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Antike Stätten: Tempel „Varnenum“ für Sunuxal und Varneno bei Kornelimünster

Tempelanlage Varnenum bei Kornelimünster

Tempelanlage Varnenum bei Kornelimünster

Anschrift:

Der Tempel liegt auf einem Acker in der Nähe der Breiniger Straße, 52076 Kornelimünster. GPS-Koordinaten: 50°43’47.0″N 6°11’37.0″E

Anfahrt:

Kornelimünster ist ein kleiner Ort an der Inde, einem Nebenfluß der Rur. Es liegt bei Aachen und schließt sich an den Stadtteil Aachen-Brand an.

Die Tempelanlage befindet sich etwas außerhalb von Kornelimünster an der Landstraße zwischen Kornelimünster und Breinig. Für das Navi am besten „Breiniger Straße“ eingeben.

Zwar befinden sich sowohl in Kornelimünster als auch in Breinig braune Hinweisschilder „römische Tempelanlage Varnenum“, die beide auf diese Landstraße verweisen, aber die eigentliche Einfahrt zum Tempel ist nicht ausgeschildert.

Deshalb kurz hinter der Ortsausfahrt Kornelimünster in Fahrtrichtung Breinig auf einen landwirtschaftlichen Nutzweg achten, der auf der linken Seite in die Felder abzweigt. Hier steht ein „Durchfahrt verboten in 100 Metern“-Schild. Diesem unbefestigten Weg etwa 100 Meter folgen, dann erreicht man den auf einer kleinen Anhöhe inmitten von Kuhweiden gelegenen Tempel. Vor dem Gelände ist Platz für 2 parkende Autos.

Kornelimünster war früher an die Vennbahn angeschlossen, hat heute jedoch keinen eigenen Bahnhof mehr. Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln muß deshalb per Bus aus Aachen oder Monschau erfolgen.

Für Wanderfreunde interessant: Der Eifelsteig beginnt in Kornelimünster, von wo aus er in der ersten Etappe durch die Moore des Hohen Venns führt. Der Besuch des Tempels, der nahe am Ortsausgang liegt, läßt sich also auch gut mit einer Wanderung auf dem Eifelsteig verbinden.

Eine Warnung vorab:

Wer sich überlegt, sich auf eine weite Reise zu begeben, nur um diesen Tempel zu besichtigen, sollte eines wissen: Der Tempelkomplex Varnenum ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie man mit dem antiken römischen Erbe in unserem Land nicht umgehen sollte. Erwartet deswegen auch keinen religiös inspirierenden Ort, der zu kultischen Handlungen einlädt, oder setzt zu hohe Erwartungen in dieses seltene Heiligtum der Göttin Sunuxal. Sondern macht Euch für eine etwas schockierende und ernüchternde Erfahrung bereit und die Erkenntnis, daß in unserer ehemaligen römischen, kulturell hochstehenden Provinz heute wieder die Barbaren hausen.

Aus wissenschaftlichem  Interesse oder in Verbindung mit weiteren Sehenswürdigkeiten der Region (zum Beispiel die sehr schöne Stadt Monschau oder Aachen mit seinem beeindruckenden Kaiserdom und den Schätzen Karls des Großen) kann man diesen Abstecher natürlich durchaus machen.

Hintergrundinformationen:

Der Tempel, der heute „Varnenum“ genannt wird, war eine große gallo-römische Tempelanlage von einst überregionaler Bedeutung. Magnetometrische Untersuchungen deuten auf eine Größe des Geländes von mindestens 150.000 Quadratmetern hin.

Rekonstruktionsmodell eines der beiden Haupt-Umgangstempel aus Varnenum (Museum Frankenberg, Aalen)

Rekonstruktionsmodell eines der beiden Haupt-Umgangstempel aus Varnenum (Museum Frankenberg, Aalen)

Errichtet wurde der Tempel um die Zeit von Christi Geburt auf einer leichten Anhöhe, die in römischer Zeit wahrscheinlich terrassenartig angelegt war. In unmittelbarer Nähe verlief eine wichtige römische Heerstraße, die Aachen mit der Eifel und der dort verlaufenden Via Agrippa verband, so daß der Tempel an einer befestigten Überlandstraße lag und gut erreichbar war.

Es schlossen sich mehrere Bauphasen an, in denen die Anlage systematisch erweitert wurde. Er bestand in seiner Blütezeit aus mehreren Umgangstempeln mit weitstehenden Säulen, Priestergebäuden, Schatzhäusern zur Aufbewahrung von Opfergaben und Kultgegenständen und einer 20 Meter langen Wandelhalle, sowie einem zentralen, gepflasterten Platz für Prozessionen und Kulthandlungen. Im Jahre 70 n. Chr. wurden große Teile der Anlage durch einen Brand zerstört, er wurde jedoch in größerer und erweiterter Form wieder aufgebaut.

Zum Tempel gehörte auch eine zivile Siedlung, die alles bot, was man als Pilger, Reisender und Tempelbesucher benötigte: Herbergen, Schänken, Verwaltungsgebäude, Geschäfte, Handwerksbetriebe, Wohngebäude, Versammlungsräume und Lagerhäuser. Die Größe der Anlage und die Vielzahl der Gebäude deuten auf einen stark frequentierten Tempelkomplex hin.

Zudem wurde im Umland im Bereich des heutigen Dorfes Breinig auch Galmei abgebaut, eine seltene Form des Zinks, der in der Antike ein wertvoller Rohstoff zur Herstellung von Messing war, so daß die gesamte Region zu römischer Zeit sehr belebt war.

Phosphat-Bodenanalysen zeigen, wie groß das Tempelgelände war („VarnenumVicus“ von Tympanus, lizenziert unter Copyrighted free use über Wikimedia Commons)

Phosphat-Bodenanalysen zeigen, wie groß das Tempelgelände war („VarnenumVicus“ von Tympanus, lizenziert unter Copyrighted free use über Wikimedia Commons)

Der Tempelkomplex war durch eine Temenosmauer eingefriedet. Der Zugang erfolgte durch ein Tor, das im Süden der Anlage lag. Auch die Eingänge der Umgangstempel zeigten nach Süden.

Es kann nicht genau datiert werden, bis wann der Tempel genutzt wurde. Schätzungen anhand der Fundlage gehen davon aus, daß er bis ca. 260 n. Chr. in Gebrauch war und danach aufgegeben wurde. Auch die Gründe hierfür sind nicht bekannt.

Es wird davon ausgegangen, daß diese Region schon in vorrömischer Zeit von der lokalen Bevölkerung sowohl zum Metallabbau und auch als Kultzentrum genutzt wurde, da hier vor allem lokale Götter nicht-römischen Ursprungs verehrt wurden. Aus den hier gemachten Funden, vor allem Weiheinschriften, geht hervor, daß hier vor allem zwei Gottheiten verehrt wurden: die Göttin Sunuxal, die auch aus Nettersheim, Euskirchen, Eschweiler, Zülpich, Nideggen, Köln, Bonn und Remagen bekannt ist, sowie der Gott Varneno. Über letzteren ist nichts bekannt; Inschriften, die seinen Namen nennen, kennt man ausschließlich von diesem Ort. Auch ist die etymologische Herkunft seines Namens nicht eindeutig, so daß nicht geklärt werden kann, ob er keltischen oder germanischen Ursprungs ist.

Sunuxal ist hingegen aus dem Gebiet des heutigen rheinischen Braunkohlereviers bis in die Eifel gut belegt, insbesondere aus der Zeit zwischen dem 1. und 2. Jahrhundert n. Chr.. Sie gilt als Stammesgöttin der Sunuci, ein Stamm germanischer Herkunft, dessen Führungsschicht jedoch stark keltisiert war. Da sich das Siedlungsgebiet der Sunuci auf dem Stammesgebiet der Ubier befand, wird vermutet, daß sie entweder bei diesen in der Pflicht standen oder sich von diesen als eigene Gruppe abgespaltet haben.

Der Tempelkomplex bei Kornelimünster gilt als ein zentrales Heiligtum der Sunuci für ihre Stammesgöttin Sunuxal. Diese wird als sitzende Frau in Begleitung eines Tieres dargestellt, jedoch sind die wenigen figürlichen Darstellung so beschädigt, daß weder ihr Kopf noch ihr Oberkörper erhalten geblieben ist; von ihrem tierischen Begleiter kennt man nur die Vorderbeine. Interessant jedoch ist in diesem Zusammenhang, daß aufgrund der stets fehlenden Köpfe, die möglicherweise mutwillig im Rahmen der Christianisierung abgeschlagen wurden, in der gesamten Region des westlichen Rheinlands bis heute die sogenannten „Juffernsagen“ über kopflose Frauen verbreitet sind.

Die

Die „Fossa Sanguinis“ in Neuss war wahrscheinlich eine Kultstätte der Sunuxal

Man geht heute auch davon aus, daß die sogenannte „Blutgrube der Kybele“ in Neuss eigentlich eine Kultstätte der Sunuxal war.

Mehrere Jahrhunderte lang, bis in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg, diente der Tempelkomplex als Steinbruch für die Gebäude der Umgebung, insbesondere für den Bau der nahegelegenen St. Stephanuskirche. In dieser Kirche fand man 1972 bei Ausgrabungen einen Stein, dessen Inschrift belegt, daß es sich um eine römische Weihegabe eines Mannes handelte, der Stifter eines der Gebäude des Tempelkomplexes war: „Perpetuus hat dieses Gebäude aus eigenem Vermögen gestiftet„.

Die ersten dokumentierten Ausgrabungen wurden im Jahr 1907 durchgeführt und in den Jahren 1911 bis 1924 fortgeführt.

Zu den wichtigsten damaligen Funden gehörten Fibeln, Münzen (die eine genaue Datierung des Ortes erlaubten), Nadeln, Nägel und Keramik. Die meisten dieser Funde wurden zwar schriftlich dokumentiert, gingen jedoch im 2. Weltkrieg oder aufgrund unsachgemäßer Lagerung verloren. Einige Funde befinden sich heute in einem Depot in Meckenheim, wo sie auf ihre weitere Untersuchung warten – oder darauf, in einem eigenen Museum, zum Beispiel in Kornelimünster, ausgestellt zu werden (was im Moment aber nicht wahrscheinlich zu sein scheint).

Zu den wichtigsten Funden gehören drei Votivtafeln aus Bronze, deren Inschriften die in Varnenum verehrten Gottheiten nennen:

Tafel 1 richtet sich an den „Genio Varne„:

G(ENIO) VARNE
NI C(ONDUCTOR) P(ASCUI) S(ALLNARUM)

Tafel 2 nennt einen „Deo Varnenoni

DEO VARNENONI
M(ARCUS) FUCISSIUS SECUND
DUS SEXVIRALIS AUG
USTORUM C(OLONIA) C(LAUDIA) A(RA) A(GRIPPINENSIUM)
VOTUM SOLVIT

Dem (Gott) Varneno hat Marcus Fucissius Secundus der seviri Augustales der Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln) sein Gelübde eingelöst.“

Die „seviri Augustales“ (auch als das „Sechsmänner-Kollegium“ bezeichnet) waren für die Ausübung und Durchführung des Kaiserkultes zuständig.

Inschrift für Sunuxsal aus Varnenum

Inschrift für Sunuxsal aus Varnenum (Foto: Wilhelm Siemons, lizenziert unter CC BY-SA 3.0)

Tafel 3 richtet sich an „Dea Sunuxsal„:

(DE)AE SUNUXSAL
VO(?) CISSIONIS
V(OTUM) S(SOLVIT) L(IBENS) M(ERITO)

In den Jahren 1986-1987 wurden große Grabungen durch das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege durchgeführt. Im Rahmen dieser Untersuchungen wurden 250.000 Quadratmeter Umland um den Tempel herum mit magnetometrischen Meßverfahren untersucht. Diese Untersuchungen brachten keine neuen Funde zum Vorschein, waren aber trotzdem von wissenschaftlichem Wert, da sie eine genauere Datierung der Gebäude ermöglichten.

Die Untersuchungen in Varnenum wurden niemals abschließend beendet, da es Probleme mit der Finanzierung und Streitigkeiten bezüglich der Grabungs- und Besitzrechte des Umlandes gab. Deshalb werden weitere Funde unter den bislang nicht freigelegten Bereichen vermutet.

Im Jahr 1989 entschied man sich, den Tempel der Öffentlichkeit zu präsentieren. Um die Größe und Lage der Gebäude anschaulich zu machen, wurden die Fundamente zweier Umgangstempel sowie einiger Nebengebäude restauriert und auf ca. 1 Meter aufgemauert. Eine Informationstafel sollte über die Geschichte des Ortes und die archäologische Fundsituation informieren.

Heute ist die Anlage im Besitz der Stadt Aachen, ein Projekt der NRW-Stiftung und steht unter der Betreuung des Eifelvereins Kornelimünster.

Die gesamte Tempelanlage ist weitaus größer, als der heute sichtbare Bereich, da ein Großteil der Gebäude wieder mit Erde bedeckt wurde. Um potentielle weitere Untersuchungen in Zukunft zu ermöglichen, wurden fünf Hektar Land im Umkreis des Tempels unter Bodendenkmalschutz gestellt.

Beschreibung

In den Gebäuden wächst hohes Gestrüpp und überwuchert auch die aufgemauerten Fundamente

In den Gebäuden wächst hohes Gestrüpp und überwuchert auch die aufgemauerten Fundamente

Wie in der Warnung zu Beginn unseres Artikels bereits angedeutet, ist der Tempelkomplex Varnenum bei weitem nicht in dem Zustand, in dem sich ein Bodendenkmal aus der gallo-römischen Vergangenheit unseres Landes befinden sollte. Das ist jedoch nur zum Teil den Stellen zur Last zu legen, die die Anlage betreuen. Ein ebenso großes Problem liegt darin, daß der Tempel offenbar gerne als Grillplatz und zum Feiern von Parties und Saufgelagen verwendet wird – wobei diejenigen, die hier feiern, keinerlei Respekt oder Achtung vor der geschichtlichen und religiösen Bedeutung dieses großen ehemaligen Kultzentrums haben. Hier zeigt sich Kulturbanausentum in seiner ausgeprägtesten Form.

Doch erst einmal zur Tempelanlage selbst, von der heute ein kleiner Ausschnitt für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Die aufgemauerten Fundamente liegen in einem mit einem rudimentären Drahtzaun umgrenzten Areal neben einer Kuhweide mit – sehr neugierigen – Kühen. Eine Öffnung im Zaun erlaubt den Zutritt auf das Gelände. Da der Tempel auf einer leichten Anhöhe liegt, hat man von hier einen guten Rundumblick auf das dörfliche Umland.

Neben zwei Umgangstempeln befinden sich mehrere Nebengebäude mit durch Mauern getrennten Innenräumen auf dem Gelände.

Die eigentliche Lage des Tempels ist idyllisch

Die eigentliche Lage des Tempels ist idyllisch

Was zuerst ins Auge sticht, ist die Tatsache, daß die Innenräume der Nebengebäude, die gegenüber von den beiden Umgangstempeln liegen, wild bewachsen und zugewuchert sind. Zwar ist der Rasen zwischen allen Gebäuden gemäht, aber die in den Gebäuden wuchernden Gestrüppe wirken ungepflegt und überragen bei weitem die aufgemauerten Fundamente. Welchen Zweck die Bepflanzung erfüllt, ist nicht ersichtlich (soll sie Besucher davon abhalten, die Gebäude zu betreten? Oder ist das am Ende sogar so gewollt?). Tatsache ist, daß ein solcher Wildwuchs nicht gerade förderlich für den Erhaltungszustand der aufgemauerten Fundamente ist, da diese durch die Wurzeln und Überwucherungen beschädigt werden.

Außerdem sieht es einfach nicht schön aus und verhüllt mehr, als daß es zeigt – der Informationsgehalt der wild bewachsenen Gebäude ist jedenfalls geringer, als wenn ihre Konturen durch die Aufmauerungen klar ersichtlich wären. So sehen die Gebäude einfach aus wie mit Steinmauern umgrenzte Gestrüppe.

Aufstieg zur Cella eines Umgangstempels

Aufstieg zur Cella eines Umgangstempels

Die beiden Umgangstempel stehen erhöht; um zu ihnen zu gelangen, muß man mehrere Stufen emporsteigen. Hier trifft den römischen Cultor der Schlag, wenn er die Cella – das Allerheiligste – des Umgangstempels erreicht. Zwar sind die beiden Tempel nicht ganz so zugewuchert, sondern ihre Cella ist nahezu frei von Bewuchs. Allerdings finden sich hier massenhaft Spuren modernen menschlichen Banausentums: in beiden Umgangstempeln ist eine zentrale wilde Feuerstelle deutlich zu erkennen, an der offenbar häufiger gegrillt wird.

Was jedoch noch schlimmer ist, ist der Müll, den die Feiernden dabei überall gnadenlos hinterlassen: überall in den Tempelstrukturen und sogar auf den Mauern liegen Glasscherben, Pappbecher, leere Tetra-Pack-Kartons, Verpackungen, Tüten. Dabei hat dieser Tempelkomplex sogar einen eigenen Mülleimer draußen am Parkplatz, so daß es ein leichtes sein müßte, nach dem Grillen oder Feiern seine Überreste dort einfach hinzutragen und zu entsorgen. Man muß sie nicht einmal mit nach Hause nehmen!

Das Innere des Tempels regt nicht gerade dazu an, sich an die Göttin Sunuxal zu wenden!

Das Innere des Tempels regt nicht gerade dazu an, sich an die Göttin Sunuxal zu wenden!

Doch diejenigen, die dort offenbar regelmäßig herumhängen, scheinen eher bildungs- und kulturfernen Schichten anzugehören, oder von ihrem Elternhaus und ihrer Umgebung keine Erziehung mitbekommen zu haben, wie man sich an Orten von kultureller, religiöser oder historischer Bedeutung benimmt. Davon, daß sie begreifen, was für ein wichtiger Ort dies einst war, ganz zu schweigen – für sie ist es offenbar nur ein schön abgelegener Ort, an dem man gut saufen kann. Solche Leute benutzen auch antike Tempelanlagen als Toiletten (wie wir es im Caiva-Tempel in Gerolstein sehen mußten).

Ziemlich peinlich für das „Land der Dichter und Denker“ – besonders, wenn man – wie wir – auch viele Kontakte in den USA und anderen Ländern hat, die nicht Teil des Römischen Reichs waren und die uns um die vielen antiken Stätten vor unserer Haustür beneiden. Wenn sie dann mal die Reise über den Teich antreten, um sich die alten Tempel, Villen, Thermen und Kastelle selbst anzusehen und dann in einen solchen Tempel wie in Kornelimünster kommen, muß man sich wirklich schämen, wie hier mit dem eigenen Erbe umgegangen wird.

Deswegen preisen wir hier den Tempel von Kornelimünster auch nicht geschönt als „den größten und besterhaltenen Tempel für die Göttin Sunuxal und den nur von hier bekannten Gott Venero an“ (obwohl das sicher zutreffend ist).

Der Tempel wirkt vernachlässigt und es fehlt dringend eine Informationstafel!

Der Tempel wirkt vernachlässigt und es fehlt dringend eine Informationstafel!

Da der Tempelkomplex auf dem Land liegt, außerhalb der nächsten Ortschaften, wäre hier ein guter Ort für kultische Handlungen zu Ehren der Sunuxal und des Venero. Leider, wie Ihr schon den vorherigen Worten entnehmen könnt, lädt dieser Ort aufgrund der Vernachlässigung nicht mehr zu Opferhandlungen ein oder daran, sich hier mit seinen Anliegen an diese Götter zu wenden. Tatsächlich hatten wir den Eindruck, daß dieser Ort von jeglichem Numen oder göttlicher Präsenz verlassen ist – genauso, wie an vielen Tempeln in unserer Region noch heute eine solche Präsenz zu spüren ist und diese durch Aufmerksamkeit auch gefestigt wird, so wirkt dieser Ort leer und aufgegeben. Ehrlich gesagt glauben wir auch nicht, daß Sunuxal oder Venero durch das Darbringen von Opferhandlungen auch nur annähernd inspiriert würden, hierher zurückzukehren – was wir ihnen auch nicht verdenken können, wenn am folgenden Abend wieder die grölende Dorfjugend einzieht. Eine traurige Tatsache, das der uns nur von hier bekannte Gott Venero damit seinen einzigen Bezugspunkt in unsere Welt verloren hat…

Insofern liegt dieser Tempel zwar ruhig und abgelegen, vom Muhen der Kühe einmal abgesehen, die aber nicht stören. Aber wer hier archäologische Erkenntnisse erwartet, wird ebenso enttäuscht wie der Cultor, der diesen einst wichtigen Tempelkomplex für religiöse Praktiken aufsuchen möchte.

Die neugierigen Kühe von Varnenum

Die neugierigen Kühe von Varnenum

In der Anlage gibt es auch keine Infotafel, nichts, was den Besucher darüber informiert, an was für einem Ort er sich überhaupt befindet und was es mit den Mauerresten auf sich hat. Es gab einmal eine Informationstafel, diese wurde jedoch erst beschädigt und schließlich abgefackelt wurde. Ein lokaler Verein aus Aachen bemühte sich noch, durch das Anbringen eines eigenen Info-Blattes die Bedeutung des Ortes Varnenum zu vermitteln, aber auch davon ist heute nichts mehr zu finden.

Schon in 2011 beschwerten sich bestürzte Besucher auf der Website der NRW-Stiftung über den vermüllten und vernachlässigten Zustand der Tempelanlage und beklagten die fehlende Anzeigetafel. Die Seitenbetreiber antworteten daraufhin, daß man daran leider nichts ändern könnte, weil der Bereich öffentlich zugänglich ist. Man versprach jedoch, sich „darum zu kümmern“.

Das ist bis heute offenbar nicht geschehen. Das Argument, daß dieses Bodendenkmal öffentlich zugänglich ist und deshalb in einem solchen Zustand ist, kann man so nicht gelten lassen – fast alle römischen antiken Stätten sind öffentlich zugängliche Bodendenkmäler, wir kennen sehr viele davon und bereisen sie regelmäßig, aber der Tempelkomplex von Varnenum ist bei weitem der am stärksten mißachtete Ort, den wir in den letzten Jahren besucht haben.

Um viele andere Stätten kümmern sich Anwohner, Einheimische, lokale Gruppen, Rentner, Schüler freiwillig und ehrenamtlich, und das funktioniert sehr gut. In einigen Tempeln in der Eifel räumen auch wir regelmäßig auf und entfernen zum Beispiel unangemessene, umweltschädliche Opfergaben wie Grablichter mit Batterien oder Pfirsicharoma-Duftteelichter, die in einem Wald nichts zu suchen haben. Kornelimünster liegt jedoch zu weit von uns entfernt und der Grad der Vermüllung war zu groß, um ihn auf der Schnelle mit einem Müllbeutel (von denen wir immer eine Rolle im Auto haben) zu beseitigen. Auch wäre eine einmalige Aufräumaktion nur ein symbolischer Akt, hier muß langfristig etwas getan werden.

Blick in die Cella des Umgangstempels. Die zahlreichen Glasscherben auf dem Boden und auf den Mauern sind gnädigerweise nicht zu erkennen

Blick in die Cella des Umgangstempels. Die zahlreichen Glasscherben auf dem Boden und auf den Mauern sind gnädigerweise nicht zu erkennen

Erst einmal müßte hier dringend das Gestrüpp in den Gebäuden entfernt werden. Eine neue Infotafel würde den Ort ebenfalls sehr aufwerten. Nicht zuletzt müßte man sich vor Ort darum kümmern, daß hier das wilde Grillen und Feiern eingeschränkt wird – immerhin handelt es sich um ein geschütztes Bodendenkmal, das durch die hier stattfindenden Aktivitäten beschädigt wird. Das müßte dem Ordnungsamt oder anderen öffentlichen Stellen, die Besitzer dieses Denkmals sind, eigentlich genug rechtliche Handhabe geben, damit der Ort ungemütlich wird. Nicht zuletzt sollte es im Interesse der Eifelverein-Ortsgruppe Kornelimünster sein, diesen Ort wieder zu einem besuchenswerten und lehrreichen Ausflugsziel zu machen, denn aktuell werden Römer-Touristen hier eher abgeschreckt.

Wir konnten diesem Tempel jedenfalls noch einen Nutzen abgewinnen: wir können ihnen als negatives Beispiel dafür verwenden, wie man eine antike Stätte nicht behandeln sollte. Insofern hat das vielleicht ja auch noch einen Wert.

Natürlich schmälert das alles nicht die große historische Bedeutung dieses Tempelkomplexes – auch nicht die Wichtigkeit als einstige Kultstätte für Sunuxal und als stark frequentierte Pilgerstätte. Die schiere Größe der Anlage von 150.000 qm ist beeindruckend und niemand sollte sich von diesem Bericht abschrecken lassen, sich die Tempelanlage selbst anzuschauen, denn dieses Bodendenkmal ist und bleibt natürlich wichtig und kann nichts dazu, wie der moderne Mensch mit ihm umgeht.

Nur können wir – leider – keine uneingeschränkte Reiseempfehlung aussprechen. Wir haben uns nach unserem Besuch an die Stiftung NRW gewandt und die Antwort erhalten, daß man sich „darum kümmern werde“ und uns dann Bescheid gibt. Sollte sich tatsächlich etwas tun, werden wir diesen Artikel natürlich entsprechend aktualisieren.

Update:

Wir haben interessantes Feedback auf unseren Artikel erhalten!

Mit großer Erleichterung erfuhren wir, daß es vor Ort doch Leute gibt, denen der Tempel am Herzen liegt und daß er auch von den Einheimischen geschätzt wird. Zwar gibt es generell ein Müllproblem und Probleme mit regelmäßig dort feiernden und die antike Stätte mißachtenden Kreisen, aber ebenso wird die Tempelanlage auch noch von Heiden vor Ort für ihre Jahreskreisfeste genutzt und regelmäßig vom Müll gereinigt. Leider werden sie auch bei ihren Feiern von diesen kulturlosen Personen gestört, unter anderem durch laute wummernde Bässe. Aber immerhin ist der Ort nicht aufgegeben und wird nach wie vor nach besten Kräften genutzt, um gegen die Mißachtung anzukämpfen und dem einst heiligen Ort auch heute noch zu Bedeutung zu verhelfen.

Die Feuerstellen in den Tempeln sind nicht allein dem wilden Grillen geschuldet, sondern stammen auch durchaus von Feuern, die im Rahmen von heidnischen Aktivitäten dort entzündet werden. Nur sind diese Gruppen bemüht, das Feuer im Anschluß ordentlich zu löschen und alles mitzunehmen, was sie mitgebracht haben (von kleinen naturverträglichen Opfergaben abgesehen, was aber natürlich vollkommen in Ordnung ist).

Auch erfuhren wir, daß Wanderer und Spaziergänger immer wieder etwas Müll mitnehmen, wenn sie die Möglichkeit haben oder ihn zumindest am Mülleimer auf dem Parkplatz zusammenschieben.

Wir hatten das Pech, an einem Tag dort hinzufahren, wo offenbar gerade frisch die Barbarenhorde eingefallen war oder nach einer Serie von Grill- und Saufnächten, wo noch keine Möglichkeit bestanden hatte, hinter ihnen herzuräumen, wie es leider regelmäßig notwendig zu sein scheint.

Um den Menschen, die sich um Varnenum bemühen und den Ort als religiöse Stätte lebendig zu halten suchen, nicht Unrecht zu tun, teilen wir diese Infos mit Euch – denn natürlich konnten wir den Artikel zuvor nur aus der Sicht eines außenstehenden Besuchers schreiben, der spontan diesen Tempel bereiste.

Öffnungszeiten, Eintritt, Führungen:

Varnenum ist jederzeit frei zugänglich, Eintritt wird nicht erhoben. Über Führungen ist uns nichts bekannt.

Sonstiges:

Fotografieren ist natürlich uneingeschränkt möglich.

Hier ist ein interaktives 360 Grad-Kugelpanorama der Tempelanlage zu finden (glücklicherweise im Zustand von 2011).

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