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Antike Stätten: Tumulus von Ochtendung

Der rekonstruierte Tumulus von Ochtendung

Der rekonstruierte Tumulus von Ochtendung

Anschrift:

Am Römerhügel, 56299 Ochtendung.

Anfahrt:

Der römische Grabtumulus liegt mitten in einem Wohngebiet des kleinen Ortes Ochtendung in der vulkanischen Osteifel. Das Grabmal ist eine Station des Vulkanparks. Allerdings ist die Anfahrtsbeschreibung auf der Seite des Vulkanparks nicht sonderlich hilfreich, ganz im Gegenteil eher verwirrend.

Zwar ist der Tumulus mit einem braunen Hinweisschild „römisches Grabmal“ an einigen Stellen im Ort ausgeschildert, jedoch sieht man diese Schilder nur aus einer Fahrtrichtung.

Mit dem Auto folgt man entweder der Bahnhofstraße bis zu einer Abzweigung „Auf Münsterhöh“, von dort in den Welschtalweg. Vom Welschtalweg geht eine kleine, unscheinbare Sackgasse ab, die „am Römerhügel“ heißt. Hier liegen auf der einen Seite vier Wohnhäuser und gegenüber auf einer großen Rasenfläche steht in der Nähe eines Spielplatzes der Tumulus. Direkt vor der Wiese besteht Parkmöglichkeit in gekennzeichneten Buchten.

Es gibt auch die Möglichkeit, direkt von der Bahnhofstraße aus über einen kleinen Fußweg über einen Spielplatz zum Tumulus zu laufen. Dieser Fußweg ist ausgeschildert.

Ochtendung hat keinen Bahnhof, der nächste Bahnhof befindet sich im 5 km entfernten Nachbarort Plaidt. Mit dem Bus ist Ochtendung mit der Linie 335 aus Medig, Mayen, Andernach und Neuwied zu erreichen.

Für Wanderer und Radfahrer ist die Region attraktiv, weil hier mehrere Routen des Vulkanparks verlaufen. Es befinden sich zahlreiche weitere Sehenswürdigkeiten in der Umgebung, so daß man den Tumulus von Ochtendung gut in eine Vulkanpark-Tour einbinden kann.

Hintergrundinformationen:

Wie beim Tumulus von Nickenich handelt es sich beim Tumulus von Ochtendung um ein gallo-römisches Grabmal. In der Nähe befand sich eine villa rustica, ein großer Gutshof, dessen wohlhabende Besitzer sich dieses repräsentative Grabmal errichten ließen.

Verbreitungsgebiet der Tumuli (orange Punkte) in der Region (aus der Infotafel des Vulkanparks vor dem Tumulus Ochtendung)

Verbreitungsgebiet der Tumuli (orange Punkte) in der Region (aus der Infotafel des Vulkanparks vor dem Tumulus Ochtendung)

Ochtendung lag zu römischer Zeit in Ostgallien im Stammesgebiet der keltischen Treverer. Grabtumuli, runde, mit Stein ummauerte Erdhügel, sind überall in der Region zu finden und typisch für eine Verschmelzung gallischer und römischer Grabkultur. Die einheimischen Gutshofbesitzer waren romanisierte Gallier, die der keltischen Oberschicht angehörten und durch diese sehr aufwendige und kostspielige Grabgestaltung nach römischem Geschmack zeigten, daß sie Macht, Einfluß und Geld besaßen.

Derartige Tumuli – Erdhügel mit einem gemauerten Sockel – waren in der Region vom Ende des 1. Jahrhunderts, insbesondere entlang der Mosel, bis zum Ende des 3. Jahrhunderts üblich.

Im Gegensatz zum Tumulus von Nickenich, bei dem aus Inschriften eines ebenfalls in der Nähe gefundenen Nischengrabmals die Namen der Errichter überliefert sind, wurden im Tumulus von Ochtendung zwar Tote mit ihren Grabbeigaben gefunden, die Namen der hier Bestatteten sind jedoch unbekannt.

Das Grabmal wurde wahrscheinlich zwischen 100 und 150 n. Chr. errichtet, jedoch wurde die Stelle auch später noch als Grabstätte genutzt, als der Tumulus bereits nicht mehr bestand (um 300 n. Chr.), so daß der Ort seine Bedeutung als Friedhof beibehielt.

Bei dem Tumulus handelte es sich um einen Erdhügel von mit einer kreisrunden Umfassungsmauer aus 13 Tuffsteinsegmenten (wahrscheinlich aus dem nahen römischen Tuffsteinbergwerk Meurin) und mit einem Durchmesser von fast 8 Metern. Die Blöcke waren an den Stoßfugen mit schwalbenschwanzförmigen Klammern verbunden. Der Steinkranz als Fundament mit seinen 2 x 0,8 x 0,5 Meter mächtigen Steinquadern war bei der ersten Befundaufnahme noch vollständig und in originaler Lage erhalten. Die versetzte Bauweise nach oben zeigt deutliche Parallelen zum nahen Tumulus von Nickenich.

Bei Bauarbeiten im Wohngebiet stieß man im Jahr 1978 auf die Überreste dieses Tumulus. Bei den folgenden Ausgrabungen im Jahr 1980-1982 wurden darin mehrere Gräber entdeckt. Bei den ältesten Gräbern aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. handelte es sich um Urnengräber nach römischer Sitte, in denen sich in einer massiven Aschekiste aus Tuffstein der Leichenbrand einer Frau mit ihrem Neugeborenen oder einem Fötus befand, so daß davon ausgegangen wird, daß sie bei der Geburt starb. Daneben lag ein Grab aus Schieferplatte mit den Überresten eines ca. 9 Monate alten Kindes, die sich in einer Urne vom Typ „Honigtopf“ befanden.

Die Urne und die Grabbeigaben sind auf den gut gestalteten Infotafeln vor dem Tumulus beschrieben und abgebildet

Die Urne und die Grabbeigaben sind auf den gut gestalteten Infotafeln vor dem Tumulus beschrieben und abgebildet

Als Grabbeigaben der Mutter fanden sich Öllampen und Teller im römischen Stil, die beweisen, daß die hier Bestatteten den römischen Lebensstil schätzten, sowie ein Nadelkästchen aus Knochen.

Das Kindergrab enthielt Speisegefäße und ein Holzkästchen unbekannten Inhalts, das nur noch durch seine metallenen Beschläge und Nägel nachweisbar ist.

Aus der späteren Zeit stammen fünf Körpergräber, in denen die Toten nach spätrömischem Brauch unverbrannt bestattet wurden. Sie stammen aus der Zeit ab 300 n. Chr., zu der der Tumulus nicht mehr bestand, was daran erkennbar ist, daß die Toten im Bereich der früheren Umfassungsmauer lagen. Der späteste Tuffstein-Sarkophag stammt aus der Zeit um 400-450 n.Chr.

Der jüngste Sarkophag zeichnete sich durch besonders wertvolle Grabbeigaben aus, wie zwei Glasgefäße, eine robuste Schüssel sowie ein Trinkbecher mit der Aufschrift „SITIO“ („Ich habe Durst“). Derartige Spruchbecher waren um 400 n. Chr. nicht mehr in Mode, sondern vor allem in früherer Zeit modern, so daß man davon ausgeht, daß es sich um ein geschätztes Erbstück handelte.

Der Tumulus wurde am Originalstandort im Jahr 2002 im Maßstab 1:1 rekonstruiert und als Station in den Vulkanpark eingebunden. Die Steine stammen, wie schon beim Original, aus dem typischen Tuffstein der Region. Er gilt heute als geschütztes Kulturdenkmal.

Beschreibung:

Die Rekonstruktion ist am Originalstandort im Maßstab 1:1 errichtet

Die Rekonstruktion ist am Originalstandort im Maßstab 1:1 errichtet

Der Tumulus liegt auf einer leicht erhöhten Wiese mitten in einem ruhigen Wohngebiet.

Er ist in gepflegtem Zustand und mit mehreren Infotafeln des Vulkanparks versehen, aus dem gut beschriebene, detaillierte Informationen zu Geschichte und Hintergrund hervorgehen, zusammen mit informativen Illustrationen. Eine vorbildliche Beschilderung!

Zwar ist der Tumulus von Nickenich – aufgrund des in der Nähe stehenden Nischengrabs und der Grabinschriften – spektakulärer, der Vollständigkeit halber ist der Tumulus von Ochtendung jedoch auch einen Besuch wert.

Öffnungszeiten, Zugänglichkeit, Führungen:

Der Tumulus ist jederzeit frei zugänglich, da er mitten in einem Wohngebiet steht. Die Anwohner der gegenüberliegenden Häuser sind herumlaufende Wanderer und Vulkanpark-Touristen gewöhnt und nehmen diese freundlich-gleichgültig zur Kenntnis.

Regelmäßige Führungen sind uns nicht bekannt; wer sich für eine Besichtigung der römischen Stationen des Vulkanparks interessiert (Tumuli Nickenich und Ochtendung, Katzenberg Mayen, Mayener Grubenfeld, Römerbergwerk Meurin) kann sich für weitere Informationen an das Infozentrum des Vulkanparks in Plaidt wenden.

Sonstiges:

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Über die romanisierten Kelten Contuinda, Tochter des Esucco und ihren Sohn Silvanus Ategnissa wissen wir viel dank ihres Grabsteins in Nickenich in der Eifel

Über die romanisierten Kelten Contuinda, Tochter des Esucco und ihren Sohn Silvanus Ategnissa wissen wir viel dank ihres Grabsteins beim Tumulus von Nickenich in der Eifel

Der Besuch des Tumulus sollte auf jeden Fall mit weiteren Sehenswürdigkeiten des Vulkanparks verbunden werden. Hier gibt es neben den zuvor aufgezählten römischen Sehenswürdigkeiten auch spannende geologische Stationen, wie den Laacher See oder das Basaltbergwerk und das Deutsche Vulkanmuseum Lavadome Mendig.

Ebenfalls archäologisch und insbesondere für den keltischen Touristen interessant ist der nahegelegene Goloring, der als eines der bedeutendsten archäologischen Anlagen der Eisenzeit in Rheinland-Pfalz gilt und auch als das „Eifel-Stonehenge“ bezeichnet wird. Da sich diese Anlage jedoch in einem militärischen Sperrgebiet befindet, ist sie nicht frei zugänglich; hier müssen Besuchstermine vereinbart werden, ansonsten ist die 175 Meter lange, kreisrunde Wall-Graben-Anlage vom Henge-Typ, die aufgrund ihrer Lage eher als Heiligtum oder Kultplatz als als Schutz- oder Befestigungsanlage gedeutet wird, am Tag des Offenen Denkmals zu besichtigen.

Events und Veranstaltungen: Römerfest Mayen

Römerfest vor ungewöhnlicher Kulisse in der Vulkaneifel

Römerfest vor ungewöhnlicher Kulisse in der Vulkaneifel

Das Römerfest in Mayen, mitten in der Vulkaneifel, naht!

Dieses Jahr findet es am 26. und 27. Juli 2014 statt. Wie auch im letzten Jahr, wird es auf dem Gelände des Vulkanpark-Erlebniszentrums Terra Vulcania gefeiert, direkt am Mayener Grubenfeld gelegen.

Das Römerfest in Mayen gehört zwar bei weitem nicht zu den „großen“ Veranstaltungen (wie die Römertage im Archäologiepark Xanten oder die Römertage in der Villa Borg), aber dafür ist das zweitägige Fest sowohl von der Location her als auch von den sehr engagierten Darstellern der Legio XXII Primigenia Milites Bedenses aus Bitburg ein sehr schöner, lehrreicher und familiärer Event.

Der Besucher hat die Möglichkeit, hautnah römische Legionäre beim Exerzieren und dem Schießen der Ballista zu beobachten und – was noch besser ist – mit den Legionären direkt ins Gespräch zu kommen. Alle sind sehr auskunftsfreudig und teilen gerne ihr umfangreiches Wissen zur römischen Geschichte mit den interessierten Zuschauern. Daneben wird auch ziviles Leben gezeigt, wie eine römische Modenschau mit der berühmten Frage „wie wickele ich eine Toga“ oder eine römische Hochzeit.

Immer beliebt: die römische Modenschau

Immer beliebt: die römische Modenschau

Außerdem sind auch immer einige Händler vor Ort, die ihre Repliken verkaufen und wo man sich gerade als Cultor hervorragend mit authentischer römischer Terra Sigillata, Öllampen oder Statuen eindecken kann.

Es gibt auch ein umfangreiches Programm für Kinder wie römisches Kochen, Stockbrotbacken, mit römischen Mühlen Getreide mahlen oder römische Kinderspiele spielen.

Ein ganz besonderes Highlight dieses Events ist aber auch die Kombination der Veranstaltung auf der Wiese hinter der Terra Vulcania mit kostenlosen Exkursionen zu den römischen Sehenswürdigkeiten der Region: es gibt einen Shuttleservice vom Veranstaltungsgelände zum Katzenberg bei Mayen, dem ehemaligen „Kastellberg“. Dort wird, unter fachkundiger Führung eines Mitarbeiters des Vulkanparks, die Geologie und römische Geschichte der Römerwarte erläutert und erwandert (festes Schuhwerk ist erforderlich!). Wer mehr über den Katzenberg wissen will, findet hier unseren ausführlichen Artikel mit vielen Hintergrundinformationen. Die Gelegenheit, ihn mit fachkundiger Führung zu erklimmen und sich den Gipfel sowie die rekonstruierte Schutzmauer anzuschauen, sollte man sich nicht entgehen lassen.

Das Mayener Grubenfeld mit seinen riesigen Basaltsäulen ist spektakulär

Das Mayener Grubenfeld mit seinen riesigen Basaltsäulen ist spektakulär

Die zweite Exkursion, die im Rahmen des Römerfests vom Vulkanpark angeboten wird, ist eine geführte Wanderung durch das Mayener Grubenfeld, das zu Fuß vom Veranstaltungsgelände aus zu erreichen ist. Auch hier vermitteln Mitarbeiter des Vulkanparks sehr ausführliche Hintergrundinformationen zum römischen Basaltabbau, woraus die Mühlsteine für das gesamte römische Reich gewonnen wurden und wo bereits die Kelten Vulkangestein abbauten. Auf jeden Fall auch einen Besuch wert, denn so etwas sieht man sicher nicht alle Tage! Mehr Informationen in unserem Artikel zum Mayener Grubenfeld!

Daneben gibt es am Sonntag auch einen Vortrag durch Professor Dr. Fischer vom Archäologischen Institut der Universität Köln zum Thema „Die römische Armee„.

Das vollständige Programm kann hier als PDF heruntergeladen werden.

Der Eintritt ist frei (nur wer auch zusätzlich die Terra Vulcania selbst besichtigen will, zahlt dort den üblichen Eintrittspreis). Auch die Exkursionen zum Katzenberg und Mayener Grubenfeld sind kostenlos!

Auf dem Katzenberg sind Teile der Römerwarte rekonstruiert und begehbar

Auf dem Katzenberg sind Teile der Römerwarte rekonstruiert und begehbar

Eine sehr schöne Veranstaltung mit einer guten, vielseitigen Programm-Mischung, mit lehrreichen, freundlichen und offenen Römern und das mitten in der schönen Vulkaneifel!

Unser Tipp des Monats 🙂

 

Antike Stätten: Nischengrabmal und Grabtumulus von Nickenich

Anschrift:

Laacherstraße (Kreuzung L116), Parkplatz am Sportplatz, 56645 Nickenich (Achtung! Für das Navigationsgerät nicht verwechseln mit der „Laacher Str.“!)

Anfahrt:

Das Nischengrab

Das Nischengrab

Nickenich liegt in direkter Nähe des Laacher Sees und der Abtei Maria Laach. Der Ort ist gut über die A61 (Abfahrt Kruft) zu erreichen. Die gallo-römische Grabanlage, bestehend aus Grabtumulus und Nischengrab, befindet sich auf dem Parkplatz am Sportplatz von Nickenich, am Ortseingang gelegen. Der Parkplatz ist unmittelbar von der Landstraße 116 zu erreichen und leicht zu finden.

Ebenfalls auf diesem Parkplatz startet der Premiumwanderweg „Pellenzer Seepfad“, der zu den „Traumpfaden“ gehört, einer Reihe sehr gut ausgeschilderter und anspruchsvoller Wanderwege durch Eifel und Moselland. Deswegen ist der Parkplatz auch mit den wehenden „Traumpfad“-Fahnen und der Info-Tafel mit Routenbeschreibung markiert und deswegen ebenfalls leicht zu finden.

Da das Grabensemble auf einem Parkplatz liegt, ist ausreichend Parkmöglichkeit vorhanden.

Hintergrundinformationen:

Das Dörfchen Nickenich liegt in der Vulkaneifel, die zu römischer Zeit von einheimischen romanisierten Kelten und Römern besiedelt war. Insbesondere die Basalt- und Tuffsteinindustrie spielte hier eine entscheidende Rolle. Der in unmittelbarer Nähe abgebaute Mayener und Mendiger Mühlstein wurde in das gesamte römische Reich exportiert und das nur wenige Kilometer entfernte römische Tuffsteinbergwerk Meurin ist das größte nördlich der Alpen.

Geschützt wurde die stark besiedelte und industriell geprägte Gegend vor immer wieder einfallenden rechtsrheinischen Germanen durch stationierte römische Wachgarnisonen, zum Beispiel auf dem nahen Katzenberg bei Mayen.

Rund um das Laacher See-Gebiet und den Raum Mayen finden sich deswegen zahlreiche römische Siedlungsspuren und Industrieanlagen. Auch ist viel über die römische und keltische Geschichte in der Region im Deutschen Eifelmuseum in Mayen zu erfahren, das ebenfalls nur wenige Kilometer entfernt ist sowie im Pellenz-Museum in Nickenich, das lokale Funde ausstellt. Ein zweiter Tumulus, der von der Bauweise her ähnlich ist, findet sich in Ochtendung.

In Nickenich hat sich eine wohlhabende Familie, die wohl auf einem nahegelegenen Gutshof lebte, selbst ein Denkmal über den Tod hinaus gesetzt. Die unmittelbare Nähe des Grabtumulus sowie des Nischengrabmals zeigen, daß beide Grabmonumente zusammen gehören, wofür auch die fehlende Inschrift des Nischengrabes spricht (etwas, das bei einem römischen Grabmonument dieser Größe eher unüblich war). Es handelt sich also mit großer Wahrscheinlichkeit um den Bestattungsplatz einer Villa Rustica, eines typisch römischen Gutshofes.

Der Tumulus und die Informationstafeln des Vulkanparks

Der Tumulus und die Informationstafeln des Vulkanparks

Im Jahr 1931 wurde bei Nickenich ein Rundbau aus römischer Zeit entdeckt, bei dem es sich um einen mit Erde bedeckten Grabhügel handelte („Tumulus„). Das gemauerte Fundament aus lokalem Tuffstein und eine aufliegende Quaderreihe befanden sich zum Grabungszeitpunkt noch in Originallage und etwa 70% des Baumaterials sowie eine Inschriftentafel, ein Gesims und die Inschriftenhalterung waren erhalten.

Obwohl es sich, wie der Inschrift zu entnehmen ist, um einen Grabtumulus handelte, wurde eine Grabkammer nicht entdeckt, so daß man davon ausgeht, daß es sich um ein Grab ohne Leichnam handelt, einen sogenannten Kenotaph, wie es üblich war, wenn Angehörige fern der Heimat oder an unbekannter Stelle ums Leben kamen oder woanders beigesetzt werden mußten.

Der Durchmesser des runden Steinbaus beträgt 7 Meter. Aus dem gefundenen Material ließ sich eine ursprüngliche Höhe von etwa 2,50 Meter rekonstruieren. Das Original des Tumulus befindet sich im Rheinischen Landesmuseum in Bonn, aber die Nickenenicher Kopie ist ein originalgetreuer Nachbau im Maßstab 1:1.

Aus der Inschriftentafel läßt sich ersehen, daß das Grab einer Mutter und ihrem Sohn gewidmet war. Über ihre Todesumstände oder ihren Bestattungsort sind jedoch keine Informationen enthalten.

Bei der Familie handelte es sich um einheimische Kelten, die jedoch im römischen Lebensstil und der römischen Kultur aufgegangen waren. Die Namen Contuinda und Esucco Ategnissa sind eindeutig keltisch, jedoch gab man dem Sohn bereits einen römischen Namen: Silvanus. Die Grabinschrift ist auf Latein verfasst und die Form der Inschrift ist in typischer römischer Sitte gestaltet:

Contuinda Esucconis F(iliae)
Silvano Ategnisse F(ilio)
h(eredes) es tes(tamento) f(ecerunt)

In der Übersetzung:

Der Contuinda, der Tochter des Esucco (und) Silvanus Ategnissa, ihrem Sohn, (haben) die Erben aufgrund testamentarischer Bestimmungen (dieses Grabmal) errichtet

Den Wohlstand der Familie kann man schon der Tatsache entnehmen, daß ein Grabtumulus mit Steinsockel und ein so großes Nischengrabmal mit den Figuren zu den aufwendigsten und teuersten Grabmonumenten gehörte. Solche Gräber wurden von wohlhabenden Bürgern errichtet, die damit ihren Reichtum und ihr Ansehen zur Schau stellten.

Details des Nischengrabes

Details des Nischengrabes

Die jüngere Forschung hat ergeben, daß die Grabmonumente aus dem 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. stammen. Die keltische Komponente erlaubt es, den Zeitraum auf die Jahre 50 – 100 n. Chr. einzugrenzen.

In unmittelbarer Nähe des Tumulus steht das Nischengrabmal, das ebenfalls 1931 entdeckt wurde. Es besteht aus drei mit lebensgroßen Figuren gefüllten Nischen. Die erste und dritte Nische zeigen Männer in römischer Tracht, die jeweils eine Schriftrolle halten. Die mittlere Nische eine Frau und ein Kind. Die Frau trägt einen römischen Mantel, darunter jedoch einheimische keltische Tracht, auch ihr Schmuck und ihre Frisur sind keltisch. Das Kind ist mit Tunica und Pallium römisch gekleidet.

An der linken Seite des Monuments befindet sich die Darstellung eines Mannes mit einem Stock, der zwei Männer, die am Hals mit Eisen aneinandergekettet sind, an einer langen Kette führt. Das Denkmal ist an der Oberseite mit Löwen verziert.

Die Stelen und Löwen bestehen aus Kalkstein, der Rest des Monuments aus einheimischem Tuffstein.

Beschreibung:

Das Nickenenicher Grabensemble befindet sich auf dem Parkplatz in unmittelbarer Näher des Sportplatzes. Dabei nimmt der Tumulus einen zentralen Teil ein und steht gut präsentiert und nachts beleuchtet auf einer kleinen Wiese. Er ist von Infotafeln umgeben, die auf Blöcke aus einheimischem Basaltgestein montiert sind, was einen ganz guten Eindruck macht.

Seitenansicht des Nischengrabes

Seitenansicht des Nischengrabes

Das Nischengrab ist zum Schutz vor Verwitterung mit einem kleinen Holzdach überdacht. Daneben gibt es ebenfalls eine Infotafel.

Die Anlage gehört (wie der Katzenberg, das Römerbergwerk Meurin oder das Mayener Grubenfeld) zum „Vulkanpark„, dessen Sehenswürdigkeiten überall in der Region verteilt sind und mit einheitlichen Informationstafeln und Schildern sachlich gut und informativ beschriftet sind.

Es gibt außerdem einen hölzernen Tisch mit zwei Bänken, an dem Wanderer vor der bewaldeten Kulisse der Vulkanlandlandschaft rasten können.

Die römischen Denkmäler sind ansprechend präsentiert, auch wenn die Position auf dem Parkplatz eher zweckmäßig ist. Auf jeden Fall ist die Stelle (sofern der Sportplatz nicht gerade bespielt wird) ruhig und friedlich und erlaubt angenehmes und zwangloses Verweilen.

Eintritt und Zugänglichkeit:

Der Platz ist jederzeit öffentlich zugänglich und kostet keinen Eintritt.

Sonstiges:

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Erfahrenen Wanderern mit guter Kondition kann diese Stätte auch als Ausgangspunkt für den Traumpfad „Pellenzer Seepfad“ empfohlen werden (doch Achtung, es handelt sich dabei um einen der schwierigsten Traumpfade mit Abschnitten, die zum Teil alpinen Anspruch haben, und starken Steigungen).

Wer die vielen römischen Sehenswürdigkeiten in der Umgebung besucht oder den Vulkanpark bereist, sollte auf jeden Fall auch den Abstecher zu diesem interessanten Grabmonument machen!

Der Besuch kann ideal verbunden werden mit dem Laacher See, dem Römerbergwerk Meurin, dem Basaltkeller von Mendig, dem Mayener Grubenfeld und der Römerwarte Katzenberg. Auch liegen zahlreiche weitere geologische und archäologische Sehenswürdigkeiten in unmittelbarer Nähe.

Weiterführende Informationen:

Antike Stätten: Mayener Grubenfeld

Eine Reise durch 7000 Jahre ununterbrochenen Basalt-Abbaus

Eine Reise durch 7000 Jahre ununterbrochenen Basalt-Abbaus

Anschrift:

Vulkanpark Terra Vulcania, An den Mühlsteinen 7, 56727 Mayen

Anfahrt:

Das Mayener Grubenfeld liegt etwas oberhalb des Ortes Mayen in der Vulkaneifel. Der Zugang erfolgt durch den Eingangsbereich der Terra Vulcania, deren Parkplätze vor dem Haus auch genutzt werden können. Die Anschrift ist von jedem Navi leicht zu finden, die Terra Vulcania ist auch ausgeschildert.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Grubenfeld nicht unmittelbar zu erreichen. Die Anreise erfolgt am besten per Bahn mit der Eifelquerbahn (Gerolstein – Andernach). Ausstieg am Bahnhof Mayen Ost. Bis zur Terra Vulcania sind es noch etwa 300 Meter oder 10 Gehminuten.

Hintergrund:

Das Mayener Grubenfeld ist eine Tagebau- und Bergbaulandschaft in der Vulkaneifel, die im Lavastrom des vor 200.000 Jahren ausgebrochenen Bellerberg-Vulkans liegt. Da der Basalt aus Mayen qualitativ besonders hochwertig ist, wird er hier seit 7000 Jahren ununterbrochen abgebaut, was weltweit einmalig ist.

Bereits während der Steinzeit wurde hier Stein abgebaut, später wurde der Basalt von den einheimischen Kelten und danach von den Römern intensiv genutzt.

Römische Abbauspuren sind noch gut zu erkennen

Römische Abbauspuren sind noch gut zu erkennen

Zu römischer Zeit spielte das Grubenfeld eine zentrale Rolle in Europa, denn der hier gewonnene Basalt eignete sich insbesondere gut zur Herstellung von Mühlsteinen. Die Mühlsteine wurden hier zu Rohlingen geschlagen und über den Rhein in das ganze Römische Reich transportiert.

Von den großen Mühlsteinen in Bäckereien, Restaurants und Privathaushalten bis hin zu den transportablen Handmühlsteinen der Legionen – sie wurden, wie Funde aus allen Provinzen, vom Mittelmeerraum bis in den hohen Norden zeigen, vor allem in Mayen gewonnen.

Die Mayener Mühlsteine wurden noch bis in das 20. Jahrhundert hier gewonnen, bis neue Techniken und Materialien zum Mahlen den Mühlstein aus Basalt ablösten.

Im Mayener Grubenfeld sind die Bergbauspuren aller Epochen aufgeschlossen und zu besichtigen. Kelten nutzten den Stein vor allem als Reibestein für Getreide und hatten bereits hochtechnische Verfahren zu seiner Gewinnung entwickelt, auf denen die Römer später aufbauten und sie verfeinerten.

So bietet das Mayener Grubenfeld auch einen guten Einblick in Basaltgewinnung in römischer Zeit. Eine Bruchparzelle zeigt die Spuren der typisch römischen Keiltaschenspaltung, wie sie seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. üblich war. Die Steinbrucharbeiter legten zwischen den achteckigen Basaltsäulen mit Zweispitz, Fäustel und Spitzeisen Hohlräume an, in die man Eisenkeile trieb. Diese wurden so tief eingeschlagen, bis der Basalt riß. Da Basalt bereits säulenförmig erstarrt, bildeten die abgeschlagenen Säulenteile bereits perfekte Rohlinge für später rund geschlagene Mühlsteine.

Die Mühlsteine selbst wurden meist nicht in den Steinbrüchen in die endgültige runde Form gebracht, sondern nur grob behauen. Noch heute sind auf römischen Schutthalden schadhafte Rohlinge und Bruchsteine zu sehen, die ausgesondert wurden.

Der Mayener Basalt wurde von den Römern ausschließlich als Mahlstein abgebaut und nicht als Baustein, da er dafür zu wertvoll und in seiner besonders gut zum Mahlen geeigneten porösen Struktur zu einzigartig war.

Beschreibung:

Das Mayener Grubenfeld erreicht man durch den Eingang zur Terra Vulcania, dem Vulkan-Erlebnis- und Forschungszentrum des Vulkanparks. Der Eintritt zum Grubenfeld ist kostenlos, kann aber natürlich mit einem Besuch der Terra Vulcania verbunden werden.

Die Stationen sind gut und informativ ausgeschildert

Die Stationen sind gut und informativ ausgeschildert

Das Mayener Grubenfeld kann auf einem Rundwanderweg erwandert werden, auf dem zahlreiche Infotafeln des Vulkanparks über den Basaltabbau aller Epochen und über die Entstehung und Nutzung des Basalts informieren.

Das Grubenfeld inmitten des Lavastroms ist weitläufig und wird von den Einheimischen gerne als Park und Naherholungsgebiet genutzt, die Wege sind gut ausgebaut und es gibt Bänke und sehr lohnenswerte Aussichtspunkte. Der Weg ist nicht sonderlich beschwerlich, geht aber natürlich stellenweise bergauf und bergab, da man sich inmitten verschiedener Abbauphasen in den gewaltigen Basaltsäulen und Wänden bewegt. Festes Schuhwerk ist von Vorteil.

Im Eingangsbereich des Grubenfeldes, in der sogenannten „Area Lapidea“, sind zahlreiche Basaltskulpturen ausgestellt, die von Künstlern aus aller Welt erstellt wurden. Daneben gibt es überall Kräne und andere industrielle Denkmäler aus der langen Geschichte des Abbaus.

Der Weg führt dann teils durch Bäume beschattet, teils über offene Flächen hinab in den Tagebaubereich mit seinen bizarren Basaltwänden und antiken Steinbrüchen.

An verschiedenen Stationen sind die Spuren der Nutzung erläutert und durch Tafeln auch illustriert. So sieht man Abbauspuren aus der Steinzeit, der Kelten, der Römer, des Mittelalters bis hin zur industriellen Nutzung in der Neuzeit. Inmitten der Basaltsäulen gibt es den Silbersee, der eine Folge des Tagebaus ist, und sogar eine Bogensportanlage. Kräne auf den Abbruchkanten bieten eine beeindruckende Kulisse.

Ausgesonderte Mühlstein-Rohlinge sind noch heute zu finden

Ausgesonderte Mühlstein-Rohlinge sind noch heute zu finden

Teilweise wurde der Basalt auch unter Tage abgebaut. Die weitläufigen unterirdischen Höhlen sind jedoch nur bedingt zugänglich, denn das Grubenfeld ist gleichzeitig Naturschutzgebiet und Heimat tausender Fledermäuse, die hier erforscht werden und die in den Höhlen leben. Deswegen sind die Höhlen nur zu bestimmten Zeiten und nur mit einem Führer zu besichtigen (wer aber gerne einmal in ein unterirdisches Basaltbergwerk steigen möchte, der kann das im nahegelegenen Lava-Dome in Mendig tun, der ebenfalls zum Vulkanpark gehört).

Am Abend schwirrt das Grubenfeld vor Fledermäusen. Die Mischung aus Industrie, Kunst und Geschichte ist auf eine morbide Weise interessant und bizarr, so daß ein Besuch dieses Tagebaugeländes nicht nur wegen der Bedeutung zu römischer Zeit und den Informationen zu römischen Tagebautechniken empfohlen wird!

Eine Verbindung mit dem Besuch der Terra Vulcania ist ebenfalls eine gute Idee, da hier in einer Art Erlebniszentrum die Hintergründe der Arbeit im Steinbruch erläutert werden und der Besucher selbst erfahren kann, wie es war, im Grubenfeld zu arbeiten. Es werden Arbeitsplätze und Werkhallen gezeigt und auch die sozialen Aspekte des Arbeitens und Lebens im Tagebau gezeigt, so daß es eine gute Ergänzung zum Besuch des eigentlichen Basaltfeldes ist.

Öffnungszeiten, Eintrittspreise und Zugänglichkeit:

Das Grubenfeld ist ganzjährig zugänglich. Zwar gelangt man dorthin nur durch den Eingangsbereich der Terra Vulcania, der Eintritt zum Grubenfeld ist aber dennoch uneingeschränkt und kostenfrei möglich.

Führungen:

Der Silbersee inmitten des Tagebaus

Der Silbersee inmitten des Tagebaus

Kostenlose Führungen durch das Grubenfeld (mit dem Schwerpunkt römischer Tagebau) finden im Rahmen des jährlichen Römerfestes am 3. Wochenende im Juli in Mayen statt, das auf dem Freigelände hinter der Terra Vulcania abgehalten wird. Hier bieten Führer des Vulkanparks interessante Wanderungen durch das Grubenfeld sowie zur Römerwarte auf dem Katzenberg an, der oberhalb des Lavastroms liegt.

Führungen durch das Grubenfeld dauern zwischen 1 – 1,5 Stunden.

Es gibt immer wieder Spezialführungen, zum Beispiel abendliche Fledermausführungen, Veranstaltungen und Möglichkeiten zur sportlichen Betätigung wie Bogenschießen.

Sonstiges:

Fotografieren ist im Mayener Grubenfeld uneingeschränkt möglich.

Das Mayener Grubenfeld gehört zum Vulkanpark, so daß der Besuch mit anderen Sehenswürdigkeiten in der unmittelbaren Nähe verbunden werden kann. Der römisch interessierte Besucher sollte auf jeden Fall auch die Römerwarte auf dem Katzenberg in Mayen sowie das Römerbergwerk Meurin besuchen. Daneben sind das Deutsche Vulkanmuseum in Mendig mit dem Basaltkeller, der Geysir Andernach (der höchste Kaltwassergeysir der Welt), der Laacher See und das Kloster Maria Laach lohnende Ausflugsziele in der unmittelbaren Nähe.

Die Basaltsäulen sind beeindruckend

Die Basaltsäulen sind beeindruckend

Einmal im Jahr findet auf dem Freigelände am Rande des Grubenfeldes das Römerfest von Mayen statt, bei dem die Soldaten und Zivilisten der Bitburger Reenactment Gruppe Milites Bedenses gute Einblicke in den römischen Legionsalltag und zivile Aspekte (wie Mode oder eine römische Hochzeit) geben. Hier werden auch originalgetreue Nachbauten der Handballista und stationären Ballista vorgeführt und es gibt Exerzierübungen. Die Mitglieder dieser Gruppe sind ausgesprochen gut informiert, zum Teil mit sehr speziellen Wissensgebieten, und beantworten Fragen der Besucher geduldig und ausführlich. Außerdem sind freie Darsteller und Handwerker anzutreffen, die auch ihre Produkte zum Verkauf anbieten, so daß hier eine gute Gelegenheit ist, sich mit römischem Geschirr und Alltagsgegenständen wie Öllampen einzudecken. Vorträge (wie 2013 durch Dozenten der Universität Köln) und kostenlose Führungen runden das zweitägige Programm ab.

Weiterführende Informationen:

Antike Stätten: Römerwarte Katzenberg bei Mayen

Die Signalstation, von dem Fliehbereich im Inneren der Rundmauer aus gesehen

Die Signalstation, von dem Fliehbereich im Inneren der Rundmauer aus gesehen

Anschrift:

Die Römerwarte liegt auf einem Berg oberhalb von Mayen in der Vulkaneifel, deshalb keine postalische Anschrift. GPS-Koordinaten des Parkplatzes: N 50°19.327, E 007° 14.939. Straßen in der Nähe sind der Katzenberger Weg und die St.-Barbara-Straße in 56727 Mayen.

Anfahrt: 

Die Römerwarte Katzenberg liegt auf einem 290 Meter hohen Berg oberhalb der B262 und ist von der Bundesstraße aus sowohl durch die Schutzhütte auf dem Berggipfel als auch durch die teilrekonstruierte Schutzmauer gut zu erkennen. Die B262 verbindet die A61 (Abfahrt Mendig / Laacher See) mit der A48 (Richtung Trier).

Die Römerwarte Katzenberg ist auf der Höhe der Abfahrt Mayen entlang der Bundesstraße und auch innerhalb des Ortes Mayen mit der Bezeichnung „Katzenberg“ ausgeschildert (so heißt auch das gleichnamige Industriegebiet in der Nähe). Sie liegt unmittelbar des großen Schiefersteinbruchs der Firma Rathscheck Schiefer (die auch den Ausbau und Erhalt der Römerwarte gesponsort hat), so daß es auch möglich ist, den Hinweisschildern zu diesem Tagebauunternehmen zu folgen, bis man auf Hinweise zur Römerwarte trifft.

Etwas unterhalb der Bergkuppe befindet sich ein Schotter-Parkplatz, der als Ausgangspunkt der nicht direkt mit dem Auto erreichbaren Römerwarte dient.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Römerwarte schwierig zu erreichen, sie liegt außerhalb von Mayen im Industriegebiet Katzenberg. Mayen selbst ist mit der Pellenz-Eifel-Bahn oder Eifelquerbahn zwischen Andernach und Gerolstein zu erreichen.

Von Mendig, Bell und Maria Laach aus fährt die Linie 312, der sogenannte „Vulkanbus“ die vulkanischen Sehenswürdigkeiten der Region ab. Die nächste Haltestelle zum Katzenberg ist „Mayen Ostbahnhof“, von dort aus sind es ca. 1,5 km Fußweg bis zur Römerwarte.

Hintergrundinformationen:

Der Wehrgang ist begehbar, genauso wie die Rundtürme

Der Wehrgang ist begehbar, genauso wie die Rundtürme

Der Name „Katzenberg“ leitet sich von der ursprünglichen Bezeichnung „Kastellberg“ ab.

Es handelt sich hierbei um eine spätrömische Höhenbefestigung, die um ca. 300 n. Chr. nach dem Fall des Limes errichtet wurde, als immer wieder plündernde germanische Stämme in die linksrheinischen römischen Provinzen einfielen.

Oft drangen die Plünderer dabei auch bis in die Vulkaneifel in das Gebiet um Mayen vor, das bereits seit keltischer Zeit berühmt für seine Basalt- und Tuffsteinvorkommen war. Hier befanden (und befinden sich noch heute) ausgedehnte Basaltsteinbrüche, aus denen zu keltischer und römischer Zeit bis in die Neuzeit Mühlsteine hergestellt und nach ganz Europa exportiert wurden. Die wirtschaftlich bedeutsame Region war deswegen auch für Plünderer attraktiv.

Die römische Befestigungsanlage oberhalb der im Bereich der heutigen Stadt Mayen gelegenen zivilen Siedlung (vicus), diente deswegen auch als Fliehburg für die einheimische Bevölkerung. Während eines Überfalls zogen sich die einheimischen Zivilisten auf den weitläufigen Platz hinter den Befestigungsmauern auf dem Bergrücken zurück, wo sie unter militärischem Schutz standen. So plünderten die Germanen zwar die Siedlung, aber die Bewohner kamen zumindest mit dem Leben davon.

Die 1,2 Hektar große Fliehburg gilt als die größte bekannte römische Fliehburg in Rheinland. Sie entstand als eine von 60 Bergbefestigungen, die sich in einer Kette durch die Höhenlagen von Eifel und Hunsrück zogen. Die Militärposten auf den Berggipfeln standen in Sichtkontakt miteinander und konnten sich mit Hilfe von Feuerzeichen verständigen. Außerdem ermöglichte die Position eine Beobachtung des weiten Umlandes bis tief  in Eifel und Hunsrück, sowie in die Ebenen der umgebenen Vulkaneifel.

Sie war für etwa 70 Jahre in Gebrauch. Danach lag sie 30 Jahre brach, bevor sie bis 450 n.Chr. wieder in Betrieb genommen wurde.

Die Dächer sind mit dem hier abgebauten Moselschiefer in authentischer Originaltechnik gedeckt

Die Dächer sind mit dem hier abgebauten Moselschiefer in authentischer Originaltechnik gedeckt

Die Höhenbefestigung liegt oberhalb des beeindruckenden Mayener Lavastroms („Bellerberg-Vulkanstrom“), der am Fuße des Katzenberges endete, sowie oberhalb des Flusses Nette, der zur Römerzeit deutlich größer war als heute.

Sie wurde um 1900 entdeckt und 1932 erstmalig archäologisch untersucht. Die eigentliche Freilegung und Restauration erfolgte ab 1997 und dauert bis heute an. Sie wird durch den Vulkanpark durchgeführt. Die archäologischen Untersuchungen erfolgen durch die Stadt Mayen und das Landesamt für Denkmalpflege in Koblenz.

Im Rahmen der Ausgrabungen wurden Teile der rundum laufenden Wehrmauer sowie Dachbedeckungen der Wachtürme aus dem hier anstehenden Moselschiefer gefunden. Dabei stellte sich heraus, daß die Türme in der für die Römerzeit seltenen altdeutschen Schuppentechnik gedeckt waren, die auch heute noch in Eifel und Hunsrück gebräuchlich ist.

Von der Signalstation auf dem Berggipfel sind Fundamente erhalten, sowie Teile einer Fußbodenheizung und Sechseck-Schiefer-Dachbedeckung.

Beschreibung:

Vom Parkplatz aus ist die auf dem Berggipfel gelegene Signalstation gut zu erkennen, denn sie wurde durch die regional sehr engagierte Schieferfirma Rathscheck mit einem großen Schutzbau aus Holz überbaut, der in der klassischen Sechseck-Technik mit Moselschiefer gedeckt wurde, wie man ihn auch auf der Ausgrabungsstätte gefunden hat.

Teile der Außenmauer wurden mitsamt Wehrgang zur besseren Anschauung rekonstruiert, genauso wie mehrere Rundtürme, die aus Original-Material der Wachtürme bestehen und in authentischer Weise mit Schiefer gedeckt sind.

Um die Signalstation herum führt ein Rundwanderweg, der auch zur tiefer gelegenen Außenmauer des Fliehbereichs führt. Über den Wehrgang entlang der Außenmauer und durch die Wachtürme hindurch kann man ebenfalls hindurchgehen und gelangt schließlich wieder zurück zur Signalstation.

Infotafeln säumen den gesamten Rundweg

Infotafeln säumen den gesamten Rundweg

Überall entlang des Rundweges sind Informationstafeln des Vulkanparks aufgestellt, die sowohl über die römische Geschichte und Hintergründe der Bergfestung als auch über die lokale Geologie mit dem Mayener Lavastrom und Schieferbergbau informieren. Die Wände des Vulkanstroms sowie der Schiefertagebau, welche ebenfalls auf dem Rundweg zu sehen sind, sind eine lohnenswerte Zugabe zur römischen Geschichte. Die Tafeln sind sehr informativ und gut gemacht.

Der Weg rund um die Römerwarte ist stellenweise ziemlich steil und felsig, so daß Trittsicherheit von Vorteil ist. Festes Schuhwerk wird empfohlen.

Es ist nicht möglich, direkt mit dem Auto zur Signalstation oder Mauer zu gelangen. Für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen ist die Strecke nicht geeignet.

Eintritt, Zugänglichkeit, Führungen:

Die Römerwarte ist zu jeder Zeit frei zugänglich. Der Eintritt ist frei.

Gelegentlich werden Führungen über die Römerwarte durch Mitarbeiter des Vulkanparks angeboten. Hierbei sind insbesondere die kostenlosen Führungen über den Katzenberg sowie durch das Mayener Grubenfeld im Rahmen des jährlichen Römerfestes am 3. Wochenende im Juli zu empfehlen. Anläßlich dieser Veranstaltung, die in der Terra Vulcania in Mayen stattfindet, wird ein kostenloser Shuttle-Service von dort zur Römerwarte angeboten. Engagierte und gut informierte Führer begehen mit den Besuchern die ganze Anlage und vermitteln gute Hintergrundinformationen zu Geologie und Römerzeit.

Sonstiges:

Die Aussicht von der Signalstation reicht bis zum Hunsrück

Die Aussicht von der Signalstation reicht bis zum Hunsrück

Bis 2012 fand das jährliche Römerfest in Mayen (3. Juli-Wochenende) direkt auf der Römerwarte Katzenberg statt. Da das Gelände jedoch steil und unzugänglich ist, stellte dies ein Problem für die Zelte der dort lagernden Legio XXII Primigenia Milites Bedenses aus Bitburg dar. Zudem fehlen sanitäre Anlagen und das Gebiet ist für Besucher schlecht zu erreichen.

Deswegen zog das Römerfest ab 2012 auf das Gelände der Terra Vulcania des Vulkanparks in Mayen, wo die Räumlichkeiten mit Toiletten, Duschen, Vortragsräumen und den überdachten Gebäuden des Vulkanzentrums für Besucher wie für die römischen Darsteller besser geeignet sind – wenn natürlich auch nicht ganz so stimmungsvoll. Dafür liegt das Mayener Grubenfeld in unmittelbarer Nähe und der Vulkanpark versucht, die Lokalität dadurch auszugleichen, daß kostenlose Führungen zu Römerwarte und Grubenfeld angeboten werden.

Fotografieren auf der Römerwarte ist natürlich überall erlaubt und kein Problem.

Es lohnt sich, die Römerwarte an einem Tag mit guter Fernsicht aufzusuchen, um die gute Aussicht von der Signalstation auf die Gipfel der Mittelgebirge von Eifel und Hunsrück zu bestaunen.

Der Besuch der Römerwarte kann gut mit einem Besuch des Mayener Grubenfeldes kombiniert werden, das über Basaltabbau in keltischer und römischer Zeit informiert und ein sehr ungewöhnliches Ausflugsziel darstellt.

Außerdem liegt die Römerwarte in unmittelbarer Nähe weiterer Sehenswürdigkeiten des Vulkanparks wie dem Deutschen Vulkanmuseum in Mendig mit den unterirdischen Basalthöhlen, dem Schieferbergwerkmuseum in der Burg Mayen sowie dem Kloster Maria Laach am Laacher See.

Die Wehrmauer ist in der Umgebung weithin sichtbar

Die Wehrmauer ist in der Umgebung weithin sichtbar