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Götterwelt: Der Genius loci

 

Genius loci des Bodens rund um den Vesuv, Darstellung mit Bacchus, aus Pompeji

Genius loci des Bodens rund um den Vesuv, Darstellung mit Bacchus, aus Pompeji

Kurzübersicht: Die Genien

Hinweis: Ausführliche, allgemeine Informationen zum Genius folgen beizeiten in diesem Blog, deshalb hier nur eine kurze Übersicht.

Römer kannten zahlreiche Genii (Plural von Genius), die sich im Laufe der Zeit von einfachen Schutzgeistern zu zahlreichen spezialisierten Genien entwickelten.

Das Konzept des Genius war bereits bei den Etruskern bekannt, entfaltete und differenzierte sich im römischen Privat- und Staatskult aber weitreichend.  Als „Geister“ waren sie die individuelle Instanz einer generellen göttlichen Natur, die nach römischem Verständnis jedem Individuum, jedem Ort, jeder Sache innewohnte und die für deren Schutz zuständig war.

So gab es den besonders im privaten Kult zentralen Genius Paterfamilias, der über den Haushalt inklusive all seiner Bewohner, Familienmitglieder, Bedienstete wie Sklaven, wachte und dessen Sitz man im Körper des Hausherrn vermutete (der weibliche Genius, der im Körper der Hausherrin wohnte, wurde Iuno genannt). Der Genius galt als mit dem Menschen verbunden, war aber nicht mit ihm identisch. Er sollte auch nicht mit Begriffen wie „Seele“ oder „Leben“ vermischt werden.

Daneben gab es Genien, Schutzgeister, die auf sehr eng umgrenzte private Bereiche des Lebens spezialisiert waren, wie etwa den Genius Cunina („in der Wiege“), bis hin zu Genien, die die Stadt Rom, den ganzen Staat und das Volk beschützten (Genius Urbis Romae, Genius Populis Romani) und für die es Tempel, feste Feiertage mit öffentlichen Opfern und Veranstaltungen (wie den Ludi Genialici, den Spielen zu Ehren der Genien am 11. und 12. Februar) gab. Auch ganze Kollektive wie Legionen, Gemeinschaften, Vereine, Völker hatten einen eigenen Genius, genauso wie Orte, Stadtviertel, Märkte, Veranstaltungen (Genien des Theaters sorgten z.B. dafür, daß die Vorstellung ein Erfolg wurde), und selbst einfache Dinge wie Türen und Tore.

Genius loci von Bad Wimpfen / Kreis Heilbronn. Die Stadtmauer ist als Kopfbedeckung dargestellt

Genius loci von Bad Wimpfen / Kreis Heilbronn. Die Stadtmauer ist als Kopfbedeckung dargestellt

Mit dem Kaiserkult schließlich zog der Genius Augusti in die Reihen der Genien ein, der Geist des Kaisers, der im Kaiserkult anstelle des Menschen verehrt wurde, der jeweils gerade dieses Amt bekleidete. Ein Eid auf den Kaiser und die Verehrung des Kaisers war deswegen immer auf den Genius bezogen.

Genii spielten im römischen Denken und Handeln eine zentrale Rolle, so daß man bestrebt war, sich immer auch an die Genien zu wenden, die einem bestimmten Unterfangen, einem Ort, einem Gegenstand oder einem anderen Aspekt, der die Angelegenheit betraf, zugeordnet waren.

Hunderte von Weihesteinen und Inschriften an die unterschiedlichsten Genien haben die Zeiten überdauert. Es gab auch standardisierte „Formeln“, die man verwendete, wenn man ein Opfer oder eine Bitte äußerte, aber nicht genau wußte, wie der Genius hieß, an den man sich wenden mußte oder welcher Genius an einem bestimmten Ort residierte. Dies ist auf Weihesteinen z.B. durch die Abkürzung „GHL“ zu erkennen, was für „genio huius loci“ („an den Genius dieses Ortes“) steht.

Im Jahr 392 n. Chr. wurde die Verehrung der Genien, zusammen mit dem Larenkult und der Verehrung der Penaten, durch Theodosius I. verboten. Nachweise, daß der Kult darüber hinaus im Privaten fortgesetzt wurde, finden sich bis in die Spätantike.

Genius loci

Mit „Genius loci“ (dt: „Geist des Ortes“) bezeichnete man die Genien, die an einem bestimmten Ort lebten und diesen beschützten.

Alle Orte hatten ihren eigenen Genius: Das reichte von kleinsten Bereichen (Stein, Baum, Teich, Tür, Tor, Fels, Strauch, Brücke, Hof, einzelne Räume eines Hauses, Bett, Keller, Kultplätze, Straße, Schrein, Hügel…) über größere Orte wie Tempel, Gebäude, Stadtviertel, Märkte, Theater, Arenen, Höhlen, Weinberge, Vulkane, Flüsse, Wälder bis hin zu ganzen Städten und Provinzen (wie Pannonien oder Britannien) oder Regionen (Wüsten, Gebirge, Meer).

Altäre und Weihesteine für Genii loci sind aus dem ganzen Römischen Reich bekannt und wurden an zahlreichen Orten gefunden, auch in Mitteleuropa nördlich der Alpen, wie in Germanien, Gallien und Britannien.

Darstellungen und Attribute

Der Genius loci hat keine einheitliche Darstellung, jedoch wird er bevorzugt als Schlange dargestellt. Daneben gab es abstrahierte Vorstellungen vom Genius, da er unsichtbar an einem Ort residiert, zum Beispiel in einem Vulkan oder einem nicht-faßbaren Ort wie einem Stadtteil oder einem Gebäude zugehörig ist.

Der Genius loci in Form der Schlange windet um den Altar, der Genius paterfamilias bringt ein Opfer dar

Der Genius loci in Form der Schlange windet um den Altar, der Genius paterfamilias bringt ein Opfer dar

Ab der späteren Republik, in der figürliche Darstellungen häufiger werden (auch von Göttern, die zuvor oft ebenfalls abstrakt und gestaltlos verehrt wurden), findet sich auch eine Häufung bildlicher Darstellungen unterschiedlicher Genii. Während der Genius paterfamilias oft als Mann mit Toga und capite velato (mit bedecktem Haupt) dargestellt wird, sind andere Genien oft bärtig und mit freiem Oberkörper dargestellt, später auch als Jünglinge oder als geflügelte Wesen. Oft halten sie Füllhorn (cornucopia) und Opferschale (Patera) in der Hand.

Auch für den Genius loci sind unterschiedliche Darstellungsweisen bekannt.

Als Schlange wird er vor allem im Lararium dargestellt, wo er deswegen von den tanzenden Jünglingen der Penaten und Laren mit ihren Füllhornen und Schalen zu unterscheiden ist.

Auch an vielen anderen Orten, wie in Schreinen und auf Weihesteinen, ist er als Schlange überliefert, die in der römischen Symbolik als wohlwollende, sanfte Wesen gelten, die Frieden und Wohlstand bringen (und nicht, wie im Christentum, negativ behaftet sind). Die Schlange galt im Altertum als der Unterwelt zugeordnet, aber eben im positiven Sinne – sie steht für die Verbindung mit der Erde, vermittelt Wissen und Schutz. und ist unter anderem ein heiliges Tier des Gottes Asklepius (der Äskulap-Stab ist heute noch das Zeichen von Apothekern und Ärzten).

Eine andere Darstellung findet sich zum Beispiel in der Kirche St. Giles in Wiltshire in England, die von den Normannen aus altem römischen Baumaterial errichtet wurde. Hier findet sich eine Darstellung eines jugendlichen, lockigen Genius loci, der ein Füllhorn in der linken Hand und eine Patera in der rechten Hand hält.

Die Schlange ist jedoch die häufigste und am weitesten verbreitete Darstellung für den Genius loci, während die Darstellungen als Mann, Jüngling oder geflügeltes Wesen meist anderen Typen von Genii vorbehalten bleibt, die nie als Schlange dargestellt werden.

Kultgeschehen

Die Verehrung der Genii loci war sowohl im Privatkult (Sacra Privata) als auch im Staatskult (Sacra Publica) ein wichtiger Bestandteil.

Im privaten Bereich war der Genius loci  Bestandteil jedes Larariums, so daß seine Verehrung fest mit dem Larenkult verbunden war.

Römer, die unterwegs waren und ein Opfer bringen wollten, brachten dieses nicht nur einer Gottheit dar, sondern oft auch einem „unbekannten Genius des Ortes“, der nicht näher bezeichnet wird, um nicht Gefahr zu laufen, einen lokalen Genius zu ignorieren. Zahlreiche Weihungen an einen solchen anonymen Schutzgeist oder Lokalgott des Ortes bezeugen diese Praktik. Oft wurden alle unbekannten Geister und Götter auch in einer Formel zusammengefaßt, die sicherstellte, daß man niemanden vergaß und überging: „di deaeque omnes“ („allen Göttern und Göttinnen“).

Ein Beispiel dafür, daß man stets den Genius loci als „Lokalgottheit“ eines Ortes einbindet, an dem man ein Ritual abhält, findet sich beim römischen Dichter Calpurnius Siculus bei der Beschreibung eines Opfers an Faunus an einem Schrein des Gottes auf einer Insel inmitten des Tibers: „Tum caespite vivo pone focum geniumque loci Faunumque Larsque salso farrre voca.“ („Dann errichte eine Feuerstelle mit frischem Gras und rufe Faunus und die Laren und den Genius des Ortes mit einem Opfer von Salat“).

Im Staatskult wurde der Genius loci der Stadt Rom verehrt. Lokale Gemeinschaften wie die Bewohner von Stadtteilen oder die Bürgergemeinschaften auf den Hügeln Roms verehrten ihre Genien ebenfalls gemeinsam bei öffentlichen Veranstaltungen.

Sonstiges:

Votivstein für I(upiter) O(ptimus) M(aximus) und den Genius Loci von Caius Candidinius Sanctus, Signifer der 30. Legion, für sich und seine Legion (Museum Nijmegen)

Votivstein für I(upiter) O(ptimus) M(aximus) und den Genius Loci von Caius Candidinius Sanctus, Signifer der 30. Legion, für sich und seine Legion (Museum Nijmegen)

Befand man sich an einem Ort und fühlte „dessen Präsenz“, zum Beispiel inmitten eines Waldes oder an einem Fluß oder einem anderen Ort, so war man der Ansicht, dem Genius loci dieses Ortes begegnet zu sein. Das war kein bedrohliches Ereignis oder Erlebnis, sondern führte im Gegenteil in der antiken Welt gerade nicht zu Verwunderung oder Besorgnis. Die Anwesenheit eines Genius loci an jedem Ort galt als Selbstverständlichkeit und das Gefühl seiner Präsenz war ein gutes Zeichen. Nichts zu fühlen, quasi an einer ‚verlassenen‘ Stelle in der Natur zu stehen, hätte viel eher Grund zur Skepsis gegeben.

Erst mit mittelalterlichen Glaubensvorstellungen, in denen Geister und Dämonen als etwas Negatives betrachtet wurden (wobei das Wort Dämon auf das griechische δαίμων (daimon) zurückgeht und auch in dieser Vorstellung einen guten, oft mahnenden Geist (das Gewissen) beschrieb), erfuhr dieses Erlebnis einen Bedeutungswandel und es wurde als bedrohlich angesehen, wenn man die Präsenz eines Ortes spürte, das Gefühl, von diesem „beobachtet“ zu werden oder von unsichtbaren Wesen umgeben zu sein. Den Römer erschreckte ein solches Erlebnis nicht, sondern veranlaßte ihn allenfalls dazu, den Genius loci des Ortes zu grüßen und für die Dauer des Verweilens um dessen Schutz zu bitten. Dieser Brauch ist auch im heutigen Cultus Deorum üblich.

Der BegriffGenius loci“ wird auch heute noch (bzw. wieder)  in vielen Bereichen verwendet, vor allem in der Architektur, im Landschafts- und Gartenbau, in der Esoterik und Ökopsychologie. Man muß sich jedoch im Klaren darüber sein, daß das, was heute damit verbunden ist, nicht mehr der Vorstellung entspricht, die man in der Römischen Religion damit verband. Tatsächlich erfuhr der Begriff im Laufe der Zeit mehrfach einen Bedeutungswandel.

Das Christentum, das im Römischen Reich die polytheistische Religion ablöste, bestritt in seiner Anfangszeit nicht die Bedeutung eines Ortes als Sitz von Ortsgeistern, sondern transformierte genau diese Orte durch Überbauung mit sakralen Gebäuden wie Kirchen, kleinen Kapellen am Wegesrand oder Klöster in Orte einer „nicht näher bestimmbaren Spiritualität“. Aus nachrömischer, christlicher Zeit stammt auch die Vorstellung eines außerhalb des Körpers anzutreffenden, individuellen „Schutzgeistes“ in Form des Schutzengels.

Mit der Aufklärung verlor der Begriff „Genius loci“ seine ursprüngliche Bedeutung und Funktion als „Schutzgeist“ eines Ortes, der für den Römer noch untrennbar damit verbunden gewesen war. Die Natur und die Landschaft galten fortan als „unbelebt“ und bekamen ihre „Seele“, ihren „Geist“ nur durch die gestalterische und schöpferische Wirkung des Menschen.

In der Zeit der Romantik im 18. und 19. Jahrhundert wurde der „Genius loci“ wiederentdeckt. Insbesondere im Jugendstil  herrschte ein regelrechter Boom, was an den überall auftauchenden Genius-Figuren in Gärten und Malereien zu erkennen ist. Im Unterschied zum römischen Verständnis beschreibt der Begriff heute aber nur noch abstrakt den „Geist eines Ortes“, das heißt, dessen Flair, dessen Atmosphäre, dessen Wirkung.

Aktuell beschreibt der Begriff ein Konzept der Architektur, das bestrebt ist, Landschaft und Bau wieder in ein harmonisches Verhältnis zueinander zu setzen. Auch im Garten- und Landschaftsbau wird der Begriff wieder verwendet, bis hin zu esoterischen Bewegungen, die Gebäude auf der Grundlage von „Energiefeldern“ und „ortsansässigen Naturgeistern“ gestalten und einrichten. Vom ursprünglichen antiken Verständnis sind diese modernen, gewandelten Begrifflichkeiten jedoch strikt zu unterscheiden.

Kultpraxis: Ritual beim Verlassen des Hauses

Dieses Ritual kann verwendet werden, wenn man das Haus verläßt, um es in seiner Abwesenheit gut beschützt zu wissen.

Eine kleine Schale mit Wasser und einer Prise Salz (aus dem Salarium) wird in der Nähe der Tür platziert. Idealerweise steht diese Schale im Lararium (die Ähnlichkeit des – späteren – katholischen Brauchs, ein kleines Weihwasserbecken in der Nähe der Tür anzubringen, um sich und Familienangehörige, die das Haus verlassen, zu segnen ist hier unverkennbar!).


Wenn man das Haus verläßt, taucht man die Finger in das Wasser, berührt damit die Lippen und sagt:

„Invoco vos, Lares, ut me bene tutetis.“

Ich rufe Euch an, Laren, auf daß ihr mich gut beschützen möget.

Und / oder man spricht folgendes Gebet an Janus beim Verlassen des Hauses:

 „Semper Salve Valeque Janus.“

Sei immer gegrüßt, Janus, Schließer der Türen.

„Me absente te precor uti sis domum meam vigilans et ab injuria protegens.“

Ich bitte Dich in aller Bescheidenheit, über mein Haus in meiner Abwesenheit zu wachen und es vor Schaden zu bewahren.

Dann die Tür abschließen, die Hand auf dem Handrücken zwischen den Knöcheln von Zeigefinger und Mittelfinger küssen und dann die Tür mit ausgestrecktem Zeige- und Mittelfinger berühren mit den Worten:

„Ita sit.“

So sei es.

Kultpraxis: Morgenritual am Lararium

Erklärungen der verwendeten Begriffe sowie praktische Hinweise zur Durchführung des Rituals findet Ihr hier in unserer Einleitung!

Druckerfreundliche Version zum Download (PDF)


Nähere Dich dem Lararium in capite velato, entzünde die Öllampe und bete dabei:

„Salva sis, Vesta Mater.“
Sei gegrüßt, Mutter Vesta.

oder länger:

„Salve, Vesta Mater, flammae tuae semper nos ad Deos immortales ducant.“
Sei gegrüßt, Mutter Vesta, möge Deine Flamme uns immer zu den unsterblichen Göttern leiten.

Entzünden der Räucherung:
Verbrenne etwas Räucherwerk, mit der rechten Hand über dem Herzen, und bete:

„Vesta Mater, hodie omnia bona felicia fausta sint mihi domo familiae.“
Mutter Vesta, möge alles an diesem Morgen gut sein für das Haus meiner Familie.

Bete zu Janus mit beiden Händen in manu supina:

„Orire Jane pater, deus boni initii! Orire Jane Matutine, custos portarum Lucis Matutinae!“
Erhebe Dich, Vater Janus, Gott der guten Anfänge. Erhebe Dich, Janus Matutinus, Torhüter des Morgenlichts.

Anbieten des Brotes.
Hebe das Opferbrot mit der rechten Hand in die Höhe, die linke bleibt in manu supina:

 „Jane pater, te hac strue obmovenda bonas preces precor, uti sis volens propitius mihi (liberisque meis) domo familiaeque meae.“

Vater Janus, ich biete Dir dieses Brot als Opfergabe an und bete ernsthaft, daß Du freundlich und wohlwollend auf mich (meine Kinder), mein Haus und meinen Haushalt schaust“ (Cato)

 Libation des Weines.
Hebe den Gutus mit der rechten Hand in die Höhe, die linke bleibt in manu supina. Dann gieße den Wein langsam in die Opferschale.

(mehr …)

Kultpraxis: Rituale am Lararium – Einleitung

Inhalt

Weiterführende Infos auch in unserem Artikel: Anleitung zur Errichtung eines Larariums



Rituale am Lararium – Einleitung

Das Lararium und der damit verbundene Larenkult ist ein Grundpfeiler der Kultpraxis in der römischen Religion. Es ist ein zentraler Ort im Haushalt und spielt eine ebenso zentrale Rolle im Alltagsleben der Bewohner.

Modernes Lararium mit klassisch-römischen Elementen

Modernes Lararium mit klassisch-römischen Elementen

In der römischen Kultpraxis werden zahlreiche Handlungen, die Teil des Larenkults sind, sowohl vor dem Lararium als auch an anderen festgelegten Orten des Haushaltes vorgenommen. Nicht alle werden täglich praktiziert, einige finden nur zu besonderen Anlässen statt, andere können flexibel nach dem eigenen Zeitplan oder den eigenen Bedürfnissen täglich oder nur an bestimmten Tagen durchgeführt werden.

Im modernen Cultus spielt dieser zentrale Teil römischer Glaubenspraxis eine grundlegende Rolle; die Errichtung eines Larariums ist für den angehenden Cultor oft der erste (und beste) Einstieg in den römisch-heidnischen Rekonstruktionismus. Die lateinischen Formeln, die am Lararium gesprochen werden, sowie die Handlungen, die dabei durchgeführt werden, sind auf der Grundlage historischer Quellen rekonstruiert und werden möglichst exakt durchgeführt, da die Wahrung einer festen, vorgeschriebenen Form im römischen Cultus als extrem wichtig gilt.

Dies gilt jedoch vor allem im staatlichen, öffentlichen Cultus; daß im Privatkult in jeder Familie des Reichs, in jeder Provinz, von Rom bis Britannien, von Gallien bis Afrika die exakt gleichen Gebete verwendet wurden, ist höchst unwahrscheinlich. Tatsächlich gehen die Indizien eher dorthin, daß innerhalb einer Familie bestimmte Gebetsformen und Handlungen tradiert wurden, diese sich aber durchaus schon von den Formulierungen der Nachbarn unterscheiden konnten. In der Sacra Privata stehen dem Cultor deshalb größere Freiheiten zur Verfügung, die sich jedoch immer im bekannten rituellen Kontext und Ritualaufbau bewegen sollten.

Lediglich im Staatskult, der dem Wohle und Erhalt des römischen Staates und Volkes galt, war die absolute und strikte Einhaltung von Formulierungen, ja, bis zur kleinsten Handbewegung Pflicht. Versprach sich der Ritualleiter, verkleckerte der Diener etwas, verspielte sich der Musiker, wurde das Ritual abgebrochen und von vorn begonnen.

Im privaten Cultus, der auch von einfachen Leuten bis hin zu Sklaven praktiziert wurde, richtete man sich mit Anliegen auch ohne Kenntnis „offizieller Formulierungen“ an den Gott, der gerade zuständig war, ohne daß man jetzt Cato und Cicero gelesen hatte und wußte, wie im fernen Rom gebetet wurde. Es ist also durchaus legitim und auch römisch, eigene Gebete und Anrufungen zu verfassen, wenn man sich mit einem Anliegen an einen Gott wendet, sofern die Handgriffe und einzelnen Teile eines Rituals vorkommen und eingehalten werden und man auch die gängigen Floskeln einbaut, die überliefert sind.

Hinweis zum Latein der Ritualtexte

Wichtig ist der Hinweis, daß uns leider keine vollständigen Rituale aus der Antike erhalten sind; es gibt nur Bruchstücke, einzelne Formeln und Gebete. Die hier verwendeten Rituale wurden deshalb im Laufe der Zeit innerhalb des Cultus auf der Grundlage der vorhandenen Informationen rekonstruiert in einer „möglichst wahrscheinlichen“ Art und Weise, die die erhaltenen Texte und Formulierungen integriert.

Deswegen sind einige Formulierungen in einem archaischen Latein verfasst, wie z.B. im Morgenritual zu finden: zum Beispiel lautete der archaische Plural Genitiv „meum parentum“ und nicht, wie im klassischen Latein „meorum parentum“. Da das für heutige Lateiner irritierend sein kann (oder sich sogar fehlerhaft anhört), haben wir die klassische Variante in Klammern hinzugefügt; welche Version gewählt wird, steht dem Cultor frei.

Das Morgenritual

Insbesondere das tägliche Morgenritual, das bereits alle wichtigen Grundelemente eines römischen Rituals umfaßt (capite velato, Libation, Räucherung, Speiseopfer, bis hin zum Gebrauch der lateinischen Sprache), ist für Einsteiger sehr gut geeignet, um Routine in der religiösen Praxis zu bekommen und sich an die Handlungen, Bewegungen und das Aussprechen lateinischer Formeln zu gewöhnen.

Lararium im klassisch-römischen Stil

Lararium im klassisch-römischen Stil

Mit dem Morgenritual bittet man um Schutz und um einen guten Verlauf des Tages, trägt seine Anliegen für den Tag vor und ehrt Götter, Ahnen und Schutzgeister des Hauses (Laren und Penaten) mit Aufmerksamkeit. Es ist das wichtigste Ritual vor dem Lararium.

In der Antike wurde das morgendliche Ritual vom Hausherrn, dem Paterfamilias, mit der versammelten Familie (inklusive der anderen Bewohner, wie Bedienstete und Sklaven) vor dem zentralen Lararium des Haushaltes durchgeführt. Bei Zeitmangel oder Abwesenheit konnte er jedoch jede andere Person bestimmen, stellvertretend für ihn den Ritus durchzuführen.

Daneben gab es „private“ Lararien in anderen Räumen, zum Beispiel im Schlafzimmer, an denen der jeweilige Bewohner seinen eigenen Ritus durchführte und seine Anliegen für den Tag vortrug (oder sich abends für den Tag und erfolgreiche und angenehme Ereignisse bedankte).

Der morgendliche Ritus ist schnell und unkompliziert auszuführen und dauert im Idealfall (in der hier beschriebenen kurzen Form) nur maximal zehn Minuten, so daß er sogar problemlos sogar vor der Fahrt zur Arbeit durchgeführt werden kann.

Lararium mit integriertem Sacrarium für Herkules und den in der Eifel sehr verehrten Matronen

Lararium mit integriertem Sacrarium für Herkules und den in der Eifel sehr verehrten Matronen

Eine Erweiterung dieses Ritus um zahlreiche weitere Kulthandlungen, wenn man den Wunsch danach verspürt und die Zeit dafür hat, ist beliebig möglich. Daneben können auch andere Götter (die man – aus Platzgründen – ebenfalls im Lararium verehrt oder für die man ein eigenes Sacrarium errichtet hat), in den morgendlichen Ritus einbezogen werden, was flexibel und unkompliziert möglich ist. So hat man auch ihnen die erforderliche Aufmerksamkeit gewidmet, die man als Verpflichtung mit der Einrichtung eines heiligen Ortes für eine bestimmte Gottheit übernimmt und kann gleich auch seine Anliegen an die Götter für den Tag vortragen.

Hierbei muß allerdings beachtet werden, daß man – gleich, welche Götter man zusätzlich anruft -, immer als erstes Janus nennt und immer auch Vesta miteinschließt (die als letztes genannt wird).

Ist man zeitlich wirklich nicht in der Lage, täglich morgens ein kurzes Larariums-Ritual durchzuführen, sollte man dies zumindest an den Kalenden, Nonen und Iden jedes Monats versuchen. Grundsätzlich gehören die Laren und Penaten im römischen Verständnis zur Familie, da jedes verstorbene Familienmitglied zu den Manen (di manes) geht, welche oft mit den Laren (di lares) gleichgesetzt wurden. Dies bedingt, dass der Umgang mit ihnen auch familiärer war, als mit den Göttern so daß das tägliche Ritual am Lararium auch oft schlichter gehalten wurde. Ein vollständiges Ritual mit feststehenden Rezitationen, in capite velato wurde deswegen an normalen Tagen oft nicht durchgeführt, sondern eben an den Kalenden, Nonen und Iden, sowie an besonderen Feiertagen, darunter z.B. auch den Geburtstagen Verstorbener. Der tägliche Dienst am Lararium war ein symbolisches Teilen des Mahls, ein Trankopfer, ein freies Gebet – wichtig war und ist die tägliche Aufmerksamkeit, die man diesem spirituellen Fokus des eigenen Heims zukommen lässt.

Sacrarium, Lararium und Caesarium

Sacrarium, Lararium und Caesareum

Denn Vernachlässigung und mangelnde Aufmerksamkeit, sowohl für das Lararium als auch für Götter, denen man sich evtl. verpflichtet hat, sind im Cultus denkbar ungünstig und können im schlimmsten Fall dazu führen, daß sich die Götter und Geister ihrerseits auch nicht mehr an die Einhaltung von Verpflichtungen gehalten fühlen und den Ort nicht mehr aufsuchen (die Vernachlässigung von Göttern galt schon in der Antike als Unglück bringend, so daß hinter vorgehaltener Hand sogar die Einführung des Christentums als Staatsreligion und das damit einhergehende Verbot der alten Religion – und die damit verbundene Vernachlässigung der alten Götter – als eine der Ursachen für den Untergang des Römischen Reichs verantwortlich gemacht wurde). Titus Maccius Plautus hat in seiner Komödie Aulularia (Der Goldtopf) das Thema aufgegriffen, wie ein vernachlässigter Larendienst Unheil über die Bewohner eines Hauses bringen kann.

Neben dem Morgenritual (dem man, wenn man wirklich nur die Gelegenheit hat, eine Kulthandlung pro Tag auszuführen, immer den Vorzug geben sollte), gibt es weitere tägliche Kulthandlungen im Privatkult, die man zum Beispiel nach dem Aufstehen, beim Waschen vor dem eigentlichen Morgenritual, durchführen kann, sowie Rituale beim Verlassen des Hauses, bei der Heimkehr nach Hause, während der Einnahme der Mahlzeiten, oder ein Abendritual am Lararium, bei denen man sich für den Tag bedankt.

Davon unbenommen sind zusätzliche Rituale, zum Beispiel anläßlich von Familienfeiern, Geburtstagen, Geburt und Tod und an speziellen Feiertagen, sowie Rituale für Götter und Göttinnen, die nichts mit dem Larenkult zu tun haben. Inwieweit und wie oft man diese Rituale durchführt, bleibt Privatsache.

In dieser Reihe stellen wir Anleitungen für Larariums-Rituale vor, die zu den verschiedenen Anlässen abgehalten werden können.



Praktische Hinweise, Tipps und Tricks zur Durchführung eines Rituals im Larenkult

  • Capite Velato: das verhüllte Haupt
Augustus, capite velato

Augustus, capite velato

Rituale im Larenkult werden im Ritus Romanus und damit capite velato, d.h. mit verhülltem Haupt durchgeführt. Der Sinn der Bedeckung des Hauptes (die von Männern wie Frauen gleichermaßen durchgeführt wird), ist weniger Respekt oder ein anderer kultureller Grund, wie man es aus anderen Religionen kennt, sondern ganz praktischer Natur: die Verhüllung dient als Schutz vor negativen Zeichen und Omen, die während des Rituals ansonsten aus dem Augenwinkel wahrgenommen werden könnten.

Im Idealfall wird das Ritual in Toga bzw. Palla durchgeführt, die über den Kopf gezogen werden kann. Nun trägt man aber relativ selten derart aufwendige Kleidungsstücke, schon gar nicht morgens vor der Arbeit, so daß hier eine pragmatische Alternative gewählt wird (wer in Stimmung ist und Zeit hat, dem sei die Durchführung eines Rituals in vollem römischen Ornat jedoch unbenommen).

Es wird aber nicht erwartet oder vorausgesetzt, daß der Larenkult (der ein täglicher Alltagskult war und sich in das Leben von beschäftigten Leuten mit wenig Zeit integrieren mußte), mit derartigem Aufwand betrieben wird, ganz im Gegenteil wäre ein solcher Aufwand – zumindest für den Alltagskult – eher unüblich. Auch war der Larenkult von den höchsten aristokratischen Kreisen bis zu den einfachsten, ärmsten Bewohnern des Reichs verbreitet, die mit vielen Personen in finsteren, engen Mietskasernen hausten und weder Toga noch ein aufwendiges Lararium besaßen. Hier gilt deswegen wieder der römische Grundsatz des Pragmatismus.

Durchführung einer Räucherung mit capite velato

Durchführung einer Räucherung mit capite velato

Zwar kann jedes Tuch verwendet werden, das geeignet ist, das Haupt zu verhüllen. Für die Durchführung der Rituale empfiehlt es sich jedoch, sich ein spezielles Tuch zu kaufen, das nur kultischen Zwecken dient und nicht in der Freizeit noch als Schal oder Handtuch verwendet wird. Das hilft auch dabei, sich mit dem Hervorholen dieses Tuches und dem Verhüllen des Hauptes in eine entsprechende Stimmung zu versetzen.

Hierbei sind der farblichen Phantasie zwar keine Grenzen gesetzt, wir bevorzugen jedoch einfarbige Tücher in gedeckten Farben oder in weiß, eventuell noch mit einem farbig abgesetzten Rand, anstatt mit bunt-grell gestreiften, modernen Mustern – auch, um sich gemäß dem Anspruch des römischen Rekonstruktionismus um römische Zurückhaltung und Würde zu bemühen, anstatt um modische Gimmicks (Neonfarben zum Beispiel sind ein absolutes no-go).

Das Tuch muß nicht schwer und lichtundurchlässig sein; ein einfaches leichtes Tuch, wie man es als Schal oder Halstuch trägt, erfüllt vollkommen seinen Zweck. Wer besonders authentisch sein möchte, kann beim Material darauf achten, etwas zu wählen, daß es bereits zu römischen Zeiten gab (also keine Synthetik oder Baumwolle), aber da Römer sich auch nicht dem technischen Fortschritt verschlossen, ist ein Baumwolltuch heute vollkommen ausreichend.

Das Tuch wird erst glatt über die Schultern gelegt, so daß es auch die Hälfte der Oberarme bedeckt, wie eine Art Umhang oder Schultertuch. Dann wird einfach der Teil des Tuchs, der auf dem Rücken liegt, bis über den Kopf hochgezogen. Das sorgt für eine einfache und dennoch stilvolle Bedeckung des Hauptes.

Das Haupt wird vor dem Beginn des Rituals verhüllt, so daß man bereits mit verhülltem Haupt vor das Lararium tritt. Das Tuch wird nicht erst dort hochgezogen.

  • Vorbereitung des Trankopfers (Libation)

In einem Ritual des Larenkults werden in der Regel zwei Dinge benötigt: ein Trankopfer (Wein) und ein Speiseopfer.

25cl Flaschen Wein sind ideal, dazu braucht man eine Flasche und einen Trichter

25cl Flaschen Wein sind ideal, dazu braucht man eine Flasche und einen Trichter

Beim Wein spielt es keine Rolle, ob es sich um Rot-, Rosé- oder Weißwein handelt. Auch ist nicht notwendig, daß für das Opfern der edelste und teuerste Tropfen verwendet wird; einfacher Wein erfüllt seinen Zweck. Denn, wie schon Plutarch in „Numa“ schrieb, wird nicht erwartet, daß Opfergaben übertrieben kostspielig sind und gar die eigenen Mittel übersteigen, (“…sondern aus Mehl, Wein und den am wenigsten kostspieligen Opfergaben bestehen“, Plutarch, Numa 8.8).

Wer ohnehin immer eine offene Flasche Wein im Kühlschrank stehen hat oder plant, eine Flasche Wein im Anschluß oder am Abend ohnehin zu leeren, füllt davon vor dem Ritual etwas in die Flasche, aus der später das Trankopfer gegossen wird (Gutus).

Wer den Wein extra für die Libation verwendet, für den bietet sich an, die heute überall (z.B. bei Aldi) erhältlichen kleinen 25 cl-Weinfläschchen, die recht günstig zu haben sind, zu kaufen. Diese reichen für das Trankopfer mehrerer Tage, sind aber klein genug, daß der Wein nicht übergeht, wenn man ihn nicht abends weitertrinken möchte. Außerdem sind sie preisgünstig und in mehreren Sorten erhältlich.

Der Wein wird vor dem Ritual in die Flasche oder Kanne gefüllt, die für das Trankopfer bestimmt ist. Hierbei empfiehlt es sich, um Flecken zu vermeiden, den Wein in der Küche einzufüllen, idealerweise mit einem Trichter, denn es ist zu vermeiden, Wein zu verschütten. Es genügt, so viel Wein einzufüllen, wie später in die Opferschale paßt, in die der Wein gegossen wird. Die Flasche muß nicht randvoll gemacht werden.

Die volle Flasche wird anschließend zum Lararium mitgenommen und dort für das Ritual bereit gestellt; nach dem Ritual wird die gefüllte Schale nach draußen getragen und die leere Flasche gespült. Sie sollte nicht leer beim Lararium stehenbleiben, sondern sofort gespült werden, damit sich keine Weinreste festsetzen oder im Sommer gar Fruchtfliegen angezogen werden.

Der Wein wird nach dem Ritual idealerweise zum Teil getrunken und zum Teil draußen auf den Erdboden gegeben. Ist das Trinken nicht möglich, weil man danach z.B. noch mit dem Auto zur Arbeit fährt oder man keinen Alkohol trinken darf, wird alles draußen verschüttet. Ideal ist ein Verschütten auf Erdboden, bei Pflanzen oder Bäumen oder in Beeten oder Büschen oder Wald anstatt auf einen zuasphaltierten Grund. Ein Hof oder Garten, der zwar mit Steinen gepflastert ist, zwischen denen jedoch noch das Versickern von Flüssigkeiten möglich ist, ist ebenfalls ausreichend. Ist das Verschütten nicht möglich (weil man zum Beispiel im zehnten Stock eines Hochhauses wohnt und es nicht aus dem Fenster auf den asphaltierten Parkplatz gießen möchte), muß alles getrunken werden; den Wein anschließend in den Ausguß zu kippen, gilt als nicht angemessen.

  • Vorbereitung des Speiseopfers
Selbstgebackenes Opferbrot aus Salz, Mehl, Olivenöl und Honig

Selbstgebackenes Opferbrot aus Salz, Mehl, Olivenöl und Honig

Es galt als übliche Vorstellung, daß die Laren und Penaten an den Mahlzeiten teilnahmen.

Alles, was versehentlich zu Boden fiel, gehörte automatisch den Laren. Ansonsten sind für sie typische Speiseopfergaben der zuvor beschriebene Wein, Getreide und Trauben.

Für die Penaten ist es ausreichend, ihnen etwas von dem „abzugeben“, was ohnehin gerade auf dem Tisch ist (nach dem Ritual wird es verzehrt, damit es nicht verkommt). Sollte es – zum Beispiel beim Morgenritual – noch zu früh für Frühstück sein, wird ihnen Nahrung zum Opfern bereitgestellt. Hierbei ist für die Penaten vor allem Wein, Milch, Ritualkuchen oder Ritualbrot gut geeignet.

Es ist für ein tägliches, kurzes Morgenritual nicht nötig, ausschweifende Opfergaben zu suchen oder gar selbst herzustellen. Zwar ist es schön, selbst Opferbrot nach altem römischen Rezept zu backen und dieses dann am Lararium anzubieten. Hat man aber nicht die Zeit oder Gelegenheit dazu, können auch Speisen des alltäglichen Gebrauchs aus der eigenen Küche angeboten werden. Auch hier gilt: Pragmatisch sein. Muß man für das morgendliche Speiseopfer erst aufwendige Vorarbeiten leisten oder spezielle Geschäfte aufsuchen, wird man bald die Lust verlieren und immer seltener ein Ritual durchführen. Dabei tut es im Zweifelsfall auch ein Stück Toastbrot aus dem eigenen Vorrat. Denn die Laren und Penaten brauchen gar keine Sonderbehandlung, sondern sind mit den Speisen zufrieden, die man selbst auch ißt.

Einfache hauchdünne Fladen aus Mehl, Wasser und Salz sind schnell herzustellen und halten ewig

Einfache hauchdünne Fladen aus Mehl, Wasser und Salz sind schnell herzustellen und halten ewig

Wer es gerne stilvoller mag, kann ganz einfache, dünne Opferbrote (im Stile von Oblaten) selbst aus einer Mischung aus Mehl, Salz und Wasser herstellen. Zu dünnen, runden Fladen gewalzt (etwa in der Größe von Backoblaten) und zehn Minuten im Ofen gebacken, sind schnell hergestellt, halten ewig und machen natürlich mehr her als eine halbe Scheibe Toast (sie sind auch die Vorläufer der in der Kirche verwendeten Hostie in Oblatenform).

Auch aufwendigeres Opferbrot, das mit Olivenöl, Honig und anderen Zutaten gebacken wird, kann natürlich auch im Lararium verwendet werden, es ist allerdings sinnvoller, das für Rituale am Sacrarium zu verwenden, wenn man es Göttern und Göttinnen opfert (die oft aufwendigere Opfer verlangen).

Einfachheit und Pragmatismus am Lararium sind keine Schande, sondern helfen, das Morgenritual effizient und unkompliziert durchzuführen. Es ist nicht zu befürchten, daß die Hausgeister und Ahnen zürnen, wenn man ihnen nur ein Stück Weißbrot oder eine Backoblate opfert, als wenn man ihnen mit Mola Salsa rituell gebackene Brote reicht.

Wie lange die Speise nach dem Ritual auf dem Lararium liegenbleibt, kann individuell entschieden werden. Wenn es verderbliches Essen ist, das von einer aktuellen Mahlzeit abgegeben wurde, wird es im Anschluß sofort verzehrt. Ist es ein trockenes Opferbrot, eine kleine Flade, eine Oblate, kann sie bis zum nächsten Opfer liegenbleiben. Manche Cultores ziehen es vor, diese Speisen direkt nach dem Ritual oder vor dem Beginn des nächsten Rituals zu verzehren.

Ist es ein speziell gebackenes Opferbrot, das (geschmacklich) nicht unbedingt zum Verzehr geeignet ist, oder ist es so hart, daß man es nicht essen kann, so wird es nicht in den Müll geworfen, sondern draußen dort deponiert, wo Vögel es finden und fressen können. Brote aller Art nach dem Ritual draußen zu entsorgen und es damit Vögeln zugänglich zu machen (die als Boten der Götter gelten und deren Zeichen übermitteln), ist generell wünschenswert, allerdings nicht immer möglich. Auch ist eine Entsorgung dort in Ordnung, wo das Speiseopfer, sei es Brot oder Frucht, zurück in den natürlichen Kreislauf gelangt und anderen Tieren als Nahrung dient, zum Beispiel im Kompost.

Auch kann das Speiseopfer (oder Teile davon) auf dem Altar verbrannt werden, wenn man die Möglichkeiten dazu hat.

Die zu opfernden Speisen werden, zusammen mit dem Wein, vor dem Ritual zum Lararium gebracht und dort deponiert. Nach dem Ritual sind alle Reste und Krümel aus den entsprechenden Gefäßen und im Lararium selbst zu entsorgen und dafür Sorge zu tragen, daß keine Lebensmittel im Lararium übergehen.

  • Räucherungen

Im Rahmen eines Rituals am Lararium wird immer auch geräuchert. Römer liebten Räucherungen und verwendeten diese nicht nur im Lararium, sondern auch exzessiv in ihren Wohnungen, auch außerhalb eines Rituals, sowie bei allen Interaktionen mit Göttern.

Klassische Kohle-Räuchergefäße gibt es zum Beispiel in Klostershops

Klassische Kohle-Räuchergefäße gibt es zum Beispiel in Klostershops

Die traditionelle Räucherweise sieht den Gebrauch eines Räuchergefäßes (Turibulum) vor, das ganz nach den persönlichen Vorlieben aus Keramik, Metall oder Ton gefertigt sein kann. Darin können im Rahmen des Rituals auf Sand und Kohle Weihrauch, Kräuter, Harze und Teile von Speiseopfern verbrannt werden. Wie aufwendig man eine solche Räucherung gestaltet, bleibt einem selbst überlassen, wichtig ist, daß man Rauch erzeugt, der „nach oben steigt“ und damit die Aufmerksamkeit erregt.

Für das Lararium ist kein sonderlich aufwendiges Rauchopfer mit bestimmten Zutaten notwendig, wie es zum Beispiel für ein Ritual für einen bestimmten Gott erforderlich ist, dem bestimmte Harze oder Pflanzen oder Kräuter zugeordnet sind. Laren und Penaten schätzen Rauchopfer, egal um was es sich dabei handelt, und wieder gilt die Devise: es müssen keine kostbaren, aus dem Orient importierte oder in einem Kloster handgefertigten Räucherwerke sein, die am Morgen verbrannt werden. Diese sollte man sich für besondere Anlässe oder die Götter aufheben.

Auch sollte beachtet werden, daß es zeitlich immer aufwendiger ist, erst Kohle zum Glühen zu bringen und darauf dann Harze oder andere Räucherungen zu verbrennen. Nicht zuletzt ist es allein aus Gründen der Wohnverhältnisse (empfindliche Nachbarn, Brandmelder) nicht unbedingt möglich, große Weihrauchgefäße zu füllen oder gar Speisen oder Wein innerhalb einer Mietwohnung in offene Flammen zu geben.

Hat man es morgens eilig und will nur ein tägliches Alltagsritual durchführen, spricht in der heutigen Zeit auch gar nichts gegen die schnelle Verwendung von Räucherstäbchen anstatt dem Verbrennen von anderen Materialien auf Kohle und Sand. Auch hier gilt schon wieder: Pragmatisch schauen, was zur Situation paßt. Muß ich immer erst am Morgen Kohle entzünden und dort Harze und Pflanzen verbrennen, wird das tägliche Ritual zwischen Aufstehen und Fahrt zur Arbeit schnell zu aufwendig und dadurch irgendwann vernachlässigt. Entzünde ich auf die Schnelle ein Räucherstäbchen, das ich im Anschluß an das Ritual wieder lösche, fällt es mir viel leichter, eine Konstanz und Regelmäßigkeit beizubehalten und das Ritual auch dann durchzuführen, wenn ich es wirklich eilig habe. Verwendung von Räucherstäbchen wird weder Laren noch Penaten noch Götter erzürnen.

Nur in einem speziellen Ritual, bei dem man wirklich wichtige Anliegen vorträgt oder besondere Anlässe feiern möchte, sollte einer aufwendigen Räucherung mit speziellen Materialien der Vorzug gewesen werden. Im Alltagsritus eines schnellen und unkomplizierten Rituals kann man zwar auch aufwendig räuchern, muß es aber nicht.

Praktische Alternative: Räucherstäbchen, hier in einem Tongefäß mit Schlange (die in keinem Lararium fehlen darf)

Praktische Alternative: Räucherstäbchen, hier in einem Tongefäß mit Schlange (die in keinem Lararium fehlen darf)

Falls für den Hausgebrauch Räucherstäbchen anstelle von „richtigen“ Räucherungen verwendet werden, empfehlen wir Räucherstäbchen der Marke Auroshika. Diese Marke zeichnet sich durch vielfältige Sorten aus, die durch die Verwendung von natürlichen Harzen, Pflanzen, Hölzern und Gewürzen sehr klare und differenzierte Aromen abgeben. Die Rohstoffe werden mit Wasser zu einer Paste gemixt, um Bambusstöcke handgerollt und an der Luft getrocknet, anstatt mit billigem Kleber zu Räucherstäbchen geformt zu werden. Deswegen sind sie durch die in Genf ansässige IFRA zertifiziert und frei von Giftstoffen, wie sie oft von anderen asiatischen Räucherstäbchen abgegeben werden. Außerdem ist die Firmenpolitik der in Indien ansässigen Firma, die ein wichtiger Arbeitgeber in der Region ist und dort sehr viele soziale Projekte fördert, sehr transparent, es wird garantiert ohne Kinderarbeit gearbeitet und die Arbeiter sind vergleichsweise gut sozial abgesichert. Durch die vielen verfügbaren Sorten dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein, außerdem sind sie in Deutschland gut erhältlich.

Die zweite empfehlenswerte Marke sind die Räucherstäbchen von Holy Smokes Blue Line, die ebenfalls in Indien schadstofffrei von Hand mit natürlichen Zutaten gefertigt werden und fair gehandelt sind. Auch hier gibt es viele ausgezeichnete Sorten.

Weihrauch beziehen wir persönlich direkt aus den in unserer Umgebung liegenden Klöstern wie Abtei Mariawald bei Heimbach in der Eifel oder Kloster Maria Laach am Laacher See, die beide immer einen Ausflug wert sind und vor Ort in ihren Klostershops eine gute Auswahl an Räucherzubehör, Räuchergefäßen und Räucherungen haben.

  • Handhaltung und Geste

Anrufungen im römischen Ritus werden nicht, wie beim Beten im Christentum oder in der Buddhistischen Meditation, mit gefalteten, ineinander- oder aneinander gelegten Händen durchgeführt (ganz im Gegenteil ist das Falten der Hände sogar verboten, weil diese Geste bedeutet, daß man etwas zu verbergen hat und das Gesagte nicht so meint, sondern es durch das Kreuzen der Finger direkt wieder aufhebt).

Stattdessen gibt es unterschiedliche Handhaltungen bei der Ansprache von Göttern und anderen Wesen, die sich nach der Richtung orientieren, in der man den Angesprochenen vermutet. Gottheiten, die im Himmel bzw. „oben“ angesiedelt sind, werden Manu supina angerufen, d.h. mit erhobenen Händen, Handflächen leicht nach oben gerichtet, Finger zusammen und den Blick ebenfalls nach oben gewendet (Macrobius, Saturnalia 3.9.10-12, Virgil Aeneid XII.195,6).

Da im Larariums-Ritual immer auch Janus und Vesta angerufen werden, ist diese Geste immer dann zu verwenden, wenn man sich an diese beiden Götter richtet. Auch Laren werden Manu supina angerufen (Horaz, Oden III, 23).

Götter und Wesen, die der irdischen Sphäre zugeordnet sind, werden mit nach unten gedrehten Handflächen angerufen oder die Handflächen werden in die Richtung gehalten, in der sich der Altar oder Schrein oder ein anderer zugeordneter Ort befindet. Silvanus, zum Beispiel, wird mit den Händen in Richtung Wald angerufen, Neptun mit Händen in Richtung des nächsten Gewässers oder Meeres.

Hände in Manu supina

Mit capite velato und Händen in Manu supina

Analog dazu werden Götter und Wesen, die der Unterwelt zugeordnet sind (Dii Inferi), mit der nach unten gerichteten rechten Hand (Manus prona) angerufen, die über den Altar, den Boden, ein Erdloch oder eine Erdspalte gehalten wird. Das sollte im alltäglichen Larariums-Ritual keine Rolle spielen.

Opfergaben werden mit der jeweils anderen Hand dargereicht. Mit der rechten Hand werden Opfergaben an himmlische und irdische Götter oder Laren dargereicht, mit der linken Hand Opfergaben für Unterweltgötter (damit die andere Hand wie oben beschrieben die Richtung angeben kann).

Es gibt historische Darstellungen (zum Beispiel von Kaiser Marcus Aurelius), der im Rahmen eines Triumphzuges ein Trankopfer durchführt und dabei die rechte Hand geschlossen, aber Zeige- und Mittelfinger ausgestreckt hält. Diese Darstellung findet sich öfter in alten Bildern, unter anderem im Kalender des römischen Kalligraphen Filocalus. Auch gibt es Darstellungen, bei denen die Opferschale (Patera) auf diese Weise gehalten wird. Diese Geste ist besonders in späteren Darstellungen häufig und weit verbreitet, aber bislang ist unklar, ob es sich um eine Gebetsgeste handelt und  in welchem Zusammenhang sie verwendet wurde (sie wurde später als segnende Geste des Bischofs von den Christen übernommen).

Das Ritual am Lararium wird abgeschlossen mit der Adoratio,  die zwar bei allen religiösen Praktiken gängig ist und von vielen Autoren beschrieben wird, deren genaue Durchführung aber bis heute umstritten ist. Antike Quellen (z.B. Sallustius) beschreiben zwei Kernelemente: eine Drehung des Körpers und das Küssen der rechten Hand.

Es ist die gängige Praxis, daß man, wenn man sich dem Lararium nähert oder es nach dem Ritus verläßt, zumindest die rechte Hand in Richtung des Larariums küßt. Hierbei ist jedoch nicht geklärt (und bleibt deswegen einem selbst überlassen), ob man die Innenseite der Fingerspitzen wie bei einem modernen Kuß-Zuwerfen küßt und dann in Richtung des zu grüßenden Ortes zeigt, oder ob man auf dem Handrücken den Kuß zwischen die Knöchel von Zeige- und Mittelfinger platziert und dann mit der Hand zum Altar zeigt. Da es keine definitive Antwort gibt, bleibt es dem persönlichen Geschmack des Cultors überlassen, welche Variante er bevorzugt (diese Kußgeste wird übrigens auch verwendet, wenn man an einem Altar, Tempel, Schrein oder der Statue eines Gottes vorbeigeht und diesen Ort grüßen möchte). Es ist durchaus üblich, nur die Kußgeste ohne Drehung zu verwenden (Minucius Felix, Octavius, II)

Die gesteigerte Version dieser Geste, die vor allem empfohlen wird, wenn man ein wichtiges Opfer durchführt, sich dem Grab eines Angehörigen nähert (Plutarch, Roman Questions, 14) oder ein größeres Ritual praktiziert, ist, daß man diese Kußgeste mit einer einmaligen Rotation des Körpers um die eigene Achse kombiniert (das Haupt bedeckt) und dann in Richtung des Altars oder Ortes mit der Drehung endet, um dort das Ritual durchzuführen. Die Richtung der Drehung scheint dabei keine Rolle zu spielen, Plinius weist nur darauf hin, daß bei den Galliern die Vorstellung herrscht, daß eine Linksdrehung stärker wirkt (Plinius, Naturalis Historia, 28.25).

Sofern der Raum es zuläßt, ist auch die Umrundung des Altars üblich, die gefolgt wird von der Rotation des Körpers und der Kußgeste.

  • Sprache und Auswendig-Lernen
Gutus aus Ton

Gutus aus Ton

Im Ritual am Lararium wird (wie allgemein im römischen Cultus üblich) laut gesprochen, die Worte werden also nicht (wie ein stummes christliches Gebet) nur im Stillen gedacht oder leise vor sich hin gemurmelt.

Wir bieten in unseren Ritualbeschreibungen sowohl den lateinischen Text als auch die deutsche Übersetzung an. Es wird empfohlen, das Ritual auf Latein durchzuführen, da entweder davon ausgegangen wird, daß Latein die Sprache der Götter ist und diese erfreut oder wer eine mehr prosaische Begründung sucht, es die durch Tradition geadelte Kultsprache ist. Außerdem ist die Durchführung auf Latein authentischer und stimmungsvoller. Natürlich ist es auch in Ordnung, das Ritual in seiner eigenen Landessprache durchzuführen. Hier sollte aber zumindest in Erwägung gezogen werden, zusätzlich den lateinischen Text zu verwenden und die deutsche Übersetzung dann quasi für sich selbst und das bessere Verständnis hinzuzufügen.

Es ist nicht nötig, das Ritual auswendig und freihändig zu praktizieren. Es ist durchaus in Ordnung, sich die Anleitung auszudrucken und dann Schritt für Schritt abzulesen. Mit der Zeit wird man von selbst feststellen, daß man bestimmte Teile auswendig kann und immer weniger auf das Blatt schauen muß. Das Endziel sollte sein, frei zu sprechen, damit man sich auf den Inhalt und die Handlungen konzentrieren kann, wobei der Text nur noch Stütze im Hintergrund ist. Pauken der Texte sollte aber nicht nötig sein und schon gar nicht sollte man sich dadurch, daß man sie noch nicht auswendig kann, daran hindern lassen, einfach anzufangen. In alter Zeit wurden Riten grundsätzlich abgelesen, um die Gefahr eines Versprechers oder anderen Fehlers in der Rezitation zu minimieren, der das ganze Ritual ungültig gemacht hätte, so das man es von vorne beginnen musste.


Übersicht über die Rituale im Larenkult

  • Tägliches Morgenritual am Lararium. Ideal für Einsteiger als erstes Ritual, das man erlernt. Götter können flexibel einbezogen werden. Minimum, das im Larenkult praktiziert werden sollte (idealerweise täglich, mindestens an Kalenden, Nonen und Iden)
  • Reinigungsritual zu Reinigen und Fokussieren
  • Ritual beim Verlassen des Hauses
  • Ritual bei der Rückkehr nach Hause
  • Abendritual
  • Rituale anläßlich von Familienfeiern und anderen besonderen Anlässen im Haushalt (Umzug, Einzug, Geburt, Tod, Geburtstag)
  • Rituale anläßlich der jährlichen Feiertage und Feste für Laren und Penaten
  • Neujahrsritual für Janus

Götterwelt: die Penaten

Auch: Di Penates, Dei Penates 

Zuständigkeiten und Bezeichnungen:

Die Penaten zählten zu den Hausgöttern (dii familiares), die ursprünglich für die Bewachung der Vorratskammer (Essen, Getränke und Öl) und für den Herd zuständig waren. Sie standen damit in enger Verbindung zur Göttin Vesta. Ihr Name leitet sich vom lateinischen penus (Vorrat) ab. Zu ihren Hauptfunktionen zählte der Schutz der Vorräte vor Ratten, die von ihnen vertrieben wurden, das Hüten der Glut im Ofen, das Inspirieren des Kochs, damit dieser stets etwas Schmackhaftes kochte, sowie der Schutz der Familie bei Nacht, wenn diese schlief. Deswegen war der Herd ursprünglich der „Altar“ ihrer Verehrung.

Penate mit Opferschale und Füllhorn (Britisches Museum London)

Penate mit Opferschale und Füllhorn (Britisches Museum London)

Im Laufe der Zeit wandelte sich jedoch die Vorstellung, die man von den Penaten hatte, und sie vermischten sich mit den Laren (so daß auch sie als Verkörperungen der Seelen der Vorfahren galten), sowie mit dem Genius des Paterfamilias. Das führte dazu, daß sie zur Kaiserzeit nicht mehr am Herd, sondern ebenfalls im Lararium verehrt wurden.

Von Schutzgöttern der Vorräte und des Feuers wurden sie so – wie die Laren – zu Schutzgeistern der ganzen Familie und des Haushalts, die über die Einheit und Eintracht der Familie wachten und dafür sorgten, daß man innerhalb der Familie freundlich, wohlwollend und vernünftig miteinander umging. Mann und Frau mochten Geheimnisse voreinander haben, die Penaten jedoch kannten all diese Geheimnisse. Ein unharmonisches Familienleben war beleidigend für die Penaten, die sich dafür mit Kälte oder Fieber rächten. Gleiches galt, wenn man versehentlich das (normalerweise immer brennende) Feuer im Herd ausgehen ließ – auch das war eine Kränkung der Penaten.

Im Laufe der Zeit verschmolzen sie mit anderen Schutzgeistern und Schutzgottheiten des Hauses. Später rechnete man sogar Vesta, Apollo und alle andere „Hausgötter“, die im privaten Cultus der jeweiligen Bewohner eine Rolle spielen, zu den Penaten. Von den Laren sind sie jedoch streng zu trennen, denn im Gegensatz zu diesen, sind die Penaten mobil und können von einem Ort zum anderen gebracht oder bei einem Umzug mitgenommen werden.

Sklaven, die freigelassen wurden, nahmen die Penaten ihres ehemaligen Herrn für ihren eigenen Haushalt an.

Neben Riten am Lararium schloß man die Penaten auch bei jeder Mahlzeit ein, indem man einen kleinen Teil des Essens in das Feuer des Herdes gab. Auf dem Tisch standen für sie immer ein Salzgefäß und Erstlingsfrüchte. Verließ man das Haus, verabschiedete man sich von ihnen, mit der Bitte, daß sie über einen wachen mögen, und kehrte man zurück, begrüßte man sie wie nahe Verwandte. Bei jedem Familienereignis, egal ob der Anlaß traurig oder fröhlich war, wurden sie – zusammen mit den Laren – einbezogen.

Neben den Hauspenaten, die an eine Familie gebunden waren (und sogar mit dieser umzogen), gab es auch das öffentliche Gegenstück, die Staatspenaten (Penates Publici Populi Romani), die einen eigenen Tempel (aedes) auf der Velia-Anhöhe in der Nähe des Palatins hatten (dieser Tempel wurde im großen Feuer zur Amtszeit Kaiser Neros zerstört). Ihre Aufgabe war es, die „große Familie“ – den Römischen Staat – zu behüten.

Traditionell opferten ihnen dort Römische Magistrate (Consul, Praetor und Dictator) jährlich bei Amtsantritt in einem großen Staatsopfer. Der Legende nach wurden die ersten Penaten von Aeneas (der als Stammvater der Römer gilt) aus Troja nach Lavinium, südlich von Rom, gebracht, wo sie in engem Zusammenhang mit Vesta standen. Auch gab es Statuen von ihnen im Tempel der Vesta auf dem Forum in Rom, sowie in zahlreichen weiteren Heiligtümern. Auch das zeigt, daß Penaten „portabel“ sind und von einem Ort zum anderen gebracht werden können – und wurden.

Attribute und Darstellungen:

Die Penaten sprechen zu Aeneas (Szene aus Vergil:  Aeneid)

Die Penaten sprechen zu Aeneas (Szene aus Vergil: Aeneid)

Hauspenaten sind – im Gegensatz zu den Laren – von Geschlecht und Anzahl her völlig unbestimmt. Bei mehreren Penaten geht man davon aus, daß sie sich die Zuständigkeiten aufteilen, so daß einer für die Getränke, einer für die Speisen und ein dritter für den Herd zuständig ist. Darstellungen zeigen sie (wie die Laren), oft als Jünglinge mit den typischen Attributen Füllhorn (cornucopia) und Opferschale (Patera), so daß sie optisch meist nicht voneinander zu unterscheiden sind.

Im Lararium werden sie jedoch gestaltlos verehrt und weder als Malerei noch als Figuren abgebildet.

Die Darstellung der Staatspenaten im aedes auf Velia zeigte sie als zwei sitzende, lanzentragende Jünglinge, die allerdings ebenfalls Ähnlichkeit mit den Laren hatten.

Opfergaben:

Für die Hauspenaten sind keine speziellen Opfergaben nötig, da Penaten an den Mahlzeiten der Bewohner teilnehmen. Es genügt, ihnen etwas vom eigenen Essen zu geben. Zudem gehören, wie schon erwähnt, Salz und Erstlingsfrüchte zu ihren Gaben, die auf dem Eßtisch stehen.

Im Lararium kann man ihnen – wie auch den Laren – die typischen Opfergaben darbringen: Räucherwerk, Wein, Milch, Ritualkuchen und -brot, Blumen.

Feiertage:

Wie auch den Laren, werden mindestens an den Kalenden, Nonen und Iden den Penaten Opfer gebracht (in der Regel werden sie in die täglichen Handlungen am Lararium integriert). Außerdem werden sie in jedes Familienereignis und -fest einbezogen. Der offizielle Feiertag für die Penaten ist der 14. Oktober.

Sonstiges:

Die heidnische römische Religion und damit die Verehrung der Penaten und Laren wurde im November 392 durch den Kaiser Theodosianus I verboten, inoffiziell wurde der Kult aber noch bis in die Spätantike nachgewiesenermaßen praktiziert.

Götterwelt: Die Laren

Zuständigkeiten und Bezeichnungen:

Die Laren (Lateinisch: „Lares“, Singular: „Lar“) waren römische Schutzgötter oder Schutzgeister, die unterschiedliche Funktionen und Zuständigkeitsgebiete hatten. Innerhalb ihres Wirkungs- und Zuständigkeitskreises war es ihre Aufgabe, alles darin zu beobachten, zu beschützen und darauf Einfluß zu nehmen. Da Laren quasi überall ansässig waren – vom kleinsten Heim bis hin zum gesamten Staat -, war der Larenkult für den Römer von zentraler Bedeutung.

Laren werden in drei große Obergruppen unterteilt:

  • Lares Familiares:

Die Lares Familiares (Singular: „Lar Familiaris“) galten als die Schutzgötter einer Familie und waren grundlegender Bestandteil der sacra privata, der privaten Kultausübung jedes Römers.

Lararium aus Pompeji. Typische Elemente: die Laren links und rechts, in der Mitte der Genius, darunter die Schlange

Lararium aus Pompeji. Typische Elemente: die Laren links und rechts, in der Mitte der Genius, darunter die Schlange

Sie waren Grundlage des römischen Ahnenkultes, denn sie wurden als die verstorbenen Ahnen angesehen, die auch nach ihrem Tod Teil der Familie blieben (nicht nur zwingend die eigenen Ahnen, sondern sie konnten auch ortsgebundene Geister anderer Herkunft sein). So wurden sie auch selbstverständlich in alle Familienfeiern und das tägliche Mahl eingebunden. Sie nahmen als Zeugen an allen wichtigen Ereignissen der Familie teil, an Geburten und Todesfällen, an Hochzeiten und Adoptionen (die im Römischen Reich alltäglich waren).

Die Lares Familiares brachten dem Haushalt finanziellen Wohlstand und Wohlergehen. An ihrem Schrein, dem „Lararium„, fand ein wichtiger Teil des gemeinsamen Familienlebens statt und er war sozialer Treffpunkt der Familie, selbst wenn sie sich sonst im Laufe eines Tages kaum zu Gesicht bekam. Beim Betreten des Hauses begrüßte man die Laren wie lebende Verwandte, beim Verlassen des Hauses verabschiedete man sich mit der Bitte, daß sie am Tag über einen wachten. Ihr Schrein stand für gewöhnlich in der Nähe des Herdes oder in einer Ecke der Eingangshalle. Reiche römische Familien hatten mehrere Lararien, ein repräsentatives an einem gut sichtbaren Ort wie vor dem Eingang oder in der Empfangshalle, und ein privates beim Herd oder im Schlafzimmer. Ärmere Familien hatten nur eine kleine Nische oder ein Regalbrett, das diese Funktion erfüllte.

Die Praxis der Verehrung der Lares Familiares wird immer zusammen mit der Verehrung des Genius paterfamilias, des Genius loci und der Penatendurchgeführt, die die direkten Schutzgötter des Hausherrn und seiner engsten Familienangehörigen waren, während die Lares Familiares für alle zuständig waren, die unter seinem Dach in diesem Haus lebten, inklusive der Sklaven und Angestellten. Das „Familiaris“ bezieht sich hier also nicht auf die Familie als solche, sondern bezeichnet den Schutz dieses Geistes, den er über die Familie an ihrem Wohnort ausübt, deshalb wurden diese Laren auch Lares Domestici (Laren des Hauses) genannt. Im Gegensatz zu den Penaten, den Manen (den eigentlichen Ahngeistern) und den Genien der Familienmitglieder, die alle ihre Präsenz an die Familie resp. an Personen binden, sind die Lares loci und die Lares Familiares an den Ort gebunden, das heißt, sie konnten bei einem Umzug nicht mit umgesiedelt werden, sondern man musste sich an einem neuen Wohnort an die dort bereits präsenten Laren wenden.

Verantwortlich für die Kultpraxis im Haushalt war der Paterfamilias, das Familienoberhaupt (der allerdings aus praktischen Gründen auch die Möglichkeit hatte, bei Zeitmangel die Fürsorge für die Laren auf ein anderes Mitglied des Haushalts, Familienmitglieder oder Bedienstete, zu übertragen). Vernachlässigte man jedoch die Verehrung der Laren, so wandten diese sich ab und sorgten nicht länger für ein gutes Schicksal der Bewohner, halfen diesen nicht mehr und kümmerten sich nicht um sie, genauso wenig, wie sich die Familie um ihre Laren kümmerte.

Als absolutes Minimum sollte man zumindest an den Iden, Kalenden und Nonen jedes Monats Kulthandlungen für die Laren durchführen. Für viele Römer gehörte es aber zu den täglichen Handlungen jeden Morgen, oft auch jeden Abend, zumindest kurze Rituale am Larenschrein abzuhalten. Die Kultpraxis, um den Laren die gewünschte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, ist nicht aufwendig und erfordert nur wenige Minuten am Tag, ist also sehr alltagstauglich, was typisch für die praktisch veranlagten Römer war.

  • Lares Loci und Lares Publici:
Aufwendiges Lararium aus Pompeji mit Altar und Nische für Figuren

Aufwendiges Lararium aus Pompeji mit Altar und Nische für Figuren

Die Lares Loci („Laren des Ortes“) waren keiner bestimmten Familie zugehörig, sondern wachten über einen besonderen Ort oder Platz. Das reichte vom heimischen Lararium, in dem der Lar Loci (oft auch als Genius Loci bezeichnet) lebte, der die Stelle bewachtete, an der das Haus einst gebaut worden war (und der beim Umzug der Familie auch nicht mitzog), bis hin zu Lares Loci, die Straßen (Lares Viales), Seewege, Kreuzungen (die als gefährlich galten), öffentliche Plätze, Städte und Dörfer, Äcker (Lares Rurales), Viehherden, bis hin zum Staat und dem Militär (Lares Militares) bewachten. Die Übergänge zwischen den Lares Loci und Lares Publici sind hier fließend, weil beide Gruppen zahlreiche Untergruppen beinhalten, die sich nur in Größe der von ihnen beschützten Bereiche unterschieden.

Laren, die ganze Ortschaften bewachten, wurden auch Lares Publici genannt. Sie wurden an Kreuzungen verehrt, an denen Compitales (Kreuzungsschreine) aufgestellt waren; diese waren an nahezu allen wichtigen Kreuzungen zu finden und Teil des sozialen, politischen und religiösen Geschehens vor Ort (die in katholischen Gegenden bekannten Flur- oder Wegekreuze stehen noch in dieser Tradition). Gewartet und verwaltet wurden sie von Kreuzwegvereinen. Im Gegensatz zu anderen Gottheiten, durften darin sogar Sklaven und Freigelassene (Libertini) religiöse Funktionen ausüben, da Laren Gefallen daran hatten, wenn Sklaven für sie tätig waren. Diese Laren (zusammengefaßt als Lares Compitalicii) spielten eine so zentrale Bedeutung im Cultus, das ihnen sogar ein eigenes Fest gestiftet wurde: die Compitalia, die jedes Jahr im Winter nach den Saturnalien abgehalten wurden.

Während der Compitalia stellten alle Familien Statuen der Unterweltgöttin Mania (die als „Mater Larum„, Mutter aller Laren galt) vor die Tür, zudem wurden kleine männliche und weibliche Figuren aus Wolle an die Türen gehängt. Damit verband man die Hoffnung, daß die Laren und Mania mit diesen Figürchen zufrieden waren und die Bewohner des Hauses im Gegenzug verschonten. Sklaven opferten keine menschenähnlichen Figuren, sondern Bälle aus Wolle. Neben diesen privaten Bräuchen wurden während der Compitalia auch Theaterstücke aufgeführt, zum Teil mit recht subversivem und provokativem Charakter, denn an diesem Fest waren die Regeln gelockert und es war erlaubt, seine Meinung zu sagen. Selbst Sklaven konnten für einen Tag tun und lassen, was ihnen gefiel. Insbesondere beim einfachen Volk war dieses Fest sehr beliebt.

Auch die Stadt Rom wurde von ihren eigenen Lares Publici beschützt, die in einem zentralen Tempel verehrt wurden, genau wie auch jeder Stadtteil Roms noch einmal seine eigenen Laren mit eigenen Schreinen besaß.

Opfergaben:

Den Laren wurde Getreide, Honigkuchen, Honigwaben, Trauben, Wein und Räucherwerk geopfert. Außerdem gehörte alles, was bei Tisch versehentlich auf den Boden fiel, automatisch ihnen. Zu ganz besonderen Anlässen opferten ihnen wohlhabendere Haushalte ein Schwein (möglicherweise eine trächtige Sau).

Darstellung und Attribute:

Typische Darstellung mit Füllhorn

Typische Darstellung mit Füllhorn

Ursprünglich waren die Laren gestaltlos; es existieren keine Darstellungen aus frührepublikanischer Zeit. Erst in der frühen Kaiserzeit nahmen die Laren ihre heute bekannte Gestalt an (möglicherweise unter griechischem Einfluß).

Analog zur Darstellung des Zwillingspaars Romulus und Remus werden Laren oft paarweise als männliche, bartlose Jünglinge dargestellt. Sie tragen eine einfache, kurze Tunika mit Gürtel. Ihre Körperhaltung ist tanzend, entweder auf Zehenspitzen und balancierend auf einem Bein.

Eine Hand ist oft erhoben und leer, oder hält ein Rhyton, ein Gefäß für Trankopfer und deutet damit das Anbieten des Trankopfers (Libation) an. Die andere Hand trägt ein Füllhorn (Cornucopia) oder eine Opferschale (Patera) .

Lares Familiares treten im Lararium sowohl paarweise auf, wobei die Figuren spiegelbildlich dargestellt sind, oder es gibt eine einzelne Figur, die diesen besonderen Schutzgeist der Familie symbolisiert. In Malereien in antiken Lararien (wie man es zum Beispiel aus Pompeji kennt) posieren Laren oft links und rechts von einer zentralen Figur, die den Genius darstellt.

Grundsätzlich liegt dieser Anordnung aber eher eine Konvention zugrunde und keine starre Regel, die irgendwie ‚theologisch‘ begründet wäre. So findet sich im ‚Haus der roten Wände‘ (Casa delle Pareti rosse, VIII 5, 37 [dies bezieht sich auf ein System, um die Fundstellen in Pompeji konkret in Bezug auf regio, insula und domus anzugeben) in Pompeji ein grosses Lararium, an dessen Rückwand der Genius flankiert von zwei tanzenden Laren aufgemalt ist. Man fand aber davor auch zwei Bronzefiguren die Laren darstellen, die ganz offensichtlich ursprünglich im Lararium standen, so das es dort 4 Laren gab.

Bei den Lares Loci und Lares publici kann die Anzahl ebenfalls schwanken; manchmal wird nur ein einziger Lar verehrt, bei anderen Typen (wie den sehr speziellen Lares Grundules) können es bis zu 30 sein.

Der Lar loci bzw. Genius loci des Hauses, der ebenfalls im Lararium verehrt wird, wird in Form einer Schlange dargestellt, wobei es auch hier manchmal 2 Schlangen sind, die etwa ihre Köpfe über einem religiösen Symbol erheben und einander zugewandt sind.

Herkunft:

Gemeinsam mit den Lemuren und Larvae werden die Laren zu den Manes gerechnet, den Unterwelt- oder Totengeistern und damit zu den Dii inferi. Während aber die Lemuren und Larvae bösartig und rachsüchtig sind und nach ihrem Tod keine Ruhe finden, zum Beispiel, weil sie nicht angemessen bestattet wurden, gelten die Laren als die „guten“ und wohlwollenden Geister, die jedoch ihre Freundlichkeit auch verlieren können, wenn man sie missachtet.

Darstellung mit Trinkopfergefäß und Opferschale

Darstellung mit Trinkopfergefäß und Opferschale

Der Ursprung des Larenkultes ist nicht ganz geklärt, er geht wahrscheinlich bereits auf die Etrusker zurück, die einen sehr ähnlichen Haus- und Ahnenkult praktizierten. Das Wort „Lar“ stammt vom etruskischen „Lar“ oder „Larth“, was „Gebieter“ oder „Herrscher“ bedeutet.

Der mythologische Hintergrund der Laren ist sehr spärlich und es gibt keine traditionelle und systematische Theologie, die ihre Natur und ihre Funktion erklärt. Das ist der Grund, weswegen die Entwicklung der vielen verschiedenen Typen von Laren und ihrer vielen Aufgaben überhaupt erst möglich wurde. Selbst unter den römischen Autoren herrscht Unklarheit über ihre Zugehörigkeit und Natur. Sextus Pompeius Festus schrieb im 2. Jahrhundert, daß die Laren Ahnen-Genii wären (der Genius bezeichnete den individuellen Anteil der göttlichen Natur in jeder Person, Sache oder Ort). Apuleus hielt sie für wohlwollende Ahnengeister, die sowohl zur Unterwelt als auch zu festen Orten der Welt der Menschen gehörten, und nichts mit dem Genius oder auch den bösen umherwandernden Lemuren zu tun hatten. Varro bezeichnet sie als einst menschliche Geister aus der Unterwelt und damit Ahnengeister und Manen, gleichzeitig als Luftgötter, die zur Oberwelt gehörten. Tatsache ist, daß die Übergänge zwischen Laren und Genien fließend waren bzw. es Überschneidungen gibt, wie beim Genius loci.

Feiertage:  

Feiertage für die Laren sind (neben den Compitalia, deren Termin schwanken konnte, aber immer nach den Saturnalien Ende Dezember-Anfang Januar lag), der 27. Juni und der 22. Dezember.

Sonstiges:

Die Larenverehrung wurde im November 392 durch den Kaiser Theodosianus I verboten, inoffiziell wurde der Kult aber noch bis in die Spätantike nachgewiesenermaßen praktiziert.

Götterwelt: Vesta

Zuständigkeiten und Bezeichnungen: 

Göttin mit Fackeln, wahrscheinlich Vesta (Vatikanisches Museum)

Göttin mit Fackeln, wahrscheinlich Vesta (Vatikanisches Museum)

Göttin der Familie, des Heims und des heiligen Feuers, als anwesend gedacht sowohl im Herdfeuer in jedem Haushalt, wie auch als ewige Flamme im Staatstempel, der auf dem Forum Romanum stand und dessen Salus (Heil) spendende Flamme an jedem 1. März rituell neu entfacht wurde.

Durch ihren Bezug zum Heim und zur Familie stand Vesta in enger Verbindung zu den Laren und Penaten, den Ahnen und Schutzgeistern der Familie (in ihrem Tempel wurden entsprechend auch die Penaten und Laren des Staates verehrt) und sie galt als Schutzgöttin der Bäcker und Müller durch den offensichtlichen Bezug zu Feuer und Ofen. Diese schmückten an ihrem Feiertag die Esel, die sie als Lasttiere für Mühlsteine und Getreide nutzten, was erklärt,  daß der Esel zu ihrem heiligen Tier wurde.

Wie der heimische Herd das Zentrum in jedem Haus war, so galt der Vestatempel – einer der ältesten Tempel des römischen Reiches – als das Zentrum des gesamten Imperiums, was die überragende Bedeutung der Göttin erklärt. Nach Ovid und Dionysios von Halikarnassos galt Vesta als Verkörperung der Erde selbst. Der Tempel hatte, im Gegensatz zu anderen Heiligtümern, eine runde Form, was das Alter seiner Ursprünge mit belegt, die bis ins 7. Jahrhundert v. Chr. reichen. Seine Tore waren nach Osten hin ausgerichtet, um die Verbindung der lebenspendenden Sonne mit dem im Tempel gehüteten ewigen Feuers zu betonen. Wie Janus, wurde auch Vesta in jeder Opferhandlung angerufen, Janus als Gott der Anfänge immer zu Beginn und Vesta am Schluss der rituellen Handlungen.

Sie ist eine der Dei Consentes, der 12 höchsten Götter.

Sphäre: 

Irdisch (Gemeinschaft, Heim, Herd)

Attribute und Darstellungen: 

Vesta wurde sehr lange Zeit bildlos in Gestalt des Feuers selbst verehrt, erst in späterer Zeit wurde auch sie wie andere Götter in Statuen personifiziert dargestellt (außer in ihrem Tempel), entweder stehend oder sitzend, ganz bekleidet und verschleiert mit den Attributen Opferschale, Fackel und Zepter, Schöpfkelle. Gedenksteine, oft von wohlhabenden Bäckern gestiftet zeigen sie auch mit Esel.

Opfergaben: 

Räucherwerk, Wein (am Lararium); Teile des täglichen Mahles (direkt in die Flammen des Herdes gegeben); Lorbeer, Wacholder, Veilchen

Kulttiere: 

Esel (nicht als Opfertier), Schaf

Feiertage: 

Vesta mit Esel

Vesta mit Esel

Das Fest der Göttin, Vestalia, wurde in der Zeit vom 7. – 15. Juni begangen, mit dem Hauptfesttag am 9. Juni.

Der Tempel der Vesta war das ganze Jahr über für die Öffentlichkeit geschlossen und nur am Fest der Vestalien zugänglich, allerdings nur für Frauen, die diese Zeit nutzten um den Tempel barfuß zu betreten und zu opfern. Als einzige männliche Ausnahme durfte der oberste Priester Roms, der Pontifex Maximus, den Tempel ebenfalls betreten. Am ersten Tag der Feierlichkeiten wurde der penus Vestae, ein durch Vorhänge abgetrennter besonderer Bereich im Tempel geöffnet. Hier wurden Symbole und Kultgeräte aufbewahrt, die die Macht Roms verkörperten.

Die Vestalinnen backten zu diesem Anlaß ein hartes Opferbrot mit Wasser, das von einer geheiligten Quelle transportiert wurde und keinen Kontakt mit dem Boden haben durfte, sowie Salz.

Der letzte Tag der Vestalien (die Iden des Juni) wurden zu einem Feiertag für alle Berufsgruppen, die mit Vesta verbunden waren, wie Bäcker und Müller. Diese schmückten an diesem Tag ihre Werkzeuge, Mühlsteine und Tiere ihr zu Ehren mit Blumen- oder Brotkränzen.

Sonstiges: 

Der Kult der Vesta wurde von einer besonderen Priesterschaft, den Sacerdotes Vestales (Vestalinnen), gepflegt, die verantwortlich für das Hüten der ewigen Flamme waren und den kultischen Dienst der Staatspenaten versahen.

Es waren Frauen, die eine 30jährige Zeit im Dienst der Vesta abzuleisten hatten und vom Pontifex Maximus als Kinder ausgewählt wurden. Ihr Leben wurde von strikten Vorschriften der Reinheit und Jungfräulichkeit bestimmt. Augrund ihres keuschen Lebenswandels wurden sie angesprochen als Virgo Vestalis (Vestalische Jungfrau) und sie hatten ein außerordentlich hohes Ansehen in der Öffentlichkeit und saßen etwa im Theater auf Ehrenplätzen.

Wenn sie sich außerhalb des Tempels bewegten, wurden sie von Lictores begleitet, einer Art symbolischer Leibgarde, die ansonsten ausschließlich Magistrate und Konsuln begleitete und deren Amtsgewalt durch die auf der Schulter getragenen Fasces (Rutenbündel mit einer eingebundenen Axt) anzeigten. Selbst Senatoren und Konsuln ließen einer Vestalin den Vortritt und begegnete ihr ein Verurteilter, konnte er von ihr auf der Stelle begnadigt werden. Sie wohnten in einem Atrium Vestae genannten Gebäude neben dem Vestatempel und konnten nach Ablauf ihres Tempeldienstes zurück in das Privatleben gehen, auch heiraten. Die Mehrheit allerdings verblieb nach den 30 Jahren im Tempeldienst, weil sie ihre gesellschaftliche Stellung und die damit verbundenen Privilegien nicht aufgeben wollten und in der Bevölkerung die Vorstellung herrschte, dass eine ehemalige Vestalin, die später als Braut in eine Familie einzog, dieser Unglück brachte.

Brach eine Vestalin ihr Zölibat, oder ließ sie das heilige Feuer ausgehen, wurde sie mit dem Tode bestraft, unter anderem durch Begraben bei lebendigem Leibe (unter Kaiser Domitian). Hierbei wurde die Vestalin gefesselt und mit verbundenen Augen vor die Stadt getragen, wo in der Erde ein Raum ausgehoben wurde, in dem ein Bett, eine Lampe, ausreichend Essen und Trinken standen. Die Vestalin mußte auf einer Leiter durch die Öffnung in die Tiefe steigen, danach wurde die Leiter herausgezogen. Anschließend verschloß man die Öffnung und bedeckte die ganze Anlage mit Erde, bis nichts mehr zu erkennen war. Die Nahrung und Getränke sollten verhindern, daß die Vestalin nicht durch Verhungern oder Verdursten starb.