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Antike Stätten: Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim

 

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Lageplan

 

Anschrift: 

Deutsche Seite: Robert-Schumann-Str. 2, 66453 Reinheim (Saarland)

Französische Seite: 1 Rue Robert Schumann, 57200 Bliesbruck.

GPS: 49°08’07″N, 7°10’59″E

Anfahrt:

Das Gelände des „Europäischen Kulturparks Bliesbruck-Reinheim“ (französisch: Parc Archéologique Européen de Bliesbruck-Reinheim) liegt zum Teil in Frankreich, zum Teil in Deutschland.

Das Gelände des Archäologieparks ist weitläufig und zu großen Teilen frei begehbar, lediglich die überdachten Attraktionen kosten Eintritt. Deswegen kann man den Park auch von unterschiedlichen Seiten aus betreten; kostenlose Parkplätze befinden sich sowohl auf der französischen als auch auf der deutschen Seite. Ein großer Parkplatz (P2) liegt unter der Bliesbrücke in Reinheim.

Mit dem Auto ist der Park gut zu erreichen, das Navi kennt beide Adressen.

Er ist auch gut an die Öffentlichen Verkehrsmittel angeschlossen: ab Kleinblittersdorf, Homburg und Blieskastel-Lautzkirchen fährt stündlich der Biosphärenbus 501 bis zur Haltestelle Reinheim-Kulturpark. Homburg und Lautzkirchen sind mit der Deutschen Bahn erreichbar, Kleinblittersdorf mit einer Stadtbahn, die auch im französischen Sarreguemines hält.

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Es gibt viel zu sehen im Park

Für wen die Anreise für einen Tagestrip zu weit ist oder wer den Besuch mit weiteren Attraktionen in der Region, wie dem Archäologiepark Schwarzenacker verbinden möchte (wie wir es getan haben), der hat in der Umgebung verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten. Die nächsten größeren Städte sind Sarreguemines auf französischer Seite (hier haben wir übernachtet), sowie Zweibrücken, Blieskastel und Saarbrücken auf deutscher Seite.

 

Hintergrund:

Der Archäologiepark umfasst ein Gelände von 700.000 Quadratmetern und erstreckt sich über 1,2 km Länge inmitten des UNESCO Biosphärenreservats Bliesgau im Tal des Flusses Blies.

Das Motto des Parks lautet: „Geschichte grenzenlos erleben“, denn die Staatsgrenze zwischen Frankreich und Deutschland führt mitten durch das Parkgelände.

Im Mittelpunkt des Parks steht die gallo-römische Geschichte der Region. Mehrere archäologische Sehenswürdigkeiten aus der keltischen und römischen Geschichte sind hier freigelegt und werden anschaulich präsentiert.

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Die römische Palastvilla mit rekonstruiertem Nebengebäude

Der erste archäologische Fund, den man auf dem Gelände machte, war der einer römischen Palastvilla, die sich heute auf der deutschen Seite befindet. Das Villengelände hat eine Grundfläche von 7 ha (70.000 Quadratmeter) und gehört damit zu den größten gallo-römischen Villenanlagen im Raum Saar-Mosel. Von der Größe her vergleichbare „Palastvillen“ sind z.B. aus dem luxemburgischen Helmsange oder aus Echternach bekannt.

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Eingang zum Gelände der Palastvilla

Nach ersten Grabungen im 19. Jahrhundert ab 1806 wurde die römische Palastvilla systematisch ab dem Jahr 1987 freigelegt. Heute ist sie nahezu vollständig ausgegraben und gilt als ein Musterbeispiel für gallo-römische Wohnkultur der einheimischen Oberschicht im 1. bis 4. Jahrhundert. Über diesen Zeitraum war die Villa in verschiedenen Nutzungsphasen bewohnt.

 

Zum Zweck der Veranschaulichung wurden einige Teile der Villa, wie Gebäude und Umfassungsmauern, rekonstruiert oder teilrekonstruiert. Funde aus der Villa sind im Obergeschoß des (modernen) Restaurants zu finden, das sich in einem der rekonstruierten Nebengebäude befindet.

Im französischen Teil befindet sich ein römischer vicus, eine Kleinstadt. Hierbei handelt es sich um die Nachbarstadt der im ca. 30 km entfernten Archäologiepark Schwarzenacker zu besichtigenden Kleinstadt.

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Hauptstraße des Handwerkerviertels im römischen vicus

Der römische Name des Ortes ist bislang unbekannt.

Die Straßensiedlung, in der zur Blütezeit um die 2000 Menschen lebten, war vom 1. bis zum 5. Jahrhundert n. Chr. bewohnt. Es sind mehrere Stadtviertel bekannt, etwa ein Handwerkerviertel mit unterschiedlichen Werkstätten (Schmiede, Bäckerei), das sich an der Hauptstraße befand. Daneben gab es eine große, eindrucksvolle Thermenanlage, die sich heute unter einem Schutzbau befindet, eine Brunnenanlage zur Wasserversorgung, sowie eine Basilika, die für Versammlungen genutzt wurde.

Viele der Gebäude im Handwerkerviertel sind, was ebenfalls bemerkswert ist, unterkellert.

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Rekonstruktionszeichnung der Thermenanlage (auf einer Infotafel im Park)

Der römische vicus wurde im Jahr 1971 beim Kies- und Sandabbau für Straßenbauarbeiten entdeckt. Erste Freilegungen erfolgten unsystematisch durch Notgrabungen, bevor man Ende der 70er Jahre mit systematischen Grabungen und Forschungen begann.

In den Jahren 1952-1955 entdeckte man in der Region zudem fünf römische Kalköfen.

Im Jahr 1954 gelang – wiederum beim Sand- und Kiesabbau – einer der spektakulärsten Funde, welche die Region archäologisch überregional bekannt machte: drei keltische Grabhügel aus der Frühlatène-Zeit, von denen einer ein komplett erhaltenes keltisches Fürstinnengrab samt Grabbeigaben beinhaltete (370 v. Chr.). Neben den Überresten der Bestatteten beinhaltete die Grabkammer reichhaltigen Goldschmuck, sowie diverse andere Wertgegenstände, zum Beispiel Gefäße, die Zeugnis für den Handel der Einheimischen mit fernen Regionen ablegten.

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Die Grabhügel mit dem Fürstinnengrab

Im Jahr 1999 wurden diese Grabhügel in ihrer ursprünglichen Form rekonstruiert.

Das Fürstinnengrab wurde in einer unterirdischen Kammer in musealer Form inszeniert, um Besuchern den Aufbau und die Bedeutung der Fundstücke nahezubringen.

Aufgrund der vielfältigen archäologischen Funde wurde im Jahr 1989 der Europäische Kulturpark Bliesbruck-Reinheim unter Federführung der Stiftung Europäischer Kulturparks gegründet, um die überregional bedeutsamen Funde zu bewahren und der Öffentlichkeit zu präsentieren, sowie um weitere Forschungen und Grabungen zu ermöglichen.

Weitere Träger sind zudem das französische Ministerium für Kunst und Kultur, das Saarland, sowie die Gemeinde Gersheim. Initiator der Parkgründung war Jean Schaub, der den römischen vicus entdeckte und nach dem heute das Informationszentrum benannt ist.

Der Park wurde vom französischen Kultusministerium in die Liste der bedeutsamsten archäologischen Stätten Frankreichs aufgenommen.

Das Außengelände des Parks wurde seit der Gründung immer weiter ausgestaltet und didaktisch erweitert, um den Informationsgehalt für die Öffentlichkeit zu verbessern. So wurden Schutzbauten um die Thermen und einige Teile des vicus errichtet, Teile der Villa rekonstruiert, das Fürstinnengrab ausgebaut, alles grenzüberschreitend mit mehrsprachigen Informationstafeln versehen und ein Ausstellungszentrum eröffnet. Hier finden auch regelmäßig Sonderausstellungen statt.

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So könnte der Ort zu römischer Zeit ausgesehen haben

Daneben wird der Park in der Region regelmäßig für öffentliche Führungen, aber auch für diverse Veranstaltungen genutzt, die nicht nur Archäologie zum Thema haben, sondern auch Geschichte, Natur oder Kultur, um auch neue Besuchergruppen anzuziehen. Fest etabliert hat sich neben einem Antikenspektakel auch ein jährliches Heißluftballon- und Drachenfestival. An Aktionstagen werden didaktische Veranstaltungen geboten, die sich z.B. mit römischer Ausrüstung, Schmuck oder Küche beschäftigen, aber auch praktische Veranstaltungen wie Kindergrabungen, Schmuckherstellung oder Töpfern.

Neben der Funktion als Freilichtmuseum wird im Park nach wie vor Forschung betrieben, die sich mit der Geschichte der gesamten Region von der Bronzezeit bis heute befasst. Der Park stellt deswegen heute eines der wichtigsten archäologischen Forschungszentren Europas dar.

Die wissenschaftlichen Ergebnisse werden in einer eigenen Schriftenreihe, den BLESA-Bänden, publiziert.

 

Beschreibung – unser Eindruck:

 

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Kräutergarten und Nebengebäude der Villa

Der Kulturpark kann an zahlreichen Stellen betreten werden; abgeschlossene Ein- und Ausgänge gibt es nicht. Er wird deshalb von der Bevölkerung für Spaziergänge und Naherholung genutzt.

Lediglich die überdachten Attraktionen sind kostenpflichtig; Tickets können an verschiedenen Stellen des Parks erworben werden.

Die Parkplätze, die sich an verschiedenen Zugängen des Parks befinden, sind kostenfrei nutzbar und bieten genug Platz selbst bei größeren Veranstaltungen. Es spielt im Prinzip keine Rolle, wo man mit der Erkundung beginnt. Wir begannen bei unserem letzten Besuch, anläßlich des „Antikenspektakels 2017“, auf der französischen Seite beim römischen vicus.

Die zentrale Anlaufstelle am französischen Parkplatz ist dabei das Informationszentrum CREX (Centre d’Éxposition). Hier befindet sich eine Kasse, an der man das Kombiticket für den ganzen Park erwerben kann, ein Museumsshop, eine Touristeninformation, Toiletten, Veranstaltungsräume und die Dauerausstellung.

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In der Dauerausstellung sind Funde aus dem vicus zu sehen, wie diese Zeugnisse des häuslichen Kultes

Das Personal an der Kasse ist mehrsprachig und hilfsbereit, so daß keine Französischkenntnisse notwendig sind, um sich zurechtzufinden. Hier erhält man auch einen Lageplan über das Gelände, um sich einen Überblick darüber zu verschaffen, wo sich was befindet.

Der Plan des Geländes kann auch hier als PDF herunterladen werden.

In der Dauerausstellung kann man sich über den Park, über die einzelnen Gebäude und die Siedlungsgeschichte des Bliesgaus informieren. Sie ist mehrsprachig beschriftet und informativ gestaltet.

Folgt man dem geschotterten Fußweg vom Gebäude aus nach rechts, gelangt man zum römischen vicus. Die Besichtigung des Handwerkerviertels ist kostenlos, lediglich für den Schutzbau der Therme benötigt man eine Eintrittskarte.

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Der Schutzbau der Thermen erlaubt einen guten Überblick

Der weitläufige vicus ist informativ beschildert und kann auf einem Rundgang erwandert werden. Die Thermen liegen in einem überdachten hölzernen Schutzbau.

Die Gebäude des vicus, insbesondere die Keller, sind zum Teil begehbar. Man kann sich frei in der Siedlung bewegen und der Hauptstraße folgen, oder aber in und zwischen den Gebäuden herumlaufen. Die Thermenanlagen sind im Schutzbau gut präsentiert und man erhält von den erhöhten Balkons, die sich oberhalb der Thermenräume und der Hypokaustenanlage befinden, einen guten Überblick.

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Hypokaustenanlage der Thermen

Folgt man dem Weg links vom Informationszentrum aus gesehen, in Richtung Parkplatz, erreicht man einen kleinen See. Hinter dem See verläuft die Landesgrenze zwischen Deutschland und Frankreich, die mit einem speziellen, den Gedanken der offenen Grenze versinnbindlichen Gebäude gekennzeichnet ist.

Kurz vor der Grenze weist eine Hinweistafel auf den nahegelegenen Hügel des Homerich hin, der bereits zur keltischen Zeit intensiv genutzt wurde, zu römischer Zeit als Kultplatz diente, wie durch Funde von Glöckchen und Opfergaben, sowie mögliche Tempelfundamente belegt ist, dann zur Merowingerzeit wiederum als Grabhügel diente, bis man ihn bis zum 17. Jahrhundert als Hinrichtungsstätte nutzte.

Auf dem deutschen Teil erreicht man dann die äußere Umfassungsmauer des Villengeländes mit einem rekonstruierten Eingangstor. Die eindrucksvollen Ausmaße des Außengeländes werden durch rekonstruierte Mauern und eine Informationstafel verdeutlicht. Das Villengelände ist kostenfrei begehbar.

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Überblick über das westliche Handwerkerviertel

In der linken Hälfte des Villengeländes befindet sich ein rekonstruiertes Nebengebäude, das landwirtschaftliche Funktion hatte.

Ein Durchlass in der Mauer erlaubt es, ein kleines keltisches Dorf zu besichtigen, das – im Gegensatz zur prunkvollen Palastvilla – das einfache Leben der bäuerlichen Landbevölkerung demonstrieren soll. Dieses keltische Dorf enthält einige Fachwerk-Lehmhütten und einen keltischen Pfahlgott.

Leider macht dieses Keltendorf, im Gegensatz zum übrigen Gelände, einen nicht ganz so taufrischen Eindruck und wirkt etwas vernachlässigt. Achtlos standen hier Überbleibsel einer Veranstaltung herum, wie Bierbänke und Plastikplanen, die den informativen Charakter des Ortes deutlich schmälerten und die Illusion beeinträchtigten.

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In der keltischen Siedlung braucht der deprimiert dreinschauende Pfahlgott Trost

Die Palastvilla selbst ist nicht rekonstruiert (wie etwa die Villa Borg), aber in ihren Grundmauern mit den zahlreichen Räumen gut im Gelände zu erkennen und durch Informationstafeln beschrieben.

In einem rekonstruierten Nebengebäude befindet sich ein Restaurant, römische Taverne genannt, in der man kleinere Gerichte und Snacks (wie die obligatorischen Pommes) zu sich nehmen kann.

Im oberen Stock des Restaurants befindet sich das Museum zu den Funden der Palastvilla. An unserem Besuchstag war die Taverne allerdings wegen einer geschlossenen Gesellschaft (Hochzeit) nicht zugänglich, so daß wir auch nicht in das Museum konnten. Das ist natürlich etwas unglücklich gelöst, wenn man das Museum bei Veranstaltungen des Restaurants nicht besuchen kann.

Zur Villa gehört ebenfalls ein teilrekonstruierter Säulengang und ein umfangreicher, begehbarer römischer Kräutergarten, der einen gepflegten Eindruck machte. Alles in allem wirkt das ganze Villengelände ordentlich und aufgeräumt.

Hinter der römischen Villa sind bereits aus der Ferne eindrucksvoll die drei keltischen Grabhügel erkennbar, die mit Gras bewachsen sind. Überall stehen Sitzbänke, so daß Spaziergänger die Gelegenheit gerne nutzen, sich auf dem Gelände der Villa und rund um die Grabhügel zu erholen. Die Grabhügel sind auch begehbar, wie darauf herumkletternde Kinder belegten.

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Grabhügel mit dem keltischen Hund aus dem Fürstinnengrab

Vor einem Grabhügel befindet sich die überlebensgroße Replik eines keltischen Hundes, wie er am Henkel eines Trinkgefäßes aus dem Fürstinnengrab gefunden wurde. Er ist das Wahrzeichen des Parks und kann im Museumsshop auch als kleine Figur erworben werden.

Neben den Grabhügeln sticht ein architektonisch extravagantes Gebäude ins Auge, der Eingangsbereich zum Fürstinnengrab. Hier befindet sich eine Kasse, da der Grabbesuch kostenpflichtig ist. Das Personal hier im deutschen Teil ist ebenfalls mehrsprachig, die Frau hinter der Theke war sehr freundlich und hilfsbereit und gab uns auf Nachfrage gerne auch weiterführende Auskünfte. An der Kasse ist zudem ein kleiner Museumsshop zu finden, der Fachliteratur, aber auch kleine Andenken wie die besagte Hundefigur anbietet.

Im Eingangsbereich des Gebäudes sind einige Informationstafeln zum Fürstinnengrab zu finden, außerdem eine Spielmöglichkeit für Kinder, wo sie z.B. keltische Nahrungsmittel erraten können.

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Das unterirdische Grab ist stimmungsvoll inszeniert

Das Grab selber befindet sich in einer unterirdischen Grabkammerkuppel aus Beton, in die man auf einer gewendelten Treppe hinabsteigt. Es ist dunkel im Innenbereich und aus Lautsprechern erschallen pseudo-keltische Frauengesänge. Entlang der vielen Stufen, die man hinabsteigt, hängen an den Wänden weitere Informationstafeln mit Informationen zu den Kelten.

Unten angekommen, trifft man auf das Fürstinnengrab hinter einer Glasscheibe. Hier liegt eine lebensgroße Frauenfigur in typischer Kleidung und mit dem Schmuck und den Gegenständen, wie man sie im Originalzustand vorfand. Die Wände der Kuppel sind schwarz gestrichen, es ist dunkel und punktuell stimmungsvoll beleuchtet. In Vitrinen befinden sich Rekonstruktionen der bedeutendsten Funde.

Eine Sitzbank gegenüber dem Fürstinnengrab hinter der Scheibe lädt zum Verweilen und zum Wirkenlassen der Stimmung ein. Wenn nicht gerade Familien mit grölenden kleinen Kindern anwesend sind, ist die Atmosphäre in der Kammer recht ansprechend und hat uns gut gefallen.

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Einige Keller der Handwerkerhäuser sind begehbar

Hier befinden wir uns nun am anderen Ende des Parks, wo es zum Parkplatz auf der deutschen Seite geht.

Alles in allem ist der Park sehr sehenswert, gepflegt, informativ und didaktisch ansprechend präsentiert.

Dem Gedanken an den grenzüberschreitenden Park wird dadurch Rechnung getragen, dass alles mehrsprachig ist, auch wenn man schon erkennt, dass die deutsche und die französische Seite jeweils unter eigener Leitung stehen und eigene Schwerpunkte verfolgen.

 

Öffnungszeiten, Zugänglichkeit, Preise

Wie bereits beschrieben, sind große Teile des Parks frei und kostenlos zugänglich.

Eine Eintrittskarte wird für folgende Bereiche benötigt: das Museum in der Maison Jean Schaub, das Museum im oberen Teil der Taverne, das Fürstinnengrab, das Ausstellungszentrum Bliesbruck und der Schutzbau der Therme im Vicus.

Die Eintrittskarten kann man sowohl auf der französischen als auch der deutschen Seite jeweils in den kostenpflichtigen Orten erwerben und sie gelten für alle Attraktionen in beiden Ländern.

Der Eintritt beträgt für Erwachsene 5€, ermäßigt 3,50€.

Jugendliche bis 16 Jahre und zu 100% Behinderte haben freien Eintritt.

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Die Informationstafeln auf dem Freigelände sind dreisprachig beschriftet: Deutsch, Englisch und Französisch

Der weitläufige Park, das Villengelände und der vicus sind kostenfrei zu besichtigen. Die Nutzung des Parks zur Freizeitgestaltung, für Picknicks, Drachsteigen und Familiennachmittage sowie das Mitbringen von Hunden ist ausdrücklich erlaubt.

Der Park ist ganzjährig geöffnet und rund um die Uhr begehbar.

Die kostenpflichtigen Teile sind nur in der Saison vom 15. März bis 31. Oktober zu besichtigen. Am 1. Mai sind die Museen in Bliesbruck (auf der französischen Seite) geschlossen.

Führungen, Veranstaltungen:

Veranstaltungen finden regelmäßig statt. Die Termine sind der offiziellen Website zu entnehmen. Es gibt viele Thementage und insbesondere für Kinder und Schulklassen wird viel geboten.

Jeden ersten Sonntag im Monat finden „Schnupperführungen“ statt.

Spezialführungen (Wanderungen mit dem Römer, Keltenwanderung rund um Reinheim, Führung auf den Spuren der Kelten und Römer) können von Gruppen gebucht werden. Die Preise, Inhalt und Dauer sind ebenfalls der offiziellen Seite zu entnehmen.

Daneben bietet der Park unter dem Stichwort „Archäologie zum Mitmachen“ an festen Terminen auch die fachlich begleitete Teilnahme an archäologischen Grabungen an. Vorkenntnisse sind dafür nicht notwendig.

Antikenspektakel:

Das jährliche „Antikenspektakel“ gehört, anders als der Name es vermuten läßt, zu den kleineren römischen Veranstaltungen der Saison. Es fand im Jahr 2017 ausschließlich im französischen Teil auf dem Freigelände hinter der Therme statt.

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2017 ging es rund um Pferde, Reiterei, Wagenrennen und Gladiatoren

Jedes Jahr steht das Antikenspektakel unter einem bestimmten Motto, wie z.B. im Jahr 2017 Wagenrennen den Schwerpunkt bildeten. Zu diesem Zweck war auf dem Freigelände ein ovaler Zirkus mit Sitztribünen eingerichtet worden.

Es gab zu regelmäßigen Zeitpunkten stattfindende Wagenrennen mit zwei Streitwagen, sowie Gladiatorenkämpfe.

Zudem gab es eine römische Musikgruppe, die auf den originalen Nachbauten römischer Musikinstrumente – wie Trommeln, Cornu und Tibia – die Gladiatorenkämpfe begleitete, wie es auch historisch der Fall gewesen war. Das gefiel uns gut, weil es historisch akkurat war und einen guten Eindruck vermittelte, wie Gladiatorenkämpfe mit Live-Musikbegeleitung gewirkt haben mochten – auch wenn die Größe des Spektakels ansonsten mit wenigen Darstellern eher überschaubar war und somit überhaupt nicht mit dem zu vergleichen sein dürfte, was zu römischer Zeit als „Spektakel“ galt.

Die Gladiatorengruppe und auch die Musiker machten ihre Sache auf jeden Fall, trotz des grottenschlechten Wetters mit Sturm und strömendem Regen, gut und gefielen uns in ihren Darbietungen.

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Die Gladiatorenkämpfe waren live von römischer Musik untermalt und dadurch dramatisch in Szene gesetzt

Man konnte sich an einem Stand über römische Streitwagen informierenm, die Pferde und Wagen aus der Nähe betrachten und auch den Stand der Musiker und die Gladiatoren in ihrem Zelt besuchen.

Was uns jedoch eindeutig fehlte, waren weitere Stände, wie man es von anderen römischen Veranstaltungen kennt, zum Beispiel Händler, Handwerker, Schreiber, Medicus etc.. Es muß nicht immer eine Legion sein, aber für unseren Geschmack war das, was an Unterhaltung zwischen den Programmpunkten (Wagenrennen, Gladiatoren) geboten wurde, einfach zu wenig, um die großen Lücken zu füllen, die sich den Tag über ergaben, da man relativ schnell mit der Besichtigung des Festivalgeländes fertig war und sich das Programm nach einer gewissen Zeit auch wiederholte.

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Die Musiker waren tapfer, trotz des strömenden Regens

Das Festival beginnt vormittags um 11 Uhr. Einer der Höhepunkte, auf den wir uns gefreut hatten, war das römische Konzert um 18 Uhr sowie das Feuerspektakel nach Einbruch der Dunkelheit (die im August natürlich etwas auf sich warten läßt).

Es gab – typisch französisch – ausschweifende Gastronomie, sowie einen Bierwagen, aber selbst wenn man den Park noch nicht kennt und diesen im Anschluss in Ruhe besichtigt, ist es schwierig, sich von morgens bis zum Abend zu beschäftigen, so dass es sich empfiehlt, eher später zu kommen, wenn man am abendlichen Programm teilnehmen möchte. Es ist eben kein Xanten oder Villa Borg, wo man von morgens bis abends durchgehend beschäftigt ist!

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Das Ankündigungsplakat

Was wir allerdings eher merkürdig fanden, war die Tatsache, dass das Ereignis – obwohl in einem deutsch-französischen Kulturpark stattfindend und weithin auch in Deutschland beworben und vermarktet – fast ausschließlich in französischer Sprache stattfand.

Bereits das Personal am Eingang sprach nur Französisch (oder Englisch), aber insbesondere während der Showprogramme fiel es doch sehr auf, dass die (zum Teil sehr ausführliche und lange) Moderation und die Erklärungen immer mehr zu einer Veranstaltung rein auf Französisch wurden.

Gab es zu Beginn noch einen Dolmetscher, der die Sätze zumindest in rudimentären Einzeilern auf Deutsch „zusammenfasste“, und wurden die deutschen Besucher zur Eröffnung auch noch auf Deutsch begrüßt, gab es ab Beginn des Gladiatorenkampfes gar keine Übersetzung mehr. Schade, denn es wurde wirklich ausführlich erklärt und der Lanista der Gladiatorentruppe ging sehr detailliert auf die einzelnen Aspekte der Gladiatur und das, was gezeigt wurde, ein. Teilweise erklärte er zwischen den Kämpfen bis zu 10 Minuten am Stück, was fast schon kleinen Vorträgen gleichkam.

Da die Hälfte des Publikums aus Deutschland angereist war, sah man viele ratlose Gesichter und das Potential wurde leider auf diese Weise verschenkt.

Wir können nicht beurteilen, ob es sich bei diesem Event um eine Ausnahme gehandelt hat und zu dem Zeitpunkt niemand zur Verfügung stand, der auf die Schnelle für die deutschen Besucher die deutsche Moderation übernehmen konnte. Für einen Park, der sich ausdrücklich als zweisprachig und grenzüberschreitend präsentiert, fanden wir diesen fast ausschließlich französischsprachigen Event jedoch sehr befremdlich und für die vielen angereisten deutschen Familien, gerade mit Kindern, war es deswegen sicher auch enttäuschend.

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Eingewickelt vom Retiarius!

Der Umfang selbst ist kein Problem, wenn man weiß, dass es sich nur um einen kleinen Event handelt (es gibt ja auch in Deutschland sehr schöne, kleine römische Veranstaltungen, man muß es nur vorher wissen, um sich darauf einstellen zu können, was die Erwartungen und die zeitliche Planung betrifft), dann kann man sich in seinem Zeitplan entsprechend einrichten.

Der Besuch des Festes sollte auf jeden Fall mit einem Besuch des Parks und seinen vielen Sehenswürdigkeiten kombiniert werden.

Sonstiges:

Fotografieren ist überall erlaubt, auch in den Museen und dem Fürstinnengrab.

Der Kulturpark ist in weiten Teilen behindertengerecht gestaltet.

065_Bliesbruck-ReinheimHunde sind im Park (jedoch nicht in den Museen) erlaubt.

Französischkenntnisse sind zum Besuch des Parks nicht erforderlich, sind jedoch für die Veranstaltungen (wie das Antikenspektakel) hilfreich bis nötig.

In ca. 30 Kilometern Entfernung liegt das Römermuseum Schwarzenacker bei Homburg. Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine Kleinstadt wie den vicus von Bliesbruck-Reinheim und war zu gallo-römischer Zeit der nächste, eine Tagesreise entfernte größere Ort.

Wir empfehlen, wenn man ohnehin in der Gegend ist, diese beiden römischen Ausflugsziele miteinander zu kombinieren!

Weiterführende Informationen und Literatur:

  • Offizielle Website des Kulturparks
  • Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim auf Wikipedia
  • Andreas Stinsky: „Die Villa von Reinheim. Ein ländliches Domizil der gallo-römischen Oberschicht“. Nünnerich-Asmus-Verlag 2016
  • Parkführer: Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim. Herausgegeben vom Saarpfalz-Kreis / Département Moselle, 2013
  • Walter Reinhard: „Kelten, Römer und Germanen im Bliesgau“, Denkmalpflege im Saarland, 2010
  • Walter Reinhard: „Die keltische Fürstin von Reinheim“, Blieskastel 2004
  • BLESA, parkeigene Veröffentlichungsreihe zu den aktuellen Forschungsergebnissen

Antike Stätten: gallo-römische Villa Mageroy (Belgien)

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Villa Mageroy

Anschrift:

Villa gallo-romaine de Mageroy, Rue de Mageroy 2, 6723 Habay-la-Vieille, Belgien.

Anfahrt:

Die Ausgrabungsstätte der gallo-römischen Villa Mageroy liegt in den südbelgischen Ardennen in der Provinz Luxemburg (Wallonie) in der Nähe des Ortes Habay-la-Vieille. Sie liegt außerhalb des Ortes inmitten von Feldern und Kuhwiesen. Von Habay aus ist sie aber gut zu finden, da sie ausgeschildert ist. Der Weg führt über landwirtschaftliche Nutzwege.

Für das Navi kann man die „Rue de Mageroy“ eingeben, muss dann vor Ort aber trotzdem die Augen nach den kleinen Wanderschildern offenhalten, die die Richtung weisen, da die Rue de Mageroy in eine unbenannte Schotterstraße mündet. Folgt man dieser nach rechts den Hügel hinab, so ist die Ausgrabungsstätte bald auf der rechten Seite zu sehen. Man kann direkt vor dem Gelände parken.

Die Gegend ist wanderfreundlich und ein Netz von ausgeschilderten Wanderwegen verläuft rund um die Villa.

Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, erreicht die Ausgrabungsstätte entweder mit dem Regionalzug aus Libramont / Arlon. Vom Bahnhof Habay aus sind es noch etwa 15 Minuten Fußweg. Eine Alternative ist der Bus der TEC Linie 28 zwischen Arlon und Marbehan. Von der Haltestelle Rue de Nantimont sind es noch einige Gehminuten zu Fuß.

Hintergrundinformationen:

Die Region in den luxemburgischen und südbelgischen Ardennen gehörte in römischer Zeit zu Gallien und wurde nach dem Ende des Gallischen Krieges schnell romanisiert. An vielen Orten der noch heute landwirtschaftlich, vor allem viehwirtschaftlich dominierten Region, finden sich deshalb gallo-römische Landgüter, Tempel oder andere militärische oder zivile Bauwerke.

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Panoramablick über das Gelände

Der gallo-römische Gutshof von Mageroy, der im Stammesgebiet der Treverer lag, gilt als archäologisch besonders bedeutsam und regelmäßig finanziert das Land Wallonie Grabungskampagnen (2017 zum Beispiel die Untersuchung eines Nebengebäudes, in dem man Spuren von Eisenverhüttung entdeckte). Betreut wird die 3 ha große Ausgrabungsstätte durch den gemeinnützigen Verein ARC-HAB, der von mehreren Archäologen geleitet und durch zahlreiche Freiwillige unterstützt wird. Dieser Verein leitet die Ausgrabungen und wertet die Funde aus.

Das Landgut, das sich aus einem Hauptgebäude, mehreren Neben- und Wirtschaftsgebäuden, sowie weiteren Baustrukturen zusammensetzt, stammt aus dem 1. Jahrhundert n.Chr. Es durchlief in den folgenden Jahrhunderten jedoch mehrere Umbauphasen und wurde bis ins 4. Jahrhundert bewohnt.

Zu römischer Zeit lag es fünf Kilometer von der römischen Fernstraße von Reims nach Trier entfernt. Die nächste größere Ortschaft war vicus Orolaunum, das heutige Arlon.

Die Lage des Gutshofes in einer sumpfigen Mulde in der Nähe eines kleinen Baches erlaubte das Anlegen eines großen Weihers auf dem Gelände.

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Der Bereich des ehemaligen Weihers ist heute noch ein Feuchtgebiet und ein reiches Biotop

Der Wohnbereich, die Pars urbana, bestand aus einem 670 Quadratmeter großen Haupttrakt aus dem 1. Jahrhundert, der eine nach Süden ausgerichtete Fassade von 28 Metern Länge aufwies. Der größte Raum befand sich zentral im Hauptgebäude und umfasste 170 Quadratmeter. Aus der Anordnung der Räume läßt sich schließen, daß sich im Westflügel die Wohn- und Privaträume befanden, während die Räume im Ostflügel als Gemeinschaftsräume angesprochen werden.

Als Baumaterial für die Gebäude diente das lokal anstehende Gestein, das vor allem aus Schiefer und grünem Sandstein besteht. An das Hauptgebäude schließen sich weitere Neben- und Wirtschaftsgebäude an.

Das zweite Jahrhundert gilt als die Wohlstandszeit der Bewohner der Villa, die vermutlich einheimische romanisierte Gallier waren. Zahlreiche Erweiterungen und der Einbau von „Luxusfeatures“ wie Fußbodenheizungen und Thermen zeigen, wie  komfortabel die Bewohner lebten. Auch der prunkvoll gestaltete, repräsentative Eingangsbereich zeugt vom Wohlstand seiner Bewohner.

Zahlreiche Funde, wie z.B. ein Pflug, aber auch ungewöhnliche organische Funde, die sich im anaeroben Milieu des Weihers erhielten, geben heute einen guten Einblick in den Alltag der Bewohner. So wurden seltene Funde in gutem Erhaltungszustand geborgen, unter anderem Holzrohre, Schuhsohlen aus Stroh, Funde aus Leder und Holz, Obstkerne und eine Weinrebe.

Auch einige Namen der Bewohner sind bekannt, so wurde ein Ring mit dem eingravierten Namen „Micia“ gefunden. Man nimmt an, daß Micia eine Hausherrin war, zumal ihr Name auch auf Tongeschirr entdeckt wurde. Der Name eines Verwalters, der  in einem der seitlichen Wirtschaftsgebäude lebte, ist ebenfalls bekannt: Onesimus Olympius.

Auch im dritten Jahrhundert wurde das Landgut noch einmal erweitert, unter anderem um eine Bronzegießerei. Allerdings scheint der Hof im Jahr 262 (datiert aus Münzfunden) auch einem großen Feuer anheimgefallen zu sein. Dies war auch die Zeit der großen Germaneneinfälle, die zwischen 260 und 270 diesen Teil Galliens heimsuchten.

013_MageroyDer Hof wurde jedoch nicht aufgegeben, sondern neu aufgebaut, um einige Gebäude, wie Latrinen, Getreidedarren und ein Silo, sowie um eine dem Schutz dienende Befestigungsanlage erweitert. Aus dem 4. Jahrhundert stammen Keramik-Scherben in typischer germanischer Machart. Zum Ende des 4. Jahrhunderts wurde der Ort dann jedoch aus unbekannten Gründen aufgegeben und verlassen.

Die Existenz einer archäologischen Stätte war bereits im 19. Jahrhundert bekannt, als Bauern von alten Mauern und Bauwerken berichteten. Auch hielt sich in der Region Habay seit Jahrhunderten eine Legende von „drei Schlössern“, von denen eines in Mageroy vermutet wurde. Bis in das 17. Jahrhundert sollen die römischen Mauern sichtbar gewesen sein und wurden für die Überreste eines solchen Schlosses gehalten.

Erste Ausgrabungen fanden im Jahr 1984 statt. Die Untersuchungen, die auch moderne Methoden des Georadars umfassen, dauern bis heute an und die Funde aus Mageroy werden von verschiedenen Forschungseinrichtungen untersucht.

Beschreibung:

Schon von weitem fällt das in einer Talsenke gelegene Ausgrabungsgelände ins Auge: rund um die freigelegten Mauern der Häuser befinden sich kleine aufgeschüttete Anhöhen, auf denen Informationstafeln stehen und die einen guten Blick von oben auf das Gelände bieten.

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Ein Kuppelbackofen

Viele der Gebäudefundamente wurden im Laufe der Grabungskampagnen freigelegt. Fußwege führen durch das Gelände und zu den Aussichtshügeln. Daneben gibt es experimental-archäologische Bereiche wie einen Kuppenbackofen oder einen Kräutergarten, in dem thematisch gruppierte Pflanzen angebaut werden, zum Beispiel Pflanzen zum Färben, Aroma-Pflanzen oder Heilpflanzen.

Überall auf dem Gelände finden sich ausführliche und mit guten Illustrationen und Fotos versehene Informationstafeln (leider nur auf Französisch), sowie schematische Darstellungen der Gebäude, so daß man sich orientieren kann, was man gerade vor sich sieht.

Als wir im Juli 2017 dort waren, war gerade eine neue Ausgrabungskampagne des Vereins ARC-HAB im Gange und eine Gruppe aus etwa 10 freiwilligen jungen Leuten legte ein Nebengebäude frei. Die Grabungsteilnehmer waren sehr auskunftsfreudig und hilfsbereit und kamen sofort auf uns zu, um uns Informationen anzubieten, falls wir Fragen hätten. Auf die Frage, was aktuell erforscht wird, erfuhren wir, daß das Land Wallonien Geldmittel zur Verfügung gestellt hatte, um ein Nebengebäude freizugelegen, in dem wahrscheinlich Metall geschmolzen oder Erz verhüttet wurde. Man zeigte uns auch einige aktuelle Funde des Tages, vor allem Keramikscherben und Reste von Dachziegeln.

Das Gelände ist überraschend weitläufig und man kann sich dort frei bewegen und überall umschauen. Es gibt auch ein Verwaltungsgebäude, das für die Vereinsmitglieder zur Verfügung steht, ansonsten aber geschlossen ist, sowie einen Schuppen für die Grabungswerkzeuge und zur zwischenzeitlichen Aufbewahrung der Funde. Durch die gute und interessante Präsentation der Ausgrabungsstätte ist diese Villa Rustica sehr sehenswert und hebt sich auch von vielen anderen typischen gallo-römischen Landgütern ab, die man überall im Lande findet.

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Der Kräutergarten

Der Verein, der die Anlage betreut, ist sehr um Öffentlichkeitsarbeit bemüht und führt auf Anfrage auch Führungen durch. Daneben gibt es immer wieder Veranstaltungen, auch für Kinder, einen Fotowettbewerb, Exkursionen, Grabungscamps oder sogar eine „gallo-römische Radtour“.

Eintritt und Öffnungszeiten

Der Eintritt ist frei. Die Villa Mageroy ist jederzeit und rund um die Uhr frei zugänglich. Sonderveranstaltungen kosten gegebenenfalls eine Teilnehmergebühr.

Sonstiges

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Ein Besuch der Villa Mageroy läßt sich gut mit einem Besuch der nahen Stadt Arlon kombinieren, die ein hervorragendes archäologisches Museum hat, dessen gut erhaltene gallo-römische Abteilung wegen seiner Skulpturen als eine der besten des Landes gilt.  Ebenfalls in der Nähe liegt das Keltenmuseum von Libramont-Chevigny.

Quellen und weiterführende Informationen:

Museen und Archäologische Parks: Malagne – Archéoparc de Rochefort (BE)

 

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Das gallo-römische Landgut in den belgischen Ardennen

Anschrift:

Rue du Coirbois 85, 5580 Rochefort, Belgien

Anfahrt:

Der Archäologische Park Malagne liegt in den belgischen Ardennen in der Provinz Wallonie nahe Rochefort.

Mit dem Auto ist es gut zu erreichen; der Archäologische Park ist mit Schildern, die auf eine „L’Experience Gallo-Romain“ hinweisen, bereits an der Hauptstraße N86 zwischen Marche-en-Famenne und Rochefort gut sichtbar ausgeschildert. Das Navi findet die Anschrift problemlos. Vor dem Freilichtmuseum befindet sich ein eigener großer Parkplatz.

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist nicht unmittelbar möglich, da der Park etwas abgelegen liegt. Der nächstgelegene Bahnhof ist in Jemelle (etwa 4km entfernt). Hier halten Züge aus Luxemburg, Brüssel und Libramont. Außerdem gibt es einen zentralen Busbahnhof. Von dort aus kann man mit der Buslinie 166a zur Haltestelle Hall Omnisports in der Nähe der Straße „Malagne“ fahren, von dort aus muß man jedoch das restliche Stück laufen (etwa 15 Minuten Fußweg).

Hintergrundinformationen:

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Blick auf das Gelände von der Aussichtsplattform

Der Archäologische Park Malagne, „die gallo-römische Erfahrung“ , befindet sich im ehemaligen romanisierten Gallien. Hier wurden im Jahr 1890 von der Archäologischen Gesellschaft Namur die fast vollständig erhaltenen Grundrisse eines gallo-römischen Landgutes entdeckt, inklusive einer großen herrschaftlichen Villa, die mit großer Sicherheit über vier Jahrhunderte bewohnt war. Daneben entdeckte man zahlreiche Neben- und Wirtschaftsgebäude, die einen guten Eindruck von den Ausmaßen und der Struktur eines gallo-römischen Landguts vermittelten.

In den Jahren zwischen 1992 und 1997 führte die Provinz Wallonie großangelegte Grabungen auf dem Gelände durch und konnte zahlreiche wichtige Details freilegen: weitere Nebengebäude, ein Glasofen, eine Schmiede und ein Teich, der pollenanalytisch untersucht wurde und eine genaue Datierung des Nutzungszeitraums ermöglichte.

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Das Landgut zu römischer Zeit

Es gelang den Archäologen, den Bauplan des Landgutes zu rekonstruieren und dessen Aufteilung in einen Wohnbereich (Pars urbana) und einen Arbeitsbereich (Pars rustica) nachzuweisen.

Der Wohnbereich mit seiner weitläufigen, doppelstöckigen Villa verfügte über alle Annehmlichkeiten der gehobenen Lebenskultur in der gallo-römischen Provinz: Fußbodenheizung, Repräsentationssäle, eine Thermenanlage, Latrinen, fließend Wasser und einem Raum, der als Sacellum diente und das Lararium beinhaltete, mit einem separaten, von vier Säulen getragenen Eingang.

Auch die Funktionen der landwirtschaftlich genutzten Nebengebäude konnten ermittelt werden. So interpretierte man die Gebäude als Ställe, eine Schmiede mit Räucherkammer, Getreidedarre und Bierbrauerei.

Um die Einzigartigkeit dieses zusammenhängenden Landgutes zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, entschied man sich, das Gelände als Archäologischen Park zu gestalten und einige der Nebengebäude zu rekonstruieren, um dem Besucher eine bessere Vorstellung von der Größe und den Dimensionen des Gehöfts zu vermitteln.

Neben der Präsentation der Funde legte man auch einen Schwerpunkt auf die experimentelle Archäologie, so daß Forschern ermöglicht werden sollte, in Malagne auf praktische Weise die Details des Lebens auf einem gallo-römischen Landgut zu erforschen. So wurden unter anderem der Stall und die Schmiede in funktionstüchtiger Weise in alter Bautechnik rekonstruiert und in den Original-Farben weiß und rot verputzt. Beide Gebäude sind voll funktionsfähig und werden auch für Experimente genutzt.

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Anbau von Obst und Gemüse

Daneben pflanzte man antike Getreidesorten auf den weitläufigen Feldern zwischen den Gebäuden, legte den Teich wieder an seiner originalen Position an und begann auch mit Nutztierhaltung, wobei Wert darauf  gelegt wurde, Rassen zu wählen, die in Größe und Art den Nutztieren eines gallo-römischen Bauernhofs entsprechen.

Heute werden auf dem Gelände Ziegen, Schafe, Pferde, Maultiere und Rinder gehalten. Dies erlaubt archäologische Experimente, die auch Tiere einschließen, wie zum Beispiel die Rekonstruktion eines Vallus, der römischen Mähmaschine, die von einem Maultier geschoben wird und eine um ein Vielfaches schnellere Getreideernte als mit der Sense erlaubt. Hierbei konnten im Experiment auch praktische Fragen gelöst werden, die mit den vorhandenen Schrift- und Bildquellen bislang nur unzureichend in der Theorie beantwortet werden konnten, zum Beispiel, wie das Geschirr und Joch des Esels aussahen, der die Maschine schob.

Funktionstüchtige Kuppelbacköfen, eine Küche und ein Rennofen zur Eisenschmelze erlauben weitere Experimente.

Es wurde auch ein Zier- und ein Nutzgarten angelegt, in dem Kräuter und Pflanzen aus römischer Zeit, Obst- und Gemüsesorten sowie Wein angebaut werden. Alles in allem werden hier über 200 Pflanzen angebaut, deren Gebrauch bereits aus der Antike bekannt ist.

Bis heute wird das Gelände experimentalarchäologisch bewirtschaftet und für Experimente aller Art genutzt, was es einmalig unter den gallo-römischen Landgütern macht.

Eine Villa Rustica hat fast jeder Ort in unserer gallischen Provinz, aber ein vollständiges Landgut mitsamt Haupt- und Nebengebäuden, Getreideanbau und Viehzucht, das die Größe eines solchen Geländes vermittelt, ist einmalig.

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Experimentelle Archäologie: Der Vallus im Einsatz

Das Hauptgebäude, die Wohnvilla, wurde nicht rekonstruiert, sondern in ihren Fundamenten belassen. Es gibt auch keine Pläne, das Gebäude (wie z.B. bei der Villa Borg) zu rekonstruieren.

Ein konstantes Problem eines solchen Projektes, das nicht die Mittel wie z.B. ein LVR-Park zur Verfügung hat, ist, wie üblich, die Finanzierung. Wie überall, wird auch in Belgien bei der Archäologie gespart.

Der Wiederaufbau der Villa wäre allein aus finanzieller Hinsicht utopisch. Es befinden sich allerdings noch mehr Nebengebäude und Funde auf dem Gelände, die jedoch aus Geldmangel nach Abschluß der Grabungsarbeiten und archäologischen Aufnahme wieder vergraben werden mußten, um sie zu schützen und zu erhalten. Das Museum ist ständig um neue Gelder bemüht, um die Grabungen fortzusetzen; sollten neue Mittel verfügbar sein, würde man damit gerne weitere Nebengebäude rekonstruieren.

Beschreibung:

Auf unseren Reisen durch die gallische Provinz stoßen wir immer wieder auf Überraschungen  – Malagne war eine solche, die uns regelrecht begeisterte. Wir hatten mit einer weiteren Villa Rustica gerechnet, aber dann sahen wir die Ausmaße des Geländes und vor allem, wie detailliert und anschaulich das Landgut rekonstruiert und betrieben wird.

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Auch Getreide wird hier angebaut

Am Parkplatz befindet sich ein Schild, das darauf hinweist, daß der Park zwar bis 18 Uhr geöffnet hat, der letzte Einlaß aber um 16:30h ist, was uns im ersten Moment verwunderte, dann aber schnell klar wurde, warum das so ist.

Malagne ist nichts für eine kurze, schnelle Stippvisite – der Park mit seinen vielen Details und weitläufigem Gelände muß in Ruhe erforscht und erwandert werden, um dem Besucher die Dimension dessen, was hier erarbeitet und gezeigt wird, zu erschließen.

Im Eingangsbereich an der Kasse empfing uns eine sehr freundliche und engagierte Frau, mit der wir uns in einem regen Mix aus Französisch und Englisch unterhielten. Sie erklärte uns, daß an dem Tag unseres Besuchs keine Vorführungen stattfanden (an manchen Sonntagen wird der Park durch Darsteller belebt, die an einigen Stationen praktische Tätigkeiten demonstrieren). Aber man kann den gesamten Park auch gut alleine erwandern, denn er ist in über 20 beschriftete Stationen aufgeteilt, zu denen man ausführliche Informationen mit einem Audio-Guide abrufen kann.

Den Audio-Guide erhielten wir an der Kasse, zusammen mit einem laminierten Lageplan der einzelnen Stationen auf dem Gelände, so daß man problemlos den Nummern folgen kann. Das Gerät ist im Eintrittspreis enthalten (der angesichts der Größe und des Aufwands der Bewirtschaftung des Geländes absolut in Ordnung ist); unsere Ansagetexte stellte die Frau uns auf Englisch ein. Daneben sind Französisch und Flämisch als weitere Sprachen verfügbar.

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Die Texte in den Audio-Guides sind detailliert und fundiert

Die Informationen des Audio-Guides sind sehr gut gemacht – informativ und detailliert. Sie schafften es, den experimentalarchäologischen Anspruch des Parks und die erzielten Ergebnisse sehr gut herauszustellen und anhand der Stationen zu erläutern.

Zu einigen Spezialthemen sind auf Wunsch, zusätzlich zu den Texten der Stationen, weiterführende Informationen verfügbar, die man durch Eingabe einer weiteren Nummer abrufen kann. Hier gehen die Texte dann sehr ins Detail und weisen auf ganz spezielle Aspekte eines Themas hin, unterlegt durch Zitate aus antiken Quellen oder mit Hinweisen auf Bildquellen – didaktisch vorbildlich!

Die Führung beginnt im Inneren des Hauptgebäudes, in dem sich auch ein Seminar- und Arbeitsraum befinden, wo regelmäßig pädagogische Aktivitäten für Gruppen, Schulklassen und andere Interessenten stattfinden.

Hier werden anhand eines rekonstruierten Modells des Landgutes zu römischer Zeit das Gelände, der Lageplan und die Geographie erläutert, zum Beispiel auch die Tatsache, daß sich am Hang hinter dem auf einem Hügel gelegenen Herrenhaus ein Steinbruch befand.

Nach der Erläuterung der generellen Lage wird der Besucher auf das Freigelände entlassen, auf dem man sich frei bewegen kann. Es macht jedoch Sinn, die Stationen in numerischer Reihenfolge abzulaufen, da die Informationen aufeinander aufbauen.

Den Anfang macht eine Aussichtsplattform, von der aus man einen tollen Überblick über das Landgut hat und schon einmal staunt, wie groß das Gelände war und wie hervorragend die Aussicht des Hausherrn auf sein Land von seiner auf der Anhöhe gelegenen Villa gewesen sein muß.

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Ausprobieren erlaubt!

Überall zwischen Getreidefeldern und Viehweiden, die (neben einem modernen Zaun, der den heutigen Vorschriften geschuldet ist) mit antiker Zauntechnik umgrenzt sind, sieht man die rekonstruierten Nebengebäude aufragen.

Das Blöken der Schafe, die Laute der Pferde und Rinder, machen den Gang über das Gelände besonders anschaulich – so muß auch die Geräuschkulisse zu römischer Zeit gewesen sein. Das verstärkt das Eintauchen in die Geschichte und erhöht die Anschaulichkeit deutlicher, als wenn man nur durch die Ruinen einer Villa Rustica geht.

Das ganze Gelände ist sehr gepflegt und sauber, die Kräuter-, Obst- und Gemüsefelder sind beschriftet.

Alle Gebäude können betreten werden und alles, was sich darin an Werkzeugen und Alltagsgegenständen befindet, kann man in die Hand nehmen und ausprobieren. Man wird zuerst an die Öfen und Küche geführt und erhält eine Einführung in antike Bautechnik mit Fachwerk und Steinbauweise. Nach einem Rundgang durch die Gärten geht es an einem Getreidefeld entlang zum Teich, der an der originalen Stelle angelegt wurde (heute jedoch als Biotop verwendet wird, um Lebensraum und Ökosystem See zu erläutern).

Vorbei an den Weiden der Rinder, Pferde, Schafe und Ziegen geht es in die Schmiede, wo auch die Versorgung thematisiert wird, da sich hier auch Räucherkammer und Bierbrauerei befanden. Am nicht wieder aufgebauten, aber mit einem Schutzbau überdachten Haus des Gutsverwalters vorbei, besichtigt man dann den großen Stall, der im Winter tatsächlich als Stall für die Tiere des Parks genutzt wird.

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Der rekonstruierte Vellus, die römische Mähmaschine

Hier erfährt auch man detailliert von einem besonderen Experiment, das in Malagne durchgeführt wurde: die Rekonstruktion der antiken Mähmaschine Vallus, die auch im Stall als Nachbau zu bestaunen ist.

Während man sich über das Gelände bewegt, erfährt man im Audio-Guide von weiteren Besonderheiten des Hofes, zum Beispiel der Entdeckung eines Gräberfeldes, das jedoch noch nicht weiter erforscht werden konnte.

Den Abschluß der gut 1,5 bis 2-stündigen Rundwanderung bildet das Herrenhaus, das zwar nicht rekonstruiert wurde, das aber (mauerschonend) über Brücken und Stege betreten und durchquert werden kann.

Überall im Park finden sich, zusätzlich zu den Informationen im Audio-Guide, Info-Tafeln. Diese sind jedoch leider nur auf Französisch (gelegentlich mit einer einzeiligen Zusammenfassung auf Flämisch).

Im Museumseingang gibt es einen kleinen Shop und es besteht die Möglichkeit, heiße und kalte Getränke zu sich zu nehmen. Es gibt auch einen Picknickbereich.

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Im großen Hauptgebäude, der herrschaftlichen Villa

Fazit: Eine Villa Rustica haben viele Orte, aber als „gallo-römische Erfahrung“ ist das römische Landgut von Malagne definitiv etwas Besonderes.

Durch die Kombination aus rekonstruierten Gebäuden, aktiver Bewirtschaftung, experimenteller Archäologie und hervorragender, fundierter Wissensvermittlung gehört Malagne für uns definitiv zu den Geheimtips, die wir unseren gallo-römisch interessierten Lesern wärmstens ans Herz legen möchten. Deswegen machen wir an dieser Stelle gerne (und unbezahlt) Werbung für diesen Archäologischen Park! Wenn Ihr einmal in der Nähe seid, sei es in den belgischen, luxemburgischen oder französischen Ardennen (beide Landesgrenzen sind nur wenige Kilometer entfernt), solltet Ihr dieses Ziel unbedingt auf Eure Liste setzen.

Öffnungszeiten, Eintritt:

In den Monaten Juli bis September ist der Park täglich von 11-18 Uhr geöffnet (letzter Einlaß 16:30 Uhr). Für den Besuch sind etwa 2 Stunden einzuplanen.

Außerhalb dieser Zeiten, von Ende März bis Anfang November, ist der Park in den Schulferien und an Feiertagen und Wochenenden geöffnet.

Während der Winterpause ist Öffnung für Gruppen nach Absprache möglich.

Der Eintritt für einen Erwachsenen beträgt 6,50 €, für Kinder 5 €. Der Audio-Guide ist im Preis enthalten.

Führungen, Veranstaltungen:

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In der experimentellen Küche

Jeden ersten Sonntag im Monat finden Führungen mit praktischen Vorführungen statt, zum Beispiel zum Thema Brotbacken.

Malagne ist auch Schauplatz eines Römerfests namens „Le Rendez-Vous Gallo-Romain de Wallonie“ mit römischen Legionen, Handwerkern, Reiterei und Gladiatorenspielen. Das Gelände ist für solche Veranstaltungen ausgezeichnet geeignet.

Aktuelle Informationen zu solchen Veranstaltungen sind auf der offiziellen Website zu finden oder in unseren Ankündigungen unter „Events und Veranstaltungen“.

Es finden außerdem regelmäßige Veranstaltungen und Workshops statt (allerdings ausschließlich auf Französisch), wie archäologische „Gallo Day Camps“ für Kinder. Gruppenaktivitäten können auf Anfrage gebucht werden, ebenso wie eine Vorführung antiker Bierbraukunst oder Brotback-Workshops.

Sonstiges:

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Die rekonstruierte Schmiede mit Räucherkammer, Darre und Bierbrauerei

Es ist erlaubt, Hunde an der Leine mitzuführen.

Fotografieren ist überall uneingeschränkt erlaubt.

Weiterführende Informationen:

 

 

  • Kurzer Filmbeitrag über Malagne: „Malagne, vivre au temps des Romains“ (Französisch, 8 Minuten)

Eine ungewöhnliche Gallo-Römische Gottheit: Oceanus-Cernunnos

Heute möchten wir Euch eine gallo-römische Kuriosität vorstellen – eine ungewöhnliche  Verschmelzung eines keltischen mit einem römischen Gott: Oceanus-Cernunnos.

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Kurzer Exkurs: Interpretatio Romana

Dank der Interpretatio Romana ist die Identifikation fremder Gottheiten mit römischen Gottheiten eigentlich nichts Außergewöhnliches; viele Gottheiten anderer Völker, seien es gallische, afrikanische oder orientalische Götter hielten auf diese Weise Einzug in den römischen Pantheon, indem sie mit bekannten römischen Gottheiten identifiziert oder assoziiert wurden. Beispiele dafür sind die gallischen Heilgötter Apollo-Grannus und Lenus-Mars, landwirtschaftliche Götter wie Mars-Intarabus, der orientalische Soldatengott Jupiter-Dolichenus, der ägyptische Jupiter-Ammon oder die keltische Waldgöttin Diana-Arduinna.

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Apollo-Grannus und Sirona, zwei beliebte gallo-römische Gottheiten

Andere fremde Götter wurden ohne römisches Gegenstück Teil der römischen Götterwelt, wie die keltischen Göttinnen Sirona, Rosmerta und – vor allem – Epona, die sich reichsweiter Beliebtheit erfreute.

In der Römischen Antike war es üblich, Lokalgötter aus den Provinzen des Imperiums durch funktionale Identifikation, d.h. aufgrund ihrer Attribute, Eigenschaften oder Zuständigkeiten, mit einer römischen Gottheit gleichzusetzen und dadurch in den eigenen Cultus aufzunehmen. Ausführliche Hintergrundinformationen zu dieser Praxis findet Ihr in unserem Artikel zur Interpretatio Romana, auf den wir an dieser Stelle verweisen möchten.

Ein römischer Meeresgott und der keltische Gehörnte?!

Da es, wie im verlinkten Artikel beschrieben, keine festen „Zuordnungstabellen“, Regeln oder gar Kommissionen gab, die bestimmten, welcher Gott mit welchem zu identifizieren sei, gab es in der Vermischung große persönliche Freiheiten und Interpretationsspielräume. Das führte dazu, daß wir heute auf Bildern, Weihesteinen oder Inschriften immer wieder auch auf ungewöhnliche Zuordnungen stoßen, die zwei Götter miteinander verschmelzen, deren Zusammenhang sich auf den ersten Blick nicht unmittelbar erschließt oder die aus den persönlichen Lebensumständen des Stifters zu deuten sind.

Ein Beispiel dafür ist auf einem großen Bodenmosaik in der Palastvilla von Bad Kreuznach zu bewundern, die wahrscheinlich einem erfolgreichen, einheimischen Geschäftsmann gallischer Herkunft und Händler für mediterrane Meeresfrüchte gehörte: er widmete das detailreiche Relief einem gallo-römischen Oceanus-Cernunnos.

Der Fundort

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Modell der Palastvilla von Bad Kreuznach

Die römische Luxusvilla liegt in der heutigen Stadt Bad Kreuznach an der Nahe, zu römischer Zeit eine kleinere Ansiedlung (vicus) mit einem nahegelegenen Militärkastell.

Es handelte sich um eine der größten Villen in der Region, deren wohlhabender Besitzer vermutlich in der eine Tagesreise entfernten Provinzhauptstadt Mogontiacum (das heutige Mainz) arbeitete und sich dann und wann auf sein „Landschlößchen“ zurückzog. Der repräsentative Bau deutet darauf hin, daß er auch dazu diente, Gäste und Geschäftsleute zu empfangen, sich in den ausschweifenden Thermen standesgemäß zu entspannen oder sich anderen Vergnügungen hinzugeben, wie man es als „Superreicher“ zur römischen Zeit tat.

Die Villa lag auf einem Südhang des Ellerbachtals mit Panoramablick auf den Fluß und das ganze Tal. Sie war im Stil einer Peristylvilla erbaut, einem Gebäude, das im mediterranen Stil um einen zentralen Innenhof herum errichtet war. Entlang der gesamten Nordseite, über die das Haus betreten wurde, zog sich ein Porticus, eine Säulenhalle.

Die dreistöckige Villa hatte gigantische Ausmaße und verfügte allein im Erdgeschoß über 50 Zimmer. Die Fenster waren verglast. Die beiden repräsentativen Empfangssäle waren jeweils mit einer Hypokaust-Fußbodenheizung beheizt. Es gab Wasserspiele, die mit eigenen Wasserleitungen versorgt wurden, einen Küchentrakt und eine dreisitzige Toilette. Tonleitungen, die von einer Quelle oberhalb des Hangs bis zum Haus führten, deuten auf eine eigene Versorgung mit fließendem Wasser, sowie den steten Abfluß von Brauchwasser hin. Auch im Keller des Hauses lag eine eigene Quelle, deren Wasser durch Risse im Fels sinnvoll genutzt wurde, um Vorräte zu kühlen.

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Die Römerhalle von Bad Kreuznach ist ein sehr sehenswertes Museum

An einigen Wänden fanden sich große, sehr hochwertig ausgeführte Wandmalereien, zum Teil mit Inschriftenresten, die auf Szenen griechischer Tragödien hindeuten und den hohen Bildungsanspruch des Besitzers darstellen sollen. Einige Wände sind mit echtem Marmor verkleidet, an anderen wiederum wurde Marmorimitat verwendet. Deckenmalereien mit Kassetten sind an stadtrömische Architektur angelehnt.

Zwei großflächige Mosaike (eines davon beheizt!) dienten dazu, den Reichtum des Besitzers zur Schau zu stellen – schon damals in gehobenen Kreisen überaus wichtig. Sie gehören heute zu den besterhaltensten Mosaiken nördlich der Alpen, zusammen mit dem Dionysos-Mosaik in Köln und dem Gladiatorenmosaik in der Villa Nennig.

Das erste Mosaik der Villa zeigt Gladiatorenszenen aller Art, wie sie überall im römischen Reich zu finden sind.

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Mosaik mit eingelassenem Sechseckbrunnen

Das zweite Mosaik zeigt das Portrait eines Gottes, der als „Oceanus-Cernunnos“ angesprochen wird, da sich in seiner Darstellung Attribute beider Götter vereinigen. Zwar gibt es nirgendwo in der Villa eine Inschrift, in der er ausdrücklich so genannt wird, aufgrund der eindeutigen Ikonographie wird diese Deutung allerdings allgemein akzeptiert – zumal nichts dagegen spricht, daß ein romanisierter Kelte diese beiden Götter, die beide für ihn in seinem Privatleben eine wichtige Rolle spielen, miteinander verbindet.

Das war gängige römische Praxis; nur die Mischung zweier augenscheinlich vollkommen unterschiedlicher Götter ist es, die diese Kombination besonders interessant macht (wenn auch nicht einzigartig, denn es sind einige weitere Oceanus-Cernunnos-Verbindungen bekannt, unter anderem aus Verulamium und Colchester in Britannien).

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Der vicus von Bad Kreuznach zur Römerzeit

Das Mosaik stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 234 n. Chr., worauf eine Konsularinschrift bezogen auf die Konsuln Maximus und Urbanus hindeutet.

Die Villa ist heute in die Römerhalle Bad Kreuznach integriert, ein sehenswertes Museum mit Freigelände, das auf 1000 Quadratmetern Funde der Umgebung aus keltischer und römischer Zeit zeigt, sowie Fluchtafeln und eine große Auswahl an Viergöttersteinen. Neben den beiden Mosaiken gehört eine Sammlung von Soldatengrabsteinen aus dem nahen Militärlager zu den wichtigsten Ausstellungsstücken, da diese, oft lebensgroßen und sehr detaillierten Darstellungen, Aufschluß über den soldatischen Alltag und das Aussehen der Auxiliartruppen in der Region geben.

Ikonographie des Mosaiks

Das 1966 gefundene, sehr gut erhaltene Fußbodenmosaik ist 68 Quadratmeter groß. In seiner Mitte befindet sich ein marmorverkleidetes sechseckiges Wasserbecken. Einlassungen im Mosaikboden deuten darauf hin, daß sich darauf ein steinernes Triklinum – eine Liegebank für gesellschaftliche Anlässe – befand.

Die detaillierten Darstellungen auf dem Mosaik gelten als Indiz dafür, daß es sich bei dem Besitzer der Villa um einen Händler von Fisch- und Meeresprodukten gehandelt hat, also teuren Luxusgütern in dieser weit vom Meer entfernten Region, die in der Hauptstadt der Provinz Germania Superior, Mogontiacum, sehr begehrt waren (Dies wird unter anderem in der Arbeit „Der Besitzer der Bad Kreuznacher Peristylvilla – ein Händler ostmediterraner Lebensmittel?“ von Ulrike Ehmig ausführlich untersucht (erschienen in: Münstersche Beiträge zur Antiken Handelsgeschichte, Bd. XXIV, 2, 2005).

Es handelt sich nicht um die sonst üblichen stilisierten Meeres- und Fischereiszenen, die allgemein als Sinnbild für ein glückliches Leben in ländlicher Idylle fernab von Verpflichtungen gelten, sondern um sehr konkrete Darstellungen von Schiffen, Amphoren und Gegenständen, von Handel und Transportszenen, sowie um wirklichkeitsgetreue Abbildungen von Meerestieren, mit denen der Hausherr wahrscheinlich gehandelt hat und die den Gästen in diesem Raum sicherlich auch serviert wurden. In erster Linie diente es also der Selbstdarstellung seines Unternehmens, modern ausgedrückt könnte man sagen, war dieses Haus Teil des Marketings des Besitzers .

Das Mosaik zeigt im Zentrum den nackten Oberkörper eines Gottes mit langen blonden, gelockten Haaren und blondem langem Schnurrbart. Aus seinem Kopf wächst ein rotes, verästeltes Geweih, das einige Laubblätter zieren. Seinen Hals ziert ein Halsreif oder Torque in Form einer Schlange im keltischen Stil.

Hinter den beiden Schultern des Gottes befinden sich zwei Hippocampen (mythologische Meerpferdchen mit dem Oberkörper eines Pferdes und dem Unterkörper eines Fisches).

Um den Gott herum befinden sich detaillierte Darstellungen von Handelstätigkeiten, zum Beispiel dem Kauf von Amphoren und dem Transport von Waren mit Schiffen, mediterrane Küstenlandschaften und zahlreiche Fische und Meerestiere.

Oceanus

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Klassische Darstellung des Oceanus aus Petra (heute Jordanien)

Der römische Meeres- und Flussgott Oceanus wird für gewöhnlich mit Hummer- oder Krebsscheren auf dem Kopf dargestellt. Typisch römisch ist auch seine Darstellung mit wild gelocktem Haar. Oft werden bei den im ganzen römischen Reich beliebten Oceanus-Darstellungen die Enden des Schnurrbarts zu Meerestieren. Im Gegensatz zu Neptun, dem Meeresgott, der oft in aktiver Pose mit Dreizack dargestellt wird, ist Oceanus in der römischen Darstellung meist ruhig, allenfalls mit Anker oder einem Ruder, da er als Gott angerufen wird, wenn es um gute und ruhige Fahrt über ein Gewässer geht.

Seine häufige Darstellung und praktische Verwendung als Wasserspender an Brunnen sowie die Attribute Schilf und Quelle weisen auf seine Funktion als Flussgott hin. Durch die Nähe zum Rhein, eine Tagesreise entfernt, über den der Besitzer der Villa sicherlich zum großen Teil den Transport seiner leicht verderblichen Luxusgüter abwickelte, erklärt sich seine Verbundenheit zu einem Gott, der sowohl die Meere und dessen Bewohner repräsentiert, aber auch als Vater der Flüsse gilt. Seine zentrale Bedeutung für die Sacra Privata, den privaten Hauskult des Villenbesitzers, zeigt sich auch in einem weiteren Fund – Oceanus in Form eines fein gearbeiteten Türbeschlags.

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Klassischer Ocenaus mit Krebsscheren auf dem Kopf, die Bartenden werden zu Delphinen (Cordoba, Spanien)

Die Abwandlung der klassisch römischen Darstellung des Oceanus in eine keltisch beeinflusste Form zeigt sich in der Umwandlung der Hummerscheren in ein Geweih. Zwar könnte man es aufgrund der roten Farbe auch als aus Koralle bestehend deuten, die Form und die daran haftenden Blätter identifizieren es aber eindeutig als Geweih.

Gleiches gilt für den Halsschmuck in Form eines typisch keltischen Halsreifs, der klassischerweise nichts an einem Oceanus zu suchen hat. Auch die Schlangen an seinen Enden entspringen nicht der Ikonographie des Ocenaus, sondern sind in der Gedanken- und Vorstellungwelt eines romanisierten Galliers zu verorten, der sich einerseits ganz dem römischen Lebensstil verschrieben hat, andererseits aber einen unkomplizierten Umgang mit der lokalen gallo-römischen Glaubenswelt pflegt und deshalb keine Probleme damit hat, einen für sein Volk wichtigen Gott mit einem für ihn persönlich wichtigen römischen Gott zu vermischen und ihre Attribute in einer völlig neuen Form zu kombinieren.

Daß ein Gallier von den Krebsscheren auf dem Kopf des Oceanus an das Hirschgeweih einer keltischen Geweihgottheit erinnert wird und diesen in einem heimischen Mosaik entsprechend darstellen läßt, ist im Rahmen des gallo-römischen Kontextes nicht weiter befremdlich. Ebensowenig verwundert es, daß er den Gott Oceanus mit dem in einheimischer Tracht üblichen Halsschmuck darstellt.

Cernunnos (?)

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Cernunnos auf dem Kessel von Gundestrup, sicherlich die bekannteste Darstellung

Cernunnos, der keltische Gott des Waldes und der Waldbewohner, ist aufgrund der Überlieferungslage generell problematisch in der Deutung.

Der Name des Gottes, der aus einer bruchstückhaften Inschrift der Pariser Nautensäule stammt, wurde in der Neuzeit auf zahlreiche namenlose keltischen Gottheiten mit Hirschgeweih übertragen, ohne daß sichergestellt ist, daß es sich bei ihnen immer um ein und denselben Gott handelt und nicht vielmehr um lokale Gottheiten unbekannten Namens.

Es gibt keinerlei Erwähnung oder Beschreibung seiner Symbole, Kultpraxis oder Attribute in schriftlichen römischen Quellen, so daß bei diesem Gott viel (moderne) Interpretation im Spiel ist. So ist die Verwendung des Namens „Cernunnos“ für alle gallischen Geweihgottheiten an sich schon fragwürdig.

Cernunnos trägt auf seinen Darstellungen ein Hirschgeweih oder hat zuweilen sogar einen vollständigen Hirschkopf. Meist sitzt er in ruhiger, geradezu an eine Meditationshaltung erinnernde Pose und ist von Tieren umgeben. In den bekannten Darstellungen trägt er oft ebenfalls einen eng anliegenden Halsreif. In der Gundestrop-Darstellung hält er zudem eine Schlange in der linken Hand und einen Torque in der rechten. Diese Schlange findet sich in mehreren Darstellungen quer durch den gallischen Raum.

Die Schlange spielt allerdings auch in der römischen Vorstellungswelt eine wichtige Rolle als positives, glücks- und erfolgsverheißendes Symbol und Torques mit Enden in Form von Schlangenköpfen sind aus dem gallo-römischen Raum bekannt, zum Beispiel wurden sie gerne von Legionären getragen.

Daß sich Cernunnos im romanisierten Gallien auch zur Römerzeit noch großer Beliebtheit erfreute, belegen Weihesteine, Brunnenfunde, Figur- und Reliefdarstellungen, die bis in die späte Kaiserzeit hinein populär waren. Auf Inschriften wird er in latinisierter Form Cernenus, Cornunus oder Cornutus genannt, worin sich das lateinische Wort „Cornu“ (Horn) wiederfindet (daß der aus dem luxemburgischen Waldtempel im Alzettetal bekannte Cerunincus etwas mit Cernunnos zu tun hat, ist hingegen unwahrscheinlich).

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Götterwelt: Arduinna

Herkunft, Bezeichnungen:

arduinna

Diese Bronzefigur wird als Arduinna angesprochen; ob es sich bei ihr tatsächlich um diese Göttin handelt, ist nicht gesichert

Arduinna ist eine gallo-römische Berg- und Waldgottheit und Göttin des Ardennenwaldes. In der Interpretatio Romana wird sie der Göttin Diana zugeordnet.

Alternative Schreibweisen sind Ardbinna oder Ardvinna. In einer Weiheinschrift wird sie auch als Dea Ardbinna bezeichnet.

Als „Ardennen“ (Arduenna silva) bezeichneten die Römer das zusammenhängende Mittelgebirge und geschlossene Waldgebiet von den (heutigen) Ardennen in Belgien und Luxemburg über Hohes Venn, Eifel bis an die Mosel und den Rhein (Provinzen Belgica und Germania inferior). Dieses Gebiet war zur Zeit des Gallischen Krieges (54-53 v. Chr) vor allem von den Treverern und Eburonen besiedelt und diente als Rückzugsgebiet des eburonischen Königs Ambiorix. Eine ausführliche geographische Beschreibung findet sich bei Caesar, De bello gallico, V, 3; VI, 31. Auch Strabon beschreibt in seiner „Geographica“ (IV, 3, 5) die Ardennen und zählt die keltischen Stämme auf, die in diesem Gebiet leben.

Ähnlich wie die gallo-römische Berggöttin Abnoba (römisch: Diana-Abnoba) die Personifikation des Schwarzwaldes war, gilt Arduinna als Personifikation der Ardennen. Weihesteine und figürliche Funde sind aus mehreren Gegenden des Eifel-Ardennengebiets bekannt, jedoch ist die Fundlage spärlicher als bei Abnoba. Verehrung erfuhr sie vor allem im Nordwesten Galliens.

Arduinna-Stein

Replik des Weihesteins aus Gey

Ein Weihestein für Arduinna wurde in Gey (Hürtgenwald) gefunden, wo er heute auf dem Dorfplatz als Replik aufgestellt ist (das Original befindet sich im Rheinischen Landesmuseum Bonn). Die Inschrift (CIL 13, 07848) lautet: „Deae Ardbi/nnae T(itus) Iuli/us Aequalis / s(olvit) l(ibens) m(erito)“ – „Der Göttin Ardbinna hat Titus Iulius Aequalis sein Gelübde froh, gerne und nach Gebühr eingelöst“.

Ihre Verehrung ist bis in das Jahr 565 n. Chr. belegt, als der langobardische Mönch und luxemburgische Säulenheilige St. Walfroy (Wulfilaïc) im belgischen Florenville eine Abkehr vom Kult der Arduinna forderte und ein Heiligtum der Diana zerstörte.

Zuständigkeiten, Attribute und Darstellungen:

Ein Weihestein (CIL 6, 46) ist aus Rom bekannt, den M. Quartinius Sabinus, Soldat einer römischen Kohorte, ein Gallier aus dem Stamm der Remer, mehreren Göttern stiftete – an erster Stelle zwei Lokalgöttern seiner Heimat, Ardvinne und Mars-Camulus. Da sein Weihestein neben einer Inschrift auch ein Relief enthält, wissen wir, daß Arduinna ikonographisch im klassischen römischen Stil wie Diana mit Bogen und Köcher dargestellt wurde.

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Die Wälder und engen Täler der Ardennen (hier: Blick von der Burg in Esch-sûr-Sure)

Eine weitere Darstellung der Arduinna ist in Form einer kleinen, aus römischer Zeit stammenden Bronzestatuette erhalten, die eine jugendliche Göttin mit Pfeil und Bogen zeigt, die auf einem Eber reitet und eine kurze, gegürtete Tunika trägt und wahrscheinlich diese Göttin zeigt.

Der Fundort dieser Figur ist unbekannt, ebenso kann nicht mit absoluter Sicherheit gesagt werden, daß es sich bei dieser Figur tatsächlich um Arduinna handelt, da keine begleitenden Inschriften gefunden wurden. Die Zuordnung zu dieser Göttin stammt aus dem 19. Jahrhundert und erfolgte durch den Antiquaren, der sie entdeckte – möglicherweise aufgrund der Tatsache, daß das Wappentier der Ardennen der Eber ist. Die Figur befindet sich heute im Musée des Antiquités Nationales in Saint-Germain-en-Laye.

Durch ihre Identifikation mit Diana wird sie als Natur-, Jagd- und Waldgöttin angesprochen, daneben durch ihren Bezug zu den Ardennen und Parallelen zu Abnoba als Berggöttin und Beschützerin der Region, die sie als Lokalgöttin personifiziert.

Sonstiges:

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In den Ardennen sind wir gerne und häufig unterwegs. Hier: Blick vom Chateau La Roche

Zu Arduinna ist (anders als bei den gallischen Gottheiten Sirona oder Rosmerta) kein Begleiter bekannt.

Es sind keine Orte oder Tempel erhalten oder bekannt, an denen sie verehrt wurde.

 

 

 

 

 

 

 

Antike Stätten: Tumulus von Ochtendung

Der rekonstruierte Tumulus von Ochtendung

Der rekonstruierte Tumulus von Ochtendung

Anschrift:

Am Römerhügel, 56299 Ochtendung.

Anfahrt:

Der römische Grabtumulus liegt mitten in einem Wohngebiet des kleinen Ortes Ochtendung in der vulkanischen Osteifel. Das Grabmal ist eine Station des Vulkanparks. Allerdings ist die Anfahrtsbeschreibung auf der Seite des Vulkanparks nicht sonderlich hilfreich, ganz im Gegenteil eher verwirrend.

Zwar ist der Tumulus mit einem braunen Hinweisschild „römisches Grabmal“ an einigen Stellen im Ort ausgeschildert, jedoch sieht man diese Schilder nur aus einer Fahrtrichtung.

Mit dem Auto folgt man entweder der Bahnhofstraße bis zu einer Abzweigung „Auf Münsterhöh“, von dort in den Welschtalweg. Vom Welschtalweg geht eine kleine, unscheinbare Sackgasse ab, die „am Römerhügel“ heißt. Hier liegen auf der einen Seite vier Wohnhäuser und gegenüber auf einer großen Rasenfläche steht in der Nähe eines Spielplatzes der Tumulus. Direkt vor der Wiese besteht Parkmöglichkeit in gekennzeichneten Buchten.

Es gibt auch die Möglichkeit, direkt von der Bahnhofstraße aus über einen kleinen Fußweg über einen Spielplatz zum Tumulus zu laufen. Dieser Fußweg ist ausgeschildert.

Ochtendung hat keinen Bahnhof, der nächste Bahnhof befindet sich im 5 km entfernten Nachbarort Plaidt. Mit dem Bus ist Ochtendung mit der Linie 335 aus Medig, Mayen, Andernach und Neuwied zu erreichen.

Für Wanderer und Radfahrer ist die Region attraktiv, weil hier mehrere Routen des Vulkanparks verlaufen. Es befinden sich zahlreiche weitere Sehenswürdigkeiten in der Umgebung, so daß man den Tumulus von Ochtendung gut in eine Vulkanpark-Tour einbinden kann.

Hintergrundinformationen:

Wie beim Tumulus von Nickenich handelt es sich beim Tumulus von Ochtendung um ein gallo-römisches Grabmal. In der Nähe befand sich eine villa rustica, ein großer Gutshof, dessen wohlhabende Besitzer sich dieses repräsentative Grabmal errichten ließen.

Verbreitungsgebiet der Tumuli (orange Punkte) in der Region (aus der Infotafel des Vulkanparks vor dem Tumulus Ochtendung)

Verbreitungsgebiet der Tumuli (orange Punkte) in der Region (aus der Infotafel des Vulkanparks vor dem Tumulus Ochtendung)

Ochtendung lag zu römischer Zeit in Ostgallien im Stammesgebiet der keltischen Treverer. Grabtumuli, runde, mit Stein ummauerte Erdhügel, sind überall in der Region zu finden und typisch für eine Verschmelzung gallischer und römischer Grabkultur. Die einheimischen Gutshofbesitzer waren romanisierte Gallier, die der keltischen Oberschicht angehörten und durch diese sehr aufwendige und kostspielige Grabgestaltung nach römischem Geschmack zeigten, daß sie Macht, Einfluß und Geld besaßen.

Derartige Tumuli – Erdhügel mit einem gemauerten Sockel – waren in der Region vom Ende des 1. Jahrhunderts, insbesondere entlang der Mosel, bis zum Ende des 3. Jahrhunderts üblich.

Im Gegensatz zum Tumulus von Nickenich, bei dem aus Inschriften eines ebenfalls in der Nähe gefundenen Nischengrabmals die Namen der Errichter überliefert sind, wurden im Tumulus von Ochtendung zwar Tote mit ihren Grabbeigaben gefunden, die Namen der hier Bestatteten sind jedoch unbekannt.

Das Grabmal wurde wahrscheinlich zwischen 100 und 150 n. Chr. errichtet, jedoch wurde die Stelle auch später noch als Grabstätte genutzt, als der Tumulus bereits nicht mehr bestand (um 300 n. Chr.), so daß der Ort seine Bedeutung als Friedhof beibehielt.

Bei dem Tumulus handelte es sich um einen Erdhügel von mit einer kreisrunden Umfassungsmauer aus 13 Tuffsteinsegmenten (wahrscheinlich aus dem nahen römischen Tuffsteinbergwerk Meurin) und mit einem Durchmesser von fast 8 Metern. Die Blöcke waren an den Stoßfugen mit schwalbenschwanzförmigen Klammern verbunden. Der Steinkranz als Fundament mit seinen 2 x 0,8 x 0,5 Meter mächtigen Steinquadern war bei der ersten Befundaufnahme noch vollständig und in originaler Lage erhalten. Die versetzte Bauweise nach oben zeigt deutliche Parallelen zum nahen Tumulus von Nickenich.

Bei Bauarbeiten im Wohngebiet stieß man im Jahr 1978 auf die Überreste dieses Tumulus. Bei den folgenden Ausgrabungen im Jahr 1980-1982 wurden darin mehrere Gräber entdeckt. Bei den ältesten Gräbern aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. handelte es sich um Urnengräber nach römischer Sitte, in denen sich in einer massiven Aschekiste aus Tuffstein der Leichenbrand einer Frau mit ihrem Neugeborenen oder einem Fötus befand, so daß davon ausgegangen wird, daß sie bei der Geburt starb. Daneben lag ein Grab aus Schieferplatte mit den Überresten eines ca. 9 Monate alten Kindes, die sich in einer Urne vom Typ „Honigtopf“ befanden.

Die Urne und die Grabbeigaben sind auf den gut gestalteten Infotafeln vor dem Tumulus beschrieben und abgebildet

Die Urne und die Grabbeigaben sind auf den gut gestalteten Infotafeln vor dem Tumulus beschrieben und abgebildet

Als Grabbeigaben der Mutter fanden sich Öllampen und Teller im römischen Stil, die beweisen, daß die hier Bestatteten den römischen Lebensstil schätzten, sowie ein Nadelkästchen aus Knochen.

Das Kindergrab enthielt Speisegefäße und ein Holzkästchen unbekannten Inhalts, das nur noch durch seine metallenen Beschläge und Nägel nachweisbar ist.

Aus der späteren Zeit stammen fünf Körpergräber, in denen die Toten nach spätrömischem Brauch unverbrannt bestattet wurden. Sie stammen aus der Zeit ab 300 n. Chr., zu der der Tumulus nicht mehr bestand, was daran erkennbar ist, daß die Toten im Bereich der früheren Umfassungsmauer lagen. Der späteste Tuffstein-Sarkophag stammt aus der Zeit um 400-450 n.Chr.

Der jüngste Sarkophag zeichnete sich durch besonders wertvolle Grabbeigaben aus, wie zwei Glasgefäße, eine robuste Schüssel sowie ein Trinkbecher mit der Aufschrift „SITIO“ („Ich habe Durst“). Derartige Spruchbecher waren um 400 n. Chr. nicht mehr in Mode, sondern vor allem in früherer Zeit modern, so daß man davon ausgeht, daß es sich um ein geschätztes Erbstück handelte.

Der Tumulus wurde am Originalstandort im Jahr 2002 im Maßstab 1:1 rekonstruiert und als Station in den Vulkanpark eingebunden. Die Steine stammen, wie schon beim Original, aus dem typischen Tuffstein der Region. Er gilt heute als geschütztes Kulturdenkmal.

Beschreibung:

Die Rekonstruktion ist am Originalstandort im Maßstab 1:1 errichtet

Die Rekonstruktion ist am Originalstandort im Maßstab 1:1 errichtet

Der Tumulus liegt auf einer leicht erhöhten Wiese mitten in einem ruhigen Wohngebiet.

Er ist in gepflegtem Zustand und mit mehreren Infotafeln des Vulkanparks versehen, aus dem gut beschriebene, detaillierte Informationen zu Geschichte und Hintergrund hervorgehen, zusammen mit informativen Illustrationen. Eine vorbildliche Beschilderung!

Zwar ist der Tumulus von Nickenich – aufgrund des in der Nähe stehenden Nischengrabs und der Grabinschriften – spektakulärer, der Vollständigkeit halber ist der Tumulus von Ochtendung jedoch auch einen Besuch wert.

Öffnungszeiten, Zugänglichkeit, Führungen:

Der Tumulus ist jederzeit frei zugänglich, da er mitten in einem Wohngebiet steht. Die Anwohner der gegenüberliegenden Häuser sind herumlaufende Wanderer und Vulkanpark-Touristen gewöhnt und nehmen diese freundlich-gleichgültig zur Kenntnis.

Regelmäßige Führungen sind uns nicht bekannt; wer sich für eine Besichtigung der römischen Stationen des Vulkanparks interessiert (Tumuli Nickenich und Ochtendung, Katzenberg Mayen, Mayener Grubenfeld, Römerbergwerk Meurin) kann sich für weitere Informationen an das Infozentrum des Vulkanparks in Plaidt wenden.

Sonstiges:

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Über die romanisierten Kelten Contuinda, Tochter des Esucco und ihren Sohn Silvanus Ategnissa wissen wir viel dank ihres Grabsteins in Nickenich in der Eifel

Über die romanisierten Kelten Contuinda, Tochter des Esucco und ihren Sohn Silvanus Ategnissa wissen wir viel dank ihres Grabsteins beim Tumulus von Nickenich in der Eifel

Der Besuch des Tumulus sollte auf jeden Fall mit weiteren Sehenswürdigkeiten des Vulkanparks verbunden werden. Hier gibt es neben den zuvor aufgezählten römischen Sehenswürdigkeiten auch spannende geologische Stationen, wie den Laacher See oder das Basaltbergwerk und das Deutsche Vulkanmuseum Lavadome Mendig.

Ebenfalls archäologisch und insbesondere für den keltischen Touristen interessant ist der nahegelegene Goloring, der als eines der bedeutendsten archäologischen Anlagen der Eisenzeit in Rheinland-Pfalz gilt und auch als das „Eifel-Stonehenge“ bezeichnet wird. Da sich diese Anlage jedoch in einem militärischen Sperrgebiet befindet, ist sie nicht frei zugänglich; hier müssen Besuchstermine vereinbart werden, ansonsten ist die 175 Meter lange, kreisrunde Wall-Graben-Anlage vom Henge-Typ, die aufgrund ihrer Lage eher als Heiligtum oder Kultplatz als als Schutz- oder Befestigungsanlage gedeutet wird, am Tag des Offenen Denkmals zu besichtigen.

Antike Stätten: Tempel „Varnenum“ für Sunuxal und Varneno bei Kornelimünster

Tempelanlage Varnenum bei Kornelimünster

Tempelanlage Varnenum bei Kornelimünster

Anschrift:

Der Tempel liegt auf einem Acker in der Nähe der Breiniger Straße, 52076 Kornelimünster. GPS-Koordinaten: 50°43’47.0″N 6°11’37.0″E

Anfahrt:

Kornelimünster ist ein kleiner Ort an der Inde, einem Nebenfluß der Rur. Es liegt bei Aachen und schließt sich an den Stadtteil Aachen-Brand an.

Die Tempelanlage befindet sich etwas außerhalb von Kornelimünster an der Landstraße zwischen Kornelimünster und Breinig. Für das Navi am besten „Breiniger Straße“ eingeben.

Zwar befinden sich sowohl in Kornelimünster als auch in Breinig braune Hinweisschilder „römische Tempelanlage Varnenum“, die beide auf diese Landstraße verweisen, aber die eigentliche Einfahrt zum Tempel ist nicht ausgeschildert.

Deshalb kurz hinter der Ortsausfahrt Kornelimünster in Fahrtrichtung Breinig auf einen landwirtschaftlichen Nutzweg achten, der auf der linken Seite in die Felder abzweigt. Hier steht ein „Durchfahrt verboten in 100 Metern“-Schild. Diesem unbefestigten Weg etwa 100 Meter folgen, dann erreicht man den auf einer kleinen Anhöhe inmitten von Kuhweiden gelegenen Tempel. Vor dem Gelände ist Platz für 2 parkende Autos.

Kornelimünster war früher an die Vennbahn angeschlossen, hat heute jedoch keinen eigenen Bahnhof mehr. Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln muß deshalb per Bus aus Aachen oder Monschau erfolgen.

Für Wanderfreunde interessant: Der Eifelsteig beginnt in Kornelimünster, von wo aus er in der ersten Etappe durch die Moore des Hohen Venns führt. Der Besuch des Tempels, der nahe am Ortsausgang liegt, läßt sich also auch gut mit einer Wanderung auf dem Eifelsteig verbinden.

Eine Warnung vorab:

Wer sich überlegt, sich auf eine weite Reise zu begeben, nur um diesen Tempel zu besichtigen, sollte eines wissen: Der Tempelkomplex Varnenum ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie man mit dem antiken römischen Erbe in unserem Land nicht umgehen sollte. Erwartet deswegen auch keinen religiös inspirierenden Ort, der zu kultischen Handlungen einlädt, oder setzt zu hohe Erwartungen in dieses seltene Heiligtum der Göttin Sunuxal. Sondern macht Euch für eine etwas schockierende und ernüchternde Erfahrung bereit und die Erkenntnis, daß in unserer ehemaligen römischen, kulturell hochstehenden Provinz heute wieder die Barbaren hausen.

Aus wissenschaftlichem  Interesse oder in Verbindung mit weiteren Sehenswürdigkeiten der Region (zum Beispiel die sehr schöne Stadt Monschau oder Aachen mit seinem beeindruckenden Kaiserdom und den Schätzen Karls des Großen) kann man diesen Abstecher natürlich durchaus machen.

Hintergrundinformationen:

Der Tempel, der heute „Varnenum“ genannt wird, war eine große gallo-römische Tempelanlage von einst überregionaler Bedeutung. Magnetometrische Untersuchungen deuten auf eine Größe des Geländes von mindestens 150.000 Quadratmetern hin.

Rekonstruktionsmodell eines der beiden Haupt-Umgangstempel aus Varnenum (Museum Frankenberg, Aalen)

Rekonstruktionsmodell eines der beiden Haupt-Umgangstempel aus Varnenum (Museum Frankenberg, Aalen)

Errichtet wurde der Tempel um die Zeit von Christi Geburt auf einer leichten Anhöhe, die in römischer Zeit wahrscheinlich terrassenartig angelegt war. In unmittelbarer Nähe verlief eine wichtige römische Heerstraße, die Aachen mit der Eifel und der dort verlaufenden Via Agrippa verband, so daß der Tempel an einer befestigten Überlandstraße lag und gut erreichbar war.

Es schlossen sich mehrere Bauphasen an, in denen die Anlage systematisch erweitert wurde. Er bestand in seiner Blütezeit aus mehreren Umgangstempeln mit weitstehenden Säulen, Priestergebäuden, Schatzhäusern zur Aufbewahrung von Opfergaben und Kultgegenständen und einer 20 Meter langen Wandelhalle, sowie einem zentralen, gepflasterten Platz für Prozessionen und Kulthandlungen. Im Jahre 70 n. Chr. wurden große Teile der Anlage durch einen Brand zerstört, er wurde jedoch in größerer und erweiterter Form wieder aufgebaut.

Zum Tempel gehörte auch eine zivile Siedlung, die alles bot, was man als Pilger, Reisender und Tempelbesucher benötigte: Herbergen, Schänken, Verwaltungsgebäude, Geschäfte, Handwerksbetriebe, Wohngebäude, Versammlungsräume und Lagerhäuser. Die Größe der Anlage und die Vielzahl der Gebäude deuten auf einen stark frequentierten Tempelkomplex hin.

Zudem wurde im Umland im Bereich des heutigen Dorfes Breinig auch Galmei abgebaut, eine seltene Form des Zinks, der in der Antike ein wertvoller Rohstoff zur Herstellung von Messing war, so daß die gesamte Region zu römischer Zeit sehr belebt war.

Phosphat-Bodenanalysen zeigen, wie groß das Tempelgelände war („VarnenumVicus“ von Tympanus, lizenziert unter Copyrighted free use über Wikimedia Commons)

Phosphat-Bodenanalysen zeigen, wie groß das Tempelgelände war („VarnenumVicus“ von Tympanus, lizenziert unter Copyrighted free use über Wikimedia Commons)

Der Tempelkomplex war durch eine Temenosmauer eingefriedet. Der Zugang erfolgte durch ein Tor, das im Süden der Anlage lag. Auch die Eingänge der Umgangstempel zeigten nach Süden.

Es kann nicht genau datiert werden, bis wann der Tempel genutzt wurde. Schätzungen anhand der Fundlage gehen davon aus, daß er bis ca. 260 n. Chr. in Gebrauch war und danach aufgegeben wurde. Auch die Gründe hierfür sind nicht bekannt.

Es wird davon ausgegangen, daß diese Region schon in vorrömischer Zeit von der lokalen Bevölkerung sowohl zum Metallabbau und auch als Kultzentrum genutzt wurde, da hier vor allem lokale Götter nicht-römischen Ursprungs verehrt wurden. Aus den hier gemachten Funden, vor allem Weiheinschriften, geht hervor, daß hier vor allem zwei Gottheiten verehrt wurden: die Göttin Sunuxal, die auch aus Nettersheim, Euskirchen, Eschweiler, Zülpich, Nideggen, Köln, Bonn und Remagen bekannt ist, sowie der Gott Varneno. Über letzteren ist nichts bekannt; Inschriften, die seinen Namen nennen, kennt man ausschließlich von diesem Ort. Auch ist die etymologische Herkunft seines Namens nicht eindeutig, so daß nicht geklärt werden kann, ob er keltischen oder germanischen Ursprungs ist.

Sunuxal ist hingegen aus dem Gebiet des heutigen rheinischen Braunkohlereviers bis in die Eifel gut belegt, insbesondere aus der Zeit zwischen dem 1. und 2. Jahrhundert n. Chr.. Sie gilt als Stammesgöttin der Sunuci, ein Stamm germanischer Herkunft, dessen Führungsschicht jedoch stark keltisiert war. Da sich das Siedlungsgebiet der Sunuci auf dem Stammesgebiet der Ubier befand, wird vermutet, daß sie entweder bei diesen in der Pflicht standen oder sich von diesen als eigene Gruppe abgespaltet haben.

Der Tempelkomplex bei Kornelimünster gilt als ein zentrales Heiligtum der Sunuci für ihre Stammesgöttin Sunuxal. Diese wird als sitzende Frau in Begleitung eines Tieres dargestellt, jedoch sind die wenigen figürlichen Darstellung so beschädigt, daß weder ihr Kopf noch ihr Oberkörper erhalten geblieben ist; von ihrem tierischen Begleiter kennt man nur die Vorderbeine. Interessant jedoch ist in diesem Zusammenhang, daß aufgrund der stets fehlenden Köpfe, die möglicherweise mutwillig im Rahmen der Christianisierung abgeschlagen wurden, in der gesamten Region des westlichen Rheinlands bis heute die sogenannten „Juffernsagen“ über kopflose Frauen verbreitet sind.

Die

Die „Fossa Sanguinis“ in Neuss war wahrscheinlich eine Kultstätte der Sunuxal

Man geht heute auch davon aus, daß die sogenannte „Blutgrube der Kybele“ in Neuss eigentlich eine Kultstätte der Sunuxal war.

Mehrere Jahrhunderte lang, bis in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg, diente der Tempelkomplex als Steinbruch für die Gebäude der Umgebung, insbesondere für den Bau der nahegelegenen St. Stephanuskirche. In dieser Kirche fand man 1972 bei Ausgrabungen einen Stein, dessen Inschrift belegt, daß es sich um eine römische Weihegabe eines Mannes handelte, der Stifter eines der Gebäude des Tempelkomplexes war: „Perpetuus hat dieses Gebäude aus eigenem Vermögen gestiftet„.

Die ersten dokumentierten Ausgrabungen wurden im Jahr 1907 durchgeführt und in den Jahren 1911 bis 1924 fortgeführt.

Zu den wichtigsten damaligen Funden gehörten Fibeln, Münzen (die eine genaue Datierung des Ortes erlaubten), Nadeln, Nägel und Keramik. Die meisten dieser Funde wurden zwar schriftlich dokumentiert, gingen jedoch im 2. Weltkrieg oder aufgrund unsachgemäßer Lagerung verloren. Einige Funde befinden sich heute in einem Depot in Meckenheim, wo sie auf ihre weitere Untersuchung warten – oder darauf, in einem eigenen Museum, zum Beispiel in Kornelimünster, ausgestellt zu werden (was im Moment aber nicht wahrscheinlich zu sein scheint).

Zu den wichtigsten Funden gehören drei Votivtafeln aus Bronze, deren Inschriften die in Varnenum verehrten Gottheiten nennen:

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Auf den Spuren von Sirona und Apollo-Grannus durch den Hunsrück

Sirona mit Sternendiadem, Palla, Schlange und Schale mit Eiern

Sirona mit Sternendiadem, Palla, Schlange und Schale mit Eiern

Heute möchten wir Euch auf einen Ausflug in den Hunsrück mitnehmen: Von der Ausoniusstraße zum Sirona- und Apollo-Grannus-Quellheiligtum von Hochscheid!

Einleitung: Antike Stätten?

Unser heutiger Reiseartikel fällt etwas aus dem Rahmen, denn es geht zwar um eines der wichtigsten und größten gallo-römischen Quellheiligtümer, aber einige Stationen auf unserer Reise fallen nur im weiteren Sinne unter die Kategorie „Antike Stätten„.

Daher stellte sich uns die Frage: wie gehen wir mit Orten um, die sich zwar auf eine antike Stätte beziehen (wie ein Pavillon im römischen Stil, in dem originalgetreue Repliken der Standbilder von Sirona und Apollo-Grannus aus dem Quellheiligtum bei Hochscheid stehen), die aber erst in der jüngeren Vergangenheit errichtet wurden?

Für den Cultor, das heißt, den heutigen Praktizierenden der Religio Romana, kann auch ein solcher Ort vom Numen der hier dargestellten Gottheiten erfüllt sein und als Tempel, Wegeschrein und Ort der Verehrung genutzt werden. Deswegen haben auch solche Orte für uns eine Berechtigung und gehören unserer Ansicht nach auch in die Auflistung „römischer Stätten“ auf unserer Website.

Gleichzeitig wollen wir bei unseren Ausflugszielen keine neue Kategorie einführen, auch, da die Grenzen nicht immer scharf zu ziehen sind, denn immerhin stehen die von uns bereisten Sirona- und Apollo-Grannus-Schreine in der unmittelbaren Umgebung des einstigen Quellheiligtums und erfahren heute durch Einheimische Pflege und Wertschätzung, dienen gleichzeitig dazu, die Erinnerung an eine so wichtige Pilgerstätte des 2. und 3. Jahrhunderts n. Chr. wachzuhalten und archäologisch interessierten Besuchern Informationen zu vermitteln.

Blick vom Höhenrücken bei Belginum zum Moseltal und in die Eifel

Blick vom Höhenrücken bei Belginum zum Moseltal und in die Eifel

Insofern macht es eigentlich keinen Unterschied, ob sich (wie z.B. im Matronentempel in Nettersheim) originalgetreu replizierte Weihesteine an der originalen Stelle direkt neben den Fundamenten des alten Umgangstempels befinden, oder ob originalgetreu replizierte Statuen aus der Cella eines leider nicht mehr erhaltenen Heiligtums so nah wie möglich an die Originalstelle gebracht wurden, um dort die Bedeutung dieses Ortes zu würdigen. Die ganze, über 1000-jährige römische Geschichte hindurch wurden ständig neue Tempel und Orte für Götter errichtet, und auch heute laden wir wie damals die verschiedenen Gottheiten und anderen Wesen, wie Laren, Genius oder Juno, ein, in unserem heimischen Lararium Platz zu nehmen.

Wenn heute also neue Heiligtümer errichtet werden, selbst wenn sie eher der touristisch-archäologischen Wissensvermittlung dienen, als religiösen Zwecken, gibt es keinen Grund dafür, diese als „modern“ abzulehnen, das wäre eine absolut unrömische Haltung – wenn die Götter Gefallen daran finden und regelmäßig dort Wertschätzung erfahren (selbst durch christliche Einheimische, die Blumen vor ihre Statuen stellen), dann akzeptieren sie diesen Ort wie jeden anderen Tempel, Wegeschrein oder Hausschrein, der für sie errichtet wird. Und Sirona wird im Hunsrück tatsächlich noch heute sehr geehrt und ihre Pavillons werden nicht nur von römischen Heiden, sondern auch von Heiden anderer Richtungen besucht (z.B. von Celtoi, keltischen Rekonstruktionisten (CR) aber auch von Vertretern eines allgemeinen Neopaganismus verschiedenster Richtungen, wie z.B modernen Hexen, Vertretern der sog. Göttinnen-Spiritualität etc.).

Willkommen im östlichen Gallien, im Land der Treverer!

Willkommen im östlichen Gallien, im Land der Treverer!

Deswegen soll dieser Reisebericht ein Kompromiss sein: Er ist zwar in der Kategorie „Antike Stätten“ gelistet, folgt in seinem Aufbau aber nicht dem üblichen Schema. Stattdessen möchten wir Euch heute eine kleine Reiseroute vorschlagen, auf der Ihr selbst auf den Spuren der gallo-römischen Heilgötter Sirona und Apollo-Grannus wandeln könnt und auch Gelegenheit habt, Euch mit Anliegen an diese beiden Gottheiten zu wenden und ihnen Opfergaben darzubringen – etwas, was die Menschen, die vor uns in dieser Region unterwegs waren resp. hier lebten, seit alters her getan haben.

Als Bonus streift unsere Route auch einige „echte“ antike Stätten in situ und zwei Archäologische Parks. Dabei schlagen wir einen weiten Bogen von der vor-römischen, keltischen Vergangenheit des vom Stamme der Treveri bewohnten Teil Ostgalliens bis in die römische Spätantike.

Übersicht über unsere Reiseroute auf google Maps

Die Reise ist mit dem Auto an einem Tag gut und ohne Hektik zu bewältigen. Wer die Stätten zu Fuß erwandern will, zum Beispiel über den hier verlaufenden „Sirona-Weg“, sollte zwei Tage einplanen.

Hintergrundinformation: Das Quellheiligtum von Hochscheid

Die keltischen Hügelgräber im Gräberfeld von Belginum

Die keltischen Hügelgräber im Gräberfeld von Belginum

Bevor wir mit unserer Reisebeschreibung beginnen, ein paar Worte, um die Bedeutung des gallo-römischen Quellheiligtums von Hochscheid darzustellen.

Hochscheid liegt im Hunsrück am Fuße des 745 Meter hohen Idarkopfes im Landkreis Bernkastel-Wittlich in Rheinland-Pfalz. Ganz in der Nähe verläuft die Hunsrückhöhenstraße, eine Bundesstraße, die hier noch heute der alten römischen Fernstraße zwischen Trier (Augusta Treverorum) und Bingen (Bingium) folgt. Die zweispurig ausgebaute „Ausoniusstraße“ aus römischer Zeit war eine wichtige Schnellreiseroute, die die zweitgrößte Stadt des Reichs – Trier – mit dem Rhein verband und dadurch in der Verlängerung über Bingen bis nach Mainz reichte, das als Mogontiacum eine wichtige Provinzhauptstadt am Rhein war.

Ein wichtiger Handelsknotenpunkt auf dieser Schnellstraße durch den Hunsrück war die Siedlung vicus Belginum, die ein Zentrum des Fernhandels auf dieser West-Ost-Achse war, durch den Waren aus dem Mittelmeerraum und dem westlichen Gallien bis hoch in den Norden transportiert wurden, wie Olivenöl aus Spanien und Afrika. Gleichzeitig gelangten über Händler regionale Produkte und hier anstehende Rohstoffe wie der hochwertige Hunsrück-Schiefer und Metalle in den Süden und Westen des Reichs.

Im keltisch-römischen Gräberfeld von Belginum

Im keltisch-römischen Gräberfeld von Belginum

Der vicus Belginum zeichnete sich durch reges Markttreiben, Handel, Pferdewechselstationen, Herbergen und Tavernen aus – sprich, er bot alles, was ein Fernreisender benötigte. Daneben gab es hier einen großen Tempelkomplex mit Kulttheater und mehreren Umgangstempeln, in denen unter anderem die gallo-römische Göttin Epona verehrt wurde, die Schutz auf Reisen gewährte, aber auch eine Patronin aller war, die mit Pferden zu tun hatten. Sie war eine der wichtigsten Gottheiten der hier lebenden Treverer.

Daneben gab es in Belginum alle Arten von Handwerkern, die an einer solchen Fernstraße ein Geschäft machen konnten: Sattler, Wagen- und Radmacher, Schmiede.

In etwa 5 km Entfernung dieses vicus befand sich das Quellheiligtum beim heutigen Ort Hochscheid. Es war ein überregional bedeutsames Pilgerheiligtum, zu dem man oft von weither pilgerte, um Heilung von Krankheiten zu erbitten.

Überblick über die Gebäude des Quellheiligtums von Hochscheid (aus: Cüppers, die Römer in Rheinland-Pfalz)

Überblick über die Gebäude des Quellheiligtums von Hochscheid (aus: Cüppers, die Römer in Rheinland-Pfalz)

In ihm wurde das keltische Götterpaar Sirona und Grannus – zwei Heilgötter – in ihrer gallo-römischen Form als Sirona und Apollo-Grannus verehrt, wie durch Weiheinschriften, aber auch gut erhaltene Statuen und Figuren einwandfrei belegt ist. Diesen Ort kann man sich wie ein Kur- oder Heilbad vorstellen: es gab Umgangstempel, Heilquellen, Pilgerherbergen, Priesterwohnungen und Wandelgänge. Beheizbare Becken erlaubten es, Heilbäder zu nehmen, aber auch Trinkkuren wurden durchgeführt. War eine Heilung erfolgreich oder wurde ein Anliegen erhört, pilgerte man erneut dorthin, um sein gegebenes Versprechen einzulösen, das zum Beispiel in der Stiftung einer Weihetafel bestand, oder darin, eine unbenutzte Münze zu opfern oder in der Opferung kleiner Terrakottefiguren, Schmuck oder anderer Weihegaben. Die Größe und Art der „Bezahlung“ für die geleistete Hilfe richtete sich nach den finanziellen Mitteln der Hilfesuchenden und dem kulturellen Kontext.

Denn der Tempelkomplex wurde sowohl von einheimischen Kelten aus dem ganzen Hunsrück, Eifel- und Moselraum aufgesucht, die den Ort wahrscheinlich schon in vorrömischer Zeit als Quellheiligtum nutzten (daher auch die dort verehrten lokalen, keltischen Gottheiten und keine römischen Äquivalente wie Aesculapius oder Hygieia), als auch von zugezogenen oder durchreisenden Römern oder Besuchern aus anderen Teilen des Reichs.

Beide Heilgötter spielten in der gallo-römischen Mischform der hier praktizierten Religion eine große Rolle; überall in der Region, in Hunsrück, Eifel- und Moselraum, finden sich Quellheiligtümer und Widmungen für Sirona alleine oder in Kombination mit Apollo-Grannus.

Rekonstruktion der Pilgerherberge

Rekonstruktion der Pilgerherberge

Der Tempel im Quellheiligtum war ein Umgangstempel, wie er typisch für den gallo-römischen Kulturraum ist (südlich der Alpen ist diese Form nicht üblich, es gibt ihn nur nördlich der Alpen bis hoch nach Britannien). Er trägt den speziellen keltischen Kultbedürfnissen Rechnung, indem die Gottheit in einer zentralen Cella verortet wird (dargestellt durch ein oft überlebensgroßes Standbild), die von Gläubigen nicht betreten wird. Um die Cella herum gibt es einen überdachten Säulengang (als offener Portikus) oder einen geschlossenen Umgang. In diesem wird von den Gläubigen die Cella umrundet oder umschritten, woher auch die Bezeichnung „Umgangstempel“ stammt.

Dieser Umgangstempel war nach römischem Geschmack weiß verputzt und wahrscheinlich mit dem örtlichen Schiefer gedeckt, wie die meisten Gebäude in dieser Region.

Das Quellheiligtum wurde im Jahr 1939 bei der Erschließung von Quellen für die örtliche Wasserversorgung entdeckt. Es lag in 645 Metern Höhe. Das Zentrum bildete der quadratische Umgangstempel, in dessen Cella sich eine gemauerte Vertiefung aus Sandstein- und Quarzitblöcken fand, aus der eine Quelle des hier fließenden Koppelbachs trat. Im Gegensatz zu sonstigen Umgangstempeln, war das Betreten der Cella hier nicht nur erlaubt, sondern sogar zum Schöpfen des Wassers erforderlich. Im Brunnen wurden zahlreiche Becherscherben und Scherben anderer Trinkgefäße gefunden.

Blick auf das Grabungsgelände, bevor es verschüttet wurde

Blick auf das Grabungsgelände, bevor es verschüttet wurde

Ab 1962 wurde die Stätte durch das Landesmuseum Trier archäologisch genauer untersucht. Hierbei kamen die wahren Dimensionen des Tempelkomplexes zum Vorschein: eine Pilgerstätte mit angeschlossenem Kur- und Heilbad. Durch die unmittelbare Nähe zum vicus Belginum geht man davon aus, daß dieses Heilbad als Kultstätte zum Ort gehörte.

Das große Badehaus verfügte über Kaltbad, Laubad, Heißbad, Fußwaschbecken, Ankleideräume, einen großen offenen Raum nach Südwesten, Heizräume und mehrere Räume für das Personal.

Für den Cultor interessant sind vor allem die Gottheiten, die in diesem Heilbad angerufen und verehrt wurden. Hauptgötter waren, wie bereits beschrieben, Sirona und Apollo-Grannus. Von beiden wurden sehr gut erhaltene, lebensgroße Statuen aus gelbem Sandstein im Tempel gefunden, deren Attribute eindeutig zuzuordnen sind (die Originale befinden sich heute im Landesmuseum Trier): Sirona trägt ihr Sterndiadem, ein langes Gewand, um ihren Arm schlägelt sich eine Schlange, deren Kopf in einer Schale in ihrer Hand endet, in der sich drei Eier befinden – eine typische Darstellung. Apollo-Grannus ist auf klassisch-römische Art als nackter Jüngling dargestellt, der sich auf eine Kithara stützt, das ihm zugeordnete Musikinstrument, und neben ihm liegt ein Greif. Ihre Namen sind zudem durch Weihealtäre und Inschriften belegt, die Pilger im Tempel hinterlassen haben.

Der Umgangstempel

Der Umgangstempel mit Außen-Altar

Ein Altar, der vom freigelassenen Sklaven Tiberius Claudius Reburrus gestiftet wurde, ist Apollo geweiht. Ein zweiter Altar enthält eine Weiheinschrift für Apollo-Grannus und „Sancta Sirona“.

Neben diesen beiden Hauptgottheiten wurden etwa 30 kleine Terrakotten als Opfergaben gefunden. Hierbei waren folgende zweifelsfrei bestimmbar (die anderen waren so bruchstückhaft, daß eine Zuordnung nicht vorgenommen werden konnte): Merkur, Apollo mit Kithara, Silvanus mit Hiebmesser an einem Baum, Minerva, Diana, Venus, Fortuna mit Füllhorn, mehrere sitzende Muttergottheiten oder Matronen mit auffälligem Kopfschmuck, die auf ihrem Schoß Tiere oder kleine Kinder halten.

Das Wasser schöpften die Pilger mit Glasflaschen oder Tongefäßen; zu den bemerkenswertesten Funden gehört die Unterseite einer Glasflasche, in die ein kleiner Merkur geprägt ist.

Vor dem Tempel stand ein Altar aus Sandstein, der – wie die anderen Steine des Tempels – aus dem in der Region anstehenden Sandstein der Tholeyer Schichten (Unterrotliegendes) stammt. Altäre standen immer außerhalb des Tempels vor der Cella, so daß jeder sie für seine Kulthandlungen nutzen konnte, denn Religion und damit verbundene kultische Handlungen waren in der römischen Kultur eine öffentliche Angelegenheit für jeden und wurden – von Mysterienkulten einmal abgesehen – nicht versteckt oder im Geheimen fernab der Augen anderer praktiziert – was im Übrigen auch der Grund dafür war, das die neuen Mysterienkulte vom römischen Staat und von den Vertretern der angestammten römischen Religion oft beargwöhnt wurden.

Rekonstruktionszeichnung des Quellheiligtums (aus: Cüppers, die Römer in Rheinland-Pfalz)

Rekonstruktionszeichnung des Quellheiligtums (aus: Cüppers, die Römer in Rheinland-Pfalz)

Die erste Fassung der Quelle wurde auf die erste Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. datiert, als auch die erste Herberge errichtet wurde. Weitere Umbauten und Erweiterungen der Anlage erfolgten im 2. Jahrhundert, hier unter anderem erwähnenswert die Erbauung des großen Heilbades. Auch an der in Fachwerktechnik gebauten Herberge wurden in dieser Zeit großangelegte Erweiterungen vorgenommen, an denen abzulesen ist, daß die Pilgerströme nicht mehr von die bisherigen Unterkünfte aufgenommen werden konnten. Die Wände der Herberge waren bemalt und es gab Holzfußböden. Auch bezeugten die Ausgrabungen verschiedene Qualitätsstufen der Gästezimmer – gefunden wurden einfache Sammelräume bis hin zu Luxuszimmern, so daß Pilger aller Gesellschaftsschichten entsprechend ihrem Stand und ihrem Geldbeutel übernachten konnten.

Die Blüte des Quellheiligtums von Hochscheid lag im 2. Jahrhundert n. Chr.. Im Laufe des 3. Jahrhunderts zeigten sich erste Verfallserscheinungen, die einerseits auf das harsche Klima im Hunsrück zurückzuführen sind – der 645 Meter hoch gelegene Tempel im Idarwald war im Winter oft durch Schnee von der Außenwelt abgeschnitten. Andererseits bedingt durch die ab dem 3. Jahrhundert einsetzenden Germaneneinfälle, als etwa die Alamannen die Region heimsuchten, was dazu führte, daß die Bevölkerung abwanderte. Es gab zahlreiche sicherere und besser zu erreichende Quellheiligtümer in der Region (zum Beispiel die Bäder von Aachen, Aquae Granni, oder die Thermalquellen von Bad Bentrich – Bentriacum). Auch das nahe Belginum wurde durch Germaneneinfälle gebeutelt. Nach dem 3. Jahrhundert geriet das Heiligtum in Vergessenheit und wurde offenbar nicht mehr aufgesucht.

Der Tempelkomplex verfiel, wurde aber nie von Germanen verwüstet, weil er wahrscheinlich zu abgelegen lag. Eine mutwillige Zerstörung der Anlage fand erst später statt, wahrscheinlich im Zuge der Christianisierung, indem Statuen zerstört und die Quelle verstopft und damit zum Überlaufen gebracht wurde. Das ganze Gebiet wurde überflutet, so daß sich über dem Tempel ein Hochmoor bildete. Diesem haben wir es allerdings zu verdanken, daß die Statuen bei ihrer Entdeckung in einem so guten Erhaltungszustand waren.

Heute ist vom Tempelkomplex nichts mehr zu sehen, da das ganze Gelände nach dem Abschluß der Grabungen und Untersuchungen wieder zugeschüttet wurde, um die Fundamente zu konservieren und vor Witterung zu schützen. Es gibt keine Beschilderung oder Beschriftung, so daß der Ort heute im Gelände nicht mehr erkennbar ist.

Auf den Spuren von Sirona und Apollo-Grannus rund um Hochscheid

Der Archäologiepark Belginum sollte die erste Station sein

Der Archäologiepark Belginum sollte die erste Station sein

Wer heute die Gegend des ehemaligen Quellheiligtums besucht, sollte mit der Reise im Archäologiepark Belginum beginnen. Hier gibt es gute Hintergrundinformationen zur Bedeutung der Region, die schon in keltischer Zeit ein wichtiger Verkehrsweg und Handelszentrum war. Ein Highlight ist hier das fast 800 Jahre lang kontinuierlich genutzte keltische und römische Gräberfeld vor Belginum, das mit seinen über 2500 Gräbern den Wandel der Bestattungsbräuche von der keltischen zur gallo-römischen Epoche zeigt. Insbesondere die alten keltischen Hügelgräber sind sehenswert.

Eine ausführliche Beschreibung des Archäologieparks Belginum mit praktischen Tipps zur Anreise findet Ihr in unserem Belginum-Artikel!

Nach einem Besuch von Belginum empfiehlt sich die Weiterfahrt zum 5 km entfernten Dorf Hochscheid. Hierzu muß man nur der Hunsrückhöhenstraße weiter folgen, Hochscheid ist der nächste Ort.

Hochscheid

Die Göttin Sirona auf dem Dorfplatz von Hochscheid

Die Göttin Sirona auf dem Dorfplatz von Hochscheid

In Hochscheid gibt es in der Ortsmitte eine lebensgroße, detaillierte Replik der im Quellheiligtum gefundenen Statue der Sirona. Sie steht an der Kreuzung der Hauptstraße mit der Römerstraße, in der Nähe der Bushaltestelle und schräg gegenüber der Gaststätte „Römerstube“ (ja, man pflegt sein römisches Erbe im Hunsrück 😉 ). Parken ist am Wegesrand möglich, hier ist nicht sonderlich viel Verkehr.

Die Statue steht in einem Holzunterstand, wo sie vor Regen geschützt ist. Darin hängt auch eine kleine Informationstafel, die leider sehr verwittert ist und eine Generalüberholung vertragen könnte. Sie ist eine verkleinerte Kopie der Informationstafel zum Quellheiligtum Hochscheid des Fernwanderwegs „Sirona-Weg“, die in der Umgebung aber noch mehrere Male zu finden ist.

Das Wappen von Hochscheid bezieht sich auf das Quellheiligtum: Kithara und Lorbeer des Apollo über dem Wasser der Quelle

Das Wappen von Hochscheid bezieht sich auf das Quellheiligtum: Kithara und Lorbeer des Apollo über dem Wasser der Quelle

Uns gefiel gut, daß die gepflegte und schön inszenierte Statue hier im Dorf offenbar Respekt genießt. Eine Pflanzschale mit frischen, leuchtenden Blumen steht neben der Göttin, so daß man sieht, daß das Dorf sein römisches Erbe pflegt. Das Wappen des Dorfes zeigt die Attribute des Apollo-Grannus, die Kithara und Lorbeer, darunter das Wasser der Quelle.

Nach dem Besuch der Sirona im Inneren des Ortes folgt man der Hauptstraße weiter nach Süden aus dem Ort hinaus, in Richtung Stipshausen. Die Straße schlägelt sich etwa 8 Kilometer durch den dichten Hunsrückwald.

Sirona-Hütte an der Landstraße nach Stipshausen

Hier, an der Landstraße, etwa auf halber Strecke zwischen beiden Dörfern, befindet sich die sogenannte „Sirona-Hütte„. Ab dem Ortsausgang Hochscheid sollte man seine Augen offenhalten und den Waldrand auf der linken Seite beobachten. Immer wieder zweigen Forstwege und Wanderwege ab, von denen man sich nicht beirren lassen darf. Es empfiehlt sich, nicht mit Vollgas über diese Straße zu brettern, da man das nächste Ziel auf der Reise sonst leicht übersieht, da es etwas versteckt liegt. Langsames Fahren ist aber auch kein Problem, wir waren die einzigen Autofahrer weit und breit auf dieser entlegenen Landstraße.

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Antike Stätten: Quellheiligtum mit Sauer- und Schwefelquelle bei Heckenmünster

Das Wasser des eisenhaltigen Sauerbrunnens ist wohlschmeckend

Das Wasser des eisenhaltigen Sauerbrunnens ist wohlschmeckend

Anschrift:

Das Quellheiligtum liegt mitten im Wald. Keine postalische Anschrift.

Angabe für das Navigationsgerät: Viktoriaweg, 54518 Heckenmünster

Anfahrt:

Das gallo-römische Quellheiligtum befindet sich auf einem Hügel im Meulenwald in der Vulkaneifel, 2,2 km vom Dorf Heckenmünster entfernt.

Wir empfehlen die Anreise nach Heckenmünster mit dem Auto, da das 120-Einwohner-Dorf in einem abgelegenen Tal im Meulenwald liegt und mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur umständlich zu erreichen ist.

Wer auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, kann mit der Bahn bis Bahnhof Sehlem fahren. Dieser wird von Regionalbahnen aus Wittlich, Koblenz, Trier, Luxembourg und Perl angefahren. Von dort aus fährt die Buslinie 212 nach Heckenmünster, diese Strecke wird allerdings nur einmal am Tag bedient, so daß man seinen Besuch zeitlich sehr gut planen muß.

Die Informationstafel an der Hauptstraße von Heckenmünster ist ein guter Ausgangspunkt

Die Informationstafel an der Hauptstraße von Heckenmünster ist ein guter Ausgangspunkt

Alternativ kann man direkt vom Bahnhof Sehlem zur Quelle wandern, die Entfernung beträgt ca. 4,5 km.

Eine andere Alternative ist es, von Wittlich Hauptbahnhof den Bus 325 nach Dierscheid zu nehmen; dieser verkehrt 6x täglich werktags und 2x samstags. Von Dierscheid aus führt der „Karl-Kaufmann-Weg“ zum Quellheiligtum. Die Entfernung beträgt etwa 2,7 km.

Wir beschreiben den Weg vom Ausgangspunkt Heckenmünster, von wo aus der Tempelbezirk über einen Wanderweg (Quellenweg) erwandert werden kann. Hierbei gibt es zwei Möglichkeiten:

Ausgangspunkt sollte jeweils die „Straßen der Römer“-Informationstafel an der Hauptstraße des Dorfes („Am Bendersbach“) sein. Dort befindet sich ein 2006 errichteter, auffälliger Brunnen und eine Tafel, die über die Hintergründe des Quellenlandes rund um Heckenmünster informiert und den 7,5 km langen Rundwanderweg „Quellenweg“ zum römischen Quellheiligtum beschreibt.

Der Wanderparkplatz befindet sich im Wald auf dem Berg, etwa 1 km von der Quelle entfernt

Der Wanderparkplatz befindet sich im Wald auf dem Berg, etwa 1 km von der Quelle entfernt

Steht man vor dem Brunnen, so befindet sich etwa 100 Meter links davon ein gut beschrifteter Aufstieg für Wanderer mit dem Wegweiser „Viktoriaquelle 2,2 km“. Der Weg ist durchgängig gut mit modernen Wegweisern ausgeschildet, die an jeder Abzweigung zu finden sind und (wie bei Eifelsteig, Ahrsteig oder Traumpfaden) immer auch die Entfernung in Kilometern angeben.

Wer es nicht ganz so sportlich mag oder weniger Zeit hat, sollte vom Brunnen aus nach rechts der Straße folgen. Nach einigen hundert Metern zweigt scharf links die Viktoriastraße ab, die direkt in den Wald führt. Der schmale Waldweg ist zwar mit einem „Durchfahrt verboten, Anlieger frei“-Schild gekennzeichnet, ist aber durchweg asphaltiert und kann mit einem normalen PKW befahren werden. Man folgt der Straße den Berg hinauf (hierbei auf Wanderer und Spaziergänger achten, die im Meulenwald unterwegs sind), bis man nach einer Weile einen mit einem blauen P-Schild gekennzeichneten Wanderparkplatz erreicht. Hier kann man das Auto abstellen. Ein moderner Wegweiser weist hier in den Wald hinein zur „Viktoriaquelle 1 km“. Auch markieren weiße „Q“-Schilder an den Bäumen den Rundwanderweg, so daß die Quelle nicht zu verfehlen ist.

Die Quelle ist gut ausgeschildert

Die Quelle ist gut ausgeschildert

Vom Parkplatz aus muß zu Fuß gegangen werden. Der Waldweg ist jedoch nicht sonderlich anspruchsvoll, es gibt keine Steigungen oder starkes Gefälle und der Weg ist breit und gut begehbar. Festes Schuhwerk wird empfohlen, jedoch ist keine spezielle Wanderausrüstung erforderlich.

Der Weg führt nach wenigen Metern an einer Schutzhütte vorbei und schlängelt sich von dort auf einen breiten Hauptwanderweg. Auf diesem Teilstück ist im Sommer, vor allem nach ausgiebigem Regen, ein intensives Fliegenaufkommen zu bemerken, die den Wanderer dicht umschwirren, so daß wir empfehlen, sich zum Wedeln einen Zweig oder ähnliches mitzunehmen, da die Fliegen nach einigen hundert Metern penetrant werden können.

Die „Viktoriaquelle“, der eisenhaltige Sauerbrunnen des römischen Quellheiligtums, liegt auf der rechten Seite und ist durch seine Schutzhütte sowie den Schutzbau des Brunnens gut zu erkennen.

Um zur ebenfalls zum Tempelkomplex gehörenden Schwefelquelle zu gelangen, folgt man dem Hauptweg weiter bis zur nächsten Kreuzung, wo ein Holzschild „Schwefelquelle“ nach rechts zeigt. Der Fußweg dauert nur wenige Minuten, der Brunnen liegt auf der linken Seite und ist, je nach Wetterlage, schon aus einiger Entfernung zu riechen. Auch wird von toten Tieren berichtet, die gelegentlich in seinem Umfeld liegen, da die Schwefelgase auch aus dem Waldboden um die Quelle herum austreten.

Hintergrundinformationen:

Die „Viktoriaquelle“ (deren Name erst 100 Jahre alt ist und nichts mit der römischen Göttin Victoria zu tun hat) und die Schwefelquelle „Wallenborn“ liegen auf dem Gelände eines großen gallo-römischen Quellheiligtums.

Das Wasser des Sauerbrunnens kann direkt mit der Hand geschöpft oder in eine Flasche abgefüllt werden

Das Wasser des Sauerbrunnens kann direkt mit der Hand geschöpft oder in eine Flasche abgefüllt werden

Das Quellheiligtum wurde bereits in vorrömischer Zeit von den einheimischen Kelten (in diesem Gebiet der gallische Stamm der Treverer) genutzt und in römischer Zeit zu einer großen Pilgerstätte ausgebaut. Die Quellen waren auffällig, weil immer wieder tote Tiere im Wald gefunden wurden und Schwefelgeruch in der Luft lag.

Es handelt es sich bei beiden Quellen um Mofetten, bei denen durch eine darunterliegende Magmakammer CO2-Gase an die Oberfläche treten und in den Brunnen ein intensives, weithin hörbares Blubbern und sichtbares Blasenschlagen verursachen.

Der Quellreichtum der Gegend, in der es noch einige weitere Quellen gibt, ist darin begründet, daß sie sich auf einer geologischen Verwerfung oder Bruchkante in der Wittlicher Senke befindet, so daß hier das Gestein um 900 Meter abgeschoben wurde. Dadurch kann die im Untergrund liegende Magmenkammer unter der Vulkaneifel Kohlendioxid durch Gesteinsklüfte an die Oberfläche steigen lassen, wo das Gas auf das Grundwasser trifft und die typischen, blubbernden Mofetten bildet. Heute werden die Quellen unter anderem von der Universität Potsdam regelmäßig untersucht, um daraus Rückschlüsse auf die immer noch vorhandene Vulkanaktivität der Vulkaneifel zu ziehen.

Der Tempelkomplex war 78 x 36 Meter groß und mit einer Mauer umfasst. Die Viktoriaquelle, ein gut schmeckender Sauerbrunnen, befand sich im Zentrum der Anlage, während die Schwefelquelle in ein Nebengebäude eingebettet wurde. Es gab drei Tempel, wobei es sich bei zweien um typisch gallo-römische Umgangstempel handelte. Der dritte Tempel war ein offener Achteckbau in der Nähe der Schwefelquelle, eine Bauform, die nördlich der Alpen selten vorkommt.

Den Tempeln vorgelagert waren zwei 30 x 20 und 30 x 5 Meter große Herbergen und Pilgerunterkünfte. Außerdem gab es hier, wie auch beim Sirona- und Apollo-Grannus-Quellheiligtum bei Hochscheid im Hunsrück, ein halbkreisförmiges Kulttheater mit Bühnenhaus.

Die Mofette blubbert und stößt CO2-Gas aus

Die Mofette blubbert und stößt CO2-Gas aus

Daß die Quellen nicht nur der Trinkkur dienten, sondern hier auch Heilbäder durchgeführt wurden, zeigen die großen, mit Hypokausten beheizbaren Becken, die auf dem Gelände gefunden wurden. Hier gab es ebenfalls, wie man es auch vom Lenus-Mars-Heiligtum auf dem Martberg kennt, ein langgezogenes Gebäude mit einem Wandelgang.

Die gut ausgebaute, 2,75m breite Straße zwischen den Pilgerherbergen und den Quellen im Inneren des Tempels ist vollständig erhalten und legt die Vermutung nahe, daß Kranke hier liegend bis zur Quelle oder zum Bad transportiert werden konnten.

Der Sauerbrunnen war in ein offenes, auf Säulen stehenden Gebäude aus einheimischem Buntsandstein eingefasst, dessen Dach mit Schieferplatten gedeckt war.

Der römische Tempelkomplex war vom 1. bis zur zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts n. Chr. ein bedeutsames Quellheiligtum, was anhand von Münzfunden eindeutig nachgewiesen werden konnte. Die römischen Gebäude sind durch dendrochonologische Untersuchungen einer hölzernen Wasserrinne auf das Errichtungsjahr 129 n. Chr. datiert.

Es wird angenommen, daß vor allem Bewohner des Eifel- und Moselraumes hierher pilgerten, die aus romanisierten Treverern und zugereisten Römern bestanden. Die Reisezeit aus dem nahegelegenen Trier – Augusta Treverorum, zweitgrößte Stadt des Römischen Reichs -, dauerte einen Tag.

Zu den Funden gehörten neben Scherben und Terrakotta-Figuren einer weiblichen Gottheit auch mehrere unbearbeitete Bergkristalle.

Welchen Gottheiten dieses Quellheiligtum genau geweiht war, ist nicht bekannt, da – anders als in Hochscheid – keine Statuen, Standbilder oder Weiheinschriften gefunden wurden, die einen Namen nennen oder anhand ihrer Attribute eindeutig zuzuordnen sind. Daß es sich bei den hier verehrten Quellgöttern um die von den Treverern hauptsächlich in Quellheiligtümern verehrten Sirona und Grannus handelte, ist möglich, da es sich bei diesem Götterpaar – neben Lenus-Mars – um die wichtigsten Heilgötter handelte und sie stets in Verbindung mit Quellen und Bädern erscheinen, aber es ist nicht archäologisch belegbar und bleibt deshalb spekulativ, auch wenn eine gewisse Wahrscheinlichkeit gegeben ist.

Auch in der Schwefelquelle blubbert das Gas

Auch in der Schwefelquelle blubbert das Gas

Archäologische Belege für eine keltische Nutzung dieser Quellen in vorrömischer Zeit wurden nicht gefunden, eine solche Nutzung wird jedoch in der Forschung wegen des ungewöhnlichen Ortes für wahrscheinlich gehalten, zumal einheimische Kelten den Ort auch nach der Errichtung der römischen Gebäude weiter nutzten.

Das Heiligtum wurde im Rahmen der Germaneneinfälle um 275 n. Chr. aufgegeben. Nach Zerstörungen wurde der Komplex nicht mehr aufgebaut und die Nutzung des Ortes als Heilbad nicht fortgesetzt, auch, weil die Bevölkerung in diesem unruhigen Gebiet danach stark zurückging. Wahrscheinlich liefen „sicherere“ Bäder und luxuriöse Kurbetriebe der Spätantike, wie Aachen (Aquae Granni), Hochscheid oder die heißen Quellen von Bad Bertrich (Bertriacum), diesem weiter östlich gelegenen Heiligtum mit der Zeit den Rang ab.

Der Ort wurde jedoch auch nach dieser Zeit bis Mitte des 4. Jahrhunderts von einzelnen Besuchern und Pilgern aufgesucht, was unter anderem durch Münzfunde aus der Zeit Konstantins des Großen, nachgewiesen wurde.

Die Schwefelquelle wurde urkundlich erstmalig 1415 als „Wallenburren“ erwähnt: „Item eyn velt by dem Wallenburren uff deme reine gelegen“.

Das Wasser wurde auch in der Neuzeit und wird bis heute von Einheimischen genutzt. Die Quellen gelten in der Volksüberlieferung als heilsam gegen Hautkrankheiten, Kinderkrankheiten und Magenbeschwerden und dienen auch zur Behandlung von krankem Vieh und bei Wurmbefall. Ein bekanntes einheimisches Rezept beinhaltet die Verwendung des kohlensäurehaltigen Wassers zur Herstellung von besonders luftigen Buchweizenpfannkuchen, den sogenannten „Heddelichkuchen“.

Die ersten Ausgrabungen an der Quelle fanden im 1887 durch das Museum Trier statt, wobei römische Mauerreste zum Vorschein kamen. Durch die Nähe der bereits bekannten Quellen wurde schon damals ein römisches Quellheiligtum vermutet.

Die Schwefelquelle ist mit einem Gitter bedeckt

Die Schwefelquelle ist mit einem Gitter bedeckt

Das Wasser des schmackhaften, kohlensäurereichen Sauerbrunnens wurde von 1880 bis Anfang des 20. Jahrhunderts in Steinflaschen abgefüllt und als „Viktoriaquelle Hetzerath“ verkauft. Das Wasser, von dem jährlich 50.000 Flaschen abgefüllt wurden, wurde bis in die USA exportiert. Die kommerzielle Wassergewinnung wurde aufgrund von Mißwirtschaft des Unternehmens jedoch eingestellt.

Im Jahr 1966 wurde die Stätte im Rahmen von großangelegten Rodungsarbeiten im umgebenden Wald erstmalig archäologisch untersucht und aufgenommen. Die Grabungen wurden vom Landesmuseum Trier unter der Leitung von Dr. Wolfgang Binsfeld durchgeführt. In Trier befindet sich heute auch ein Modell mit einer Rekonstruktion des Tempelkomplexes.

Um die Stätte zu konservieren, wurde der Tempelkomplex nach Abschluß der Grabungen wieder zugeschüttet.

Wie auf der Infotafel an der Viktoriaquelle zu lesen ist, plante die Gemeinde, den Tempelkomplex im Jahr 2008 wieder freizulegen und die Grundmauern aufzumauern, um das Heiligtum der Öffentlichkeit nahezubringen und als touristische Attraktion in das beliebte Feriengebiet in der Vulkaneifel zu integrieren. Dazu sollte auch ein mit Informationstafeln versehener Quellenrundweg errichtet werden. Die Genehmigungen hierfür waren bereits erteilt und die Gelder – 75.000 Euro – durch Finanzierungszusagen der Verbandsgemeinde Wittlich-Land gesichert. Dieses Projekt scheiterte jedoch daran, daß sich die Tempelanlage nicht auf öffentlichem Grund befindet, sondern der Wald in privater Hand eines Unternehmers aus Idar-Oberstein ist. Dieser verlangte – als Entschädigung für vermutete Jagdausfälle durch die angezogenen Besucher – eine jährliche vierstellige Entschädigungszahlung, einen Betrag, den die Gemeinde nicht aufbringen konnte.

Vom Sauerbrunnen ist es nicht weit zur Schwefelquelle

Vom Sauerbrunnen ist es nicht weit zur Schwefelquelle

Bis heute befindet sich das Quellheiligtum deswegen begraben im Wald zwischen den beiden Quellen; lediglich die Quellen, die in Schutzbauten bzw. Brunnen aufgemauert sind, sind für die Öffentlichkeit zugänglich.

Weiterführende Informationen:

Beschreibung:

Nach der 1 km langen Wanderung erreicht man zuerst die Viktoriaquelle, den Sauerbrunnen. Schon aus einiger Entfernung hört man ein lautes Blubbern.

Der Sauerbrunnen befindet sich auf einem kleinen Platz neben einer hölzernen Schutzhütte, einer Infotafel und einer Holzbank mit Tisch, die Wanderer zum Verweilen einlädt.

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Antike Stätten: Jupitersäule an der Saalburg

Die Jupitersäule ist ein beeindruckender Anblick!

Die Jupitersäule ist ein beeindruckender Anblick!

Anschrift:

An der Jupitersäule, 61350 Bad Homburg vor der Höhe

Anfahrt:

Die Jupitersäule liegt in einem kleinen parkartigen Gelände am Rundwanderweg Saalburg als Teil des Limeserlebnispfads Hochtaunus. Sie ist etwa 300 Meter vom Römerkastell Saalburg entfernt.

Das Gelände rund um die Saalburg gehört zu Bad Homburg vor der Höhe und liegt im Hochtaunus. Durch Eingabe der Anschrift ist es mit dem Auto gut zu finden.

Parkmöglichkeiten sind an der Saalburg immer etwas eingeschränkt, da es dort oft sehr voll ist. Unmittelbar am Weg zur Jupitersäule liegt ein Landgasthof, der gut besucht ist und ebenfalls für hohes Parkaufkommen sorgt, ebenso wie die vielen Wander- und Radwege, die stark frequentiert sind. Da man den Besuch der Jupitersäule aber ohnehin immer mit einem Besuch der Saalburg und des davor liegenden Mithräums verbinden wird, kann man auch auf den Parkplätzen der Saalburg oder entlang der Zufahrtsstraße parken. Bei Veranstaltungen wird einem hier bisweilen ein Parkplatz (gebührenfrei) durch Ordner zugewiesen.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist dieser Ort ebenfalls gut erreichbar, es verkehren regelmäßig Linienbusse zwischen Bad Homburg, dem nahegelegenen Hessenpark und der Saalburg.

Ansonsten kann man sich das Gebiet auch gut über diverse Taunus-Wanderwege in der reizvollen Landschaft des schwer zugänglichen Hochtaunus erwandern. Dabei erhält man gleich einen guten Eindruck davon, wie ungastlich ein Leben am Limes in dieser Region gewesen sein mag.

Hintergrundinformationen:

Die Säule befindet sich direkt am Limeserlebnispfad Hochtaunus

Die Säule befindet sich direkt am Limeserlebnispfad Hochtaunus

Die Jupitersäule ist keine „echte“ antike Stätte, wir halten sie aber trotzdem für relevant genug, um von uns in dieser Kategorie aufgeführt zu werden.

Tatsächlich wurde die Jupitersäule erst Anfang des 20. Jahrhunderts im Rahmen der Rekonstruktion des Kastells Saalburg durch Kaiser Wilhelm II als weitere „Attraktion“ zusammen mit dem Mithräum im Umfeld der Saalburg errichtet.

Nichtsdestotrotz handelt es sich dabei um kein Phantasiegebilde aus der Kaiserzeit, sondern um eine archäologisch interessante Rekonstruktion – und zudem um eine sehr beeindruckende dazu -, die einen guten Eindruck davon vermittelt, wie die zur römischen Zeit in den germanischen und gallischen Provinzen verbreiteten Jupitersäulen gewirkt haben müssen, die typisch für diese Regionen waren.

Bei der Jupitersäule handelt es sich um eine Replik einer originalen Jupitersäule aus Mainz, dem antiken Mogontiacum, die heute im Landesmuseum Mainz ausgestellt ist und in Nachbildung vor dem Landtag von Rheinland-Pfalz steht. Weitere Kopien dieser Säule stehen in Paris und Rom.

Zum Zeitpunkt der Entdeckung der Kalksteinsäule in Mainz war diese vollkommen zerstört und wurde in mühevoller Kleinarbeit aus über 2000 Einzelteilen wieder zusammengesetzt.

Der überlebensgroße Gott Jupiter Optimus Maximus schleudert Blitze

Der überlebensgroße Gott Jupiter Optimus Maximus schleudert Blitze

Die Besonderheit der Kopie an der Saalburg ist, daß es sich nicht nur um eine reine Replik der Säule aus Mainz handelt, sondern daß diese auch noch ergänzt und an den Stellen vervollständigt wurde, für die es in Mainz keine Überlieferungen gibt. Es handelt sich auch nicht, wie sonst üblich, um einen Abguss des Originals, sondern die Säule wurde von einem Bildhauer aus Kalkstein nachgefertigt.

Die Höhe der Säule beträgt 12,50 Meter. Auf ihrer Spitze thront eine überlebensgroße, stehende, komplett vergoldete Figur des Gottes Jupiter. Von dieser Statue wurden in Mainz nur wenige Bruchstücke gefunden, wie der linke Fuß, ein Finger, ein Blitz, eine Adlerklaue und ein kleines Stück des Körpers. Wahrscheinlich wurde die vergoldete Bronzestatue nach der gewaltsamen Zerstörung der Jupitersäule in Mainz eingeschmolzen. Deswegen hat man sich bei der Rekonstruktion der Gottesstatue an der Saalburg auf besser erhaltene Statuen von diversen Fundorten bezogen, um ein stimmiges und authentisches Bildnis zu erschaffen.

Zu römischer Zeit war die komplette Säule, die zahlreiche Götterdarstellungen zeigt, bunt bemalt. Dies wurde bei der Rekonstruktion nicht nachvollzogen, so daß die Säule selbst die Farbe des Kalksteins hat, aus dem sie besteht.

Eine Inschriftentafel im unteren Bereich der Säule besagt, daß die Mainzer Bürger diese Säule dem obersten Gott Jupiter Optimus Maximus zum Wohle des Kaisers Nero geweiht haben. Damit ist das Original etwa um das Jahr 59 n. Chr. datierbar, in dem Nero nur knapp einer Verschwörung entkommen war. Da Nero nach seinem Selbstmord im Jahre 68 unter die reichsweite Damnatio memoriae fiel, wurden alle Inschriftenteile, die sich auf ihn beziehen, unkenntlich gemacht. Sie sind aber nach wie vor entzifferbar.

Vor der Jupiterstatue wurde ein Weihealtar errichtet, der in Mainz zusammen mit der Säule gefunden wurde. Auch er trägt eine Inschrift, die den gleichen Inhalt hat wie die Inschrift der Jupitersäule. An den Seiten des Altars sind Gegenstände abgebildet, die für Opferhandlungen verwendet wurden.

Beschreibung:

Zu römischer Zeit waren Säulen bunt bemalt. Hier eine Skizze, die Anfang des 20. Jahrhunderts angefertigt wurde

Zu römischer Zeit waren Säulen bunt bemalt. Hier eine Skizze, die Anfang des 20. Jahrhunderts angefertigt wurde

Die 12,50 Meter hohe Jupitersäule, auf die ein gerader Fußweg zuführt, wirkt schon aus der Ferne beeindruckend, insbesondere durch die überlebensgroße vergoldete Jupiterstatue auf ihrer Spitze. Die Statue steht auf einem erhöhten Podest, davor befindet sich der Weihealtar. Umrahmt wird diese Anordnung von geschnittenen Hecken, die wie ein Zaun wirken, so daß der Bereich nur von vorne betreten werden kann.

Die Säule ist in einem guten Zustand und die Reliefs sind deutlich erkennbar.

Auf dem Sockelstein der Säule sind folgende Götter abgebildet: Hercules, Fortuna und Minerva, Jupiter, Merkur und ein nicht identifizierter Gott, möglicherweise Salus.

Darüber befindet sich ein Sockelstein mit der erwähnten Inschrift, sowie Abbildungen von Apollo und den Dioskuren Castor und Pollux. Alle Reliefs sind reich verziert.

Auch die darüberliegenden runden Säulentrommeln tragen Götterdarstellungen, es finden sich Mars, Victoria, Neptun und Diana, gefolgt von Vulcanus und Ceres (?), Roma (?) und Virtus (?). Die mit Fragezeichen gekennzeichneten Gottheiten sind nicht mit letzter Sicherheit identifiziert, aber ihre Zuordnung ist wahrscheinlich.

Die nächste Säule zeigt Vesta (?), Pax (?), Aequitas (?) und eine unbekannte Göttin.

Darüber finden sich zwei Laren, Bacchus und der Genius des Kaisers Nero (?). Auf der obersten Säulentrommel befinden sich Juno, Luna als Lenkerin einer Biga und Sol als Lenker einer Quadriga.

Herkules befindet sich auf dem Viergötterstein, der als Sockel der Säule dient

Herkules befindet sich auf dem Viergötterstein, der als Sockel der Säule dient

Auf dem korinthischen Kapitell mit Akanthusblättern schließlich steht Jupiter, der ein Blitzbündel schleudert.

Anders als in vielen Darstellungen der im gallo-römischen Raum verbreiteten Jupitergigantensäulen, handelt es sich hier um die klassische Darstellung auf einem Viergötterstein als Sockel, während sich bei vielen anderen dieser Säulen die gallo-römisch geprägte Darstellung des Jupiter im Zweikampf mit einer giganischen Schlange findet (gute Beispiele sind unter anderem im Gallo-Romeins Museum in Tongeren zu besichtigen). Bei diesem Untertypus der Jupitersäulen ist die Säule selbst geschuppt und nicht mit Götterbildern versehen. Beide Formen sind jedoch typisch für den gallo-römischen Raum nördlich der Alpen, wo sie sich jahrhundertelang großer Beliebtheit und Verbreitung erfreuten.

Da an der Jupitersäule mehrere Wander- und Radwege vorbeiführen, die stark frequentiert sind, leidet der Ort – wie so viele historische Bauten – unter dem in unserer Zeit so verbreiteten Kulturbanausentum. So befindet sich auf der Frontseite des Weihealtars leider ein neongrünes Graffiti und bei unserem letzten Besuch lag hinter dem Altar Abfall mit Essensresten und benutztem Einweggeschirr aus Plastik, wahrscheinlich, da die Treppen zur Säule zur Rast einladen.

Dafür kann natürlich die Säule nichts; sie ist auf jeden Fall ein beeindruckender Anblick und läßt den Besucher gut nachvollziehen, wie sich ein Einheimischer in den Provinzen fühlte, wenn er dem höchsten römischen Gott in Form einer solchen Präsentation gegenüberstand.

Neben der Säule befindet sich eine Informationstafel aus wilhelminischer Zeit, deren Inhalt den damaligen Forschungsstand wiedergibt. Zur Ergänzung steht am Wegrand eine moderne Informationstafel des Limeserlebnispfads Hochtaunus, die anschaulich (und mit englischer und französischer Zusammenfassung) über die Jupitersäule informiert.

Eintrittspreise, Öffnungszeiten, Zugänglichkeit

Am Wegrand befindet sich eine Infotafel

Am Wegrand befindet sich eine Infotafel

Der Ort ist jederzeit frei zugänglich. Eintritt wird nicht erhoben.

Im Frühjahr und Sommer während der Saison herrscht dort reger Wander- und Radfahrerbetrieb, der auch durch den nahegelegenen Landgasthof und die Saalburg begünstigt wird. Im Herbst und Winter hat man in dieser entlegenen Region im Hochtaunus seine Ruhe.

Sonstiges

Fotografieren ist natürlich uneingeschränkt möglich.

Auch wenn es sich um keine „originale“ antike Stätte handelt (wobei nicht auszuschließen ist, daß es auf dem Gelände der Saalburg oder im angrenzenden zivilen vicus, dessen Mauerreste und Spuren überall rund um die Saalburg zu finden sind, eine Jupitersäule gab, da diese sehr weit verbreitet waren), ist dieser Ort mit solcher Sorgfalt und Blick fürs Detail rekonstruiert, daß er heute problemlos als „Kultort“ für Jupiter Optimus Maximus genutzt werden kann. Die Darstellung des Jupiter ist respektvoll und ehrfurchtgebietend, so daß der höchste römische Gott diesem Ort sicherlich mit Wohlgefallen gegenübersteht. Außerdem war es zu römischer Zeit vollkommen üblich, diese Jupitersäulen an zahlreichen Orten aufzustellen, insbesondere an zivilen Orten wie vor Landgütern, in den Höfen von Villen und in den Städten und Ortschaften. Damit folgt man hier an der Saalburg einer guten alten römischen Tradition, wie sie jahrhundertelang in unseren Nordprovinzen üblich war. Und damit ist dieser Ort in unseren Augen „gültig“ als ein Weiheort für Jupiter, je öfter Cultores dort opfern, desto stärker wird das Numen des Gottes werden 🙂

Saalburg

Das Kastell Saalburg liegt nur 300 Meter entfernt

Ein Besuch dieser Säule sollte natürlich unbedingt mit einem Besuch des nahen Römerkastells Saalburg, dem zivilen Vicus und dem Mithräum kombiniert werden, die zu den wichtigsten römischen Sehenswürdigkeit am UNESCO-Welterbe Limes zählen.