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Antike Stätten: Weihestein für Arduinna (Gey-Hürtgenwald)

06_Stein Gey

Der Weihstein für die Göttin Ardbinna

Anschrift:

Dürener Straße / Ecke Broicher Straße, 52393 Gey (Hürtgenwald)

Anfahrt:

Gey liegt im Hürtgenwald am Rande des Nationalparks Eifel und des Deutsch-Belgischen Nationalparks „Hohes Venn“ an der Bundesstraße B399, die von Düren zur belgischen Grenze führt.

Der Weihestein steht am Rande des zentralen Dorfplatzes zwischen Volksbank, Sparkasse, kleiner Grünanlage und Feuerwehr. Er ist die erste Station des „Ardbinna-Wanderwegs“, der auf zahlreichen Tafeln die (durch den 2. Weltkrieg weitgehend zerstörte) Geschichte des Ortes und der Umgebung erzählt.

Parkmöglichkeiten bestehen direkt am Dorfplatz bei der Sparkasse.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist Gey mit der Buslinie 286 aus Düren zu erreichen, der durch die verschiedenen Dörfer des Hürtgenwalds bis nach Vossenack fährt.

Hintergrund:

Eins vorweg – hier handelt es sich um keine „richtige“ antike Stätte; der Weihestein für die gallo-römische Göttin Arduinna (hier in der Schreibweise „Ardbinna“) ist eine Kopie. Das Original befindet sich im Rheinischen Landesmuseum Bonn. Weitere Kopien stehen in den Museen von Düren und Vossenack.

arduinna

Von Arduinna gibt es keine figürlichen Darstellungen; ob es sich bei dieser Figur um sie handelt, ist ungeklärt

Das Besondere an der Stelle ist jedoch, daß das Original des Weihesteins im Jahr 1859 bei Rodungsarbeiten bei Gey gefunden wurde und damit ein Beleg dafür ist, daß die Göttin Arduinna hier in dieser Region lokal verehrt wurde. Zu römischer Zeit zählte die Gegend des Eifelrandes zu den Ardennen im östlichen Gallien und war von einheimischen Kelten besiedelt. Die Schutzgöttin des großen Mittelgebirgswaldes der Ardennen spielte in diesem unwegsamen Gebiet, das sich durch dichte Wälder und enge, steile Flußtäler auszeichnet, eine wichtige Rolle.

Die Tatsache, daß der Stein in Gey gefunden wurde und zumindest als Replik auf dem Dorfplatz aufgestellt wurde, ist für uns Grund genug, diesen Ort in unserer Reise-Reihe „Antike Stätten“ aufzunehmen. Denn anders als Orte für z.B. Merkur, die man in unseren Breiten zahlreich findet, sind Original-Lokalitäten, an denen Arduinna verehrt wurde, sehr selten und deswegen auch besonders interessant. Deshalb geht es uns weniger um den Stein, als um die Region als solche, in der zu keltischer und römischer Zeit ihr Numen gewirkt hat.

Der Weihestein wurde von einem Julius T. Aequalis gestiftet, der damit seinen Dank gegenüber der Göttin zum Ausdruck brachte. Die Inschrift lautet:

DEAE ARDBINNAE T IVLIVS AEQVALIS S.L.M.

In der Übersetzung:

„Der Göttin Ardbinna gestiftet von T. Julius Aequalis. Er erfüllte damit gerne und nach Gebühr das Gelübde“.

04_Stein seitlich Gey

An der Seite finden sich Laubreliefs

Auf den Seiten des Weihesteins findet sich ein Laub-Relief, das ebenfalls die Beziehung zum Wald und zur Waldgöttin verdeutlicht.

Dem Namen nach handelte es sich bei dem Stifter des Steins um einen Römer oder um einen romanisierten keltischen Einheimischen, der einen römischen Namen angenommen hatte (was nicht ungewöhnlich war).

Genaues ist über T. Julius Aequalis nicht bekannt, aber aufgrund der Fundsituation wird folgendes gedeutet: Der Stein wurde in der Nähe zahlreicher Tonscherben, aber auch erhaltenem Tongeschirr wie Reibschalen, verglasten Schlacken, wie sie aus Brennöfen bekannt sind, und pilzförmigem Töpferwerkzeug gefunden. Daher nimmt man an, daß es sich bei dem Stifter um den Inhaber einer Töpferei handelte.

Da der Transport der empfindlichen Töpferwaren stets durch den unwegsamen Hürtgenwald erfolgte, dankte er der lokalen Waldgöttin Arduinna für die sichere Reise auf seinen Wegen. Die Töpferwaren aus Gey, die durch den Stempel der Herstellermanufaktur in Form einer Rosette erkennbar sind, wurden überregional gehandelt; ein Töpfergeschirr aus Gey wurde sogar im englischen Rochester gefunden. Deswegen tat Aequalis gut daran, sich an die lokale gallo-römische Schutzgöttin seiner Region zu wenden.

109_Kall_Trail

Eingebrannte Panzerketten im Hürtgenwald

Gey wurde im 2. Weltkrieg in der Allerseelenschlacht, der Schlacht um den Hürtgenwald im Rahmen der Ardennenoffensive im Winter 1944, zu 99% zerstört, wie viele andere Orte im Hürtgenwald auch. Im Wald ist  noch heute Minengefahr und kein Haus darf ohne vorherige Kampfmittelprüfung gebaut werden. Einen Reisebericht, den wir für eine unserer anderen Websites geschrieben haben, mit Hintergrundinformationen zum Hürtgenwald und auch dem Hürtgenwaldmuseum in Vossenack (wo neben dem 2. Weltkrieg auch etwas zur Jungsteinzeit und zur keltisch-römischen Vorgeschichte zu finden ist), möchten wir Euch an dieser Stelle gerne empfehlen.

112_Kall_Trail

Der Hürtgenwald ist landschaftlich reizvoll mit seinen engen, steilen Flußtälern (hier das Kalltal)

Da die Ortschaften des Hürtgenwaldes aufgrund der massiven Kriegsschäden allesamt nicht sonderlich „urig“, alt oder rustikal anmuten, sind sie heute sehr bemüht, sich ein neues Gesicht zu geben und ihre Geschichte wieder in Erinnerung zu rufen, damit auch der durch den Nationalpark Eifel gestiegene Tourismus in dieser Gegend Fuß fasst. Deshalb hat der Heimat-, Wander- und Verkehrsverein Gey-Straß e.V. im Jahr 2007 den „Ardbinna-Wanderweg“ angelegt, der mit informativen Tafeln die Geschichte der Orte Gey, Straß und Horm darstellt, von der Römerzeit über das Mittelalter bis zum 2. Weltkrieg. Der Ardbinna-Stein ist die erste Station dieses Weges.

Beschreibung:

Der Stein steht am Rande des Dorfplatzes nahe der Hauptstraße neben einem denkmalgeschützten Basalt-Wegekreuz aus dem Jahr 1767.

02_Stein und Kreuz Gey

Weihestein und Wegekreuz

Es handelt sich beim Weihestein um eine Replik, die in einem sehr guten Zustand ist (keine Schmierereien oder ähnliches, wie man an Dorfplätzen manchmal erlebt). Die Buchstaben der Inschrift sind farbig ausgemalt und gut zu lesen, so daß man eine gute Vorstellung davon bekommt, wie ein derartiger Weihestein aussah. Auch das Laubrelief an den Seiten des Steins ist deutlich erkennbar.

03_TafelGey

Ausführliche Infotafel

Links neben dem Stein befindet sich die Infotafel des Ardbinna-Wanderweges. Sie ist informativ gestaltet und enthält gut aufbereitete Hintergrundinformationen über die keltische Göttin, den Stifter, die Fundsituation des Steins und die Einordnung der Region in die römische Zeit. Auch die Inschrift des Steins wird erläutert und auf die belaubten Seiten des Steins hingewiesen. Abgesehen von der Tatsache, daß die Tafel etwas verwittert und von Wind und Wetter verschmutzt ist (was vielleicht daran liegt, daß wir so früh im Jahr dort waren und der Weg noch nicht für die anstehende Wandersaison vorbereitet wurde), ist die Beschriftung des Ardbinna-Wanderwegs vorbildlich. Ihm zu folgen, ist ebenfalls gut möglich, da er komplett ausgeschildert ist.

08_Wanderweg

Der Ardbinna-Wanderweg ist gut ausgeschildert

Gleich um die Ecke auf dem Dorfplatz befindet sich Station 2, die historische Aufnahmen von Gey vor dem 2. Weltkrieg zeigt, denn an dieser Stelle, an der sich heute der Platz befindet, lag ursprünglich die zerstörte Kirche des Ortes.

Für geschichtsinteressierte Besucher lohnt es sich, auch die anderen Stationen abzugehen.

Eintritt, Zugänglichkeit:

Der Weihestein steht offen und ist jederzeit frei zugänglich.

Sonstiges:

Fotografieren ist natürlich uneingeschränkt möglich.

51_Museum

Das Hürtgenwald-Museum in Vossenack ist sehr empfehlenswert!

Wir empfehlen geschichtsinteressierten Besuchern unbedingt auch einen Besuch des Museums „Hürtgenwald 1944 und im Frieden“ in Vossenack, das vor allem die Zeit des 2. Weltkriegs in dieser Region sehr eindringlich und anschaulich präsentiert.

Achtung, es hat nur Sonntags von 11-17 Uhr geöffnet!

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