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Götterwelt: Arduinna

Herkunft, Bezeichnungen:

arduinna

Diese Bronzefigur wird als Arduinna angesprochen; ob es sich bei ihr tatsächlich um diese Göttin handelt, ist nicht gesichert

Arduinna ist eine gallo-römische Berg- und Waldgottheit und Göttin des Ardennenwaldes. In der Interpretatio Romana wird sie der Göttin Diana zugeordnet.

Alternative Schreibweisen sind Ardbinna oder Ardvinna. In einer Weiheinschrift wird sie auch als Dea Ardbinna bezeichnet.

Als „Ardennen“ (Arduenna silva) bezeichneten die Römer das zusammenhängende Mittelgebirge und geschlossene Waldgebiet von den (heutigen) Ardennen in Belgien und Luxemburg über Hohes Venn, Eifel bis an die Mosel und den Rhein (Provinzen Belgica und Germania inferior). Dieses Gebiet war zur Zeit des Gallischen Krieges (54-53 v. Chr) vor allem von den Treverern und Eburonen besiedelt und diente als Rückzugsgebiet des eburonischen Königs Ambiorix. Eine ausführliche geographische Beschreibung findet sich bei Caesar, De bello gallico, V, 3; VI, 31. Auch Strabon beschreibt in seiner „Geographica“ (IV, 3, 5) die Ardennen und zählt die keltischen Stämme auf, die in diesem Gebiet leben.

Ähnlich wie die gallo-römische Berggöttin Abnoba (römisch: Diana-Abnoba) die Personifikation des Schwarzwaldes war, gilt Arduinna als Personifikation der Ardennen. Weihesteine und figürliche Funde sind aus mehreren Gegenden des Eifel-Ardennengebiets bekannt, jedoch ist die Fundlage spärlicher als bei Abnoba. Verehrung erfuhr sie vor allem im Nordwesten Galliens.

Arduinna-Stein

Replik des Weihesteins aus Gey

Ein Weihestein für Arduinna wurde in Gey (Hürtgenwald) gefunden, wo er heute auf dem Dorfplatz als Replik aufgestellt ist (das Original befindet sich im Rheinischen Landesmuseum Bonn). Die Inschrift (CIL 13, 07848) lautet: „Deae Ardbi/nnae T(itus) Iuli/us Aequalis / s(olvit) l(ibens) m(erito)“ – „Der Göttin Ardbinna hat Titus Iulius Aequalis sein Gelübde froh, gerne und nach Gebühr eingelöst“.

Ihre Verehrung ist bis in das Jahr 565 n. Chr. belegt, als der langobardische Mönch und luxemburgische Säulenheilige St. Walfroy (Wulfilaïc) im belgischen Florenville eine Abkehr vom Kult der Arduinna forderte und ein Heiligtum der Diana zerstörte.

Zuständigkeiten, Attribute und Darstellungen:

Ein Weihestein (CIL 6, 46) ist aus Rom bekannt, den M. Quartinius Sabinus, Soldat einer römischen Kohorte, ein Gallier aus dem Stamm der Remer, mehreren Göttern stiftete – an erster Stelle zwei Lokalgöttern seiner Heimat, Ardvinne und Mars-Camulus. Da sein Weihestein neben einer Inschrift auch ein Relief enthält, wissen wir, daß Arduinna ikonographisch im klassischen römischen Stil wie Diana mit Bogen und Köcher dargestellt wurde.

202_Esch-sur-Sure

Die Wälder und engen Täler der Ardennen (hier: Blick von der Burg in Esch-sûr-Sure)

Eine weitere Darstellung der Arduinna ist in Form einer kleinen, aus römischer Zeit stammenden Bronzestatuette erhalten, die eine jugendliche Göttin mit Pfeil und Bogen zeigt, die auf einem Eber reitet und eine kurze, gegürtete Tunika trägt und wahrscheinlich diese Göttin zeigt.

Der Fundort dieser Figur ist unbekannt, ebenso kann nicht mit absoluter Sicherheit gesagt werden, daß es sich bei dieser Figur tatsächlich um Arduinna handelt, da keine begleitenden Inschriften gefunden wurden. Die Zuordnung zu dieser Göttin stammt aus dem 19. Jahrhundert und erfolgte durch den Antiquaren, der sie entdeckte – möglicherweise aufgrund der Tatsache, daß das Wappentier der Ardennen der Eber ist. Die Figur befindet sich heute im Musée des Antiquités Nationales in Saint-Germain-en-Laye.

Durch ihre Identifikation mit Diana wird sie als Natur-, Jagd- und Waldgöttin angesprochen, daneben durch ihren Bezug zu den Ardennen und Parallelen zu Abnoba als Berggöttin und Beschützerin der Region, die sie als Lokalgöttin personifiziert.

Sonstiges:

220_La Roche_Chateau

In den Ardennen sind wir gerne und häufig unterwegs. Hier: Blick vom Chateau La Roche

Zu Arduinna ist (anders als bei den gallischen Gottheiten Sirona oder Rosmerta) kein Begleiter bekannt.

Es sind keine Orte oder Tempel erhalten oder bekannt, an denen sie verehrt wurde.

 

 

 

 

 

 

 

Götterwelt: Dei Consentes

auch: Dii Consentes.

Die Kapitolinische Trias (239 n.Chr, Xanten), Weihestein im Rh. Landesmuseum Bonn

Die Kapitolinische Trias (239 n.Chr, Xanten), Weihestein im Rh. Landesmuseum Bonn

Hierbei handelt es sich um eine Gruppe aus 6 Göttern und 6 Göttinnen, die von den Römern besonders verehrt wurden und die als die „Hauptgötter“ des Römischen Pantheons gelten: Jupiter, Juno, Minerva, Vesta, Ceres, Diana, Venus, Mars, Mercurius, Neptun, ApolloVulcanus. Die drei höchsten von ihnen (Jupiter, Juno und Minerva) bildeten die „Kapitolinische Trias„, die den anderen Göttern vorstand.

Woher die Versammlung von 12 höchsten Göttern ursprünglich stammt, ist unbekannt – weder die Römer noch die Griechen waren die ersten, die ihren Pantheon auf diese Weise strukturierten. So finden sich die 12 höchsten Götter schon in mehreren Kulturen, die den griechischen und römischen Kulturen vorausgingen.

Bereits im mit Troja verbündeten, später von Persien und Alexander dem Großen eroberten Lykien (im heutigen Anatolien), wurden 12 Götter verehrt. Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. stand Lykien unter griechischem Einfluß, so daß starke Vermischungen der Kulturen stattfanden.

Gleichzeitig war auch bei den Etruskern, die vor den Römern ab dem Jahr 1000 v. Chr. über Mittel- und Norditalien herrschten (schließlich aber ab 300 v. Chr. im Römischen Reich aufgingen), eine Gruppe von 12 Göttern bekannt, die als „Götterrat“ oder Ratsversammlung mit beratender Tätigkeit für den höchsten Gott Tinia galten. Der Name „Consentes“ ist die lateinische Übersetzung des etruskischen Wortes für „übereinstimmen“, was den Versammlungsaspekt des Götterrates beschrieb. Der höchste etruskische Gott Tinia war ein Blitz-, Himmels- und Lichtgott und als solcher die etruskische Entsprechung zum römischen Gott Jupiter.

Bei den Römern bildeten Jupiter, seine Frau Juno und ihre Tochter Minerva die „Kapitolinische Trias“. Das entspricht der höchsten Triade bei den Etruskern: Tinia, der sich ebenfalls durch das Schleudern von Blitzen auszeichnete und als Himmels-, Blitz- und Lichtgott galt. Weitere Parallelen zu den etruskischen Vorläufern sind offensichtlich – Tinias Frau war Uni (die römische Juno) und ihre gemeinsame Tochter war Menrva (Minerva).

Da die Etrusker ebenfalls Kontakt zu den zu dieser Zeit in Süditalien siedelnden Griechen hatten und sich die Völker gegenseitig beeinflussten (wie man unter anderem an der Verehrung des Gottes Apulu / Apollo durch die Etrusker erkennen kann, der wiederum möglicherweise aus einer vor-griechischen – minoischen oder anatolischen – Kultur stammt), ist nicht eindeutig festzulegen, wer wen zuerst im Hinblick auf einen Rat aus den zwölf höchsten Göttern beeinflusst hat.

Auch bei anderen im Mittelmeerraum ansässigen Kulturen, wie den weitaus älteren Hethitern (2. Jahrtausend v. Chr), wurden bereits 12 hohe Götter verehrt.

Die vergoldeten Statuen der Dei Consentes standen auf dem Forum Romanum. Im Jahre 367 n. Chr. wurden sie durch den spätrömischen Senator Vettius Agorius Praetextatus in den Tempel Porticus Deorum Consentes verlegt, da der Senator ein Verfechter des traditionellen römischen Götterkultes war und diesen vehement gegen das erstarkte Christentum verteidigte. Ihr Tempel gilt als Beweis der heidnischen Renaissance, die für kurze Zeit im 4. Jahrhundert das Römische Reich erfaßte.

Götterwelt: Apollo

Zuständigkeiten:

Apollo mit Kithara, Wandgemälde aus Pompeji

Apollo mit Kithara, Wandgemälde aus Pompeji

Gott der Heilung, Musik, Poesie, Künste, Wahrheit und Weissagungen und der Jagd. Er gilt außerdem als ein Licht- und Sonnengott in seiner Form als Phoebus Apollo (von denen es bei den Römern mehrere gibt, wie z.B.  Sol Invictus).

„Heilung“ ist hierbei relativ zu sehen; Apollo war derjenige, den man anrief, wenn man eine aufsteigende Krankheit spürte oder eine Krankheit, ausbrechende Seuche oder Verletzung befürchtete. Er war derjenige, an den man sich wandte, wenn man Schutz vor einer Krankheit suchte; war sie erst einmal ausgebrochen, war eher Aesculapius der richtige Ansprechpartner. Im Gallo-Römischen Cultus war er als Apollo-Grannus, zusammen mit seiner keltischen Gefährtin Sirona, für Heilung zuständig.

Besonders zuständig war er für die Pest, vor der er schützen sollte, denn in der Mythologie hieß es, daß er einst schon die Stadt Troja vor der Pest bewahrt hatte.

Im Jahr 217 v. Chr. wurde Apollo zu einem der 12 Dei Consentes erklärt und gehörte somit zu den besonders verehrten Gottheiten Roms. Besondere Verehrung erfuhr er von Bogenschützen, Künstlern, Sängern, Schriftstellern und Musikern.

Er steht den 9 Musen vor, den Schutzgöttinnen der Künste, was ihm den Beinamen „Musagetes“ einbrachte (die heute geläufigen Zuordnungen und Attribute der Musen waren den Römern noch nicht bekannt, sie entstanden erst in der Neuzeit).

Immer wieder tritt Apollo auch als Rache- oder Sühnegott auf.

Sphäre:  Himmel.

Attribute und Darstellungen: 

Typische Darstellungen zeigen Apollo als bartlosen, gutaussehenden Jüngling mit: Pfeil und Bogen. Kithara / Lyra (Musikinstrumente). Opfer-Dreifuß (symbolisiert seine prophetischen Gaben).

Opfergaben: 

Weizen, Räucherwerk, Kuchen aller Art (Honig, Käse), Petersilie, Wein, Ringelblume, Zedernholz, Hyazinthe

Kulttiere:  Weiße Ziegen, Ochsen mit vergoldeten Hörnern. Streng verboten als Opfertiere: Pferde. Apollo gehörte zu den drei einzigen Göttern (neben Neptun und Mars), dem Stiere geopfert werden durften.

Apollo mit Kithara, 50 n. Chr. (Rom)

Apollo mit Kithara, 50 n. Chr. (Rom)

Feiertage:  Hauptfeiertage sind die Ludi Apollini (6. bis 13. Juli) und der 23. September (zusammen mit Diana)

Zuordnungen:  Palme, Wölfe, Delphine, Schwäne, Zikaden (symbolisieren Musik und Gesang), Falken, Raben, Krähen, Schlangen (symbolisieren die prophetische Gabe), Mäuse und der Greif.

Sonstiges:  Apollo wurde von den Römern aus dem griechischen Pantheon übernommen. Auch unter den Etruskern wurde er bereits als „Apulu“ verehrt, was vermutlich ebenfalls auf griechischen Einfluß zurückzuführen ist. Mittlerweile wird in der Forschung davon ausgegangen, daß Apollo kein ursprünglich griechischer Gott war, sondern aus einer vor-griechischen Kultur (der minoischen, der dorischen oder einer anatolischen / kleinasiatischen Kultur) stammt. Schon bei den Hethitern gab es um 2000 v. Chr. den Pest-Gott Aplu. Der Widerspruch aus heilendem und helfendem Gott einerseits, gewalttätigem, krankheitsbringendem Gott anderseits, deutet auf einen vor-griechischen Ursprung, so daß sich viele Aspekte schließlich im Kult des Gottes Apollo vereinigten. Apollo wurde außerdem mit dem sabinischen Gott Soranus gleichgesetzt. Als Orakel-Gott war er bei den Griechen der Patron von Delphi. Apollo war auch unter den romanisierten Kelten, besonders den Galliern, sehr populär und wurde von ihnen als Gott der Heilung und als Sonnengott verehrt und mit keltischen Göttern ähnlicher Funktion gleichgesetzt, wie Sonnen- und Heilgott Apollo Belenus in Gallien und Norditalien, Apollo Moritasgus, Gott der Heilung in Alesia. Häufige Darstellungen auf Särgen deuten auf seine Beziehung zu Orpheus hin, als dessen Vater er beschrieben wird. Kaiser Augustus betrachtete Apollo als seinen persönlichen Gott und baute ihm den Tempel des Apollo Palatinus auf dem Palatin in Rom. Im römischen Cultus wird er im Ritus Graecum anstatt im Ritus Romanum verehrt.

Antike Quellen mit Gebeten an Apollo:

  • Arnobius der Ältere: Adversus Nationes 3-43
  • Claudius Claudianus: Panegyricus dictus Olybrio et Probino consulibus 71-2
  • Horaz: Carmen saeculare 1.2.30
  • Livius 5.21.2
  • Martial 9.42
  • Ovid: Remedia amoris 75 und 704
  • Petronius: Papyri Graecae magicae 94
  • Petronius: Satyrica fr. 31
  • Plautus: Mercator 678
  • Seneca: Hercules furens 592 und 900
  • Statius: Thebais I 643-5; I 694-6; I 716-20; IV 649-51; VI 296-300; VII 779-88; VIII 90-94
  • Tibullus: 2.5.1ff; 3.10; 4.4.1
  • Gaius Valerius Flaccus: Argonautica 1.5; 5.17; 5.244
  • Vergil: Aenais 3.85; 6.55; 10.875; 11.785; 12.197
  • Varro: De Lingua Latina 7.17