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Antike Stätten: Merkur und Rosmerta-Tempel bei Waldesch

Der Merkur-Rosmerta-Tempel im Wald nahe der Hunsrückhöhenstraße ist ein Geheimtipp

Der Merkur-Rosmerta-Tempel im Wald nahe der Hunsrückhöhenstraße ist ein Geheimtipp

Anschrift:

Der Tempel liegt im Wald. Keine postalische Anschrift.

Anfahrt:

Der Tempel befindet sich nahe der Hunsrückhöhenstraße (B327) zwischen Koblenz und Waldesch. Leider ist er an der Straße nicht ausgeschildert. Um ihn zu finden, folgt man aus Koblenz-Karthause der Bundesstraße B327 Richtung Hermeskeil. Man passiert Forsthaus Kühlkopf und Forsthaus Remstecken mit Wildparkgehege. Beide sind als Einkehrstuben mit Parkplatz ausgeschildert.

Nach kurzer Weiterfahrt liegt auf der linken Seite ein Wanderparkplatz. Dieser heißt „Eiserne Hand„. Erreicht man einen großen Parkplatz auf der rechten Seite oder gar den Ort Waldesch, ist man zu weit gefahren, sollte in Waldesch drehen und zurückfahren, bis man auf der linken Seite einen großen Parkplatz passiert. Auf der rechten Seite folgt dann relativ schnell die „Eiserne Hand“.

Auf diesem Parkplatz befindet sich eine große Infotafel zum Archäologischen Lehrpfad, der auf dem Parkplatz beginnt und unter anderem keltische Hügelgräber, den Merkur-Rosmerta-Tempel, eine römische Villa rustica sowie den Dommelberg, einen keltischer Siedlungskern mit Ringwall umfaßt. Der Lehrpfad folgt zum Teil der Ausoniusstraße, der alten römischen „Schnellstraße“ durch den Hunsrück nach Trier, die noch erkennbar ist, auch wenn der Pflasterbelag nicht mehr erhalten ist.

Die Treppen des Haupteingangs

Die Treppen des Haupteingangs

An der Infotafel sind ausreichend Parkmöglichkeiten vorhanden. Rechts von der Infotafel weist ein Schild „Merkurtempel“ den Weg. Man folgt etwa 0,5 km einem gut ausgebauten, breiten Wanderweg, der zum Rhein-Burgen-Fernwanderweg gehört. Ein Symbol des Rhein-Burgen-Wegs mit Pfeil weist auf der linken Seite des Weges schließlich in einen kleinen Seitenweg. Dort sind schon die Treppen zu erkennen, die auf die Anhöhe mit dem Tempel führten.

Eine direkte Anreise mit dem öffentlichen Nahverkehr ist nicht möglich, aber es fahren Busse (Linie 621) zwischen Waldesch und Koblenz. Man kann entweder aus Waldesch zur Eisernen Hand wandern (es gibt einen Wanderweg, der den Ort mit dem Parkplatz verbindet), oder man fährt bis zum Forthaus Remstecken, das eine eigene Bushaltestelle hat, und läuft von dort aus einige hundert Meter.

Der Tempel ist nicht barrierefrei erreichbar, da Treppen hinauf zum Zentralbereich mit Cella führen, die zum Eingangsbereich des Tempelkomplexes gehören.

Hintergrundinformationen:

Merkur und Rosmerta. Im Tempel steht leider kein Weihestein für sie

Merkur und Rosmerta. Im Tempel steht leider kein Weihestein für sie

Entlang der stark bereisten römischen Ausoniusstraße durch den Hunsrück zur Kaiserstadt Augusta Treverorum (Trier) befanden sich zahlreiche Tempelanlagen, die von Reisenden und Pilgern als Wegestationen aufgesucht wurden.

Das Götterpaar Merkur und Rosmerta war insbesondere hier, in Nordost-Gallien sehr beliebt (unter anderem bei den hier einheimischen Treverern, aber auch im restlichen Gallien, in Britannien und sogar in Rom selbst), so daß sich in der Gegend für sie mehrere Tempel sowie zahlreiche Weihesteine und Votivgaben finden, vor allem in der Nähe von Schnellstraßen und Handelszentren.

Der Tempel nahe Waldesch  im typisch gallo-römischen Stil des Umgangstempels gehörte sicher zu den größeren Anlagen. In der Nähe existierte auch eine Siedlung sowie zahlreiche Gutshöfe (villa rustica), deren Reste in der Umgebung ebenfalls zu finden sind und teilrestauriert wurden. Sie sind als Station des Archäologischen Lehrpfades zu besichtigen.

Der Tempel lag sich auf einer leichten Anhöhe und war von einer Mauer umgeben, das ganze Gelände hatte etwa eine Ausdehnung von 106 Metern. Eine hintere Tür führte direkt in den Hauptbereich, während das Haupttor von der Schnellstraße durch ein Eingangsportal über Treppenstufen erreicht wurde. Reste des Portals und Stufen sind heute noch erhalten, so daß es möglich ist, den Tempel über den Original-Zugang zu betreten.

Der Tempel wurde in den zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts freigelegt und archäologisch erforscht, wobei gefundene Skulpturfragmente auf die Nutzung als Tempel für den römischen Gott Merkur und seine gallische Gefährtin Rosmerta (in der romanisierten Form) hindeuteten. Im Jahr 1986 ließ die Stadt Koblenz das Gelände neu gestalten, unter anderem mit einer Informationstafel, die auf die Bedeutung des Kultes in dieser Region hinweist.

Inmitten der ovalen Umfassungsmauer befand sich der eigentliche Umgangstempel, dessen säulengestützter Umgang etwa 20 x 19 Meter groß war. Es ist davon auszugehen, daß sich hier schon in vorrömischer Zeit ein heiliger Ort der Gallier, ein Temenos, befand. Hölzerne Vorgängerbauten in keltischer Bauweise und Funde aus dem 1. Jahrhundert v.Chr. deuten auf eine solche Nutzung hin.

Mit dem Beginn der römischen Besiedlung verschmolzen die Römer die dort verehrten einheimischen Götter mit ihrem eigenen Kult und errichteten ihnen nach üblicher Sitte einen steinernen Tempel, damit sie darin angemessen verehrt werden konnten. Auf dem Gelände wurden zudem Reste weiterer Gebäude sowie eines Brunnens gefunden, der für die Kulthandlungen wohl eine Rolle gespielt hat.

Die zahlreichen Funde, die auf dem Gelände gemacht wurden (Weihstandbilder, Münzen), deuten darauf hin, daß der Tempel durchgehend bis zum 5. Jahrhundert n.Chr. genutzt wurde. Die Originalfunde befinden sich heute im Rheinischen Landesmuseum Bonn.

 Beschreibung

Der Umgangstempel ist recht groß und kann gut umgangen werden

Der Umgangstempel ist recht groß und kann gut umgangen werden

Die Tempelanlage liegt mitten im Wald, wenn auch nahe an einem breiten Hauptwanderweg, auf dem bei schönem Wetter reger Verkehr aus Wanderern und Radfahrern herrscht. Sie ist (wenn man den Parkplatz „Eiserne Hand“ einmal gefunden hat), gut und schnell zu Fuß zu erreichen.

Wenn man dem Wanderweg vom Parkplatz folgt, erreicht man den Tempel durch den ehemaligen Haupteingang nahe der römischen Schnellstraße. Hier sind mehrere Treppenstufen sowie Fundamente des Eingangsgebäudes erhalten. Sie wurden teilaufgemauert und restauriert, so daß man gut den Eingangsbereich sowie den Verlauf der ovalen Umfassungsmauer des Tempelgeländes nachvollziehen kann.

Der Besucher steigt mehrere Treppenstufen empor, bevor er den großen Hauptplatz mit dem Umgangstempel erreicht. Hier befindet sich der eigentliche Tempel: eine zentrale Cella, in der sich Altar und Kultbild befanden, sowie der Umgang mit Säulenhalle, in dem man die Cella gut umrunden kann. Auch ist es möglich, Opfergaben auf dem zentralen Altarstein abzulegen.

Neben der Cella befindet sich ein kleines Nebengebäude. Vom Brunnen ist leider nichts mehr zu erkennen.

Der Erhaltungszustand der Anlage ist gut; es gibt zwar nur noch Fundamente, diese sind aber restauriert.

Neben der Cella befindet sich eine Informationstafel mit gut präsentierten Hintergrundinformationen, einem Lageplan und einer Rekonstruktionszeichnung zur besseren Vorstellung, wie der Ort einst aussah, als hier noch reger Betrieb herrschte.

Öffnungszeiten, Eintritt, Zugänglichkeit

Rekonstruktion des Tempels zu seiner aktiven Zeit (Detailaufnahme von der dort aufgestellten Infotafel)

Rekonstruktion des Tempels zu seiner aktiven Zeit (Detailaufnahme von der dort aufgestellten Infotafel)

Der Tempel ist rund um die Uhr frei zugänglich, da er ungestört im Wald liegt. Eintritt wird nicht erhoben.

Sonstiges:

Wenn einen der rege Verkehr am Wanderweg nicht stört, ist es hier problemlos möglich, Kulthandlungen für Mercurius und Rosmerta durchzuführen.

Es herrscht auch innerhalb der Anlage ein gewisser Betrieb, weil er eine Station des Archäologischen Rundweges ist, aber im Gegensatz zu den von diversen heidnischen Gruppierungen stark frequentierten Matronentempeln in Pesch und Nettersheim scheint dieser Tempel eher ein Geheimtipp zu sein.

Fotografieren ist natürlich uneingeschränkt möglich.

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