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Kultpraxis: Geburtstagsritual am Lararium

„Statuetten opfernder Männer und Frauen“ im RGM Köln. Oder Larariumsfiguren von Genius und Iuno? Fundort: Köln

Wie wir in unserem Einleitungsartikel „Der Geburtstag in der römischen Antike“ beschrieben haben, unterschieden sich römische Geburtstagsbräuche kaum von unseren heutigen – mit einem Unterschied:

Neben Essen, Trinken und Feiern nutzte man den Tag auch, um in einem Ritual am Lararium, dem Hausschrein, seines Genius / seiner Iuno zu gedenken, sich bei den Göttern für das vergangene Lebensjahr zu bedanken und mit einem Gelübde ihre Unterstützung für das kommende Lebensjahr zu erbitten. Hierbei wird immer Jupiter Optimus Maximus eingeschlossen, aber zusätzlich auch jeder andere Gott, der in der eigenen Sacra Privata eine Rolle spielt.

Dieses Ritual stellte die rituelle Eröffnungshandlung am eigenen Geburtstag dar und wird deswegen auch heute in der Religio Romana als Teil der Feierlichkeiten praktiziert.

Der Zweck dieses Rituals ist denkbar pragmatisch: sicherzustellen, daß man auch seinen nächsten Geburtstag erlebt.

Vorbemerkung zu Quellen und Authentizität:

Informationen zu Anrufungen des Genius und der Götter, zu typischen Opfergaben (wie Kuchen, Weihrauch) und zu Opferhandlungen (wie dem Schmücken der Figur des Genius) sind uns, wie im Einleitungsartikel bereits erwähnt, aus zahlreichen Quellen überliefert. Auch gibt es erhaltene antike Texte, die Geburtstags-Segenswünsche enthalten oder Anrufungen und Gelübde aus dem Staats- und Kaiserkult anläßlich des Geburtstags des Kaisers.

Texte, die ein vollständiges Geburtstagsritual im privaten Cultus, in der Sacra Privata beschreiben, sind allerdings nicht bekannt. Deswegen muß ein solches Ritual aus den Fragmenten an erhaltenen Informationen und aus den überlieferten Texten rekonstruiert werden.

Pontifex Cn. Cornelius Lentulus führt eine Opferzeremonie anläßlich der Floralia durch (Foto mit freundlicher Genehmigung des Aquincum Museums Budapest http://www.aquincum.hu/)

Pontifex, Sacerdos, Quaestor und tief in der Religio Romana bewanderter Cultor Cn. Cornelius Lentulus führt eine Opferzeremonie anläßlich der Floralia 2015 durch (Foto mit freundlicher Genehmigung des Aquincum Museums Budapest http://www.aquincum.hu/)

Das hier im folgenden aufgeführte Ritual wurde uns freundlicherweise von Pontifex Cn. Cornelius Lentulus, einem der erfahrensten heute praktizierenden Cultores, zur Verfügung gestellt – genauer gesagt, zum Geburtstag geschenkt 🙂

Er ist zudem Lateindozent an der Universität Budapest und sehr bewandert in der antiken Quellenlage, so daß sein Versuch einer Rekonstruktion dieses Geburtstagsrituals nach bestem Wissen und Gewissen erfolgte, mit dem Anspruch, ein Ritual zu gestalten, das einem römischen Ritual aus der Antike so nahe wie möglich kommt und möglichst wahrscheinlich und authentisch ist.

Die Gelübde im Ritual orientieren sich an den überlieferten Gelübden der Arvalbrüder, des 12-köpfigen römischen Priesterkollegiums, anläßlich des Geburtstages des Kaisers. Die Opfergaben und Handlungen im Bezug auf den Genius entstammen den recht genauen Beschreibungen in den zahlreichen erhaltenen Texten über antike Geburtstagsfeiern, unter anderem von Ovid, Cicero und Tibull.

Ergänzt wurde der Ritualtext von uns durch praktische Handlungsanleitungen, die ebenfalls den antiken Quellen entnommen sind.

So stammt das folgende Ritual zwar nicht aus einer original römischen Quelle, ähnelt aber nach heutigem Kenntnisstand weitestgehend den Kulthandlungen, die Römer wahrscheinlich zu ihrem Geburtstag am Hausaltar abgehalten haben, so daß man es als heutiger Cultor und römischer Rekonstruktionist guten Gewissens in seine Sacra Privata einbinden kann.

Durchführung des Rituals

Vorbereitungen:

Wer eine Figur des Genius / Iuno in seinem Lararium hat, schmückt diese mit einem Kranz. Das Lararium kann zu diesem Anlaß auch mit frischen Blumen bedacht werden.

Neben einer Mischung aus honiggesüßtem Wein und Milch wird Räucherwerk benötigt. Hierzu wird Weihrauch verwendet, so daß man zur Vorbereitung Kohle entzünden und vorglühen sollte. Weihrauch zu räuchern, ist ein originär römischer Brauch, der bis heute seine Fortsetzung in den Bräuchen der römisch-katholischen und orthodoxen Kirche gefunden hat.

Da nur wenig Weihrauch benötigt wird, genügt auch ein kleines Stück Räucherkohle (die Kohletabletten lassen sich problemlos halbieren und vierteln) – es werden pro Rauchopfer jeweils nur ein paar kleine Stücke Weihrauch auf die Kohle gelegt und keine gewaltigen Rauchschwaden erzeugt, wie oftmals irrigerweise angenommen. Insofern gibt es keinen Grund auf Weihrauch als traditionelles Rauchopfer zu verzichten, auch wenn man in einer kleinen Wohnung lebt, zumal auch die Atmosphäre durch Weihrauch eine gänzlich andere ist, als durch die üblichen Räucherstäbchen.

Optional ist die Verwendung von Opferbrot (Libum) oder einem Stück des Geburtstagskuchens.

Bekleidung:

Der Paterfamilias opfert am Lararium

Der Paterfamilias opfert am Lararium

In der Antike war es üblich, daß man sich an seinem Geburtstag weiß kleidete (Ovid, Tristia V 5,8). Weiße Kleidung ist daher authentisch; wichtig ist aber vor allem, daß man saubere und ordentliche Kleidung trägt und das Ritual nicht im Schlafanzug oder Putzshirt durchführt.

Wie bei römischen Ritualen nach dem Ritus Romanus üblich, wird das Ritual capite velato, d.h. mit verhülltem Haupt durchgeführt. Anrufungen erfolgen stehend, manu supina (mit erhobenen Händen).

Opfergabe:

Als Opfergabe wird in diesem Ritual durch Honig gesüßter Wein mit Milch verwendet. Wenn man möchte, kann man den Wein durch Libum (Opferbrot) ersetzen oder ihn damit ergänzen. In diesem Fall muß im Text der Ausdruck „vino lacte melleque mixto“ durch das Wort „libo“ ersetzt werden.

Ansprache des Genius / der Iuno:

Der Geburtstag eines Menschen ist auch der Geburtstag seines „Schutzgeistes“, der bei Männern „Genius“, bei Frauen „Iuno“ genannt wird. Frauen ersetzen im Ritual das Wort „Genius“ deshalb einfach durch „Iuno“ (also im Vokativ „Geni“ durch „Iuno„.)

Sprache:

Es gilt in der Religio Romana die Vorstellung, daß Latein den Göttern besonders gefällt und sie positiv stimmt (was ja insbesondere bei persönlichen Anliegen nie schaden kann). Grundsätzlich gilt Latein als sakrale Sprache mit besonderer Wirkung und Macht.

Nichtsdestotrotz ist davon auszugehen, daß auch im römischen Vielvölkerstaat Gebete und Rituale durchaus in den vielen lokalen Sprachen (oder, insbesondere in der Osthälfte des Reichs, auf Griechisch) durchgeführt wurden, so daß nichts dagegen spricht, ein Ritual in seiner eigenen Muttersprache abzuhalten.

Unsere Präferenz ist die Durchführung in lateinischer Sprache.

Durchführung:

Dieses Ritual war und ist nicht „geheim“ oder privat (wie eigentlich kein römisches Ritual, solche, die in den Mysterien zur Anwendung kamen, einmal außen vor), sondern wenn man möchte, kann man Familienangehörige und andere Mitglieder des Haushalts, auch Geburtstagsgäste, daran teilnehmen oder zuschauen lassen.

Natürlich kann man es auch für sich alleine abhalten, um sich auf seine Anliegen und die Kulthandlungen zu konzentrieren; wir möchten nur darauf hinweisen, daß es in römischen Haushalten normal war, rituelle Handlungen sowohl gemeinsam, als auch alleine an seinem Lararium und Sacrarium durchzuführen.

I. PRECATIO IOVI (Gebet an Jupiter Optimus Maximus)

Am eigenen Geburtstag, nach dem Aufstehen, Waschen und Anziehen, tritt man vor sein Lararium.

Anrufung des Jupiter Optimus Maximus, vor dem Lararium stehend, capite velato und manu supina.

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Jupitergigantensäulen – eine gallo-römische Neuschöpfung

Die rekonstruierte Jupitergigantensäule von Schwarzenacker (Foto von Lokilech, lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons)

Die rekonstruierte Jupitergigantensäule von Schwarzenacker (Foto von Lokilech, lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons)

Die Jupitersäule – eine Säule, auf deren Sockel vier klassische römische Götter abgebildet sind, darüber Wochengötter, Jahreszeiten und zuletzt der oberste römische Gott selbst, der auf seinem Thron sitzend auf die Welt hinabblickt: wer vermutet dabei nicht, daß es sich um eine der ur-römischsten Darstellungsformen der römischen Götterwelt handelt?

Tatsächlich aber sind die Jupitersäulen, und insbesondere ihre gallische Unterart, die Jupiter-Gigantensäulen, ein Phänomen, das südlich der Alpen nahezu unbekannt ist und das ein spannendes Zeugnis der Verschmelzung keltischer und römischer Glaubensvorstellungen darstellt. Sie ist deswegen ganz typisch für den gallo-römischen Cultus, wie er hier, in unserer Region, praktiziert wurde, wo Hunderte dieser Säulen auf engem Raum gefunden wurden.

Der Cultus um die Jupitergigantensäulen gilt als eines der besten Beispiele für eine neue, von Italien und dem Kernland losgelöste Form und eigenständige Entwicklung der römischen Religion – Religio Romana – nördlich der Alpen, auf die vor allem keltische, zum Teil aber auch orientalische Einflüsse einwirkten.

Die „klassische“ Jupitersäule, gekrönt von einem auf dem Thron sitzenden Jupiter, wie man ihn auch von Darstellungen der kapitolinischen Trias aus Rom kennt, entstand in Obergermanien im Raum Mainz und verbreitete sich von dort aus entlang des Mittelrheins bis hinauf an den Niederrhein, im nördlichen Gallien und Britannien.

Die Jupiter-Gigantensäule, als eigene Unterart, findet sich vor allem im östlichen Gallien, in Gallia Beligica, im Raum von Eifel, Mosel und Ardennen.

Einleitung: Was ist eine Jupitersäule?

Jupitersäulen (hier genutzt als Oberbegriff inklusive aller Unterarten) sind, vereinfacht gesagt, mehrere Meter hohe Säulen, auf deren Spitze sich eine Darstellung des Gottes Jupiter befindet – daher der Name.

Der Sockel einer Jupitersäule wird immer von einem „Viergötterstein“ gebildet, einem Quader, auf dessen vier Seiten vier Götter als Reliefs abgebildet sind. Die weitaus häufigste Götterkombination ist hierbei Herkules, Merkur, Minerva und Juno. Daneben treten auch Varianten mit anderen Göttern auf, z.B. mit Victoria, Fortuna, Apollo, Mars oder Proserpina.

Oberhalb des Sockels folgt ein kleinerer Sockel, der als „Wochengötterstein“ bezeichnet wird. In vielen Fällen enthält er Reliefs der klassischen Wochentags- oder Planetengötter Sol, Luna, Mars, Merkur, Jupiter, Venus, Saturn. Oft aber finden sich hier auch andere Götter in beliebigen Kombinationen, wie z.B. Vulcanus, Apollo oder die Dioscuren.

Über diesem Sockelstein folgt oft ein Zwischenblock, in den die Weiheinschrift „IOM“ gemeißelt ist – die Abkürzung für den Namen des höchsten Gottes, Iupiter Optimus Maximus.

Es folgt eine mehrere Meter hohe Säule, deren Höhe zwischen 4 Metern bis hin zu 9 Metern (bei der höchsten bisher gefundenen Jupitersäule aus Mogontiacum/Mainz) variiert.

Jupitersäule an der Saalburg mit Altar

Jupitersäule an der Saalburg mit Altar

Es gibt dabei zwei Ausprägungen der Zwischensäule: beim „klassischen“ Typ, wie in Mainz, besteht die Säule aus einzelnen Säulentrommeln oder -blöcken, in die ebenfalls Bilder und szenische Darstellungen von Göttern gemeißelt sind.

Bei der gallischen Variante, der Jupitergigantensäule, sieht die Säule wie ein Baumstamm aus, es findet sich mehrheitlich ein markantes Schuppenmuster, seltener Eichenlaub, Weinranken oder andere Blätterdarstellungen.

Das korinthische Kapitell der Säule, auf dem der Abschlußstein ruht, ist mit Akanthusblättern verziert. Manche Kapitelle zeigen vier weibliche Gesichter an den vier Seiten, die als die vier Jahreszeiten gedeutet werden.

Auf dem Kapitell thront der Abschlußstein. Auf diesem befindet sich, je nach Region, eine von vier Jupiterdarstellungen. In Obergermanien und am Niederrhein bis nach Britannien zeigt diese Darstellung meist einen auf dem Thron sitzenden Jupiter, der ein Blitzbündel in der Hand hält. Auf den im ostgallischen Raum verbreiteten Jupitergigantensäulen ist Jupiter reitend auf dem Pferd dargestellt, wie er einen Giganten – oft in Form einer Schlange – niederreitet. Zwei seltenere Darstellungen zeigen Jupiter nackt und stehend, mit einem Blitz in der Hand, oder in einem von zwei Pferden gezogenen Streitwagen, der Biga. Oft trägt er dabei auch eine Rüstung, einen sogenannten Feldherrenpanzer.

Auf diese Darstellungen kommen wir später noch im Detail zurück.

Jupitersäulen waren in der Antike – wie auch andere Säulen, Statuen, Reliefs, Figuren, Grabsteine und Gebäude-, bunt bemalt, wodurch die dargestellten Götter und Szenen plastisch wurden. Eine nach historischem Vorbild rekonstruierte und bunt bemalte Jupitersäule befindet sich im Archäologischen Park Schwarzenacker und zeigt, wie eindrucksvoll und anschaulich eine solche Säule gewirkt haben mag.

Verbreitung der Säulen

Der reitende Jupiter zertrampelt die Giganten (Metz)

Der reitende Jupiter zertrampelt die Giganten (Metz)

Wie eingangs bemerkt, sind Jupitersäulen ein ausschließlich aus den Nordwestprovinzen des Römischen Reichs bekanntes Phänomen. Die weitaus größte Zahl wurde im Gebiet zwischen Obergermanien und Ostgallien gefunden. Einzelne Funde gibt es aus dem Donauraum. Eine einzige Säule soll in Rom vor dem Jupiterheiligtum auf dem Kapitol gestanden haben, diese ist jedoch nur aus der Erwähnung einer schriftlichen Quelle bekannt und archäologisch nicht erhalten.

Die größte und spektakulärste Jupitersäule wurde in Mainz gefunden, der ehemaligen Hauptstadt der Provinz Germania superior (Mogontiacum). Man geht davon aus, daß sie als Vorlage und Inspiration für die daraufhin überall entstehenden Säulen diente, die dann meist von lokalen Bildhauern kopiert und nach regionalen Vorlieben weiterentwickelt wurden.

Jupitersäulen fanden sich an verschiedenen Orten des öffentlichen Lebens, an den zentralen Plätzen von Ortschaften und Städten (im römischen Köln und Trier oder im belgischen Atuatuca Tungrorum), in ländlichen Siedlungen (wie z.B. im vicus von Bad Kreuznach, im vicus Belginum), vor allem in den Handwerkervierteln, in der Nähe von Militärkastellen (wie an der Saalburg), aber die meisten befanden sich tatsächlich im privaten Besitz und wurden von Einzelpersonen gestiftet und aufgestellt.

Die häufigsten Funde stammen von römischen Landgütern und Gutshöfen (villa rustica), wo sie oft vor dem Haupt-Wohngebäude oder im Eingangsbereich des Geländes zu finden waren. Das beweist, daß sie keine staatliche Einrichtung waren, die mit Staats- oder Kaiserkult in Verbindung stand, sondern daß sie auch eine wichtige Rolle im privaten Cultus, der Sacra Privata der Stadt- und Landbewohner spielten.

Jupitersäule im Merkurtempel von Tawern

Jupitersäule im Merkurtempel von Tawern

Oft standen Jupitersäulen auch in Tempelanlagen für andere Götter, wie zum Beispiel im Merkur-Tempelkomplex von Tawern. Viele dieser Heiligtümer waren lokalen, einheimischen Gottheiten geweiht, wie das Apollo-Grannus-Heiligtum von Alzey.

Vor der Säule befand sich oft ein Altar, auf dem Kulthandlungen vollzogen wurden. Auch standen die Säulen gelegentlich in eigenen, umgrenzten Arealen, in denen sich weitere Götterbilder, Reliefs oder Statuen befanden, wie für Epona oder den Genius loci des Ortes..

Die berühmte Mainzer Säule stammt aus dem Jahr 59 n. Chr. und wurde anläßlich eines vereitelten Attentats auf Kaiser Nero errichtet. Daher ist ihre Datierung sehr exakt möglich.

Die frühesten Gigantenreiter stammen aus der flavischen Kaiserzeit (ab 69 n. Chr.), der Höhepunkt ihrer Beliebtheit und Verbreitung lag jedoch zwischen 170 und 240 n. Chr..

Es gibt zahlreiche archäologische Funde gut erhaltener Säulenteile. Im Verbund erhaltene Säulen sind leider selten, meist sind die Säulen zertrümmert oder in verschiedene Teile zerbrochen. Auch die Mainzer Säule wurde aus zahlreichen Einzelstücken in aufwendiger Kleinarbeit wieder zusammengesetzt. Aufrecht stehende Säulen sind in Deutschland nicht erhalten; die einzige oberirdisch erhaltene Jupitergigantensäule Galliens stammt aus Cussy-la-Colonne in Frankreich.

Viergöttersteine in Bad Kreuznach

Viergöttersteine in Bad Kreuznach

Am häufigsten finden sich ihre Sockel – die Viergöttersteine -, die aufgrund ihrer symmetrischen Form oft bis ins Mittelalter hinein als beliebtes Baumaterial genutzt wurden, vor allem beim Bau von Kirchen. Als sogenannte „Spolien“ (wiederverwertete Teile von Bauwerken älterer Kulturen) fanden sich gut erhaltene Viergöttersteine in Altären (wo sie oft zu Darstellungen von Heiligen umgedeutet wurden oder den Sieg des Christentums über die heidnischen Götter demonstrierten) und in den Wänden mittelalterlicher Kirchen und Kapellen. Ein Beispiel dafür ist der Viergötterstein in der Dorfkirche von Hottenbach im Hunsrück, der erst Teil des Altars war und nach der Reformation als Baumaterial oberhalb der Kirchentür verwendet wurde.

Aber auch geschuppte Säulen und Kapitelle sind in großer Zahl erhalten, ebenso wie die verschiedenen Jupiterdarstellungen auf dem Abschlußstein.

Die vielen gut erhaltenen Funde von Säulenteilen erlauben einen guten Überblick über die räumliche und zeitliche Verteilung der Jupitersäulen, sowie über die geographische Verbreitung der unterschiedlichen Darstellungsformen.

Die Jupitergigantensäule – germanisch oder keltisch?

Schon früh fielen interessierten Forschern die Jupitergigantensäulen mit ihren schuppigen, baumstammartigen Säulen und dem berittenen Jupiter auf der Spitze auf, die so gar nicht zu typisch römischen Darstellungen des höchsten aller Götter passten.

Die schuppige Säule ist typisch für den Untertyp der Jupitergigantensäule

Die schuppige Säule ist typisch für den Untertyp der Jupitergigantensäule

Während der auf dem Thron sitzende Jupiter aus dem Raum Mainz noch eindeutig von der Darstellung der kapitolinischen Trias aus Rom übernommen worden war, wußte man mit dem berittenen Jupiter, der den Giganten vom Pferd aus niederreitet, zuerst nichts anzufangen. Zwar ist die Niederschlagung der rebellierenden Giganten durch Jupiter – unterstützt von Herkules – ein klassisches Thema der griechisch-römischen Mythologie, aber in keiner einzigen Darstellung südlich der Alpen oder gar in Rom selbst wurde Jupiter jemals auf einem Pferd reitend dargestellt. Ein reitender Jupiter entspricht einfach so gar nicht der traditionellen römischen Ikonographie dieses Gottes.

Im 19. Jahrhundert, im Rahmen der Germanen-Romantisierung, deutete man die schuppigen Säulen als Irminsul, den heiligen Baum der Sachsen, und vermutete germanische Wurzeln in der Darstellung des reitenden Jupiter als Odin mit seinem Pferd Sleipnir oder als blitzeschleudernder Donnergott Thor. Abgesehen davon, daß diese beiden skandinavischen Götter nicht wirklich etwas mit dem Glauben der hier ansässigen Südgermanen zu tun hatten, sprachen auch archäologische Siedlungsbefunde in den Verbreitungsgebieten dieser Säulen gegen einen germanischen Einfluß oder gar eine germanisch-römische Synkretisierung aus Donar-Herkules, Donar-Jupiter oder Wodan-Jupiter samt Irminsul, die man gerne hineininterpretierte.

Stattdessen wurde die überwältigende Mehrzahl der Jupitergigantensäulen auf eindeutig keltisch besiedeltem Gebiet gefunden, die meisten davon in Gallien und im eindeutigen Kontext von typisch keltischen und gallo-römischen Siedlungsspuren.

Im 19. Jahrhundert, im Zuge der Germanen-Romantisierung, deutete man den Gigantenreiter gerne als Odin auf seinem Pferd Sleipnir

Im 19. Jahrhundert, im Zuge der Germanen-Romantisierung, deutete man den Gigantenreiter gerne als Odin auf seinem Pferd Sleipnir

Heutzutage ist der keltisch-römische Hintergrund der Jupitergigantensäulen in der Forschung unstrittig, auch wenn es aus dem neuheidnischen germanischen Lager immer wieder Stimmen gibt, die es gerne anders sehen würden. Aber eine massenhafte Verbreitung der sächsischen Irminsul in den Weiten Galliens, in gallo-römischen Gutshöfen und Ansiedlungen, in eindeutig keltischen Siedlungsgebieten an der Mosel, in der Eifel und in Luxemburg, macht selbst bei oberflächlicher Betrachtung keinen Sinn.

Die Darstellung des Blitze schleudernden Gottes auf dem galoppierenden Pferd interpretiert als Odin auf Sleipnir, Wotan, Thor oder Donar ist in germanischen Kreisen nach wie vor ein beliebtes Diskussionsthema, wobei man sich hier bezüglich der Entsprechungen – die meist aus der Germania von Tacitus abgeleitet werden – nicht ganz einig ist. Denn einerseits wird Wodan mit Merkur gleichgesetzt, während Donar die Entsprechung von Jupiter, aber auch von Herkules ist. Da die Jupitersäulen – auch aus der Inschrift IOM – eindeutig als dem höchsten römischen Gott geweihte Säulen zu erkennen sind, wären sie nach germanischem Verständnis Donar-Säulen und keine Wodan-Säulen. Diese Spekulationen überlassen wir an dieser Stelle aber denjenigen, denen es ein Anliegen ist, ein antikes, vereintes und religiös in sich geschlossenes Germanentum im gesamten Raum links des Rheins zu beweisen 😉

Wir halten uns an die provinzial-archäologischen Befunde und das, was für uns – als Praktizierende des Cultus Deorum Romanorum mit gallo-römischem Schwerpunkt – als im wissenschaftlichen Kontext historisch wahrscheinlich und damit sinnvoller erscheint.

Die „klassische“ Jupitersäule aus Obergermanien

Die fast 10 Meter hohe Jupitersäule von Mainz, deren Repliken heute sowohl vor dem Mainzer Landtag als auch bei der Saalburg im Taunus zu bestaunen sind, gilt als die „Mutter aller Jupitersäulen„. Sie löste einen regelrechten Trend aus und führte zu einem fast explosionsartigen Auftauchen weiterer, meist jedoch deutlich kleinerer Säulen, rund um Mainz im Raum Obergermanien.

Der sitzende Jupiter auf dem Thron (RGM Köln)

Der sitzende Jupiter auf dem Thron (RGM Köln)

Diese Form mit dem sitzenden Jupiter und den bildlich gestalteten Säulen verbreitete sich schnell nördlich entlang des Rheins bis nach Niedergermanien und schaffte auch den Sprung nach Britannien.

Die Darstellungsweise des auf dem Thron sitzenden Jupiters ist, wie bereits erwähnt, typisch römisch und stammt aus dem Kapitol in Rom. Sie ist an die klassisch griechische Darstellung des Zeus angelehnt und betont Jupiters Funktion als Göttervater, der an der Spitze der römischen Götter steht – als Iupiter Optimus Maximus meist dargestellt in der Trias mit seiner Frau Juno und seiner Tochter Minerva.

Diese sitzende Darstellung als Teil der kapitolinischen Trias entspricht auch der Darstellung des Jupiter, wie er im römischen Staats- und Kaiserkult, vor allem in den Städten und Fahnenheiligtümern der Legionen verehrt wurde. Daß diese enge Verbindung des Jupiter zum Kaiserkult auch in den nördlichen Provinzen eine wichtige Rolle spielte, beweist die ab dem 3. Jahrhundert häufig auftretende Weiheformel „IHDD“, „In Honorem Domus Divinae“ – „zu Ehren des göttlichen Kaiserhauses“, die oft in Verbindung mit IOM zu finden ist.

Das Militär in den Provinzen, vor allem in den Limeskastellen wie in der Saalburg, verehrte Jupiter als IOM Stator, als „Jupiter, der die flüchtenden Heere zum Stehen bringt“ und demnach als Schlachtengott den Sieg bringt.

Das Blitzbündel in seiner Hand betont seine Funktion als Gewitter-, Donner- und Blitzgott, der in den Erscheinungsformen von Jupiter tonans („dem Donnernden“) und Jupiter fulgur („dem Blitzenden“) auftritt.

Diese Jupitersäulen zeigen, im Gegensatz zu den mit Schuppen oder Blättern dekorierten Jupitergigantensäulen, oft reiche bildliche Darstellungen weiterer Götter oder anderer vergöttlichter Elemente (wie der Genius des Kaisers Nero in Mainz) auf den Säulentrommeln.

Der stehende Jupiter als Himmelsgott

Der stehende Jupiter (Jupitersäule Saalburg)

Der stehende Jupiter (Jupitersäule Saalburg)

Eine zweite Darstellungsweise des Jupiter, die in den Nordwestprovinzen vorkommt, folgt ebenfalls der klassischen römischen Ikonographie.

Hier wird Jupiter als Göttervater und Himmelsgott stehend dargestellt, bärtig, nackt und nur mit einem Schulterüberwurf bekleidet. In seiner rechten ausgestreckten Hand sitzt ein Adler, in der linken Hand hält er eines seiner anderen typischen Attribute, entweder Zepter, Patera (Opferschale) oder das Blitzbündel.

Diese Darstellung ist weitaus seltener als die klassische sitzende, kapitolinische Form und der Jupitergigantenreiter.

Der Jupitergigantenreiter

Eindeutig nicht-römischer Herkunft ist die Darstellung des Jupitergigantenreiters, der sich auf zahlreichen Säulen im östlichen Gallien findet.

Jupiter sitzt hier auf einem galoppierenden Pferd, das einen Giganten in Form eines Riesen oder einer Schlange niedertrampelt, wobei der Gott oft ein Blitzbündel schleudert. Mit der anderen Hand hält er oft ein Rad, in dessen Speichen er greift.

Die Darstellung eines auf einem Pferd reitenden Jupiters ist aus dem südlichen Bereich des Römischen Reichs nicht bekannt, sondern entstammt keltischen Vorstellungen. Ebensowenig gehört das Rad zu Jupiter, es ist ebenfalls ein typisch keltisches Symbol.

Bevor wir uns dieser keltischen Variante des Jupiters zuwenden, betrachten wir die ebenfalls keltische Darstellung der Säulen mit ihrem Schuppen- oder Blätterbewuchs.

Jupitergigantenreiter aus Ladenburg (Foto von Klaus Graf)

Jupitergigantenreiter aus Ladenburg (Foto von Klaus Graf)

Es gibt mehrere römische und griechische literarische Quellen, die eine Verbindung zwischen Jupiter (oder seiner griechischen Entsprechung Zeus) und einem keltischen Baumkult herstellen.

Schon im 2. Jahrhundert v. Chr. berichtete der Grieche Maximos von Tyros, daß die „Kelten als Götterbild des Zeus eine hohe Eiche verehren“. Auch der römische Dichter Valerius Flaccus beschreibt um 70 n. Chr. in seiner „Argonautica“ einen einheimischen Stamm an der unteren Donau, der Baumstämme mit der Statue Jupiters darauf verehren würde („truncae Iovis simulacra coumnae„). In beiden Quellen wird eine baumartige Säule mit dem Gott Jupiter in Verbindung gebracht.

Daß für die Kelten Bäume in ihrer kultischen Praxis eine wichtige Rolle spielten, ist unumstritten. Der nemetom – die keltische Bezeichnung für einen Kultplatz, etymologisch verwandt mit dem griechischen νέμος / némos (Waldung) und dem lateinischen nemus (Hain) – wird oft als Wald- oder Baumheiligtum gedeutet, auch wenn die Kelten, entgegen populärer romantischer Vorstellungen ihre Religion nicht nur im „Heiligen Hain“ praktizierten, sondern durchaus auch fest errichtete Tempelgebäude nutzten und ihre Oppida – Großsiedlungen – städtische Formen hatten, so daß mit nemetom vielfältige Formen einer „geheiligten  Stätte“ gemeint sein können.

Auch bei Kelten sehr beliebt: Hercules (Detail der rekonstruierten Säule von Schwarzenacker)

Auch bei Kelten sehr beliebt: Hercules (Detail der rekonstruierten Säule von Schwarzenacker)

Auch wird oft eine Verbindung zwischen den Druiden mit einem Eichenkult postuliert; Plinius der Ältere vermutete, daß die Bezeichnung auf das altgriechische Wort für „Eiche“ zurückgeht. Auch die keltische Wurzel „dru“ für „Eiche“ steckt in dem Wort, so daß die Übersetzung des Wortes „Druide“ als „Eichenkundiger“ in der Wissenschaft heute gängig ist.

Ein gutes Beispiel für diese Übertragung keltischer Kultvorstellungen ist die 1964 gefundene Jupitergigantensäule aus Hausen an der Zaber, deren Säulentrommeln statt mit Schuppenbewuchs mit Eichenlaubblättern geschmückt sind.

Hierbei muß jedoch auch beachtet werden, daß die Eiche nicht nur ein typisch keltisches Symbol ist, sondern auch Jupiter selbst – beziehungsweise seinem griechischen Äquivalent Zeus – als heiliger Baum gilt, der in der Mythologie eine wichtige Rolle spielt, da Zeus im Orakel von Dodona aus dem Rauschen der Blätter einer Eiche weissagt. Insofern paßt die Verzierung einer Säule mit Eichenlaub zu beiden Kulturkreisen und kann in beide Richtungen gedeutet werden.

Die Baumstamm- und Schuppensymbolik der gallischen Jupitergigantensäulen ist deswegen zwar ein gut belegbares Indiz für einen Zusammenhang mit keltischem Baumkult, eindeutiger auf keltische Einflüsse hinweisend ist jedoch die Darstellung des Jupiters mit dem Rad.

Jupiter mit dem Rad

Opferszene an einer Jupitersäule mit Rad (Mosaikkalender aus St. Romain-en-Gal)

Opferszene an einer Jupitersäule mit Rad (Mosaikkalender aus St. Romain-en-Gal)

Die Verbindung Jupiters mit dem Rad ist auch von anderen bildlichen Darstellungen aus dem gallo-römischen Raum bekannt. In Alzey gibt es die Darstellung eines auf dem Thron sitzenden Jupiters, dessen Thron an der Seite ein Radsymbol zeigt.

Das Rad gilt generell als ein Himmelssymbol, wobei es nicht nur als Sonnenrad auftritt, sondern auch als Donnerrad, was sich aus dem rumpelnden Geräusch eines fahrenden Wagens leicht erklären läßt.

Ein Mosaik aus einem Landgut aus St.-Romain-en-Gal zeigt einen Mann und eine Frau, die vor einer Jupitersäule ein Opfer an Jupiter frugifer darbringen, um für gute Ernte zu bitten. Die dargestellte Jupitersäule zeigt auf der Spitze einen stehenden Jupiter, der in der rechten Hand ein Blitzbündel hält und mit der linken Hand auf ein Rad gestützt ist.

Die eindeutigste Verbindung stammt jedoch aus Köln, wo auf einem Jupiteraltar mit der Inschrift IOM ein achtspeichiges Rad abgebildet ist. Es gibt auch Bildnisse ohne Jupiterfigur, wo nur das Rad in Kombination mit dem Blitzbündel dargestellt ist. Der mit Blitz und Rad assoziierte Gott wird in allen erhaltenen Inschriften als Jupiter identifiziert und ist deswegen eindeutig.

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Antike Stätten: Jupitersäule an der Saalburg

Die Jupitersäule ist ein beeindruckender Anblick!

Die Jupitersäule ist ein beeindruckender Anblick!

Anschrift:

An der Jupitersäule, 61350 Bad Homburg vor der Höhe

Anfahrt:

Die Jupitersäule liegt in einem kleinen parkartigen Gelände am Rundwanderweg Saalburg als Teil des Limeserlebnispfads Hochtaunus. Sie ist etwa 300 Meter vom Römerkastell Saalburg entfernt.

Das Gelände rund um die Saalburg gehört zu Bad Homburg vor der Höhe und liegt im Hochtaunus. Durch Eingabe der Anschrift ist es mit dem Auto gut zu finden.

Parkmöglichkeiten sind an der Saalburg immer etwas eingeschränkt, da es dort oft sehr voll ist. Unmittelbar am Weg zur Jupitersäule liegt ein Landgasthof, der gut besucht ist und ebenfalls für hohes Parkaufkommen sorgt, ebenso wie die vielen Wander- und Radwege, die stark frequentiert sind. Da man den Besuch der Jupitersäule aber ohnehin immer mit einem Besuch der Saalburg und des davor liegenden Mithräums verbinden wird, kann man auch auf den Parkplätzen der Saalburg oder entlang der Zufahrtsstraße parken. Bei Veranstaltungen wird einem hier bisweilen ein Parkplatz (gebührenfrei) durch Ordner zugewiesen.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist dieser Ort ebenfalls gut erreichbar, es verkehren regelmäßig Linienbusse zwischen Bad Homburg, dem nahegelegenen Hessenpark und der Saalburg.

Ansonsten kann man sich das Gebiet auch gut über diverse Taunus-Wanderwege in der reizvollen Landschaft des schwer zugänglichen Hochtaunus erwandern. Dabei erhält man gleich einen guten Eindruck davon, wie ungastlich ein Leben am Limes in dieser Region gewesen sein mag.

Hintergrundinformationen:

Die Säule befindet sich direkt am Limeserlebnispfad Hochtaunus

Die Säule befindet sich direkt am Limeserlebnispfad Hochtaunus

Die Jupitersäule ist keine „echte“ antike Stätte, wir halten sie aber trotzdem für relevant genug, um von uns in dieser Kategorie aufgeführt zu werden.

Tatsächlich wurde die Jupitersäule erst Anfang des 20. Jahrhunderts im Rahmen der Rekonstruktion des Kastells Saalburg durch Kaiser Wilhelm II als weitere „Attraktion“ zusammen mit dem Mithräum im Umfeld der Saalburg errichtet.

Nichtsdestotrotz handelt es sich dabei um kein Phantasiegebilde aus der Kaiserzeit, sondern um eine archäologisch interessante Rekonstruktion – und zudem um eine sehr beeindruckende dazu -, die einen guten Eindruck davon vermittelt, wie die zur römischen Zeit in den germanischen und gallischen Provinzen verbreiteten Jupitersäulen gewirkt haben müssen, die typisch für diese Regionen waren.

Bei der Jupitersäule handelt es sich um eine Replik einer originalen Jupitersäule aus Mainz, dem antiken Mogontiacum, die heute im Landesmuseum Mainz ausgestellt ist und in Nachbildung vor dem Landtag von Rheinland-Pfalz steht. Weitere Kopien dieser Säule stehen in Paris und Rom.

Zum Zeitpunkt der Entdeckung der Kalksteinsäule in Mainz war diese vollkommen zerstört und wurde in mühevoller Kleinarbeit aus über 2000 Einzelteilen wieder zusammengesetzt.

Der überlebensgroße Gott Jupiter Optimus Maximus schleudert Blitze

Der überlebensgroße Gott Jupiter Optimus Maximus schleudert Blitze

Die Besonderheit der Kopie an der Saalburg ist, daß es sich nicht nur um eine reine Replik der Säule aus Mainz handelt, sondern daß diese auch noch ergänzt und an den Stellen vervollständigt wurde, für die es in Mainz keine Überlieferungen gibt. Es handelt sich auch nicht, wie sonst üblich, um einen Abguss des Originals, sondern die Säule wurde von einem Bildhauer aus Kalkstein nachgefertigt.

Die Höhe der Säule beträgt 12,50 Meter. Auf ihrer Spitze thront eine überlebensgroße, stehende, komplett vergoldete Figur des Gottes Jupiter. Von dieser Statue wurden in Mainz nur wenige Bruchstücke gefunden, wie der linke Fuß, ein Finger, ein Blitz, eine Adlerklaue und ein kleines Stück des Körpers. Wahrscheinlich wurde die vergoldete Bronzestatue nach der gewaltsamen Zerstörung der Jupitersäule in Mainz eingeschmolzen. Deswegen hat man sich bei der Rekonstruktion der Gottesstatue an der Saalburg auf besser erhaltene Statuen von diversen Fundorten bezogen, um ein stimmiges und authentisches Bildnis zu erschaffen.

Zu römischer Zeit war die komplette Säule, die zahlreiche Götterdarstellungen zeigt, bunt bemalt. Dies wurde bei der Rekonstruktion nicht nachvollzogen, so daß die Säule selbst die Farbe des Kalksteins hat, aus dem sie besteht.

Eine Inschriftentafel im unteren Bereich der Säule besagt, daß die Mainzer Bürger diese Säule dem obersten Gott Jupiter Optimus Maximus zum Wohle des Kaisers Nero geweiht haben. Damit ist das Original etwa um das Jahr 59 n. Chr. datierbar, in dem Nero nur knapp einer Verschwörung entkommen war. Da Nero nach seinem Selbstmord im Jahre 68 unter die reichsweite Damnatio memoriae fiel, wurden alle Inschriftenteile, die sich auf ihn beziehen, unkenntlich gemacht. Sie sind aber nach wie vor entzifferbar.

Vor der Jupiterstatue wurde ein Weihealtar errichtet, der in Mainz zusammen mit der Säule gefunden wurde. Auch er trägt eine Inschrift, die den gleichen Inhalt hat wie die Inschrift der Jupitersäule. An den Seiten des Altars sind Gegenstände abgebildet, die für Opferhandlungen verwendet wurden.

Beschreibung:

Zu römischer Zeit waren Säulen bunt bemalt. Hier eine Skizze, die Anfang des 20. Jahrhunderts angefertigt wurde

Zu römischer Zeit waren Säulen bunt bemalt. Hier eine Skizze, die Anfang des 20. Jahrhunderts angefertigt wurde

Die 12,50 Meter hohe Jupitersäule, auf die ein gerader Fußweg zuführt, wirkt schon aus der Ferne beeindruckend, insbesondere durch die überlebensgroße vergoldete Jupiterstatue auf ihrer Spitze. Die Statue steht auf einem erhöhten Podest, davor befindet sich der Weihealtar. Umrahmt wird diese Anordnung von geschnittenen Hecken, die wie ein Zaun wirken, so daß der Bereich nur von vorne betreten werden kann.

Die Säule ist in einem guten Zustand und die Reliefs sind deutlich erkennbar.

Auf dem Sockelstein der Säule sind folgende Götter abgebildet: Hercules, Fortuna und Minerva, Jupiter, Merkur und ein nicht identifizierter Gott, möglicherweise Salus.

Darüber befindet sich ein Sockelstein mit der erwähnten Inschrift, sowie Abbildungen von Apollo und den Dioskuren Castor und Pollux. Alle Reliefs sind reich verziert.

Auch die darüberliegenden runden Säulentrommeln tragen Götterdarstellungen, es finden sich Mars, Victoria, Neptun und Diana, gefolgt von Vulcanus und Ceres (?), Roma (?) und Virtus (?). Die mit Fragezeichen gekennzeichneten Gottheiten sind nicht mit letzter Sicherheit identifiziert, aber ihre Zuordnung ist wahrscheinlich.

Die nächste Säule zeigt Vesta (?), Pax (?), Aequitas (?) und eine unbekannte Göttin.

Darüber finden sich zwei Laren, Bacchus und der Genius des Kaisers Nero (?). Auf der obersten Säulentrommel befinden sich Juno, Luna als Lenkerin einer Biga und Sol als Lenker einer Quadriga.

Herkules befindet sich auf dem Viergötterstein, der als Sockel der Säule dient

Herkules befindet sich auf dem Viergötterstein, der als Sockel der Säule dient

Auf dem korinthischen Kapitell mit Akanthusblättern schließlich steht Jupiter, der ein Blitzbündel schleudert.

Anders als in vielen Darstellungen der im gallo-römischen Raum verbreiteten Jupitergigantensäulen, handelt es sich hier um die klassische Darstellung auf einem Viergötterstein als Sockel, während sich bei vielen anderen dieser Säulen die gallo-römisch geprägte Darstellung des Jupiter im Zweikampf mit einer giganischen Schlange findet (gute Beispiele sind unter anderem im Gallo-Romeins Museum in Tongeren zu besichtigen). Bei diesem Untertypus der Jupitersäulen ist die Säule selbst geschuppt und nicht mit Götterbildern versehen. Beide Formen sind jedoch typisch für den gallo-römischen Raum nördlich der Alpen, wo sie sich jahrhundertelang großer Beliebtheit und Verbreitung erfreuten.

Da an der Jupitersäule mehrere Wander- und Radwege vorbeiführen, die stark frequentiert sind, leidet der Ort – wie so viele historische Bauten – unter dem in unserer Zeit so verbreiteten Kulturbanausentum. So befindet sich auf der Frontseite des Weihealtars leider ein neongrünes Graffiti und bei unserem letzten Besuch lag hinter dem Altar Abfall mit Essensresten und benutztem Einweggeschirr aus Plastik, wahrscheinlich, da die Treppen zur Säule zur Rast einladen.

Dafür kann natürlich die Säule nichts; sie ist auf jeden Fall ein beeindruckender Anblick und läßt den Besucher gut nachvollziehen, wie sich ein Einheimischer in den Provinzen fühlte, wenn er dem höchsten römischen Gott in Form einer solchen Präsentation gegenüberstand.

Neben der Säule befindet sich eine Informationstafel aus wilhelminischer Zeit, deren Inhalt den damaligen Forschungsstand wiedergibt. Zur Ergänzung steht am Wegrand eine moderne Informationstafel des Limeserlebnispfads Hochtaunus, die anschaulich (und mit englischer und französischer Zusammenfassung) über die Jupitersäule informiert.

Eintrittspreise, Öffnungszeiten, Zugänglichkeit

Am Wegrand befindet sich eine Infotafel

Am Wegrand befindet sich eine Infotafel

Der Ort ist jederzeit frei zugänglich. Eintritt wird nicht erhoben.

Im Frühjahr und Sommer während der Saison herrscht dort reger Wander- und Radfahrerbetrieb, der auch durch den nahegelegenen Landgasthof und die Saalburg begünstigt wird. Im Herbst und Winter hat man in dieser entlegenen Region im Hochtaunus seine Ruhe.

Sonstiges

Fotografieren ist natürlich uneingeschränkt möglich.

Auch wenn es sich um keine „originale“ antike Stätte handelt (wobei nicht auszuschließen ist, daß es auf dem Gelände der Saalburg oder im angrenzenden zivilen vicus, dessen Mauerreste und Spuren überall rund um die Saalburg zu finden sind, eine Jupitersäule gab, da diese sehr weit verbreitet waren), ist dieser Ort mit solcher Sorgfalt und Blick fürs Detail rekonstruiert, daß er heute problemlos als „Kultort“ für Jupiter Optimus Maximus genutzt werden kann. Die Darstellung des Jupiter ist respektvoll und ehrfurchtgebietend, so daß der höchste römische Gott diesem Ort sicherlich mit Wohlgefallen gegenübersteht. Außerdem war es zu römischer Zeit vollkommen üblich, diese Jupitersäulen an zahlreichen Orten aufzustellen, insbesondere an zivilen Orten wie vor Landgütern, in den Höfen von Villen und in den Städten und Ortschaften. Damit folgt man hier an der Saalburg einer guten alten römischen Tradition, wie sie jahrhundertelang in unseren Nordprovinzen üblich war. Und damit ist dieser Ort in unseren Augen „gültig“ als ein Weiheort für Jupiter, je öfter Cultores dort opfern, desto stärker wird das Numen des Gottes werden 🙂

Saalburg

Das Kastell Saalburg liegt nur 300 Meter entfernt

Ein Besuch dieser Säule sollte natürlich unbedingt mit einem Besuch des nahen Römerkastells Saalburg, dem zivilen Vicus und dem Mithräum kombiniert werden, die zu den wichtigsten römischen Sehenswürdigkeit am UNESCO-Welterbe Limes zählen.

Antike Stätten: Jupiteraltäre und römisches Kastell, Kirche St. Peter und Paul Remagen

Die Kirche "Peter und Paul" mit darunterliegendem römischem Mauerwerk

Die Kirche „Peter und Paul“ mit darunterliegendem römischem Mauerwerk

Anschrift:

Kirchstraße 32, 53424 Remagen

Anfahrt:

Der kleine Ort Remagen liegt an der B9 zwischen Bonn und Koblenz.

Die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul befindet sich inmitten der historischen Altstadt des Ortes Remagen am Rhein und ist nicht zu übersehen.

Parkmöglichkeiten bestehen rund um die Kirche, an der Rheinpromenade (Parken 2 Stunden kostenfrei) oder auf dem großen kostenpflichtigen Park & Ride-Parkplatz an der B9 hinter dem Bahnhof.

Die Kirche ist auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut zu erreichen, da Remagen einen gut angeschlossenen Bahnhof hat, an dem Züge des Nah- und Fernverkehrs entlang der Rheinschiene zwischen Köln und Koblenz halten. Als Nahverkehrszüge halten hier der Rheinexpress (Emmerich bis Koblenz), die Ahrtalbahn (Bonn bis Ahrbrück) und die Mittelrheinbahn (Köln bis Mainz).

Es gibt auch mehrere Buslinien, die Remagen anfahren, diese fahren jedoch große Umwege über die umliegenden Dörfer an Rhein und in der Eifel, so daß wir die Anreise mit dem Zug oder dem Auto empfehlen.

Hintergrund:

Remagen (Rigomagus) war zu römischer Zeit ein Hilfstruppenkastell am Rhein in Niedergermanien (Germania inferior). Es wurde um 43 n.Chr. gegründet, als mit dem Eroberungsfeldzug in Britannien die Verteidigung des strategisch wichtigen Rheins umorganisiert wurde.

Der Ursprung des romanischen Torbogens neben der Kirche gilt als rätselhaft

Der Ursprung des romanischen Torbogens neben der Kirche gilt als rätselhaft

Das Kastell beherberte eine etwa 500 Mann starke Besatzung aus Infanterie und Kavallerie, deren Truppen fast ausschließlich aus den römischen Provinzen Thrakien, Spanien und Pannonien stammten. Im Jahr 69 n. Chr. wurde das Kastell im Rahmen des Bataveraufstandes zerstört, aber erneut aufgebaut und schließlich bis ins 3. Jahrhundert zu einer Festung ausgebaut. Diese Befestigung war so stark, daß sie sogar dem großen Germaneneinfall im Jahr 355 n. Chr. standhielt.

Auch wenn die Stadt im 2. Weltkrieg durch die Kämpfe um die Brücke von Remagen fast vollständig zerstört wurde, sind an vielen Orten im Stadtgebiet römische Spuren erhalten geblieben, so die Fundamente von Gebäuden, Wasserleitungen, Hypokausten und Gräberfelder.

Viele römische Funde aus Rigomagus sind heute im Römischen Museum von Remagen ausgestellt, das sich in einer Kapelle oberhalb der Principia des Kastells befindet. Dieser alte Eingangsbereich zum Stabsgebäude des Kastells wurde in das Untergeschoß des kleinen Museums integriert.

Die romanisch-gotische Kirche der Stadt wurde in der Nordwestecke des römischen Kastells errichtet. Ihr Kirchturm steht wahrscheinlich auf den Resten eines römischen Festungsturms. Unter ihr sind noch Mauerfundamente zu finden und die typischen römischen Quader des Kastells wurden auch zum Bau der Kirchenbefestigung verwendet. Im Jahr 1900 wurden bei Ausschachtungsarbeiten zu einem Erweiterungsbau der Kirche Reste einer Palisade gefunden.

Das ursprüngliche Mauerwerk, das man unterhalb der Kirche entdeckte, hatte eine Länge von 28,50 Metern, eine Breite von 2,65 Meter und eine Höhe von 5,50 Meter. Da diese Mauer aus Schiefer und Mörtel aus Rheinkies bestand, war sie so hart und stabil, daß große Teile erhalten blieben und selbst mit heutiger Technik nicht zerstört werden können. Das Fundament der Mauer bestand aus Tuffsteinblöcken, die aus der nahen Vulkaneifel stammten (möglicherweise aus dem Römerbergwerk Meurin). Teile des römischen Mauerwerks sind immer noch sichtbar, im oberen Teil wurde es allerdings durch eine mittelalterliche Mauer überbaut.

Ein Blick auf das römische Mauerwerk unter der Kirche von der Deichstraße aus

Ein Blick auf das römische Mauerwerk unter der Kirche von der Deichstraße aus

Neben diesen römischen Fundamenten, die in „Fenstern der Geschichte“ besichtigt werden können, befinden sich in der Eingangshalle der Kirche zwei Jupiter-Weihealtäre für Jupiter Optimus Maximus (IOM) und den Genius Loci. Diese beiden Altäre wurden im Jahr 1969 beim Einbau einer Heizungsanlage unter dem Boden der Kirche gefunden. Sie wurden von zwei Benefiziariern (die im römischen Reich eine Art Polizeifunktion innehatten) gestiftet, als sie an die Wachstation in Rigomagus abkommandiert wurden. Ihre Namen waren Sextus Senius Secundinus, Soldat der I. Legion aus Bonna und Consularis Titus Farfenna Ianuarius, Hauptmann der XXXV. Legion. Warum er als Hauptmann zu einer Polizeistation in der Provinz abkommandiert wurde, die normalerweise von Soldaten niederen Ranges besetzt wurden, ist unbekannt.

Weitere Weihesteine, die im Römischen Museum der Stadt stehen, deuten darauf hin, daß Remagen zu römischer Zeit auch ein wichtiger Rheinhafen war. Hier verkehrten die Schiffe bis zum Großkastell bei Xanten und transportierten auch die wichtigen Tuffsteine aus der Vulkaneifel, die im Hafen Andernach eingeladen wurden und rheinauf- und rheinabwärts überall für römische Bauwerke verwendet wurden. Auch die Mendiger Mühlsteine waren ein Exportschlager, der über den Rhein bis in die entlegendsten Winkel des Reichs transportiert wurden, so daß Remagen ein wichtiger Zwischenposten vor Bonn, Köln, Neuss und Xanten war.

Beschreibung:

Leider läßt die Beschriftung stark zu wünschen übrig

Leider läßt die Beschriftung stark zu wünschen übrig

Die Pfarrkirche von Remagen liegt inmitten der historischen Altstadt. An der Deichstraße, die zum Rhein hinab führt, befinden sich im Fundament der Kirche, gut von der Straße aus zu sehen, zwei Bögen, unter denen das römische Fundament des Kastells unterhalb der Kirche zu besichtigen ist. Sehr knapp gehaltene Hinweistafeln älteren Datums weisen auf den römischen Ursprung der Steinmauern hin. Informative Tafeln mit Hintergrundinformationen sucht man jedoch leider vergebens.

Die Pfarrkirche selbst hat mehrere Eingänge. Neben dem Haupteingang befindet sich ein rätselhaftes romanisches Portal, das ursprünglich in keinem Zusammenhang mit der Kirche stand und dessen Herkunft und genaue Bedeutung bis heute nicht geklärt ist. Auch wenn es keine antik-römische Sehenswürdigkeit ist, so ist dieses interessante Portal trotzdem einen genauen Blick wert. Es gilt zudem als außergewöhnliches Beispiel mittelalterlicher Steinmetzkunst.

Die beiden Jupiter-Weihealtäre in der Kirche

Die beiden Jupiter-Weihealtäre in der Kirche

Im Inneren der Kirche, im Eingangsbereich eines Nebeneingangs, stehen die zwei Weihealtäre für Jupiter und den Genius Loci. Sie wurden bewußt wieder in die Kirche zurückgebracht und dort aufgestellt, da man davon ausging, daß sich an dieser Stelle ursprünglich ein dem Gott Jupiter geweihter Ort befunden hat und die Altäre deswegen hier ihren Platz haben. Eine ungewöhnliche, aber gleichzeitig erfreuliche Einstellung.

Leider ist die Präsentation der Jupiteraltäre sehr dürftig. Sie stehen zwar an prominenter Stelle im Eingangsbereich und auf Knopfdruck kann man auch das Licht in diesem Bereich anschalten, um sie besser betrachten zu können. Allerdings gibt es keinerlei Hinweistafeln oder Informationen über die Geschichte der Steine und den Inhalt der Weiheinschriften. Die Schrift auf dem linken Stein ist stark verwittert, während die Schrift auf dem rechten Stein mit roter Farbe nachgezogen wurde und deswegen besser zu lesen ist. Hier wäre ein kleines Informationsschild oder zumindest ein Flyer, in dem die Übersetzung der Inschriften und die Herkunft der Steine erklärt, sehr wünschenswert und auch eine gute Ergänzung zum direkt um die Ecke gelegenen Römischen Museum, in dem die übrigen Fundstücke und Weihealtäre aus dem Kastell aufbewahrt werden.

Öffnungszeiten und Zugänglichkeit:

Römisches Mauerwerk

Römisches Mauerwerk

Da sich die Fundamente außerhalb des Kirchengebäudes an der Straße befinden, können sie jederzeit besichtigt werden.

Die Jupiteraltäre können nur zu den Öffnungszeiten der Kirche besucht werden. Da es sich um eine katholische Kirche handelt, ist sie meist von morgens bis abends geöffnet (genaue Zeiten sind nicht bekannt, aber wir haben sie tagsüber noch nicht verschlossen vorgefunden). Gottesdienst ist Sonntags um 11 Uhr, so daß man zu dieser Zeit von touristischen Besuchen Abstand nehmen sollte. Ansonsten ist der Bereich während der Öffnungszeiten frei zugänglich und es ist in der Regel außerhalb des Gottesdiensts auch nicht sehr voll.

Eintrittspreise werden nicht erhoben.

Sonstiges:

Fotografieren der Altäre ist erlaubt.

Oft hat man die Kirche ganz für sich allein, inbesondere in dem etwas abseits gelegenen Nebeneingangsbereich, da sich Betende und Kirchenbesucher meist im Hauptschiff aufhalten. So ist man im Seitenbereich meistens ungestört und es stellt kein Problem dar, wenn man ein kurzes Gebet an Jupiter und den Genius Loci richten möchte. Auch ist das Berühren der Steine möglich.

Die Pfarrkirche von Remagen

Die Pfarrkirche von Remagen

Allerdings sollte von aufwendigen Opfergaben, Zeremonien, Räucherungen etc. abgesehen werden, da man sich nach wie vor in einer Kirche aufhält, die zudem in einer ländlichen Region liegt, mit vielen älteren Besuchern, bei denen so etwas zu Irritationen führen würde – schließlich wollen wir die Altäre an ihrer Position erhalten und nicht durch heidnisches Gebaren dafür sorgen, daß sie eines Tages im Fundus eines Museums verschwinden, wo man sie nicht mehr besuchen und berühren kann. Auch sollten die Steine geschont und deshalb nicht mit Kerzenwachs u.ä. bekleckert werden.

Eine Kleinigkeit, wie ein Münze, auf dem Altar abzulegen, ist unproblematisch.

Der Besuch der Kirche sollte idealerweise mit einem Besuch der übrigen römischen Stätten in Remagen verbunden werden. Das Römische Museum ist auf jeden Fall einen Besuch wert, hierbei müssen jedoch die sehr begrenzten Öffnungszeiten beachtet werden (siehe unser Artikel zu diesem Museum).

Auch gibt es in der Stadt eine rekonstruierte Kastellmauer mit einer Infotafel und Auflistung bekannter römischer Bewohner des Kastells, sowie eine Hypokaustenanlage unterhalb des Caracciola-Gedenkzimmers. Dieser Keller ist jedoch nur im Rahmen einer Stadtführung zu besichtigen, da er ansonsten abgeschlossen ist.

Die Stadtführungen, die regelmäßig durch die Touristeninformation angeboten werden, sind ebenfalls sehr empfehlenswert, da Remagen neben der römischen Geschichte auch weitere interessante Touristenattraktionen wie die Stationen der Familie Caracciola, den Apollinariskeller und mittelalterliche Bauten zu bieten hat. Auch das Apollinariskloster und das Brückenmuseum zur Schlacht um Remagen sind sehenswert.

Götterwelt: Dei Consentes

auch: Dii Consentes.

Die Kapitolinische Trias (239 n.Chr, Xanten), Weihestein im Rh. Landesmuseum Bonn

Die Kapitolinische Trias (239 n.Chr, Xanten), Weihestein im Rh. Landesmuseum Bonn

Hierbei handelt es sich um eine Gruppe aus 6 Göttern und 6 Göttinnen, die von den Römern besonders verehrt wurden und die als die „Hauptgötter“ des Römischen Pantheons gelten: Jupiter, Juno, Minerva, Vesta, Ceres, Diana, Venus, Mars, Mercurius, Neptun, ApolloVulcanus. Die drei höchsten von ihnen (Jupiter, Juno und Minerva) bildeten die „Kapitolinische Trias„, die den anderen Göttern vorstand.

Woher die Versammlung von 12 höchsten Göttern ursprünglich stammt, ist unbekannt – weder die Römer noch die Griechen waren die ersten, die ihren Pantheon auf diese Weise strukturierten. So finden sich die 12 höchsten Götter schon in mehreren Kulturen, die den griechischen und römischen Kulturen vorausgingen.

Bereits im mit Troja verbündeten, später von Persien und Alexander dem Großen eroberten Lykien (im heutigen Anatolien), wurden 12 Götter verehrt. Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. stand Lykien unter griechischem Einfluß, so daß starke Vermischungen der Kulturen stattfanden.

Gleichzeitig war auch bei den Etruskern, die vor den Römern ab dem Jahr 1000 v. Chr. über Mittel- und Norditalien herrschten (schließlich aber ab 300 v. Chr. im Römischen Reich aufgingen), eine Gruppe von 12 Göttern bekannt, die als „Götterrat“ oder Ratsversammlung mit beratender Tätigkeit für den höchsten Gott Tinia galten. Der Name „Consentes“ ist die lateinische Übersetzung des etruskischen Wortes für „übereinstimmen“, was den Versammlungsaspekt des Götterrates beschrieb. Der höchste etruskische Gott Tinia war ein Blitz-, Himmels- und Lichtgott und als solcher die etruskische Entsprechung zum römischen Gott Jupiter.

Bei den Römern bildeten Jupiter, seine Frau Juno und ihre Tochter Minerva die „Kapitolinische Trias“. Das entspricht der höchsten Triade bei den Etruskern: Tinia, der sich ebenfalls durch das Schleudern von Blitzen auszeichnete und als Himmels-, Blitz- und Lichtgott galt. Weitere Parallelen zu den etruskischen Vorläufern sind offensichtlich – Tinias Frau war Uni (die römische Juno) und ihre gemeinsame Tochter war Menrva (Minerva).

Da die Etrusker ebenfalls Kontakt zu den zu dieser Zeit in Süditalien siedelnden Griechen hatten und sich die Völker gegenseitig beeinflussten (wie man unter anderem an der Verehrung des Gottes Apulu / Apollo durch die Etrusker erkennen kann, der wiederum möglicherweise aus einer vor-griechischen – minoischen oder anatolischen – Kultur stammt), ist nicht eindeutig festzulegen, wer wen zuerst im Hinblick auf einen Rat aus den zwölf höchsten Göttern beeinflusst hat.

Auch bei anderen im Mittelmeerraum ansässigen Kulturen, wie den weitaus älteren Hethitern (2. Jahrtausend v. Chr), wurden bereits 12 hohe Götter verehrt.

Die vergoldeten Statuen der Dei Consentes standen auf dem Forum Romanum. Im Jahre 367 n. Chr. wurden sie durch den spätrömischen Senator Vettius Agorius Praetextatus in den Tempel Porticus Deorum Consentes verlegt, da der Senator ein Verfechter des traditionellen römischen Götterkultes war und diesen vehement gegen das erstarkte Christentum verteidigte. Ihr Tempel gilt als Beweis der heidnischen Renaissance, die für kurze Zeit im 4. Jahrhundert das Römische Reich erfaßte.