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Museen und Archäologische Parks: Archäologiepark Belginum

Das Museum des Archäologischen Parks steht mitten im vicus Belginum

Das Museum des Archäologischen Parks steht mitten im vicus Belginum

Anschrift:

Keltenstraße 2, 54497 Morbach

Anfahrt:

Der Archäologiepark Belginum liegt unmittelbar an der Hunsrückhöhenstraße – schon zu keltischer und römischer Zeit eine wichtige Fernstraße quer durch den Hunsrück von Trier (Augusta Treverorum) nach Bingen (Bingium), die Ausoniusstraße. Sie ist benannt nach dem Dichter Decimus Magnus Ausonius, bekannt für seine Moselbeschreibung „Mosella“. Der Verlauf der heutigen Hunsrückhöhenstraße folgt noch heute der antiken Fernstraße.

Der Park liegt in der Nähe der Dörfer Morbach und Hochscheid im Hunsrück. Letzeres spielte zu römischer Zeit wegen des dortigen Quellheiligtums für Sirona und Apollo-Grannus mit Heilbad, Pilgerherbergen und Tempelkomplex eine überregional bedeutsame Rolle. Da er unmittelbar an der Bundesstraße liegt, ist er mit dem Auto gut erreichtbar. Parkplätze stehen vor dem Museum kostenlos zur Verfügung.

Überall im Park finden sich Informationstafeln auf Deutsch, Englisch und Französisch

Überall im Park finden sich Informationstafeln auf Deutsch, Englisch und Französisch

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Park etwas umständlich zu erreichen. Der nächste Bahnhof befindet sich in Bernkastel-Kues an der Mosel. Von dort aus fährt man mit der Buslinie 311 bis zur Haltstelle „K106“ bei Wederath (Keltenstraße). Von dort aus sind es noch einige Minuten zu Fuß. Dort halten jedoch nur wenige Busse pro Tag, so daß die An- und Abreise sehr gut geplant werden muß. Ansonsten gibt es noch einen Bahnhof in Idar-Oberstein, von dem aus ebenfalls ein Bus nach Morbach fährt. Hier sehen die Verbindungen jedoch nicht besser aus, so daß man besser mit dem Auto anreisen sollte, wenn man die Möglichkeit dazu hat.

Belginum ist auch eine Station auf dem 106 km langen „Sirona-Weg„, der antiken Stätten der Kelten und Römer folgt. Dieser Wanderweg befindet sich lt. Aussage der Verbandsgemeinde zur Zeit auf dem Prüfstand, so daß einige Wegpunkte und Schilder nicht ganz so gut gepflegt sind, wie sie es eigentlich sein sollten. Auch die Website des Sirona-Weges ist zur Zeit offline. Dem Weg kann man aber dennoch gut folgen; insbesondere im Raum Belginum – Hochscheid – Stipshausen – Bundenbach finden sich einige interessante Sehenswürdigkeiten, die in diesem beliebten Wandergebiet in einer Ganztageswanderung erschlossen werden können (Abschnittslänge ca. 20 km).

Hintergrundinformationen:

Der vicus Belginum im östlichen Gallien war zu römischer Zeit ein Ort, der direkt an der viel bereisten und zum Teil zweispurig ausgebauten Ausoniusstraße lag und damit ein wichtiger Durchgangsort war für Reisende in West-Ost-Richtung und für Pilger, die auf dem Weg zum nahen Quellheiligtum in Hochscheid waren.

Ein Kräutergarten mit typischen Kräutern, die zu römischer Zeit verwendet wurden

Ein Kräutergarten mit typischen Kräutern, die zu römischer Zeit verwendet wurden

Der Siedlungsort ist jedoch weit älter und war schon in vorrömischer Zeit von einheimischen Kelten besiedelt. Die Siedlungsgeschichte erstreckt sich von 400 v. Chr. bis 400 n. Chr. und ist deswegen ein bedeutender Fundort für die keltische Zeit im Hunsrück, der vom Stamm der Treverer bewohnt war.

Darüber hinaus ist er auch eine wichtige Fundstätte für die gallo-römische Übergangszeit, da er detailliert den Prozeß der Romanisierung der einheimischen Bevölkerung belegt, die mit der Ankunft der Römer nach dem Ende des Gallischen Krieges nach und nach den römischen Lebensstil übernahmen. Nicht zuletzt wird auch die provinzialrömische Zeit bis in die Spätantike und die beginnende Christianisierung dokumentiert.

Das Besondere an Belginum ist, daß neben dem eigentlichen Ort mit seinen vier Tempelkomplexen, Kulttheater (dessen Nutzung zu kultischen Zwecken durch eine Inschrift belegt ist) und kleinem Militärlager ein riesiges Gräberfeld lag, das fast 1000 Jahre lang durchgängig genutzt wurde.

Es finden sich sowohl keltische Hügelgräber aus vorrömischer Zeit, Gräber aus der Zeit des Gallischen Krieges, Brandgräber nach römischem Brauch und zuletzt Körpergräber nach christlichem Brauch. Die fast 2500 entdeckten Gräber dokumentieren durch ihre Grabfunde detailliert Alter, Geschlecht, Besitzstand und Status der hier Bestatteten. Es gibt Gräber alter und junger Menschen bis hin zu Kindergräbern, wohlhabender und armer Einwohner, Krieger und Handwerker. Insbesondere in der Bestattungskultur ist der Übergang von keltischen zu gallo-römischen Bräuchen und der Mischkultur, die für diese Region typisch ist, sehr gut zu beobachten.

Die Göttin Epona wurde hier im Tempel verehrt, sie war eine der Hauptgottheiten der Treverer

Die Göttin Epona wurde hier im Tempel verehrt, sie war eine der Hauptgottheiten der Treverer

Die Verschmelzung keltischer Bräuche und Glaubensvorstellungen, auch die Übernahme von Gottheiten, die für die Treverer eine besonders zentrale Rolle spielten (wie Epona, Sirona und Grannus) in den römischen Pantheon sind in dieser Region im Hunsrück sehr gut zu sehen. Hier hat sich, wie im ganzen östlichen Gallien (vor allem im Mosel- und Eifelraum) die besondere Mischform des gallo-römischen Cultus in ganz typischer Weise herausgebildet und ist in Belginum durch die Jahrhunderte nachvollziehbar.

Im Tempelbezirk sind die typisch gallo-römischen Umgangstempel mit Cella nachgewiesen. Dort ebenfalls gefundene Pfostenlöcher weisen bereits auf eine Nutzung als Tempelbezirk zu keltischer Zeit hin, da auch die Kelten in dieser Region bereits feststehende Tempelgebäude errichteten. Gleichzeitig befand sich der Tempelbezirk am Ortsrand, was vermuten läßt, daß hier keltische Traditionen der Naturverehrung mit römischen städtischen Traditionen verbunden wurden. Zahlreiche Inschriften, Weihealtäre, Bronzestatuetten und Opfergaben (wie Pferdegeschirr und Wagenteile, die im Tempel gefunden wurden) belegen unter anderem, daß hier ein zentrales Heiligtum für die Göttin Epona stand. Sie war eine der wichtigsten Göttinnen der Treverer, die im ganzen Reich für ihre Pferdezucht bekannt waren und auch die römische Armee mit Pferden belieferten.

Welche anderen Götter eine zentrale Rolle in den Umgangstempeln spielten, ist nicht bekannt, da in keiner Cella ein großes Standbild (wie man es zum Beispiel von Sirona aus Hochscheid kennt) gefunden wurde. Zu den kleinen Figurenfunden gehörten unter anderem Venus und Herkules.

Belginum vicus an der Ausoniusstraße auf der römischen Straßenkarte

Belginum vicus an der Ausoniusstraße auf der römischen Straßenkarte

Die Siedlungsgeschichte an diesem Ort begann um 400 v. Chr. zur Zeit der Hunsrück-Eifel-Kultur, reicht kontinuierlich über die Spätlatènezeit bis in die Eisenzeit und Spätantike. Der Name des Ortes, vicus Belginum, ist auf der Tabula Peutingeriana aufgeführt, einer 6,80 Meter langen römischen Straßenkarte aus dem 3. Jahrhundert, die die wichtigsten Orte des gesamten Römischen Reichs und deren Verbindungsstraßen zeigt (das Original ist nicht erhalten, wurde zu spätrömischer Zeit im 5. Jahrhundert auf der Grundlage von Kartenmaterial aus dem 3. Jahrhundert neu erstellt, zu karolinischer Zeit und im 12. Jahrhundert kopiert; die letzte Kopie ist erhalten geblieben). Auch das zeigt die Bedeutung dieses Ortes an einem wichtigen Verkehrsweg.

Durch die verkehrsgeographische und strategische Lage war Belginum ein wichtiger Warenumschlagplatz, über den Waren aus entfernten Regionen des Reichs, so aus Afrika, Spanien und Italien, nach Norden und von Westen an den Rhein transportiert wurden. Rohstoffe und Güter aus der Region gelangten von hier aus wiederum in den Mittelmeerraum. Zahlreiche Funde, wie riesige Amphoren mit spanischem Olivenöl, dokumentieren den reichsweiten Warenverkehr, der mit hohem logistischem Aufwand betrieben wurde.

Hercules-Figur, gefunden in Belginum

Hercules-Figur, gefunden in Belginum

Im Ort herrschte ein reges Markttreiben, der Markt zog Händler, Handwerker und Kunden von weither an. Außerdem gab es die wichtigsten Handwerksbetriebe vor Ort, vom Radmacher und Wagenbauer über Tischler, Schmiede, bis zum Tuchmacher sowie Ärzten. Die Gegend war auch – wie heute noch – stark von Landwirtschaft geprägt, so daß Bauern in Belginum die Produkte aus der Region anboten.

Die Siedlung bestand aus engen, nebeneinander liegenden Parzellen mit schmalen, rechteckigen Häusern von 8 – 10 Metern Breite und 30 – 40 Metern Länge, die entlang der Straße errichtet waren. Jedes Haus verfügte über einen eigenen Keller und hatte vor der Eingangstür ein Vordach. Es handelte sich um Fachwerkhäuser, die auf steinernen Fundamenten standen und sie beinhalteten wahrscheinlich, wie dies üblich war, Geschäfte und Werkstätten im vorderen Teil und Wohnräume im hinteren Teil. Daran schlossen sich Innenhöfe und Gärten an, in denen Zisternen und Abwässerkanäle eine gut funktionierende Wasserversorgung und Abwasserentsorgung belegen. Da diese Region des Hunsrück bekannt für seine Schiefervorkommen ist (Hunsrück-Schiefer, Bundenbacher Schiefer), der hier auch im großen Stil abgebaut wurde und immer noch wird, waren die Häuser schiefergedeckt.

Zum Ende des 4. Jahrhunderts wurde Belginum, wahrscheinlich durch den Druck der Germaneneinfälle, aufgegeben. Auch die Nekropole, in der fast 1000 Jahre lang Kelten und Römer ihre Toten bestatteten, wurde nicht mehr genutzt.

Die antike Stätte und der antike Straßenverlauf werden seit dem 17. Jahrhundert archäologisch erforscht. Bis ins 20. Jahrhundert waren die Ruinen in der nicht mehr neu besiedelten Gegend oberirdisch sichtbar und fielen immer wieder durch zahlreiche, auch außergewöhnliche Funde auf.

Keltische Hügelgräber in der Nekropole von Belginum

Keltische Hügelgräber in der Nekropole von Belginum

Die ersten systematischen Grabungen erfolgten ab dem Jahr 1954 in mehrjährigen Grabungskampagnen, bei denen das 4,5 ha große Gräberfeld mit seinen 2500 Gräbern archäologisch erfasst wurde. Ab 1969, im Rahmen von Straßenbaumaßnahmen an der nahen Bundesstraße, wurde auch der dazugehörige vicus untersucht, der etwa 600 Meter entlang der römischen Straße und der heutigen Hunsrückhöhenstraße verlief.

In den 90er Jahren wurde das Gebiet mit geophysikalischen Methoden untersucht, wobei zwei Tempelbezirke, das Kulttheater und ein frührömisches Militärlager nachgewiesen werden konnten.

Im Jahr 2002 wurde in diesem Gebiet der Archäologiepark Belginum gegründet, um die Funde zu bewahren und den bedeutsamen Ort der Öffentlichkeit vorzustellen. Die Ausgrabungen dauern bis heute an; aktuell konzentrieren sie sich auf den westlichen Teil der Siedlung und den zweiten Tempelbezirk. Die Grabungen erfolgen in Kooperation mit dem Landesmuseum Trier.

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Rezepte: Römisches Gewürzbrot

In unserer Reihe über römische Küche möchten wir Euch auch an unseren Erfahrungen und den Ergebnissen unserer römischen Backexperimente teilhaben lassen.

Dieses römische Brot passt besonders gut zu Moretum

Dieses römische Brot passt besonders gut zu Moretum

In der Reihe „Römische Brote“ stellen wir Euch als erstes einen Klassiker vor, der schnell geht, gut schmeckt und vor allem super zu allen Gerichten paßt – unser Favorit ist dieses Brot, noch warm, mit frischem Moretum (unser Moretum-Rezept hier). Simpel und sehr lecker!

Wer sich für Hintergrundinformationen rund um die römische Küche interessiert, dem empfehlen wir unseren umfangreichen Einleitungsartikel „Römisches Essen und Trinken„!

Dieses römische Brot wird mit Hefe gemacht und ist deswegen ein lockeres, „fast wie gewohntes“ Brot mit Kruste. Der eigentliche Unterschied zu modernen Broten liegt vor allem in der Würzung.

Es gab keine festgelegte römische „Norm“, was ein Brot zu beinhalten hatte (ganz im Gegenteil war man recht freizügig damit, was man sonst noch hineingab, von Rosinen, Gewürzen aller Art über Nüsse bis hin zu Früchten), so daß Ihr das Rezept natürlich auch als Grundlage für weitere Brotvariationen nehmen könnt. Das hier ist allerdings ein sehr gutes „Basisbrot„, das gerade würzig genug ist, um sich abzuheben und einen guten Kontrast zu Moretum oder anderen römischen Gerichten zu schaffen, aber neutral genug, um dem anderen Essen nicht die Schau zu stehlen.

Die benötigten Zutaten sind im Supermarkt zu bekommen - können natürlich auch selbst angebaut werden ;-)

Die benötigten Zutaten sind im Supermarkt zu bekommen – können natürlich auch selbst angebaut werden 😉

Benötigte Zutaten:

  • 250 g Weizenmehl  (Typ 405)
  • 250 g Dinkelmehl (Typ 630)
    • es kann, je nach Geschmack, auch nur mit Weizen- oder Dinkelmehl gemacht werden, aber die Mischung macht’s unserer Meinung nach
  • Lauwarmes Wasser
  • Ein Löffel Honig
  • Olivenöl
  • Salz
  • Gewürze: Kümmel, Koriander, Anis, Fenchel – Menge nach Geschmack
  • 1 Beutel Lorbeerblätter
  • 1 Tüte Hefe oder 1 Packung frische Hefe (der Einfachheit halber und damit es schneller geht, verwenden wir Hefebeutel)
  • 1 Kastenform

Zubereitung:

Gewürze im Mörser fein mahlen

Gewürze im Mörser fein mahlen

Gewürze mit dem Mörser mahlen, wenn sie nicht bereits gemahlen oder gerebelt sind. Römer liebten es generell würziger, so daß man hier nicht allzu zaghaft mit der Menge der Gewürze zu sein braucht. Das Brot sollte schon eindeutig nach Gewürzen riechen und schmecken, insbesondere Anis und Fenchel geben hier den Ton an und machen die „typisch römische“ Note aus. Die Menge, die einem selbst schmeckt, muß man durch eigene Experimente herausfinden, da kann man keine generellen Empfehlungen geben. Wir sind in der Regel großzügig mit allen Gewürzen. Fenchel und Kümmel sorgen für gute Bekömmlichkeit.

Wasser zugeben, bis der Teig knetfähig ist

Wasser zugeben, bis der Teig knetfähig ist

Das Mehl in einer Schüssel vermischen. Einen Löffel Honig (es muß nicht viel Honig sein, das Brot soll nicht nach Honig schmecken, sondern der Zucker dient nur zur Fütterung der Hefe), den Hefebeutel, etwas Salz (wir nehmen Meersalz aus der Mühle), einen guten Schuß Olivenöl und die Gewürze hinzugeben und gut verrühren.

Langsam lauwarmes Wasser hinzufügen und immer wieder verrühren, bis sich ein knetfähiger Teig herstellen läßt.

Die Knetfläche mit Dinkelmehl bestreuen und den Teig darauf so lange durchkneten, bis er homogen ist und sich die Zutaten gleichmäßig darin verteilt haben.

Den Teig kneten, bis alles gleichmäßig verteilt ist

Den Teig kneten, bis alles gleichmäßig verteilt ist

Olivenöl in eine Kastenform gießen und mit einem Pinsel auf dem Boden und an den Seitenwänden der Form einstreichen. Anschließend den Boden der Form und die Seitenwände mit Lorbeerblättern belegen.

Den Teig auf das Lorbeerbett in der Kastenform geben, diese mit einem dünnen Geschirrhandtuch bedecken und im etwa 60 Grad warmen Backofen für ca. eine halbe Stunde gehen lassen. Nach einer halben Stunde prüfen, ob der Teig bereits aufgegangen ist. Manchmal braucht er länger (45 Minuten bis 1 Stunde), manchmal ist er schon nach 30 Minuten förmlich explodiert.

Die Backform mit Olivenöl ausstreichen und mit Lorbeerblättern auslegen

Die Backform mit Olivenöl ausstreichen und mit Lorbeerblättern auslegen

Wenn der Teig schön luftig aufgegangen ist und seine Größe etwa verdoppelt hat, den Backofen auf 175 Grad erhitzen und das Brot – dieses Mal ohne Abdeckung – auf der mittleren Schiene backen. Dafür ein flaches Schälchen mit Wasser mit aufs Backblech geben, das für Feuchtigkeit im Ofen sorgt und dafür, daß das Brot nicht zu trocken wird.

Wer es besonders römisch haben will, kann in das Brot noch sein Zeichen stempeln oder ein Muster hineinritzen. Aber auf keinen Fall sollte das Brot noch einmal aus der Form genommen oder gar erneut geknetet werden!

Das Brot etwa 30 Minuten backen (Umluft oder Ober-Unterhitze, beides funktioniert). Nach 30 Minuten Sichtkontrolle, ob das Brot gut aufgegangen ist und dunkel und knusprig aussieht. Die Backzeit kann, wenn das Brot noch zu hell ist, verlängert oder die Temperatur kurz für eine letzte Runde erhöht werden.

Abgedeckt in Wärme gehen lassen, bis der Teig sich deutlich vergrößert hat

Abgedeckt in Wärme gehen lassen, bis der Teig sich deutlich vergrößert hat

Wenn das Brot fertig ist, die Kastenform aus dem Ofen nehmen und das Brot auf ein Holzbrett stürzen. An der Unterseite und den Seiten des Brotes kleben nun die eingebackenen Lorbeerblätter. Das ist gut so und sie bleiben auch dort, bis das Brot angeschnitten wird – die Blätter also nicht herauspiddeln!

Das Brot sollte eine Weile stehen bleiben (mindestens eine Stunde), denn wenn es noch zu heiß oder zu frisch ist, wenn es angeschnitten wird, zerfällt es beim Schneiden und krümmelt auseinander. Nach einigen Stunden hat es eine perfekte Konsistenz und kann bequem mit einem Brotmesser in Scheiben geschnitten und verzehrt werden. Ideal ist es, das Brot noch am gleichen Tag zu essen. Plant man also ein römisches Essen am Abend, genügt es, das Brot etwa sechs Stunden vorher zuzubereiten.

Backen, bis das Brot dunkel und knusprig ist

Backen, bis das Brot dunkel und knusprig ist

Wenn man es nicht anschneidet, kann man es auch einen Tag vorher backen und am Folgetag verzehren, das schmeckt auch noch.

Wir wünschen Euch viel Spaß beim Nachbacken und bei eigenen Experimenten. Wenn Ihr uns über Eure Erfahrungen berichten möchtet oder wie Euch das Brot geschmeckt hat oder ob Ihr eigene Variationen entdeckt habt, freuen wir uns über einen Kommentar!

Das fertige Brot!

Das fertige Brot!

Götterwelt: Flora

Kaiserzeitliche Statue der Flora aus Hadrians Villa (Kapitolinisches Museum)

Kaiserzeitliche Statue der Flora aus Hadrians Villa (Kapitolinisches Museum)

Herkunft, Zuständigkeiten, Bezeichnungen:

Flora ist eine alte Vegetations- und Fruchtbarkeitsgöttin ur-römischen Ursprungs.

Im Gegensatz zu vielen anderen römischen Gottheiten, hat sie ihren Ursprung nicht in der etruskischen, griechischen oder provinzialrömischen Götterwelt (keltisch, afrikanisch, orientalisch), sondern gilt als Göttin, die bereits von den Sabinern verehrt wurde – den „Ureinwohnern“ der italischen Halbinsel vor der Gründung Roms, die lange Zeit als schärfste Konkurrenten Roms in der Region galten, bis sie im Jahr 290 v. Chr. endgültig von Rom erobert und in das Römische Reich assimiliert wurden.

Der Legende nach wurde Flora vom sabinischen König Titus Tatius (der bis zu seiner Ermordung gemeinsam mit Romulus über Rom herrschte) mit nach Rom gebracht, indem er ihr dort einen Altar errichtete. Die sybillinischen Bücher ordneten im Jahr 238 v. Chr. die Errichtung eines Tempels für sie an, gemeinsam mit der Einführung eines Festes – den Floralia. Dieser Tempel wurde auf dem Quirinal errichtet, einem der sieben Hügel Roms und das Kultgeschehen dort von einer Priesterin betreut.

Numa Pompilius, der sagenhafte zweite König Roms, setzte für sie einen eigenen Flamen ein (ein Opferpriester, der für eine bestimmte Gottheit zuständig ist) – den Flamen Floralis. Er gehörte zu den zwölf Flamines minores, den „kleineren Flamen“.

In späterer Zeit errichtete man ihr einen zweiten Tempel, dieses Mal in der Nähe des Circus Maximus, um sie als sehr volkstümliche Göttin in einem plebeiischen Umfeld in der Nähe des einfachen Volks anzusiedeln.

Flora wird auch als Flora Mater angesprochen.

Sie gehört zu den ländlichen Fruchtbarkeits- und Vegetationsgottheiten, hier vor allem – wie der Name schon andeutet – der Blumen und Pflanzen, auch Erde, Getreide und Ackerbau, aber auch als Göttin der Jugend und eine Göttin der Schwangerschaft. Ähnlich wie Bacchus ist sie auch eine Göttin der Sinnesfreuden und des Genusses und sie gilt als die Schutzgöttin der Prostituierten. Sie kann auch Pflanzenkrankheiten abhalten, insbesondere einen Pilz, der vor allem Getreide befällt.

Da es relativ viele Fruchtbarkeitsgöttinnen gibt (lokale, wie auch im ganzen römischen Reich verbreitete), steht Flora neben ihnen immer etwas im Schatten und spielt eigentlich nur Ende April bis Anfang Mai eine größere Rolle im religiösen Alltag.

Sie ist mit der Jahreszeit Frühling assoziiert (zu anderen Jahreszeiten tritt sie sozusagen wieder zurück in den Schatten).

In der Mythologie ist sie die Gemahlin des Wind-, Blumen- und Pflanzengottes Favonius, tritt aber auch als eine Gefährtin des Hercules auf. Außerdem soll sie die Göttin Juno durch eine Blume befruchtet haben, was zur Geburt des Gottes Mars führte. Ovid setzt sie in seinen „Fasti“ mit der griechischen Nymphe Chloris gleich, interessanterweise eine Gleichsetzung, die sonst in keiner antiken Quelle erwähnt wird.

Attribute und Darstellungen:

Wandgemälde der Flora aus Stabiae nahe Pompeji

Wandgemälde der Flora aus Stabiae nahe Pompeji

In der antiken Darstellung ist Flora eine junge Frau, die mit Blumen bzw. Blüten geschmückt ist. Bilder von ihr sind überliefert in Form von Statuen, Reliefs, Wandmalereien, aber auch auf römischen Münzen, auf deren Rückseite ihr Bild geprägt war.

Zu ihren Pflanzen gehören die Wicken, Bohnen und Lupinen (nach Persius).

Zu den Rosalia am 23. Mai wurde sie mit Rosen geehrt. Die Rose war in der römischen Antike eine typische Totenblume (wie bei uns heute die weiße Lilie), galt aber auch als Symbol für den Kreislauf der Natur, für das Sterben und den Neubeginn.

Feiertage:

Im römischen Kalender werden Ende April ihr zu Ehren die mehrtägigen Floralia abgehalten (28. April bis 5. Mai), die in der Antike ein sehr beliebtes Fest waren.

Die Floralia sind – wie die Göttin selbst – ebenfalls ein relativ altes Fest, das seit dem Jahr 230 v. Chr. in den Quellen belegt ist. Es wurde aber bis in die Kaiserzeit und Spätantike gefeiert.

Es war ein sehr volkstümliches Fest. Im Zentrum der Floralia standen Theateraufführungen und generell Aufführungen aller Art (vor allem Lustspiele und auch frivole Stücke, von denen uns römische Dichter einige hinterlassen haben, die heute selbst fürs Volkstheater zu derb wären. Vieles war zotig, phallus-zentriert und auch Nacktheit war darin üblich, sowie Striptease-artiges Ausziehen von Tänzerinnen, was in Rom als ziemlich gewagte und freche Show galt). Prostituierte waren ebenfalls an den Floralia beteiligt und spielten dort eine öffentliche Rolle.

Die Floralia (Piatto, 1899)

Die Floralia (Piatto, 1899)

Man dekorierte das Haus oder die Wohnung mit Blumen und veranstaltete Festmahle für Freunde und Familie. Es wurde auch gerne dem Alkohol zugesprochen, wohingegen Trunkenheit im römischen Reich ansonsten eher verpönt war (man sollte zwar viel vertragen können, aber auf keinen Fall betrunken wirken).

Währen der Floralia schmückten sich Männer mit Blumen um den Hals oder auf dem Kopf (oder beides). Frauen, die normalerweise (von Prostituierten und der arbeitenden Bevölkerung einmal abgesehen, wo Kleidung in erster Linie praktisch sein mußte) nur mit einem relativ strengen Dresscode aus dem Haus gingen, kleideten sich zu dieser Zeit bunt und auch gewagter. Die ersten fünf Tage standen ganz im Zeichen dieser Aufführungen und des Feierns und Tanzens.

Am 6. Tag ging man auch auf die Jagd (vor allem nach Hasen).

Floralia-Feier 2015 in Aquincum (Photo von Müller Zoltán)

Floralia-Feier 2015 in Aquincum (Photo von Müller Zoltán)

Während der Floralia wurden Zirkusspiele in der Arena abgehalten (die Ludi Florales), unter anderem Tierhatzen. Im Gegensatz zu den sonst üblichen Tierkämpfen gegen Großwild oder Raubtiere, wurden zu Ehren Floras vor allem Wild wie Hasen, Ziegen oder Rehe gejagt und getötet (ob Ziegen oder Rehe ist nicht ganz eindeutig, da Ovid in seiner Beschreibung der Festivitäten ein Wort benutzt, das für beides stehen könnte. In der Forschung tendiert man eher zur Ziege, da Rehe nicht domestiziert werden können und auch im landwirtschaftlichen Kontext keine Rolle spielen).
Es gab auch Wettbewerbe, Wettrennen, Gladiatorenspiele und Wettkämpfe in der Arena sowie spektakuläre Veranstaltungen. Auch Tierrennen, bei denen z.B. Hasen oder Ziegen gegeneinander liefen, waren üblich. Zu den eindrucksvollsten Ereignissen zählte dabei unter anderem ein dressierter Elefant auf einem Drahtseil im Jahr 30 n. Chr., der vom römischen Geschichtsschreiber Suetonius in der Biografie des Kaisers Galba beschrieben wird.

Floralia 2015 - Ritual (Photo von Müller Zoltán)

Floralia 2015 – Ritual (Photo von Müller Zoltán)

Um 180 v. Chr. wurden die Spiele während der Floralia eingestellt, weil man sie für „superstitio“ hielt (übertriebene religiöse Ereiferung). Als daraufhin Mißernten, Hagelstürme und Dauerregen Getreide und Pflanzen zerstörten, wurden im Jahr 173 v. Chr. die Spiele wieder abgehalten und zwar seitdem konsequent jedes Jahr.

Den Abschluß des Festes bildete ein Opfer für Flora, das besonders von den Bauern auf dem Lande gebracht wurde.

Im Rahmen der Rosalia am 23. Mai wird Flora (gemeinsam mit Venus) geehrt. An diesem Tag findet ein Toten- und Blumenfest statt. Römer gedachten an diesem Tag ihrer Toten und schmückten die Gräber mit Rosen. Die Rosalia waren ebenfalls ein enorm populäres Fest; die große Nachfrage nach Rosen an diesem Tag wurde durch riesige Rosenfelder vor den Toren Roms gedeckt. Neben Festmählern, bei denen man mit Rosen dekorierte und Rosenprodukte (wie Duftöle) verwendete, gab es an diesem Tag öffentliche Theateraufführungen und Spiele.

Cn. Cornelius Lentulus, Pontifex, Sacerdos, Quaestor und tief in der Religio Romana bewanderter Cultor, vollzieht das öffentliche Opfer anläßlich der Floralia 2015 (Foto mit freundlicher Genehmigung des Aquincum Museums, Fotograf Péter Komjáthy, http://www.aquincum.hu )

Cn. Cornelius Lentulus, Pontifex, Sacerdos, Quaestor und tief in der Religio Romana bewanderter Cultor, vollzieht das öffentliche Opfer anläßlich der Floralia 2015 (Foto mit freundlicher Genehmigung des Aquincum Museums, Fotograf Péter Komjáthy, http://www.aquincum.hu )

Sonstiges

In unseren Breiten (Östliches Gallien, Nieder- und Obergermanien) ist kein Flora-Tempel bekannt; daß sie hier offenbar keine allzu große Rolle in der Kultpraxis spielte, mag darin begründet sein, daß sie durch lokale Fruchtbarkeitsgöttinnen, aber auch einheimische gallo-römische Götter des Landbaus und der Vegetation verdrängt wurde, die hier als wichtiger erachtet wurden und eine lange Verehrung genossen.

Ab der Renaissance und der damit einhergehenden Wiederentdeckung der Antike erlebte Flora eine neue Blütezeit und gelangte in dieser Epoche zu einer größeren Beliebtheit als es in der römischen Antike je der Fall gewesen war. Aus dieser Ära stammen die bekanntesten Darstellungen von ihr, vor allem Plastiken, Gemälde, aber auch Musikstücke, ein Ballett und Gedichte. Besonders berühmt sind die Gemälde von Rembrandt und Boticelli.

Die Flora von Boticelli (Detail aus dem Gemälde

Die Flora von Boticelli (Detail aus dem Gemälde „Frühling“ von 1482)

Antike Quellen über Flora

Die Floralia und die Göttin Flora selbst werden von zahlreichen antiken Autoren beschrieben.

Die wichtigste Quelle für Flora ist hierbei:

Ovid: Fasti (eine Beschreibung diverser römischer Feiertage). In diesem Buch führt der Autor auch einen langen, fiktiven Dialog mit der Göttin Flora, in dem sie sich ihm vorstellt und ihm ihre Herkunft und Mythologie erklärt (aus diesem Werk stammt auch die Gleichsetzung mit der griechischen Nymphe Chloris, die nirgendwo sonst erwähnt wird, sowie die Geschichte zur Entstehung des Mars).

Hier finden sich auch einige Anrufungen an Flora die zu den Floralia gemacht werden, wie:

“Mater, ades, florum, ludis celebranda iocosis!”
“Mutter der Blumen, mögen wir Dich mit fröhlichen Spielen ehren!“ (Ovid, Fasti, Buch V, 183)

Auch Plinius der Ältere beschreibt in seiner „Naturgeschichte“ (naturalis historia) die Göttin Flora und ihren Ursprung (18, 103).

Über die volkstümlichen Exzesse während der Floralia echauffieren sich Autoren wie Cato der Jüngere und Ausonius. Positiv hingegen äußern sich Ovid, Varro, Plinius, Persius, Martial und Juvenal.

Aus unseren Breiten sind ansonsten wenig Weihesteine oder Inschriften bekannt, die belegen würden, daß Flora hier eine größere Rolle gespielt hat. Es gibt lediglich einen Weihestein aus Mainz (Mogontiacum, die Hauptstadt Obergermaniens), der Flora von einem Gaius Sextius für die Erfüllung eines Gelübdes gestiftet wurde.

Einleitung: Römisches Essen und Trinken

Eine römische Küche im Kastell Saalburg im Taunus

Eine römische Küche im Kastell Saalburg im Taunus

In loser Folge wollen wir in unserem Blog Rezepte für römisches Essen und Trinken veröffentlichen, denn natürlich darf auch auf unserem Tisch ein kräftiges Moretum oder ein würziger Mulsum nicht fehlen 🙂

Vorher möchten wir Euch jedoch einen kurzen Überblick darüber geben, was in der römischen Antike überhaupt gegessen und getrunken wurde. Und woher wissen wir das überhaupt?

Über 1000 Jahre römische Esskultur

Das Römische Reich existierte über 1000 Jahre lang und erstreckte sich in seiner Blütezeit von Afrika bis Britannien, von Spanien bis in den Nahen Osten. Kontakte bestanden bis nach Indien, woher Gewürze importiert wurden. Das bedeutet, daß sich die römische Küche in einer so langen Zeit natürlich auch weiterentwickelte, die Geschmäcker und Vorlieben sich veränderten. Mit jeder neuen Provinz kamen neue Einflüsse, neue Rezepte und Zutaten in das Reich, die bald auch in anderen Regionen beliebt wurden und die man kreuz und quer über den Kontinent transportierte.

Aus diesem Grund gibt es „die“ römische Küche nicht; tausend Jahre Esskultur lassen sich ebensowenig zu ein paar Rezepten und Grundregeln zusammenfassen wie tausend Jahre mittelalterliche und neuzeitliche Essgewohnheiten in Mitteleuropa aus der Zeit Karls des Großen bis zur industriellen Revolution.

Die Bratwurst ist keine deutsche Erfindung - sondern die Lukanische Wurst war schon zu römischer Zeit ein beliebtes Fastfood!

Die Bratwurst ist keine deutsche Erfindung – sondern die Lukanische Wurst war schon zu römischer Zeit ein beliebtes Fastfood!

Was wir jedoch feststellen können, unabhängig von der betrachteten Epoche römischer Geschichte, ist, was es in der römischen Küche zu keiner Zeit gab: es gab keine Pizza, keine Pasta, keine Tomatensauce, keine Kartoffelgerichte, keine Gerichte mit Truthahn oder Mais und keine Gerichte mit Paprika. Völlig unitalienisch und nicht das, was wir uns heute als „typisch mediterran“ vorstellen! Der einfache Grund dafür war, daß Amerika noch nicht entdeckt war und man deswegen keine Produkte aus der Neuen Welt kannte.

Das hieß aber nicht, daß die römische Küche nicht vielseitig war, ganz im Gegenteil. Römer liebten vor allem intensive Geschmackserlebnisse und starke Würzungen. Hierbei kombinierten sie auch gerne verschiedene und gegensätzliche Geschmacksrichtungen, wie süß und salzig oder sauer miteinander. Intensiver Gebrauch von Gewürzen gehörte ebenso dazu wie der nahezu durchgehende Gebrauch von Garum, dem sogenannten „Römer-Maggi“, das sich in nahezu allen Rezepten findet und als Würze jeden Essens nicht wegzudenken war.

Woher wissen wir, was die Römer aßen?

Welches Getreide die Römer verwendeten, ist gut nachgewiesen (hier: Kastell Saalburg)

Welches Getreide die Römer verwendeten, ist gut nachgewiesen (hier: Kastell Saalburg)

Bevor wir uns im Detail damit beschäftigen, was in der römischen Geschichte auf den Tisch kam, bleibt die berechtigte Frage: woher wissen wir das alles überhaupt?

Es gibt zweierlei Quellen für die römische Küche: archäologische Befunde und schriftliche / bildliche Quellen.

Die Archäologie, mit ihren Hilfswissenschaften Zoologie und Paläobotanik, liefert uns einen guten Einblick in die Speisepläne im römischen Reich, sowohl in der Hauptstadt als auch in den Provinzen. So wurden zum Beispiel auf den großen Gutshöfen, Großbauernhöfen (villa rustica), zum Beispiel bei uns, in der gallischen Provinz, in den Küchenabfällen viele Hinweise darauf gefunden, was auf den Tisch kam. Neben Tierknochen aller Art fanden sich auch Getreidereste, Pollen und Pflanzenreste, sowie andere Abfälle wie Austernschalen, die uns Aufschluß über die Ernährungsgewohnheiten der Bewohner geben.

Weitere wichtige Informationen gibt es aus dem städtischen Umfeld, vor allem aus sehr gut erhaltenen archäologischen Stätten wie Pompeji, aus dem uns allein 30 Bäckereien samt erhaltener Brotlaibe überliefert sind. Kuppelbacköfen wurden an zahlreichen Orten in Italien und in den Provinzen gefunden, daneben Amphoren mit Flüssigkeiten wie Wein, Garum und Olivenöl. Küchenzubehör, Schalen, Werkzeuge, Kessel, Töpfe, Pfannen, Backöfen, Herde geben Aufschluss darüber, wie Nahrung zubereitet wurde. Große Getreidemühlen, die von Eseln oder Wasserkraft bewegt wurden sind ebenso erhalten wie die Handmühlen der Legionäre. So kennen wir die Getreidesorten, die bevorzugt gegessen wurden, ebenso wie die bevorzugten Weisen, das Getreide zuzubereiten.

Der Basalt im Mayener Grubenfeld wurde schon von Kelten und Römern als Mühlsteinlava abgebaut

Der Basalt im Mayener Grubenfeld wurde schon von Kelten und Römern als Mühlsteinlava abgebaut

Vor allem aus der vulkanische Osteifel sind zahlreiche römische Steinbrüche bekannt, in denen die Mühlsteine abgebaut wurden (wie das Mayener Grubenfeld). Von hier aus wurden sie – vor allem über den Rheinhafen in Antunnacum (dem heutigen Andernach) – in das ganze Reich exportiert. Vor allem der Mayener Mühlstein war überregional bekannt, da seine Qualität so gut war, daß er sowohl zu runden Mühlsteinen verarbeitet wurde, als auch für Handmühlen verwendet wurde. Minderwertigere Steine führten dazu, daß beim Getreidemahlen immer auch Gesteinskrümel ins Mehl kamen, die dem Essen eine gewisse Knirschigkeit verliehen und die Zähne schädigen konnten.

Uns sind sogar die Namen und Kennzeichen von Bäckern oder Garum- und Olivenölherstellern bekannt, die ihre Zeichen auf Broten und Amphoren hinterließen, so daß auch Handelswege und Verbreitung bestimmter Produkte gut nachvollzogen werden können.

In der römischen Antike gab es Großbäckereien. Hier eine rekonstruierte große Getreidemühle, die von einem Esel angetrieben wurde (Saalburg)

In der römischen Antike gab es Großbäckereien. Hier eine rekonstruierte große Getreidemühle, die von einem Esel angetrieben wurde (Saalburg)

Auch die Analyse menschlicher Ausscheidungen, wie sie in Pompeji gemacht wurden, war überaus informativ: der Vesuv konservierte den Kot quer durch die Bevölkerungsschichten, von arm und reich und verschiedenen Berufsgruppen und brachte eine erstaunliche Erkenntnis: es wurde quer durch alle Schichten gut, vielseitig und abwechslungsreich gegessen – das kann man natürlich nicht auf das ganze römische Reich übertragen, denn es bildet nur den Ausschnitt einer wohlhabenden, modernen römischen Stadt ab und es mag in der Provinz im Norden ganz anders ausgesehen haben. Die Informationen, die diese Analysen brachten, decken sich aber mit den anderen Befunden darüber, was im römischen Reich auf der Speisekarte stand.

Neben den archäologischen Quellen haben uns die Römer selbst vielfältige schriftliche Aufzeichnungen darüber hinterlassen, was sie gegessen und getrunken haben. Zum einen existieren komplette Inventarlisten (u.a. von Händlern und beim Militär) über bestellte Lebensmittel, die uns Aufschluß über die Menge und die Nahrungsmittel geben, die zum Beispiel eine Legion verbrauchte.

Es existieren viele Erwähnungen von Speisen und Informationen über die Zubereitung von Speisen, über Tischsitten, Anbaumethoden und angebaute Produkte sowie über Viehzucht und Kleintierhaltung, unter anderem im dreibändigen Werk „über die Landwirtschaft“ (Res rusticae) von Varro, „vom Landbau“ (de agri cultura) von Cato und die satirisch übertriebene Schilderung eines Fressgelages (Cena Trimalchionis) von Petronius. Römer übernahmen auch ältere Anbaumethoden und Produkte (zum Beispiel von den Griechen und Etruskern) und entwickelten sie weiter, zum Beispiel den Anbau von Spargel oder Wein.

Schon die Römer kannten das Stövchen!

Schon die Römer kannten das Stövchen!

Daneben ist uns aus der Antike etwas erhalten geblieben, was uns den perfekten Einblick in die (gehobenen) römischen Ernährungsgewohnheiten der Kaiserzeit bietet: eine Sammlung von ca. 400 Kochrezepten, De re coquinaria, die auf Caelius Apicius zurückgeführt wird. Der Text stammt aus dem 3. oder 4. Jahrhundert n. Chr.. Da jedoch mehrere Römer dieses Namens bekannt sind, die allesamt als Feinschmecker bekannt waren, wird in der heutigen Forschung davon ausgegangen, daß diese Rezeptsammlung keinen einzelnen Autor hat, sondern über die Jahre gesammelt und immer wieder erweitert wurde. Auch sind die Rezepte im „Apicius“ nicht unbedingt das, was der normale Einwohner tagtäglich auf dem Tisch hatte, sondern sie fallen schon unter die Haute Cuisine der Römerzeit – die Küche der Reichen und Schönen zu besonderen Anlässen.

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Erster funktionsfähiger Nachbau einer Tibia aus Pompeji!

Tibiacen mit Scabellum und Tänzerin mit Crotalum

Tibiacen mit Scabellum und Tänzerin mit Crotalum

Lange arbeitete man an diesem musikarchäologischen Projekt – nun ist es endlich vollbracht! Zum ersten Mal wurde eine Tibia, ein doppelt gespieltes römisches Rohrblattinstrument (auch bekannt als Aulos) aus Pompeji wieder zum Leben erweckt.

In unserem ausführlichen Artikel über die Tibia haben wir ausgeführt, daß bereits einige Rekonstruktionen dieser antiken Musikinstrumente existieren, unter anderem aus Alexandria, wie der sogenannte „Louvre-Aulos“, den auch ich (die Verfasserin dieser Meldung) spiele.

Auch in Pompeji wurden mehrere dieser Musikinstrumente gefunden, teils sogar vollständig erhalten, unter anderem in der Werkstatt eines Instrumentenbauers. Die Tibia, an deren Rekonstruktion man nun seit langer Zeit arbeitete, ist ein ebenfalls vollständig erhaltenes Instrument aus Metall (im Gegensatz zur Tibia aus Alexandria, die aus Holz bestand). Überschüssige Fingerlöcher werden, wie beim Louvre-Aulos, mit Stöpseln verschlossen.

Die Tibia in einem etruskischen Gemälde aus dem 5. Jahrhundert v. Chr.

Die Tibia in einem etruskischen Gemälde aus dem 5. Jahrhundert v. Chr.

Wie schon der Louvre-Aulos wurde auch die Pompeji-Tibia vom Musikarchäologen (und einem der besten Tibia-Spieler) Dr. Stefan Hagel von der Universität Wien anhand des Originalstücks vermessen. Er leitete und betreute auch dieses Rekonstruktions-Projekt, wie schon die Rekonstruktion des Louvre-Aulos.

Das Musikinstrument wurde von Peter Holmes, unterstützt von Martin Sims und Neil Melton in Kooperation mit dem European Music Archeology Project (EMAP) und der Universität Middlesex gebaut. Die Konstruktion dieses komplexen Instruments war lang und schwierig, führte aber schließlich zu einem voll funktionsfähigen Musikinstrument.

Am 22. März 2015 war es nun endlich so weit: zum ersten Mal seit 79 n. Chr. erklingt wieder eine Tibia aus Pompeji!

Stefan Hagel spielt das Instrument aus Pompeji im folgenden Video zum ersten Mal (das natürlich erst eingespielt und studiert werden muß, dessen musikalisches Potential aber schon nach wenigen Minuten erkennbar ist). Die Premiere wurde live per Skype verfolgt von Callum Armstrong, der die Rohrblätter für das Instrument angefertigt hat. Gastgeberin ist Musikarchäologin und Tibia-Expertin Dr. Olga Sutkowska vom EMAP, die die Poetovia-Tibia rekonstruiert hat.

Hier erhaltet Ihr einen echten Einblick in praktische Musikarchäologie und mit welchen Problemen und Fragestellungen man bei der Rekonstruktion eines Musikinstruments konfrontiert ist:

Replik des "Louvre"-Aulos

Replik des „Louvre“-Aulos

Während des Spielens stellte sich heraus, daß die Stöpsel und sowie die Schiebevorrichtung noch zu fest sitzen und somit eine schnelle Änderung der Tonlage zu schwierig machen. Auch muß noch experimentiert werden, welcher Fingersatz verwendet wird und welche Stimmung das Instrument hat. Ein großer Schritt in der experimentellen Musikarchäologie ist jedoch, erst einmal ein weiteres funktionsfähiges Musikinstrument aus der römischen Antike originalgetreu reproduziert zu haben!

Weitere Informationen zur Entwicklung des Projekts auf der Website des Workshop of Dionysus, dem Arbeitskreis zur Erforschung und Wiederbelebung der antiken Doppelrohrblattinstrumente, unter der Federführung des EMAP. Der Workshop vereint Musiker, Instrumentenbauer und Forscher aus dem akademischen Bereich.

Antike Stätten: Römische Festungsmauer des Kastells, Remagen

Die Festungsmauer von Rigomagus

Die Festungsmauer von Rigomagus

Anschrift:

Parkplatz hinter dem Rathaus, zu erreichen über die Kirchstraße, den Marktplatz oder die Bachstraße.

Anfahrt:

Zur Anreise nach Remagen und den dortigen Parkmöglichkeiten verweisen wir auf unseren vorherigen Artikel zum Kastell Remagen und den Jupiteraltären, Pfarrkirche St. Peter und Paul. Die in diesem Beitrag beschriebene Festungsmauer befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Kirche, so daß wir an dieser Stelle auf Wiederholungen verzichten möchten.

Die rekonstruierte Festungsmauer befindet sich mitten in der Altstadt von Remagen, hinter dem Rathaus und an einem kleinen Parkplatz gelegen. Sie ist fußläufig in einer Minute von der Kirche, vom Marktplatz, dem Römischen Museum und dem Rathaus Remagen zu erreichen.

Hintergrundinformationen:

Die Kirchstraße wird noch heute "Via Principalis" genannt und ist die alte Hauptstraße des Kastells

Die Kirchstraße wird noch heute „Via Principalis“ genannt und ist die alte Hauptstraße des Kastells

Dies ist der dritte Artikel unserer kleinen Serie mit römischen Reisetipps in Remagen am Rhein.

Wie in unseren bisherigen Artikeln über Remagen (Kirche St. Peter und Paul, Römisches Museum) beschrieben, war Remagen zu römischer Zeit ein Hilfstruppenkastell („Rigomagus„) am Rhein in der Provinz Germania inferior. Es lag in unmittelbarer Nähe der römischen Fernstraße zwischen den beiden Städten Köln und Koblenz.

Auch wenn Remagen im 2. Weltkrieg durch die Kämpfe um die Brücke von Remagen massiv zerstört wurde und größtenteils modern überbaut ist, sind an einigen Orten in der Stadt noch immer die Spuren des Kastells sichtbar. Auch folgt der Straßenverlauf der Altstadt dem typischen römischen Schema.

Das Kastell wurde im 1. Jahrhundert in Holz-Erde-Bauweise errichtet und nach dem Bataveraufstand Mitte des 1. Jahrhunderts durch ein Steinkastell ersetzt. Das Steinkastell war von einer vollständigen Umwehrungsmauer umgeben, in die in regelmäßigen Abständen von 16 Metern Wachtürme eingelassen waren.

Von den Gebäuden im Innenbereich des Kastells sind in Remagen das Stabsgebäude (Principa) und das Wohnhaus des Kommandeurs (Prätorium) nachgewiesen und ihre Überreste können besichtigt werden.

Durch diesen Torbogen aus mittelalterlichen Steilen erreicht man die Mauer

Durch diesen Torbogen aus mittelalterlichen Steilen erreicht man die Mauer

In der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts führten Germaneneinfälle zu einer Verstärkung der Festungsmauer, indem vor die bisherige Mauer eine zweite Mauer aus Bruchsteinen gesetzt wurde; die etwa zwei Meter breite Lücke zwischen beiden Mauern wurde mit Mörtel und Steinen verfüllt. Die Höhe dieser Mauer betrug etwa 6 Meter.

Im Mittelalter wurden die Bruchsteine abgetragen und verbaut; die Füllung und der nahezu unzerstörbare römische Mörtel blieben jedoch erhalten, so daß der Verlauf der Mauer anhand dieses Mauerkerns bis heute an mehreren Stellen in der Stadt nachweisbar ist.

Im Jahr 2004 entschied man sich, Teile der noch erhaltenen römischen Kastellbefestigung zu rekonstruieren und zu konservieren, da diese durch Witterungseinflüsse baufällig und von Efeu überwuchert war. Um die 2000-jährige Geschichte der Stadt zu würdigen, wurde der Mauerkern freigelegt und mit einer Informationstafel versehen.

Die südwestlichen und südlichen Teile der Mauer sind unterhalb der Kirche St. Peter und Paul am Deichweg zu besichtigen. Funde aus Rigomagus werden im Römischen Museum sowie im Rheinischen Landesmuseum Bonn aufbewahrt.

Beschreibung:

Eine Informationstafel liefert Hintergrundwissen zum Kastell

Eine Informationstafel liefert Hintergrundwissen zum Kastell

Vom  Marktplatz zur Festungsmauer führt ein kleiner Torbogen aus mittelalterlichen Steinen, die wahrscheinlich zu einem Hofgut der Abtei gehört hatten. Die Mauer selbst liegt neben dem Künstlerforum Remagen auf einem kleinen, ruhigen Parkplatz, der mit Blumen bepflanzt ist.

Die moderne Regenrinne der Mauer dient der Abführung von Regenwasser und muß als Konzession an heutige Bauvorschriften und zum Schutz des Denkmals betrachtet werden. Ansonsten ist die typisch römische Schalenbauweise gut zu erkennen.

Links von der Mauer befindet sich eine Informationstafel, die Informationen über das Kastell Remagen und die Mauer enthält.

Rechts, oberhalb der Mauer an einer Hauswand, sind die überlieferten Namen einiger Kastellbewohner („Römer in Rigomagus“) aufgelistet, die man aus Schriften und Grabsteinen kennt. Das ist eine sehr gute Idee, zumal nicht nur die Namen, sondern auch ihre Funktion und der Zeitraum, in dem die Personen gelebt haben, aufgeführt sind. Das gibt den (zumeist thrakischen) Bewohnern des Hilfstruppenkastells ein persönliches Gesicht. Hier finden sich auch die beiden Benefiziarier wieder, die die Jupiteraltäre gestiftet haben, die heute in der Pfarrkirche aufgestellt sind.

Wer sich auf Erkundungstour durch das römische Kastell Rigomagus befindet, sollte an dieser Mauer also unbedingt Station machen.

Eintritt, Zugänglichkeit, Führungen, Öffnungszeiten:

Einige bekannte Bewohner des Kastells sind an dieser Hauswand verewigt

Einige bekannte Bewohner des Kastells sind an dieser Hauswand verewigt

Die Mauer ist jederzeit frei zugänglich. Eintritt wird nicht erhoben.

Das römische Remagen ist im Rahmen von Stadtführungen zu erkunden, die von der Touristeninformation angeboten werden. Es lohnt sich, an einer solchen Führung teilzunehmen, weil man dabei auch in Teile des Kastells gelangt, die ansonsten für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind, wie das unter dem Caracciola-Gedächtniszimmer gelegene Prätorium mit seiner gut erhaltenen Hypokaustenanlage.

Sonstiges:

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Wir empfehlen, in Remagen einen „römischen Tag“ einzulegen und alle Sehenswürdigkeiten des Kastells zu erkunden. Da alle antiken Stätten fußläufig in wenigen Minuten erreichbar sind, kann das Kastell sehr gut und einfach erwandert werden.

Hierbei sollte man die recht eingeschränkten Öffnungszeiten des Römischen Museums in seine Planungen einbeziehen, denn das Museum stellt ein Highlight der Kastellwanderung dar und gehört zum Pflichtprogramm. Auch lohnt es sich, im Vorfeld bei der Touristeninformation Remagen anzufragen, wann die Möglichkeit besteht, in die abgeschlossenen Kellerräume unterhalb des Caracciola-Gedächtniszimmers zu gelangen.

Außerdem lohnt sich (auch wenn es nicht zum Thema gehört), ein Besuch des Friedensmuseums von Remagen, das sich in den Brückenpfeilern der zerstörten Brücke von Remagen befindet und eine sehr gute Ausstellung zur Schlacht um die Brücke zeigt. Lohnenswert ist auch ein Besuch des Apollinarisklosters oberhalb von Remagen, sowie eine Überfahrt über den Rhein mit einer Fähre nach Erpel mit Besteigung der Erpeleyer Ley, von deren Gipfel aus  man eine tolle Aussicht über das Rheintal und die Stadt hat.

Weiterführende Informationen:

Musik: Aulos oder Tibia – das römische Rohrblattinstrument

Aulosspielerin

Aulosspielerin

Schon in der römischen Antike spielte Musik eine wichtige Rolle – so zahlreich wie die Anlässe, zu denen Musik gespielt wurde, so vielfältig waren die Musikinstrumente, die zum Einsatz kamen. Eine Einführung in die römische Musik und eine kurze Vorstellung der wichtigsten Musikinstrumente ist im 1. Teil unserer Artikelreihe zum Thema „Musik“ zu finden: „Einleitung – Musik in der Römischen Antike„. Da die darin enthaltenen Informationen als Grundlage für die hier folgenden Einzelartikel dienen und wir auf Wiederholungen verzichten möchten, empfehlen wir unbedingt, zuerst diese Einleitung zu lesen!

Im heutigen Artikel geht es um eines der sicherlich bekanntesten römischen Musikinstrumente, denn es ist das am häufigsten in antiken Darstellungen abgebildete Instrument und wird deswegen auch gerne als das römische „Nationalinstrument“ bezeichnet. Gleichzeitig existieren darüber die meisten irrigen Vorstellungen.

Es geht um die sogenannte „Doppelflöte“, den Aulos (griechische Bezeichnung) oder die Tibia (römische Bezeichnung). Wie wir später feststellen werden, handelt es sich bei diesem Doppelinstrument gar nicht um eine Flöte, doch zur Veranschaulichung lassen wir diese Bezeichnung für den Moment im Raum stehen.

Da ich (Q. Albia Corvina) ebenfalls dieses Instrument spiele, gehört dieses Teilgebiet der experimentellen Musikarchäologie zu meinen besonderen Interessengebieten und bildet – neben dem Cultus Deorum – einen meiner Schwerpunkte meiner persönlichen Verbundenheit mit der römischen Kultur . Deshalb möchte ich Euch dieses Instrument heute gerne näher vorstellen.

Aulos, Auloi oder Tibia? Wie nennt sich das Instrument denn nun?

Bacchische Prozession mit Satyren und Mänade

Bacchische Prozession mit Satyren und Mänade

Zuerst ein paar Worte zur Benennung des Instruments. Es kursieren unterschiedliche Bezeichnungen, einmal das zuvor erwähnte griechische Wort „Aulos„, das die Singular-Form darstellt, aber auch die Pluralform „Auloi„. Da es sich um zwei nicht miteinander verbundene Instrumente handelt, die gleichzeitig gespielt werden, wird in einigen Artikeln, die im Internet kursieren, auf die Pluralform „Auloi“ zur Bezeichnung beider Instrumente zurückgegriffen, während ein Einzelrohr als „Aulos“ bezeichnet wird.

Tatsächlich ist es aber so, daß beide Instrumente zu einer Einheit zusammengehören, denn sie sind nicht symmetrisch gebaut, sondern weisen unterschiedlich viele und unterschiedlich angeordnete Löcher auf, da sie nicht dazu gedacht waren, alleine und unabhängig voneinander gespielt zu werden (auch wenn das Spielen auf einem Instrument („Monaulos„), in der Literatur ebenfalls erwähnt wird, aber sehr selten). Durch die unterschiedliche Anordnung der Löcher und den damit verbundenen unterschiedlichen Klang wird deutlich, daß die beiden Instrumente nicht einstimmig gespielt wurden, sondern eine zweistimmige Einheit bildeten.

Der Aulos in einem etruskischen Gemälde aus dem 5. Jahrhundert v. Chr.

Der Aulos in einem etruskischen Gemälde aus dem 5. Jahrhundert v. Chr.

Im englischen Sprachraum werden die beiden Einzelinstrumente „Chanter“ genannt (wie die Sackpfeife des Dudelsacks, mit dem der Aulos verwandt ist). Da es keine vergleichbare deutsche Bezeichnung gibt (außer die – musikklassifikatorisch falsche Bezeichnung „Flöte“ oder – ebenfalls irreführend – „Pfeife“), wird auch im deutschsprachigen Raum heute unter Aulosspielern zur Vereinfachung der Kommunikation untereinander und mit Spielern aus dem internationalen Raum der Begriff „Chanter“ für die Einzelinstrumente verwendet. Einer der Chanter hat einen tiefen Klang und wird deswegen als „Low Chanter“ (L) bezeichnet, der andere Chanter hat einen hohen Klang und ist der „High Chanter“ (H).

Dabei ist es nicht, wie wir später ebenfalls sehen werden, so, daß der tiefe Chanter als Begleitung gespielt wird (und damit, wie in der Moderne oft üblich, mit links) und der hohe für die Melodie (und die rechte Hand) zuständig ist. Hier müssen wir uns von den modernen Gewohnheiten lösen, wie man in der experimentellen Musikarchäologie schnell herausfindet, wenn man zum ersten Mal eine Replik des Aulos in den Händen hält.

Beide Chanter bilden eine zusammengehörende Einheit und ein Instrumentenpaar, das man den „Aulos“ nennt. Die Pluralform „Auloi“ bezeichnet mehrere Paare von Aulos. Das römische Wort „Tibia“ bezeichnet ebenfalls das Paar und nicht die einzelnen Chanter, so daß die Pluralform „Tibiae“ sich ebenfalls auf mehrere Instrumentenpaare bezieht.

Die frühste Abbildung eines „oboenartigen“ Rohrblattinstruments stammt aus dem Jahr 3000 v. Chr. Auch bei den Etruskern war dieses Instrument bereits bekannt. Dort wurde es Subulo genannt und entsprach weitgehend dem klassischen griechischen Instrument. Die Römer übernahmen das Instrument zu Beginn von den Etruskern, bevor es sich unter griechischem Einfluß explosionsartig im Reich verbreitete.

Der Aulos wurde zu römischer Zeit stark weiterentwickelt und erfuhr zahlreiche Variationen.

In der heutigen „Szene“ der experimentellen Musikarchäologie hat sich der Begriff „Aulos“ vor dem römischen „Tibia“ durchgesetzt. Das hat historische Gründe, denn das Instrument wurde aus Griechenland nach Rom importiert und viele Musiker im römischen Reich waren griechischer Herkunft, oft griechische Sklaven. Auch sind viele der erhaltenen Musikstücke und Fragmente auf Griechisch oder wurden in den östlichen Provinzen des römischen Reichs gefunden (wie in Ephesos). Nicht zuletzt war der Begriff „Aulos“ auch in der römischen Antike bekannt und wurde dort ebenfalls verwendet, so daß beide Bezeichnungen in der Literatur zu finden sind.

Das lateinische Wort „Tibia“ bezieht sich auf das Material, aus dem die Instrumente ursprünglich gefertigt waren – Knochen. Das griechische Wort „Aulos“ bedeutet „Röhre“.

Die Spieler dieses Instruments werden „Aulet“ (Plural: „Auleten“) oder „Tibicen“ (Plural: „Tibicines“) genannt.

Der Einfachheit halber wird das Instrument in diesem Artikel als „Aulos“ bezeichnet, wobei „Tibia“ ebenso korrekt wäre.

Keine Flöte? Was für ein Instrument ist es dann? (mehr …)

Musik: Einleitung – Musik in der römischen Antike

Musikerszene in einem Mosaik in Herculaneum

Musikerszene in einem Mosaik in Herculaneum

Musik spielte in der römischen Antike eine wichtige Rolle in allen Bereichen des Lebens. Sie wurde zu allen Gelegenheiten gespielt – von der gepflegten Musikuntermalung bei geselligen Treffen oder Abendessen im privaten Rahmen, Musik auf Veranstaltungen und Festen, über deftige Volks- und Spottlieder des einfachen Volkes in der Taverne, Soldatenlieder, anspruchsvolle Musik in Theater und Konzert, als dramatische Untermalung des Spektakels in der Arena, bis hin zu Signalmusik im Kampf oder bei Triumphmärschen und natürlich zur Sakralmusik, die bei keinem offiziellen Ritual fehlen durfte.

Ebenso groß wie die Bandbreite der Anlässe, zu denen Musik gespielt (und auch gesungen) wurde, ist die Vielfältigkeit der römischen Musikinstrumente. Hier waren bereits viele der heute bekannten Instrumentenklassen vertreten, Blechblas- und Holzblasinstrumente genauso wie Schlaginstrumente, Saiteninstrumente und sogar Orgeln.

Musiker in der Antike

Obwohl Musik eine so wichtige Rolle spielte, besaßen Musiker (wie auch Schauspieler oder Künstler) in Rom keinen hohen gesellschaftlichen Status.

Es galt unter Aristokraten und wohlhabenden Römern zur Zeit der Republik als verpönt, selbst zu musizieren. Cato schreibt, daß „Singen keine angemessene Beschäftigung für einen ernsthaften Mann“ sei. In Familien von Stand lernten bisweilen Mädchen und Frauen das Musizieren. Aber selbst hier begegnete man hochgestellten Frauen, die musizierten, mit Skepsis. So schrieb Sallust: „Sempronia war durch Geburt und Schönheit, auch durch Mann und Kinder in einer recht glücklichen Lebenslage. Mit griechischer und lateinischer Literatur war sie wohlvertraut und wußte geschickter zur Laute zu singen und zu tanzen, als es für eine anständige Frau nötig ist.

Aulosspielerin

Aulosspielerin

Lediglich der sakrale Chorgesang war allseits hoch geschätzt und wurde auch in hohen Kreisen praktiziert.

Erst im Laufe der Zeit trat ein Wandel ein, so daß auch Römer höheren Standes sich in der Musik und im Gesang übten und ihre Künste zeigten. Sulla zum Beispiel galt als ausgezeichneter Sänger, und Konsul Norbanus Balbus (19 n.Chr.) war ein begeisterter Tubaspieler, ein Instrument, das er während seiner Militärzeit erlernt hatte. Höhere Kreise praktizierten Musik aber generell nur zur Erbauung und zum Freizeitvergnügen, sowie als geeignetes Mittel zur Selbstdarstellung.

Ansonsten war es üblich, Musiker, die professionelle Untermalung und Unterhaltung boten, für besondere Anlässe zu kaufen oder zu engagieren.

Musizieren und Singen war unter den einfachen Leuten, wie heute auch, ebenfalls als Freizeitbeschäftigung und zur Vertreibung von Alltagssorgen verbreitet. Es gab Arbeitslieder, die bei der Arbeit gesungen wurden, um diese zu erleichtern, Liebeslieder, Spottlieder, Soldatenlieder und Kinderlieder. Vor allem unter Hirten war das Musizieren mit Instrumenten verbreitet. Laienmusik war deshalb so vielfältig wie die Bewohner des römischen Reichs.

Viele Berufsmusiker waren griechischer Herkunft und bei den meisten handelte es sich um Sklaven, Freigelassene oder andere Gruppen von niederem Status. Einige wenige Berufsmusiker, die Freie waren und römisches Bürgerrecht besaßen, brachten es zu überregionaler Berühmtheit und hohem Ansehen. Besonders beliebte Musiker verdienten gut bei Musikwettbewerben, die mit hohen Preisgeldern verbunden waren.

Apollo mit Kithara, Wandgemälde aus Pompeji

Apollo mit Kithara, Wandgemälde aus Pompeji

Die breite Masse der Berufsmusiker waren jedoch als Solisten, Orchester- oder Ensemblemusiker nicht überregional bekannt. Einige zogen umher von Ort zu Ort, auf der Suche nach einem Engagement oder im Verbund mit anderen Künstlern. Andere – wie Tempelmusiker – waren ortsansässig. Sakralmusiker in Tempeln waren häufig Eigentum des Tempels oder des Priesters.

Musiker allen Standes, vor allem in Rom, waren – wie allgemein für alle Berufsgruppen üblich – in Vereinen, sogenannten Kollegien, organisiert. Diesen haben wir viele Informationen über Status, Geschichte und Herkunft von Berufsmusikern zu verdanken, da Kollegien ihren verstorbenen Mitgliedern oft Grabsteine stifteten, auf denen nach römischer Sitte über das Leben des Verstorbenen berichtet wird.

Selbst einige Kaiser waren Musikfreunde. Für sie war es aufgrund ihres Ranges unerheblich, ob sie damit gegen ein gesellschaftliches Tabu verstießen. Caligula tanzte und sang.  Nero war Dichter und Musikliebhaber. Er selbst wäre lieber Schauspieler als Kaiser geworden, sang und spielte selbst mehrere Instrumente (wie Hydraulis und Kithara).

Auch Priester hatten, je nach Kult, dem sie dienten, ebenfalls musische Pflichten. So mußten die Arvalbrüder regelmäßig einen festgelegten Kulttanz und ein Kultlied darbieten.

Eine sehr gute, tiefgehende und ausführliche Darstellung über Musiker in der römischen Antike bietet die Schrift „Jünger der Musenkunst in Rom“ von Andrea Scheithauer (Download als PDF).

Römische Musik als experimentelles Forschungsfeld

Römische Musik ist ein so weitreichendes Thema, daß es für einen musikinteressierten römischen Rekonstruktionisten ein dankbares und ergiebiges Forschungsfeld ist, das so viel Material und Inhalt bietet, daß man sich sogar darauf spezialisieren kann und einem doch niemals die „Arbeit“ ausgeht.

Der Aulos wird bei einem rituellen Opfer gespielt, um negative Einflüsse und Zeichen abzuwehren (Haltern, 2014)

Der Aulos wird bei einem rituellen Opfer gespielt, um negative Einflüsse und Zeichen abzuwehren (Haltern, 2014)

Neben der theoretischen Beschäftigung mit der römischen Musik der Antike, die durch Schrift- und Bilddokumente überliefert ist, ist die Musik auch ein spannendes praktisches Experimentierfeld. Denn es gibt auch gut erhaltene Funde römischer Musikinstrumente, die deren Nachbau erlauben und – was eine eher unbekannte Tatsache ist – sogar Überlieferungen römischer und griechischer Musikstücke, da es bereits eine Form der Notenschrift gab. Deshalb wissen wir heute erstaunlich viel über verwendete Instrumente und ihre Einsatzbereiche und sogar darüber, wie einige Musikstücke geklungen haben mögen.

Interessanterweise sind aus der griechischen und römischen Antike mehr archäologische Funde von Musikinstrumenten und deren Einzelteilen erhalten, als aus dem gesamten europäischen Mittelalter. Hingegen ist die Überlieferung von erhaltenen Liedern und Musikstücken deutlich geringer, obwohl es bereits eine Notenschrift gab. Bei den Stücken, die erhalten sind, ist oft unklar, für welche Instrumente sie geschrieben waren – doch das ist, was ebenfalls nicht so bekannt ist, auch für viele mittelalterliche Musikstücke der Fall.

Deswegen ist die Musik sowohl in der „römischen Szene“ als auch in der Wissenschaft ein beliebtes Feld der experimentellen Archäologie und auf vielen Treffen und Veranstaltungen trifft man auf Gleichgesinnte, die sich den Nachbau eines römischen Musikinstruments haben anfertigen lassen und dessen Praxistauglichkeit unter Beweis stellen und gerne die Spielweise demonstrieren. (mehr …)

Praxis: Die Wachstafel – das Notizbuch der Römer

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Eine doppelseitiges römisches Wachstafelbuch

Was tat der Römer, wenn er sich etwas notieren wollte?

Papyrus, das teure Material aus aufwendig aufbereiteten und gefärbten Pflanzenfasern, konnte sich nur eine Minderheit leisten und es war viel zu wertvoll, um es für schlichte Notizen, kurz aufgeschriebene Gedanken, ein Gedicht, eine Nachricht an die Familienmitglieder oder eine Einkaufsliste zu verwenden. Zudem war Papyrus ein Einweg-Material, was seinen Wert noch steigerte.

Vielseitig verwendbar, alltagstauglich, preisgünstig und – vor allem – auch ideal für unterwegs war die Wachstafel, die es in den unterschiedlichsten Ausführungen gab. Wegen ihrer praktischen Handhabung war sie bis weit in das Mittelalter und zum Teil sogar noch bis in das 20. Jahrhundert im Einsatz, in der römischen Antike war sie DAS Allround-Notizbuch für alle Zwecke.

Viele von ihnen sind – inklusiver ihrer Botschaften – erhalten geblieben und stellen wertvolle archäologische Zeugnisse dar, die Einblick in den römischen Alltag gewähren.

Heutzutage gibt es hervorragende Repliken römischer Wachstafeln in vielfältigen Ausführungen. Natürlich kann man heute auch einfach ein Post-It oder einen Notizblock nehmen, oder seine Notizen als Memo in das Smartphone tippen, jedoch macht es Spaß und ist viel stimmiger, eine römische Wachstafel in entsprechendem Kontext zu benutzen.

Zum Beispiel weiß ein römischer Reenactor, der sich kurz die Adresse eines Menschen notieren möchte, den er eben auf einer Veranstaltung kennengelernt hat, oder der sich ein paar Notizen machen möchte, ein kleines aufklappbares römisches Wachstafelbuch zu schätzen, weil es zu seinem Setting und der dargestellten Epoche besser paßt als ein Smartphone, das zu einer Tunika ungefähr so toll aussieht wie eine Zigarette.

Aber auch der Cultor kann die römische Wachstafel gut in der religiösen Praxis der Sacra Privata nutzen, denn wie schon in der Antike üblich, läßt sie sich sehr gut in rituelle Handlungen einbinden.

Ausführungen, Herstellung und Material

Ideal für unterwegs!

Ideal für unterwegs!

Wachstafeln (Latein: tabulae ceratae) waren im alten Rom ein Alltagsgegenstand, den nahezu jeder (der schreiben konnte oder sich zumindest im Geschäftsleben anderweitige Notizen machte) in seinem Besitz hatte. Sie waren transportabel und wurden, dank ihres Hauptverwendungszwecks als Notizbuch, auch überall mitgeführt.

Es gab sie in unterschiedlichen Ausführungen, meist in der transportablen Taschenformat-Größe, die etwa dem heutigen Format DinA6 entspricht. Dabei befand sich eine Wachsschicht in einem Holzrahmen aus meist einheimischen Hölzern wie Buche oder Nadelhölzern. Seltener wurde ein edleres Material wie Gold oder Elfenbein verwendet.

Die einfachste Variante war ein Rahmen, der mit Wachs gefüllt war. Häufig wurden die Tafeln mit einem Lederband oder einer anderen Schanierart aber auch zu mehrseitigen Büchern zusammengebunden.

Mindestens zwei Seiten waren die übliche Variante („Diptychon“), da durch das Zusammenklappen des Buches der empfindliche Wachs geschützt wurde, wenn die beiden Tafeln als Buch mit der Wachsseite zueinander gebunden wurden. Außerdem gab es häufig eine Kerbe für die rutschfeste Verschnürung mit einem Lederband und die Möglichkeit, den Stilus, der zum Ritzen des Wachses genutzt wurde, zu befestigen.

Eine Kerbe an der Seite sorgt dafür, daß der Verschluß mit dem Lederband nicht verrutscht

Eine Kerbe an der Seite sorgt dafür, daß der Verschluß mit dem Lederband nicht verrutscht

Es bestand auch die Möglichkeit, noch mehr Tafeln zusammenzubinden (3 Tafeln wurden Triptychon genannt, mehr Tafeln Polyptychon). Riesige, aber eher seltene Exemplare, die stationär zum Einsatz kamen, waren bis zu Din A3 groß und bis zu 2o Seiten schwer.

Die handlichen Wachstafeln konnten auch verschnürt und dann versiegelt werden, wodurch man sie als Brief verschicken konnte.

Das Wachs bestand üblicherweise aus einer Mischung aus Bienenwachs, Kiefernharz und Ruß, wobei Ruß, Asche, Kohle oder Kiefernpech zur Schwarzfärbung des Wachses diente. Leinöl, Teer oder Terpentin dienten dazu, die Fließeigenschaften des Wachses zu beeinflussen, damit er im Sommer nicht schmolz.

Zur Ritzung des Wachses wurden Stifte verwendet, die Stilus genannt wurden. Sie bestanden aus Holz, Knochen oder Metall (bei vielen römischen Funden bestanden sie aus Eisen, oft mit Einlegearbeiten) und hatten eine spitze Seite zum Ritzen und eine flache  Seite, die als Spatel diente, um das Wachs später wieder zu glätten und somit die Nachricht zu „löschen“.

Die Einsatzgebiete dieser Büchlein waren vielfältig; neben der Funktion als privates Notizbuch kamen sie auch in geschäftlichen und militärischen Bereichen zum Einsatz. Funde belegen ihre Verwendung als Lieferscheine, Rechnungen, Schulaufgaben und Unterrichtsmaterialien, Briefe, militärische Nachrichten und Meldungen, sogar für die Versendung vertraulicher Dokumente.

Die Tafeln waren relativ einfach herzustellen, so daß einfache Exemplare auf dem Land bei Bedarf selbst hergestellt wurden. Es gab allerdings auch den Beruf des Wachstafelmachers, der auf die Herstellung dieser Büchlein spezialisiert war und der Zunft der Zimmerleute angeschlossen war. Er produzierte vor allem in den Städten die Tafeln für die zahlende Kundschaft, die sich nicht selbst die Mühe machen wollte oder die Zeit dazu hatte, ihre Notizbücher herzustellen.

Wer die Herstellung von römischen Wachstafeln einmal selbst sehen möchte oder sogar selbst Hand anlegen möchte, wird auf vielen Römerfesten fündig, bei denen Wachstafelmacher (wie z.B. Quintus Vetitius Verus) ihre Handwerkskunst vorführen.

Verwendung

Die spitze Seite des Stilus dient zum Ritzen der Buchstaben

Die spitze Seite des Stilus dient zum Ritzen der Buchstaben

Die Verwendung ist denkbar einfach.

Mit der spitzen Seite des Stilus werden die Botschaften in die Wachsschicht gekratzt. Mit der Tiefe muß man ein wenig experimentieren; kratzt man zu tief, löst man den Wachs heraus und es kommt zu häßlichen Krümmeln und Materialverlust, im schlimmsten Fall bricht man einen Teil des Wachses heraus.

Viele verwenden heute zum Beschreiben der Tafeln statt „moderner“ Buchstaben die römische Handschrift, genannt die römische Kursive (bekannt als Majuskelkursive oder Capitalis Cursiva) die besonders gut für das schnelle Schreiben auf Wachstafeln oder auf Papyrus geeignet ist, da man mit ihr die Striche eines Buchstabens nur „zieht“, aber nicht „schiebt“, was auf einer Wachstafel keinen Sinn macht. Überlieferungen der Handschrift sind zahlreich, man fand sie auf erhaltenen Wachstafeln, Papyrusstücken und sogar in Graffiti an Gebäuden wie z.B. in Pompeji, wo einerseits Händler ihre Namen und Preise an die Wände schrieben, andererseits aber sogar so profane Aufzeichnungen wie Toilettensprüche erhalten geblieben sind, die in der Kursive aufgeschrieben wurden.

Mustervorlagen für die römische Kursive sind zahlreich im Netz zu finden. Viele Wachstafeln bringen, wenn man sie kauft, auch eine Vorlage mit Groß- und Kleinbuchstaben in römischer Handschrift mit, wie z.B. die Tafeln, die als Repliken von Forum Traiani hergestellt werden.

Mit der stumpfen Seite wird der Wachs wieder glattgestrichen

Mit der stumpfen Seite wird der Wachs wieder glattgestrichen

Hat sich die Notiz erledigt und braucht man Platz für neue Notizen, wird die beschriebene Fläche mit der flachen Seite des Stilus wieder glattgerieben (Tabula rasa). Auch hier muß man etwas Fingerspitzengefühl entwickeln, wieviel Druck nötig ist, um die Buchstaben zu entfernen und die Oberfläche zu glätten.

Ist der Wachs irgendwann unansehnlich geworden und sind die Spuren nicht mehr durch den Spatel allein zu beseitigen, genügt es, die Wachsseite der Tafel für einen kurzen Moment über eine Kerzenflamme zu halten, bis eine leichte Verflüssigung eintritt (jedoch nicht, bis es heruntertropft und wegschmilzt!). Ist der Wachs leicht angeschmolzen, kann er problemlos mit dem Spachtel glattgestrichen werden.

Am Anfang sollte man nicht verzweifeln, wenn das Schreiben schwierig ist und der Wachs unansehnlich. Eine Wachstafel muß „eingeschrieben“ werden (vergleichbar mit Ton oder einem Kuchenteig, der geschmeidiger wird, je länger man ihn formt und knetet). So dauert eine Weile, bis der Wachs geschmeidig ist und sich leicht beschreiben und wieder leeren läßt.

Verwendung im Cultus

Auch heute noch sind römische Wachstafeln vielfältig zu nutzen. Wie in der Einleitung erwähnt, passen sie erst einmal sehr gut zum römischen Setting und sind ansprechend in ihrer Haptik und für das Auge.

Insbesondere im Cultus Deorum kommt ihnen eine besondere Bedeutung zu. Da es in der Religio Romana, der römischen Religion, üblich ist, getreu dem Motto „do ut des“ (ich gebe, damit Du gibst) geschäftliche Beziehungen mit den Göttern einzugehen, wurden und werden sie bis heute zur Niederschrift eines solchen Abkommens oder Gelübdes verwendet.

Die Wachstafel mit dem schriftlichen Gelübde auf dem Altar

Die Wachstafel mit dem schriftlichen Gelübde auf dem Altar

Tritt man mit einem Anliegen an einen Gott heran und stellt ihm für den Fall der Erfüllung des Wunsches eine bestimmte Gabe oder ein Opfer in Aussicht, so war und ist es gemäß römischer Praxis durchaus üblich, diese Vereinbarung auf einer Wachstafel niederzuschreiben.

Anschließend wird die beschriebene Tafel auf den Hausaltar (in römischer Zeit auch in den Tempel der betreffenden Gottheit) gestellt und verbleibt dort so lange, bis das Anliegen erhört wird und man das geleistete Gelübde erfüllt hat – oder, im Falle der Nichterfüllung, bis der vereinbarte Zeitpunkt verstrichen ist.

Wurde das Gelübde von beiden Seiten erfüllt oder ist der Zeitpunkt der Erfüllung ohne Einlösung verstrichen, wird die Tafel vom Altar entfernt und der darin eingeritzte Text mit der flachen Seite des Stilus gelöscht.

Damit ist auch äußerlich ein Zeichen gesetzt, daß der Handel abgeschlossen ist oder daß die Vereinbarung nicht länger gilt. Anschließend wird das Büchlein wieder verstaut, bis zu seinem nächsten Einsatz.

Götterwelt: Die Laren

Zuständigkeiten und Bezeichnungen:

Die Laren (Lateinisch: „Lares“, Singular: „Lar“) waren römische Schutzgötter oder Schutzgeister, die unterschiedliche Funktionen und Zuständigkeitsgebiete hatten. Innerhalb ihres Wirkungs- und Zuständigkeitskreises war es ihre Aufgabe, alles darin zu beobachten, zu beschützen und darauf Einfluß zu nehmen. Da Laren quasi überall ansässig waren – vom kleinsten Heim bis hin zum gesamten Staat -, war der Larenkult für den Römer von zentraler Bedeutung.

Laren werden in drei große Obergruppen unterteilt:

  • Lares Familiares:

Die Lares Familiares (Singular: „Lar Familiaris“) galten als die Schutzgötter einer Familie und waren grundlegender Bestandteil der sacra privata, der privaten Kultausübung jedes Römers.

Lararium aus Pompeji. Typische Elemente: die Laren links und rechts, in der Mitte der Genius, darunter die Schlange

Lararium aus Pompeji. Typische Elemente: die Laren links und rechts, in der Mitte der Genius, darunter die Schlange

Sie waren Grundlage des römischen Ahnenkultes, denn sie wurden als die verstorbenen Ahnen angesehen, die auch nach ihrem Tod Teil der Familie blieben (nicht nur zwingend die eigenen Ahnen, sondern sie konnten auch ortsgebundene Geister anderer Herkunft sein). So wurden sie auch selbstverständlich in alle Familienfeiern und das tägliche Mahl eingebunden. Sie nahmen als Zeugen an allen wichtigen Ereignissen der Familie teil, an Geburten und Todesfällen, an Hochzeiten und Adoptionen (die im Römischen Reich alltäglich waren).

Die Lares Familiares brachten dem Haushalt finanziellen Wohlstand und Wohlergehen. An ihrem Schrein, dem „Lararium„, fand ein wichtiger Teil des gemeinsamen Familienlebens statt und er war sozialer Treffpunkt der Familie, selbst wenn sie sich sonst im Laufe eines Tages kaum zu Gesicht bekam. Beim Betreten des Hauses begrüßte man die Laren wie lebende Verwandte, beim Verlassen des Hauses verabschiedete man sich mit der Bitte, daß sie am Tag über einen wachten. Ihr Schrein stand für gewöhnlich in der Nähe des Herdes oder in einer Ecke der Eingangshalle. Reiche römische Familien hatten mehrere Lararien, ein repräsentatives an einem gut sichtbaren Ort wie vor dem Eingang oder in der Empfangshalle, und ein privates beim Herd oder im Schlafzimmer. Ärmere Familien hatten nur eine kleine Nische oder ein Regalbrett, das diese Funktion erfüllte.

Die Praxis der Verehrung der Lares Familiares wird immer zusammen mit der Verehrung des Genius paterfamilias, des Genius loci und der Penatendurchgeführt, die die direkten Schutzgötter des Hausherrn und seiner engsten Familienangehörigen waren, während die Lares Familiares für alle zuständig waren, die unter seinem Dach in diesem Haus lebten, inklusive der Sklaven und Angestellten. Das „Familiaris“ bezieht sich hier also nicht auf die Familie als solche, sondern bezeichnet den Schutz dieses Geistes, den er über die Familie an ihrem Wohnort ausübt, deshalb wurden diese Laren auch Lares Domestici (Laren des Hauses) genannt. Im Gegensatz zu den Penaten, den Manen (den eigentlichen Ahngeistern) und den Genien der Familienmitglieder, die alle ihre Präsenz an die Familie resp. an Personen binden, sind die Lares loci und die Lares Familiares an den Ort gebunden, das heißt, sie konnten bei einem Umzug nicht mit umgesiedelt werden, sondern man musste sich an einem neuen Wohnort an die dort bereits präsenten Laren wenden.

Verantwortlich für die Kultpraxis im Haushalt war der Paterfamilias, das Familienoberhaupt (der allerdings aus praktischen Gründen auch die Möglichkeit hatte, bei Zeitmangel die Fürsorge für die Laren auf ein anderes Mitglied des Haushalts, Familienmitglieder oder Bedienstete, zu übertragen). Vernachlässigte man jedoch die Verehrung der Laren, so wandten diese sich ab und sorgten nicht länger für ein gutes Schicksal der Bewohner, halfen diesen nicht mehr und kümmerten sich nicht um sie, genauso wenig, wie sich die Familie um ihre Laren kümmerte.

Als absolutes Minimum sollte man zumindest an den Iden, Kalenden und Nonen jedes Monats Kulthandlungen für die Laren durchführen. Für viele Römer gehörte es aber zu den täglichen Handlungen jeden Morgen, oft auch jeden Abend, zumindest kurze Rituale am Larenschrein abzuhalten. Die Kultpraxis, um den Laren die gewünschte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, ist nicht aufwendig und erfordert nur wenige Minuten am Tag, ist also sehr alltagstauglich, was typisch für die praktisch veranlagten Römer war.

  • Lares Loci und Lares Publici:
Aufwendiges Lararium aus Pompeji mit Altar und Nische für Figuren

Aufwendiges Lararium aus Pompeji mit Altar und Nische für Figuren

Die Lares Loci („Laren des Ortes“) waren keiner bestimmten Familie zugehörig, sondern wachten über einen besonderen Ort oder Platz. Das reichte vom heimischen Lararium, in dem der Lar Loci (oft auch als Genius Loci bezeichnet) lebte, der die Stelle bewachtete, an der das Haus einst gebaut worden war (und der beim Umzug der Familie auch nicht mitzog), bis hin zu Lares Loci, die Straßen (Lares Viales), Seewege, Kreuzungen (die als gefährlich galten), öffentliche Plätze, Städte und Dörfer, Äcker (Lares Rurales), Viehherden, bis hin zum Staat und dem Militär (Lares Militares) bewachten. Die Übergänge zwischen den Lares Loci und Lares Publici sind hier fließend, weil beide Gruppen zahlreiche Untergruppen beinhalten, die sich nur in Größe der von ihnen beschützten Bereiche unterschieden.

Laren, die ganze Ortschaften bewachten, wurden auch Lares Publici genannt. Sie wurden an Kreuzungen verehrt, an denen Compitales (Kreuzungsschreine) aufgestellt waren; diese waren an nahezu allen wichtigen Kreuzungen zu finden und Teil des sozialen, politischen und religiösen Geschehens vor Ort (die in katholischen Gegenden bekannten Flur- oder Wegekreuze stehen noch in dieser Tradition). Gewartet und verwaltet wurden sie von Kreuzwegvereinen. Im Gegensatz zu anderen Gottheiten, durften darin sogar Sklaven und Freigelassene (Libertini) religiöse Funktionen ausüben, da Laren Gefallen daran hatten, wenn Sklaven für sie tätig waren. Diese Laren (zusammengefaßt als Lares Compitalicii) spielten eine so zentrale Bedeutung im Cultus, das ihnen sogar ein eigenes Fest gestiftet wurde: die Compitalia, die jedes Jahr im Winter nach den Saturnalien abgehalten wurden.

Während der Compitalia stellten alle Familien Statuen der Unterweltgöttin Mania (die als „Mater Larum„, Mutter aller Laren galt) vor die Tür, zudem wurden kleine männliche und weibliche Figuren aus Wolle an die Türen gehängt. Damit verband man die Hoffnung, daß die Laren und Mania mit diesen Figürchen zufrieden waren und die Bewohner des Hauses im Gegenzug verschonten. Sklaven opferten keine menschenähnlichen Figuren, sondern Bälle aus Wolle. Neben diesen privaten Bräuchen wurden während der Compitalia auch Theaterstücke aufgeführt, zum Teil mit recht subversivem und provokativem Charakter, denn an diesem Fest waren die Regeln gelockert und es war erlaubt, seine Meinung zu sagen. Selbst Sklaven konnten für einen Tag tun und lassen, was ihnen gefiel. Insbesondere beim einfachen Volk war dieses Fest sehr beliebt.

Auch die Stadt Rom wurde von ihren eigenen Lares Publici beschützt, die in einem zentralen Tempel verehrt wurden, genau wie auch jeder Stadtteil Roms noch einmal seine eigenen Laren mit eigenen Schreinen besaß.

Opfergaben:

Den Laren wurde Getreide, Honigkuchen, Honigwaben, Trauben, Wein und Räucherwerk geopfert. Außerdem gehörte alles, was bei Tisch versehentlich auf den Boden fiel, automatisch ihnen. Zu ganz besonderen Anlässen opferten ihnen wohlhabendere Haushalte ein Schwein (möglicherweise eine trächtige Sau).

Darstellung und Attribute:

Typische Darstellung mit Füllhorn

Typische Darstellung mit Füllhorn

Ursprünglich waren die Laren gestaltlos; es existieren keine Darstellungen aus frührepublikanischer Zeit. Erst in der frühen Kaiserzeit nahmen die Laren ihre heute bekannte Gestalt an (möglicherweise unter griechischem Einfluß).

Analog zur Darstellung des Zwillingspaars Romulus und Remus werden Laren oft paarweise als männliche, bartlose Jünglinge dargestellt. Sie tragen eine einfache, kurze Tunika mit Gürtel. Ihre Körperhaltung ist tanzend, entweder auf Zehenspitzen und balancierend auf einem Bein.

Eine Hand ist oft erhoben und leer, oder hält ein Rhyton, ein Gefäß für Trankopfer und deutet damit das Anbieten des Trankopfers (Libation) an. Die andere Hand trägt ein Füllhorn (Cornucopia) oder eine Opferschale (Patera) .

Lares Familiares treten im Lararium sowohl paarweise auf, wobei die Figuren spiegelbildlich dargestellt sind, oder es gibt eine einzelne Figur, die diesen besonderen Schutzgeist der Familie symbolisiert. In Malereien in antiken Lararien (wie man es zum Beispiel aus Pompeji kennt) posieren Laren oft links und rechts von einer zentralen Figur, die den Genius darstellt.

Grundsätzlich liegt dieser Anordnung aber eher eine Konvention zugrunde und keine starre Regel, die irgendwie ‚theologisch‘ begründet wäre. So findet sich im ‚Haus der roten Wände‘ (Casa delle Pareti rosse, VIII 5, 37 [dies bezieht sich auf ein System, um die Fundstellen in Pompeji konkret in Bezug auf regio, insula und domus anzugeben) in Pompeji ein grosses Lararium, an dessen Rückwand der Genius flankiert von zwei tanzenden Laren aufgemalt ist. Man fand aber davor auch zwei Bronzefiguren die Laren darstellen, die ganz offensichtlich ursprünglich im Lararium standen, so das es dort 4 Laren gab.

Bei den Lares Loci und Lares publici kann die Anzahl ebenfalls schwanken; manchmal wird nur ein einziger Lar verehrt, bei anderen Typen (wie den sehr speziellen Lares Grundules) können es bis zu 30 sein.

Der Lar loci bzw. Genius loci des Hauses, der ebenfalls im Lararium verehrt wird, wird in Form einer Schlange dargestellt, wobei es auch hier manchmal 2 Schlangen sind, die etwa ihre Köpfe über einem religiösen Symbol erheben und einander zugewandt sind.

Herkunft:

Gemeinsam mit den Lemuren und Larvae werden die Laren zu den Manes gerechnet, den Unterwelt- oder Totengeistern und damit zu den Dii inferi. Während aber die Lemuren und Larvae bösartig und rachsüchtig sind und nach ihrem Tod keine Ruhe finden, zum Beispiel, weil sie nicht angemessen bestattet wurden, gelten die Laren als die „guten“ und wohlwollenden Geister, die jedoch ihre Freundlichkeit auch verlieren können, wenn man sie missachtet.

Darstellung mit Trinkopfergefäß und Opferschale

Darstellung mit Trinkopfergefäß und Opferschale

Der Ursprung des Larenkultes ist nicht ganz geklärt, er geht wahrscheinlich bereits auf die Etrusker zurück, die einen sehr ähnlichen Haus- und Ahnenkult praktizierten. Das Wort „Lar“ stammt vom etruskischen „Lar“ oder „Larth“, was „Gebieter“ oder „Herrscher“ bedeutet.

Der mythologische Hintergrund der Laren ist sehr spärlich und es gibt keine traditionelle und systematische Theologie, die ihre Natur und ihre Funktion erklärt. Das ist der Grund, weswegen die Entwicklung der vielen verschiedenen Typen von Laren und ihrer vielen Aufgaben überhaupt erst möglich wurde. Selbst unter den römischen Autoren herrscht Unklarheit über ihre Zugehörigkeit und Natur. Sextus Pompeius Festus schrieb im 2. Jahrhundert, daß die Laren Ahnen-Genii wären (der Genius bezeichnete den individuellen Anteil der göttlichen Natur in jeder Person, Sache oder Ort). Apuleus hielt sie für wohlwollende Ahnengeister, die sowohl zur Unterwelt als auch zu festen Orten der Welt der Menschen gehörten, und nichts mit dem Genius oder auch den bösen umherwandernden Lemuren zu tun hatten. Varro bezeichnet sie als einst menschliche Geister aus der Unterwelt und damit Ahnengeister und Manen, gleichzeitig als Luftgötter, die zur Oberwelt gehörten. Tatsache ist, daß die Übergänge zwischen Laren und Genien fließend waren bzw. es Überschneidungen gibt, wie beim Genius loci.

Feiertage:  

Feiertage für die Laren sind (neben den Compitalia, deren Termin schwanken konnte, aber immer nach den Saturnalien Ende Dezember-Anfang Januar lag), der 27. Juni und der 22. Dezember.

Sonstiges:

Die Larenverehrung wurde im November 392 durch den Kaiser Theodosianus I verboten, inoffiziell wurde der Kult aber noch bis in die Spätantike nachgewiesenermaßen praktiziert.