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Musik: Einleitung – Musik in der römischen Antike

Musikerszene in einem Mosaik in Herculaneum

Musikerszene in einem Mosaik in Herculaneum

Musik spielte in der römischen Antike eine wichtige Rolle in allen Bereichen des Lebens. Sie wurde zu allen Gelegenheiten gespielt – von der gepflegten Musikuntermalung bei geselligen Treffen oder Abendessen im privaten Rahmen, Musik auf Veranstaltungen und Festen, über deftige Volks- und Spottlieder des einfachen Volkes in der Taverne, Soldatenlieder, anspruchsvolle Musik in Theater und Konzert, als dramatische Untermalung des Spektakels in der Arena, bis hin zu Signalmusik im Kampf oder bei Triumphmärschen und natürlich zur Sakralmusik, die bei keinem offiziellen Ritual fehlen durfte.

Ebenso groß wie die Bandbreite der Anlässe, zu denen Musik gespielt (und auch gesungen) wurde, ist die Vielfältigkeit der römischen Musikinstrumente. Hier waren bereits viele der heute bekannten Instrumentenklassen vertreten, Blechblas- und Holzblasinstrumente genauso wie Schlaginstrumente, Saiteninstrumente und sogar Orgeln.

Musiker in der Antike

Obwohl Musik eine so wichtige Rolle spielte, besaßen Musiker (wie auch Schauspieler oder Künstler) in Rom keinen hohen gesellschaftlichen Status.

Es galt unter Aristokraten und wohlhabenden Römern zur Zeit der Republik als verpönt, selbst zu musizieren. Cato schreibt, daß „Singen keine angemessene Beschäftigung für einen ernsthaften Mann“ sei. In Familien von Stand lernten bisweilen Mädchen und Frauen das Musizieren. Aber selbst hier begegnete man hochgestellten Frauen, die musizierten, mit Skepsis. So schrieb Sallust: „Sempronia war durch Geburt und Schönheit, auch durch Mann und Kinder in einer recht glücklichen Lebenslage. Mit griechischer und lateinischer Literatur war sie wohlvertraut und wußte geschickter zur Laute zu singen und zu tanzen, als es für eine anständige Frau nötig ist.

Aulosspielerin

Aulosspielerin

Lediglich der sakrale Chorgesang war allseits hoch geschätzt und wurde auch in hohen Kreisen praktiziert.

Erst im Laufe der Zeit trat ein Wandel ein, so daß auch Römer höheren Standes sich in der Musik und im Gesang übten und ihre Künste zeigten. Sulla zum Beispiel galt als ausgezeichneter Sänger, und Konsul Norbanus Balbus (19 n.Chr.) war ein begeisterter Tubaspieler, ein Instrument, das er während seiner Militärzeit erlernt hatte. Höhere Kreise praktizierten Musik aber generell nur zur Erbauung und zum Freizeitvergnügen, sowie als geeignetes Mittel zur Selbstdarstellung.

Ansonsten war es üblich, Musiker, die professionelle Untermalung und Unterhaltung boten, für besondere Anlässe zu kaufen oder zu engagieren.

Musizieren und Singen war unter den einfachen Leuten, wie heute auch, ebenfalls als Freizeitbeschäftigung und zur Vertreibung von Alltagssorgen verbreitet. Es gab Arbeitslieder, die bei der Arbeit gesungen wurden, um diese zu erleichtern, Liebeslieder, Spottlieder, Soldatenlieder und Kinderlieder. Vor allem unter Hirten war das Musizieren mit Instrumenten verbreitet. Laienmusik war deshalb so vielfältig wie die Bewohner des römischen Reichs.

Viele Berufsmusiker waren griechischer Herkunft und bei den meisten handelte es sich um Sklaven, Freigelassene oder andere Gruppen von niederem Status. Einige wenige Berufsmusiker, die Freie waren und römisches Bürgerrecht besaßen, brachten es zu überregionaler Berühmtheit und hohem Ansehen. Besonders beliebte Musiker verdienten gut bei Musikwettbewerben, die mit hohen Preisgeldern verbunden waren.

Apollo mit Kithara, Wandgemälde aus Pompeji

Apollo mit Kithara, Wandgemälde aus Pompeji

Die breite Masse der Berufsmusiker waren jedoch als Solisten, Orchester- oder Ensemblemusiker nicht überregional bekannt. Einige zogen umher von Ort zu Ort, auf der Suche nach einem Engagement oder im Verbund mit anderen Künstlern. Andere – wie Tempelmusiker – waren ortsansässig. Sakralmusiker in Tempeln waren häufig Eigentum des Tempels oder des Priesters.

Musiker allen Standes, vor allem in Rom, waren – wie allgemein für alle Berufsgruppen üblich – in Vereinen, sogenannten Kollegien, organisiert. Diesen haben wir viele Informationen über Status, Geschichte und Herkunft von Berufsmusikern zu verdanken, da Kollegien ihren verstorbenen Mitgliedern oft Grabsteine stifteten, auf denen nach römischer Sitte über das Leben des Verstorbenen berichtet wird.

Selbst einige Kaiser waren Musikfreunde. Für sie war es aufgrund ihres Ranges unerheblich, ob sie damit gegen ein gesellschaftliches Tabu verstießen. Caligula tanzte und sang.  Nero war Dichter und Musikliebhaber. Er selbst wäre lieber Schauspieler als Kaiser geworden, sang und spielte selbst mehrere Instrumente (wie Hydraulis und Kithara).

Auch Priester hatten, je nach Kult, dem sie dienten, ebenfalls musische Pflichten. So mußten die Arvalbrüder regelmäßig einen festgelegten Kulttanz und ein Kultlied darbieten.

Eine sehr gute, tiefgehende und ausführliche Darstellung über Musiker in der römischen Antike bietet die Schrift „Jünger der Musenkunst in Rom“ von Andrea Scheithauer (Download als PDF).

Römische Musik als experimentelles Forschungsfeld

Römische Musik ist ein so weitreichendes Thema, daß es für einen musikinteressierten römischen Rekonstruktionisten ein dankbares und ergiebiges Forschungsfeld ist, das so viel Material und Inhalt bietet, daß man sich sogar darauf spezialisieren kann und einem doch niemals die „Arbeit“ ausgeht.

Der Aulos wird bei einem rituellen Opfer gespielt, um negative Einflüsse und Zeichen abzuwehren (Haltern, 2014)

Der Aulos wird bei einem rituellen Opfer gespielt, um negative Einflüsse und Zeichen abzuwehren (Haltern, 2014)

Neben der theoretischen Beschäftigung mit der römischen Musik der Antike, die durch Schrift- und Bilddokumente überliefert ist, ist die Musik auch ein spannendes praktisches Experimentierfeld. Denn es gibt auch gut erhaltene Funde römischer Musikinstrumente, die deren Nachbau erlauben und – was eine eher unbekannte Tatsache ist – sogar Überlieferungen römischer und griechischer Musikstücke, da es bereits eine Form der Notenschrift gab. Deshalb wissen wir heute erstaunlich viel über verwendete Instrumente und ihre Einsatzbereiche und sogar darüber, wie einige Musikstücke geklungen haben mögen.

Interessanterweise sind aus der griechischen und römischen Antike mehr archäologische Funde von Musikinstrumenten und deren Einzelteilen erhalten, als aus dem gesamten europäischen Mittelalter. Hingegen ist die Überlieferung von erhaltenen Liedern und Musikstücken deutlich geringer, obwohl es bereits eine Notenschrift gab. Bei den Stücken, die erhalten sind, ist oft unklar, für welche Instrumente sie geschrieben waren – doch das ist, was ebenfalls nicht so bekannt ist, auch für viele mittelalterliche Musikstücke der Fall.

Deswegen ist die Musik sowohl in der „römischen Szene“ als auch in der Wissenschaft ein beliebtes Feld der experimentellen Archäologie und auf vielen Treffen und Veranstaltungen trifft man auf Gleichgesinnte, die sich den Nachbau eines römischen Musikinstruments haben anfertigen lassen und dessen Praxistauglichkeit unter Beweis stellen und gerne die Spielweise demonstrieren. (mehr …)

Götterwelt: Apollo

Zuständigkeiten:

Apollo mit Kithara, Wandgemälde aus Pompeji

Apollo mit Kithara, Wandgemälde aus Pompeji

Gott der Heilung, Musik, Poesie, Künste, Wahrheit und Weissagungen und der Jagd. Er gilt außerdem als ein Licht- und Sonnengott in seiner Form als Phoebus Apollo (von denen es bei den Römern mehrere gibt, wie z.B.  Sol Invictus).

„Heilung“ ist hierbei relativ zu sehen; Apollo war derjenige, den man anrief, wenn man eine aufsteigende Krankheit spürte oder eine Krankheit, ausbrechende Seuche oder Verletzung befürchtete. Er war derjenige, an den man sich wandte, wenn man Schutz vor einer Krankheit suchte; war sie erst einmal ausgebrochen, war eher Aesculapius der richtige Ansprechpartner. Im Gallo-Römischen Cultus war er als Apollo-Grannus, zusammen mit seiner keltischen Gefährtin Sirona, für Heilung zuständig.

Besonders zuständig war er für die Pest, vor der er schützen sollte, denn in der Mythologie hieß es, daß er einst schon die Stadt Troja vor der Pest bewahrt hatte.

Im Jahr 217 v. Chr. wurde Apollo zu einem der 12 Dei Consentes erklärt und gehörte somit zu den besonders verehrten Gottheiten Roms. Besondere Verehrung erfuhr er von Bogenschützen, Künstlern, Sängern, Schriftstellern und Musikern.

Er steht den 9 Musen vor, den Schutzgöttinnen der Künste, was ihm den Beinamen „Musagetes“ einbrachte (die heute geläufigen Zuordnungen und Attribute der Musen waren den Römern noch nicht bekannt, sie entstanden erst in der Neuzeit).

Immer wieder tritt Apollo auch als Rache- oder Sühnegott auf.

Sphäre:  Himmel.

Attribute und Darstellungen: 

Typische Darstellungen zeigen Apollo als bartlosen, gutaussehenden Jüngling mit: Pfeil und Bogen. Kithara / Lyra (Musikinstrumente). Opfer-Dreifuß (symbolisiert seine prophetischen Gaben).

Opfergaben: 

Weizen, Räucherwerk, Kuchen aller Art (Honig, Käse), Petersilie, Wein, Ringelblume, Zedernholz, Hyazinthe

Kulttiere:  Weiße Ziegen, Ochsen mit vergoldeten Hörnern. Streng verboten als Opfertiere: Pferde. Apollo gehörte zu den drei einzigen Göttern (neben Neptun und Mars), dem Stiere geopfert werden durften.

Apollo mit Kithara, 50 n. Chr. (Rom)

Apollo mit Kithara, 50 n. Chr. (Rom)

Feiertage:  Hauptfeiertage sind die Ludi Apollini (6. bis 13. Juli) und der 23. September (zusammen mit Diana)

Zuordnungen:  Palme, Wölfe, Delphine, Schwäne, Zikaden (symbolisieren Musik und Gesang), Falken, Raben, Krähen, Schlangen (symbolisieren die prophetische Gabe), Mäuse und der Greif.

Sonstiges:  Apollo wurde von den Römern aus dem griechischen Pantheon übernommen. Auch unter den Etruskern wurde er bereits als „Apulu“ verehrt, was vermutlich ebenfalls auf griechischen Einfluß zurückzuführen ist. Mittlerweile wird in der Forschung davon ausgegangen, daß Apollo kein ursprünglich griechischer Gott war, sondern aus einer vor-griechischen Kultur (der minoischen, der dorischen oder einer anatolischen / kleinasiatischen Kultur) stammt. Schon bei den Hethitern gab es um 2000 v. Chr. den Pest-Gott Aplu. Der Widerspruch aus heilendem und helfendem Gott einerseits, gewalttätigem, krankheitsbringendem Gott anderseits, deutet auf einen vor-griechischen Ursprung, so daß sich viele Aspekte schließlich im Kult des Gottes Apollo vereinigten. Apollo wurde außerdem mit dem sabinischen Gott Soranus gleichgesetzt. Als Orakel-Gott war er bei den Griechen der Patron von Delphi. Apollo war auch unter den romanisierten Kelten, besonders den Galliern, sehr populär und wurde von ihnen als Gott der Heilung und als Sonnengott verehrt und mit keltischen Göttern ähnlicher Funktion gleichgesetzt, wie Sonnen- und Heilgott Apollo Belenus in Gallien und Norditalien, Apollo Moritasgus, Gott der Heilung in Alesia. Häufige Darstellungen auf Särgen deuten auf seine Beziehung zu Orpheus hin, als dessen Vater er beschrieben wird. Kaiser Augustus betrachtete Apollo als seinen persönlichen Gott und baute ihm den Tempel des Apollo Palatinus auf dem Palatin in Rom. Im römischen Cultus wird er im Ritus Graecum anstatt im Ritus Romanum verehrt.

Antike Quellen mit Gebeten an Apollo:

  • Arnobius der Ältere: Adversus Nationes 3-43
  • Claudius Claudianus: Panegyricus dictus Olybrio et Probino consulibus 71-2
  • Horaz: Carmen saeculare 1.2.30
  • Livius 5.21.2
  • Martial 9.42
  • Ovid: Remedia amoris 75 und 704
  • Petronius: Papyri Graecae magicae 94
  • Petronius: Satyrica fr. 31
  • Plautus: Mercator 678
  • Seneca: Hercules furens 592 und 900
  • Statius: Thebais I 643-5; I 694-6; I 716-20; IV 649-51; VI 296-300; VII 779-88; VIII 90-94
  • Tibullus: 2.5.1ff; 3.10; 4.4.1
  • Gaius Valerius Flaccus: Argonautica 1.5; 5.17; 5.244
  • Vergil: Aenais 3.85; 6.55; 10.875; 11.785; 12.197
  • Varro: De Lingua Latina 7.17