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Museen: Gallo-Romeins Museum Tongeren (BE)

Ein moderner Betonbau, der es in sich hat: Europäisches Museum des Jahres 2011

Ein moderner Betonbau, der es in sich hat: Europäisches Museum des Jahres 2011

Anschrift:

Kielenstraat 15, 3700 Tongeren, Belgien

Anfahrt:

Tongeren liegt in der belgischen Provinz Limburg im flämischsprachigen Teil Belgiens zwischen Liège und Maastricht. Die Stadt ist mit dem Auto direkt über die Autobahn zu erreichen und mit jedem Navi gut zu finden.

Das Museum liegt in der fußläufigen Innenstadt, so daß man einen der öffentlichen Parkplätze außerhalb der Fußgängerzone nutzen sollte. Ein großer Parkplatz befindet sich am Stadtpark De Motte, von dem aus die Innenstadt zu Fuß gut zu erreichen ist.

Man sollte bei der Anreise allerdings darauf achten, daß jeden Sonntag der „Antiek- et Brocantemarkt“ auf dem Viehmarkt in der Fußgängerzone stattfindet, der größte Antikflohmarkt der Benelux-Länder, der sogar Tagesgäste aus England und Frankreich anzieht. Er ist sehr sehenswert, mit unglaublichen Kuriositäten (von denen man einige nicht legal über die deutsche Grenze bringen dürfte), aber er verschärft natürlich die Parkplatzsituation. Aber trotz des Flohmarkts haben wir einen Parkplatz am De Motte gefunden.

Auch die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist kein Problem, Tongeren hat einen Bahnhof und wird u.a. vom Regionalverkehr aus Aachen angefahren.

Das Museum liegt direkt neben der Basilika und ist deshalb nicht zu verfehlen.

Hintergrundinformationen:

Modell der römischen Stadt Atuatuca Tungrorum

Modell der römischen Stadt Atuatuca Tungrorum

Tongeren streitet sich mit Arlon um den Titel der ältesten Stadt Belgiens.

Tongeren geht auf die römische Stadt Atuatuca Tungrorum in der Provinz Germania Inferior zurück. Ob die von Julius Caesar in seinem „De Bello Gallico“ erwähnte Festung Atuatuca (oder Aduatuca) der Eburonen identisch ist mit der Stadt, oder ob Atuatuca in der gallischen Sprache einfach nur „Festung“ oder „Fort“ bedeutete und für mehrere Orte galt, ist nicht bekannt.

Nach dem Ende des gallischen Krieges war Atuatuca Tungrorum eine florierende römische Stadt mit einer Stadtmauer, deren Reste heute noch zu sehen sind.

Die Region ist reich an archäologischen Stätten und es gibt zahlreiche Funde aus dem gallo-römischen Atuatuca Tungrorum. Aus diesem Grund wurde in der Stadt im Jahre 1954 ein Museum errichtet, um die bereits im 19. Jahrhundert begründete archäologische Sammlung der Königlichen Geschichts- und Altertumskundlichen Gesellschaft von Tongeren der Öffentlichkeit präsentieren zu können.

Ein Schwerpunkt der Sammlung ist die Geschichte der Eburonen unter ihrem König Ambiorix, der in der Stadt bis heute besondere Verehrung genießt und als überlebensgroße Statue auf dem Marktplatz von Tongeren steht.

Im Jahr 1994 wurde das Museum komplett neu gestaltet und im Jahr 2006 noch einmal erweitert. Es ist ein sehr moderner, weitläufiger Bau, der im Jahr 2011 die Auszeichnung „Europäisches Museum des Jahres“ erhielt.

Die Sammlung

Die Wachsfiguren in der Steinzeitaustellung wirken lebensecht

Die Wachsfiguren in der Steinzeitaustellung wirken lebensecht

Das Museum ist in mehrere Abteilungen und Etagen gegliedert. Im Keller ist viel Raum für Sonderausstellungen (wir waren dort z.B. in der Wikinger-Ausstellung im Jahr 2014).

Im ersten Teil der Dauerausstellung geht es um Steinzeit und Frühgeschichte in der Region, die in dramtischen, lebensnahen Szenen präsentiert wird. Hier fallen vor allem die extrem lebendig wirkenden Wachsfiguren auf, die Steinzeitmenschen in Aktion zeigen, beim Jagen oder Sammeln. Sie sind sehr lebensecht gestaltet, inklusive Körperbehaarung, und haben faszinierend ausdrucksstarke Gesichter. Es gibt auch die anatomische Darstellung eines Neandertalers, bei der man einen Blick in den Körper werfen kann.

Eine Etage höher liegt die gallo-römische Sammlung, die einerseits die Eburonen, andererseits die Römer zum Thema hat. Dabei ist die Sammlung thematisch gegliedert, es gibt Bereiche zum keltischen und römischen Alltagsleben, wie Keramik und Gebrauchsgegenstände, Grabkultur, Wandmalereien, oder Religion, die sich durch eine große Sammlung von für diese Region besonders typischen Jupiter-Gigantensäulen auszeichnet.

Ein Modell der antiken Stadt verdeutlicht die Größe von Atuatuca Tungrorum und den typischen römischen Bauplan mit zentralem Tempelkomplex und Thermen.

Das Ende der Ausstellung wird thematisch vom Übergang in die Christianisierung und Spätantike gebildet.

Präsentation

Eine ungewöhnliche Art, antike Keramik zu präsentieren

Eine ungewöhnliche Art, antike Keramik zu präsentieren

Die Räumlichkeiten des Museums sind ungewöhnlich – das Gebäude ist eigentlich ein monströser Betonklotz. Aber die Hallen, die auf mehreren Etagen liegen, sind durch Vitrinen und Gänge gegliedert, so daß sie weitläufig wirken und jedem Ausstellungsstück viel Raum bieten, und man hat nicht das Gefühl, in einer seelenlosen Betonhalle zu stehen. Die Architektur, so geschmacksabhängig sie sein mag, wirkt durchdacht und wurde genau um die Sammlung herum konzipiert.

Besonders beeindruckend fanden wir die lebensechten Wachsfiguren, mit denen einige Szenen aus dem Alltagsleben der Einheimischen dargestellt werden. Es gibt zum Beispiel den Trauerzug einer römischen Beerdigung, bei dem den Teilnehmern der Schmerz und die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben stehen. Aber auch die lebensechten Steinzeitmenschen, bis hin zu einem spielenden Kind, wirken lebendig und fernab der üblichen Klischees.

Der Tempelkomplex von Atuatuca Tungrorum

Der Tempelkomplex von Atuatuca Tungrorum

Die Beschriftung der einzelnen Sektionen ist ausschließlich auf Flämisch. Hier gibt es diverse Schilder und große Wandtafeln mit Hintergrundinformationen. Für anderssprachige Besucher ist an der Kasse kostenlos eine Leihbroschüre erhältlich (Englisch, Deutsch, Französisch), in der die Fundstücke sehr ausführlich beschrieben sind, so daß man keine Angst haben muß, daß einem wertvolle Informationen entgehen. Für Sonderausstellungen gibt es bisweilen auch Audio-Guides in anderen Sprachen.

Großformatige Karten an den Wänden geben einen genauen Überblick über die geographische Situation in der Region in der Antike.

Das große Modell der Stadt ist sehr anschaulich und die Ausstellungsstücke sind sinnig nach Themen gruppiert, so daß auch ein didaktischer Nutzen gegeben ist. Einige Präsentationen sind ungewöhnlich, zum Beispiel gibt es eine Wand mit Keramikkrügen, Schalen und Amphoren, die normalerweise ja immer eher stiefmütterlich in Vitrinen herumstehen. Hier findet sich eine riesige Wandkarte des gallischen Raumes bis nach Frankreich, an der die Keramik nach Fundorten auf Ständern gezeigt wird. Das ist ein interessanter Effekt und rückt diese oft vernachlässigten, aber wichtigen Funde etwas in den Fokus.

Ein Teil der Sammlung beschäftigt sich mit Religion und Cultus

Ein Teil der Sammlung beschäftigt sich mit Religion und Cultus

Im Eingangsbereich gibt es einen Museumsshop, der Bücher, Repliken, Ambiorix-Figuren in allen Größen sowie römische und keltische Devotionalien aller Art anbietet. Als besonderen Service bietet der Shop das kostenlose Verpacken als Geschenk an.

Das Museum ist generell sehr weitläufig, hat hohe Hallen im Eingangsbereich, Räume für Vorträge, Seminare, Workshops und Sonderveranstaltungen, einen großen Kellerbereich mit sauberen, modernen Toiletten, Garderoben und einem simulierten archäologischen Ausgrabungsplatz, an dem Kinder spielen können. Durch die fensterlose Betonkonstruktion ist es möglich, die Sonderausstellungen mit besonderer Beleuchtung oder multimedialen Elementen effektreich in Szene zu setzen, was z.B. bei der Wikingerausstellung sehr gut umgesetzt wurde.

Es gibt auch ein Museumscafe mit Außenterrasse, das neben Kaffee und Kuchen auch warme Speisen, Snacks und regionale Küche anbietet.

Service, Personal, Besucherfreundlichkeit

Eine Jupitergigantensäule, die es nur im östlichen Gallien bis Niedergermanien gab

Eine Jupitergigantensäule, die es nur im östlichen Gallien bis Niedergermanien gab

Im ganzen Museum ist Fotografieren (ohne Blitz) erlaubt.

Das Personal war immer freundlich (auch wenn es aufgrund des großen Besucheransturm während der Sonderausstellung etwas gehetzt wirkte). Man war bemüht, uns mit deutsch- oder englischsprachigem Audioguide und Informationsmaterial zu unterstützen und bot uns dies ungefragt von sich aus an, als wir dort an der Kasse standen.

In der Dauerausstellung kann man sich frei und ungezwungen bewegen, man hat nicht, wie in manch anderem Museum, das Gefühl, von finster dreinblickenden Aufsehern auf Schritt und Tritt belauert und verfolgt zu werden. Ganz im Gegenteil ging es dort recht locker zu, wir amüsierten uns in der Steinzeit-Austellung, wo man durchaus auch mal in ein Fellzelt krabbeln darf, oder fotografierten uns szenisch mit den Wachsfiguren. Das Museum ist zwar mit Kameras überwacht, aber ansonsten kann man dort ganz alleine und in Ruhe herumlaufen.

Lediglich in der Sonderausstellung wurde versucht, die Besucherströme etwas mit Ordnern zu dirigieren. Das war aber eher eine Ausnahme, weil die Wikinger-Ausstellung extrem gut besucht war und massiv beworben wurde. Das Museum und die Dauerausstellung selbst ist nicht überlaufen und die Besucher haben ausreichend Platz, um sich in dem weitläufigen Bau zu verstreuen.

Das Museum ist behindertengerecht und rollstuhlfahrerfreundlich gestaltet.

Öffnungszeiten, Eintrittspreise

Das Museum ist Dienstags bis Freitags von 9-17 Uhr geöffnet, Samstags und Sonntags von 10-18 Uhr. Montags ist es (außer an Feiertagen) geschlossen.

Der Eintritt für Erwachsene beträgt 7€, für Behinderte, Ältere ab 55 und Ermäßigte 5€. Kinder und Jugendliche bis 26 (!) Jahre zahlen 1€. Es gibt auch eine Familienkarte für 15€.

Sonstiges

Die Beerdigungsszene ist erschreckend realistisch

Die Beerdigungsszene ist erschreckend realistisch

Ein Besuch des Museums sollte mit der Besichtigung der anderen Sehenswürdigkeiten der Stadt kombiniert werden. Wer Sonntags nach Tongeren reist, wird natürlich eine Weile staunend auf dem kuriosen Antikenmarkt verbringen.

Daneben ist die alte römische Stadtmauer interessant, denn von der einst 4.544 m langen Mauer sind heute noch etwa 1.500 m erhalten. Überall in der Stadt finden sich Informationstafeln, die auf historische Punkte aufmerksam machen und Hintergrundinformationen liefern.

Das Standbild des Ambiorix auf dem Marktplatz ist das Wahrzeichen der Stadt und gehört natürlich für jeden römischen Touristen zum Pflichtprogramm.

Die imposante Liebfrauenbasilika neben dem Museum gilt als eines der bedeutendsten gotischen Bauwerke Belgiens und ist ebenfalls einen Besuch wert.

Das Standbild des Ambiorix, Wahrzeichen der Stadt

Das Standbild des Ambiorix, Wahrzeichen der Stadt

Uns gefällt das etwas ungewöhnliche Museum sehr gut und deshalb sprechen wir eine Empfehlung aus. Die regionalen Funde aus dem eburonischen Siedlungsraum sind gut aufbereitet und die Präsentation ist interessant gestaltet.

Wer sich für gallo-römische Geschichte, Kultur und Religion interessiert und ein Ausflugsziel in Niedergermanien sucht, sollte sich – idealerweise für einen Sonntag – einen Ausflug nach Tongeren vormerken. Das Museum ist natürlich auch eine gute Alternative für einen verregneten Tag.

Weiterführende Informationen

Ambiorix, König der Eburonen

Das Denkmal des Ambiorix auf dem Marktplatz von Tongeren

Das Denkmal des Ambiorix auf dem Marktplatz von Tongeren

Eine unserer Reisen durch das östliche Gallien führte uns nach Tongeren, in die älteste Stadt Belgiens.

Sie entstand aus der römischen Stadt Atuatuca Tungrorum, Hauptstadt des Verwaltungsbezirks Civitas Tungrorum in der Provinz Gallia Belgica (die später in die Provinz Germania inferior, Niedergermanien, eingemeindet wurde).

Neben der noch über mehrere Kilometer erhaltenen römischen Stadtmauer, gibt es in Tongeren das (sehr modern gestaltete) Gallo-Romeins Museum, das zum Europäischen Museum des Jahres 2011 gekürt wurde. Hier sind vor allem die regionalen Funde aus dem römischen Atuatuca Tungrorum ausgestellt und der Besucher erhält einen guten Eindruck von der Ausdehnung und dem Aufbau der römischen Provinzstadt.

Die dritte – wenngleich nicht wirklich „römische“ Sehenswürdigkeit, aber dennoch für den gallo-römischen Touristen Pflichtprogramm -, ist das 1866 errichtete Ambiorixstandbild auf dem Marktplatz der Stadt. Er zeigt den überlebensgroßen König des gallischen Stammes der Eburonen, der auf drei Dolmen steht.

Ambiorix gilt als ein belgischer „Nationalheld“. Der Anführer der Eburonen spielt eine wichtige Rolle in Caesars KriegsberichtDe Bello Gallico, denn er brachte den römischen Legionen auf ihrem Gallienfeldzug in den Jahren 54-53 v. Chr. eine ihrer größten Niederlagen bei. Caesar beschäftigt sich in seinem Kriegsbericht ausführlich mit diesem Herrscher, den wir deshalb vor allem aus dieser Quelle kennen.

Die Eburonen wurden von einem Doppelkönigtum regiert; diese beiden Herrscher bezeichnete Caesar mit dem lateinischen Wort „Rex“ (König):

„Catuvolcus rex dimidiae partis Eburonum“

König Catuvolcus herrscht über die eine Hälfte der Eburonen“ (De Bello Gallico 6,31,5)

Als Rache für die Niederlage, die die Eburonen den römischen Legionen beibrachten, ordnete Caesar im Jahr 51 v. Chr. einen Rachefeldzug gegen den gesamten Stamm an mit dem Ziel, ihn auszulöschen und das Stammesgebiet danach den Rom-loyalen Germanen vom Stamme der Ubier zu übergeben.

Eburonische Höhenfestung (Römervilla Ahrweiler, 2014)

Eburonische Höhenfestung (Römervilla Ahrweiler, 2014)

Auch für uns ist das Schicksal des Ambiorix und der Eburonen von besonderem Interesse, da die Region, in der wir leben – das Ahrtal – im Grenzland zwischen den Stammesgebieten der Eburonen und der ebenfalls keltischen Treverer lag. Eburonische Funde aus der Region, sowie die Rekonstruktion einer eburonischen Höhensiedlung, waren im Jahr 2012 im Rahmen der Sonderausstellung „Eburonen – unsere vergessenen Vorfahren“ in der Römervilla Ahrweiler zu sehen.

Als römische Rekonstruktionisten ist es für uns immer spannend und interessant, sich ganz grundsätzlich mit römischer Geschichte zu beschäftigen, die wir dank der vielen erhaltenen Quellen gut studieren können. Als wir in Tongeren auf Ambiorix und die Eburonen trafen, die auch unsere Region besiedelt hatten, war die Gelegenheit gekommen, wieder einmal Caesars Kriegsbericht „De Bello Gallico“ in die Hand zu nehmen und sich mit Ambiorix und dem Schicksal seines gallischen Stammes zu beschäftigen!

Da vielen Lesern der „Gallische Krieg“ des Julius Caesar in der Schule im Lateinunterricht vergällt wurde, wäre es natürlich ein schöner Nebeneffekt, wenn dieser Artikel wieder das Interesse an dem spannenden Kriegsbericht des römischen Feldherren (und natürlich an Ambiorix und den Eburonen!) weckt und man feststellt, daß Geschichte keineswegs dröge und langweilig ist – und daß „De Bello Gallico“ Ereignisse beschreibt, die sich direkt hier vor Ort, in unserer Heimat abgespielt haben 🙂

Die Eburonen

Das Stammesgebiet der Eburonen erstreckte sich über das stark bewaldete Gebiet zwischen Rhein und Maas im Bereich der Eifel und der nördlichen Ardennen. Westlich reichte es etwa bis auf die Höhe der Stadt Brüssel und an das Gebiet der westlich der Maas lebenden Aduatuker, südlich stieß es an das Stammesgebiet der in der Südeifel und im Moselraum lebenden, ebenfalls keltischen Treverer. Beiden – größeren – Stämmen waren sie zu Tributzahlungen verpflichtet.

Die Wälder und engen Schluchten der Ardennen gehören zu unseren liebsten Reisezielen

Die Wälder und engen Schluchten der Ardennen gehören zu unseren liebsten Reisezielen (hier: Blick von der Burg in Esch-sur-Sûre)

Die Eburonen waren ein relativ kleiner gallischer Stamm, der über etwa 44.000 Mitglieder, davon 8000 kampffähige Krieger, verfügte.

Caesar berichtet in „De Bello Gallico„, daß die Eburonen von einer Doppelspitze aus zwei Königen geführt wurden (Ambiorix und Catuvolcus), wie es bei keltischen Stämmen bisweilen üblich war. Um einen Krieg zu erklären, war die Zustimmung beider Könige notwendig. Ansonsten schien die Aufgabenverteilung eher geografischer Natur zu sein; nach der Verteilung der Münzfunde scheint Ambiorix‘ Herrschaftsgebiet in der Nähe von Brüssel gelegen zu haben, während Catuvolcus über die Eburonen im Eifel- und Ardennenraum herrschte. Den Machtbefugnissen der Könige nach zu urteilen, schien es sich, wie im heutigen Großbritannien, den Niederlanden oder Belgien, eher um eine Art konstitutionelle Monarchie gehandelt zu haben, denn Ambiorix selbst erklärt gegenüber Caesar bei einem Zusammentreffen:

„ut non minus haberet iuris in se multitudo, quam ipse in multitudinem.“

„denn seine Herrschaft sei von der Art, dass das Volk ebenso viele Gewalt über ihn besitze als er über das Volk“ (De Bello Gallico, 5, 27, 3)

Im Laufe des Krieges tritt dann allerdings ausschließlich noch Ambiorix in Erscheinung; von König Catuvolcus hört man nur noch einmal, im Zusammenhang mit seinem Selbstmord nach der Zerschlagung des eburonischen Aufstandes. Der alte König vergiftete sich mit dem Saft des Eibenbaums und verfluchte seinen Amtskollegen Ambiorix auf dem Sterbebett. Die Eibe gilt als der „heilige“ Baum der Eburonen und das keltische Wort für Eibe (eburo) als Namensgeber des Stammes, so daß aus dem hohen Alter von Catuvolcus in der Literatur auch geschlussfolgert wird, daß der zweite König eher sakrale Funktionen innehatte.

„Catuvolcus rex dimidiae partis Eburonum, qui una cum Ambiorige consilium inierat, aetate iam confectus, cum laborem aut belli aut fugae ferre non posset, omnibus precibus detestatus Ambiorigem, qui eius consilii auctor fuisset, taxo, cuius magna in Gallia Germaniaque copia est, se exanimavit.“

„Catuvolcus, der König einer Hälfte der Eburonen, der an der Verschwörung des Ambiorix teilnahm, aber seines hohen Alters wegen unfähig war, die Last des Krieges oder der Flucht zu ertragen, vergiftete sich unter Fluch und Verwünschung des Ambiorix als des Urhebers der ganzen Sache, mit dem Beerensaft des Eibenbaumes, der in Gallien und Germanien in großer Menge wächst.“ (De Bello Gallico, 6, 31, 5)

Kelten oder Germanen?

Zu Beginn des Gallienfeldzugs waren die Eburonen mit den Römern verbündet und es herrschte ein reger Kontakt zwischen Caesar und Ambiorix. Zwischen beiden verkehrten regelmäßig Boten und es fanden lange Gespräche und Verhandlungen statt. Unter anderem unterstützten die Eburonen Rom bei der Unterwerfung des Stammes der Belger.

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