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Antike Stätten: Dionysos-Mosaik in Köln

Das Dionysos-Mosaik in Köln

Das Dionysos-Mosaik in Köln

Anschrift:

Römisch-Germanisches Museum Köln, Roncalliplatz 4, 50667 Köln.

Anfahrt:

Das Mosaik befindet sich im Keller des Römisch-Germanischen Museums mitten in Köln auf der Domplatte, ist aber auch ohne einen Museumsbesuch von außen durch ein Panoramafenster zu betrachten (der Museumsbesuch wird von uns aber unbedingt empfohlen!!).

Das Museum selbst ist leicht zu finden –  es befindet sich direkt neben dem Kölner Dom in der Kölner Innenstadt. Idealerweise Anfahrt mit der Bahn bis Köln HBF, von dort wenige Minuten zu Fuß über die Domplatte, rechts vom Kölner Dom (Parkplatzsituation für Autofahrer in Köln eher suboptimal, deshalb sollte im Zweifelsfall Park & Ride in Erwägung gezogen werden).

Weiterführende Informationen: 

Beschreibung:

Das Dionysos-Mosaik wurde im Jahr 1941 beim Bau des „Dombunkers“, eines Luftschutzkellers mitten in der Kölner Innenstadt, entdeckt. Es handelte sich dabei um den Boden eines Speiseraumes in einer großen und luxuriösen römischen Villa im mediterranen Stil in der römischen Provinzhauptstadt von Niedergermanien, Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln). Das Haus lag direkt am damaligen Rheinufer.

Das Mosaik ist von einem Geländer umgeben, man kommt jedoch sehr nah heran und kann jedes Detail betrachten

Das Mosaik ist von einem Geländer umgeben, man kommt jedoch sehr nah heran und kann jedes Detail betrachten

Die Villa wurde um ca. 50 n.Chr. erbaut und war während der folgenden dreihundert Jahre von mehreren Generationen bewohnt. Im Jahr 240 fand noch einmal ein großangelegter Umbau statt. Auch an anderen Stellen des Hauses fanden sich Mosaike sowie Wandmalereien. Wie im mediterranen Raum üblich, war die Villa um einen Innenhof mit Springbrunnen und Säulengang herum erbaut, wie man es auch aus Pompeji und Herculaneum kennt. Daneben verfügte sie über eine im rauhen Germanien wichtige Fußbodenheizung.

Im Jahr 355 n.Chr. wurde die Villa durch die einfallenden Franken zerstört, jedoch wurde das Mosaik dabei unter den Schuttmassen begraben und blieb deswegen erhalten.

Das Dionysos-Mosaik selbst ist 70 Quadratmeter groß und besteht aus ca. 1,5 Millionen Mosaiksteinen aus Naturstein, Kalkstein, Terra Sigillata, Ton und grünen und blauen Glassteinen, die aus der Glasindustrie in Köln stammten. Es wurde um ca. 200 n.Chr. angelegt und liegt immer noch an seinem originalen Fundort, da das Museum um die alte Villa herum errichtet wurde.

Es gehört zu den größten und besterhaltendsten römischen Böden nördlich der Alpen.

Als Hauptmotiv zeigt das Mosaik den römischen Gott Bacchus, den Gott des Weines, der sich betrunken auf einen jungen Satyr stützt, der einen Thyrosstab in der Hand hält. Umgeben ist dieses Motiv von verschiedenen Motiven, die zum Bacchus-Kult und seiner Mythologie gehören und in achteckigen Formen angeordnet sind: Trinkbecher (Kantharos), Mänaden, die von einem Satyrn gejagt werden oder ekstatisch musizieren, Amor auf einem Löwen reitend, ein Silen mit einer Flöte, ein Silen auf einem Esel reitend, Pan mit einem Ziegenbock an der Leine, ein weiblicher Panther mit blauem Halsband.

Die Randdekorationen zeigen, daß es sich um den Fußboden eines Speisesaals gehandelt hat. Hier finden sich Mosaike, die sich rund um das Thema Essen und Trinken drehen: Stockenten, Tauben mit Trinkbechern, ein Pfau, Weintrauben und Erntegeräte auf einem Wagen, Vögel, Obst, Kirschen, Austern und ein Hund, der an der Tafel darauf wartet, daß Reste für ihn abfallen.

Erhaltungszustand:

Das Mosaik ist in einem ausgezeichneten Zustand, obwohl es mehrere Male in seiner Geschichte starken Schaden genommen hat.

Bei den fränkischen Germaneneinfällen, bei denen das Haus niedergebrannt wurde, stürzten brennende Trümmer auf das Mosaik, so daß es noch heute Brandspuren hat.

Studenten der FH Erfurt restaurieren das durch Kyrill beschädigte Mosaik

Studenten der FH Erfurt restaurieren das durch Kyrill beschädigte Mosaik

Nach seiner Entdeckung während des Krieges wurde es zu seinem Schutz wieder zugedeckt und erst nach dem Krieg 1946 von Archäologen freigelegt. Ende der 50er Jahre wurde es zu seinem Schutz und um die Farben besser wirken zu lassen, mit einer Kunstharzschicht überzogen. 1974 wurde das Museum als „Schutzbau“ um das Mosaik herumgebaut.

Im Jahr 2007 wurde das Mosaik durch das Orkantief Kyrill stark beschädigt, als eine 70 Kilogramm schwere Holzabdeckung eines Brunnens auf der Domplatte losgerissen wurde, quer über den Roncalliplatz flog und die Panoramascheibe des Museums durchschlug. Das Mosaik wurde dabei an 120 Stellen beschädigt, insbesondere in den Randbereichen wurden ganze Teile zerstört und zerbrochen. Lediglich der Innenteil mit dem Bildnis des Bacchus blieb unbeschädigt. Der finanzielle Gesamtschaden lag im Bereich einer siebenstelligen Summe, der kulturelle Schaden war natürlich ungleich größer. Zusammen mit dem renommierten Istituto Superiore per la Conservatione ed il Restauro Rom wurde das Mosaik ein Jahr lang von Professoren und Studenten der Fachhochschule Erfurt vor den Augen der Besucher restauriert, die dabei zuschauen konnten. Am 18.1.2008, am Jahrestag des Orkans, wurde das renovierte Mosaik mit einem „Dionysos-Fest“ neu eingeweiht.

Durch die sorgfältige Restaurierung ist es heute wieder in einem sehr guten Zustand. Die Präsentation in einem eigenen Kellerbereich ist gut gelungen.

Eintritt und Zugänglichkeit:

Das Mosaik kann von jedermann frei durch das Panoramafenster auf der Domplatte am Roncalliplatz betrachtet werden. Es wirkt auch von weitem sehr gut.

Die zahlreichen Details erschließen sich dem Betrachter jedoch nur aus der Nähe, weshalb man es mit einem Museumsbesuch verbinden sollte. Es nimmt einen eigenen Raum im Kellerbereich des Museums ein, der mit Informationstafeln bestückt ist, die auf die vielen Details des Mosaiks hinweisen und ihre Bedeutung innerhalb des Bacchus-Mythos erklären. Man kann dem Mosaik hier ganz nahe kommen, es allerdings nicht betreten.

Die Besichtigung ist im normalen Eintrittspreis für den Museumsbesuch enthalten; unsere allgemeine Beschreibung des Römisch-Germanischen Museums ist hier nachzulesen.

Sonstiges:

Der Name „Dionysos-Mosaik“ hat sich eingebürgert, obwohl – wie Gerta Wolff in ihrem Buch „Das römisch-germanische Köln“ treffend feststellte – die römischen Bewohner Kölns den Gott des Weines eher mit seinem römischen Namen „Bacchus“ angesprochen haben dürften. Deswegen müßte es eigentlich „Bacchus-Mosaik“ heißen.

Beim Weltwirtschaftsgipfel 1999 wurde die Mosaikfläche als Speiseraum für das Festessen der Staats- und Regierungschefs der G8-Staaten verwendet und während dieses Anlasses zum Schutz mit einer Acrylglasplatte abgedeckt.

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