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Antike Stätten / Museen: Limeskastell Pohl

Das Kastell, vom Aussichtshügel aus gesehen

Das Kastell, vom Aussichtshügel aus gesehen

Anschrift:

Am Ortseingang von Pohl, an der B260 (Deutsche Limes-Straße, Ecke Pohler Kirchstraße) gelegen.

Anfahrt:

Das Kleinkastell liegt im Nassauer Land am Ortseingang des Ortes Pohl (Rheinland-Pfalz, Rhein-Lahn-Kreis). Gibt man in das Navigationsgerät „Pohl“ ein, ist es nicht zu verfehlen, da das rekonstruierte Kastell sehr prominent am Ortseingang auf einer großen Wiese liegt und wehende Fahnen an der Straße auf den Ort hinweisen.

Pohl liegt direkt an der Deutschen Limes-Straße (Bundesstraße 260), an der weitere Limes-Sehenswürdigkeiten zu finden sind (viele sind zu erkennen an der dort wehenden Limes-Fahne). Die nächsten größeren Orte sind Bad Ems, Nassau, Nastätten und Limburg.

Das Kastell verfügt über einen eigenen Parkplatz. Parken stellt an der sehr ländlich und abgelegenen Anlage aber auch generell kein Problem dar.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist Pohl nur sehr schlecht zu erreichen. Der nächstgelegene Bahnhof ist Nassau, von dort verkehrt ein Bus (Linie 542) nach Pohl. Wir empfehlen die Anreise mit dem PKW.

Wanderer und Radfahrer können dem (800 km langen) Limes-Rad- und Wanderweg folgen, der auch am Kastell vorbeiführt und zahlreiche sehenswerte Orte am Limes (Römerwelt Rheinbrohl, Römerkastell Saalburg) passiert.

Hintergrundinformationen:

Während des alljährlichen Herbstfestes belebt die Gruppe der Flavii e.V. das Kastell und informiert die Besucher

Während des alljährlichen Herbstfestes belebt die Gruppe der Flavii e.V. das Kastell und informiert die Besucher

Das Limeskastell Pohl ist eine nach heutigem archäologischem Forschungsstand authentische Rekonstruktion eines Kleinkastells am Obergermanisch-Raetischen Limes. Das Kastell ist in Holz-Erde-Bauweise errichtet und verfügt über einen Wachturm.

Im Jahr 1897 entdeckte Streckenkommissar Ernst Fabricius von der Reichslimeskomission beim Ort Pohl erste Spuren eines römischen Kleinkastells, das schon seit längerem in dieser Gegend vermutet wurde. Der Verlauf des Limes durch den Ort war bekannt, auch, daß die römische Grenzbefestigung hier eine alte keltische Heer- und Handelsstraße kreuzte, die über den Taunus zur Lahn führte. Aus dem römischen Gebiet von Westen her stieß zudem ein Überlandweg („Hohl“) auf diese Handelsroute. Deswegen war es wahrscheinlich, daß sich an dieser Stelle ein Kastell zur Kontrolle des Verkehrs befunden hatte. Auch war der mit 337 Höhenmeter auf einer Anhöhe gelegene Ort, der von einem Wachturm aus einen guten Blick über die Talsenke erlaubt hätte, militärisch bedeutsam.

Ausgrabungen brachten schließlich ein 43 x 34 Meter großes Kleinkastell zum Vorschein, das größtenteils in Holzbauweise errichtet war, aber auch ein Gebäude mit Steinfundamenten umfaßte. Später wurde bekannt, daß man bereits beim Bau der Kirche im Jahr 1874 auf römische Fundamente gestoßen war, die man jedoch verschwiegen hatte, um das Bauvorhaben nicht zu gefährden.

Im Gegensatz zur Saalburg im Taunus handelte es sich bei dem Kastell in Pohl nicht um ein großes Kohortenkastell, in dessen Umfeld zeitweise bis zum 2000 Soldaten und Zivilisten lebten, sondern eher um eine Art Grenz- und Kontrollstation zur Kontrolle von Personen und Warenverkehr sowie zur Erhebung von Zöllen. Von diesen kleinen Kastellen gab es zahlreiche entlang des Limes, da sie die Lücken zwischen den großen Kastellen schlossen. Möglicherweise wurde von Pohl aus auch der weitere Verlauf des Limes in Richtung Taunus abgesteckt.

Der Wachturm ist begehbar und bietet eine gute Aussicht

Der Wachturm ist begehbar und bietet eine gute Aussicht

Das nächste größere Kastell von Pohl aus gesehen, war das Kastell Holzhausen, das zu den besterhaltenen Limeskastellen Deutschlands zählt. Die Wachtürme entlang des Limes waren in Sichtweite voneinander gebaut, so daß mittels Fackel- und Hornsignalen schnell Nachrichten übermittelt werden konnten.

Das Kleinkastell Pohl war in seiner Holz-Erde-Bauweise mit Gräben, Palisaden und Wehrgang typisch für die frühe Zeit des Limes. Es wurde vermutlich zu Beginn des 2. Jahrhunderts errichtet und gehört damit zu den frühesten Bauwerken am Obergermanisch-Raetischen Limes. Bei Limeskastellen und Türmen aus späteren Phasen wurden die Holzkonstruktionen oft durch eine solche aus Stein ersetzt.

Über die Besatzung des Lagers ist kaum etwas bekannt, da man keine archäologischen Funde entdeckt hat, die Aufschluß über Namen und Bezeichnung der hier stationierten Einheit geben könnte. Es wird davon ausgegangen, daß es sich um eine Vexellatio handelt, also eine kleine Abteilung eines römischen Heers. Ob es sich dabei um den Teil einer Legion oder um Auxiliareinheiten handelte, lässt sich nicht ermittlen. Es handelte sich um nicht mehr als eine Centuria also ca. 80 Mann, die in dem Kastell Platz fanden. Da es sich um ein Bauwerk aus der Frühphase des Limes handelt, wird die Theorie diskutiert, daß es sich bei den hier stationierten Soldaten um Bauspezialisten der Legionen aus Mogontiacum (Mainz) gehandelt hat, die mit der Vermessung, Planung und weiterem Bau des Limes in Richtung Taunus beauftragt waren (Architekten, Logistiker, Pioniere, Vermesser) und die Bauarbeiten koordinierten und überwachten.

Im Museumsteil können römische Helme besichtigt (und anprobiert) werden

Im Museumsteil können römische Helme besichtigt (und anprobiert) werden

Im Jahr 2007 entschied man, das Limeskastell als Freilichtmuseum zu rekonstruieren und es wurde der Förderkreis Limeskastell Pohl e.V. gegründet. Im Förderkreis aktiv sind sowohl Privatpersonen, als auch Unternehmen und öffentliche Institutionen. Bauherr und Eigentümer des Kastells ist die Gemeinde Pohl. An den Baukosten beteiligten sich das Land Rheinland-Pfalz, der Rhein-Lahn-Kreis und die Verbandsgemeinde Nassau.

Das Projekt sollte unter anderem dabei helfen, den Limes, als UNESCO-Weltkulturerbe, zu präsentieren und sichtbar zu machen, sowie die Region Nassau touristisch attraktiv zu machen. Als Bodendenkmal ist es generell schwierig, ihn attraktiv zu präsentieren und für historisch interessierte Besucher zugänglich zu machen. Deswegen spielen freigelegte und rekonstruierte Limes-Abschnitte, Kastelle und Wachtürme hierbei eine große Rolle, um die Bedeutung dieses Denkmals ins Bewußtsein der Öffentlichkeit zu bringen. Der Verein fördert heute Projekte, Veranstaltungen, Aktionen und Publikationen rund um das Thema Limes. Die Eröffnung fand im Jahr 2011 statt.

Das Limeskastell wurde etwas versetzt zur ursprünglichen Position errichtet, da es zum Teil modern überbaut wurde. Die Anlage wurde als Freilichtmuseum konzipiert und dient daneben auch als Ausstellungs- und Veranstaltungsort in der Region.

Beschreibung:

Der Innenhof

Der Innenhof

Die Rekonstruktion des Kleinkastells gilt als authentisch. Es handelt sich um eine von einer Mauer umgebene Fläche, auf der sich ein U-förmiges Gebäude befindet. Sehr anschaulich ist das „falsche“ Mauerwerk, das typisch für die römische Holzbauweise war. Obwohl die das Kastell umgebende Mauer komplett aus Holz besteht, wurde sie weiß gestrichen und so mit roten Linien bemalt, das sie die Illusion von Mauersteinen erwecken. Dadurch wirkt die ganze Anlage wie aus Stein errichtet und hat aus diesem Grund (zumindest aus der Ferne) eine abschreckende Wirkung, da sie massiver wirkt, als sie eigentlich ist.

Vor dem Kastell liegt ein großer Parkplatz, der auch zu Veranstaltungen wie dem jährlichen zweitägigen Römerfest im Herbst genügend Platz für die Besucher bietet. Ein Fußweg führt zum Eingang des Kastells. Außerhalb der Außenmauer, also auch für zufällig vorbeikommende Wanderer und Radfahrer zugänglich, befinden sich einige Informationstafeln, die anschaulich den Limes, die Funktion des Kastells und das Projekt der Rekonstruktion beschreiben. Auch liegt vor dem Gelände ein „Aussichtsberg„, den man jederzeit besteigen kann und von dem aus man eine gute Aussicht auf das Kastell hat.

Blick in das Kastell vom Aussichtsturm

Blick in das Kastell vom Aussichtsturm

Ein Tor führt in das Innere der Anlage, in der innerhalb des U-förmigen Gebäudes einzelne Räume mit unterschiedlichen Funktionen zu besichtigen sind. Es gibt ein Contubernium, also aneinandergereihte Mannschaftsstuben, die jeweils festen Gruppen von 8 Soldaten als Unterkunft dienten. In weiteren Räumen sind Museumsräume untergebracht, in denen zum Beispiel römische Waffen und Ausrüstungen angeschaut (und angefaßt) werden können. Außerdem gibt es viele Informationen zum Limes im Besonderen und zu Kastellen im Allgemeinen.

Eine Cafeteria („Culinarium„) mit hausgemachtem Kuchen, Kleinigkeiten zum Essen mit römischem Einschlag, sowie ein kleiner Museumsshop mit Repliken und Römerdevotionalien sind ebenfalls vorhanden.

Im Museumsteil sind Funde aus der Region zu sehen, wie dieses Reiterrelief

Im Museumsteil sind Funde aus der Region zu sehen, wie dieses Reiterrelief

Im Sommer ist es möglich, im Innenhof des Museums auf Bänken zu sitzen und sich dort an dem schönen Ort und der Gastronomie zu erfreuen. Deswegen ist das Kastell auch als Einkehrort für Wanderer und Radfahrer entlang des Deutschen Limes-Radwegs beliebt.

Der außerhalb der Mauer gelegene Wachturm kann über eine Brücke aus dem Innenbereich des Kastells aus bestiegen werden und bietet eine tolle Aussicht über die weite Landschaft und in das Innere des Kastellgeländes.

Alles in allem ist das Kleinkastell Pohl ein kleiner, aber sehr schöner Ort in attraktiver Lage im Nassauer Land. Die Atmosphäre ist entspannt, das Personal freundlich und aufgeschlossen.

Veranstaltungen und Führungen:

Beim Rennofenexperiment werden antike Verhüttungstechniken ausprobiert

Beim Rennofenexperiment werden antike Verhüttungstechniken ausprobiert

Für den „römischen“ Besucher am interessantesten ist das jährliche zweitägige Herbstfest, das jeweils unter einem Motto steht und gut gemachte Einblicke in die römische Zeit am Limes bietet. Im Jahr 2014 stand das Herbstfest zum Beispiel unter dem Motto „Eisen für Rom“. Anhand eines rekonstruierten römischen Rennofens wurde die Eisenschmelzetechnik in einem archäologischen Experiment durch einen erfahrenen Limes-Cicerone präsentiert. Hier konnte der in der römischen Eisenverhüttung erfahrene Römertourist auch gut die Unterschiede zwischen der Technik, die zum Beispiel in Eifel und Ahrtal verwendet wurde, mit der Technik aus dieser Region vergleichen, die den lokal typischen Hämatit als Ausgangsstoff verwendete.

Zudem nehmen am Herbstfest auch Reenactment-Gruppen teil, die das Kastell „beleben“ und dem Zuschauer auf interessante, aber gleichzeitig historisch akkurate Weise das Leben am Limes in der römischen Zeit nahebringen. Vor dem Kastell sind dann Zivilisten anzutreffen, die antike Handwerkstechniken wie Schmiedekunst, Brettchenweben, Wollefärben, Wolle- und Lederverarbeitung, Bildhauerei oder Nadelbinderei demonstrieren und erklären.

Die Informationstafeln im Außenbereich

Die Informationstafeln im Außenbereich

Im Kastell trifft man auf römische Truppen, die anschaulich das Alltagsleben eines Soldaten am Limes erläutern und von den Besuchern angesprochen und befragt werden können. Der Lagerkommandant erklärt zum Beispiel gerne, daß er weniger militärische Aufgaben hat, sondern vielmehr am Limes die Rolle eines Verwalters und Buchhalters übernimmt, der Zölle und Abgaben kassiert, sowie den Warenstrom zu regeln hat. Die Funktionsweise eines römischen Abacus, d.h. eines „Taschenrechners“, der sogar die Bruchrechnung beherrschte, kann dabei ebenso bestaunt werden, wie die Alltagsgegenstände, die ein Soldat in einem solchen Kastell mit sich führte.

Auch informiert z.B. ein römischer Maler (Pictor) über antike Maltechniken, das Pflegen und Anfertigen von Ausrüstungsgegenständen wie Schilden und Kettenhemden kann ebenso betrachtet werden. Mitglieder der Gruppe „Flavii e.V. (Legio I Flavia Minervia Pia Fidelis Domitiana)“ beleben das Kastell und informieren auch über antike Badekultur, Medizin, zeigen militärischen Drill und Legionsalltag. Für Kinder gibt es römische Spiele und anderes Programm. Außerdem kann der Besucher sich an römischen Gerichten wie lukanischer Wurst, Sau am Spieß und Mulsum erfreuen.

Neben römischen Veranstaltungen und Vorträgen dient das Kastell auch als Veranstaltungsort für kulturelle Ereignisse wie Konzerte, Ausstellungen und Vorträgen zu unterschiedlichen (meist archäologischen oder regionalen) Themen.

Zum Herbstfest zeigt ein römischer "Pictor" seine Bilder in alter Maltechnik.

Zum Herbstfest zeigt ein römischer „Pictor“ seine Bilder in alter Maltechnik.

Führungen durch das Kastell sind für Gruppen mit maximal 25 Personen jederzeit nach Voranmeldung möglich (auch außerhalb der Öffnungszeiten). Auf Wunsch umfassen diese Führungen auch die Limes-Aufschlüsse in der Region.

„Offene“ Führungen für Einzelbesucher sind auch für diese Saison geplant und werden, so weit möglich, gerne angeboten, wenn genug Besucher vor Ort sind, bei denen Interesse besteht, und wenn an dem Tag ein entsprechend ausgebildeter Gästeführer im Kastell anwesend ist. An Wochenenden ist dies meistens der Fall und die Chancen stehen gut, an einer Führung teilnehmen zu können. Sicherheitshalber empfiehlt es sich, bei einem Spontanbesuch kurz vorher anzurufen, wenn Interesse besteht (06772-9680768). Auch werden geplante Führungen kurzfristig auf Facebook und der Website bekannt gegeben.

Römische Gruppen (wie Legionen) nutzen das Kastell auch für eigene Veranstaltungen und üben dort „Lagerleben“ im Kastell. Insbesondere die Übernachtungen dort mit abendlichem Umtrunk sind legendär.

Öffnungszeiten, Eintrittspreise:

Das Kastell ist von Mai bis September von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Im April und Oktober schließt das Kastell bereits um 16 Uhr. Winterpause ist von November bis Ende März, wobei jedoch auch während der Winterpause Veranstaltungen stattfinden können.

Montags ist Ruhetag (außer an Feiertagen).

Kinder bis 6 Jahren haben freien Eintritt, von 7-14 Jahren zahlen sie 2 Euro. Eine Tageskarte für Erwachsene kostet 4 Euro, ermäßigt 3 Euro (Studenten, Schüler, Behinderte). Familienkarten, Gruppenkarten und Jahreskarten sind ebenfalls erhältlich. Mitglieder des Fördervereins haben freien Eintritt.

Hier ist gut die "gefälschte" Steinmauer eines Holzkastells zu erkennen

Hier ist gut die „gefälschte“ Steinmauer eines Holzkastells zu erkennen

Bei Sonderveranstaltungen können Öffnungszeiten und Eintrittspreise abweichen.

Sonstiges

Leider ist die Website des Kastells nicht immer ganz aktuell (so finden sich unter „Veranstaltungen“ noch Termine aus 2013). Sie bietet zwar gute Hintergrundinformationen zum Limes, zum Kastell und zur Rekonstruktion. Aktuelle Veranstaltungstermine entnimmt man aber besser der Facebook-Präsenz, die schnell und zeitnah ist. Auch beantwortet dort das freundliche Team gerne Anfragen zu geplanten Besuchen oder zu Veranstaltungen.

Im Rahmen der Tourismusförderung in der Region werden Pauschalangebote mit Übernachtung vom Tourismusverband Nassauer Land und Kreativ-Reisen Limes angeboten.

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

 

 

 

 

 

 

 

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