Mos Maiorum

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Minerva Tempel unter dem Mailänder Dom entdeckt!

„Minerva of Peace“ von Elihu Vedder

Im Zuge der andauernden archäologischen Ausgrabungen in Mailand, dem römischen Mediolanum, das unter Kaiser Diokletian ab 286 n. Chr. Hauptstadt des westlichen Teils des Römischen Reiches wurde, hat man unter dem Mailänder Dom die Reste eines Tempels gefunden, welcher der Minerva geweiht war. Weiterhin wurde der Boden des ursprünglichen Forums der antiken Stadt freigelegt.

Mediolanum ist neben seiner Bedeutung als weströmischer Hauptstadt vor allem bekannt als Ort der Vereinbarung zwischen dem weströmischen Kaiser Konstantin I. und Licinius, dem Kaiser des Ostens, die  „sowohl den Christen als auch überhaupt allen Menschen freie Vollmacht, der Religion anzuhängen, die ein jeder für sich wählt“ zusagte.

Die Ausgrabungen haben seit Jahren mit Finanzierungsproblemen zu kämpfen, so das man hoffen kann, dass der neue wichtige Fund auch neues Interesse möglicher Geldgeber anregt. [Quelle]

Mailänder Dom


Ein Geschenk des Apollo – seltene Bronzestatue gefunden!

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So wie wir antike Götterstatuen kennen – strahlend weißer Marmor

Ein palästinensischer Fischer hat ganz offenbar ein wertvolles Geschenk des Apollon erhalten, es würde zu einer der Geschichten aus den klassischen Sagen passen – statt der erwarteten Fische im Netz verfing sich in diesem auf wundersame Weise eine lebensgrosse Bronzestatue des Gottes Apollo.

1,80 Meter groß, 500 Kilo schwer und ein extrem seltener Fund, weil wir zwar viele Marmor- oder Steinfiguren des Gottes kennen, aber nur sehr wenige Bronzearbeiten, einfach weil dieser Stoff dem Zahn der Zeit weitaus weniger standhalten konnte oder auch in christlicher Zeit eingeschmolzen und wiederverwendet wurde.

Allerdings ist dieser Jahrhundertfund nun wegen recht irdischer Probleme gefährdet – die Statue befindet sich in Gaza, eine in der Antike bedeutende Hafenstadt mit wechselvoller Geschichte, unter römischer Herrschaft Sitz einer berühmten Rhetorikschule. Heute allerdings weniger ruhmreich in den Händen der radikal-islamistischen Hamas, was jedweden Versuch, die Statue käuflich für ein Museum zu erwerben mit dem Vorwurf der Terrorfinanzierung konfrontiert.

Obwohl noch keine Möglichkeit bestand, die Statue tatsächlich zu untersuchen, meldet der Historiker Jean-Michel de Tarragon Zweifel an der Geschichte des wundersamen Fangs des Fischers an – Fotos der Statue würden zeigen, sie sei dafür in viel zu guter Verfassung und sie müsse an Land gefunden worden sein, wobei die Erzählung des Fischers wohl als Alibi zu werten sei, etwaige Eigentümerrechtsfragen basierend auf dem tatsächlichen Fundort gar nicht erst aufkommen zu lassen. Interessant ist diese Vermutung auch deshalb, weil solche Statuen in der Regel in Tempelgebäuden standen, so dass man davon ausgehen kann, daß dort wo die Figur tatsächlich gefunden wurde, weitere archäologische Schätze zu finden sind.

Unabhängig davon wo die Statue nun genau gefunden wurde, begünstigt jede weitere Verzögerung einer Restaurierung und Konservierung ihren Verfall, wenn sie ungeschützt der Luft ausgesetzt bleibt.

[Quelle]

Justinianische Pest – Erreger entschlüsselt!

The_Plague,_1898Eine der grössten bekannten Pandemien in Europa war die sogenannte Justnianische Pest, benannt nach dem oströmischen Kaiser Justinian I. (Flavius Petrus Sabbatius Iustinianus, * um 482 in Tauresium bei Justiniana, Prima; † 14. November 565 in Konstantinopel), in dessen Regierungszeit dieser verheerende Seuchenausbruch fiel. Sie breitete sich seit 541 n. Chr. im gesamten Römischen Reich aus und betraf damit die Gebiete des westlichen Mittelmeers, das rheinische Germanien, den grössten Teil von Gallien sowie Kleinasien, Syrien und Mesopotamien und forderte Millionen Todesopfer.

Man vermutete lange, es habe sich um die Beulenpest gehandelt, konkrete Beweise gab es für diese Theorie hingegen nicht. Mittlerweile hat man aber das Erbgut des Erregers aus den Zähnen von zwei Opfern rekonstruieren können, die im sechsten Jahrhundert auf einem Friedhof in Bayern beigesetzt wurden.

Damit ist dies der älteste Erreger, der bisher von seiner DNA her entschlüsselt werden konnte – es handelt sich um das Bakterium Yersinia pestis. Man geht davon aus, dass der Erreger durch Flöhe übertragen wurde, die eigentlichen Träger infizierte Ratten waren. Eine veränderte Form des Bakteriums soll später auch für den ‚Schwarzen Tod‘ verantwortlich gewesen sein, der Europa in ähnlich tödlicher Weise heimsuchte, wie vorher die Seuche zu Zeiten Julians.

[Quelle]

Tierliebe im alten Rom?

Ein archäologischer Fundbericht über ein besonderes Grab im Gräberfeld „Auf der alten Eich“ in Mayen – in der Vulkaneifel, einem Gebiet, das wir auf unseren Reisen durch das Imperium gerne und oft aufsuchen – regt zum Nachdenken an, was die Beziehung der alten Römer zu Tieren betrifft.

Grundsätzlich herrscht oft das Bild vor, die Menschen der Antike hätten sich durch eine besondere Grausamkeit (nicht nur) zu Tieren ausgezeichnet, die auf Menschen unserer Zeit abstoßend wirke. Natürlich entspricht dies weder einer adäquaten Selbsteinschätzung, was unseren heutigen Umgang mit Tieren angeht, noch scheint es als Generalisierung „des Römers“ zu taugen.

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Tierkämpfe in der Arena

Sicherlich gab es Hinrichtungen Ad Bestias (also durch Zerfleischung durch wilde Tiere) und ebenso sind etwa die Berichte über die „Venationes“, also die Tierhetzen im Römischen Reich, die in den Arenen als Vorspiel von Gladitorenkämpfen oder auch in grösserem Stil als eigener Attraktionspunkt der Spiele stattfanden, korrekt und keinesfalls übertrieben. Wenn wir lesen, wie etwa zur Einweihungsfeier des Kolosseums 5000 Tiere durch Kaiser Titus für das Spektakel durch die Arena gehetzt wurden, mag das in der Tat heute schockieren – und dies war verglichen mit der Tierhatz durch Kaiser Trajan, der 11.000 Tiere in einer blutigen Schau präsentierte, die seinen Sieg über die Daker feiern sollte, quasi noch eine zurückhaltende Veranstaltung.

Trotzdem darf man nicht verdrängen, dass es solche Spiele heute immer noch gibt, angefangen von illegalen Hahnen- und Hundekämpfen, bis hin zu den Stierhetzen oder Stiertötungen in den spanischen, portugiesischen und französischen Arenen (wobei die Tiere dort auch noch mit Medikamenten vor dem Kampf betäubt und die Hörner abgeschliffen werden, damit der ‚mutige‘ Torero auch eine Chance hat).

Was uns heute also in dieser Hinsicht von den alten Römern unterscheidet, scheint eher ein quantitativer Unterschied denn ein qualitativer zu sein. Die Masse hat damals wie heute nach möglichst aufregender und gerne auch blutiger Bespaßung gerufen, heute wird das durch Tierschutzvereinbarungen vielleicht etwas eingeschränkt, aber generell besteht wenig Grund, sich über die alte Zeit erhaben zu fühlen, was den Umgang des Menschen mit Tieren angeht. Industrielle Massentierhaltung mit teils unerträglichen Quälereien, Delphinabschlachtungen in Japan, Walschlachtfeste auf den Faröer-Inseln, wo die Menschen in einem See aus Blut waten, brutales Erschlagen von Robbenbabies in Kanada, Abzapfen von Gallenflüssigkeit bei eingepferchten Bären in China, Haien denen die Flosse bei lebendigem Leib abgeschnitten wird usw. – die Liste an Grausamkeiten, die in unserer Zeit an Tieren begangen wird, ist ellenlang…

Man machte damals allerdings eine Unterscheidung zwischen wilden Tieren, die als gefährlich galten, die exotisch waren und die im Verständnis der Menschen eher zu den chaotischen Kräften der Natur gehörten, und den Nutz- und Haustieren. Auch wenn es keinen Tierschutz im alten Rom gab, so war doch das Verhältnis des einzelnen Menschen zu bestimmten Tieren ebenso vielfältig, wie es das heute ist.

Tiere waren als Nutztiere geschätzt und wurden als solche sicherlich zum Teil unter besseren Bedingungen gehalten, als in der heutigen Massentierhaltung. Natürlich wurde in der Antike Fleisch gegessen (sofern man es sich leisten konnte, denn Fleisch war – wie auch zu späteren Zeiten – für die arme Bevölkerung oft unerschwinglich). Rinder, Geflügel (Hühner, Enten, Kapaune, Pouladen, Gänse), Schweine, Schafe, Ziegen, Hasen, Kaninchen, Fisch und Meeresfrüchte waren typische Speisetiere. Daneben war man in gehobenen Kreisen auch immer auch interessiert an exotischeren Genüssen aus den fernen Provinzen, so daß auch Tiere auf dem Teller landeten, die in unseren Kreisen heute eher Abscheu auslösen würden. Lediglich Pferde zu essen (wie es bei den Kelten, zum Beispiel den Galliern und in Britannien üblich war) galt als barbarisch und wurde abgelehnt.

Neben der Rolle als Speiselieferant waren Nutztiere auch in anderen Bereichen unverzichtbar. Rinder lieferten Milch, die zwar nicht getrunken wurde, aber für Käseproduktion eine wichtige Rolle spielte. Pferde, Esel und Ochsen waren aus dem Transportwesen und der Kriegsführung nicht wegzudenken.

Eine ebenfalls entscheidende Rolle spielten Tiere im religiösen Kultus – vor allem als Opfertiere. Jeder Gottheit waren bestimmte Tiere heilig und geweiht, so daß es üblich war, einem Gott ein bestimmtes Tier zu opfern. Das konnte von kleinen Fischen für Vulcanus bis hin zu schwangeren Säuen für Maia reichen. Anläßlich großer Feste wurden im öffentlichen Staatskult durchaus zahlreiche Tiere (wie Stiere, Schafe oder Schweine) gleichzeitig geopfert und anschließend kostenlos als Speisung an die Bevölkerung ausgegeben.

Andere Tiere betrachtete man als Zeichen, die von den Göttern selbst geschickt wurden, um anzuzeigen, ob ein Opfer oder ein Ritual akzeptiert wurde oder nicht. Insbesondere Vögel spielten hier eine zentrale Rolle, deren Flug und Verhalten von Auguren und auch Privatleuten (die nach einem Opfer am heimischen Altar ebenfalls auf ein Zeichen hofften) akribisch beobachtet wurde.

Daneben gibt es jedoch archäologische Beweise, daß Tiere im alten Rom eben nicht nur der Bespaßung der Massen, der Nutztierhaltung, dem Nahrungsgewinn und dem religiösen Kultus dienten, sondern daß Tiere durchaus auch als Haustiere gehalten – und wie heute, als solche geliebt wurden. Ein Beispiel dafür ist der Grabfund in Mayen:

Tierliebe und ein sehr enges persönliches Verhältnis von Mensch und Tier war nicht unbekannt und ging oft über den Tod des geliebten Begleiters hinaus:

„Daher kann festgestellt werden, dass dem Mayener Hund eine ganz außergewöhnliche Wertschätzung zuteil wurde. Dies gilt umso mehr, da mit dem verzierten Terra-Rubra-Teller ein Fein- und Tafelgeschirr einem Hund (aufgrund fehlender anderer Gebrauchsspuren wohl) als Erstnutzer im Dies- und Jenseits zugeeignet wurde. Diese Würdigung wird noch unterstrichen durch die Tatsache, dass der Hund (sozusagen gleichberechtigt) auf einem Friedhof der Menschen bestattet wurde.“

Der Bericht „Eine römische Hundebestattung mit zugehörigem Fressnapf aus Mayen“  ist im Archäologischen Korrespondenzblatt des Römisch-germanischen Zentralmuseums Mainz veröffentlicht worden.

Allerdings ist dies nicht der einzige Beleg für Tierliebe im Römischen Reich, zu erwähnen etwa sind ein Grabgedicht aus dem 2. Jhd. n. Chr., welches man in Augusta Ausciorum, der heutigen Stadt Auch in Frankreich gefunden hat:

Quam dulcis fuit ista, quam benigna,
quae, cum viveret, in sinu iacebat
somni conscia semper et cubilis.
O factum male, Myia, quod peristi.
Latrares modo, si quis adcubaret
rivalis dominae, licentiosa.
O factum male, Myia, quod peristi.
Altum iam tenet insciam sepulcrum,
nec saevire potes nec insilire,
nec blandis mihi morsibus renides.

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Wie süß war sie, wie freundlich,
die, als sie lebte, im Schoße lag,
Mitwisserin des Schlafes immer und des Lagers.
O des schlimmen Geschehens, Fliege, dass du hingegangen bist!
Würdest du nur bellen, wenn irgendein Rivale
bei der Herrin läge, ohne Schranken bellen!
O des schlimmen Geschehens, Fliege, dass du hingegangen bist!
Das tiefe Grab schon birgt dich, die du’s nicht mehr merkst.
Weder wüten kannst du noch anspringen
noch tust du mir freundlich mit liebkosenden Bissen.

Jeder Hundefreund dürfte diese Gedanken des Besitzers der Hündin Myia (in der mir vorliegenden Übersetzung als „Fliege“ wiedergegeben, wobei ich dafür nur das Wort musca kenne) nachfühlen können, der sich hier so sehnlichst wünscht, er könne das Bellen wieder hören (über das er sich zu ihren Lebzeiten wahrscheinlich oft geärgert hat)…

Oder auch ein Gedicht des Marcus Valerius Martialis, der dies für seinen Freund Publius über dessen Schoßhund Issa geschrieben hat:

Issa est passere nequior Catulli,
Issa est purior osculo columbae,
Issa est blandior omnibus puellis,
Issa est carior Indicis lapillis,
Issa est deliciae catella Publi.
Hanc tu, si queritur, loqui putabis;
sentit tristitiamque gaudiumque.
Collo nixa cubat capitque somnos,
ut suspiria nulla sentiantur ;
et desiderio coacta ventris
gutta pallia non fefellit ulla,
sed blando pede suscitat toroque
deponi monet et rogat levari.
Castae tantus inest pudor catellae,
ignorat Venerem; nec invenimus
dignum tam tenera virum puella.
Hanc ne lux rapiat suprema totam,
picta Publius exprimit tabella,
in qua tam similem videbis Issam,
ut sit tam similis sibi nec ipsa.
Issam denique pone cum tabella:
aut utramque putabis esse veram,
aut utramque putabis esse pictam.

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Den schuldbewußten Hund gab es schon in der Antike... wie dieses  römische Mosaik aus Alexandria beweist...

Den schuldbewußten Hund gab es schon in der Antike… wie dieses römische Mosaik aus Alexandria beweist…

Issa ist neckischer als der Sperling Catulls,
Issa ist reiner als der Kuß der Taube,
Issa ist zärtlicher als alle jungen Mädchen,
Issa ist kostbarer als indische Perlen,
Issa ist das Lieblingshündchen von Publius.
Jault sie, dann meint man, sie rede;
sie empfindet Trauer und Freude mit.
An seinen Hals gelehnt, ruht sie und schläft ein,
ohne dass man dabei ihren Atem spürt;
selbst wenn ein leibliches Bedürfnis sie zwingt,
hat sie noch nie mit einem Tropfen die Decken beschmutzt,
vielmehr weckt sie mit sanfter Pfote, mahnt,
sie vom Lager hinunterzulassen, und bittet, dass man sie dann wieder hochnehme.
So viel Scham steckt in dem keuschen Hündchen,
dass es von der Liebe nichts weiß: Wir fanden
noch kein Männchen, das einer so feinen Geliebten würdig gewesen wäre.
Damit ihr letzter Tag sie ihm nicht völlig entziehe,
ließ Publius sie in einem Gemälde abbilden,
auf dem man eine so große Ähnlichkeit mit Issa feststellen kann,
dass sie nicht einmal sich selbst so ähnlich ist.
Setze Issa nur einmal neben das Bild:
Entweder wirst du beide für echt
oder beide für gemalt halten.

Der römische Dichter Gaius Valerius Catullus weiß davon zu berichten, wie sich seine Freundin Lesbia grämt, als ihr Sperling gestorben ist:

Lugete, o Veneres Cupidinesque,
et quantumst hominum venustiorum!
passer mortuus est meae puellae,
passer, deliciae meae puellae
quem plus illa oculis suis amabat:
nam mellitus erat suamque norat
ipsam tam bene quam puella matrem,
nec sese a gremio illius movebat,
sed circumsiliens modo huc modo illuc
ad solam dominam usque pipiabat.
qui nunc it per iter tenebricosum
illuc, unde negant redire quemquam.
at vobis male sit, malae tenebrae
Orci, quae omnia bella devoratis:
tam bellum mihi passerem abstulistis.
o factum male, quod, miselle passer,
tua nunc opera meae puellae
flendo turgiduli rubent ocelli!

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Weint, ihr Grazien und ihr Amoretten,
Und was Artiges auf der Welt lebt! meines
Mädchens Sperling ist tot, des Mädchens Liebling,

Der ihr lieb wie der Apfel in den Augen,
Und so freundlich, so klug war und sie kannte
Wie ein Töchterchen seine Mutter kennet;
Er entfernte sich nie von ihrem Schoße,
Sondern hüpfte nur hin und wieder, piepte,
Seiner Herrin das Köpfchen zugewendet. –
Ach! nun wandert er jene finstere Straße,
Die man ewiglich nicht zurücke wandert.
O! wie fluch ich dir, finstrer alter Orkus,
Der du alles, was schön ist, gleich hinabschlingst!
Uns den Sperling zu nehmen, der so hübsch war!
Welch ein Jammer! O Sperling, Unglückselger!
Hast gemacht, dass mein trautes Mädchen ihre
Lieben Äugelchen sich ganz rot geweint hat.

Neben diesen dichterischen Reflektionen über die Beziehung von Mensch und Tier findet sich eine Vielzahl von Geschichten und Fabeln, die Tiere als der Empathie fähig beschreiben und entsprechend ihre emotionale Seite hervorheben.

Sei es der alte Hund Argos, der 20 Jahre auf die Rückkehr seines Herrn Odysseus wartet und dann endlich nach dessen Rückkehr sterben kann, oder auch die Geschichte des Sklaven Androklus, der wegen übler Behandlung durch seinen Herrn die Flucht ergreift, auf dieser einem verletzten Löwen begegnet und ihm einen Stachel aus der Pfote zieht. Als er später gefangen wird und zur Strafe in die Arena geschickt wird um ad bestias hingerichtet zu werden, steht er diesem Löwen gegenüber, der ebenfalls gefangen wurde – und sich seiner erinnert, ihm die Hand leckt statt ihn anzufallen. Das wiederum rührt das Publikum und beide, Androklus und der Löwe werden begnadigt und letzterer wird ihm geschenkt.

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Cave Canem – hüte Dich vor dem Hund!

Es gibt viele solcher Erzählungen und Fabeln aus dieser Zeit und es spielt weniger eine Rolle, ob sie auf wahren Begebenheiten beruhen oder nicht, als vielmehr die Tatsache, dass in ihnen das Denken des jeweiligen Autors wie auch seiner Leser deutlich wird. Grundsätzlich gab es ein Verständnis der Menschen, die in einem Tier sehr wohl ein Individuum erkennen konnten, gab es Tiere, die man nicht nur fürchtete, jagte, in die Arena schickte, im Tempel opferte, oder als reine Nutztiere sah, sondern die man als persönlichen Begleiter und Freund wahrnahm.

Wie in so vielen Dingen, war es im ‚alten Rom‘ auch in diesem Fall ganz genauso wie heute.

Was im übrigen auch für fanatische und falsch verstandene Tierliebe und Vermenschlichung gilt. Es war Kaiser Gaius Caesar Augustus Germanicus, in späteren Zeiten besser bekannt als Caligula, der seinem Rennpferd Incitatus so verfallen war, dass er ihm einen eigenen Palast bauen ließ, Einladungen in seinem Namen verschickte, ihm Wein aus goldenen Pokalen zu trinken gab, bei Staatsakten eine offizielle Schwurformel „auf das Wohlergehen und das Vermögen von Incitatus“ abwandelte, sowie es schließlich sogar zum Konsul ernennen und ihm einen ständigen Sitz im Senat verleihen wollte. 😉

Feste und Feiertage: Die Saturnalien


Termin: 17. bis 23. Dezember, später verlängert vom 17. bis zum 30. Dezember


SaturnalienDie Saturnalien waren eine Festzeit, die ursprünglich auf den 17. Dezember mit dem eigentlichen Saturnalia-Fest begrenzt war. Es war ein Fest zu Ehren des Gottes Saturn, ein Gott der Fruchtbarkeit und des Ackerbaus, der ebenso mit der Saturnia Regna, der Herrschaft über ein mythisches Goldenes Zeitalter verbunden war. In seinem Heiligtum, dem zweitältesten Tempel Roms, erbaut zwischen 501 und 498 v. Chr. wurde der Aerarium Saturni, der römische Staatsschatz aufbewahrt, was die Bedeutung dieser Gottheit unterstreicht. Der Beliebtheit des Festes geschuldet wurde es im Laufe der Zeit auf 3, dann auf 5 Tage verlängert, bis es später auf die Zeit vom 17. – 30. Dezember ausgedehnt wurde.

Die Saturnalien waren das beliebteste Fest im gesamten Römischen Reich und wurden – anders als manch andere spezifische Feiertage – nicht nur in Rom begangen, sondern tatsächlich bis in die Provinzen hinein gefeiert.

Saturnalien im öffentlichen Staatskult

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Tempel des Saturn auf dem Forum Romanum in Rom Erhalten ist leider nur die nördliche Fassade mit 8 ionischen Säulen, die den Architrav (den horizontalen Balken, auch Epistyl genannt: grch. „auf Säulen) tragen, der mit einer Bauinschrift versehen ist. (Foto von Denniss, lizensiert unter CC BY-SA 3.0)

Eingeleitet wurde die Festzeit durch ein öffentliches Opfer im Tempel des Saturn auf dem Forum Romanum durch die staatliche Priesterschaft. Diese löste dann die Bänder aus Wolle, die aus zeremoniellen Gründen um die Füsse der Kultstatue des Gottes gebunden waren (eine Anspielung auf den Mythos der Fesselung durch seinen Sohn Zeus/Jupiter, der sich um den griechischen Gott Kronos gebildet hatte, den die Römer mit Saturn gleichsetzten) und leitete danach mit dem Ruf IO SATURNALIA, einem Ausruf der Freude, dem sich alle Anwesenden anschlossen, quasi die Festzeit offiziell für alle Bürger ein. Zu den öffentlichen Opfergaben gehörten Ferkel.

Öffentliche Einrichtungen, Verwaltung, Schulen wurden geschlossen, Gerichtsverhandlungen ausgesetzt und es gab Speisungen der Bevölkerung. Krieg zu dieser Zeit zu führen, galt als unangemessen.

Saturnalien, das größte Volksfest der Antike

Im Gegensatz zu vielen anderen Feiertagen standen bei den Saturnalien im privaten Rahmen keine kultischen oder religiösen Handlungen im Vordergrund. Stattdessen ging es in dieser Zeit weniger darum, Götter durch förmliche Handlungen zu ehren, als dadurch, eine bestimmte Geisteshaltung und Einstellung zur Schau zu stellen. Die Saturnalien lassen sich deshalb nicht ohne Grund als eine Mischung aus Weihnachten und rheinischem Karneval beschreiben…

Zum Glück sind uns Bräuche, Praktiken und Ereignisse anläßlich der Saturnalien durch zahlreiche antike Quellen überliefert, so daß dieses Fest im Detail sehr gut belegt ist und sogar zu den am besten bekannten antiken Festen gehört. Fast alle Autoren der Antike, von Cicero über Catull, Macrobius, Martial, Tacitus, Plinius, Seneca, Livius, Horaz erwähnen in ihren Schriften oder Briefen die Saturnalien. Manche haben sogar eigenständige Werke nur zu diesem Thema geschrieben, wie die „Saturnalia“ von Lucian oder Macrobius.

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„Saturnalia“, Ernesto Biondi

In erster Linie ging es um das Feiern mit Freunden und Familie, Essen und Trinken (gerne auch mal zu viel), sich gegenseitig Geschenke machen, Rollenumkehr zwischen Herren und Sklaven, sowie zwischen Erwachsenen und Kindern, Spiele, Streiche, über-die-Stränge-schlagen, die strikten römischen Standesgrenzen für einen begrenzten Zeitraum symbolisch aufzuheben, sich albern zu benehmen und Dinge zu tun, die sonst verpönt waren.

Ausgelassenheit war das Gebot der Stunde, die Menschen feierten und tranken zusammen, besuchten sich gegenseitig, es wurden Geschenke ausgetauscht und die Wohnungen mit Grünzeug und Lichtern geschmückt. Hierbei wurden vor allem Türen und Fenster mit Girlanden, Kränzen, Pflanzen und kleinen Gegenständen dekoriert, draußen stehende Bäume wurden ebenfalls geschmückt (den Brauch, einen Baum zu schlagen und in die Wohnung zu holen, gab es jedoch noch nicht).

Man lief in Gruppen durch die Straßen und rief einander als Festtagsgruß „Io Saturnalia!“ zu, so wie man zu Karneval Helau oder Alaaf ruft.

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Lararium, geschmückt für die Saturnalien

Als Zeichen für diese Auszeit der bestehenden Klassen- und Standesstrukturen trug man eine Pilleum genannte Filzkappe. Diese wurde traditionellerweise von freigelassenen Sklaven getragen und galt nun in der Zeit der Saturnalien als symbolischer Ausdruck dafür, das jeder gleichermaßen frei war und mit jedem anderen auf einer Stufe stand. Niemand trug zu dieser Zeit Toga, sondern die sonst strenge Kleiderordnung wurde aufgehoben und man trug legere und deutlich freizügigere Kleidung, so daß auch dadurch keine Standesunterschiede mehr zu erkennen waren (Martial, XIV.141, VI.24, XIV.1, XI.6; Senec. Ep. 18).

Es gab das Recht der freien Rede auch für die Sklaven, denen es erlaubt war, Kritik an ihren Herren zu üben (wir finden diesen Brauch zuweilen heute noch an Universitäten, wo die Studenten in dieser Zeit ihren Dozenten ‚die Meinung sagen‘ können), Sklaven aßen mit dem Hausherrn und seiner Familie zusammen, oder wurden zuweilen sogar bei Tisch von diesen bedient und man wartete auf sie mit dem Essen, in einer Umkehrung der natürlichen Standesordnung (Macrob. Sat. I.7; Hor. Sat. II.7.5; Martial, XI.6, XIV.1).

Auch Kinder durften frei ihre Meinung sagen und Eltern tauschten bisweilen ihre Rollen mit ihnen. Sie wurden aber im Gegenzug, wie die Sklaven, auch von Erwachsenen bzw. den Herrschaften, die ihre Rollen einnahmen, in ihrem alltäglichen Verhalten imitiert, was durchaus auch derbe werden konnte  – durchaus erwünscht! So ließ man auch Kinder im Rahmen der Rollenumkehr die alltäglichen religiösen Handlungen am Lararium leiten (und amüsierte sich darüber).

Familien, Militäreinheiten oder andere Gruppen wählten einen der ihren per Los zum Saturnalicus princeps (Saturnalienfürst), der manchmal auch Rex bibendi („König des Trinkens“) genannt wurde, was die Bedeutung des in dieser Zeit gesteigerten Weinkonsums widerspiegelt. Dieser quasi karnevaleske ‚König‘ konnte nun seinen ‚Untertanen‘ verschiedene Späße befehlen, denen sich diese zur Belustigung aller zu fügen hatten (Tac. Ann. XIII.15; Lucian. Saturn. 4).

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Würfelspiel war an den Saturnalien ausdrücklich erlaubt und war sehr beliebt (Wandgemälde aus Pompeji)

Würfelspiel, sonst eher als Beschäftigung der unteren Kasten verpönt und nicht gern gesehen (zum Teil sogar verboten), wurde nun, wie auch andere Arten von Spielen, begeistert von fast allen ausgeübt und offiziell von den aediles erlaubt (Martial, V.84, XIV.1, XI.6).

So sprach der Dichter Horaz treffend von der Libertas Decembris, der „Freiheit des Dezembers“, die in dieser Zeit das Leben bestimmte und der antike Schriftsteller Lukian von Samosata sah sich in dieser Zeit wohl jeder Möglichkeit zum ernsthaften Arbeiten beraubt, wenn er klagt:

Es ist mir nicht gestattet, etwas Ernsthaftes oder Wichtiges zu tun, sondern bloß, zu trinken, zu lärmen, zu scherzen und Würfel zu spielen, Festkönige zu wählen, die Sklaven zu bewirten, nackend zu singen und mit Ruß bestrichen in einen kalten Brunnen getaucht zu werden.“

Es ist diese Ausgelassenheit, welche das mythische Goldene Zeitalter, über das Saturn ehemals geherrscht hat, zurückbringen soll in die dunkle Zeit des Winters.

Die Kerzen, die als Schmuck der Häuser und Strassen und als Geschenke eine herausragende Rolle spielten, zeigen den Charakter der Saturnalien als eine auf die nahende Wintersonnenwende hin orientierte Festivität, man nahm damit gleichsam die Hoffnung vorweg, daß die Tage bald wieder länger werden würden.

Religiöse Handlungen und Kultpraxis während der Saturnalien?

Gab oder gibt es in der heutigen Religio Romana spezielle Kultpraktiken, zum Beispiel am Lararium, die man während der Saturnalien praktiziert?

Wie weiter oben bereits erwähnt, begannen die Saturnalien mit einem sacrificium publicum, einem Opfer und dem öffentlichen Kult im Tempel des Saturn, der das Jahr über aufgrund mythologischer Bezüge seine Füße symbolisch mit Wollstricken gebunden hatte. Zu den Saturnalien wurden diese Fesseln gelöst, was im Rahmen des kultischen Geschehens zelebriert wurde und der Gott damit frei, um seine Herrschaft über die saturnalische Zeit anzutreten. Nach diesem kultischen Geschehen im Tempel wurde durch den Senat ein öffentliches Lectisternium veranstaltet. Dies war ein ursprünglich aus Griechenland stammendes (dort nannte man es theoxenia [grch.: Θεοξένια]) rituelles Bewirten von Gottheiten, das sich an den Tischsitten der Menschen orientierte.

Der lateinische Begriff leitet sich ab von lectus (Kissen, Bett) und sternere (ausbreiten) und beschreibt damit korrekt den Brauch, Darstellungen von Göttern (Marmorstatuen, Holzbildnisse mit Köpfen aus Bronze oder Wachs etc.) auf einer Couch zu präsentieren und ihnen auf einem Tisch symbolisch ein Mahl anzubieten. Ein solches Lectisternium konnte öffentlich geschehen, wie bei den Saturnalien, wo solche rituellen Bewirtungen in den Strassen und auf öffentlichen Plätzen abgehalten wurden, oder auch in kleinerem, privatem Rahmen, hier manchmal Teil von Begräbnissen bzw. den Feierlichkeiten danach.

Ebenso wurde vor dem Saturntempel ein convivium publicum, also ein öffentliches Festmahl veranstaltet und der Ruf IO SATURNALIA beendete diesen öffentlichen Teil des Festes und erklärte gleichermaßen die damit begonnene Festzeit für alle. Man ging zurück in seine Häuser, opferte ein Ferkel, begann die frohe Zeit mit gutem Essen, Trinken und den Besuchen von Freunden und Familie und tauschte Geschenke untereinander aus, wie bereits beschrieben.

Die Quellen überliefern uns weiter, daß alle Rituale und Opfer in dieser Zeit mit freiem Haupt (capite aperto gemäß dem ritus graecus) durchgeführt wurden und nicht, wie sonst üblich, capite velato (mit verhülltem Haupt). Diese Besonderheit hat mehrere Gründe, die man als Erklärung anführen kann. So dient das Tragen einer verhüllenden Kopfbedeckung normalerweise dazu, negative Zeichen im Rahmen eines Rituals auszublenden. Während der Saturnalien wurde angenommen, daß es in einer solch fröhlichen Zeit gar keine negativen Zeichen gab und um dieses zur Schau zu stellen, praktizierte man mit unbedecktem Kopf (Catull. 14; Martial, V.18, 19, VII.53, XIV.1; Macrob. Sat. 1.8, 10; Senec. Ep. 18; Suet. Aug. 75;  Plin. Ep. IV.9).
Weiterhin gibt es eine Gleichsetzung des Saturn mit seinem griechischen Gegenpart Kronos (grch.:Κρόνος), was den ritus graecus in diesem Fall erklären kann, aber auch die Idee des Auf den Kopf stellens von Gewohnheiten und Bräuchen, welche die generelle Intention der Saturnalien ausmacht, lässt sich hier anführen.

Happy saturnalia

Da Saturn im Mittelpunkt des Festes steht, kann man ihn durchaus in die tägliche Kultpraxis am Lararium einbinden und rekonstruierte Rituale für die sacra privata,  orientieren sich an üblichen Strukturen und Formen, die wir kennen, vergleichbar mit dem Neujahrsritual für Janus oder dem Geburtstagsritual.

Auch wenn die Entfesselung des Saturn ursprünglich ein Aspekt der sacra publica im öffentlichen Kult des Tempels war, so hat sich dies mittlerweile als Teil der sacra privata bei vielen Cultores eingebürgert. Viele haben also eine Statue des Saturn in ihrem kultischen Bereich stehen, dessen Füße das Jahr über mit Wolle gebunden sind und zur Eröffnung des Saturnalienzyklus wird Saturn auf die alte Weise seiner Fesseln rituell entledigt. Dies sollte man gleich zu Anfang des Ritus tun, nachdem man die Lampen (oder Kerzen) angezündet hat, wie bei jedem Ritual dieser Art üblich und fortfahren mit dem folgenden Ritus (ohne Kopfbedeckung!):

PRAEFATIO

Saturne, pater sanctissime,
te hoc ture commovendo
bonas preces precor,
uti sis volens propitius
amicis meis,
mihi, domo, familiae!“

„Saturnus, heiligster Vater,
durch das Opfer dieses Weihrauchs
trage ich gute Gebete vor, so
das Du wohlwollend und gütig bist,
meinen Freunden, mir, meinem Haus und meiner Familie!“

(Weihrauch wird vor dem Lararium/Sacellum aufgelegt)

„Saturne, pater sanctissime,
uti te ture commovendo
bonas preces precatus sum,
eiusdem rei ergo
macte vino inferio esto!“

„Saturnus, heiligster Vater,
wie durch das Opfer von Weihrauch schon,
habe ich gute Gebete vorgetragen
aus dem gleichen Grund sei beschenkt durch diesen Wein!“

(Trankopfer wird dargebracht)

PRECATIO 

„Saturne, pater sanctissime atque amatissime,
hoc die Saturnalium
te precor, quaesoque:
uti pacem concordiamque
familiae meae tribuas;
utique sis volens propitius
amicis meis,
mihi, domo, familiae!“

„Saturnus, unser heiligster und geliebter Vater,
an diesem Tag der Saturnalien
bete ich zu Dir und bitte darum,
daß Du Frieden und Eintracht für meine Familie bringst;
und das Du wohlwollend und gütig bist,
meinen Freunden, mir, meinem Haus und meiner Familie!“

SACRIFICIUM 

„Cuius rei ergo macte
hoc vino libando,
hoc ture ommovendo
esto fito volens propitius
amicis meis,
mihi, domo, familiae!“

„Aus diesem Grund, sei beschenkt
durch das Opfer dieses Weines,
durch das Opfer dieses Weihrauchs,
sei wohlwollend und gütig,
meinen Freunden, mir, meinem Haus und meiner Familie!“

(Wein und Weihrauch werden geopfert)

PIACULUM

„Iane,
Saturne, pater sanctissime,
Lares, Manes, Penates,
Iuppiter, Iuno, Minerva,
Omnes Di Immortales quocumque nomine:
si quidquam vobis in hac caerimonia displiceat,
hoc vino inferio
veniam peto
et vitium meum expio.“

„Ianus,
Saturnus, heiligst,er Vater,
Ihr Laren, Manen, Penaten,
Iuppiter, Iuno, Minerva,
All Ihr unsterblichen Götter, bei welchem Namen immer auch,
wenn irgendetwas in dieser Zeremonie unerfreulich für Euch war,
durch diesen Wein
entschuldige ich mich und sühne es.“

(Weinopfer wird dargebracht)

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Saturn mit Sichel und toga pinguis, einer dicht gewebten Toga, wie man sie im Winter trug. Fresko aus dem Haus der Dioskuren, Pompeji

Wer Kinder hat, kann diese (zumindest für einen Tag) im Rahmen des Rollentauschs die alltäglichen rituellen Handlungen leiten lassen, jedoch war es in der Antike durchaus üblich, sich dabei auch über die Kinder lustig zu machen und ihr typisches Verhalten zu imitieren – also nichts für sensible Gemüter!

Interessant an dieser Stelle vielleicht noch der Hinweis auf den im frühen Mittelalter entstandenen – und dabei die Idee des Saturnalicus princeps deutlich aufnehmenden – Brauch, der an Klosterschulen und Kathedralen gepflegt wurde: am Nikolaustag, den 6.12., wurde ein sog. „Kinderbischof“ oder „Kinderabt“, in Augsburg sogar ein „Kinderpapst“, aus den Reihen der Schüler resp. Chorknaben gewählt. Die früheste Erwähnung dieses Brauches findet sich in den St. Galler Klostergeschichten (Casus Sancti Galli) verfasst vom Chronisten Ekkehard IV. von St. Gallen (980-1057), der darin beschreibt, das König Konrad I. nach Weihnachten 911 zu diesem Fest ins Kloster St. Gallen kam.

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Sog. „Boy Bishop“ in Großbrittanien

Der zum Kinderbischof ausgewählte Junge wurde entsprechend eingekleidet, komplett mit Mitra, Bischofsstab und prachtvollen Gewändern aus den kostbarsten Stoffen, oft mit Edelsteinen, Gold, Silber oder kunstvollen Stickereien versehen. Nach seiner Einsetzung durfte er wiederum seine Kapläne aus den Reihen der Schüler wählen und predigte in seiner „Amtszeit“ den Erwachsenen und durfte ihr Verhalten tadeln. Daneben war er in liturgische Aufgaben, wie Prozessionen eingebunden und in seiner Amtszeit war Singen, Tanzen und das Tragen von Masken Teil des Spektakels dieser „verkehrten Welt“.

Je nach Ort blieb er eine bestimmte Zeit in seinem Amt, dies entweder nur am 6.12. oder nur am Tag der unschuldigen Kinder, den 28.12. oft aber auch die gesamte Zeit vom Nikolaustag bis zum 28.12.. Im 13. und 14. Jahrhundert wurde dieser Brauch stellenweise verboten, hielt sich aber in manchen Gegenden bis in die Neuzeit und seit den 50er Jahren erinnert man sich wieder an diese alte Tradition. Kinderbischöfe werden heute vor allem in Großbrittanien und auch in Deutschland wieder inthronisiert.

Da es in der Antike üblich war, Häuser während dieser Zeit mit Pflanzen, Girlanden, Kränzen und Grünzeug zu dekorieren, insbesondere Fenster und Türen, und diese Dekoration nicht sonderlich von der heutigen weihnachtlichen Dekoration abwich, kann man hier problemlos auf Tannen, Stechpalmen oder sonstige Girlanden und Kränze aus dem Weihnachtssortiment zurückgreifen. Auch eine saturnalische Dekoration des Larariums, zum Beispiel mit Girlanden oder Zweigen, ist üblich. Es spricht auch nichts dagegen, den weihnachtlichen Tannenbaum im Haus saturnalisch zu dekorieren, auch wenn der Brauch des geschlagenen Baums in der Wohnung erst deutlich später aufkam und in der römischen Antike unbekannt war.

Es war auch üblich, Gebäck in dekorativen Formen anzubieten, zum Beispiel Mond, Sonne oder in Form von Nutztieren (die auf den landwirtschaftlichen Ursprung des Festes hindeuten). Das unterscheidet sich ebenfalls nicht wesentlich von unseren heutigen geformten Weihnachtsplätzchen, so daß auch dieser Brauch überaus römisch ist. Wer also statt Weihnachtsmann und Engel Schwein, Hase, Schaf und Mond als Plätzchen backt, liegt nicht verkehrt.

Wenn man die Saturnalien feiern möchte, kann man Saturn und die anderen Götter, die während dieser Zeit geehrt werden, in seine tägliche Kultpraxis einbeziehen – ansonsten ehrt man sie am besten, indem man ausgelassen feiert.

Saturnalien, der Ursprung von Weihnachten?

Gemessen am theologischen Gehalt – also bezogen auf die Bedeutung eines liturgischen Festes -, ist es so, daß das wichtigste kirchliche Fest Ostern ist. An diesem Tag gedenkt die christliche Gemeinschaft der Auferstehung ihres Erlösers, die als eigentliche Initialzündung der christlichen Religion anzusehen ist. Allerdings hat Ostern weder in der Gesellschaft noch in der Familie diesen Stellenwert, denn das Fest, welches in jeder Hinsicht alle anderen kirchlichen Feiertage weit überstrahlt, ist Weihnachten.

Dies überrascht sicherlich auf den ersten Blick, eben weil die Geburt Jesu nicht nur keine wirkliche ‚Heilsbedeutung‘ an sich hat, sondern auch bedingt durch die Tatsache, daß wir nicht wissen, wann er überhaupt geboren wurde.

Den ersten Christen war das Geburtsdatum Jesu unbekannt und sie feierten es konsequenterweise nicht, die Evangelien liefern keine genauen Angaben, allenfalls Hinweise bei Lukas liegen vor – diese allerdings deuten an, daß es nicht im Winter war. Die Ansprache der bei ihren Tieren lagernden Hirten durch Engel, die ihnen die Geburt des Heilandes in Bethlehem verkünden, macht deutlich, daß Lukas in seiner Weihnachtsgeschichte nicht eine Geburt zur Winterzeit im Sinn gehabt hat. Im Winter werden Schafe und Ziegen nicht mehr draussen gehalten, weil sie in dieser Zeit keine Nahrung mehr finden, sondern sie werden im Stall versorgt.

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Silberne Scheibe mit der Darstellung des Sol Invictus, 3. Jhd.

Entsprechend finden wir das Weihnachtsfest auch erst wesentlich später in der Entwicklungsgeschichte des Christentums erwähnt, die älteste Notiz darüber findet sich in einem Kalender des Kalligraphen Furius Dionysius Philocalus demnach das Geburtsfest Jesu zum ersten Mal am 25. Dezember im Jahre 336 n. Chr. in Rom gefeiert wurde.

Der 25. Dezember fiel im Römischen Reich nach dem julianischen Kalender auf den Tag der Wintersonnenwende und wurde als Festtag der Sonne gefeiert, genauer der Dies Natalis Solis Invicti (Geburtstag der Unbesiegbaren Sonne) des Reichsgottes Sol Invictus, wie auch des Mithras, Gott eines später eingeführten Mysterienkultes. Da in späterer Zeit das Christentum zahlenmäßig enorm an Anhängern gewonnen hatte, gab es eine gemischte heidnisch-christliche Bevölkerung und ein namentlich unbekannter christlicher antiker Autor erwähnt ausdrücklich nicht nur das Sonnenfest, sondern vor allem auch die Offenheit der alten Religion und ihrer Anhänger.

Die Heiden pflegen nämlich am 25. Dezember das Fest des Geburtstages der Sonne zu feiern und zu ihren Ehren Lichter zu entzünden. Zu diesen Riten luden sie oft auch Christen ein. Da nun die Lehrer der Kirche sahen, dass sich viele Christen zur Teilnahme an diesen Festen verleiten ließen, beschlossen sie, fortan am selben Tag das Fest der wahren Geburt zu begehen.“ (Syrischer Scholiast des Dionysius = CIL 1, S. 338)

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Christus dargestellt mit dem Strahlenkranz des Sol Invictus

Im Zuge der Idee der damals noch jungen Kirche, die alte Religion nicht immer nur aggressiv zu bekämpfen, sondern sich bestehende Strukturen zunutze zu machen, wurde also der ohnehin unbekannte Geburtstag Jesu auf diesen wichtigen heidnischen Feiertag gelegt. Das erlaubte einerseits den Christen eine eigene Begründung dafür zu liefern, dass sie im Grunde immer noch das alte Fest begingen, was Entfremdungstendenzen innerhalb der Gesellschaft, in der sie lebten, vorbeugte, wie auch anderseits die bekannte Symbolik der alten Religion im Sinne der neuen Botschaft zu nutzen – Jesus Christus verstanden als das ‚Licht der Welt‘.

Papst Julius I. bestimmte dann offiziell den 25. Dezember als Geburtsfest des Herrn und schriftlich belegt durch eine Weihnachtspredigt von Johannes Chrysostomos vom  25. Dezember 386 hat sich dann das christliche Alternativfest zum alten Fest der Wintersonnenwende etabliert, gestützt durch die offizielle Annahme des Christentums als Staatsreligion im Jahre 380 n. Chr., die mit dem Verbot der alten Religion einherging.

Götterwelt: Vesta

Zuständigkeiten und Bezeichnungen: 

Göttin mit Fackeln, wahrscheinlich Vesta (Vatikanisches Museum)

Göttin mit Fackeln, wahrscheinlich Vesta (Vatikanisches Museum)

Göttin der Familie, des Heims und des heiligen Feuers, als anwesend gedacht sowohl im Herdfeuer in jedem Haushalt, wie auch als ewige Flamme im Staatstempel, der auf dem Forum Romanum stand und dessen Salus (Heil) spendende Flamme an jedem 1. März rituell neu entfacht wurde.

Durch ihren Bezug zum Heim und zur Familie stand Vesta in enger Verbindung zu den Laren und Penaten, den Ahnen und Schutzgeistern der Familie (in ihrem Tempel wurden entsprechend auch die Penaten und Laren des Staates verehrt) und sie galt als Schutzgöttin der Bäcker und Müller durch den offensichtlichen Bezug zu Feuer und Ofen. Diese schmückten an ihrem Feiertag die Esel, die sie als Lasttiere für Mühlsteine und Getreide nutzten, was erklärt,  daß der Esel zu ihrem heiligen Tier wurde.

Wie der heimische Herd das Zentrum in jedem Haus war, so galt der Vestatempel – einer der ältesten Tempel des römischen Reiches – als das Zentrum des gesamten Imperiums, was die überragende Bedeutung der Göttin erklärt. Nach Ovid und Dionysios von Halikarnassos galt Vesta als Verkörperung der Erde selbst. Der Tempel hatte, im Gegensatz zu anderen Heiligtümern, eine runde Form, was das Alter seiner Ursprünge mit belegt, die bis ins 7. Jahrhundert v. Chr. reichen. Seine Tore waren nach Osten hin ausgerichtet, um die Verbindung der lebenspendenden Sonne mit dem im Tempel gehüteten ewigen Feuers zu betonen. Wie Janus, wurde auch Vesta in jeder Opferhandlung angerufen, Janus als Gott der Anfänge immer zu Beginn und Vesta am Schluss der rituellen Handlungen.

Sie ist eine der Dei Consentes, der 12 höchsten Götter.

Sphäre: 

Irdisch (Gemeinschaft, Heim, Herd)

Attribute und Darstellungen: 

Vesta wurde sehr lange Zeit bildlos in Gestalt des Feuers selbst verehrt, erst in späterer Zeit wurde auch sie wie andere Götter in Statuen personifiziert dargestellt (außer in ihrem Tempel), entweder stehend oder sitzend, ganz bekleidet und verschleiert mit den Attributen Opferschale, Fackel und Zepter, Schöpfkelle. Gedenksteine, oft von wohlhabenden Bäckern gestiftet zeigen sie auch mit Esel.

Opfergaben: 

Räucherwerk, Wein (am Lararium); Teile des täglichen Mahles (direkt in die Flammen des Herdes gegeben); Lorbeer, Wacholder, Veilchen

Kulttiere: 

Esel (nicht als Opfertier), Schaf

Feiertage: 

Vesta mit Esel

Vesta mit Esel

Das Fest der Göttin, Vestalia, wurde in der Zeit vom 7. – 15. Juni begangen, mit dem Hauptfesttag am 9. Juni.

Der Tempel der Vesta war das ganze Jahr über für die Öffentlichkeit geschlossen und nur am Fest der Vestalien zugänglich, allerdings nur für Frauen, die diese Zeit nutzten um den Tempel barfuß zu betreten und zu opfern. Als einzige männliche Ausnahme durfte der oberste Priester Roms, der Pontifex Maximus, den Tempel ebenfalls betreten. Am ersten Tag der Feierlichkeiten wurde der penus Vestae, ein durch Vorhänge abgetrennter besonderer Bereich im Tempel geöffnet. Hier wurden Symbole und Kultgeräte aufbewahrt, die die Macht Roms verkörperten.

Die Vestalinnen backten zu diesem Anlaß ein hartes Opferbrot mit Wasser, das von einer geheiligten Quelle transportiert wurde und keinen Kontakt mit dem Boden haben durfte, sowie Salz.

Der letzte Tag der Vestalien (die Iden des Juni) wurden zu einem Feiertag für alle Berufsgruppen, die mit Vesta verbunden waren, wie Bäcker und Müller. Diese schmückten an diesem Tag ihre Werkzeuge, Mühlsteine und Tiere ihr zu Ehren mit Blumen- oder Brotkränzen.

Sonstiges: 

Der Kult der Vesta wurde von einer besonderen Priesterschaft, den Sacerdotes Vestales (Vestalinnen), gepflegt, die verantwortlich für das Hüten der ewigen Flamme waren und den kultischen Dienst der Staatspenaten versahen.

Es waren Frauen, die eine 30jährige Zeit im Dienst der Vesta abzuleisten hatten und vom Pontifex Maximus als Kinder ausgewählt wurden. Ihr Leben wurde von strikten Vorschriften der Reinheit und Jungfräulichkeit bestimmt. Augrund ihres keuschen Lebenswandels wurden sie angesprochen als Virgo Vestalis (Vestalische Jungfrau) und sie hatten ein außerordentlich hohes Ansehen in der Öffentlichkeit und saßen etwa im Theater auf Ehrenplätzen.

Wenn sie sich außerhalb des Tempels bewegten, wurden sie von Lictores begleitet, einer Art symbolischer Leibgarde, die ansonsten ausschließlich Magistrate und Konsuln begleitete und deren Amtsgewalt durch die auf der Schulter getragenen Fasces (Rutenbündel mit einer eingebundenen Axt) anzeigten. Selbst Senatoren und Konsuln ließen einer Vestalin den Vortritt und begegnete ihr ein Verurteilter, konnte er von ihr auf der Stelle begnadigt werden. Sie wohnten in einem Atrium Vestae genannten Gebäude neben dem Vestatempel und konnten nach Ablauf ihres Tempeldienstes zurück in das Privatleben gehen, auch heiraten. Die Mehrheit allerdings verblieb nach den 30 Jahren im Tempeldienst, weil sie ihre gesellschaftliche Stellung und die damit verbundenen Privilegien nicht aufgeben wollten und in der Bevölkerung die Vorstellung herrschte, dass eine ehemalige Vestalin, die später als Braut in eine Familie einzog, dieser Unglück brachte.

Brach eine Vestalin ihr Zölibat, oder ließ sie das heilige Feuer ausgehen, wurde sie mit dem Tode bestraft, unter anderem durch Begraben bei lebendigem Leibe (unter Kaiser Domitian). Hierbei wurde die Vestalin gefesselt und mit verbundenen Augen vor die Stadt getragen, wo in der Erde ein Raum ausgehoben wurde, in dem ein Bett, eine Lampe, ausreichend Essen und Trinken standen. Die Vestalin mußte auf einer Leiter durch die Öffnung in die Tiefe steigen, danach wurde die Leiter herausgezogen. Anschließend verschloß man die Öffnung und bedeckte die ganze Anlage mit Erde, bis nichts mehr zu erkennen war. Die Nahrung und Getränke sollten verhindern, daß die Vestalin nicht durch Verhungern oder Verdursten starb.