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Antike Stätten: Römisches Matronenheiligtum Nettersheim

 Update Mai 2014:

Im Mai 2014 eröffnete der „Archäologische Landschaftspark Nettersheim„. Durch neue Grabungen und Erkenntnisse aus der hier noch immer laufenden archäologischen Forschung wurde der zum Tempel gehörige Vicus Marcomagus samt Kleinkastell entdeckt und zum Teil freigelegt. Noch immer forscht und gräbt dort die Universität Köln, die durch geophysikalische Bodenuntersuchungen zahlreiche weitere Gebäude entlang der Agrippastraße ermittelt hat. Das Gelände wird jetzt vor allem für Lehrgrabungen genutzt und weiter freigelegt.

Reger Betrieb anläßlich der Eröffnung des Archäologieparks am 18. Mai 2014

Reger Betrieb anläßlich der Eröffnung des Archäologieparks am 18. Mai 2014

Nun führt ein 4,5 Kilometer langer, mit „Matronenlogo“ gekennzeichneter Rundweg vom Naturzentrum Nettersheim zum Tempel. Von dort ist es möglich, der mit Schotter und einer Waldschneise angedeuteten Agrippastraße hinab zur Urft zu folgen. Streifenhäuser der hier an der vielbefahrenen Schnellstraße ansässigen Handwerker und Händler sind zum Teil restauriert. Eine Holzbrücke überquert die Urft an der Stelle der originalen Römerbrücke und führt zum Kleinkastell am anderen Ufer, in dem die Beneficarier ansässig waren, die hier besonders den Matronenkult pflegten.

Durch die Umgestaltung des Geländes wurde auch der Tempel höher aufgemauert und neusten wissenschaftlichen Erkenntissen angepaßt. Er gilt nun nicht mehr als typisch gallo-römischer Umgangstempel, sondern der Haupttempel bestand aus einem Gebäude ohne säulengetragenen Umgang.

Die Weihesteine wurden vom Eingang der Cella entfernt und rund um das Tempelgebäude aufgestellt. Hierbei wurden die Steine durch (etwas einfacher gestaltete) Repliken ersetzt, was lt. Informationen eines wissenschaftlichen Mitarbeiters des Naturzentrums auch dem Vandalismus bzw. der Souvenierjägerschaft vieler Besucher zu verdanken ist, die sich oft Stücke der alten, detaillierten Weihesteine abbrachen und diese mitnahmen.

Die Informationstafeln wurden überarbeitet und neu gestaltet.

Die Tempelanlage liegt auf einem Bergrücken und bietet eine tolle Aussicht über die Eifel

Die Tempelanlage liegt auf einem Bergrücken und bietet eine tolle Aussicht über die Eifel

Anschrift: 

Es handelt sich um ein Höhenheiligtum auf einem Bergrücken. Keine postalische Anschrift.

Anfahrt:

Der Tempel „Görresburg“ liegt im Urfttal bei Nettersheim in der Eifel. Er ist nicht direkt mit dem Auto zu erreichen, sondern muß erwandert werden.

Nettersheim ist mit dem Auto über die A1 zu erreichen. Der Ort hat auch einen Bahnhof, der von Regionalbahnen aus Köln, Trier und Gerolstein angefahren wird, so daß er für Eifelverhältnisse sehr gut erreichbar ist.

Im Ortskern von Nettersheim befindet sich das „Naturzentrum Eifel„, das als Ausgangspunkt genommen werden kann. Hier gibt es auch Parkmöglichkeiten, ein Museum zu den Themen Archäologie, Geologie und Biologie mit Museumsshop (samt Matronenrepliken!) und einem kleinem Cafe mit hausgemachtem Kuchen, Kaffee und Tee. Auch gibt es im Ort ein großes Jugendgästehaus mit einfachen Übernachtungsmöglichkeiten sowie viele Möglichkeiten zur privaten Unterkunft, da der Ort ganz auf Naturtourismus ausgerichtet ist.

Rund um Nettersheim gibt es gut ausgeschilderte Wanderrouten, wie den „Erlebnispfad“ und den „Schmetterlingspfad“, deren Pläne im Naturzentrum erhältlich sind. Der Matronentempel ist nun Teil des Archäologischen Landschaftsparks und kann auf einem gut ausgeschilderten Rundweg erwandert werden.

Vom Naturzentrum aus führt der Weg entlang der Urft über einen breiten, gut ausgebauten Wanderweg zum Hügel, auf dem das Matronenheiligtum zu finden ist. Es führen zwei Wege auf den Gipfel hinauf, ein steilerer Hohlweg am Nordhang und ein breiter, asphaltierter Weg für Gehbehinderte und Besucher mit Kinderwagen.

Der Weg zum Tempel ist stark frequentiert, da er von allen drei Matronentempeln der beliebteste und bekannteste ist. Die Entfernung vom Naturzentrum beträgt etwa 1,5 Kilometer. Neben dem Archäologischen Landschaftspark ist der Tempel an die 12 km lange Rundwanderroute „Archäologie entdecken“ angebunden, die ebenfalls am Naturzentrum beginnt und auf der unter anderem auch der Beginn der Eifeler Wasserleitung, die einst Köln mit 20 Millionen Litern Trinkwasser täglich versorgte, zu besichtigen ist (Römischer Brunnenanlage „Grüner Pütz“).

Hintergrund:

Das Matronenheiligtum liegt auf dem Rücken eines Berges oberhalb des Urfttales. Hier entdeckten Bauern im Jahr 1909 große Steine mit den Abbildern „merkwürdiger Figuren“. Archäologen identifizierten die Steine als Weihesteine für Matronen, lokale Schutz- und Fruchtbarkeitsgöttinnen, die meist in Dreiergruppen auftreten. Sie sind typisch für den Eifelraum, wo sie ursprünglich von einheimischen Kelten (wahrscheinlich den hier ansässigen Eburonen) und Germanen (von den Römern angesiedelte Ubier) verehrt wurden. Die Römer, beginnend mit den hier stationierten Legionären, übernahmen den Kult, der germanische, keltische und römische Einflüsse miteinander verschmolz, und die Matronen erlangten regional sehr große Beliebtheit. Steinerne Bilder von Matronen sind seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. bekannt.

Die Weihesteine für die Matronen

Die Weihesteine für die Matronen (Position bis 2014)

In unmittelbarer Nähe, in nur wenigen Kilometern Entfernung, liegen zwei weitere Matronenheiligtümer: der Matronentempel von Zingsheim und der „Heidentempel“ von Nöthen/Pesch, wobei Zingsheim genau in der Mitte zwischen den anderen beiden liegt, so daß angenommen wird, daß die drei Heiligtümer miteinander in Verbindung standen.

Das Bergheiligtum bei Nettersheim lag direkt an der Agrippastraße, einer vielbereisten römischen „Schnellstraße“ zwischen Köln, der Landeshauptstadt der Germania inferior und Trier, der Kaiserstadt in Gallien. Die unmittelbare Lage an der mit einer Trassenbreite von 12 Metern belegten Schnellstraße zeigt die Bedeutung des Tempels, der auf diese Weise gut von Pilgern erreicht werden konnte, aber vermutlich auch anderen Reisenden Unterkunft und Rastmöglichkeit bot. Der Verlauf der Agrippastraße ist heute im Archäologiepark mit Schotter verdeutlicht; die virtuelle Fortsetzung wird durch eine in den anschließenden Eifelwald geschlagene Schneise gezeigt.

Die Tempelanlage lag oberhalb der römischen Siedlung, die sich südlich vom Tempel am Ufer der Urft befand. Der Name der Siedlung ist nicht bekannt, da auf Bruchstücken von Wegsteinen kein Ortsname erhalten ist, lediglich der Hinweis auf den Ort, den vicus. Neue Forschungen gehen davon aus, daß es sich um den auf römischen Karten verzeichneten Ort Marcomagus handelt (der nicht mit dem einige Kilometer entfernten Marmagen identisch ist, dessen Position vermutlich in fränkischer Zeit eine Ortsverschiebung erfuhr).

Die Weihesteine sind nun rund um das Tempelgebäude aufgestellt (ab 2014)

Die Weihesteine sind nun rund um das Tempelgebäude aufgestellt

Bei ersten Ausgrabungen datierte man die Weihesteine auf etwa 200 n.Chr. Es wurde eine lange Umfassungsmauer mit Eingang und Ausgang freigelegt, die drei Gebäude umschließt, eines davon eine große Cella, sowie Brandgruben für Opferungen. Bei den Ausgrabungen fand man weitere Weihesteine, Tonscherben, Säulenreste, Keramik, Münzen, 40 Inschriftensteine und andere Stücke, die in das Rheinische Landesmuseum in Bonn gebracht wurden und die die große Bedeutung im damaligen römischen Cultus belegen. Nach den ersten Ausgrabungen wuchs die Tempelanlage wieder zu und wurde erst im Jahr 1977 erneut archäologisch untersucht. Südlich außerhalb der Umrandung wurden zudem Fundamentreste entdeckt, die zeigen, daß dort noch weitere Gebäude zu finden waren.

Im Jahr 2009 wurden durch neue geophysikalische Untersuchungsmethoden der dazugehörige Vicus und das Kastell entdeckt und zum Teil freigelegt. Im Rahmen dieser Ausgrabungen wurde auch der Tempel neu bewertet, unter anderem in einer Magisterarbeit einer Kölner Archäologiestudentin, die neue Erkenntnisse zum Aufbau und Betrieb der Kultstätte erbrachten und zur Neugestaltung der Anlage führten.

Die Cella war aus Kalkbruchstein mit Ziegeln gemauert und an den Außenmauern weiß verputzt. Ein offener, von hölzernen Säulen getragener Umgang, der bis 2009 vermutet wurde (wie man es auch vom Martberg an der Mosel sowie vom Matronentempel Pesch kennt, wo die Säulenfundamente erhalten sind), gilt heute als nicht mehr belegt und wurde in modernen Rekonstruktionszeichnungen entfernt.

Schließlich wurden die Mauerreste teilrekonstruiert und etwa 1,30 Meter hoch aufgemauert, um Besuchern eine bessere Vorstellung vom Aufbau des Tempelkomplexes zu vermitteln. Außerdem wurden Replikate der Weihesteine aufgestellt, deren Originale im Rheinischen Landesmuseum Bonn besichtigt werden können.

Verehrt wurden hier die Matronae Aufaniae, die aufanischen Matronen. Im Gegensatz zu den nur aus dieser Gegend bekannten fachineischen Matronen (die in Zingsheim verehrt wurden), waren die aufanischen Matronen in ganz Westeuropa verbreitet, so in Bonn, Köln, Jülich, Xanten, Nijmegen, Düsseldorf, Mainz, Lyon und sogar im spanischen Carmona, wie über 90 Fundstellen belegen.

Die neuen Informationstafeln des Archäologieparks sind gut gestaltet

Die neuen Informationstafeln des Archäologieparks sind gut gestaltet

Der Tempel bestand vom 1. bis zum 4. Jahrhundert. Viele der Weihesteine stammten von Angehörigen der römischen Schutztruppen (Benefiziarier, also so etwas wie Straßenpolizisten), die im Kleinkastell unterhalb des Tempels am Ufer der Urft stationiert waren und wahrscheinlich zur Legio I Minervia aus Bonn gehörten.

Die Übersetzung der Inschriften auf den drei großen, am Eingang zum Tempel aufgestellten Weihesteine lautet:

Linker Stein: „Den Aufanischen Matronen hat Marcus Pettronius Patroclus, Benefiziarier im Stabe des Statthalters und zum zweiten Male auf Posten, sein Gelübde gerne und nach ihrem Verdienst eingelöst.“

Mittlerer Stein: „Den Aufanischen Matronen hat Gaius Lucretius Fatius, Benefiziarier im Stabe des Statthalters, gerne nach ihrem Verdienst sein Gelübde eingelöst.“

Rechter Stein: „Den Aufanischen Göttinnen für das Heil des unbesiegten Kaisers Antonius hat Marcus Aurelius Agrippinus, Benefiziarier im Stabe des Statthalters, sein Gelübde gerne und nach ihrem Verdienst eingelöst.“

Da im letzten Stein der Kaiser genannt wird, läßt er sich sehr genau auf die Jahre zwischen 211 und 222 datieren.

Auf der Vorderseite zeigen alle Steine sitzende weibliche Figuren. An den Schmalseiten sind verschiedene Abbildungen zu finden, so ein Füllhorn, ein Altar mit einem Schweinekopf, sowie andere Gottheiten (zum Beispiel Venus und Herkules auf dem mittleren Weihestein).

Beschreibung:

Dieses Matronenheiligtum ist ganz sicher das bekannteste und am meisten besuchte aller in der Eifel liegenden Matronenheiligtümer. Der Weg dorthin ist landschaftlich sehr reizvoll und die exponierte Lage auf dem Bergrücken erlaubt eine uneingeschränkte Aussicht auf das Urfttal und die umliegenden Berge, Felder und Wälder der Eifel. Durch die Anlage des Archäologieparks wird der Tempel nun in einen völlig neuen Zusammenhang gestellt und durch die räumliche Nähe zur Handwerker- und Handelsstraße sowie zum Kastell ergibt sich eine viel deutlichere Vorstellung vom damaligen Betrieb, den man sich wie eine Mischung aus reger Geschäftsstraße und Pilgerverkehr in Kevelaer vorstellen kann.

Der Tempel ist gut ausgeschildert. Ein Matronenlogo weist den Weg

Der Tempel ist gut ausgeschildert. Ein Matronenlogo weist den Weg

Die Anlage ist gepflegt und sauber. Informationstafeln informieren über die Geschichte und Hintergründe dieser Tempelanlage. Sie finden sich überall entlang des Rundweges und wurden durch die Gemeinde Nettersheim aufgestellt, die den Tempel zusammen mit dem Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege betreut.

Es gibt auch eine Schutzhütte sowie die Möglichkeit zum Picknick.

Es herrscht oft reger Betrieb in der Tempelanlage, wobei das Publikum sehr gemischt ist. Sowohl Schulklassen und Wanderer auf dem Erlebnispfad des Naturzentrums suchen diesen Ort auf, als auch Angehörige diverser religiöser und gesellschaftlicher Gruppen. Von meditierenden Frauengruppen über Wicca bis hin zu Anhängern des Asatru und freien Hexen ist hier alles anzutreffen. Auch finden sich hier archäologisch interessierte Besucher, auf den Spuren der Römer durch die Eifel reisend, denn der Tempel gehört auch zu den überregionalen Zielen der „Straßen der Römer an Eifel und Mosel“, die mit einem Reiseführer zwischen summenden, singenden und trommelnden Frauen umherwandern. Chancen auf weniger Besucher hat man eher außerhalb der Ferienzeit und bei etwas bedeckterem Wetter sowie im Winter.

Auch auf den neuen Weihesteinen finden sich schon Opfergaben

Auch auf den neuen Weihesteinen finden sich schon Opfergaben

Es sind immer frische Opfergaben an den Matronensteinen zu finden. Darunter eher traditionelle Gaben aller möglichen Kulte wie Opferbrote, Blumen, Räucherwerk, Früchten, Münzen bis hin zu modernen Suggestiv-Zettelchen rat- oder heilungssuchender Frauen mit Aufschriften wie: „Ich bin stark und liebenswert“ oder kleinen, abstrakten, selbstgemachten Gemälden oder handgefertigten Figürchen aus Ton oder Stroh.

Das Ablegen eigener Opfergaben und das Räuchern stellt auch für den römisch-rekonstruktionistischen Cultor generell kein Problem dar, auch wenn man natürlich selbst entscheiden muß, ob man mit lateinischen Ritualen und römischer Kopfbedeckung unbedingt die Aufmerksamkeit von gerade anwesenden modernen Hexen auf sich ziehen möchte. Erwischt man aber einen guten Zeitpunkt, so kann man in Ruhe und ungestört die Cella umwandern.

Meistens lassen sich die Anwesenden gegenseitig in Ruhe, so fanden wir bei unserem letzten Besuch sowohl eine Frau vor, die im Schneidersitz vor den Matronensteinen saß und in ein Gebet vertieft war, als auch eine Gruppe aus drei Frauen, die leise sprechend im Umgang des Tempels saßen.

Durch die Einbettung in den Archäologischen Landschaftspark und die räumliche Nähe zum Vicus und Kastell ist nun mit höherem Besucheraufkommen zu rechnen, da die Anzahl der Sehenswürdigkeiten und ihre Präsentation nun für Touristen und Wanderer sehr attraktiv geworden ist.

Eintritt und Zugänglichkeit:

Der Tempel und der Archäologische Landschaftspark ist jederzeit frei zugänglich. Man muß allerdings zu Fuß hinwandern, da eine direkte Zufahrt mit dem Auto nicht möglich ist.

Auch nächtliche Besuche sind möglich, wobei jedoch zu beachten ist, daß die exponierte Lage auf dem Rücken des Berges im Umland weithin sichtbar ist, was insbesondere bei Feuer zu beachten ist.

Wer irgendwelche nächtlichen Rituale durchführen möchte, sollte im Auge behalten, daß es ab und zu auch germanische Gruppen nachts zu diesem Tempel zieht, deren Praktiken mit dem Cultus Deorum eher inkompatibel sind. Auch mit hexischen Aktivitäten zu besonderen Anlässen wie Beltane oder Sonnenwende ist zu rechnen.

Abgesehen davon, daß nächtliche Tempelaktivitäten in der römischen Religion, von speziellen Kulten für besondere Gottheiten einmal abgesehen, ohnehin eher unüblich waren, steht einem Besuch dieses Ortes bei Nacht um der Atmosphäre willen nichts im Wege, sofern man den Weg durch die dunkle, unbeleuchtete Eifellandschaft findet und potentielle Begegnungen mit anderen Nachtschwärmern in Kauf nimmt.

Sonstiges:

Die Anlage ist weitläufig und es gibt auch einen Unterstand, der vor Unwetter schützt

Die Anlage ist weitläufig und es gibt auch einen Unterstand, der vor Unwetter schützt

Zwischenzeitlich gab es Pläne der Gemeindeverwaltung Nettersheim, einen gigantischen hölzernen Kubus in die Cella des Tempels zu bauen. Dieses Projekt wurde – den Göttern sei Dank -nach Protesten zahlreicher Interessengruppen und der Bevölkerung gestoppt.

Fotografieren ist natürlich uneingeschränkt möglich.

Der Besuch des Tempels sollte idealerweise mit einem Besuch aller drei Matronentempel in der Gegend kombiniert werden, die aufgrund ihrer unmittelbaren Nähe alle an einem Tag aufgesucht werden können.

Auch sollte man unbedingt den kompletten Rundwanderweg gehen, um ein vollständiges Bild von der Lage des Tempels oberhalb der Schnellstraße und von der dazugehörigen Siedlung zu erhalten.

Das Naturzentrum Nettersheim bietet auch Fahrten mit einem römischen Reisewagen zum Tempel an.

Teilnahme an Wochend-Grabungscamps unter fachkundiger archäologischer Führung ist ebenfalls möglich!

Weiterführende Informationen:

 

Antike Stätten: Römisches Matronenheiligtum Zingsheim

 

Der Matronentempel „Vor Hirschberg“ in Zingsheim

Anschrift:

Der Tempel liegt etwas abseits der K59 im Gewerbegebiet von Zingsheim / Eifel. Keine postalische Anschrift.

Anfahrt:

Der K59 von Nettersheim nach Zingsheim folgen. Der Tempel ist am Straßenrand der K59 mit „Römischer Tempel“ ausgeschildert. Er liegt im Gewerbegebiet Zingsheim, in der Nähe eines Sägewerks und eines Holzturms, man kann auch den Schildern zum Gewerbe „Auf der Heide“ folgen. Parkmöglichkeit in unmittelbarer Nähe ist vorhanden. Um ihn zu finden, muß man die Augen offenhalten, da es keine Anschrift für das Navi gibt.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Matronentempel, wie die beiden anderen Tempel in unmittelbarer Nähe, nicht direkt zu erreichen. In die nächstgrößeren Ortschaften – Bad Münstereifel und Nettersheim – gelangt man mit der Deutschen Bahn. Busse nach Zingsheim verkehren aus Nettersheim, Kall und Bad Münstereifel, allerdings fahren sie sehr unregelmäßig, so daß man sich hier vorher kurzfristig informieren sollte, wenn man nicht in der Eifel stranden möchte (was allerdings auch lohnenswert sein kann, denn hier ist eine beliebte Urlaubs- und Wandergegend 😉 ).

Wanderfreudige können den Tempel gemeinsam mit dem großen Matronenheiligtum bei Nettersheim auf der Görresburg erwandern; die Entfernung zwischen beiden Tempeln beträgt etwa 5 Kilometer. Von Bad Münstereifel bis Zingsheim sind es etwa 12 Kilometer. Der Tempel liegt am „Kräuterpfad„, der Nettersheim und Bad Münstereifel miteinander verbindet.

Hintergrund:

In der Umgebung von Nettersheim sind drei römische Matronenheiligtümer zu finden: bei Zingsheim, Nettersheim („Görresburg“) und Nöthen-Pesch. Da alle drei in unmittelbarer Umgebung voneinander liegen, wird angenommen, daß sie miteinander im Zusammenhang stehen. Zingsheim liegt genau auf halbem Weg zwischen den Tempelbezirken von Nettersheim und Pesch.

Der Celeris-Weihestein. Auch heute findet man dort Gaben, wie diese Blumen

Der Celeris-Weihestein. Auch heute findet man dort Gaben, wie diese Blumen

Bei dem Tempel in Zingsheim handelt es sich um Teile einer gallo-römischen Tempelanlage, die 1960 entdeckt wurde. Freigelegt wurde die 2,60 x 3,40m große  Cella des Umgangstempels, die von einem säulengestützten Umgang umgeben war (wie man es z.B. beim rekonstruierten Tempel auf dem Martberg an der Mosel gut sehen kann). Die Fundamente wurden bei Bauarbeiten im Gewerbegebiet im Flurabschnitt „Vor Hirschberg“ entdeckt, weswegen der Tempel heute auch diesen Beinamen trägt.

Verehrt wurden, wie man aus Weiheinschriften auf Bruchstücken von Kalk- und Sandsteinen weiß, die Matronendreiheit der Matronae Fachinehae („Fachinehische Matronen“), deren Kult nur in Zingsheim und Euskirchen nachgewiesen wurde, von dem man hier aber schon seit Ende des 19. Jahrhunderts Kenntnis hatte. Es handelte sich bei ihnen um einheimische Schutz-, Fruchtbarkeits- und Muttergottheiten, die aber auch bei den Römern schnell zu großer Beliebtheit fanden und von ihnen nach römischer Art verehrt wurden. Woher die Bezeichnung „Fachinehae“ stammt, ist bis heute nicht eindeutig geklärt, es scheint sich dabei aber um einen germanischen Beinamen zu handeln, da er Buchstaben enthält, die es im lateinischen Alphabet nicht gibt.

Bislang wurde nur der Umgangstempel freigelegt, man geht aber davon aus, daß der Tempel möglicherweise Teil einer größeren Tempelanlage war, da in der Umgebung weitere römische Bauspuren gefunden wurden. Funde von Nägeln deuten darauf hin, daß es einen Vorgängerbau aus Holz gab.

Der steinerne Tempel wird auf das 2. bis 4. Jahrhundert n.Chr. datiert. In der unmittelbaren Umgebung wurden eine kleine Birne aus Stein gefunden, die sich offenbar aus einem Relief oder Bild gelöst hatte (möglicherweise aus der bekannten Darstellung eines Füllhorns auf einem Weihestein). Außerdem wurde der Torso eines Ortsgenius (Genius Loci) entdeckt, der allerdings aufgrund seiner schlechten Erhaltung nicht näher bestimmt werden kann, sowie eine lebensgroße menschliche Hand aus Sandstein. Zwar fehlen Finger und Daumen, in der Innenseite der Hand sich jedoch noch die Ansatzstellen eines waagrecht gehaltenen Gegenstandes zu erkennen, vermutlich Reste eines Fruchtkorbes oder einer Votivgabe, wie man sie auch von anderen Matronensteinen kennt, zum Beispiel aus dem nahegelegen Tempelbezirk von Nöthen-Pesch.

Daneben wurde die Figur eines etwa vierjährigen lockigen, lachenden Mädchenkopfes gefunden, von dem man glaubt, daß er zu einem Grabdenkmal gehörte.

Der Tempel wurde im Jahr 1975 erneut untersucht und restauriert. Dabei stieß man in der Nähe auf ein fränkisches Gräberfeld aus dem 7. Jahrhundert. Als Grabplatten und Abstützung wurden hier zwei Weihesteine der Fachinae verwendet.

Die lateinische Inschrift auf einer der Tafeln lautet:

M(a)T(ronis) FA(c)HINE
IS L(ucius) CELER
IS PRO SE
ET SUIS
L(ibens) M(erito)

Übersetzung: „Den Fachihenischen Matronen hat Lucius Celeris für sich und die Seinen gern und nach ihrem Verdienst sein Gelübde erfüllt„. Der Stein wird auf Ende 2. Jahrhundert / Anfang 3. Jahrhundert datiert. Der zweite Weihestein stammte von einem Lucius Chuaciionius Primus.

Beschreibung:

Der Tempel befindet sich in unmittelbarer Nähe dieses Turms, danach sollte man also Ausschau halten

Der Tempel befindet sich in unmittelbarer Nähe dieses Turms, danach sollte man also Ausschau halten

Der Tempel liegt abgelegen auf einer freien Fläche inmitten des Gewerbegebiets Zingsheim, was ihn nicht gerade zu einem malerischen Ort macht (Pesch und Nettersheim entschädigen dafür jedoch doppelt). In unmittelbarer Nähe befindet sich das Sägewerk, dessen Geräuschkulisse hier unter der Woche dauerhaft zu hören ist. Sonn- und Feiertags sowie abends ist es hier jedoch ruhig und dann kommt der Ort auch besser zur Geltung.

Der Tempel selbst ist teilrekonstruiert, die Fundamente wurden auf ca. 1 Meter Höhe aufgemauert, um dem Besucher einen Eindruck des Gebäudes zu vermitteln. Informationstafeln informieren über die Hintergründe der Tempelanlage.

Am Eingang der Cella wurde eine Replik des Weihesteins des Lucius Celeris aufgestellt, das Original befindet sich im Rheinischen Landesmuseum in Bonn.

Der Tempel ist, auch aufgrund der Lage und weil er der kleinste der drei Bauten ist, auch der am wenigsten besuchte, so daß es hier in der Regel menschenleer ist, im Gegensatz zu den anderen beiden Tempeln, an denen stets reges Treiben herrscht, denn die römischen Heiligtümer sind auch unter Angehörigen anderer Glaubensgemeinschaften beliebt, wie zum Beispiel Wicca und  Ásatrúar.

In neuerer Zeit wird dieser Tempel jedoch auch stärker frequentiert, wie Bänder in den umstehenden Bäumen und Büschen sowie zahlreiche Opfergaben auf dem Weihestein und den umgebenen Mauern zeigen.

Der Erhaltungszustand des Tempels ist, da er restauriert und aufgemauert ist, sehr gut. Er wird vom Landschaftsverband Rheinland betreut.

Eintritt, Zugänglichkeit:

Der Tempel ist jederzeit kostenlos und frei zugänglich.

Sonstiges:

Die Fundamente sind 1 Meter hoch aufgemauert und vermitteln einen guten Eindruck vom Aufbau des Tempels

Die Fundamente sind 1 Meter hoch aufgemauert und vermitteln einen guten Eindruck vom Aufbau des Tempels

Fotografieren ist problemlos möglich.

Der Besuch des Tempels wird idealerweise mit einem Besuch aller drei Matronentempel in der Gegend kombiniert, die aufgrund ihrer unmittelbaren Nähe alle an einem Tag aufgesucht werden können. Abhängig davon, aus welcher Richtung man kommt, empfiehlt sich die Reihenfolge Nettersheim – Zingsheim – Pesch oder umgekehrt, wobei Zingsheim sicherlich der unspektakulärste der drei Orte ist.

Aufgrund der Lage gibt es keine Anwohner oder Nachbarn, so daß man hier Tag und Nacht ungestört ist – sofern einen die industrielle Kulisse nicht stört (die spät abends und nachts natürlich weniger ein Problem darstellt).

Weiterführende Informationen: