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Antike Stätten: Weihedenkmal des Mars-Intarabus in Ernzen

 

Das Weihedenkmal von Ernzen

Das Weihedenkmal von Ernzen

Anschrift:

Messeweg, D-54668 Ernzen.

Anfahrt:

Der Weihetempel ist einfach zu finden, er befindet sich mitten in einem Wohngebiet aus Einfamilienhäusern am nördlichen Ortsrand des kleinen Dorfes Ernzen im Felsenland Südeifel, nahe des Flusses Sauer und der luxemburgischen Grenze. Einfach dem Messeweg folgen (eine römische Stätte ist dort auch ausgeschildert), bis auf der rechten Seite der Schrein mit Altar erscheint.

Da es sich um eine ruhige, ländliche Straße handelt, kann man einfach an Ort und Stelle parken.

Mit dem öffentlichen Nahverkehr ist Ernzen per Bus aus Irrel oder Bollendorf mit der Linie 441 zu erreichen, hier an der Kirche von Ernzen aussteigen und noch ca. 5 Minuten zu Fuß gehen. Allerdings fährt der Bus in dieser Gegend nur sehr selten, so daß man sich vorher auf jeden Fall über Abfahrzeiten informieren sollte, wenn man nicht stranden will (das wäre allerdings auch nicht schlimm, es handelt sich beim Sauertal um ein beliebtes und sehenswertes Wandergebiet).

Hintergrundinformationen:

Im Jahr 1964 wurden bei Wegebauarbeiten bearbeitete Sandsteinblöcke gefunden, die sich als Fundamentblöcke und andere Architekturteile erwiesen, die man als Teile eines gallo-römischen Weihedenkmals identifizierte. Daneben entdeckte man einen giebelförmigen Stein, auf dem ein Kantharos, ein becherartiges Trinkgefäß, abgebildet war, das die Datierung ins frühe 2. Jahrhundert n.Chr. ermöglichte.

Die Identifizierung der hier verehrten Gottheit ermöglichte eine zum Teil erhaltene Inschrift:

(Marti In)tarabo (aediculam) sua impensa…. L. Germanius (restituit) ….us d(ono) d(edit)

In der Übersetzung:

Dem (Mars I)ntarabus hat L. Germanius ….us (eine Kapelle) auf eigene Kosten (erneuert) und zum Geschenk gegeben.

Rekonstruktionszeichnung der Aedicula nach Hubertus Backes, "Archäologie und Geschichte des Ferschweiler Plateaus". Das sollte auf eine Infotafel!

Rekonstruktionszeichnung der Aedicula nach Hubertus Backes, „Archäologie und Geschichte des Ferschweiler Plateaus“. Das sollte auf eine Infotafel!

Hier wird die römische Glaubenspraxis deutlich, einer Gottheit nach der Erfüllung eines Gelübdes etwas zu geben, was zuvor versprochen wurde. Während das bei einfachen Leuten eine kleine Opfergabe wie eine Votivfigur oder ein anderes kleines Objekt oder Nahrungsmittel sein konnte, errichteten wohlhabende Personen gleich ganze Weihealtäre oder sogar Tempel. Das erfüllte dann wiederum den doppelten Zweck, gleichzeitig seinen Reichtum und seinen Status zur Schau zu stellen, was in der römischen Gesellschaft eine wichtige Rolle spielte. Die Tatsache, daß L. Germanius, der Stifter dieses Weihetempels, betont, daß er die Stätte „auf eigene Kosten“ erneuert und geschenkt hat, dient genau dieser Darstellung, wie wohlhabend er war.

Die Originalfunde befinden sich heute im Rheinischen Landesmuseum Trier.

Bei dem hier verehrten Gott Intarabus handelt es sich um eine lokale gallische Gottheit der hier ansässigen Treverer, die in der Interpretatio Romana mit Mars gleichgesetzt wurde. Er ist aus dem eng begrenzten Gebiet rund um Luxemburg bekannt. Er wurde einerseits als genius loci verehrt, und war möglicherweise die Tutelargottheit einer der drei Unterstämme der Treverer. In seiner Hauptfunktion war er der Beschützer der Felder und der Landwirtschaft, sowie der Grenzen.

Ursprünglich enthielt der Tempel wahrscheinlich eine lebensgroße Kultstatue der Gottheit oder ein Weiherelief, wie es üblich war, dieses ist jedoch nicht erhalten.

Die Weihestätte wurde mit einem steinernen Baldachin für die Statue sowie einem Altar mit der Inschrift rekonstruiert, jedoch gilt die Rekonstruktion als umstritten. Ein alternativer Vorschlag, der auf der Tafel vor Ort abgebildet war (die Abbildung ist leider nicht mehr vorhanden), zeigt eine Aedicula, eine Art „Kapelle“, in der die Statue stand.

Beschreibung:

Das Weihedenkmal mit Altar befindet sich an einer kleinen Seitenstraße zwischen Einfamilienhäusern, Wiesen und Feldern an einer ruhigen Dorfstraße. Es ist von einer Hecke umsäumt. Ein kleiner Weg führt erst zu dem Altar mit der Inschrift. Dahinter befindet sich der Baldachin, der Platz für eine Kultstatue hat (eine solche gibt es hier jedoch nicht).

Zwischen Altar und Baldachin befindet sich ein – ziemlich verwitterter – Holztisch mit zwei Bänken, der wohl als Rastmöglichkeit für Wanderer in „römischem“ Ambiente gedacht ist. Er ist jedoch etwas störend, da er nicht zum Gesamteindruck des Ensembles paßt.

Eine solche Beschriftung geht natürlich gar nicht!!

Mehr Schandfleck als Informationstafel…

An der rechten Seite befindet sich eine kleine Tafel, die ehemals Informationen zum Weihedenkmal enthielt. Leider ist diese Tafel jedoch in einem katastrophalen Zustand, die einst darauf befindliche laminierte Beschreibung ist vollkommen verwittert und durch Nässe zerstört, so daß die Informationen unleserlich sind. Das erweckt den Eindruck, daß die Gemeinde oder das Rheinische Landesmuseum in Trier nicht sonderlich interessiert daran sind, diesen touristischen Anziehungspunkt, der immerhin zu den (ansonsten sehr gut präsentierten) Sehenswürdigkeiten der „Straßen der Römer“ gehört, zu pflegen und instand zu halten.

Für unbedarfte Wanderer, die per Zufall über diese Stätte stolpern und sich dafür interessieren, was sie hier zu sehen bekommen, ist das nicht sonderlich hilfreich – hier sollte unbedingt ein neues Schild aufgestellt werden, idealerweise aus einem wetterfesten Material, wie man es von den durchsichtigen Plexiglasschildern aus Luxemburg (wie im Wandtempel bei Steinsen) und den bunten Tafeln auf den Straßen der Römer kennt! Was wir hier vorgefunden haben trägt ganz sicher nicht dazu bei, das kulturelle Erbe der Region der heutigen Generation nahezubringen!

Von diesen Kritikpunkten abgesehen – die unpassende Campingbank, die man besser auf die Wiese an den Rand als zwischen Altar und Baldachin gestellt hätte und die katastrophale Beschriftung – ist die Stätte gepflegt und gut in Schuß.

Öffnungszeiten, Preise, Begehbarkeit

Da die Stätte an einer kleinen Dorfstraße liegt, ist sie jederzeit frei und natürlich ohne Eintritt begehbar.

Auch wenn sie umringt ist von klotzigen Einfamilienhäusern, ist die Straße so ruhig, daß es problemlos möglich ist, Opfergaben auf dem Altar abzulegen und ein paar Worte an Mars-Intarabus zu richten. Von einem skeptisch blickenden, vorbeifahrenden Bauer auf einem Traktor einmal abgesehen, fühlten wir uns hier ungestört.

Aktivitäten, die Krach machen oder aufdringliche neuheidnische oder hexische Rituale mit Trommeln und Gesängen sollte man in dieser Lage mitten im Dorf, mit Rücksicht auf die Anwohner, jedoch vermeiden.

Sonstiges

Größenvergleich: Der Baldachin für die lebensgroße Statue

Größenvergleich: Der Baldachin für die lebensgroße Statue

Fotografieren ist natürlich uneingeschränkt möglich.

Die Besichtigung dieses Tempelchens läßt sich gut mit anderen Sehenswürdigkeiten in der Umgebung kombinieren, wie dem nahen Menhir von Ferschweiler, der beeindruckenden römischen Villa Holsthum, der Villa Rustica von Bollendorf und natürlich einem Besuch in Echternach (Luxemburg), wo eine wirklich toll präsentierte und riesige Villa Rustica mit kleinem Museum zu besichtigen ist.

Weiterführende Informationen

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