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Archiv der Kategorie: Tempel

Antike Stätten: Tempel „Varnenum“ für Sunuxal und Varneno bei Kornelimünster

Tempelanlage Varnenum bei Kornelimünster

Tempelanlage Varnenum bei Kornelimünster

Anschrift:

Der Tempel liegt auf einem Acker in der Nähe der Breiniger Straße, 52076 Kornelimünster. GPS-Koordinaten: 50°43’47.0″N 6°11’37.0″E

Anfahrt:

Kornelimünster ist ein kleiner Ort an der Inde, einem Nebenfluß der Rur. Es liegt bei Aachen und schließt sich an den Stadtteil Aachen-Brand an.

Die Tempelanlage befindet sich etwas außerhalb von Kornelimünster an der Landstraße zwischen Kornelimünster und Breinig. Für das Navi am besten „Breiniger Straße“ eingeben.

Zwar befinden sich sowohl in Kornelimünster als auch in Breinig braune Hinweisschilder „römische Tempelanlage Varnenum“, die beide auf diese Landstraße verweisen, aber die eigentliche Einfahrt zum Tempel ist nicht ausgeschildert.

Deshalb kurz hinter der Ortsausfahrt Kornelimünster in Fahrtrichtung Breinig auf einen landwirtschaftlichen Nutzweg achten, der auf der linken Seite in die Felder abzweigt. Hier steht ein „Durchfahrt verboten in 100 Metern“-Schild. Diesem unbefestigten Weg etwa 100 Meter folgen, dann erreicht man den auf einer kleinen Anhöhe inmitten von Kuhweiden gelegenen Tempel. Vor dem Gelände ist Platz für 2 parkende Autos.

Kornelimünster war früher an die Vennbahn angeschlossen, hat heute jedoch keinen eigenen Bahnhof mehr. Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln muß deshalb per Bus aus Aachen oder Monschau erfolgen.

Für Wanderfreunde interessant: Der Eifelsteig beginnt in Kornelimünster, von wo aus er in der ersten Etappe durch die Moore des Hohen Venns führt. Der Besuch des Tempels, der nahe am Ortsausgang liegt, läßt sich also auch gut mit einer Wanderung auf dem Eifelsteig verbinden.

Eine Warnung vorab:

Wer sich überlegt, sich auf eine weite Reise zu begeben, nur um diesen Tempel zu besichtigen, sollte eines wissen: Der Tempelkomplex Varnenum ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie man mit dem antiken römischen Erbe in unserem Land nicht umgehen sollte. Erwartet deswegen auch keinen religiös inspirierenden Ort, der zu kultischen Handlungen einlädt, oder setzt zu hohe Erwartungen in dieses seltene Heiligtum der Göttin Sunuxal. Sondern macht Euch für eine etwas schockierende und ernüchternde Erfahrung bereit und die Erkenntnis, daß in unserer ehemaligen römischen, kulturell hochstehenden Provinz heute wieder die Barbaren hausen.

Aus wissenschaftlichem  Interesse oder in Verbindung mit weiteren Sehenswürdigkeiten der Region (zum Beispiel die sehr schöne Stadt Monschau oder Aachen mit seinem beeindruckenden Kaiserdom und den Schätzen Karls des Großen) kann man diesen Abstecher natürlich durchaus machen.

Hintergrundinformationen:

Der Tempel, der heute „Varnenum“ genannt wird, war eine große gallo-römische Tempelanlage von einst überregionaler Bedeutung. Magnetometrische Untersuchungen deuten auf eine Größe des Geländes von mindestens 150.000 Quadratmetern hin.

Rekonstruktionsmodell eines der beiden Haupt-Umgangstempel aus Varnenum (Museum Frankenberg, Aalen)

Rekonstruktionsmodell eines der beiden Haupt-Umgangstempel aus Varnenum (Museum Frankenberg, Aalen)

Errichtet wurde der Tempel um die Zeit von Christi Geburt auf einer leichten Anhöhe, die in römischer Zeit wahrscheinlich terrassenartig angelegt war. In unmittelbarer Nähe verlief eine wichtige römische Heerstraße, die Aachen mit der Eifel und der dort verlaufenden Via Agrippa verband, so daß der Tempel an einer befestigten Überlandstraße lag und gut erreichbar war.

Es schlossen sich mehrere Bauphasen an, in denen die Anlage systematisch erweitert wurde. Er bestand in seiner Blütezeit aus mehreren Umgangstempeln mit weitstehenden Säulen, Priestergebäuden, Schatzhäusern zur Aufbewahrung von Opfergaben und Kultgegenständen und einer 20 Meter langen Wandelhalle, sowie einem zentralen, gepflasterten Platz für Prozessionen und Kulthandlungen. Im Jahre 70 n. Chr. wurden große Teile der Anlage durch einen Brand zerstört, er wurde jedoch in größerer und erweiterter Form wieder aufgebaut.

Zum Tempel gehörte auch eine zivile Siedlung, die alles bot, was man als Pilger, Reisender und Tempelbesucher benötigte: Herbergen, Schänken, Verwaltungsgebäude, Geschäfte, Handwerksbetriebe, Wohngebäude, Versammlungsräume und Lagerhäuser. Die Größe der Anlage und die Vielzahl der Gebäude deuten auf einen stark frequentierten Tempelkomplex hin.

Zudem wurde im Umland im Bereich des heutigen Dorfes Breinig auch Galmei abgebaut, eine seltene Form des Zinks, der in der Antike ein wertvoller Rohstoff zur Herstellung von Messing war, so daß die gesamte Region zu römischer Zeit sehr belebt war.

Phosphat-Bodenanalysen zeigen, wie groß das Tempelgelände war („VarnenumVicus“ von Tympanus, lizenziert unter Copyrighted free use über Wikimedia Commons)

Phosphat-Bodenanalysen zeigen, wie groß das Tempelgelände war („VarnenumVicus“ von Tympanus, lizenziert unter Copyrighted free use über Wikimedia Commons)

Der Tempelkomplex war durch eine Temenosmauer eingefriedet. Der Zugang erfolgte durch ein Tor, das im Süden der Anlage lag. Auch die Eingänge der Umgangstempel zeigten nach Süden.

Es kann nicht genau datiert werden, bis wann der Tempel genutzt wurde. Schätzungen anhand der Fundlage gehen davon aus, daß er bis ca. 260 n. Chr. in Gebrauch war und danach aufgegeben wurde. Auch die Gründe hierfür sind nicht bekannt.

Es wird davon ausgegangen, daß diese Region schon in vorrömischer Zeit von der lokalen Bevölkerung sowohl zum Metallabbau und auch als Kultzentrum genutzt wurde, da hier vor allem lokale Götter nicht-römischen Ursprungs verehrt wurden. Aus den hier gemachten Funden, vor allem Weiheinschriften, geht hervor, daß hier vor allem zwei Gottheiten verehrt wurden: die Göttin Sunuxal, die auch aus Nettersheim, Euskirchen, Eschweiler, Zülpich, Nideggen, Köln, Bonn und Remagen bekannt ist, sowie der Gott Varneno. Über letzteren ist nichts bekannt; Inschriften, die seinen Namen nennen, kennt man ausschließlich von diesem Ort. Auch ist die etymologische Herkunft seines Namens nicht eindeutig, so daß nicht geklärt werden kann, ob er keltischen oder germanischen Ursprungs ist.

Sunuxal ist hingegen aus dem Gebiet des heutigen rheinischen Braunkohlereviers bis in die Eifel gut belegt, insbesondere aus der Zeit zwischen dem 1. und 2. Jahrhundert n. Chr.. Sie gilt als Stammesgöttin der Sunuci, ein Stamm germanischer Herkunft, dessen Führungsschicht jedoch stark keltisiert war. Da sich das Siedlungsgebiet der Sunuci auf dem Stammesgebiet der Ubier befand, wird vermutet, daß sie entweder bei diesen in der Pflicht standen oder sich von diesen als eigene Gruppe abgespaltet haben.

Der Tempelkomplex bei Kornelimünster gilt als ein zentrales Heiligtum der Sunuci für ihre Stammesgöttin Sunuxal. Diese wird als sitzende Frau in Begleitung eines Tieres dargestellt, jedoch sind die wenigen figürlichen Darstellung so beschädigt, daß weder ihr Kopf noch ihr Oberkörper erhalten geblieben ist; von ihrem tierischen Begleiter kennt man nur die Vorderbeine. Interessant jedoch ist in diesem Zusammenhang, daß aufgrund der stets fehlenden Köpfe, die möglicherweise mutwillig im Rahmen der Christianisierung abgeschlagen wurden, in der gesamten Region des westlichen Rheinlands bis heute die sogenannten „Juffernsagen“ über kopflose Frauen verbreitet sind.

Die

Die „Fossa Sanguinis“ in Neuss war wahrscheinlich eine Kultstätte der Sunuxal

Man geht heute auch davon aus, daß die sogenannte „Blutgrube der Kybele“ in Neuss eigentlich eine Kultstätte der Sunuxal war.

Mehrere Jahrhunderte lang, bis in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg, diente der Tempelkomplex als Steinbruch für die Gebäude der Umgebung, insbesondere für den Bau der nahegelegenen St. Stephanuskirche. In dieser Kirche fand man 1972 bei Ausgrabungen einen Stein, dessen Inschrift belegt, daß es sich um eine römische Weihegabe eines Mannes handelte, der Stifter eines der Gebäude des Tempelkomplexes war: „Perpetuus hat dieses Gebäude aus eigenem Vermögen gestiftet„.

Die ersten dokumentierten Ausgrabungen wurden im Jahr 1907 durchgeführt und in den Jahren 1911 bis 1924 fortgeführt.

Zu den wichtigsten damaligen Funden gehörten Fibeln, Münzen (die eine genaue Datierung des Ortes erlaubten), Nadeln, Nägel und Keramik. Die meisten dieser Funde wurden zwar schriftlich dokumentiert, gingen jedoch im 2. Weltkrieg oder aufgrund unsachgemäßer Lagerung verloren. Einige Funde befinden sich heute in einem Depot in Meckenheim, wo sie auf ihre weitere Untersuchung warten – oder darauf, in einem eigenen Museum, zum Beispiel in Kornelimünster, ausgestellt zu werden (was im Moment aber nicht wahrscheinlich zu sein scheint).

Zu den wichtigsten Funden gehören drei Votivtafeln aus Bronze, deren Inschriften die in Varnenum verehrten Gottheiten nennen:

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Auf den Spuren von Sirona und Apollo-Grannus durch den Hunsrück

Sirona mit Sternendiadem, Palla, Schlange und Schale mit Eiern

Sirona mit Sternendiadem, Palla, Schlange und Schale mit Eiern

Heute möchten wir Euch auf einen Ausflug in den Hunsrück mitnehmen: Von der Ausoniusstraße zum Sirona- und Apollo-Grannus-Quellheiligtum von Hochscheid!

Einleitung: Antike Stätten?

Unser heutiger Reiseartikel fällt etwas aus dem Rahmen, denn es geht zwar um eines der wichtigsten und größten gallo-römischen Quellheiligtümer, aber einige Stationen auf unserer Reise fallen nur im weiteren Sinne unter die Kategorie „Antike Stätten„.

Daher stellte sich uns die Frage: wie gehen wir mit Orten um, die sich zwar auf eine antike Stätte beziehen (wie ein Pavillon im römischen Stil, in dem originalgetreue Repliken der Standbilder von Sirona und Apollo-Grannus aus dem Quellheiligtum bei Hochscheid stehen), die aber erst in der jüngeren Vergangenheit errichtet wurden?

Für den Cultor, das heißt, den heutigen Praktizierenden der Religio Romana, kann auch ein solcher Ort vom Numen der hier dargestellten Gottheiten erfüllt sein und als Tempel, Wegeschrein und Ort der Verehrung genutzt werden. Deswegen haben auch solche Orte für uns eine Berechtigung und gehören unserer Ansicht nach auch in die Auflistung „römischer Stätten“ auf unserer Website.

Gleichzeitig wollen wir bei unseren Ausflugszielen keine neue Kategorie einführen, auch, da die Grenzen nicht immer scharf zu ziehen sind, denn immerhin stehen die von uns bereisten Sirona- und Apollo-Grannus-Schreine in der unmittelbaren Umgebung des einstigen Quellheiligtums und erfahren heute durch Einheimische Pflege und Wertschätzung, dienen gleichzeitig dazu, die Erinnerung an eine so wichtige Pilgerstätte des 2. und 3. Jahrhunderts n. Chr. wachzuhalten und archäologisch interessierten Besuchern Informationen zu vermitteln.

Blick vom Höhenrücken bei Belginum zum Moseltal und in die Eifel

Blick vom Höhenrücken bei Belginum zum Moseltal und in die Eifel

Insofern macht es eigentlich keinen Unterschied, ob sich (wie z.B. im Matronentempel in Nettersheim) originalgetreu replizierte Weihesteine an der originalen Stelle direkt neben den Fundamenten des alten Umgangstempels befinden, oder ob originalgetreu replizierte Statuen aus der Cella eines leider nicht mehr erhaltenen Heiligtums so nah wie möglich an die Originalstelle gebracht wurden, um dort die Bedeutung dieses Ortes zu würdigen. Die ganze, über 1000-jährige römische Geschichte hindurch wurden ständig neue Tempel und Orte für Götter errichtet, und auch heute laden wir wie damals die verschiedenen Gottheiten und anderen Wesen, wie Laren, Genius oder Juno, ein, in unserem heimischen Lararium Platz zu nehmen.

Wenn heute also neue Heiligtümer errichtet werden, selbst wenn sie eher der touristisch-archäologischen Wissensvermittlung dienen, als religiösen Zwecken, gibt es keinen Grund dafür, diese als „modern“ abzulehnen, das wäre eine absolut unrömische Haltung – wenn die Götter Gefallen daran finden und regelmäßig dort Wertschätzung erfahren (selbst durch christliche Einheimische, die Blumen vor ihre Statuen stellen), dann akzeptieren sie diesen Ort wie jeden anderen Tempel, Wegeschrein oder Hausschrein, der für sie errichtet wird. Und Sirona wird im Hunsrück tatsächlich noch heute sehr geehrt und ihre Pavillons werden nicht nur von römischen Heiden, sondern auch von Heiden anderer Richtungen besucht (z.B. von Celtoi, keltischen Rekonstruktionisten (CR) aber auch von Vertretern eines allgemeinen Neopaganismus verschiedenster Richtungen, wie z.B modernen Hexen, Vertretern der sog. Göttinnen-Spiritualität etc.).

Willkommen im östlichen Gallien, im Land der Treverer!

Willkommen im östlichen Gallien, im Land der Treverer!

Deswegen soll dieser Reisebericht ein Kompromiss sein: Er ist zwar in der Kategorie „Antike Stätten“ gelistet, folgt in seinem Aufbau aber nicht dem üblichen Schema. Stattdessen möchten wir Euch heute eine kleine Reiseroute vorschlagen, auf der Ihr selbst auf den Spuren der gallo-römischen Heilgötter Sirona und Apollo-Grannus wandeln könnt und auch Gelegenheit habt, Euch mit Anliegen an diese beiden Gottheiten zu wenden und ihnen Opfergaben darzubringen – etwas, was die Menschen, die vor uns in dieser Region unterwegs waren resp. hier lebten, seit alters her getan haben.

Als Bonus streift unsere Route auch einige „echte“ antike Stätten in situ und zwei Archäologische Parks. Dabei schlagen wir einen weiten Bogen von der vor-römischen, keltischen Vergangenheit des vom Stamme der Treveri bewohnten Teil Ostgalliens bis in die römische Spätantike.

Übersicht über unsere Reiseroute auf google Maps

Die Reise ist mit dem Auto an einem Tag gut und ohne Hektik zu bewältigen. Wer die Stätten zu Fuß erwandern will, zum Beispiel über den hier verlaufenden „Sirona-Weg“, sollte zwei Tage einplanen.

Hintergrundinformation: Das Quellheiligtum von Hochscheid

Die keltischen Hügelgräber im Gräberfeld von Belginum

Die keltischen Hügelgräber im Gräberfeld von Belginum

Bevor wir mit unserer Reisebeschreibung beginnen, ein paar Worte, um die Bedeutung des gallo-römischen Quellheiligtums von Hochscheid darzustellen.

Hochscheid liegt im Hunsrück am Fuße des 745 Meter hohen Idarkopfes im Landkreis Bernkastel-Wittlich in Rheinland-Pfalz. Ganz in der Nähe verläuft die Hunsrückhöhenstraße, eine Bundesstraße, die hier noch heute der alten römischen Fernstraße zwischen Trier (Augusta Treverorum) und Bingen (Bingium) folgt. Die zweispurig ausgebaute „Ausoniusstraße“ aus römischer Zeit war eine wichtige Schnellreiseroute, die die zweitgrößte Stadt des Reichs – Trier – mit dem Rhein verband und dadurch in der Verlängerung über Bingen bis nach Mainz reichte, das als Mogontiacum eine wichtige Provinzhauptstadt am Rhein war.

Ein wichtiger Handelsknotenpunkt auf dieser Schnellstraße durch den Hunsrück war die Siedlung vicus Belginum, die ein Zentrum des Fernhandels auf dieser West-Ost-Achse war, durch den Waren aus dem Mittelmeerraum und dem westlichen Gallien bis hoch in den Norden transportiert wurden, wie Olivenöl aus Spanien und Afrika. Gleichzeitig gelangten über Händler regionale Produkte und hier anstehende Rohstoffe wie der hochwertige Hunsrück-Schiefer und Metalle in den Süden und Westen des Reichs.

Im keltisch-römischen Gräberfeld von Belginum

Im keltisch-römischen Gräberfeld von Belginum

Der vicus Belginum zeichnete sich durch reges Markttreiben, Handel, Pferdewechselstationen, Herbergen und Tavernen aus – sprich, er bot alles, was ein Fernreisender benötigte. Daneben gab es hier einen großen Tempelkomplex mit Kulttheater und mehreren Umgangstempeln, in denen unter anderem die gallo-römische Göttin Epona verehrt wurde, die Schutz auf Reisen gewährte, aber auch eine Patronin aller war, die mit Pferden zu tun hatten. Sie war eine der wichtigsten Gottheiten der hier lebenden Treverer.

Daneben gab es in Belginum alle Arten von Handwerkern, die an einer solchen Fernstraße ein Geschäft machen konnten: Sattler, Wagen- und Radmacher, Schmiede.

In etwa 5 km Entfernung dieses vicus befand sich das Quellheiligtum beim heutigen Ort Hochscheid. Es war ein überregional bedeutsames Pilgerheiligtum, zu dem man oft von weither pilgerte, um Heilung von Krankheiten zu erbitten.

Überblick über die Gebäude des Quellheiligtums von Hochscheid (aus: Cüppers, die Römer in Rheinland-Pfalz)

Überblick über die Gebäude des Quellheiligtums von Hochscheid (aus: Cüppers, die Römer in Rheinland-Pfalz)

In ihm wurde das keltische Götterpaar Sirona und Grannus – zwei Heilgötter – in ihrer gallo-römischen Form als Sirona und Apollo-Grannus verehrt, wie durch Weiheinschriften, aber auch gut erhaltene Statuen und Figuren einwandfrei belegt ist. Diesen Ort kann man sich wie ein Kur- oder Heilbad vorstellen: es gab Umgangstempel, Heilquellen, Pilgerherbergen, Priesterwohnungen und Wandelgänge. Beheizbare Becken erlaubten es, Heilbäder zu nehmen, aber auch Trinkkuren wurden durchgeführt. War eine Heilung erfolgreich oder wurde ein Anliegen erhört, pilgerte man erneut dorthin, um sein gegebenes Versprechen einzulösen, das zum Beispiel in der Stiftung einer Weihetafel bestand, oder darin, eine unbenutzte Münze zu opfern oder in der Opferung kleiner Terrakottefiguren, Schmuck oder anderer Weihegaben. Die Größe und Art der „Bezahlung“ für die geleistete Hilfe richtete sich nach den finanziellen Mitteln der Hilfesuchenden und dem kulturellen Kontext.

Denn der Tempelkomplex wurde sowohl von einheimischen Kelten aus dem ganzen Hunsrück, Eifel- und Moselraum aufgesucht, die den Ort wahrscheinlich schon in vorrömischer Zeit als Quellheiligtum nutzten (daher auch die dort verehrten lokalen, keltischen Gottheiten und keine römischen Äquivalente wie Aesculapius oder Hygieia), als auch von zugezogenen oder durchreisenden Römern oder Besuchern aus anderen Teilen des Reichs.

Beide Heilgötter spielten in der gallo-römischen Mischform der hier praktizierten Religion eine große Rolle; überall in der Region, in Hunsrück, Eifel- und Moselraum, finden sich Quellheiligtümer und Widmungen für Sirona alleine oder in Kombination mit Apollo-Grannus.

Rekonstruktion der Pilgerherberge

Rekonstruktion der Pilgerherberge

Der Tempel im Quellheiligtum war ein Umgangstempel, wie er typisch für den gallo-römischen Kulturraum ist (südlich der Alpen ist diese Form nicht üblich, es gibt ihn nur nördlich der Alpen bis hoch nach Britannien). Er trägt den speziellen keltischen Kultbedürfnissen Rechnung, indem die Gottheit in einer zentralen Cella verortet wird (dargestellt durch ein oft überlebensgroßes Standbild), die von Gläubigen nicht betreten wird. Um die Cella herum gibt es einen überdachten Säulengang (als offener Portikus) oder einen geschlossenen Umgang. In diesem wird von den Gläubigen die Cella umrundet oder umschritten, woher auch die Bezeichnung „Umgangstempel“ stammt.

Dieser Umgangstempel war nach römischem Geschmack weiß verputzt und wahrscheinlich mit dem örtlichen Schiefer gedeckt, wie die meisten Gebäude in dieser Region.

Das Quellheiligtum wurde im Jahr 1939 bei der Erschließung von Quellen für die örtliche Wasserversorgung entdeckt. Es lag in 645 Metern Höhe. Das Zentrum bildete der quadratische Umgangstempel, in dessen Cella sich eine gemauerte Vertiefung aus Sandstein- und Quarzitblöcken fand, aus der eine Quelle des hier fließenden Koppelbachs trat. Im Gegensatz zu sonstigen Umgangstempeln, war das Betreten der Cella hier nicht nur erlaubt, sondern sogar zum Schöpfen des Wassers erforderlich. Im Brunnen wurden zahlreiche Becherscherben und Scherben anderer Trinkgefäße gefunden.

Blick auf das Grabungsgelände, bevor es verschüttet wurde

Blick auf das Grabungsgelände, bevor es verschüttet wurde

Ab 1962 wurde die Stätte durch das Landesmuseum Trier archäologisch genauer untersucht. Hierbei kamen die wahren Dimensionen des Tempelkomplexes zum Vorschein: eine Pilgerstätte mit angeschlossenem Kur- und Heilbad. Durch die unmittelbare Nähe zum vicus Belginum geht man davon aus, daß dieses Heilbad als Kultstätte zum Ort gehörte.

Das große Badehaus verfügte über Kaltbad, Laubad, Heißbad, Fußwaschbecken, Ankleideräume, einen großen offenen Raum nach Südwesten, Heizräume und mehrere Räume für das Personal.

Für den Cultor interessant sind vor allem die Gottheiten, die in diesem Heilbad angerufen und verehrt wurden. Hauptgötter waren, wie bereits beschrieben, Sirona und Apollo-Grannus. Von beiden wurden sehr gut erhaltene, lebensgroße Statuen aus gelbem Sandstein im Tempel gefunden, deren Attribute eindeutig zuzuordnen sind (die Originale befinden sich heute im Landesmuseum Trier): Sirona trägt ihr Sterndiadem, ein langes Gewand, um ihren Arm schlägelt sich eine Schlange, deren Kopf in einer Schale in ihrer Hand endet, in der sich drei Eier befinden – eine typische Darstellung. Apollo-Grannus ist auf klassisch-römische Art als nackter Jüngling dargestellt, der sich auf eine Kithara stützt, das ihm zugeordnete Musikinstrument, und neben ihm liegt ein Greif. Ihre Namen sind zudem durch Weihealtäre und Inschriften belegt, die Pilger im Tempel hinterlassen haben.

Der Umgangstempel

Der Umgangstempel mit Außen-Altar

Ein Altar, der vom freigelassenen Sklaven Tiberius Claudius Reburrus gestiftet wurde, ist Apollo geweiht. Ein zweiter Altar enthält eine Weiheinschrift für Apollo-Grannus und „Sancta Sirona“.

Neben diesen beiden Hauptgottheiten wurden etwa 30 kleine Terrakotten als Opfergaben gefunden. Hierbei waren folgende zweifelsfrei bestimmbar (die anderen waren so bruchstückhaft, daß eine Zuordnung nicht vorgenommen werden konnte): Merkur, Apollo mit Kithara, Silvanus mit Hiebmesser an einem Baum, Minerva, Diana, Venus, Fortuna mit Füllhorn, mehrere sitzende Muttergottheiten oder Matronen mit auffälligem Kopfschmuck, die auf ihrem Schoß Tiere oder kleine Kinder halten.

Das Wasser schöpften die Pilger mit Glasflaschen oder Tongefäßen; zu den bemerkenswertesten Funden gehört die Unterseite einer Glasflasche, in die ein kleiner Merkur geprägt ist.

Vor dem Tempel stand ein Altar aus Sandstein, der – wie die anderen Steine des Tempels – aus dem in der Region anstehenden Sandstein der Tholeyer Schichten (Unterrotliegendes) stammt. Altäre standen immer außerhalb des Tempels vor der Cella, so daß jeder sie für seine Kulthandlungen nutzen konnte, denn Religion und damit verbundene kultische Handlungen waren in der römischen Kultur eine öffentliche Angelegenheit für jeden und wurden – von Mysterienkulten einmal abgesehen – nicht versteckt oder im Geheimen fernab der Augen anderer praktiziert – was im Übrigen auch der Grund dafür war, das die neuen Mysterienkulte vom römischen Staat und von den Vertretern der angestammten römischen Religion oft beargwöhnt wurden.

Rekonstruktionszeichnung des Quellheiligtums (aus: Cüppers, die Römer in Rheinland-Pfalz)

Rekonstruktionszeichnung des Quellheiligtums (aus: Cüppers, die Römer in Rheinland-Pfalz)

Die erste Fassung der Quelle wurde auf die erste Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. datiert, als auch die erste Herberge errichtet wurde. Weitere Umbauten und Erweiterungen der Anlage erfolgten im 2. Jahrhundert, hier unter anderem erwähnenswert die Erbauung des großen Heilbades. Auch an der in Fachwerktechnik gebauten Herberge wurden in dieser Zeit großangelegte Erweiterungen vorgenommen, an denen abzulesen ist, daß die Pilgerströme nicht mehr von die bisherigen Unterkünfte aufgenommen werden konnten. Die Wände der Herberge waren bemalt und es gab Holzfußböden. Auch bezeugten die Ausgrabungen verschiedene Qualitätsstufen der Gästezimmer – gefunden wurden einfache Sammelräume bis hin zu Luxuszimmern, so daß Pilger aller Gesellschaftsschichten entsprechend ihrem Stand und ihrem Geldbeutel übernachten konnten.

Die Blüte des Quellheiligtums von Hochscheid lag im 2. Jahrhundert n. Chr.. Im Laufe des 3. Jahrhunderts zeigten sich erste Verfallserscheinungen, die einerseits auf das harsche Klima im Hunsrück zurückzuführen sind – der 645 Meter hoch gelegene Tempel im Idarwald war im Winter oft durch Schnee von der Außenwelt abgeschnitten. Andererseits bedingt durch die ab dem 3. Jahrhundert einsetzenden Germaneneinfälle, als etwa die Alamannen die Region heimsuchten, was dazu führte, daß die Bevölkerung abwanderte. Es gab zahlreiche sicherere und besser zu erreichende Quellheiligtümer in der Region (zum Beispiel die Bäder von Aachen, Aquae Granni, oder die Thermalquellen von Bad Bentrich – Bentriacum). Auch das nahe Belginum wurde durch Germaneneinfälle gebeutelt. Nach dem 3. Jahrhundert geriet das Heiligtum in Vergessenheit und wurde offenbar nicht mehr aufgesucht.

Der Tempelkomplex verfiel, wurde aber nie von Germanen verwüstet, weil er wahrscheinlich zu abgelegen lag. Eine mutwillige Zerstörung der Anlage fand erst später statt, wahrscheinlich im Zuge der Christianisierung, indem Statuen zerstört und die Quelle verstopft und damit zum Überlaufen gebracht wurde. Das ganze Gebiet wurde überflutet, so daß sich über dem Tempel ein Hochmoor bildete. Diesem haben wir es allerdings zu verdanken, daß die Statuen bei ihrer Entdeckung in einem so guten Erhaltungszustand waren.

Heute ist vom Tempelkomplex nichts mehr zu sehen, da das ganze Gelände nach dem Abschluß der Grabungen und Untersuchungen wieder zugeschüttet wurde, um die Fundamente zu konservieren und vor Witterung zu schützen. Es gibt keine Beschilderung oder Beschriftung, so daß der Ort heute im Gelände nicht mehr erkennbar ist.

Auf den Spuren von Sirona und Apollo-Grannus rund um Hochscheid

Der Archäologiepark Belginum sollte die erste Station sein

Der Archäologiepark Belginum sollte die erste Station sein

Wer heute die Gegend des ehemaligen Quellheiligtums besucht, sollte mit der Reise im Archäologiepark Belginum beginnen. Hier gibt es gute Hintergrundinformationen zur Bedeutung der Region, die schon in keltischer Zeit ein wichtiger Verkehrsweg und Handelszentrum war. Ein Highlight ist hier das fast 800 Jahre lang kontinuierlich genutzte keltische und römische Gräberfeld vor Belginum, das mit seinen über 2500 Gräbern den Wandel der Bestattungsbräuche von der keltischen zur gallo-römischen Epoche zeigt. Insbesondere die alten keltischen Hügelgräber sind sehenswert.

Eine ausführliche Beschreibung des Archäologieparks Belginum mit praktischen Tipps zur Anreise findet Ihr in unserem Belginum-Artikel!

Nach einem Besuch von Belginum empfiehlt sich die Weiterfahrt zum 5 km entfernten Dorf Hochscheid. Hierzu muß man nur der Hunsrückhöhenstraße weiter folgen, Hochscheid ist der nächste Ort.

Hochscheid

Die Göttin Sirona auf dem Dorfplatz von Hochscheid

Die Göttin Sirona auf dem Dorfplatz von Hochscheid

In Hochscheid gibt es in der Ortsmitte eine lebensgroße, detaillierte Replik der im Quellheiligtum gefundenen Statue der Sirona. Sie steht an der Kreuzung der Hauptstraße mit der Römerstraße, in der Nähe der Bushaltestelle und schräg gegenüber der Gaststätte „Römerstube“ (ja, man pflegt sein römisches Erbe im Hunsrück 😉 ). Parken ist am Wegesrand möglich, hier ist nicht sonderlich viel Verkehr.

Die Statue steht in einem Holzunterstand, wo sie vor Regen geschützt ist. Darin hängt auch eine kleine Informationstafel, die leider sehr verwittert ist und eine Generalüberholung vertragen könnte. Sie ist eine verkleinerte Kopie der Informationstafel zum Quellheiligtum Hochscheid des Fernwanderwegs „Sirona-Weg“, die in der Umgebung aber noch mehrere Male zu finden ist.

Das Wappen von Hochscheid bezieht sich auf das Quellheiligtum: Kithara und Lorbeer des Apollo über dem Wasser der Quelle

Das Wappen von Hochscheid bezieht sich auf das Quellheiligtum: Kithara und Lorbeer des Apollo über dem Wasser der Quelle

Uns gefiel gut, daß die gepflegte und schön inszenierte Statue hier im Dorf offenbar Respekt genießt. Eine Pflanzschale mit frischen, leuchtenden Blumen steht neben der Göttin, so daß man sieht, daß das Dorf sein römisches Erbe pflegt. Das Wappen des Dorfes zeigt die Attribute des Apollo-Grannus, die Kithara und Lorbeer, darunter das Wasser der Quelle.

Nach dem Besuch der Sirona im Inneren des Ortes folgt man der Hauptstraße weiter nach Süden aus dem Ort hinaus, in Richtung Stipshausen. Die Straße schlägelt sich etwa 8 Kilometer durch den dichten Hunsrückwald.

Sirona-Hütte an der Landstraße nach Stipshausen

Hier, an der Landstraße, etwa auf halber Strecke zwischen beiden Dörfern, befindet sich die sogenannte „Sirona-Hütte„. Ab dem Ortsausgang Hochscheid sollte man seine Augen offenhalten und den Waldrand auf der linken Seite beobachten. Immer wieder zweigen Forstwege und Wanderwege ab, von denen man sich nicht beirren lassen darf. Es empfiehlt sich, nicht mit Vollgas über diese Straße zu brettern, da man das nächste Ziel auf der Reise sonst leicht übersieht, da es etwas versteckt liegt. Langsames Fahren ist aber auch kein Problem, wir waren die einzigen Autofahrer weit und breit auf dieser entlegenen Landstraße.

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Antike Stätten: Quellheiligtum mit Sauer- und Schwefelquelle bei Heckenmünster

Das Wasser des eisenhaltigen Sauerbrunnens ist wohlschmeckend

Das Wasser des eisenhaltigen Sauerbrunnens ist wohlschmeckend

Anschrift:

Das Quellheiligtum liegt mitten im Wald. Keine postalische Anschrift.

Angabe für das Navigationsgerät: Viktoriaweg, 54518 Heckenmünster

Anfahrt:

Das gallo-römische Quellheiligtum befindet sich auf einem Hügel im Meulenwald in der Vulkaneifel, 2,2 km vom Dorf Heckenmünster entfernt.

Wir empfehlen die Anreise nach Heckenmünster mit dem Auto, da das 120-Einwohner-Dorf in einem abgelegenen Tal im Meulenwald liegt und mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur umständlich zu erreichen ist.

Wer auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, kann mit der Bahn bis Bahnhof Sehlem fahren. Dieser wird von Regionalbahnen aus Wittlich, Koblenz, Trier, Luxembourg und Perl angefahren. Von dort aus fährt die Buslinie 212 nach Heckenmünster, diese Strecke wird allerdings nur einmal am Tag bedient, so daß man seinen Besuch zeitlich sehr gut planen muß.

Die Informationstafel an der Hauptstraße von Heckenmünster ist ein guter Ausgangspunkt

Die Informationstafel an der Hauptstraße von Heckenmünster ist ein guter Ausgangspunkt

Alternativ kann man direkt vom Bahnhof Sehlem zur Quelle wandern, die Entfernung beträgt ca. 4,5 km.

Eine andere Alternative ist es, von Wittlich Hauptbahnhof den Bus 325 nach Dierscheid zu nehmen; dieser verkehrt 6x täglich werktags und 2x samstags. Von Dierscheid aus führt der „Karl-Kaufmann-Weg“ zum Quellheiligtum. Die Entfernung beträgt etwa 2,7 km.

Wir beschreiben den Weg vom Ausgangspunkt Heckenmünster, von wo aus der Tempelbezirk über einen Wanderweg (Quellenweg) erwandert werden kann. Hierbei gibt es zwei Möglichkeiten:

Ausgangspunkt sollte jeweils die „Straßen der Römer“-Informationstafel an der Hauptstraße des Dorfes („Am Bendersbach“) sein. Dort befindet sich ein 2006 errichteter, auffälliger Brunnen und eine Tafel, die über die Hintergründe des Quellenlandes rund um Heckenmünster informiert und den 7,5 km langen Rundwanderweg „Quellenweg“ zum römischen Quellheiligtum beschreibt.

Der Wanderparkplatz befindet sich im Wald auf dem Berg, etwa 1 km von der Quelle entfernt

Der Wanderparkplatz befindet sich im Wald auf dem Berg, etwa 1 km von der Quelle entfernt

Steht man vor dem Brunnen, so befindet sich etwa 100 Meter links davon ein gut beschrifteter Aufstieg für Wanderer mit dem Wegweiser „Viktoriaquelle 2,2 km“. Der Weg ist durchgängig gut mit modernen Wegweisern ausgeschildet, die an jeder Abzweigung zu finden sind und (wie bei Eifelsteig, Ahrsteig oder Traumpfaden) immer auch die Entfernung in Kilometern angeben.

Wer es nicht ganz so sportlich mag oder weniger Zeit hat, sollte vom Brunnen aus nach rechts der Straße folgen. Nach einigen hundert Metern zweigt scharf links die Viktoriastraße ab, die direkt in den Wald führt. Der schmale Waldweg ist zwar mit einem „Durchfahrt verboten, Anlieger frei“-Schild gekennzeichnet, ist aber durchweg asphaltiert und kann mit einem normalen PKW befahren werden. Man folgt der Straße den Berg hinauf (hierbei auf Wanderer und Spaziergänger achten, die im Meulenwald unterwegs sind), bis man nach einer Weile einen mit einem blauen P-Schild gekennzeichneten Wanderparkplatz erreicht. Hier kann man das Auto abstellen. Ein moderner Wegweiser weist hier in den Wald hinein zur „Viktoriaquelle 1 km“. Auch markieren weiße „Q“-Schilder an den Bäumen den Rundwanderweg, so daß die Quelle nicht zu verfehlen ist.

Die Quelle ist gut ausgeschildert

Die Quelle ist gut ausgeschildert

Vom Parkplatz aus muß zu Fuß gegangen werden. Der Waldweg ist jedoch nicht sonderlich anspruchsvoll, es gibt keine Steigungen oder starkes Gefälle und der Weg ist breit und gut begehbar. Festes Schuhwerk wird empfohlen, jedoch ist keine spezielle Wanderausrüstung erforderlich.

Der Weg führt nach wenigen Metern an einer Schutzhütte vorbei und schlängelt sich von dort auf einen breiten Hauptwanderweg. Auf diesem Teilstück ist im Sommer, vor allem nach ausgiebigem Regen, ein intensives Fliegenaufkommen zu bemerken, die den Wanderer dicht umschwirren, so daß wir empfehlen, sich zum Wedeln einen Zweig oder ähnliches mitzunehmen, da die Fliegen nach einigen hundert Metern penetrant werden können.

Die „Viktoriaquelle“, der eisenhaltige Sauerbrunnen des römischen Quellheiligtums, liegt auf der rechten Seite und ist durch seine Schutzhütte sowie den Schutzbau des Brunnens gut zu erkennen.

Um zur ebenfalls zum Tempelkomplex gehörenden Schwefelquelle zu gelangen, folgt man dem Hauptweg weiter bis zur nächsten Kreuzung, wo ein Holzschild „Schwefelquelle“ nach rechts zeigt. Der Fußweg dauert nur wenige Minuten, der Brunnen liegt auf der linken Seite und ist, je nach Wetterlage, schon aus einiger Entfernung zu riechen. Auch wird von toten Tieren berichtet, die gelegentlich in seinem Umfeld liegen, da die Schwefelgase auch aus dem Waldboden um die Quelle herum austreten.

Hintergrundinformationen:

Die „Viktoriaquelle“ (deren Name erst 100 Jahre alt ist und nichts mit der römischen Göttin Victoria zu tun hat) und die Schwefelquelle „Wallenborn“ liegen auf dem Gelände eines großen gallo-römischen Quellheiligtums.

Das Wasser des Sauerbrunnens kann direkt mit der Hand geschöpft oder in eine Flasche abgefüllt werden

Das Wasser des Sauerbrunnens kann direkt mit der Hand geschöpft oder in eine Flasche abgefüllt werden

Das Quellheiligtum wurde bereits in vorrömischer Zeit von den einheimischen Kelten (in diesem Gebiet der gallische Stamm der Treverer) genutzt und in römischer Zeit zu einer großen Pilgerstätte ausgebaut. Die Quellen waren auffällig, weil immer wieder tote Tiere im Wald gefunden wurden und Schwefelgeruch in der Luft lag.

Es handelt es sich bei beiden Quellen um Mofetten, bei denen durch eine darunterliegende Magmakammer CO2-Gase an die Oberfläche treten und in den Brunnen ein intensives, weithin hörbares Blubbern und sichtbares Blasenschlagen verursachen.

Der Quellreichtum der Gegend, in der es noch einige weitere Quellen gibt, ist darin begründet, daß sie sich auf einer geologischen Verwerfung oder Bruchkante in der Wittlicher Senke befindet, so daß hier das Gestein um 900 Meter abgeschoben wurde. Dadurch kann die im Untergrund liegende Magmenkammer unter der Vulkaneifel Kohlendioxid durch Gesteinsklüfte an die Oberfläche steigen lassen, wo das Gas auf das Grundwasser trifft und die typischen, blubbernden Mofetten bildet. Heute werden die Quellen unter anderem von der Universität Potsdam regelmäßig untersucht, um daraus Rückschlüsse auf die immer noch vorhandene Vulkanaktivität der Vulkaneifel zu ziehen.

Der Tempelkomplex war 78 x 36 Meter groß und mit einer Mauer umfasst. Die Viktoriaquelle, ein gut schmeckender Sauerbrunnen, befand sich im Zentrum der Anlage, während die Schwefelquelle in ein Nebengebäude eingebettet wurde. Es gab drei Tempel, wobei es sich bei zweien um typisch gallo-römische Umgangstempel handelte. Der dritte Tempel war ein offener Achteckbau in der Nähe der Schwefelquelle, eine Bauform, die nördlich der Alpen selten vorkommt.

Den Tempeln vorgelagert waren zwei 30 x 20 und 30 x 5 Meter große Herbergen und Pilgerunterkünfte. Außerdem gab es hier, wie auch beim Sirona- und Apollo-Grannus-Quellheiligtum bei Hochscheid im Hunsrück, ein halbkreisförmiges Kulttheater mit Bühnenhaus.

Die Mofette blubbert und stößt CO2-Gas aus

Die Mofette blubbert und stößt CO2-Gas aus

Daß die Quellen nicht nur der Trinkkur dienten, sondern hier auch Heilbäder durchgeführt wurden, zeigen die großen, mit Hypokausten beheizbaren Becken, die auf dem Gelände gefunden wurden. Hier gab es ebenfalls, wie man es auch vom Lenus-Mars-Heiligtum auf dem Martberg kennt, ein langgezogenes Gebäude mit einem Wandelgang.

Die gut ausgebaute, 2,75m breite Straße zwischen den Pilgerherbergen und den Quellen im Inneren des Tempels ist vollständig erhalten und legt die Vermutung nahe, daß Kranke hier liegend bis zur Quelle oder zum Bad transportiert werden konnten.

Der Sauerbrunnen war in ein offenes, auf Säulen stehenden Gebäude aus einheimischem Buntsandstein eingefasst, dessen Dach mit Schieferplatten gedeckt war.

Der römische Tempelkomplex war vom 1. bis zur zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts n. Chr. ein bedeutsames Quellheiligtum, was anhand von Münzfunden eindeutig nachgewiesen werden konnte. Die römischen Gebäude sind durch dendrochonologische Untersuchungen einer hölzernen Wasserrinne auf das Errichtungsjahr 129 n. Chr. datiert.

Es wird angenommen, daß vor allem Bewohner des Eifel- und Moselraumes hierher pilgerten, die aus romanisierten Treverern und zugereisten Römern bestanden. Die Reisezeit aus dem nahegelegenen Trier – Augusta Treverorum, zweitgrößte Stadt des Römischen Reichs -, dauerte einen Tag.

Zu den Funden gehörten neben Scherben und Terrakotta-Figuren einer weiblichen Gottheit auch mehrere unbearbeitete Bergkristalle.

Welchen Gottheiten dieses Quellheiligtum genau geweiht war, ist nicht bekannt, da – anders als in Hochscheid – keine Statuen, Standbilder oder Weiheinschriften gefunden wurden, die einen Namen nennen oder anhand ihrer Attribute eindeutig zuzuordnen sind. Daß es sich bei den hier verehrten Quellgöttern um die von den Treverern hauptsächlich in Quellheiligtümern verehrten Sirona und Grannus handelte, ist möglich, da es sich bei diesem Götterpaar – neben Lenus-Mars – um die wichtigsten Heilgötter handelte und sie stets in Verbindung mit Quellen und Bädern erscheinen, aber es ist nicht archäologisch belegbar und bleibt deshalb spekulativ, auch wenn eine gewisse Wahrscheinlichkeit gegeben ist.

Auch in der Schwefelquelle blubbert das Gas

Auch in der Schwefelquelle blubbert das Gas

Archäologische Belege für eine keltische Nutzung dieser Quellen in vorrömischer Zeit wurden nicht gefunden, eine solche Nutzung wird jedoch in der Forschung wegen des ungewöhnlichen Ortes für wahrscheinlich gehalten, zumal einheimische Kelten den Ort auch nach der Errichtung der römischen Gebäude weiter nutzten.

Das Heiligtum wurde im Rahmen der Germaneneinfälle um 275 n. Chr. aufgegeben. Nach Zerstörungen wurde der Komplex nicht mehr aufgebaut und die Nutzung des Ortes als Heilbad nicht fortgesetzt, auch, weil die Bevölkerung in diesem unruhigen Gebiet danach stark zurückging. Wahrscheinlich liefen „sicherere“ Bäder und luxuriöse Kurbetriebe der Spätantike, wie Aachen (Aquae Granni), Hochscheid oder die heißen Quellen von Bad Bertrich (Bertriacum), diesem weiter östlich gelegenen Heiligtum mit der Zeit den Rang ab.

Der Ort wurde jedoch auch nach dieser Zeit bis Mitte des 4. Jahrhunderts von einzelnen Besuchern und Pilgern aufgesucht, was unter anderem durch Münzfunde aus der Zeit Konstantins des Großen, nachgewiesen wurde.

Die Schwefelquelle wurde urkundlich erstmalig 1415 als „Wallenburren“ erwähnt: „Item eyn velt by dem Wallenburren uff deme reine gelegen“.

Das Wasser wurde auch in der Neuzeit und wird bis heute von Einheimischen genutzt. Die Quellen gelten in der Volksüberlieferung als heilsam gegen Hautkrankheiten, Kinderkrankheiten und Magenbeschwerden und dienen auch zur Behandlung von krankem Vieh und bei Wurmbefall. Ein bekanntes einheimisches Rezept beinhaltet die Verwendung des kohlensäurehaltigen Wassers zur Herstellung von besonders luftigen Buchweizenpfannkuchen, den sogenannten „Heddelichkuchen“.

Die ersten Ausgrabungen an der Quelle fanden im 1887 durch das Museum Trier statt, wobei römische Mauerreste zum Vorschein kamen. Durch die Nähe der bereits bekannten Quellen wurde schon damals ein römisches Quellheiligtum vermutet.

Die Schwefelquelle ist mit einem Gitter bedeckt

Die Schwefelquelle ist mit einem Gitter bedeckt

Das Wasser des schmackhaften, kohlensäurereichen Sauerbrunnens wurde von 1880 bis Anfang des 20. Jahrhunderts in Steinflaschen abgefüllt und als „Viktoriaquelle Hetzerath“ verkauft. Das Wasser, von dem jährlich 50.000 Flaschen abgefüllt wurden, wurde bis in die USA exportiert. Die kommerzielle Wassergewinnung wurde aufgrund von Mißwirtschaft des Unternehmens jedoch eingestellt.

Im Jahr 1966 wurde die Stätte im Rahmen von großangelegten Rodungsarbeiten im umgebenden Wald erstmalig archäologisch untersucht und aufgenommen. Die Grabungen wurden vom Landesmuseum Trier unter der Leitung von Dr. Wolfgang Binsfeld durchgeführt. In Trier befindet sich heute auch ein Modell mit einer Rekonstruktion des Tempelkomplexes.

Um die Stätte zu konservieren, wurde der Tempelkomplex nach Abschluß der Grabungen wieder zugeschüttet.

Wie auf der Infotafel an der Viktoriaquelle zu lesen ist, plante die Gemeinde, den Tempelkomplex im Jahr 2008 wieder freizulegen und die Grundmauern aufzumauern, um das Heiligtum der Öffentlichkeit nahezubringen und als touristische Attraktion in das beliebte Feriengebiet in der Vulkaneifel zu integrieren. Dazu sollte auch ein mit Informationstafeln versehener Quellenrundweg errichtet werden. Die Genehmigungen hierfür waren bereits erteilt und die Gelder – 75.000 Euro – durch Finanzierungszusagen der Verbandsgemeinde Wittlich-Land gesichert. Dieses Projekt scheiterte jedoch daran, daß sich die Tempelanlage nicht auf öffentlichem Grund befindet, sondern der Wald in privater Hand eines Unternehmers aus Idar-Oberstein ist. Dieser verlangte – als Entschädigung für vermutete Jagdausfälle durch die angezogenen Besucher – eine jährliche vierstellige Entschädigungszahlung, einen Betrag, den die Gemeinde nicht aufbringen konnte.

Vom Sauerbrunnen ist es nicht weit zur Schwefelquelle

Vom Sauerbrunnen ist es nicht weit zur Schwefelquelle

Bis heute befindet sich das Quellheiligtum deswegen begraben im Wald zwischen den beiden Quellen; lediglich die Quellen, die in Schutzbauten bzw. Brunnen aufgemauert sind, sind für die Öffentlichkeit zugänglich.

Weiterführende Informationen:

Beschreibung:

Nach der 1 km langen Wanderung erreicht man zuerst die Viktoriaquelle, den Sauerbrunnen. Schon aus einiger Entfernung hört man ein lautes Blubbern.

Der Sauerbrunnen befindet sich auf einem kleinen Platz neben einer hölzernen Schutzhütte, einer Infotafel und einer Holzbank mit Tisch, die Wanderer zum Verweilen einlädt.

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Antike Stätten: Viergötterstein in Hottenbach

Der Viergötterstein in der Kirche von Hottenbach, hier: Hercules und Merkur

Der Viergötterstein in der Kirche von Hottenbach, hier: Hercules und Merkur

Anschrift:

Evangelische Kirche Hottenbach, Hauptstr. 14a, 55758 Hottenbach

Anfahrt:

Der Viergötterstein befindet sich im gotischen Chorraum der evangelischen Kirche von Hottenbach.

Das Dorf liegt im Hunsrück am Rande des Idarwaldes, etwa 13 km vom Archäologiepark Belginum entfernt. Bis Belginum folgt man der Hunsrückhöhenstraße, die in ihrem Verlauf immer noch der alten römischen Ausoniusstraße entspricht. Von dort aus führt die Landstraße 162 nach Hottenbach.

Wir empfehlen dem motorisierten gallo-römisch interessierten Touristen jedoch eine alternative Route: von Belginum aus erst über Hochscheid und Stipshausen (wo sich drei interessante Stätten für Sirona und Apollo-Grannus befinden) und von dort über weiter nach Hottenbach, da die Orte an einer anderen, kleinen Landstraße direkt aufeinanderfolgen.

Parkmöglichkeiten bestehen, da es sich um ein kleines Dorf handelt, überall an den Dorfstraßen im Umfeld der Kirche.

Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist etwas umständlich. Der nächste Bahnhof befindet sich in Idar-Oberstein. Von dort aus fährt die Buslinie 351 (von Idar-Oberstein über Rhaunen nach Flughafen-Hahn), die auch sporadisch an der Kirche in Hottenbach hält. Innerhalb der Woche kommt man zumindest vormittags noch alle paar Stunden hin und weg, Samstags fahren drei Busse bis zum frühen Nachmittag und Sonntags verkehrt der Bus gar nicht. Die Anreise muß also sehr genau im Vorfeld geplant werden, wenn man nicht in dieser entlegenen Region im Hunsrück stranden möchte.

Ambitionierten Wanderfreunden empfehlen wir den „Sirona-Weg„, ein 106 km langer Fernwanderweg, von dem ein Teilabschnitt zwischen Belginum, Hottenbach und Bundenbach verläuft. Der Viergötterstein ist eine Station auf dem Weg, neben den Sirona-Pavillons in Hochscheid und Stipshausen, dem Archäologiepark Belginum und der rekonstruierten keltischen Höhensiedlung bei Bundenbach. Der Sirona-Weg befindet sich lt. Angaben der Verbandsgemeinde zur Zeit in Überarbeitung, so daß einige Stationen und Informationstafeln auf dem Weg aktuell nicht mehr so gepflegt sind, wie sie sein sollten. Auch ist die Website zur Zeit offline. Der Weg kann aber dennoch gut gegangen werden und verbindet interessante keltische und römische Wegpunkte.

Hintergrundinformationen:

Die evangelische Kirche von Hottenbach steht auf einem römischen Gebäude. Der Viergötterstein war im Altar verbaut

Die evangelische Kirche von Hottenbach steht auf einem römischen Gebäude. Der Viergötterstein war im Altar verbaut

Der 57 x 60 x 118 cm große Viergötterstein von Hottenbach ist ein für den östlichen gallischen Raum typisches Fundament einer Jupitersäule. Der quadratische Block zeigt auf den vier Seiten die Gottheiten Merkur, Hercules, Minerva und Juno. Darüber befand sich eine Säule, die entweder ein Schuppenmuster oder weitere Götter darstellte. Auf einem Podest auf der Spitze der Säule thronte eine Jupiterfigur, entweder in der klassischen sitzenden Position mit Blitzbündel in der Hand, oder in der nur im östlichen Gallien vorkommenden Form des auf einem Pferd reitenden Jupiters, der einen Giganten (meist in Form einer Schlange) niederreitet.

Die oberen Teile der Säule wurden nicht aufgefunden, lediglich der relieftragende Sockel ist erhalten geblieben. Diese Form der mehrere Meter hohen Weihedenkmäler war im 2. bis 3. Jahrhundert n. Chr. in diesem Raum weit verbreitet. Die Säulen fanden sich oft in Heiligtümern (wie heute auch im Merkur-Tempelkomplex in Tawern zu sehen), aber auch auf öffentlichen Plätzen oder an römischen Gutshöfen (villa rustica).

Gotische Fresken der katholischen Vorgängerkirche aus dem 12. Jahrhundert

Gotische Fresken der katholischen Vorgängerkirche aus dem 12. Jahrhundert

Der Grund für die Erhaltung des Viergöttersockels ist, daß er einst in den Altar der christlichen Vorgängerkirche aus dem 12. Jahrhundert eingemauert worden war, bei dem die Relieffiguren möglicherweise zu Heiligen umgedeutet worden waren – eine im Mittelalter nicht ungewöhnliche Praxis, die im Grunde die Praxis der Identifizierung und Gleichsetzung von Göttern, gemäß ihren Attributen, aus dem paganen Kontext weiterführt. Nach der Reformation wurde die Kirche nach protestantischem Geschmack umgebaut und Bruchstücke des mittelalterlichen Altars, sowie der Viergötterstein, wurden im alten Nordportal des Turms vermauert.

Im Jahr 1903 wurde das alte Kirchenschiff durch einen neuen Zentralbau ersetzt, der sich an den gotischen Turm anschließt. Bei den Abbrucharbeiten der alten Kirche entdeckte man, daß sich das Gebäude auf römischen Fundamenten befindet. Daß die Gegend zur römischen Zeit eine wichtige Rolle spielte, war bereits bekannt – die nahe Hunsrückhöhenstraße von Trier nach Bingen und Mainz war eine wichtige, gut ausgebaute römische Schnellstraße und der nahe vicus Belginum ein Dreh- und Angelkreuz des Fernhandels.

Unterhalb der Kirche wurden römische Fundamente aus Ziegelmauerwerk, eine Fußbodenheizung aus Hypokausten und plastisch gearbeitete Reliefs und Spolien gefunden, so daß man davon ausgeht, daß die Sandsteinquader dieses römischen Gebäudes zum Bau der Kirche verwendet wurden, so wie der Viergötterstein Teil des Altars wurde.

Insofern ist der Kirchenbau selbst als „antike Stätte“ bzw. als über einer antiken Stätte liegend anzusehen, was ihn für den Römer-Touristen interessant macht und Grund dafür war, warum die Kirche von Hottenbach eine Station des Sirona-Weges wurde.

Öffnungszeiten, Eintritt, Zugänglichkeit:

Wir schließen uns eine Kirche auf!

Wir schließen uns eine Kirche auf!

Da es sich um eine evangelische Kirche handelt, die in der Regel – im Gegensatz zu katholischen Kirchen – verschlossen sind, erfordert der Besuch des Viergöttersteins etwas Abenteuerlust. Es ist nämlich möglich, sich den Schlüssel zur Kirche im gegenüberliegenden Pfarrhaus (Hauptstraße 7) beim dort wohnenden Pfarrerehepaar Zimmermann zu leihen. Eine telefonische Terminabsprache über das Pfarramt ist möglich, ansonsten kann man, wenn man zeitlich nicht genau einschätzen kann, wann man in Hottenbach ist, sein Glück auch spontan versuchen und dort klingeln.

Die Herausgabe des Schlüssels erfolgt unkompliziert und unbürokratisch; man ist Besucher gewohnt, da die Kirche sowohl Station des Sirona-Weges als auch des Stumm-Orgel-Weges ist, der Kirchen der Umgebung verbindet, die eine Stumm-Orgel enthalten (die Orgelbauerfamilie Stumm stammte aus dem Hunsrück und gehörte zu den berühmtesten Orgelbauern Deutschlands, ihre Orgeln finden sich in vielen Kirchen des ganzen Landes, aber besonders gehäuft in den kleinen Dorfkirchen dieser Region).

Den Schlüssel wirft man nach Beendigung seines Besuchs einfach wieder in den Briefkasten des Pfarrhauses.

Eintritt oder eine Gebühr wird nicht erhoben.

Beschreibung:

Die evangelische Kirche liegt auf einer kleinen Erhebung inmitten des Dorfes. Vor der Kirche steht eine Infotafel des Sironaweges, der einige Hintergrundinformationen zum Viergötterstein und dem römischen Vorgängerbau zu entnehmen sind.

Nachdem man die schwere Holztür aufgeschlossen hat, steht man im neu gebauten Zentralteil, der nach typisch evangelischem Geschmack schlicht eingerichtet ist (für unseren Geschmack, im Gegensatz zu katholischen Kirchen, definitiv zu unkultisch). Die Einrichtung ist aus hellem Holz gestaltet und die Stumm-Orgel hinter dem Altar dominiert den Zentralbau.

Der Viergötterstein dient offenbar auch als Kerzenständer

Der Viergötterstein dient offenbar auch als Kerzenständer

Rechts vom Eingang liegt der alte Chorraum der Vorgängerkirche, an dessen Decke und Wände noch gotische Fresken zu sehen sind. Leider wird dieser Raum etwas lieblos als Gerümpel-Ablage genutzt und die in den 80er Jahren restaurierten Wand- und Deckengemälde sowie der gesamte Turm könnten eine Renovierung vertragen. So wird der abgetrennte Seitenbereich etwas stiefmütterlich behandelt, wobei herumstehende Holzlatten, Klappstühle, Schilder, gemaltes Zubehör von Kindergottesdiensten und sonstige dort verstauten Gegenstände nicht gerade helfen diesen Eindruck der Vernachlässigung loszuwerden.

Der Viergötterstein steht mitten in diesem Chorraum, neben einem etwas unpassenden lilafarbenen, herzförmigen Teppich, der spontan an einen Badezimmervorleger denken lässt. Auf dem Stein steht eine Stumpenkerze, vermutlich wird er als Tisch oder Kerzenhalter verwendet, wenn im Anbau irgendwelche Lesekreise oder andere Treffen abgehalten werden.

Der Stein selbst, der sowohl im Altar als auch in einer Kirchenwand vermauert war, ist stark verwittert beziehungsweise abgenutzt. Allen vier Göttern fehlen die Köpfe oder Gesichter. Hercules ist, dank seiner Keule, noch am besten zu erkennen. Merkur hält in seiner rechten Hand den typischen Geldbeutel und in der Armbeuge des linken Arms den Caduceus. Minerva und Juno sind an ihren langen Gewändern zu erkennen; Junos Weihrauchopfer ist zu erahnen, ebenso wie Minervas Lanze. Da diese vier Gottheiten in der Regel zusammen auf einem Viergötterstein abgebildet sind, sind sie aus dem Kontext alle vier aber eindeutig zu identifizieren.

Sonstiges:

Als Station des Sironaweges gibt es eine Infotafel vor der Kirche

Als Station des Sironaweges gibt es eine Infotafel vor der Kirche

Da man – dank des Schlüssels – alleine in der Kirche ist, ist Fotografieren uneingeschränkt möglich. Auch kann man auf die Tribüne steigen, von der aus man einen guten Blick in den Kirchenraum hat.

Der Besuch der Kirche sollte auf jeden Fall mit weiteren Zielen in der Umgebung kombiniert werden, da die Stätte allein eine aufwendige Anreise nicht rechtfertigt – sie ist eher ein Kuriosum auf dem Weg, das man gut mitnehmen kann.

Wir empfehlen deshalb, diesen Ort mit einem Besuch des Archäologieparks Belginum zu kombinieren, mit den drei Sironastätten in Hochscheid und Stipshausen, sowie dem Keltendorf Bundenbach. All diese Orte sind an einem Tagesausflug (mit dem Auto) gut und entspannt zu bewältigen, da sie alle nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen.

Antike Stätten: Jupitersäule an der Saalburg

Die Jupitersäule ist ein beeindruckender Anblick!

Die Jupitersäule ist ein beeindruckender Anblick!

Anschrift:

An der Jupitersäule, 61350 Bad Homburg vor der Höhe

Anfahrt:

Die Jupitersäule liegt in einem kleinen parkartigen Gelände am Rundwanderweg Saalburg als Teil des Limeserlebnispfads Hochtaunus. Sie ist etwa 300 Meter vom Römerkastell Saalburg entfernt.

Das Gelände rund um die Saalburg gehört zu Bad Homburg vor der Höhe und liegt im Hochtaunus. Durch Eingabe der Anschrift ist es mit dem Auto gut zu finden.

Parkmöglichkeiten sind an der Saalburg immer etwas eingeschränkt, da es dort oft sehr voll ist. Unmittelbar am Weg zur Jupitersäule liegt ein Landgasthof, der gut besucht ist und ebenfalls für hohes Parkaufkommen sorgt, ebenso wie die vielen Wander- und Radwege, die stark frequentiert sind. Da man den Besuch der Jupitersäule aber ohnehin immer mit einem Besuch der Saalburg und des davor liegenden Mithräums verbinden wird, kann man auch auf den Parkplätzen der Saalburg oder entlang der Zufahrtsstraße parken. Bei Veranstaltungen wird einem hier bisweilen ein Parkplatz (gebührenfrei) durch Ordner zugewiesen.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist dieser Ort ebenfalls gut erreichbar, es verkehren regelmäßig Linienbusse zwischen Bad Homburg, dem nahegelegenen Hessenpark und der Saalburg.

Ansonsten kann man sich das Gebiet auch gut über diverse Taunus-Wanderwege in der reizvollen Landschaft des schwer zugänglichen Hochtaunus erwandern. Dabei erhält man gleich einen guten Eindruck davon, wie ungastlich ein Leben am Limes in dieser Region gewesen sein mag.

Hintergrundinformationen:

Die Säule befindet sich direkt am Limeserlebnispfad Hochtaunus

Die Säule befindet sich direkt am Limeserlebnispfad Hochtaunus

Die Jupitersäule ist keine „echte“ antike Stätte, wir halten sie aber trotzdem für relevant genug, um von uns in dieser Kategorie aufgeführt zu werden.

Tatsächlich wurde die Jupitersäule erst Anfang des 20. Jahrhunderts im Rahmen der Rekonstruktion des Kastells Saalburg durch Kaiser Wilhelm II als weitere „Attraktion“ zusammen mit dem Mithräum im Umfeld der Saalburg errichtet.

Nichtsdestotrotz handelt es sich dabei um kein Phantasiegebilde aus der Kaiserzeit, sondern um eine archäologisch interessante Rekonstruktion – und zudem um eine sehr beeindruckende dazu -, die einen guten Eindruck davon vermittelt, wie die zur römischen Zeit in den germanischen und gallischen Provinzen verbreiteten Jupitersäulen gewirkt haben müssen, die typisch für diese Regionen waren.

Bei der Jupitersäule handelt es sich um eine Replik einer originalen Jupitersäule aus Mainz, dem antiken Mogontiacum, die heute im Landesmuseum Mainz ausgestellt ist und in Nachbildung vor dem Landtag von Rheinland-Pfalz steht. Weitere Kopien dieser Säule stehen in Paris und Rom.

Zum Zeitpunkt der Entdeckung der Kalksteinsäule in Mainz war diese vollkommen zerstört und wurde in mühevoller Kleinarbeit aus über 2000 Einzelteilen wieder zusammengesetzt.

Der überlebensgroße Gott Jupiter Optimus Maximus schleudert Blitze

Der überlebensgroße Gott Jupiter Optimus Maximus schleudert Blitze

Die Besonderheit der Kopie an der Saalburg ist, daß es sich nicht nur um eine reine Replik der Säule aus Mainz handelt, sondern daß diese auch noch ergänzt und an den Stellen vervollständigt wurde, für die es in Mainz keine Überlieferungen gibt. Es handelt sich auch nicht, wie sonst üblich, um einen Abguss des Originals, sondern die Säule wurde von einem Bildhauer aus Kalkstein nachgefertigt.

Die Höhe der Säule beträgt 12,50 Meter. Auf ihrer Spitze thront eine überlebensgroße, stehende, komplett vergoldete Figur des Gottes Jupiter. Von dieser Statue wurden in Mainz nur wenige Bruchstücke gefunden, wie der linke Fuß, ein Finger, ein Blitz, eine Adlerklaue und ein kleines Stück des Körpers. Wahrscheinlich wurde die vergoldete Bronzestatue nach der gewaltsamen Zerstörung der Jupitersäule in Mainz eingeschmolzen. Deswegen hat man sich bei der Rekonstruktion der Gottesstatue an der Saalburg auf besser erhaltene Statuen von diversen Fundorten bezogen, um ein stimmiges und authentisches Bildnis zu erschaffen.

Zu römischer Zeit war die komplette Säule, die zahlreiche Götterdarstellungen zeigt, bunt bemalt. Dies wurde bei der Rekonstruktion nicht nachvollzogen, so daß die Säule selbst die Farbe des Kalksteins hat, aus dem sie besteht.

Eine Inschriftentafel im unteren Bereich der Säule besagt, daß die Mainzer Bürger diese Säule dem obersten Gott Jupiter Optimus Maximus zum Wohle des Kaisers Nero geweiht haben. Damit ist das Original etwa um das Jahr 59 n. Chr. datierbar, in dem Nero nur knapp einer Verschwörung entkommen war. Da Nero nach seinem Selbstmord im Jahre 68 unter die reichsweite Damnatio memoriae fiel, wurden alle Inschriftenteile, die sich auf ihn beziehen, unkenntlich gemacht. Sie sind aber nach wie vor entzifferbar.

Vor der Jupiterstatue wurde ein Weihealtar errichtet, der in Mainz zusammen mit der Säule gefunden wurde. Auch er trägt eine Inschrift, die den gleichen Inhalt hat wie die Inschrift der Jupitersäule. An den Seiten des Altars sind Gegenstände abgebildet, die für Opferhandlungen verwendet wurden.

Beschreibung:

Zu römischer Zeit waren Säulen bunt bemalt. Hier eine Skizze, die Anfang des 20. Jahrhunderts angefertigt wurde

Zu römischer Zeit waren Säulen bunt bemalt. Hier eine Skizze, die Anfang des 20. Jahrhunderts angefertigt wurde

Die 12,50 Meter hohe Jupitersäule, auf die ein gerader Fußweg zuführt, wirkt schon aus der Ferne beeindruckend, insbesondere durch die überlebensgroße vergoldete Jupiterstatue auf ihrer Spitze. Die Statue steht auf einem erhöhten Podest, davor befindet sich der Weihealtar. Umrahmt wird diese Anordnung von geschnittenen Hecken, die wie ein Zaun wirken, so daß der Bereich nur von vorne betreten werden kann.

Die Säule ist in einem guten Zustand und die Reliefs sind deutlich erkennbar.

Auf dem Sockelstein der Säule sind folgende Götter abgebildet: Hercules, Fortuna und Minerva, Jupiter, Merkur und ein nicht identifizierter Gott, möglicherweise Salus.

Darüber befindet sich ein Sockelstein mit der erwähnten Inschrift, sowie Abbildungen von Apollo und den Dioskuren Castor und Pollux. Alle Reliefs sind reich verziert.

Auch die darüberliegenden runden Säulentrommeln tragen Götterdarstellungen, es finden sich Mars, Victoria, Neptun und Diana, gefolgt von Vulcanus und Ceres (?), Roma (?) und Virtus (?). Die mit Fragezeichen gekennzeichneten Gottheiten sind nicht mit letzter Sicherheit identifiziert, aber ihre Zuordnung ist wahrscheinlich.

Die nächste Säule zeigt Vesta (?), Pax (?), Aequitas (?) und eine unbekannte Göttin.

Darüber finden sich zwei Laren, Bacchus und der Genius des Kaisers Nero (?). Auf der obersten Säulentrommel befinden sich Juno, Luna als Lenkerin einer Biga und Sol als Lenker einer Quadriga.

Herkules befindet sich auf dem Viergötterstein, der als Sockel der Säule dient

Herkules befindet sich auf dem Viergötterstein, der als Sockel der Säule dient

Auf dem korinthischen Kapitell mit Akanthusblättern schließlich steht Jupiter, der ein Blitzbündel schleudert.

Anders als in vielen Darstellungen der im gallo-römischen Raum verbreiteten Jupitergigantensäulen, handelt es sich hier um die klassische Darstellung auf einem Viergötterstein als Sockel, während sich bei vielen anderen dieser Säulen die gallo-römisch geprägte Darstellung des Jupiter im Zweikampf mit einer giganischen Schlange findet (gute Beispiele sind unter anderem im Gallo-Romeins Museum in Tongeren zu besichtigen). Bei diesem Untertypus der Jupitersäulen ist die Säule selbst geschuppt und nicht mit Götterbildern versehen. Beide Formen sind jedoch typisch für den gallo-römischen Raum nördlich der Alpen, wo sie sich jahrhundertelang großer Beliebtheit und Verbreitung erfreuten.

Da an der Jupitersäule mehrere Wander- und Radwege vorbeiführen, die stark frequentiert sind, leidet der Ort – wie so viele historische Bauten – unter dem in unserer Zeit so verbreiteten Kulturbanausentum. So befindet sich auf der Frontseite des Weihealtars leider ein neongrünes Graffiti und bei unserem letzten Besuch lag hinter dem Altar Abfall mit Essensresten und benutztem Einweggeschirr aus Plastik, wahrscheinlich, da die Treppen zur Säule zur Rast einladen.

Dafür kann natürlich die Säule nichts; sie ist auf jeden Fall ein beeindruckender Anblick und läßt den Besucher gut nachvollziehen, wie sich ein Einheimischer in den Provinzen fühlte, wenn er dem höchsten römischen Gott in Form einer solchen Präsentation gegenüberstand.

Neben der Säule befindet sich eine Informationstafel aus wilhelminischer Zeit, deren Inhalt den damaligen Forschungsstand wiedergibt. Zur Ergänzung steht am Wegrand eine moderne Informationstafel des Limeserlebnispfads Hochtaunus, die anschaulich (und mit englischer und französischer Zusammenfassung) über die Jupitersäule informiert.

Eintrittspreise, Öffnungszeiten, Zugänglichkeit

Am Wegrand befindet sich eine Infotafel

Am Wegrand befindet sich eine Infotafel

Der Ort ist jederzeit frei zugänglich. Eintritt wird nicht erhoben.

Im Frühjahr und Sommer während der Saison herrscht dort reger Wander- und Radfahrerbetrieb, der auch durch den nahegelegenen Landgasthof und die Saalburg begünstigt wird. Im Herbst und Winter hat man in dieser entlegenen Region im Hochtaunus seine Ruhe.

Sonstiges

Fotografieren ist natürlich uneingeschränkt möglich.

Auch wenn es sich um keine „originale“ antike Stätte handelt (wobei nicht auszuschließen ist, daß es auf dem Gelände der Saalburg oder im angrenzenden zivilen vicus, dessen Mauerreste und Spuren überall rund um die Saalburg zu finden sind, eine Jupitersäule gab, da diese sehr weit verbreitet waren), ist dieser Ort mit solcher Sorgfalt und Blick fürs Detail rekonstruiert, daß er heute problemlos als „Kultort“ für Jupiter Optimus Maximus genutzt werden kann. Die Darstellung des Jupiter ist respektvoll und ehrfurchtgebietend, so daß der höchste römische Gott diesem Ort sicherlich mit Wohlgefallen gegenübersteht. Außerdem war es zu römischer Zeit vollkommen üblich, diese Jupitersäulen an zahlreichen Orten aufzustellen, insbesondere an zivilen Orten wie vor Landgütern, in den Höfen von Villen und in den Städten und Ortschaften. Damit folgt man hier an der Saalburg einer guten alten römischen Tradition, wie sie jahrhundertelang in unseren Nordprovinzen üblich war. Und damit ist dieser Ort in unseren Augen „gültig“ als ein Weiheort für Jupiter, je öfter Cultores dort opfern, desto stärker wird das Numen des Gottes werden 🙂

Saalburg

Das Kastell Saalburg liegt nur 300 Meter entfernt

Ein Besuch dieser Säule sollte natürlich unbedingt mit einem Besuch des nahen Römerkastells Saalburg, dem zivilen Vicus und dem Mithräum kombiniert werden, die zu den wichtigsten römischen Sehenswürdigkeit am UNESCO-Welterbe Limes zählen.

Antike Stätten: Waldkapelle „Beatae Mariae Virginis ad Silvam“ Kaisersesch

Das römische Quellheiligtum ist heute noch ein beliebter Wallfahrtsort

Das römische Quellheiligtum ist heute noch ein beliebter Wallfahrtsort

Anschrift:

In der Langheck, 56759 Kaisersesch

Anfahrt:

Kaisersesch liegt am Rande der Osteifel, 12 Kilometer von der Mosel und der Stadt Cochem entfernt, direkt an der A48.

Die Waldkapelle befindet sich in der Nähe des Bahnhofs am Rande des Ortskerns in der Sackgasse „In der Langheck“. Parkmöglichkeit besteht direkt vor der Kapelle.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist Kaisersesch gut zu erreichen, da der Bahnhof von der „Eifelquerbahn“ zwischen Andernach und Gerolstein angefahren wird. Vom Bahnhof sind es nur wenige Gehminuten bis zur Kapelle.

Die Waldkapelle ist auch eine Station auf dem „Historischen Rundwanderweg„, der unter anderem auch an keltischen Gräbern, der alten römischen Heerstraße und dem Römerturm auf der Anhöhe oberhalb der Stadt vorbeiführt. Die ganze Region ist gut zum Wandern geeignet und verfügt über mehrere historisch interessante und landschaftlich schöne Wanderrouten.

Außerdem liegt die Kapelle unmittelbar am Eifel-Camino, dem Jakobsweg durch die Eifel nach Santiago de Compostela und dient als Stempelstelle für den Pilgerpass.

Hintergrundinformationen:

Die Waldkapelle (Foto von Reinhard Hauke)

Die Waldkapelle (Foto von Reinhard Hauke)

Die Waldkapelle „Selige Jungfrau Maria am Walde“ oder „Beatae Mariae Virginis ad Silvam“ ist nur mittelbar als „römische antike Stätte“ zu werten.

Auch ist – entgegen unserer sonstigen Gewohnheit in unseren Reiseempfehlungen – einiges zur römischen Geschichte dieser Kapelle spekulativ oder nur durch Indizien zu belegen, da eine klare und eindeutige Befundlage fehlt. Dennoch haben wir uns entschieden, diese Kapelle ebenfalls in unsere Reisetipps aufzunehmen, da es gute Anhaltspunkte dafür gibt, daß der Ort in römischer Zeit eine gewisse Bedeutung hatte und sich der geneigte Cultor vielleicht auch gerne selbst ein Bild machen möchte. Historisch interessant ist der Ort allemal, so daß die Kapelle einen Abstecher wert ist, wenn man sich in der Gegend befindet und zum Beispiel den römischen Wachturm besichtigt oder der alten römischen Heerstraße zwischen Trier und dem Neuwieder Becken folgt, die an dem Standort der Kapelle vorbeiführte.

Wer sich für den römischen Hintergrund von Kaisersesch und der Umgebung interessiert, dem legen wir unseren Artikel zum Römischen Wachturm ans Herz, um unsere Leser nicht mit der Wiederholung von Informationen zu langweilen.

Die Region lag zu römischer Zeit im östlichen Gallien und war von den keltischen Treverern besiedelt.

Die kleine Waldkapelle, früher auch Wachtkapelle genannt, ist der Seligen Jungfrau Maria am Walde geweiht. Sie steht zwar, anders als der Name vermuten lassen mag, noch am Ortsrand von Kaisersesch, am Ende der Straße beginnt jedoch der Wald, in dem auch die Reste der Militärstraße noch gut erkennbar verlaufen.

Der Ursprung der Kapelle geht auf einen römischen Wachturm zurück, der an dieser Stelle die Sicherheit auf der Heerstraße überwachte und wahrscheinlich von Beneficariern (altgedienten Legionären, die Polizeiarbeit leisteten) besetzt war. Die Fundamente des Wachturms aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. wurden bei Renovierungsarbeiten der Kapelle gefunden, weshalb der römische Ursprung des Ortes archäologisch gesichert ist.

Ebenfalls bei den Restaurierungsarbeiten im Jahre 1982 gefunden wurde eine Heilquelle. Die Forschung geht davon aus, daß es sich dabei um ein Quellheiligtum gehandelt haben könnte, das bereits zu römischer Zeit (und vermutlich auch schon von den einheimischen Kelten) genutzt wurde, weil die Quelle in räumlicher Beziehung zu dem Wachturm stand. Wer dort verehrt wurde und wie die Kultpraxis aussah, ist nicht bekannt, da keinerlei Weiheinschriften, Figuren, Statuen oder sonstige schriftliche oder bildliche Zeugnisse gefunden wurden.

Die Heilquelle wurde im Jahr 1982 bei Renovierungsarbeiten wiederentdeckt

Die Heilquelle wurde im Jahr 1982 bei Renovierungsarbeiten wiederentdeckt

Mehreren dörflichen Überlieferungen aus der Region zufolge, gilt diese Quelle als Heilquelle gegen Augenleiden. Dies wird noch heute in der Bevölkerung tradiert und die Quelle auch für diese Zwecke genutzt.

Die wiederentdeckte Quelle wurde im Rahmen der Restaurierung freigelegt, in eine Rohrleitungssystem gefasst und in die Kirche integriert, wo sich die Besucher das Wasser durch die Betätigung einer (elektrischen) Pumpe frisch zapfen können.

Da es bei katholischen Kirchen und Kapellen häufig der Fall ist, daß sie an Stellen errichtet wurden, an denen sich zuvor römische Tempel oder andere Stätten der Verehrung (wie Quellheiligtümer oder Schreine) befanden, ist auch für diesen Ort anzunehmen, daß die Position der ursprünglichen Kapelle, die hier bereits im Mittelalter stand, bewußt in der Nähe der im Volk verehrten Heilquelle gewählt wurde.

Die Tatsache, daß der Ort seit 2000 Jahren von Menschen mit ihren Anliegen aufgesucht wird, zeigt, daß hier ein gewisses Numen vorhanden ist und unterstreicht auch die Bedeutung von katholischen Kirchen und Kapellen für die Bewahrung und Weitertradierung alter Kultorte, oder auch deren Wiederentdeckung, die oft nur durch die darüber errichteten Kirchen (zum Beispiel im Rahmen von Renovierungsarbeiten) erfolgt, während sie in der Bevölkerung in Vergessenheit geraten waren.

Ob ein Ort noch das Numen des Göttlichen beinhaltet oder spirituell „tot“ ist, bemerkt man relativ schnell, wenn man heute einen sakralen Raum betritt – bei manchen Kirchen ist es deutlich zu spüren, wenn sie seit 2000 Jahren an einem Ort der Verehrung stehen und Menschen durch die Jahrhunderte dort religiös aktiv waren, gleichgültig, wer das Ziel ihrer Verehrung war resp. welchen Namen sie dem dort aktiven Genus loci gaben. Andere Orte (besonders bei modernen Kirchen, wie zum Beispiel das Betonmonstrum von Linz), sind spirituell leer und tot und deshalb einfach nur „Gebäude“, der Raum wird hier nur durch die bestehenden Wände definiert – nicht mehr durch eine Präsenz, die erst den Grund gab, solche behütenden Wände zu errichten…

Sowohl in der Waldkapelle in Kaisersesch als auch im nahegelegenen Kloster Maria Martental im Enderttal (wo ebenfalls ein Quellheiligtum vermutet wird und eine römische Besiedelung des Platzes anhand von archäologischen Funden, wie römischen Münzen, gesichert ist) ist das Numen noch vorhanden und wurde an beiden Orten durch Wallfahrer und Pilger durch die Jahrhunderte vor Ort gehalten (und nicht, wie an vielen anderen Orten, durch Vernachlässigung und Vergessen vertrieben).

Für mehr Informationen zum römischen Heidentum und der römisch-katholischen Kirche empfehlen wir unseren Hintergrundartikel „Römisch (oder) Katholisch? Heidnische Gdanken zum Christentum„.

Die gallo-römische Quell- und Heilgöttin Sirona, Gefährtin des Apollo-Grannus, war bei den Treverern in dieser Region sehr beliebt

Die gallo-römische Quell- und Heilgöttin Sirona, Gefährtin des Apollo-Grannus, war bei den Treverern in dieser Region sehr beliebt

Spekulativ, aber argumentativ begründbar, ist, daß es sich bei der an diesem Quellheiligtum (sowie im Quellheiligtum im Kloster Martental, heute immer noch eine bedeutende Wallfahrtsstätte für Alte und Kranke) um eine weibliche Gottheit, z.B.  eine Quell- und Heilgöttin wie die im Raum der Treverer verehrte gallo-römische Sirona gehandelt hat. Die Tatsache, daß sowohl die Waldkapelle als auch die Klosterkirche Marienkirchen sind, in denen jeweils eine besondere Inkarnation der Maria im Vordergrund steht (auch in Martental ist es die „Schmerzhafte Mutter“), die dort traditionell verehrt werden, deutet auf eine Göttin als zentrales Objekt des religiösen Kultes.

Beiden Orten gemein ist auch die Verehrung bestimmter Heiliger wie Judas Thaddäus, der vor allem in schwierigen und ausweglosen Lebenssituationen angerufen wird. Zahllose Votivtafeln in Martental für ihn, sowie für Maria, zeigen die Wirksamkeit dieses Ortes, die bis heute ungebrochen ist. Daß Heilige oft 1:1, sogar noch mitsamt ihrer Attribute (wie Isis mit dem Horuskind oder Isis auf der Mondsichel als Darstellungen der Jungfrau Maria), von römischen oder anderen einheimischen Göttern übernommen wurden, ist nicht neu, so daß auch hier davon ausgegangen werden kann, daß dieser Heilige einen römischen oder gallo-römischen Vorgängergott in diesen beiden Quellheiligtümern hatte.

An der Stelle der Kapelle stand bereits im 12. Jahrhundert eine Vorgängerkapelle, die der Legende nach von dem an Mosel und in Eifel ansässigen Hochadels- und Rittergeschlecht von der Leyen als Dank für die glückliche Heimkehr von den Kreuzzügen errichtet wurde. Dieser Legende zufolge soll die alte Kapelle 1000 Schritte von der Pfarrkirche entfernt gewesen sein, was genau der Distanz zwischen dem Haus des Pilatus in Jerusalem und dem Berg Golgatha entsprach. Auch befand sich zu dieser Zeit zwischen Pfarrkirche und Kapelle deswegen ein Kreuzweg, von dem aber nur noch eine Station an der Waldkapelle erhalten ist.

Die heutige Kapelle wurde im Jahr 1769 neu gebaut und war innerhalb kürzester Zeit ein beliebter Wallfahrtsort in der „Bittwoche“, wohin Pilger zu Ehren der Schmerzhaften Muttergottes pilgerten. Der Pilgerandrang war zwischenzeitlich so groß. daß die Franziskaner von Adenau und die Kapuziner von Cochem bei der Beichte aushelfen mußten.

Der Altar mit dem Bildnis der Schmerzreichen Mutter

Der Altar mit dem Bildnis der Schmerzreichen Mutter

Durch den Einfall der Franzosen, Österreicher und Preußen im Jahr 1794 wurde die Kapelle zerstört und mußte geschlossen werden. Im Jahr 1833 wurde sie vollständig renoviert und in eine dreiachsige Form gebracht. Im Jahr 1910 stürzte das Gewölbe ein und wurde durch das heutige Holztonnen-Gewölbe ersetzt. Einen Chorraum gibt es aus Platzgründen nicht.

Im 19. Jahrhundert war die Kirche auch ein wichtiger Wallfahrtsort für Bergleute aus der Region, die vor allem vom Schieferbergbau lebte. Sie verehrten hier die Heilige Barbara, die Schutzpatronin der Bergleute, deren Statue sich noch heute in der Kirche befindet.

Im Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1944, wurde die Kirche teilweise zerstört und erhielt nach dem Krieg neue Fenster nach den Vorschlägen des Kölner Dombaumeisters.

Im Jahr 1982 wurde die Kirche wegen Nässeschadens erneut grundlegend renoviert, wobei die Heilquelle entdeckt wurde. Da die notwendige Renovierung nicht finanziert werden konnte, wurde sie von der Freiwilligen Feuerwehr Kaisersesch in 1085 kostenlosen Arbeitsstunden durchgeführt. Noch heute wird die Kirche von der Feuerwehr betreut und gepflegt, wie auch der Blumenschmuck ehrenamtlich von zwei Kaisersescher Bürgerinnen gestellt wird.

Die Kapelle enthält wichtige Kunstschätze, wie das Altarbildnis der Schmerzhaften Muttergottes und Rokokoschnitzwerk über der Tür.

Der Altar wird flankiert von aufwendigen und schön gestalteten, klassischen Statuen der Heiligen Barbara, Elisabeth (die sich für Arme und Kranke einsetzte), des Heiligen Apollinarius (ein Zeitgenosse von Petrus, der auch in Remagen bei der Apollinariswallfahrt verehrt wird) und des Heiligen Judas Thaddäus.

Beschreibung

Das Heilwasser kann man sich frisch von der Quelle zapfen

Das Heilwasser kann man sich frisch von der Quelle zapfen

Die Waldkapelle hat zwei Reihen aus Sitzbänken und ist für eine Kapelle recht groß. Vor dem Bildnis der Schmerzhaften Mutter am Altar besteht natürlich die Möglichkeit (nach altem heidnisch-römischem Brauch) eine Opferkerze zu entzünden.

Die Heilquelle befindet sich hinter einem schmiedeeisernen, verzierten Gitter an der rechten Wand der Kirche. Hier ragt die steinerne Fassung der Quelle aus der Wand, darunter befindet sich ein Gefäß, damit das Wasser nicht überläuft. Die Quelle läuft nicht ununterbrochen, sondern wird durch das Betätigen einer Pumpe aktiviert. Hierzu drückt man auf einen Schalter, der sich neben der Quelle befindet.

Die Öffnungen im Gitter sind groß genug, um die Hand oder auch ein Gefäß wie ein Fläschchen oder Becher unter die Quelle zu halten und das Heilwasser damit aufzufangen. Da die Quelle vor allem bei Augenleiden hilft, kann man sich damit auch vor Ort direkt die Augen benetzen.

Die Kirche ist sauber und gepflegt. Wie für eine katholische Kirche üblich, ist sie tagsüber geöffnet und man kann sich darin so lange aufhalten, wie man möchte. Von Wallfahrtszeiten und Feiertagen abgesehen, ist man dort meist allein.

Ein angenehmer Ort mit einer langen, interessanten Geschichte. Das römische Quellheiligtum ist hier zumindest an einem würdevollen, immer noch sakralen Ort untergebracht und wird von engagierten Bürgern betreut, so daß die Quelle, die schon vor 2000 Jahren genutzt wurde, erhalten bleibt und weiter genutzt werden kann.

Sonstiges

Die zahllosen Votivtafeln im Kloster Martental bezeugen die Wirksamkeit des Ortes

Die zahllosen Votivtafeln im Kloster Martental bezeugen die Wirksamkeit des Ortes

Fotografieren ist natürlich uneingeschränkt möglich.

Der Besuch der Waldkapelle kann gut mit anderen Sehenswürdigkeiten rund um Kaisersesch kombiniert werden. Ideal ist natürlich das Wallfahrtskloster Maria Martental im atmosphärischen Enderttal mit seinen vielen Votivtafeln. Hier besteht auch die Möglichkeit einer kleinen, angenehmen Wanderung zu einem nahegelegenen Wasserfall.

Ebenfalls für den römischen Besucher interessant ist der rekonstruierte römische Wachturm oberhalb der Stadt, von dem aus man eine ausgezeichnete Aussicht hat. Der 7,7 km lange „Historische Rundwanderweg“, der in Kaisersesch startet, führt an diesem Turm vorbei und folgt streckenweise auch der römischen Militärstraße, die noch gut im Gelände zu erkennen ist. Außdem gibt es hier auch keltische, mittelalterliche und neuzeitliche Stationen.

Events und Veranstaltungen: Römer- und Eburonenlager 2015 in Nettersheim

Im Römer- und Eburonenlager verträgt man sich gut

Im Römer- und Eburonenlager verträgt man sich – trotz keltischer Sitte des Köpfesammelns – gut

Eine besondere Gelegenheit, den Matronentempel für die Matronae Aufaniae und den dazugehörigen vicus Marcomagus mit Kleinkastell zu besuchen, ist das bevorstehende Römer- und Eburonenlager am 30. und 31. Mai 2015.

Der gallo-römische Tempel liegt inmitten des Archäologischen Landschaftsparks Nettersheim in der Eifel, in unmittelbarer Nähe zu zwei weiteren Matronentempeln (in Pesch und Zingsheim), direkt an der ehemaligen römischen Schnellstraße, der Via Agrippa von Trier nach Köln.

Der Verlauf dieser Hauptstraße ist im Archäologiepark ebenso nachvollziehbar wie der römische Ort Marcomagus, der zum einst beliebten Tempelkomplex gehörte. Hier reihten sich die Streifenhäuser der Handwerker und der Ladenbesitzer aneinander bis hinunter zum Fluß Urft, der heute von einer Brücke an der originalen Stelle gequert wird. Am anderen Ufer befand sich das kleine Kastell der örtlichen Beneficarier, die für die Aufrechterhaltung der Ordnung und das Kassieren der Zölle auf der viel befahrenen Straße zuständig waren.

Einmal im Jahr steht dieser Archäologische Park, in dem noch heute Lehrgrabungen der Universität Köln durchgeführt werden, um Marcomagus weiter zu erschließen, ganz im Zeichen der Römer und der hier ansässigen keltischen Eburonen.

Die Tempelanlage liegt auf einem Bergrücken und bietet eine tolle Aussicht über die Eifel

Die Tempelanlage liegt auf einem Bergrücken und bietet eine tolle Aussicht über die Eifel

Von Samstag, 30. Mai bis Sonntag, 31. Mai, schlagen die Römer der Legio XV Primigenia (Römerkohorte Niederrhein, Interessengemeinschaft für Römische Militär- und Kulturgeschichte im Rheinland) sowie die Eburonen des Tribus Eburones aus Euskirchen hier ihre Lager auf.

Ausgangspunkt der Veranstaltung ist das Naturzentrum Eifel mitten in Nettersheim, das auch ein kleines Museum mit Fossilien, Korallen, Informationen zu den Matronen und Römern, sowie die Natur rund um die Eifel bietet. Hier gibt es auch einen lohnenswerten Museumsshop, in dem zum Beispiel die Medusa erworben werden kann, deren Haupt den „Grünen Pütz“ ziert, den Beginn der römischen Eifelwasserleitung von Nettersheim nach Köln. Auch weitere römische Gegenstände (wie Münzrepliken) können hier – neben Büchern, Steinen, Kleidung, Produkten rund um die Eifel – erworben werden. Wenn man Glück hat, gibt es hier auch eine kleine Replik der drei aufanischen Matronen (diese sind jedoch nicht immer vorrätig).

Das Naturzentrum verfügt über ein großes Außengelände. In dieser parkähnlichen Grünanlage befindet sich das Lager der Römer und Eburonen. Besucher können hier mit den auskunftsfreudigen Darstellern fachsimpeln, sich das römische Alltags- und Legionärsleben in der Eifel erklären lassen oder von den Eburonen erfahren, wie hier das keltische Leben in vorrömischer Zeit aussah. Die Eburonen zeigen unter anderem ihren Nachbau eines keltischen Streitwagens, keltische Speisen und alte Handwerkstechniken. Im Römerlager gibt es Informationen zum Militäralltag, Vermessungstechnik und Handwerk.

Archäologen erläutern den aktuellen Stand der Ausgrabungen

Archäologen erläutern den aktuellen Stand der Ausgrabungen

Auch ist hier für das leibliche Wohl gesorgt, in dem Speisen nach original römischen Rezepten probiert werden können (natürlich gibt es auch Kaffee und Kuchen 😉 )

Mittags ist eine Pompa – ein Umzug – vom Naturzentrum zum Matronenheiligtum geplant.

Vom Naturzentrum aus führt ein gut ausgeschilderter Rundwanderweg durch den Archäologischen Landschaftspark. Zuerst erreicht der Besucher den auf einem Hügel gelegenen Matronentempel. Von dort aus folgt man dem Verlauf der Agrippastraße entlang durch den vicus Marcomagus bis hinunter zum Fluß und in das Kastell.

Während der Römer- und Eburonentage befinden sich an allen diesen Stationen fachkundige Ansprechpartner – sowohl Römer, die den vicus beleben oder ein römisches Opfer im Tempel durchführen, als auch Archäologen, die über den aktuellen Stand der Grabungen informieren und Einblicke in die aktuellen Grabungsstellen erlauben.

Ein römischer Reisewagen, von Pferden gezogen, verkehrt am Sonntag zwischen Naturzentrum Nettersheim und dem Tempel und kann ebenfalls genutzt werden.

Die Streifenhäuser von Marcomagus entlang der Via Agrippa

Die Streifenhäuser von Marcomagus entlang der Via Agrippa

Parkplätze sind im ganzen Ort ausgeschildert. Eine Anreise per Bahn ist ebenfalls gut möglich, da Nettersheim einen Bahnhof hat (der ganz in der Nähe des Naturzentrums liegt) und an die regelmäßig verkehrende Eifelbahn nach Gerolstein und Trier angeschlossen ist.

Die Veranstaltung findet an beiden Tagen von 10 – 18 Uhr statt.

Weiterführende Informationen auf der offiziellen Website des Naturzentrums Eifel.

Das Römer- und Eburonenlager gehört sicher nicht zu den „großen“ Veranstaltungen des Jahres, ist aber trotzdem ein schöner, engagierter Event in einer sehr sehenswerten und vor allem authentischen Kulisse.

Unser zusätzlicher Tipp für den römischen Touristen:

Wer sich vor allem für die Matronentempel interessiert und eine weitere Anreise hat, dem empfehlen wir, den Besuch bei dieser Gelegenheit mit den anderen beiden Tempeln zu kombinieren, die nur wenige Autominuten entfernt liegen (insbesondere der große Waldtempel bei Pesch ist sehr sehenswert, vor allem in der Abendstimmung).

Aber auch wer sich für römische Technologie interessiert, kann den Besuch des Archäologieparks mit dem römischen Brunnen und dem Beginn der Eifelwasserleitung verbinden, der sich ebenfalls in unmittelbarer Nähe befindet. Nicht zuletzt lohnt es sich, auf dem Weg nach Nettersheim kurz an der Villa Rustica von Roderath Halt zu machen.

Antike Stätten: Caiva-Tempel bei Gerolstein

Der Tempelkomplex auf dem Dolomitplateau bei Gerolstein

Der Tempelkomplex auf dem Dolomitplateau bei Gerolstein

Anschrift:

Der Tempel liegt auf einem Dolomit-Felsplateau oberhalb von Gerolstein. Keine postalische Anschrift.

Anfahrt:

Gerolstein liegt in der Vulkaneifel in Rheinland-Pfalz. Es ist vor allem bekannt durch seine Sprudelquellen, die bereits von den Kelten und Römern genutzt wurden.

Eine direkte Anfahrt des Tempels „bis vor den Tempeleingang“ ist nicht möglich. Der Tempel befindet sich oberhalb von Gerolstein auf dem Dolomitplateau „Hustley“ und ist nur zu Fuß zu erreichen. Direkt am Tempelkomplex führen sowohl der Vulkanweg des Eifelvereins als auch der Eifelsteig vorbei, so daß er über zwei gut markierte Wege erwandert werden kann.

Die

Die „Munterley“, die Dolomitfelsen oberhalb von Gerolstein, sind die erste Station auf dem Weg zum Tempel

Der Tempel auf dem Plateau kann von zwei Richtungen aus erreicht werden: durch einen Aufstieg aus Gerolstein-Mitte hinauf auf das spektakuläre Munterley-Dolomitplataeu oder vom anderen Ende der Hochfläche aus, wo sich die Kasselburg mit einem Adler- und Wolfspark befindet.

Wir empfehlen, den Tempel aus Gerolstein über die Munterley zu erwandern, da der Weg weitere attraktive Sehenswürdigkeiten bietet. Außerdem dient die Munterley als Aussichtspunkt über die Umgebung, die für den archäologisch interessierte Besucher auch einen Blick auf die gegenüber liegende, 617 m hohen Dietzenley erlaubt, eine 240 Meter lange keltische Höhenfestung auf einem steilen Basaltfelsen – der höchsten Erhebung im Gerolsteiner Land.

Für körperlich oder gesundheitlich eingeschränkte Personen ist der Weg über die Kasselburg geeigneter, da der Weg über die Munterley wegen der Felsen und schmalen Pfade stellenweise anspruchsvoll ist. Er ist auf keinen Fall für Rollstuhlfahrer oder Kinderwagen geeignet!

Die Anreise erfolgt nach Gerolstein, wo man an einem der zentralen Parkplätze (am „Rondell“ oder an der Kyll) parken kann. Die Parkplätze sind montags bis samstags gebührenpflichtig, sonntags ist das Parken kostenlos.

Auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist Gerolstein sehr gut zu erreichen. Es gibt einen Bahnhof, der regelmäßig von den Regionalzügen aus Köln und Trier angefahren wird.

Wanderung zum Tempel

Da der Tempel erwandert werden muß und unser empfohlener Weg an einigen interessanten Wegmarken vorbeiführt, weichen wir in diesem Artikel einmal von unserem üblichen Aufbau ab und beschreiben den Weg zum Tempel ausführlicher. Der Tempel selbst wird wie gewohnt in den folgenden Abschnitten beschrieben.

Alle Wege führen zum Tempel!

Alle Wege führen zum Tempel!

Unser Tipp: Vor dem Aufstieg kann man die Gelegenheit nutzen, im nahen Park an der öffentlichen Zapfstelle „Helenenquelle“ seine Wasserflasche mit frischem (kostenlosem) Gerolsteiner Sprudel aufzufüllen.

Eine Bemerkung vorweg: der Aufstieg zur Munterley ist zwar nicht sehr lang, aber relativ steil (es müssen in kurzer Zeit 195 Höhenmeter überwunden werden). Er folgt schmalen Pfaden und über Dolomitfelsen. Wanderschuhe bzw. festes Schuhwerk ist unbedingt erforderlich.

Von Gerolstein-Mitte aus überquert man zu Fuß die Eisenbahnbrücke in Richtung der markanten Dolomitfelsen, die den Ort überragen. Zwischen dem „Cafe Dolomiten“ und einem Eiscafe führt ein beschilderter Fußgängerweg durch ein Wohngebiet hoch in Richtung des Felsplateaus. Hier folgt man den Schildern „Munterley“, die die erste Station auf dem Weg zum Tempel darstellt. Der Tempel selbst, der im Volksmund „Juddekirchhof“ genannt wird, ist nicht ausgeschildert, so daß man sich am besten an Schildern in Richtung „Munterley“, „Papenkaule“ und Buchenlochhöhle“ orientiert, die alle auf dem Weg zum Tempel liegen.

Das Wohngebiet wird schon nach wenigen Aufstiegen über Straßen und Treppen zurückgelassen; stattdessen führt der Weg in den Wald hinein. Hier orientiert man an Abzweigungen immer nach oben. Kurz unterhalb der Munterley-Felsen teilt sich der Weg in den (beschilderten) Wanderweg und einen steilen Fußweg, der unmittelbar nach oben führt. Dieser Fußweg ist eine sehr gute Abkürzung, die in wenigen Minuten hoch auf das Felsplateau führt. Hier ist jedoch Trittsicherheit und gelegentlich sogar Zuhilfenahme der Hände an den Dolomitfelsen notwendig. Der Weg wird jedoch regelmäßig genutzt und ist nicht zu übersehen oder zu verlieren.

Von der Munterley aus hat man eine gute Aussicht auf die Umgebung

Von der Munterley aus hat man eine gute Aussicht auf die Umgebung

Wer es gemächlicher (aber auch langwieriger) mag, folgt aus Gerolstein-Mitte dem „G“-Symbol, das den Gerolsteiner Dolomitenweg kennzeichnet und der in vielen Serpentinen auf den Gipfel hinaufführt.

Die Munterley, das markante, mit einer Schutzhütte und einer Flagge markierte Felsplataeu, ist die erste Station auf dem Weg und ein toller Aussichtspunkt. Hier gibt es eine Tafel, auf der die Umgebung und die Entstehung der Dolomiten erläutert wird. Die Gegend, die von den keltischen Treverern besiedelt war, ist reich an keltischen Spuren, wie der Höhenfestung auf dem Felsplateau der Dietzenley, die von der Munterley aus gesehen werden kann. Die Dietzenley selbst lohnt sich ebenfalls als Ausflugsziel für den (keltisch interessierten) Wanderer; auf ihrem Gipfel steht ein hölzerner Aussichtsturm.

Von der Munterley aus folgt man dann der Beschilderung zur „Papenkaule“, einem Trockenmaar, und der „Buchenlochhöhle“, einer begehbaren, etwa 30 Meter tiefen Höhle im Felsgestein, die steinzeitlich besiedelt war. Nach etwa 10 Minuten folgt ein weiterer Aussichtspunkt über die Eifellandschaft.

Der Weg zur Buchenlochhöhle

Der Weg zur Buchenlochhöhle

Der Weg zur Buchenlochhöhle führt durch Wald und an spektakulären Felsen entlang, ist aber nicht mehr so steil oder unwegsam wie der eigentliche Aufstieg, sondern zeichnet sich durch milde Steigungen und Gefälle aus, die sich abwechseln.

In die Buchenlochhöhle führt eine Holztreppe (mit einer Fledermauszählanlage). In der Höhle kann man sich frei bewegen. Sie ist konstant 8 Grad kalt und feucht. Weitere Informationen liefern die Infotafeln der Geo-Route, die an markanten Punkten aufgestellt sind.

Nach der Höhle folgt man dem Weg weiter in Richtung der Papenkaule. Nach Wald und Fels erreicht man das unbewaldete, offene Hochplateau, das im Sommer wenig Schatten bietet und im Frühjahr und Herbst recht windig sein kann. Der Weg führt an dem markanten Vulkankrater entlang, der bis vor 10.000 Jahren aktiv war. Der mit Gras und niedrigen Pflanzen bewachsene kreisrunde Krater ist im Gelände sehr gut erkennbar.

Die Felslandschaft bietet bisweilen mystische Momente!

Die Felslandschaft bietet bisweilen mystische Momente!

Hinter dem Krater trifft der Fußweg auf einen asphaltierten Weg, dem man bis zum Tempel folgt. Hier an der Kreuzung liegt ein Grillplatz und damit verbunden leider auch die negativen Begleiterscheinungen – Müll, wohin das Auge sieht. Der Grillplatz selbst sowie die umliegenden Büsche und Wege sind mit diversen Abfällen übersät, leider fühlen sich offenbar nicht nur die Grillenden gehalten, hier einfach ihren Müll liegenzulassen, sondern auch andere Leute nutzen die Gelegenheit, hier unerwünschtes Zeug loszuwerden. Leider verbreitet sich dieser Müll durch Wind und Wetter dann auch im weiteren Umfeld des Grillplatzes; hier ist auch die Stadt gefragt, etwas stärker für Ordnung und Kontrollen zu sorgen, was offenbar nicht konsequent erfolgt.

Am Grillplatz wendet man sich auf dem asphaltierten Weg nach links. Bereits hinter der nächsten Kurve sieht man in der Ferne den Tempelkomplex liegen. Der Weg schlängelt sich über die offene Hochfläche, bis er das Tempelgelände erreicht, das einen eigenen kleinen Zuweg hat. Der Tempel selbst ist umzäunt und mit einer Schranke versehen. Er ist so weithin sichtbar, daß er von diesem Punkt aus nicht verfehlt werden kann.

Da es sich nicht um einen Rundweg handelt, hat man nach dem Tempelbesuch die Wahl, den gleichen Weg zurück zu nehmen, wobei wir hier von der Munterley aus den Abstieg über den gemächlicheren, aber längeren „G“-Weg empfehlen, oder man setzt den Weg zur etwa 2,5 km entfernten Kasselburg fort (wo man den Adler- und Wolfspark besuchen kann) und geht dann im Tal am Fluß Kyll entlang zurück nach Gerolstein. Wir bevorzugen den Rückweg über die Munterley, da er landschaftlich spannender ist, als im Tal zurückzuwandern. (mehr …)

Antike Stätten: Jupiteraltäre und römisches Kastell, Kirche St. Peter und Paul Remagen

Die Kirche "Peter und Paul" mit darunterliegendem römischem Mauerwerk

Die Kirche „Peter und Paul“ mit darunterliegendem römischem Mauerwerk

Anschrift:

Kirchstraße 32, 53424 Remagen

Anfahrt:

Der kleine Ort Remagen liegt an der B9 zwischen Bonn und Koblenz.

Die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul befindet sich inmitten der historischen Altstadt des Ortes Remagen am Rhein und ist nicht zu übersehen.

Parkmöglichkeiten bestehen rund um die Kirche, an der Rheinpromenade (Parken 2 Stunden kostenfrei) oder auf dem großen kostenpflichtigen Park & Ride-Parkplatz an der B9 hinter dem Bahnhof.

Die Kirche ist auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut zu erreichen, da Remagen einen gut angeschlossenen Bahnhof hat, an dem Züge des Nah- und Fernverkehrs entlang der Rheinschiene zwischen Köln und Koblenz halten. Als Nahverkehrszüge halten hier der Rheinexpress (Emmerich bis Koblenz), die Ahrtalbahn (Bonn bis Ahrbrück) und die Mittelrheinbahn (Köln bis Mainz).

Es gibt auch mehrere Buslinien, die Remagen anfahren, diese fahren jedoch große Umwege über die umliegenden Dörfer an Rhein und in der Eifel, so daß wir die Anreise mit dem Zug oder dem Auto empfehlen.

Hintergrund:

Remagen (Rigomagus) war zu römischer Zeit ein Hilfstruppenkastell am Rhein in Niedergermanien (Germania inferior). Es wurde um 43 n.Chr. gegründet, als mit dem Eroberungsfeldzug in Britannien die Verteidigung des strategisch wichtigen Rheins umorganisiert wurde.

Der Ursprung des romanischen Torbogens neben der Kirche gilt als rätselhaft

Der Ursprung des romanischen Torbogens neben der Kirche gilt als rätselhaft

Das Kastell beherberte eine etwa 500 Mann starke Besatzung aus Infanterie und Kavallerie, deren Truppen fast ausschließlich aus den römischen Provinzen Thrakien, Spanien und Pannonien stammten. Im Jahr 69 n. Chr. wurde das Kastell im Rahmen des Bataveraufstandes zerstört, aber erneut aufgebaut und schließlich bis ins 3. Jahrhundert zu einer Festung ausgebaut. Diese Befestigung war so stark, daß sie sogar dem großen Germaneneinfall im Jahr 355 n. Chr. standhielt.

Auch wenn die Stadt im 2. Weltkrieg durch die Kämpfe um die Brücke von Remagen fast vollständig zerstört wurde, sind an vielen Orten im Stadtgebiet römische Spuren erhalten geblieben, so die Fundamente von Gebäuden, Wasserleitungen, Hypokausten und Gräberfelder.

Viele römische Funde aus Rigomagus sind heute im Römischen Museum von Remagen ausgestellt, das sich in einer Kapelle oberhalb der Principia des Kastells befindet. Dieser alte Eingangsbereich zum Stabsgebäude des Kastells wurde in das Untergeschoß des kleinen Museums integriert.

Die romanisch-gotische Kirche der Stadt wurde in der Nordwestecke des römischen Kastells errichtet. Ihr Kirchturm steht wahrscheinlich auf den Resten eines römischen Festungsturms. Unter ihr sind noch Mauerfundamente zu finden und die typischen römischen Quader des Kastells wurden auch zum Bau der Kirchenbefestigung verwendet. Im Jahr 1900 wurden bei Ausschachtungsarbeiten zu einem Erweiterungsbau der Kirche Reste einer Palisade gefunden.

Das ursprüngliche Mauerwerk, das man unterhalb der Kirche entdeckte, hatte eine Länge von 28,50 Metern, eine Breite von 2,65 Meter und eine Höhe von 5,50 Meter. Da diese Mauer aus Schiefer und Mörtel aus Rheinkies bestand, war sie so hart und stabil, daß große Teile erhalten blieben und selbst mit heutiger Technik nicht zerstört werden können. Das Fundament der Mauer bestand aus Tuffsteinblöcken, die aus der nahen Vulkaneifel stammten (möglicherweise aus dem Römerbergwerk Meurin). Teile des römischen Mauerwerks sind immer noch sichtbar, im oberen Teil wurde es allerdings durch eine mittelalterliche Mauer überbaut.

Ein Blick auf das römische Mauerwerk unter der Kirche von der Deichstraße aus

Ein Blick auf das römische Mauerwerk unter der Kirche von der Deichstraße aus

Neben diesen römischen Fundamenten, die in „Fenstern der Geschichte“ besichtigt werden können, befinden sich in der Eingangshalle der Kirche zwei Jupiter-Weihealtäre für Jupiter Optimus Maximus (IOM) und den Genius Loci. Diese beiden Altäre wurden im Jahr 1969 beim Einbau einer Heizungsanlage unter dem Boden der Kirche gefunden. Sie wurden von zwei Benefiziariern (die im römischen Reich eine Art Polizeifunktion innehatten) gestiftet, als sie an die Wachstation in Rigomagus abkommandiert wurden. Ihre Namen waren Sextus Senius Secundinus, Soldat der I. Legion aus Bonna und Consularis Titus Farfenna Ianuarius, Hauptmann der XXXV. Legion. Warum er als Hauptmann zu einer Polizeistation in der Provinz abkommandiert wurde, die normalerweise von Soldaten niederen Ranges besetzt wurden, ist unbekannt.

Weitere Weihesteine, die im Römischen Museum der Stadt stehen, deuten darauf hin, daß Remagen zu römischer Zeit auch ein wichtiger Rheinhafen war. Hier verkehrten die Schiffe bis zum Großkastell bei Xanten und transportierten auch die wichtigen Tuffsteine aus der Vulkaneifel, die im Hafen Andernach eingeladen wurden und rheinauf- und rheinabwärts überall für römische Bauwerke verwendet wurden. Auch die Mendiger Mühlsteine waren ein Exportschlager, der über den Rhein bis in die entlegendsten Winkel des Reichs transportiert wurden, so daß Remagen ein wichtiger Zwischenposten vor Bonn, Köln, Neuss und Xanten war.

Beschreibung:

Leider läßt die Beschriftung stark zu wünschen übrig

Leider läßt die Beschriftung stark zu wünschen übrig

Die Pfarrkirche von Remagen liegt inmitten der historischen Altstadt. An der Deichstraße, die zum Rhein hinab führt, befinden sich im Fundament der Kirche, gut von der Straße aus zu sehen, zwei Bögen, unter denen das römische Fundament des Kastells unterhalb der Kirche zu besichtigen ist. Sehr knapp gehaltene Hinweistafeln älteren Datums weisen auf den römischen Ursprung der Steinmauern hin. Informative Tafeln mit Hintergrundinformationen sucht man jedoch leider vergebens.

Die Pfarrkirche selbst hat mehrere Eingänge. Neben dem Haupteingang befindet sich ein rätselhaftes romanisches Portal, das ursprünglich in keinem Zusammenhang mit der Kirche stand und dessen Herkunft und genaue Bedeutung bis heute nicht geklärt ist. Auch wenn es keine antik-römische Sehenswürdigkeit ist, so ist dieses interessante Portal trotzdem einen genauen Blick wert. Es gilt zudem als außergewöhnliches Beispiel mittelalterlicher Steinmetzkunst.

Die beiden Jupiter-Weihealtäre in der Kirche

Die beiden Jupiter-Weihealtäre in der Kirche

Im Inneren der Kirche, im Eingangsbereich eines Nebeneingangs, stehen die zwei Weihealtäre für Jupiter und den Genius Loci. Sie wurden bewußt wieder in die Kirche zurückgebracht und dort aufgestellt, da man davon ausging, daß sich an dieser Stelle ursprünglich ein dem Gott Jupiter geweihter Ort befunden hat und die Altäre deswegen hier ihren Platz haben. Eine ungewöhnliche, aber gleichzeitig erfreuliche Einstellung.

Leider ist die Präsentation der Jupiteraltäre sehr dürftig. Sie stehen zwar an prominenter Stelle im Eingangsbereich und auf Knopfdruck kann man auch das Licht in diesem Bereich anschalten, um sie besser betrachten zu können. Allerdings gibt es keinerlei Hinweistafeln oder Informationen über die Geschichte der Steine und den Inhalt der Weiheinschriften. Die Schrift auf dem linken Stein ist stark verwittert, während die Schrift auf dem rechten Stein mit roter Farbe nachgezogen wurde und deswegen besser zu lesen ist. Hier wäre ein kleines Informationsschild oder zumindest ein Flyer, in dem die Übersetzung der Inschriften und die Herkunft der Steine erklärt, sehr wünschenswert und auch eine gute Ergänzung zum direkt um die Ecke gelegenen Römischen Museum, in dem die übrigen Fundstücke und Weihealtäre aus dem Kastell aufbewahrt werden.

Öffnungszeiten und Zugänglichkeit:

Römisches Mauerwerk

Römisches Mauerwerk

Da sich die Fundamente außerhalb des Kirchengebäudes an der Straße befinden, können sie jederzeit besichtigt werden.

Die Jupiteraltäre können nur zu den Öffnungszeiten der Kirche besucht werden. Da es sich um eine katholische Kirche handelt, ist sie meist von morgens bis abends geöffnet (genaue Zeiten sind nicht bekannt, aber wir haben sie tagsüber noch nicht verschlossen vorgefunden). Gottesdienst ist Sonntags um 11 Uhr, so daß man zu dieser Zeit von touristischen Besuchen Abstand nehmen sollte. Ansonsten ist der Bereich während der Öffnungszeiten frei zugänglich und es ist in der Regel außerhalb des Gottesdiensts auch nicht sehr voll.

Eintrittspreise werden nicht erhoben.

Sonstiges:

Fotografieren der Altäre ist erlaubt.

Oft hat man die Kirche ganz für sich allein, inbesondere in dem etwas abseits gelegenen Nebeneingangsbereich, da sich Betende und Kirchenbesucher meist im Hauptschiff aufhalten. So ist man im Seitenbereich meistens ungestört und es stellt kein Problem dar, wenn man ein kurzes Gebet an Jupiter und den Genius Loci richten möchte. Auch ist das Berühren der Steine möglich.

Die Pfarrkirche von Remagen

Die Pfarrkirche von Remagen

Allerdings sollte von aufwendigen Opfergaben, Zeremonien, Räucherungen etc. abgesehen werden, da man sich nach wie vor in einer Kirche aufhält, die zudem in einer ländlichen Region liegt, mit vielen älteren Besuchern, bei denen so etwas zu Irritationen führen würde – schließlich wollen wir die Altäre an ihrer Position erhalten und nicht durch heidnisches Gebaren dafür sorgen, daß sie eines Tages im Fundus eines Museums verschwinden, wo man sie nicht mehr besuchen und berühren kann. Auch sollten die Steine geschont und deshalb nicht mit Kerzenwachs u.ä. bekleckert werden.

Eine Kleinigkeit, wie ein Münze, auf dem Altar abzulegen, ist unproblematisch.

Der Besuch der Kirche sollte idealerweise mit einem Besuch der übrigen römischen Stätten in Remagen verbunden werden. Das Römische Museum ist auf jeden Fall einen Besuch wert, hierbei müssen jedoch die sehr begrenzten Öffnungszeiten beachtet werden (siehe unser Artikel zu diesem Museum).

Auch gibt es in der Stadt eine rekonstruierte Kastellmauer mit einer Infotafel und Auflistung bekannter römischer Bewohner des Kastells, sowie eine Hypokaustenanlage unterhalb des Caracciola-Gedenkzimmers. Dieser Keller ist jedoch nur im Rahmen einer Stadtführung zu besichtigen, da er ansonsten abgeschlossen ist.

Die Stadtführungen, die regelmäßig durch die Touristeninformation angeboten werden, sind ebenfalls sehr empfehlenswert, da Remagen neben der römischen Geschichte auch weitere interessante Touristenattraktionen wie die Stationen der Familie Caracciola, den Apollinariskeller und mittelalterliche Bauten zu bieten hat. Auch das Apollinariskloster und das Brückenmuseum zur Schlacht um Remagen sind sehenswert.

Antike Stätten: Römischer Tempelbezirk Tawern

 

Tempelbezirk Tawern

Tempelbezirk Tawern

Anschrift

Der Tempel liegt auf einer Anhöhe im Wald oberhalb von Tawern. Keine postalische Anschrift.

Anfahrt

Der Tempelkomplex liegt auf dem Metzenberg und ist nur zu Fuß auf einer etwa 20-minütigen Wanderung bergauf durch den Wald zu erreichen.

Am Ortsrand von Tawern (gesprochen: Tawérn, abgeleitet vom lateinischen Ortsnamen Tabernae) befindet sich in der Bergstraße ein kleiner Waldparkplatz. Der Weg zum Parkplatz ist mit auffälligen Hinweisschildern „Römischer Tempel“ im ganzen Ort ausgeschildert und eigentlich nicht zu verfehlen. Für das Navigationsgerät kann als zusätzliche Hilfe die Anschrift „Bergstraße“ eingegeben werden. Kurz vor dem Parkplatz befindet sich außerdem ein Schild, das auf den nahegelegenen Vicus von Tabernae verweist, der zu dem Tempelkomplex gehört und ebenfalls besucht werden sollte, wenn man schon einmal in der Gegend ist!

Wer die Wahl hat... schnell und steil oder lang und bequem?

Wer die Wahl hat… schnell und steil oder lang und bequem?

Am Waldparkplatz befindet sich eine etwas verwitterte Hinweistafel, die auf den Merkurtempel und die jeden Sonntag stattfindenden Führungen verweist.

Von dort aus folgt man zu Fuß der asphaltierten Straße den Berg hinauf. Nach einer Biegung teilt sich der Weg; hier hat der Wanderer die Wahl, ob er den (schnelleren, aber unwegsameren und steileren) Fußweg quer durch den Wald nehmen möchte, oder dem in Serpentinen verlaufenden, längeren geteerten Weg. Letzterer ist für Radfahrer, Gehbehinderte oder Reisende mit Kinderwagen zu empfehlen, da der Fußweg doch recht unwegsam ist, besonders bei feuchtem Wetter.

Mit dem öffentlichen Nahverkehr ist Tawern per Bus aus Trier über Konz zu erreichen. Von der Bushaltestelle in der Ortsmitte sind es noch etwa 30 Minuten Fußweg bis zum Tempel. Hier sollte man sich vorher gut über die Abfahrzeiten informieren, da der öffentliche Nahverkehr nur sporadisch fährt. Wir empfehlen eine Anreise mit dem Auto.

Hintergrundinformationen

Die römische Tempelanlage auf dem Metzenberg wurde in den Jahren 1986 bis 1987 vom Rheinischen Landesmuseum Trier ausgegraben und nach Abschluß der Grabungen zum Teil rekonstruiert, um dem Besucher eine Vorstellung vom Aussehen gallo-römischer Tempelanlagen in der gallischen Provinz zu ermöglichen und die Fundamente auf diese Weise zu konservieren. Die Fundstelle selbst war bereits seit 30 Jahren bekannt, konnte jedoch bis dahin nicht gedeutet werden.

Die Rekonstruktionen befinden sich auf den originalen Fundamenten.

Die Ausgrabungen ergaben, das der Tempel vom 1. Jahrhundert n. Chr. bis in das 4. Jahrhundert genutzt wurde. Im Jahre 392 n.Chr. wurde der Tempel, wahrscheinlich im Rahmen der Christianisierung, zerstört.

Der große Merkur-Umgangstempel ist das Herzstück des Tempelbezirks

Der große Merkur-Umgangstempel ist das Herzstück des Tempelbezirks

Er lag nahe der römischen Fernstraße von Rom über Marseille und Metz nach Trier. Dazu gehörte auch der zivile Vicus Tabernae, der – wie der lateinische Name andeutet – vor allem als Raststation für Fernreisende fungierte, denn er war von Trier aus gesehen die erste Raststation an der Fernstraße.

Der Tempel lag zu dieser Zeit noch nicht im tiefen Wald, sondern die Aussicht vom unbewaldeten Metzenberg reichte bei klarem Wetter bis in das Moseltal und das ferne Trier, die Kaiserstadt Augusta Treverorum.

Eine Hauptfunktion, die den Tempelkomplex so beliebt bei Pilgern und Reisenden machte, lag darin, sich des Segens der Götter für die Reise zu vergewissern.

Der Tempelbezirk war ummauert; innerhalb der Mauern konnten sieben verschiedene Tempel unterschiedlichen Alters im terrassenförmig angelegten Gelände identifiziert werden. Die Eingänge weisen in Richtung des Tals.

Im 15 Meter tiefen und 1,05 x 1,05 Meter breiten, quadratischen Brunnen auf dem Gelände fand man zahlreiche Kultgegenstände und Münzen, architektonische Elemente, fast vollständig erhaltene Krüge und Tonfiguren, Statuen und Reliefs, die aufgrund der zeitlichen Schichtung im Brunnenschacht eine sehr genaue Datierung und Rekonstruktion des Tempelbetriebs ermöglichten. Es wird angenommen, daß die Gegenstände von den Gegnern des heidnischen Kults in den Brunnen geworfen wurden, was sich für die Archäologen als Glücksfall erwies.

Im Brunnen versenkt: Ein Relief der Göttin Epona, Schutzherrin der Pferde

Im Brunnen versenkt: Ein Relief der Göttin Epona, Schutzherrin der Pferde

Zu den wichtigsten Funden gehörte ein etwas überlebensgroßer Kopf des Gottes Merkur, der hier vor allem wegen seiner Funktion als Schutzgott der Reisenden als die Hauptgottheit des Tempelkomplexes eingestuft wurde.

Außerdem fanden sich Reliefs der in Gallien bei den Treverern sehr beliebten Göttin Epona, Weiheinschriften für Merkur und Apollo sowie ein Relief von Isis und Serapis, deren exotischer Kult hier ebenfalls geschätzt wurde. Das belegt auch der Fund eines kleines Mosaiksteins mit einer Ibis-Malerei im nahen Tabernae.

Ebenfalls ungewöhnlich sind zwei 15,5 cm große, wahrscheinlich in der heutigen Türkei hergestellte Tonfiguren der Göttin Artemis Ephesia, die an zwei Stellen im Bezirk gefunden wurden und wohl als Weihegaben von einem Händler mit hierher gebracht wurden. Alle Original-Funde befinden sich heute im Rheinischen Landesmuseum Trier.

Die Weiheinschriften belegen, daß es sich bei dem Haupttempel um einen Merkurtempel handelte. Die Inschrift des ältesten Tempels lautete:

MER[CVRIO AEDICVLA]M
GRATVS [ . . F . V.S.L]M. (votum solvit libens merito)

Übersetzung:

Dem Gott Merkur (weiht) diesen Tempel
Gratus [Sohn des . . .], er hat sein Gelübde gern entsprechend dem Verdienst eingelöst.

Später wurde dieser Inschrift eine weitere hinzugefügt, die auf den Bau des Brunnens Bezug nimmt:

CERATIVS PRIMVS
GRATI LIB. (Libertus)
CATENARIA CUM ULlA LIB[ERTAE] II
V.S.L.M. (votum solverunt libens merito)
PVTEVM CVM SVIS O[RNAMENTIS]

Ebenfalls im Brunnen gefunden: Relief von Isis und Serapis

Ebenfalls im Brunnen gefunden: Relief von Isis und Serapis

Übersetzung:

Aceratius Primus,
Freigelassener (Sklave) des Gratus (der die erste Inschrift gestiftet hatte!),
Catenaria mit Julia, zwei Freigelassene (Sklavinnen),
haben ihr Gelübde gern entsprechend dem Verdienst eingelöst (und)
diesen Brunnen mit seinen Ausrüstungsgegenständen (Ornamenten)… (gestiftet/repariert).

Heutzutage befindet sich am rekonstruierten Tempel ebenfalls eine Inschrift. Diese wurde von den leitenden Archäologen, Dr. Sabine Faust und Dr. Karl-Josef Gilles, nach römischer Sitte gestaltet:

DEO MERCVRIO
TEMPLVM SABINA EFOSSVM ET
C AEGIDIO REAEDIFICATVM
HENDRICE ET TEXTORE
PRAEFECTIS KAL AVG MCMLXXXIX

Übersetzung:

Dem Gott Merkur (geweiht)
Der Tempel wurde von Sabina (= Dr. Sabine Faust) ausgegraben und
von Carolus Aegidius (= Dr. Karl-Josef Gilles) wieder aufgebaut,
als Hendricks und Weber (Textore) Bürgermeister waren, 1. August 1989.

In der Cella des Umgangstempels befindet sich eine rekonstruierte, 2,08 Meter große Merkurstatue

In der Cella des Umgangstempels befindet sich eine rekonstruierte, 2,08 Meter große Merkurstatue

Die zeitliche Einordnung der verschiedenen Nutzungsphasen des Tempels wurde durch über 1800 gefundene Münzen ermöglicht, die aus unterschiedlichen Prägestätten aus allen Ecken des Reichs stammen. Gleichzeitig ist der Prozentsatz einheimischer Münzen ungewöhnlich gering, was auf eine überwiegende Nutzung durch Fernreisende schließen läßt.

Die ältesten Münzen sind drei keltische Münzen sowie Münzen aus der Zeit von Kaiser Augustus. An den Stückzahlen der Münzen aus den unterschiedlichen folgenden Jahren sind mehrere Wellen besonderer Beliebtheit des Tempels zu identifizieren, bevor mit dem Verbot heidnischer Kulte im ausgehenden vierten Jahrhundert kaum noch Münzen vorhanden sind. Die jüngste Münze wurde um 392 geprägt.

Beim großen Merkurtempel handelt es sich um einen typisch gallo-römischen Umgangstempel mit einem säulengetragenem Umgang. Dabei bestanden die dreizehn toskanischen Säulen, die das Pultdach des Umgangs trugen, aus hiesigem Sandstein. Dieser Tempel ist 10,80 Meter lang und 9,80 Meter breit.

Unmittelbar vor dem Umgang befinden sich Abflußrinnen aus Sandstein, die noch im Original erhalten sind.

Als Besonderheit wurde das Innere des Umgangstempels, die Cella, in der Rekonstruktion nach römischem Vorbild gestaltet. Die Wände sind – basierend auf Farbfunden in Putzresten – bunt bemalt, zudem wurde aus dem im Brunnen gefundenen Kopf eine mit 2,08 Metern überlebensgroße Merkurstatue rekonstruiert, die ebenfalls nach römischem Brauch komplett bemalt ist, wobei Farben und Pigmente verwendet wurden, die es schon in der Antike gab.

Beschreibung

Der Tempelkomplex oberhalb von Tawern ist allein deswegen, weil er fast vollständig an Ort und Stelle auf den alten Fundamenten rekonstruiert wurde, einzigartig.

Am Eingang zum Bezirk befinden sich Informationstafeln

Am Eingang zum Bezirk befinden sich Informationstafeln

Das Gelände ist von einer Mauer umgeben; ein neuer Eingang befindet sich direkt am Wanderweg. Hier sind auch zwei Informationstafeln aufgestellt; eine ältere Tafel, die über die Grabung und den Grundriss der Gebäude informiert sowie eine neuere Tafel des „Straßen der Römer“ Projektes, die Hintergrundinformationen über die Nutzung des Tempelkomplexes in römischer Zeit vermittelt.

Der originale Eingang in Richtung des Tals ist ebenfalls erhalten, so daß man den Tempelbezirk auch durch den „echten“ Eingang betreten kann.

Die einzelnen Gebäude sind auf Terrassen unterschiedlicher Höhe errichtet. Am Eingangsbereich empfängt den Besucher eine Jupitersäule, auf deren Sockel unter anderem der Gott Hercules abgebildet ist.

Alle Gebäude sind mit dezenten schwarzen Plaketten beschriftet, aus denen ihre Funktion hervorgeht.

Ablegen von Opfergaben auf dem Altar vor dem Merkurtempel

Ablegen von Opfergaben auf dem Altar vor dem Merkurtempel

Den Hauptteil des Tempels nimmt der große Merkur-Umgangstempel ein. Die Cella kann nach keltisch-römischem Brauch umgangen werden. In der bunt bemalten Cella befindet sich auf einem Sockel die bunte Staue des Gottes Merkur. Sie zu bemalen und nicht nach (modernem) Geschmacksempfinden weiß zu lassen, war eine gute Entscheidung des Vereins Römisches Tawern e.V., der die Tempelanlage betreut. So wird der verbreiteten Ansicht, im alten Rom seien alle Statuen und Monumente schneeweiß gewesen (wie man es von Statuen seit der Renaissance kennt), eine realistische Darstellung nach römischem Geschmack entgegengestellt (wie man es auch bei „Im Reich der Schatten“ im Landesmuseum Trier erleben kann, wo Grabmonumente durch Projektionen in buntesten Farben zum Leben erweckt werden). Bei der Rekonstruktion und Bemalung wurde darauf geachtet, Techniken und Farben zu verwenden, die schon zu römischer Zeit genutzt wurden. Auf den ersten Blick ist ein so bunter Merkur sicher ungewohnt für moderne Augen, aber aus pädagogischer und ästhetischer Sicht eine sehr gute Entscheidung.

Die Cella ist abgeschlossen, was wegen leider immer wieder stattfindender Vandalisierungen notwendig geworden war (so wurde Merkur erst im Dezember 2013 bei einem Einbruch der Caduceus entwendet und zerstört). Auch wurde im Innenraum des Tempels eine Videoüberwachungsanlage installiert, die aber so dezent ist, daß sie nicht zu sehen ist und auch nicht bei Kulthandlungen stört.

Der Tempelkomplex ist weitläufig und gepflegt. Vor dem Merkurtempel steht ein Weihealtar, der zum Ablegen von Opfergaben genutzt werden kann.

Auch der Brunnen wurde rekonstruiert

Auch der Brunnen wurde rekonstruiert

In einem benachbarten Tempelgebäude befinden sich, ebenfalls hinter Gittern, Repliken einiger im Brunnen gefundener Reliefs, wie dem Bildnis für Epona, sowie dem Relief von Isis und Serapis, sowie einige Keramiken.

Eine Schatzkammer im hinteren Teil des Tempelgeländes, die ursprünglich zur Aufbewahrung besonders wertvoller Kultgegenstände diente, wird zur Zeit offensichtlich als Lagerraum für Sammelsurium aller Art genutzt, so befindet sich dort eine römische Legionärsrüstung, ein Streitwagen, aber auch allerlei Zeug, das offenbar für dörfliche Brauchtumsveranstaltungen genutzt wird. Das wirkt etwas merkwürdig und stört das ansonsten einheitliche Bild.

Auch der Brunnen wurde rekonstruiert. Hier befindet sich eine Vorrichtung, in die man Münzen einwerfen kann und wodurch (angeblich) das Licht im Brunnen angeht und Wasser läuft. Das funktionierte bei uns aber leider nicht, so daß wir schließlich nach dem römischen Brauch des Münzwurfs direkt Geld durch das Abdeckgitter in den Brunnen warfen, um bei Merkur um eine Vermehrung des Geldes zu bitten.

Öffnungszeiten, Eintrittspreise, Führungen

Im Umgang des Umgangstempels. Umschreiten ist nach gallo-römischer Sitte möglich

Im Umgang des Umgangstempels. Umschreiten ist nach gallo-römischer Sitte möglich

Der Tempelbezirk ist nicht abgeschlossen und deswegen rund um die Uhr begehbar.

Der Eintritt ist frei.

Führungen bietet der Verein Römisches Tawern e.V. jeden Sonntag (Mai bis Oktober) von 14:30 bis 16:30 an, wo jeweils ein Mitglied des Vereins zum Tempel kommt und interessierte Besucher herumführt. Die Teilnahme an einer solchen Führung kostet für Erwachsene 2€, für Kinder 1€. Eine Voranmeldung ist nicht nötig.

Sonstiges

Es gibt diverse archäologische Schriften, die sich mit dem Tempelbezirk Tawern befassen. Unter anderem sind dies: „Römische Kulturdenkmäler in Tawern: der römische Vicus tabernae und der Tempelbezirk auf dem Metzenberg“, „2000 Jahre Tawern: Eine Chronik mit ausführlichen Informationen über die Geschichte Tawerns“ sowie „Funde und Ausgrabungen im Bezirk 34, Trier“ mit 3 wichtigen Beiträgen die Ausgrabungen, unter anderem über den Kopf der Merkurstatue. Diese Schriften sind bei Führungen, bei Familie Michel in der Brunnenstraße 11, sowie in der örtlichen Bäckerei und Metzgerei in der Römerstraße erhältlich!

Fotografieren ist uneingeschränkt erlaubt.

Die Aussicht vom einst unbewaldeten Metzenberg reichte an guten Tagen bis nach Trier

Die Aussicht vom einst unbewaldeten Metzenberg reichte an guten Tagen bis nach Trier

Der Tempel ist zwar jederzeit frei begehbar, liegt allerdings so tief im Wald, daß ein nächtliches Aufsuchen eine gewisse Logistik erfordert. Anwohner, die sich durch Aktivitäten gestört fühlen könnten, gibt es nicht, allerdings legt der Verein Römisches Tawern e.V. – zu Recht! – sehr viel Wert darauf, daß der Tempelbezirk geschont und pfleglich behandelt wird. Von der Durchführung wilder neuheidnischer Rituale mit Trommeln und Feuer machen, wie z.B. bei Wicca üblich, sollte abgesehen werden. Auch ist man sehr empfindlich gegenüber Vandalismus und die oft unschönen Hinterlassenschaften diverser Gruppierungen haben in dieser Tempelanlage nichts zu suchen.

Gegen ein dezentes römisches Opfer an Merkur oder die anderen hier verehrten Götter durch den römischen Cultor, sowie das Ablegen von Opfergaben auf dem Weihealtar vor dem Haupttempel hat aber niemand etwas einzuwenden.

Das Befahren des Tempelgeländes mit Fahrrädern ist verboten.

Weiterführende Informationen