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Antike Stätten: Nischengrabmal und Grabtumulus von Nickenich

Anschrift:

Laacherstraße (Kreuzung L116), Parkplatz am Sportplatz, 56645 Nickenich (Achtung! Für das Navigationsgerät nicht verwechseln mit der „Laacher Str.“!)

Anfahrt:

Das Nischengrab

Das Nischengrab

Nickenich liegt in direkter Nähe des Laacher Sees und der Abtei Maria Laach. Der Ort ist gut über die A61 (Abfahrt Kruft) zu erreichen. Die gallo-römische Grabanlage, bestehend aus Grabtumulus und Nischengrab, befindet sich auf dem Parkplatz am Sportplatz von Nickenich, am Ortseingang gelegen. Der Parkplatz ist unmittelbar von der Landstraße 116 zu erreichen und leicht zu finden.

Ebenfalls auf diesem Parkplatz startet der Premiumwanderweg „Pellenzer Seepfad“, der zu den „Traumpfaden“ gehört, einer Reihe sehr gut ausgeschilderter und anspruchsvoller Wanderwege durch Eifel und Moselland. Deswegen ist der Parkplatz auch mit den wehenden „Traumpfad“-Fahnen und der Info-Tafel mit Routenbeschreibung markiert und deswegen ebenfalls leicht zu finden.

Da das Grabensemble auf einem Parkplatz liegt, ist ausreichend Parkmöglichkeit vorhanden.

Hintergrundinformationen:

Das Dörfchen Nickenich liegt in der Vulkaneifel, die zu römischer Zeit von einheimischen romanisierten Kelten und Römern besiedelt war. Insbesondere die Basalt- und Tuffsteinindustrie spielte hier eine entscheidende Rolle. Der in unmittelbarer Nähe abgebaute Mayener und Mendiger Mühlstein wurde in das gesamte römische Reich exportiert und das nur wenige Kilometer entfernte römische Tuffsteinbergwerk Meurin ist das größte nördlich der Alpen.

Geschützt wurde die stark besiedelte und industriell geprägte Gegend vor immer wieder einfallenden rechtsrheinischen Germanen durch stationierte römische Wachgarnisonen, zum Beispiel auf dem nahen Katzenberg bei Mayen.

Rund um das Laacher See-Gebiet und den Raum Mayen finden sich deswegen zahlreiche römische Siedlungsspuren und Industrieanlagen. Auch ist viel über die römische und keltische Geschichte in der Region im Deutschen Eifelmuseum in Mayen zu erfahren, das ebenfalls nur wenige Kilometer entfernt ist sowie im Pellenz-Museum in Nickenich, das lokale Funde ausstellt. Ein zweiter Tumulus, der von der Bauweise her ähnlich ist, findet sich in Ochtendung.

In Nickenich hat sich eine wohlhabende Familie, die wohl auf einem nahegelegenen Gutshof lebte, selbst ein Denkmal über den Tod hinaus gesetzt. Die unmittelbare Nähe des Grabtumulus sowie des Nischengrabmals zeigen, daß beide Grabmonumente zusammen gehören, wofür auch die fehlende Inschrift des Nischengrabes spricht (etwas, das bei einem römischen Grabmonument dieser Größe eher unüblich war). Es handelt sich also mit großer Wahrscheinlichkeit um den Bestattungsplatz einer Villa Rustica, eines typisch römischen Gutshofes.

Der Tumulus und die Informationstafeln des Vulkanparks

Der Tumulus und die Informationstafeln des Vulkanparks

Im Jahr 1931 wurde bei Nickenich ein Rundbau aus römischer Zeit entdeckt, bei dem es sich um einen mit Erde bedeckten Grabhügel handelte („Tumulus„). Das gemauerte Fundament aus lokalem Tuffstein und eine aufliegende Quaderreihe befanden sich zum Grabungszeitpunkt noch in Originallage und etwa 70% des Baumaterials sowie eine Inschriftentafel, ein Gesims und die Inschriftenhalterung waren erhalten.

Obwohl es sich, wie der Inschrift zu entnehmen ist, um einen Grabtumulus handelte, wurde eine Grabkammer nicht entdeckt, so daß man davon ausgeht, daß es sich um ein Grab ohne Leichnam handelt, einen sogenannten Kenotaph, wie es üblich war, wenn Angehörige fern der Heimat oder an unbekannter Stelle ums Leben kamen oder woanders beigesetzt werden mußten.

Der Durchmesser des runden Steinbaus beträgt 7 Meter. Aus dem gefundenen Material ließ sich eine ursprüngliche Höhe von etwa 2,50 Meter rekonstruieren. Das Original des Tumulus befindet sich im Rheinischen Landesmuseum in Bonn, aber die Nickenenicher Kopie ist ein originalgetreuer Nachbau im Maßstab 1:1.

Aus der Inschriftentafel läßt sich ersehen, daß das Grab einer Mutter und ihrem Sohn gewidmet war. Über ihre Todesumstände oder ihren Bestattungsort sind jedoch keine Informationen enthalten.

Bei der Familie handelte es sich um einheimische Kelten, die jedoch im römischen Lebensstil und der römischen Kultur aufgegangen waren. Die Namen Contuinda und Esucco Ategnissa sind eindeutig keltisch, jedoch gab man dem Sohn bereits einen römischen Namen: Silvanus. Die Grabinschrift ist auf Latein verfasst und die Form der Inschrift ist in typischer römischer Sitte gestaltet:

Contuinda Esucconis F(iliae)
Silvano Ategnisse F(ilio)
h(eredes) es tes(tamento) f(ecerunt)

In der Übersetzung:

Der Contuinda, der Tochter des Esucco (und) Silvanus Ategnissa, ihrem Sohn, (haben) die Erben aufgrund testamentarischer Bestimmungen (dieses Grabmal) errichtet

Den Wohlstand der Familie kann man schon der Tatsache entnehmen, daß ein Grabtumulus mit Steinsockel und ein so großes Nischengrabmal mit den Figuren zu den aufwendigsten und teuersten Grabmonumenten gehörte. Solche Gräber wurden von wohlhabenden Bürgern errichtet, die damit ihren Reichtum und ihr Ansehen zur Schau stellten.

Details des Nischengrabes

Details des Nischengrabes

Die jüngere Forschung hat ergeben, daß die Grabmonumente aus dem 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. stammen. Die keltische Komponente erlaubt es, den Zeitraum auf die Jahre 50 – 100 n. Chr. einzugrenzen.

In unmittelbarer Nähe des Tumulus steht das Nischengrabmal, das ebenfalls 1931 entdeckt wurde. Es besteht aus drei mit lebensgroßen Figuren gefüllten Nischen. Die erste und dritte Nische zeigen Männer in römischer Tracht, die jeweils eine Schriftrolle halten. Die mittlere Nische eine Frau und ein Kind. Die Frau trägt einen römischen Mantel, darunter jedoch einheimische keltische Tracht, auch ihr Schmuck und ihre Frisur sind keltisch. Das Kind ist mit Tunica und Pallium römisch gekleidet.

An der linken Seite des Monuments befindet sich die Darstellung eines Mannes mit einem Stock, der zwei Männer, die am Hals mit Eisen aneinandergekettet sind, an einer langen Kette führt. Das Denkmal ist an der Oberseite mit Löwen verziert.

Die Stelen und Löwen bestehen aus Kalkstein, der Rest des Monuments aus einheimischem Tuffstein.

Beschreibung:

Das Nickenenicher Grabensemble befindet sich auf dem Parkplatz in unmittelbarer Näher des Sportplatzes. Dabei nimmt der Tumulus einen zentralen Teil ein und steht gut präsentiert und nachts beleuchtet auf einer kleinen Wiese. Er ist von Infotafeln umgeben, die auf Blöcke aus einheimischem Basaltgestein montiert sind, was einen ganz guten Eindruck macht.

Seitenansicht des Nischengrabes

Seitenansicht des Nischengrabes

Das Nischengrab ist zum Schutz vor Verwitterung mit einem kleinen Holzdach überdacht. Daneben gibt es ebenfalls eine Infotafel.

Die Anlage gehört (wie der Katzenberg, das Römerbergwerk Meurin oder das Mayener Grubenfeld) zum „Vulkanpark„, dessen Sehenswürdigkeiten überall in der Region verteilt sind und mit einheitlichen Informationstafeln und Schildern sachlich gut und informativ beschriftet sind.

Es gibt außerdem einen hölzernen Tisch mit zwei Bänken, an dem Wanderer vor der bewaldeten Kulisse der Vulkanlandlandschaft rasten können.

Die römischen Denkmäler sind ansprechend präsentiert, auch wenn die Position auf dem Parkplatz eher zweckmäßig ist. Auf jeden Fall ist die Stelle (sofern der Sportplatz nicht gerade bespielt wird) ruhig und friedlich und erlaubt angenehmes und zwangloses Verweilen.

Eintritt und Zugänglichkeit:

Der Platz ist jederzeit öffentlich zugänglich und kostet keinen Eintritt.

Sonstiges:

Fotografieren ist uneingeschränkt möglich.

Erfahrenen Wanderern mit guter Kondition kann diese Stätte auch als Ausgangspunkt für den Traumpfad „Pellenzer Seepfad“ empfohlen werden (doch Achtung, es handelt sich dabei um einen der schwierigsten Traumpfade mit Abschnitten, die zum Teil alpinen Anspruch haben, und starken Steigungen).

Wer die vielen römischen Sehenswürdigkeiten in der Umgebung besucht oder den Vulkanpark bereist, sollte auf jeden Fall auch den Abstecher zu diesem interessanten Grabmonument machen!

Der Besuch kann ideal verbunden werden mit dem Laacher See, dem Römerbergwerk Meurin, dem Basaltkeller von Mendig, dem Mayener Grubenfeld und der Römerwarte Katzenberg. Auch liegen zahlreiche weitere geologische und archäologische Sehenswürdigkeiten in unmittelbarer Nähe.

Weiterführende Informationen:

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