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Antike Stätten: Isis- und Mater Magna-Heiligtum in Mainz

Anschrift:

Taberna Archaeologica, Römerpassage 1, 55116 Mainz (Eingang Lotharstraße).

Anfahrt:

Der Eingang zum Heiligtum befindet sich in der Römerpassage

Der Eingang zum Heiligtum befindet sich in der Römerpassage

Das Heiligtum befindet sich im Einkaufszentrum „Römerpassage„, mitten in der Fußgängerzone der Mainzer Innenstadt. Die Passage hat ein eigenes Parkhaus mit 200 Parkplätzen, das über die Emmeransstraße zu erreichen ist.

Da sich in Mainz („Mogontiacum„, ehemalige Provinzhauptstadt Obergermaniens) noch weitere interessante römische Sehenswürdigkeiten befinden, lohnt sich das Parken auf einem zentralen Parkplatz oder Parkhaus und das Erkunden der Stadt zu Fuß. Die ebenfalls in der Fußgängerzone befindliche Touristeninformation bietet kostenlose Stadtpläne an, auf denen auch dieses Heiligtum verzeichnet ist.

Weiterführende Information:

Hintergrund:

Die Inszenierung ist sehr stimmungsvoll

Die Inszenierung ist sehr stimmungsvoll

Bei den Ausschachtarbeiten zum Bau einer Tiefgarage unter dem Einkaufszentrum in der Mainzer Innenstadt wurden im Jahr 2000 die Fundamente eines römischen Tempels entdeckt. Anhand der zahlreichen Kleinfunde wurde festgestellt, daß es sich um einen Tempel handelte, der der ägyptischen Göttin Isis (hier verehrt als Isis Panthea und Isis Regina) sowie der römischen Mater Magna geweiht war.

Er wurde vermutlich vom ersten bis in das dritte Jahrhundert n. Chr. genutzt und gilt als archäologische Sensation, da nördlich der Alpen bislang nur zwei weitere „Isarien“ gefunden wurden (in Köln und London). Unterhalb des Tempels befanden sich 700 Jahre ältere Gräber aus der Hallstattzeit (ca. 680 v. Chr.).

Inschriften deuten darauf hin, daß der Tempel durch das flavische Kaiserhaus gestiftet worden war, dessen Kaiser Vespasian in Alexandria einst vom ägyptischen Gott Serapis die Bestätigung seiner Herrschaft erhalten hatte. Seitdem waren die ägyptischen Götter Teil des flavischen Kaiserkultes. Während der Isis-Kult in Rom schon länger praktiziert wurde (und immer wieder verboten wurde, unter anderem durch Augustus, der alles Ägyptische seit den Vorfällen um Marcus Antonius und Cleopatra haßte), wurde er unter Kaiser Caligula endgültig zu einem offiziellen Kult erhoben. Im entlegenen Germania superior war der Kult zu dieser Zeit jedoch relativ neu und wurde wahrscheinlich von Legionären mitgebracht.

Ursprünglich war geplant, das Heiligtum nach dem Ende der Grabung zuzuschütten (!) und das Parkhaus wie geplant zu errichten, aber dank einer Bürgerinitiative der Mainzer Bevölkerung („Initiative Römisches Mainz e.V.„), die innerhalb kürzester Zeit über 10.000 Unterschriften sammelte, wurde der Tempel erhalten und in die neu gebaute Einkaufspassage integriert.

Heute kann man es durch die „Taberna Archaeologica“ in der Römerpassage betreten, es befindet sich unterhalb des Einkaufszentrums, wo es aufwendig und sehenswert multimedial präsentiert wird.

Das Heiligtum ist kein Tempel in typisch römischer Bauweise, da es weder die Säulenhalle noch den gewohnten Innenraum mit Umgang gibt. Stattdessen handelte es sich um einen ganzen Tempelbezirk mit Umfassungsmauer, in dem sich zahlreiche kleinere Gebäude und Räume befanden, darunter auch eine Latrine. Inmitten der Gebäude lag ein zentraler Innenhof, in dem zahlreiche Brandreste und Opfergaben gefunden wurden.

Putzfragment mit Anubis

Putzfragment mit Anubis

Da die darunterliegende Grabanlage aus der Hallstattzeit zur damaligen Zeit noch als Erdaufschüttung erkennbar war, geht man davon aus, daß der Ort für den Tempel bewußt an diesem „Heiligen Ort“ gewählt wurde. Es wurde sogar ein Gang hinab mitten in die Grabanlage angelegt.

Ein zentraler Brunnen lieferte das für den Isis-Kult notwendige symbolische „Nilwasser“. Drei massive Steine dienten als Altäre. Hunderte bunt bemalter Putzstücke deuten darauf hin, daß die Innenwände nach römischem Brauch bunt bemalt waren. Ausgestellt ist unter anderem ein großes Stück Putz mit dem Bildnis des Anubis mit Heroldsstab und Palme.

Der gesamte Tempel war in Fachwerktechnik erbaut, das Fachwerk jedoch verputzt, und die Dächer geziegelt, wobei viele Ziegel die Legionsstempel der in Mainz ansässigen XXII Prigenia trugen.

Die Ausstellung:

Die Inszenierung des Tempels und der Fundstücke empfinden wir als modern und sehr gelungen. Steigt man über die Treppe hinab in das Heiligtum, ist nichts mehr vom Lärm der Einkaufspassage zu hören. Der ganze Raum ist in Schwarz gehalten, Decke wie Wände, und in die Decke sind Lichtpunkte eingelassen, die an einen Sternenhimmel erinnern. In der Mitte befinden sich die unterschiedlich beleuchteten Mauerreste, zusammen mit herabhängenden, halb transparenten Stoffbahnen, auf die Göttinnenbilder projiziert werden.

Ein Umgang führt um die Ausgrabung herum

Ein Umgang führt um die Ausgrabung herum

An der Außenwand, um das Heiligtum herum, befindet sich erhöht ein Umgang, auf dem man den Tempelkomplex einmal umschreitet. Ein freundlicher und unaufdringlicher Ordner grüßt. Nahe des Eingangs gibt es Infotafeln und Lageplan. Dann werden, während man den Weg entlanggeht, offenbar durch Bewegungsmelder, multimediale Ereignisse ausgelöst.

Zuerst erreicht man eine Stelle, an der mittels eines Hörspiels eine Feier des Isis-Kultes vorgestellt wird, samt Musik und Stimmengewirr. Aus Opferstellen inmitten des Tempels steigt dazu passend Rauch auf.

Es folgt eine Wand mit Vitrinen diverser Fundstücke und Fragmente von Wandputz, unter anderem mit Anubis.

Schließlich erreicht man eine Wand, an der auf einer Leinwand ein Film gezeigt wird, in dem in Spielszenen dargestellt wird, wie eine Frau den Mater Magna-Tempel aufsucht, der auf Verfluchungen, Schadens- und Liebeszauber spezialisiert gewesen zu sein schien. All das ist hochgradig verpönt im römischen Kultus, wurde aber natürlich trotzdem (wenn auch bei Nacht und mit verhülltem Gesicht) praktiziert. Die Frau wünscht eine Verfluchung für einen Mann und der Priester formt eine männliche Figur aus Ton, die anschließend in der Mitte zerbrochen und dann mit verdrehtem Oberkörper wieder zusammengesetzt wird. Anschließend wird die Figur begraben. Diese Geschichte basiert auf Fundstücken zahlreicher kleiner, grober Tonfiguren, die ebenfalls im Heiligtum ausgestellt sind.

Übersetzung einer Fluchtafel

Übersetzung einer Fluchtafel

Es stehen zwei Stühle bereit, so daß man während des Films bequem Platz nehmen kann. Ist der Film vorüber, geht es weiter an Vitrinen mit typischen Opferfunden vorbei (Öllampen, Figuren) sowie Schrifttäfelchen mit Verfluchungen (auf Latein und in Übersetzung). An der letzten Wand finden sich – hinter Holzklappen, die man einzeln in die Höhe hebt – Darstellungen von Opfergaben im römischen Ritus in hell erleuchteten, bunten Schaukästen. Damit diese nicht die intensive Atmosphäre stören, die der Tempel ausstrahlt, befinden sie sich hinter den lichtundurchlässigen Klappen, was eine sehr gute Idee ist und belegt, mit welcher Aufmerksamkeit zum Detail die Präsentation des Tempels geplant wurde.

Die sehr dezente Beleuchtung im düsteren Heiligtum und die gute Abschirmung vom Lärm der Einkaufspassage darüber, sorgt für eine angemessene Stimmung der Besucher und man spürt noch die Präsenz des Heiligen an diesem alten Ort.

Außerdem war es, obwohl wir an einem Samstag dort waren, nicht voll dort und man konnte sich in Ruhe hinsetzen und den Ort auf sich wirken lassen. Das multimediale Konzept mit der Mischung aus Ton, Bild, Projektion, Rauch, und dazu die dezent beleuchteten Vitrinen bietet ein rundes und gelungenes Bild, ohne aufdringlich oder reißerisch zu wirken. Empfehlenswert!

Öffnungszeiten:

Montags bis Samstags 10.00 bis 18.00 Uhr. Zusätzliche Öffnungen zu Sonderveranstaltungen wie „Museumsnacht“ oder „Einkaufsnacht“.

Eintrittspreise und sonstiges:

Der Eintritt ist frei! Eine Spende (für den gemeinnützigen Verein „Initiative Römisches Mainz„)  ist aber gerne gesehen und kommt der Erhaltung und Konservierung römischer Stätten zugute.

Das Fotografieren ist erlaubt, sollte jedoch mit einer lichtstarken Kamera ohne Blitz vorgenommen werden, da ansonsten der gelungene Effekt der Beleuchtung nicht zur Geltung kommt.

Oberhalb des Tempels befindet sich mit der Taberna Archaeologica eine Anlaufstelle für Interessierte des Römischen Mainz, die von der „Initiative Römisches Mainz“ betrieben wird. Es gibt auch einen kleinen Museumsshop, in dem einige römische Devotionalien und Repliken, sowie Bücher und Karten verkauft werden.

Führungen können in Absprache mit der Taberna unter 06131-600 749 3 vereinbart werden. Bucht man eine Führung für eine Gruppe, wird während der Zeit der Führung das Museum für die Öffentlichkeit geschlossen und man hat das Heiligtum für sich.

Die Vorstellung der Opfergaben ist hinter lichtundurchlässigen Klappen zu finden

Die Vorstellung der Opfergaben ist hinter lichtundurchlässigen Klappen zu finden

Römische Zauberpuppen

Römische Zauberpuppen

 

Auch zahlreiche andere Kleinfunde sind zu sehen

Auch zahlreiche andere Kleinfunde sind zu sehen

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