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Antike Stätten: Archäologischer Wanderweg Bruttig-Fankel

Heute stellen wir Euch nicht nur ein archäologisches Bodendenkmal vor, sondern gleich einen ganzen Wanderweg durch die Kulturgeschichte der Eifel-Mosel-Region.

In dieser Gegend, die erst von der Bronzezeit, dann der eisenzeitlichen Eifel-Hunsrück-Kultur und dem keltischen Stamm der Treverer und schließlich von der gallo-römischen Kultur geprägt war, findet sich ein kleiner, aber sehr spannender Themenwanderweg abseits der ausgetretenen Wanderpfade.

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Einer von vielen keltischen Grabhügeln auf diesem Wanderweg

Länge und Streckenführung:

Es handelt sich nicht um einen Rundwanderweg, d.h. man geht den Weg einmal hin- und wieder zurück (wahlweise kann man natürlich auch einen alternativen Rückweg durch das mit zahlreichen Wanderwegen durchzogene Gebiet nutzen).

Der Weg folgt einem Teilstück des Keltenweges (ein Fernwanderweg durch den Hunsrück) sowie des Moselhöhenweges. Zum Teil verläuft er direkt auf der ehemaligen Römerstraße, die als Querverbindung die Ausoniusstraße durch den Hunsrück mit der Mosel verband.

Länge: ca. 3,3 km (einfache Strecke). Plant bei gemütlichem Gehen und ausführlicher Besichtigung der archäologischen Bodendenkmäler ca. 2,5 Stunden ein.

Der Weg ist sehr einfach zu gehen und folgt einem breiten, gut ausgebauten Waldpfad. Es gibt ein paar wenige Steigungen oder Gefällestücke, die aber immer nur kurz und nicht anspruchsvoll sind.

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Der Weg ist breit und einfach zu begehen und deshalb auch für ungeübte Wanderer geeignet

Anfahrt und Startpunkt:

Der Archäologische Wanderweg hat an seinem nördlichen Startpunkt einen eigenen Wanderparkplatz. Er ist von der Landstraße aus ausgeschildert und leicht an einer großen „Straße der Römer“ Infotafel zu erkennen. Wir empfehlen den Start an diesem Ende des Weges, auch wegen der Informationen auf dieser Tafel.

Die Anreise erfolgt am besten aus dem Moselort Bruttig-Fankel. Hier finden sich vor der Ortseinfahrt bereits die typischen braunen Hinweisschilder, die an der Mosel auf archäologische Besonderheiten aufmerksam machen, mit der Beschriftung: „Grabhügelfelder„.

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Der Wanderparkplatz beim Birkenhof oberhalb von Bruttig-Fankel

Für das Navi „Bruttig Fankel, Birkenhof“ eingeben. Der Landstraße aus Bruttig-Fankel den Berg hinauf folgen. Kurz vor der Abzweigung, wo es links zum gut sichtbaren Biohof „Birkenhof“ geht (mit Hofladen-Automat!), weist ein grünes Hinweisschild nach rechts auf den „Archäologischen Wanderweg“ hin. Wenn man hier rechts einbiegt, ist man schon auf dem Wanderparkplatz.

Die Anreise mit Öffentlichen Verkehrsmitteln ist nur mit dem Bus möglich. Vom Bahnhof Cochem aus fährt die Buslinie 717 zum Haltepunkt „Valwigerberg – Archäologischer Weg“. Zustieg ist auch in Treis-Karden und Bruttig-Fankel möglich. Die Fahrzeiten sind allerdings eher sporadisch.

Hintergrundinformationen:

Auf den Moselhöhen oberhalb von Bruttig-Fankel sind Besiedlungsspuren aus über 3000 Jahren Kulturgeschichte erhalten. Da die Wälder des Hunsrücks in dieser Region nie im großen Stil überbaut wurden, sind zahlreiche archäologische Bodendenkmäler noch heute gut sichtbar im Gelände erhalten. Die Moselgemeinde Bruttig-Fankel hat in einer Region mit besonders hoher Dichte an Bodendenkmälern aus den unterschiedlichsten Besiedlungsepochen einen archäologischen Wanderweg ausgewiesen. Nahezu alle Epochen der Menschheitsgeschichte, von der Jungsteinzeit bis zum Mittelalter, sind hier belegt, was diesen kleinen Wanderweg zu einem echten Geheimtipp macht.

Hinweistafeln erläutern die Bodenfunde und ihren zeitlichen und historischen Zusammenhang.

Die ältesten Funde sind Grabhügelfelder aus der Urnenfelder- und Bronzezeit (1500 bis 700 v. Chr.). Es folgen große keltische Grabhügelanlagen der Treverer aus der Eisenzeit, wie sie typisch für die hier vertretene Eifel-Hunsrück-Kultur sind (750 bis 400 v. Chr.). Durch die Eisenverhüttung zog der Landstrich Menschen an und es kam zu einem Bevölkerungsanstieg in der unwirtlichen Höhenlage. Hier siedelte man meist auf den offenen Flächen in kleinen Fachwerk-Siedlungen und Einzelgehöften.

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Die Grabhügel sind im Gelände gut zu erkennen, hier ein Größenvergleich

Aus der römischen Zeit gibt es Teile der gut erhaltenen Römerstraße.

Da unser Interessenschwerpunkt bei mosmaiorum.info auf der Römischen Zeit liegt, können wir uns natürlich besonders für das römische Fernstraßennetz im Raum Eifel, Mosel und Hunsrück begeistern, das durch ein dichtes Wegenetz aus Fernstraßen schnelle Verbindungen zwischen den Metropolen Metz, Trier, Köln, Bonn und bis an den Rhein bei Koblenz und Bingen und von da aus weiter nach Mainz ermöglichte.

Durch den Hunsrück führte der bekannte Ausoniusweg, der von Trier (Augusta Treverorum) nach Bingen (Bingium) führte. Querverbindungen verbanden ihn mit dem Moseltal, sowie dem Fernstraßennetz der oberhalb des anderen Moselufers gelegenen Eifel. Die Verbindung erfolgte hier über Brücken.

Eine solche Querverbindung in Richtung Eifel stellte der hier zu findende sogenannte „Rennweg“ statt, der nach der modernsten römischen Straßenbautechnik erbaut war: erst wurde eine Trasse ausgeschachtet, es folgte eine Packung aus feinen und dichtem Steinmaterial mit Kalkmörtel-Beimischung (Statumen). Darüber folgten eine Lage aus quer geschichteten Steinen, dann eine Schicht aus grobem Kies und Steinen. Der letztendliche abdichtende Straßenbelag bestand aus feinen, wassergebundenen Kiesschichten. Damit Wasser gut abfließen konnte, waren römische Straßen gewölbt gebaut mit einem Wassergraben an beiden Seiten. Die Straße war ca. 6 Meter breit (20 römische Fuß), so dass 2 Karren aneinander vorbeifahren konnten. Straßenpflaster gab es in unseren Breiten allerdings nur bei den wichtigsten Fernstraßen.

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Die schnurgerade Römerstraße

Aus dem Hochmittelalter stammen auffällige Hohlwege mit Landwehrsystemen, die in über 300 Metern Länge aufgeschlossen sind.

Beschreibung

Der Wanderweg kann in beiden Richtungen begangen werden (es ist, wie schon erwähnt, kein Rundweg). Wir empfehlen den Start an der Infotafel von „Straße der Römer„, wo sich auch der Parkplatz befindet. Die bunte Starttafel beschreibt den Archäologischen Pfad und hat auch kurze Zusammenfassungen auf Englisch und Französisch.

Der Weg ist einfach zu verfolgen. Er verläuft vom Parkplatz aus eine Weile strikt geradeaus erst über einen offenen Bereich mit dichtem Gestrüpp, danach durch den Wald. Zu Beginn findet man eine allgemeine Informationstafel zur Kulturgeschichte der Region. Einige hundert Meter weiter folgt links am Wegrand eine Informationstafel zu den Hügelgräbern. Der weitere Wegverlauf folgt dem „Moselhöhenweg“ und dem „Keltenweg“.

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Der Verlauf des Weges ist auf der ersten Infotafel beschrieben

Die Infotafel zu den Hügelgräbern ist allerdings etwas irreführend aufgestellt; wir verbrachten eine Weile damit, im dornigen Gestrüpp herumzulaufen und die beschriebenen Überreste des „Grabhügels an der Urmersheck“ zu suchen. An dieser Stelle ist jedoch nichts zu sehen, wie uns ortskundige Einheimische bestätigten. Sie gaben uns den entscheidenden Tipp: wenn man dem Weg weiter folgt, macht er eine scharfe Abbiegung nach rechts und verläuft dann wieder schnurgerade (da er zu Teilen der alten römischen Fernstraße folgt). Wenn man nun dem Weg nach der Biegung noch einige hundert Meter folgt, ist das keltische Hügelgrab rechts des Weges gut sichtbar; es gibt sogar eine erkennbare gemauerte Kammer. Der Hügel hat einen Durchmesser von ca. 6 Metern. Es wird auf das 5. bis 4. Jahrhundert v. Chr. datiert.

Nach einigen weiteren hundert Metern stößt man links des Weges auf ein sehr großes Hügelgrab, das eine eigene Infotafel hat – den Grabhügel an der Wolfskaul aus der vorrömischen Eisenzeit. Er ist mit 12 Metern Durchmesser und 1,20 Höhe gut im Gelände zu erkennen. Die Infotafel vermittelt allgemeine Informationen über Hügelgräber und Bestattungsbräuche.

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Antike Stätten: gallo-römische Villa Mageroy (Belgien)

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Villa Mageroy

Anschrift:

Villa gallo-romaine de Mageroy, Rue de Mageroy 2, 6723 Habay-la-Vieille, Belgien.

Anfahrt:

Die Ausgrabungsstätte der gallo-römischen Villa Mageroy liegt in den südbelgischen Ardennen in der Provinz Luxemburg (Wallonie) in der Nähe des Ortes Habay-la-Vieille. Sie liegt außerhalb des Ortes inmitten von Feldern und Kuhwiesen. Von Habay aus ist sie aber gut zu finden, da sie ausgeschildert ist. Der Weg führt über landwirtschaftliche Nutzwege.

Für das Navi kann man die „Rue de Mageroy“ eingeben, muss dann vor Ort aber trotzdem die Augen nach den kleinen Wanderschildern offenhalten, die die Richtung weisen, da die Rue de Mageroy in eine unbenannte Schotterstraße mündet. Folgt man dieser nach rechts den Hügel hinab, so ist die Ausgrabungsstätte bald auf der rechten Seite zu sehen. Man kann direkt vor dem Gelände parken.

Die Gegend ist wanderfreundlich und ein Netz von ausgeschilderten Wanderwegen verläuft rund um die Villa.

Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, erreicht die Ausgrabungsstätte entweder mit dem Regionalzug aus Libramont / Arlon. Vom Bahnhof Habay aus sind es noch etwa 15 Minuten Fußweg. Eine Alternative ist der Bus der TEC Linie 28 zwischen Arlon und Marbehan. Von der Haltestelle Rue de Nantimont sind es noch einige Gehminuten zu Fuß.

Hintergrundinformationen:

Die Region in den luxemburgischen und südbelgischen Ardennen gehörte in römischer Zeit zu Gallien und wurde nach dem Ende des Gallischen Krieges schnell romanisiert. An vielen Orten der noch heute landwirtschaftlich, vor allem viehwirtschaftlich dominierten Region, finden sich deshalb gallo-römische Landgüter, Tempel oder andere militärische oder zivile Bauwerke.

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Panoramablick über das Gelände

Der gallo-römische Gutshof von Mageroy, der im Stammesgebiet der Treverer lag, gilt als archäologisch besonders bedeutsam und regelmäßig finanziert das Land Wallonie Grabungskampagnen (2017 zum Beispiel die Untersuchung eines Nebengebäudes, in dem man Spuren von Eisenverhüttung entdeckte). Betreut wird die 3 ha große Ausgrabungsstätte durch den gemeinnützigen Verein ARC-HAB, der von mehreren Archäologen geleitet und durch zahlreiche Freiwillige unterstützt wird. Dieser Verein leitet die Ausgrabungen und wertet die Funde aus.

Das Landgut, das sich aus einem Hauptgebäude, mehreren Neben- und Wirtschaftsgebäuden, sowie weiteren Baustrukturen zusammensetzt, stammt aus dem 1. Jahrhundert n.Chr. Es durchlief in den folgenden Jahrhunderten jedoch mehrere Umbauphasen und wurde bis ins 4. Jahrhundert bewohnt.

Zu römischer Zeit lag es fünf Kilometer von der römischen Fernstraße von Reims nach Trier entfernt. Die nächste größere Ortschaft war vicus Orolaunum, das heutige Arlon.

Die Lage des Gutshofes in einer sumpfigen Mulde in der Nähe eines kleinen Baches erlaubte das Anlegen eines großen Weihers auf dem Gelände.

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Der Bereich des ehemaligen Weihers ist heute noch ein Feuchtgebiet und ein reiches Biotop

Der Wohnbereich, die Pars urbana, bestand aus einem 670 Quadratmeter großen Haupttrakt aus dem 1. Jahrhundert, der eine nach Süden ausgerichtete Fassade von 28 Metern Länge aufwies. Der größte Raum befand sich zentral im Hauptgebäude und umfasste 170 Quadratmeter. Aus der Anordnung der Räume läßt sich schließen, daß sich im Westflügel die Wohn- und Privaträume befanden, während die Räume im Ostflügel als Gemeinschaftsräume angesprochen werden.

Als Baumaterial für die Gebäude diente das lokal anstehende Gestein, das vor allem aus Schiefer und grünem Sandstein besteht. An das Hauptgebäude schließen sich weitere Neben- und Wirtschaftsgebäude an.

Das zweite Jahrhundert gilt als die Wohlstandszeit der Bewohner der Villa, die vermutlich einheimische romanisierte Gallier waren. Zahlreiche Erweiterungen und der Einbau von „Luxusfeatures“ wie Fußbodenheizungen und Thermen zeigen, wie  komfortabel die Bewohner lebten. Auch der prunkvoll gestaltete, repräsentative Eingangsbereich zeugt vom Wohlstand seiner Bewohner.

Zahlreiche Funde, wie z.B. ein Pflug, aber auch ungewöhnliche organische Funde, die sich im anaeroben Milieu des Weihers erhielten, geben heute einen guten Einblick in den Alltag der Bewohner. So wurden seltene Funde in gutem Erhaltungszustand geborgen, unter anderem Holzrohre, Schuhsohlen aus Stroh, Funde aus Leder und Holz, Obstkerne und eine Weinrebe.

Auch einige Namen der Bewohner sind bekannt, so wurde ein Ring mit dem eingravierten Namen „Micia“ gefunden. Man nimmt an, daß Micia eine Hausherrin war, zumal ihr Name auch auf Tongeschirr entdeckt wurde. Der Name eines Verwalters, der  in einem der seitlichen Wirtschaftsgebäude lebte, ist ebenfalls bekannt: Onesimus Olympius.

Auch im dritten Jahrhundert wurde das Landgut noch einmal erweitert, unter anderem um eine Bronzegießerei. Allerdings scheint der Hof im Jahr 262 (datiert aus Münzfunden) auch einem großen Feuer anheimgefallen zu sein. Dies war auch die Zeit der großen Germaneneinfälle, die zwischen 260 und 270 diesen Teil Galliens heimsuchten.

013_MageroyDer Hof wurde jedoch nicht aufgegeben, sondern neu aufgebaut, um einige Gebäude, wie Latrinen, Getreidedarren und ein Silo, sowie um eine dem Schutz dienende Befestigungsanlage erweitert. Aus dem 4. Jahrhundert stammen Keramik-Scherben in typischer germanischer Machart. Zum Ende des 4. Jahrhunderts wurde der Ort dann jedoch aus unbekannten Gründen aufgegeben und verlassen.

Die Existenz einer archäologischen Stätte war bereits im 19. Jahrhundert bekannt, als Bauern von alten Mauern und Bauwerken berichteten. Auch hielt sich in der Region Habay seit Jahrhunderten eine Legende von „drei Schlössern“, von denen eines in Mageroy vermutet wurde. Bis in das 17. Jahrhundert sollen die römischen Mauern sichtbar gewesen sein und wurden für die Überreste eines solchen Schlosses gehalten.

Erste Ausgrabungen fanden im Jahr 1984 statt. Die Untersuchungen, die auch moderne Methoden des Georadars umfassen, dauern bis heute an und die Funde aus Mageroy werden von verschiedenen Forschungseinrichtungen untersucht.

Beschreibung:

Schon von weitem fällt das in einer Talsenke gelegene Ausgrabungsgelände ins Auge: rund um die freigelegten Mauern der Häuser befinden sich kleine aufgeschüttete Anhöhen, auf denen Informationstafeln stehen und die einen guten Blick von oben auf das Gelände bieten.

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Ein Kuppelbackofen

Viele der Gebäudefundamente wurden im Laufe der Grabungskampagnen freigelegt. Fußwege führen durch das Gelände und zu den Aussichtshügeln. Daneben gibt es experimental-archäologische Bereiche wie einen Kuppenbackofen oder einen Kräutergarten, in dem thematisch gruppierte Pflanzen angebaut werden, zum Beispiel Pflanzen zum Färben, Aroma-Pflanzen oder Heilpflanzen.

Überall auf dem Gelände finden sich ausführliche und mit guten Illustrationen und Fotos versehene Informationstafeln (leider nur auf Französisch), sowie schematische Darstellungen der Gebäude, so daß man sich orientieren kann, was man gerade vor sich sieht.

Als wir im Juli 2017 dort waren, war gerade eine neue Ausgrabungskampagne des Vereins ARC-HAB im Gange und eine Gruppe aus etwa 10 freiwilligen jungen Leuten legte ein Nebengebäude frei. Die Grabungsteilnehmer waren sehr auskunftsfreudig und hilfsbereit und kamen sofort auf uns zu, um uns Informationen anzubieten, falls wir Fragen hätten. Auf die Frage, was aktuell erforscht wird, erfuhren wir, daß das Land Wallonien Geldmittel zur Verfügung gestellt hatte, um ein Nebengebäude freizugelegen, in dem wahrscheinlich Metall geschmolzen oder Erz verhüttet wurde. Man zeigte uns auch einige aktuelle Funde des Tages, vor allem Keramikscherben und Reste von Dachziegeln.

Das Gelände ist überraschend weitläufig und man kann sich dort frei bewegen und überall umschauen. Es gibt auch ein Verwaltungsgebäude, das für die Vereinsmitglieder zur Verfügung steht, ansonsten aber geschlossen ist, sowie einen Schuppen für die Grabungswerkzeuge und zur zwischenzeitlichen Aufbewahrung der Funde. Durch die gute und interessante Präsentation der Ausgrabungsstätte ist diese Villa Rustica sehr sehenswert und hebt sich auch von vielen anderen typischen gallo-römischen Landgütern ab, die man überall im Lande findet.

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Der Kräutergarten

Der Verein, der die Anlage betreut, ist sehr um Öffentlichkeitsarbeit bemüht und führt auf Anfrage auch Führungen durch. Daneben gibt es immer wieder Veranstaltungen, auch für Kinder, einen Fotowettbewerb, Exkursionen, Grabungscamps oder sogar eine „gallo-römische Radtour“.

Eintritt und Öffnungszeiten

Der Eintritt ist frei. Die Villa Mageroy ist jederzeit und rund um die Uhr frei zugänglich. Sonderveranstaltungen kosten gegebenenfalls eine Teilnehmergebühr.

Sonstiges

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Ein Besuch der Villa Mageroy läßt sich gut mit einem Besuch der nahen Stadt Arlon kombinieren, die ein hervorragendes archäologisches Museum hat, dessen gut erhaltene gallo-römische Abteilung wegen seiner Skulpturen als eine der besten des Landes gilt.  Ebenfalls in der Nähe liegt das Keltenmuseum von Libramont-Chevigny.

Quellen und weiterführende Informationen:

Museen: Musée municipal Dudelange (LU)

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Das Stadtmuseum von Dudelange

Anschrift:

25, Rue Dominique Lang, 3505 Dudelange, Luxembourg

Anfahrt:

Die luxemburgische Industrie- und Eisenverhüttungsstadt Dudelange liegt im Kanton Esch-sur-Alzette im Süden Luxemburgs unmittelbar an der Grenze zu Frankreich. Sie ist über die Autobahnen A13 und A3 direkt erreichbar.

Das Museum befindet sich im Innenstadtbereich an der Hauptstraße, neben einem kleinen Park und in der Nähe der Hauptgeschäftsstraße. Parkmöglichkeiten sind, wie in Innenstädten üblich, an den verschiedenen öffentlichen Parkplätzen oder in Seitenstraßen möglich. Wir hatten keine Probleme, Parklücken in der Nähe des Museums zu finden.

Dudelange-ville verfügt auch über einen Bahnhof, der von Zügen aus dem benachbarten französischen Volmerange-les-Mines, aus Bettembourg und Luxemburg-Stadt angefahren wird. Das Museum ist vom Bahnhof aus zu Fuß erreichbar.

Sammlung:

Keltische Funde aus der Bronze- und Eisenzeit neben gallo-römischen Funden

Keltische Funde aus der Bronze- und Eisenzeit neben gallo-römischen Funden

Heute stellen wir Euch kein gewöhnlichliches Museum vor! Denn das Städtische Museum Dudelange ist eher ein etwas bizarrer Insidertipp. Wenn man sich für merkwürdige Orte begeistern kann, lohnt sich der Abstecher zu diesem kleinen Museum, wenn man im Süden Luxemburgs unterwegs ist. Das ist keinesfalls despektierlich gemeint; der Ort hat seinen ganz eigenen Charme.

Das Museum befindet sich in einer ehemaligen Villa, die über und über mit Efeu bewachsen ist. Es beherbergt archäologische, historische, aber auch geologische und paläontologische Funde aus der Region. Die archäologischen Ausstellungsstücke stammen überwiegend aus einer Grabung von 1970 auf dem Gelände der Burg auf dem Mont St Jean, die von den „Amis de l’Histoire et du Mont Saint-Jean“ durchgeführt wurde.

Dabei stellte man bei Grabungen auf dem mittelalterlichen Burggelände oberhalb der Stadt fest, daß diesen Gebäuden eine gallo-römische Besiedlung vorausging. Und ebenso wild, wie die mittelalterlichen Legenden, die sich um die Burg und den Berg ranken (wie die Jungfrau vom Johannisberg, die – als Schlange verzaubert – alle sieben Jahre auf ihren Retter wartet) ist die Präsentation der Funde in dem Museum.

Der Viergötterstein, Sockel einer Jupitergigantensäule

Der Viergötterstein, Sockel einer Jupitergigantensäule

Schon in den 70er Jahren war man im Ort der Ansicht, daß das Fundmaterial aus der Umgebung dem Publikum präsentiert werden müßte, da die Grabungen schließlich aus öffentlichen Geldern finanziert worden war. Zuerst führte man kleinere Ausstellungen durch, bis man zu dem Entschluß kam, die Funde im Erdgeschoß des Stadthauses der Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich zu machen. Es begann im Jahr 1976 mit zwei Vitrinen, die nach und nach auf acht Vitrinen erweitert wurden.

Schließlich erwarb die Stadt im Rahmen der Neugestaltung eines Wohnviertels im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus die frühere Dienstvilla des Hüttendirektoren von Arbed-Düdelingen, die nach umfangreichen Renovierungen im Jahr 1982 als neues Stadtmuseum eröffnet wurde. Das Museum enthielt nun drei Abteilungen: die historische Abteilung im Erdgeschoß, ein Rückblick auf 100 Jahre Eisenhütte sowie eine Fotogalerie „Nei Liicht“ im Obergeschoß (die zur Zeit unseres letzten Besuchs im Sommer 2014 allerdings gerade geschlossen war und umgebaut wurde).

Die historische Abteilung nimmt das Erdgeschoß der Villa ein. Sie wird dominiert von den Funden der Grabung sowie von zahlreichen Fossilien, die aus der Umgebung der Stadt stammen und von Bauarbeiten in den Industriezonen und beim Autobahnbau gefunden wurde. Zu erwähnen vor allem Funde aus dem Jurameer, wie sehr schön präparierte und gut erhaltene Nautiliden, Ammoniten, Brachiopoden, sogar einige Fischsaurier.

Die Fossilien aus dem Jurameer sind sehr gut erhalten

Die Fossilien aus dem Jurameer sind sehr gut erhalten

Die Abteilung für Vor- und Frühgeschichte beginnt bei den ersten Siedlungsspuren im Raum Dudelange in Form eines 40.000 Jahre alten Faustkeils, Steinwerkzeugen aus der Jungsteinzeit und vielen Funden aus der keltischen Besiedlung der Region in der Bronzezeit und La Tène-Kultur, wie ein Fibelfragment, Schaber, Bohrer, Klingen und eine geschliffene hache-marteau, die durchbohrt ist.

Die gallo-römische Epoche wird dargestellt durch Funde aus dem 4. Jahrhundert, unter andrem Haarnadeln aus Bein, Spinnwirteln, Fingerhut, Töpferware, Münzen, Keramik, Gürtelverzierungen und eine Zwiebelknopffibel, die die römische Militärpräsenz in der Region belegt.

Auch ein Viergötterstein als Fuß einer Jupiter-Gigantensäule gehört zu den römischen Funden. Er zeigt, was typisch für den ostgallischen Raum ist, auf vier Seiten des Sockels Jupiter, Juno, Minerva und Herkules. Die für den römisch-keltischen Raum typische Säule, die auf ihrer Spitze den Kampf Jupiters gegen die Giganten zeigt, ist leider nicht erhalten. Auch der Viergötterstein, der aus Sandstein besteht, ist stark verwittert.

Saal 3 enthält schließlich den größten Teil der Sammlung, der das Leben auf der Burg im Spätmittelalter bis zur Renaissancezeit zeigt.

Präsentation und Räumlichkeiten

Bis jetzt klingt das alles noch nicht ungewöhnlich – ist es aber, wenn man die üblichen Stadtmuseen in Deutschland zum Vergleich heranzieht.

Allein im Museum

Allein im Museum

Denn in der Villa, die am Nachmittag für drei Stunden geöffnet hat, sucht man eine Kasse, eine Aufsicht, einen Shop, eine Cafeteria oder auch nur einen Empfangstisch mit einem daran sitzenden Angestellten oder Ehrenamtlichen vergebens. Ungewöhnlich für deutsche Besucher ist es, die Villa einfach durch die offene Eingangstür zu betreten und dann frei und vollkommenen alleine in den Räumen herumzulaufen. Zum Teil muß man sich selbst das Licht einschalten oder die Rolläden hochziehen.

Als wir das erste Mal dort waren, fragten wir uns die ganze Zeit, ob wir etwas verpaßt hatten – ob die Villa vielleicht nur versehentlich offenstand und ob das Personal, das doch sicher die Ausstellungsstücke dort bewachen sollte, nur gerade in einer Besprechung war oder sich in einer Pause befand. Wir fühlten uns fast wie Einbrecher, als wir durch die Räume gingen, das Licht anschalteten und alles frei erkundeten.

Ein kleines Stadtmuseum, das Spaß macht

Ein kleines Stadtmuseum, das Spaß macht

Auf einer Fensterbank im Fossilienraum liegen schwarz-weiße kopierte Broschüren in mehreren Sprachen (Französisch, Deutsch, Englisch), die die Geschichte und Sammlung des Museums erläutern und die einfach mitgenommen werden können.

Das Erdgeschoß besteht nur aus drei Räumen und einem Flur mit Treppenhaus, die Gegenstände befinden sich in Vitrinen oder auf den Fensterbänken, an den Wänden hängen Bilder und Fotos, sowie einige erläuternde Schilder. Eine klare thematische Trennung ist nicht zu erkennen; Römisches und Keltisches findet sich im gleichen Raum wie Fossilien, die Jupitersäule ist im Flur ausgestellt. Es gibt auch eine Kanone samt Kanonenkugeln.

Anders, als man es in Deutschland erwarten würde, lädt dieses Museum – obwohl es offensteht und nicht bewacht wird und sich zudem in einer Industriestadt samt sozialem Brennpunkt befindet – niemanden zu Mißbrauch oder Vandalismus ein. Ganz im Gegenteil scheint das Stadtmuseum respektiert zu werden, es ist sauber und gepflegt.

Die Erläuterung des Viergöttersteins

Die Erläuterung des Viergöttersteins

Der erste Stock mit dem Industriemuseum wurde gerade renoviert, als wir zuletzt dort waren. Wir stiegen die Treppe hoch, um zu sehen, was sich oben befindet und landeten in einer Baustelle, wo uns ein Bauarbeiter, der gerade eine Pause machte, freundlich in der dortigen Lokalsprache auf Französisch begrüßte.

Auch die Beschriftung der Ausstellungsstücke ist nicht einheitlich; meist sind die Schilder auf Französisch oder beinhalten nur die lateinischen Namen der Fossilien. Die Jupitergigantensäule wird jedoch auf Deutsch in einer vergilbtem, mit Schreibmaschine geschriebenen Collage erläutert, die offenbar noch aus der Zeit der Grabung (den frühen 70er Jahren) stammt.

Man kann sich völlig frei in der Villa und der Sammlung bewegen, Fotos machen und wenn man mit seinem Besuch fertig ist, verläßt man die Villa und zieht einfach die Tür hinter sich zu. Eine ziemlich luxemburgisch-entspannte Erfahrung.

Öffnungszeiten, Eintritt, Führungen:

Das Museum ist mittwochs bis sonntags von 15 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Französischsprachige Führungen werden nach telefonischer Vereinbarung angeboten (Telefon: 516121-1). Ob auch Führungen in anderen Sprachen möglich sind, wissen wir leider nicht.

Sonstiges:

In der Villa

In der Villa

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Ein Besuch des Museums läßt sich gut mit gallo-römischen Ausflugszielen in der Region kombinieren, zum Beispiel mit dem „Palast“ von Helmsange, dem Grabtempel in Bech-Kleinmacher, dem Winzergrabmal von Remerschen oder dem Cerunincus-Waldtempel von Steinsel.

Dudelange selber ist eine Industriestadt, die nicht gerade zu den schönsten Flecken des Landes gehört. Dort gibt es auch ein Kriegsmuseum (Musée des enrôlés de force), das die Zeit im Süden Luxemburgs während des 2. Weltkriegs dokumentiert. Es ist, im Gegensatz zum Stadtmuseum, jedoch nur morgens geöffnet.

Weiterführende Informationen: