tafeln, die vor den jeweiligen Gebäuden stehen. Sie sind illustriert und gut gestaltet.

Weihestein mit Opfergaben im Kulthof

Weihestein mit Opfergaben im Kulthof

Am Eingang des Tempelbezirks, wo sich die Wanderwege der beiden Parkplätze treffen, befindet sich eine Schutzhütte aus Holz, in der sich auch eine Sitzbank befindet. Sie ist schwarz gestrichen und fügt sich relativ dezent in die Waldumgebung ein.

Die innere Cella des Umgangstempels war nachweislich farbig ausgemalt. Durch die Aufmauerung auf zwei Meter Höhe und Bepflanzung mit einer Grasnarbe bekommt man einen recht guten Eindruck von den Größenverhältnissen.

Am Eingang zur Cella befinden sich zwei Weihesteine, links eine Replik des Weihesteins für die aufanischen Matronen aus Nettersheim (weil man seinerzeit, als der Tempel restauriert wurde, noch keinen geeigneten Weihestein für die vacallinehischen Matronen gefunden hatte). Mit der Entdeckung des Steins unter dem Altar der Kirche von Weyer wurde dieser Stein schließlich rechts vom Eingang aufgestellt. Die Inschrift lautet:

MATRONIS
VACALLINEHIS LUC(IUS)
CALDINIUS FIRMIN(IUS)
L(IBENS) M(ERITO)

Übersetzung:

Den vacallinehischen Matronen (hat) Lucius Caldinius Firminius gerne und nach Verdienst (sein Gelübde erfüllt)

An Farbresten konnte rekonstruiert werden, daß die Weihesteine farbig bemalt waren (wie es allgemein für römische Statuen, Götterbilder und Monumente üblich war).

Auf beiden Weihesteinen sind immer Opfergaben der Besucher zu finden und es ist auch möglich, eigene Opfergaben zu hinterlegen. Hierbei sollten jedoch einige Grundsätze beachtet werden, die nicht allen Besuchern der drei Tempel eingängig zu sein scheinen.

Die Umschreitung des Tempelinneren durch den Umgang ist möglich.

An den Umgangstempel schließt sich der Kulthof an, in dem sich früher einige Gebäude sowie ein großer Platz für die Weihesteine der Pilger und für Prozessionen und Veranstaltungen befanden. In seiner Mitte ist er leicht erhöht, was möglicherweise kultische Bedeutung hatte und auf die Herkunft des Tempels als Baumheiligtum hindeutet. Die umgebende Mauer des Kulthofes ist durch eine niedrige Mauer angedeutet, eine Infotafel informiert auch hier über die damalige Beschaffenheit und Funktion der Anlage.

In der Schutzhütte befindet sich auch eine Infotafel

In der Schutzhütte befindet sich auch eine Infotafel

In der Mitte des Hofes, auf der höchsten Erhebung, befindet sich eine Feuerstelle, die in regelmäßigem Gebrauch zu sein scheint. Daneben sind im Kulthof einige weitere Weihesteine für Matronen verteilt, die ebenfalls ständig mit Opfergaben dekoriert sind.

Vom Kulthof geht ein kleiner Fußweg hinunter zum gemauerten Brunnen, der schon aus den Anfangszeiten des Tempels stammt. Sein Wasser spielte eine wichtige Rolle für kultische Handlungen. Leider wird der Brunnen, wie üblich, immer wieder als Abfalleimer mißbraucht, obwohl man ihn mit einer massiven Eisenkonstruktion abgedeckt hat.

An den Kulthof schließt sich die Basilika an, die Versammlungshalle, die wohl profanen wie religiösen Zwecken gedient hat. Die Säulen, die die Schiffe getragen haben, sind noch als Sockel erhalten. Auch ist überliefert, daß es in ihr Sitzgelegenheiten gab. Sie ist ebenfalls von einer angedeuteten Mauer umrahmt, um die Größe zu verdeutlichen.

Die ganze Anlage ist sauber und gepflegt.

Insbesondere bei schönem Wetter ist hier einiges los, der Tempel ist beliebt bei Wanderern, Radfahrern, archäologisch interessierten Besuchern, die die „Straßen der Römer“ in der Eifel bereisen, sowie Angehörigen diverser religiöser und gesellschaftlicher Gruppierungen. Da das Gelände aber recht weitläufig ist, verläuft es sich etwas besser als in den Tempeln von Zingsheim oder Nettersheim.

Eintritt und Zugänglichkeit

Rekonstruktion des Tempels mit Prozession

Rekonstruktion des Tempels mit Prozession

Die Tempelanlage ist rund um die Uhr frei zugänglich. Eintritt wird nicht erhoben.

Der Tempel liegt mitten im Wald auf einer leichten Anhöhe, ist also nicht direkt mit dem Auto zu erreichen. Auch nächtliche Besuche sind ohne weiteres möglich. Da die Anlage etwas abseits des nächsten Ortes liegt und (vor allem im Sommer) durch den umgebenden Wald sichtgeschützt ist, ist er gut für etwaige Rituale geeignet. Man sollte jedoch damit rechnen, insbesondere bei Jahreskreisfesten wie Beltane oder Sonnenwende auch auf andere heidnische Gruppierungen, wie Germanengruppen oder Hexen aller Art zu treffen.

Sonstiges

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Der Besuch des Tempels sollte idealerweise mit einem Besuch aller drei Matronentempel in der Gegend kombiniert werden, die aufgrund ihrer unmittelbaren Nähe alle an einem Tag aufgesucht werden können.

Weiterführende Informationen

Antike Stätten: Römisches Matronenheiligtum Nettersheim

 Update Mai 2014:

Im Mai 2014 eröffnete der „Archäologische Landschaftspark Nettersheim„. Durch neue Grabungen und Erkenntnisse aus der hier noch immer laufenden archäologischen Forschung wurde der zum Tempel gehörige Vicus Marcomagus samt Kleinkastell entdeckt und zum Teil freigelegt. Noch immer forscht und gräbt dort die Universität Köln, die durch geophysikalische Bodenuntersuchungen zahlreiche weitere Gebäude entlang der Agrippastraße ermittelt hat. Das Gelände wird jetzt vor allem für Lehrgrabungen genutzt und weiter freigelegt.

Reger Betrieb anläßlich der Eröffnung des Archäologieparks am 18. Mai 2014

Reger Betrieb anläßlich der Eröffnung des Archäologieparks am 18. Mai 2014

Nun führt ein 4,5 Kilometer langer, mit „Matronenlogo“ gekennzeichneter Rundweg vom Naturzentrum Nettersheim zum Tempel. Von dort ist es möglich, der mit Schotter und einer Waldschneise angedeuteten Agrippastraße hinab zur Urft zu folgen. Streifenhäuser der hier an der vielbefahrenen Schnellstraße ansässigen Handwerker und Händler sind zum Teil restauriert. Eine Holzbrücke überquert die Urft an der Stelle der originalen Römerbrücke und führt zum Kleinkastell am anderen Ufer, in dem die Beneficarier ansässig waren, die hier besonders den Matronenkult pflegten.

Durch die Umgestaltung des Geländes wurde auch der Tempel höher aufgemauert und neusten wissenschaftlichen Erkenntissen angepaßt. Er gilt nun nicht mehr als typisch gallo-römischer Umgangstempel, sondern der Haupttempel bestand aus einem Gebäude ohne säulengetragenen Umgang.

Die Weihesteine wurden vom Eingang der Cella entfernt und rund um das Tempelgebäude aufgestellt. Hierbei wurden die Steine durch (etwas einfacher gestaltete) Repliken ersetzt, was lt. Informationen eines wissenschaftlichen Mitarbeiters des Naturzentrums auch dem Vandalismus bzw. der Souvenierjägerschaft vieler Besucher zu verdanken ist, die sich oft Stücke der alten, detaillierten Weihesteine abbrachen und diese mitnahmen.

Die Informationstafeln wurden überarbeitet und neu gestaltet.

Die Tempelanlage liegt auf einem Bergrücken und bietet eine tolle Aussicht über die Eifel

Die Tempelanlage liegt auf einem Bergrücken und bietet eine tolle Aussicht über die Eifel

Anschrift: 

Es handelt sich um ein Höhenheiligtum auf einem Bergrücken. Keine postalische Anschrift.

Anfahrt:

Der Tempel „Görresburg“ liegt im Urfttal bei Nettersheim in der Eifel. Er ist nicht direkt mit dem Auto zu erreichen, sondern muß erwandert werden.

Nettersheim ist mit dem Auto über die A1 zu erreichen. Der Ort hat auch einen Bahnhof, der von Regionalbahnen aus Köln, Trier und Gerolstein angefahren wird, so daß er für Eifelverhältnisse sehr gut erreichbar ist.

Im Ortskern von Nettersheim befindet sich das „Naturzentrum Eifel„, das als Ausgangspunkt genommen werden kann. Hier gibt es auch Parkmöglichkeiten, ein Museum zu den Themen Archäologie, Geologie und Biologie mit Museumsshop (samt Matronenrepliken!) und einem kleinem Cafe mit hausgemachtem Kuchen, Kaffee und Tee. Auch gibt es im Ort ein großes Jugendgästehaus mit einfachen Übernachtungsmöglichkeiten sowie viele Möglichkeiten zur privaten Unterkunft, da der Ort ganz auf Naturtourismus ausgerichtet ist.

Rund um Nettersheim gibt es gut ausgeschilderte Wanderrouten, wie den „Erlebnispfad“ und den „Schmetterlingspfad“, deren Pläne im Naturzentrum erhältlich sind. Der Matronentempel ist nun Teil des Archäologischen Landschaftsparks und kann auf einem gut ausgeschilderten Rundweg erwandert werden.

Vom Naturzentrum aus führt der Weg entlang der Urft über einen breiten, gut ausgebauten Wanderweg zum Hügel, auf dem das Matronenheiligtum zu finden ist. Es führen zwei Wege auf den Gipfel hinauf, ein steilerer Hohlweg am Nordhang und ein breiter, asphaltierter Weg für Gehbehinderte und Besucher mit Kinderwagen.

Der Weg zum Tempel ist stark frequentiert, da er von allen drei Matronentempeln der beliebteste und bekannteste ist. Die Entfernung vom Naturzentrum beträgt etwa 1,5 Kilometer. Neben dem Archäologischen Landschaftspark ist der Tempel an die 12 km lange Rundwanderroute „Archäologie entdecken“ angebunden, die ebenfalls am Naturzentrum beginnt und auf der unter anderem auch der Beginn der Eifeler Wasserleitung, die einst Köln mit 20 Millionen Litern Trinkwasser täglich versorgte, zu besichtigen ist (Römischer Brunnenanlage „Grüner Pütz“).

Hintergrund:

Das Matronenheiligtum liegt auf dem Rücken eines Berges oberhalb des Urfttales. Hier entdeckten Bauern im Jahr 1909 große Steine mit den Abbildern „merkwürdiger Figuren“. Archäologen identifizierten die Steine als Weihesteine für Matronen, lokale Schutz- und Fruchtbarkeitsgöttinnen, die meist in Dreiergruppen auftreten. Sie sind typisch für den Eifelraum, wo sie ursprünglich von einheimischen Kelten (wahrscheinlich den hier ansässigen Eburonen) und Germanen (von den Römern angesiedelte Ubier) verehrt wurden. Die Römer, beginnend mit den hier stationierten Legionären, übernahmen den Kult, der germanische, keltische und römische Einflüsse miteinander verschmolz, und die Matronen erlangten regional sehr große Beliebtheit. Steinerne Bilder von Matronen sind seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. bekannt.

Die Weihesteine für die Matronen

Die Weihesteine für die Matronen (Position bis 2014)

In unmittelbarer Nähe, in nur wenigen Kilometern Entfernung, liegen zwei weitere Matronenheiligtümer: der Matronentempel von Zingsheim und der „Heidentempel“ von Nöthen/Pesch, wobei Zingsheim genau in der Mitte zwischen den anderen beiden liegt, so daß angenommen wird, daß die drei Heiligtümer miteinander in Verbindung standen.

Das Bergheiligtum bei Nettersheim lag direkt an der Agrippastraße, einer vielbereisten römischen „Schnellstraße“ zwischen Köln, der Landeshauptstadt der Germania inferior und Trier, der Kaiserstadt in Gallien. Die unmittelbare Lage an der mit einer Trassenbreite von 12 Metern belegten Schnellstraße zeigt die Bedeutung des Tempels, der auf diese Weise gut von Pilgern erreicht werden konnte, aber vermutlich auch anderen Reisenden Unterkunft und Rastmöglichkeit bot. Der Verlauf der Agrippastraße ist heute im Archäologiepark mit Schotter verdeutlicht; die virtuelle Fortsetzung wird durch eine in den anschließenden Eifelwald geschlagene Schneise gezeigt.

Die Tempelanlage lag oberhalb der römischen Siedlung, die sich südlich vom Tempel am Ufer der Urft befand. Der Name der Siedlung ist nicht bekannt, da auf Bruchstücken von Wegsteinen kein Ortsname erhalten ist, lediglich der Hinweis auf den Ort, den vicus. Neue Forschungen gehen davon aus, daß es sich um den auf römischen Karten verzeichneten Ort Marcomagus handelt (der nicht mit dem einige Kilometer entfernten Marmagen identisch ist, dessen Position vermutlich in fränkischer Zeit eine Ortsverschiebung erfuhr).

Die Weihesteine sind nun rund um das Tempelgebäude aufgestellt (ab 2014)

Die Weihesteine sind nun rund um das Tempelgebäude aufgestellt

Bei ersten Ausgrabungen datierte man die Weihesteine auf etwa 200 n.Chr. Es wurde eine lange Umfassungsmauer mit Eingang und Ausgang freigelegt, die drei Gebäude umschließt, eines davon eine große Cella, sowie Brandgruben für Opferungen. Bei den Ausgrabungen fand man weitere Weihesteine, Tonscherben, Säulenreste, Keramik, Münzen, 40 Inschriftensteine und andere Stücke, die in das Rheinische Landesmuseum in Bonn gebracht wurden und die die große Bedeutung im damaligen römischen Cultus belegen. Nach den ersten Ausgrabungen wuchs die Tempelanlage wieder zu und wurde erst im Jahr 1977 erneut archäologisch untersucht. Südlich außerhalb der Umrandung wurden zudem Fundamentreste entdeckt, die zeigen, daß dort noch weitere Gebäude zu finden waren.

Im Jahr 2009 wurden durch neue geophysikalische Untersuchungsmethoden der dazugehörige Vicus und das Kastell entdeckt und zum Teil freigelegt. Im Rahmen dieser Ausgrabungen wurde auch der Tempel neu bewertet, unter anderem in einer Magisterarbeit einer Kölner Archäologiestudentin, die neue Erkenntnisse zum Aufbau und Betrieb der Kultstätte erbrachten und zur Neugestaltung der Anlage führten.

Die Cella war aus Kalkbruchstein mit Ziegeln gemauert und an den Außenmauern weiß verputzt. Ein offener, von hölzernen Säulen getragener Umgang, der bis 2009 vermutet wurde (wie man es auch vom Martberg an der Mosel sowie vom Matronentempel Pesch kennt, wo die Säulenfundamente erhalten sind), gilt heute als nicht mehr belegt und wurde in modernen Rekonstruktionszeichnungen entfernt.

Schließlich wurden die Mauerreste teilrekonstruiert und etwa 1,30 Meter hoch aufgemauert, um Besuchern eine bessere Vorstellung vom Aufbau des Tempelkomplexes zu vermitteln. Außerdem wurden Replikate der Weihesteine aufgestellt, deren Originale im Rheinischen Landesmuseum Bonn besichtigt werden können.

Verehrt wurden hier die Matronae Aufaniae, die aufanischen Matronen. Im Gegensatz zu den nur aus dieser Gegend bekannten fachineischen Matronen (die in Zingsheim verehrt wurden), waren die aufanischen Matronen in ganz Westeuropa verbreitet, so in Bonn, Köln, Jülich, Xanten, Nijmegen, Düsseldorf, Mainz, Lyon und sogar im spanischen Carmona, wie über 90 Fundstellen belegen.

Die neuen Informationstafeln des Archäologieparks sind gut gestaltet

Die neuen Informationstafeln des Archäologieparks sind gut gestaltet

Der Tempel bestand vom 1. bis zum 4. Jahrhundert. Viele der Weihesteine stammten von Angehörigen der römischen Schutztruppen (Benefiziarier, also so etwas wie Straßenpolizisten), die im Kleinkastell unterhalb des Tempels am Ufer der Urft stationiert waren und wahrscheinlich zur Legio I Minervia aus Bonn gehörten.

Die Übersetzung der Inschriften auf den drei großen, am Eingang zum Tempel aufgestellten Weihesteine lautet:

Linker Stein: „Den Aufanischen Matronen hat Marcus Pettronius Patroclus, Benefiziarier im Stabe des Statthalters und zum zweiten Male auf Posten, sein Gelübde gerne und nach ihrem Verdienst eingelöst.“

Mittlerer Stein: „Den Aufanischen Matronen hat Gaius Lucretius Fatius, Benefiziarier im Stabe des Statthalters, gerne nach ihrem Verdienst sein Gelübde eingelöst.“

Rechter Stein: „Den Aufanischen Göttinnen für das Heil des unbesiegten Kaisers Antonius hat Marcus Aurelius Agrippinus, Benefiziarier im Stabe des Statthalters, sein Gelübde gerne und nach ihrem Verdienst eingelöst.“

Da im letzten Stein der Kaiser genannt wird, läßt er sich sehr genau auf die Jahre zwischen 211 und 222 datieren.

Auf der Vorderseite zeigen alle Steine sitzende weibliche Figuren. An den Schmalseiten sind verschiedene Abbildungen zu finden, so ein Füllhorn, ein Altar mit einem Schweinekopf, sowie andere Gottheiten (zum Beispiel Venus und Herkules auf dem mittleren Weihestein).

Beschreibung:

Dieses Matronenheiligtum ist ganz sicher das bekannteste und am meisten besuchte aller in der Eifel liegenden Matronenheiligtümer. Der Weg dorthin ist landschaftlich sehr reizvoll und die exponierte Lage auf dem Bergrücken erlaubt eine uneingeschränkte Aussicht auf das Urfttal und die umliegenden Berge, Felder und Wälder der Eifel. Durch die Anlage des Archäologieparks wird der Tempel nun in einen völlig neuen Zusammenhang gestellt und durch die räumliche Nähe zur Handwerker- und Handelsstraße sowie zum Kastell ergibt sich eine viel deutlichere Vorstellung vom damaligen Betrieb, den man sich wie eine Mischung aus reger Geschäftsstraße und Pilgerverkehr in Kevelaer vorstellen kann.

Der Tempel ist gut ausgeschildert. Ein Matronenlogo weist den Weg

Der Tempel ist gut ausgeschildert. Ein Matronenlogo weist den Weg

Die Anlage ist gepflegt und sauber. Informationstafeln informieren über die Geschichte und Hintergründe dieser Tempelanlage. Sie finden sich überall entlang des Rundweges und wurden durch die Gemeinde Nettersheim aufgestellt, die den Tempel zusammen mit dem Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege betreut.

Es gibt auch eine Schutzhütte sowie die Möglichkeit zum Picknick.

Es herrscht oft reger Betrieb in der Tempelanlage, wobei das Publikum sehr gemischt ist. Sowohl Schulklassen und Wanderer auf dem Erlebnispfad des Naturzentrums suchen diesen Ort auf, als auch Angehörige diverser religiöser und gesellschaftlicher Gruppen. Von meditierenden Frauengruppen über Wicca bis hin zu Anhängern des Asatru und freien Hexen ist hier alles anzutreffen. Auch finden sich hier archäologisch interessierte Besucher, auf den Spuren der Römer durch die Eifel reisend, denn der Tempel gehört auch zu den überregionalen Zielen der „Straßen der Römer an Eifel und Mosel“, die mit einem Reiseführer zwischen summenden, singenden und trommelnden Frauen umherwandern. Chancen auf weniger Besucher hat man eher außerhalb der Ferienzeit und bei etwas bedeckterem Wetter sowie im Winter.

Auch auf den neuen Weihesteinen finden sich schon Opfergaben

Auch auf den neuen Weihesteinen finden sich schon Opfergaben

Es sind immer frische Opfergaben an den Matronensteinen zu finden. Darunter eher traditionelle Gaben aller möglichen Kulte wie Opferbrote, Blumen, Räucherwerk, Früchten, Münzen bis hin zu modernen Suggestiv-Zettelchen rat- oder heilungssuchender Frauen mit Aufschriften wie: „Ich bin stark und liebenswert“ oder kleinen, abstrakten, selbstgemachten Gemälden oder handgefertigten Figürchen aus Ton oder Stroh.

Das Ablegen eigener Opfergaben und das Räuchern stellt auch für den römisch-rekonstruktionistischen Cultor generell kein Problem dar, auch wenn man natürlich selbst entscheiden muß, ob man mit lateinischen Ritualen und römischer Kopfbedeckung unbedingt die Aufmerksamkeit von gerade anwesenden modernen Hexen auf sich ziehen möchte. Erwischt man aber einen guten Zeitpunkt, so kann man in Ruhe und ungestört die Cella umwandern.

Meistens lassen sich die Anwesenden gegenseitig in Ruhe, so fanden wir bei unserem letzten Besuch sowohl eine Frau vor, die im Schneidersitz vor den Matronensteinen saß und in ein Gebet vertieft war, als auch eine Gruppe aus drei Frauen, die leise sprechend im Umgang des Tempels saßen.

Durch die Einbettung in den Archäologischen Landschaftspark und die räumliche Nähe zum Vicus und Kastell ist nun mit höherem Besucheraufkommen zu rechnen, da die Anzahl der Sehenswürdigkeiten und ihre Präsentation nun für Touristen und Wanderer sehr attraktiv geworden ist.

Eintritt und Zugänglichkeit:

Der Tempel und der Archäologische Landschaftspark ist jederzeit frei zugänglich. Man muß allerdings zu Fuß hinwandern, da eine direkte Zufahrt mit dem Auto nicht möglich ist.

Auch nächtliche Besuche sind möglich, wobei jedoch zu beachten ist, daß die exponierte Lage auf dem Rücken des Berges im Umland weithin sichtbar ist, was insbesondere bei Feuer zu beachten ist.

Wer irgendwelche nächtlichen Rituale durchführen möchte, sollte im Auge behalten, daß es ab und zu auch germanische Gruppen nachts zu diesem Tempel zieht, deren Praktiken mit dem Cultus Deorum eher inkompatibel sind. Auch mit hexischen Aktivitäten zu besonderen Anlässen wie Beltane oder Sonnenwende ist zu rechnen.

Abgesehen davon, daß nächtliche Tempelaktivitäten in der römischen Religion, von speziellen Kulten für besondere Gottheiten einmal abgesehen, ohnehin eher unüblich waren, steht einem Besuch dieses Ortes bei Nacht um der Atmosphäre willen nichts im Wege, sofern man den Weg durch die dunkle, unbeleuchtete Eifellandschaft findet und potentielle Begegnungen mit anderen Nachtschwärmern in Kauf nimmt.

Sonstiges:

Die Anlage ist weitläufig und es gibt auch einen Unterstand, der vor Unwetter schützt

Die Anlage ist weitläufig und es gibt auch einen Unterstand, der vor Unwetter schützt

Zwischenzeitlich gab es Pläne der Gemeindeverwaltung Nettersheim, einen gigantischen hölzernen Kubus in die Cella des Tempels zu bauen. Dieses Projekt wurde – den Göttern sei Dank -nach Protesten zahlreicher Interessengruppen und der Bevölkerung gestoppt.

Fotografieren ist natürlich uneingeschränkt möglich.

Der Besuch des Tempels sollte idealerweise mit einem Besuch aller drei Matronentempel in der Gegend kombiniert werden, die aufgrund ihrer unmittelbaren Nähe alle an einem Tag aufgesucht werden können.

Auch sollte man unbedingt den kompletten Rundwanderweg gehen, um ein vollständiges Bild von der Lage des Tempels oberhalb der Schnellstraße und von der dazugehörigen Siedlung zu erhalten.

Das Naturzentrum Nettersheim bietet auch Fahrten mit einem römischen Reisewagen zum Tempel an.

Teilnahme an Wochend-Grabungscamps unter fachkundiger archäologischer Führung ist ebenfalls möglich!

Weiterführende Informationen: