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Götterlexikon: Epona

Herkunft, Bezeichnungen

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Epona aus Belginum / Hunsrück

Epona ist eine gallo-römische Göttin, die – als einzige Göttin keltischer Herkunft – weite Verbreitung im römischen Reich erfuhr und sich auch über die Grenzen des keltischen Raumes hinaus bis nach Rom großer Beliebtheit erfreute, wo sie sogar Teil des Staatskultes wurde.

Epona ist in zahlreichen Bild- und Textquellen belegt, unter anderem aus 60 Weiheinschriften sowie Reliefs, Weihealtären und figürlichen Darstellungen, die aus ganz Westeuropa stammen, vor allem aus Frankreich, entlang der Mosel, West- und Süddeutschland, Spanien, Großbritannien, dem Donaubecken, Norditalien, Rom und dem Alpenraum. Auffällig hierbei ist eine besonders hohe Dichte an Funden entlang der befestigten Grenzen des Reichs, wie dem Limes, entlang des Rheins, der Donau und in Nord-Britannien.

Lediglich in zwei Regionen des Römischen Reiches scheint sie nicht verbreitet gewesen zu sein: In Nordafrika, wo man bislang nur eine Darstellung von ihr gefunden hat, sowie dem Nahen Osten, wo sie gar nicht auftaucht.

Ihre Verehrung scheint sich zudem auf das Gebiet des Römischen Reichs zu beschränken; jenseits des Limes im freien Germanien, aus dem Raum zwischen Rhein und Elbe, sind keine Darstellungen oder Inschriften von Epona bekannt.

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Figürliche Darstellung der Epona, zu bewundern im Rheinischen Landesmuseum Bonn

Ihr Name ist gallischer Herkunft und kann etymologisch aus dem gallischen Wort „epos“ für Pferd hergeleitet werden, das wiederum auf die proto-Indo-Europäische Wurzel *ék̂u̯os zurückgeführt wird. Aus dieser Wurzel stammen auch andere Worte für Pferd, wie das lateinische Equus, das altirische Ech oder das litauische Esva. Durch die weibliche Endung -a und den Namensbestandteil -on wird ihr Name verschiedentlich als „große Stute„, „göttliche Stute“ oder „die, die wie eine Stute ist“ oder „große Reiterin“ gedeutet.

Trotz dieser Herleitung und ihrer überwiegenden Verbreitung im gallischen Raum gibt es keine Erwähnungen ihres Namens aus vor-römischer Zeit. Es gibt auch keine Inschriften auf Gallisch, sämtliche Inschriften sind auf Latein oder (seltener) Griechisch. Sie stammen zudem nicht nur von Personen keltischer Herkunft, sondern von Stiftern aus verschiedensten Teilen des Reiches, wie Germanen, Römern und sogar – wie bei einem Fund aus Mainz – einem Syrer.

Zwar ist die Möglichkeit gegeben, dass diese Göttin bereits vor der römischen Eroberung Galliens (im Jahre 52 v. Chr. durch Julius Caesar) von einheimischen keltischen Völkern verehrt wurde, es gibt jedoch bislang keine Quellen oder Belege dafür.

Tatsächlich stammen die frühesten Funde aus dem ersten Jahrhundert n. Chr., eine auffällige, fast explosionsartige Häufung beginnt aber erst mit dem zweiten Jahrhundert n. Chr., so dass man davon ausgehen muß, dass sich der spezifisch gallo-römische Kult um Epona erst um diese Zeit zu entwickeln und im Reich zu verbreiten begann. Mitte des zweiten Jahrhunderts, etwa ab dem Jahr 130 n. Chr. häufen sich auch die Inschriften aus Rom.

Der früheste absolut sicher datierbare Bildbeleg ist ein Wandgemälde in Pompeji, da wir von dort wissen, dass er nicht älter sein kann als 79 n. Chr.

Die erste zweifelsfreie namentliche Inschrift, in der Eponas Name genannt wird, stammt aus einem Tempel in Entrains-sur-Nohain, Frankreich aus dem frühen zweiten Jahrhundert. Sie lautet:

Augusto sacrum deae / Eponae / Connonius Icotasgi fil(ius) / templum cum suis orna/mentis omnibus de suo donavit l(ibens) m(erito) (CIL 13, 02902)

Der erhabenen Göttin Epona gibt Connonius, Sohn von Icotasgus, diesen Tempel mit all seinen Verzierungen und auf eigene Kosten.

Am gleichen Ort findet sich auch eine zweite Widmung an Epona (CIL 13, 2903), was ihre zentrale Bedeutung für diesen Tempel hervorhebt.

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Epona im Landesmuseum Trier

Literarische Belege tauchen ab der hadrianischen Zeit auf (die Regierungszeit von Kaiser Hadrian war 117-138 n. Chr.).

Interessanterweise geht die Verbreitung Eponas nicht von Gallien aus, sondern die Funde sind in den frühen Jahren weit verbreitet überall im Reich zu finden, von Italien bis Britannien, von Rumänien bis Frankreich, während sie sich erst später auf den Raum Gallien und Germanien konzentrieren und dort gehäuft auftreten.

Wieso es bislang keine gesicherten Belege zwischen der Eroberung Galliens im Jahr 52 v. Chr. und der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. gibt, ist nicht eindeutig erklärt und schwierig mit der Hypothese zu vereinbaren, dass Epona eine Göttin ist, die aus vor-römischer Zeit stammt, denn dann dürfte es diese auffällige 100-jährige Überlieferungslücke eigentlich nicht geben.

Ihr relativ spätes Auftauchen ab der Mitte des ersten Jahrhunderts stützt jedoch die gegenläufige These, dass Epona und ihr Kult erst später durch Verschmelzung lokaler keltischer und römischer Götter entstand und sie keine keltische Vorläuferin hat, die 1:1 von den Römern übernommen wurde (vgl. Zeittafel aller bekannten Inschriften und Darstellungen von Epona, oder Auflistung von M. Euskirchen in ihrer Dissertation “Epona”. Bericht der Römisch-Germanischen Kommission Deutsches Archäologisches Institut., 74: 607-838., 1993).

Wir erlauben uns an dieser Stelle kein Urteil und lassen deshalb die Herkunft der Göttin Epona offen – ob sie nun bereits zu vorrömischer Zeit von den einheimischen Galliern in unserer Region verehrt wurde oder ob sich ihre Vorstellung erst in gallo-römischer Zeit entwickelt hat, ist für den Praktizierenden des Gallo-Römischen Kultes unerheblich.

Wie bei den anderen keltischen Göttinnen, die von den Römern übernommen wurden, wurde ihr Name auch nicht um ein Epitheton erweitert, sondern sie wurde – wie z.B. Rosmerta oder Sirona – unter ihrem gallischen Namen verehrt. Dies ist anders bei männlichen Göttern keltischer Herkunft, die im Rahmen der Interpretatio Romana fast immer einen römischen Namenszusatz erhielten, wie Apollo-Grannus, Mars-Intarabus oder Lenus-Mars (der wiederum die Besonderheit aufweist, daß der keltische Name vor dem römischen genannt wird).

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Epona aus dem Tempel in Tawern, wo sie in einem 9 Meter tiefen Brunnenschacht gefunden wurde

Im Gegensatz zu vielen anderen keltischen Göttinnen wurde Epona auch nicht mit einem männlichen Gott verpartnert, sondern blieb alleine. Gelegentlich wurde sie zusammen mit Herkules angerufen, der ebenfalls unter anderem für Schutz auf Reisen zuständig war.

Dafür wird sie oft mit Beinamen gekennzeichnet, aus der ihre große Bedeutung und Wertschätzung hervorgeht, wie Epona Regina (Königin Epona) oder – bei Anrufungen im Rahmen des Staatskultes – als Epona Augusta. Andere Beinamen waren Epona Dea (die Göttliche) und Epona Sancta (die Heilige).

In den meisten Inschriften wird sie „Epona“ genannt, daneben gibt es auch einige abweichende Inschriften, in denen sie „Epana“ oder „Epane“ geschrieben wird, zum Beispiel bei Funden im Norden Spaniens. Inwieweit es sich dabei um eine lokale Variante, künstlerische Freiheit oder Unwissenheit des Steinmetzes handelt, ist unklar.

Ikonographie

Das Aussehen der Göttin Epona ist durch zahlreiche archäologische Funde sehr gut belegt.

Neben Votivreliefs und Reliefs auf Altären taucht Epona auch in figürlicher Darstellung in Form von Statuetten und in Wandmalereien auf.

Es existierten mehrere typische Darstellungsformen (klassifiziert nach W. Schleiermacher):

  • Epona, seitlich auf einem Pferd sitzend („gallischer Typus“)
  • Epona, mittig auf einem Stuhl oder Thron sitzend und auf beiden Seiten flankiert von einem oder mehreren Pferden (der „Imperiale Typus“ genannt)
  • Epona in einer Kutsche, die von mehreren Pferden gezogen wird

Seitlicher Sitz auf dem Pferd („Gallischer Typus“)

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Epona im „gallischen Typus“ (Archäologisches Museum Arlon)

Diese Darstellungsform ist die häufigste Form in Gallien. Epona sitzt (anders als beim modernen Damensattel) seitlich mit herabhängenden Beinen auf einem (in der Regel nach rechts schauenden) stehenden oder laufenden Pferd.

Die Göttin ist in dieser Darstellung oft mit einem langen Gewand bekleidet, gelegentlich auch mit einer Kopfbedeckung in Form einer Haube oder eines Umhangs.

In vielen dieser Darstellungen berührt die Göttin mit einer Hand das Pferd oder hält Zügel (diese gibt es jedoch nicht immer), während sie in der anderen Hand ein Füllhorn (Cornucopia) oder eine Opferschale (Patera) hält. Manchmal hält sie auch Früchte, Getreideähren oder eine Schale oder Korb mit Früchten auf dem Schoß.

Diese Symbole deuten auf Fruchtbarkeit, Wohlstand und Üppigkeit hin.

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Antike Stätten: Römischer Tempelbezirk Tawern

 

Tempelbezirk Tawern

Tempelbezirk Tawern

Anschrift

Der Tempel liegt auf einer Anhöhe im Wald oberhalb von Tawern. Keine postalische Anschrift.

Anfahrt

Der Tempelkomplex liegt auf dem Metzenberg und ist nur zu Fuß auf einer etwa 20-minütigen Wanderung bergauf durch den Wald zu erreichen.

Am Ortsrand von Tawern (gesprochen: Tawérn, abgeleitet vom lateinischen Ortsnamen Tabernae) befindet sich in der Bergstraße ein kleiner Waldparkplatz. Der Weg zum Parkplatz ist mit auffälligen Hinweisschildern „Römischer Tempel“ im ganzen Ort ausgeschildert und eigentlich nicht zu verfehlen. Für das Navigationsgerät kann als zusätzliche Hilfe die Anschrift „Bergstraße“ eingegeben werden. Kurz vor dem Parkplatz befindet sich außerdem ein Schild, das auf den nahegelegenen Vicus von Tabernae verweist, der zu dem Tempelkomplex gehört und ebenfalls besucht werden sollte, wenn man schon einmal in der Gegend ist!

Wer die Wahl hat... schnell und steil oder lang und bequem?

Wer die Wahl hat… schnell und steil oder lang und bequem?

Am Waldparkplatz befindet sich eine etwas verwitterte Hinweistafel, die auf den Merkurtempel und die jeden Sonntag stattfindenden Führungen verweist.

Von dort aus folgt man zu Fuß der asphaltierten Straße den Berg hinauf. Nach einer Biegung teilt sich der Weg; hier hat der Wanderer die Wahl, ob er den (schnelleren, aber unwegsameren und steileren) Fußweg quer durch den Wald nehmen möchte, oder dem in Serpentinen verlaufenden, längeren geteerten Weg. Letzterer ist für Radfahrer, Gehbehinderte oder Reisende mit Kinderwagen zu empfehlen, da der Fußweg doch recht unwegsam ist, besonders bei feuchtem Wetter.

Mit dem öffentlichen Nahverkehr ist Tawern per Bus aus Trier über Konz zu erreichen. Von der Bushaltestelle in der Ortsmitte sind es noch etwa 30 Minuten Fußweg bis zum Tempel. Hier sollte man sich vorher gut über die Abfahrzeiten informieren, da der öffentliche Nahverkehr nur sporadisch fährt. Wir empfehlen eine Anreise mit dem Auto.

Hintergrundinformationen

Die römische Tempelanlage auf dem Metzenberg wurde in den Jahren 1986 bis 1987 vom Rheinischen Landesmuseum Trier ausgegraben und nach Abschluß der Grabungen zum Teil rekonstruiert, um dem Besucher eine Vorstellung vom Aussehen gallo-römischer Tempelanlagen in der gallischen Provinz zu ermöglichen und die Fundamente auf diese Weise zu konservieren. Die Fundstelle selbst war bereits seit 30 Jahren bekannt, konnte jedoch bis dahin nicht gedeutet werden.

Die Rekonstruktionen befinden sich auf den originalen Fundamenten.

Die Ausgrabungen ergaben, das der Tempel vom 1. Jahrhundert n. Chr. bis in das 4. Jahrhundert genutzt wurde. Im Jahre 392 n.Chr. wurde der Tempel, wahrscheinlich im Rahmen der Christianisierung, zerstört.

Der große Merkur-Umgangstempel ist das Herzstück des Tempelbezirks

Der große Merkur-Umgangstempel ist das Herzstück des Tempelbezirks

Er lag nahe der römischen Fernstraße von Rom über Marseille und Metz nach Trier. Dazu gehörte auch der zivile Vicus Tabernae, der – wie der lateinische Name andeutet – vor allem als Raststation für Fernreisende fungierte, denn er war von Trier aus gesehen die erste Raststation an der Fernstraße.

Der Tempel lag zu dieser Zeit noch nicht im tiefen Wald, sondern die Aussicht vom unbewaldeten Metzenberg reichte bei klarem Wetter bis in das Moseltal und das ferne Trier, die Kaiserstadt Augusta Treverorum.

Eine Hauptfunktion, die den Tempelkomplex so beliebt bei Pilgern und Reisenden machte, lag darin, sich des Segens der Götter für die Reise zu vergewissern.

Der Tempelbezirk war ummauert; innerhalb der Mauern konnten sieben verschiedene Tempel unterschiedlichen Alters im terrassenförmig angelegten Gelände identifiziert werden. Die Eingänge weisen in Richtung des Tals.

Im 15 Meter tiefen und 1,05 x 1,05 Meter breiten, quadratischen Brunnen auf dem Gelände fand man zahlreiche Kultgegenstände und Münzen, architektonische Elemente, fast vollständig erhaltene Krüge und Tonfiguren, Statuen und Reliefs, die aufgrund der zeitlichen Schichtung im Brunnenschacht eine sehr genaue Datierung und Rekonstruktion des Tempelbetriebs ermöglichten. Es wird angenommen, daß die Gegenstände von den Gegnern des heidnischen Kults in den Brunnen geworfen wurden, was sich für die Archäologen als Glücksfall erwies.

Im Brunnen versenkt: Ein Relief der Göttin Epona, Schutzherrin der Pferde

Im Brunnen versenkt: Ein Relief der Göttin Epona, Schutzherrin der Pferde

Zu den wichtigsten Funden gehörte ein etwas überlebensgroßer Kopf des Gottes Merkur, der hier vor allem wegen seiner Funktion als Schutzgott der Reisenden als die Hauptgottheit des Tempelkomplexes eingestuft wurde.

Außerdem fanden sich Reliefs der in Gallien bei den Treverern sehr beliebten Göttin Epona, Weiheinschriften für Merkur und Apollo sowie ein Relief von Isis und Serapis, deren exotischer Kult hier ebenfalls geschätzt wurde. Das belegt auch der Fund eines kleines Mosaiksteins mit einer Ibis-Malerei im nahen Tabernae.

Ebenfalls ungewöhnlich sind zwei 15,5 cm große, wahrscheinlich in der heutigen Türkei hergestellte Tonfiguren der Göttin Artemis Ephesia, die an zwei Stellen im Bezirk gefunden wurden und wohl als Weihegaben von einem Händler mit hierher gebracht wurden. Alle Original-Funde befinden sich heute im Rheinischen Landesmuseum Trier.

Die Weiheinschriften belegen, daß es sich bei dem Haupttempel um einen Merkurtempel handelte. Die Inschrift des ältesten Tempels lautete:

MER[CVRIO AEDICVLA]M
GRATVS [ . . F . V.S.L]M. (votum solvit libens merito)

Übersetzung:

Dem Gott Merkur (weiht) diesen Tempel
Gratus [Sohn des . . .], er hat sein Gelübde gern entsprechend dem Verdienst eingelöst.

Später wurde dieser Inschrift eine weitere hinzugefügt, die auf den Bau des Brunnens Bezug nimmt:

CERATIVS PRIMVS
GRATI LIB. (Libertus)
CATENARIA CUM ULlA LIB[ERTAE] II
V.S.L.M. (votum solverunt libens merito)
PVTEVM CVM SVIS O[RNAMENTIS]

Ebenfalls im Brunnen gefunden: Relief von Isis und Serapis

Ebenfalls im Brunnen gefunden: Relief von Isis und Serapis

Übersetzung:

Aceratius Primus,
Freigelassener (Sklave) des Gratus (der die erste Inschrift gestiftet hatte!),
Catenaria mit Julia, zwei Freigelassene (Sklavinnen),
haben ihr Gelübde gern entsprechend dem Verdienst eingelöst (und)
diesen Brunnen mit seinen Ausrüstungsgegenständen (Ornamenten)… (gestiftet/repariert).

Heutzutage befindet sich am rekonstruierten Tempel ebenfalls eine Inschrift. Diese wurde von den leitenden Archäologen, Dr. Sabine Faust und Dr. Karl-Josef Gilles, nach römischer Sitte gestaltet:

DEO MERCVRIO
TEMPLVM SABINA EFOSSVM ET
C AEGIDIO REAEDIFICATVM
HENDRICE ET TEXTORE
PRAEFECTIS KAL AVG MCMLXXXIX

Übersetzung:

Dem Gott Merkur (geweiht)
Der Tempel wurde von Sabina (= Dr. Sabine Faust) ausgegraben und
von Carolus Aegidius (= Dr. Karl-Josef Gilles) wieder aufgebaut,
als Hendricks und Weber (Textore) Bürgermeister waren, 1. August 1989.

In der Cella des Umgangstempels befindet sich eine rekonstruierte, 2,08 Meter große Merkurstatue

In der Cella des Umgangstempels befindet sich eine rekonstruierte, 2,08 Meter große Merkurstatue

Die zeitliche Einordnung der verschiedenen Nutzungsphasen des Tempels wurde durch über 1800 gefundene Münzen ermöglicht, die aus unterschiedlichen Prägestätten aus allen Ecken des Reichs stammen. Gleichzeitig ist der Prozentsatz einheimischer Münzen ungewöhnlich gering, was auf eine überwiegende Nutzung durch Fernreisende schließen läßt.

Die ältesten Münzen sind drei keltische Münzen sowie Münzen aus der Zeit von Kaiser Augustus. An den Stückzahlen der Münzen aus den unterschiedlichen folgenden Jahren sind mehrere Wellen besonderer Beliebtheit des Tempels zu identifizieren, bevor mit dem Verbot heidnischer Kulte im ausgehenden vierten Jahrhundert kaum noch Münzen vorhanden sind. Die jüngste Münze wurde um 392 geprägt.

Beim großen Merkurtempel handelt es sich um einen typisch gallo-römischen Umgangstempel mit einem säulengetragenem Umgang. Dabei bestanden die dreizehn toskanischen Säulen, die das Pultdach des Umgangs trugen, aus hiesigem Sandstein. Dieser Tempel ist 10,80 Meter lang und 9,80 Meter breit.

Unmittelbar vor dem Umgang befinden sich Abflußrinnen aus Sandstein, die noch im Original erhalten sind.

Als Besonderheit wurde das Innere des Umgangstempels, die Cella, in der Rekonstruktion nach römischem Vorbild gestaltet. Die Wände sind – basierend auf Farbfunden in Putzresten – bunt bemalt, zudem wurde aus dem im Brunnen gefundenen Kopf eine mit 2,08 Metern überlebensgroße Merkurstatue rekonstruiert, die ebenfalls nach römischem Brauch komplett bemalt ist, wobei Farben und Pigmente verwendet wurden, die es schon in der Antike gab.

Beschreibung

Der Tempelkomplex oberhalb von Tawern ist allein deswegen, weil er fast vollständig an Ort und Stelle auf den alten Fundamenten rekonstruiert wurde, einzigartig.

Am Eingang zum Bezirk befinden sich Informationstafeln

Am Eingang zum Bezirk befinden sich Informationstafeln

Das Gelände ist von einer Mauer umgeben; ein neuer Eingang befindet sich direkt am Wanderweg. Hier sind auch zwei Informationstafeln aufgestellt; eine ältere Tafel, die über die Grabung und den Grundriss der Gebäude informiert sowie eine neuere Tafel des „Straßen der Römer“ Projektes, die Hintergrundinformationen über die Nutzung des Tempelkomplexes in römischer Zeit vermittelt.

Der originale Eingang in Richtung des Tals ist ebenfalls erhalten, so daß man den Tempelbezirk auch durch den „echten“ Eingang betreten kann.

Die einzelnen Gebäude sind auf Terrassen unterschiedlicher Höhe errichtet. Am Eingangsbereich empfängt den Besucher eine Jupitersäule, auf deren Sockel unter anderem der Gott Hercules abgebildet ist.

Alle Gebäude sind mit dezenten schwarzen Plaketten beschriftet, aus denen ihre Funktion hervorgeht.

Ablegen von Opfergaben auf dem Altar vor dem Merkurtempel

Ablegen von Opfergaben auf dem Altar vor dem Merkurtempel

Den Hauptteil des Tempels nimmt der große Merkur-Umgangstempel ein. Die Cella kann nach keltisch-römischem Brauch umgangen werden. In der bunt bemalten Cella befindet sich auf einem Sockel die bunte Staue des Gottes Merkur. Sie zu bemalen und nicht nach (modernem) Geschmacksempfinden weiß zu lassen, war eine gute Entscheidung des Vereins Römisches Tawern e.V., der die Tempelanlage betreut. So wird der verbreiteten Ansicht, im alten Rom seien alle Statuen und Monumente schneeweiß gewesen (wie man es von Statuen seit der Renaissance kennt), eine realistische Darstellung nach römischem Geschmack entgegengestellt (wie man es auch bei „Im Reich der Schatten“ im Landesmuseum Trier erleben kann, wo Grabmonumente durch Projektionen in buntesten Farben zum Leben erweckt werden). Bei der Rekonstruktion und Bemalung wurde darauf geachtet, Techniken und Farben zu verwenden, die schon zu römischer Zeit genutzt wurden. Auf den ersten Blick ist ein so bunter Merkur sicher ungewohnt für moderne Augen, aber aus pädagogischer und ästhetischer Sicht eine sehr gute Entscheidung.

Die Cella ist abgeschlossen, was wegen leider immer wieder stattfindender Vandalisierungen notwendig geworden war (so wurde Merkur erst im Dezember 2013 bei einem Einbruch der Caduceus entwendet und zerstört). Auch wurde im Innenraum des Tempels eine Videoüberwachungsanlage installiert, die aber so dezent ist, daß sie nicht zu sehen ist und auch nicht bei Kulthandlungen stört.

Der Tempelkomplex ist weitläufig und gepflegt. Vor dem Merkurtempel steht ein Weihealtar, der zum Ablegen von Opfergaben genutzt werden kann.

Auch der Brunnen wurde rekonstruiert

Auch der Brunnen wurde rekonstruiert

In einem benachbarten Tempelgebäude befinden sich, ebenfalls hinter Gittern, Repliken einiger im Brunnen gefundener Reliefs, wie dem Bildnis für Epona, sowie dem Relief von Isis und Serapis, sowie einige Keramiken.

Eine Schatzkammer im hinteren Teil des Tempelgeländes, die ursprünglich zur Aufbewahrung besonders wertvoller Kultgegenstände diente, wird zur Zeit offensichtlich als Lagerraum für Sammelsurium aller Art genutzt, so befindet sich dort eine römische Legionärsrüstung, ein Streitwagen, aber auch allerlei Zeug, das offenbar für dörfliche Brauchtumsveranstaltungen genutzt wird. Das wirkt etwas merkwürdig und stört das ansonsten einheitliche Bild.

Auch der Brunnen wurde rekonstruiert. Hier befindet sich eine Vorrichtung, in die man Münzen einwerfen kann und wodurch (angeblich) das Licht im Brunnen angeht und Wasser läuft. Das funktionierte bei uns aber leider nicht, so daß wir schließlich nach dem römischen Brauch des Münzwurfs direkt Geld durch das Abdeckgitter in den Brunnen warfen, um bei Merkur um eine Vermehrung des Geldes zu bitten.

Öffnungszeiten, Eintrittspreise, Führungen

Im Umgang des Umgangstempels. Umschreiten ist nach gallo-römischer Sitte möglich

Im Umgang des Umgangstempels. Umschreiten ist nach gallo-römischer Sitte möglich

Der Tempelbezirk ist nicht abgeschlossen und deswegen rund um die Uhr begehbar.

Der Eintritt ist frei.

Führungen bietet der Verein Römisches Tawern e.V. jeden Sonntag (Mai bis Oktober) von 14:30 bis 16:30 an, wo jeweils ein Mitglied des Vereins zum Tempel kommt und interessierte Besucher herumführt. Die Teilnahme an einer solchen Führung kostet für Erwachsene 2€, für Kinder 1€. Eine Voranmeldung ist nicht nötig.

Sonstiges

Es gibt diverse archäologische Schriften, die sich mit dem Tempelbezirk Tawern befassen. Unter anderem sind dies: „Römische Kulturdenkmäler in Tawern: der römische Vicus tabernae und der Tempelbezirk auf dem Metzenberg“, „2000 Jahre Tawern: Eine Chronik mit ausführlichen Informationen über die Geschichte Tawerns“ sowie „Funde und Ausgrabungen im Bezirk 34, Trier“ mit 3 wichtigen Beiträgen die Ausgrabungen, unter anderem über den Kopf der Merkurstatue. Diese Schriften sind bei Führungen, bei Familie Michel in der Brunnenstraße 11, sowie in der örtlichen Bäckerei und Metzgerei in der Römerstraße erhältlich!

Fotografieren ist uneingeschränkt erlaubt.

Die Aussicht vom einst unbewaldeten Metzenberg reichte an guten Tagen bis nach Trier

Die Aussicht vom einst unbewaldeten Metzenberg reichte an guten Tagen bis nach Trier

Der Tempel ist zwar jederzeit frei begehbar, liegt allerdings so tief im Wald, daß ein nächtliches Aufsuchen eine gewisse Logistik erfordert. Anwohner, die sich durch Aktivitäten gestört fühlen könnten, gibt es nicht, allerdings legt der Verein Römisches Tawern e.V. – zu Recht! – sehr viel Wert darauf, daß der Tempelbezirk geschont und pfleglich behandelt wird. Von der Durchführung wilder neuheidnischer Rituale mit Trommeln und Feuer machen, wie z.B. bei Wicca üblich, sollte abgesehen werden. Auch ist man sehr empfindlich gegenüber Vandalismus und die oft unschönen Hinterlassenschaften diverser Gruppierungen haben in dieser Tempelanlage nichts zu suchen.

Gegen ein dezentes römisches Opfer an Merkur oder die anderen hier verehrten Götter durch den römischen Cultor, sowie das Ablegen von Opfergaben auf dem Weihealtar vor dem Haupttempel hat aber niemand etwas einzuwenden.

Das Befahren des Tempelgeländes mit Fahrrädern ist verboten.

Weiterführende Informationen