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Antike Stätten: Villa Rustica in Blankenheim

 

Herrenhaus der "Villa Rostica" von Blankenheim

Herrenhaus der „Villa Rostica“ von Blankenheim

Anschrift:

In den Alzen 18, 53945 Blankenheim

Anfahrt:

Das parkartig angelegte Gelände der Villa Rustica befindet sich in einem Wohngebiet am Ortsrand des historischen Eifelstädtchens Blankenheim. Die Anschrift kann mit jedem Navi und Stadtplan einfach gefunden werden.

Auch mit dem öffentlichen Nahverkehr ist diese Villa gut zu erreichen. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Bushaltestelle „Blankenheim, Königstraße“. Blankenheim selbst hat keinen Bahnhof, die Eifel-Bahnen aus Köln, Gerolstein, Trier und Euskirchen halten aber am etwa 6 km entfernt gelegenen Bahnhof „Blankenheim Wald“. Von dort aus erreicht man den Ortskern von Blankenheim mit der Buslinie 832.

Rund um Blankenheim gibt es auch viele Wander- und Radwege, da es sich hier um eine bei Touristen beliebte Region der Eifel handelt.

Vorbemerkung:

Porticus des Herrenhauses

Porticus des Herrenhauses

Die Villa Rustica wurde in ihrer jetzigen Aufmachung am 11. Juli 2014 eröffnet.

Hierbei gleich eine Warnung vorweg: die „moderne, monumentale, imposante, eigenwillige“ Rekonstruktion aus verrostetem Corten-Stahl ist sehr geschmacksabhängig. Unseren Geschmack trifft sie definitiv nicht! Ein Musterbeispiel aus unserer Reihe „wie man römische Stätten nicht präsentieren sollte“.

Aber wenn man gerne etwas architektonisch Eigenwilliges wünscht, um sich von den zahllosen Villae rusticae der Umgebung abzusetzen und dafür auch noch 2,6 Millionen Euro springen läßt, kommt es bisweilen auch schon einmal zu derartigen bizarrern Auswüchsen.

Die Anlage soll Touristen anziehen und „bewußt für eine Kontroverse sorgen“ (irgendwie muß man sich als arme Eifelkommune ja ins Gespräch bringen, da hilft im Notfall auch Provokation).

Ob man damit das Primärziel erreicht, Touristen anzulocken, die sich auf Römerwegen durch die Eifel bewegen, sei dahingestellt. Einen pädagogischen Nutzen, der über Aussehen und Funktion eines römischen Landguts informiert, hat eine solche Darstellungsweise eher nicht und sie ist auch nicht geeignet, die jüngere Generation über römische Architektur zu bilden. Wer einen authentischen Eindruck gewinnen will, ist also in Echternach, Ahrweiler oder natürlich bei der Villa Borg im Saarland besser aufgehoben. Die gewünschte Kontroverse hingegen lösen sie damit ganz sicher aus.

Die Gebäude liegen in einem kleinen Park

Die Gebäude liegen in einem kleinen Park

Und den römischen Geschmack hätte diese Rekonstruktion bestimmt nicht getroffen; die Monumentalkonstruktion aus Corten-Stahl scheint uns definitiv barbarischen Ursprungs zu sein.

Wir müssen froh sein, daß es sich „nur“ um ein römisches Profangebäude handelt und man nicht auf die Idee kam, einen römischen Tempel in einer solchen Weise zu „gestalten“!

Nun gut, die Villa kann nichts dafür. Bei ihr handelt es sich tatsächlich um einen monumentalen römischen Gutshof, der zudem die einzig bekannte Axialvilla im Rheinland ist. Insofern hat sie natürlich auch einen Platz unter unseren „Antiken Stätten“ verdient. Als Kuriosum und abschreckendes Beispiel kann die Präsentation auf jeden Fall herhalten – was sich der Gutsherr sicher auch nicht hat träumen lassen…

Wer absurd gestimmt ist und ohnehin gerade zwischen den zahlreichen römischen Stätten in der Eifel unterwegs ist, kann sich dieses bizarre Erlebnis natürlich gönnen.

Wir benannten diese Stätte beim ersten Anblick spontan in „Villa Rostica“ von Blankenheim um.

Hintergrundinformationen:

Fotos von der ersten Grabung 1894

Fotos von der ersten Grabung 1894

Der römische Gutshof in Blankenheim wurde erstmals im Jahr 1894 ausgegraben. Da die Funde mit ihren mehr als 1 Meter hohen Mauerresten so gut erhalten waren, entschloß man sich seinerzeit, sie als touristische Attraktion zugänglich zu machen, restaurierte die Mauern und errichtete einen Schutzbau über dem Badetrakt.

Im Laufe der folgenden Jahre litt die Anlage stark. Durch die harten Winter in der Eifel verwitterten die Mauern und Souvenirjäger nahmen immer wieder Steine mit. Im Jahr 1914 trug man die obersten Mauern ab, um die darunterliegenden Bauabschnitte zu untersuchen. In den Wirren der Weltkriege wurde das Gelände schließlich wieder zugeschüttet.

Im Jahr 2005 wurde das Gelände durch das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege neu sondiert, um die genaue Befundlage zu klären. Im Rahmen zweier Diplomarbeiten wurden ein digitales Geländemodell und eine digitale Rekonstruktion des Hauptgebäudes erstellt. 2006 legte man Teile des Bades frei, wobei sich die Befundlage durch die Abtragungsarbeiten von 1914 deutlich verschlechtert hatte.

Digitale Rekonstruktion des Herrenhauses

Digitale Rekonstruktion des Herrenhauses

Es handelt sich um eine Villa Rustica, deren Ausstattung und Größe darauf schließen läßt, daß ihre Eigentümer wohlhabende Gutsbesitzer waren. Insbesondere das monumentale Herrenhaus mit seinen zahlreichen Nebengebäuden deutet auf luxuriöses Wohnen in der Nähe der vielbereisten römischen Schnellstraße von Köln nach Trier. In etwa 400 Metern Entfernung zur Villa verlief eine Abzweigung dieser Fernstraße, die nach Bonn führte.

Der Komplex war 250 Meter x 120 Meter groß und lag am terrassierten Osthang eines Hügels. Das Gelände war von einer Umfassungsmauer abgeschlossen und reichte bis ins Bachtal.

Grabung 1894

Grabung 1894

Bei der Villa konnten mehrere Bauperioden ermittelt werden. Der erste Bau stammte aus dem 1. Jahrhundert und wurde bis ins 2. Jahrhundert genutzt. Es handelte sich um den typisch römischen Baustil, wie er bei Landgütern in der Region verbreitet war, mit einer symmetrischen Anordnung der Gebäude und einem überdachten Porticus mit Eckrisaliten.

Im 2. Jahrhundert scheint die Villa komplett abgebrannt zu sein. Es wurde ein neues Herrenhaus mit Porticus errichtet, dazu eine ausgedehnte Bäderanlage. Im 3. Jahrhundert wurde das Gebäude noch einmal erweitert, der Hauptsaal in mehrere beheizbare Räume unterteilt. Nutzung fand bis ins 4. Jahrhundert statt, bis das Landgut (vermutlich infolge der Germaneneinfälle) aufgegeben wurde. Die archäologische Analyse ergab, das sich bereits Verfallserscheinungen kurz vor der Aufgabe feststellen lassen, so ließ man z.B. die Heizungsanlage verfallen und mauerte Fenster zu.

Blick von innen hinaus auf die Terrasse

Blick von innen hinaus auf die Terrasse

Innerhalb des Geländes wurden auch Reste von Eisenschlacken sowie Hinweise auf Eisenverhüttungsanlagen gefunden, mit denen das im Raum Blankenheim oberirdisch anstehende Eisenerz verarbeitet wurde. Wie auch bei der Eisenschmelzersiedlung von Ahrweiler kann man daraus den Schluß ziehen, daß gegen Ende der Nutzung, als die Lage in der Region unruhiger wurde, die bereits vorhandenen Gebäude des ehemals landwirtschaftlichen Landguts umfunktioniert wurden, um dort vor Ort Eisen zu produzieren, als der Nachschub über die fernen Handelsrouten nicht mehr sichergestellt war. Eine Umfunktionierung zu einer Eisenverhüttungsanlage erklärt auch, warum man ehemals wichtige Bereiche, die dem Wohnkomfort einer Gutshofsfamilie dienten – wie eine Heizung -, verfallen ließ, denn in einer qualmenden und stinkenden Industrieanlage saß sicherlich kein Gutsherr mehr gediegen auf seiner Terrasse.

Im Jahr 2010 wurde als Teil des Projekts „Erlebnisraum Römerstraße“ (eine Rad- und Wanderroute mit 94 Stationen, zu dem auch der Archäologische Landschaftspark Nettersheim gehört) ein Architekturwettbewerb für eine abstrakte Präsentation der Römervilla ausgeschrieben. Architektin Nina Delius, die den Wettbewerb gewann, erklärte, daß man sich bewußt gegen eine Rekonstruktion entschieden habe. Wichtig war auch, daß durch die Konstruktion möglichst wenig Folgekosten für die Gemeinde entstehen, wie sie durch Fassaden (die gestrichen werden müssen) oder bepflanzte Anlagen regelmäßig anfallen. Der Corten-Stahl scheint dafür das richtige Baumaterial zu sein, denn er sieht schon seit der Errichtung verrostet aus.

Eine Größenvorstellung vom Herrenhaus bekommt man schon

Eine Größenvorstellung vom Herrenhaus bekommt man schon

Auch in der Gemeinde entstand eine kontroverse Diskussion über den rostigen Monumentalbau, die vom Bürgermeister als „gute Werbung für Blankenheim“ bezeichnet wurde.

Am 11. Juli 2014 fand die offizielle Einweihung der neugestalteten Villa Rustica statt.

 

Beschreibung:

Das Gelände liegt auf einem abfallenden Hang und wurde in Form eines kleinen Parks angelegt. Gekieste Wege führen zwischen den Gebäuden hindurch. Hinweistafeln sind ebenfalls auf verrosteten Stahlplatten angebracht. Hier gibt es zur Zeit erst zwei Tafeln, wir vermuten aber (anhand der vielen herumstehenden leeren Rosttafeln), daß die einzelnen Gebäude über kurz oder lang eigene Erklärungen erhalten. Bislang hält sich der Informationsgehalt der Anlage noch in Grenzen. Lediglich die Informationstafel an einem kleinen Haus auf dem Gelände zeigt eine digitale Rekonstruktion der Villa, einen Grundriß des Geländes und einige Fotos aus der Zeit der ersten Grabung 1894.

Die Beschriftung der Infotafeln rollt sich auf

Die Beschriftung der Infotafeln rollt sich auf

Hierbei ist kritisch anzumerken, daß auch das Material, auf das die Informationen gedruckt sind, nicht wetterbeständig zu sein scheint. Wir waren Ende Juli in der Anlage (also 2 Wochen nach Eröffnung) und bereits jetzt rollen sich die Ränder der nur auf den Stahlplatten aufgeklebten Informationsschildern auf. Eine Ablösung ist nur eine Frage der Zeit. Hier sollte man sich über anderes Material und bessere Befestigung Gedanken machen.

Die einzelnen Gebäude, die überall auf dem Gelände verteilt liegen, sind mit einer rostigen Umfassung aus Corten-Stahl dargestellt innerhalb derer eine etwa fünfzig Zentimeter breite Schüttung aus grobem Stein folgt. Das Innere der Räume besteht aus einem Boden aus Metallgitter oder Schotter. Durch die Schüttungen aus Stein und die rostbraunen Trennlinien sind zwar der Verlauf der Wände, die Position der Türen und der Grundriß der Gebäude gut zu erkennen, optisch ansprechend ist das jedoch nicht.

Das Gelände wird dominiert vom Herrenhaus, das oben auf dem Hang liegt und das Landgut überblickt. Hier wurde der Porticus, d.h. die dem Gebäude vorgelagerte, überdachte Terrasse, in Stahl nachgestaltet, so daß der Besucher einen Eindruck von der Länge und Höhe des Gebäudes bekommt. Fenster und Türen sowie Säulen, die das Vordach tragen, bestehen aus rostigen Stahllamellen. Der knapp 57 Meter lange und 6 Meter hohe Säulengang war sicherlich ein imposanter Eindruck und die Größe wird auch durch das Stahlobjekt deutlich.

Die Fundamente sind kaum unter dem Glas zu erkennen

Die Fundamente sind kaum unter dem Glas zu erkennen

Die Originalfundamente sind in etwa 1,50 Meter Tiefe zum Teil zu besichtigen – wenn man denn etwas erkennt, denn auch hier wundern wir uns sehr über die Designentscheidung, sie unter (nicht begehbaren) Glasplatten zu verbergen. Das allein klingt ja nach einer guten Idee, aber leider war bei unserem Besuch durch die Glasscheiben so gut wie nichts zu erkennen, denn erst einmal spiegeln sie den Himmel stark und außerdem hatte sich unter der Scheibe starkes Kondenswasser gebildet, so daß außer gespiegeltem Himmel und massenhaft dicken Tropfen nur zu erahnen war, daß sich darunter irgendwo Mauerreste befinden. Schade! Und eine solch starke Bildung von Kondenswasser, die nur durch eine ungenügende Durchlüftung der darunter liegenden Areale wegen der offenbar zu dicht abschliessenden Glasabdeckung zu erklären ist, dürfte auch den originalen Mauern, die sich dort befinden, schaden.

Die Stahlkonstruktion, das ist stark geschmacksabhängig – das muß man nicht mögen. Man hat sich nun für diese Darstellung entschieden und muß damit leben.

Dennoch sollte aber bezüglich der anderen Probleme nachgebessert werden – die schlecht befestigten Infoschilder und die merkwürdigen Glasplatten, durch die man nichts sieht. Auch ist die Anlage noch sehr schlecht beschriftet, aber wir gehen davon aus, daß eine Beschriftung der Nebengebäude und Räume noch erfolgt und nicht rechtzeitig zur Eröffnung fertig wurde, obwohl man sich schon fragt, warum das so ist.

Hat jemand irgendwo eine römische Mauer gesehen?

Hat jemand irgendwo eine römische Mauer gesehen?

Es gibt Sitzbänke, auch auf der Stahlterrasse, von denen man seinen Blick ins Tal schweifen lassen kann. Der kleine Park ist sicherlich gut gemeint und wen die Stahlmonster nicht stören, der kann dort in Ruhe verweilen.

Aber als Fazit zum Eindruck kann man in der Tat festhalten, das Gegenteil von gut ist eben gut gemeint…für das Geld, was man für diese ‚künstlerisch wertvolle‘ Konstruktion ausgegeben hat, hätte man ohne weiteres eine dem originalen Gebäude entsprechende Präsentation mit wirklichen Säulen und nachgebautem Porticus errichten können. Der Eindruck wäre um ein Vielfaches imposanter gewesen und der Lerneffekt nicht nur auf die vermittelten Ausmasse beschränkt geblieben, wie es jetzt leider der Fall ist.

Eintritt, Öffnungszeiten, Führungen:

Der Park befindet sich in einem Wohngebiet und ist jederzeit frei zugänglich. Eintritt wird nicht erhoben.

Ob gelegentlich Führungen stattfinden, ist uns nicht bekannt, wenn ja, wurde es zumindest bislang nicht gut kommuniziert.

Sonstiges:

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Weiterführende Informationen:

 

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1 Kommentar

  1. Curtis Nike sagt:

    Der Beitrag gefällt mir, die Präsentation hingegen nicht. Schon die Fotos veranlassen mich dazu diese ‚Sehenswürdigkeit‘ von meiner Reise-Liste zu streichen.

    Gefällt mir

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