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Erster funktionsfähiger Nachbau einer Tibia aus Pompeji!

Tibiacen mit Scabellum und Tänzerin mit Crotalum

Tibiacen mit Scabellum und Tänzerin mit Crotalum

Lange arbeitete man an diesem musikarchäologischen Projekt – nun ist es endlich vollbracht! Zum ersten Mal wurde eine Tibia, ein doppelt gespieltes römisches Rohrblattinstrument (auch bekannt als Aulos) aus Pompeji wieder zum Leben erweckt.

In unserem ausführlichen Artikel über die Tibia haben wir ausgeführt, daß bereits einige Rekonstruktionen dieser antiken Musikinstrumente existieren, unter anderem aus Alexandria, wie der sogenannte „Louvre-Aulos“, den auch ich (die Verfasserin dieser Meldung) spiele.

Auch in Pompeji wurden mehrere dieser Musikinstrumente gefunden, teils sogar vollständig erhalten, unter anderem in der Werkstatt eines Instrumentenbauers. Die Tibia, an deren Rekonstruktion man nun seit langer Zeit arbeitete, ist ein ebenfalls vollständig erhaltenes Instrument aus Metall (im Gegensatz zur Tibia aus Alexandria, die aus Holz bestand). Überschüssige Fingerlöcher werden, wie beim Louvre-Aulos, mit Stöpseln verschlossen.

Die Tibia in einem etruskischen Gemälde aus dem 5. Jahrhundert v. Chr.

Die Tibia in einem etruskischen Gemälde aus dem 5. Jahrhundert v. Chr.

Wie schon der Louvre-Aulos wurde auch die Pompeji-Tibia vom Musikarchäologen (und einem der besten Tibia-Spieler) Dr. Stefan Hagel von der Universität Wien anhand des Originalstücks vermessen. Er leitete und betreute auch dieses Rekonstruktions-Projekt, wie schon die Rekonstruktion des Louvre-Aulos.

Das Musikinstrument wurde von Peter Holmes, unterstützt von Martin Sims und Neil Melton in Kooperation mit dem European Music Archeology Project (EMAP) und der Universität Middlesex gebaut. Die Konstruktion dieses komplexen Instruments war lang und schwierig, führte aber schließlich zu einem voll funktionsfähigen Musikinstrument.

Am 22. März 2015 war es nun endlich so weit: zum ersten Mal seit 79 n. Chr. erklingt wieder eine Tibia aus Pompeji!

Stefan Hagel spielt das Instrument aus Pompeji im folgenden Video zum ersten Mal (das natürlich erst eingespielt und studiert werden muß, dessen musikalisches Potential aber schon nach wenigen Minuten erkennbar ist). Die Premiere wurde live per Skype verfolgt von Callum Armstrong, der die Rohrblätter für das Instrument angefertigt hat. Gastgeberin ist Musikarchäologin und Tibia-Expertin Dr. Olga Sutkowska vom EMAP, die die Poetovia-Tibia rekonstruiert hat.

Hier erhaltet Ihr einen echten Einblick in praktische Musikarchäologie und mit welchen Problemen und Fragestellungen man bei der Rekonstruktion eines Musikinstruments konfrontiert ist:

Replik des "Louvre"-Aulos

Replik des „Louvre“-Aulos

Während des Spielens stellte sich heraus, daß die Stöpsel und sowie die Schiebevorrichtung noch zu fest sitzen und somit eine schnelle Änderung der Tonlage zu schwierig machen. Auch muß noch experimentiert werden, welcher Fingersatz verwendet wird und welche Stimmung das Instrument hat. Ein großer Schritt in der experimentellen Musikarchäologie ist jedoch, erst einmal ein weiteres funktionsfähiges Musikinstrument aus der römischen Antike originalgetreu reproduziert zu haben!

Weitere Informationen zur Entwicklung des Projekts auf der Website des Workshop of Dionysus, dem Arbeitskreis zur Erforschung und Wiederbelebung der antiken Doppelrohrblattinstrumente, unter der Federführung des EMAP. Der Workshop vereint Musiker, Instrumentenbauer und Forscher aus dem akademischen Bereich.

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