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Götterwelt: Dii Inferi

auch: Di inferi

Römische Darstellung der Trivia / Hekate (Vatikanmuseum, Rom)

Römische Darstellung der Trivia / Hekate (Vatikanmuseum, Rom)

Bei den Dii Inferi („untere Götter“) handelt es sich um die römischen Götter der Unterwelt. Im Gegensatz zu den Dei Consentes, die aus einer klar umrissenen Gruppe aus 12 Gottheiten bestehen, ist die Zusammensetzung der Dii Inferi nicht eindeutig oder klar umgrenzt.

Die römischen Unterweltgötter sind nicht etwa nur – wie die christliche Umdeutung und Gleichsetzung mit Hölle und Teufel später glauben ließ – für Tod, Gewalt, Zerstörung, Untergang und andere negative Dinge zuständig. Ganz im Gegenteil sind auch die Dii Inferi zusammen mit den Dei Contentes, Dei Familiaris, Dei Terrestres und weiteren Gruppen ganz selbstverständlicher Teil der römischen Götterwelt und des römischen Lebens und Kultgeschehens. Selbstverständlich gab es auch für sie Feiertage und Feste, die zum Teil Volksfestcharakter hatten.

Auch diese Götter sind dem Menschen gegenüber nicht feindselig eingestellt oder haben ein generelles Interesse daran, ihm zu schaden. Die negativen Vorstellungen basieren darauf, daß mit dem aufkommenden Christentum Gebete und Rituale für die Dii inferi mit Teufelsanbetung gleichgesetzt wurden. Das entspricht jedoch nicht der römisch-heidnischen Praxis, die keine „guten“ und „bösen“ Götter kennt. Lediglich durch ihre enge Verbindung mit – auch den Römern unangenehmen Themen – wie Tod und Sterben gehörten sie nicht gerade zu den populärsten Göttern mit den meisten Kultanhängern. Das bedeutete jedoch nicht, daß man sich mit bestimmten Anliegen nicht genauso an sie wenden konnte wie an andere Götter.

Ebenfalls zu den inferi werden auch Geister wie die Manes gezählt. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um Götter, sondern um Seelen von Verstorbenen.

Auch standen einige der Dei Consentes, wie Mars (insbesondere in der etruskisch beeinflussten Form) oder Mercurius (als Geleiter der Seelen der Verstorbenen in das Totenreich), ebenfalls mit Tod und Unterwelt in Verbindung. Gleiches galt für alle Götter, die für Geburt zuständig waren, da Geburt auch immer im Zusammenhang mit Tod steht.

Zu den Dii Inferi zählen:

Mund des Orcus (Bomarzo, Italien)

Mund des Orcus (Bomarzo, Italien

  • Dis Pater, der als höchster Gott zusammen mit seiner Frau Proserpina über die Unterwelt regiert.
  • Trivia („Drei Pfade“), eine römische Version der Hekate, Göttin der Kreuzwege, Friedhöfe und Zauberei, die als einer der drei Aspekte der „Dreifachen Göttin“ (zusammen mit Proserpina und Luna) gilt.
  • Orcus (ein alt-etruskischer Gott, dessen Name oft mit der Unterwelt selbst gleichgesetzt wird) und der als der Bestrafer für Eidbrüchige gilt
  • Summanus, Gott des nächtlichen Donners (als Gegenpol zu Jupiter, der für Donner bei Tag zuständig ist)
  • Mors, die Personifikation des Todes
  • Die Lemuren, die gestaltlosen Totengeister, die rastlos umherziehen, weil sie keine angemessene Grabstätte hatten und deswegen keine Ruhe finden. Ovid faßt unter ihnen auch die Manes und di parentes, die Ahnengötter der Unterwelt zusammen. Zu den Manes zählen sowohl die potentiell bösartigen und rachsüchtigen Larvae als auch die wohlwollenden und gutmeinenden Laren. Um die Lemuren positiv zu stimmen, wurden jedes Jahr im Mai die mehrtägigen Lemuralia gefeiert
  • Libitina, Göttin der Beerdigungen. Nach ihr wurden die Totengräber libitinarii genannt. Sie ist etruskischen Ursprungs, wird in späterer Zeit aber häufig mit der Göttin Venus assoziiert oder gilt als einer ihrer Aspekte
  • Mana Genita oder Genita Mana, Göttin der Kindersterblichkeit, die darüber entscheidet, ob ein Kind lebend oder tot geboren wird
  • Mater Larum („Mutter der Laren“), eine Göttin, deren Zuordnung nicht ganz eindeutig ist. Andere Namen sind Mania, Larunda, Muta oder Tacita („die schweigende Göttin“), deren Zunge herausgeschnitten wurde und die aus dem Tageslicht in die Unterwelt verbannt wurde
  • Nenia Dea, Göttin der Trauer bei Beerdigungen
  • Parca Maurtia oder Parca Morta, eine der drei Schicksalsgöttinnen (Parzen), die über Tod und Leben entscheidet

Opfer an die Dii Inferi wurden in die Erde gegeben, meist in Erdöfen oder Brandgruben.

Tieropfer wurden, im Gegensatz zu den Tieropfern für die Dei Consentes, nicht anschließend verspeist, sondern vollständig zu Asche verbrannt (Holocaust), weil es für Lebende verboten war, Speisen mit den Toten zu teilen. Deswegen waren typische Opfertiere meist Tiere, die von den Römern als nicht-essbar betrachtet wurden, wie Pferde (Römer aßen kein Pferdefleisch) und Hundewelpen (die insbesondere für Trivia / Hekate verbreitet waren).

Rituale wurden außerhalb der Stadtmauern Roms abgehalten, wo sich die Tempel und heiligen Stätten (sowie die Gräber und Friedhöfe) befanden. Pferde- und Wagenrennen waren typisch für die Festivitäten zu Ehren von Unterweltsgöttern, wie bei den Consualia, den taurischen Spielen (Ludi Taurii) und anderen Veranstaltungen an den heiligen Stätten auf dem Marsfeld vor der Stadt. Insbesondere die Triga, ein seltener Wagentyp, der von drei Pferden gezogen wurde, wurde ausschließlich für Rennen zu Ehren der Dii inferi eingesetzt, da die drei Pferde die drei Phasen des Lebens symbolisieren: Kindheit, Erwachsenenalter, Greisenalter.

Eines der bekanntesten Opfer, das man den Dii Inferi gelobte, war die „Devotio„, bei der ein General in der Schlacht sein eigenes Leben als Opfer anbot, wenn die Schlacht dafür siegreich ausgehen würde. Er stürzte sich daraufhin in vorderster Linie in den Kampf, mit dem Ziel, sein Leben zu verlieren. Überlebte er es unwahrscheinlicherweise, wurden ihm alle Bürgerrechte abgesprochen und er war ein Verstoßener, mit dem niemand reden durfte, da er auf diese Weise ebenfalls als „tot“ erklärt wurde – und damit der Vertrag mit den Göttern als eingehalten galt.

Gebete an die Dii Inferi werden, anders als für die Himmels- und terrestrischen Götter, nicht mit erhobenen Händen (manu supinum), sondern mit auf die Erde gelegten Händen gesprochen, da man im römischen Cultus die Hände stets in die Richtung dessen hält, an den man sich richtet.

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