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Antike Stätten: Römische Villa Mersch mit Riesenbecken (LU)

167_Mersch_Villa mit Riesenbecken

Der Schutzbau der Villa ist leicht zu finden

Anschrift:

Rue des Romains, 7565 Mersch, Luxemburg.

Anfahrt:

Diese ungewöhnliche römische Villa liegt inmitten eines gepflegten Wohngebiets an einer Seitenstraße im luxemburgischen Ort Mersch (Miersch) im Tal der Alzette.

Die Villa mit ihrem Schutzbau im Ortsteil Mies (französisch: Meix) ist leicht zu finden und von der Straße aus gut zu erkennen. Es ist möglich, direkt am Straßenrand vor der kleinen parkähnlichen Anlage zu parken; es herrscht kaum Verkehr und die Gegend ist ruhig.

Mersch hat einen Bahnhof und ist per Zug aus Luxemburg Stadt oder Ettelbrück zu erreichen. Vom Bahnhof aus sind es etwa 1,5 Kilometer Fußweg bis zur Villa.

Hintergrundinformation:

Die Hypokausten sind ungewöhnlich gut erhalten

Die Hypokausten sind ungewöhnlich gut erhalten

Die gallo-römische Villa rustica in Mersch zeichnet sich durch eine interessante Besonderheit aus, die sie von den anderen römischen Villen in diesem Teil Galliens abhebt: neben dem großen Herrenhaus mit der gut erhaltenen Hypokaustenanlage gibt es die Überreste eines gigantischen Schwimmbeckens: Das 75 Meter lange, ovale Riesenbecken stellt jedes olympische Schwimmbad in den Schatten.

Auch das einige Meter vom Becken entfernt gelegene Herrenhaus war von solch großen Ausmaßen, daß es auf französisch als „Palais“ bezeichnet wird. Es war mit allen luxuriösen Finessen ausgestattet, die man sich in der gallischen Provinz vorstellen konnte, allem voran einer Fußbodenheizung und einer ausgedehnten Bäderanlage. Daneben wurden Reste eines aufwendigen schwarz-weißen Mosaiks sowie auf Stuck durchgeführte, bunte Wandbemalungen mit Temperafarben gefunden, die auf den Reichtum der Besitzer hindeuten.

Es wird angenommen, daß sich dort im 1. Jahrhundert n. Chr. ein ehemaliger Legionär niederließ, der nach dem Absolvieren seiner 25-jährigen Dienstzeit ein Stück Land in einer Provinz zugeteilt bekam. Im Lande der Treverer bildeten die ehemaligen Soldaten zuverlässige Einwohner, die zur Stabilität, dem Frieden und Wohlstand der Provinz Gallien beitrugen. In der fruchtbaren und ertragreichen Region des Alzettetals kam die Familie zu Wohlstand. Es wurden zahlreiche Gebrauchsgegenstände wie Münzen, Spangen, Schmuckstücke und Ringe gefunden, die die Theorie stützen, daß die Villa einem hochrangigen römischen Offizier gehörte.

Das Riesenbecken liegt in einem kleinen Park inmitten des Wohngebiets

Das Riesenbecken liegt in einem kleinen Park inmitten des Wohngebiets

Schon früh war bekannt, daß das Alzettetal zur Römerzeit römisch besiedelt war. Der Name des Ortsteils Mies (franz. „Meix“) wird hergeleitet vom lateinischen Wort mansus =  Haus, Hof, Dorf.

Die Villa war vom 1. bis zum 4. Jahrhundert n. Chr. bewohnt. Im 4. Jahrhundert endete die römische Herrschaft und die Provinz wurde von den Franken eingenommen, die das Landgut zerstörten oder zerfallen ließen. Sie nutzten das Gelände danach als Ackergrund.

Immer wieder kamen in der ländlichen Gegend beim Umpflügen Tonscherben und Ziegel zum Vorschein. Im Jahr 1905 wurde die römische Villenanlage durch den Staatsarchitekten Karl Arendt ausgegraben. Er nahm das Gelände auf und erkannte, daß es sich bei der Anlage um den typischen gallo-römischen „Normaltypus“ einer Villa rustica handelte, wie sie in dieser Region im Stammesgebiet der Treverer üblich war.

Im Jahr 1966 stieß man bei den Bauarbeiten für eine größere Wohnsiedlung auf weitere römische Überreste in der unmittelbaren Umgebung der Villa. Weitere Grabungen durch das Luxemburgische Staatsmuseum legten eine fast 100 Meter lange Mauer frei. Es stellte sich heraus, daß es sich um ein von Wasserleitungen durchzogenes, ovales Schwimmbecken handelte, das zur Villa gehörte. Das Becken wurde, um es für die Öffentlichkeit zu bewahren, freigelegt, die Umrisse nachrekonstruiert und dann in einen kleinen Park inmitten der Wohnanlage integriert. Über die Überreste der Villa baute man einen Schutzbau.

Leider ist die Beschriftung - bis auf die Rekonstruktionszeichnung - nicht sehr informativ

Leider ist die Beschriftung – bis auf die Rekonstruktionszeichnung – nicht sehr informativ

Auch in der Umgebung, überall in Mies, fand man zahlreiche Münzen, die zeitlich von Kaiser Domitian bis Kaiser Konstantin reichen (81 bis 337 n. Chr.)

Außerdem entdeckte man in der Nähe den Inschriftenstein eines Militärtribuns und Priesters des Lenus-Mars (heute zu besichtigen im Staatsmuseum in Luxemburg Stadt). Möglicherweise übte der Bewohner der Villa die Funktion dieses Lenus Mars-Priesters aus.

Beschreibung:

Am Straßenrand liegt in einem kleinen Park unter Bäumen der Schutzraum für den Wohnbereich. Er ist dezent gestaltet in einem Natursteinhaus im angedeuteten römischen Stil.

Das Haus ist frei zugänglich, allerdings befindet sich der Innenraum mit der Hypokaustenanlage hinter einer Glasscheibe, so daß man nicht in der Ruine selbst herumlaufen kann.

Im Eingangsbereich befindet sich eine Informationstafel, die allerdings nur auf französisch ist und deren Informationsgehalt auch nicht sehr groß ist. Es gibt eine Rekonstruktionszeichnung der Villa mit Schwimmbad und kurze Informationen über den Zeitraum der Nutzung. Weitere Hintergrundinformationen sucht man leider vergebens. Da sind wir aus Luxemburg viel bessere und geradezu vorbildliche Beschriftungen gewohnt!

Hinter dem Haus führt ein kleiner Fußweg in einen Obstgarten, der am Rande des Schwimmbeckens liegt. Das Schwimmbecken selbst bildet eine ovale Vertiefung in einer ruhigen, parkähnlichen Anlage inmitten der Wohnhäuser. In regelmäßigen Abständen laden Sitzbänke zum Verweilen ein und ein kleiner, von Bäumen gesäumter Spazierweg führt um das Becken herum. Die Anlage ist sauber und gepflegt und wird zur Naherholung von den Bewohnern der umliegenden Wohnsiedlung genutzt.

Die Dimensionen des Riesenbeckens sind hier gut zu erkennen!

Die Dimensionen des Riesenbeckens sind hier gut zu erkennen, denn in der Mitte an den Wasserrohren steht eine Person!

Diese Villenanlage sollte man, wenn man in der Gegend unterwegs ist, gesehen haben. Das gigantische Becken und die sehr gut erhaltenen Hypokausten sind schon eine Besonderheit, die die Villa von Mersch von den anderen römischen Landgütern der Umgebung abhebt.

Öffnungszeiten, Zugänglichkeit:

Die Anlage ist frei zugänglich und kann jederzeit besichtigt werden. Eintritt wird nicht erhoben.

Sonstiges:

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Die Besichtigung kann gut mit einem Besuch des Cerunincus-Waldtempels bei Steinsel verbunden werden, der nur wenige Kilometer entfernt liegt.

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