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Das Lararium – der römische „Hausaltar“

Ein Lararium mit 2 Laren und Genius aus Pompeji

Ein Lararium mit 2 Laren und Genius aus Pompeji

Ein Begriff, der mit der römischen Religion, der Religio Romana (oder auch Cultus Deorum Romanorum), untrennbar verbunden ist und deshalb auch in vielen Artikeln auf unserer Seite auftaucht, ist das Lararium.

Doch worum handelt es sich dabei genau?

Ein Lararium ist, vereinfacht gesagt, ein Hausschrein oder Ort der Verehrung im privaten Haushalt, aber auch in öffentlichen Räumen wie Gaststätten, Betrieben, Werkstätten, Geschäften, Ställen, Thermen, Rasthäusern, sogar Latrinen.

Die römische Religion war in der römischen Antike in zwei Teilbereiche unterteilt: die Sacra Privata, den häuslichen oder privaten Kult eines jeden Einwohners des Römischen Reichs, der die römische Religion praktizierte und in die es keine staatliche Einmischung gab, sowie die Sacra Publica, den öffentlichen Staats- und Kaiserkult, an dem jeder Einwohner teilzunehmen hatte, um den Pax Deorum – den Frieden mit den Göttern und den Schutz des Römischen Staates durch die Götter – zu gewährleisten.

Aufwendiges Lararium aus Pompeji mit Altar und Nische für Figuren

Aufwendiges Lararium aus Pompeji mit Altar und Nische für Figuren

Das Lararium war das Kernelement der Sacra Privata und zentraler Fokus häuslicher oder privater Kulthandlungen.
Es spielte eine so zentrale Rolle im privaten Cultus, daß es in allen Bereichen des täglichen Alltagslebens zu finden war. Jeder praktizierte seine Sacra Privata am Lararium, vom wohlhabenden Hausherrn und seiner Familie bis hin zum Bediensteten und Sklaven.

Selbst auf der Arbeit oder auf Reisen kam man nicht ohne aus. Aus Pompeji sind uns Hunderte von Lararien bekannt, die dort in nahezu allen Lebensbereichen und in den unterschiedlichsten Ausprägungen gefunden wurden und zahlreiche antike Autoren schrieben über das Lararium und den Larenkult, so daß die zentrale und fundamentale Bedeutung des Larariums für die römische Religion unbestritten ist.

Überschneidungen mit der Sacra Publica gibt es bezogen auf die Lares Praestites, die die Schutzgeister der ganzen Stadt Rom und des römischen Staates waren.

Der Hausschrein oder Hausaltar

Das Lararium konnte – je nach zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten und finanziellen Mitteln – sehr aufwendig gestaltet sein oder nur aus einer kleinen Wandnische, einem Wandbild oder einem einfachen Regalbrett für einen tragbarem kleinen Altar bestehen, der nach den Kulthandlungen wieder abgebaut wurde. Die meisten Lararien bestanden aus kleinen Opfernischen, Opferplatten in der Wand oder Wandbildern, vor denen Altäre standen oder vor denen die Altäre nur vorübergehend in Form von tragbaren arulae aufgebaut wurden.

Lararium aus einer Taverne in Pompeji mit Merkur und Bacchus

Lararium aus einer Taverne in Pompeji mit Merkur und Bacchus

Häufig sind um die Bilder herum Haltevorrichtungen für Girlanden zu finden, mit denen Lararien geschmückt wurden. Girlanden spielen eine sehr wichtige Rolle im römischen Kultgeschehen und dienten dem Schmuck der Hausaltäre und Götterstatuen und -figuren daheim und in Tempeln und an öffentlichen Orten, insbesondere zu religiösen Anlässen wie Feiertagen.

Lararien hatten entweder eigene eingelassene Opferstellen oder, wenn sie in Küchen standen – einer der häufigsten Aufstellungsorte -, diente direkt das immer brennende Herdfeuer (das mit der Göttin Vesta assoziiert war) als Opferstelle.

Die Lararien in den Häusern wohlhabender Bürger waren eher Miniaturtempel, sie waren aus teuren Materialien wie Marmor gestaltet und hatten auch repräsentative Funktion, weshalb sie häufig in Eingangshallen römischer Villen zu finden waren. Daneben gab es weitere Lararien in den Privaträumen, in Schlafzimmern und auch in den Räumen der Bediensteten und Sklaven, vor allem der Küche, die für die privaten Kulthandlungen und persönlichen Anliegen der einzelnen Bewohner vorgesehen waren. Es gibt auch Hinweise auf hölzerne Lararien, von denen jedoch kaum archäologische Funde erhalten geblieben sind.

In den einfacheren Wohnungen der Masse der Bevölkerung, die – vor allem in Rom selbst – oft in beengten Verhältnissen in mehrstöckigen Mietshäusern lebten, waren die Lararien weniger aufwendig gestaltet. Einfache Wandbretter oder tragbare Mini-Altäre mußten für diesen Zweck genügen. Diese Mietswohnungen, die oft nicht einmal eine eigene Küche besaßen, hatten bisweilen ein gemeinsames Lararium im Eingangsbereich, das von mehreren Parteien genutzt wurde.

Wer wurde im Lararium verehrt?

Lararium aus Pompeji mit Opferszene, Tieropfer und Aulosspieler

Lararium aus Pompeji mit Opferszene, Tieropfer und Aulosspieler

Der Begriff „Lararium“ deutet bereits darauf hin, daß hier die „Laren“ verehrt wurden, ortsgebundene Hausgeister. Sie wurden von allen Bewohnern des Hauses gleichermaßen verehrt, von der Familie des Hausherren bis zu Bediensteten und Sklaven. Allerdings beweisen Funde aus Pompeji, daß Sklaven und Bedienstete auf der einen Seite und Familienangehörige auf der anderen Seite eigene, voneinander getrennte Lararien hatten.

Daneben wurden am Lararium auch alle anderen Kulthandlungen durchgeführt, die zur Sacra Privata gehörten: die Ahnenverehrung, die Verehrung des Genius – des persönlichen Schutzgeistes des Paterfamilias, dem Familienoberhaupt -, die Verehrung der Juno – analog zum Genius des Mannes, der weiblich gedachte Schutzgeist der Hausherrin, und die Verehrung der Penaten.

Über die kultische Praxis des Larenkultes existieren neben zahlreichen, teils sehr gut erhaltenen archäologischen Funden auch antike Textquellen, unter anderem von Plautus, Ovid, Petronius, Plutarch, Tribull, Propertius, Cato und Cicero, so daß wir uns heute ein recht gutes und umfassendes Bild über diesen zentralen Kernbereich der römischen Sacra Privata machen können. Gerade von Titus Petronius existiert eine außergewöhnlich ausführliche Beschreibung eines Larariums und der dort vorgenommenen Kulthandlungen. Das ist natürlich ein Glücksfall für den römischen Rekonstruktionisten.

Die Laren

Der Lar ist quasi der eigentliche „Besitzer“ des Hauses, des angrenzenden Grundstücks sowie der Bewohner, die auf diesem Land leben – und sein Beschützer. Er ist ortsgebunden (nicht personengebunden) und bleibt nach einem Umzug der Familie auf seinem angestammten Land und in seinem Haus. Zieht eine Familie in ein neues Haus ein, muß sie sich mit den dort ansässigen Laren arrangieren.

Tanzendes Larenpaar, Bronze-Replik nach Original-Vorlage

Tanzendes Larenpaar, Bronze-Replik nach Original-Vorlage

Er tritt alleine, paarweise oder in ganzen Gruppen auf – was sich innerhalb der römischen Antike mehrmals wandelte – und Laren tragen oft verschiedene Zusätze wie Lares familiaris oder Lares domestici. Während sich zur Zeit der Republik archäologisch nur Einzeldarstellungen des Lars in Lararien finden, tritt er ab der frühen Kaiserzeit fast ausschließlich paarweise in Form von spiegelbildlichen Figuren oder Darstellungen auf.

Den Einfluß oder auch die Macht der Laren im Haus wird sehr anschaulich in der „Aulularia“ des römischen Dichters Plautus beschrieben. In diesem Stück vernachlässigt der Hausherr die Verehrung des Lars. Deswegen verheimlicht der Lar ihm erst das Versteck eines Schatzes innerhalb des Hauses und führt schließlich sogar den vorzeitigen Tod des Hausherrn herbei. Der Tochter des Mannes jedoch, die sich immer um den Lar bemühte, ihn regelmäßig mit Aufmerksamkeit bedachte und ihm Räucherwerk, Girlanden und Wein opferte (Opfergaben, die in den Quellen häufig im Zusammenhang mit dem Hauskult genannt werden), zeigt er das Versteck des Schatzes und vermittelt ihr zudem eine glückliche Ehe.

Die Kinder des Hauses galten als seit ihrer Geburt unter dem Schutz der Hauslaren stehend. Deswegen opferten sie beim Erreichen des Erwachsenenalters auch die Symbole ihrer Kindheit am Lararium – die Jungen gaben den Laren ihre Bulla, einen Anhänger, den vor allem Jungen aus wohlhabenden römischen Familien trugen – und die Mädchen ihre Puppen.

Der Paterfamilias opfert am Lararium

Der Paterfamilias opfert am Lararium (Quelle: leider unbekannt, Informationen willkommen!)

Deswegen war es auch nicht ungewöhnlich, daß man sich noch als Erwachsener um Schutz an seine Laren wandte, wenn man vor wichtigen Lebensabschnitten stand, zum Beispiel bald das Haus verließ, um zum Militär zu gehen. Nach der Heirat, wenn die Frau in das Haus des Mannes zog, opferte sie am Lararium des neuen Hauses den dortigen Laren (die ja, wie erwähnt, ortsgebunden sind, weswegen die eigenen Laren der Frau nicht mit ihr mitzogen), um sich bei den neuen Hauslaren „vorzustellen“ und ihnen Respekt zu erweisen.

Ging ein Familienmitglied aus dem Haus und auf eine Reise, bat man die Laren um eine sichere Rückkehr dieser Person. Verließ man selbst das Haus, bat man darum, daß die Laren es in der Abwesenheit samt der zurückgebliebenen Bewohner gut bewachten. Beim Betreten des Hauses begrüßte man sie, beim Verlassen des Hauses verabschiedete man sich von ihnen, wie von einem Familienmitglied.

Laren waren für alles zuständig, was sich im Haus ereignete. Hatte man einen Gegenstand im Haus verlegt, konnte man die Laren bitten, bei der Suche zu helfen oder den Fundort zu zeigen. Bei Familienfeiern wie Geburtstagen, Geburten oder Sterbefällen zog man die Laren – wie Familienmitglieder – selbstverständlich mit ein. Auch bei den täglichen Mahlzeiten wurden die Laren einbezogen und erhielten Teile der Mahlzeit als Opfergabe. Den Laren opferte man auch privat in persönlichen Belangen, zum Beispiel nach einer glücklich überstandenen Situation, bei Rückkehr eines vermißten Familienmitgliedes und anderen Privatangelegenheiten.

Einzelner Lar, Replik aus der Zeit der Republik. Patera und Füllhorn sind nicht erhalten

Einzelner Lar, Replik aus der Zeit der Republik. Patera und Füllhorn sind nicht erhalten

Da die Laren für alle Bewohner des Hauses zuständig waren, waren sie auch für die Anliegen der Bediensteten und sogar der Sklaven zuständig, beschützten diese und halfen ihnen, wenn sie die entsprechende Verehrung durchführten. Deswegen fanden sich Lararien nicht nur in den Wohnbereichen der Hausbesitzer, sondern auch in den Küchen und Wohnbereichen des Personals.

Im Larenkult, gerade für die Lares Compitales und Laren, die für ganze Wohngebiete zuständig waren, spielen Sklaven oft eine wichtige Rolle; manche kultischen Positionen waren sogar ausschließlich Sklaven vorbehalten, was zeigt, daß der Larenkult in allen Bevölkerungsschichten gleichermaßen von zentraler Bedeutung war. Zu den Compitalia, dem Fest für die Laren, wurden in der Nacht an der Haustür wollene Figuren für jedes Mitglied der Familie des Hausbesitzers und wollene Bälle für jeden Sklaven aufgehängt.

Neben der Einbeziehung in den Alltag und die täglichen Handlungen am Lararium, erfuhren die Hausgötter besondere Verehrung zu den Iden, den Nonen und den Kalenden. Nach Cato sollen diese Kulthandlungen, wie das Schmücken mit Girlanden und das Opfern von Weihrauch und Wein, nicht vom Paterfamilias oder seiner Familie ausgeführt werden, sondern von den anderen Bewohnern des Hauses, den Angestellten oder Sklaven. Damit verdeutlicht er die Bedeutung des Hauskultes für alle Bewohner. Spätere Autoren nach Cato fordern ein besonderes Monatsopfer nur noch für die Kalenden, so daß auch hier ein Wandel in den Bräuchen und der Kultpraxis zu erkennen ist.

Penaten

Lararium mit Laren, dazu Sirona und Mercurius als Penaten oder Hausgötter

Lararium mit Laren, dazu Sirona und Mercurius als Penaten oder Hausgötter

Bei den Penaten oder Dei penates handelte es sich ursprünglich nur um eine weitere Art von Hausgeistern, die vor allem die Speisekammer bewohnten und für Wohlstand und gute Versorgung der Hausbewohner sorgten. Im Gegensatz zu den Laren galten sie nicht als ortsgebunden, sondern waren personengebunden und gingen mit der Familie bei einem Umzug mit.

Der Begriff der Penaten wurde im Laufe der römischen Geschichte aber stark erweitert und bezeichnete schließlich keine spezifischen Geister oder individuelle göttliche Mächte mehr, sondern wurde als Sammelbegriff für das Kollektiv aller im Haushalt verehrten Schutzgötter verwendet. Insofern würden sogar Laren und Genien unter den Begriff „Penaten“ fallen, jedoch wurde zumindest zwischen Penaten, Laren und Genius sprachlich unterschieden (was im heidnischen Verbotsedikt von Kaiser Theodosius I aus dem Jahr 392 deutlich wird, das diese drei Gruppen explizit nennt und unterscheidet).

Die Matronen aus der Eifel im Lararium

Die Matronen aus der Eifel im Lararium

Als Dei penates galten damit alle Götter, die zusätzlich zu den Laren und dem Genius in den Hauskult aufgenommen wurden. Hierbei gab es keinerlei Einschränkungen; jede Gottheit konnte in der Sacra Privata verehrt und als besonders wichtig oder als Tutelargottheit für die Hausbewohner in die privaten Kulthandlungen einbezogen werden – das reichte von den höchsten kapitolinischen Staatsgöttern wie Jupiter, Juno und Minerva über Lokalgötter bis hin zu Gottheiten aus fremden Kulten, die mit römischen Göttern synkretisiert wurden oder Einzug in den römischen Pantheon fanden, wie die gallo-römischen Gottheiten Sirona, Epona, Lenus, Grannus, Intarabus, aber auch ägyptische Götter wie Isis, Serapis oder orientalische Götter wie Attis und Kybele.

Lararium mit Merkur als zentraler Figur

Lararium mit Merkur als zentraler Figur

Es gab keinerlei Einschränkungen, Verbote oder Regeln, wen die Bürger in ihrer Sacra Privata im heimischen Cultus verehrten, fremde Götter waren kein Problem, so lange man sich an der Sacra Publica beteiligte und bereit war, das Staats- oder Kaiseropfer darzubringen, das quasi als Mindestanforderung die Opferung von Weihrauch vorsah. Da es dieses Staatsopfer war, das für den Schutz des Staates durch die Götter sorgte, erfüllte man damit seine Pflicht dem Staat gegenüber – lehnte man es ab, grenzte man sich nicht nur aus der Gesellschaft aus, sondern gefährdete das Gemeinwohl.

Was man privat glaubte und trieb, war unerheblich, solange es nicht die öffentliche Ordnung störte oder gar dem Staatskult zuwiderlief. Es war sogar möglich (und kam auch vor), christliche Symbole neben den Laren im Lararium aufzustellen. Das kam gerade in der Frühzeit der Entwicklung der römischen Form des Christentums vor, als das Christentum nur eine von vielen im Reich populären Mysterienkulten war. Mitglied in einem oder mehrerer dieser Kulte zu sein, daneben die römische „Mainstream“-Religion zu praktizieren und das Staatsopfer darzubringen, war kein Widerspruch, sondern normal. Problematisch wurde es nur, wenn man sich dem Staatsopfer verweigerte, was ein Merkmal der Christen war, die den Absolutheitsanspruch des Einen Gottes predigten.

Lararium eines Schmieds mit (mach original Vorbild) selbst hergestellter Vulcanius-Figur (Römerfest Haltern, 2014)

Lararium eines Schmieds mit (nach original Vorbild) selbst hergestellter Vulcanius-Figur (Römerfest Haltern, 2014)

Die Penaten, die im Lararium verehrt wurden, konnten also alle Gottheiten und Glaubensrichtungen umfassen, die im römischen Vielvölkerreich existierten. Zahlreiche kleine Larariumsfiguren und Gemälde verschiedenster Götter, wie Merkur, Vulcanus, Minerva, Venus sind überliefert und erhalten und zeigen, daß jeder Gott neben den Laren und dem Genius dort einen Platz haben konnte.

Die Auswahl, welche Gottheiten im Haus verehrt wurden und Einzug in den familiären Kult hielten, oblag dem Familienoberhaupt. Aus diesem Grunde waren die Hausgötter der Familie eher von nachrangiger Bedeutung für die anderen Bewohner des Haushalts wie Diener und Sklaven, die in der Regel ihre eigenen Gottheiten für privaten Anliegen an ihren eigenen Lararien in Küche oder Dienstbereich verehrten.

Zu den Penaten, die immer, unabhängig von den eigenen Göttervorlieben, im Lararium verehrt wurden, gehörte die Göttin Vesta. Als Göttin des Herdfeuers, die auch durch das Feuer verkörpert wurde, war sie Bestandteil jedes Larariums, jedes Haushaltes und jeder Sacra Privata, ebenso wie Janus, der als Gott der Türen, Tore, Anfänge, Eingänge eine fundamentale Bedeutung für den Schutz jedes Hauses und im Hauskult spielte.

Genius

Ein dritter wichtiger Baustein des Hauskultes ist der Genius, der ebenfalls in vielen Larariumsdarstellungen zu finden ist. Der Genius wird meist als männliche Person mit Toga und capite velato, d.h. mit verhülltem Haupt, zwischen den beiden Laren dargestellt, während er Opferhandlungen an einem Altar durchführt.

Der Genius loci in Form der Schlange windet um den Altar, der Genius paterfamilias bringt ein Opfer dar

Der Genius loci in Form der Schlange windet sich um den Altar, der Genius des Paterfamilias bringt ein Opfer dar

Hierbei handelt es sich entweder um den Genius des Paterfamilias, des Familienoberhauptes, oder – in einigen Funden – um den Genius Augusti, den Genius des Kaisers.

Der Genius wird einerseits als Schutzgeist des Familienoberhauptes angesehen, der diesen ein Leben lang begleitet. Daneben existieren zeitgleiche Quellen, aus denen hervorgeht, daß der Genius als dem Familienoberhaupt innewohnend angesehen wurde, also nicht als unabhängige Wesenheit von diesem existiert.

Schon in der römischen Kaiserzeit wurden diese widersprüchlichen Ansichten diskutiert und sie existierten nebeneinander (besonders ausführlich diskutiert von Censurinus im 3. Jahrhundert), ohne daß dieser Widerspruch ein Problem darstellte – die römische Religion war immer eine Religion der Orthopraxie, in der rechtes Handeln das entscheidende Element war.

Bronzefigur eines Genius

Bronzefigur eines Genius

Es gab keine Orthodoxie, also einheitliche theologische Lehre, die dem Gläubigen vorschrieb, was er in Bezug auf Natur der Götter, Jenseitsvorstellungen oder Natur der Geister zu glauben hatte. Ein solches Dogma existierte, anders als im späteren Christentum, nicht und sorgte dafür, daß in philosophischen Kreisen eine freie Diskussionskultur über Glaubensfragen blühte, während sich der „normale“ Praktizierende meist gar nicht mit diesen theoretischen Fragen auseinandersetzte, weil sie für seine Kultpraxis schlicht und einfach unerheblich waren. Jeder konnte sich seine eigene Vorstellung über das Göttliche und „Übermenschliche“ machen, ohne daß eine Theorie davon falscher oder richtiger war als eine andere oder praktische Konsequenzen hatte.

Deswegen gibt es aus der römischen Antike unterschiedliche Ansichten darüber, welcher Natur der Genius war. Gleiches gilt analog für die Juno der Frau, die nicht mit der kapitolinischen Göttin Juno verwechselt werden darf, sondern das weibliche Äquivalent zum Genius darstellte. Ihre Verehrung stand in den Haushalten im Mittelpunkt, in denen eine Frau der Haushaltsvorstand war. Es sind einige Lararienbilder überliefert, die statt dem Genius eine Juno als zentrale opfernde Figur zwischen den Laren zeigt, jedoch sind diese Darstellungen deutlich seltener als die „Standarddarstellung“ eines Genius zwischen zwei Laren, die die Mehrzahl der erhaltenen Lararien schmückt.

Daneben gibt es auch Lararienmotive, die keinen Genius zeigen und in die Mitte eine Gottheit – also eine der Penaten – rücken, wie eine personifizierte Darstellung der Göttin Vesta aus dem Lararium einer Bäckerei in Pompeji.

Detailaufnahme eines Genius aus einem Lararium aus Pompeji

Detail eines Genius aus einem Lararium aus Pompeji

Der Genius (seltener die Juno) bringt in Larariendarstellungen immer ein Opfer an einem Altar dar, entweder ein Weihrauchopfer, oder er gießt ein Trankopfer über einer Opferflamme aus.

Ein Mann feiert an seinem Geburtstag seinen Genius und eine Frau ihre Juno. Dieser Brauch ist in zahlreichen Quellen beschrieben. An diesem Tag wird der Genius als Genius Familiaris von der ganzen Familie verehrt, auch von den zugereisten Verwandten, die anläßlich dieser Feier zu Besuch sind. Am Geburtstag einer nahestehenden, aber abwesenden Person war es auch üblich, in Abwesenheit ein Opfer für deren Genius zu bringen. Am 22. Februar wurde zudem die Carista gefeiert, ein Fest, an dem „gute“ nahestehende Verwandte den Hausgöttern ein Opfer darbrachten.

Es gibt Beschreibungen von Opfern für den Genius als auch für die Juno an brennenden und blumenumkränzten arae, kleinen Altären, deren Aufstellungsort nicht ganz eindeutig ist – ob sie sich vor oder im unmittelbaren Umfeld des Larariums befanden oder einen eigenen Ort im Haus hatten.

Genius loci

Genius loci des Bodens rund um den Vesuv, Darstellung mit Bacchus, aus Pompeji

Genius loci des Bodens rund um den Vesuv, Darstellung mit Bacchus, aus Pompeji

Ebenfalls am Lararium verehrt wurde der Genius loci, der Geist des Ortes, der nicht mit den ebenfalls ortsgebundenen Laren und Schutzgeistern des Ortes, identisch ist. Er wurde überwiegend in Form der Schlange verehrt, die im römischen Reich als Glückssymbol und positives Bild zu verstehen ist. Auch darf der Genius loci nicht mit dem zuvor beschriebenen Genius Paterfamilias verwechselt werden.

Die Schlange findet sich in der überwiegenden Mehrzahl der erhaltenen Lararien, was auf die große Bedeutung dieses Elements hinweist.

Alle Orte hatten ihren eigenen Genius loci, nicht nur Häuser, auch natürliche Orte wie Steine, Flüsse, Berge, Sträucher, Seen, Vulkane und wichtige Bereiche wie Türen, Tore, Brücken, Straßen oder Kultplätze. Dabei konnten selbst kleinste Teilbereiche des Lebens ihren eigenen Genius loci haben, wie ein Keller, ein Zimmer oder das Bett, aber auch größere Gebiete wie ganze Städte, Stadtteile, Theater, Märkte und sogar Regionen wie Wüsten oder Provinzen wie Pannonien oder Britannien.

Römer, die auf Reisen waren, brachten unterwegs immer dem „unbekannten Geist des Ortes„, an dem sie weilten, ein Opfer dar, um diesen wohlwollend zu stimmen. Die Gefahr, den Genius loci des Ortes zu ignorieren und dadurch zu verägern, war sonst zu groß. Neben der Darstellung von Schlangen in Lararien und an Wegesteinen kennen wir sie auch aus Weiheinschriften die dem „unbekannten Geist des Ortes“ gewidmet sind.

Aussehen und Einrichtung des Larariums

Wie bereits ausgeführt, enthält das typische Lararium Repräsentationen der vier zuvor beschriebenen Elemente oder Gruppen, die an ihm verehrt werden.

Aufwendiges Lararium aus Pompeji

Aufwendiges Lararium aus Pompeji

Hierbei unterscheiden sie sich in Aufwendigkeit, Herstellungsart und Stil je nach Epoche der römischen Geschichte, nach Region und finanziellen Mitteln der Besitzer. Die Kernelemente jedoch sind meistens gleich oder zumindest so ähnlich, daß sie immer gut zu identifizieren sind. Daraus läßt sich ableiten, daß am Lararium zwar die Sacra Privata praktiziert wurde und die dort verehrten Gottheiten sich stark unterscheiden konnten, daß die grundlegende Kultpraxis im ganzen Reich und in allen Bevölkerungsgruppen jedoch einheitlich und traditionell begründet war.

Aus den Hunderten erhaltenen Lararien, Larariumsbildern und Figuren geht nicht hervor, daß es große Abweichungen oder Varietäten gab; diese finden sich ausschließlich bei den Penaten, die frei wählbar waren. Die anderen Kernelemente – Laren, Genius / Juno und Schlange – sind durchgängig durch die Zeiten und in allen Provinzen zu finden.

Dem liegt das römische Religionsverständnis zugrunde, daß die Einhaltung der korrekten, einheitlichen, überlieferten Form bei der Durchführung eines Rituals oder eine Kulthandlung eine wichtigere Rolle spielt als Gedanken darüber, warum man eine Handlung auf die eine oder andere Weise durchführt oder welcher Natur diejenigen sind, denen man opfert. Das ging so weit, daß man ein Ritual oder eine Kulthandlung von vorne begann, wenn man sich im Ablauf vertan hatte oder sich versprach. Insbesondere im Staatskult wurde peinlichst genau auf die einhundertprozentig korrekte Durchführung geachtet, um die Götter nicht zu verärgern, in deren Hände man schließlich den Schutz des Römischen Reiches legte.

Äußere Gestaltung

Die äußere Gestaltung des Larariums war vielfältig. Neben aufwendigen kleinen Tempeln aus Marmor mit Säulen und Dach gab es große und kleine Wandnischen, Wandvorsprünge oder andere größere oder kleinere Schreine, die Bauwerken nachempfunden waren.

Lararium mit Vesta-Motiv aus Pompeji, einem Lar, Sirona und Mater Magna

Lararium mit Vesta-Motiv aus Pompeji, einem Lar, Sirona und Mater Magna

Um viele Lararien befanden sich spezielle Haltevorrichtungen für Girlanden und Kränze, an denen man die in den Quellen beschriebene Praxis des Schmückens erkennen kann.

Die Rückwand des Larariums, oft auch die umgebende Wand, war meist bemalt. Hierbei fällt auf, daß in den repräsentativen Lararien der teuren römischen Villen interessanterweise in den Larariumsmalereien fast nie Laren und Genius dargestellt sind, sondern nur Hintergrundmalereien wie Girlanden oder Landschaften, Attribute, Orte und die Schlange. Gemalte Darstellungen von Genius, Laren und Göttern sind immer nur in den Lararien im Wohnbereich, in Privaträumen und in den Räumen des Gesindes zu finden.

Deswegen wird in der Forschung davon ausgegangen, daß das Malen szenischer Darstellungen in Lararien als „billige“ Lösung galt und man in den repräsentativen Lararien stattdessen teure Bronze- oder Steinfiguren aufstellte, die Laren und Genius repräsentierten und die vor dem bemalten Hintergrund dekorativ in Szene gesetzt wurden.

Merkur-Larariumsfigur aus dem vicus Eisenberg / Pfalz (Bronzereplik)

Merkur-Larariumsfigur aus dem vicus Eisenberg / Pfalz (Bronzereplik)

Daneben finden sich Mischformen, das heißt, Lararien, in denen die „Standardelemente“ wie Laren, Genius und Penaten zwar auf die Rückwand gemalt waren, in denen aber auch kleine Bronzefiguretten mit Laren- und Götterdarstellungen gefunden wurden.

Die kleinen Figuren nutzte man auch auf Reisen, um sie z.B. in Herbergen in die dort vorgesehenen Nischen zu stellen, damit man auch unterwegs nicht ohne Schutz und göttlichen Ansprechpartner war.

Auch in räumlich beengten Verhältnissen, in denen man mit mehreren Personen in kleinen Räumen lebte und nicht dauerhaft ein Lararium aufgebaut haben konnte, nutzte man Figuren (die es als billige Massenware aus Ton oder anderen Materialien zu kaufen gab), um diese bei Bedarf auf ein Regal oder einen kleinen Altar zu stellen und danach wieder fortzuräumen.

Götter, Laren, Genius

Bis zum Ende der Republik dominieren Darstellungen, sowohl malerischer als auch figürlicher Art, die nur einen Laren zeigen. Dieser hat meist die Form eines tanzenden Jünglings, der ein Füllhorn in der einen und eine Opferschale – die Patera – in der anderen Hand hält.

Ab der Kaiserzeit tauchen Laren fast ausschließlich paarweise auf, in Form zweier spiegelbildlich zueinander tanzender Laren mit erhobenem Cornucopia (Füllhorn) oder Rhyton (einem einhenkeligen Trinkgefäß) und Patera (Opferschale) oder Situla (ein eimerähnliches Gefäß).

Auch figürliche Darstellungen des Genius sind häufig in Form kleiner Bronzefiguren oder Terrakotten überliefert. Hierbei hält der Genius ebenfalls ein Füllhorn und eine Patera in der Hand, befindet sich jedoch nicht in der tanzenden Pose mit fliegendem Gewand, sondern trägt meist eine Art Toga oder Umhang und befindet sich mit verhülltem oder freiem Haupt in Opferpose.

Daneben gibt es zahlreiche Götterfiguren, aus deren Form, Standsockel und Größe darauf geschlossen werden kann, daß sie einst in einem Lararium standen, wenn sie nicht sogar im Fundzusammenhang mit einem Lararium entdeckt wurden. Dabei tauchen zahlreiche Götter des römischen, gallo-römischen, orientalischen oder afrikanischen Pantheons auf. Es gibt – gerade aus dem mitteleuropäischen Raum – sehr viele Merkur-Larariumsfiguren, der offenbar zu den beliebtesten Larariums-Penaten gehörte. Aber auch andere „klassisch-römische“ Götter wie Venus, Jupiter, Fortuna, Minerva, Vulcanus oder Hercules sind als Larariumsfiguren überliefert. Sie sind ebenfalls aus Bronze, Stein, Elfenbein oder Terrakotta gearbeitet und von unterschiedlicher Qualität, von teurer filigraner Arbeit bis hin zu typischer Massenware aus Serienfertigung.

Caesarium mit dem vergöttlichten Kaiser Marcus Aurelius

Caesareum für den  vergöttlichten Kaiser Marcus Aurelius

Eine besonders ergiebige archäologische Quelle für Larariums-Statuetten war der Laden des Sabinus in Pompeji, der auf Handel mit Statuetten und Figuren aller Art spezialisiert war.

Die Schlangen sind meist gemalt, aber es gibt auch einige Funde von Schlangenstatuetten mit Sockel, die man in das Lararium stellte. Auch die Figur eines Genius, über dessen Kopf sich ein Schlangenkopf erhebt, ist erhalten.

Caesarium mit Augustus-Statue in Prima Porta-Darstellung, darüber Repliken von Reliefs, die die Deifikation von Augustus und Claudius zeigen

Caesareum mit Augustus-Statue in Prima Porta-Darstellung, darüber Repliken von Reliefs, die die Deifikation von Augustus und Claudius zeigen

Caesareum

Neben den bekannten römischen Göttern gibt es auch Funde von exotischen Larariumsfiguren wie Anubis, Isis-Fortuna oder gallo-römische Gottheiten. Daneben werden auf Lararien, die nicht in Privathaushalten standen, sondern sich in Geschäften, Handwerksbetrieben oder Kneipen befanden, auch spezifische Götter dargestellt, die für den jeweiligen Ort zuständig waren. Hier dominieren gemalte Darstellungen von Laren, Genius und Penaten, die oft groß und farbenprächtig waren. So findet sich Vesta in Bäckereien, Epona in Ställen, Merkur in Geschäften, Bacchus in Gaststätten.

Sacrarium mit Hercules, Bacchus und Matronen

Sacellum mit Hercules, Bacchus und Matronen

Hinweis: Altäre oder Kultorte im Haus, die ausschließlich einem oder mehreren Göttern gewidmet waren, Figuren für diese enthielten und an denen spezifische Handlungen für diese Gottheiten durchgeführt wurden, werden Sacrarium (wenn größer dimensioniert) oder Sacellum (kleinere Altäre oder Tempelchen) genannt. Das Lararium kann auch Götterdarstellungen enthalten, aber ein Sacrarium enthält keine Elemente eines Larariums, wie Laren, Genius oder Schlange. Oft gab es neben dem Lararium auch ein Sacrarium/Sacellum, an dem eine besonders wichtige Tutelargottheit verehrt wurde.

Kaiserkult wurde am Caesareum praktiziert, das eine oder mehrere Kaiserbüsten oder Statuen enthielt, dazu weitere Gegenstände, die mit den besonders verehrten vergöttlichten Kaisern in Zusammenhang standen, wie Cameos, Reliefs oder Münzen. Der Begriff beschreibt ursprünglich große Tempel des Kaiserkultes, wird heute aber auch für ein Sacellum verwendet, das einem Divus geweiht ist.

Beides sollte nicht mit dem Lararium verwechselt werden, tritt aber oft mit diesem gemeinsam auf und es werden integrierte Kulthandlungen durchgeführt, die alle Elemente miteinander verbinden.

Kultgegenstände

Replik einer römischen Patera

Replik einer römischen Patera

Daneben gehören weitere Gegenstände in das Lararium, die für die Ausübung der Kulthandlungen benötigt wurden. Ihre Form, Qualität und das Material richteten sich nach den finanziellen Mitteln und dem Geschmack der Besitzer; hier gab es keine festen Vorschriften, sondern im Gegenteil eine große Vielfalt an unterschiedlichen Formen und Materialien.

Das Turibulum war ein Räuchergefäß. Hier reichte die Spannweite von einer einfachen Schale über einen Dreifuß aus Steingut oder Ton bis zu aufwendigen Bronzegefäßen. Er erfüllte die Funktion, daß man darin Weihrauch und anderes Räucherwerk verbrennen konnte; es war üblich, dauerhaft während des Tages am Lararium zu räuchern, wenn man es sich leisten konnte, da der wohlriechende Rauch als den Göttern wohlgefällig galt.

Repliken römischer Öllampen

Repliken römischer Öllampen

Die Lucerna war eine Lampe, die ebenfalls dauerhaft brannte, wenn sich jemand im Raum aufhielt. In der Regel handelte es sich dabei um Öllampen aus Ton oder Bronze, deren Motive und Formen vielfältig waren und sich allein nach dem Geschmack des Besitzers richteten.

Bei der Patera handelte es sich um eine Opferschale, in die die Opfergabe gelegt wurde oder mit der eine Opfergabe den Flammen übergeben wurde. Auch hier waren in Form, Verzierung und Material keine Grenzen gesetzt. Zu den überlieferten Opfergaben für die Hausgötter gehörten – neben den Girlanden und Kränze, mit denen Lararium und Statuen geschmückt wurden – Wein, Kuchen, Brot, Weihrauch und Obst. Daneben sind sowohl für Laren als auch Genius Tieropfer in Form von Ferkeln oder Schweinen belegt.

Der Gutus war eine Kanne, die dem Trankopfer, der Libation, diente. Mit diesem Gefäß wurde eine Flüssigkeit (in der Regel Wein oder Milch) vergossen, je nach Kontext in das Feuer, auf den Boden oder in eine Opferschale.

Weitere Gegenstände waren der Weihrauchbehälter (Accera) und ein Salzbehälter (Salinum).

Da am Lararium auch der Ahnenkult praktiziert wurde und der Ahnen gedacht wurde, insbesondere bei Familienfesten und sonstigen familiären Anlässen, war es – zumindest in wohlhabenden römischen Haushalten – auch üblich, Totenmasken oder Gegenstände, die mit den Ahnen in Zusammenhang standen, oder Figürchen, die sie repräsentierten, am oder um das Lararium zu platzieren. Daneben wurden Gegenstände in Lararien gefunden, die für die Hausbewohner eine persönliche Bedeutung hatten und zum Beispiel den Übergang in einen neuen Lebensabschnitt symbolisierten, wie die Bulla eines Jungen oder eine Dose aus Pompeji, die den ersten Bart des Hausherrn beinhaltete!

Das Lararium in der heutigen Religio Romana

Mit etwas handwerklichem Geschick kann ein Lararium im römischen Stil selbst gebaut werden

Mit etwas handwerklichem Geschick kann ein Lararium im römischen Stil selbst gebaut werden

Das Lararium als zentraler Bestandteil der Sacra Privata oder des Hauskultes spielt auch heute noch eine zentrale Rolle in der Religio Romana, der polytheistischen römischen Religion. Es ist der Fokus der privaten Kultpraxis und deswegen beginnt der Einstieg in die Religio Romana auch immer mit der Einrichtung eines Larariums, um dort seine ersten Schritte in die weite Welt des Cultus Deorum Romanorum zu gehen.

Jedem Einsteiger in die Religio Romana wird deshalb als erstes die Errichtung eines Larariums empfohlen. Da über den Larenkult sehr viele antike Quellen existieren und zudem zahlreiche neuere Texte und wissenschaftliche Abhandlungen Hintergrundinformationen liefern, ist es ein sehr gutes Thema und Startpunkt, um sich in die Sacra Privata einzuarbeiten und sich mit dem Quellenstudium und der praktischen Anwendung sowie ersten römischen Kulthandlungen vertraut zu machen.

Das Lararium muß zu Beginn nicht aufwendig gestaltet sein, wird im Laufe der Zeit aber von selbst wachsen und sich weiterentwickeln, wenn man tiefer in die Religio Romana eintaucht und weitere Bereiche kennenlernt, sich zum Beispiel mit unterschiedlichen Göttern und rituellen Handlungen, Bereichen wie den Auspizien, der experimentellen Archäologie (zum Beispiel im Bezug auf römische Musik, römische Speisen inklusive selbst gebackenes Opferbrot, Kleidung etc.), oder auch dem Kaiserkult beschäftigt.

Nach römischem Brauch kann ein Opfer auch direkt in den Kamin gegeben werden

Nach römischem Brauch kann ein Opfer auch direkt in den Kamin gegeben werden

Es ist ein hevorragender erster Fokus, um sich in ein überschaubares Gebiet einzuarbeiten – Laren, Genius / Juno, Genius Loci und vielleicht der erste Hausgott.

Ein Lararium ist wegen seiner zentralen Bedeutung Grundvorausetzung, um die Religio Romana zu praktizieren und findet sich deswegen daheim bei jedem praktizierenden Cultor.

Auf unserer Website findet Ihr deswegen in unserer Kategorie „Cultus Deorum Romanorum“ neben allgemeinen Artikeln zur römischen Religion einige Artikel, die sich mit dem Lararium und der Kultpraxis am Lararium im römischen Rekonstruktionismus befassen. Unter anderem empfehlen wir für Einsteiger:

Weitere Artikel findet Ihr in unserer Artikelübersicht zum Cultus Deorum

Weiterführende Literatur

Wir möchten an dieser Stelle insbesondere folgende wissenschaftliche Arbeiten empfehlen, die sich explizit und im Detail mit Laren, Lararien und dem Larenkult beschäftigen.

Einige davon sind zwar älteren Datums, was ihren generellen Nutzen als Informationsquelle jedoch nicht schmälert, auch wenn die neuere Forschung einige der darin aufgeführten Erkenntnisse mittlerweile erweitert oder revidiert hat.

Ansonsten finden sich Ausführungen zum Larenkult und Lararien in zahlreichen weiteren wissenschaftlichen, insbesondere regionalarchäologischen Abhandlungen und Artikeln.

  • Thomas Fröhlich: Lararien und Fassadenbilder in den Vesuvstädten. Untersuchungen zur „volkstümlichen“ pompejanischen Malerei. Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Römische Abteilung, 32. Ergänzungsheft, 1991. 370 Seiten plus Anhang mit Farbtafeln und Bildern. Download auf academia.edu
  • Annemarie Kaufmann-Heinimann: Götter und Lararien aus Augusta Raurica. Herstellung, Zusammenhänge und sakrale Funktion figürlicher Bronzen in einer römischen Stadt. Forschungen in Augst 26, 1998. 360 Seiten. Download auf academica.edu
  • Margaret C. Waites: The Nature of the Lares and Their Representation in Roman Art. Artikel im American Journal of Archeology, Archaeological Institute of America, Volume 24, Juli 1920. Download

Artikel © Q. Albia Corvina,  03/2015

Artikel © Q. Albia Corvina, 03/2015

Götterwelt: Der Genius loci

 

Genius loci des Bodens rund um den Vesuv, Darstellung mit Bacchus, aus Pompeji

Genius loci des Bodens rund um den Vesuv, Darstellung mit Bacchus, aus Pompeji

Kurzübersicht: Die Genien

Hinweis: Ausführliche, allgemeine Informationen zum Genius folgen beizeiten in diesem Blog, deshalb hier nur eine kurze Übersicht.

Römer kannten zahlreiche Genii (Plural von Genius), die sich im Laufe der Zeit von einfachen Schutzgeistern zu zahlreichen spezialisierten Genien entwickelten.

Das Konzept des Genius war bereits bei den Etruskern bekannt, entfaltete und differenzierte sich im römischen Privat- und Staatskult aber weitreichend.  Als „Geister“ waren sie die individuelle Instanz einer generellen göttlichen Natur, die nach römischem Verständnis jedem Individuum, jedem Ort, jeder Sache innewohnte und die für deren Schutz zuständig war.

So gab es den besonders im privaten Kult zentralen Genius Paterfamilias, der über den Haushalt inklusive all seiner Bewohner, Familienmitglieder, Bedienstete wie Sklaven, wachte und dessen Sitz man im Körper des Hausherrn vermutete (der weibliche Genius, der im Körper der Hausherrin wohnte, wurde Iuno genannt). Der Genius galt als mit dem Menschen verbunden, war aber nicht mit ihm identisch. Er sollte auch nicht mit Begriffen wie „Seele“ oder „Leben“ vermischt werden.

Daneben gab es Genien, Schutzgeister, die auf sehr eng umgrenzte private Bereiche des Lebens spezialisiert waren, wie etwa den Genius Cunina („in der Wiege“), bis hin zu Genien, die die Stadt Rom, den ganzen Staat und das Volk beschützten (Genius Urbis Romae, Genius Populis Romani) und für die es Tempel, feste Feiertage mit öffentlichen Opfern und Veranstaltungen (wie den Ludi Genialici, den Spielen zu Ehren der Genien am 11. und 12. Februar) gab. Auch ganze Kollektive wie Legionen, Gemeinschaften, Vereine, Völker hatten einen eigenen Genius, genauso wie Orte, Stadtviertel, Märkte, Veranstaltungen (Genien des Theaters sorgten z.B. dafür, daß die Vorstellung ein Erfolg wurde), und selbst einfache Dinge wie Türen und Tore.

Genius loci von Bad Wimpfen / Kreis Heilbronn. Die Stadtmauer ist als Kopfbedeckung dargestellt

Genius loci von Bad Wimpfen / Kreis Heilbronn. Die Stadtmauer ist als Kopfbedeckung dargestellt

Mit dem Kaiserkult schließlich zog der Genius Augusti in die Reihen der Genien ein, der Geist des Kaisers, der im Kaiserkult anstelle des Menschen verehrt wurde, der jeweils gerade dieses Amt bekleidete. Ein Eid auf den Kaiser und die Verehrung des Kaisers war deswegen immer auf den Genius bezogen.

Genii spielten im römischen Denken und Handeln eine zentrale Rolle, so daß man bestrebt war, sich immer auch an die Genien zu wenden, die einem bestimmten Unterfangen, einem Ort, einem Gegenstand oder einem anderen Aspekt, der die Angelegenheit betraf, zugeordnet waren.

Hunderte von Weihesteinen und Inschriften an die unterschiedlichsten Genien haben die Zeiten überdauert. Es gab auch standardisierte „Formeln“, die man verwendete, wenn man ein Opfer oder eine Bitte äußerte, aber nicht genau wußte, wie der Genius hieß, an den man sich wenden mußte oder welcher Genius an einem bestimmten Ort residierte. Dies ist auf Weihesteinen z.B. durch die Abkürzung „GHL“ zu erkennen, was für „genio huius loci“ („an den Genius dieses Ortes“) steht.

Im Jahr 392 n. Chr. wurde die Verehrung der Genien, zusammen mit dem Larenkult und der Verehrung der Penaten, durch Theodosius I. verboten. Nachweise, daß der Kult darüber hinaus im Privaten fortgesetzt wurde, finden sich bis in die Spätantike.

Genius loci

Mit „Genius loci“ (dt: „Geist des Ortes“) bezeichnete man die Genien, die an einem bestimmten Ort lebten und diesen beschützten.

Alle Orte hatten ihren eigenen Genius: Das reichte von kleinsten Bereichen (Stein, Baum, Teich, Tür, Tor, Fels, Strauch, Brücke, Hof, einzelne Räume eines Hauses, Bett, Keller, Kultplätze, Straße, Schrein, Hügel…) über größere Orte wie Tempel, Gebäude, Stadtviertel, Märkte, Theater, Arenen, Höhlen, Weinberge, Vulkane, Flüsse, Wälder bis hin zu ganzen Städten und Provinzen (wie Pannonien oder Britannien) oder Regionen (Wüsten, Gebirge, Meer).

Altäre und Weihesteine für Genii loci sind aus dem ganzen Römischen Reich bekannt und wurden an zahlreichen Orten gefunden, auch in Mitteleuropa nördlich der Alpen, wie in Germanien, Gallien und Britannien.

Darstellungen und Attribute

Der Genius loci hat keine einheitliche Darstellung, jedoch wird er bevorzugt als Schlange dargestellt. Daneben gab es abstrahierte Vorstellungen vom Genius, da er unsichtbar an einem Ort residiert, zum Beispiel in einem Vulkan oder einem nicht-faßbaren Ort wie einem Stadtteil oder einem Gebäude zugehörig ist.

Der Genius loci in Form der Schlange windet um den Altar, der Genius paterfamilias bringt ein Opfer dar

Der Genius loci in Form der Schlange windet um den Altar, der Genius paterfamilias bringt ein Opfer dar

Ab der späteren Republik, in der figürliche Darstellungen häufiger werden (auch von Göttern, die zuvor oft ebenfalls abstrakt und gestaltlos verehrt wurden), findet sich auch eine Häufung bildlicher Darstellungen unterschiedlicher Genii. Während der Genius paterfamilias oft als Mann mit Toga und capite velato (mit bedecktem Haupt) dargestellt wird, sind andere Genien oft bärtig und mit freiem Oberkörper dargestellt, später auch als Jünglinge oder als geflügelte Wesen. Oft halten sie Füllhorn (cornucopia) und Opferschale (Patera) in der Hand.

Auch für den Genius loci sind unterschiedliche Darstellungsweisen bekannt.

Als Schlange wird er vor allem im Lararium dargestellt, wo er deswegen von den tanzenden Jünglingen der Penaten und Laren mit ihren Füllhornen und Schalen zu unterscheiden ist.

Auch an vielen anderen Orten, wie in Schreinen und auf Weihesteinen, ist er als Schlange überliefert, die in der römischen Symbolik als wohlwollende, sanfte Wesen gelten, die Frieden und Wohlstand bringen (und nicht, wie im Christentum, negativ behaftet sind). Die Schlange galt im Altertum als der Unterwelt zugeordnet, aber eben im positiven Sinne – sie steht für die Verbindung mit der Erde, vermittelt Wissen und Schutz. und ist unter anderem ein heiliges Tier des Gottes Asklepius (der Äskulap-Stab ist heute noch das Zeichen von Apothekern und Ärzten).

Eine andere Darstellung findet sich zum Beispiel in der Kirche St. Giles in Wiltshire in England, die von den Normannen aus altem römischen Baumaterial errichtet wurde. Hier findet sich eine Darstellung eines jugendlichen, lockigen Genius loci, der ein Füllhorn in der linken Hand und eine Patera in der rechten Hand hält.

Die Schlange ist jedoch die häufigste und am weitesten verbreitete Darstellung für den Genius loci, während die Darstellungen als Mann, Jüngling oder geflügeltes Wesen meist anderen Typen von Genii vorbehalten bleibt, die nie als Schlange dargestellt werden.

Kultgeschehen

Die Verehrung der Genii loci war sowohl im Privatkult (Sacra Privata) als auch im Staatskult (Sacra Publica) ein wichtiger Bestandteil.

Im privaten Bereich war der Genius loci  Bestandteil jedes Larariums, so daß seine Verehrung fest mit dem Larenkult verbunden war.

Römer, die unterwegs waren und ein Opfer bringen wollten, brachten dieses nicht nur einer Gottheit dar, sondern oft auch einem „unbekannten Genius des Ortes“, der nicht näher bezeichnet wird, um nicht Gefahr zu laufen, einen lokalen Genius zu ignorieren. Zahlreiche Weihungen an einen solchen anonymen Schutzgeist oder Lokalgott des Ortes bezeugen diese Praktik. Oft wurden alle unbekannten Geister und Götter auch in einer Formel zusammengefaßt, die sicherstellte, daß man niemanden vergaß und überging: „di deaeque omnes“ („allen Göttern und Göttinnen“).

Ein Beispiel dafür, daß man stets den Genius loci als „Lokalgottheit“ eines Ortes einbindet, an dem man ein Ritual abhält, findet sich beim römischen Dichter Calpurnius Siculus bei der Beschreibung eines Opfers an Faunus an einem Schrein des Gottes auf einer Insel inmitten des Tibers: „Tum caespite vivo pone focum geniumque loci Faunumque Larsque salso farrre voca.“ („Dann errichte eine Feuerstelle mit frischem Gras und rufe Faunus und die Laren und den Genius des Ortes mit einem Opfer von Salat“).

Im Staatskult wurde der Genius loci der Stadt Rom verehrt. Lokale Gemeinschaften wie die Bewohner von Stadtteilen oder die Bürgergemeinschaften auf den Hügeln Roms verehrten ihre Genien ebenfalls gemeinsam bei öffentlichen Veranstaltungen.

Sonstiges:

Votivstein für I(upiter) O(ptimus) M(aximus) und den Genius Loci von Caius Candidinius Sanctus, Signifer der 30. Legion, für sich und seine Legion (Museum Nijmegen)

Votivstein für I(upiter) O(ptimus) M(aximus) und den Genius Loci von Caius Candidinius Sanctus, Signifer der 30. Legion, für sich und seine Legion (Museum Nijmegen)

Befand man sich an einem Ort und fühlte „dessen Präsenz“, zum Beispiel inmitten eines Waldes oder an einem Fluß oder einem anderen Ort, so war man der Ansicht, dem Genius loci dieses Ortes begegnet zu sein. Das war kein bedrohliches Ereignis oder Erlebnis, sondern führte im Gegenteil in der antiken Welt gerade nicht zu Verwunderung oder Besorgnis. Die Anwesenheit eines Genius loci an jedem Ort galt als Selbstverständlichkeit und das Gefühl seiner Präsenz war ein gutes Zeichen. Nichts zu fühlen, quasi an einer ‚verlassenen‘ Stelle in der Natur zu stehen, hätte viel eher Grund zur Skepsis gegeben.

Erst mit mittelalterlichen Glaubensvorstellungen, in denen Geister und Dämonen als etwas Negatives betrachtet wurden (wobei das Wort Dämon auf das griechische δαίμων (daimon) zurückgeht und auch in dieser Vorstellung einen guten, oft mahnenden Geist (das Gewissen) beschrieb), erfuhr dieses Erlebnis einen Bedeutungswandel und es wurde als bedrohlich angesehen, wenn man die Präsenz eines Ortes spürte, das Gefühl, von diesem „beobachtet“ zu werden oder von unsichtbaren Wesen umgeben zu sein. Den Römer erschreckte ein solches Erlebnis nicht, sondern veranlaßte ihn allenfalls dazu, den Genius loci des Ortes zu grüßen und für die Dauer des Verweilens um dessen Schutz zu bitten. Dieser Brauch ist auch im heutigen Cultus Deorum üblich.

Der BegriffGenius loci“ wird auch heute noch (bzw. wieder)  in vielen Bereichen verwendet, vor allem in der Architektur, im Landschafts- und Gartenbau, in der Esoterik und Ökopsychologie. Man muß sich jedoch im Klaren darüber sein, daß das, was heute damit verbunden ist, nicht mehr der Vorstellung entspricht, die man in der Römischen Religion damit verband. Tatsächlich erfuhr der Begriff im Laufe der Zeit mehrfach einen Bedeutungswandel.

Das Christentum, das im Römischen Reich die polytheistische Religion ablöste, bestritt in seiner Anfangszeit nicht die Bedeutung eines Ortes als Sitz von Ortsgeistern, sondern transformierte genau diese Orte durch Überbauung mit sakralen Gebäuden wie Kirchen, kleinen Kapellen am Wegesrand oder Klöster in Orte einer „nicht näher bestimmbaren Spiritualität“. Aus nachrömischer, christlicher Zeit stammt auch die Vorstellung eines außerhalb des Körpers anzutreffenden, individuellen „Schutzgeistes“ in Form des Schutzengels.

Mit der Aufklärung verlor der Begriff „Genius loci“ seine ursprüngliche Bedeutung und Funktion als „Schutzgeist“ eines Ortes, der für den Römer noch untrennbar damit verbunden gewesen war. Die Natur und die Landschaft galten fortan als „unbelebt“ und bekamen ihre „Seele“, ihren „Geist“ nur durch die gestalterische und schöpferische Wirkung des Menschen.

In der Zeit der Romantik im 18. und 19. Jahrhundert wurde der „Genius loci“ wiederentdeckt. Insbesondere im Jugendstil  herrschte ein regelrechter Boom, was an den überall auftauchenden Genius-Figuren in Gärten und Malereien zu erkennen ist. Im Unterschied zum römischen Verständnis beschreibt der Begriff heute aber nur noch abstrakt den „Geist eines Ortes“, das heißt, dessen Flair, dessen Atmosphäre, dessen Wirkung.

Aktuell beschreibt der Begriff ein Konzept der Architektur, das bestrebt ist, Landschaft und Bau wieder in ein harmonisches Verhältnis zueinander zu setzen. Auch im Garten- und Landschaftsbau wird der Begriff wieder verwendet, bis hin zu esoterischen Bewegungen, die Gebäude auf der Grundlage von „Energiefeldern“ und „ortsansässigen Naturgeistern“ gestalten und einrichten. Vom ursprünglichen antiken Verständnis sind diese modernen, gewandelten Begrifflichkeiten jedoch strikt zu unterscheiden.

Kultpraxis: Morgenritual am Lararium

Erklärungen der verwendeten Begriffe sowie praktische Hinweise zur Durchführung des Rituals findet Ihr hier in unserer Einleitung!

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Nähere Dich dem Lararium in capite velato, entzünde die Öllampe und bete dabei:

„Salva sis, Vesta Mater.“
Sei gegrüßt, Mutter Vesta.

oder länger:

„Salve, Vesta Mater, flammae tuae semper nos ad Deos immortales ducant.“
Sei gegrüßt, Mutter Vesta, möge Deine Flamme uns immer zu den unsterblichen Göttern leiten.

Entzünden der Räucherung:
Verbrenne etwas Räucherwerk, mit der rechten Hand über dem Herzen, und bete:

„Vesta Mater, hodie omnia bona felicia fausta sint mihi domo familiae.“
Mutter Vesta, möge alles an diesem Morgen gut sein für das Haus meiner Familie.

Bete zu Janus mit beiden Händen in manu supina:

„Orire Jane pater, deus boni initii! Orire Jane Matutine, custos portarum Lucis Matutinae!“
Erhebe Dich, Vater Janus, Gott der guten Anfänge. Erhebe Dich, Janus Matutinus, Torhüter des Morgenlichts.

Anbieten des Brotes.
Hebe das Opferbrot mit der rechten Hand in die Höhe, die linke bleibt in manu supina:

 „Jane pater, te hac strue obmovenda bonas preces precor, uti sis volens propitius mihi (liberisque meis) domo familiaeque meae.“

Vater Janus, ich biete Dir dieses Brot als Opfergabe an und bete ernsthaft, daß Du freundlich und wohlwollend auf mich (meine Kinder), mein Haus und meinen Haushalt schaust“ (Cato)

 Libation des Weines.
Hebe den Gutus mit der rechten Hand in die Höhe, die linke bleibt in manu supina. Dann gieße den Wein langsam in die Opferschale.

(mehr …)

Kultpraxis: Rituale am Lararium – Einleitung

Inhalt

Weiterführende Infos auch in unserem Artikel: Anleitung zur Errichtung eines Larariums



Rituale am Lararium – Einleitung

Das Lararium und der damit verbundene Larenkult ist ein Grundpfeiler der Kultpraxis in der römischen Religion. Es ist ein zentraler Ort im Haushalt und spielt eine ebenso zentrale Rolle im Alltagsleben der Bewohner.

Modernes Lararium mit klassisch-römischen Elementen

Modernes Lararium mit klassisch-römischen Elementen

In der römischen Kultpraxis werden zahlreiche Handlungen, die Teil des Larenkults sind, sowohl vor dem Lararium als auch an anderen festgelegten Orten des Haushaltes vorgenommen. Nicht alle werden täglich praktiziert, einige finden nur zu besonderen Anlässen statt, andere können flexibel nach dem eigenen Zeitplan oder den eigenen Bedürfnissen täglich oder nur an bestimmten Tagen durchgeführt werden.

Im modernen Cultus spielt dieser zentrale Teil römischer Glaubenspraxis eine grundlegende Rolle; die Errichtung eines Larariums ist für den angehenden Cultor oft der erste (und beste) Einstieg in den römisch-heidnischen Rekonstruktionismus. Die lateinischen Formeln, die am Lararium gesprochen werden, sowie die Handlungen, die dabei durchgeführt werden, sind auf der Grundlage historischer Quellen rekonstruiert und werden möglichst exakt durchgeführt, da die Wahrung einer festen, vorgeschriebenen Form im römischen Cultus als extrem wichtig gilt.

Dies gilt jedoch vor allem im staatlichen, öffentlichen Cultus; daß im Privatkult in jeder Familie des Reichs, in jeder Provinz, von Rom bis Britannien, von Gallien bis Afrika die exakt gleichen Gebete verwendet wurden, ist höchst unwahrscheinlich. Tatsächlich gehen die Indizien eher dorthin, daß innerhalb einer Familie bestimmte Gebetsformen und Handlungen tradiert wurden, diese sich aber durchaus schon von den Formulierungen der Nachbarn unterscheiden konnten. In der Sacra Privata stehen dem Cultor deshalb größere Freiheiten zur Verfügung, die sich jedoch immer im bekannten rituellen Kontext und Ritualaufbau bewegen sollten.

Lediglich im Staatskult, der dem Wohle und Erhalt des römischen Staates und Volkes galt, war die absolute und strikte Einhaltung von Formulierungen, ja, bis zur kleinsten Handbewegung Pflicht. Versprach sich der Ritualleiter, verkleckerte der Diener etwas, verspielte sich der Musiker, wurde das Ritual abgebrochen und von vorn begonnen.

Im privaten Cultus, der auch von einfachen Leuten bis hin zu Sklaven praktiziert wurde, richtete man sich mit Anliegen auch ohne Kenntnis „offizieller Formulierungen“ an den Gott, der gerade zuständig war, ohne daß man jetzt Cato und Cicero gelesen hatte und wußte, wie im fernen Rom gebetet wurde. Es ist also durchaus legitim und auch römisch, eigene Gebete und Anrufungen zu verfassen, wenn man sich mit einem Anliegen an einen Gott wendet, sofern die Handgriffe und einzelnen Teile eines Rituals vorkommen und eingehalten werden und man auch die gängigen Floskeln einbaut, die überliefert sind.

Hinweis zum Latein der Ritualtexte

Wichtig ist der Hinweis, daß uns leider keine vollständigen Rituale aus der Antike erhalten sind; es gibt nur Bruchstücke, einzelne Formeln und Gebete. Die hier verwendeten Rituale wurden deshalb im Laufe der Zeit innerhalb des Cultus auf der Grundlage der vorhandenen Informationen rekonstruiert in einer „möglichst wahrscheinlichen“ Art und Weise, die die erhaltenen Texte und Formulierungen integriert.

Deswegen sind einige Formulierungen in einem archaischen Latein verfasst, wie z.B. im Morgenritual zu finden: zum Beispiel lautete der archaische Plural Genitiv „meum parentum“ und nicht, wie im klassischen Latein „meorum parentum“. Da das für heutige Lateiner irritierend sein kann (oder sich sogar fehlerhaft anhört), haben wir die klassische Variante in Klammern hinzugefügt; welche Version gewählt wird, steht dem Cultor frei.

Das Morgenritual

Insbesondere das tägliche Morgenritual, das bereits alle wichtigen Grundelemente eines römischen Rituals umfaßt (capite velato, Libation, Räucherung, Speiseopfer, bis hin zum Gebrauch der lateinischen Sprache), ist für Einsteiger sehr gut geeignet, um Routine in der religiösen Praxis zu bekommen und sich an die Handlungen, Bewegungen und das Aussprechen lateinischer Formeln zu gewöhnen.

Lararium im klassisch-römischen Stil

Lararium im klassisch-römischen Stil

Mit dem Morgenritual bittet man um Schutz und um einen guten Verlauf des Tages, trägt seine Anliegen für den Tag vor und ehrt Götter, Ahnen und Schutzgeister des Hauses (Laren und Penaten) mit Aufmerksamkeit. Es ist das wichtigste Ritual vor dem Lararium.

In der Antike wurde das morgendliche Ritual vom Hausherrn, dem Paterfamilias, mit der versammelten Familie (inklusive der anderen Bewohner, wie Bedienstete und Sklaven) vor dem zentralen Lararium des Haushaltes durchgeführt. Bei Zeitmangel oder Abwesenheit konnte er jedoch jede andere Person bestimmen, stellvertretend für ihn den Ritus durchzuführen.

Daneben gab es „private“ Lararien in anderen Räumen, zum Beispiel im Schlafzimmer, an denen der jeweilige Bewohner seinen eigenen Ritus durchführte und seine Anliegen für den Tag vortrug (oder sich abends für den Tag und erfolgreiche und angenehme Ereignisse bedankte).

Der morgendliche Ritus ist schnell und unkompliziert auszuführen und dauert im Idealfall (in der hier beschriebenen kurzen Form) nur maximal zehn Minuten, so daß er sogar problemlos sogar vor der Fahrt zur Arbeit durchgeführt werden kann.

Lararium mit integriertem Sacrarium für Herkules und den in der Eifel sehr verehrten Matronen

Lararium mit integriertem Sacrarium für Herkules und den in der Eifel sehr verehrten Matronen

Eine Erweiterung dieses Ritus um zahlreiche weitere Kulthandlungen, wenn man den Wunsch danach verspürt und die Zeit dafür hat, ist beliebig möglich. Daneben können auch andere Götter (die man – aus Platzgründen – ebenfalls im Lararium verehrt oder für die man ein eigenes Sacrarium errichtet hat), in den morgendlichen Ritus einbezogen werden, was flexibel und unkompliziert möglich ist. So hat man auch ihnen die erforderliche Aufmerksamkeit gewidmet, die man als Verpflichtung mit der Einrichtung eines heiligen Ortes für eine bestimmte Gottheit übernimmt und kann gleich auch seine Anliegen an die Götter für den Tag vortragen.

Hierbei muß allerdings beachtet werden, daß man – gleich, welche Götter man zusätzlich anruft -, immer als erstes Janus nennt und immer auch Vesta miteinschließt (die als letztes genannt wird).

Ist man zeitlich wirklich nicht in der Lage, täglich morgens ein kurzes Larariums-Ritual durchzuführen, sollte man dies zumindest an den Kalenden, Nonen und Iden jedes Monats versuchen. Grundsätzlich gehören die Laren und Penaten im römischen Verständnis zur Familie, da jedes verstorbene Familienmitglied zu den Manen (di manes) geht, welche oft mit den Laren (di lares) gleichgesetzt wurden. Dies bedingt, dass der Umgang mit ihnen auch familiärer war, als mit den Göttern so daß das tägliche Ritual am Lararium auch oft schlichter gehalten wurde. Ein vollständiges Ritual mit feststehenden Rezitationen, in capite velato wurde deswegen an normalen Tagen oft nicht durchgeführt, sondern eben an den Kalenden, Nonen und Iden, sowie an besonderen Feiertagen, darunter z.B. auch den Geburtstagen Verstorbener. Der tägliche Dienst am Lararium war ein symbolisches Teilen des Mahls, ein Trankopfer, ein freies Gebet – wichtig war und ist die tägliche Aufmerksamkeit, die man diesem spirituellen Fokus des eigenen Heims zukommen lässt.

Sacrarium, Lararium und Caesarium

Sacrarium, Lararium und Caesareum

Denn Vernachlässigung und mangelnde Aufmerksamkeit, sowohl für das Lararium als auch für Götter, denen man sich evtl. verpflichtet hat, sind im Cultus denkbar ungünstig und können im schlimmsten Fall dazu führen, daß sich die Götter und Geister ihrerseits auch nicht mehr an die Einhaltung von Verpflichtungen gehalten fühlen und den Ort nicht mehr aufsuchen (die Vernachlässigung von Göttern galt schon in der Antike als Unglück bringend, so daß hinter vorgehaltener Hand sogar die Einführung des Christentums als Staatsreligion und das damit einhergehende Verbot der alten Religion – und die damit verbundene Vernachlässigung der alten Götter – als eine der Ursachen für den Untergang des Römischen Reichs verantwortlich gemacht wurde). Titus Maccius Plautus hat in seiner Komödie Aulularia (Der Goldtopf) das Thema aufgegriffen, wie ein vernachlässigter Larendienst Unheil über die Bewohner eines Hauses bringen kann.

Neben dem Morgenritual (dem man, wenn man wirklich nur die Gelegenheit hat, eine Kulthandlung pro Tag auszuführen, immer den Vorzug geben sollte), gibt es weitere tägliche Kulthandlungen im Privatkult, die man zum Beispiel nach dem Aufstehen, beim Waschen vor dem eigentlichen Morgenritual, durchführen kann, sowie Rituale beim Verlassen des Hauses, bei der Heimkehr nach Hause, während der Einnahme der Mahlzeiten, oder ein Abendritual am Lararium, bei denen man sich für den Tag bedankt.

Davon unbenommen sind zusätzliche Rituale, zum Beispiel anläßlich von Familienfeiern, Geburtstagen, Geburt und Tod und an speziellen Feiertagen, sowie Rituale für Götter und Göttinnen, die nichts mit dem Larenkult zu tun haben. Inwieweit und wie oft man diese Rituale durchführt, bleibt Privatsache.

In dieser Reihe stellen wir Anleitungen für Larariums-Rituale vor, die zu den verschiedenen Anlässen abgehalten werden können.



Praktische Hinweise, Tipps und Tricks zur Durchführung eines Rituals im Larenkult

  • Capite Velato: das verhüllte Haupt
Augustus, capite velato

Augustus, capite velato

Rituale im Larenkult werden im Ritus Romanus und damit capite velato, d.h. mit verhülltem Haupt durchgeführt. Der Sinn der Bedeckung des Hauptes (die von Männern wie Frauen gleichermaßen durchgeführt wird), ist weniger Respekt oder ein anderer kultureller Grund, wie man es aus anderen Religionen kennt, sondern ganz praktischer Natur: die Verhüllung dient als Schutz vor negativen Zeichen und Omen, die während des Rituals ansonsten aus dem Augenwinkel wahrgenommen werden könnten.

Im Idealfall wird das Ritual in Toga bzw. Palla durchgeführt, die über den Kopf gezogen werden kann. Nun trägt man aber relativ selten derart aufwendige Kleidungsstücke, schon gar nicht morgens vor der Arbeit, so daß hier eine pragmatische Alternative gewählt wird (wer in Stimmung ist und Zeit hat, dem sei die Durchführung eines Rituals in vollem römischen Ornat jedoch unbenommen).

Es wird aber nicht erwartet oder vorausgesetzt, daß der Larenkult (der ein täglicher Alltagskult war und sich in das Leben von beschäftigten Leuten mit wenig Zeit integrieren mußte), mit derartigem Aufwand betrieben wird, ganz im Gegenteil wäre ein solcher Aufwand – zumindest für den Alltagskult – eher unüblich. Auch war der Larenkult von den höchsten aristokratischen Kreisen bis zu den einfachsten, ärmsten Bewohnern des Reichs verbreitet, die mit vielen Personen in finsteren, engen Mietskasernen hausten und weder Toga noch ein aufwendiges Lararium besaßen. Hier gilt deswegen wieder der römische Grundsatz des Pragmatismus.

Durchführung einer Räucherung mit capite velato

Durchführung einer Räucherung mit capite velato

Zwar kann jedes Tuch verwendet werden, das geeignet ist, das Haupt zu verhüllen. Für die Durchführung der Rituale empfiehlt es sich jedoch, sich ein spezielles Tuch zu kaufen, das nur kultischen Zwecken dient und nicht in der Freizeit noch als Schal oder Handtuch verwendet wird. Das hilft auch dabei, sich mit dem Hervorholen dieses Tuches und dem Verhüllen des Hauptes in eine entsprechende Stimmung zu versetzen.

Hierbei sind der farblichen Phantasie zwar keine Grenzen gesetzt, wir bevorzugen jedoch einfarbige Tücher in gedeckten Farben oder in weiß, eventuell noch mit einem farbig abgesetzten Rand, anstatt mit bunt-grell gestreiften, modernen Mustern – auch, um sich gemäß dem Anspruch des römischen Rekonstruktionismus um römische Zurückhaltung und Würde zu bemühen, anstatt um modische Gimmicks (Neonfarben zum Beispiel sind ein absolutes no-go).

Das Tuch muß nicht schwer und lichtundurchlässig sein; ein einfaches leichtes Tuch, wie man es als Schal oder Halstuch trägt, erfüllt vollkommen seinen Zweck. Wer besonders authentisch sein möchte, kann beim Material darauf achten, etwas zu wählen, daß es bereits zu römischen Zeiten gab (also keine Synthetik oder Baumwolle), aber da Römer sich auch nicht dem technischen Fortschritt verschlossen, ist ein Baumwolltuch heute vollkommen ausreichend.

Das Tuch wird erst glatt über die Schultern gelegt, so daß es auch die Hälfte der Oberarme bedeckt, wie eine Art Umhang oder Schultertuch. Dann wird einfach der Teil des Tuchs, der auf dem Rücken liegt, bis über den Kopf hochgezogen. Das sorgt für eine einfache und dennoch stilvolle Bedeckung des Hauptes.

Das Haupt wird vor dem Beginn des Rituals verhüllt, so daß man bereits mit verhülltem Haupt vor das Lararium tritt. Das Tuch wird nicht erst dort hochgezogen.

  • Vorbereitung des Trankopfers (Libation)

In einem Ritual des Larenkults werden in der Regel zwei Dinge benötigt: ein Trankopfer (Wein) und ein Speiseopfer.

25cl Flaschen Wein sind ideal, dazu braucht man eine Flasche und einen Trichter

25cl Flaschen Wein sind ideal, dazu braucht man eine Flasche und einen Trichter

Beim Wein spielt es keine Rolle, ob es sich um Rot-, Rosé- oder Weißwein handelt. Auch ist nicht notwendig, daß für das Opfern der edelste und teuerste Tropfen verwendet wird; einfacher Wein erfüllt seinen Zweck. Denn, wie schon Plutarch in „Numa“ schrieb, wird nicht erwartet, daß Opfergaben übertrieben kostspielig sind und gar die eigenen Mittel übersteigen, (“…sondern aus Mehl, Wein und den am wenigsten kostspieligen Opfergaben bestehen“, Plutarch, Numa 8.8).

Wer ohnehin immer eine offene Flasche Wein im Kühlschrank stehen hat oder plant, eine Flasche Wein im Anschluß oder am Abend ohnehin zu leeren, füllt davon vor dem Ritual etwas in die Flasche, aus der später das Trankopfer gegossen wird (Gutus).

Wer den Wein extra für die Libation verwendet, für den bietet sich an, die heute überall (z.B. bei Aldi) erhältlichen kleinen 25 cl-Weinfläschchen, die recht günstig zu haben sind, zu kaufen. Diese reichen für das Trankopfer mehrerer Tage, sind aber klein genug, daß der Wein nicht übergeht, wenn man ihn nicht abends weitertrinken möchte. Außerdem sind sie preisgünstig und in mehreren Sorten erhältlich.

Der Wein wird vor dem Ritual in die Flasche oder Kanne gefüllt, die für das Trankopfer bestimmt ist. Hierbei empfiehlt es sich, um Flecken zu vermeiden, den Wein in der Küche einzufüllen, idealerweise mit einem Trichter, denn es ist zu vermeiden, Wein zu verschütten. Es genügt, so viel Wein einzufüllen, wie später in die Opferschale paßt, in die der Wein gegossen wird. Die Flasche muß nicht randvoll gemacht werden.

Die volle Flasche wird anschließend zum Lararium mitgenommen und dort für das Ritual bereit gestellt; nach dem Ritual wird die gefüllte Schale nach draußen getragen und die leere Flasche gespült. Sie sollte nicht leer beim Lararium stehenbleiben, sondern sofort gespült werden, damit sich keine Weinreste festsetzen oder im Sommer gar Fruchtfliegen angezogen werden.

Der Wein wird nach dem Ritual idealerweise zum Teil getrunken und zum Teil draußen auf den Erdboden gegeben. Ist das Trinken nicht möglich, weil man danach z.B. noch mit dem Auto zur Arbeit fährt oder man keinen Alkohol trinken darf, wird alles draußen verschüttet. Ideal ist ein Verschütten auf Erdboden, bei Pflanzen oder Bäumen oder in Beeten oder Büschen oder Wald anstatt auf einen zuasphaltierten Grund. Ein Hof oder Garten, der zwar mit Steinen gepflastert ist, zwischen denen jedoch noch das Versickern von Flüssigkeiten möglich ist, ist ebenfalls ausreichend. Ist das Verschütten nicht möglich (weil man zum Beispiel im zehnten Stock eines Hochhauses wohnt und es nicht aus dem Fenster auf den asphaltierten Parkplatz gießen möchte), muß alles getrunken werden; den Wein anschließend in den Ausguß zu kippen, gilt als nicht angemessen.

  • Vorbereitung des Speiseopfers
Selbstgebackenes Opferbrot aus Salz, Mehl, Olivenöl und Honig

Selbstgebackenes Opferbrot aus Salz, Mehl, Olivenöl und Honig

Es galt als übliche Vorstellung, daß die Laren und Penaten an den Mahlzeiten teilnahmen.

Alles, was versehentlich zu Boden fiel, gehörte automatisch den Laren. Ansonsten sind für sie typische Speiseopfergaben der zuvor beschriebene Wein, Getreide und Trauben.

Für die Penaten ist es ausreichend, ihnen etwas von dem „abzugeben“, was ohnehin gerade auf dem Tisch ist (nach dem Ritual wird es verzehrt, damit es nicht verkommt). Sollte es – zum Beispiel beim Morgenritual – noch zu früh für Frühstück sein, wird ihnen Nahrung zum Opfern bereitgestellt. Hierbei ist für die Penaten vor allem Wein, Milch, Ritualkuchen oder Ritualbrot gut geeignet.

Es ist für ein tägliches, kurzes Morgenritual nicht nötig, ausschweifende Opfergaben zu suchen oder gar selbst herzustellen. Zwar ist es schön, selbst Opferbrot nach altem römischen Rezept zu backen und dieses dann am Lararium anzubieten. Hat man aber nicht die Zeit oder Gelegenheit dazu, können auch Speisen des alltäglichen Gebrauchs aus der eigenen Küche angeboten werden. Auch hier gilt: Pragmatisch sein. Muß man für das morgendliche Speiseopfer erst aufwendige Vorarbeiten leisten oder spezielle Geschäfte aufsuchen, wird man bald die Lust verlieren und immer seltener ein Ritual durchführen. Dabei tut es im Zweifelsfall auch ein Stück Toastbrot aus dem eigenen Vorrat. Denn die Laren und Penaten brauchen gar keine Sonderbehandlung, sondern sind mit den Speisen zufrieden, die man selbst auch ißt.

Einfache hauchdünne Fladen aus Mehl, Wasser und Salz sind schnell herzustellen und halten ewig

Einfache hauchdünne Fladen aus Mehl, Wasser und Salz sind schnell herzustellen und halten ewig

Wer es gerne stilvoller mag, kann ganz einfache, dünne Opferbrote (im Stile von Oblaten) selbst aus einer Mischung aus Mehl, Salz und Wasser herstellen. Zu dünnen, runden Fladen gewalzt (etwa in der Größe von Backoblaten) und zehn Minuten im Ofen gebacken, sind schnell hergestellt, halten ewig und machen natürlich mehr her als eine halbe Scheibe Toast (sie sind auch die Vorläufer der in der Kirche verwendeten Hostie in Oblatenform).

Auch aufwendigeres Opferbrot, das mit Olivenöl, Honig und anderen Zutaten gebacken wird, kann natürlich auch im Lararium verwendet werden, es ist allerdings sinnvoller, das für Rituale am Sacrarium zu verwenden, wenn man es Göttern und Göttinnen opfert (die oft aufwendigere Opfer verlangen).

Einfachheit und Pragmatismus am Lararium sind keine Schande, sondern helfen, das Morgenritual effizient und unkompliziert durchzuführen. Es ist nicht zu befürchten, daß die Hausgeister und Ahnen zürnen, wenn man ihnen nur ein Stück Weißbrot oder eine Backoblate opfert, als wenn man ihnen mit Mola Salsa rituell gebackene Brote reicht.

Wie lange die Speise nach dem Ritual auf dem Lararium liegenbleibt, kann individuell entschieden werden. Wenn es verderbliches Essen ist, das von einer aktuellen Mahlzeit abgegeben wurde, wird es im Anschluß sofort verzehrt. Ist es ein trockenes Opferbrot, eine kleine Flade, eine Oblate, kann sie bis zum nächsten Opfer liegenbleiben. Manche Cultores ziehen es vor, diese Speisen direkt nach dem Ritual oder vor dem Beginn des nächsten Rituals zu verzehren.

Ist es ein speziell gebackenes Opferbrot, das (geschmacklich) nicht unbedingt zum Verzehr geeignet ist, oder ist es so hart, daß man es nicht essen kann, so wird es nicht in den Müll geworfen, sondern draußen dort deponiert, wo Vögel es finden und fressen können. Brote aller Art nach dem Ritual draußen zu entsorgen und es damit Vögeln zugänglich zu machen (die als Boten der Götter gelten und deren Zeichen übermitteln), ist generell wünschenswert, allerdings nicht immer möglich. Auch ist eine Entsorgung dort in Ordnung, wo das Speiseopfer, sei es Brot oder Frucht, zurück in den natürlichen Kreislauf gelangt und anderen Tieren als Nahrung dient, zum Beispiel im Kompost.

Auch kann das Speiseopfer (oder Teile davon) auf dem Altar verbrannt werden, wenn man die Möglichkeiten dazu hat.

Die zu opfernden Speisen werden, zusammen mit dem Wein, vor dem Ritual zum Lararium gebracht und dort deponiert. Nach dem Ritual sind alle Reste und Krümel aus den entsprechenden Gefäßen und im Lararium selbst zu entsorgen und dafür Sorge zu tragen, daß keine Lebensmittel im Lararium übergehen.

  • Räucherungen

Im Rahmen eines Rituals am Lararium wird immer auch geräuchert. Römer liebten Räucherungen und verwendeten diese nicht nur im Lararium, sondern auch exzessiv in ihren Wohnungen, auch außerhalb eines Rituals, sowie bei allen Interaktionen mit Göttern.

Klassische Kohle-Räuchergefäße gibt es zum Beispiel in Klostershops

Klassische Kohle-Räuchergefäße gibt es zum Beispiel in Klostershops

Die traditionelle Räucherweise sieht den Gebrauch eines Räuchergefäßes (Turibulum) vor, das ganz nach den persönlichen Vorlieben aus Keramik, Metall oder Ton gefertigt sein kann. Darin können im Rahmen des Rituals auf Sand und Kohle Weihrauch, Kräuter, Harze und Teile von Speiseopfern verbrannt werden. Wie aufwendig man eine solche Räucherung gestaltet, bleibt einem selbst überlassen, wichtig ist, daß man Rauch erzeugt, der „nach oben steigt“ und damit die Aufmerksamkeit erregt.

Für das Lararium ist kein sonderlich aufwendiges Rauchopfer mit bestimmten Zutaten notwendig, wie es zum Beispiel für ein Ritual für einen bestimmten Gott erforderlich ist, dem bestimmte Harze oder Pflanzen oder Kräuter zugeordnet sind. Laren und Penaten schätzen Rauchopfer, egal um was es sich dabei handelt, und wieder gilt die Devise: es müssen keine kostbaren, aus dem Orient importierte oder in einem Kloster handgefertigten Räucherwerke sein, die am Morgen verbrannt werden. Diese sollte man sich für besondere Anlässe oder die Götter aufheben.

Auch sollte beachtet werden, daß es zeitlich immer aufwendiger ist, erst Kohle zum Glühen zu bringen und darauf dann Harze oder andere Räucherungen zu verbrennen. Nicht zuletzt ist es allein aus Gründen der Wohnverhältnisse (empfindliche Nachbarn, Brandmelder) nicht unbedingt möglich, große Weihrauchgefäße zu füllen oder gar Speisen oder Wein innerhalb einer Mietwohnung in offene Flammen zu geben.

Hat man es morgens eilig und will nur ein tägliches Alltagsritual durchführen, spricht in der heutigen Zeit auch gar nichts gegen die schnelle Verwendung von Räucherstäbchen anstatt dem Verbrennen von anderen Materialien auf Kohle und Sand. Auch hier gilt schon wieder: Pragmatisch schauen, was zur Situation paßt. Muß ich immer erst am Morgen Kohle entzünden und dort Harze und Pflanzen verbrennen, wird das tägliche Ritual zwischen Aufstehen und Fahrt zur Arbeit schnell zu aufwendig und dadurch irgendwann vernachlässigt. Entzünde ich auf die Schnelle ein Räucherstäbchen, das ich im Anschluß an das Ritual wieder lösche, fällt es mir viel leichter, eine Konstanz und Regelmäßigkeit beizubehalten und das Ritual auch dann durchzuführen, wenn ich es wirklich eilig habe. Verwendung von Räucherstäbchen wird weder Laren noch Penaten noch Götter erzürnen.

Nur in einem speziellen Ritual, bei dem man wirklich wichtige Anliegen vorträgt oder besondere Anlässe feiern möchte, sollte einer aufwendigen Räucherung mit speziellen Materialien der Vorzug gewesen werden. Im Alltagsritus eines schnellen und unkomplizierten Rituals kann man zwar auch aufwendig räuchern, muß es aber nicht.

Praktische Alternative: Räucherstäbchen, hier in einem Tongefäß mit Schlange (die in keinem Lararium fehlen darf)

Praktische Alternative: Räucherstäbchen, hier in einem Tongefäß mit Schlange (die in keinem Lararium fehlen darf)

Falls für den Hausgebrauch Räucherstäbchen anstelle von „richtigen“ Räucherungen verwendet werden, empfehlen wir Räucherstäbchen der Marke Auroshika. Diese Marke zeichnet sich durch vielfältige Sorten aus, die durch die Verwendung von natürlichen Harzen, Pflanzen, Hölzern und Gewürzen sehr klare und differenzierte Aromen abgeben. Die Rohstoffe werden mit Wasser zu einer Paste gemixt, um Bambusstöcke handgerollt und an der Luft getrocknet, anstatt mit billigem Kleber zu Räucherstäbchen geformt zu werden. Deswegen sind sie durch die in Genf ansässige IFRA zertifiziert und frei von Giftstoffen, wie sie oft von anderen asiatischen Räucherstäbchen abgegeben werden. Außerdem ist die Firmenpolitik der in Indien ansässigen Firma, die ein wichtiger Arbeitgeber in der Region ist und dort sehr viele soziale Projekte fördert, sehr transparent, es wird garantiert ohne Kinderarbeit gearbeitet und die Arbeiter sind vergleichsweise gut sozial abgesichert. Durch die vielen verfügbaren Sorten dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein, außerdem sind sie in Deutschland gut erhältlich.

Die zweite empfehlenswerte Marke sind die Räucherstäbchen von Holy Smokes Blue Line, die ebenfalls in Indien schadstofffrei von Hand mit natürlichen Zutaten gefertigt werden und fair gehandelt sind. Auch hier gibt es viele ausgezeichnete Sorten.

Weihrauch beziehen wir persönlich direkt aus den in unserer Umgebung liegenden Klöstern wie Abtei Mariawald bei Heimbach in der Eifel oder Kloster Maria Laach am Laacher See, die beide immer einen Ausflug wert sind und vor Ort in ihren Klostershops eine gute Auswahl an Räucherzubehör, Räuchergefäßen und Räucherungen haben.

  • Handhaltung und Geste

Anrufungen im römischen Ritus werden nicht, wie beim Beten im Christentum oder in der Buddhistischen Meditation, mit gefalteten, ineinander- oder aneinander gelegten Händen durchgeführt (ganz im Gegenteil ist das Falten der Hände sogar verboten, weil diese Geste bedeutet, daß man etwas zu verbergen hat und das Gesagte nicht so meint, sondern es durch das Kreuzen der Finger direkt wieder aufhebt).

Stattdessen gibt es unterschiedliche Handhaltungen bei der Ansprache von Göttern und anderen Wesen, die sich nach der Richtung orientieren, in der man den Angesprochenen vermutet. Gottheiten, die im Himmel bzw. „oben“ angesiedelt sind, werden Manu supina angerufen, d.h. mit erhobenen Händen, Handflächen leicht nach oben gerichtet, Finger zusammen und den Blick ebenfalls nach oben gewendet (Macrobius, Saturnalia 3.9.10-12, Virgil Aeneid XII.195,6).

Da im Larariums-Ritual immer auch Janus und Vesta angerufen werden, ist diese Geste immer dann zu verwenden, wenn man sich an diese beiden Götter richtet. Auch Laren werden Manu supina angerufen (Horaz, Oden III, 23).

Götter und Wesen, die der irdischen Sphäre zugeordnet sind, werden mit nach unten gedrehten Handflächen angerufen oder die Handflächen werden in die Richtung gehalten, in der sich der Altar oder Schrein oder ein anderer zugeordneter Ort befindet. Silvanus, zum Beispiel, wird mit den Händen in Richtung Wald angerufen, Neptun mit Händen in Richtung des nächsten Gewässers oder Meeres.

Hände in Manu supina

Mit capite velato und Händen in Manu supina

Analog dazu werden Götter und Wesen, die der Unterwelt zugeordnet sind (Dii Inferi), mit der nach unten gerichteten rechten Hand (Manus prona) angerufen, die über den Altar, den Boden, ein Erdloch oder eine Erdspalte gehalten wird. Das sollte im alltäglichen Larariums-Ritual keine Rolle spielen.

Opfergaben werden mit der jeweils anderen Hand dargereicht. Mit der rechten Hand werden Opfergaben an himmlische und irdische Götter oder Laren dargereicht, mit der linken Hand Opfergaben für Unterweltgötter (damit die andere Hand wie oben beschrieben die Richtung angeben kann).

Es gibt historische Darstellungen (zum Beispiel von Kaiser Marcus Aurelius), der im Rahmen eines Triumphzuges ein Trankopfer durchführt und dabei die rechte Hand geschlossen, aber Zeige- und Mittelfinger ausgestreckt hält. Diese Darstellung findet sich öfter in alten Bildern, unter anderem im Kalender des römischen Kalligraphen Filocalus. Auch gibt es Darstellungen, bei denen die Opferschale (Patera) auf diese Weise gehalten wird. Diese Geste ist besonders in späteren Darstellungen häufig und weit verbreitet, aber bislang ist unklar, ob es sich um eine Gebetsgeste handelt und  in welchem Zusammenhang sie verwendet wurde (sie wurde später als segnende Geste des Bischofs von den Christen übernommen).

Das Ritual am Lararium wird abgeschlossen mit der Adoratio,  die zwar bei allen religiösen Praktiken gängig ist und von vielen Autoren beschrieben wird, deren genaue Durchführung aber bis heute umstritten ist. Antike Quellen (z.B. Sallustius) beschreiben zwei Kernelemente: eine Drehung des Körpers und das Küssen der rechten Hand.

Es ist die gängige Praxis, daß man, wenn man sich dem Lararium nähert oder es nach dem Ritus verläßt, zumindest die rechte Hand in Richtung des Larariums küßt. Hierbei ist jedoch nicht geklärt (und bleibt deswegen einem selbst überlassen), ob man die Innenseite der Fingerspitzen wie bei einem modernen Kuß-Zuwerfen küßt und dann in Richtung des zu grüßenden Ortes zeigt, oder ob man auf dem Handrücken den Kuß zwischen die Knöchel von Zeige- und Mittelfinger platziert und dann mit der Hand zum Altar zeigt. Da es keine definitive Antwort gibt, bleibt es dem persönlichen Geschmack des Cultors überlassen, welche Variante er bevorzugt (diese Kußgeste wird übrigens auch verwendet, wenn man an einem Altar, Tempel, Schrein oder der Statue eines Gottes vorbeigeht und diesen Ort grüßen möchte). Es ist durchaus üblich, nur die Kußgeste ohne Drehung zu verwenden (Minucius Felix, Octavius, II)

Die gesteigerte Version dieser Geste, die vor allem empfohlen wird, wenn man ein wichtiges Opfer durchführt, sich dem Grab eines Angehörigen nähert (Plutarch, Roman Questions, 14) oder ein größeres Ritual praktiziert, ist, daß man diese Kußgeste mit einer einmaligen Rotation des Körpers um die eigene Achse kombiniert (das Haupt bedeckt) und dann in Richtung des Altars oder Ortes mit der Drehung endet, um dort das Ritual durchzuführen. Die Richtung der Drehung scheint dabei keine Rolle zu spielen, Plinius weist nur darauf hin, daß bei den Galliern die Vorstellung herrscht, daß eine Linksdrehung stärker wirkt (Plinius, Naturalis Historia, 28.25).

Sofern der Raum es zuläßt, ist auch die Umrundung des Altars üblich, die gefolgt wird von der Rotation des Körpers und der Kußgeste.

  • Sprache und Auswendig-Lernen
Gutus aus Ton

Gutus aus Ton

Im Ritual am Lararium wird (wie allgemein im römischen Cultus üblich) laut gesprochen, die Worte werden also nicht (wie ein stummes christliches Gebet) nur im Stillen gedacht oder leise vor sich hin gemurmelt.

Wir bieten in unseren Ritualbeschreibungen sowohl den lateinischen Text als auch die deutsche Übersetzung an. Es wird empfohlen, das Ritual auf Latein durchzuführen, da entweder davon ausgegangen wird, daß Latein die Sprache der Götter ist und diese erfreut oder wer eine mehr prosaische Begründung sucht, es die durch Tradition geadelte Kultsprache ist. Außerdem ist die Durchführung auf Latein authentischer und stimmungsvoller. Natürlich ist es auch in Ordnung, das Ritual in seiner eigenen Landessprache durchzuführen. Hier sollte aber zumindest in Erwägung gezogen werden, zusätzlich den lateinischen Text zu verwenden und die deutsche Übersetzung dann quasi für sich selbst und das bessere Verständnis hinzuzufügen.

Es ist nicht nötig, das Ritual auswendig und freihändig zu praktizieren. Es ist durchaus in Ordnung, sich die Anleitung auszudrucken und dann Schritt für Schritt abzulesen. Mit der Zeit wird man von selbst feststellen, daß man bestimmte Teile auswendig kann und immer weniger auf das Blatt schauen muß. Das Endziel sollte sein, frei zu sprechen, damit man sich auf den Inhalt und die Handlungen konzentrieren kann, wobei der Text nur noch Stütze im Hintergrund ist. Pauken der Texte sollte aber nicht nötig sein und schon gar nicht sollte man sich dadurch, daß man sie noch nicht auswendig kann, daran hindern lassen, einfach anzufangen. In alter Zeit wurden Riten grundsätzlich abgelesen, um die Gefahr eines Versprechers oder anderen Fehlers in der Rezitation zu minimieren, der das ganze Ritual ungültig gemacht hätte, so das man es von vorne beginnen musste.


Übersicht über die Rituale im Larenkult

  • Tägliches Morgenritual am Lararium. Ideal für Einsteiger als erstes Ritual, das man erlernt. Götter können flexibel einbezogen werden. Minimum, das im Larenkult praktiziert werden sollte (idealerweise täglich, mindestens an Kalenden, Nonen und Iden)
  • Reinigungsritual zu Reinigen und Fokussieren
  • Ritual beim Verlassen des Hauses
  • Ritual bei der Rückkehr nach Hause
  • Abendritual
  • Rituale anläßlich von Familienfeiern und anderen besonderen Anlässen im Haushalt (Umzug, Einzug, Geburt, Tod, Geburtstag)
  • Rituale anläßlich der jährlichen Feiertage und Feste für Laren und Penaten
  • Neujahrsritual für Janus

Götterwelt: die Penaten

Auch: Di Penates, Dei Penates 

Zuständigkeiten und Bezeichnungen:

Die Penaten zählten zu den Hausgöttern (dii familiares), die ursprünglich für die Bewachung der Vorratskammer (Essen, Getränke und Öl) und für den Herd zuständig waren. Sie standen damit in enger Verbindung zur Göttin Vesta. Ihr Name leitet sich vom lateinischen penus (Vorrat) ab. Zu ihren Hauptfunktionen zählte der Schutz der Vorräte vor Ratten, die von ihnen vertrieben wurden, das Hüten der Glut im Ofen, das Inspirieren des Kochs, damit dieser stets etwas Schmackhaftes kochte, sowie der Schutz der Familie bei Nacht, wenn diese schlief. Deswegen war der Herd ursprünglich der „Altar“ ihrer Verehrung.

Penate mit Opferschale und Füllhorn (Britisches Museum London)

Penate mit Opferschale und Füllhorn (Britisches Museum London)

Im Laufe der Zeit wandelte sich jedoch die Vorstellung, die man von den Penaten hatte, und sie vermischten sich mit den Laren (so daß auch sie als Verkörperungen der Seelen der Vorfahren galten), sowie mit dem Genius des Paterfamilias. Das führte dazu, daß sie zur Kaiserzeit nicht mehr am Herd, sondern ebenfalls im Lararium verehrt wurden.

Von Schutzgöttern der Vorräte und des Feuers wurden sie so – wie die Laren – zu Schutzgeistern der ganzen Familie und des Haushalts, die über die Einheit und Eintracht der Familie wachten und dafür sorgten, daß man innerhalb der Familie freundlich, wohlwollend und vernünftig miteinander umging. Mann und Frau mochten Geheimnisse voreinander haben, die Penaten jedoch kannten all diese Geheimnisse. Ein unharmonisches Familienleben war beleidigend für die Penaten, die sich dafür mit Kälte oder Fieber rächten. Gleiches galt, wenn man versehentlich das (normalerweise immer brennende) Feuer im Herd ausgehen ließ – auch das war eine Kränkung der Penaten.

Im Laufe der Zeit verschmolzen sie mit anderen Schutzgeistern und Schutzgottheiten des Hauses. Später rechnete man sogar Vesta, Apollo und alle andere „Hausgötter“, die im privaten Cultus der jeweiligen Bewohner eine Rolle spielen, zu den Penaten. Von den Laren sind sie jedoch streng zu trennen, denn im Gegensatz zu diesen, sind die Penaten mobil und können von einem Ort zum anderen gebracht oder bei einem Umzug mitgenommen werden.

Sklaven, die freigelassen wurden, nahmen die Penaten ihres ehemaligen Herrn für ihren eigenen Haushalt an.

Neben Riten am Lararium schloß man die Penaten auch bei jeder Mahlzeit ein, indem man einen kleinen Teil des Essens in das Feuer des Herdes gab. Auf dem Tisch standen für sie immer ein Salzgefäß und Erstlingsfrüchte. Verließ man das Haus, verabschiedete man sich von ihnen, mit der Bitte, daß sie über einen wachen mögen, und kehrte man zurück, begrüßte man sie wie nahe Verwandte. Bei jedem Familienereignis, egal ob der Anlaß traurig oder fröhlich war, wurden sie – zusammen mit den Laren – einbezogen.

Neben den Hauspenaten, die an eine Familie gebunden waren (und sogar mit dieser umzogen), gab es auch das öffentliche Gegenstück, die Staatspenaten (Penates Publici Populi Romani), die einen eigenen Tempel (aedes) auf der Velia-Anhöhe in der Nähe des Palatins hatten (dieser Tempel wurde im großen Feuer zur Amtszeit Kaiser Neros zerstört). Ihre Aufgabe war es, die „große Familie“ – den Römischen Staat – zu behüten.

Traditionell opferten ihnen dort Römische Magistrate (Consul, Praetor und Dictator) jährlich bei Amtsantritt in einem großen Staatsopfer. Der Legende nach wurden die ersten Penaten von Aeneas (der als Stammvater der Römer gilt) aus Troja nach Lavinium, südlich von Rom, gebracht, wo sie in engem Zusammenhang mit Vesta standen. Auch gab es Statuen von ihnen im Tempel der Vesta auf dem Forum in Rom, sowie in zahlreichen weiteren Heiligtümern. Auch das zeigt, daß Penaten „portabel“ sind und von einem Ort zum anderen gebracht werden können – und wurden.

Attribute und Darstellungen:

Die Penaten sprechen zu Aeneas (Szene aus Vergil:  Aeneid)

Die Penaten sprechen zu Aeneas (Szene aus Vergil: Aeneid)

Hauspenaten sind – im Gegensatz zu den Laren – von Geschlecht und Anzahl her völlig unbestimmt. Bei mehreren Penaten geht man davon aus, daß sie sich die Zuständigkeiten aufteilen, so daß einer für die Getränke, einer für die Speisen und ein dritter für den Herd zuständig ist. Darstellungen zeigen sie (wie die Laren), oft als Jünglinge mit den typischen Attributen Füllhorn (cornucopia) und Opferschale (Patera), so daß sie optisch meist nicht voneinander zu unterscheiden sind.

Im Lararium werden sie jedoch gestaltlos verehrt und weder als Malerei noch als Figuren abgebildet.

Die Darstellung der Staatspenaten im aedes auf Velia zeigte sie als zwei sitzende, lanzentragende Jünglinge, die allerdings ebenfalls Ähnlichkeit mit den Laren hatten.

Opfergaben:

Für die Hauspenaten sind keine speziellen Opfergaben nötig, da Penaten an den Mahlzeiten der Bewohner teilnehmen. Es genügt, ihnen etwas vom eigenen Essen zu geben. Zudem gehören, wie schon erwähnt, Salz und Erstlingsfrüchte zu ihren Gaben, die auf dem Eßtisch stehen.

Im Lararium kann man ihnen – wie auch den Laren – die typischen Opfergaben darbringen: Räucherwerk, Wein, Milch, Ritualkuchen und -brot, Blumen.

Feiertage:

Wie auch den Laren, werden mindestens an den Kalenden, Nonen und Iden den Penaten Opfer gebracht (in der Regel werden sie in die täglichen Handlungen am Lararium integriert). Außerdem werden sie in jedes Familienereignis und -fest einbezogen. Der offizielle Feiertag für die Penaten ist der 14. Oktober.

Sonstiges:

Die heidnische römische Religion und damit die Verehrung der Penaten und Laren wurde im November 392 durch den Kaiser Theodosianus I verboten, inoffiziell wurde der Kult aber noch bis in die Spätantike nachgewiesenermaßen praktiziert.

Götterwelt: Vesta

Zuständigkeiten und Bezeichnungen: 

Göttin mit Fackeln, wahrscheinlich Vesta (Vatikanisches Museum)

Göttin mit Fackeln, wahrscheinlich Vesta (Vatikanisches Museum)

Göttin der Familie, des Heims und des heiligen Feuers, als anwesend gedacht sowohl im Herdfeuer in jedem Haushalt, wie auch als ewige Flamme im Staatstempel, der auf dem Forum Romanum stand und dessen Salus (Heil) spendende Flamme an jedem 1. März rituell neu entfacht wurde.

Durch ihren Bezug zum Heim und zur Familie stand Vesta in enger Verbindung zu den Laren und Penaten, den Ahnen und Schutzgeistern der Familie (in ihrem Tempel wurden entsprechend auch die Penaten und Laren des Staates verehrt) und sie galt als Schutzgöttin der Bäcker und Müller durch den offensichtlichen Bezug zu Feuer und Ofen. Diese schmückten an ihrem Feiertag die Esel, die sie als Lasttiere für Mühlsteine und Getreide nutzten, was erklärt,  daß der Esel zu ihrem heiligen Tier wurde.

Wie der heimische Herd das Zentrum in jedem Haus war, so galt der Vestatempel – einer der ältesten Tempel des römischen Reiches – als das Zentrum des gesamten Imperiums, was die überragende Bedeutung der Göttin erklärt. Nach Ovid und Dionysios von Halikarnassos galt Vesta als Verkörperung der Erde selbst. Der Tempel hatte, im Gegensatz zu anderen Heiligtümern, eine runde Form, was das Alter seiner Ursprünge mit belegt, die bis ins 7. Jahrhundert v. Chr. reichen. Seine Tore waren nach Osten hin ausgerichtet, um die Verbindung der lebenspendenden Sonne mit dem im Tempel gehüteten ewigen Feuers zu betonen. Wie Janus, wurde auch Vesta in jeder Opferhandlung angerufen, Janus als Gott der Anfänge immer zu Beginn und Vesta am Schluss der rituellen Handlungen.

Sie ist eine der Dei Consentes, der 12 höchsten Götter.

Sphäre: 

Irdisch (Gemeinschaft, Heim, Herd)

Attribute und Darstellungen: 

Vesta wurde sehr lange Zeit bildlos in Gestalt des Feuers selbst verehrt, erst in späterer Zeit wurde auch sie wie andere Götter in Statuen personifiziert dargestellt (außer in ihrem Tempel), entweder stehend oder sitzend, ganz bekleidet und verschleiert mit den Attributen Opferschale, Fackel und Zepter, Schöpfkelle. Gedenksteine, oft von wohlhabenden Bäckern gestiftet zeigen sie auch mit Esel.

Opfergaben: 

Räucherwerk, Wein (am Lararium); Teile des täglichen Mahles (direkt in die Flammen des Herdes gegeben); Lorbeer, Wacholder, Veilchen

Kulttiere: 

Esel (nicht als Opfertier), Schaf

Feiertage: 

Vesta mit Esel

Vesta mit Esel

Das Fest der Göttin, Vestalia, wurde in der Zeit vom 7. – 15. Juni begangen, mit dem Hauptfesttag am 9. Juni.

Der Tempel der Vesta war das ganze Jahr über für die Öffentlichkeit geschlossen und nur am Fest der Vestalien zugänglich, allerdings nur für Frauen, die diese Zeit nutzten um den Tempel barfuß zu betreten und zu opfern. Als einzige männliche Ausnahme durfte der oberste Priester Roms, der Pontifex Maximus, den Tempel ebenfalls betreten. Am ersten Tag der Feierlichkeiten wurde der penus Vestae, ein durch Vorhänge abgetrennter besonderer Bereich im Tempel geöffnet. Hier wurden Symbole und Kultgeräte aufbewahrt, die die Macht Roms verkörperten.

Die Vestalinnen backten zu diesem Anlaß ein hartes Opferbrot mit Wasser, das von einer geheiligten Quelle transportiert wurde und keinen Kontakt mit dem Boden haben durfte, sowie Salz.

Der letzte Tag der Vestalien (die Iden des Juni) wurden zu einem Feiertag für alle Berufsgruppen, die mit Vesta verbunden waren, wie Bäcker und Müller. Diese schmückten an diesem Tag ihre Werkzeuge, Mühlsteine und Tiere ihr zu Ehren mit Blumen- oder Brotkränzen.

Sonstiges: 

Der Kult der Vesta wurde von einer besonderen Priesterschaft, den Sacerdotes Vestales (Vestalinnen), gepflegt, die verantwortlich für das Hüten der ewigen Flamme waren und den kultischen Dienst der Staatspenaten versahen.

Es waren Frauen, die eine 30jährige Zeit im Dienst der Vesta abzuleisten hatten und vom Pontifex Maximus als Kinder ausgewählt wurden. Ihr Leben wurde von strikten Vorschriften der Reinheit und Jungfräulichkeit bestimmt. Augrund ihres keuschen Lebenswandels wurden sie angesprochen als Virgo Vestalis (Vestalische Jungfrau) und sie hatten ein außerordentlich hohes Ansehen in der Öffentlichkeit und saßen etwa im Theater auf Ehrenplätzen.

Wenn sie sich außerhalb des Tempels bewegten, wurden sie von Lictores begleitet, einer Art symbolischer Leibgarde, die ansonsten ausschließlich Magistrate und Konsuln begleitete und deren Amtsgewalt durch die auf der Schulter getragenen Fasces (Rutenbündel mit einer eingebundenen Axt) anzeigten. Selbst Senatoren und Konsuln ließen einer Vestalin den Vortritt und begegnete ihr ein Verurteilter, konnte er von ihr auf der Stelle begnadigt werden. Sie wohnten in einem Atrium Vestae genannten Gebäude neben dem Vestatempel und konnten nach Ablauf ihres Tempeldienstes zurück in das Privatleben gehen, auch heiraten. Die Mehrheit allerdings verblieb nach den 30 Jahren im Tempeldienst, weil sie ihre gesellschaftliche Stellung und die damit verbundenen Privilegien nicht aufgeben wollten und in der Bevölkerung die Vorstellung herrschte, dass eine ehemalige Vestalin, die später als Braut in eine Familie einzog, dieser Unglück brachte.

Brach eine Vestalin ihr Zölibat, oder ließ sie das heilige Feuer ausgehen, wurde sie mit dem Tode bestraft, unter anderem durch Begraben bei lebendigem Leibe (unter Kaiser Domitian). Hierbei wurde die Vestalin gefesselt und mit verbundenen Augen vor die Stadt getragen, wo in der Erde ein Raum ausgehoben wurde, in dem ein Bett, eine Lampe, ausreichend Essen und Trinken standen. Die Vestalin mußte auf einer Leiter durch die Öffnung in die Tiefe steigen, danach wurde die Leiter herausgezogen. Anschließend verschloß man die Öffnung und bedeckte die ganze Anlage mit Erde, bis nichts mehr zu erkennen war. Die Nahrung und Getränke sollten verhindern, daß die Vestalin nicht durch Verhungern oder Verdursten starb.