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Götterwelt: Mercurius

Zuständigkeiten und Bezeichnungen:

Mercurius auf einem Wandgemälde in Pompeji

Mercurius auf einem Wandgemälde in Pompeji

Eingedeutschter Name: Merkur. Sein Name stammt vermutlich vom lateinischen Wort „merx“ für „Ware“ ab. Er gilt als Götterbote, Glücksgott, Gott der Händler und der Diebe. Er spielte im Römischen Kult eine bedeutende Rolle, da er als Gott der Händler auch der Beschützer für den (lebenswichtigen) Getreidehandel war.

Mercurius gilt außerdem als Führer der Seelen in die Unterwelt. Er führt auch die Träume von Morpheus in die Träume der schlafenden Menschen.

Daneben gehörte zu seinen Zuständigkeiten die Redegewandheit (ein Muß für einen guten Händler) und daraus folgend die Poesie. Er war zuständig für Gewinn und finanziellen Wohlstand, das Übermitteln von Nachrichten und Kommunikation, was sogar für die Wahrsagekunst (Divination) galt. Er ist ein Beschützer der Reisenden und wird als solcher für sichere Reisen angerufen. Ebenso ist er zuständig für Glück, aber auch für Trickbetrügereien.

Besondere Verehrung (weitaus mehr als in Rom) fand Mercurius in den nördlichen Provinzen in Gallien, Germanien und Britannien unter der einheimischen römischen wie gallischen und germanischen Bevölkerung.

In Gallien wurde er unter anderem mit der höchsten gallischen Gottheit, Teutates, gleichgesetzt, was zu einem rasanten Anstieg seiner Verehrung und Beliebtheit unter den romanisierten Galliern führte. Daneben wurde er mit weiteren keltischen Gottheiten gleichgesetzt, wie Lugus, sowie mit Cissonius und Visucius, so daß er besonders in Nordostgallien (Raum Koblenz, Trier, Hunsrück) im römischen Cultus gemeinsam mit seiner keltischen Gefährtin Rosmerta verehrt wurde.

Auch in Germanien wurden mehrere Weihesteine gefunden, die ihm von Gläubigen gestiftet wurden (sowohl von Einzelpersonen als von Stämmen) und die auf eindeutig germanische Herkunft hindeuten, auch wenn sie auf Latein beschriftet waren. Laut Tacitus wurde Mercurius dort von den Germanen mit einem ihrer wichtigsten Götter gleichgesetzt und damit zum „Hauptgott“ der germanischen Stämme. Unter den gallischen Kelten galt er zudem als Fruchtbarkeitsgott und Glücksbringer. In den nördlichen Provinzen galt er zudem als der „Erfinder aller Künste“.

Seine Herkunft liegt möglicherweise im etruskischen Gott Trums, dem die gleichen Attribute und Zuständigkeiten zugesprochen wurden, sowie im griechischen Gott Hermes. Im Unterschied zu diesem hat Mercurius jedoch auch eine kriegerisch-militärische Komponente.

In der Mythologie gilt er als der Vater der Laren, der sich in die Nymphe Larunda verliebte, als er sie eigentlich in die Unterwelt geleiten sollte. Sie bekam zwei Kinder von ihm: die Laren (Quelle: Ovid).

Mercurius ist einer der Dei Consentes.

Mercurius-Gebrinius ist ausschließlich aus Bonn bekannt (Rheinisches Landesmuseum Bonn, 2. Jhd)

Mercurius-Gebrinius ist ausschließlich aus Bonn bekannt (Rheinisches Landesmuseum Bonn, 2. Jhd)

Er ist unter zahlreichen Bezeichnungen bekannt, die oft Bezug auf seine keltischen Entsprechungen nehmen. So wurde er im Bereich des heutigen Belgien und Frankreich als Mercurius Artaios verehrt (Artaios war ein keltischer Gott der Bären und der Jagd). Im Rheinland verehrte man ihn als Mercurius Avernus, nach dem Gott Avernus des keltischen Stammes der Averner. Im Bereich zwischen Köln und Frankreich kannte man ihn auch als Mercurius Cissonius nach dem gallischen Gott Cissonius, der ein Beschützer der Reisenden und Gott der Händler war. Von einem Altar aus Bonn kennt man ihn als Mercurius Gebrinius, einer lokalen Mercurius-Variante des dort ansässigen Stammes der Ubier, sowie unter zahllosen weiteren regionalen Namen.

Sphäre:

Himmlisch, irdisch und der Unterwelt zugehörig.

Attribute und Darstellungen:

Typische Darstellungen zeigen Mercurius als schlanken jungen, bartlosen Mann mit geflügelten Schuhen und geflügeltem Helm (oder Flügeln, die direkt aus seinem Kopf wachsen). Oft hält er den Caduceus in seiner linken Hand (einen Botenstab, der von zwei Schlangen umschlungen wird und ihm einst von Apollo geschenkt wurde. Dieser Stab kann Menschen einschläfern, aufwecken und ihnen durch Träume Botschaften übermitteln).

Oft wird er zusammen mit Tieren dargestellt, wie dem Hahn (der als der Bote des neuen Tages gilt), einem Bock, Widder oder einer Ziege (Symbole der Fruchtbarkeit), oder einer Schildkröte (dies nimmt Bezug auf die Legende, daß er einst eine Lyra aus einem Schildkrötenpanzer baute).

Eine ebenfalls sehr verbreitete Darstellung zeigt ihn mit einem Geldsäckchen (Masurpium) in der Hand. Mercurius ist meistens nackt oder nur mit einem über den Arm gelegten Mantel bekleidet.

Opfergaben: 

Räucherwerk, Wein (außer bei Mercurius Sobrinus, der Milch statt Wein erhält), Bohnen und Grünzeug, Zypresse, Krokus, Einjähriges Bingelkraut (englisch: herb mercury)

Kulttiere: 

Ziege, Hahn, Widder, Bock

Feiertage:

Verschiedene Mercurius-Darstellungen (Römisch-Germanisches Museum Köln, 2013)

Verschiedene Mercurius-Darstellungen (Römisch-Germanisches Museum Köln, 2013)

Sein wichtigstes Fest sind die Mercuralia an den Iden des Mai (15. Mai). Im Gegensatz zu anderen Göttern, gab es für ihn keine speziellen Priester, die für seinen Kult zuständig waren.

Die Mercuralia galten als Fest des Handels. Händler besprenkelten an diesem Tag ihre Köpfe, ihre Geschäfte und ihre Schiffe mit heiligem Wasser, das von einer Quelle an der Porta Capena in Rom genommen wurde, einem der wichtigsten Stadttore Roms („Aqua mercurii“).

Die Iden des Mai galten als der Geburtstag des Gottes und an diesem Tag erbat man sich Glück, guten Profit und bat um Vergebung für vergangene und zukünftige Vergehen (wie das Über-den-Tisch-Ziehen eines Kunden!).

Sonstiges:

Mercurius gehörte zu den beliebtesten der römischen Götter (wie Funde aus Pompeji zeigen). Sein Tempel stand in Rom in der Nähe des Circus Maximus zwischen den Hügeln des Palatin und des Aventin, wo reger Handelsverkehr herrschte und gleichzeitig seine Funktion als „Vermittler“ betont wurde, denn auf dem Palatin lebten die wohlhabenden Bürger, während der Aventin Hochburg der einfachen Leute war.

Rekonstruierte, 2,08 Meter große Merkurstatue im Tempelkomplex Tawern

Rekonstruierte, 2,08 Meter große Merkurstatue im Tempelkomplex Tawern

Mercurius-Altäre sind in der Regel Rundaltäre.

Nach Mercurius wurde der dritte Wochentag (Mercurii dies) benannt, was sich noch heute in Ländern mit romanischen Sprachen wiederfindet (Französisch: mercredi, Spanisch: miércoles, Italienisch: mercoledi).

In Deutschland und Luxemburg sind zahlreiche Mercurius-Tempel zu finden, so der Merkur-Rosmerta-Tempel bei Koblenz oder der rekonstruierte Merkur-Tempel in Tawern an der Mosel mit einem originalgetreuen, überlebensgroßen Merkur-Kultbild, das nach römischer Tradition sogar farbig bemalt wurde.

Antike Quellen mit Gebeten an Mercurius:

  • Horaz: Satires 2.6.14; Sermones II 6,4;
  • Manilus: Astromica 1.30ff;
  • Martial: Epigramme 7.74;
  • Ovid: Fasti 5.477; 5.663; 5.681;
  • Persius: Satires II 45;
  • Plautus: Bacchides 892;
  • Anthologia Latina II 1528

Götterwelt: Dei Consentes

auch: Dii Consentes.

Die Kapitolinische Trias (239 n.Chr, Xanten), Weihestein im Rh. Landesmuseum Bonn

Die Kapitolinische Trias (239 n.Chr, Xanten), Weihestein im Rh. Landesmuseum Bonn

Hierbei handelt es sich um eine Gruppe aus 6 Göttern und 6 Göttinnen, die von den Römern besonders verehrt wurden und die als die „Hauptgötter“ des Römischen Pantheons gelten: Jupiter, Juno, Minerva, Vesta, Ceres, Diana, Venus, Mars, Mercurius, Neptun, ApolloVulcanus. Die drei höchsten von ihnen (Jupiter, Juno und Minerva) bildeten die „Kapitolinische Trias„, die den anderen Göttern vorstand.

Woher die Versammlung von 12 höchsten Göttern ursprünglich stammt, ist unbekannt – weder die Römer noch die Griechen waren die ersten, die ihren Pantheon auf diese Weise strukturierten. So finden sich die 12 höchsten Götter schon in mehreren Kulturen, die den griechischen und römischen Kulturen vorausgingen.

Bereits im mit Troja verbündeten, später von Persien und Alexander dem Großen eroberten Lykien (im heutigen Anatolien), wurden 12 Götter verehrt. Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. stand Lykien unter griechischem Einfluß, so daß starke Vermischungen der Kulturen stattfanden.

Gleichzeitig war auch bei den Etruskern, die vor den Römern ab dem Jahr 1000 v. Chr. über Mittel- und Norditalien herrschten (schließlich aber ab 300 v. Chr. im Römischen Reich aufgingen), eine Gruppe von 12 Göttern bekannt, die als „Götterrat“ oder Ratsversammlung mit beratender Tätigkeit für den höchsten Gott Tinia galten. Der Name „Consentes“ ist die lateinische Übersetzung des etruskischen Wortes für „übereinstimmen“, was den Versammlungsaspekt des Götterrates beschrieb. Der höchste etruskische Gott Tinia war ein Blitz-, Himmels- und Lichtgott und als solcher die etruskische Entsprechung zum römischen Gott Jupiter.

Bei den Römern bildeten Jupiter, seine Frau Juno und ihre Tochter Minerva die „Kapitolinische Trias“. Das entspricht der höchsten Triade bei den Etruskern: Tinia, der sich ebenfalls durch das Schleudern von Blitzen auszeichnete und als Himmels-, Blitz- und Lichtgott galt. Weitere Parallelen zu den etruskischen Vorläufern sind offensichtlich – Tinias Frau war Uni (die römische Juno) und ihre gemeinsame Tochter war Menrva (Minerva).

Da die Etrusker ebenfalls Kontakt zu den zu dieser Zeit in Süditalien siedelnden Griechen hatten und sich die Völker gegenseitig beeinflussten (wie man unter anderem an der Verehrung des Gottes Apulu / Apollo durch die Etrusker erkennen kann, der wiederum möglicherweise aus einer vor-griechischen – minoischen oder anatolischen – Kultur stammt), ist nicht eindeutig festzulegen, wer wen zuerst im Hinblick auf einen Rat aus den zwölf höchsten Göttern beeinflusst hat.

Auch bei anderen im Mittelmeerraum ansässigen Kulturen, wie den weitaus älteren Hethitern (2. Jahrtausend v. Chr), wurden bereits 12 hohe Götter verehrt.

Die vergoldeten Statuen der Dei Consentes standen auf dem Forum Romanum. Im Jahre 367 n. Chr. wurden sie durch den spätrömischen Senator Vettius Agorius Praetextatus in den Tempel Porticus Deorum Consentes verlegt, da der Senator ein Verfechter des traditionellen römischen Götterkultes war und diesen vehement gegen das erstarkte Christentum verteidigte. Ihr Tempel gilt als Beweis der heidnischen Renaissance, die für kurze Zeit im 4. Jahrhundert das Römische Reich erfaßte.

Götterwelt: Vesta

Zuständigkeiten und Bezeichnungen: 

Göttin mit Fackeln, wahrscheinlich Vesta (Vatikanisches Museum)

Göttin mit Fackeln, wahrscheinlich Vesta (Vatikanisches Museum)

Göttin der Familie, des Heims und des heiligen Feuers, als anwesend gedacht sowohl im Herdfeuer in jedem Haushalt, wie auch als ewige Flamme im Staatstempel, der auf dem Forum Romanum stand und dessen Salus (Heil) spendende Flamme an jedem 1. März rituell neu entfacht wurde.

Durch ihren Bezug zum Heim und zur Familie stand Vesta in enger Verbindung zu den Laren und Penaten, den Ahnen und Schutzgeistern der Familie (in ihrem Tempel wurden entsprechend auch die Penaten und Laren des Staates verehrt) und sie galt als Schutzgöttin der Bäcker und Müller durch den offensichtlichen Bezug zu Feuer und Ofen. Diese schmückten an ihrem Feiertag die Esel, die sie als Lasttiere für Mühlsteine und Getreide nutzten, was erklärt,  daß der Esel zu ihrem heiligen Tier wurde.

Wie der heimische Herd das Zentrum in jedem Haus war, so galt der Vestatempel – einer der ältesten Tempel des römischen Reiches – als das Zentrum des gesamten Imperiums, was die überragende Bedeutung der Göttin erklärt. Nach Ovid und Dionysios von Halikarnassos galt Vesta als Verkörperung der Erde selbst. Der Tempel hatte, im Gegensatz zu anderen Heiligtümern, eine runde Form, was das Alter seiner Ursprünge mit belegt, die bis ins 7. Jahrhundert v. Chr. reichen. Seine Tore waren nach Osten hin ausgerichtet, um die Verbindung der lebenspendenden Sonne mit dem im Tempel gehüteten ewigen Feuers zu betonen. Wie Janus, wurde auch Vesta in jeder Opferhandlung angerufen, Janus als Gott der Anfänge immer zu Beginn und Vesta am Schluss der rituellen Handlungen.

Sie ist eine der Dei Consentes, der 12 höchsten Götter.

Sphäre: 

Irdisch (Gemeinschaft, Heim, Herd)

Attribute und Darstellungen: 

Vesta wurde sehr lange Zeit bildlos in Gestalt des Feuers selbst verehrt, erst in späterer Zeit wurde auch sie wie andere Götter in Statuen personifiziert dargestellt (außer in ihrem Tempel), entweder stehend oder sitzend, ganz bekleidet und verschleiert mit den Attributen Opferschale, Fackel und Zepter, Schöpfkelle. Gedenksteine, oft von wohlhabenden Bäckern gestiftet zeigen sie auch mit Esel.

Opfergaben: 

Räucherwerk, Wein (am Lararium); Teile des täglichen Mahles (direkt in die Flammen des Herdes gegeben); Lorbeer, Wacholder, Veilchen

Kulttiere: 

Esel (nicht als Opfertier), Schaf

Feiertage: 

Vesta mit Esel

Vesta mit Esel

Das Fest der Göttin, Vestalia, wurde in der Zeit vom 7. – 15. Juni begangen, mit dem Hauptfesttag am 9. Juni.

Der Tempel der Vesta war das ganze Jahr über für die Öffentlichkeit geschlossen und nur am Fest der Vestalien zugänglich, allerdings nur für Frauen, die diese Zeit nutzten um den Tempel barfuß zu betreten und zu opfern. Als einzige männliche Ausnahme durfte der oberste Priester Roms, der Pontifex Maximus, den Tempel ebenfalls betreten. Am ersten Tag der Feierlichkeiten wurde der penus Vestae, ein durch Vorhänge abgetrennter besonderer Bereich im Tempel geöffnet. Hier wurden Symbole und Kultgeräte aufbewahrt, die die Macht Roms verkörperten.

Die Vestalinnen backten zu diesem Anlaß ein hartes Opferbrot mit Wasser, das von einer geheiligten Quelle transportiert wurde und keinen Kontakt mit dem Boden haben durfte, sowie Salz.

Der letzte Tag der Vestalien (die Iden des Juni) wurden zu einem Feiertag für alle Berufsgruppen, die mit Vesta verbunden waren, wie Bäcker und Müller. Diese schmückten an diesem Tag ihre Werkzeuge, Mühlsteine und Tiere ihr zu Ehren mit Blumen- oder Brotkränzen.

Sonstiges: 

Der Kult der Vesta wurde von einer besonderen Priesterschaft, den Sacerdotes Vestales (Vestalinnen), gepflegt, die verantwortlich für das Hüten der ewigen Flamme waren und den kultischen Dienst der Staatspenaten versahen.

Es waren Frauen, die eine 30jährige Zeit im Dienst der Vesta abzuleisten hatten und vom Pontifex Maximus als Kinder ausgewählt wurden. Ihr Leben wurde von strikten Vorschriften der Reinheit und Jungfräulichkeit bestimmt. Augrund ihres keuschen Lebenswandels wurden sie angesprochen als Virgo Vestalis (Vestalische Jungfrau) und sie hatten ein außerordentlich hohes Ansehen in der Öffentlichkeit und saßen etwa im Theater auf Ehrenplätzen.

Wenn sie sich außerhalb des Tempels bewegten, wurden sie von Lictores begleitet, einer Art symbolischer Leibgarde, die ansonsten ausschließlich Magistrate und Konsuln begleitete und deren Amtsgewalt durch die auf der Schulter getragenen Fasces (Rutenbündel mit einer eingebundenen Axt) anzeigten. Selbst Senatoren und Konsuln ließen einer Vestalin den Vortritt und begegnete ihr ein Verurteilter, konnte er von ihr auf der Stelle begnadigt werden. Sie wohnten in einem Atrium Vestae genannten Gebäude neben dem Vestatempel und konnten nach Ablauf ihres Tempeldienstes zurück in das Privatleben gehen, auch heiraten. Die Mehrheit allerdings verblieb nach den 30 Jahren im Tempeldienst, weil sie ihre gesellschaftliche Stellung und die damit verbundenen Privilegien nicht aufgeben wollten und in der Bevölkerung die Vorstellung herrschte, dass eine ehemalige Vestalin, die später als Braut in eine Familie einzog, dieser Unglück brachte.

Brach eine Vestalin ihr Zölibat, oder ließ sie das heilige Feuer ausgehen, wurde sie mit dem Tode bestraft, unter anderem durch Begraben bei lebendigem Leibe (unter Kaiser Domitian). Hierbei wurde die Vestalin gefesselt und mit verbundenen Augen vor die Stadt getragen, wo in der Erde ein Raum ausgehoben wurde, in dem ein Bett, eine Lampe, ausreichend Essen und Trinken standen. Die Vestalin mußte auf einer Leiter durch die Öffnung in die Tiefe steigen, danach wurde die Leiter herausgezogen. Anschließend verschloß man die Öffnung und bedeckte die ganze Anlage mit Erde, bis nichts mehr zu erkennen war. Die Nahrung und Getränke sollten verhindern, daß die Vestalin nicht durch Verhungern oder Verdursten starb.

Götterwelt: Apollo

Zuständigkeiten:

Apollo mit Kithara, Wandgemälde aus Pompeji

Apollo mit Kithara, Wandgemälde aus Pompeji

Gott der Heilung, Musik, Poesie, Künste, Wahrheit und Weissagungen und der Jagd. Er gilt außerdem als ein Licht- und Sonnengott in seiner Form als Phoebus Apollo (von denen es bei den Römern mehrere gibt, wie z.B.  Sol Invictus).

„Heilung“ ist hierbei relativ zu sehen; Apollo war derjenige, den man anrief, wenn man eine aufsteigende Krankheit spürte oder eine Krankheit, ausbrechende Seuche oder Verletzung befürchtete. Er war derjenige, an den man sich wandte, wenn man Schutz vor einer Krankheit suchte; war sie erst einmal ausgebrochen, war eher Aesculapius der richtige Ansprechpartner. Im Gallo-Römischen Cultus war er als Apollo-Grannus, zusammen mit seiner keltischen Gefährtin Sirona, für Heilung zuständig.

Besonders zuständig war er für die Pest, vor der er schützen sollte, denn in der Mythologie hieß es, daß er einst schon die Stadt Troja vor der Pest bewahrt hatte.

Im Jahr 217 v. Chr. wurde Apollo zu einem der 12 Dei Consentes erklärt und gehörte somit zu den besonders verehrten Gottheiten Roms. Besondere Verehrung erfuhr er von Bogenschützen, Künstlern, Sängern, Schriftstellern und Musikern.

Er steht den 9 Musen vor, den Schutzgöttinnen der Künste, was ihm den Beinamen „Musagetes“ einbrachte (die heute geläufigen Zuordnungen und Attribute der Musen waren den Römern noch nicht bekannt, sie entstanden erst in der Neuzeit).

Immer wieder tritt Apollo auch als Rache- oder Sühnegott auf.

Sphäre:  Himmel.

Attribute und Darstellungen: 

Typische Darstellungen zeigen Apollo als bartlosen, gutaussehenden Jüngling mit: Pfeil und Bogen. Kithara / Lyra (Musikinstrumente). Opfer-Dreifuß (symbolisiert seine prophetischen Gaben).

Opfergaben: 

Weizen, Räucherwerk, Kuchen aller Art (Honig, Käse), Petersilie, Wein, Ringelblume, Zedernholz, Hyazinthe

Kulttiere:  Weiße Ziegen, Ochsen mit vergoldeten Hörnern. Streng verboten als Opfertiere: Pferde. Apollo gehörte zu den drei einzigen Göttern (neben Neptun und Mars), dem Stiere geopfert werden durften.

Apollo mit Kithara, 50 n. Chr. (Rom)

Apollo mit Kithara, 50 n. Chr. (Rom)

Feiertage:  Hauptfeiertage sind die Ludi Apollini (6. bis 13. Juli) und der 23. September (zusammen mit Diana)

Zuordnungen:  Palme, Wölfe, Delphine, Schwäne, Zikaden (symbolisieren Musik und Gesang), Falken, Raben, Krähen, Schlangen (symbolisieren die prophetische Gabe), Mäuse und der Greif.

Sonstiges:  Apollo wurde von den Römern aus dem griechischen Pantheon übernommen. Auch unter den Etruskern wurde er bereits als „Apulu“ verehrt, was vermutlich ebenfalls auf griechischen Einfluß zurückzuführen ist. Mittlerweile wird in der Forschung davon ausgegangen, daß Apollo kein ursprünglich griechischer Gott war, sondern aus einer vor-griechischen Kultur (der minoischen, der dorischen oder einer anatolischen / kleinasiatischen Kultur) stammt. Schon bei den Hethitern gab es um 2000 v. Chr. den Pest-Gott Aplu. Der Widerspruch aus heilendem und helfendem Gott einerseits, gewalttätigem, krankheitsbringendem Gott anderseits, deutet auf einen vor-griechischen Ursprung, so daß sich viele Aspekte schließlich im Kult des Gottes Apollo vereinigten. Apollo wurde außerdem mit dem sabinischen Gott Soranus gleichgesetzt. Als Orakel-Gott war er bei den Griechen der Patron von Delphi. Apollo war auch unter den romanisierten Kelten, besonders den Galliern, sehr populär und wurde von ihnen als Gott der Heilung und als Sonnengott verehrt und mit keltischen Göttern ähnlicher Funktion gleichgesetzt, wie Sonnen- und Heilgott Apollo Belenus in Gallien und Norditalien, Apollo Moritasgus, Gott der Heilung in Alesia. Häufige Darstellungen auf Särgen deuten auf seine Beziehung zu Orpheus hin, als dessen Vater er beschrieben wird. Kaiser Augustus betrachtete Apollo als seinen persönlichen Gott und baute ihm den Tempel des Apollo Palatinus auf dem Palatin in Rom. Im römischen Cultus wird er im Ritus Graecum anstatt im Ritus Romanum verehrt.

Antike Quellen mit Gebeten an Apollo:

  • Arnobius der Ältere: Adversus Nationes 3-43
  • Claudius Claudianus: Panegyricus dictus Olybrio et Probino consulibus 71-2
  • Horaz: Carmen saeculare 1.2.30
  • Livius 5.21.2
  • Martial 9.42
  • Ovid: Remedia amoris 75 und 704
  • Petronius: Papyri Graecae magicae 94
  • Petronius: Satyrica fr. 31
  • Plautus: Mercator 678
  • Seneca: Hercules furens 592 und 900
  • Statius: Thebais I 643-5; I 694-6; I 716-20; IV 649-51; VI 296-300; VII 779-88; VIII 90-94
  • Tibullus: 2.5.1ff; 3.10; 4.4.1
  • Gaius Valerius Flaccus: Argonautica 1.5; 5.17; 5.244
  • Vergil: Aenais 3.85; 6.55; 10.875; 11.785; 12.197
  • Varro: De Lingua Latina 7.17