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Antike Stätten: gallo-römische Villa Mageroy (Belgien)

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Villa Mageroy

Anschrift:

Villa gallo-romaine de Mageroy, Rue de Mageroy 2, 6723 Habay-la-Vieille, Belgien.

Anfahrt:

Die Ausgrabungsstätte der gallo-römischen Villa Mageroy liegt in den südbelgischen Ardennen in der Provinz Luxemburg (Wallonie) in der Nähe des Ortes Habay-la-Vieille. Sie liegt außerhalb des Ortes inmitten von Feldern und Kuhwiesen. Von Habay aus ist sie aber gut zu finden, da sie ausgeschildert ist. Der Weg führt über landwirtschaftliche Nutzwege.

Für das Navi kann man die „Rue de Mageroy“ eingeben, muss dann vor Ort aber trotzdem die Augen nach den kleinen Wanderschildern offenhalten, die die Richtung weisen, da die Rue de Mageroy in eine unbenannte Schotterstraße mündet. Folgt man dieser nach rechts den Hügel hinab, so ist die Ausgrabungsstätte bald auf der rechten Seite zu sehen. Man kann direkt vor dem Gelände parken.

Die Gegend ist wanderfreundlich und ein Netz von ausgeschilderten Wanderwegen verläuft rund um die Villa.

Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, erreicht die Ausgrabungsstätte entweder mit dem Regionalzug aus Libramont / Arlon. Vom Bahnhof Habay aus sind es noch etwa 15 Minuten Fußweg. Eine Alternative ist der Bus der TEC Linie 28 zwischen Arlon und Marbehan. Von der Haltestelle Rue de Nantimont sind es noch einige Gehminuten zu Fuß.

Hintergrundinformationen:

Die Region in den luxemburgischen und südbelgischen Ardennen gehörte in römischer Zeit zu Gallien und wurde nach dem Ende des Gallischen Krieges schnell romanisiert. An vielen Orten der noch heute landwirtschaftlich, vor allem viehwirtschaftlich dominierten Region, finden sich deshalb gallo-römische Landgüter, Tempel oder andere militärische oder zivile Bauwerke.

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Panoramablick über das Gelände

Der gallo-römische Gutshof von Mageroy, der im Stammesgebiet der Treverer lag, gilt als archäologisch besonders bedeutsam und regelmäßig finanziert das Land Wallonie Grabungskampagnen (2017 zum Beispiel die Untersuchung eines Nebengebäudes, in dem man Spuren von Eisenverhüttung entdeckte). Betreut wird die 3 ha große Ausgrabungsstätte durch den gemeinnützigen Verein ARC-HAB, der von mehreren Archäologen geleitet und durch zahlreiche Freiwillige unterstützt wird. Dieser Verein leitet die Ausgrabungen und wertet die Funde aus.

Das Landgut, das sich aus einem Hauptgebäude, mehreren Neben- und Wirtschaftsgebäuden, sowie weiteren Baustrukturen zusammensetzt, stammt aus dem 1. Jahrhundert n.Chr. Es durchlief in den folgenden Jahrhunderten jedoch mehrere Umbauphasen und wurde bis ins 4. Jahrhundert bewohnt.

Zu römischer Zeit lag es fünf Kilometer von der römischen Fernstraße von Reims nach Trier entfernt. Die nächste größere Ortschaft war vicus Orolaunum, das heutige Arlon.

Die Lage des Gutshofes in einer sumpfigen Mulde in der Nähe eines kleinen Baches erlaubte das Anlegen eines großen Weihers auf dem Gelände.

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Der Bereich des ehemaligen Weihers ist heute noch ein Feuchtgebiet und ein reiches Biotop

Der Wohnbereich, die Pars urbana, bestand aus einem 670 Quadratmeter großen Haupttrakt aus dem 1. Jahrhundert, der eine nach Süden ausgerichtete Fassade von 28 Metern Länge aufwies. Der größte Raum befand sich zentral im Hauptgebäude und umfasste 170 Quadratmeter. Aus der Anordnung der Räume läßt sich schließen, daß sich im Westflügel die Wohn- und Privaträume befanden, während die Räume im Ostflügel als Gemeinschaftsräume angesprochen werden.

Als Baumaterial für die Gebäude diente das lokal anstehende Gestein, das vor allem aus Schiefer und grünem Sandstein besteht. An das Hauptgebäude schließen sich weitere Neben- und Wirtschaftsgebäude an.

Das zweite Jahrhundert gilt als die Wohlstandszeit der Bewohner der Villa, die vermutlich einheimische romanisierte Gallier waren. Zahlreiche Erweiterungen und der Einbau von „Luxusfeatures“ wie Fußbodenheizungen und Thermen zeigen, wie  komfortabel die Bewohner lebten. Auch der prunkvoll gestaltete, repräsentative Eingangsbereich zeugt vom Wohlstand seiner Bewohner.

Zahlreiche Funde, wie z.B. ein Pflug, aber auch ungewöhnliche organische Funde, die sich im anaeroben Milieu des Weihers erhielten, geben heute einen guten Einblick in den Alltag der Bewohner. So wurden seltene Funde in gutem Erhaltungszustand geborgen, unter anderem Holzrohre, Schuhsohlen aus Stroh, Funde aus Leder und Holz, Obstkerne und eine Weinrebe.

Auch einige Namen der Bewohner sind bekannt, so wurde ein Ring mit dem eingravierten Namen „Micia“ gefunden. Man nimmt an, daß Micia eine Hausherrin war, zumal ihr Name auch auf Tongeschirr entdeckt wurde. Der Name eines Verwalters, der  in einem der seitlichen Wirtschaftsgebäude lebte, ist ebenfalls bekannt: Onesimus Olympius.

Auch im dritten Jahrhundert wurde das Landgut noch einmal erweitert, unter anderem um eine Bronzegießerei. Allerdings scheint der Hof im Jahr 262 (datiert aus Münzfunden) auch einem großen Feuer anheimgefallen zu sein. Dies war auch die Zeit der großen Germaneneinfälle, die zwischen 260 und 270 diesen Teil Galliens heimsuchten.

013_MageroyDer Hof wurde jedoch nicht aufgegeben, sondern neu aufgebaut, um einige Gebäude, wie Latrinen, Getreidedarren und ein Silo, sowie um eine dem Schutz dienende Befestigungsanlage erweitert. Aus dem 4. Jahrhundert stammen Keramik-Scherben in typischer germanischer Machart. Zum Ende des 4. Jahrhunderts wurde der Ort dann jedoch aus unbekannten Gründen aufgegeben und verlassen.

Die Existenz einer archäologischen Stätte war bereits im 19. Jahrhundert bekannt, als Bauern von alten Mauern und Bauwerken berichteten. Auch hielt sich in der Region Habay seit Jahrhunderten eine Legende von „drei Schlössern“, von denen eines in Mageroy vermutet wurde. Bis in das 17. Jahrhundert sollen die römischen Mauern sichtbar gewesen sein und wurden für die Überreste eines solchen Schlosses gehalten.

Erste Ausgrabungen fanden im Jahr 1984 statt. Die Untersuchungen, die auch moderne Methoden des Georadars umfassen, dauern bis heute an und die Funde aus Mageroy werden von verschiedenen Forschungseinrichtungen untersucht.

Beschreibung:

Schon von weitem fällt das in einer Talsenke gelegene Ausgrabungsgelände ins Auge: rund um die freigelegten Mauern der Häuser befinden sich kleine aufgeschüttete Anhöhen, auf denen Informationstafeln stehen und die einen guten Blick von oben auf das Gelände bieten.

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Ein Kuppelbackofen

Viele der Gebäudefundamente wurden im Laufe der Grabungskampagnen freigelegt. Fußwege führen durch das Gelände und zu den Aussichtshügeln. Daneben gibt es experimental-archäologische Bereiche wie einen Kuppenbackofen oder einen Kräutergarten, in dem thematisch gruppierte Pflanzen angebaut werden, zum Beispiel Pflanzen zum Färben, Aroma-Pflanzen oder Heilpflanzen.

Überall auf dem Gelände finden sich ausführliche und mit guten Illustrationen und Fotos versehene Informationstafeln (leider nur auf Französisch), sowie schematische Darstellungen der Gebäude, so daß man sich orientieren kann, was man gerade vor sich sieht.

Als wir im Juli 2017 dort waren, war gerade eine neue Ausgrabungskampagne des Vereins ARC-HAB im Gange und eine Gruppe aus etwa 10 freiwilligen jungen Leuten legte ein Nebengebäude frei. Die Grabungsteilnehmer waren sehr auskunftsfreudig und hilfsbereit und kamen sofort auf uns zu, um uns Informationen anzubieten, falls wir Fragen hätten. Auf die Frage, was aktuell erforscht wird, erfuhren wir, daß das Land Wallonien Geldmittel zur Verfügung gestellt hatte, um ein Nebengebäude freizugelegen, in dem wahrscheinlich Metall geschmolzen oder Erz verhüttet wurde. Man zeigte uns auch einige aktuelle Funde des Tages, vor allem Keramikscherben und Reste von Dachziegeln.

Das Gelände ist überraschend weitläufig und man kann sich dort frei bewegen und überall umschauen. Es gibt auch ein Verwaltungsgebäude, das für die Vereinsmitglieder zur Verfügung steht, ansonsten aber geschlossen ist, sowie einen Schuppen für die Grabungswerkzeuge und zur zwischenzeitlichen Aufbewahrung der Funde. Durch die gute und interessante Präsentation der Ausgrabungsstätte ist diese Villa Rustica sehr sehenswert und hebt sich auch von vielen anderen typischen gallo-römischen Landgütern ab, die man überall im Lande findet.

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Der Kräutergarten

Der Verein, der die Anlage betreut, ist sehr um Öffentlichkeitsarbeit bemüht und führt auf Anfrage auch Führungen durch. Daneben gibt es immer wieder Veranstaltungen, auch für Kinder, einen Fotowettbewerb, Exkursionen, Grabungscamps oder sogar eine „gallo-römische Radtour“.

Eintritt und Öffnungszeiten

Der Eintritt ist frei. Die Villa Mageroy ist jederzeit und rund um die Uhr frei zugänglich. Sonderveranstaltungen kosten gegebenenfalls eine Teilnehmergebühr.

Sonstiges

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Ein Besuch der Villa Mageroy läßt sich gut mit einem Besuch der nahen Stadt Arlon kombinieren, die ein hervorragendes archäologisches Museum hat, dessen gut erhaltene gallo-römische Abteilung wegen seiner Skulpturen als eine der besten des Landes gilt.  Ebenfalls in der Nähe liegt das Keltenmuseum von Libramont-Chevigny.

Quellen und weiterführende Informationen:

Museen und Archäologische Parks: Malagne – Archéoparc de Rochefort (BE)

 

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Das gallo-römische Landgut in den belgischen Ardennen

Anschrift:

Rue du Coirbois 85, 5580 Rochefort, Belgien

Anfahrt:

Der Archäologische Park Malagne liegt in den belgischen Ardennen in der Provinz Wallonie nahe Rochefort.

Mit dem Auto ist es gut zu erreichen; der Archäologische Park ist mit Schildern, die auf eine „L’Experience Gallo-Romain“ hinweisen, bereits an der Hauptstraße N86 zwischen Marche-en-Famenne und Rochefort gut sichtbar ausgeschildert. Das Navi findet die Anschrift problemlos. Vor dem Freilichtmuseum befindet sich ein eigener großer Parkplatz.

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist nicht unmittelbar möglich, da der Park etwas abgelegen liegt. Der nächstgelegene Bahnhof ist in Jemelle (etwa 4km entfernt). Hier halten Züge aus Luxemburg, Brüssel und Libramont. Außerdem gibt es einen zentralen Busbahnhof. Von dort aus kann man mit der Buslinie 166a zur Haltestelle Hall Omnisports in der Nähe der Straße „Malagne“ fahren, von dort aus muß man jedoch das restliche Stück laufen (etwa 15 Minuten Fußweg).

Hintergrundinformationen:

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Blick auf das Gelände von der Aussichtsplattform

Der Archäologische Park Malagne, „die gallo-römische Erfahrung“ , befindet sich im ehemaligen romanisierten Gallien. Hier wurden im Jahr 1890 von der Archäologischen Gesellschaft Namur die fast vollständig erhaltenen Grundrisse eines gallo-römischen Landgutes entdeckt, inklusive einer großen herrschaftlichen Villa, die mit großer Sicherheit über vier Jahrhunderte bewohnt war. Daneben entdeckte man zahlreiche Neben- und Wirtschaftsgebäude, die einen guten Eindruck von den Ausmaßen und der Struktur eines gallo-römischen Landguts vermittelten.

In den Jahren zwischen 1992 und 1997 führte die Provinz Wallonie großangelegte Grabungen auf dem Gelände durch und konnte zahlreiche wichtige Details freilegen: weitere Nebengebäude, ein Glasofen, eine Schmiede und ein Teich, der pollenanalytisch untersucht wurde und eine genaue Datierung des Nutzungszeitraums ermöglichte.

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Das Landgut zu römischer Zeit

Es gelang den Archäologen, den Bauplan des Landgutes zu rekonstruieren und dessen Aufteilung in einen Wohnbereich (Pars urbana) und einen Arbeitsbereich (Pars rustica) nachzuweisen.

Der Wohnbereich mit seiner weitläufigen, doppelstöckigen Villa verfügte über alle Annehmlichkeiten der gehobenen Lebenskultur in der gallo-römischen Provinz: Fußbodenheizung, Repräsentationssäle, eine Thermenanlage, Latrinen, fließend Wasser und einem Raum, der als Sacellum diente und das Lararium beinhaltete, mit einem separaten, von vier Säulen getragenen Eingang.

Auch die Funktionen der landwirtschaftlich genutzten Nebengebäude konnten ermittelt werden. So interpretierte man die Gebäude als Ställe, eine Schmiede mit Räucherkammer, Getreidedarre und Bierbrauerei.

Um die Einzigartigkeit dieses zusammenhängenden Landgutes zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, entschied man sich, das Gelände als Archäologischen Park zu gestalten und einige der Nebengebäude zu rekonstruieren, um dem Besucher eine bessere Vorstellung von der Größe und den Dimensionen des Gehöfts zu vermitteln.

Neben der Präsentation der Funde legte man auch einen Schwerpunkt auf die experimentelle Archäologie, so daß Forschern ermöglicht werden sollte, in Malagne auf praktische Weise die Details des Lebens auf einem gallo-römischen Landgut zu erforschen. So wurden unter anderem der Stall und die Schmiede in funktionstüchtiger Weise in alter Bautechnik rekonstruiert und in den Original-Farben weiß und rot verputzt. Beide Gebäude sind voll funktionsfähig und werden auch für Experimente genutzt.

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Anbau von Obst und Gemüse

Daneben pflanzte man antike Getreidesorten auf den weitläufigen Feldern zwischen den Gebäuden, legte den Teich wieder an seiner originalen Position an und begann auch mit Nutztierhaltung, wobei Wert darauf  gelegt wurde, Rassen zu wählen, die in Größe und Art den Nutztieren eines gallo-römischen Bauernhofs entsprechen.

Heute werden auf dem Gelände Ziegen, Schafe, Pferde, Maultiere und Rinder gehalten. Dies erlaubt archäologische Experimente, die auch Tiere einschließen, wie zum Beispiel die Rekonstruktion eines Vallus, der römischen Mähmaschine, die von einem Maultier geschoben wird und eine um ein Vielfaches schnellere Getreideernte als mit der Sense erlaubt. Hierbei konnten im Experiment auch praktische Fragen gelöst werden, die mit den vorhandenen Schrift- und Bildquellen bislang nur unzureichend in der Theorie beantwortet werden konnten, zum Beispiel, wie das Geschirr und Joch des Esels aussahen, der die Maschine schob.

Funktionstüchtige Kuppelbacköfen, eine Küche und ein Rennofen zur Eisenschmelze erlauben weitere Experimente.

Es wurde auch ein Zier- und ein Nutzgarten angelegt, in dem Kräuter und Pflanzen aus römischer Zeit, Obst- und Gemüsesorten sowie Wein angebaut werden. Alles in allem werden hier über 200 Pflanzen angebaut, deren Gebrauch bereits aus der Antike bekannt ist.

Bis heute wird das Gelände experimentalarchäologisch bewirtschaftet und für Experimente aller Art genutzt, was es einmalig unter den gallo-römischen Landgütern macht.

Eine Villa Rustica hat fast jeder Ort in unserer gallischen Provinz, aber ein vollständiges Landgut mitsamt Haupt- und Nebengebäuden, Getreideanbau und Viehzucht, das die Größe eines solchen Geländes vermittelt, ist einmalig.

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Experimentelle Archäologie: Der Vallus im Einsatz

Das Hauptgebäude, die Wohnvilla, wurde nicht rekonstruiert, sondern in ihren Fundamenten belassen. Es gibt auch keine Pläne, das Gebäude (wie z.B. bei der Villa Borg) zu rekonstruieren.

Ein konstantes Problem eines solchen Projektes, das nicht die Mittel wie z.B. ein LVR-Park zur Verfügung hat, ist, wie üblich, die Finanzierung. Wie überall, wird auch in Belgien bei der Archäologie gespart.

Der Wiederaufbau der Villa wäre allein aus finanzieller Hinsicht utopisch. Es befinden sich allerdings noch mehr Nebengebäude und Funde auf dem Gelände, die jedoch aus Geldmangel nach Abschluß der Grabungsarbeiten und archäologischen Aufnahme wieder vergraben werden mußten, um sie zu schützen und zu erhalten. Das Museum ist ständig um neue Gelder bemüht, um die Grabungen fortzusetzen; sollten neue Mittel verfügbar sein, würde man damit gerne weitere Nebengebäude rekonstruieren.

Beschreibung:

Auf unseren Reisen durch die gallische Provinz stoßen wir immer wieder auf Überraschungen  – Malagne war eine solche, die uns regelrecht begeisterte. Wir hatten mit einer weiteren Villa Rustica gerechnet, aber dann sahen wir die Ausmaße des Geländes und vor allem, wie detailliert und anschaulich das Landgut rekonstruiert und betrieben wird.

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Auch Getreide wird hier angebaut

Am Parkplatz befindet sich ein Schild, das darauf hinweist, daß der Park zwar bis 18 Uhr geöffnet hat, der letzte Einlaß aber um 16:30h ist, was uns im ersten Moment verwunderte, dann aber schnell klar wurde, warum das so ist.

Malagne ist nichts für eine kurze, schnelle Stippvisite – der Park mit seinen vielen Details und weitläufigem Gelände muß in Ruhe erforscht und erwandert werden, um dem Besucher die Dimension dessen, was hier erarbeitet und gezeigt wird, zu erschließen.

Im Eingangsbereich an der Kasse empfing uns eine sehr freundliche und engagierte Frau, mit der wir uns in einem regen Mix aus Französisch und Englisch unterhielten. Sie erklärte uns, daß an dem Tag unseres Besuchs keine Vorführungen stattfanden (an manchen Sonntagen wird der Park durch Darsteller belebt, die an einigen Stationen praktische Tätigkeiten demonstrieren). Aber man kann den gesamten Park auch gut alleine erwandern, denn er ist in über 20 beschriftete Stationen aufgeteilt, zu denen man ausführliche Informationen mit einem Audio-Guide abrufen kann.

Den Audio-Guide erhielten wir an der Kasse, zusammen mit einem laminierten Lageplan der einzelnen Stationen auf dem Gelände, so daß man problemlos den Nummern folgen kann. Das Gerät ist im Eintrittspreis enthalten (der angesichts der Größe und des Aufwands der Bewirtschaftung des Geländes absolut in Ordnung ist); unsere Ansagetexte stellte die Frau uns auf Englisch ein. Daneben sind Französisch und Flämisch als weitere Sprachen verfügbar.

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Die Texte in den Audio-Guides sind detailliert und fundiert

Die Informationen des Audio-Guides sind sehr gut gemacht – informativ und detailliert. Sie schafften es, den experimentalarchäologischen Anspruch des Parks und die erzielten Ergebnisse sehr gut herauszustellen und anhand der Stationen zu erläutern.

Zu einigen Spezialthemen sind auf Wunsch, zusätzlich zu den Texten der Stationen, weiterführende Informationen verfügbar, die man durch Eingabe einer weiteren Nummer abrufen kann. Hier gehen die Texte dann sehr ins Detail und weisen auf ganz spezielle Aspekte eines Themas hin, unterlegt durch Zitate aus antiken Quellen oder mit Hinweisen auf Bildquellen – didaktisch vorbildlich!

Die Führung beginnt im Inneren des Hauptgebäudes, in dem sich auch ein Seminar- und Arbeitsraum befinden, wo regelmäßig pädagogische Aktivitäten für Gruppen, Schulklassen und andere Interessenten stattfinden.

Hier werden anhand eines rekonstruierten Modells des Landgutes zu römischer Zeit das Gelände, der Lageplan und die Geographie erläutert, zum Beispiel auch die Tatsache, daß sich am Hang hinter dem auf einem Hügel gelegenen Herrenhaus ein Steinbruch befand.

Nach der Erläuterung der generellen Lage wird der Besucher auf das Freigelände entlassen, auf dem man sich frei bewegen kann. Es macht jedoch Sinn, die Stationen in numerischer Reihenfolge abzulaufen, da die Informationen aufeinander aufbauen.

Den Anfang macht eine Aussichtsplattform, von der aus man einen tollen Überblick über das Landgut hat und schon einmal staunt, wie groß das Gelände war und wie hervorragend die Aussicht des Hausherrn auf sein Land von seiner auf der Anhöhe gelegenen Villa gewesen sein muß.

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Ausprobieren erlaubt!

Überall zwischen Getreidefeldern und Viehweiden, die (neben einem modernen Zaun, der den heutigen Vorschriften geschuldet ist) mit antiker Zauntechnik umgrenzt sind, sieht man die rekonstruierten Nebengebäude aufragen.

Das Blöken der Schafe, die Laute der Pferde und Rinder, machen den Gang über das Gelände besonders anschaulich – so muß auch die Geräuschkulisse zu römischer Zeit gewesen sein. Das verstärkt das Eintauchen in die Geschichte und erhöht die Anschaulichkeit deutlicher, als wenn man nur durch die Ruinen einer Villa Rustica geht.

Das ganze Gelände ist sehr gepflegt und sauber, die Kräuter-, Obst- und Gemüsefelder sind beschriftet.

Alle Gebäude können betreten werden und alles, was sich darin an Werkzeugen und Alltagsgegenständen befindet, kann man in die Hand nehmen und ausprobieren. Man wird zuerst an die Öfen und Küche geführt und erhält eine Einführung in antike Bautechnik mit Fachwerk und Steinbauweise. Nach einem Rundgang durch die Gärten geht es an einem Getreidefeld entlang zum Teich, der an der originalen Stelle angelegt wurde (heute jedoch als Biotop verwendet wird, um Lebensraum und Ökosystem See zu erläutern).

Vorbei an den Weiden der Rinder, Pferde, Schafe und Ziegen geht es in die Schmiede, wo auch die Versorgung thematisiert wird, da sich hier auch Räucherkammer und Bierbrauerei befanden. Am nicht wieder aufgebauten, aber mit einem Schutzbau überdachten Haus des Gutsverwalters vorbei, besichtigt man dann den großen Stall, der im Winter tatsächlich als Stall für die Tiere des Parks genutzt wird.

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Der rekonstruierte Vellus, die römische Mähmaschine

Hier erfährt auch man detailliert von einem besonderen Experiment, das in Malagne durchgeführt wurde: die Rekonstruktion der antiken Mähmaschine Vallus, die auch im Stall als Nachbau zu bestaunen ist.

Während man sich über das Gelände bewegt, erfährt man im Audio-Guide von weiteren Besonderheiten des Hofes, zum Beispiel der Entdeckung eines Gräberfeldes, das jedoch noch nicht weiter erforscht werden konnte.

Den Abschluß der gut 1,5 bis 2-stündigen Rundwanderung bildet das Herrenhaus, das zwar nicht rekonstruiert wurde, das aber (mauerschonend) über Brücken und Stege betreten und durchquert werden kann.

Überall im Park finden sich, zusätzlich zu den Informationen im Audio-Guide, Info-Tafeln. Diese sind jedoch leider nur auf Französisch (gelegentlich mit einer einzeiligen Zusammenfassung auf Flämisch).

Im Museumseingang gibt es einen kleinen Shop und es besteht die Möglichkeit, heiße und kalte Getränke zu sich zu nehmen. Es gibt auch einen Picknickbereich.

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Im großen Hauptgebäude, der herrschaftlichen Villa

Fazit: Eine Villa Rustica haben viele Orte, aber als „gallo-römische Erfahrung“ ist das römische Landgut von Malagne definitiv etwas Besonderes.

Durch die Kombination aus rekonstruierten Gebäuden, aktiver Bewirtschaftung, experimenteller Archäologie und hervorragender, fundierter Wissensvermittlung gehört Malagne für uns definitiv zu den Geheimtips, die wir unseren gallo-römisch interessierten Lesern wärmstens ans Herz legen möchten. Deswegen machen wir an dieser Stelle gerne (und unbezahlt) Werbung für diesen Archäologischen Park! Wenn Ihr einmal in der Nähe seid, sei es in den belgischen, luxemburgischen oder französischen Ardennen (beide Landesgrenzen sind nur wenige Kilometer entfernt), solltet Ihr dieses Ziel unbedingt auf Eure Liste setzen.

Öffnungszeiten, Eintritt:

In den Monaten Juli bis September ist der Park täglich von 11-18 Uhr geöffnet (letzter Einlaß 16:30 Uhr). Für den Besuch sind etwa 2 Stunden einzuplanen.

Außerhalb dieser Zeiten, von Ende März bis Anfang November, ist der Park in den Schulferien und an Feiertagen und Wochenenden geöffnet.

Während der Winterpause ist Öffnung für Gruppen nach Absprache möglich.

Der Eintritt für einen Erwachsenen beträgt 6,50 €, für Kinder 5 €. Der Audio-Guide ist im Preis enthalten.

Führungen, Veranstaltungen:

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In der experimentellen Küche

Jeden ersten Sonntag im Monat finden Führungen mit praktischen Vorführungen statt, zum Beispiel zum Thema Brotbacken.

Malagne ist auch Schauplatz eines Römerfests namens „Le Rendez-Vous Gallo-Romain de Wallonie“ mit römischen Legionen, Handwerkern, Reiterei und Gladiatorenspielen. Das Gelände ist für solche Veranstaltungen ausgezeichnet geeignet.

Aktuelle Informationen zu solchen Veranstaltungen sind auf der offiziellen Website zu finden oder in unseren Ankündigungen unter „Events und Veranstaltungen“.

Es finden außerdem regelmäßige Veranstaltungen und Workshops statt (allerdings ausschließlich auf Französisch), wie archäologische „Gallo Day Camps“ für Kinder. Gruppenaktivitäten können auf Anfrage gebucht werden, ebenso wie eine Vorführung antiker Bierbraukunst oder Brotback-Workshops.

Sonstiges:

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Die rekonstruierte Schmiede mit Räucherkammer, Darre und Bierbrauerei

Es ist erlaubt, Hunde an der Leine mitzuführen.

Fotografieren ist überall uneingeschränkt erlaubt.

Weiterführende Informationen:

 

 

  • Kurzer Filmbeitrag über Malagne: „Malagne, vivre au temps des Romains“ (Französisch, 8 Minuten)

Götterwelt: Arduinna

Herkunft, Bezeichnungen:

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Diese Bronzefigur wird als Arduinna angesprochen; ob es sich bei ihr tatsächlich um diese Göttin handelt, ist nicht gesichert

Arduinna ist eine gallo-römische Berg- und Waldgottheit und Göttin des Ardennenwaldes. In der Interpretatio Romana wird sie der Göttin Diana zugeordnet.

Alternative Schreibweisen sind Ardbinna oder Ardvinna. In einer Weiheinschrift wird sie auch als Dea Ardbinna bezeichnet.

Als „Ardennen“ (Arduenna silva) bezeichneten die Römer das zusammenhängende Mittelgebirge und geschlossene Waldgebiet von den (heutigen) Ardennen in Belgien und Luxemburg über Hohes Venn, Eifel bis an die Mosel und den Rhein (Provinzen Belgica und Germania inferior). Dieses Gebiet war zur Zeit des Gallischen Krieges (54-53 v. Chr) vor allem von den Treverern und Eburonen besiedelt und diente als Rückzugsgebiet des eburonischen Königs Ambiorix. Eine ausführliche geographische Beschreibung findet sich bei Caesar, De bello gallico, V, 3; VI, 31. Auch Strabon beschreibt in seiner „Geographica“ (IV, 3, 5) die Ardennen und zählt die keltischen Stämme auf, die in diesem Gebiet leben.

Ähnlich wie die gallo-römische Berggöttin Abnoba (römisch: Diana-Abnoba) die Personifikation des Schwarzwaldes war, gilt Arduinna als Personifikation der Ardennen. Weihesteine und figürliche Funde sind aus mehreren Gegenden des Eifel-Ardennengebiets bekannt, jedoch ist die Fundlage spärlicher als bei Abnoba. Verehrung erfuhr sie vor allem im Nordwesten Galliens.

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Replik des Weihesteins aus Gey

Ein Weihestein für Arduinna wurde in Gey (Hürtgenwald) gefunden, wo er heute auf dem Dorfplatz als Replik aufgestellt ist (das Original befindet sich im Rheinischen Landesmuseum Bonn). Die Inschrift (CIL 13, 07848) lautet: „Deae Ardbi/nnae T(itus) Iuli/us Aequalis / s(olvit) l(ibens) m(erito)“ – „Der Göttin Ardbinna hat Titus Iulius Aequalis sein Gelübde froh, gerne und nach Gebühr eingelöst“.

Ihre Verehrung ist bis in das Jahr 565 n. Chr. belegt, als der langobardische Mönch und luxemburgische Säulenheilige St. Walfroy (Wulfilaïc) im belgischen Florenville eine Abkehr vom Kult der Arduinna forderte und ein Heiligtum der Diana zerstörte.

Zuständigkeiten, Attribute und Darstellungen:

Ein Weihestein (CIL 6, 46) ist aus Rom bekannt, den M. Quartinius Sabinus, Soldat einer römischen Kohorte, ein Gallier aus dem Stamm der Remer, mehreren Göttern stiftete – an erster Stelle zwei Lokalgöttern seiner Heimat, Ardvinne und Mars-Camulus. Da sein Weihestein neben einer Inschrift auch ein Relief enthält, wissen wir, daß Arduinna ikonographisch im klassischen römischen Stil wie Diana mit Bogen und Köcher dargestellt wurde.

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Die Wälder und engen Täler der Ardennen (hier: Blick von der Burg in Esch-sûr-Sure)

Eine weitere Darstellung der Arduinna ist in Form einer kleinen, aus römischer Zeit stammenden Bronzestatuette erhalten, die eine jugendliche Göttin mit Pfeil und Bogen zeigt, die auf einem Eber reitet und eine kurze, gegürtete Tunika trägt und wahrscheinlich diese Göttin zeigt.

Der Fundort dieser Figur ist unbekannt, ebenso kann nicht mit absoluter Sicherheit gesagt werden, daß es sich bei dieser Figur tatsächlich um Arduinna handelt, da keine begleitenden Inschriften gefunden wurden. Die Zuordnung zu dieser Göttin stammt aus dem 19. Jahrhundert und erfolgte durch den Antiquaren, der sie entdeckte – möglicherweise aufgrund der Tatsache, daß das Wappentier der Ardennen der Eber ist. Die Figur befindet sich heute im Musée des Antiquités Nationales in Saint-Germain-en-Laye.

Durch ihre Identifikation mit Diana wird sie als Natur-, Jagd- und Waldgöttin angesprochen, daneben durch ihren Bezug zu den Ardennen und Parallelen zu Abnoba als Berggöttin und Beschützerin der Region, die sie als Lokalgöttin personifiziert.

Sonstiges:

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In den Ardennen sind wir gerne und häufig unterwegs. Hier: Blick vom Chateau La Roche

Zu Arduinna ist (anders als bei den gallischen Gottheiten Sirona oder Rosmerta) kein Begleiter bekannt.

Es sind keine Orte oder Tempel erhalten oder bekannt, an denen sie verehrt wurde.

 

 

 

 

 

 

 

Ambiorix, König der Eburonen

Das Denkmal des Ambiorix auf dem Marktplatz von Tongeren

Das Denkmal des Ambiorix auf dem Marktplatz von Tongeren

Eine unserer Reisen durch das östliche Gallien führte uns nach Tongeren, in die älteste Stadt Belgiens.

Sie entstand aus der römischen Stadt Atuatuca Tungrorum, Hauptstadt des Verwaltungsbezirks Civitas Tungrorum in der Provinz Gallia Belgica (die später in die Provinz Germania inferior, Niedergermanien, eingemeindet wurde).

Neben der noch über mehrere Kilometer erhaltenen römischen Stadtmauer, gibt es in Tongeren das (sehr modern gestaltete) Gallo-Romeins Museum, das zum Europäischen Museum des Jahres 2011 gekürt wurde. Hier sind vor allem die regionalen Funde aus dem römischen Atuatuca Tungrorum ausgestellt und der Besucher erhält einen guten Eindruck von der Ausdehnung und dem Aufbau der römischen Provinzstadt.

Die dritte – wenngleich nicht wirklich „römische“ Sehenswürdigkeit, aber dennoch für den gallo-römischen Touristen Pflichtprogramm -, ist das 1866 errichtete Ambiorixstandbild auf dem Marktplatz der Stadt. Er zeigt den überlebensgroßen König des gallischen Stammes der Eburonen, der auf drei Dolmen steht.

Ambiorix gilt als ein belgischer „Nationalheld“. Der Anführer der Eburonen spielt eine wichtige Rolle in Caesars KriegsberichtDe Bello Gallico, denn er brachte den römischen Legionen auf ihrem Gallienfeldzug in den Jahren 54-53 v. Chr. eine ihrer größten Niederlagen bei. Caesar beschäftigt sich in seinem Kriegsbericht ausführlich mit diesem Herrscher, den wir deshalb vor allem aus dieser Quelle kennen.

Die Eburonen wurden von einem Doppelkönigtum regiert; diese beiden Herrscher bezeichnete Caesar mit dem lateinischen Wort „Rex“ (König):

„Catuvolcus rex dimidiae partis Eburonum“

König Catuvolcus herrscht über die eine Hälfte der Eburonen“ (De Bello Gallico 6,31,5)

Als Rache für die Niederlage, die die Eburonen den römischen Legionen beibrachten, ordnete Caesar im Jahr 51 v. Chr. einen Rachefeldzug gegen den gesamten Stamm an mit dem Ziel, ihn auszulöschen und das Stammesgebiet danach den Rom-loyalen Germanen vom Stamme der Ubier zu übergeben.

Eburonische Höhenfestung (Römervilla Ahrweiler, 2014)

Eburonische Höhenfestung (Römervilla Ahrweiler, 2014)

Auch für uns ist das Schicksal des Ambiorix und der Eburonen von besonderem Interesse, da die Region, in der wir leben – das Ahrtal – im Grenzland zwischen den Stammesgebieten der Eburonen und der ebenfalls keltischen Treverer lag. Eburonische Funde aus der Region, sowie die Rekonstruktion einer eburonischen Höhensiedlung, waren im Jahr 2012 im Rahmen der Sonderausstellung „Eburonen – unsere vergessenen Vorfahren“ in der Römervilla Ahrweiler zu sehen.

Als römische Rekonstruktionisten ist es für uns immer spannend und interessant, sich ganz grundsätzlich mit römischer Geschichte zu beschäftigen, die wir dank der vielen erhaltenen Quellen gut studieren können. Als wir in Tongeren auf Ambiorix und die Eburonen trafen, die auch unsere Region besiedelt hatten, war die Gelegenheit gekommen, wieder einmal Caesars Kriegsbericht „De Bello Gallico“ in die Hand zu nehmen und sich mit Ambiorix und dem Schicksal seines gallischen Stammes zu beschäftigen!

Da vielen Lesern der „Gallische Krieg“ des Julius Caesar in der Schule im Lateinunterricht vergällt wurde, wäre es natürlich ein schöner Nebeneffekt, wenn dieser Artikel wieder das Interesse an dem spannenden Kriegsbericht des römischen Feldherren (und natürlich an Ambiorix und den Eburonen!) weckt und man feststellt, daß Geschichte keineswegs dröge und langweilig ist – und daß „De Bello Gallico“ Ereignisse beschreibt, die sich direkt hier vor Ort, in unserer Heimat abgespielt haben 🙂

Die Eburonen

Das Stammesgebiet der Eburonen erstreckte sich über das stark bewaldete Gebiet zwischen Rhein und Maas im Bereich der Eifel und der nördlichen Ardennen. Westlich reichte es etwa bis auf die Höhe der Stadt Brüssel und an das Gebiet der westlich der Maas lebenden Aduatuker, südlich stieß es an das Stammesgebiet der in der Südeifel und im Moselraum lebenden, ebenfalls keltischen Treverer. Beiden – größeren – Stämmen waren sie zu Tributzahlungen verpflichtet.

Die Wälder und engen Schluchten der Ardennen gehören zu unseren liebsten Reisezielen

Die Wälder und engen Schluchten der Ardennen gehören zu unseren liebsten Reisezielen (hier: Blick von der Burg in Esch-sur-Sûre)

Die Eburonen waren ein relativ kleiner gallischer Stamm, der über etwa 44.000 Mitglieder, davon 8000 kampffähige Krieger, verfügte.

Caesar berichtet in „De Bello Gallico„, daß die Eburonen von einer Doppelspitze aus zwei Königen geführt wurden (Ambiorix und Catuvolcus), wie es bei keltischen Stämmen bisweilen üblich war. Um einen Krieg zu erklären, war die Zustimmung beider Könige notwendig. Ansonsten schien die Aufgabenverteilung eher geografischer Natur zu sein; nach der Verteilung der Münzfunde scheint Ambiorix‘ Herrschaftsgebiet in der Nähe von Brüssel gelegen zu haben, während Catuvolcus über die Eburonen im Eifel- und Ardennenraum herrschte. Den Machtbefugnissen der Könige nach zu urteilen, schien es sich, wie im heutigen Großbritannien, den Niederlanden oder Belgien, eher um eine Art konstitutionelle Monarchie gehandelt zu haben, denn Ambiorix selbst erklärt gegenüber Caesar bei einem Zusammentreffen:

„ut non minus haberet iuris in se multitudo, quam ipse in multitudinem.“

„denn seine Herrschaft sei von der Art, dass das Volk ebenso viele Gewalt über ihn besitze als er über das Volk“ (De Bello Gallico, 5, 27, 3)

Im Laufe des Krieges tritt dann allerdings ausschließlich noch Ambiorix in Erscheinung; von König Catuvolcus hört man nur noch einmal, im Zusammenhang mit seinem Selbstmord nach der Zerschlagung des eburonischen Aufstandes. Der alte König vergiftete sich mit dem Saft des Eibenbaums und verfluchte seinen Amtskollegen Ambiorix auf dem Sterbebett. Die Eibe gilt als der „heilige“ Baum der Eburonen und das keltische Wort für Eibe (eburo) als Namensgeber des Stammes, so daß aus dem hohen Alter von Catuvolcus in der Literatur auch geschlussfolgert wird, daß der zweite König eher sakrale Funktionen innehatte.

„Catuvolcus rex dimidiae partis Eburonum, qui una cum Ambiorige consilium inierat, aetate iam confectus, cum laborem aut belli aut fugae ferre non posset, omnibus precibus detestatus Ambiorigem, qui eius consilii auctor fuisset, taxo, cuius magna in Gallia Germaniaque copia est, se exanimavit.“

„Catuvolcus, der König einer Hälfte der Eburonen, der an der Verschwörung des Ambiorix teilnahm, aber seines hohen Alters wegen unfähig war, die Last des Krieges oder der Flucht zu ertragen, vergiftete sich unter Fluch und Verwünschung des Ambiorix als des Urhebers der ganzen Sache, mit dem Beerensaft des Eibenbaumes, der in Gallien und Germanien in großer Menge wächst.“ (De Bello Gallico, 6, 31, 5)

Kelten oder Germanen?

Zu Beginn des Gallienfeldzugs waren die Eburonen mit den Römern verbündet und es herrschte ein reger Kontakt zwischen Caesar und Ambiorix. Zwischen beiden verkehrten regelmäßig Boten und es fanden lange Gespräche und Verhandlungen statt. Unter anderem unterstützten die Eburonen Rom bei der Unterwerfung des Stammes der Belger.

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