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Kultpraxis: Götterstatuen und -figuren im römischen Cultus

Lararium mit Laren, Sirona und Mercurius

Lararium mit Laren, Sirona und Mercurius

Irgendwann ist es so weit: der römische Cultor entdeckt auf einem Römerfest, bei einem Replikenmacher oder in einem Museum die Replik einer Götterfigur, ein Relief oder eine Statue, die sich perfekt im Sacrarium oder Lararium machen würde!

Immer wieder geschieht es, daß wir solchen Gottheiten, die eine besondere Rolle in unserem privaten Cultus spielen, auf unseren Reisen durch das römische Reich begegnen – zum Beispiel in Form einer handgefertigten bronzenen Replik einer winzigen Mercurius-Larariumsfigur aus dem pfälzischen vicus Eisenberg bis hin zu Museumsrepliken lokaler oder überregional bedeutsamer Gottheiten (wie z.B. dem kleinen Matronen-Weihestein im Eifelzentrum Nettersheim, oder einer Figur der Sirona im Landesmuseum Trier) oder anderen Statuetten und Figuren.

Als römischer Cultor hat man neben dem Lararium, das das Kernelement des privaten Cultus, der Sacra Privata (auch Cultus Domesticus, also häuslicher Kult, genannt), bildet, meist noch einen oder mehrere persönliche „Hausgötter„, die man dem weiteren Kreis seiner Penaten zurechnet und in seinen Cultus integriert. Beispiele dafür sind Tutelargottheiten oder regionale (wie gallo-römische) Gottheiten, die in der Gegend eine wichtige Rolle spielen, in der man lebt, oder einige der „großen“ römischen Götter, denen man sich verbunden fühlt und die man in seinen persönlichen Cultus integrieren möchte.

Die Sacra Privata war schon in römischer Zeit, wie der Begriff nahelegt, Privatsache, in die der Staat sich nicht einmischte und für die es keine allgemeinverbindlichen Regeln, Vorschriften oder Verpflichtungen gab. Welchen Cultus man daheim praktizierte, welche Götter im persönlichen Leben eine Rolle spielten, war nicht geregelt und stand jedem frei. Lediglich der öffentliche Staatskult war durch feste Vorschriften reglementiert und von allen Einwohnern zu akzeptieren, da er Garant für die Einheit und den Frieden des Römischen Reichs mit den Göttern – und für ihre Schutzgewährung war, den Pax Deorum.

So lange man in seiner privaten Praxis nichts tat, was dem Staatskult zuwiderlief oder diesen gar ablehnte, war man frei darin, welche Götter man daheim verehrte und welche Praktiken man vollzog. Ausnahmen bildeten Praktiken, die gegen Gesetze verstießen, wie Menschenopfer, oder Magie, Schadenszauber und Verfluchungen (wie man es z.B. aus dem Kybele-Kult kennt), die in der Geschichte zeitweilig ebenfalls strafbar waren, weil sie die öffentliche Ordnung gefährdeten oder Kulte, deren Praktiken ebenfalls als Ordnungsstörung galten, wie der zeitweilig verbotene orgiastische Bacchus-Kult.

Es sprach theoretisch nicht einmal etwas dagegen, im heimischen Lararium eine Statue von Jesus Christus aufzustellen (Kaiser Alexander Severus soll dies getan haben), so lange man nicht mit seiner Ansicht an die Öffentlichkeit trat, daß der „eine Gott“ der einzig wahre sei und die römischen Götter nicht existierten und man sich weigerte, am Staats- und Kaiserkult teilzunehmen – denn auch das gefährdete den Pax Deorum.

Unser Artikel zu diesem Thema beschäftigt sich mit folgenden Fragen:

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Anleitung für die Einrichtung eines Larariums

Der beste und einfachste Einstieg in den Cultus Deorum Romanorum ist es, sich als erstes ein Lararium zu bauen.

Das Lararium – der Hausschrein – ist der zentrale Kultort im Haushalt, an dem mit der Praxis ohne großen Aufwand begonnen werden kann. Außerdem bietet er einen stimmungsvollen Ort zum Fokussieren und Innehalten abseits des Alltags, besonders, wenn er optisch ansprechend gestaltet ist.

Wie aufwendig ist ein Lararium?

Einen eigenen, festen Ort im Haus zu haben, den man gezielt aufsucht, um sich der römischen Kultpraxis zu widmen, ist immer besser, als Kulthandlungen in einem profanen Zimmer durchzuführen, wo man die Utensilien für den Ritus gerade aus der Schublade nimmt und nach dem Gebrauch wieder zurückräumt. Dadurch versetzt man sich, wenn man sich dem Lararium für einen Ritus nähert, automatisch in die richtige Stimmung.

Natürlich müssen aber auch hier Konzessionen an die räumlichen Gegebenheiten gemacht werden (die pragmatischen Römer wären die letzten gewesen, die das in Abrede gestellt hätten) – wer nur ein winziges Zimmer in einem Studentenwohnheim hat, in dem jeder freie Meter Wand mit Büchern vollgestellt ist, hat natürlich nicht so viel Platz für einen eigenen Altar wie jemand, der eine ganze Wohnung oder ein Haus zur Verfügung hat. Auch ist ein Larenschrein nicht portabel, so daß Kompromisse gemacht werden können, wenn man sich auf Reisen befindet.

Aufwendiges Lararium aus Pompeji mit Altar und Nische für Figuren

Aufwendiges Lararium aus Pompeji mit Altar und Nische für Figuren

Der durchschnittliche römische Stadtbewohner war auch nicht der aus dem Fernsehen bekannte Klischee-Römer mit Toga, der in einer luxuriösen Villa mit eigener Therme, Sklaven, Liegen und Fußbodenheizung lebte. Tatsächlich wohnte die Mehrheit der Stadtbevölkerung in beengten Wohnverhältnissen in mehrstöckigen, düsteren und oft überbelegten Mietskasernen inmitten der lauten und engen Viertel des einfachen Volkes oder in einfachen,teils primitiven Verhältnissen auf dem Land. Riesige Lararien, wie man sie aus den Villen von Pompeji oder Landgütern (Villa rustica) überall in Europa kennt, dürften nur die wenigsten Römer besessen haben. Beim normalen Durchschnittsbürger erfüllte diesen Zweck eine extra dafür gebaute Nische in der Wand, ein kleiner Tisch oder ein Regalbrett.

Deswegen muß das Lararium auch nicht gleich die Ausmaße eines Jupitertempels auf dem Forum Romanum haben und protzig gestaltet sein – wichtiger ist vielmehr, daß der Ort für die Kultpraxis reserviert ist und nicht auch noch multifunktional für Geschäfte des Alltags dient.

Gibt es einen bestimmten Ort, an den ich das Lararium stellen muß und ist der Ort danach für alltägliche Dinge tabu?

Im Römischen Reich war ein Lararium ein Ort, an dem die Laren und Penaten zu finden waren, wo sich die Ahnen, der Genius loci (der Schutzgeist des Ortes) und andere gute Haus- und Schutzgeister aufhielten und an dem manchmal sogar ein Gott vorbeischaute, wenn man ihn in seine Kultpraxis einschloß (Götter gelten jedoch nicht als omnipräsent und werden deshalb nicht als dauerhafte Präsenz im Hausschrein angesehen, sie kommen und gehen, wie es ihnen beliebt).

Römer liebten Räucherungen, so daß im Lararium durchaus den ganzen Tag über Räucherwerk glimmen konnte. Auch standen dort Kerzen oder Öllampen, die man gerne brennen ließ, wenn man sich im gleichen Raum befand. Dort lagen Opfergaben, die auch für den Menschen nutzbar waren, so zum Beispiel Obst oder Süßigkeiten, von denen man essen konnte, oder Geld, das man für Mercurius dorthin stellte, damit es sich mehrte, von dem man aber bei Bedarf auch einige Münzen nehmen konnte, wenn man sie gerade brauchte.

Ein römisches Lararium mit Genius, Opferszene, Laren und zwei Schlangen

Ein römisches Lararium mit Genius, Opferszene, Laren und zwei Schlangen

Das Lararium war also gleichzeitig ein besonderer Ort, an dem man der Ahnen, der Götter und Hausgeister gedachte und der eine besondere Atmosphäre ausstrahlen sollte, der aber gleichzeitig integriert in den Alltag und das Leben war und nicht ein heiliger, unberührbarer Ort, dem man sich nur mit gesenktem Blick nähern durfte und der ansonsten toter Raum war.

Es war auch durchaus nicht unüblich, mehrere Lararien zu haben (wobei unklar ist, ob es sich bei weiteren Lararia nicht auch um Sacraria, d.h. Schreine, die einer oder mehreren Gottheiten gewidmet sind, gehandelt hat, da die Übergänge fließend sind und Vermischung stattfanden). Eines, ein repräsentatives und für Besucher sichtbares, befand sich bei wohlhabenden Römern oft in öffentlichen Teilen ihres Hauses, wie im Eingangsbereich oder Empfangsraum. Daneben gab es oft auch Lararien in privaten Räumen wie Schlafzimmern oder in der Nähe des Herdes, die man für private Zwiesprache nutzte.

In Rasthöfen entlang der großen Verbindungsstraßen quer durch das Reich gab es auch spezielle Nischen, in die Übernachtungsgäste ihre mitgebrachten Figuren stellen konnten, so lange sie im Rasthof weilten, denn es war auch üblich, seine bevorzugten Götter, kleine Tonfiguren seiner Ahnen oder andere Gegenstände in einem kleinen Stoffbeutel – quasi als mobiler Altar – mitzuführen.

Kann ich am Lararium auch Götter verehren und ihre Bilder oder Statuen dort aufstellen?

Das Lararium als Hausschrein kann auch zur Verehrung anderer Götter verwendet werden, zu denen man eine besondere Beziehung hat. Riten für die Laren und Penaten können auch mit Riten für andere Götter kombiniert werden, oder getrennt voneinander abgehalten werden.

Ein Römer bezog allerdings nur wenige ausgewählte Götter in seinen privaten Cultus mit ein und errichtete oft für diesen einen eigenen Ort der Verehrung (Sacrarium). Es handelte sich dabei meist um Gottheiten, die ihm besonders nahe standen und wichtig waren oder etwas mit seinem Beruf oder seinen Lebensumständen zu tun hatten, oder die ihm in einer bestimmten Situation besonders geholfen hatten. Alle möglichen Götterbilder in seinem Haus aufzustellen und jedem möglichen Gott zu huldigen und Schreine zu errichten, war unüblich.

Bei ausreichend Platz ist zu überlegen, ob man für die Götter und Göttinnen, die man in seinen privaten Cultus integrieren möchte, nicht ein eigenes Sacrarium (d.h. einen eigenen Schrein oder Ort der Verehrung) anlegt – der Vorteil liegt darin, daß man damit viel mehr auf die spezifischen Anforderungen für die jeweilige Gottheit eingehen kann, die sich in Attributen, Opfergaben, Räucherungen oder Ritus unterscheiden können. Außerdem ist es dann im Lararium unter Umständen nicht so gedrängt und  man kann allen, die Teil der eigenen Praxis sind, besser gerecht werden. Ist der Platz eingeschränkt, ist hier jedoch Pragmatismus gefragt. Es ist immer schöner, mehrere Kultorte für verschiedene Zwecke zu haben, aber im Zweifelsfall ist es besser, einen zu haben – anstatt keinen.

Lararium aus Pompeji. Das Bild ist sehr gut als Altarbild geeignet, wenn man keine Larenfiguren hat

Lararium aus Pompeji. Das Bild ist sehr gut als Altarbild geeignet, wenn man keine Larenfiguren hat

Wichtig für den Anfänger ist jedoch eines: wenn man sich entscheidet, auch einen bestimmten Gott einzuschließen und von diesem z.B. Bilder oder eine Replik oder Statue aufstellt, so lädt man sich damit gleichzeitig die Verantwortung auf, daß man sich anschließend auch um diesen Gott „kümmern“ muß und Kulthandlungen für ihn durchführen muß.

Im römischen Kultus gilt: errichtet man einen Schrein für einen Gott, dann verpflichtet man sich damit automatisch, diesen Gott in seine Handlungen einzubeziehen. Seine Bildnisse aufzustellen und ihn danach zu ignorieren oder zu vernachlässigen, ist ungünstig und sorgt dafür, daß der Gott sich dann ebenfalls nicht an den Vertrag gebunden fühlt und keinerlei Veranlassung sieht, den Cultor bei einem Gesuch oder einer Bitte zu unterstützen.

Da die Kulthandlungen, abhängig von der Gottheit, recht aufwendig sein können, ist umso mehr Aufwand notwendig, je mehr Gottheiten man auf seinem Altar um sich schart.

Ist man als Einsteiger nun versucht, gleich alle „großen“ Götter und Göttinnen einzubeziehen und packt deswegen Bilder von Jupiter, Juno, Diana, Mars, Mercurius, Apollo, Neptun und wem auch immer auf den Altar, so muß man sich darüber im Klaren sein, daß jeder dieser Götter im Anschluß mit Aufmerksamkeit bedacht werden muß (mindestens an den Kalenden, Nonen und Iden) und eine persönliche Beziehung mit ihnen gepflegt wird. Das kann so zeitaufwendig werden, daß man sich vom Cultus abwendet, weil man (fälschlicherweise) der Meinung ist, er sei zu aufwendig und zeitintensiv.

Lararium im klassisch-römischen Stil

Lararium im klassisch-römischen Stil

Hinzu kommen die – idealerweise – täglichen Kulthandlungen für Laren und Penaten, in die immer auch die Götter Janus und Vesta einbezogen werden.

Sinnvoll ist es, klein anzufangen – nur mit den Laren und Penaten und einfachen, kurzen Kulthandlungen am Morgen (bei Bedarf auch oder nur am Abend), bei weniger Zeit nur an den Kalenden, Nonen und Iden.

Wenn man schon eine besondere Beziehung zu einem besonderen Gott hat, so ist es in Ordnung, auch ihn in das Lararium einzubinden und ihn jeden Tag gemeinsam mit den Laren, zumindest mit einem kurzen Trankopfer, zu begrüßen, auch wenn man gerade kein Anliegen hat. Es besteht aber überhaupt keine Notwendigkeit oder Verpflichtung, sich sofort allen möglichen Göttern und Göttinnen zu verschreiben und diese in die Praxis zu integrieren. Mit der Zeit wird man von selbst herausfinden, welche Gottheit einen anspricht oder man wird das Bedürfnis entwickeln, einem bestimmten Gott einen besonderen, festen Platz einzurichten (das muß wie gesagt auch nicht im Lararium sein, sondern kann an einer anderen Stelle, in einem eigenen Schrein geschehen). Ein solcher Gott wird als „Tutelar“ bezeichnet. Aber das kommt automatisch und sollte nicht überstürzt werden.

Für den Anfang hat der angehende Cultor mehr als genug damit zu tun, Routine bei den täglichen Handlungen am Lararium zu erlangen und sich daran zu gewöhnen. Die Kulthandlungen sind aufwändig genug, dazu noch auf Latein, so daß es nur unnötig kompliziert ist, sich direkt auch in Rituale für alle möglichen Götter einzuarbeiten.

Gibt es Vorschriften, wie ein Lararium eingerichtet sein muß?

Wichtig ist, daß ein Lararium einige grundsätzliche Gegenstände enthält, die für die Kultpraxis notwendig sind.

Darüber hinaus sind die Möglichkeiten nach oben offen und der Dekorationsphantasie keine Grenzen gesetzt. Aber auch hier gilt: weniger ist mehr, damit ein Lararium nicht zu einem bunten und aufdringlichen Voodoo-Schrein verkommt.

Selbstgebautes Lararium im klassischen römischen Stil mit Sacrarium (links) und Caesarium (rechts)

Selbstgebautes Lararium im klassischen römischen Stil mit Sacrarium (links) und Caesareum (rechts)

Am Sinnvollsten, weil stimmungsvollsten, ist es, ihn im römischen Stil zu halten, auch wenn es natürlich in Ordnung ist, Lokalkolorit seiner Kultur und der Provinz, in der man lebt, hineinzubringen. Der gallische oder britannische Bürger, zum Beispiel, der den Cultus praktizierte, verwendete gerne statt einer Schale im mediterranen Stil eine Schale im keltischen Stil für seine Opfergaben, weil sie ihm gefiel und vertraut war. Gegenstände, die man persönlich besonders schön fand und von denen man glaubte, daß sie auch den Laren oder den Ahnen oder den Göttern gefallen könnten, wurden gerne zusätzlich in das Lararium gelegt, um auch diesen die Möglichkeit zu geben, sich daran zu erfreuen.

Abgesehen von den Standard-Objekten, die ein Lararium enthalten sollte, ist also der persönliche Geschmack und individuelle Stil hier vollkommen in Ordnung. Es gibt keine festen Anordnungsvorschriften, daß zum Beispiel die Patera (Opferschale) immer im 90 Grad-Winkel zum Räuchergefäß zu stehen hat. Die praktische Anordnung bleibt allein dem Cultor überlassen, obwohl eine gewisse Anordnung der Gegenstände allein aus praktischen Gründen schon Sinn macht (so daß man zum Beispiel nicht immer über eine brennende Lampe hinweg greifen muß).

Wo baue ich mein Lararium auf?

Den „einen“ Ort gibt es nicht, es ist immer abhängig von den individuellen Wohnverhältnissen und ob man ein Problem damit hat, Gästen und Besuchern einen römischen Hausalter zu zeigen (nicht jeder hat z.B. verständnisvolle Familienangehörige, die Sinn für heidnische Opfergaben haben).

Modernes Lararium mit klassisch-römischen Elementen

Modernes Lararium mit klassisch-römischen Elementen

Idealerweise steht das Lararium an einem prominenten Platz, mitten unter den Bewohnern, da davon ausgegangen wird, daß Ahnen und Hausgeister regen Anteil am Familienleben nehmen. Auch ist ein Lararium unter Umständen sehr dekorativ und es ist schön, in den Abendstunden darauf eine Kerze oder Öllampe brennen zu lassen und zu räuchern. Deshalb kann man, wenn der Platz es erlaubt, das Lararium durchaus im Wohn– oder Eßzimmer errichten. Das Eßzimmer hat noch den Vorteil, daß die Penaten – als Hüter über Speisekammer und Vorräte – beim Essen geehrt werden, während alles, was beim Essen auf den Boden fällt, als Opfergabe für die Laren gilt. Auch die Küche war in der Antike ein beliebter Platz, weil das Lararium dann in der Nähe des Herdes stand, mit dem die Penaten in enger Verbindung stehen. Da moderne Küchen in der Regel kein offenes Feuer mehr haben und auch eher zweckmäßig eingerichtet sind, würden wir heutzutage davon abraten und eher einen Raum aus dem Wohnbereich empfehlen.

Daneben ist es auch in Ordnung, das Lararium in seinem Schlafzimmer aufzustellen, wenn man entweder keinen Platz im Wohnbereich hat oder es lieber etwas privater mag. Zweite Lararien in Schlafzimmern waren auch nicht unüblich, so daß man durchaus auch beides errichten kann. Auch im Schlafzimmer kann das Räuchern und das Licht einer Öllampe für angenehme Atmosphäre sorgen.

Im Endeffekt spielt es keine Rolle, in welchem Raum man es errichtet, wichtiger ist, daß man es in einem gepflegten und sauberen Zustand hält und ihm genug Aufmerksamkeit widmet. Vom Aufstellen in einer Abstellkammer oder im Keller würden wir allerdings abraten, denn das könnte als Affront gegen die Hausgeister verstanden werden, die man nicht in seiner Mitte haben will und die man deswegen an einen abgelegenen Ort verbannt. Und niemand führt gerne Rituale in einer Abstellkammer durch, so daß abzusehen ist, daß man dieses Lararium nicht sonderlich oft aufsuchen wird.

Besser ist ein Ort, an dem man täglich vorbeigeht und auf den der Blick fällt. Wichtig ist auch, daß es nicht im Weg steht, so daß man versehentlich darüber stolpert und es umwirft.

Verwendet man ein Regalbrett innerhalb einer größeren Regalwand, ist es wichtig, darauf zu achten, daß die Höhe zum darüberliegenden Regalboden ausreichend ist, damit brennende Flammen nicht dagegen rußen oder es gar in Brand stecken können.

Welche Möbel sind geeignet?

Auch hier gilt: Pragmatismus geht vor Luxus oder festen Vorschriften.

Wer es sich leisten kann, einen Altar maßgefertigt als Replik aus Pompeji schreinern zu lassen und mit aufwendigen Wandmalereien und Wandnischen über das halbe Wohnzimmer zu errichten, oder einen Marmorblock zuschneiden zu lassen, der soll sich nicht davon abhalten lassen. Aber das ist unnötig, besonders am Anfang.

Die einfachste Methode ist ein Regalbrett an der Wand, das möglichst nur für diesen Zweck verwendet wird (also Radio, Bücher, Stifte und Schreibblöcke woanders hinräumen). Das eine Brett sollte nur für das Lararium verwendet werden, stabil angebracht sein (auch als Teil eines Wandregals möglich) und Platz genug für die grundlegenden Gegenstände liefern. Außerdem sollte es in erreichbarer Höhe sein, ideal ist Brust- bis Kopfhöhe.

Selbstgebackenes Opferbrot aus Salz, Mehl, Olivenöl und Honig

Selbstgebackenes Opferbrot aus Salz, Mehl, Olivenöl und Honig

Die zweite Möglichkeit ist ein eigenes Tischchen, wie ein Beistelltisch oder ein Nachttisch (in dessen Fächern und Schubladen man unter einem Tischtuch dann auch Gegenstände wie Blumenvase, Räucherwerk, Feuerzeug und andere Utensilien lagern kann). Die Fläche auf einer Kommode ist ebenfalls geeignet.

Römische Rituale werden im Stehen abgehalten, aber wenn es räumlich nicht möglich ist, eine so hohe Ablagefläche bereitzustellen, daß man bequem in Standhöhe damit interagieren kann, dann ist das eben so – wichtiger ist die Handlung selbst, als loszuziehen und sich sofort für viel Geld eine 1,50 m hohe Kommode zu kaufen. Für den Anfang tut es es jeder dafür ausgewählte Ort; Verbesserungen sind immer möglich und können nach und nach beschafft werden. Auch ein Lararium ist ein dauerhaftes Work-in-Progress – immer wieder wird man auf einem Fest oder einer Veranstaltung eine noch schönere Replik, eine noch passendere Schale finden und damit Stück für Stück austauschen. Das alles ist zu Beginn nicht so entscheidend. Natürlich ist es schön, gleich das perfekte Lararium mit original-römischen Repliken zu besitzen, aber die Praxis macht der Theorie da eben oft einen Strich durch die Rechnung. Es ist neben einer Raumfrage auch eine logistische und eine Kostenfrage.

Wer absolut gar keine Möglichkeit hat, ein Lararium dauerhaft aufgebaut zu lassen und es deshalb nur für die Dauer der Kulthandlungen errichtet und danach wieder forträumt, sollte zumindest die dafür verwendeten Gegenstände nur für diesen Zweck benutzen (also kein Küchengeschirr, auf dem man danach dann seine Zwiebeln schneidet oder ein Glas, aus dem man dann abends vor dem Fernseher sein Bier trinkt). Es müssen keine teuren Teller, Schalen oder anderen Gegenstände verwendet werden, sondern sie können durchaus einfacher Herkunft sein, aber sie sollten nicht auch für profane Zwecke verwendet werden.

Auf jeden Fall sollte versucht werden, das Lararium permanent aufgebaut zu lassen!

Welche Gegenstände gehören in ein Lararium?

  • Laren
Handgefertige Laren-Repliken sind natürlich ideal!

Handgefertige Laren-Repliken sind natürlich ideal!

Wie der Name schon sagt, das wichtigste sind die Laren.

Idealerweise hat man zwei Figuren tanzender Laren, die man in sein Lararium stellt. Leider sind diese sehr teuer in der Anschaffung, wenn man originale Repliken kaufen möchte (ein Bronzelar kostet um die 70€ aufwärts, Paare gibt es um die 120€). Laren aus einfacheren Materialien gibt es gelegentlich auch zu kaufen, sie sind aber selten und man muß die Augen offenhalten, zum Beispiel im Internet oder auf Veranstaltungen, bei denen römische Handwerker zu finden sind.

Wer handwerklich begabt ist, kann sich auch selbst Figuren herstellen, zum Beispiel töpfern oder aus einer anderen Formmasse herstellen.

Die preisgünstigere Alternative ist ein Bild von Laren. Hierbei können entweder Fotos von Figuren aufgestellt werden, oder, was wir persönlich stimmungsvoller finden, ein Wandgemälde eines römischen Larariums, auf dem neben den Laren auch die anderen Symbole – Genius und Schlange – abgebildet sind. Hier empfehlen wir vor allem eines der berühmten Lararien aus Pompeji, das eine sehr schöne Darstellung zeigt. Weitere Gemälde sind im Internet zu finden, hier entscheidet allein der persönliche Geschmack.

Figürliche Darstellungen sind natürlich vorzuziehen, aber eine Fotografie oder ein Gemälde sind günstige und auch ansprechende Alternativen. So kann man in Ruhe die Augen nach Figuren offenhalten und diese beizeiten anschaffen, es hat keine Eile.

  • Schlange
Eine alternative Schlange: ein Räuchergefäß aus Ton

Eine alternative Schlange: ein Räuchergefäß aus Ton

Ebenfalls in jedes Lararium gehört die Abbildung einer Schlange, die den Schutzgeist des Ortes, den genius loci symbolisiert. Schlangen gelten in der römischen Vorstellung als wohlwollende, sanfte Wesen, die Frieden und Wohlstand bringen.

Verwendet man ein römisches Gemälde eines Larariums, ist die Schlange meistens schon mit darauf abgebildet. Ansonsten tut es auch ein Bild einer Schlange (wobei eine römische Darstellung passender ist als ein Foto aus einem Biologiebuch) oder ein Gegenstand, der eine Schlange zeigt, wie das Schlangen-Räuchergefäß aus Ton auf dem Foto oder eine Schlangenfigur.

  • Turibulum = Räuchergefäß

Das Turibulum ist ein Gefäß, in dem es möglich ist, entweder ein Feuer zu entzünden oder glühende Kohle hineinzulegen. Es muß also feuerfest sein und auch an der Unterseite nicht so heiß werden, daß es die Tischdecke in Brand setzt.

Es sind viele moderne Weihrauchgefäße erhältlich, zum Beispiel in Geschäften für religiöses Zubehör wie Klostershops (Abtei Mariawald bei Heimbach oder Kloster Maria Laach am Laacher See sind gute Quellen für viele verschiedene Weihrauchsorten, Kohle, Zubehör und schöne Räuchergefäße). Auch im Internet findet man viele Anbieter von Räuchergefäßen.

Klassische Räuchergefäße wie diese gibt es zum Beispiel auf ebay

Klassische Räuchergefäße wie diese gibt es zum Beispiel auf ebay oder beim Esoterik-Zubehör

Die klassische Form ist eine auf drei Füßen stehende Keramik-, Ton-, Stein- oder Metallschale, in die Sand oder anderes nicht-brennbares Material gefüllt wird. Darauf legt man dann Kohle, die zum Glühen gebracht wird. Ist die Glut stark genug, wird darauf entweder Weihrauchharz platziert, um Rauch abzugeben, oder es können Dinge verbrannt werden wie Kräuter, Blumen und Pflanzenteile sowie kleine Stücke vom Essen (für das Verbrennen von Essen ist jedoch ein offenes Feuer praktischer).

Zu römischer Zeit gab es kein einheitliches Turibulum, es wurde verwendet, was Geldbeutel und Umgebung hergaben. Die Gefäße waren aus unterschiedlichem Material und konnten sowohl dekoriert als auch schlicht sein. Hier ist man völlig frei und kann seinen persönlichen Geschmack einbringen. Wer in keltischen oder afrikanischen Provinzen lebte, erhielt bei den ansässigen Handwerkern natürlich Ware mit Lokalkolorit. Wer hier geschmackliche Vorlieben hat, zum Beispiel den ägyptischen oder gallo-römischen Stil mag, kann sich problemlos in diese Richtungen orientieren.

  • Lucerna = Lampe

In jedes Lararium gehört eine Lucerna, das heißt eine Lampe mit einer offenen Feuerflamme, die Vesta symbolisiert. Das kann eine klassische römische Öllampe sein, die mit Olivenöl gefüllt wird. Repliken römischer Lampen mit allen möglichen Motiven sind in Replik-Shops und auf Römerfesten erhältlich. Hierbei reichen die Motive von weltlichen (sogar sexuellen) Motiven über Gladiatoren und Szenen aus dem Alltag, über Götterdarstellungen und Szenen aus der Mythologie bis hin zu abstrakten Mustern.

Öllampen-Repliken sind hier die erste Wahl

Öllampen-Repliken sind hier die erste Wahl

Deswegen sollte für jeden Geschmack etwas dabei sein (auch wenn die Wahl eines sexuellen Motivs vielleicht nicht unbedingt angemessen für ein Lararium ist, denn man kann sich vorstellen, daß man dabei mit seinen verstorbenen Großeltern spricht und nicht alle hatten Sinn für solche Dekorationen – falls doch, ist selbst das kein Problem, denn Laren, Penaten und römische Götter sind nicht lebensfeindlich und auch nicht durch christliche Sexualmoral beeinflußt). Generell mag ein religiöses Motiv oder ein Motiv mit Szenen aus römischer Kultur oder Mythologie unverfänglicher sein, auch im Hinblick auf mögliche Besucher.

Auch hier gilt: es muß keine original römische Replik einer Öllampe sein, aber diese Öllampen sind natürlich besonders gut geeignet, sie sind preiswert und ungiftig im Betrieb (Olivenöl) und geben eine perfekte Flamme sowie ein angenehmes Licht ab.

Es können auch moderne Lampen verwendet werden, wenn man keine Gelegenheit hat, römische Repliken zu kaufen oder moderne Lampen schöner findet, wichtiger als die Form des Gefäßes ist die offene Flamme (also keine flackernden Elektrobirnen). Wir persönlich bevorzugen allerdings klassische römische Öllampen.

Im übrigen können auf dem Lararium stattdessen auch Kerzen verwendet werden, die bereits die Römer kannten und auch verwendeten. Diese können sowohl zusätzlich als auch anstelle einer Lucerna im Ritual verwendet werden. Eine Öllampe ist natürlich optisch ansprechender, aber eine zusätzliche Kerze spendet auch mehr Licht und kann deshalb nicht schaden.

Zu Ritualen muß die Flamme stets entzündet werden, aber es war durchaus üblich, im Lararium dauerhaft eine Kerze oder Lampe brennen zu lassen, so daß man das ebenfalls tun kann (vorausgesetzt, man befindet sich im gleichen Raum, denn eine unbeaufsichtigte Kerze ist  ein Risiko, das man vermeiden sollte).

  • Patera = Opferschale

Die Opferschale ist ein fester Bestandteil des römischen Larariums. Darauf werden Teile des Essens oder andere Opfergaben gelegt.

Patera aus Terra Sigillata mit Opferbrot

Patera aus Terra Sigillata mit Opferbrot

Es gibt auch hier keine einheitliche Vorschrift, wie eine Patera aussehen muß. Üblich waren runde oder ovale Schalen aus unterschiedlichen Materialen, Ton, Keramik oder Metall. Die Schale muß nicht sehr groß und nicht sehr tief sein.

Darauf wird ein kleiner Anteil des Essens gelegt, als symbolische Geste, die Götter und Hausgeister an der Nahrung, die die Bewohner nährt und stärkt, teilhaben zu lassen. Hierbei wird nichts schnell vergängliches geopfert und es genügt auch, die Opfergaben für ein, zwei Stunden liegen zu lassen. Andere Quellen beschreiben, daß Nahrung von einem Essen bis zum nächsten liegen gelassen wurde. Die Schale wird, wenn sie nicht in Gebrauch ist, gereinigt, damit keine Essensreste darin zurückbleiben.

  • Accera = Weihrauchbehälter

Da viele Weihrauchsorten oder Kräuter ihr Aroma verlieren können, wenn sie an der Luft aufbewahrt werden, gehört auch ein Accera zur Larariumsausstattung. Er muß aber nicht unbedingt auf dem Lararium platziert werden, sondern kann auch darunter oder in einem Fach aufbewahrt werden.

Dabei handelt es sich um ein möglichst luftdicht verschließbares Gefäß zur Aufbewahrung von Räucherwerk aller Art. Für die Form gibt es keine Vorschriften, auch hier wurde genommen, was gefiel und zur Hand war. Das Gefäß kann aus jedem beliebigen Material sein, dekoriert oder schlicht, wichtig ist nur, daß es einen Deckel hat und verschließbar ist.

  • Räucherwerk

Räucherungen aller Art gehören unbedingt zum römischen Kultus und römischen Alltag dazu – Römer räucherten oft, gerne und viel.

Vor allem Klostershops verkaufen viele gute Weihrauchsorten

Vor allem Klostershops verkaufen viele gute Weihrauchsorten

Für die Kultpraxis am Lararium ist zu Beginn kein ausgefeiltes Sortiment notwendig. Es können handelsübliche Weihrauchmischungen verwendet werden oder, wenn es schnell gehen muß und man keine glühende Kohle benötigt, auch moderne vorgefertige Räucherkegel oder Räucherstäbchen (diese sind natürlich nicht original römisch, aber Pragmatismus ist dafür eine sehr römische Eigenschaft ;)). Für die alltäglichen Handlungen am Lararium genügt das voll und ganz.

Will man komplexere Kulthandlungen oder Rituale durchführen, hängt es von Inhalt und Ziel des Ritus ab, was und wie geräuchert wird. Einige Gottheiten verlangen nach ganz bestimmten Rauchopfern, zum Beispiel bestimmten Pflanzen oder Kräutern, die verbrannt oder verglüht werden. Hierbei muß man sich im Einzelfall informieren, welche Opfergaben angemessen sind und benötigt werden und sie dann für den speziellen Fall, zum Beispiel für ein Anliegen oder anläßlich eines Festtagsrituals, individuell beschaffen.

Für die Alltagsräucherung am Lararium ohne besonderes Ritual genügt eine Räucherung, die einem selbst vom Aroma her zusagt und angenehm erscheint. Dann ist davon auszugehen, daß sie auch den Laren, Penaten und etwaigen Schreingöttern gefällt.

Räucherungen müssen nicht auf Kulthandlungen beschränkt sein; es war durchaus üblich, den ganzen Tag zu räuchern, weil man das als angenehm und wohltuend empfand. So kann man, wenn man das Bedürfnis verspürt, auch außerhalb von Larariumsriten im Lararium eine Räucherung durchführen. Auch hier gilt: auf Brandgefahr durch herabfallende Glut achten und nur räuchern, wenn man sich im gleichen Raum befindet.

  • Salinum = Salzgefäß

Im Salinum wird reines Salz aufbewahrt, idealerweise kein industrielles, mit Rieselhilfe und Jod behandeltes Streusalz, sondern etwas gröberes Kristallsalz, wie man es auch in der Salzmühle verwendet. Hierbei ist es egal, ob es sich um Meersalz oder Salinensalz handelt.

Bei den Römern galt Salz als reinigendes Element, das von negativen Einflüssen schützte oder diese sogar beseitigte. Es wurde auch zur Behandlung von Krankheiten verwendet, da den Römern die antiseptischen Wirkungen in ihrer fortgeschrittenen Medizin sehr wohl bewußt waren. Salz spielte eine so wichtige Rolle, daß Legionäre zum Teil in Salz ausbezahlt wurden (daher der heutige Begriff „Salär“) und die Göttin Salus, die für die öffentliche Gesundheit zuständig war, nach dem lateinischen Wort für Salz benannt war.

Das Salinum kann aus jedem beliebigen Material sein, aber hier ist ebenfalls wichtig, daß es mit einem Deckel verschließbar ist, damit es nicht die Raumfeuchte in sich aufnimmt und zu klumpen beginnt. Ob das Gefäß dekoriert ist oder welche Form es hat, bleibt dem Cultor überlassen. Das Salinum muß ebenfalls nicht dauerhaft im Lararium stehen, sondern kann auch darunter oder in einem Fach verstaut werden und nur hervorgeholt werden, wenn man es benötigt.

Salz wird im Cultus zu Reinigungszwecken verwendet und insbesondere zur Herstellung von Mola Salsa, einer Mischung aus Mehl und Salz, die vielfältigen Einsatz in der römischen Religion fand. In Rom selbst wurde es für die großen Staatsopfer von den Vestalischen Jungfrauen hergestellt und unter anderem dazu verwendet, die Opfertiere vor der Schlachtung zu besprenkeln.

Außerdem kann Mola Salsa zu kleinen Opferbroten verarbeitet werden, indem Mehl, Salz, Wasser und Olivenöl zu einer teigigen Masse verknetet, zu flachen Fladen geformt und dann gebacken werden. Diese Brote kann man anschließend im Turibulum verbrennen oder als Opferbrot verwenden.

  • Gutus = Kanne oder Gießgefäß für Trankopfer
Diese Kannen sind nicht römisch, erfüllen für den Anfang aber wunderbar ihren Zweck

Diese Kannen sind nicht römisch, erfüllen für den Anfang aber wunderbar ihren Zweck

Am Lararium wird Wein geopfert (manche Gottheiten verlangen stattdessen Milch, abhängig vom Zweck und der angesprochenen Gottheit). Es wird aus einem Gefäß in die Opferschale gegossen, wobei auch hier die Form und das Material des Gutus dem eigenen Geschmack überlassen ist.

Verwendet werden können alle kannen- oder flaschenartigen Gefäße, die ein sauberes und tropffreies Ausgießen ermöglichen und die enthaltene Flüssigkeit gleichzeitig sauber von Verunreinigungen halten. Auch hier gilt: verwendet werden kann was gefällt, auch wenn natürlich ein Gutus im römischen Stil ansprechender ist als ein japanisches Sake-Kännchen aus Ton. Den Zweck erfüllen aber beide.

  • Optional: Ahnen

In der Antike war es üblich, die Totenmasken seiner verstorbenen Ahnen oder tönerne Figürchen der Ahnen in der Nähe des Larariums aufzubewahren und bei Bedarf (zu besonderen Festen) hervorzuholen.

Heutzutage ist es auch möglich und unter modernen Cultores verbreitet, Fotos von verstorbenen Familienmitgliedern in der Nähe des Larariums aufzuhängen oder sogar in das Lararium zu stellen, oder Gegenstände, die an einen Verstorbenen erinnern. Das ist jedoch kein Muß.

Wie pflege ich mein Lararium, muß ich etwas beachten, wenn ich es fertig eingerichtet habe?

Ist das Lararium fertig eingerichtet, so ist zu bedenken, daß es sich dabei nicht um ein Museumsstück oder Dekorationsobjekt handelt, das einzig dem Zweck dient, dem Raum römisches Flair zu verleihen.

Das Lararium wird mit Leben gefüllt, indem Laren und Penaten eingeladen werden, es zu beziehen. Idealerweise werden danach jeden Morgen und/oder jeden Abend kurze Larariumsriten abgehalten, mit denen man sich einerseits auf den Tag einstimmt und um Schutz und Erfolg für den Tag bittet und sich andererseits für den vergangenen Tag bedankt. Diese Riten sind nicht aufwendig und können in wenigen Minuten durchgeführt werden, so daß sie den Alltag nicht beeinträchtigen oder zu zeitaufwendig sind, um sie regelmäßig durchzuführen und deshalb zur Vernachlässigung der Praxis führen würden (wie z.B. tägliche Zen-Meditationen, die jeden Tag mindestens eine halbe Stunde verschlingen).

Kultpraxis im Ritus Romanus mit capite velato, d.h. mit verhülltem Haupt

Kultpraxis im Ritus Romanus mit capite velato, d.h. mit verhülltem Haupt

Hat man es wirklich eilig und am Morgen keine Zeit, so sollte man zumindest zu den Kalenden, Nonen und Iden die Larariumsriten durchführen. Für Anfänger empfiehlt sich jedoch eine tägliche Praxis (auch zuerst nur morgens, später mit Ausweitung auf abends), einfach um die Routine zu bekommen. Es ist für manche Neu-Cultisten gewöhnungsbedürftig, im Ritus Romanus (=mit Tuch bedecktem Haupt, capite velato) vor dem Altar zu stehen und Latein zu sprechen und je öfter man es macht, wenn möglichst immer zu einer bestimmten Zeit und mit einem festgelegten Ablauf, umso schneller geht es in Fleisch und Blut über. Nach einiger Zeit kann man die Anrufungsformeln und Handgriffe auswendig und die Riten sind schnell gemacht. Auch hier hilft Gewöhnung enorm und erleichtert auch den nächsten Schritt, wenn man sich einmal mit einem Anliegen an eine Gottheit wenden möchte oder einen aufwendigeren Ritus durchführen möchte. Ein kurzer täglicher Morgengruß ist auf jeden Fall ein sehr guter und empfehlenswerter Einstieg, der einen schnelleren Gewöhnungs- und Lerneffekt mit sich bringt als nur der Ritus an drei Tagen im Monat.

Es ist wichtig, dem Lararium Aufmerksamkeit zu schenken und es in seinen Alltag einzubeziehen, vielleicht auch, indem man darauf räuchert und eine Kerze oder Öllampe entzündet, wenn man im gleichen Raum sitzt. Es darf auf jeden Fall nicht ignoriert oder vernachlässigt werden – das ist die Verantwortung, die man auf sich nimmt, wenn man ein Lararium einrichtet. Fügt man Götterbildnisse hinzu oder errichtet Göttern gar eigene Schreine, ein Sacrarium, muß man diesen ebenfalls Aufmerksamkeit zukommen lassen.

Zum „nicht vernachlässigen“ gehört es auch, das Lararium immer sauber zu halten. Essensreste werden entfernt, Wein wird beim Eingießen möglichst nicht verschüttet.

Geopfertes Brot wird anschließend nicht in den Müll geworfen, sondern gegessen oder zerbröselt und für Vögel verstreut (da Vogelflug zu den wichtigsten Zeichen gehört, gehören beide Handlungen zueinander). Andere Speiseopfer können ebenfalls verzehrt werden. Pflanzen, Kräuter und abbaubare Opfergaben werden kompostiert oder zu Grünabfällen gegeben (wo sie ebenfalls kompostiert werden und damit zurück in die Erde und den Kreislauf wandern).

Wein wird entweder getrunken oder draußen auf die Erde gegeben, in ein Blumenbeet oder auf den Boden. Man kann auch einen Teil trinken und den Rest vergießen, wenn man keine ganze Schale trinken möchte. Er wird aber niemals in den Abfluß oder ins Waschbecken geschüttet! Wohnt man in einer Hochhaussiedlung ohne Grünflächen und mit neugierigen Nachbarn, muß man findig sein, wenn man ihn vergießen will – oder den Wein trinken.

Wenn man auf dem Lararium eine Tischdecke verwendet, so sollte diese gewaschen werden, wenn sie verschmutzt ist.

Krümel und Brandreste von Räucherungen, insbesondere Räucherstäbchen, sind zu entfernen. Das Lararium sollte immer so sauber und gepflegt sein wie am ersten Tag oder so „als ob die Großmutter zu Besuch kommt und mit kritischem Finger über den Tisch streicht“. Dann ist man auf dem besten Wege und kann sich sicher sein, niemanden zu verprellen.

Welche Riten führe ich am Lararium durch?

Anleitungen zum Durchführen von einfachen täglichen Larariums-Riten für Einsteiger findet Ihr hier. Dazu viele weitere praktische Tipps und Hinweise!

Komplexere Rituale zu besonderen Anlässen, für bestimmte Götter oder zu besonderen Festen tauchen immer mal wieder in unserem Blog auf und werden dann in der Rubrik „Cultus Deorum“ verlinkt.

Cultus Deorum Romanorum: Einsteiger-FAQ

Auf dieser Seite sammeln wir Fragen (und natürlich auch Antworten!) zum Thema „Cultus Deorum Romanorum “ bzw. „Religio Romana„. Diese FAQ-Sammlung soll insbesondere Anfängern, die den Wunsch verspüren, die vorchristliche römisch-polytheistische Religion zu praktizieren, bei ihren ersten Schritten helfen.

Wenn Ihr Fragen habt, die hier noch nicht aufgeführt sind, könnt Ihr sie gerne unten als Kommentar hinterlassen!


Übersicht



Was ist der „Cultus Deorum Romanorum“?

Unseren ausführlichen Einführungsartikel zum Thema findet Ihr hier. Diese Einführung solltet Ihr unbedingt als erstes lesen, da einige der hier auftauchenden Begriffe dort erklärt werden.


Was ist der Unterschied zwischen „Cultus Deorum Romanorum“ und „Religio Romana“ oder wie ist die richtige Bezeichnung für diese Religion?

Es gibt keinen Unterschied, beide Begriffe werden synonym verwendet.

Praktizierende nennen sich „Cultores„, Einzahl: Cultor (oder, wer lateinisch besonders exakt sein möchte, die weibliche Form ist „Cultrix„). Aus praktischen Gründen sprechen wir in unserem Blog in der Regel vom „Cultor“ oder der neutralen Mehrzahl „Cultores„, meinen damit aber natürlich Angehörige beider Geschlechter.

Durchführung eines Rituals zur Eröffnung einer römischen Veranstaltung, um die Gunst der Götter zu erbeten (Haltern, 2014)

Durchführung eines Rituals zur Eröffnung einer römischen Veranstaltung, um die Gunst der Götter zu erbeten (Haltern, 2014)

Im modernen Sprachgebrauch existiert auch die Bezeichnung „Römisches Heidentum„, jedoch haben die Römer selbst das Wort „Heidentum“ niemals für die Beschreibung ihrer eigenen Religion verwendet, weswegen wir diesen (z.T. negativ belegten) Begriff vermeiden.

Ein römischer Begriff, den man in der Antike für die Beschreibung seiner eigenen Religion verwendete, ist „Cultus“ (u.a. belegt durch Cicero). Hierbei umfaßt „Cultus“ jedoch deutlich mehr als das heutige Wort „Kult“, es beinhaltet Aspekte wie „kultivieren“, „Kultur“, „nähren“ und beschreibt das sich gegenseitig nährende und fördernde, ausgeglichene und gesunde Verhältnis, das zwischen Menschen und Göttern herrscht.

Der Zusatz „Deorum Romanorum“ stammt aus moderner Zeit (denn natürlich hatten die Römer es nicht nötig, zu betonen, daß ihr Cultus „römisch“ war). Es wird vom modernen Cultor hinzugefügt, um zu spezifizieren, welchem rekonstruktionistischen heidnischen Weg man folgt – denn unter den heidnisch-rekonstruktionistischen Bewegungen gibt es noch weitere die sich auf antike Kulte rückbesinnen, zum Beispiel den Hellenistischen Cultus, d.h. die Rekonstruktion der Religion des antiken Griechenland, von denen sich der römische Cultor abgrenzen möchte, da sich die Kulte in Glaubensvorstellungen und Praxis voneinander unterscheiden und auf keinen Fall „in einen Topf“ geworfen werden sollten.


Ich finde die römischen Götter und Göttinnen ansprechend, möchte sie aber auf meine eigene Weise verehren und nicht nach engen festgelegten Vorschriften und Ritualen. Geht das auch?

Der Cultus Deorum Romanorum wird stets innerhalb eines größeren, umfassenden römischen Kontextes praktiziert, so daß neben den Göttern auch die römische Kultur, Philosophie, Werte und Vorstellungen eine wichtige Rolle spielen.

Jupitersäule in Metz

Jupitersäule in Metz

Eine bloße Verehrung der römischen Götter, losgelöst aus diesem Kontext und ohne Beachtung der notwendigen Hintergründe und vor allem der extrem wichtigen Form, entspricht nicht der Richtung des Rekonstruktionismus, zu denen der Cultus Deorum Romanorum zählt, sondern wird in synkretistischen-eklektischen Glaubensgemeinschaften praktiziert.

Wer sich nur von den Göttern angesprochen fühlt, aber mit dem dazugehörigen rekonstruktionistischen Ansatz nichts anfangen kann, wird sicherlich bei neuheidnischen Gruppen wie Wicca oder im Reclaiming glücklicher, da er hier alle Möglichkeiten hat, sich mit diesen Göttern zu befassen und sie auf individuelle Weise zu verehren und mit ihnen zu arbeiten, aber dies ohne den römisch-kulturellen Rahmen und die vorgeschriebene Kultpraxis tun kann. Mit dem Cultus Deorum Romanorum jedoch werdet Ihr in dem Fall sicher nicht glücklich! Hexengruppen vor Ort, in Camps oder Workshops helfen hier gerne weiter.

Der Cultus Deorum Romanorum ist, wie andere rekonstruktionistische Gruppen, strikt von neuheidnischen, synkretistischen Glaubensgemeinschaften zu trennen, da er einen grundlegend anderen Ansatz verfolgt und mit diesen deswegen in der Kultpraxis auch nicht kompatibel ist.

Glauben Römer nur an „römische“ Götter? Was ist mit all den anderen Göttern aus aller Welt?

Nein, Römer haben niemals geglaubt oder behauptet, daß die Götter ihres Pantheons die einzig existierenden Götter wären. Ganz im Gegenteil haben sie niemals die Existenz anderer Götter ausgeschlossen. Sie glaubten nicht einmal, daß ihnen alle Götter ihrer eigenen Götterwelt überhaupt bekannt waren und schlossen nicht aus, daß es darunter auch Gottheiten gab, von denen niemand Namen, Geschlecht oder Funktion kannte.

Die römische Götterwelt beinhaltete neben ur-römischen Göttern ohne außer-römische Entsprechung schon von Anbeginn an auch Götter früherer Kulturen, die zum Beispiel von den Etruskern und Sabinern übernommen wurden. Auch fanden im Zuge der allgemeinen Bewunderung von griechischer Kultur auch viele griechische Götter Einzug in den römischen Pantheon. Zwar wurden viele dieser Götter schnell romanisiert, umbenannt, von ihrer Mythologie entkleidet und ihnen andere Zuständigkeitsbereiche zugesprochen, aber dennoch sorgten sie von Anfang an für eine Bereicherung der römischen Götter- und Glaubenswelt, die ansonsten in erster Linie von animistisch-gestaltlosen Elementen, den Numina, und einer reichen Geisterwelt mit einem sehr spezifischen Ahnenkult geprägt war. Römische Gottheiten, adoptierte Gottheiten und die Geisterwelt existieren gleichberechtigt nebeneinander und stellen für den Römer keinerlei Problem oder Widerspruch dar.

Mercurius-Gebrinius ist ausschließlich aus Bonn bekannt (Rheinisches Landesmuseum Bonn, 2. Jhd)

Mercurius-Gebrinius ist ausschließlich aus Bonn bekannt (Rheinisches Landesmuseum Bonn, 2. Jhd)

Die Götter fremder Völker waren sogar gefürchtet, da man davon ausging, daß sie ihre Völker natürlich beschützen und etwa in der Schlacht unterstützten. Man glaubte auch, daß einheimische Götter in ihrem eigenen Land natürlich besonders mächtig waren und viel Einfluß hatten, mehr vielleicht sogar als die römischen Götter selbst. Belagerte man also Städte oder zog man in Feldschlachten gegen fremde Völker, war das Ritual der „Evocatio“ („Herausrufen“) üblich. Dabei beschwor man am Vorabend der Schlacht die fremden Götter und „bestach“ sie mit dem Versprechen, ihnen schöne Tempel zu bauen und sie zu verehren und ihnen zu opfern, wenn sie die Seiten wechselten und zu den Römern überliefern. Waren die Römer siegreich in der Schlacht (was aufgrund ihrer überlegenen Armeen häufig der Fall war), so galt das als Zeichen, daß die fremden Götter ihr Volk verlassen und zu den Römern übergelaufen waren. Da Römer sehr darauf bestrebt waren, Verträge mit den Göttern einzuhalten, wurde ihnen anschließend entsprechend der versprochene Tempel gebaut und fortan waren sie Teil des römischen Kultgeschehens und ihnen wurden Opfer gebracht. Einige dieser „auswärtigen“, übergelaufenen Götter erlangten später große Popularität im Reich.

Daß fremde Götter über fremde Völker wachten, war für den Römer eine ganz normale Vorstellung – nur hatte er den Vorteil, daß er die Mittel und Wege kannte, diese Götter auch in seine eigene Religion einzubinden und zu „romanisieren“. Diesen Vorgang nennt man „Interpretatio Romana.“

War ein solcher Gott romanisiert oder wurde erkannt, daß er nur ein Aspekt eines bereits bekannten römischen Gottes war (wie der keltische Lenus-Mars der Treverer oder Mercurius als Personifikation des gallischen Teutates oder des germanischen Wotan), wurde er selbstverständlich Teil des religiösen Kultgeschehens und von romanisierten Bewohnern der neuen Provinzen auch auf friedlichem Weg in die römische Glaubenswelt eingebracht. Selbst exotische Kulte wie der persische Mithraskult, der ekstatische Bacchus-Kult oder die ägyptische Isis wurden von den Römern problemlos in ihren eigenen Kult übernommen, auch wenn die Verehrungspraxis sicher nicht der Praxis in Persien oder Ägypten entsprach, sondern einen römischen Stempel trug.

So war in unserer Region – in den römischen Provinzen westlich des Rheins – der Gallo-Römische Cultus, die Mischform aus einheimischen keltischen Vorstellungen und der römischen Religion, die hier praktizierte Variante der Religio Romana. Zahlreiche einheimische Gottheiten, wie Epona, Sirona, Grannus, Intarabus, Rosmerta oder Lenus, fanden auf diese Weise Einzug in den römischen Pantheon. Die hier überall anzutreffende spezielle Form der Tempel als „Umgangstempel“ (die es nur nördlich der Alpen im Raum Gallien bis Britannien gibt), trug dem keltischen Kultverständnis Rechnung. So entwickelten sich in den unterschiedlichen Provinzen auf ganz natürliche Weise Sonderformen des Cultus, die lokale Vorstellungen und Gottheiten in einen römischen Kontext brachten und miteinander verschmolzen, was wiederum die Romanisierung der hier lebenden Einheimischen erleichterte.

Barbarische Götter zu verehren, die nicht Teil des Cultus waren, sondern im Gegenteil zu fremden, verfeindeten Völkern gehörten, wäre einem Römer hingegen nicht in den Sinn gekommen. Das bedeutete aber nicht, daß er deren Existenz verneinte, sie waren nur nicht Teil seiner Religion und seiner Kultpraxis.

Ansonsten war das Römische Reich extrem tolerant und im Prinzip konnte jeder die Götter verehren, die er wollte – so lange er daneben den Staatskult akzeptierte. Lokale Götter in den Gebieten, in denen man wohnte, wurden gerne integriert und wenn Auxiliartruppen, die in der römischen Armee dienten, ihre einheimischen Götter weiterhin verehrten, war das ebenfalls kein Problem. Das führte zu solchen Phänomenen wie der germanischen Göttin Germangabis, die von germanischen Hilfstruppen nach Britannien importiert wurde oder lokalen Kombinationen wie Apollo-Grannus oder Mercurius-Gebrinius, der ausschließlich aus Bonn bekannt ist.

Ich möchte mich gerne dem Cultus Deorum Romanorum anschließen. Was muß ich tun, muß ich irgendwo eintreten oder unterschreiben oder gibt es ein Aufnahmeritual?

Wer den Wunsch verspürt, auf den Spuren seiner Ahnen zu wandeln und den polytheistisch-römischen Cultus zu praktizieren, kann sofort damit beginnen. Natürlich gibt es Gruppen, Organisationen und Zusammenschlüsse praktizierender Cultores, aber sich diesen anzuschließen, ist keine Voraussetzung, um ein Cultor zu werden.

Wer dem Cultus Deorum Romanorum folgen möchte, tut das am besten, indem er einfach beginnt.


Gibt es eine Art „Bibel“ oder andere heilige Schrift, in der die Grundsätze und Regeln der Religion und der Lebensführung zusammengefaßt sind? Was muß ich vorher wissen, bevor ich loslegen kann?

Der Cultus ist eine Religion der Orthopraxie („rechtes Handeln“), nicht der Orthodoxie („rechte Lehre“), das heißt, Handeln und praktische Durchführung sind wichtiger als theologische Theorien und Gedankengebäude und man muß sich, anders als bei den großen Weltreligionen, nicht erst in eine komplizierte und komplexe Theologie einarbeiten, bevor man „auch“ praktische Aspekte nutzen kann.

Sacrarium für Apollo

Sacrarium für Apollo

Die Kultpraxis steht bei den Römern immer im Vordergrund und es gibt keine dahinterstehende einheitliche, dogmatische Theologie. Gottesvorstellungen und -erklärungen standen nie im Zentrum des Interesses des durchschnittlichen Römers, auch wenn es natürlich – für denjenigen Cultor, der sich auch dafür interessiert – zahlreiche Schriften antiker Schriftsteller und Philosophen gibt, die sich damit ausgiebig auseinandersetzen. Weiterführende Informationen finden sich in unserer Rubrik „Stoa„. Empfehlenswert sind in diesem Zusammenhang auch die Briefe des Cicero an seinen Sohn Marcus in der Sammlung „De Officiis„, die weitreichende Ausführungen zur rechten Lebensführung auf der Grundlage der stoischen Grundsätze und Weltsicht enthält.

Eine einheitliche „Bibel“ oder ein anderer „inspirierter“ Text existiert nicht. Eine angemessene Lebensführung wird nicht durch religiöse Dogmen vorgegeben („du sollst nicht…“), sondern durch die gesellschaftlichen Normen und Werte aus Kultur und Philosophie.

Wichtig ist, sich darüber klar zu sein, daß trotzdem einige Vorarbeit geleistet werden muß, die einem aber niemand abnehmen kann, denn ohne Grundwissen zum römischen Kontext kann kein Bezug zum rekonstruktionistischen Ansatz der heute praktizierten Religio Romana hergestellt werden.

Da dieser Ansatz bestrebt ist, die Religion unserer Vorfahren in möglichst authentischer und originalgetreuer Weise wiederzubeleben, ist Quellenstudium unbedingte Voraussetzung.

Da der römische Kontext fundamentaler Bestandteil der praktischen Ausübung der Religion ist, ist es zudem notwendig, sich auch darüber hinaus mit dem Thema zu befassen, sei es mit der Geschichte des Römischen Reichs, Philosophie oder einfachen Aspekten des täglichen Alltagslebens. Zum Glück waren die Römer sehr schreibfreudig und haben uns viele detaillierte Aufzeichnungen hinterlassen. Wir sammeln in unserer Rubrik „Ad Fontes“ Büchertipps und sogar Links zu kostenlosen ebooks (viele Klassiker wie Cicero, Varro oder Cato gibt es zum kostenlosen Download, was den Einstieg erleichtert).

Daneben helfen Museumsbesuche, Reisen zu antiken Stätten und Tempeln und das Besuchen von Römerfesten, zum Beispiel den Römertagen in der Villa Borg, wo es viele praktische Tipps und Hintergrundinformationen gibt, sowie die Möglichkeit, sich mit einem Grundstock an Gegenständen für die Kultpraxis einzudecken. Lesen, lesen, lesen ist aber auf jeden Fall der beste Rat!

Ansonsten gilt: Legt einfach los! Tipps für Anfänger, wie man die ersten praktischen Schritte als Cultor macht, findet Ihr hier in unserem Blog.


Wenn es keine „Heilige Schrift“ oder niedergeschriebene religiöse Dogmen gibt, kann dann jeder glauben, was er will?

Sehr populär bei Einheimischen wie Römern, Legionären wie Zivilisten in Germanien: Die Matronen. (Nettersheim / Eifel, September 2011)

Sehr populär bei einheimischen Kelten und Germanen sowie Römern, Legionären wie Zivilisten in der Eifel: Die Matronen. (Nettersheim / Eifel, September 2011)

Das Römische Reich war ein Vielvölkerstaat und auch die Glaubenspraxis seiner Bürger in den verschiedenen Provinzen hatten starke regionale Färbungen. Es wurden auch spezielle Kulte innerhalb der Religio Romana praktiziert (z.B. Isiskult, Mithraskult oder Mater Magna-Kult, die allesamt Einweihungs- und Mysterienkulte waren).

Auch gab es lokale Unterschiede, so hatte in Gallien der Cultus andere Ausprägungen und Schwerpunkte als in Nordafrika, indem jeweils lokale, in die römische Götterwelt „eingemeindete“ Gottheiten bevorzugt wurden, die vor Ort eine große Bedeutung hatten, überregional aber kaum bekannt waren. Die römische Religion ist in dieser Hinsicht sehr flexibel und aufnahmefähig.

Das bedeutet aber nicht, daß jeder machte und glaubte, was er wollte. Tatsächlich waren alle Anhänger der römischen Religion durch einen reichen Schatz an historisch gewachsenen Glaubensgrundsätzen, Vorstellungen und Konzepten verbunden, die sich – unabhängig davon, welcher Gottheit nun der individuelle Schwerpunkt innerhalb der Region oder sogar der Familie eingeräumt wurde – im ganzen Reich nicht voneinander unterschieden.

Die grundsätzlichen Vorstellungen über die Götterwelt, den Aufbau unserer Welt und die Beziehungen zwischen Menschen und Göttern waren einheitlich. Auch wenn die Kultpraxis in einigen Regionen kulturelle Färbungen annehmen mochte, so teilte man doch die grundsätzlichen Glaubensvorstellungen, die dem Cultus zugrunde lagen.

Diese Mischung sorgte dafür, daß der Cultus über die Jahrhunderte, in denen das Römische Reich existierte, flexibel und gleichzeitig verbindend genug war, um sich dem steten Wandel in der römischen Gesellschaft anzupassen und die Entwicklungen mitzumachen – bis auf das Christentum, das von seinen Glaubensvorstellungen und Grundsätzen so im Widerspruch mit den römisch-heidnischen Vorstellungen stand, daß es nicht mehr integriert werden konnte (und sich auch nicht integrieren lassen wollte).

Auch heutzutage unterscheidet sich die Kultpraxis innerhalb des Cultus Deorum Romanorum genauso, wie sie es schon zur römischen Zeit tat – ein Cultor in Germanien mag zum Beispiel die regional bedeutenden Matronen in den Fokus seiner Kultpraxis rücken, während andere Cultores sich eher an den „Großen 12“ (Dei Consentes) orientieren, oder sich an romanisierte, ehemals keltische Gottheiten wenden, die in ihrer Region besonders verbreitet waren. Auch eine besondere Beziehung zu afrikanischen (wie ägyptischen) Gottheiten mag vorliegen und zu einem entsprechenden Schwerpunkt in der Kultpraxis werden, natürlich in einer romanisierten Form, wie es schon zu antiker Zeit üblich war.

Die Religio Romana ist nach wie vor eine organische, lebendige Praxis und kein angestaubtes, erstarrtes Museumsstück mit Mummenschanz aus der Antike, auch wenn man bestrebt ist, ihn nach den originalen Grundsätzen, Regeln und in der authentischen Form zu praktizieren.

Es herrscht auch heute – wie damals – ein einheitlicher Konsens unter den Anhängern der Religio Romana über grundsätzliche Glaubensfragen:

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